Donnerstag, 24. Juli 2014

Aus gegebenem Anlass: Lilys kleiner Berufsfinder

Heute:

Ich werde Verschwörungstheoretiker,
oder: Sieben leicht fassliche Übungen für einen erfüllten LebensFeierabend


Wie wir alle wissen, ist es zunehmend schwierig, für allerlei Spaß und Geselligkeit Gefährten zu finden. Viele von uns sitzen abends vor dem Fernseher, erschöpft von des Tages Müh´ und Plag´, und fragen sich, wie dieses Elend rasch ein Ende finden kann, ohne a) von der Möglichkeit vorzeitiger Bettruhe Gebrauch zu machen oder b) die Notwendigkeit, Hinterteil und Couch voneinander ohne Anwendung chirurgischer Mittel zu trennen, um zum Beispiel die Spülmaschine einzuräumen.

Freizeitforscher (die damit auch ein hübsches Hobby gefunden haben!) weisen verstärkt darauf hin, dass das Berufsfeld des Verschwörungstheoretikers da eine sinnvolle Ergänzung  darstellen kann, wenn es gilt, einen  Ausgleich zu der modernen Monotonie des Alltags zu finden.
Der geneigte Leser mag sich fragen, ob sich der Aufwand lohnt, noch mehr Dinge zu lernen, mit denen man dann doch nichts anfangen kann- aber halt! in vielen Feldversuchen zeigt sich immer wieder, dass Ruhm, Ehre und zumindest eine lokale Prominenz in greifbarer Nähe sind, wenn nur ein paar wichtige Punkte Beachtung finden.
Dabei muss man noch nicht einmal so weit gehen, vor dem Frühstück zehn unmögliche Dinge zu glauben. Winston Churchill hat einmal gesagt: "Gebt mir einen Computer, und ich drucke das Internet aus", womit  er nichts anderes ausdrücken wollte, als "Tausend Euro auf den Tisch des Hauses, Zugriff auf eine Kiste Papier, und ihr werdet sehen, was passiert".
Meine Damen und Herren, nehmen Sie sich ein Beispiel an diesem  alten Haudegen der unzuverlässig übermittelten Zitate diesem Literaturnobelpreisträger (das war er tatsächlich) und legen Sie einfach los!

Übung 1
Setzen Sie sich entspannt hin. Kommen Sie zur Ruhe, und atmen Sie tief ein und aus.
Einatmen. Ausatmen. Lauschen Sie dem Pfeifen Ihrer Lungen Atem... Einatmen. Ausatmen.
Immer so weiter machen. Sobald Sie das Ein- und, fast noch wichtiger, das Ausatmen beherrschen, haben Sie den wichtigsten Teil dieser Übung schon geschafft! Sie können ein bisschen stolz auf sich sein!
Gut.
Dann konzentrieren Sie sich  auf Ihr Umfeld. Sitzen Sie bequem und entspannt? Kneift der Jogger, oder geht's noch? Spüren Sie tief in sich hinein, und dann wieder hinaus. Da! Was war das? Wenn Sie lang genug üben, hören Sie über kurz oder lang etwas an der Schwelle Ihrer Hörfähigkeit herumkratzen.
Da! Da ist es schon wieder!
Was IST das?

Übung 2
Stehen Sie nun auf (das ist wichtig, auch wenn es schwer fällt!) und gehen Sie langsam in Ihrer Wohnung umher.
Bleiben Sie in jedem Zimmer stehen und legen Sie auf dekorative Weise den Kopf schräg. Letzteres ist wichtig, denn Anmut und Grazie fördern das körperliche Selbstbewusstsein und Ihre physische Präsenz. Außerdem kann man dann besser Geräusche orten.
Irgendwann, wenn Sie sich der Quelle der Störung des Geräusches nähern, werden Sie in der Lage sein, es auch räumlich zu orten.

Übung 3
Ist es Ihnen gelungen, das zu tun, bauen Sie Ihre sogenannte  "Innere Nachbarschaft (tm)" auf. Das ist die erste Stufe für ein Gedankengebilde, welches Verschwörungstheoretikern am Anfang ihrer Laufbahn dabei behilflich ist, in der ungewohnten  neuen Berufswelt die Orientierung nicht zu verlieren. Dazu stellen Sie sich in Gedanken vor Ihr Wohnhaus auf die Straße.
Erinnern Sie sich.... lassen Sie Ihr inneres Auge schweifen... und stellen Sie sich konkret vor, aus welchem Haus, aus welcher Mülltonne, aus welchem Abflussrohr oder schlecht geparkten Auto die Geräusche dringen. Dabei entwerfen Sie Stück für Stück in Ihrem Inneren ein Bild von Ihrer Nachbarschaft.
Der entscheidende Schritt ist nun, diese Nachbarschaft mit Menschen, Geschichten und Szenarien zu füllen.
Dazu braucht es einiges an Übung. Ihre Phantasiemuskeln sind sicherlich, nach Jahren von CSI und Co, verkümmert und untrainiert. Aber geben Sie nicht auf. Der Nachbar von rechts oben, der immer so etepetete im Treppenhaus an Ihnen vorbeitänzelt. Die Hunde der Frau von gegenüber, die offenbar alle eine milde Form der Tollwut haben. Der Opa von 36 a, der Ihnen neulich fast über den Fuß gefahren ist... Sie alle finden einen Platz in Ihrer Inneren Nachbarschaft ("IN"). Und da sind noch viele, die Ihnen bisher kaum bekannt sind. Menschen, die ein geheimes Leben führen, eines, das SIE nicht kennen. Eines, das Geräusche macht. Eines, das Wirkung hat. Auf SIE.

