Verzeihung, das da oben muss natürlich Corona heißen, ein schönes Wort aus einer schönen Sprache, was sowas wie Krone bedeutet.
Als Beamtin im Einsatz einer Behörde, die im weitesten Sinne Versorgungs- und Vermittlungsdienste wahrnimmt, bin ich ein bisschen mitten drin, in der Weiterleitung und der Mobilisierung und der Informationskette. Das ist spannend, weil man soviel unterschiedliche Reaktionen erlebt.
Da gibts die, die ganz unverhohlen und mit Anlauf in die Panik rennen, Ärmchen flatternd und Augen weit aufgerissen- das ist unnötig, und ihr wisst es bzw. ihr wüsstet es, wenn ihr euch die Zeit zum Lesen und Nachdenken nähmt, ihr Leute. Ich hab Verständnis, aber nur sehr begrenzt.
Dann gibts die, die die Johnson-Tour fahren, immer munter die Bevölkerung durchseuchen, ihr Leute- soweit diese Haltung von Regierenden vertreten wird, hab ich den Verdacht, dass da die Schwächsten bitte gern ins Gras beißen mögen, bitte schnell, und bitte ohne Krankenhausaufenthalt der Geld kostet, danke auch.
Also, dafür habe ich nicht nur kein Verständnis, den Leuten wünsche ich Durchfall und Husten und alle Klos besetzt. Für ein paar Tage.
Die meisten die ich persönlich kenne oder kennen lerne, sind pragmatisch. Sie wollen nicht krank werden, und wenn sie es schon sind, wollen sie nicht, dass andere Leute ebenfalls erkranken. Sie fügen sich in das Unvermeidliche, nehmen sich zurück, und betonen das häusliche Dasein. Sie sind informiert und neigen nicht zu heimlichen Klopapier- und Mehlhalden (Mehl- wtf?)
Das ist absolut oberlangweilig, aber das einzig Intelligente, was derzeit möglich ist.
Unerträglich finde ich die, die sich lustig machen über Menschen, die zB momentan niemanden zur Begrüßung herzen und küssen wollen. Bitte lasst jedem die Möglichkeit, sich soweit zurück zu ziehen, wie er es will.Toleranz, Rücksicht und Nachdenken sind derzeit angesagt.
Just my two cents. And now to something completely different:
Dienstag, 17. März 2020
Das Leben in Zeiten der Cholera
Sonntag, 27. Oktober 2019
Schaflos, und schlaflos
Kaum naht die Nacht mit der Gratisstunde, weckt mich um viertel vor fünf der Regen.
Vor einigen Jahren ging hier mal ein Starkregen runter, der den poetischen Namen Ela trug, und der dazu führte, dass das Wasser in solchen Massen in die Lichtschächte des Hauses floss, dass es sich durch die Kellerfenster drückte. Leider konnte man an dem Tag nichts von dem Zeug wieder rausbefördern, weil wir hier mit den Füßen im Wasser leben, der Grundwasserspiegel ist nämlich hoch. Jeder Gang vor die Tür, um zum Beispiel Eimer zu leeren, machte das Problem schlimmer, weil von der Straße zum Haus ein Gefälle ist, und keine Stufe das Haus vor einfach hineinfließendem Wasser schützt. Kann man auch nichts mehr dran ändern. Da ist so ein Alibiabflüsschen vor der Tür.... Aber; Die normale Entwässerung funktionierte ebenfalls nicht, da die hier im Keller wohnende Pumpe, die die Abwässer des Hauses hoch pumpt zur Kanalisation, mit ihrer Fehlersirene zwar die Mieter auf das Problem aufmerksam gemacht hat, dann aber den Dienst quittierte.
Abgesehen von den Schäden in den Kellern (der anderen Mieter, ich habe keinen Keller) ergab sich daraus ein gewisses Maß an Nachbarschaftskontakt, was nett war.
Um den Lichtschächten künftige Vollbäder zu ersparen, dachte man zunächst an das Zumauern derselben. Das hätte den Feuchtigkeitsgehalt des Hauses insgesamt eher erhöht, also nahm man davon Abstand und befestigte statt dessen Regenschutz oberhalb der Lichtschutzgitter. Man nahm ein paar Stegplatten und schraubte sie mit Scharnieren an die Hauswand, so dass sie eine schräge Dachkonstruktion über den Schächten bilden. Soweit, so gut.
Seither ist jedoch jeder Regen mit Akustik verbunden, die über liebliches Tröpfeln oder beruhigendes Rauschen weit hinausgeht.
Regen trommelt, pocht, pladdert, platscht, rasselt, donnert, prallt ab. Er knallt auf die Platten, schwallt aus der Dachrinne, tröpfelt auf den Rausfallschutz vor dem Fenster und ist insgesamt sehr angetan von der Vielfalt der verursachbaren Geräusche.
Heute morgen hatte er einen neuen Rhythmus, und ich vermute, er hat es genossen. 30 Sekunden Schwall-aus-der-Dachrinne, zwanzigeinhalb Sekunden prasselndes Direktregnen, 17 Sekunden Stille.
Irritierend.
Ach, und ein Schaf hab ich auch nicht (Laptop im Dunkeln, nur zur Erklärung der Überschrift).
Es hat aufgehört zu regnen, und ich leg mich wieder hin.
