Dienstag, 11. November 2008

Kein Wunder.

Wie Ihr vielleicht schon bemerkt habt, beschäftigt mich zurzeit die Vergangenheit. Ich habe den Eindruck, dass sich Umdrehen und weiter vorwärts Gehen keinen Sinn machen, sofern ich nicht dafür gesorgt habe, dass vergangene Dinge abgeschlossen und damit wirklich vergangen sind.

Einen Aha-Moment hatte ich vorhin, als ich beim Bestatter einen Link hierhin entdeckt habe.
Es ist ein langer Text, ausgedruckt mehr als 10 Seiten.

Es fing als Moment an.

Ich lese immer noch, oder schon wieder?- und diesmal genauer.
Mit jedem Absatz mehren sich die Flashbacks, und an meinem Erinnerungshorizont steht eine Wand schwarzer Wolken.
Ein Tiefdruckgebiet aus früheren Zeiten, eins, vor dem ich schon einmal weggelaufen bin.
Hölle und Hochwasser auf einmal.

Und trotzdem mich diese Erinnerungen wütend, traurig, schwindelig machen, obwohl sie mich zurück bringen in die schwärzeste Zeit meines Lebens, fasst der Text soviel zusammen, was bisher auseinanderklaffte. Vieles ergibt jetzt erst einen Sinn.
Auch komme ich so langsam dahinter, warum ein bestimmter Tonfall, eine spezifische Wortwahl mich scheinbar irrational wütend und aggressiv macht.

Ich glaube, heute abend werde ich feiern.

Dass ich diesen Teil meines Lebens überlebt habe- es hätte auch anders sein können.

Und dass ich nicht zur Täterin geworden bin. Ich war mal kurz davor, diesen Menschen körperlich anzugreifen, weil ich mich mit Worten nicht mehr wehren konnte- und mich noch nie zuvor so herablassend, respektlos und fußmattenartig behandelt gefühlt habe.

Ich werde auch feiern, weil ich zu ahnen beginne, dass ich mir und meiner Wahrnehmung wohl offenbar doch trauen konnte- wenn es auch über zehn Jahre gedauert hat, bis mir das klar wurde.

Vielen Dank fürs Lesen, vielen Dank für die hilfreichen und lieben Kommentare in den letzten Tagen.

Und ich stoße heute abend mit Euch allen virtuell an...
Prost.

5 Kommentare:

Frau Vau hat gesagt…

Liebe Lily,
prost!! ;-)
Aufschlussreicher Text, ich mag aber nicht ganz lesen, so was hab ich auch hinter mir (nicht Partner, sondern Stiefmutter) und will es ganz weit hinter mir lassen... hat lange genug gedauert.
Jetzt verstehe ich auch einiges mehr an Dir und Deinen Texten.. habe aber immer wieder im Freundes- und Bekanntenkreis erlebt, dass man sich auch "überanalysieren" kann.. das heißt nicht, dass man keine Fragen stellen sollte, warum man wie reagiert, sondern das dann einfach zu akzeptieren und nicht mehr zu hadern. Das kostet nur Deine wertvolle Lebenszeit und macht außerdem Falten..*grins*.
Ich werfe gerade den letzten Ballast ab und fange ganz von vorne an - das tut so gut!!
Herzlichst, Deine FrauVau

Lily hat gesagt…

Huhu Frau Vau,

die Befürchtung, mich irgendwann zu verheddern, hatte ich auch. Das Gegenteil ist der Fall. Es hat mir beim Einordnen geholfen, und dabei, verschiedene sehr voneinander abweichende Erinnerungen zusammenzuflechten.
Das erleichtert die Akzeptanz dessen, dass es einfach vorbei ist, und dass es auch gut so ist.

Anonym hat gesagt…

Liebe Lily,

Spitzen Link von der Frau Denise aus aus den Niederlanden, sehr scharfsinnig analysiert, bin beeindruckt.

Das Zusammensetzen des Puzzles, auch 10 Jahre danach, ist ganz wichtig und macht einen heil und ganz, da stimme ich Dir zu.

Ich trinke heute Abend ein Glas Rotwein auf Dich!
P.

Falcon hat gesagt…

Liebe Lily,

ich wünsche Dir eine fröhliche Feier ohne jeden Anflug von Schwermut dabei.
Und meinen Respekt dafür, dass Du tatsächlich nicht die Grenzen des Wehrens mit Worten hin zum Wehren mit Taten überschritten hast.

Klapsenschaffner hat gesagt…

Ich will mir nicht anmaßen, dass ich verstehe, was in dir vorgeht, oder vorging, aber ich glaube ich kann es ahnen. Aber (und damit hatten wir's schonmal): Alles wird gut... eigentlich WURDE ja alles schonmal gut.
Geh gut feiern! :)