Montag, 22. Oktober 2018

Seit Wochen

warte ich auf Regen. Nicht, weil meine Felder Regen brauchen (hätte ich welche, bräuchten sie aber), sondern weil neben atemberaubend bunten Bäumen vor blauem Himmel auch das kühle, feuchte Herbstwetter auf meine innere Uhr gehört. Ich steh halt auf Jahreszeiten. Für den Herbst war es zu warm, zu trocken ist es seit Monaten, und das gefällt mir nicht.
Am Samstag dann kündigte meine Wetterapp Regen an, supi.
Ich fand es so lang supi, bis mir gegen Mittag der Fensterheber vorn links am Auto kaputt ging.
Fassen wir zusammen: Seit Monaten ist es zu trocken. Drei Tage Regen kündigen sich an, und meinem Auto fehlt eine Scheibe.
Irgendwie bezeichnend.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Zwanzig, fünfzig, hundert... uncountable

Als ich meine ersten Bücher in das neue Regal stellte, damals, kurz nach den Kartoffelkriegen, da waren es zwanzig, und ich war.so.stolz. 
Kurze Zeit später waren es fünfzig, und mit meinem Kommuniongeld stockte ich auf hundert auf. Wow, hundert Bücher. 
Für eine Neunjährige vermutlich wirklich recht viele- aber leider, leider hatte das damit noch längst kein Ende gefunden. 
Derzeit stehen bei mir fünf Regale, und die Bücher teils dreireihig. Vor einem Jahr oder so habe ich angefangen auszumisten, weil mich die unruhigen Wände, die immer unaufgeräumt aussehenden Sammlungen echt genervt haben. Selbstverständlich hat dieser fromme Ansatz mich auch nicht weiter gebracht, und die letzte, halbvolle Tasche steht immer noch in irgendeiner Ecke. 
Ebenso selbstverständlich braucht man gar nicht versuchen, die aussortierten Bücher irgendwo anders als im Altpapier unterzubringen- kein Mensch mag einem alte Bücher abnehmen, nicht mal geschenkt. Verkaufen geht schon mal gar nicht- unter meinen Exemplaren ist keine Gutenberg-Bibel.
Also wird das Wochenende mich vor meinen Regalen finden. Mit Kisten, Taschen und Körben daneben, und mit dem festen Willen, mindestens zwei Regale anschließend leer zu haben, auf das auch diese entsorgt werden können. 
Am letzten Wochenende hab ich das mit Kleidern gemacht. Sehr erfolgreich- jetzt passt alles in den Schrank, und nichts muss mehr den Kleiderständer bewohnen, der als nächstes weg kommt. 
In meinem Schlafzimmer ist jetzt ein Echo, an das ich mich noch gewöhnen muss. 
Es muss doch Ordnung in diese Bude zu kriegen sein... 



Montag, 10. September 2018

Welten, Andere

Es gibt für mich Autoren, deren Schreiben mich in ihre Welt hineinziehen. Sie sind lebendig, warm und farbig, man kann sie riechen, schmecken und man hört sie auch.
In ihnen gewinnen Kleider eine Haptik, Straßenlärm schwillt an und ab, und wenn man genau hinsieht, krabbelt da vorn eine Ameise über den Schuh.
Eine solche Autorin ist (für mich) Laurie R. King, die die Krimis der Mary-Russell-Reihe schreibt, sowie noch eine zeitgenössisch angesiedelte, deren Handlungsschwerpunkt in San Francisco liegt, außerdem einzelne Stand alones.
Natürlich gibts auch unter diesen sehr geliebten Büchern noch die Lieblingsstücke, The Folly, Oh Jerusalem, The Game und A Grave Talent. Auch auf Deutsch sehr, sehr lesenswert (Insel der flüsternden Stimmen, Oh Jerusalem, Die Farben des Todes- ich bin mir nicht sicher, ob The Game auf Deutsch erschienen ist).
Ansonsten hab ich gerade nur schwere Kost auf dem Kindle. Die dreiteilige Wilhelm II-Biografie von Röhl, und Churchills Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, massive fünf Bände. Aber zum Glück gibts die E-Book-Version. Dann sind die Verletzungen nicht so schlimm, die man davon trägt, wenn einem beim Einschlafen das Buch auf die Nase fällt.
Und ihr so?