Nachti!
Donnerstag, 17. Oktober 2019
Heute
Heute ist der Internationale Tag der Patentwerkzeuge und Wundergeräte. Angefangen von der Röntgenbrille, die in den sechziger Jahren ein Dasein in den Kleinstanzeigen auf der Rückseite der Fernsehzeitschrift fristete (Der Partyspaß!) bis zur Schere für Blisterverpackungen, billigen Nachbauten renommierter Taschenmesser, garantiert wirksamen Radarmeldern und obskuren Dosenöffnern fällt mir da so einiges ein. Vielen gemein ist eine merkwürdig uniform klingende Sammlung sehr enthusiastischer Bewertungen auf Kommentarseiten und in faksimilierten"Briefen" in der Werbeannonce.
Auch ihr Werdegang ist recht ähnlich von wohlwollender Inempfangnahme (Ha. Was für ein Wort) durch Käuferin oder Beschenkten bis zur Teilentsorgung der letzten noch übrig gebliebenen Bestandteile (der Rest ist abhanden gekommen/abgebrochen/zerbröselt) in der Rumpeslchublade in Keller oder Küche.
Ihrer aller gedenken wir heute. Was wären wir ohne euch?
Reicher, mit weniger Narben versehen und weniger vollgestopften Küchenschubladen.
Sonntag, 22. September 2019
Gehacktes
Wie ihr schon dem letzten Post entnehmen konntet, wurde das Lily'sche Amazonkonto gehackt. Vermutlich über den Weg der uralten Mailadresse und des ebenso alten, schlichten Passworts, dass sich Mail - und Kaufkonto leider teilten... (dummer Fehler, lasst es am besten sein!)
Im Mailkonto fanden sich auch Versuche, das Groupon - Konto ebenfalls zu knacken, die jedoch gescheitert sind.
Es ist mir bis dato kein Schaden entstanden, da die Mustererkennungen in den Amazon-Sicherheitsroutinen die Bestellungen gestoppt haben, bevor das Ganze Auswirkungen auf mein Bankkonto haben konnte.
Leider zieht sich das Problem hin. Die erste Fehlermeldung hab ich vor fast 14 Tagen abgesondert. Zwischenzeitlich gab es dann mal eine Mail von der Security bei The Big A, da hatten sie nur leider das falsche Problem gelöst, da nicht das Passwort geändert, sondern gleich eine neue Mailadresse von den Hackern eingetragen worden war (hätte ich gewusst, dass man die Mailadresse ändern kann, hätte ich das schon vor Jahren getan- so lernt man dazu). Diese Mail war dann interessanterweise fast unmittelbar nach ihrem Eintreffen auf rätselhafte Weise verschwunden und hat sich nicht mehr wiedergefunden, was mir dann verraten hat, dass da wohl wer am Mailkonto war.
Inzwischen hab ich natürlich das Mailkonto mit einem neuen Passwort gesichert, welchselbiges so lang und abstrus ist, dass ich es aufschreiben musste, aber das gehört sich auch so.
Bei der Hotline hab ich dann heute morgen zum vierten Mal angerufen. Die Dame dort, deren Bronchien leise weinten, klapperte mit ihren Tasten, als hätte sie die aus der Tastatur genommen und schüttele sie in einem Becher herum. Ich hoffe, dass dieser Eindruck getrügt hat, und dass sie tatsächlich mein Problem "eskaliert (...) und denen noch mal eine Mail geschickt hat".
Womit mir nur bleibt, ihr zuzurufen:
"Eskaliere, oh bronchiengeplagte Maid der Homeoffice-Hotline, eskaliere nach Herzenslust!"
Euch einen schönen Sonntag.
Die Lily
Mittwoch, 18. September 2019
Einzelner Wunsch einer einzelnen Leserin
Ich soll mehr schreiben, hat sie gesagt, und da sag ich doch nicht nein. Wenn mich auch Zweifel überkommen, schau ich mir die Blogosphere so an- allerlei Designblogs, Politblogs, Leute-mit-einem-Ziel-Blogs. Da sticht der meine raus wie ein entzündeter Daumen in einem Heer von manikürten Fingern.
Bin also zurück, zielverwirrt aber methodensicher wie immer.
Es gibt nicht viel Neues zu berichten an der Lilyfront, weil sich nichts tut. Die Gesundheit wird stetig mieser, ohne Grund für tiefgreifendere Verzweiflung außer der Frage, ob das jetzt ungebremst so weiter geht oder sich irgendwann einfach tot läuft. Ha. Wortspiel, unbeabsichtigt.
Negativ ist:
-Mein Amazonaccount wurde gehackt, und ich bin auch noch ein bisschen selbst schuld, wg. Passwortschlichtheit.
-Die Arbeit wird nicht weniger, was unter anderem den deprimierenden Nachrichten über die Strömungen der Innenpolitik und den außer Landes sich abspielenden Entwicklungen zu verdanken ist. Da ich Lebenszeitbeamtin bin, kann ich über den arbeitsplatzerhaltenden Nutzen des letzten Satzes mal locker hinweg sehen und sagen: Ich wäre sehr glücklich, wäre meine Arbeit künftig überflüssig.
