Mittwoch, 18. September 2019

Einzelner Wunsch einer einzelnen Leserin

Ich soll mehr schreiben, hat sie gesagt, und da sag ich doch nicht nein. Wenn mich auch Zweifel überkommen, schau ich mir die Blogosphere so an- allerlei Designblogs, Politblogs, Leute-mit-einem-Ziel-Blogs. Da sticht der meine raus wie ein entzündeter Daumen in einem Heer von manikürten Fingern.
Bin also zurück, zielverwirrt aber methodensicher wie immer.
Es gibt nicht viel Neues zu berichten an der Lilyfront, weil sich nichts tut. Die Gesundheit wird stetig mieser, ohne Grund für tiefgreifendere Verzweiflung außer der Frage, ob das jetzt ungebremst so weiter geht oder sich irgendwann einfach tot läuft. Ha. Wortspiel, unbeabsichtigt.
Negativ ist:
-Mein Amazonaccount wurde gehackt, und ich bin auch noch ein bisschen selbst schuld, wg. Passwortschlichtheit.
-Die Arbeit wird nicht weniger, was unter anderem den deprimierenden Nachrichten über die Strömungen der Innenpolitik und den außer Landes sich abspielenden Entwicklungen zu verdanken ist. Da ich Lebenszeitbeamtin bin, kann ich über den arbeitsplatzerhaltenden Nutzen des letzten Satzes mal locker hinweg sehen und sagen: Ich wäre sehr glücklich, wäre meine Arbeit künftig überflüssig.
-Das britische politische Geschehen verleiht der alten Floskel vom schwarzen britischen Humor einen fiesen Beigeschmack
-Wegen des gehackten Amazonaccounts kann ich nicht an meine fast 700 Bücher in der Cloud des Kindle
-Lese daher gerade diverse alte Agatha Christies, die mich immer wieder ob ihres nonchalanten, gegen Gruppen gerichteten negativen Kommentarverhaltens erschüttert- sprich, für ihr sexistisches und rassistisches Weltbild würde man sie heute mehrfach um den Block jagen, und das mit Recht.
Und der Sexismus ist ganz besonders wüst. Frauen sind da entweder machtgeile Monster, oder hübsche Dummchen oder ambitioniert-törichte Blaustrümpfe, die spätestens auf Seite 170 dann doch wieder einen Retter benötigen. Irgendeine ironische Distanz zu diesen Vorstellungen kann ich nicht entdecken.
Warum ich sie trotzdem lese? Ich brauche was, was mich einschläfert abends, am besten weil ich es schon kenne (und liebe?) und bei dessen Lektüre mich keine spannungsvollen Überraschungen erwarten. Sonst les ich dafür Biografien, aber die Dinger pflegen in Papierform sehr schwer zu sein und nicht leicht im Bett lesbar. Zum Beispiel John C.G. Röhls fantastisch recherchierte Biografie Wilhelms des II. 4500 Seiten. In drei Bänden. Danach kennt man vielleicht nicht seine Schuhgröße, aber sonst alles.
Trotzdem werd ich zu Dorothy Sayers wechseln, vielleicht auch zu Dorothy Dunnett.  Obwohl letztere zu anspruchvoll sind, um sie im Halbschlaf zu lesen. Und das ist doof ohne Kindle. Die Wörterbuchverbindung dabei sind einfach nur toll,  ebenso wie der schnelle Zugriff auf Wikipedia oder das Netz allgemein, wenn man mal was nachschlagen will. Ich tippe auch bei meinen Uraltbüchern gern mal vergeblich auf den Seiten herum und wundere mich, wo der Auszug aus dem Oxford bleibt.
-Ansonsten hab ich seit gestern eine Bindehautentzündung. Nicht cool.
Positiv:
Der Herbst kommt. Beim Discounter gibt es Feinbiberbettwäsche und Fleece-Socken.
Und Spekulatius :-)
Lasst es euch gut gehen.





Freitag, 12. Juli 2019

Let's talk about it

Momentan offenbar komplett unumgänglich für alle, die fürs Schreiben bezahlt werden: Merkels gesundheitliche Auffälligkeit, respektive das sie schüttelnde Zittern.

Meine grundsätzliche Meinung ist dazu: Es geht euch einfach nichts an. Kommt wieder runter. Die Frau ist Mitte sechzig, also raus aus der körperlichen Jugendfrische, und das kann/darf/sollte man auch sehen, denn es ist Augenwischerei, etwas anderes zu erwarten.