Menschheit

Ich gehöre auch zu denen, die die Menschheit als ein komplexes Kollektivwesen betrachten, ganz unwillkürlich und vielleicht schon aus semantischen Gründen.
Heute morgen hat irgendeine Schlagzeile in irgendeiner Zeitung der passend auf mich zugeschnittenen Presseauswahl (Danke, Google und Opera, für meine Lieblingsfilterblase) sich was von "Menschheit" und "Lernen" in den Bart gebrummelt.
Ich glaube, dass da was von der Erkenntnis stand, dass die Menschheit nicht lernt.
Und so ungern ich das zugebe:
Das tut sie nicht.
Niemals.
Denn das würde bedeuten, dass Wissen in irgendeiner Weise in den Zwischenräumen zwischen dir und mir verankert würde.
Erlerntes sich an die DNA heften könnte.
Begangene Fehler und daraus gewonnene Erkenntnis in eine kollektive Cloud wanderten, auf die man qua Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens sapiens automatisch Zugriff hat.

Wie derzeit ausgezeichnet und beinahe lehrbuchhaft demonstriert, speichert die Menschheit als amorphes Dingsda genau nichts. Jede Generation fängt ganz von vorn an. Und das, was das Individuum zur Kenntnis nimmt, speichert, verarbeitet und anwendet ist genau das: Individuell. Begrenzt. Teilweise sehr begrenzt.

Wie man sieht.

Donnerstag, 6. September 2018

Donnerstag-

und wenn du den überlebt hast, wird es Freitag. Ganz bestimmt.
Der Freitag in dieser unserer Dienststelle ist nur ein halber Arbeitstag, und das schätzen wir alle. Unser neuer Chef, noch ziemlich überschwemmt von allem, was der vorherige Boss vor seinem Tod nicht mehr erledigen konnte (und was in der Zeit seiner Krankheit ohnehin liegen geblieben ist) ist im Stress, und ich hoffe für ihn, dass er schnell delegiert und nur noch die Ausicht behält. Der sitzt hier nämlich gern auch freitags noch abends um sieben. Also, "gern" ist hier ein sehr willkürlich gewählter Ausdruck. Aber es ist ihm wichtig, seine Sachen fertig zu kriegen, und ich schätze, dann stimmt "gern", denn anschließend ist es hoffentlich weg vom Tisch.

Wenn jemand, der so jung ist wie der verstorbene Chef (63), von jetzt auf gleich einfach nicht mehr da ist, nutzt die Umwelt das ja gern, um darüber zu philosophieren, was man alles tun/unterlassen/bedenken sollte bei der Organisation des eigenen Alltags.
Wir haben in den vergangenen Monaten oft gehört, dass man davon lernen sollte, sich besser zu pflegen, und all den anderen Sermon, der dann quasi zwangsläufig aus anderen Leuten herausquillt.
Aber. Aber...
bei ihm muss man sagen, er hat Zeit seines Berufslebens immer genau das getan, was er wollte. Mit dem Kopf durch die Wand, nötigenfalls. Sein politisches Interesse und sein Gewissen sowie sein wissenschaftlicher Ansatz haben ihn umgetrieben, und er hat über dreißig Jahre lang an genau diesen Themen gearbeitet, ist an neuen Erkenntnissen gewachsen und hat an seine Mission geglaubt. Er hatte Tausende von Überstunden, die ihn nicht davon abhielten, weiter zu arbeiten, sein Urlaub verfiel und bei seinem Tod hatte er praktisch zwei Jahre vorgearbeitet. Selbst sein angeschlagener Gesundheitszustand seit einigen Jahren hat ihn nicht dauerhaft von den Selbstgedrehten weg gebracht, und so- und daran- ist er dann auch gestorben. Er hat vielleicht ein kürzeres Leben geführt als er hätte führen können, aber ich glaube nicht, dass er mit einem solchen zufriedener gewesen wäre.