-Das britische politische Geschehen verleiht der alten Floskel vom schwarzen britischen Humor einen fiesen Beigeschmack
-Wegen des gehackten Amazonaccounts kann ich nicht an meine fast 700 Bücher in der Cloud des Kindle
-Lese daher gerade diverse alte Agatha Christies, die mich immer wieder ob ihres nonchalanten, gegen Gruppen gerichteten negativen Kommentarverhaltens erschüttert- sprich, für ihr sexistisches und rassistisches Weltbild würde man sie heute mehrfach um den Block jagen, und das mit Recht.
Und der Sexismus ist ganz besonders wüst. Frauen sind da entweder machtgeile Monster, oder hübsche Dummchen oder ambitioniert-törichte Blaustrümpfe, die spätestens auf Seite 170 dann doch wieder einen Retter benötigen. Irgendeine ironische Distanz zu diesen Vorstellungen kann ich nicht entdecken.
Warum ich sie trotzdem lese? Ich brauche was, was mich einschläfert abends, am besten weil ich es schon kenne (und liebe?) und bei dessen Lektüre mich keine spannungsvollen Überraschungen erwarten. Sonst les ich dafür Biografien, aber die Dinger pflegen in Papierform sehr schwer zu sein und nicht leicht im Bett lesbar. Zum Beispiel John C.G. Röhls fantastisch recherchierte Biografie Wilhelms des II. 4500 Seiten. In drei Bänden. Danach kennt man vielleicht nicht seine Schuhgröße, aber sonst alles.
Trotzdem werd ich zu Dorothy Sayers wechseln, vielleicht auch zu Dorothy Dunnett. Obwohl letztere zu anspruchvoll sind, um sie im Halbschlaf zu lesen. Und das ist doof ohne Kindle. Die Wörterbuchverbindung dabei sind einfach nur toll, ebenso wie der schnelle Zugriff auf Wikipedia oder das Netz allgemein, wenn man mal was nachschlagen will. Ich tippe auch bei meinen Uraltbüchern gern mal vergeblich auf den Seiten herum und wundere mich, wo der Auszug aus dem Oxford bleibt.
-Ansonsten hab ich seit gestern eine Bindehautentzündung. Nicht cool.
Positiv:
Der Herbst kommt. Beim Discounter gibt es Feinbiberbettwäsche und Fleece-Socken.
Und Spekulatius :-)
Lasst es euch gut gehen.
Freitag, 12. Juli 2019
Let's talk about it
Momentan offenbar komplett unumgänglich für alle, die fürs Schreiben bezahlt werden: Merkels gesundheitliche Auffälligkeit, respektive das sie schüttelnde Zittern.
Meine grundsätzliche Meinung ist dazu: Es geht euch einfach nichts an. Kommt wieder runter. Die Frau ist Mitte sechzig, also raus aus der körperlichen Jugendfrische, und das kann/darf/sollte man auch sehen, denn es ist Augenwischerei, etwas anderes zu erwarten.
Auch steht sie unter hohem Druck, der sich sicherlich auch in physiologischen Gesichtspunkten auswirkt.
Alles gut, also.
Andererseits:
Was macht die Menschen so kirre daran? Warum haben offenbar alle den Eindruck, die Spekulation sei freigegeben, Ende der Schonzeit, sofern Frau Merkel je eine hatte?
Und warum ist das alles offenbar so nachrichtenwürdig, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen, in Grün?
Krankheiten darf jeder haben, da besteht sicherlich ein Konsens. Aber darf die Umwelt sie bemerken?
Ich schätze, dass die momentane Konfusion auf dieser Frage beruht.
Die gleichen Presseorgane, die im einen Artikel munter krähen, dass es niemanden was angehe, wenn.., schreiben im nächsten schon über die Verpflichtung von Politikern, ihre Gesundheit und medizinisch ermittelten Werte allgemein zugänglich zu machen.
Und das, meine Lieben, das geht gar nicht.
Gesundheit gehört, wie Kontostand und bevorzugte Sexposition, zu den Dingen, die ein jeder schön für sich behalten darf. Kein Arzt sollte sich bemüßigt fühlen, Details ans Licht zu tragen, oder sich auch nur an dieser widerlichen Spekuliererei zu beteiligen. Das ist nicht seine Aufgabe.
Patienten behandeln, Arztgeheimnis wahren, fertig.
Aber woran kann jetzt der besorgte Bürger (und die hämisch lauernde Konkurrenz auf dem Politikparkett) bemerken, dass der einst geliebte König/Präsident/Große Vorsitzende von tobendem Irrsinn besessen ist? Woher wissen wir, dass uns das gewählte Staatsoberhaupt nicht alle mit Ohrgeruch und Lungenfäule ansteckt?
Natürlich wissen wir das nicht. Aber das muss ein Staatsgebilde aushalten.
In einer Demokratie herrscht nie einer allein. Auch Frau Merkel nicht. (Insofern stimmt auch die Allegorie mit des Königs zwei Körpern nicht- Die Existenz dieses Staates ist nicht an das körperliche Wohlbefinden eines Souveräns geknüpft. )
Angela Merkel hat eine Umgebung, bei der wir alle drauf vertrauen müssen, dass diese sich darum kümmert, sie im Notfall auch zu bremsen oder aus dem Verkehr zu ziehen. Im Notfall. End of story.
