Dienstag, 14. Juli 2009

Rest in Pieces, Ottilie

Es passiert nicht oft in meinem Leben, aber gestern war es wieder so weit.
INSTINKT!! hat sich eingeschaltet.
Oft genug ist es nur Sodbrennen, aber gestern war es INSTINKT!!

Kurz vor dem Zubettgehen, mit frisch geputzten Körperersatzteilen überall da, wo sie hin gehören (Brille? Check. Insulinpumpe? Check. Zähne? Check.Check.Check. Ersatzhirn? Öhm.) warf ich noch ein paar nasse Kleidungsstücke in den Wäschetrockner, und startete das übliche Programm.
Es ist nett, abends im Bett zu liegen und wer anderes muss noch arbeiten. Auch, wenn er das für meine Stromrechnung tut.
Also, ich lag im Bett, und in der Küche wolfte der Trockner so vor sich hin.
Manchmal, nur manchmal schießt mir in solchen Situationen der Gedanke durch den Kopf, was ich wohl täte, öffnete sich die Wohnungstür und Francis Dollarhyde stünde da. Oder, noch besser, Hannibal the Cannibal schliche in mein Schlafzimmer- obwohl der bestimmt zu gesundheitsbewusst ist, um bei meinem Anblick nicht an seinen Cholesterinspiegel zu denken. Außerdem bin ich zäh.

Ich lag also in meinem Bett und versuchte, mittels Lesebrille (ach ja- die auch...) noch vor dem Einschlafen Retha Warnickes Prosa in „The Rise and Fall of Anne Boleyn“ wertzuschätzen, da traf mein Ohr ein Stöhnen.
Jawoll.
Ein Stöhnen, verehrteste Leser, von draculäskem Ausmaß.

Und nur wenige Augenblicke wieder: STÖHHHHN.
Dieses Geräusch... es suggerierte MASSE. PRÄSENZ, um nicht zu sagen ANWESENHEIT.

Eins war mir klar: Das stammte garantiert von keiner mir bekannten lebenden Seele in meinen vier Wänden. Keine der Katzen hat, trotz unbestreitbarer Meriten, so viel Persönlichkeit aufzuweisen wie diesem Stöhnen innewohnte. Ja, dieses Stöhnen war so gewaltig, dass mir recht schnell klar wurde, dass diese Wohnung definitiv nicht groß genug für uns beide ist.

Also, was tut die zarte, allein lebende Großstadtblume, wenn sie des Nachts fremdes Stöhnen hört? Immer vorausgesetzt sie ist sich sicher, an der richtigen Adresse zu sein?

Richtig. Sie nimmt sich ein Herz (es darf gern das eigene sein) und steht auf.
Geht in die Küche, weil es von dort just in diesem Moment erneut stöhnt.
Steht vor dem Trockner, welcher stöhnt, und fragt sich einen bangen Moment, ob alle Katzen... richtig, da sind sie, alle um den Napf versammelt.

Dann fasst sie sich das nächste Herz (ja.) und öffnet den Trockner.

Welchselbiger rülpst. Oder gurgelt. Egal. Auf jeden Fall macht er ein eindeutig organisches, die Vorstellung von Feuchtigkeit, Röhren und Adern und Gasen erweckendes Geräusch.
Und das mehrere Sekunden lang. Ein Trocknerfurz, eindeutig.

So etwas Bizarres ist mir in meinem ganzen Leben sehr, sehr selten untergekommen.
Aber ich hab ja auch selten INSTINKT!!

Die Wäsche im Trockner war ultraheiß, sehr, sehr, sehr trocken, und irgendwie war mir der ganze Aufriss nicht geheuer.
Ich hab dann das Ding abgeschaltet, die Wäsche weg geräumt und bin wieder ins Bett gegangen.
Heut morgen hab ich dann nachgeschaut. Offenbar sitzt die Trommel fest, sie lässt sich kaum noch drehen. Warum der Thermostat die Heizung nicht abgeschaltet hat, weiß nur der Himmel.
Aber ich vermute stark, dass das Ding hätte locker richtig überhitzen können, und dann? Dann bin ich mir nicht so sicher, ob ich heut hier sitzen und bloggen würde.

Aber zum Glück hab ich INSTINKT.
Mit soviel Ausrufezeichen wie ich will.


Wie bin ich froh, dass der Trockner keinen Namen trug. Sonst müsste ich hier jetzt noch „Rest in Pieces, Ottilie“ schreiben.

Stets die eure,


Lily

Kommentare:

Klapsenschaffner hat gesagt…

Beiß sie!

Georg hat gesagt…

Glück UND Instinkt.

Wechsel den Keilriemen (ganz einfach) und er/sie ist wie neu.

Puuuhhhhh

Time hat gesagt…

Wahrscheinlich kam sich Dein Trockner vernachlässigt vor, weil er keinen Namen hat. Das Stehenbleiben ist eindeutig ein Schrei nach Aufmerksamkeit.

Lily hat gesagt…

@Klapsenschaffner: Tät ich, wenn sie nicht aus Metall wäre.
@Georg: Da weiß ich ja schon, was wir am Samstag machen :D
@Time: Meinst du?? Dann wird es Zeit für eine Maschinentaufe.

Paula hat gesagt…

Tröste Dich: vor 3 Wochen ist unser Fernseher in die ewigen Jagdgründe eingegangen, vor zwei Wochen mein Dampfbügler und vor einer Woche ist unser Auto verreckt (schief!).

Ich habe gestern schon unsere Waschmaschine und unseren Herd aus den Augenwinkeln beobachtet...

Paula hat gesagt…

...es sollte natürlich "schnief" heißen.

Aber meine Tastatur geht noch, obwohl der Rechner dauernd abstürzt. Seufz.

Meise hat gesagt…

Das ist aber mal gruselig!
Uaaah.
Ich gratuliere zu deinem phänomenalen Instinkt und deinem mutigen Herzen!

Frau Vivaldi hat gesagt…

Ich denke, Paula hat recht.. Maschinen ohne Namen müssen sich bei Dir einfach vernachlässigt fühlen... lach...
Und - Trockner haben einen KEILRIEMEN???? öff... (beim Käfer konnte man den durch einen Damenfeinstrumpf ersetzen... geht das da dann auch?? Man sieht, ich bin eine Frau und manchmal auch ziemlich blond *g*)