Und das ist nicht schlecht, oder?


Montag, 3. September 2018

Ich binne nicht tot.

Guten Morgen, beste/ Leser/in von allen- heute im Singular, denn viele dürften hier definitiv nicht mehr mitlesen, dank Zeitablauf.

(Orrr, ich hatte mein Passwort verbröselt, soviel zum Thema IT-Skills.)

Nur diese irren Schlagzeilen über den Grabbelbischof bei Aretha Franklins Beerdigung haben mich ausreichend erzürnt, um diesem Dilemma die Stirn zu bieten.

Was ist passiert?
Vermutlich haben es alle gelesen oder auch die Videos gesehen, von dem Geistlichen, der erst einen mehr als daneben geratenen Witz erzählen will, und dann seine Griffel nicht von der jungen Frau neben ihm lassen kann. Das ist übel genug, und zeugt von einer gewissen Realitätsabweichung bei ihm, er sollte die Kameras registriert haben.
Was mich aber so richtig sauer macht, sind die Schlagzeilen selbst:
Bischof entschuldigt sich.
Bischof. Entschuldigt.Sich.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen.
Bischof (Mann in Kleidern) entschuldigt (aktives Verb) sich (Reflexiv-Pronomen. Oder so.)
Es sollte gesetzlich verboten werden, das so zu formulieren. Denn selbst wenn das grammatikalisch korrekt ist, so ist es inhaltlich nicht okay.
Wenn jemand einen anderen so sichtbar belästigt und in Schreckstarre versetzt, dann hat er das Recht verloren, sich durch einen in den Bart gebrabbelten Satz (oder auch durch getwittertes Was-weiß-ich) aus der Verantwortung zu ziehen.
Liebes Publikum.
Vorgesehen ist, jemand anderen, den man geschädigt/belästigt/sonstwie beeinträchtigt hat, um Entschuldigung oder Verzeihung zu bitten. Jawohl, zu bitten.
Und es steht ausnahmslos im Ermessen der beleidigten, geschädigten, beeinträchtigten Person oder Institution, diese Entschuldigung zu akzeptieren oder zu gewähren.
Also bitte, liebe Schlagzeiler, staubt euer Deutsch ab. Denn die Formulierung "sich entschuldigen" geht echt nur, wenn jemand bei Tisch mal fix aufs Klo will.
Sonst nicht.