Allerdings- und das ist ein lautes Allerdings- finde ich, dass es Zeit wird, dass über manche Dinge weniger geschwiegen wird.
Dazu gehören Erkrankungen wie Depressionen, Krebs, Süchte... chronische Kranheiten im Allgemeinen.
Damit die, die sie haben, wissen, dass sie nicht allein sind. Offenheit und das Darüber-Reden hilft sehr, wie jeder weiß, der schon mal in einer Selbsthilfegruppe war.
Es gehört sich, offen darüber zu reden, was Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung leisten können.
Was sie nicht können, scheint irgendwie jeder zu wissen.
Es gehört sich, darüber zu sprechen, was Krankheiten mit uns machen, wie wir mit ihnen umgehen, wie man diesen Umgang verbessern kann.
Wie man lernen kann, auf sich und seinen Körper und seine Seele Rücksicht zu nehmen, ohne sich zu verpimpeln. Wie man Strategien für Erholung und Erneuerung findet.
Zu wissen, dass jemand, der zB Diabetes hat, als Sportlerin, Politiker, Wissenschaftlerin, Künstler Höchstleistungen erbringt, hilft denen, die am Anfang der Erkrankung stehen, und mutlos zu werden drohen.
Und es müssen auch noch nicht mal immer die Höchstleistungen sein, ein ganz normales, erfülltes, halbwegs zufriedenes Leben zu führen reicht da schon aus.
Die Demographie zeigt derzeit, dass wir alle älter werden, und zwangsläufig auch alle kränker. Da wird es Zeit, eine solche Offenheit zu etablieren.
Freiwillig.
Dienstag, 9. Juli 2019
Allerlei und Kryptonit
Es gibt Dinge, zu denen komme ich wie die sprichwörtliche Jungfrau zum ebenso sprichwörtlichen Kind, obwohl das ja funktionieren soll. Also das mit der Jungfrau.
Wie soll ich das jetzt sagen?
Ich bin jetzt Mitglied.
In einem Verein.
In einem Fußballverein.
Bezirksliga.
Vom ersten mitgeschauten Heimspiel (welche Farben haben "Unsere" noch mal...?) habe ich einen Sonnenbrand zurückbehalten, ein paar Rückenschmerzen vom Herumstehen, und die Erkenntnis, dass es in der oben genannten Spielklasse keine Zeitlupen gibt. Und keinen Videobeweis.
Ansonsten bin ich selbstverständlich ein dummes Schaf.
Da ich unfallfrei mit einer Textverarbeitung umgehen kann, habe ich sofort auch einen Job erhalten, nämlich den der Schriftführung. Das ist der Job, den nie einer haben will. Der, in den man auch gewählt wird, wenn man keine Ahnung hat von dem, was man da protokolliert.
Zu sowas bringt mich ein Mann, den ich aus Gründen der Anonymität mal hier und jetzt als mein Kryptonit bezeichnen will.
Solche Männer hat es nicht oft in meinem Leben gegeben (vielleicht waren sie auch nur nicht hoch genug konzentriert).
Aber Jungfrau hin, Kind her- zum Glück ist es nur eine Schriftführung, keine späte Schwangerschaft.
Und das ist doch schon mal was.
Donnerstag, 27. Juni 2019
Sommer
...ist über uns hereingebrochen. Letzte Woche habe ich noch das Motto vertreten, dass man im Sommer stricken müsse, um im Winter nicht zu frieren, bin aber derzeit einige Meter von Wolle entfernt. Das ändert sich bestimmt schon bald, weil das meiste auf den Nadeln für andere Leute ist, und die lass ich nur ungern warten,. Es sind auch Babysachen dabei, und die wachsen bekanntlich schnell. Noch ein Grund, munter fürbaß zu schreiten.
Trotzdem schwitzen ich und die Restkatzen ziemlich, wobei man letzteren nicht mal mit einer kühlen Dusche wirklich eine Freude machen kann. Gretchen sieht sehr unglücklich aus im Moment, sie hat auch wieder eine Fass-mich-bloß-nicht-an-Phase. In denen filzt sie heimlich nachts an ihrem Fell herum, und lässt sich dann nicht kämmen. Ziept wahrscheinlich ziemlich. Nach ein paar Tagen fallen ihr die Filzböllerchen von allein aus dem Fell, daher werd ich jetzt lieber nicht hysterisch. Das hilft nämlich so gar nicht.
Außerdem bin ich ihr zulange im Büro, was ich daran erkenne, dass die Dame auf die Couch pieselt. Besonders ärgerlich, da die Couch noch keine zwei Jahre alt ist. Aber sie tut sowas wirklich nur, wenn meine Arbeitszeiten 10 Stunden am Tag überschreiten, was zum Glück nicht jeden Tag vorkommt.
| fig.1: What becomes of a broken heart? |
Lily
Montag, 1. April 2019
Theresa May, Bismarck und der Dreißigjährige Krieg
Was man ihm aber beim besten Willen nicht anhängen kann, ist Unsterblichkeit- mal abgesehen davon, dass es nur einen geben kann, yadda yadda yadda, gibt es tatsächlich Augenzeugenberichte von seinem Hinscheiden. Und ein Schwert war nicht dabei.
Bismarck höchstselbst hat dafür gesorgt, dass per Gesetz während des Dreißigjährigen Krieges die deutsche Sprache vereinheitlicht wurde.