Auch steht sie unter hohem Druck, der sich sicherlich auch in physiologischen Gesichtspunkten auswirkt.
Alles gut, also.

Andererseits:
Was macht die Menschen so kirre daran? Warum haben offenbar alle den Eindruck, die Spekulation sei freigegeben, Ende der Schonzeit, sofern Frau Merkel  je eine hatte?
Und warum ist das alles offenbar so nachrichtenwürdig, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen, in Grün?

Krankheiten darf jeder haben, da besteht sicherlich ein Konsens. Aber darf die Umwelt sie bemerken?

Ich schätze, dass die momentane Konfusion auf dieser Frage beruht.

Die gleichen Presseorgane, die im einen Artikel munter krähen, dass es niemanden was angehe, wenn.., schreiben im nächsten schon über die Verpflichtung von Politikern, ihre Gesundheit und medizinisch ermittelten Werte allgemein zugänglich zu machen.
Und das, meine Lieben, das geht gar nicht.
Gesundheit gehört, wie Kontostand und bevorzugte Sexposition, zu den Dingen, die ein jeder schön für sich behalten darf. Kein Arzt sollte sich bemüßigt fühlen, Details ans Licht zu tragen, oder sich auch nur an dieser widerlichen Spekuliererei zu beteiligen. Das ist nicht seine Aufgabe.
Patienten behandeln, Arztgeheimnis wahren, fertig.

Aber woran kann jetzt der besorgte Bürger (und die hämisch lauernde Konkurrenz auf dem Politikparkett) bemerken, dass der einst geliebte König/Präsident/Große Vorsitzende von tobendem Irrsinn besessen ist? Woher wissen wir, dass uns das gewählte Staatsoberhaupt nicht alle mit Ohrgeruch und Lungenfäule ansteckt?

Natürlich wissen wir das nicht. Aber das muss ein Staatsgebilde aushalten.
 In einer Demokratie herrscht nie einer allein. Auch Frau Merkel nicht. (Insofern stimmt auch die Allegorie mit des Königs zwei Körpern nicht- Die Existenz dieses Staates ist nicht an das körperliche Wohlbefinden eines Souveräns geknüpft. )
Angela Merkel hat eine Umgebung, bei der wir alle drauf vertrauen müssen, dass diese sich darum kümmert, sie im Notfall auch zu bremsen oder aus dem Verkehr zu ziehen. Im Notfall. End of story.

Allerdings- und das ist ein lautes Allerdings- finde ich, dass es Zeit wird, dass über manche Dinge weniger geschwiegen wird.
Dazu gehören Erkrankungen wie Depressionen, Krebs, Süchte... chronische Kranheiten im Allgemeinen.
Damit die, die sie haben, wissen, dass sie nicht allein sind. Offenheit und das Darüber-Reden hilft sehr, wie jeder weiß, der schon mal in einer Selbsthilfegruppe war.
Es gehört sich, offen darüber zu reden, was Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung leisten können.
Was sie nicht können, scheint irgendwie jeder zu wissen.
Es gehört sich, darüber zu sprechen, was Krankheiten mit uns machen, wie wir mit ihnen umgehen, wie man diesen Umgang verbessern kann.
Wie man lernen kann, auf sich und seinen Körper und seine Seele Rücksicht zu nehmen, ohne sich zu verpimpeln. Wie man Strategien für Erholung und Erneuerung findet.
Zu wissen, dass jemand, der zB Diabetes hat, als Sportlerin, Politiker, Wissenschaftlerin, Künstler Höchstleistungen erbringt, hilft denen, die am Anfang der Erkrankung stehen, und mutlos zu werden drohen.
Und es müssen auch noch nicht mal immer die Höchstleistungen sein, ein ganz normales, erfülltes, halbwegs zufriedenes Leben zu führen reicht da schon aus.
Die Demographie zeigt derzeit, dass wir alle älter werden, und zwangsläufig auch alle kränker. Da wird es Zeit, eine solche Offenheit zu etablieren.
Freiwillig.

