Montag, 15. März 2010

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt

hat ein kluger Mensch, nämlich Ludwig Wittgenstein, in seinem Tractatus logigo-philosophicus gesagt. Das hatten wir in einem meiner Lieblingsfächer, nämlich Deutsch, und der Satz ist einer der wenigen, die wirklich haften geblieben sind aus einem Programm von insgesamt 14 Jahren Länge- einmal bin ich pappen geblieben.
Seitdem kaue ich auf diesen neun Wörtern herum. Erstaunlich, wo ich doch sonst so sprunghaft bin.
In den letzten Tagen ist mir wieder verschärft deutlich geworden, dass man sich mit Hilfe der Sprache wunderbar reinlegen kann:
Seit ein paar Monaten war meine Diabeteseinstellung nicht die beste, um nicht zu sagen, megamies.
Das wollen wir alle nicht, aber mein Doc ist ein erfahrener Mensch und kennt seine Zuckerschnuten. Er weiß, dass sie ein a) störrisches und b) sehr gern auch mal komplett neurotisches (na gut, verrücktes :-) ) Patientengut darstellen. Und hat mit mir gehandelt, um das Aufschreiben der Werte. Wirklich nicht oft sollte ich das tun, echt nicht.
Irgendwann mal hatte ich hier einen Tagebuchrohling eingestellt, vielleicht erinnert sich der eine oder die andere meiner LeserInnen.
Die Dinger dienen dazu, die Werte und so weiter zu notieren. Wie man ja auch sehen kann, wenn man sich das mal anschaut (muss man aber nicht).
Lange hab ich überlegt, warum ich diese wundersamen und unter Schmerzen mit viel Mühe aufwändig hergestellten Bögen denn nun nicht benutze. Alles aufschreiben, mit zum Doc nehmen, der lernt was draus und erklärts mir dann, und fettich ist die Laube.
Aber nein, so einfach tickt die Lily nicht.
Denn das ist ein Tagebuch!
Jawoll!
Und wisst ihr was?
Tagebücher zeigt man - keinem.
Das ist das erste.
Und das zweite ist: Das Wort allein schon erzeugt bei mir Hirnlähme und Schreibblockade. Noch nie in meinem Leben hab ich sowas benutzt, und lass mich schon gar nicht dazu zwingen, das zu tun.
Also: So lang diese Tabellen Tagebuch heißen, wird das nichts mit uns. Vermutet hab ich das ja damals schon, aber irgendwie bin ich mit den Namen nicht zu Potte gekommen, trotz grandioser Ideen wie Diabelle- aber ich wills ja nicht verkaufen, sondern erstmal selbst benutzen.
So einfach ist das, Herrschaften.
Anyone eine Idee für eine bessere Namensgebung? Nichts im Sinne einer unnötigen Aufhübschung- Das Ding ist nicht Karstadt und muss jetzt Arcandor heißen oder weinen.
Einfach nur einen griffigen, aussagefähigen Namen soll es tragen, der nicht Tagebuch, Journal oder Diary enthält.
So, please, help!
Emily findet das auch wichtig:

 Fig. 1: Die Katze auf dem Weg zur Weltbeherrschung durch Verhaarungen größeren Ausmaßes.


Einen guten Tag... äh, ich meine natürlich: Start! in die Woche,








Kommentare:

Schäfchen hat gesagt…

1. Ein wunderbares Zitat.
2. Ich bin furchtbar schlecht, wenn es um innovative Namensgebung geht.

Spontan blubberte es "BluZuLi" aus meinem Hirn. Ich entschuldige mich im gleichen Atemzug :)

Liebe Grüße vom Schäfchen

Paula hat gesagt…

Blutzuckertabelle
Blutzuckerliste
Diabetesdokumentation
Dr.XY - Tabelle
Logbuch Blutzucker

Georg hat gesagt…

Glykol bezogene Gedächtnisstütze. Kurz, wir sind ja Beamte; GbG

Georg hat gesagt…

womöglich könnte die Tabelle auch

-- Die, deren Name nicht genannt werden darf --

heissen.

Lily hat gesagt…

@Schäfchen: BluzuLily :-)
@Paula: Das hat den Vorteil der Sachlichkeit, dem Thema höchst angemessen. Hab letztens noch eins auf die Zwölf kassiert für unangemessen unernste Beschäftigung mit dem Thema :-(
@Georg: Ich frag jetzt nicht, wo dein Humor die letzten drei Jahre oder so war. Es reicht, dass er wieder da ist *freu*

Britta hat gesagt…

LiLyListe.

