Sonntag, 6. Oktober 2013

Täglich.



Jeden Morgen, auf einer bestimmten Strecke auf dem Weg zur Arbeit, erfasst mich so ein Murmeltier-Gefühl...
Dazu muss man wissen, dass ich Schleichwege fahre, weil die die direkteste Strecke abdecken, und dass diese Schleichwege mich durch eine sehr kurvige, mit alten Platanen bestandene, enge Straße führen, für die Tempo dreißig gilt.

Selbst am hellen Tag ist es da immer dämmrig. Um diese Jahreszeit jetzt ist es dunkel wie im Sack (und das wird in der nächsten Zeit bekanntlich auch so bleiben). Leider ist der Schleichweg nicht nur mir bekannt, sondern wird gern und häufig benutzt. Auch, und vor allem, von Fahrradfahrern. Fünfzig Meter nach der Einmündung in diese Straße macht sie eine 270°-Kurve - und meist ist da dann ein Radfahrer vor mir. Die Straße ist wirklich schmal, und man tut besser daran, vor allem auf Kurvenhöhe hinter den Radfahrern zu bleiben. Überholt man sie, nimmt man automatisch die komplette Breite der Straße ein, und das ist an dieser Stelle keine gute Idee.

Leider bemühen sich die Radfahrer sämtlich darum, Energie zu sparen- in diesem Fall die eigene Strampel-Energie, und fahren gerne ohne Licht in modisch dunkler Kleidung auf modisch schwarzen Fahrrädern. Bleibt man hinter ihnen (wenn man sie glücklich erkannt hat) dann kann spätestens der Fahrer des Autos hinter einem die Radfahrer nicht mehr sehen und fängt an zu drängeln. Schließlich ist hier dreißig, und nicht Radfahrer-Schleichtempo...

Wie das in alten Straßen mit uraltem Baumbestand so ist, ist die Fahrbahn gerade am Rand nicht immer die ebenste Fläche, und hier ist sie auch noch mit Gullys versehen. Grund genug, um jeden Gully mit einem recht weiten Bogen zu umfahren, was das Überholen dann auch für den Rest der Strecke, also nach der Kurve, zu einem Abenteuer macht.

Donnerstags trifft man hier den Wagen der Müllabfuhr, und freitags sind die Kollegen von der Straßenreinigung unterwegs- das bringt dann das Double-Feature in die frühmorgendliche Aufreg-Wiederholung.
Und zum krönenden Abschluss kreuzt meine Strecke ganz zum Schluss noch einen beliebten Lemming-Trail. Dort nämlich, wo jeden Morgen eine Heerschar Schüler auf dem Weg vom Bus zu ihrer Schule entlang müssen. Da kommt dann eine Gruppe von 40, 50 Schülern, die alle in der Schule gefehlt haben, als das mit dem Straßeüberqueren dran war, und geht an der Ecke einfach geradeaus über die Straße. Egal, wer da kommt, wer da halten müsste und ob sie gesehen werden können (Tipp: Dunkle Straße, dunkle Kleidung...) oder nicht. Die haben den Trick raus, nicht alt zu werden- in dem sie jung sterben.

