Sonntag, 11. August 2013

I am it Suffer, Part 2


Wieder ein Post aus der Reihe „Lily gegen das Schicksal“. Diesmal geht es um Fahrzeuge, jeglicher Art.
Wie ihr alle wisst, bin ich im Besitz der silbernen Fee, auch Mimi-Nö genannt (von dem Geräusch, das sie macht, wenn sie mal wieder nicht anspringt - „ Mimimimimi - nö! Mimimimimi - nö!“)
Sie ist ein sensibles kleines Wesen, nicht mehr die Allerknackigste (immerhin 22), und außerdem geht es ihr beschissen, steht sie doch während meiner Bürozeit auf einem Parkplatz unter einem Baum, der von allerlei Fluggetier bewohnt ist. Im Frühling lag die Vogelsch... beinahe daumendick auf dem Heckfenster. Ich sag ja nur.

Im Januar schickte ich sie zu einem Sprachkurs, damit sie sich das „Nö“ am Ende ihrer Startsequenz abgewöhnt. Damals hatte ich die Befürchtung, dass sie bald in die ewigen Jagdgründe eingeht. Ihre Sprachtherapeuten versicherten mir jedoch, dass sie noch längst nicht auf dem letzten Loch pfeift, und so schritt ich frohgemut dahin, rollte in das Frühjahr und bewunderte hinfort die Darmtätigkeit der heimischen Fauna.

Kurze Zeit später, die Temperaturen pendelten sich so langsam im Plusbereich ein, zeigte sie eine neue Störung. Immer dann, wenn die Drehzahl sich dem Leerlauf näherte, ging sie mir aus.
Zu Anfang war es nicht „immer“, sondern eher am Ende meiner morgendlichen Tour. Das hatten wir dann so gut getimt, dass ich auf die Ampel vor dem Büro zufahren konnte, sie ging aus und ich hab sie mit abgestelltem Motor bis auf den Stellplatz rollen lassen können.

Je wärmer es wurde, desto ärgerlicher gestaltete sich die Fahrt in der Guten. Niedrige Drehzahlen? Nicht mit ihr. Was dazu führte, dass ich an jeder Ampel mit dem Gas spielte oder so tat, als hätte ich eins der neumodischen Autos mit Start/Stopp-Automatik. Nur mit dem Starten, das hatte sie nicht immer so schnell raus. Liegengeblieben sind wir nie, aber einmal hat uns eine Schar Radfahrer angeklingelt, weil wir nicht schnell genug los fuhren.

Als es so langsam wirklich nervig wurde, schaltete ich einen Sachverständigen ein. Also eher so eine Art Schrauber, denn eine Fachwerkstatt hätte sich wahrscheinlich schlapp gelacht. Zudem hatte ich keinen Bock auf die „Das lohnt sich nicht“-Diskussion. Der Schrauber sprach die gefürchteten Worte „Keine Ahnung, woran das liegt. Da muss ich suchen“. In Werkstattsprache heißt das: Kratz schon mal die Kohle zusammen, das kostet mehr als Ersatzteile und Einbau. Viel mehr. Suchen= Stunden = teuer.

Ich bat mir ein bisschen Sparzeit aus, und wir vertagten uns für ein paar Wochen bis zum Monatsende.

Dann, es wurde schnell immer ätzender, entwickelte sich ein ominöses Klappern. Der Keilriemen kreischte. Der Schrauber fuhr in den Urlaub für vier Wochen.
Als er sich dann endlich zurück gemeldet hatte, machten wir einen Termin. Der Wagen wurde bei ihm abgestellt, und er schritt frohgemut zu Werke...

...und das ist jetzt drei Wochen her. Er behauptet, dass er immer noch auf Ersatzteile wartet, von denen ich inzwischen befürchte, dass sie von den berühmten einäugigen tibetanischen Bettelmönchen zu Fuß über die historische Seifenstraße geliefert werden (nein, ich meine nicht die Seidenstraße. Die ist ja gut dokumentiert. Die Seifenstraße kennt kein Mensch, und die Bettelmönche verlaufen sich ständig, daher die Lieferzeiten). Zudem fehlt dem Schrauber eine Public-Relations-Abteilung, die mir von Zeit zu Zeit eine sms schickt, um mich auf dem Laufenden zu halten. Es ist wie im Krankenhaus. Man schleppt ständig Obst und Blumen und Zeitungen als Opfergaben für die Götter hin, und nie sind die Damen und Herren in den weißen Kitteln zu sprechen.
Situationsbewertung: Rote Alarmstufe, was meinen Blutdruck betrifft.

Aber, so sagt ihr, liebe Lily- fahr doch mit dem Bus! Öffentlich! Nah! Verkehr!
Nix da. Das unerforschliche Schicksal hat dieses Jahr dazu ausersehen, die komplett marode Straße, an der ich wohne, dem Tiefbauamt zu übergeben, und die haben sie gesperrt. Im oberen Teil, da wo man Schnellkochtöpfe in den Schlaglöchern aufbewahren kann, ist eine Baustelle, die laut Ankündigung bis Ende November dort sein wird. Wie man weiß, dauert sowas immer länger als geplant- und für diese Zeit hat man mal kurz den Busverkehr eingestellt. Man kommt hier nur noch weg, wenn man vorher eine halbe Stunde zu Fuß bis zur nächsten noch angefahrenen Haltestelle läuft. Von da aus braucht der Bus 20 Minuten bis zum Busbahnhof, und dann müsste ich noch mal 15 Minuten laufen bis zum Büro.