Jawoll.
Vermutlich hat er aus dem Brexit gelernt, und die Chance genutzt, dass allerlei Volk in dieser Zeit anderweitig beschäftigt war (mit Seuchen und so), um mal fix Bayern, Bremer und Berliner unter einen sprachlichen Hut zu quetschen.
Freitag, 7. Dezember 2018
Elf Uhr
Elf Uhr am 7.12.2018. Ich bin 55 Jahre alt und werde bald 56. Kein Emoji glotzt großäugig genug, um meine Verblüffung über solche Fakten angemessen wiederzugeben. Mal abgesehen von dem bösen Satz, der mir jeden Morgen durch den Kopf schießt: Wenn du über vierzig bist, morgens aufwachst und nichts tut weh, dann bist du tot.
Aus meiner Vergangenheit weiß ich, dass ich, bei meiner zweiten Scheidung mit Mitte dreißig, das Gefühl hatte, das Leben sei nun vorbei. Das Gefühl hat mich nie verlassen- kurze vier Jahre später bin ich dann an diesem Sch...Diabetes erkrankt und in der Folge nie wirklich aus dieser Endzeitstimmung rausgekommen. Fakten sind bei solcher Voreinstellung zweitrangig- egal, was die Statistik sagt.
Viele Dinge fange ich nicht an, wegen dieses "Das lohnt sich eh nicht"-Gefühls. Daher gibt es wenig Pläne, die mir einen Blick in eine mögliche Zukunft weisen. Ehrgeiz, Reiselust, Buchschreibepläne, Perspektiven allgemeiner und besonderer Art, diese Dinge liegen alle in einem nicht sehr leicht erreichbaren hinteren Lagerraum.
Aber ich gebe nicht auf.
Mittwoch, 24. Oktober 2018
Was man tut und wo man steht
Refrain eines Lieds von van Veen, der so weitergeht:
...wie man's wendet, wie man's dreht, eins ist klar, das Leben geht so oder so vorbei...
Das tut es, zweifelsohne. Dass ich derzeit morgens immer meinen Nachrichtenfeed anschmeiße um zu schauen, welches Stück Welt über Nacht irgendwelchen Vollpfosten in die Hände gefallen ist, erweckt Erinnerungen an die Zeit vor dem Ende des Kalten Krieges (oder war es nur ein sehr kühler Waffenstillstand?)
Mich jünger zu fühlen ist leider nicht die Konsequenz dieses Deja-vus.
Montag, 22. Oktober 2018
Seit Wochen
warte ich auf Regen. Nicht, weil meine Felder Regen brauchen (hätte ich welche, bräuchten sie aber), sondern weil neben atemberaubend bunten Bäumen vor blauem Himmel auch das kühle, feuchte Herbstwetter auf meine innere Uhr gehört. Ich steh halt auf Jahreszeiten. Für den Herbst war es zu warm, zu trocken ist es seit Monaten, und das gefällt mir nicht.
Am Samstag dann kündigte meine Wetterapp Regen an, supi.
Ich fand es so lang supi, bis mir gegen Mittag der Fensterheber vorn links am Auto kaputt ging.
Fassen wir zusammen: Seit Monaten ist es zu trocken. Drei Tage Regen kündigen sich an, und meinem Auto fehlt eine Scheibe.
Irgendwie bezeichnend.
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Zwanzig, fünfzig, hundert... uncountable
Montag, 10. September 2018
Welten, Andere
Es gibt für mich Autoren, deren Schreiben mich in ihre Welt hineinziehen. Sie sind lebendig, warm und farbig, man kann sie riechen, schmecken und man hört sie auch.
In ihnen gewinnen Kleider eine Haptik, Straßenlärm schwillt an und ab, und wenn man genau hinsieht, krabbelt da vorn eine Ameise über den Schuh.
Eine solche Autorin ist (für mich) Laurie R. King, die die Krimis der Mary-Russell-Reihe schreibt, sowie noch eine zeitgenössisch angesiedelte, deren Handlungsschwerpunkt in San Francisco liegt, außerdem einzelne Stand alones.
Natürlich gibts auch unter diesen sehr geliebten Büchern noch die Lieblingsstücke, The Folly, Oh Jerusalem, The Game und A Grave Talent. Auch auf Deutsch sehr, sehr lesenswert (Insel der flüsternden Stimmen, Oh Jerusalem, Die Farben des Todes- ich bin mir nicht sicher, ob The Game auf Deutsch erschienen ist).
Ansonsten hab ich gerade nur schwere Kost auf dem Kindle. Die dreiteilige Wilhelm II-Biografie von Röhl, und Churchills Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, massive fünf Bände. Aber zum Glück gibts die E-Book-Version. Dann sind die Verletzungen nicht so schlimm, die man davon trägt, wenn einem beim Einschlafen das Buch auf die Nase fällt.
Und ihr so?
Menschheit
Ich gehöre auch zu denen, die die Menschheit als ein komplexes Kollektivwesen betrachten, ganz unwillkürlich und vielleicht schon aus semantischen Gründen.
Heute morgen hat irgendeine Schlagzeile in irgendeiner Zeitung der passend auf mich zugeschnittenen Presseauswahl (Danke, Google und Opera, für meine Lieblingsfilterblase) sich was von "Menschheit" und "Lernen" in den Bart gebrummelt.
