Samstag, 5. Januar 2008

Auto-Mystik

Bei bestimmten Sternkonstellationen, wenn sozusagen der Golf im vierten Zylinder steht, und sich Kühlerfrostschutz und Wasser in einer Konjunktion befinden, dann ergibt es sich, dass die magischen Kräfte zweier Laien, zusammen über einen Motorraum gebeugt, sich vereinen.

Der linke raunt dem rechten zu: „Kühlflüssigkeitsverlust an der Wasserpumpe“, und drückt verschwörerisch den Wasserschlauch zum Ausgleichsbehälter.

Der linke schaut skeptisch nach den bunten, zauberischen Zetteln, die da Lügen über die Service-Intervalle verbreiten, und greift zielsicher zum Zündschlüssel.

Die Ingredienzien sind schnell besorgt, und ebensoschnell in den dafür vorgesehenen Kessel eingefüllt. Dann den mystischen Zündfunken auslösen, die begabten Hände in magischen Kreisen über den Einstellinstrumenten zirkeln lassen. Und – bumms.


Die Heizung im Golf geht wieder.


Gelobt sei, was warm macht.


Und der, der immer dabei war, hats auch diesmal geschafft.


Thanx a lot, George!



Alkohol am Steuer

gehört nicht zu meinen Sünden. Aber Alkohol auf der Couch, was beinahe ebenso gefährlich ist.

Er führt aber zu Erkenntnissen, zum Beispiel der, dass eine Flasche chilenischer Roter zu 13,0 Vol% eine Art Narkose zur Folge hat.

Schnell getrunken, bringt er einen in den Schlaf, macht man etwas langsamer, verliert man bei US-amerikanischen Serien den Überblick. Vor allem, wenn man (wie ich) die ersten sechs Staffeln verpasst hat. Wobei die Gilmore-Girls-Folge von gestern ausnahmsweise zu den Teilen gehörte, die sich von allein verstehen ließen. Warum hat Lorelei eigentlich diesen netten Luke in die Wüste geschickt? Da war irgendwas mit der Hochzeit, oder? Ich habs verpasst, glaub ich.

Da waren so einige Paar-Momente in der Folge, deren Behandlung mich doch verblüfft hat.

Erstens Sukie (Suky?), die schwanger wurde, weil sie die Pille abgesetzt hat. Das ist erstmal nicht verwunderlich, passiert schon mal. Aber sie hat sie abgesetzt, weil sie der Meinung war, dass ihr Mann sich hätte sterilisieren lassen. Was er nicht getan hat. Wie bitte? Jep. Er hat sich nicht getraut.

Und weil er so ein mutiger, selbstbewusster, starker Mann ist, hat er ihr das vorsichtshalber verschwiegen.

Unabhängig davon, ob diese Schwangerschaft sich nun als erwünscht herausstellen würde oder nicht: Bei mir wäre großer Beziehungsalarm. Ganz großer. Irre ich mich, oder ist das keine Kleinigkeit, mit der man so mal eben umgehen lernt? So, wie Regie und Produktion das Thema ausgearbeitet haben, war das Anlass für ein Gespräch zwischen Lorelei und Sukie, bei dem Lorelei ihrer Freundin erzählt hat, dass Babies soooo nieeedlich sind... Und schlussendlich scheint sich Sukie in ihr Schicksal ergeben zu haben. Hm. Meine Ehe wäre sicherlich mehr als in Frage gestellt.


Die nächste irritierende Geschichte war für mich die mit dem Brief. Luke, der Ex von Lorelei, hat das gemeinsame Sorgerecht für seine Tochter beantragt, deren Mutter mit dem Kind nach New Mexico umziehen wollte- und offenbar keine oder weniger Kontakte zwischen ihrer Tochter und deren Vater mehr wünschte. Luke hat Lorelei als seine Ex-Freundin um ein Leumundszeugnis gebeten, welches sie auch abgefasst hat. Und zwar ausführlich und liebevoll.


Loreleis Mann hat, während Lorelei ihre Freundin noch positiv auf die Schwangerschaft einzustimmen versucht, nach Werkzeug gesucht und den Entwurf des Zeugnisses gefunden.

Man hört die Richterin, wie sie den Brief von Lorelei vorliest, und sieht derweil Christopher, wie er den Block mit dem Entwurf mit sich durchs Haus trägt, und dann sieht man Lorelei von ihrer Freundin zurück kommen. Sie geht, plappernd und suchend, durchs Haus und findet Christopher am Küchentisch. Der macht ihr eine Riesenszene- inklusive aller Du-Liebst-Mich-Nichts die man sich vorstellen kann- und verschwindet.

Bitte?

Noch während man bereits ahnt, dass Christopher da gerade den Text des Leumundszeugnisses vor sich hat, hab ich mir überlegt, wie ich reagieren würde. Und ich hab die ganze Zeit darauf gelauert, dass dieser Brief irgendwas Kompromittierendes an sich hat, was mein eifersüchtiges Ego auf den Plan rufen würde. Nope, nichts davon. Im Gegenteil. Und, ehrlich? Ich wäre sehr, sehr stolz auf einen Partner, der in der Lage wäre, von einem oder einer Ex so positiv zu berichten. Und jetzt frag ich mich:

Sollte diese Szene zeigen

a)dass Lorelei naiv ist und unberechenbar?

b)dass Christopher ein mieses Würschtchen ist?

c)dass man sich, wenn man einen Ehemann hat, niemals bei sowas erwischen lassen sollte? Also bei positiven Gefühlen in Bezug auf andere Menschen?


Ich hab insgesamt den Eindruck, dass Frauen in dieser Folge als naiv und chaotisch und Männer als blöd und unverantwortlich dargestellt wurden. Aber vermutlich geht’s darum.


Oder bin ich nur zu deutsch und seh wieder hinter jedem Busch eine Verschwörung?


Wunderts jemanden, dass der Wein mir deutlich zugerufen hat: „Trink mich?“


Er war übrigens gut, der Wein. Kein Kater, bis auf die drei mit Fell.


Einen schönen, erholsamen und erfolgreichen Samstag wünsche ich uns allen.

Freitag, 4. Januar 2008

Nebenwirkungen...

vom Weniger-und-bald-Nicht-mehr-Rauchen:

Die Zeit von "Vernunft" zu "Amok" verkürzt sich auf ungefähr 2 Sekunden.
S. Post von gestern :-)

Donnerstag, 3. Januar 2008

The times, they are a’ changin’

Seit vorgestern morgen um 0.00 Uhr ist auf Veranlassung der obersten Geschäftsführung in unseren Betriebsräumen das Rauchen verboten. Da wird dann dem Nichtraucherschutz mal ein bisschen Vorschub geleistet.
Hier in meiner Ecke des Firmenuniversums gab es bis zum 31.12.07 vier Raucher- und drei NichtraucherInnen, eine Insel der Nikotinseligen, sozusagen. Inzwischen gibt es immer noch vier Raucher, davon ist einer noch im Urlaub (Feigling!) und der Rest mittlerweile wieder an Bord. Ohne Inbetriebnahme des Aschenbechers.
Wir dürfen draußen rauchen, in einer zugigen Ecke auf dem Parkplatz und neben den Müllcontainern, wenn wir das wollen.
Unser Zeiterfassungssystem ist gnadenlos wie die Nikotinsucht und lässt sich keinen minutenlangen Ausreißer entgehen. Draußen rumstehen erzeugt somit „negative“ Arbeitszeit.
Müll runter bringen dürfen wir aber immer noch ohne Stechuhr. Hat jemand noch Altpapier, bitte?

Ich hab immer gesagt, dass ich mich nicht draußen stehen sehe. Abgesehen von dem jämmerlichen Bild der obdachlosen Nikotinsüchtigen, zu dem ich nicht beitragen will, habe ich keine großartigen Überstunden zu verschenken.
Die Herangehensweise der Raucher hier im Haus an das seit Monaten angekündigte Rauchverbot ist weit gefächert.
Da sind die, die schon vor Wochen aufgehört haben- zugegeben, wenige. Man kann ihren Erfolg mit „aufgehört und zugenommen“ zusammenfassen.
Einige wollten aufhören, und haben sich dafür den 31.12.2007 als Stichtag ausgesucht. Die haben es in der Mehrzahl nicht geschafft. Je nach Veranlagung stehen sie entweder draußen herum bei aktuell minus fünf Grad Celsius, oder sitzen, kribbelig und schlecht gelaunt, an ihren Rechnern.

Dann gibt’s die, die mal sehen, wie es klappt, im Büro einfach nicht zu rauchen. Zu denen gehöre ich.

Gestern habe ich es immerhin geschafft, morgens vor der Arbeit und dann erst wieder im Anschluss daran zu rauchen. Es ist mir, ehrlich gesagt, auch nicht besonders schwer gefallen.

Ich weiß, dass es mir nie was ausgemacht hat, an Orten nicht zu rauchen, an denen es einfach nicht geht. Museum. Theater. Kirche. Krankenhaus. Kino. Insofern bin ich da sehr guter Hoffnung, dass ich auf diesem Wege entweder nur tagsüber oder sogar ganz aufhören kann. Ich würde es mir wünschen!
Und ich frage mich, was eigentlich mit unseren Nichtrauchern hier in der (relativ abgeschlossenen) Ecke unseres Gebäudes ist. Da die lange Zeit ordentlich von vier Rauchern zugequalmt wurden (einen Dank noch mal an eure jahrelange Toleranz) haben sie ja, legt man die einschlägige Literatur zugrunde, passiv geraucht, und das seit Jahren.
Wenn Nikotin so süchtig macht, haben die Nichtraucher dann jetzt auch Entzugserscheinungen? Wenn nicht: Warum stellt sich unsereiner eigentlich so an?
Geht’s doch nur um intrapsychische Mechanismen? Bildet man sich Nikotinsucht etwa nur ein?
Hat sich jemals jemand diese Frage gestellt? Die nach dem Suchtpotenzial des Passivrauchens, meine ich?

Aber egal. Das Problem kann ich nicht lösen, und ich will es auch gar nicht.
Viel interessanter ist für mich die folgende Entwicklung: In Kneipen und Restaurants ist das Rauchen demnächst auch verboten, und mein innerer Bildgeber sah schon die halbe Republik draußen stehen, bei Regen und Wind unter Pavillons, gewärmt vom glühenden Widerschein der Wärmepilze.
Eine Unterhaltung darüber am gestrigen Tag brachte einen selbstgefälligen Zug in das Gesicht meines Gesprächspartners (die Sorte Gesichtsausdruck, die bei frisch entziehenden Nikotinsüchtigen den Wunsch nach einer rechten Geraden auslöst).
Mein Gegenüber lächelte milde, und sagte dann mit Genugtuung: „Wärmepilze sollen auch verboten werden“.

Meines Erachtens gehört exakt diese Sorte weichhirniger Besserwisser und mental verbeamteter Vorstadt-Mütter nicht nur verboten- sie gehört weg gesperrt. Für immer. Zusammen mit ihresgleichen dürfen sie dann gern weiterhin versuchen, die Welt zu behandeln, als wären außer ihnen nur Zweijährige unterwegs.

Die Sorte Leute hat die Political Correctness erfunden, den Warnhinweis auf der Kaffeetasse und die neue Deutsche Rechtschreibung sowieso.

Und diese Menschen glauben, dass sie Kinder schützen, wenn sie den Eltern das Rauchen in der Wohnung verbieten.

Diese Leute halten das dumme, vorlaute Maul, wenn sie irgendwo Prügel oder Übergriffe sehen- aber dafür stellen sie einen Teddy und ein Schild mit „Warum?“ an die nächste Hauswand, hinter der ein Kind totgeschlagen wurde.

Für diese Sorte Leute ist eine bundesweite Tempo-Dreißig Zone schon ein Lebensziel.

Ich halte sie für gefährlich, auch wenn ich das nicht belegen kann… vielleicht schon allein deshalb, weil sie bei mir, mit Mitte 40 und eigentlich nicht auf den Kopf gefallen, den Wunsch nach riskantem Leben hervorrufen.
Nach Tempo 200 auf der Autobahn, nach Sushi, unpasteurisiertem Weichkäse und gespritztem Obst, gefolgt von einem Absinth-Rausch und Sex ohne Gummi. Mit mehreren Partnern. Gleichzeitig.
Und -Höhepunkt des leichtsinnigen Daseins- nach dem Verzehr auf Holzkohle gegrillten Schweinefleischs und dem Absingen schmutziger Lieder öffnen wir gemeinsam einen E-Mail-Anhang.
Und rauchen dazu einen Joint.
Und das, obwohl KINDER IN DER GLEICHEN STRASSE WOHNEN.

