Freitag, 25. November 2011

Kindheit (Teil 4324,5)




In letzter Zeit überfallen mich ungewohnt nostalgische Gefühle, wie man auch schon an dem Pösiealbumpost erkennen konnte. Diesmal geht’s um Musik- denn seit gestern plagt mich der gemeine Ohrwurm, in Gestalt des Fräreschacke.

Fräreschacke, Fräreschacke
Dommiwu? Dommiwu?
Sonni lematine, sonni lematine*
Dingding dong, dingding dong.

*„Lematine“ ist eine eng mit der Clementine verwandte Südfrucht, die vor allem in Kinderzimmern gern gegessen wurde, als ich noch klein war. Wenn sie besonders reif und saftvoll war, nannte man sie „Sonni lematine“, woraus man die Süße (schon rein von den Phonemen her) erahnen konnte.

Was vollkommen anderes spiegelt sich in dem Lied von der Kinderarbeit:

Schickt mich die Mutter die Hühner zu weiden
Nehm ich die Rute und treib sie hinaus
Dort wo das Korn steht auf sonniger Heiden
Scharren die Hühner und ich ruh mich aus

Doch, oh weh, jetzt sinds nur noch sieben
Wo ist denn das Achte geblieben
Nun darf ich nimmer nach Hause mich wagen
Nun darf ich nimmer nach Hause zurück.

Über den Graben da ist es entwichen
Läuft bis zur Wiese und läuft bis zum Teich
Da kommt der Fuchs aus dem Walde geschlichen
Packt sich das Huhn und verschlingt es sogleich

Vier Zeilen Text vergessen und dann geht’s weiter mit tätiger Reue:

Nun muss ich Körner zur Mühle hin tragen
Bring einen Sack voller Mehl dann nach Haus
Und zu der Mutter, da werde ich sagen
Koch eine süße Suppe daraus

Sind wir beide dann satt gegessen
Hat auch die Mutter das Hühnchen vergessen
Dann darf ich wieder nach Hause mich wagen
Dann darf ich wieder nach Hause zurück…

Das spricht für sich, finde ich. Kein Pardon mit dem Kind, dem das Huhn abhanden gekommen ist- aber im Unterschied zu damals wird keine heutige Mutter sich wegen eines verbummelten („Vom Fuchs gefressen!!“) Handys nur mit einem Burger ruhig stellen lassen. Da muss mindestens noch ein Shake dazu, und vielleicht zum Nachtisch ein Eis. Dann darf das Kind auch wieder seine Füße auf den Tisch legen.

Genug der Kritik des Hier und Jetzt.
Es ist Freitag, und das soll uns Belohnung genug sein  :-)

Einen schönen Start ins Wochenende

vonne Lily

Kommentare:

Falcon hat gesagt…

Hm, den ersten Song könnte ich auch heute noch blind mitsummen, aber der zweite ist mir doch vollkommen unbekannt.
Sollte unser Kind mal sein Handy verlieren (möglicherweise, weil sie auf meines spekuliert), wäre ich aber auch zugegebenermaßen eher mit einem Doppelwhopper als mit einer süßen, aus Mehl zusammengerührten Suppe zu beruhigen.

karfunkel86 hat gesagt…

Heitzutage würde sich wahrscheinlich die wenigsten Kinder/Jugendlichen Gedanken machen, wie sie ihre Mutter wegen eines verbummelten handys besänftigen könnten. Da wird nur wegen dem eigenen Verlust (des eigenen Verlustes???) geheult.

Paula hat gesagt…

Heutzutage ist mir eindeutig lieber als damals. Schlimm, diese Angst und diese Armut.

Dieses Lied sang meine Mutter manchmal und brachte uns damit jedes Mal zum Weinen:

"Alle Tage ist kein Sonntag
Alle Tag gibts keinen Wein.
Aber du sollst alle Tage
Recht lieb zu mir sein.
Und wenn ich einst tot bin
sollst du denken an mich.
Auch am Abend eh du einschläfst,
Aber weinen darfst du nicht."

Das fand ich grausam und mir läuft heute noch ein kalter Schauer über den Rücken...

Britta hat gesagt…

Meine Mutter sang auch viel. Besonders eindrucksvoll fand ich dies:

Zum Tanze, da geht ein Mädel mit güldenem Band,
Das schlingt sie dem Burschen ganz fest um die Hand.

Mein herzallerliebstes Mädel, so laß mich doch los;
Ich lauf dir gewißlich auch so nicht davon.

Kaum löset die schöne Jungfer das güldene Band,
Da war in den Wald schon der Bursche gerannt.

Drum haltet die Burschen so fest wie es geht;
Sie nehmen sonst Reißaus eh' ihr euch's verseht.

... Ein früh gesprossener Keim gesunden Mißtrauens Kerlen gegenüber! *lacht*

(Captcha "Bache"?? Also ehrlich - ich bin doch keine Wildsau!) *g*