Ich glaube, dass da was von der Erkenntnis stand, dass die Menschheit nicht lernt.
Und so ungern ich das zugebe:
Das tut sie nicht.
Niemals.
Denn das würde bedeuten, dass Wissen in irgendeiner Weise in den Zwischenräumen zwischen dir und mir verankert würde.
Erlerntes sich an die DNA heften könnte.
Begangene Fehler und daraus gewonnene Erkenntnis in eine kollektive Cloud wanderten, auf die man qua Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens sapiens automatisch Zugriff hat.
Wie derzeit ausgezeichnet und beinahe lehrbuchhaft demonstriert, speichert die Menschheit als amorphes Dingsda genau nichts. Jede Generation fängt ganz von vorn an. Und das, was das Individuum zur Kenntnis nimmt, speichert, verarbeitet und anwendet ist genau das: Individuell. Begrenzt. Teilweise sehr begrenzt.
Wie man sieht.
Donnerstag, 6. September 2018
Donnerstag-
und wenn du den überlebt hast, wird es Freitag. Ganz bestimmt.
Der Freitag in dieser unserer Dienststelle ist nur ein halber Arbeitstag, und das schätzen wir alle. Unser neuer Chef, noch ziemlich überschwemmt von allem, was der vorherige Boss vor seinem Tod nicht mehr erledigen konnte (und was in der Zeit seiner Krankheit ohnehin liegen geblieben ist) ist im Stress, und ich hoffe für ihn, dass er schnell delegiert und nur noch die Ausicht behält. Der sitzt hier nämlich gern auch freitags noch abends um sieben. Also, "gern" ist hier ein sehr willkürlich gewählter Ausdruck. Aber es ist ihm wichtig, seine Sachen fertig zu kriegen, und ich schätze, dann stimmt "gern", denn anschließend ist es hoffentlich weg vom Tisch.
Wenn jemand, der so jung ist wie der verstorbene Chef (63), von jetzt auf gleich einfach nicht mehr da ist, nutzt die Umwelt das ja gern, um darüber zu philosophieren, was man alles tun/unterlassen/bedenken sollte bei der Organisation des eigenen Alltags.
Wir haben in den vergangenen Monaten oft gehört, dass man davon lernen sollte, sich besser zu pflegen, und all den anderen Sermon, der dann quasi zwangsläufig aus anderen Leuten herausquillt.
Aber. Aber...
bei ihm muss man sagen, er hat Zeit seines Berufslebens immer genau das getan, was er wollte. Mit dem Kopf durch die Wand, nötigenfalls. Sein politisches Interesse und sein Gewissen sowie sein wissenschaftlicher Ansatz haben ihn umgetrieben, und er hat über dreißig Jahre lang an genau diesen Themen gearbeitet, ist an neuen Erkenntnissen gewachsen und hat an seine Mission geglaubt. Er hatte Tausende von Überstunden, die ihn nicht davon abhielten, weiter zu arbeiten, sein Urlaub verfiel und bei seinem Tod hatte er praktisch zwei Jahre vorgearbeitet. Selbst sein angeschlagener Gesundheitszustand seit einigen Jahren hat ihn nicht dauerhaft von den Selbstgedrehten weg gebracht, und so- und daran- ist er dann auch gestorben. Er hat vielleicht ein kürzeres Leben geführt als er hätte führen können, aber ich glaube nicht, dass er mit einem solchen zufriedener gewesen wäre.
Und das ist nicht schlecht, oder?
Montag, 3. September 2018
Ich binne nicht tot.
Guten Morgen, beste/ Leser/in von allen- heute im Singular, denn viele dürften hier definitiv nicht mehr mitlesen, dank Zeitablauf.
(Orrr, ich hatte mein Passwort verbröselt, soviel zum Thema IT-Skills.)
Nur diese irren Schlagzeilen über den Grabbelbischof bei Aretha Franklins Beerdigung haben mich ausreichend erzürnt, um diesem Dilemma die Stirn zu bieten.
Was ist passiert?
Vermutlich haben es alle gelesen oder auch die Videos gesehen, von dem Geistlichen, der erst einen mehr als daneben geratenen Witz erzählen will, und dann seine Griffel nicht von der jungen Frau neben ihm lassen kann. Das ist übel genug, und zeugt von einer gewissen Realitätsabweichung bei ihm, er sollte die Kameras registriert haben.
Was mich aber so richtig sauer macht, sind die Schlagzeilen selbst:
Bischof entschuldigt sich.
Bischof. Entschuldigt.Sich.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen.
Bischof (Mann in Kleidern) entschuldigt (aktives Verb) sich (Reflexiv-Pronomen. Oder so.)
Es sollte gesetzlich verboten werden, das so zu formulieren. Denn selbst wenn das grammatikalisch korrekt ist, so ist es inhaltlich nicht okay.
Wenn jemand einen anderen so sichtbar belästigt und in Schreckstarre versetzt, dann hat er das Recht verloren, sich durch einen in den Bart gebrabbelten Satz (oder auch durch getwittertes Was-weiß-ich) aus der Verantwortung zu ziehen.
Liebes Publikum.