Jawoll.

Dienstag, 1. Januar 2008

Post Nummer 51.

Es ist noch unchristlich früh für einen Neujahrsmorgen- leider hat mich die alte Wochenend-Schlaflosigkeit (in meinem Alter auch „senile Bettflucht“ genannt) wieder. In den letzten Wochen hatte das etwas nachgelassen. Nun gut. Da ich hier niemanden störe, gehe ich dann mal meiner Lieblingsbeschäftigung nach: Schreiben.

Die Blogwelt ist mit Rückblicken, Listen von guten Vorsätzen und dergleichen beschäftigt. Zumindest ist sie das, soweit es die Blogs betrifft, die ich lese. Da das zurzeit bis auf einen alles amerikanische Autoren sind, brauchen die noch etwas, bis sie halb acht Uhr am Neujahrsmorgen haben. Die Autorin des einzigen europäischen Blogs ist derzeit in Urlaub in den USA. Soeben habe ich demnach meine Runde in ihren Kommentaren gemacht und meinen Senf dazugegeben, zu Neujahreswünschen und der ein oder anderen Auseinandersetzung mit anderen Themen.


Diese Silvesternacht hatte es schon ziemlich in sich- die hier, im Kratzwald.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, den Post über den Jahreswechsel so zu verfassen, dass man meine etwas ambivalente Einstellung zu „Lily allein zu Haus“ bemerken konnte. Es hat mich Mühe gekostet, das Thema anzugehen, und zu versuchen, mich damit auseinander zu setzen- aber es wurde Zeit. Denn die Alternativen, die zur Verfügung gestanden hätten, hätte ich nur für Andere ergriffen, und nicht, weil es mir damit besser gegangen wäre. Wie bei vielen Dingen. Hauptsache, man wirkt nicht uncool- ob man sich dabei wohl fühlt, ist eine andere Sache. Das hab ich gelernt. Und das ist schon mal viel wert.



Ich habe tatsächlich die Zeit genutzt, um den Abwasch zu erledigen und hier aufzuräumen, damit ich in einer sortierten Umgebung das neue Jahr anfangen konnte. Nicht im Sinne eines guten Vorsatzes- die haben immer so einen „morgen fang ich aber an“- Beigeschmack. Sondern als starting point. Anschließend hab ich ein bisschen Q-Lympics geklickt- hier gibt’s mehr davon. Macht süchtig:-) Ein bisschen gelesen hab ich auch, und dann ordentlich unterzuckert (was auch eine Beschäftigung ist, wenn auch keine, die mich erheitert), gefolgt von einer Gegenreaktion die meinen Doc in helle Aufregung treiben würde.

Irgendwann ging dann das alte Jahr zu Ende. Zum großen Entsetzen der kätzischen Bevölkerungsanteile hier setzte vereinzeltes Knallen schon gegen halb 12 ein- die Variante, die Katz nicht mehr ohne weiteres überhört. Tagsüber hat natürlich die hier wohnende Teenie-Bevölkerung schon alles gegeben, aber das geht in Alltagsgeräuschen unter. Die Ecke hier ist eine reine Wohngegend, mit nicht allzuviel Verkehr, und da in der Nähe ausgedehnte Feuchtgebiete sind, ist auch die Bebauung eher dünn. Viel Platz, wenig Autos = Nachts ist es ziemlich still hier. Jedenfalls setzte um viertel vor 12 der Exodus ein.- Als erstes verließ Eddie den Schauplatz, und ward nicht mehr gesehen. Er ist ja ohnehin mein Paniker. Um Mitternacht dann sah man Paul, den Gemütskater, gefolgt von einem total verschreckten Karlchen in Richtung Schrank pilgern. Dort haben sie sich dann bis gegen eins versteckt gehalten, dann hat Karl mal eine Pfote rausgestreckt. Anschließend saß jeder der Knaben auf seinem Katzenklo, und es roch nach Katzenstress. Nur Emily, meine gute, alte, kampferprobte Emily, hat mit mir das neue Jahr begrüßt, total unbeeindruckt von Krach und Gestank. Womit ich das Schwarzpulver meine.

Dann hab ich den Fernseher eingeschaltet, und bis viertel vor 2 auf dreisat Herbert Grönemeyer mit dem 12 live-Konzert gesehen. Leider hatte ich wieder vergessen, dass sie da den ganzen Tag Musik gezeigt haben. Shit. Herbert war wieder King of Wumbaba. Wenn ich nicht, musikalisches Kind der achtziger Jahre, ziemlich textsicher bei seinen Lieder wäre, hätte ich absolut kein Wort verstanden. Von den Liedern von 12 kenne ich auch nur die, die aus dem Radio meines Arbeitskollegen sickern, bei dem unentwegt der Lokalsender dudelt. Also gabs genug Neuland.


Alles in allem ein entspanntes Silvester.

Nur einen guten Vorsatz habe ich schon gebrochen. Ich wollte rauchen, soviel wie reingeht, damit die Tabaksdose leer wird. Es ist mir nicht gelungen. Heute morgen um viertel nach sechs hat mich dann der Husten geweckt.


Weil ich das so gern mache, hier ein Fragebogen von einem der amerikanischen Blogs- mit meinen Antworten. Of course.


40 Fragen über 2007- ein Endjahres-meme (<- die Erklärung auf Wikipedia habe ich schlicht nicht verstanden, daher keine Übersetzung. Egal, was da steht: Die meisten scheinen dieses Wort im Sinne von „Ichichich“ zu benutzen. Auch egal.)



Hast du in 2007 etwas begonnen, was du noch nie zuvor getan hast?


Klar- diesen Blog...unter anderem!


Hast du deine Neujahrsvorsätze eingehalten? Hast du welche für 2008?


Falls ich welche gemacht habe, kann ich mich nicht erinnern. Aber ich habe bestimmt jeden einzelnen davon gebrochen. Für 2008 hab ich welche, und ich habe sie aufgeschrieben.


Hat jemand, der dir nahesteht, ein Kind bekommen?


Nicht in 2007.


Ist jemand gestorben, der dir nahe stand?


Mein Kater Henry. Er ist nicht vergessen.


Welche Länder hast du besucht?


Länder? Ich?


Was hättest du gern in 2008, was dir in 2007 gefehlt hat?


Mehr Mut, mehr Kohle, einen DVD-Recorder.


Welches Datum wird dir aus 2007 im Gedächtnis bleiben?


Irgendwie keines- doch, der 25. Januar.


Was war deine größte Leistung in 2007?


Hm. Muss ich nochmal drüber nachdenken. Doch, die Liste, die ich für die beste Therapeutin aller Zeiten gemacht habe. Die mit meinen Stärken- die ist doch beachtlich lang geworden, und wird fortgesetzt.


Was war dein größtes Versagen?


An einer bestimmten Stelle nicht genug Mut gehabt zu haben für ein klärendes Gespräch. Damit hätte ich vielleicht nicht den Ausgang dieses Abenteuers geändert- aber ich hätte mich nicht so scheiße gefühlt.


Warst du krank, oder verletzt?


Ich bin- und bleibe- chronisch krank. Und muss mich langsam mal dran gewöhnen.


Was war das Beste, das du gekauft hast?


Mein roter, großer, fetter Moleskine-Kalender für 2008.


Wessen Verhalten verdient, gefeiert zu werden?


Das Bestreben meiner Nichte, sie selbst zu bleiben, und ihre Fähigkeit, dem Druck um sie herum standzuhalten.


Wessen Verhalten hat dich am meisten abgestoßen?


Nunja, darf ich bei A anfangen?

In der Regel das unserer gewählten Volksvertreter. Wobei „uns“ mehr so global gemeint ist.


Wofür hast du das meiste Geld ausgegeben?


Dieses Rätsel ist noch nicht gelöst.


Worüber hast du dich wirklich sehr gefreut?


Über den Wunschkalender. Hallo Kate! Frohes neues!


Welche Musik wird dich immer an 2007 erinnern?


Phil Collins, The First Final Farewell Tour


Verglichen mit der Zeit vor genau einem Jahr:

Bist du glücklicher oder unglücklicher?

Glücklicher.

Bist du dünner oder dicker?

Leichter. Nicht dünner. Und auch nicht viel.

Reicher oder armer?

Nicht mehr ganz so knapp bei Kasse, aber von „reich“ kann man wirklich nicht reden.


Was wünscht du dir, mehr oder öfter getan zu haben?


Mehr Sport- nicht weils Spaß macht, sondern weil ich weiß, dass mir das gut tut.


Was wünschst du dir, weniger oder seltener getan zu haben?


Sachen aufgeschoben, im Dunkeln herumgesessen, geweint.


Hast du dich in 2007 verliebt?


Nein. Nein, das kann man nicht behaupten.


Wieviel one-night-stands hattest du im letzten Jahr?


Öhm. Zwei.


Wie hast du Weihnachten verbracht?


Dazu hab ich mich bereits ausführlich geäußert.


Mit wem hast du am häufigsten telefoniert?


Mit dem, der immer mit dabei war... Hallo Georg!!! Frohes neues Jahr! Ein Hoch auf die Telefonflats! Und danke, für alles.


Hasst du jemanden heute, den du vor einem Jahr um diese Zeit noch nicht gehasst hast?


Nein- und auch wenn sich das watteweich anhört: Hass braucht zuviel Energie, um sie auf jemanden zu verschwenden, den ich nicht mag. Es gibt Leute, die mich schon abstoßen, wenn ich nur den Namen höre, und die mich wütend machen, oder traurig, oder ängstlich- aber hassen? Nein.


Was ist dein Lieblingsprogramm im Fernsehen?


Zurzeit sehe ich kaum fern, sowas ist bei mir immer phasenweise mal so, mal so. Aber generell: The Closer, CSI, Navy CIS, und so Sendungen. Haben nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun. Aber das ist auch nicht ihr Job.

Bis zur Absetzung: Wohnen nach Wunsch, mit Enie van de Mejklokjes (sp?) und Mark Kühler. Ich mag intelligente Handwerker :-)


Die besten Bücher 2007?


Oha. Naja.

Die Mary-Russel-Serie von Laurie King, die ich gerade komplettiert habe.

Dorothy Dunnett, The Lymond Chronicles, das sind die besten, spannendsten und farbigsten historischen Romane, die ich kenne. Fantastisch. Man braucht Ausdauer, und am besten das dazu erschienene Buch mit Materialien, denn sonst merkt man die Hälfte der Zeit nicht mal, dass da gerade eine Anspielung gefallen ist- geschweige denn weiß man, worauf.

Matt Ruff, Ich und die Anderen- ein würdiger Nachfolger von GAS- Die Trilogie der Stadtwerke.

Jeffrey Eugenides, Middlesex und The Virgin Suicides. Beachtlich. Neid. Undsoweiter.


Jaja, ich weiß, die sind alle nicht aus 2007, sondern älter. Dunnetts Bücher sind aus den sechzigern. Aber dennoch, sie gehören zu MEINEM 2007!


Deine größte musikalische Entdeckung?


Abgesehen von Nils Landgren? Und der Wiederentdeckung von Gary Moore? Keine Ahnung.


Was hast du dir gewünscht- und bekommen?


Ab und zu mal einen Besuch auf meinem Schoß von meiner Katze Emily. Die ist weitaus weniger anschmiegsam als die Katerbande, aber von Zeit zu Zeit kommt sie mal vorbei. Dann kriegt sie eine Extra-Kraulrunde. Und wenn sie schnurrt, dann kann man es nur spüren. Die Kater hört man. Im Nebenzimmer.


Was hast du dir gewünscht und nicht bekommen?


Die Frage bitte Ende 2008 wiederholen. Danke.



Deine Lieblingsfilme 2007?


„Lord of the Rings“, special extended edition. „Pirates of the Caribbean“, Teil eins bis drei

„Better than Sex“, mit David Wenham.


Was hast du an deinem Geburtstag gemacht? Und wie alt bist du geworden?