Übung 4
Lauschen Sie weiter auf die Geräusche. Konzentrieren Sie sich auf die "IN". Und entwickeln Sie ein Bewusstsein für die Wellen, mit denen die Geräusche auf Sie eindringen. Weiten Sie dieses Bild aus. Alles hängt mit allem zusammen...
Der Gully mit dem Abfluss, der Abfluss mit dem Bach, der Bach mit dem Strom mit dem Meer mit Amerika, mit den Menschen dort, der Politik, dem Ku-Klux-Klan, den Südstaaten, mit Louis Armstrong mit Neil Armstrong.
Halt.
So jemand wie Neil Armstrong, persönlich verbunden mit Ihnen durch den Gully vor Ihrem Haus (s. Beweiskette im vorigen Satz), der soll auf dem Mond gewesen sein?
Ich bitte Sie.
 Ihre Innere Nachbarschaft, die ist mit Sicherheit nicht mit dem Mond verbunden. Den kann man sehen, vielleicht, und auch nur, wenn man sich aus dem Wohnzimmerfenster ganz weit nach rechts heraus lehnt. Bei Vollmond, manchmal. Aber sonst?
Kaum zu glauben, dass so etwas wie der Mond existiert. Darauf herum gelaufen ist bestimmt nie jemand. Das würden Sie spüren, wegen der Verbindungen. Sicherlich würden Sie das spüren, genau so, wie Sie diese lästigen Geräusche hören, im Arbeitszimmer, direkt an der Südwand.


Übung 5
Überhaupt, der Mond.

Übung 6
Die Erde soll ja eine Kugel sein.
Warum erzählen die Lehrer so etwas? Das ist schließlich nicht bewiesen, oder? Hat irgendwer das gesehen? So richtig? Astronauten? Ich bitte Sie. Diesen Blödsinn mit Raumfahrt, das kann man ja mal gleich abhaken. Haben Sie doch in der vorletzten Übung bewiesen, dass das alles Schwindel ist, oder? Alles nur eine Ablenkung von Seiten der Regierung, damit die in Berlin weiterhin machen können, was sie wollen. Beschäftigen schon die Kinder in der Schule damit, dass jede Menge unnützes und erlogenes Zeug gelernt werden muss.
Man kennt das ja aus CSI. Da gibt es eine Gruppe von Mächtigen, und die sind alle eingeweiht. Da gibt es extra Treffen, man kennt das, wo die Politiker die Neuen jeweils über alle diese Lügen informieren. Die schützen sich, und verschweigen den Menschen, dass die Erde wie ein flacher Pfannkuchen sich langsam kriechend fortbewegt von allem, was gut und richtig ist. Wissenschaftler haben ja bewiesen, dass Dinge zu Boden fallen, wenn man sie nicht festhält. Also würde auch alles herunterfallen, was unten an der Kugel hängt, oder? Sehen Sie.
Womit wird die Erde bei ihrem Kriechen angetrieben wird, fragen Sie? Mit Atom, das ist doch ganz klar, das lernen doch schon die Kinder in der Schule, dass Atom sowas hinkriegt.

Übung 7
Atom... darüber sollten Sie dringend auch nachdenken.

Bis diese Gedanken dann zu Ende gedacht sind, sollten Sie sich eine Homepage im Internet zulegen. Veröffentlichen Sie regelmäßig dort Ihre neuesten Erkenntnisse. Und bald, sehr bald, sind Sie nicht mehr allein, so abends auf Ihrer Couch.
















Kommentare:

Georg hat gesagt…

Brüll.
Was befand sich früher in den Gehirnwindungen wo jetzt diese Texte bei dir entstehen?
Du hast mir den Tag gerettet. Ich gehe nun mal in meiner Wohnung herum...

Georg hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Lily hat gesagt…

Da waren früher (tm) Horoskope. Du erinnerst dich? Oder eher Lilyskope. Mein Lieblings-Sternzeichen ist immer noch die kleine alte Dame mit rosa Taschenschirm.

Georg hat gesagt…

Aahhh. Genau. Wie die Zeit ™ vergeht...

Paula hat gesagt…

Köstlich!

Übung 3 kann ich schon. Abends zwischen 8:00 und 10:00 warte ich immer auf die rhythmischen Klopfgeräusche von links oder rechts oder aus dem Nachbarhaus und versuche jedes Mal eine Theorie aufzustellen: ist es die Frau von oben, hat sie einen Putzzwang und muss immer ihre Fußmatte aus ihrem Küchenfenster ausschlagen, bevor sie schlafen geht? Oder vielleicht der Nachbar von links oben, der jeden Abend mit einem Schrubber die Silberfische aus seinem Bad vertreibt? Oder vielleicht die deutschpolnische Dame, die energisch ihren Wäscheständer auf dem Holzfußboden rüttelt, damit die Blusen glatter werden? Man weiß es nicht, vielleicht ist es auch der Suffkopp von nebenan, den ich seit Monaten nicht gesehen habe, der mit dem Kpf von innen gegen die Wohnungstür schlägt, weil er seinen Haustürschlüssel nicht wiederfindet?

Lily hat gesagt…

@Paula: Vielleicht habt ihr ja Klopfkäfer. Oder irgendwer liest im Internet etwas Dummes und schlägt immer mit dem Kopf auf die Tischplatte?