Montag, 1. April 2019

Theresa May, Bismarck und der Dreißigjährige Krieg




Nun hat Bismarck ja vieles für das heutige Deutschland getan, ich erwähne nur den Hering und die Klatschpresse.
Was man ihm aber beim besten Willen nicht anhängen kann, ist Unsterblichkeit- mal abgesehen davon, dass es nur einen geben kann, yadda yadda yadda, gibt es tatsächlich Augenzeugenberichte von seinem Hinscheiden. Und ein Schwert war nicht dabei.
So ein kleines Konglomerat an Fakten hat jedoch offenbar auf manche Menschen keinen Einfluss. Dieses Phänomen ist bekannt, bezieht sich aber in der Regel auf spektakulärere Ereignisse als das, was man mir mit ein paar dürren Worten am Freitag präsentiert hat:

Bismarck höchstselbst hat dafür gesorgt, dass per Gesetz während des Dreißigjährigen Krieges die deutsche Sprache vereinheitlicht wurde.
Jawoll.
Und warum, fragt sich der heutzutage sprachlich Interessierte, warum ausgerechnet während des Dreißigjährigen Krieges?
Vermutlich hat er aus dem Brexit gelernt, und die Chance genutzt, dass allerlei Volk in dieser Zeit anderweitig beschäftigt war (mit Seuchen und so), um mal fix Bayern, Bremer und Berliner unter einen sprachlichen Hut zu quetschen.
Grüße auch an Dr. Who und die Tardis.

Freitag, 7. Dezember 2018

Elf Uhr

Elf Uhr am 7.12.2018. Ich bin 55 Jahre alt und werde bald 56. Kein Emoji glotzt großäugig genug, um meine Verblüffung über solche Fakten angemessen wiederzugeben. Mal abgesehen von dem bösen Satz, der mir jeden Morgen durch den Kopf schießt: Wenn du über vierzig bist, morgens aufwachst und nichts tut weh, dann bist du tot.
Aus meiner Vergangenheit weiß ich, dass ich, bei meiner zweiten Scheidung mit Mitte dreißig, das Gefühl hatte, das Leben sei nun vorbei. Das Gefühl hat mich nie verlassen- kurze vier Jahre später bin ich dann an diesem Sch...Diabetes erkrankt und in der Folge nie wirklich aus dieser Endzeitstimmung rausgekommen. Fakten sind bei solcher Voreinstellung zweitrangig- egal, was die Statistik sagt.
 Viele Dinge fange ich nicht an, wegen dieses "Das lohnt sich eh nicht"-Gefühls. Daher gibt es wenig Pläne, die mir einen Blick in eine mögliche Zukunft weisen. Ehrgeiz, Reiselust, Buchschreibepläne, Perspektiven allgemeiner und besonderer Art, diese Dinge liegen alle in einem nicht sehr leicht erreichbaren hinteren Lagerraum.
Aber ich gebe nicht auf.


Mittwoch, 24. Oktober 2018

Was man tut und wo man steht

Refrain eines Lieds von van Veen, der so weitergeht:
...wie man's wendet, wie man's dreht, eins ist klar, das Leben geht so oder so vorbei...

Das tut es, zweifelsohne. Dass ich derzeit morgens immer meinen Nachrichtenfeed anschmeiße um zu schauen, welches Stück Welt über Nacht irgendwelchen Vollpfosten in die Hände gefallen ist, erweckt Erinnerungen an die Zeit vor dem Ende des Kalten Krieges (oder war es nur ein sehr kühler Waffenstillstand?)
Mich jünger zu  fühlen ist leider nicht die Konsequenz dieses  Deja-vus.