Nichts besonderes, soweit ich noch weiß. Ich bin 44 geworden.


Welches einzelne Ding oder einzelne Ereignis hätte dein Jahr unvergleichlich viel besser gemacht?


Abgesehen von dem Mittelklasselottogewinn, der mir ein Studium ermöglicht hätte?


Wie würdest du dein persönliches Modekonzept beschreiben?


Passt und ist sauber. Punkt.


Was hat dich geistig gesund erhalten?


Der, der immer dabei war. Kate. GM und BM- ihr wisst schon... und, last but not least, die beste Therapeutin aller Zeiten.


Welche Person des öffentlichen Lebens schätzt du am meisten?


Keine Ahnung. Wirklich nicht.


Welches politische Problem hat dich am stärksten berührt?


Hartz VI. Nein, ich fang jetzt nicht damit an.


Wen vermisst du am meisten?


Darüber muss ich noch nachdenken.


Wer war die interessanteste Person, die du in 2007 kennen gelernt hast?


Ehrlich? Die Teile von mir, die ich so langsam ans Tageslicht befördert habe.


Eine wertvolle Lebenseinstellung, die du in 2007 gewonnen hast?


Besser spät als nie.


Ein Liedtext, der das Jahr zusammenfasst?


... und gleicht ein Tag noch so sehr dem Andern

Und ist das Leben unerträglich seicht

Und bist du innerlich längst ausgewandert

Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht


Und greife endlich nach den Sternen

Kein Planet ist für dich zu weit

Sehnsucht kann man zum Glück nicht verlernen

Zum Weinen bleibt noch soviel Zeit.



Herbert Grönemeyer.





So, jetzt muss ich diesen Mega-Post noch mit Links versehen, dann kann ich auch mein Frühstück wie geplant veranstalten :-)





Noch einmal ein frohes neues Jahr euch allen,





Lily

2008

Weit draußen auf dem Ozean der Zeit, verdeckt vom Schleier tiefer Dunkelheit, ziehen in einer Nacht des Jahres zwei Schiffe aneinander vorbei.

Eines ist leer, unbemannt und seine Planken und Masten sind nur eine Idee vor dunklen Wolken, das andere ist angefüllt mit Menschen, Erinnerungen - und Dingen. Gespenster gehen unter Deck um.

Am Steuerruder steht der Kapitän, oder jedenfalls jemand, der seine Zeichen trägt. Seine Karten sind verschlissen und vielfach geklebt, und er kann sie im Kerzenlicht nur schwach erkennen.

In der Kombüse langweilt sich der Smutje, und der Schiffsjunge schnitzt an einem Stück Treibholz, gefunden am Strand einer vergessenen einsamen Insel. Der Erste Offizier ist seit Tagen betrunken.

Im Bauch des Schiffes rollt Gerümpel hin und her, und prallt im Rhythmus des Seegangs an die Bordwände.

Den Matrosen knurren die Mägen.

Die löchrigen Segel fangen kaum genug Wind, um das Schiff voran zu treiben, und die Ruder sind schon lange zerbrochen und verfeuert.

Die Schiffe nähern sich, und gehen für einen kurzen Moment längsseits.

Der Kapitän -oder jedenfalls jemand, der seine Zeichen trägt- schreit und brüllt Befehle, und die Mannschaft schleppt und rennt, während der Erste Offizier den Rum stehen und der Smutje die Töpfe im Stich lässt, und alle an der Reling warten, auf den Augenblick, in dem sie auf das andere Schiff hinüber wechseln können.

Dann sind sie drüben, und sehen das alte Schiff am Horizont ihrer Erinnerung verblassen, während die Masten und die Planken um sie herum Gestalt annehmen und sie davon tragen.




Ein gutes und erfolgreiches Jahr 2008, eine Schatzkarte in der Kapitänskajüte, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und vergesst die Gespenster auf dem alten Schiff…


Lily.

Montag, 31. Dezember 2007

Jahreswechsel

kann man auf die verschiedenste Weise begehen- mit und ohne Gesellschaft, laut oder leise, hoffnungsvoll oder pessimistisch- jeder nach seiner Fasson.
Ich hab meinen Teil an vielen Varianten gehabt, außer Parkbank, Krankenhaus oder Times Square war eigentlich so ziemlich alles dabei.
Wenn ich heut hier bleibe, und auch (zurzeit- das kann sich noch ändern) keine Gäste erwarte, so liegt das daran, dass ich so ein Party-Tier bin. Die Seele jeder Fete. Der Feger der Feier...
Okay. Wers glaubt, darf sich einen Länderpunkt abholen.
Ich bleibe heute hier, weil ich nicht weiß, wie mein kleiner Kater auf Feuerwerk reagiert, und weil ich (so wie jedes Jahr) mich nicht rechtzeitig um Gesellschaft bemüht habe. Silvester kommt immer so plötzlich.
Wenn ich mich so umhöre, wer zu Silvester wohin geht, und welche Pläne bestehen, so stellt sich schnell raus, dass die Leute teilweise schon Monate zuvor ziemlich hektisch mit Planung etc. beschäftigt sind- da beschleicht mich schon der Verdacht, dass ein ruhig (oder sogar alleine?) verbrachter Jahreswechsel etwas ganz besonders schreckliches ist. Oder jedenfalls uncool.
Ehrlich gesagt, gibt's bestimmt schöneres, aber in Bezug auf Silvester hab ich nicht die Erfahrung gemacht, dass es mir anderswo besser gefällt.
Als Mitleidsziel, frisch gesinglet, bei der Schwester eingeladen (mit dem Hintergedanken, dass sich einer ja um die viel zu vielen Kinder kümmern muss...) Nein, Danke schön.
Dito beim Bruder, mit geringerer Kinderquote? Öhm- nö.
Mit wildfremden Leuten bei irgendeiner Riesenparty? Äh.
Eigentlich wollte ich immer nur wieder zurück in meine Höhle.
Also werde ich gleich mal den Abwasch erledigen, dann noch eine Maschine Wäsche abschicken, und vielleicht noch ein bisschen bügeln. Dann werd ich meine Liste an guten Vorsätzen und solchen Dingen fertig stellen. Und rauchen, was das Zeug hält, damit bloß bis spätestens übermorgen früh alles weg gequalmt ist :-)
Vielleicht werf ich die ein oder andere Tarot-Karte auf den Tisch, und mach mir ein paar Gedanken dazu.
Ich freu mich darauf, den Moleskin-Kalender, den ich mir gegönnt habe, zu benutzen, und den Wunschkalender, den Kate mir geschenkt hat, auch. Wünschen üben :-)
Und vielleicht gegen Mitternacht noch etwas posten. Und dann schön ins Bett.

Auf jeden Fall will ich (guter Vorsatz Nummer eins) morgen früh ausgiebig frühstücken, und den Morgen genießen, und wenn das Wetter nicht allzu schlecht ist, eine Runde spazieren gehen.

Egal, wie ihr Silvester verbringen wollt, ich wünsch euch, dass es so ist, wie ihr euch das wünscht. Friedlich in jedem Fall, mit den Menschen, die ihr um euch haben wollt- und wenn es euer eigenes Spiegelbild ist. Lächelt es an! Ihr verdient das.
Und denkt dran: Bis zum Jahresende sind es noch gut acht Stunden. Vielleicht reicht das noch, um einen Vorsatz aus 2007 als erledigt von der Liste zu streichen.
Die Dinge, die mehr Zeit brauchen, kann man auch am 1. Januar 2008 noch beginnen. Und sogar am 2. ist das kein Problem, nicht wirklich. Hauptsache, man fängt überhaupt an.


Lily

Samstag, 29. Dezember 2007

Im Reich der wilden Tiere













Hatte ich gesagt, dass der Weihnachtsschmuck hoch genug hängt, so dass sie nicht drankommen?
Dramatis personae (von links nach rechts)
Karlchen, Eddie, Paul.

Freitag, 28. Dezember 2007

Schrille Nacht

Am Baum schimmern die Lichter, und brechen sich tausendfach in glänzendem Geschenkpapier, den Sternen und Schleifen an den Zweigen und spiegeln sich in den Augen der Kinder, die fasziniert vor diesem Monument potenziellen Überflusses stehen.

Aufgeregt furzt Max, und sein Vater wirft ihm einen strafenden Blick zu. Die Mutter rammt ihrem Mann den Ellbogen in die Seite, und zischt:“Das hat er doch nicht mit Absicht gemacht!“.

Tante Lily, dies bezweifelnd hinter dem Kind stehend, wird bleich und tritt einen Schritt zurück.


Rosa und Lila, des Furzers Cousinen, setzen die Instrumente an.

Fünfzehn Kehlen, vom senilen Sopran bis zum atonalen Bass, stimmen ein - und oh, wie fröhlich, ergießt sich christliches Liedgut über Spielzeug Made in China. Der Musik liebende Onkel Heinz, der jahrelang im Kirchenchor die Tenöre angeführt hat, wird später wieder über Zwölftonmusik sprechen und seinen Abscheu nicht verbergen wollen.

Die schlimmsten gesanglichen Exzesse bleiben in diesem Jahr ungehört, da Rosa von der Blockflöte zur Klarinette gewechselt hat, und diese einfach zu laut ist, als dass irgendein vokaler Abweichler innerhalb ihres Frequenzbereichs noch vernehmbar wäre.


Max furzt. Diesmal blickt der Opa böse.

Max' Vater ist in der Küche. Er rührt in der Soße und freut sich über die Gelegenheit, auch einmal bei irgendetwas mitmischen zu dürfen.


Max' Mutter stellt sich hinter ihren Süßen, da ist inzwischen Platz satt. Sie umfasst seine Schultern und legt ihr Kinn auf seinen Kopf. Dann schaut sie versonnen, und überlegt, wie sie am besten ihr Haupt neigen kann, damit die Lichter des Christbaums in ihren frischen Strähnchen leuchten, und wirft unter gesenkten Lidern ihrer Schwägerin einen Blick zu. Die feilt innerlich an einem Satz über Möchte-Gern-Dianas, und nickt ihren Töchtern aufmunternd zu.

Lila blättert um, und Tante Lily geht in die Küche.

Vielleicht gibt’s da noch etwas vom Kochsherry.

Aus dem Wohnzimmer erklingt „Ihr Kinderlein, kommet“. Tante Lily entfährt ein „Oh Himmel, nicht schon wieder“, und Max furzt.


Johannes-Arndt, der Jüngste, dessen Spitzenkragen bereits unter einem Speichel-Spekulatius­gemisch verkrustet, ist das Singen leid. Seine Mutter kanns auch nicht mehr ertragen, entreißt dem Kind jedoch trotzdem das Spielzeugauto und schaltet die Sirene ab. Sicherheitshalber entnimmt sie die Batterien, schließlich besteht die Familie aus Allstrophlern. Sie singen immer alle Strophen, egal wie entlegen und unbekannt, weil jeder einzelne ein elefantenartiges Gedächtnis für überflüssiges Zeug hat. Nur bei der Nationalhymne wird eine Ausnahme gemacht. Eine deutliche.


Der Kochsherry ist leer, Tante Lily hat den Cognac entdeckt, und schwankt, den Schwenker in der Hand, zurück ins Wohnzimmer. Sie singt halblaut einen obszönen Text zu „Morgen, Kinder, wird’s was geben“- viele Strophen.


Max furzt, und seine Mutter wirft Lily einen vorwurfsvollen Blick zu. Dann schickt sie ihren Sohn in die Küche, damit er seinen Vater holt. Schließlich ist Weihnachten. Und vielleicht hilfts dem Kind ja, wenn es etwas Bewegung hat, es ist immer so lebhaft.


Max stolpert auf dem Weg zur Küche, furzt und steht wieder auf.

In der Küche zerrt er den Dackel aus dem Körbchen und schleift das Tier am Halsband ins Wohnzimmer, damit es auch etwas vom Weihnachtsbaum sieht. Der Dackel, seit Jahren Familienmitglied, windet sich geschickt aus dem Halsband und verschwindet unter der Couch. Dort furzt er, und schläft wieder ein.

Opa, dem die neue Welle des Gestanks den Atem stocken lässt, stapft durch die Enkelreihen zum Fenster und reißt es auf. Die Max-Mutter wirft ihm einen leidenden Blick zu, und schiebt ihren Sohn wieder in die Schar der Kinder vor dem Baum, die ihrem Cousin achtungsvoll Platz machen. Viel Platz.