Vorgesehen ist, jemand anderen, den man geschädigt/belästigt/sonstwie beeinträchtigt hat, um Entschuldigung oder Verzeihung zu bitten. Jawohl, zu bitten.
Und es steht ausnahmslos im Ermessen der beleidigten, geschädigten, beeinträchtigten Person oder Institution, diese Entschuldigung zu akzeptieren oder zu gewähren.
Also bitte, liebe Schlagzeiler, staubt euer Deutsch ab. Denn die Formulierung "sich entschuldigen" geht echt nur, wenn jemand bei Tisch mal fix aufs Klo will.
Sonst nicht.
Montag, 9. Oktober 2017
Oha
Zwei Monate her, und der Blog gähnend leer... Aus euren Kommentaren erkenne ich, dass andere hier öfter vorbeischauen als ich.
Nun gut.
Ich war also im Urlaub.
Die erste Woche hab ich mir selbst ordentlich versaut, weil ich (und ich wage es kaum zu sagen) noch kurz vor der Abreise die fast leere Ampulle mit dem Langzeitinsulin ausgewechselt habe. Dann hab ich alles Zubehör eingepackt, und bin, unter Mitnahme der Freundin S., Richtung benachbartes Ausland aufgebrochen.
Natürlich unter Mitnahme der Plastikdose mit allerlei Diabeteszeug- Teststreifen, Ersatznadeln, Nachfüllampullen.
Und dann ging es rund:
Abends die Dosis Langzeitinsulin gegeben. Zwei Stunden später unterzuckert, und zwar kräftig. Einsatz von Notfall-Kohlehydraten. Morgens Blutzucker von > 400 mg/dl.Frühstück fällt dann aus, und der Tag zog sich hin, mit sehr schweren Beinen, extremer Müdigkeit... und einem kräftigen Unterzucker so gegen zehn. Weiteres Messen ergab stets irre hohe Werte, mit sämtlichen Begleiterscheinungen... und das ging eine Woche so weiter. Kräftige Unterzucker mit Werten von um die 40, abwechselnd mit Ergebnissen, die einem die Schädeldecke anheben.
Es hilft nicht, dass man mit sehr hohen Werten nicht mehr gut denken kann. Und es hilft auch nicht, wenn die Mitfahrerin bereits leicht angepisst ist, dass man nicht fröhlich und guter Dinge munter fürbaß schreitet. Zudem hatte die erste Nacht in der Mini-Hüpfburg, die von seiten der Vermieterin als Bett für zwei vorgesehen war, zu einer spontanen Lagerbauaktion und meiner Umsiedlung auf den Fußboden geführt. Wenn ich eins nicht leiden kann, ist das eine durchgehende Matratze. Einsvierzig breit. Für zwei, die nicht die halbe Nacht aufeinander liegen wollen.Nächte auf dem Fußboden, mit der diabetesbedingten häufigen Notwendigkeit, zum Klo zu rennen, sind aber auch nicht gut, Herrschaften. Nicht für meinen Rücken und nicht für mein Durchschlafen.
Nach einer Woche irrer Blutwerte dann hatte ich einen Geistesblitz und bin mal nachschauen gegangen- und hab dann festgestellt, dass ich in der Eile vorm Wegfahren in den Pen für das Langzeitinsulin...auch eine Ampulle Kurzzeitinsulin reingeschraubt hatte.
Das kann nicht funktionieren, und tut es auch nicht. Leider unterscheiden sich die zwei Insuline nur durch einen Farbring. Leider sind die beiden (das altbekannte Langzeit- und das relativ neu angewendete Kurzzeitinsulin) vom selben Hersteller, und passen daher auch beide in beide Pens. Leider hatte ich bis vor ein paar Wochen vom Langzeitinsulin Fertigpens, die nach Nutzung weggeworfen werden, und die man, türkis wie sie sind, nicht mit dem silbernen Pen für das Kurzzeitzeugs verwechseln kann.
Leider war ich ein nicht ganz bei der Sache seiender Vollhorst.
Nach einer Woche und zwei Tagen der wiederkehrenden Blutzuckernormalität ging es dann aufwärts.
Da konnte ich dann auch den Strand genießen (bei Temperaturen um 18 Grad um die Jahreszeit keine Selbstverständlichkeit), Amsterdam abscheulich unruhig finden und einen kontoleerenden Ausflug nach Haarlem ganz wunderbar.
Abgesehen davon war auch in der ersten Woche der Strand grandios, das Essen (low carb, dank der Freundin- wer weiß, was sonst passiert wäre...) fantastisch, der Nachbarhund ganz einfach anbetungswürdig, und ich habe es gehasst, schon wieder hier zu sein.
Man achte auf die Zöpfe vom Hund.
Hach, Moush.
Donnerstag, 10. August 2017
Es ist August
der zehnte August, und ich hab seit Ewigkeiten nix mehr geschrieben. Es ist nicht so, dass mir nichts mehr einfiele. Nein, da ist derzeit vieles, aber es reicht nicht von der Couch bis an den Schreibtisch- diese doofen mobilen Dinger haben das Platz nehmen am Rechner (zu Hause, meine ich) zur Ausnahme gemacht.
Daher hier kurz das Wesentliche zusammengefasst:
Die Lily hat alle abgenommenen Kilos wiedergefunden und ordentlich an den Hüften und den runden Beinchen befestigt, wie sich das gehört.
