Samstag, 26. April 2014

To live is to learn

...manchmal auch die harten Sachen.
Ihr habt ja mitbekommen, was chez Lily alles so passiert... der Schock flaut langsam ab und es schimmert so etwas wie Alltag durch, schrecklicherweise.
Sieben Tage sind inzwischen vergangen, so zäh und gleichzeitig so unruhig wie noch keine andere Zeit in meinem Leben. Es ist eine emotionale Berg- und Talfahrt- jedes Telefonklingeln jagt mir zurzeit Angst ein. Nicht drangehen ist keine Option.
Aber, wie schon oben im Titel gesagt, man lebt und lernt. Man lernt, dass nichts zu sagen die Betroffenen weder ablenkt noch daran hindert, ihren Schmerz zu fühlen. Menschen, von denen ich weiß, dass sie informiert sind, und die sich gar nicht melden, tja, wie gehe ich mit denen um? Ich nehme an, sie sind nicht in der Lage, hilfreiche Dinge zu sagen und ziehen daher das Schweigen vor.

---Spoiler Alarm: Es gibt gar nichts hilfreiches zu sagen, dafür reichen unsere Sprachen nicht aus.----

Aber einfach alles zu ignorieren ist eine Sackgasse für die Beziehung zu Menschen, denen etwas Schlimmes zugestoßen ist. Da existiert nur die Lösung, vielleicht eine sms oder eine Mail zu schreiben, und einfach  zu sagen, dass man mitfühlt (und da ist, wenn man gebraucht wird- letzteres verlangt viel, und sollte besser nicht nur so dahingesagt werden.) 
Aber Ignoriertwerden tut wirklich, wirklich weh, und das ist im Moment etwas, was ich zum Beispiel meinem Sohn ersparen möchte.
Es ist auch nicht sehr gut zu ertragen, wenn jemand von dem Geschehen so betroffen ist, dass er/sie selbst mitleidet. Für diese Emotionen sollte man sich jemand anderem öffnen, und nicht den Menschen, die gerade jemanden verloren haben oder denen etwas schreckliches zugestoßen ist.
Was hingegen gut tut, ist eine Einladung zu einem Spaziergang, zu einem Essen, zu einem gemeinsamen Abend oder Nachmittag, wenn der Betroffene nicht allein sein kann. Das wechselt nämlich. Keine Angst, es wird nicht unentwegt geweint werden. Und selbst wenn- man kann sympathisierend mitweinen. Und einen Tee sowie ein Taschentuch anbieten. Normalerweise weint niemand so gern, dass er das einen ganzen Abend lang aushält.
Ach ja: Sofern bei Facebook jemand etwas Trauriges postet- der Like-Button liegt zwar nahe, fühlt sich aber komisch an. Und nicht "komisch" im Sinne von lustig. (Ich hab trotzdem verstanden, wie es gemeint war)
Das letzte, was sich lernhalber (das ist bestimmt ein richtiges Wort, Ehre-Schwöre) so bei mir abspielt, ist, dass ich um jeden Preis meinen Sohn verteidigen und schützen werde. Das ist eine relativ neue Erkenntnis. Und es geht mir gut damit.
Euch allen vielen Dank, für Gespräche, Mails, Anrufe.

Freitag, 25. April 2014

Update

Meine Schwiegertochter ist gestern langsam wach geworden. Raphael ist weiterhin bewusstlos. Für ihn sieht es nicht gut aus.

Dienstag, 22. April 2014

Ungewiss

Einige wissen es schon: Seit Ostersonntag sitzt hier die Lily-Oma.  Wir haben einen wunderhübschen neuen kleinen Jungen in unserer Familie, über dessen Geburt wir uns sehr freuen. Leider gibt es noch großen Grund zur Sorge, denn er ist fast acht Wochen zu früh geboren, und noch dazu unter medizinisch sehr ernsten Bedingungen. Sowohl seine Mutter als auch er sind sehr, sehr schwach und wir wissen nicht, was werden wird. Mein Sohn zerreißt sich derzeit, um seine Freundin und seinen Sohn auf zwei Intensivstationen in zwei verschiedenen Städten zu besuchen und diesen fast unerträglichen Anforderungen gerecht zu werden.
Zum Glück habe ich eine große Familie, die uns sehr unterstützt und die wir jetzt brauchen werden. Auch brauchen wir alle Kerzen und Gebete, die ihr vielleicht für uns anzünden oder sprechen möchtet.
Denkt an uns.

DieLily.

Mittwoch, 16. April 2014

Bits and Pieces

Über Ostern bin ich nicht hier, überlasse es also meinen Katzen, Ostereier zu suchen und mit dem O.-Hasen fertig zu werden. Natürlich kommt mein Sohn, um die Katzen zu gießen füttern, aber nur tagsüber- sofern sich der beohrte Knabe nachts hier hereinschleicht, wird er was erleben.