Tante Lily, zurück in der Küche, holt ein Whiskyglas aus dem Schrank, und ihr Bruder sammelt die Scherben auf. Dann singen die zwei das Lied vom Hund, der in die Küche kam.


Im Wohnzimmer wird umgeblättert.


Oma lauscht, wirft einen ahnungsvollen Blick unter das Sofa, und läuft in die Küche. Dort findet sie den Dackel in der Torte.

Ihre sturzbetrunkenen Kinder stehen am Herd und singen zweistimmig, während sie die Soße mit Marsala verfeinern.


Oma nimmt ihrer Tochter die Flasche weg, und versucht, unter dem Dröhnen der Klarinette kaum hörbar, die zwei zur Rückkehr ins Wohnzimmer zu bewegen. Schließlich schiebt sie sie vor sich her und postiert sie in zwei Sesseln, die sie gut im Auge behalten kann. Dann gibt sie Opa ein Zeichen, der sich todesmutig zwischen die Enkelinnen und ihre Noten wirft, und die Vorstellung beendet. Seine jüngere Tochter tadelt ihn mit Blicken, und die Maxmutter versucht erfolglos, ihre Erleichterung zu verbergen.


Dann erzählt Opa vom Christkind. Johannes-Arndt lutscht an den Batterien seines Feuerwehrautos. Kinderaugen leuchten.


Max furzt.





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Es war natürlich nicht so. Ich war nicht betrunken, das kommt erst heute Abend.

Schönen Tag noch,



Lily






Donnerstag, 27. Dezember 2007

Frausprech.

Frausprech?

Ich bin Mitglied einer Mailingliste aus den USA, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren Teilnehmern dabei zu helfen, ihren Haushalt zu planen und die anfallende Arbeit zu sortieren. Das System besteht aus einem E-Mail-Gerüst, und einer schematischen Aufstellung der notwendig werdenden Arbeiten, sowie einer ziemlich ausgeklügelten Zusammenfassung in Form verschiedener Journale. Die Mails kommen täglich, bunt gemischt mit Erinnerungen an diverse Haushaltspflichten, sowie viel Alltagsphilosophie und Erfahrungsberichten der Mitglieder.

Leider gibt es das Programm nicht auf deutsch- ich habe es als sehr hilfreich empfunden, um endlich zu wissen, wie ich mit der täglichen Routine am besten anfange, wie ich mir die Arbeit einteile und angesichts des manchmal unglaublich langweiligen Einerleis der immer wieder gleichen Arbeiten nicht in einen halb komatösen Zustand zu verfallen oder zu verzweifeln.
Dabei habe ich nicht mal einen großen Haushalt- aber auch kleine können aus dem Ruder laufen und auch Singles neigen manchmal dazu, Berge an Dingen anzusammeln, die das Leben belasten (und das Aufräumen zu einer Staatsaktion zu machen). Eine der Kernaussagen ist, dass wir, indem wir dafür sorgen, dass unsere nähere Umgebung ansprechend aussieht und der Erhaltungsaufwand klein bleibt, UNS SELBST etwas gutes tun- Finally Loving Yourself.
Wie gesagt, Alltagsphilosophie ist auch dabei.
Das Leben spielt uns manchmal sonderbar in die Hände. In den letzten Tagen habe ich unter anderem darüber nachgedacht, wie damit umzugehen ist, wenn man mit anderen Leuten zusammen lebt, und das Zusammenleben kommt ins Knirschen. Wenn da nicht mehr eins ins andere greift, sondern die Räder verhaken, die Stimmung schlecht wird und die Konversation ins Gereizte schwappt.
Wenn sich also die Eigenschaften in den Vordergrund schieben, die dem Partner das Leben zur Hölle machen.
Dann ist Kritik angesagt- oder schweigendes Erdulden bis zum Platzen.
Wie äußere ich Kritik?
Respektvoll, ruhig, unaggressiv, nicht wahr?
Schön wärs.
Genau so schön wäre es, wenn das, was gesagt wird, entsprechend aufgenommen würde: Ruhig, unaggressiv, nachdenklich und positiv motiviert, das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen.
Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Theoretisch.

Praktisch läuft es nicht so, und wenn man den meist recht emotionalen Hintergrund berücksichtigt, bestehen eigentlich nur geringe Chancen, dass es jemals entsprechend läuft.
Vermutlich bestehen größere Chancen, dass eine Beziehung einen Seitensprung überlebt als dass 20 Jahre voller nicht verschlossener Zahnpastatuben ungerächt bleiben.
(Wobei ich an dieser Stelle den Tubenherstellern meinen verbindlichsten Dank für die Klappverschluss-Tube zum Aufstellen schulde. Die hat bestimmt einige Ehen gerettet)
Aber die Zahnpastatuben sind nur eine von vielen Möglichkeiten. Einzelsocken. Auf dem Boden abgelegte Wäsche, im ganzen Haus verstreut. Hochgeklappte Klobrillen, nicht gereinigte Katzenklos, Schmatzen, Schlürfen und Co, Schnarchen, Popeln, Schuppen- der Möglichkeiten sind unendliche.

Die Reaktionen sehen oft erstmal so aus, dass sie schlicht entfallen. Schließlich ist man frisch verliebt. Dann aber.
Dann wird es ätzend, nervig, und man hat einmal zuviel beim nächtlichen Toilettengang auf der nackten Schüssel Platz genommen. Man entschließt sich, was zu sagen- und scheitert.
Erstmal sagt man freundlich, dass derdiedas Gegenüber doch bitte die Klobrille schließen möge. Das schaukelt sich auf. Irgendwann geht man direkt nach dem Verursacher ins Bad, um ihn dann beinahe an den Haaren wieder hineinzuzerren, damit er verdammt noch mal die Brille selbst runtermacht.

Solange man noch im Rede-Stadium ist, vor dem Ausbruch körperlicher Gewalt, findet dann oft das statt, was die Flylady „Womanspeak“, also in etwa Frausprech, nennt. Dazu kamen in den letzten Tagen mehrere Mails, in denen sie unter anderem ihren Ehemann etwas dazu sagen lässt, und sich selbst zu den Gründen und den Erscheinungsformen dieser Form der Kommunikation äußert. Wie gesagt, zeitlich merkwürdig passend...

Sie meint mit dieser Bezeichung, dass Frauen Schwierigkeiten damit haben, direkt zu sagen, wenn sie etwas wollen- und daher oft drumherum reden, oder sogar Dinge äußern, die auf den ersten Blick nichts mit dem zu tun haben, was sie eigentlich wollen. Dies soll ein gelerntes Verhalten sein, von Mutter auf die Tochter tradiert, und ganz besonders ärgerlich für den auf der anderen Seite der Kommunikation.
Eigentlich soll es sich um so etwas wie einen Befehl oder eine Bestellung (sie spricht von „order“) handeln, für deren Ausführung jedoch die Befehlende den Preis nicht zahlen will.

In den Verhältnissen, in denen Befehle oder Bestellungen üblich sind, zahlt der Bestimmer - meist. Entweder das Gehalt dessen, dem er befiehlt, oder aber einen Kaufpreis, oder er trägt für das Wohlergehen des Anderen in irgendeiner anderen Weise die Verantwortung. Weil dies Verhalten aus Zeiten stammte, in denen Frauen nicht zu erwarten brauchten, dass irgendjemand ihnen die Befehlsgewalt gibt, oder dass sie ein legitimes Recht bekommen hätten, etwas zu verlangen, entwickelten sie diese Form der indirekten Befehle, und nannten das dann „diplomatisch“.Als Beispiel nennt sie die folgende, durchaus typische Unterhaltung:

Frau: „Mir ist kalt“ Gemeint ist was anderes, nämlich „Machst du bitte mal die Heizung an?“

Mann, bereits leicht angesäuert: „…“ und steht brummelnd auf, um das Ventil aufzudrehen.


Mit zunehmender Etablierung dieses Kommunikations-Dummies (im Sinne von Ersatz) wird man immer öfter entweder auf einen ermüdeten „Befehls“-Empfänger oder auf eine immer mehr aufdrehende Indirekt-Rednerin treffen. Ich bleibe mal bei den geschlechtsspezifischen Enden, wenn ich auch nicht glaube, dass tatsächlich nur Frauen die Befehlenden in diesen Kontexten sind.
Mir fällt auf, dass diese Form der Äußerung uns in Windeseile in ein Machtgefälle bringen kann, auch wenn ursprünglich keines bestanden hat.
Eine Bemerkung, die indirekt darauf zielt, dass jemand anderes etwas für uns tut, wird aus einer gewissen Erwartungshaltung heraus getan. Und das gefährliche dieser Art der Äußerungen, also „Mir ist kalt“ anstelle von „Dreh doch mal die Heizung auf“ ist, dass das Gegenüber nicht zu reagieren braucht. Es wurde um nichts gebeten, oder?

Eine Bemerkung wie: Meinst du nicht, du solltest einen Schal mitnehmen?“, die eigentlich bedeutet, Kind, es ist kalt, zieh dich bitte wärmer an, fragt scheinheilig nach der Meinung des Gegenübers- und erzeugt schnell Zorn, wenn darauf geantwortet wird: „Nein, das meine ich nicht“.
Hört man: „Meinst du wirklich, du solltest so vor die Tür gehen?“ schmeckt das schwer nach Beleidigung.

In Fall eins kann derjenige sich einfach taub stellen. Jemand, der die Freiheit hat, einen Befehl entweder zu hören oder nicht, hat Macht. Wenn derjenige, an den diese Mitteilung gerichtet ist, gehorcht, hat er keine Macht, dafür der Befehlshabende um so mehr.

In Fall zwei stehen die Chancen gut, dass der oder die solchermaßen Adressierte entweder sauer ist, weil sich da jemand einmischt, der pro forma behauptet, dass man selbst das Recht auf eine Meinung hat- oder eben der Bestimmer ist zornig, weil er sich verspottet und nicht ernst genommen fühlt.
Es gibt auch keine Möglichkeit, klärend und deeskalierend auf Bemerkung Nummer drei zu reagieren. Einer von beiden ist immer „im Unrecht“ und fühlt sich entsprechend beschissen.

Auf jeden Fall trägt diese Art, sich Luft zu verschaffen (denn etwas zu verlangen oder etwas zu kritisieren dient oft dem innerlichen Druckabbau) dazu bei, dass sich die Fronten verhärten, und es niemandem mehr um den Inhalt der Mitteilung geht. Eine klassische Kommunikationsfalle, sorgsam konstruiert aus Verschleierung und Machtkämpfen.

Ich hab mich darin weitgehend wieder erkannt, denn Zorn, der sich in ätzenden Sarkasmen äußert, als Bitten getarnte Anklagen und Befehle und manipulative Gesten, ob verbal oder nonverbal, sind tatsächlich Spezialitäten von Frauen- vorzugsweise von denen, die schlichtes Gemecker ihrer selbst unwürdig finden. Die mit dem, was sich an Druck in ihnen anstaut, nicht gut umgehen können- sie finden, dass der Partner oder das Kind schon wissen sollte, was seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist.

Wissen sie das tatsächlich? Oder sind die Bedürfnisse und Befugnisse innerhalb der Beziehung nicht klar? Dann muss darüber geredet werden. Zunächst mal jede/r mit sich selbst. Dann miteinander. Und dann muss ab sofort direkt agiert werden.
Also bitte, Leute: Bittet euer Gegenüber, die Heizung einzuschalten, wenn euch kalt ist, aber schaut vorher aufs Thermometer. Vielleicht ist es wirklich warm, und ihr friert innerlich- dann trinkt einen Tee oder lasst euch umarmen. Das hilft.

Wenn alle Beteiligten aber darüber informiert sind, was man sich gegenseitig an Rücksicht und Kooperation schuldet, auch an Hilfe und Loyalität, und darüber grundsätzlich Konsens herrscht, kann eigentlich kaum mehr was schief gehen, wenn man ein bisschen selbstkritisch seine Kommunikationsstrukturen überwacht.

Außer in dem Sonderfall, dass das Gegenüber es drauf anlegt, die Beziehung zu beenden, aber diesen Wunsch nicht aussprechen will. Dann sind alle am Arsch. Und zwar gründlich.



