Freitag, 31. Juli 2009

Morgens früh um sechs kommt die kleine Hex'

Vorhin hab ich noch mal das Posting von gestern gelesen- es liest sich so hausfraulich- wohnungszentriert, dass ich ganz baff bin. Derartige Qualitäten sind eigentlich nicht meine...

Ein bisschen habe ich Haushaltsarbeit gelernt, so, wie wir das fast alle lernen, nämlich vom Zuschauen.
Es gibt einige Dinge, die man den Vorbildern oder Vormachern abschauen kann, gerade bei der Hausarbeit. Richtig schwierig sind solche Dinge heute nicht mehr, und Bedarf an Lehrgängen, wie man einen Kristallkronleuchter reinigt oder Klaviertasten, gibt es auch nicht gerade viel.
Will sagen, eine Maschine Wäsche birgt keine unlösbaren Geheimnisse, abgesehen vom Einzelsockenrätsel, und das wird auch eine Diplom-Hausfrau nicht aufklären, dazu bedarf es eines forschenden Geistes, der noch geboren werden will.
Dann sind da Dinge wie Einkaufen, Kochen, Kloputzen, Staubsaugen und -wischen, Gardinenwaschen und Fensterputzen, Flicken, Bügeln... Die seltener vorkommenden Arbeiten, die das gepflegte Heim erfordert, als da seien Lampen säubern, Steckdosen und Lichtschalter reinigen, auf-den-Türen-Staubwischen kriegt man als unfreiwilliger Haushaltsazubi oft gar nicht mit.
So, und dann zieht man in seine erste eigene Wohnung, hat im Idealfall schon mal gesehen, wie jemand eine Pfanne reinigt und vielleicht sogar schon mal selbst eine Treppe geputzt.
Kann man davon schon Haushalt?
Nö, eher nicht.

Manche Leute können es, aber das ist kein Verdienst. Denen liegt vermutlich die Systematik im Blut.
Dem Rest geht’s so wie mir: Auch wenn ich alle Teilbereiche (oder jedenfalls eine Menge davon) beherrsche, „kann“ ich noch nicht das Ganze.
Einem ganzen Haufen Menschen fehlt eine Idee, wie man diese Dinge nun staffelt und plant, damit mit minimalem Aufwand alles zu seiner Zeit mal gemacht wird.

Erinnert (außer prähistorischen Leuten wie mir) sich noch einer an die Zeiten, in denen man einmal im Monat (gaaanz früher) bzw. einmal die Woche große Wäsche machte? Der ganze Haushalt lag lahm, weil Mutter wusch, was richtig harte Arbeit war und ein erhebliches Maß an Routine und Planung erforderte. Ich rede nicht von dem Moment, in dem wir als sechsköpfige Familie aus einem dreiwöchigen Urlaub zurück kehrten, und die ganze Terrasse voll war mit Schmutzwäsche, die es zu sortieren und dann zu waschen galt (es gibt Fotos davon), sondern von Zeiten, als meine Mutter noch keine Waschmaschine hatte, dafür aber drei Kinder, nur eins davon schon aus den (Stoff-)Windeln.
Alle Unterwäsche, Handtücher, Windeln und so mussten in einem Riesenkessel auf dem Herd gekocht werden, anschließend kamen sie auf die Bleiche, und irgendwann, spät abends, waren sie dann fertig (Mutter auch). Dazu kam Oberbekleidung, Bettwäsche, Geschirrtücher, Taschentücher, Socken, Tischwäsche, Gardinen - und alles musste anschließend auch irgendwie trocken werden, gebügelt und wieder in die Schränke verpackt.
Sowas hatte seinen Rhythmus, alles andere wäre gaanz schlecht gewesen. Heute ist jeden Tag Waschtag, und auch die anderen Dinge, wie der Frühjahrsputz und so etwas sind entschieden aus der Mode gekommen. Manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass die Leute in früheren Zeiten sehr wohl wussten, dass diese eher endlose Arbeit, die ein Haushalt macht, gut durchsortiert sein sollte, damit man nicht den Verstand verliert- vor allen Dingen in menschenreichen Haushalten.
In ganz alten Kochbüchern kann man manchmal sowas nachlesen. Da ist dann exakt angegeben, was man bei welcher Haushaltsgröße wann tut, wie man in welcher Reihenfolge welche Dinge reinigt, damit nicht das Säubern des einen Gegenstand alles andere wieder schmutzig macht. Henriette Davidis hat ein bisschen davon geschrieben, inklusive Speisepläne für das ganze Jahr, fein säuberlich nach unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen sortiert. Falls ihr sowas mal in die Hand kriegt: Das ist sehr amüsant, und eine andere Art Geschichte als die, die man in Form oft schlechter Dokus im Fernsehen sehen kann.
Heute hingegen ist so eine Versorgung einer Familie und einer Wohnung ein amorpher Haufen Arbeit, eine schier endlose Folge täglich gleicher Abläufe, kaum unterbrochen von Dingen wie dem besagten Frühjahrsputz, der oft genug ausfällt, oder der alle sechs Wochen stattfindenden Wasserplantsch-Orgie beim Fensterputzen.
Kaum ein Mensch muss noch lernen, wie man einen silbernen Tafelaufsatz reinigt, empfindliche Stickereien pflegt, Kragen wendet oder welches die Vorzüge eines Herdes sind- im Gegensatz zum offenen Feuer (eines meiner alten Kochbücher propagiert doch energisch, dass man sich einen Kochherd zulegt- offene Flammen seien doch eher out...)
Manchmal glaube ich, dieses Vereinfachen macht die Hausarbeit so stumpfsinnig.

