Sonntag, 15. Juni 2014

Scoot, scooter, am scootesten

Wie vielleicht noch keiner mitbekommen hat, pflegt man hier chez Lily stets ausgesuchte und gepflegte Luxuskarossen dezent klapprige Tüv-Kandidaten zu fahren. Ich fahre gern Auto, finde aber maximal das Loch zum Spriteinfüllen und das, wo man Scheibenwischwasser reinkippt. Das sind zwei Dinge, die sich nur dauerhaft vertragen, wenn man entweder einen passionierten Bastler bei sich wohnen hat, oder ausreichend Kohle sein eigen nennt, um die Fachwerkstatt seines Vertrauens in Lohn und Brot (und den Chef auf den Malediven) zu halten. Beides ist nicht der Fall. Obwohl- für die eigentlich stets nötigen Reparaturen an den Fahrzeugen meiner Wahl könnte man auch eine schöne Hochzeit ausrichten, mit einem guten Schrauber, der noch ein Zuhause sucht...
Im Grunde  ist es so, dass es, halbwegs ordentliche Substanz vorausgesetzt, sich für mich lohnt, für 500 € einen frisch getüvten Wagen zu kaufen, der folgende Voraussetzungen erfüllt:
a) fährt
b) hält auch wieder an und
c) man sitzt trocken und kann Katzenstreu drin transportieren.
Gestern war es wieder so weit.
Die Plakette am alten Auto ist blau und zeigt eine Ziffer, die gemeinhin "4" genannt wird. Da ich der festen Meinung war, jener schändliche Termin, an dem wir uns trennen müssen, läge erst im Mai, war ich gelinde gesagt überrascht, Anfang Juni festzustellen, dass der Termin schon verstrichen war- und wurde etwas hektisch. Das ganze wird noch komplizierter, wenn man weiß, dass die Silbermaus schon stattliche 23 Jahre das Werk in Wolfsburg nicht mehr gesehen hat, und im letzten Jahr eine etwas problematische Phase hatte, gekennzeichnet durch Probleme beim Anbleiben. Sie ging an jeder Ecke aus, weil etwas schwer krank war, was die Drehzahl, abhängig von der Motortemperatur, steuerte. Je heißer desto will nicht, kann man das Fehlerbild zusammenfassen. Das war nur auszugleichen, in dem man ordentlich runterschaltete und an Ampeln oder wo immer man sonst mit Leerlaufdrehzahl herumzustehen pflegt, den Fuß nienichtniemals vom Gas nahm. Leider führte das zu erhöhten Strafzahlen an der Tankstelle. Als ich endlich einen Schrauber fand, der bereit war, den Schlüssel in die Hand und die Silbermaus in Augenschein zu nehmen, dauerte es Wochen, bis dieses mysteriöse Ersatzteil geliefert wurde. Bis dahin hatte die Maus sich ein fieses Rasseln auf der Lunge in dem Teil zugelegt, in dem "moderne" Autos Keramik vorzuweisen hatten. Zu deutsch: Die stark erhöhten Motortemperaturen durch Dauer-Gas hatten den Kat zerlötet. Ausgeglüht und zerscheppert.

Was für einen charakteristischen Motorsound sorgte, und seit Anfang Juni für verschämtes Nebenstraßenfahren, denn eine Begegnung mit unseren uniformierten Kollegen wäre angesichts des Lärms schon peinlich gewesen, und ich schätze mal nicht, dass ich überzeugend hätte darlegen können, dass ich nicht weiß, was ein Tüff ist. Merkwürdig, wie allein das Bewusstsein einer Zahl auf einer Plakette einem jedes Selbstbewusstsein nehmen kann. Und die Frequenz wahrgenommener silber-blau lackierter Autos mit Blaulicht oben drauf stark erhöht.

Schlaue Leute hätten wahrscheinlich am Montag Abend die Silbermaus in den Wald gefahren und um ein paar Äste von oben gebetet. Das ist mir jedoch erst am Dienstag eingefallen.

