Donnerstag, 22. April 2010

Neben-, Wechsel- und sonstige Wirkungen.

So langsam schwant mir, dass ich, sofern böses Schicksal oder einer, der mir die Vorfahrt nimmt, das so wollten, auf einer Sondermülldeponie zur ewigen Ruhe gebettet werden müsste. Was ich mir am Tag so an Chemie reinziehe, ist schon beträchtlich, kostet einen Haufen Geld und nicht alles tut nur das, weshalb man es zu sich nimmt.

Beispiel Citalopram: Ich hab grundsätzlich nichts gegen geringe Nebenwirkungen, die erträglich bleiben. Leider hat sich inzwischen rausgestellt, dass ich davon fiese, krampfartige Rückenschmerzen bekomme, und mein Schlafrhythmus inzwischen komplett für die Tonne ist. Am letzten Freitagabend war ich gegen neun verschwunden, und hab bis zum nächsten Tag um halb zehn geschlafen wie der sprichwörtliche Stein. An anderen Tagen wiederum bin ich zwar todmüde, aber finde schlecht in den Schlaf und wache alle Stunde wieder auf. Mein Appetit ist, sagen wir, angeregt, und mein Hintern kriegt demzufolge demnächst eine eigene Postleitzahl. Nix passt mehr, und die Waage bewegt sich rapide Richtung Maximum. Das ist nicht toll, im Gegenteil.

Andererseits kann ich mich endlich wieder ein bisschen konzentrieren, wenn auch die Stimmung weiterhin schlecht ist.

Zeit, das sich was tut, und nach Rücksprache mit meiner Ärztin werden wir was neues ausprobieren. Mal sehen, was das dann tut. In den USA heißt das Zeug Prozac, und hat einen (unberechtigten) Ruf als Happy Pille, was es aber nicht ist. Abgesehen mal davon, dass Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind, hätte ich auch keine Lust, ohne konkreten (negativen) Anlass so was zu nehmen. Als lifestyle-Zeugs darf das also bitte im Regal bleiben.

Die Warteliste des von der Ärztin empfohlenen Krankenhauses beträgt insgesamt 8 Wochen. Seit vieren davon steh ich auf der Liste, und habe keine Idee, wann das losgeht- meine Krankenversicherung muss auch noch zustimmen, und die sind, laut Beraterin des Krankenhauses, „ein harter Knochen“.



Na ja- es gibt noch eine Alternative in Form einer anderen Klinik. Wir werden sehen, haltet mir die Daumen, Zehen und alles, was sich halten lässt, bitte.

Liebe Grüße von der



Lily

Kommentare:

Chris hat gesagt…

Liebe Lily,

warum muss Deine Krankenkasse zustimmen? Normalerweise hast Du freie Arzt- und Krankenhauswahl. Mir wollte die Kasse auch eine Klinik empfehlen, die wesentlich näher dran liegt - nö!
Zu den Nebenwirkungen: sprich mit Deinem Arzt! Manche Nebenwirkungen kann man in Schach halten - entweder durch den Wechsel des Präparats oder durch eine Ergänzung.

Alles Liebe
Chris

Britta hat gesagt…

Liebe Lily,

ich schrieb dir ja schon, dass ich mich jahrelang mit Paroxetin (und Seroxat - dasselbe in grün) über Wasser gehalten habe.
Warum den Serotoninwiederaufnahmehemmern immer noch der Ruf einer "Happy-Pill" anhaftet, kann ich mir kaum erklären. Irgendwelche Glücksgefühle sind nicht zu erwarten - aber die Spirale aus Angst, noch mehr Angst und ganz schrecklich viel Angst (oder ähnlichen Symptomen) wird unterbrochen.
Paroxetin wird Frauen wohl nur noch selten verschrieben, weil es das Brustkrebsrisiko zu erhöhen scheint. Es gibt aber -zig andere Mittelchen.
Das Charmante an dem Zeug ist, dass es nicht nur die Symptome lindert, sondern das Hirnchen anregt, seinen aus dem Ruder gelaufenen Stoffwechsel wieder selbst in den Griff zu kriegen. Es dämpft also nicht nur - es HEILT auch durchaus.
Ich war damals froh, als ich es absetzen konnte, weil man eben NICHT happy davon wird, sondern eher... gleichmütig... und ein wenig desinteressiert... Die Sinuskurve der Gefühle wird nun nicht gleich zur Nulllinie - aber dolle Ups (gottlob aber auch keine gravierenden Downs) gibts damit eher nicht. Nix Life-Style also.
Ich würde aber mal so ganz ohne Pathos behaupten wollen, dass das Zeug mir damals das Leben gerettet hat.
Und dass es mit der Klinik (und ganz besonders DER) schnell klappen möge, wünsche ich mir für dich sehr!