Ich habe heute mal ein bisschen Leserecherche auf diversen Baby-Zubehör-Seiten getrieben. Meine Güte. Was es nicht alles gibt. Ein Wunder, dass wir und unsere Kinder das Erwachsenenalter erreicht haben, so ohne Apps, die der Mama sagen, wann sie zu stillen haben (ernsthaft) (wir hatten da eine App, die hieß "Das Kind brüllt" und den Button "Mal nachsehen, was es hat"). Dann gibt es hunderte von Blogs und Foren-Beiträgen, die darüber grübeln, streiten, eifern und unentwegt ratentern, was die böse Schwiemu schon wieder alles falsch gemacht hat... Das Kind schreien lassen, das Kind nicht schreien lassen, ihm die Schuhe zugebunden oder auch nicht, die falsche Art Buch vorgelesen (ich würd dem Kind das Telefonbuch vorlesen, wenn es schlafen soll und eh noch nicht sprechen kann- viel Personen, wenig Handlung).
Die eine oder andere Großmutter, vor allem die Schwiegermütter, steht da in einem ätzenden Regen der Krittelei- ich werd mich natürlich gern belehren lassen, was a) aktuelle Sicherheitsregeln und b) medizinische Besonderheiten betrifft. Aber insgesamt wünsche ich mir jetzt schon, dass meine zukünftige Schwiegertochter einfach ein bisschen den Ball flachhält. Aber sie neigt, soweit ich sie kenne, nicht zur Hysterie.
Ganz anders manche Extrembeispiele: Da zermartern sich junge Mütter die Köpfe darüber, dass ihre elf Monate alten Kinder einige "Meilensteine" nicht im vorgesehenen Tempo absolviert haben... tja, Mädels, jetzt ist Essig mit der Elite-Uni, ist doch wohl klar. Was ein Durchschnitt ist, und wie man den ermittelt, scheint ihnen pünktlich mit der Geburt entfallen zu sein. Und niemand in diesen Foren pfeift sie mal zurück... niemals. Jammern, weinen und geifern scheint die adäquate Methode zu sein, niemand scheint mal darüber nachzudenken, dass man nicht ständig Dr. Google mit an Bord haben sollte- meine ziemlich weise Kinderärztin hat mich damals bei meinem 10 Tage alten Baby zurückgepfiffen, als ich (im Ernst... gute Güte.) das Baby nach jeder Mahlzeit wiegen wollte.
Mal im Ernst: Kinder sind stabil, jawoll! Und sie (sowie die Menschheit als Ganzes) haben schon die merkwürdigsten Erziehungs- und Pflege-Varianten nicht nur überlebt, sondern sind sogar trotz auf-dem-Bauch-Liegen zu netten Frauen und Männern herangewachsen. Natürlich sind manche Erkenntnisse wirklich wichtig, und man sollte schon auf der Hut sein, was neuere Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Medizin betrifft.

Manches ist aber auch einfach Mode. Klar sind viele Weisheiten der Schwiegermütter nicht mehr ganz taufrisch. Dafür haben sie andere Qualitäten. Ich höre zum Beispiel immer noch meistens heraus, warum das Baby brüllt. Hose voll? Bauch leer? Gelangweilt? Oder hat es die Nase voll vom Herumgeschlepptwerden, ist komplett überdreht und braucht ein bisschen Ruhe? (Hinweis: Dagegen hilft nur hinlegen und Ruhe einkehren lassen, auch wenn der Zwerg Stein und Bein schreit- das macht ihn nicht kaputt, btw.) Man lernt die Schreisprache, wenn man einmal eine Zeit mit einem Säugling verbracht hat. Das haben viele frische Mütter heutzutage nicht mehr, und das ist sehr schade. Damit geht oft sehr viel Zeit drauf, bis sich Eltern und Kind aufeinander eingespielt haben. Was aber noch keinem Kind geschadet hat, ist, dass man ihm zuhört. Und da wundere ich mich oft, wenn ich durch die Stadt gehe, wieviele Eltern ihren Nachwuchs durch die Gegend schieben, und dabei unentwegt texten oder telefonieren. Sofern das Baby noch klein ist und ohnehin schläft, find ich das in Ordnung. Halbwegs lebhafte Kleinkinder hingegen, die gern mal aus dem Wagen klettern, sollte man aber ein bisschen besser im Blick halten, bevor sie eine Abenteuerreise durch ein belebtes Kaufhaus starten.

So richtig entspannt und wirklich mit Kind sind so wenige, scheint mir, da gibts offenbar eine breit klaffende Schere zwischen FernsehenFacebookKlamottenachjadasBaby und denen, die am liebsten jeden Keim einzeln aus der Atemluft prügeln würden, und deren High-Maintenance-Babys vermutlich nie mit Schmuddelkindern spielen werden.

Meiner Meinung nach ist ein Kind ein wichtiges Mitglied der Familie, aber nicht DAS WICHTIGSTE. Es ist hilflos, aber das vergeht- wenn man es zulässt. Es ist von Gefahren umgeben- einen Teil kann man beseitigen, aber nicht alles, vor allem dann nicht, wenn das Beseitigen Wohl und Wehe eines anderen Menschen tangiert. Mit den Dingen, die man nicht beseitigen kann, wird das Baby umgehen lernen müssen. Erst unter dem Schutz der Eltern, dann auf seine eigene Weise. Und je mehr wir ihm da abnehmen, um so weniger wird es das lernen. Das kann schwer ins Auge gehen.

Robuste Elternschaft ftw, Herrschaften.