Aber der liebe Gott hat Kollegen wachsen lassen, die ein Stück weiter die Straße hoch wohnen und ein paar Häuser weg von meinem Büro ihren Arbeitsplatz haben. Die gesegnete, geduldige, liebenswerte Brigitte aus dem Rathaus fährt hier jeden Morgen vorbei. Und wenn ich um halb sieben vor dem Haus stehe, hält sie an, lädt mich ein und lässt mich an meinem Amt wieder raus.
Natürlich fährt sie nicht nach Kirchhellen hinaus, wo ich in der letzten Woche den Sprachkurs hatte- das hab ich mit einer Mischung aus Taxi und Bus gelöst. Und es war teuer, aber machbar. Zudem war in der Woche mein lieber Bruder hier, der mich einige Tage lang nachmittags eingefangen und heimgebracht hat, so dass ich nur einen Teil der Strecke bei den tropischen Temperaturen Bus fahren musste.

In dieser Woche jedoch, nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz, sollte alles wieder takko sein. Oder? Nein, ist es nicht... meine Brigitte ist krank. Definitiv keine gute Idee wäre es, jeden Morgen mit dem Taxi zu fahren. Die Eine-Stunde-Unterwegs-Option mit dem Bus geht mir auch auf den Nerv. Daher musste ein andere Lösung her.

Die hat zwei Räder und heißt Fahrrad, und ist bei den gesunkenen Temperaturen auch für mich machbar. Ich hatte, vielleicht verständlicherweise, Hemmungen, als komplett untrainierte Person bei über 40 ° in der Sonne loszustrampeln. Hauptproblem ist der Diabetes, der übel und unvorhersehbar auf ungewohnte Bewegung reagiert.
Leider ist das Fahrrad platt. Erst war nur etwas zu wenig Luft drauf, dann hab ich versucht, es aufzupumpen. Jetzt ist es komplett platt. Und hat ein Autoreifen-Ventil. Ich dagegen habe eine Pumpe, die so ein Ventil aufpumpen könnte, wenn sie nicht so billig wäre. Überall pfeift die Luft durch, nur das Ventil kriegt nix davon ab.

Also hab ich mich gestern auf den Weg gemacht zum nächsten Fahrradladen, der nur eine halbe Stunde zu Fuß entfernt liegt. Dort wollte ich eine Standpumpe kaufen, die mit einem Adapter für Autoventile versehen ist- ham se abba nich! Also nicht für unter hundert Euro (= Taxikosten für eine Woche). Kriegense abba nächste Woche wieder rein! Alles takko...
Ich hab dann eine normale Pumpe gekauft, mit dem Adapter für die Ventile. Die ist so winzig, die passt in euer Handtäschchen, jawoll. 13 Zentimeter lang ist sie – und sieht sehr stylisch aus. Sie pumpt auch ganz ordentlich... nein, sie würde pumpen, wenn ich genug Kraft in den Armen hätte. Das ist nicht der Fall. Ich hab eine halbe Stunde gepumpt, bis mir bald der Arm abfiel, und hab gerade genug Luft reingekriegt, dass die Felge nicht mehr den Boden berührt.
Ich schwöre: Hätte jemand mich schräg angequatscht, als ich da pumpte, hätte ich ihn erschlagen, kalten Herzens.

Was hab ich dann gemacht? Ich hab mein anderes Fahrrad genommen, das 15 Jahre alte Drahteselchen, mit der 5-Gang-Nabenschaltung, und hab das 32-Gang-Leichtmetallmonster da stehen lassen, wo es hin fiel. Auch das alte Möhrchen war platt, hat aber Sclaverandventile, die selbst ich überwinden kann. So konnte ich wenigstens einkaufen fahren, was mich sonst eine weitere Stunde zu Fuß gekostet hätte, plus Schleppen. Katzenfutter ist ganz schön schwer.

Und obwohl das Möhrchen so alt ist, hat es mich gestern wieder erfreut. Auch, weil es so bequem ist. Das andere Rad ist empfindlich, hat einen relativ hohen Schwerpunkt und neigt durch die schmalen Reifen dazu, in Rillen zu landen. Das irritiert, weil man nie ganz sicher ist, ob man die Kurve dann trotzdem kriegt. Dieses Rad ist auch nicht ganz neu, aber technisch besser ausgestattet als das alte - ich hab es für kleine Mark gebraucht gekauft, nachdem man mir kurz hintereinander zwei wirklich gute Räder geklaut hatte. Leider war es ein Fehlkauf, weil ich mich drauf nicht so richtig sicher fühle. Der Besuch im Fahrradladen hat dann wieder Bedürfnisse geweckt, muss ich sagen. In dem Laden haben sie wirklich tolle Dinger, High-Tech-Teile, die so außerirdisch wirken, dass man kaum glauben kann, dass es Fahrräder sind. Aber auch welche, die sehr handfest und tauglich und bequem aussehen.