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Wenn jemand die Flylady-Texte zu Womanspeak lesen möchte: Bitte einen Kommentar hinterlassen.

Montag, 24. Dezember 2007

Ist Bloggen Therapie?

Den Verdacht hab ich nicht als einzige... Laurie hat ihn auch. Es hat tatsächlich etwas von Sitzungen.
Da das Bloggen hier auf blogspot.com kostenlos ist, ist es auch eine gesellschaftsfreundliche Art des Dampfablassens, denn die Krankenkassen müssen nicht dafür bluten. Und die von besagten Kassen gesponserten Sitzungen müssen nicht so sehr unter Alltagskram leiden. Knapp wie sie sind, sollte man jede Möglichkeit nutzen, außerhalb der Termine ein paar Dinge zu klären.
Den Alltagskram halt, also die Dinge, die so am Rand des Lebens herumlungern und einem den ein oder anderen Schreck einjagen, wenn man sie im Augenwinkel sieht.
Derdiedas Post über Weihnachten und wie ich es feiere/feiern will, zum Beispiel, der hat mir geholfen, in mir zu sortieren und mir darüber klar zu werden, welche Einstellung ich wirklich zu dem Thema habe.
Es war befreiend, soviel kann ich sagen.
In mancher Beziehung neige ich dazu, Durcheinander anzurichten und dann lieber nicht mehr hinzuschauen. Das führt dazu, dass überall mentale Müllhaufen herumliegen, die erstens im Weg sind und zweitens irgendwann anfangen zu stinken.
Am Beispiel des Weihnachtspostings kann ich das gut erkennen. Allein schon dadurch, dass in den letzten 10 Jahren eigentlich jedes Weihnachten etwas anders verlief, oder auch viel anders als das vorherige, im Hintergrund aber immer sowas wie Wehmut über den verlorenen Zauber des Kinderweihnachtens lauerte, war ich eigentlich nie ganz zufrieden mit "meinem Weihnachten", geschweige denn entspannt. Einige Jahre lang habe ich das mit Bergen von Geschenken kompensiert, bis mir Geld und Geduld ausging, aber wir waren lange mit Auspacken beschäftigt, was auch zum Füllen des Abends beitrug. Teilweise wurde auch bei uns der Abend schlicht mit Essen verbracht, was dann zur Anschaffung von Fonduesets und Raclette-Grills geführt hat. In vielen eher kleinen Feierrunden ist das immer noch sehr beliebt.
Satt und wieder hungrig essen. Gefolgt von massiven Dosen weiterer Kalorien am ersten und zweiten Feiertag, trägt das langfristig nur zum Frust bei.
Jedenfalls hat mir die Diskussion mit mir selbst dazu verholfen, meinen Frieden damit zu machen, dass "mein" Fest ein a) ruhiges und b) personenarmes ist. Wenn ich das anders haben will, muss ich rechtzeitig den Hintern hochkriegen und mir Leute suchen, mit denen ich den Abend verbringen will. Wobei mir klar ist, dass für viele Mitmenschen Weihnachten und Familie untrennbar zusammengehören, trotz allem, und dass es daher schwierig sein kann, Leute einzuladen, die dann auch tatsächlich kommen.
Dies(e/r) Post hat also zu meiner Seelenruhe beigetragen. Therapeutischer Zweck erfüllt, und zwar der der Bewältigung.
Dieser Begriff war mir immer ein Rätsel. Was um alles in der Welt ist Vergangenheitsbewältigung? Ich habe irgendwann den Stier bei den Hörnern gepackt, und einfach meine Therapeutin, the best ever, gefragt. Die Vergangenheit bewältigen bedeutet nach ihrer Aussage, einen Sachverhalt aufzunehmen und darauf zu reagieren, ohne dass vergangene Ereignisse Wahrnehmung und/oder Reaktion einfärben, oder einen in Automatismen verfallen lassen.
Beispiel?
Beispiel. Öhm.
Dein Partner spricht dich an, und gebraucht dazu eine Formulierung, mit der deine Mutter immer eine Runde elterlicher Verhöre eingeleitet hat. Deine Reaktion als Kind darauf war heillose Wut, weil du genau wusstest, was kommt, und weil deine kindlichen Fähigkeiten nicht erlaubten, dich auf Datenschutz zu berufen und die Antwort zu verweigern.
Also kommt der Kerl eines sonnigen Wintermorgens aus dem Bad und beginnt seinen Satz mit "Kannst du mir vielleicht mal sagen, wo/wer/wie..." Die Chancen, dass man nur bis zum Komma zuhört und SOFORT unangemessen reagiert, selbst wenn er nur den Kamm sucht, sind ganz gut. Die Chancen auf einen Streit aus heiterem Himmel sind ebenfalls gut, hängen aber davon ab, in welchem Umfang man als Kind Wut und hilflosen Zorn empfunden hat, ohne sich wehren zu können.
Eine Reaktion aufgrund einer bewältigten Vergangenheit wäre, erstens zuzuhören und ihm zu sagen wo/wer/wie (oder auch, er möge doch bitte selbst auf seinen Kram aufpassen), und zweitens, nicht wegen einer vollkommen harmlosen Bemerkung auszurasten, ohne selbst zu wissen, warum eigentlich.
Selbige Bewältigung ermöglicht unter Umständen auch, dass man als Erwachsene(r) seine Eltern so sehen kann, wie sie sind: Mit ihren Vorzügen, Schwächen, Eigenheiten und Angewohnheiten, halt als andere Erwachsene mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie man sie selbst hat. Sich nicht reinziehen zu lassen in alte Strukturen und Rollenzuweisungen (Du bist doch meine Große, du musst aber * HierbitteZumutungnachWahleinsetzen * ) indem man die kleinen Hinweise einfach und recht locker überhört, oder auf die üblichen Trigger nicht anspricht.
Ich bin mir nicht sicher, ob zu einer gelungenen Auseinandersetzung auch das leicht pubertäre Verweigern und trotzige Überhören gehört, aber ich glaube, dass das ein notwendiges Durchgangsstadium ist.
In einer solchen Phase habe ich mal ein Jahr lang jeglichen Kontakt zu meinen Eltern strikt verweigert, durch einfaches Nichterscheinen, Nichttelefonieren, Totstellen. Da wir alle eigentlich eine beredte Sippe sind, die sich zu 95% über wortreiche Diskussionen (ja, es ist manchmal SEHR laut) austauscht, war das für sie eine echte Strafe. Und ohne jetzt diskutieren zu wollen, ob diese Strafe angemessen war: Es war für mich wichtig, einfach mal trotzig zu sein. Nachdem mir aufgrund einer persönlichen Entscheidung, die für meine seelische Gesundheit entscheidend war, vorgeworfen wurde, diese würde negativen Einfluss auf den Familienruf und deren Wohlbefinden haben, musste ich -wenigstens- für mich die Prioritäten klar stellen.
Hätte ich diese persönliche Entscheidung nicht getroffen, sondern in der Situation ausgeharrt, wäre das zum damaligen Zeitpunkt mein Tod gewesen. Wenn nicht physisch, so doch seelisch.- Und ich brauchte dieses Jahr, um erstens zu erkennen, dass mein eigenes Leben mir zu wichtig ist, um mich Verhaltensnormen zu unterwerfen, die nicht meine sind, und zweitens, um den beiden klar zu machen, was die Alternative gewesen wäre- nämlich eine Tochter, die entweder tot am Treppengeländer baumelt, oder innerlich abstirbt und dann ebenso wenig zu erreichen ist. Okay, das war schon hart, aber die Zeit insgesamt war für mich erheblich härter. Zudem habe ich in dem gesamten Jahr den Kontakt zu meinen Geschwistern gehalten, so dass alle über die Fakten informiert waren.
Inzwischen können wir reden. Ich erzähle zwar immer noch wenig von mir, da sie nunmal zur Einmischung neigen, und ich nicht gewillt bin, irgendwas zu diskutieren, aber Versuche, aus mir was rauszukriegen, lösen kein trotziges Schweigen mehr aus. Ich sage dann, dass ich darüber erst noch nachdenken muss, oder dass ich das schon hinkriege, und das wars.
Auf meiner Seite gehörte dazu auch, zu akzeptieren, dass sie eine andere Biographie haben als ich, dass sie in schrecklichen Zeiten geboren sind, und dass sie das erheblich beeinflusst.

Manche Verhaltensweisen meines Vaters zum Beispiel sind durch seine Kindheitserfahrungen als Flüchtling durch das Chaos und das Elend der letzten Kriegsmonate geprägt- das kann einen Menschen innerlich verkrüppeln. Und das hat es auch getan. Von der Vorstellung, um jeden Preis mit leichtem Gepäck reisen zu müssen und deshalb nicht viel Dinge besitzen zu wollen, bis zu dem Konstrukt, um keinen Preis aufzufallen, ist da vieles in diesem kleinen Kästchen, tief vergraben und angestrichen mit blutiger Farbe. Erst in den letzten Jahren ist er manchmal in der Lage, darüber zu sprechen.
Ich frage mich manchmal, wie es war, Kinder zu haben für so jemanden, wenn der kalte Krieg tobt und man einerseits seinen Kindern eine sorgenfreie Kindheit ermöglichen will, und andererseits weiß, dass das allein niemals reichen wird, wenn es denn zum erneuten Zusammenbruch kommt. Mit welchen Werten geht man an das Projekt, diese Kinder zu erziehen? Wie vermittelt man das, was man ihnen eigentlich sagen will, wenn man es selbst nicht weiß, sondern an den Marionettenfäden seiner eigenen Geschichte hängt? Wie erträgt man es, wenn die eigenen Kinder sorglos in den Tag hineinleben, beschäftigt mit Schule, Freunden, Musik und solchen Dingen, wenn man tief in sich die Angst spürt, dass nichts davon ausreicht, um das Überleben dieser Kinder zu sichern, wenn es wieder los geht?
Meine Mutter hört jedes Jahr zu Silvester die Gewehre. Inzwischen geht sie raus, aber als ich Kind und Jugendliche war, hat sie das nicht getan. Aber sie konnte darüber sprechen, vermutlich, weil sie damit keine Schuldgefühle verbindet.
Für meinen Vater ist sein eigenes Überleben (als Ältester) mit seinem Versagen in der ihm zugesprochenen Rolle als Beschützer seiner Mutter und Geschwister verbunden- denn von seinen 5 Geschwistern haben nur zwei überlebt. Und er war zwölf Jahre alt, also wage es niemand, von Schuld zu sprechen.
Wenn ich darüber nachdenke, wird mir erst bewusst, welches Geschenk 62 Jahre Frieden auf deutschem Boden sind. Ich schreibe nicht "in Europa", denn das wäre nicht wahr.
Ein bisschen mehr Frieden, für die Menschen, die um ihr Überleben kämpfen, für die Kinder, die zu früh zuviel Verantwortung tragen müssen (oder sogar eine Waffe) wäre doch was wirklich nettes. Und nein, dies ist nicht die Miss-World-Wahl, Weltfrieden ist für mich fast schon ein Widerspruch in sich. Der scheint nicht im Bereich des menschlich Möglichen zu liegen. Nichtmal zu Weihnachten.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Adventskaffee

Joa, da war ich heute. Es gab Kuchen (genug...) Kekse (mehr als genug) und drei lose Mundwerke.
Jetzt hab ich Fransen an der Schnute, und einen Blutzuckerwert, den ich gar nicht näher kennen will. Irgendwie hat mir das bestätigt, dass Christmas with Friends gar keine schlechte Idee ist.