Montag, 22. Oktober 2018

Seit Wochen

warte ich auf Regen. Nicht, weil meine Felder Regen brauchen (hätte ich welche, bräuchten sie aber), sondern weil neben atemberaubend bunten Bäumen vor blauem Himmel auch das kühle, feuchte Herbstwetter auf meine innere Uhr gehört. Ich steh halt auf Jahreszeiten. Für den Herbst war es zu warm, zu trocken ist es seit Monaten, und das gefällt mir nicht.
Am Samstag dann kündigte meine Wetterapp Regen an, supi.
Ich fand es so lang supi, bis mir gegen Mittag der Fensterheber vorn links am Auto kaputt ging.
Fassen wir zusammen: Seit Monaten ist es zu trocken. Drei Tage Regen kündigen sich an, und meinem Auto fehlt eine Scheibe.
Irgendwie bezeichnend.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Zwanzig, fünfzig, hundert... uncountable

Als ich meine ersten Bücher in das neue Regal stellte, damals, kurz nach den Kartoffelkriegen, da waren es zwanzig, und ich war.so.stolz. 
Kurze Zeit später waren es fünfzig, und mit meinem Kommuniongeld stockte ich auf hundert auf. Wow, hundert Bücher. 
Für eine Neunjährige vermutlich wirklich recht viele- aber leider, leider hatte das damit noch längst kein Ende gefunden. 
Derzeit stehen bei mir fünf Regale, und die Bücher teils dreireihig. Vor einem Jahr oder so habe ich angefangen auszumisten, weil mich die unruhigen Wände, die immer unaufgeräumt aussehenden Sammlungen echt genervt haben. Selbstverständlich hat dieser fromme Ansatz mich auch nicht weiter gebracht, und die letzte, halbvolle Tasche steht immer noch in irgendeiner Ecke. 
Ebenso selbstverständlich braucht man gar nicht versuchen, die aussortierten Bücher irgendwo anders als im Altpapier unterzubringen- kein Mensch mag einem alte Bücher abnehmen, nicht mal geschenkt. Verkaufen geht schon mal gar nicht- unter meinen Exemplaren ist keine Gutenberg-Bibel.
Also wird das Wochenende mich vor meinen Regalen finden. Mit Kisten, Taschen und Körben daneben, und mit dem festen Willen, mindestens zwei Regale anschließend leer zu haben, auf das auch diese entsorgt werden können. 
Am letzten Wochenende hab ich das mit Kleidern gemacht. Sehr erfolgreich- jetzt passt alles in den Schrank, und nichts muss mehr den Kleiderständer bewohnen, der als nächstes weg kommt. 
In meinem Schlafzimmer ist jetzt ein Echo, an das ich mich noch gewöhnen muss. 
Es muss doch Ordnung in diese Bude zu kriegen sein... 



Montag, 10. September 2018

Welten, Andere

Es gibt für mich Autoren, deren Schreiben mich in ihre Welt hineinziehen. Sie sind lebendig, warm und farbig, man kann sie riechen, schmecken und man hört sie auch.
In ihnen gewinnen Kleider eine Haptik, Straßenlärm schwillt an und ab, und wenn man genau hinsieht, krabbelt da vorn eine Ameise über den Schuh.
Eine solche Autorin ist (für mich) Laurie R. King, die die Krimis der Mary-Russell-Reihe schreibt, sowie noch eine zeitgenössisch angesiedelte, deren Handlungsschwerpunkt in San Francisco liegt, außerdem einzelne Stand alones.
Natürlich gibts auch unter diesen sehr geliebten Büchern noch die Lieblingsstücke, The Folly, Oh Jerusalem, The Game und A Grave Talent. Auch auf Deutsch sehr, sehr lesenswert (Insel der flüsternden Stimmen, Oh Jerusalem, Die Farben des Todes- ich bin mir nicht sicher, ob The Game auf Deutsch erschienen ist).
Ansonsten hab ich gerade nur schwere Kost auf dem Kindle. Die dreiteilige Wilhelm II-Biografie von Röhl, und Churchills Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, massive fünf Bände. Aber zum Glück gibts die E-Book-Version. Dann sind die Verletzungen nicht so schlimm, die man davon trägt, wenn einem beim Einschlafen das Buch auf die Nase fällt.
Und ihr so?