And now to something completely different:




Lily reitet spielt wieder. Oben sieht man meinen Charakter auf dem Linien-Greif zwischen Stormwind und dem Sumpfland.
Jawoll.
Schöne Ostern!

Mittwoch, 9. April 2014

Leidensfähigkeit

Unvereinbar mit der Existenz von mehr als einer Katze im Haus ist ein gewisser Sinn für Ästhetik. Vor Beginn der WG-mit-Tieren besaß auch ich allerlei Zierrat und Steh-Rümchen, Gardinen, Zimmerpflanzen und anderen eitlen Tand. Katzen hingegen pflegen ihre Hobbys nicht auf Tischen (naja, sie sollten das zumindest nicht tun), sondern auf dem Boden. Das nehmen sie zum Anlass, vieles von dem, was vorher oben stand, auf denselben herunter zu holen. Unter Inkaufnahme von Kollateralschäden, versteht sich. Überlebt wurden diese Umgestaltungsaktionen nur von Unzerbrechlichem, was dazu geführt hat, dass hier chez Lily nur noch Katzenspielzeug neu angeschafft wird.
Kater Henry, seines Zeichens einer der Pioniere in Sachen Katzenraumgestaltung, hat seinem Hobby damals viel Zeit gewidmet, und unter anderem einem jahrzehntealten, liebevoll gehegten Mordstrumm von Elefantenfuß (der Pflanze) den Garaus gemacht. Nur unter Benutzung seiner Zähne. Ich geb zu, ich hab Dinge nach ihm geworfen, um ihn davon abzuhalten. Da ich aber einen Großteil des Tages nicht anwesend war und bin, und dieses kleine graue Katertier wie kein zweiter Türen öffnen konnte, war der Verfall unvermeidlich und der Kater zum Schluss der Sieger.
Was der moderne Katzator von Tischdecken hält, hat man mir ebenfalls schnell klar gemacht. Kekse auf Tischen werden gefressen. Kiwis, Pflaumen und Co kann man durch die Gegend rollen, man muss sie nur erst aus der Schale holen, was eine sinnvolle, stundenlang durchgehaltene Beschäftigung für den Katzennachwuchs sein kann.
Mit Fell überzogene Möbel sind zuletzt in den siebziger Jahren richtig modern gewesen, aber meine Tiere tun ihr möglichstes, um diesen Trend wieder aufleben zu lassen. Seit das Gretelchen hier wohnt, kann man sich darüber freuen, dass dieser Pelz nicht mehr nur hell ist, sondern gemischt. Was dazu führt, dass die Beschränkung auf helle Jeans nicht mehr bedeutet, dass man zumindestens von Weitem gepflegt aussieht. Ich habe z.B. eine schwarze Jeans, mit der ich grundsätzlich in meiner Wohnung NICHT SITZE.
Auch auf nicht-Design-Gebieten sorgt mein Fellvolk dafür, dass nostalgische Gefühle wieder aufleben. Nur, dass es jetzt keine Legosteine sind, auf die ich nachts trete, sondern Aufziehmäuse und Katzenminze-Spielzeuge. Gruselig ist es, im Dunkeln auf die Spielzeugratte zu latschen, noch gruseliger, wenn Karl mal wieder irgendwohin gekotzt hat. Das kann auch gefährlich sein, weil Ausrutschgefahr besteht, also wird bei nächtlichen Wanderungen chez Lily immer das Licht eingeschaltet.
Wer also Ästhetik liebt, der schaffe sich keine Katzen an. Oder nur eine. Oder nur Ausgestopfte.
Wer es liebt, dass man ihn anschnurrt, austrickst, zerkratzt, anmault, belagert, im Weg steht, und entweder ignoriert oder aufdringlich beschmust, der, nur zu, gehe ins nächste Tierheim. Nicht über Los, ohne Einziehung der Los-Übertritts-Kohle, und ohne Gewähr.
Das Gefühl ist unvergleichlich:-)

Einen schönen Tag wünscht die Lily, samt der Pelzbande.

Donnerstag, 3. April 2014

Rätsel der Zivlilisation, Teil 2

Wer das hier damals gelesen hat, der weiß, dass das Universum Rätsel an verschiedenen Stellen für uns deponiert hat. Kaum hat die Menschheit eines gelöst, schwups, kommt das Universum angewackelt und pappt ein neues irgendwo an, was dann im Weg steht, Staub ansetzt und allgemein abnervt.
Was aber jetzt geschehen ist, lässt mir den Atem stocken. Die Frage, die mich damals umtrieb (Wo kommen die ganzen Katzenscheißeschaufeln her, und warum?) ist nun wiederum zu stellen. Naja, nicht ganz, aber irgendwie ähnlich. Diesmal frage ich das Universum, und zwar mit klagender Stimme: "Wo sind all die Katzenscheißeschaufeln hingeraten? Und- WARUM?"
Nicht genug, dass die Vorrats- KaScheScha (Abk.) klammheimlich meinen Ostflügel (unaufgeräumtes Abstellzimmer, Anm.d.Red.) verlassen haben. Nein. Sie haben auch noch ihren besudelten und in Gebrauch befindlichen Kumpel mitgenommen.
Wenn man, anders als ich, kein verhärtetes, schwarzes kleines Herz hat, dann kann man es beinahe sehen, wie im Schutz der Dunkelheit raschelnd sich die KaScheScha aus ihrem Kistchen erheben, mühselig den Rand überwinden, leise und fluchend über den Boden krabbeln, eine Räuberleiter bilden, um an die Türklinke zu kommen.
Einen wackligen Moment lang stehen sie dort, schwankend, bis endlich die Tat gelingt und sich lautlos die Türe öffnet. Dann schleicht eine ganze Kette von ihnen in die Küche zu ihrem geschändeten Bruder, nimmt ihn zwischen sich, und unter gezischten Durchhalteparolen treten sie gemeinsam ihre Reise an, in das Land, in dem KaScheScha glücklich werden können.
Nicht dass ich ihnen das nicht gönnte. Nein. Sollen sie doch glücklich werden.
Aber womit mach ich jetzt die Klos sauber?
Kann mir das mal einer sagen?
Und WARUM??