Meine Mutter hat die sechziger Jahre, die Zeit, als sie „Nur“-Hausfrau und Mutter von vier Kindern war, als einen irren Kreislauf von Hausarbeit beschrieben, immer getrieben von dem Gedanken, dass jedes Nachlassen und jedes Nichtputzen sie in einen Abgrund stürzen würde, aus dem sie nie wieder herauskäme. Ich wäre abgeschmiert, das weiß ich, und ich vermute mal, ihr wäre das auch passiert, hätte sie nur fünf Minuten Zeit zum Nachdenken gehabt.
Die Bedingungen waren jedenfalls danach - der Haushalt war groß, wir waren teilweise zehn Personen, die Kohle war knapp, und der Tag hatte auch damals nur 24 Stunden. Sie hat jeden Abend (jeden Abend!) bevor sie ins Bett ging die gesamte untere Etage gewischt. Damit es niemals wirklich schmutzig wurde. Als ich Jugendliche war, lief am Tag drei bis fünf Mal die Waschmaschine, und jeder Socken musste aufgehängt werden, denn einen Trockner gab es nicht. Bettwäsche und Tischwäsche wurde gereckt, gefeuchtet, zur Mangel gebracht und abgeholt, Socken wurden noch gestopft und alte Pullover aufgezogen („aufgeribbelt“ hieß das bei uns), die Wolle gewaschen, gespannt und erneut zu Knäulen gewickelt, damit etwas Neues draus gestrickt werden konnte.
Sie hat selten gemeckert, wenn eine von uns (nein, ausnahmsweise nicht ich :-) ) jeden Tag zwei Badetücher benutzt hat, die sie anschließend vom Boden aufheben konnte- weil meine kleine Schwester es nicht hinbekam, die Dinger aufzuhängen.
(Ein frisches Badetuch am Tag hat übrigens jeder von uns gebraucht. Jeder einzelne von uns- und meine Schwester würde heute ihre Kinder an die Wand tackern, wenn die ihre Handtücher einfach so auf den Boden werfen würden. Würfen. Wärften? Worfen? Egal)

An gewisse Abschnitte kann ich mich auch erinnern, besagte vier bis sechs Wochen für das Fensterputzen, dreimal im Jahr wurden die Gardinen gewaschen, einmal im Jahr die Blumen umgetopft, warm gekocht zweimal täglich (einmal für uns und einmal für meinen Vater, wenn der am späten Nachmittag von der Arbeit kam). Gefrühstückt wurde im Galopp, außer Samstags und Sonntags, und jeden Tag wurde gemeinsam zu Abend gegessen.
Was man daraus erkennt ist, dass sie einen Rhythmus hatte, wenn auch einen etwas zwanghaften. Außerdem hat sie „es“ richtig gelernt, denn sie ist ausgebildete Hauswirtschafterin. Da gab es Unterricht im Hemdenbügeln, ohne Scheiß.
Wir hatten somit eine schwer schuftende Haushälterin zu Hause, was schade war. Denn Zeit für Familienleben als solches gab es irgendwie nie- oder viel zu selten.

Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte sie uns ein bisschen mit anpacken lassen. Vier Kinder? Für die wüsste ich einiges zu tun. Und zwar regelmäßig, und von Kindesbeinen an, damit man sich dran gewöhnt. Das war aber nie ihre Intention, dafür war der ganze Kram zu eindeutig ihre Sache.
Leider vertrat sie auch die Ansicht, dass sie die einzelnen Arbeiten viel schneller selbst erledigen konnte, als wenn sie uns hätte mitarbeiten lassen. Nicht gut, so eine Einstellung... aber, wie gesagt, man kann vieles auch vom Zusehen lernen, bis auf Hemdenbügeln, das hat sie uns aber tatsächlich richtig beigebracht. Zumindest ihren Töchtern.
In 25 Jahren eigenem Haushalt, teilweise auch mit drei bis fünf Personen bestückt, hab ich das dementsprechend auch nur sehr mühsam gelernt- das relativ gelassene Verteilen der nötigen Arbeiten, sowohl in der zur Verfügung stehenden Zeit, als auch auf die zur Verfügung stehenden Leute. So voll allerdings war mein Stundenplan nie, wie es der meiner Mutter war- es gab auch immer Abstriche für die Tatsache, dass ich Vollzeit berufstätig war und bin.
Es hat aber, trotz der relativ entspannten Lage, Zeiten gegeben, da haben sich die Wollmäuse in den Ecken gepaart, und auch heute noch droht schon mal der ein oder andere GAU. Dann kommt einem schnell alles, was sich angehäuft hat, so überwältigend und außerdem noch sinnlos vor. Wozu das ganze Theater- es wird ohnehin alles wieder rummelig?
Das Geheimnis ist, glaube ich, jeden Tag ein Bisschen zu machen. Vor allen Dingen kann das auch für Abwechslung sorgen, wenn man nicht jeden Tag zwei Teller und eine Tasse spült, sondern einfach nur jeden zweiten Tag, dafür an einem anderen Tag wäscht. Bügelt. Und sich nicht immer Berge von Arbeit für die ohnehin überfrachteten Wochenenden lässt.
Das hilft dann auch dabei, sich nicht überwältigen zu lassen- weil sich richtig viel damit nie anhäuft.

Selbst wenn grad mal wieder Wohnungsstyle Modell Verdun angesagt ist, nicht alles auf einmal in Angriff nehmen, hat sich bei mir als sinnvoll herausgestellt. Lieber vorn rechts anfangen und so lang jeden Tag eine Viertelstunde aufräumen, bis man hinten links angekommen ist.

Mit relativ geringem Aufwand, einer täglichen halben Stunde im Schnitt, kommt man anschließend in einem Singlehaushalt auch mit vier Katzen locker zurecht, abgesehen vom Kochen und Einkaufen vielleicht. Jeden Tag ein anderes Zimmer etwas gründlicher vornehmen (wenn man das macht, wird’s nie wirklich viel), möglichst nie länger als eine Viertelstunde an der gleichen Sache verbringen, sonst wird’s langweilig, und sich vorher ein paar Gedanken machen, was man konkret erledigen will. Wenn man fertig ist damit: Aufhören! Auch wenn man noch mehr machen könnte. Damit verhindert sich das tot umfallen nach zuviel Hausarbeit am Stück.
Das klappt nicht immer in der gebotenen Konsequenz, aber oft genug, und hat hier wirklich schon Wunder gewirkt. Wer da ein Training und eine feste Hand braucht, sollte sich bei www.flylady.com umtun, da gibt es sowas, samt Coaching und Durchhalteparolen- das war mir aber zu strikt auf Dauer. Und einfach zuviel Planen. Da hat das Chaos protestiert...

Genug gepredigt?
Allerdings.

Oder halt!
Noch eine klitzekleine, abschließende Weisheit der guten Tante Lily:


Gegen unangenehmen Geruch beim Fischbraten hilft ein Töpfchen mit Altöl, auf mittlerer Hitze auf dem Herd warm gehalten.

Guten Appetit!

Stets die Eure,


Lily

Kommentare:

Georg hat gesagt…

!?!
mir wird einiges klar.