Wenn sie dann an ihrer Schule aufschlagen, und nicht direkt in der daneben liegenden Einfahrt zu unserem Parkplatz lagern (direkt vor dem Kühler der Lily, die inzwischen einfach da anhält, wo sie muss, also mitten auf einer viel befahrenen Hauptverkehrsstraße im Berufsverkehr - ich spare mir das Hupen, das macht dann der Querverkehr), dann sammeln sie sich unter einem unserer Fenster auf selbigem Parkplatz, rauchen, frühstücken, erzählen sich was - und sie sind sich selten einig über ihr Thema. Bis auf eines: Wenn sie gehen, schmeißen sie ihren Müll direkt dahin, wo sie stehen. Sie spielen wirklich mit ihrem Leben. Irgendwann schmeiß ich nämlich mal was aus dem Fenster. Vielleicht einen Schreibtisch. Rausbrüllen nützt gar nichts, da kriegt man nur rotzfreche Antworten. Unser Gebäude verfügt zudem über einen sehr tief im Haus liegenden Kellereingang, der eine praktische, weite Nische bildet- die ist von nirgendwo einzusehen und wird gern zum Kiffen, Knutschen und ...Kacken genutzt. Und nein, das ist nicht die Bronx. Das Theater unterm Fenster setzt sich den ganzen Tag über in jeder Pause fort, der Kellereingang spielt auch noch eine gewisse Rolle in Freistunden. Die Müllcontainer befinden sich übrigens direkt gegenüber dem Platz, wo sie ihren Abfall hinterlassen. Sie müssten sich nur nach links anstatt nach rechts drehen. Aber vielleicht haben sie alle zu viel Harry Potter gelesen, glauben an Magie und daran, dass aus leeren Verpackungen volle werden, wenn man sie ins Beet schmeißt und dann ordentlich Regen und Sonne dazu kommen.
Montag geht ein Schreiben an die Schulleitung raus. Und ich werde unserer Putzfrau verbieten, den Müll aus dem Beet zu sammeln. Vielleicht merken die Schwachmaten mal, was sie da hinterlassen, wenn keiner hinter ihnen her räumt. Und vor den Zugang zum Keller kommt ein Tor, dann können wir da unsere Räder trocken und sicher abstellen.
Wenn das geregelt ist, kümmere ich mich darum, die Horden von Schülern zu vertreiben, die auf unserer (überdachten) Eingangstreppe vor dem Haus lagern. Können sie gern tun, sie machen Platz und so- aber sie hinterlassen auch hier Brötchentüten, Getränkedosen und -Flaschen, Kippen, Zigarettenschachteln... einfach da, wo sie stehen bzw. sitzen. Dabei warten sie auf den Bus- und an der Haltestelle, drei Meter weiter, ist eine Mülltonne, an der sie ohnehin vorbei müssen.
Getoppt wird das ganze jedoch durch die Gruppe Knaben, die letzten Winter durch das zum Lüften offen stehende Fenster Schneebälle in unseren Besprechungsraum geworfen haben. Die Pfützen auf dem Parkett waren beachtlich, und man muss vermutlich dankbar sein, dass keine Hundekacke in den Schneebällen war. Von den Kötern der Nachbarn. Letztere scheinen der Meinung zu sein, dass die Grünanlagen an öffentlichen Gebäuden automatisch zum Vollkacken durch Hunde zur Verfügung gestellt werden. Schließlich zahlen sie ja Steuern.

Menschen. Ehrlich.


Waaah.

Kommentare:

Alessa hat gesagt…

Dieser Text ist so treffend und richtig, dass ich Ihnen jetzt zum Dank am liebsten ein Frühstück vorbei brächte.
Und vieles ist nicht nur bei Ihnen so, z.B. gilt die Wiese neben unserem Gebäude, ebenfalls im Besitz der öffentlichen Hand, als DIE Hundekackwiese -pardon my french- der Stadt. Dabei befinden wir uns in einem eher "noblen" Bereich der Stadt mit groooßen Grundstücken und grooooßen Gärten. Aber natürlich käme man niemals auf die Idee, Fiffi in den regelmäßig von Landschaftspflegefirmen getrimmten Wellness-Gärten kacken zu lassen.
Von der Sache mit dem "Beutel mitnehmen und selbst entsorgen" mal ganz zu schweigen. ;-)

Paula hat gesagt…

Auf die Ommel! Die müssen nur Konsequenzen spüren, mal sehn, wie die Schulleitung reagiert.

Meise hat gesagt…

Ich kenne das Abfall-einfach-fallen-lassen von den Leuten an der Bushaltestelle nur zu gut. Da stehen sie rauchend direkt neben dem Mülleimer und werfen, wenn der Bus kommt, die halb aufgerauchte Kippe vor sich auf den Boden.
Oder ihr Taschentuch. Oder was auch immer sie in ihren Jackentaschen gefunden haben und was weg muss.

Es gibt da auch die ewig Spuckenden, die im 3-Sekunden-Takt vor sich auf den Boden speien, weil anscheinend ihre Speicheldrüsen Überfunktion haben und sie des Schluckens nicht mächtig sind.

Ich kapiere das auch nicht.
Lernen die das heute nicht mehr von ihren Eltern, dass man nichts wegwirft?
Meine Mutter hätte mir eine getachelt, wenn ich was auf den Boden geworfen hätte.

Und was ich erst recht nicht kapiere: Die werfen auch da alles hin, wo sie gerne herumsitzen - und wiederkommen wollen.

Und ja: getarnte, weil nicht beleuchtete Radfahrer sind die Pest!!!

Womble hat gesagt…

Hast du auch gedroht?... mit der vollen Breite deines Amtes?... mit den scharfen Hufen des selbigen Schimmels? Die reagieren sonst nicht. Aber gut, dass du das nicht einfach nur hin nimmst. Rock on!