Seufz.

Montag, 24. März 2014

Rechtschreibung...

is a bitch, too. Vor allem wenn man glaubt, dass man als online-Magazin sowas gar nicht mehr braucht.


Fig. i: Das Frack-Wrack-Phänomen.


























Dinge falsch zu schreiben, kann sich respektlos anfühlen, scheint mir.


Freitag, 21. März 2014

Aufgeben ist auch eine Option

...wenn es nämlich darum geht, Entscheidungen, die sich als falsch erwiesen, neu zu treffen.
So geschehen im Hause der Lily im Frühling anno MMXIV. Da ergab es sich, dass der im Herbst erworbene "Ich weck dich mit Licht"-Wecker mittels eines Gnadenschusses erlegt wurde.
Weil es sich nämlich als Ärgernis herausgestellt hat, sich für einen billigen Wecker entschieden zu haben.

Aus Gründen:
-Das Displeh ist so hell, dass man dabei lesen könnte. Und wenn nicht das, so stört es, in seiner gelbstichigen oder eisigblauen Strahlkraft, entschieden den Schlaf.

-Die Weckzeit umzustellen erfordert mehr Durchhaltevermögen, Kraft im Zeigefinger und Gedächtnisleistung, als ich abends, wenn ich ins Bett falle, aufbringen kann. Daher steht dieser Wecker seit gefühlten Monaten auf 7 Uhr. Deshalb steh ich oft einfach zu spät auf, um noch früh dran zu sein. Das ist so scheiße.

-Sofern ich früher aufstehe und den Wecker vergesse (man kann ihn einfach nicht ausschalten bevor er weckt, ohne sich durch das Menü zu klicken, für das mir auch morgens die Dinge aus Punkt zwei fehlen, also Durchhaltevermögen etc.), also wenn ich ihn nicht in flagranti ausschalte, dann weckt er weiter. Und weiter, und weiter. Und, na ja, weiter. Bis abends, bis zum Morgen, und bis nächsten Donnerstag. Mit Licht, und Geräuschen.

-Das Weck-Licht ist nicht hell genug, um mich zu wecken. Auch nicht, um dabei zu lesen. Es ist gerade ausreichend, um z. B. abends nicht einschlafen zu können. Dafür macht das grelle Displeh viel Freude, s. oben.

-Und die Geräusche... don't come me with the Geräusche. Man kann zwischen einigen Naturgeräuschen wählen, die so natürlich sind wie Erdbeeraroma aus Fichtenrinde. Nämlich Null. Im Unterschied zu Fichtenrinde schmecken die Geräusche aber nicht wie Erdbeeren (wenn man die Augen zukneift und sich ganz fest konzentriert), sondern sie hören sich an wie, naja, wie Erdbeeraroma, das man aus Brückengeländern herstellt. Oder aus gebrauchten Stoppschildern.
Der Regenwaldsound, z. B., hört sich an wie ein Radio mit ohne Sender und dafür mit Stromschwankungen... wwwschschschsschschschschwwwwschschschschschwwwwww....., interpunktiert mit den Lautäußerungen eines asthmatischen Mopses. Röchel. Der Mops soll wohl ein quakender Frosch sein, verfehlt dieses Ziel aber bei weitem.
Ich hasse diesen Sound inzwischen. Die anderen sind aber genauso synthetisch, schlecht geloopt und ärgerlich.

Also hab ich mein geiziges, kleines, schwarzes Herz gestern in die Hand genommen und mir wieder ein Philipps Wake-up-Light-Weckerding gekauft. Die sind erstens schöner, zweitens überhaupt und drittens haben sie schöne und erträgliche Wecksounds. Diesmal, Ehre-Schwöre, werde ich nicht mit scharfen Gegenständen das Gehäuse öffnen, wenn die LED hin ist, sondern das Teil brav einschicken und das beste hoffen.

In diesem Sinne: Schlaft schön, ihr Lieben, und wacht entspannt auf.

Bis dahin,

DieLily

Freitag, 14. März 2014

Depression...

is a bitch, my friends.
Nachdem ich lange dachte, DIE Medikation gefunden zu haben, scheint sich das jetzt als Irrtum zu erweisen. Nun ja, wir leben und wir suchen.
Ein bisschen Geduld mit mir, ja?
Ich bemüh mich auch drum, versprochen.
Bis bald,

DieLily

Donnerstag, 27. Februar 2014

This Blog revisited

Aufgewärmt und heimlich von mir selbst mit einem Grinsen gelesen:
Das hier.