Es drückt dich (ach was! QUETSCHT dich fast!) - das Brittalein :-)

Svenja-and-the-City hat gesagt…

Ich kann leider nichts wirklich Erhellendes zu diesen Medikamenten beitragen, weil ich davon nichts verstehen.
Aber eines kam mir doch bekannt vor: Prozac. Das nimmt sogar Tony Soprano, der Mafiaboss aus meiner Lieblingsserie "Die Sopranos". Ihm hats geholfen und ich hoffe, dir geht es ebenso.
Allerdings bekam Tony die auch von einer total süßen Therapeutin verschrieben, von Dr. Jennifer Melfi, die immer Wahnsinns Schuhe trägt.
Nein, im Ernst, liebe Lily, ich wünsche dir alles Gute und ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Medikaments.

Lily hat gesagt…

@Chris: Die muss zustimmen, weil ich 1. privat versichert bin und 2. die Klinik nicht nach der Bundespflegesatzverordnung abrechnet, dann brauchen die von der Versicherung einen Befundbericht, der einem Sachverständigen vorgelegt wird- so hat mans mir erklärt. Soll aber recht fix gehen, innerhalb von drei bis fünf Arbeitstagen, sagte man mir bei der Versicherung.
@Britta: Ich hab auch von dem Citalopram nicht den Eindruck, dass es was anderes tut, als die Angst ein bisschen im Schach zu halten, und über die wieder einsickernde Konzentrationsfähigkeit für ein etwas weniger schlechtes Gewissen sorgt bei den Dingen, die man sonst einfach nicht mehr auf die Reihe kriegen konnte.
Aber man kommt sich weder vor wie hinter einer Mauer, noch irgendwie ruhig gestellt, nicht wenn man lange Zeit überhaupt nicht zur Ruhe kommen konnte und nie aufhören konnte, die Gedanken im Kopf zu drehen und zu drehen und nochmal zu drehen.
@Svenja: Eine total süße Therapeutin könnte vielleicht noch was besseres finden, aber die, die ich habe, sind beide auch okay :)
Ich warte jetzt auf den Befundbericht, und dann sehen wir weiter.
Danke für eure guten Wünsche :)

Lily

Georg hat gesagt…

Egakl was die beschissene Waage anzeigt: Du bist und bleibst meine Lily.
Trotz der Nebenwirkungen hat Citalopram mein Leben geändert. Gerettet hat es die Klinik.
Ich hab Dich lieb.

Schäfchen hat gesagt…

Liebe Lily,

sch.... auf die Anzeige der Waage. Hauptsache, du fällst nicht noch tiefer oder kannst sogar ein wenig nach oben kraxeln!

Übrigens - nachdem ich letztens beim Doc allen Mut zusammengenommen hab, liegt hier ein Päckchen Citalopram. Noch hab ich nicht damit angefangen, denn ich glaube, dass der Wetterumschwung und die vermehrte Sonne etc. mir momentan so gut tut, dass es ich vielleicht ohne schaffen kann.

Wirklich Mut gemacht hat mir Brittas Antwort. Sollte ich also doch wieder abrutschen, werde ich mit weniger Angst rangehen (Ist das nicht schon paradox genug? Angst vorm angsthemmenden Mittel zu haben? *seufz*).

Ich drücke dir sämtliche Daumen und was ich sonst gerade noch erübrigen kann, dass es mit der Klinik schnell klappt!

Ganz liebe Grüße
Melly

Meise hat gesagt…

Ich drücke alles, was sich drücken lässt, du Liebe!!!

Paul hat gesagt…

Du hast in mein Blog geprustet. Und das, werte Frau Lily, ist nach Hirschhausen sehr gesund. Weiter so. :)

Frau Vivaldi hat gesagt…

Liebe Lily,
ich drück ganz fest - nicht nur die Daumen, sondern auch Dich!
Lieben Gruß, F.

Tina hat gesagt…

oh Fachgespräche.. hast du auch Panikattacken oder Depris?

ich sollte jetzt Cipralex bekommen, angeblich ist das eine reinere Form von Citalopram ohne eine chemische Hälfte mit Nebenwirkungen aber ohne Wirkstoffe...aber so richtig trau ich mich nicht an sowas ran.

Einige Bekannte von mir nehmen Citalopram und das schlimmste an Nebenwirkungen, was sie hatten, war sexuelle Unlust.

Halt uns doch mal auf dem laufenden und ich wünsch dir viel Glück und Gesundheit vor allem :).