Samstag, 24. Oktober 2009

Ent oder weder?


Was mich immer wieder erschüttert, ist, in welchem Ausmaß Frauen es schaffen, sich gegenseitig in Rollen-Ecken zu schieben, zu diffamieren, von oben herab zu be- und verurteilen- über solche Dinge wie Kleidung, Make-up, Auftreten sind schon böse intra-geschlechtliche Kriege ausgebrochen, und irgendwie gibt sich das nicht.
Hat es nicht gereicht, von Seiten der (großen und anonymen) Gesellschaft in Rollenerwartungen gedrängt zu werden, und das für Jahrtausende? Muss frau das fortsetzen? Muss ums Verrecken entweder herumgezickt oder herumindoktriniert werden und muss immer eine das alleinseligmachende Geheimrezept in der Tasche haben, und alle anderen dafür übelst anmachen, wenn die ihr Heil woanders suchen?
Früher hieß ein selten dämlicher Spruch: Lange Haare, kurzer Verstand, und über den und seines gleichen wurde sich zu Recht aufgeregt.
Heute sieht es nicht viel anders aus. Geht frau vor dem Verlassen des Hauses sicher, so gut aussehend wie sie es will vor die Tür zu gehen, wird ihr von anderen automatisch Verrat unterstellt. An der Sache der Frauen, an was weiß ich noch für Dingen.
Von einigen Seiten wird ihr sogar der Verstand abgesprochen- haben wir das nicht schon lang genug gehabt? - und es sind diesmal Frauen, die das tun.
Tut sie das nicht (ich meine jetzt das mit dem Aufbrezeln) muss sie sich von anderen Leuten -auch Frauen- anmachen und verachten lassen. Das kann es doch alles nicht sein.
Wenn das vielgerühmte Matriarchat so aussehen sollte, dann- nein Danke.


Verdammt nochmal, wir haben nur dann einen politischen Auftrag, wenn wir das so wollen. Ansonsten nicht. Niemand MUSS jemand anderen missionieren, im Gegenteil.
Und ich lasse mich auch nicht nur wegen meines Doppel-X-Chromosoms in zu enge Schuhe zwängen, nur weil wer findet, eine richtige Frau müsse aber dieses und anderes tun, was mir vielleicht gerade nicht passt.
Wer einen Auftrag zur Aufklärung anderer verspürt, kann das gern tun, es fehlt an vielen Ecken an Informationen- aber er/sie soll nicht andere vor seinen Karren spannen.


Wer seiner Lebensfreude Ausdruck geben kann, wer sie spürt und weitergeben mag, der oder die soll das bitte tun. Bitte. Davon gibt es viel zu wenig. Aber er/sie soll mir die Freiheit lassen, so zu sein, wie ich bin- derzeit extrem unfröhlich.

Und, weil es so passend ist, hier nochmal „Weiberleben“....






ArchivarinAbenteurerin AngeberinBetschwesterBeschützerinBeichtmutter
CharmebombeChemikerinChristinDemokratinDemonstrantinDurchblickerin
ElendeErleuchteteErleichterteFreundinFeindinFreche
GöreGirlyGestörteHeitereHureHirnverbrannte
IrreIntensiveImmacolataJägerinJa-SagerinJelängerjelieber
KöchinKindlicheKaiserinLiebeLesbeLust
MädchenMutterMatrone NeugierigeNutznießerinNeo-Romantikerin
OberkommandierendeOmaOberbesserwisserinPrinzessinPriesterinPutzfrau
QualQuerulantinQuerdenkerinReineRosigeRiesin
SexbombeSenatorinSeifenopernstarTanteTierTänzerin
UngeheuerUngezähmteUrteilerinVielgeliebteVerteidigerinVerwalterin
WunderwirkendeWasserträgerinWahrsagerinXanthippeXeniaXarifa
YvetteYvonneYuppie ZauselZauberbieneZärtliche.


Alles das hätte ich gerne, für alle von uns.


Kommentare:

Mary Malloy hat gesagt…

A!M!E!N! Danke!

Bea hat gesagt…

Yes!

Meise hat gesagt…

Jawoll!!!!

Paula hat gesagt…

Es gab einmal eine Generation, die inzwischen alt geworden ist und als "Körnerfresser", "Althippies" und "ehemalige 68er" verumglimpft werden. Die hat schon mal vor 30 Jahren damit aufgeräumt, dass Frauen geschminkt, dünn wie anorektische Models und Opfer der gesellschaftlichen Rollenerwartungen sein müssen, also auch Opfer der Schönheitsideale von Fernsehen, Illustrierten, Pornofilmproduzenten und Werbeagenturen sind.

Aber die Industrie hat wieder Oberhand gewonnen, was man an heute 20-Jährigen gut beobachten kann. Es wird sich wieder geschminkt was das Zeug hält, der Body-Mass-Index muss knapp unter dem Limit liegen, die Beine lang und schlank, damit sie auf dem Markt als sexy gelten.

Die Botschaft damals war "Love is all you need". Das ist auch heute noch wahr. Nur es weiß kaum noch jemand, was das wirklich bedeutet. Liebe Dich selbst, finde jemanden, der Dich um Deiner selbst willen liebt und scheiß auf die Normen und den Markt! Schönheit und Reichtum kommen tatsächlich von innen.