Mittwoch, 26. Februar 2014

/alive

Mit diesem Wort meldete man sich früher (tm) in Chats, bevor einen die Software rausschmiss, oder auch, um anderen zu signalisieren: Mich gibts noch.
Also:
Mich gibts noch.
Zwischenzeitlich wieder ein Jahr älter geworden, diesmal wieder keine Primzahl erreicht. Daran erkennt man auch, dass man älter wird: Primzahlen liegen weiter auseinander. Die nächste ist in zwei Jahren dran. Komisch, vor der 50 hat es mir gegraut, die 51 hat mich kaum gerührt. Trotzdem war ich bei meinen beiden besten Freunden, und hab mich drei Tage lang nur von der rechten auf die linke A...backe bewegt, und kaum was anderes getan als Kaffee trinken, stricken und rauchen. Doch: Epochemachenden Kuchen gegessen, im besten Chinarestaurant Mittelhessens gegessen und die Kochkünste des männlichen Teils der besten Freunde genossen.
Oh. 
Ja, und zwei Kilo zugelegt, in den drei Tagen. Wen wunderts?
Durch die Antidepressiva, die meinen Antrieb ein wenig antreiben und die Fressanfälle reduzieren, hab ich im letzten halben Jahr so zwölf Kilo abgelegt. Das versuche ich zu ignorieren, damit die bösen Kaloriengeister nicht ihren Zauberspruch über mich werfen.
Die Depressionen haben sich zwischendurch auch gemeldet, wie jeder erwarten kann, der so was selbst mal eine Weile hatte. Trotz der Pillen wieder Chaos im Kopf, um mich herum und keine Ahnung, wie ich das weg kriege, auch keine Motivation, das zu tun. Die Arbeit wuchs mir über den Kopf, und da ist momentan echt ein Riesenberg zu tun, auch ohne Strukturprobleme- keine gute Kombination für die Lily. Zwischenzeitlich hab ich ernsthaft überlegt, mein Erwerbsleben zu den Akten zu legen und den Freundinnen in die Vorberentung zu folgen, die diesen Schritt schon hinter sich haben. Im Unterschied zu ihnen bin ich jedoch leider keine Beamtin des höheren Dienstes, und musste dann feststellen, dass man nach mehr als 30 Jahren in einem qualifizierten Beruf, für den man Abitur braucht, leider doch nicht von der Frühpension leben kann- zumal Hinzuverdienst erstens angerechnet wird und zweitens- hallo? In Rente, aber fit genug fürs Arbeiten? Nö, finde ich nicht überzeugend.
Der Rat, eine krankheitsbedingte Auszeit zu nehmen, hilft mir nicht weiter, weil ich das einfach nicht kann. Nicht etwa, weil ich glaube, unersetzbar zu sein, sondern weil ich es nicht ertrage, zu Hause zu hocken in meiner Starre, und andere Leute, deren Pensum auch schon über 100 % ist, müssen für mich über die Klinge springen. Dafür schätze ich meine Kollegen zu sehr. Also bleibt mir nix anderes übrig, als zu lernen, mich zu schützen vor mir selbst, frühzeitig um Hilfe zu bitten und mich abzugrenzen von Ausbeutern und Energiedieben.
Jetzt alle mal lachen!

Geht das auch lauter?

Der angekündigte Post über das Stricken schmort auf kleiner Flamme und ist schon ganz trocken. Mir fällt nix ein, was andere Leute nicht besser gesagt und geschrieben haben, also hab ich mir folgenden Tipp überlegt: Einfach auf die sehr hilfreichen Youtube-Lehrgänge zurück greifen, wenn man was wissen will. Die kann man auch zurückspulen, im Gegensatz zu Müttern und anderen Vormachern. Ich kenn Leute, die sich lediglich mit Hilfe der Filmchen das Stricken selbst beigebracht haben, und das ganz wunderbar machen. Die Filmchen haben auch nie schlechte Laune, und sogar mitten in der Nacht Zeit. Nur Mut! Wolle kaufen, Nadeln und los gehts. Nicht grad die teuerste Wolle, unbedingt in ein Fachgeschäft gehen und den hoffentlich bewanderten Gestalten dort erzählen, dass man Anfänger ist. Wenn die gut sind, verkaufen sie euch eine helle, glatte Wolle, mitteldick und gut rutschend, und ein paar vernünftige Nadeln, Handwerkszeug kann nie zu gut sein.  Gute Nadeln sind teuer, billige sind ein Ärgernis. Vor allem die Nadeln in den Sockenstrick-Packs der Discounter. Finger weg. Damit kann man sich am Kopf oder unter einem Gipsarm kratzen, oder sie in Tonskulpturen zum Geradehalten verwenden. Stricken eher nicht.
Zentimetermaß besorgen, es tut aber auch ein Zollstock für die Anfänge.
Mein erstes Stück hab ich mit acht oder so gemacht, eine endlose schlechtgestrickte Schalwurst, aus Wollresten und Löchern, die eine gutherzige Oma dann in eine Durchzugsstopper-Schlange verwandelt hat.
Übrigens ist das Stricken eine komplexe Sache. Bis man das blind kann, dauert es, und bis dahin hilft nur üben.
Dafür hat man seine Hände beschäftigt (gut, wenn man keine Zigaretten oder Fressalien in die Finger nehmen will), man ist kreativ, im besten Fall macht man was zu Ende (gerade für die psychisch Angeschlagenen keine schlechte Sache) und irgendwann hat man was fertig, selbst gemacht und so, wie man es haben will.
No bad feature.

