Donnerstag, 22. Mai 2014

Weiter gehts.

Vorgestern abend hat der Tierarzt bei mir angerufen und mir mitgeteilt, dass das Katertier an einem felinen Lymphom gestorben ist. Immer bösartig, und in der Variante unheilbar. Nicht mittels bildgebender Verfahren sichtbar zu machen, es sei denn, man weiß, was man sucht (nicht der Fall gewesen).
Es ist gut zu wissen, dass die Entscheidung richtig war, ihn gehen zu lassen. Es heißt zwar, man könne eine Chemotherapie in Erwägung ziehen, die Katzen recht gut vertrügen, aber ich bitte euch- allein das Einmal-die-Woche-zum-Tierarzt, und irgendwie fixiert da eine Infusion zu bekommen hätte Eddie nicht verkraftet. Das hätte ich ihm niemals zumuten wollen. Und, wenn wir mal dabei sind, meinem Geldbeutel hätte ich es nicht zumuten können, denn hier gibt es noch drei andere Katzen, samt einer Katzenfrau, die alle was zu Essen haben wollen.
Ich kenne die Stimmen, die sagen, man muss gut überlegen, ob man seine Tiere auch behandeln lassen kann, so rein finanziell gesehen, sonst soll man sie gar nicht erst zu sich nehmen.
Hätte ich Eddie aber nicht zu mir genommen (und auch seinen Bruder), dann wären die beiden als chirurgischer Tierarzt-Abfall geendet, noch vor ihrer Geburt. Ihre Mutter sollte nämlich kastriert werden, und da stellte sich raus, dass sie bereits tragend war. Während des Urlaubs ihrer Katzenmama hat das Kätzchen damals (lange bevor sie richtig ausgewachsen war) ihre Katzensitterin ausgetrickst und ist entwischt.
Die Tierärztin, die Gina damals kastrieren sollte, hat dann bei der Besitzerin angerufen und gefragt, was sie tun soll- und der Besitzerin war es sehr unbehaglich bei dem Gedanken, die Jungtiere einfach entsorgen zu lassen. So hat sie rumtelefoniert, wer eine Katz haben wollte. Zu der Zeit hatte ich zwei, und als ich die beiden winzigen roten Tiger da gesehen habe, konnte ich einfach nicht sagen "Du kommst mit und du bleibst hier", zumal ich sie überhaupt nicht auseinanderhalten konnte. Ergo wurden es zwei Zuwächse.
Die, ebenso wie Henry und Emily vor ihnen, alle Tierarztbesuche absolviert haben, die notwendig waren. In den einschlägigen Foren kann man allerdings Geschichten verfolgen, bei denen einem gruselt. Da wird ausprobiert, operiert, medikamentiert und behandelt auf Teufel komm raus, und bei vielen scheint der Gedanke unerträglich, das Tier gehen zu lassen. Klar ist es nicht leicht, einen geliebten Gefährten auf diese Weise zu verlieren- aber bei Tieren haben wir die Möglichkeit, Barmherzigkeit walten zu lassen. Wenn wir das nicht tun, weil wir uns nicht trennen können, dann ist das keine Liebe zu Tieren mehr, sondern Egoismus in einer üblen Ausprägung.
Wie dem auch sei. Alle meine Tiere sind Tierschutz-Tiere, auch Karl ist so ein Notfall gewesen, und Gretelchen ist aus dem Tierheim. Etwas anderes kam nie in Betracht Aber es werden auch nicht wieder mehr Katzen. Die Gruppe versteht sich gut, kommt prima klar miteinander und das will ich nicht stören.
Da so ein Lymphom nicht über Nacht entsteht, frag ich mich natürlich, ob Eddies Außenseiterposition nicht daran lag, dass er bereits katzenkommunikatorisch auffällig war, oder merkwürdig roch oder so etwas... und dass er sich deshalb so an mich angeschlossen hat.
Na prima.... Aus der Reihe "Depressive Gedanken" die neueste Variante: Hast du mich wirklich lieb, oder nur einen Tumor??

Dazu passt, dass Sohn und ich gestern das Grab von Raphael fertig gemacht haben. Ich hätte meinem Enkelkind lieber etwas aus Wolle gestrickt, anstatt 50 Kilo Kies auf seinem Grab auszubreiten. Daran musste ich die ganze Zeit denken, und es war gut, dass es so heiß war. Da sind Tränen nicht vom Schweiß zu unterscheiden, der einem über das Gesicht läuft, wenn man den Kies verteilt.  Natürlich ist es, eine Woche nach der Beerdigung, extrem früh, solche Arbeiten zu unternehmen. Klar wird der Boden noch nachsacken, aber -ätsch- wir haben noch Kies übrig und kippen dann nach.
Auch hier gilt, dass jede Menge Platz ist für depressives und in die Negativität kaskadierendes Gedankengut. So lange ich mich an rein praktischen Dingen festhalten kann, und das ist derzeit unter anderem die Grabpflege, kann ich die Grübelei aber in Schach halten.
Und heute trenne ich mich vielleicht von den drei himmelblauen Knäueln Wolle, samt der Bärchen-Knöpfe, die hier noch herumliegen.



Kommentare:

Frau Vau hat gesagt…

Ach, Lily, das ist alles so schwer... und du trägst diese Last.. da darf man auch so weinen, dass man es sieht.
Das mit der Tierbehandlung.. ich bin da ganz bei dir. Ich liebe mein Tier, habe auch meine Katzen vorher unendlich geliebt - aber ich hätte ihnen so eine Strapaze auch niemals zugemutet. Und ich denke da auch ganz praktisch - ich könnte es mir auch niemals leisten, einen Hund für mehrere 1000 Euro an der Bandscheibe - vielleicht sogar mehrmals - behandeln zu lassen. Wobei ich da auch den Sinn generell in Frage stelle: wo hört Tierliebe auf und wo fängt Vermenschlichung an? Aber das ist ein weites Feld und wird natürlich sehr kontrovers diskutiert. Deine Entscheidung war auf jeden Fall die Richtige.

Lily hat gesagt…

Liebe Frau Vau- ich danke dir für den Zuspruch. Ich hab zum Glück nicht den Fehler gemacht, das Eddie-Tier in einem der Foren vorzustellen. Da gibt es viele Menschen mit ähnlicher Einstellung wie du und ich sie haben, aber eben auch die Anderen. Einen Haufen hilfreicher Tipps hab ich da ebenso gelesen wie jede Menge sentimentalen Kitsch und regenbogenfarben umbrämtem Egoismus... gruselig.

Sassenach vomWaldweiler hat gesagt…

Liebe Lily, es ist immer schwer ein geliebtes Wesen gehen zu lassen - auch ich kenne das - habe meine Katzen immer sehr geliebt aber wenn dann die Entscheidung anstand gehen lassen oder mit aller Gewalt auf Teufel komm raus versuchen zu retten was doch nicht geretet werden kann ..... es ist wie Du sagst, bei Tieren kann man Barmherzigkeit walten lassen und den Qualen ein Ende bereiten. Beim Menschen .......

Warum willst Du die Wolle entsorgen???? Strick oder Häkel Raphael doch lieber etwas so wie Du es vor gehabt hast ..... ich glaube nämlich nicht das es verboten ist als kleiner Engel auf eine Wolke zu sitzen und über dem Engelskleidchen ne hellblaue Weste zu tragen - ist ja bestimmt auch zugig da oben ..... davon mal abgesehen, hilft es in jede Masche seine Trauer mit rein zu stricken ..... die Seele wird dadurch leichter .... ich weiß es, habe es auch schon getan .....
*drück*
Sasse