Apropos Christmas with my friends: Genau so heißt eine wunderbare CD, die ich mir letztes Jahr als Nachweihnachtsgeschenk gekauft habe. Heute genau vor einem Jahr haben sie die im Radio angespielt, im Bürgerfunk (normalerweise strikt out of my range, aber der Lokalsender hier hat einen Teil seiner Sendezeit abzutreten an Radioinitiativen. Jedenfalls hat eine Gruppe, die Jazz vorstellte, diese CD eingelegt, und ich war fasziniert). Jazz ist nicht mein Spielplatz, aber das war so entspannt und wunderbar, dass Zuhören angesagt war. Mitten in einer Klavierfassung von In dulci jubilo brüllte dann der bekannte Elektronikmulti seinen Scheißspruch von der Geilheit einer schlechten Eigenschaft, und ich war so böse, dass ich seither keinen Lokalfunk mehr gehört habe, sondern nur noch WDR 2. Oder Einslive.
Aber ich hatte mir den Titel der CD gemerkt und dann einen bekannten Internetversand durchforstet. Dann lag die CD ein Jahr lang im Regal, schließlich war ja nicht Weihnachten. Und zu Anfang des Advent hab ich sie dann wieder herausgeholt.-
Es handelt sich um eine Gruppe (den Stimmen nach relativ junger) Schweden, die zusammen in einer mittelalterlichen Kirche ein Weihnachtskonzert aufgenommen haben. Der "My", der da zusammen mit Friends die Platte aufgenommen hat, heißt Nils Landgren, und sie alle können eine Menge. Wie gesagt, ein bisschen Jazz, aber sehr gut zu hören- die Klavierstücke reduzieren meinen Ruhepuls auf ungefähr 40. Eine schöne A-Capella-Version von Stille Nacht ist drauf, auf Deutsch, Englisch und Schwedisch. Es lohnt sich, sie sich mal anzuhören. Wirklich. Über den Link oben kann man das tun.
Leider erstreckt sich die beruhigende Wirkung nicht auf die befellten Kriminellen, die meine Wohnung bevölkern. Eddie hab ich gerade aus dem Geschirrschrank geholt (!!!!!) weiß der Himmel, was er da wollte, während Karl und Paul auf dem Boden Fußball mit einem meiner Eierbecher spielten. Da der aus Glas ist, frag ich mich, wie er den Sturz aus dem Geschirrschrank wohl überlebt hat.
Ihr Weihnachtsgeschenk (für jeden eine mit Catnip gefüllte Socke) haben sie auch schon aus dem Schrank gezerrt- und da weiß ich wirklich nicht, wie sie das geschafft haben. Das Fach ist einfach zu hoch, als dass sie ohne weiteres dran kämen- und es liegt auch immer noch das Strickzeug drin. Das wäre garantiert auch mit rausgefallen, wenn irgendwer in dem Fach selbst gelandet wäre... vielleicht waren es auch die Weihnachtswichtel. Bestimmt. Aus pädagogischen Gründen sind die Socken wieder im Schrank gelandet. Das haben sie jetzt davon.

Eddie hat eine unüberwindliche Vorliebe für hohe Sitzplätze, momentan wärmt er sich seinen Hintern auf meinem Monitor. Er hat Glück, dass ich (noch) keinen TFT-Monitor mein eigen nenne. Dann muss ich mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen. Vermutlich muss ich ihn an der Wand befestigen- sie nutzen den Monitor auch, um von einem Kratzbaum zum anderen zu springen, hier im Kratzwald. Wenn der Monitor an der Wand hängt, muss mein Schreibtisch um 90 ° gedreht werden und steht dann auch an der Wand. Das bedeutet, dass anschließende Sprünge mit Zwischenlandung nur noch über meinen Kopf gehen können. Bloggen mit Helm...

Aber Eddie an sich ist mir ein Rätsel, als einziger von meinen Katzen ist sein Charakter wirklich schwer einzuschätzen. Er ist abwechselnd total panisch und äußerst aggressiv, oder liebenswürdig und anhänglich-eine Wechselkatze. Gerade vorhin, eine Viertelstunde nach dem Ausflug in den Geschirrschrank, hab ich ihn im Wäscheschrank im Flur entdeckt. Mitten zwischen Tischsets und Geschirrtüchern, und in flagranti dabei ertappt, wie er noch ein Brett höher hinauf klettern wollte. Das haut nicht gut hin, da das obere Brett etwas vorsteht. Aber er ist da zäh. Er hat seine Krallen in alles geschlagen, was in dem Fach lag, als ich ihn da rausholen wollte, plus jämmerlichem Gejaul, als hätte ich ihm weh getan. Dabei bin ich mir sicher, dass das nicht der Fall war. Andererseits hatte er alle Anzeichen von Panik in den Augen, und verkroch sich sofort unter dem Schrank, so als seien ihm Mörder auf der Spur. Gleich wird er wieder hier geduldig auf dem Schreibtisch sitzen, und den Kopf schief halten, damit ich ihn kraule, und die anderen Katzen gehen ihm am Arsch vorbei. Da kommt er gerade.
Wenn Paul und Karl zusammen durch die Wohnung toben, sitzt er mit gesträubtem Fell in sicherer Entfernung und schaut zu, und manchmal überfällt er einfach einen von den beiden und balgt sich wie wild. Oder er fällt über Emily her, das dann richtig bösartig, so dass ich eingreifen muss. Die alte Dame kann sich nicht gut wehren, und manchmal vertreibt er sie aus allen ihren Schlupfwinkeln nacheinander. Karlchen ist entweder Opfer oder wird wie wild geputzt und gepflegt... Und mit Paul gibts schon mal ernsthafte Meinungsverschiedenheiten, aber meist sind sie neutral.
Paul und Karl sind gute Freunde, obwohl Paul gern seine Ruhe hat (die neun Kilo hat er nicht vom Marathon-Laufen) und Karl ja mehr so ein Teenie mit Bewegungsdrang ist.
Emily wäre gern eine Einzelkatze, wenn sie könnte. Aber es geht ihr mit drei Genossen immer noch besser als in dem Haushalt, aus dem sie kommt- da waren insgesamt 12. Sie ist jetzt gut 7 Jahre bei mir, und ich hoffe, dass sie auch noch lange gesund hier sein kann. Da sie eine leichte Behinderung hat, ist sie manchmal etwas taumelig und nicht so sicher zu Fuß, was es ihr nicht leicht macht, schnell zu verschwinden, wenn die Stimmung hier etwas katzig wird.
Auf jeden Fall ändert sich in der Katzengesellschaft immer mal wieder was, allein schon weil Karl so langsam erwachsen wird und aus der Welpenrolle rausfällt.
Irgendwie scheine ich ein Händchen für große Kater zu haben- vielleicht liegts auch daran, dass sie alle früh kastriert wurden. Jedenfalls sind alle drei echt große Tiere- auch Karlchen, der erst 7 Monate alt ist, hat bereits die Größe einer normal großen ausgewachsenen Katze erreicht. Auch wenn er vielleicht etwas kurze Beine hat. Letztens hab ich ihn mal ausgemessen, die Länge über alles inklusive Schwanz ist ca. 90 Zentimeter. Der Schwanz selbst ist etwa die Hälfte davon. Dabei kriegen sie nicht mal viel zu fressen, anderthalb 400 g Dosen je Mahlzeit reichen für sie alle zusammen aus, so dass sie dann beim nächsten Mal auch hungrig sind. Manchmal wollen sie mehr, dann kriegen sie noch eine Handvoll Trockenfutter. Leckerchen sind weitestmöglich gestrichen, bis ich sicher bin, dass Karlchen nicht moppelig wird. Von der Sammlung Knöchelchen und Fell, wie er es zu Anfang war, ist er jedenfalls schon ganz schön weit weg. Und man merkt, dass er erst erheblich später von seiner Mutter weg kam als die anderen Jungs- er und Emily sind die, die ihren Milchtritt nicht mehr haben. Paul und Eddie treteln immer noch,
sobald sie die Gelegenheit kriegen. Die sind mit 7,5 Wochen zu mir gekommen, viel zu jung. Zum Glück lassen sie die Krallen drin.
Henry, mein verstorbener Kater mit dem schönen, blauen Plüschfell, hat mir Zugmaschen in sämtliche Hosen gerissen. Aber nur in Hosen. Röcke, Kleider, Decken und Kissen hat er in Ruhe gelassen. Was aber auch hieß, dass ich ständig Kratzer auf den Beinen hatte, weil eine Decke unterlegen zwecks Schonung meiner Haut ging nicht. Er hat dann immer so lang gejault und gebettelt, bis ich die Decke wegnahm, und dann kam er zu mir auf den Schoß und ließ sich kraulen, bis mir der Arm abfiel.
Irgendwo, nicht bei mir, hat er gelernt, dass er seinen Treteltrieb niemals auf anderen als behosten Beinen ausleben durfte. Was von Vorteil ist, wenn man, so wie ich, auch schon mal im kurzen Nachthemd auf der Couch sitzt.
So. Das Schreiben wird gerade schwierig, Eddie musste unbedingt mit unter die Decke, mit der ich hier eingewickelt sitze. Die eine Hälfte drückt sich unter meinen linken Arm, die andere liegt über dem rechten. Was eine verkrampfte Haltung zur Folge hat.
Grr.
Deshalb Tschüß und eine gute Nacht!

Samstag, 22. Dezember 2007

Ichichich






So, nach der Predigt weiter unten ein bisschen wirkliches Leben, und nicht dieser Kanzeltonfall...


Wenn die Katze, die gerade vor mir sitzt, aufhört, mich um eine Streicheleinheit anzubetteln, werde ich fortfahren.


Also, ichichich.


Hach, Eddie hat so eine Art... Er setzt sich direkt vor dich, legt den Kopf schief, und schaut flehend. Und er mag dann einfach nicht aufhören. Wenn er zu lang ungekrault bleibt, dann fängt er an, mit den Zähnen ein bisschen am Pullover herumzunagen, ganz vorsichtig. Nur, um sich bemerkbar zu machen. Karlchen würde beißen.


Noch ein Versuch.



Hier steht Weihnachten vor der Tür, und die einzige, die die Tür aufmachen kann, bin ich. Zwar kommt P., mein Sohn, zu Besuch, aber ich mache auf, bzw. hole ihn ab, und karre ihn -irgendwann abends, ich vermute, nicht allzuspät- wieder zurück in die Nachbarstadt.

Ansonsten bin ich alleine.

Das war im letzten Jahr bereits ebenso, und ich habe mich nicht zurückgehalten, das Scheiße zu finden. Da gab es zwar noch den (heutigen) Ex, aber der hatte zwei Gründe, Heilig Abend und auch die zwei Feiertage woanders zu verbringen.

Seine Frau, und seine Tochter.

Jep, so eine bin ich.


Dieses Jahr wird also etwas anders ablaufen. Ohne gegen Mittag hier abgeladene Geschenke, die sich doch schwer nach Bezahlung, für was auch immer, angefühlt haben. Ohne ziemlich realitätsferne Liebesschwüre.

Dafür mit mehr Realität.


Meine eigene Haltung gegenüber Weihnachten ist mir nie so richtig klar geworden. Nachdem die kindlichen Erwartungen bereits im ersten Jahr meines eigenen Haushalts den Bach runter gegangen waren, hab ich mir nie abschließend Gedanken dazu gemacht.

Klar ist nur, dass jede Erinnerung an sowas wie Weihnachtszauber eindeutig -Erinnerung ist.

Dieser Zauber stellt sich nicht mehr ein, wenn man einmal selbst mit den Vorbereitungen befasst ist.

Ich habe es meistens geliebt, Geschenke zu kaufen, und ich kriege auch gerne welche, das ist klar. Ich kriege nicht gerne Geschenke von Leuten, die es als lästige Pflichtübung empfinden, weil ich weiß, wie gräßlich es ist, sich Sachen aus dem Hirn zu saugen, wenn einem nicht spontan etwas einfällt.

Die Anlässe, zu denen mir für meinen jeweiligen Partner nichts einfiel, waren immer sehr kritisch- inzwischen weiß ich, dass das für meine Beziehungen jeweils ein Indikator war für die bald bevorstehende Trennung.

Das hieß: Der Exmann hat zum letzten gemeinsamen Weihnachten einen Hochdruckreiniger bekommen, den er sich wünschte. 8 Wochen später ist er in eine Wohnung im 5. Stock gezogen. Ich hoffe, er hatte noch Verwendung dafür. (Das war VOR Ebay)

Der Typ danach, im Familien- und Freundeskreis auch der Grottenolm genannt, weil er (im Rückblick) irgendwie blass und unterirdisch war, hat besagte Tasche bekommen- ein teurer, aber kein guter Einfall. Die Tasche hat er bei mir gelassen, als er an dem Abend in seine Wohnung zurück fuhr. Drei Tage später war es dann aus, weil er sich so unmöglich und unhöflich und ungezogen gegenüber Freunden verhalten hat, dass ich ihn nicht eine Minute länger ertragen konnte (das war nicht der Grund, nur der Anlass zum Ausstieg- vorher ist noch einiges mehr vorgefallen. Friede auf Erden! Stille Nacht!!).