In diesem Sinne:
Hoffentlich bis bald.
DieLily

Freitag, 7. Februar 2014

Andenken

an einen großen Lyriker.

Samstag, 18. Januar 2014

Samstag Morgen, 7 Uhr...

... und ich weiß jetzt auch, wie man mit Hilfe trickreicher Registry-Manipulation ein abgestorbenes Benutzerprofil in Windows 7 belebt.
Hoch lebe der online-Help-Dienst. Hoch lebe außerdem der abgesicherte Modus und ein bisschen verstaubtes Restwissen aus der DOS-Zeit.
Denn das geht gar nicht: Nach der Arbeitswoche aus der Hölle samstags morgens aufstehen und der Rechner versagt seinen Dienst- bis auf ein höhnisches "Benutzerprofil konnte nicht geladen werden" war ihm nix zu entlocken.
Obwohl... wenn ich richtig nachdenke hätte mich ein weiterhin kaputtes Rechnergerät an der Wochenendarbeit gehindert... richtig?
Richtig.
Mal sehen, was mir jetzt noch an Ausreden einfällt.
Bis dahin gehe ich ein wenig Stricken, ihr Lieben.
Socken haben ein enormes Zen-Potenzial.
Alle zusammen: Oooooom!
Aber sowas von.

Schönes Wochenende,

DieLily

Samstag, 11. Januar 2014

Arbeitgeberliteratur

Automatiktür 

öffnet 

automatisch. 

 




                                         

Mittwoch, 8. Januar 2014

Paradoxon der zeitlichen Entkoppelung

Mit zunehmendem Alter wird die Zeit zwischen zwei Geburtstagen immer kürzer.
Gleichzeitig wird die Zeit länger, die zwischen zwei Weihnachtsgeldzahlungen liegt.

Ist die Welt gerecht?

Sonntag, 5. Januar 2014

New Year, new Post

Guten Morgen zusammen,

hier folgt die erste Verlautbarung für das Jahr 2014. Ein frohes neues Jahr euch allen, mögen Eure Tage sonnig und belebt sein, eure Nächte ruhig (oder auch belebt, je nach dem) und eure Gehaltszettel voll erfreulicher Zahlen.
Die Schwiegertochter-in-Lauerstellung ist nach Durchbruch ihres Blinddarms und der nötigen Operation zum Glück samt Baby (ebenfalls in Lauerstellung) aus dem Krankenhaus entlassen, und wir alle sind sehr beruhigt. Es ging ihr zwischendurch SEHR schlecht, und da sie leider am anderen Ende der Republik lebt (noch), war es schwierig, informiert zu bleiben. Aber das hat sich alles geklärt- und meinen sämtlichen Kindern und Kindeskindern geht es wieder gut.
Die Tage zwischen den Jahren habe ich bei meinen bestesten Freunden verbracht, und wir hatten eine wunderbare Zeit, die wie üblich zu kurz war... überlegt doch mal mit mir zusammen, wie ich sie dazu bekomme, hierhin zu ziehen. Noch hab ich da bisher keinen Erfolg erzielt, trotz meiner bekannt charmanten Art. Auch die Nähe zur Route der Industriekultur, dem fabulösen Bottroper Tetraeder, meinen Katzen und sonstigen touristischen Anziehungspunkten konnte bisher nicht überzeugen. Nicht mal meine zentrale Wohnlage, zwischen B224, A 2 und einer eher unauffälligen Bahnlinie (S9, anyone?) hat gepunktet. Dabei hört man die A 2 nur wenn der Wind echt ungünstig steht, und das Feuchtgebiet nebenan riecht nur bei bestimmten Wetterlagen wie Sumpf. Das sind doch super Features, oder? Die Rammen, die ein bisschen für Erschütterungen sorgen, ziehen ab, wenn die Emschergenossenschaft den hiesigen Bachlauf renaturiert und die nötigen Spundwände gerammt hat. Dann wackelt auch nicht mehr das Geschirr in den Schränken.
Nun ja. Jetzt, wo ich das lese, scheint mir die Gegend eher für den gemeinen Thrill-Sucher geeignet, nicht so sehr für Freunde des ruhigen Lebens. Aber was hat das ruhige Leben schon zu bieten, wenn man anstatt dessen im Autobahndreieck Bottrop geocachen gehen kann?
Im Ernst: Hier hält mich meine Familie und meine Arbeit, und die Tatsache, dass ich seit meiner Geburt hier lebe und mich zu Hause fühle- das Ruhrgebiet ist für mich eine Gegend mit versteckteren Qualitäten als die zugegeben bildschöne Stadt, in der die Freunde leben.

