Mittwoch, 9. April 2014

Leidensfähigkeit

Unvereinbar mit der Existenz von mehr als einer Katze im Haus ist ein gewisser Sinn für Ästhetik. Vor Beginn der WG-mit-Tieren besaß auch ich allerlei Zierrat und Steh-Rümchen, Gardinen, Zimmerpflanzen und anderen eitlen Tand. Katzen hingegen pflegen ihre Hobbys nicht auf Tischen (naja, sie sollten das zumindest nicht tun), sondern auf dem Boden. Das nehmen sie zum Anlass, vieles von dem, was vorher oben stand, auf denselben herunter zu holen. Unter Inkaufnahme von Kollateralschäden, versteht sich. Überlebt wurden diese Umgestaltungsaktionen nur von Unzerbrechlichem, was dazu geführt hat, dass hier chez Lily nur noch Katzenspielzeug neu angeschafft wird.
Kater Henry, seines Zeichens einer der Pioniere in Sachen Katzenraumgestaltung, hat seinem Hobby damals viel Zeit gewidmet, und unter anderem einem jahrzehntealten, liebevoll gehegten Mordstrumm von Elefantenfuß (der Pflanze) den Garaus gemacht. Nur unter Benutzung seiner Zähne. Ich geb zu, ich hab Dinge nach ihm geworfen, um ihn davon abzuhalten. Da ich aber einen Großteil des Tages nicht anwesend war und bin, und dieses kleine graue Katertier wie kein zweiter Türen öffnen konnte, war der Verfall unvermeidlich und der Kater zum Schluss der Sieger.
Was der moderne Katzator von Tischdecken hält, hat man mir ebenfalls schnell klar gemacht. Kekse auf Tischen werden gefressen. Kiwis, Pflaumen und Co kann man durch die Gegend rollen, man muss sie nur erst aus der Schale holen, was eine sinnvolle, stundenlang durchgehaltene Beschäftigung für den Katzennachwuchs sein kann.
Mit Fell überzogene Möbel sind zuletzt in den siebziger Jahren richtig modern gewesen, aber meine Tiere tun ihr möglichstes, um diesen Trend wieder aufleben zu lassen. Seit das Gretelchen hier wohnt, kann man sich darüber freuen, dass dieser Pelz nicht mehr nur hell ist, sondern gemischt. Was dazu führt, dass die Beschränkung auf helle Jeans nicht mehr bedeutet, dass man zumindestens von Weitem gepflegt aussieht. Ich habe z.B. eine schwarze Jeans, mit der ich grundsätzlich in meiner Wohnung NICHT SITZE.
Auch auf nicht-Design-Gebieten sorgt mein Fellvolk dafür, dass nostalgische Gefühle wieder aufleben. Nur, dass es jetzt keine Legosteine sind, auf die ich nachts trete, sondern Aufziehmäuse und Katzenminze-Spielzeuge. Gruselig ist es, im Dunkeln auf die Spielzeugratte zu latschen, noch gruseliger, wenn Karl mal wieder irgendwohin gekotzt hat. Das kann auch gefährlich sein, weil Ausrutschgefahr besteht, also wird bei nächtlichen Wanderungen chez Lily immer das Licht eingeschaltet.
Wer also Ästhetik liebt, der schaffe sich keine Katzen an. Oder nur eine. Oder nur Ausgestopfte.
Wer es liebt, dass man ihn anschnurrt, austrickst, zerkratzt, anmault, belagert, im Weg steht, und entweder ignoriert oder aufdringlich beschmust, der, nur zu, gehe ins nächste Tierheim. Nicht über Los, ohne Einziehung der Los-Übertritts-Kohle, und ohne Gewähr.
Das Gefühl ist unvergleichlich:-)

Einen schönen Tag wünscht die Lily, samt der Pelzbande.

Kommentare:

Sturmtaenzerin hat gesagt…

Nach Deiner Beschreibung habe ich das Gefühl, ich sitze mitten in Deinem Wohnzimmer und sehe Deinen Miezen dabei zu, wie sie es verwüsten. Sehr amüsant. Zum Glück sind meine Katzen Freigänger und haben sich solche Späße am Ende ihrer Katzenpubertät abgewöhnt. LG ST.

Frau Vau hat gesagt…

Ich bin ja mit sehr vielen Katzen gleichzeitig aufgewachsen und schwöre seither auf nach oben gestellte Türgriffe! Zumindest einen Raum im Haus haben wir damit katzenfrei gehalten - das war das Besucher-Esszimmer. Mit Stühlen, die mit Stoff bezogen waren. Dunklem Stoff. Hat funktioniert! Ich würde aber trotz allem die Gesellschaft von Katzen einer Designer-Wohnung vorziehen - jederzeit. Liebe Grüße zurück!

Lily hat gesagt…

@Sturmtaenzerin: Es IST amüsant, wenn es mich nicht grade ärgert. Freigänger wären meine auch, wenn draußen ein wenig weniger Verkehr wäre. Ich mag keine platte Fauna! So müssen sie meine Wohnung verwüsten und ich muss dabei zusehen :-)
@Frau Vau: Das mit den nach oben gedrehten Griffen ging in der alten Wohnung nicht, da war so historisches Zeugs an den Türen. In der jetzigen ist das Schlafzimmer katzenfrei, und das Zimmer, in dem die Wäsche hängt. Alle anderen Räume müssen offen sein, sonst gibts Mecker von den Meistern...

Paterfelis hat gesagt…

Unsere Katzenbande ist da an sich auch eher pflegeleicht, von ein paar Zugfäden in den Gardinen und den allen Ortes aufzufindenden Haaren mal abgesehen. Gut, die Flegelmonate mussten sie mal überwinden, aber mit spätestens einem Jahr war das Thema bei allen durch. Und darüber bin ich durchaus glücklich.

Ja, was die Themen Spielzeug sowie Katzenkotze angeht, stimme ich dir vollinhaltlich zu. :-)

Lily hat gesagt…

@Paterfelis: Es herrscht auch hier meist Ruhe. Meist, aber nicht immer. Was aber immer beachtet sein muss: Keine Stifte, Stricknadeln etc. so aufbewahren, dass Eddie oder Paul dran können, die schleppen die Dinger in irgendeine Ecke und tun unaussprechliches damit, damit haben sie schon als Welpen begonnen. Das Verhalten erstreckt sich auch auf ungekochte Spaghetti. Bleistifte werden gründlich zerkaut. Tassen und Teller werden, wenn herumstehend, geleert. Kartoffeln, so nicht sicher im Schrank verstaut, werden angebissen. In Schuhe wird gekotzt, wenn man kann. An Plastiktüten leckt man herum. Das hat bestimmt einen Grund, ich mag ihn aber nicht wissen :-)