Dienstag, 9. Juli 2019

Allerlei und Kryptonit

Es gibt Dinge, zu denen komme ich wie die sprichwörtliche Jungfrau zum ebenso sprichwörtlichen Kind, obwohl das ja funktionieren soll. Also das mit der Jungfrau.
Wie soll ich das jetzt sagen?
Ich bin jetzt Mitglied.
In einem Verein.
In einem Fußballverein.
Bezirksliga.
Vom ersten mitgeschauten Heimspiel (welche Farben haben "Unsere" noch mal...?) habe ich einen Sonnenbrand zurückbehalten, ein paar Rückenschmerzen vom Herumstehen, und die Erkenntnis, dass es in der oben genannten Spielklasse keine Zeitlupen gibt. Und keinen Videobeweis.
Ansonsten bin ich selbstverständlich ein dummes Schaf.
Da ich unfallfrei mit einer Textverarbeitung umgehen kann, habe ich sofort auch einen Job erhalten, nämlich den der Schriftführung. Das ist der Job, den nie einer haben will. Der, in den man auch gewählt wird, wenn man keine Ahnung hat von dem, was man da protokolliert.
Zu sowas bringt mich ein Mann, den ich aus Gründen der Anonymität mal hier und jetzt als mein Kryptonit bezeichnen will.
Solche Männer hat es nicht oft in meinem Leben gegeben (vielleicht waren sie auch nur nicht hoch genug konzentriert).
Aber Jungfrau hin, Kind her- zum Glück ist es nur eine Schriftführung, keine späte Schwangerschaft.
Und das ist doch schon mal was.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Sommer

...ist über uns hereingebrochen. Letzte Woche habe ich noch das Motto vertreten, dass man im Sommer stricken müsse, um im Winter nicht zu frieren, bin aber derzeit einige Meter von Wolle entfernt. Das ändert sich bestimmt schon bald, weil das meiste auf den Nadeln für andere Leute ist, und die lass ich nur ungern warten,. Es sind auch Babysachen dabei, und die wachsen bekanntlich schnell. Noch ein Grund, munter fürbaß zu schreiten.
Trotzdem schwitzen ich und die Restkatzen ziemlich, wobei man letzteren nicht mal mit einer kühlen Dusche wirklich eine Freude machen kann. Gretchen sieht sehr unglücklich aus im Moment, sie hat auch wieder eine Fass-mich-bloß-nicht-an-Phase. In denen filzt sie heimlich nachts an ihrem Fell herum, und lässt sich dann nicht kämmen. Ziept wahrscheinlich ziemlich. Nach ein paar Tagen fallen ihr die Filzböllerchen von allein aus dem Fell, daher werd ich jetzt lieber nicht hysterisch. Das hilft nämlich so gar nicht.
 Außerdem bin ich ihr zulange im Büro, was ich daran erkenne, dass die Dame auf die Couch pieselt. Besonders ärgerlich, da die Couch noch keine zwei Jahre alt ist. Aber sie tut sowas wirklich nur, wenn meine Arbeitszeiten 10 Stunden am Tag überschreiten, was zum Glück nicht jeden Tag vorkommt.

fig.1: What becomes of a broken heart?
Lasst es euch gut ergehen!

Lily

Montag, 1. April 2019

Theresa May, Bismarck und der Dreißigjährige Krieg




Nun hat Bismarck ja vieles für das heutige Deutschland getan, ich erwähne nur den Hering und die Klatschpresse.
Was man ihm aber beim besten Willen nicht anhängen kann, ist Unsterblichkeit- mal abgesehen davon, dass es nur einen geben kann, yadda yadda yadda, gibt es tatsächlich Augenzeugenberichte von seinem Hinscheiden. Und ein Schwert war nicht dabei.
So ein kleines Konglomerat an Fakten hat jedoch offenbar auf manche Menschen keinen Einfluss. Dieses Phänomen ist bekannt, bezieht sich aber in der Regel auf spektakulärere Ereignisse als das, was man mir mit ein paar dürren Worten am Freitag präsentiert hat:

Bismarck höchstselbst hat dafür gesorgt, dass per Gesetz während des Dreißigjährigen Krieges die deutsche Sprache vereinheitlicht wurde.
Jawoll.
Und warum, fragt sich der heutzutage sprachlich Interessierte, warum ausgerechnet während des Dreißigjährigen Krieges?
Vermutlich hat er aus dem Brexit gelernt, und die Chance genutzt, dass allerlei Volk in dieser Zeit anderweitig beschäftigt war (mit Seuchen und so), um mal fix Bayern, Bremer und Berliner unter einen sprachlichen Hut zu quetschen.
Grüße auch an Dr. Who und die Tardis.