Das da oben ist Friedberg in Hessen, vor ein paar Tagen aus dem fahrenden Auto fotografiert (nicht ich saß am Steuer). Das ist nicht die Stadt, in der die Freunde leben, aber nahebei. In der ganzen Wetterau sieht es ähnlich aus: Wiesen, Äcker, Wälder und dazwischen die Siedlungen der Menschen. Darüber fast soviel Himmel wie an der See. Von manchen Ecken aus kann man Frankfurt sehen, und es schreckt ab. Dabei bin ich mir sicher, dass das Ruhrgebiet viel größer ist- aber es wirkt auf mich menschlicher, handlicher, so wie ein altes, weiches und vertrautes Badetuch. Hat ein paar Löcher, aber es ist viel zu schade, um es weg zu werfen. Im Sommer, wenn es stickig ist in der Stadt, kann man sich damit zudecken, und im Winter sich darin einwickeln, wenn es kalt ist nach der Dusche. So praktisch, so bequem, so vertraut und so zu Hause. Eine Gegend, in der ich seit 50 Jahren lebe und mich trotzdem manchmal verirre, selbst in meiner Heimatstadt. Aber in einer neuen Gegend würd ich mich immer verfahren- und das wäre keine schöne Sache.
*seufz*
Die Freunde fehlen mir aber trotzdem. Zeit, dass sie hier hin ziehen! Einseinself.

Schönen 5. Januar wünscht euch

die Lily

Montag, 23. Dezember 2013

Die frohe Botschaft...

Lily-like:

Ein Kind wird uns geboren.
Eine Tochter wurde mir geschenkt :-)

Ich werde Oma, nächstes Jahr.

Euch allen fröhliche, gesunde Feiertage, wie und wo auch immer ihr sie verbringt. Ein erfolgreiches, glückliches Jahr 2014, friedlich und angefüllt mit allem, was wir brauchen.

Machts gut und bis bald,

die Lily

Dienstag, 17. Dezember 2013

Tipps und Tricks mitte Lily



Passend zum Jahresende überbringt Eure Lily wieder einen bunten Strauß voller nützlicher und spannender Abkürzungen im Alltag- freut Euch und frohlocket!

1.     Findet Eure Mitte!


Hierzu stellt Ihr Euch auf das rechte Bein. Das linke Knie zieht Ihr zur Brust, erhebt den rechten Arm über den Kopf und den linken nach hinten um die Taille- damit habt Ihr schon mal die Längs-Mittelachse.
Dann beugt euch in der Taille nach vorn.
Da, wo es dann weh tut, ist eure Mitte! Ganz einfach!
Und wer umkippt, muss nur weiter üben. Üben, üben, üben.

2.     Kinderfreundliches Silvestervergnügen


Wer von Euch kennt nicht das berüchtigte und lang in der Tradition stehende Bleigießen? Und wer hat noch nicht davon Abstand genommen, weil Kinder, zittrige Zeitgenossen und Grobmotoriker mit am Tisch saßen? Aber ich habe eine gute Nachricht für alle die von Euch, die dieses schöne Ratespiel schon lange schmerzlich vermissen:
Wassergießen.
Hierzu gehört ein Krug mit warmem Wasser, der Krug sollte eine Öffnung haben, die weit genug ist für eine Soßenkelle.
Man entnimmt sodann mit der Kelle Wasser aus dem Krug. Dieses schleudert man alsbald mit Hingabe und Effet in eine frisch aufgefüllte Katzentoilette. Sofern Klumpstreu in derselben liegt, erhält man so höchst sonderbare und eigenartige Formen, die allein schon aufgrund ihrer schieren Größe wesentlich mehr Raum für Deutungen bieten, und nebenbei auch der halbblinden Erbtante einen Zugang ermöglichen – nicht nur wegen der Größe der Objekte, sondern auch wegen der schönen Geschichten, die die Katzenstreu erzählt.
Hinweis: Die Kiste sollte ausschließlich mit frischer Streu gefüllt sein. Alles andere lässt die Zukunft wirklich Scheiße aussehen.


3.     Apropos Katzen:
 Kurz vor der fälligen Renovierung sollte man die Wände seiner Wohnung mit Katzenminze oder Baldrian-Auszügen besprühen. Das Tapetenabreißen geht dann sehr schnell. Sofern man sich ordentlich an die Wand schmiegt, hat man am Morgen danach auch jede Menge Platz im Bus. Win-Win, Ihr Lieben!


Ich hoffe, Ihr schaut bald wieder rein wenn es heißt: Tipps und Tricks mitte Lily.
Bis bahald!!

Sonntag, 15. Dezember 2013

Alle Anderen

Alle Anderen sind mein Prüfstein.

Alle Anderen sind Maßstab, Metronom und Medium in meiner Welt, in meinem Leben, hier bei mir.