Menschheit

Ich gehöre auch zu denen, die die Menschheit als ein komplexes Kollektivwesen betrachten, ganz unwillkürlich und vielleicht schon aus semantischen Gründen.
Heute morgen hat irgendeine Schlagzeile in irgendeiner Zeitung der passend auf mich zugeschnittenen Presseauswahl (Danke, Google und Opera, für meine Lieblingsfilterblase) sich was von "Menschheit" und "Lernen" in den Bart gebrummelt.
Ich glaube, dass da was von der Erkenntnis stand, dass die Menschheit nicht lernt.
Und so ungern ich das zugebe:
Das tut sie nicht.
Niemals.
Denn das würde bedeuten, dass Wissen in irgendeiner Weise in den Zwischenräumen zwischen dir und mir verankert würde.
Erlerntes sich an die DNA heften könnte.
Begangene Fehler und daraus gewonnene Erkenntnis in eine kollektive Cloud wanderten, auf die man qua Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens sapiens automatisch Zugriff hat.

Wie derzeit ausgezeichnet und beinahe lehrbuchhaft demonstriert, speichert die Menschheit als amorphes Dingsda genau nichts. Jede Generation fängt ganz von vorn an. Und das, was das Individuum zur Kenntnis nimmt, speichert, verarbeitet und anwendet ist genau das: Individuell. Begrenzt. Teilweise sehr begrenzt.

Wie man sieht.

Donnerstag, 6. September 2018

Donnerstag-

und wenn du den überlebt hast, wird es Freitag. Ganz bestimmt.
Der Freitag in dieser unserer Dienststelle ist nur ein halber Arbeitstag, und das schätzen wir alle. Unser neuer Chef, noch ziemlich überschwemmt von allem, was der vorherige Boss vor seinem Tod nicht mehr erledigen konnte (und was in der Zeit seiner Krankheit ohnehin liegen geblieben ist) ist im Stress, und ich hoffe für ihn, dass er schnell delegiert und nur noch die Ausicht behält. Der sitzt hier nämlich gern auch freitags noch abends um sieben. Also, "gern" ist hier ein sehr willkürlich gewählter Ausdruck. Aber es ist ihm wichtig, seine Sachen fertig zu kriegen, und ich schätze, dann stimmt "gern", denn anschließend ist es hoffentlich weg vom Tisch.

Wenn jemand, der so jung ist wie der verstorbene Chef (63), von jetzt auf gleich einfach nicht mehr da ist, nutzt die Umwelt das ja gern, um darüber zu philosophieren, was man alles tun/unterlassen/bedenken sollte bei der Organisation des eigenen Alltags.
Wir haben in den vergangenen Monaten oft gehört, dass man davon lernen sollte, sich besser zu pflegen, und all den anderen Sermon, der dann quasi zwangsläufig aus anderen Leuten herausquillt.
Aber. Aber...
bei ihm muss man sagen, er hat Zeit seines Berufslebens immer genau das getan, was er wollte. Mit dem Kopf durch die Wand, nötigenfalls. Sein politisches Interesse und sein Gewissen sowie sein wissenschaftlicher Ansatz haben ihn umgetrieben, und er hat über dreißig Jahre lang an genau diesen Themen gearbeitet, ist an neuen Erkenntnissen gewachsen und hat an seine Mission geglaubt. Er hatte Tausende von Überstunden, die ihn nicht davon abhielten, weiter zu arbeiten, sein Urlaub verfiel und bei seinem Tod hatte er praktisch zwei Jahre vorgearbeitet. Selbst sein angeschlagener Gesundheitszustand seit einigen Jahren hat ihn nicht dauerhaft von den Selbstgedrehten weg gebracht, und so- und daran- ist er dann auch gestorben. Er hat vielleicht ein kürzeres Leben geführt als er hätte führen können, aber ich glaube nicht, dass er mit einem solchen zufriedener gewesen wäre.

Und das ist nicht schlecht, oder?