Naja, und der letzte hats auch nur noch bis Ende Januar gemacht. Dann hab ich -versehentlich!- Schluss gemacht. Per sms. Wie gesagt- versehentlich.

Jep, so bin ich auch. Und irgendwann erklär ich es auch. Wie man versehentlich Schluss macht.



Also, Premiere- Weihnachten alleine.


Wie finde ich das? Interessante Frage- nächste Frage.


Halt stopp- ich wollte ehrlich sein, echt jetzt... Bis auf die Namen ist hier nichts getürkt. Na gut, fast nichts. Nichts wesentliches, jedenfalls.


Also: Wie finde ich das?


Vom Stress-Level aus betrachtet finde ich das gar nicht mal übel. Beziehungen sind für mich Stress, Weihnachten auch, die Kombination kann mich ganz schön beanspruchen. Wenn der Zauber für mich auch nicht mehr funktioniert, für andere soll er das schon. Eine Überraschung soll mindestens drin sein, gutes Essen, moderate Deko und wohlgelaunte Katzen sind auch Pflicht.

Als Single erspar ich mir wenigstens die Überraschung für einen zu Beschenkenden.

Seit ich die Katzen habe, ist ein Weihnachtsbaum ein no go, und Deko auf Tischen und in erreichbarer Höhe an der Wand ebenfalls. Mein Sohn ist essenstechnisch ein Schatz, er isst einfach alles, und er hat Spaß dran, wenn das Weihnachtsessen eine Lieblingsspeise ist. Zum Beispiel Kartoffelpürree, Sauerkraut und Kassler. Selbstgemacht ist das mehr Arbeit als meinetwegen Fondue, daher gönnen wir uns das beide nicht jeden Tag. Fondue auch nicht, aber das liegt am Preis. Ich hätte auch keine Lust auf den Stress, die Katzen vom Tisch zu werfen- sie würden sicher versuchen, ihn zu entern, wenn rohes Fleisch draufsteht. Ein Topf mit kochendem Öl -plus einer offenen Flamme darunter- trüge auch nicht zur Gelassenheit bei.


Also eigentlich alles im grünen Bereich. In vergangenen Jahren hat mich trotzdem die Krise gepackt, wenn ich die Worte Weihnachten und Allein in einen Zusammenhang gebracht habe. Allein schon, weil es überall als Gipfel der (ja, was denn?) Einsamkeit oder Isoliertheit oder *hier potenziell negativen psychischen Zustand einsetzen* gilt... Ja, ich habe Probleme damit, was andere wohl denken, wie man drauf ist, wenn man so ist, wie ich bin. Erheblich mehr, als tatsächlich damit, alleine zu sein.

Als unsere Kinder kleiner waren, haben wir oft mit Freunden Weihnachten gefeiert. Nichts war für mich schlimmer, als der Gedanke an nur drei Leute unterm Weihnachtsbaum. Stattdessen Trubel, Gitarrenmusik, gemeinsames Singen, und viele Kinder, die beschenkt wurden- das fand ich schön. Okay, die gebatikten Siebziger waren noch nicht so lang her, und es war Provinz- daher die Gitarrenmusik.

Das scheint aus der Mode gekommen zu sein- vielleicht sitzen ja viele Leute in meinem Alter allein in ihrer Wohnung und fragen sich, wo die anderen sind. Oder hängen bei ihren Eltern ab, ohne das zu wollen, oder holen sich bei Geschwistern eine Familienillusion ab. Oder sie arbeiten, wenn sie Polizist/Krankenpfleger/Busfahrer sind.

Alles in allem bin ich eigentlich, bis auf den Verdacht, ein Loser zu sein, ziemlich zufrieden mit Weihnachten alleine. Also mit einem bescheidenen Heilig Abend, ruhig begangen mit meinem Sohn. Ein trubeliger Abend mit Freunden wäre auch schön, aber das muss nicht sein. Nicht in diesem Jahr.- Aber ich schreibe mir heute abend noch in den Kalender, dass ich im nächsten Jahr mal unter meinen Bekannten und Freunden nachfrage. Vielleicht wird es Zeit, sein eigenes Weihnachtsfest neu zu erfinden.


Bis dahin ist allerdings noch Silvester zu händeln...



Einen schönen Abend euch allen. Und Friede auf Erden.

Und meine Gedanken sind bei dem kleinen Jungen, Georg- du weißt, wen ich meine.


Freitag, 21. Dezember 2007

Wünsche, Träume, Ziele

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, in welcher Reihenfolge die drei Worte oben in der Überschrift erscheinen sollen, bis ich mich dazu entschlossen habe, sie nach zunehmendem Realitätsgehalt zu ordnen.
Obwohl das auch nicht die richtige Bezeichnung für die Kriterien ist. Man könnte vielleicht eher sagen, dass sie in der Reihenfolge abnehmenden Vorhandenseins aufgelistet sind.
Denn Wünsche habe ich viele, Träume einige, Ziele- keine.

Damit kann man leben, ehrlich.

Wenn auch nicht gerade in irgendeine Richtung, denn die fehlt. Mangels Richtung geht's schon mal im Kreis herum, und von Zeit zu Zeit erwischt man sich dabei, dass man an bekannten Ecken schon wieder herumsteht. Viele Gegenden sind auch nicht besonders attraktiv, sondern ähneln den Emyn Muil oder den Mückensümpfen, wie Tolkien sie beschreibt.
Frodos und Sams Ziel war klar, und gesteuert nicht nur von der Notwendigkeit, den Ring zu zerstören, sondern von der Aufgabe höherer Ordnung, die Welt Mittelerdes zu retten und das erneute Hereinbrechen der dunklen Zeitalter zu verhindern. Solche Ziele hat heute vielleicht noch Al Gore, aber vermutlich geht's da auch nur um Macht und Profil.

Geht es sich leichter mit einem Ziel? Das Beispiel unserer Hobbits ist da vielleicht nicht das treffendste, denn deren Ziel war nur unter erheblichen Härten zu erreichen. Umdrehen hätte sicherlich mehr Spaß gemacht. Die Aufgabe hat sie durch Gegenden geführt, die sie ohne diesen Vorsatz vermutlich nie erreicht hätten. Andererseits glaube ich kaum, dass sie ohne den Druck ihrer Pflicht je den Wunsch gehabt hätten, diese Landstriche zu besuchen. Also kein wirklich geeignetes Beispiel.

Sind Ziele Leuchttürme? Dinge, die als Orientierung dienen? Oder eher so etwas wie ein magnetischer Nordpol, Orientierung und Endpunkt zugleich (wenn man denn zum Nordpol will)?

In einer der unsäglichen Management-Kurse, die ich des öfteren zu besuchen gezwungen war, hat man uns ein paar Dinge über Ziele beigebracht.
Danach war die Beschreibung eines Zustands der, wenn auch minimal, vom aktuellen Zustand abweicht, bereits eine Zielbeschreibung- vorausgesetzt, man ist allein, ohne unbeeinflussbare Faktoren, in der Lage, dieses Ziel zu erreichen. Das Erreichen des Ziels soll messbar sein.

Natürlich bezieht sich diese Definition auf berufliche Ziele, auf die Dinge, die man mit seinem Mitarbeiter vereinbart, um den zu veranlassen, einen Schlag schneller zu arbeiten.

Da es nicht so sehr um berufliches Fortkommen geht, bin ich ein bisschen mutiger, und bleibe mal bei den Leuchttürmen. Oder den Signalfeuern- egal was, Hauptsache, etwas, was man von Weitem sehen kann.
Da steht also ein Ziel auf dem Berg, und ich bin im Tal. Oder auf einem anderen Berg.

Ein Fluss vor mir zwingt mich vielleicht, einen Umweg zu machen, um eine Brücke oder Fähre zu erreichen. Der Berg lässt mich Meilen und Meilen wandern, um ihn zu umrunden, wenn ich mein Seil vergessen habe und ohne dieses nicht über die Klippen komme. Und dann sind da die Wünsche… nach einer Pause in angenehmer Umgebung, bei der ich mich erholen kann für den weiteren Weg. Nach einem Wald mit Bäumen, in dem ich mir einen Stock zum Wandern suchen kann. Nach einem Geschäft, in dem ich ein Taschenmesser kaufen kann, mit dem ich den Stock zurechtschneiden kann. Nach einer Pommesbude mit Kaffee im Ausschank.

Und die Träume? Wo sind die in dem Bild?

Malen die mir die Ziele in leuchtenden Farben aus? Verschönern die mir den Weg, so dass ich nicht bemerke, wie es tatsächlich um mich herum aussieht?
Vermutlich. Allein schon, um fernab und weit in der Zukunft liegende Ziele anzusteuern… da braucht man was, was einen bei der Stange hält. Oder für die Durststrecken, die Emyn Muil, die Mückensümpfe oder die Ebene der Gorgonnath.
Als solches haben Träume ihren Sinn. Wenn sie mich durch den Tag tragen, und nicht jeden Schritt so deutlich spüren lassen.

Und was machen Träume, wenn man keine Ziele hat?
Ich glaube, sie sind gefährlich und viel versprechend zugleich.
Sie haben das Zeug, zu Zielen heranzuwachsen. Sie können mir ein Bild malen, das mir sagt: DA will ich auch hin; SO will ich werden; DAS ist meine Perspektive. Sie entwerfen eine Zukunft, und machen mir darin Platz, bauen ein Nest, setzen Baby-Ziele hinein.

Das ist das viel Versprechende. (<- egal ob richtig oder nicht: Es sieht krank aus, wenn man das so schreibt!) Sie können aber auch Fantasiegebilde auf allen Bergen der Umgebung aufleuchten und Fatas Morgana* flimmern lassen, Irrlichter anzünden. Und dann? Dann hab ich Leuchttürme überall- es ist vielleicht schön hell, aber das war es auch. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, welches von den Leuchtfeuern ich mit Brennstoff versorgen will, welchen Traum ich nach Prüfung seiner Möglichkeiten weiter träumen will, werde ich entweder stehen bleiben oder kopflos durch die Welt geistern. Soweit zu den Gefahren.

Wenn ich mir das alles so auf der Zunge zergehen lasse, dann hatten es die Frauen früher™ doch verdammt leicht. Die Auswahl aus möglichen Zielen war eher gering, Nonne, Ehefrau und Mutter, Dienstmagd oder Prostituierte- alles andere, wie Königin oder so, kam selten vor und trug nicht so recht den Stempel selbst gebildeter Zielvorstellungen. Abgesehen von Nonne oder Ehefrau/Mutter hatten Dienstmagd oder Prostituierte aber bestimmt auch oft ursprünglich andere Pläne, bevor das Leben als solches die Regie übernahm.
Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte dann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen noch Lehrerin, etwas später dann auch einige weitere akademische und nicht akademische Berufe dem Zielspektrum hinzugefügt werden. Lange ging es dann bei der Verwirklichung der Ziele (z. B. Ehefrau und Mutter) primär darum, vorneweg zu sein in der Reihe derer, die um das knappe Gut der erstrebenswerten Gegenstücke und Zielerreichungshelfer (i. e. Ehemänner und Väter) konkurrierten.
Die, die ganz vorne standen, wurden Königin (oder so), der Rest musste sich nacheinander in die Schlange einfügen. Und die, die die anderen „Möglichkeiten“ „wählten“, standen stets ein bisschen im Zwielicht der vielleicht doch nicht ganz freiwilligen „Wahl“- schließlich gab es auch immer noch die an dem anderen Ende der Schlange. Da, wo es nicht um Königinnen (oder so) ging, sondern ums Überleben.
Aber, Mädels, so richtig rund ging’s erst für die, die ab den sechziger Jahren des 20 Jahrhunderts geboren wurden. Alles steht uns offen, Kinders, alles!
Atomphysik? Kein Problem.
Mutter von 7 Kindern und gleichzeitig Bundesministerin? Legt los!
Domina? Immer ran ans Werk!
Königin? Oh… na ja, nun gut. Nicht übermütig werden.