Frau Vivaldi hat gesagt…

Das Buch von Henriette kommt sofort auf meinen Wunschzettel.. vielleicht hilft es noch mal irgendwann? Denn für geordnete Haushaltsführung ist es wohl zu spät bei mir! Bei meinen Eltern galt immer eher die Devise: Macht das Haus sauber, heute kommt die Putzfrau! (Kein Scheiß! Damit diese im Ort nicht herumerzählen kann, wies bei Vivaldis unterm Sofa aussieht...)Wirklich gelernt habe ich aber dabei nichts, weder wie man Fenster putzt, wie man kocht, Marmeladen macht, die Wäsche.. doch, ein bisschen von meiner Oma. Ansonsten galt später wie auch bei Dir: Learning by doing.. die Schule des Lebens..
Je nach Motivationslage habe ich meinen Haushalt mal mehr, mal weniger im Griff, momentan eher weniger, so viel Arbeit und andere Gedanken. Zum Glück ist Schatz so einer, der Ordnung ins Chaos bringen kann und mal schnell Küche und Wohnzimmer "macht", damit ich das Bad und die Schlafzimmer fertigbekomme..
Ich bewundere Menschen, die ihr Leben im Griff haben, auch wenn das oft nur nach außen ist. Und auch wenn sie sich vielleicht nicht wirklich wohl in dieser Rolle fühlen.
Ich merke grade, dass ich heute einfach nur ziemlichen Schei* schreibe, fand Deinen Beitrag aber einfach so schön und gut geschrieben, dass ich ein bisschen Senf dazugeben wollte... verzeihst Du mir das?
Ganz lieben Gruß!

uschi aus SoCal hat gesagt…

Fensterputzen alle 6 Wochen ?? Echt jetzt?
Ich kann mich aber noch an Teppiche, die draussen ueber eine Stange gehaengt werden mussten und dann geklopft wurden, erinnern, und an dreiteilige Matratzen, die genauso geklopft wurden.....Und an die Kredenz bei meiner Omma im Wohnzimmer, wo der selbstgemachte Johannisbeerlikoer stand! Wir hatten auch einen Garten, wo wir Salat und Bohnen angebaut haben, das ist ja heute auch wieder in.

Und dass Taschentuecher gebuegelt wurden....und das Kochen noch in der Mittelschule einschl. einkauf und Abrechnung..nur fuer die Maedchen, versteht sich!

Lily hat gesagt…

Frau Davidis ist leider länger schon Geschichte- seit 1876, und ob ihre Bücher noch aufgelegt werden, weiß ich nicht. Wenn, dann bestimmt nicht so schön wie die alten Auflagen, aber vielleicht etwas weniger empfindlich...
Vielleicht mach ich ja mal eine nicht immer ganz ernst gemeinte Rubrik mit Haushaltsanleitungen und Tipps...
Und schreibt, Kinders, kommentiert! So lang und ausführlich wie ihr wollt. Dafür ist das hier doch da, menno!
Teppichstangen und -Klopfer hatten wir auch, und die Betten wurden zum Lüften in die Fenster gelegt...und wir hatten Salat und Kohlrabi und Möhren und Zwiebeln, Radieschen, Petersilie, Schnittlauch, Erbsen, Erdbeeren, Obstbäume, jede Menge Arbeit also.
Komisch, was für Erinnerungen auf einmal kommen. Und wieviele!

Paula hat gesagt…

Die Fenster habe ich zuletzt vor 6 Monaten geputzt, das Rundreinigen existiert bei uns schon lange nicht mehr. Dafür funktioniert aber das "jeden Tag ein bisschen Prinzip", da A und O zur Verhinderung des Chaos, sehr gut. Besucher sollten aber lieber abends kommen im Dämmerlicht...

Georg hat gesagt…

Mensch bin ich froh, das ich doch nicht der einzige bin, der seinen Haushalt nicht so mustergültig führt. wenn ich meine Nachbarin so sehe, die macht jeden Tag! so einen Rundumschlag. Einschließlich saugen in der ganzen Wohnung. Das Bettzeug wird rausgehängt un dergleichen schöne Dinge mehr. Nur sehe ich sie selten fröhlich ein Buch lesen...

Ich glaube ich bleibe lieber ein schmuddelchen mit guten büchern...

Paula hat gesagt…

Unsere Mütter waren ja in den 60-er Jahren wie im Putzwahn, da konnte man sich nur als Schmuddelchen und Schlampe gegen wehren. Was hab ich gekämpft für die Klamotten auf dem Boden und das Chaos neben dem Bett!