Die Lily hat sich zum WS 2017/18 für einen Bachelor in Kulturwissenschaften immatrikuliert und kann prompt an der Eröffnungs- Info-Veranstaltung nicht teilnehmen wg. Urlaub. Im Ausland. Jawoll.
Die Lily hat nur noch zwei Katzen, diesmal jedoch nicht durch Seuchen- sondern durch Abgabe-Einwirkung, denn die Trudi ist viel glücklicher als Einzelkatze bei einem Einzeldosenöffner.
Die Lily doktert gerade mithilfe der örtlichen Diabetologie an ihrem Zucker herum. Bisher mit nicht so viel Erfolg.
Die Lily grüßt euch alle ganz herzlich :-)
Freitag, 9. Juni 2017
Wir fräsen, oder: Geglückte Investitionen
Wer kennt das nicht? Something shiny am Horizont. Irgendwas glitzerndes, das sich verlockend auf der Amazon-Seite räkelt und verführerisch raunt: Kauf mich.
Aus den verschiedensten, im Endeffekt nicht immer stichhaltigen Gründen fällt man auf dieses Geraune herein, und klickt mit zugekniffenen Augen auf SofortKaufen, nur um zehn Tage später mit sinkendem Mut zu konstatieren, dass das wohl ein Schuss in den Ofen war, und man das Ding nun eigentlich wirklich nicht braucht. Entweder, weil es nicht so funktioniert wie gedacht oder weil es dann doch zu teuer ist für das, was man sich davon erhoffte.
Fleißige Menschen schicken es dann zurück. Leute, denen ihre Fehlentscheidungen peinlich sind, räumen das Ding weg und versuchen, es unter "Dumm gelaufen" zu verbuchen, verbunden mit dem festen Vorsatz, das nie wieder zu machen. Der Vorsatz ist so fest wie kurzfristig.
Unter diese Kategorie kann ich Dinge wie den Staubsaug-Roboter verbuchen, der seit Jahren von Herrchen zu Herrchen wandert, weil niemand ihn wirklich gebrauchen kann. Der Nutzvorteil, nämlich die Katzenhaar-verseuchte Bude dauerhaft von denselben zu befreien, war gleich Null, der Nachteil, die Katzenhaarverstreuer zu verschrecken, maximal. Zudem war meine Wohnung offenbar nur für Menschen und Katzen navigierbar, Roboter finden sich nicht zurecht und verenden regelmäßig unter einem Möbelstück, von wo aus es kein Entkommen gibt.
Es gibt aber auch beglückende und dauerhaft erfreuliche Erwerbungen.
Davon habe ich in den letzten Wochen mehrere gemacht:
1. Der Schredder.
Ich bin ein Unterlagen-auf-Stapeln-Ableger. Ein Exfreund sprach von mir als der Bergbauerin. So eine baut Berge. Von Unterlagen. Die mindestens mit meinem Namen, wenn nicht mit noch mehr persönlichen Daten versehen sind, was es unmöglich macht, sie einfach so weg zu werfen. Daher haben sich im Laufe vieler, vieler Jahre viele, viele Unterlagen zu einer stattlichen Anzahl Stapel gesammelt. Die nehmen Platz weg, sehen Scheiße aus und bedrücken, weil man irgendwann auch nicht mehr weiß, ob nicht doch was wichtiges drin liegt. Dazu sammeln sie Staub an, welchselbigen man wirklich nicht mit einem Staubsaugerroboter weg kriegt.
Also habe ich mir nun endlich einen Aktenvernichter gekauft. Nicht den allerbilligsten, aber auch keinen CIA-Beweisannihilator, der zwei Aktenordner je Minute schreddert.
Und seither sitze ich abends da, neben mir der Schredder, der friedlich und glucksend vor sich hin fräst, und vor mir ein Stapel von Papier. Der minütlich kleiner wird.
Gut angelegte 29 €.
2. Der Kurs
Vor einigen Jahren schon habe ich über ZeitzuLeben einen Selbstcoaching-Kurs gemacht, und Anfang diesen Jahres noch einen. Beide hatten einen nachhaltigen Effekt auf mich, und haben zudem noch Spaß gemacht. Das ganze fand jetzt einen vorläufigen Höhepunkt in einer sogenannten Challenge, was auch ein Kurs ist, aber schneller. Jeden Tag, über 30 Tage, gibt es eine Aufgabe, und die Summe der Aufgaben und Übungen führen einem im Idealfall zu einem Ziel. Diesmal ging es um Sowas wie Zielentwicklung und persönliches Wachstum. Ein wunderbarer Kurs, der mich 79 € gekostet hat und mehr gebracht hat als 12 Wochen stationäre Psychotherapie, was die Zielbildung betrifft. So ein Kurs hätte mich nicht so aufbauen können, wie die Klinik das damals tat, aber in Bezug auf das Leute-in-die-Gänge kriegen ist deren Ansatz echt unschlagbar. Ich habe es tatsächlich geschafft, aus dem vagen Gefühl des "Es wird sich nichts mehr tun in deinem Leben" zu einem "Oh doch" zu kommen. Zu einem sehr konkreten Oh-doch. Ich genieße jede Minute.
Das nur für heute.
So siehts aus, Herrschaften!





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