Ein Mann, den ich mal beruflich getroffen habe, hat gesagt: Wen die Götter strafen wollen, dem geben sie ein Kind mit einem Talent (er meinte eines, das eine teure Ausbildung erfordert).

Von der Warte des Kindes gesehen konnte gerade diesem Kind nichts Besseres geschehen. Es hat ein Talent? Prima, das schränkt die Zielbildung ein. Das Ausmaß der Traumerfüllung (oder die Größe des potentiellen Leuchtturms, sowie die Aussicht von dort) ist dann „nur noch“ eine Frage der Investition von Zeit und Geld und Energie. Umso besser, wenn Eltern da sind, die das Talent erkennen, begrüßen und fördern.

Für viele von uns ist es alles andere als leicht.
Alle die, die mit weit gefächerten Interessen geboren sind, auch mit mehr als nur einer viel versprechenden Fähigkeit, zum Beispiel.
Da kommt es dann darauf an, was so alles vermittelt wird an unterstützenden Faktoren. Durchhaltevermögen ist erstmal was Feines. Urteilsfähigkeit in Bezug auf die realistische Zielerreichungsmöglichkeit ist beinahe noch wichtiger.
Soziale Kompetenz, sei es die eher weiblich-harmonisierende oder die knallhart-karriereorientierte Variante, kommt noch dazu. (Auch letzteres ist eine soziale Kompetenz, wenn man nämlich über die Bedürfnisse anderer hinweg steigen kann, ohne sich in seinem Nachtschlaf gestört zu fühlen, und ohne allzu viel Mordlust auf sich zu ziehen, ist das eine ganz beachtliche Fähigkeit, und sie spielt sich auf sozialem Gebiet ab. Wenn auch nicht im Wattebäuschchen-Wurfbereich)

So, da haben wir dann also eine sozial kompetente, mit Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen ausgestattete, im Vollbesitz ihrer Urteilsfähigkeit befindliche Frau, oder sagen wir erstmal, ein Mädchen. Dieses Mädchen hat ein paar Talente, die sich nicht unbedingt ergänzen. Eine entschiedene Begabung für Mathematik, zum Beispiel, gepaart mit einiger Musikalität. Und weil’s so schön ist, werfen wir noch eine Vorliebe für die Farbe Pink ins Spiel. (Und nein: Ich mag KEIN Pink, und meine mathematischen Fähigkeiten gehen gegen Null. Oder gegen minus Unendlich, wenn es das dann gibt)

Ist der Vater Musiker, und die Mutter Physikerin, wird sie soviel pinkfarbenes Zeug haben, wie sie will, und gleichzeitig Klavierspielen und Vektorrechnung lernen, bevor sie den Kindergarten hinter sich hat.
Ganz normale Leute werden stolz sein auf die guten Leistungen ihrer Tochter. Die werden ihr Musikunterricht gönnen, und ihr hübsche, pinkfarbene T-Shirts kaufen, mit Spitze.
Sind die Eltern arm, wird sie keinen Musikunterricht bekommen, und das hübsche Gesicht wird selten aus etwas pinkfarbenem schauen. In der Schule wird sie gelobt werden, und eine Ausbildung machen, später. Wenn die Eltern die Möglichkeit haben, heißt das, um einem Kind eine Ausbildung zu finanzieren.

Sind die Eltern dumpf und stumpf, kann sie froh sein, wenn sie selbst merkt, dass ihr Mathematik und Musik Spaß machen.

Irgendwie eine blöde Sache, wenn nur in einer von vier hier angedachten (wenn auch natürlich polemisch eingefärbten) Szenarien alle Fähigkeiten gleichermaßen entwickelt und gefördert werden- oder?
Polemik beiseite: Jungs haben es da immer noch leichter. Da ist von Anfang an eher die Perspektive auf die Talente gerichtet- und wenn es divergierende Talente sind, dann geht es eher darum, die beruflichen Aussichten in Bezug auf Erfolg im Sinne von Karriere abzuklopfen.

Kaum jemals wird angesichts des Dilemmas technisch-mathematische Begabung gegen musische Begabung die Wahl davon beeinflusst werden, dass der Knabe ja ohnehin heiratet, und daher die Förderung der musischen Begabung an erster Stelle steht- schließlich muss der Knabe ja irgendwann eine Familie ernähren, und als Klavierlehrer ist das ein harter Job.
Nein, dem räumt man ein, dass er Ingenieur wird, und Klavierspielen als Hobby behält.

Bei dem Mädchen ist, so fürchte ich, auch heute noch ganz häufig in den Hinterköpfen, dass Mathematik nicht das rechte Studienfach für ein Mädchen ist. Wenn sie wirklich Glück hat, lässt man sie Lehramt studieren, mit den Fächern Mathe und Musik.

Vermutlich läuft nichts von diesen Entscheidungen wirklich bewusst ab. Man ist immer nur ganz gerührt, wenn die Tochter die Klarinette spielt, und lobt sie dafür- natürlich auch für die Eins in Mathe, aber von Herzen umarmt man sie dann doch eher an Weihnachten, nach der für ihr Alter erstaunlichen Reife bei der Interpretation irgendeines Stücks für Flöte und Gitarre.
Der Junge wird auch umarmt.
Aber gleichzeitig geht Papa mit ihm in den Bastelkeller, und der Knabe weiß mit 6 Jahren, wie man ein Voltmeter bedient. Und was es anzeigt.

Wirkliche Freiheit bei der Zielsetzung? Sollte anders aussehen. Gegen diese Form subtiler Beeinflussung kann man sich nur wehren, wenn man mit 14 rumzickt, weil man keine Lust mehr auf die Klavierstunden hat. Bewusst dagegen angehen ist fast unmöglich, weil die Verstärkungen auch nicht bewusst eingesetzt werden.

Ähnlich schwer hat es vermutlich ein Junge, der in sich den tiefen Wunsch verspürt, sich einmal um Haushalt und Kinder zu kümmern. Auch das wird nicht belohnt werden, wenn es überhaupt erkannt wird. Wahrscheinlich wird bei der Unterdrückung dieses Wunsches zudem noch Grausamkeit eine Rolle spielen- denn diese Wünsche sind für Jungs noch gefährlicher als für ein Mädchen der Traum vom Nobelpreis für Physik.

Hat der Mensch, ob männlich oder weiblich, einmal das Erwachsenenalter erreicht, ohne Ziele im Leuchtturmsinn entwickelt zu haben, hat er also mangels eindeutigem, drängenden Talent einen Beruf der eher farblosen Variante ergriffen (davon gibt es so einige) und lebt so vor sich hin, dann wird er spätestens in der "Krise der Lebensmitte" sich fragen, was er eigentlich vom Leben noch zu erwarten hat- und wird feststellen, dass einige Ziele ihm inzwischen nicht mehr erreichbar sind.
Sei es, weil die Zeit für manches abgelaufen ist, sei es, weil er Fakten geschaffen hat, die einer neuen Zielformulierung im Wege stehen. Das macht unzufrieden.
Der Alltag hat die Konsistenz von Kleister an den Füßen, die Kinder müssen ernährt und die Frau unterhalten werden. Tritratrullalla.
Madame hört oft und oft The Ballad of Lucy Jordan, und fragt sich, ob sie das hat, was sie sich gewünscht hat.
Die, die abhauen können, tun das oft. Die, die dableiben, aus welchen Gründen auch immer, gehen in Therapie, lernen Motorradfahren oder sonst eine Fertigkeit, an der noch der Feenstaub der Jugend klebt.
Eine wirkliche Befreiung ist das oft nicht, denn selbst gewählte Fesseln haben die Tendenz, besonders gut zu haften, weil sie irgendwo auch passen.
Sich selbst zu befreien heißt ja oft auch Abschied zu nehmen von mancher Annehmlichkeit und vor allem, den Hintern hoch zu kriegen. Dabei ist da so eine schöne Kuhle auf der Couch...

Aber bei unseren Kindern, da können wir etwas ändern. In dem wir sie aufmerksam beobachten, damit wir sicher sein können, dass wir sie auch sehen. Dass wir nichts verpassen von ihren Interessen, Schwerpunkten,Abneigungen und individuellen Charaktermerkmalen - und das, ohne zu urteilen.
Ein Kind, das Schwierigkeiten mit Routine hat, sollte dafür nicht niedergemacht werden. Denn es ist vielleicht besonders begabt für Projekte, die Abwechslung bringen und nicht langweilen. Gleichzeitig sollte es schon in dem Bewusstsein groß werden, dass die meisten Lebensformen Routine beinhalten, und Unterstützung dabei erfahren, sich eine Form zu suchen, in dem die Routinen es nicht erdrücken.
Unsere eigenen Ängste sollten uns nicht dazu bringen, das Kind in einen Beruf zu zwingen, der sicher ist, aber sterbenslangweilig. Da wird es scheitern, bestenfalls, schlimmstenfalls stirbt es innerlich ab.
Viel wichtiger als die gesellschaftliche Akzeptanz der freien Rollenwahl ist es, als Eltern unseren Kindern ganz bewusst die Erlaubnis zu geben, sich für ein Leben nach seinen Talenten zu entscheiden.
Und das eigene Verhalten kritisch zu beleuchten. Alle Kinder zu fragen, ob sie nicht nur Auto-, sondern auch Motorradfahren lernen wollen, und allen gleichermaßen den Führerschein für beides zu bezahlen- und nicht nur den Jungs. Wenn sie es denn wollen, und wenn man es bezahlen kann.
Ihnen zu vermitteln, wo Durchhalten sinnvoll ist, und wo nicht. Denn Durchhalten ist kein Wert an sich - es kann sehr viel klüger sein, etwas abzubrechen, sofern man feststellt, dass das Ziel unerreichbar ist.
Unbezahlbar und kaum später nachholbar ist aber, die Kinder zu ermutigen ihren Weg zu gehen, und Schritt für Schritt auf Ziele zuzusteuern. Auf Ziele, die mutig gesetzt wurden, die auf Wünschen beruhen, und von denen wir träumen.

Schönen Samstag noch.

Edit:
Fatas Morgana... Ich hab das Internet umgegraben auf der Suche nach der Pluralform, bin aber nicht fündig geworden. Hab bei Wiktionary jedoch gelesen, dass sich der Name von der Fee Morgana/Morgaine, auch bekannt und beliebt aus literarischen Bearbeitungen der Artus-Sage, herleitet. Daraus hab ich dann geschlossen, dass es besser ist, den Plural bei dem Wortbestandteil für "Feen" zu bilden, und nicht bei Morgana.
Wer's besser weiß, möge kommentieren.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

noch'n Gedicht.

Friert dem Kindlein blau die Nase,

Liegt im Rotwein schon der Hase,

Macht Zorn sich in der Mutter breit

Dann ist wieder Weihnachtszeit.



Sind auf dem Konto rot die Zahlen

Kundschaft leidet Qual der Wahlen

Tobt der Irrsinn weit und breit:

Ist bald wieder Weihnachtszeit.



Lametta an dem Tannenast

Zweig biegt sich unter Kerzenlast

Entspannung? Keine, hier und heut-

Oh wunderbare Weihnachtszeit.



Päckchen schleppen, Schleifen binden

Christbaumständer nicht zu finden

Hektik und Vergesslichkeit

Schöne, warme Weihnachtszeit



Sternenglanz und Karpfen blau

Der Oma wird’s im Magen flau

Vater brüllt und Mutter schreit

Oh, herrlich stille Weihnachtszeit



Geschenkpapier liegt schnell in Fetzen

Vater muss sich erstmal setzen

Mutter wird das Herz ganz weit:

Stille Nacht! Und: Weihnachtszeit!



CD. Computer. Kinderbuch.

Herr der Ring'. Piratenfluch.

Monopoly und Vier Gewinnt.

Meerschweinchen und Hundekind.

Modellauto und Urlaubsfahrten,

Snowboard und Theaterkarten,

Fahrrad und ein Führerschein

Und ab und zu ein großer Schein.

Parfüm. Krawatten. Puppenkleid-

Tja. Das ist die Weihnachtszeit.



Tisch abdecken, Müll verstauen,

Und den Karpfen bald verdauen

In zwölf Monaten, von heut,

Ist schon wieder Weihnachtszeit.




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Edit: Ist von mir. Das Gedicht. Wenns von wem anders wär, würd ich das schreiben. Versprochen :-)