Bis ich im Lotto gewinne, hab ich aber nur eine Investition getätigt... Einen Kompressor hab ich mir gekauft, zum Anschluss am Zigarettenanzünder. Und falls das Auto nicht bald wieder da ist, oder irgendwo fern der Garage liegen bleibt, auch noch einen Adapter für den Netzbetrieb. Und Anschlussstücke für das Aufblasen von Fahrradreifen, jeglicher Ventilart.

Und in einer halben Stunde kriegt mein Autoschrauber die obligatorische Sonntags-Sms.

Drückt mal die Daumen, dass meine Brigitte am Montag wieder ganz gesund ist. 

Fig. 1: Die Lily, ohne die Mimi-Nö.
 


Kommentare:

Georg hat gesagt…

Drück!

Lily hat gesagt…

Dank!

Frau Vau hat gesagt…

Ich drücke die Daumen, dass das Auto bald wieder gesund ist!

Falcon hat gesagt…

Wie wäre es denn mit so einer Kolbenfußluftpumpe (http://www.amazon.de/Unitec-10927-Fu%C3%9Fluftpumpe-1-Zylinder/dp/B001DI9RUM/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1376288751&sr=8-2&keywords=fu%C3%9Fluftpumpe+auto) - gibt es überall für wenig Geld zu kaufen und hat genau jenen Ventilanschluss, den mittlerweile auch immer mehr Fahrräder (warum auch immer) haben.
Und das Pumpen via Bein ist wesentlich entspannter als die Armvariante.

Lily hat gesagt…

@Frau Vau: Danke fürs Drücken- sieht so aus, als hätte ich es spätestens Mittwoch zurück (hüpf!)
@Falcon: Jetzt hab ich diesen Kompressor schon gekauft... Ich schätze, die Ventile sind deshalb so, weil die einen erheblich höheren Druck aushalten. Heutzutage gibt es ja Räder, die echt stramm aufgeblasen sind.

Meise hat gesagt…

Ui, auch ich drück die Daumen für die Mimi-Nö.

Ich habe ja vor Jahren tatsächlich mal in so eine Standpumpe investiert. Hat mich damals zwar nicht 100 Öcken gekostet, lag aber auch nicht soo viel darunter.
Und ich bin froh(!), dass ich sie habe, denn ich hatte vorher auch ein paar der "normalen" Luftpumpen, die entweder schnell ihren Geist aufgaben (wie bei dir: Luft überall, nur nicht im Reifen) oder sich eher zur Körperertüchtigung eigneten als zum Reifenaufpumpen.
Aber ich gratuliere mal hütchenziehend zum Kompressor!
Darauf muss man auch erstmal kommen!! :D

Lily hat gesagt…

Liebe Meise, diese Luftpumperei hat mich schon als Kind ohne Ende genervt. Damals gab es nur diese Ventile mit den Gummi-Mäntelchen drumherum, die hab ich so gar nicht geliebt. Da haben mir die Sclaverandventile später schon wirklich geholfen. Endlich Luft auf dem Reifen ohne vorherigen Bizeps-Bedarf. Das war genauso mit den gern abspringenden Ketten der frühen Jahre- ohne Kettenwerfer hinten hab ich da nie eine Chance gehabt, die Dinger wieder draufzufummeln. Und in meiner Erinnerung waren die sechziger und siebziger Jahre eine Kette von Plattfüßen und Hosen, die am Kettenrad klemmten und nicht nur albern aussahen, sondern auch für unmittelbares Fluchen gesorgt haben. Mit 13 oder 14 ist mir mal die Kette abgesprungen als ich grad richtig Anlauf nahm um eine Rampe raufzufahren. Das Rad hat komplett blockiert und ich bin sowas von übel gestürzt, dass ich die ganzen Sommerferien lang jeden zweiten Tag zum Doc musste, um Verbände wechseln zu lassen. Die Narben hab ich heute noch. Trotzdem fahr ich gern Rad.

Paula hat gesagt…

Und wie wär's mit einem Roller? Mein P. fährt seit drei Jahren mit einem gebrauchten Piaggo Roller bis 50 Kubik (kost fast nix, 30 € Benzin im Monat und 53 € Versicherung im Jahr, kleines Nummernschild, das man direkt bei der Versicherung kauft)zur Arbeit, bei Wind und Wetter. Ist natürlich nicht ganz ungefährlich zwischen all den gestressten Autofahrern. Bisher ist nix passiert.

Lily hat gesagt…

Ja, das mit dem Roller hab ich auch schon überlegt, aber dafür sind mir die Einstiegspreise für die Teile selbst zu hoch. Ich hab ja auch einen FS Klasse A, könnte mir also auch ein stinknormales Motorrad kaufen- mal sehen. Vielleicht tu ich das irgendwann. Jedenfalls ist seit Montag die Mimi-Nö wieder ganz :))))