Wie dem auch sei. Ein Anruf eines Freundes meines Sohnes, dessen Onkel... ihr wisst schon, hatte zur Folge, dass ich seit gestern wieder im Besitz eines Autos mit gültiger Plakette bin. Hat fast 100.000 km weniger auf der Uhr als die Silbermaus, und zwar echte, und nicht durch ein Lifting mit dem Akkuschrauber erzeugte (wie die ungefähr hundert beigelegten Rechnungen belegen), fast zwei Jahre Laufzeit auf der ominösen Plakette und kostete mal wieder 500 €. Es ist aber ein Automatic. Der erste, den ich seit mehr als dreißig Jahren fahre. Jeder, der nach langer Zeit vom Schaltwagen auf einen Automatik umsteigt weiß, dass es keine übleren Überraschungen gibt, als in seinem Automatik auf die Kupplung zu latschen. Das ist mir so nach einem Jahr Fahrpraxis passiert, als ich an der ersten Ecke mit dem geliehenen Schwiegervaterauto sehr plötzlich anhielt. Wer kann auch ahnen, dass die Abläufe beim Anhalten schon nach so kurzer Zeit so tief sitzen? Und dass man eine Kupplung ganz anders tritt als eine Bremse?

Wie dem auch sei. Die ersten 30 km gestern liefen komplett schreckfrei ab. Denn, Überraschung!- die "neuen" Automatiks haben kein Bremspedal in Kuchenblechgröße mehr. Da besteht keine Chance, das Ding mit dem linken Fuß zu erwischen. Ergo hab ich ab Kilometer 2 es sehr genossen, dem linken Fuß die Ruhe zu gönnen, die er nach 33 Jahren Schaltwagen auch verdient hat.
Nur das mit dem Parken, das ist komisch.
Aber sonst? Wie Autoscooter, nur ohne die komischen Sounds aus den Lautsprechern...

Werrrrrwillnochmalwerhatnochnicht? Einsteigen, Herrschaften!!!

Schönen Sonntag, ihr Lieben! Ich geh jetzt Autofahren. Und alle Nachbarn werden mich lieben, weil ich nicht mehr mit dem Geräusch von tausend lungenkranken Bergleuten mit defektem Auspuff vom Hof rollen werde.
Vorerst. 


Kommentare:

Georg hat gesagt…

Das ist Super. Herzlichen Glückwunsch!

Lily hat gesagt…

danke!

Meise hat gesagt…

Gratulation zum neuen Auto!

Ich kenn das Problem mit dem Aufs-Pedal-Treten. Das mir geliehene Auto eines Freundes ist ein Halbautomatik, d. h. man hat kein Kupplungspedal muss aber trotzdem per Hand schalten, dafür muss man dann vom Gas gehen. Wenn man dann danach ein normales Auto fährt, kann es schon mal passieren, dass man versucht zu schalten, ohne das Füßchen auf die Kupplung zu setzen. Krrrraa... Ups.
Auch nicht schön. ;)

Paula hat gesagt…

Wenn man sich erst einmal an die Automatik gewöhnt hat, will man sowieso nie wieder ein Schaltauto.

Jetzt kannst Du den angewinkelten linken Arm aus dem geöffneten Fenster lehnen(mit der linken Hand eine Zigarette halten)und mit der rechten relaxed steuern. Is doch toll!

Lily hat gesagt…

@Meise: Ich versuch immer zu schalten beim Einparken. Das ist ja der schaltintensivste Teil beim Autofahren, aber da greif ich dann immer ins Leere... Nur die Rückwärtsgeschwindigkeit, die erscheint mir doch mehr wie ein Einfach-so-lospreschen, und weniger wie eine "Kriechneigung" wie das Vorwärtsrollen...
@Paula: Dafür hätte es ein Manta sein müssen :-)) Und im Golf sitzt man etwas tief, da sieht es komisch aus, wenn der Arm so gegen den Himmel ausgestreckt ist... um den Ellbogen aufzustützen bräuchte ich ein Kissen auf dem Fahrersitz.

Daniela Schenk hat gesagt…

Danke - so witzig! Ich habe mich gut unterhalten :)
(Dass ein Auto Katzenstreu transportieren muss, das ist wirklich das Wichtigste ... ;)

Lily hat gesagt…

Danke, das hört man gern. Was Katzenstreu betrifft, vermisse ich noch genaue Tests in den Fachzeitschriften, z. B. in Bezug auf die Höhe der Ladekante und der Wuppizität der Hinteren Kriechnippel.