Klingt zwar wie "Gestammelte Werke" - aber eben so gar nicht mehr nach Tagebuch. :-)

Steffen hat gesagt…

Aha, LSD, Diabelle(-Variationen), Glykskeks und Insu(b)log sollten es also nicht sein. (Aus Paulas Vorschlag könnte man noch "Dido" machen. Das geht auf keine Kuhhaut.)

Also irgendwas wie Lilys-Zucker-Tabelle-die-kein-Tagebuch-sein-soll. Egal wie wan das abkürzt, es kommt ein üblerer Zungenbrecher als TAFKAP raus.

In solchen Fällen soll man ja ausweichen und das nicht-Offensichtliche wählen - es bietet sich das Wort unter dem Eingfabefeld an: undenest. Wie (und ob überhaupt) sich das mit einer dem Anlaß angemessenen Bedeutung füllen läßt?

Womble hat gesagt…

"The mighty annoying Book of Lilys Blood Sugar measurement habit"

Lang... aber es lässt keine Fragen offen.

Svenja-and-the-City hat gesagt…

Ich würde die Tabelle ganz einfach Lilys Werte nennen, aber ich steh auch auf Tagebücher und Aufzeichnungen aller Art.
Deine Katze versucht die Weltherrschaft an sich zu reißen, indem sie alles behaart? HAH! Ich verfolge dasselbe Ziel indem ich alle Welt in Strickkleider und Strumpfhosen hülle. Ich bin gespannt, wer erster fertig ist :-)

Kate hat gesagt…

Wie wärs denn mit "das Ding"? Du willst dich nicht mit ihr beschäftigen, dann verdients auch keinen gescheiten Namen ;-)

Oder "Sugarbaby", ich krieg da sofort gute Laune und fang an zu swingen weil mir der Song dazu einfällt! :-)

Ich halte mich auch lieber raus, bin immer furchtbar unkreativ und albern was sowas angeht ;-)

Eins noch:
Oder STERS (Worterkennung)
Süße
Testreihe
Einer
Resoluten
Störrischen

Jaja, bin schon ruhig ;-)

Britta hat gesagt…

Katzen würden das eh "Welthaarschaft" buchstabieren.
Ich hatte übrigens mal eine diabetische Felidin. Aber die hatte auch epileptische Anfälle und ich hatte sie zeitlebens in Verdacht, es sich in meiner Abwesenheit vor dem Fernseher gemütlich zu machen und meine Zigaretten wegzurauchen...

rebhuhn hat gesagt…

sugar-lab[oratory]
wortspiel mit sugar-lap oder so... ^^ :)

Bea hat gesagt…

Das gleiche Problem hatte ich auch. Ich soll seit 10 Jahren Schmerztagebuch führen. Hat 8 Jahre lang nicht geklappt (aus ziemlich den gleichen Gründen wie bei Dir). Dann habe ich es, in Anlehnung an meinen Rheumapass (in den ich wöchentlich meine Blutwerte eintragen muss), kurzerhand Schmerzpass genannt und schon gings.
Mein Vorschlag also: Diebetespass

Lily hat gesagt…

Wow- ich bin sprachlos. Ihr seid echt toll, muss ich sagen- nicht nur, dass mich keiner auslacht, sondern ihr habt die dollsten Ideen ever. Ihr glaubt nicht, was das für einen Motivationsschub gibt, mich wieder damit zu befassen, nicht mehr auf irgendwelche Zettelchen zu schreiben, mein Gedächtnis zu bemühen oder mich an den (mageren) Speicher meines Messgeräts zu klammern.
In den nächsten Tagen werd ich drüber nachdenken- mein Doc wirds euch danken :-)

Orinoko hat gesagt…

Also ich musste Meßprotokolle früher immer ins "Journal" eintragen. Jetzt fehlt´s mir aber grad an schönen Adjektiven (weil ich eben erst von Berlin heimkomme und platt bin).

Georg hat gesagt…

Ich habe als erstes bei Bea Diabetesspass gelesen und mich doch etwas gewundert. Ich werde alt...

Lily hat gesagt…

@Orinoko: Dann ruh dich erst mal aus :-)
@Georg: Diabetesspaß... schön wärs^^