Montag, 9. Oktober 2017

Oha

Zwei Monate her, und der Blog gähnend leer... Aus euren Kommentaren erkenne ich, dass andere hier öfter vorbeischauen als ich.
Nun gut.
Ich war also im Urlaub.
Die erste Woche hab ich mir selbst ordentlich versaut, weil ich (und ich wage es kaum zu sagen) noch kurz vor der Abreise die fast leere Ampulle mit dem Langzeitinsulin ausgewechselt habe. Dann hab ich alles Zubehör eingepackt, und bin, unter Mitnahme der Freundin S., Richtung benachbartes Ausland aufgebrochen.
Natürlich unter Mitnahme der Plastikdose mit allerlei Diabeteszeug- Teststreifen, Ersatznadeln, Nachfüllampullen.
Und dann ging es rund:
Abends die Dosis Langzeitinsulin gegeben. Zwei Stunden später unterzuckert, und zwar kräftig. Einsatz von Notfall-Kohlehydraten. Morgens Blutzucker von > 400 mg/dl.Frühstück fällt dann aus, und der Tag zog sich hin, mit sehr schweren Beinen, extremer Müdigkeit... und einem kräftigen Unterzucker so gegen zehn. Weiteres Messen ergab stets irre hohe Werte, mit sämtlichen Begleiterscheinungen... und das ging eine Woche so weiter. Kräftige Unterzucker mit Werten von um die 40, abwechselnd mit Ergebnissen, die einem die Schädeldecke anheben.
Es hilft nicht, dass man mit sehr hohen Werten nicht mehr gut denken kann. Und es hilft auch nicht, wenn die Mitfahrerin bereits leicht angepisst ist, dass man nicht fröhlich und guter Dinge munter fürbaß schreitet. Zudem hatte die erste Nacht in der Mini-Hüpfburg, die von seiten der Vermieterin als Bett für zwei vorgesehen war, zu einer spontanen Lagerbauaktion und meiner Umsiedlung auf den Fußboden geführt. Wenn ich eins nicht leiden kann, ist das eine durchgehende Matratze. Einsvierzig breit. Für zwei, die nicht die halbe Nacht aufeinander liegen wollen.Nächte auf dem Fußboden, mit der diabetesbedingten häufigen Notwendigkeit, zum Klo zu rennen, sind aber auch nicht gut, Herrschaften. Nicht für meinen Rücken und nicht für mein Durchschlafen.
Nach einer Woche irrer Blutwerte dann hatte ich einen Geistesblitz und bin mal nachschauen gegangen- und hab dann festgestellt, dass ich in der Eile vorm Wegfahren in den Pen für das Langzeitinsulin...auch eine Ampulle Kurzzeitinsulin reingeschraubt hatte.
Das kann nicht funktionieren, und tut es auch nicht. Leider unterscheiden sich die zwei Insuline nur durch einen Farbring. Leider sind die beiden (das altbekannte Langzeit- und das relativ neu angewendete Kurzzeitinsulin) vom selben Hersteller, und passen daher auch beide in beide Pens. Leider hatte ich bis vor ein paar Wochen vom Langzeitinsulin Fertigpens, die nach Nutzung weggeworfen werden, und die man, türkis wie sie sind, nicht mit dem silbernen Pen für das Kurzzeitzeugs verwechseln kann.
Leider war ich ein nicht ganz bei der Sache seiender Vollhorst.
Nach einer Woche und zwei Tagen der wiederkehrenden Blutzuckernormalität ging es dann aufwärts.
Da konnte ich dann auch den Strand genießen (bei Temperaturen um 18 Grad um die Jahreszeit keine Selbstverständlichkeit), Amsterdam abscheulich unruhig finden und einen kontoleerenden Ausflug nach Haarlem ganz wunderbar.
Abgesehen davon war auch in der ersten Woche der Strand grandios, das Essen (low carb, dank der Freundin- wer weiß, was sonst passiert wäre...) fantastisch, der Nachbarhund ganz einfach anbetungswürdig, und ich habe es gehasst, schon wieder hier zu sein.



 Man achte auf die Zöpfe vom Hund.
Hach, Moush.


Donnerstag, 10. August 2017

Es ist August

der zehnte August, und ich hab seit Ewigkeiten nix mehr geschrieben. Es ist nicht so, dass mir nichts mehr einfiele. Nein, da ist derzeit vieles, aber es reicht nicht von der Couch bis an den Schreibtisch- diese doofen mobilen Dinger haben das Platz nehmen am Rechner (zu Hause, meine ich) zur Ausnahme gemacht.
Daher hier kurz das Wesentliche zusammengefasst:
Die Lily hat alle abgenommenen Kilos wiedergefunden und ordentlich an den Hüften und den runden Beinchen befestigt, wie sich das gehört.
Die Lily hat sich zum WS 2017/18 für einen Bachelor in Kulturwissenschaften immatrikuliert und kann prompt an der Eröffnungs- Info-Veranstaltung nicht teilnehmen wg. Urlaub. Im Ausland. Jawoll.
Die Lily hat nur noch zwei Katzen, diesmal jedoch nicht durch Seuchen- sondern durch Abgabe-Einwirkung, denn die Trudi ist viel glücklicher als Einzelkatze bei einem Einzeldosenöffner.
Die Lily doktert gerade mithilfe der örtlichen Diabetologie an ihrem Zucker herum. Bisher mit nicht so viel Erfolg.
Die Lily grüßt euch alle ganz herzlich :-)