Schönen Abend noch.
Paula

Georg hat gesagt…

Wieder einmal auf den Punkt gebracht
Hut ab

Lily hat gesagt…

@Mary, Bea, Meise und Georg: Danke:-)
@Paula: Liebe Paula, genau das habe ich gemeint. Wir urteilen so viel... Wenn ich schon "Körnerfresser" höre, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf. Aber auch, wenn ich lese, dass "die Industrie gewonnen" hat. Schlanke Frauen mögen schlank sein, ohne gleich an Magersucht zu erkranken und Make-up zu benutzen ist nicht gleich Fraternisierung mit einem großen bösen Feind. Alle Menschen, ob Männer oder Frauen, haben immer versucht, sich an den kulturell gerade aktuellen VOrstellungen von Schönheit zu orientieren, das ist etwas sehr menschliches und normales. Selbstschädigendes Verhalten ist hier nicht gemeint. Aber wenn eine Frau oder ein Mann so attraktiv wie möglich sein will, und der Meinung ist, seine oder ihre innere Schönheit könne auch einen gepflegten und attraktiven äußeren Rahmen vertragen, dann sollen sie das doch tun. Solange sie nicht von mir verlangen, da mitzuhalten, können sie sich doch lila anmalen lassen. Oder pink. Ich hab auch kein Recht, darüber zu urteilen, aus welchen Gründen sie das tun. Wenn es wegen der Chancen auf dem Markt ist, dann ist das sehr nachvollziehbar, denn in dem Alter von dem du sprichst, gehts doch primär um Bindungen und Partnersuche. Wenn ich die Bilder in meinem Kopf richtig deute, dann sind auch gerade die 70er Hippie-Mädels nicht in grauen Säcken einhergewandelt, sondern bunt gekleidet, sie trugen Schmuck und sie schminkten sich. Die, die damals brav und angepasst waren, gingen ungeschmückt und blass herum, und nicht auffallend wie die Paradiesvögel. Manchmal tut mir das weh, wenn ich heute die Mädchen in dem Alter sehe. Aber nicht, weil die politische Kenne bei denen so mies ist (oder vielleicht auch, wer weiß), sondern weil sie so wenig Geschmack haben, sich Sachen anzuziehen, die ihnen eben nicht gut stehen, die ihnen zu eng sind, und weil sie alle diese grässlichen Haarfarben haben und sich die Augen so unvorteilhaft klein schminken. In den Klamotten könnte ich nicht rumlaufen ohne Schmerzen und Nierenbeckenentzündung, den Kajal mag ich nicht so dicht an den Augen haben und die Haare brauchen dringend eine Packung. Sehen so spröde aus.
Aber ich mag dem keine ideologischen EInwände entgegensetzen- sie stehen mir nicht zu. Ich lache auch über Paris Hilton, weil ich sie ein bisschen doof finde. Aber sie ist attraktiv, wenn man auf den Typ steht, nach öffentlichen Gesichtspunkten attraktiver als Frau Merkel. Diese wiederum hat ihre Aktion und ihre Lebenseinstellung auf anderes gerichtet, und beider Rollenwahl zu kritisieren steht mir nicht zu.
Kurz und gut:
Wenn eine Frau einen eisengrauen kurzgeschorenen Haarschopf trägt und dazu Latzhosen, dann gefällt mir nicht, dass man sie automatisch unter "Kampflesbe" einsortiert, und sie damit für bestimmte Dinge einfach "wegsperrt". Wenn eine Frau mit langen blonden Haaren, im Mini und auf hohen Hacken eine Straße entlang geht, sperrt eine andere Truppe dann diese für andere Dinge weg.
Vielleicht könnten sich die zwei kennenlernen, vielleicht wären sie ein Team wie im Traum. Aber so, wie es aussieht, werden sie nur übereinander herziehen und sich gegenseitig verachten.
Und über das Stadium sollte diese Gesellschaft mittlerweile hinausgewachsen sein...

Bea hat gesagt…

Niemand ist ohne Vorurteile. Sollte man nicht trotzdem, oder gerade deswegen, versuchen, als erstes den Menschen zu sehen, der sich hinter einer blonden Wallemähne oder einer lila Latzhose verbirgt? Ich weiß, das ist oft einfacher gesagt als getan und auch ich kann mich nicht davon freisprechen, Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten, keine Chance gegeben zu haben. Aber ich gebe mir Mühe und ich bin immer wieder überrascht, wie sehr man sich täuschen kann. Viel aussagekräftiger ist doch das Verhalten eines Menschen und auch nur das lässt Rückschlüsse auf seinen Charakter zu, keinesfalls Äußerlichkeiten. Und wenn mir das Verhalten, der Charakter oder die äußere Erscheinung eines Menschen nicht zusagt, bleibt mir (meistens) immer noch die Möglichkeit, mich von diesem Menschen zu distanzieren. Leben und leben lassen und jedem das Seine.

Svenja-and-the-City hat gesagt…

Lily, das hast du ganz wunderbar geschrieben und ich mag den wütenden Charme, der oft aus deinen zornigen Postings spricht.

Außerdem lässt sich mit den verschiedenen Rollen ganz wunderbar spielen. Ich kann heute abend ein Vamp sein, eine Girly Tussi und morgen früh wieder die brave Büroelse. Deshalb bleibe ich trotzdem immer ICH.

rebhuhn hat gesagt…

zustimmung. und @Svenja: GENAU! <-- ebenfalls zustimmung ;).

rebhuhn hat gesagt…

ach, und als ich klein war, hat meine mama immer gefragt, was ich essen will, essen A oder essen B. ich mochte oft überhaupt nicht und habe meistens mit den schultern gezuckt, was sie letzten endes immer dazu getrieben hat, zu sagen: 'egal gibt's hier nich, egal is 88. also, snurzel, ENT oder WEDER?' ich habe dann wohl einmal verschüchtert mit 'ent, mama.' geantwortet ;).