Und das kam so:

Als ich das erste Mal das Wort Depression hörte, konnte ich mir darunter nichts vorstellen. Klar, da gab es eine Beschreibung, oder auch zwei. Traurigsein, Weinen, Appetitverlust. Rückzug.
Das ist lange her, diese erste Bekanntschaft mit dem Wort. Mindestens 35 Jahre- aber so, wie mein Gedächtnis gestrickt ist, blieb diese erste Definition hängen. Und wurde somit zu einem Filter, an dem ich für mich unterschied: Depressionen. Keine Depressionen. Nur nebenbei und so am Rande. Nicht wichtig, ein Problem von Anderen, nicht meines.
Mit dieser Beschreibung in irgendeiner Schublade meines Hirns, das Definitionen und Worte aufsaugt, speichert und bei Gelegenheit auf meine Zunge wirft, lebte ich weiter.
Wurde mit 17 schwanger, heiratete mit 20, war mit 23 schon wieder geschieden und in einer neuen Beziehung mit der Liebe meines Lebens. Heiratete wieder, gute acht Jahre später,  und war vier Jahre später schon wieder geschieden, diesmal komplett am Boden.
Und weil ich mich fühlte wie amputiert ohne diesen Mann, der mal versprochen hatte, bei mir zu bleiben, ging ich erstmalig zu einer Therapeutin. Nach Monaten der durchdiskutierten Nächte, in denen genausowenig Schlaf stattfand wie in den durchgeweinten und durchgewüteten Dunkelheiten, traf ich diese Frau, die das erste Mal das Wort Depression auf mich anwandte. Aber halt, sagte ich mir, immer mit der Ruhe, Ball flach halten und so. Das ist bestimmt aus der Situation entstanden. Das geht vorbei, kein Grund zur Panik. Ich ging einige Monate zur Therapie und beschloss dann, in die Welt zurück zu kehren. Es folgten ein paar Episoden mit wechselnden Männern, mit One-Night-Stands und unbehaglichen Momenten, im Rückblick gefährlich und so gar nicht "ich". Aber auch das ging vorbei, und nach dem Erlebnis Diabetisches Koma und einer übel havarierten weiteren Beziehung gab ich "die Männer" auf- schließlich fehlte mir nix, oder?
Irgendwann in der folgenden Zeit, als selbst ich bemerkte, dass ich nur noch heulte, grübelte und vor mich hin stierte, suchte ich nach einer neuen Therapie und fand sie auch. Von Depressionen, dem "bösen" Wort, war erstmal nicht die Rede, ich ging dahin wegen dem, was ich als Chaos in meinem Leben empfand, als lähmende Unlust, als Faulheit und Trägheit und Ausweichmechanismen. Bis dahin verbrachte ich sehr viel Zeit damit, mich selbst zu beschimpfen für alles, was ich nicht auf die Reihe kriegte. Arzttermine, Steuererklärungen, Geschirrspülen, aktiv werden. Ein seltsames Entferntsein von allem, was mich mal interessiert hatte.
Viele, viele Stunden verbrachte ich in dem bequemen Sessel, vor meiner Therapeutin sitzend, immer das Kissen auf dem Schoß, die Arme verschränkt oder die Hände um das unausweichliche Taschentuch geschlungen. Heulte, machte Witzchen, verbrachte viel Zeit damit, unterschiedliche Bilder und Metaphern zu entwerfen, die ihr zeigen sollten, wie ich mich fühlte. Malte Bildchen dazu und hatte in der nächsten Stunde schon wieder eine neue Sau durchs Dorf zu treiben.
Währenddessen wurde mein Leben immer enger, ich immer älter und es änderte sich genau gar nichts. Im Gegenteil, es wurde schlimmer. Wochenenden verbrachte ich bei heruntergelassenen Rollläden und im kleinen Schlampenlook auf meiner Couch. Ging nicht vor die Tür, sah keine Leute, und ab Sonntag mittag heulte ich in der Regel am Telefon meinem besten Freund die Ohren voll, weil ich am nächsten Tag wieder in das ungeliebte Büro musste.
Nichts brachte Erholung, kein Wochenende, kein Feiertag, kein Urlaub. Abschalten Fehlanzeige, ich arbeitete quasi die Nächte durch, und am Morgen im Büro saß ich da, ohne eine Idee davon, was zu tun war und wie ich es anfangen sollte. Die Berge an Arbeit wuchsen langsam, aber stetig. Meine Panik stieg im gleichen Maß, denn ich hatte nicht den geringsten Plan (abgesehen von nächtlichen guten Vorsätzen) wie ich jemals wieder auf den laufenden Stand kommen sollte.
Der beste Freund von allen hatte die zweifelhafte Ehre, derjenige zu sein, der eingeweiht war- niemandem sonst verriet ich irgendein Wort über dieses Elend.
Und dann kam der Februar 2010, und für mich war das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich weiß nicht, warum das so kam, aber es ging nicht mehr weiter. Mir fehlte sogar für den oft begrübelten Schritt ins Leere die Energie, wenn ich auch keine Hoffnung hatte, dass es jemals wieder ein Licht am Ende des Tunnels geben würde (ein anderes Licht als das des Intercity Paris-Moskau, versteht sich).
Ich konnte nicht mehr aufstehen, ohne mich eine halbe Stunde lang zu beschimpfen und zu versuchen, mich zu motivieren für einen weiteren frustrierenden Tag, der mir wieder vor Augen führen würde, welch eine absolute Versagerin ich war. Siebenundvierzig, zweimal geschieden, fett, faul, gefräßig und unheilbar an der Couch festgewachsen.
Ich ging wieder zu meiner Therapeutin und bat sie um Medikamente. Schlafen können, sich erholen, besserer Stimmung zu sein- sowas erhoffte ich mir.
Leider ist sie Psychologin und keine Psychiaterin, konnte mir also selbst nichts verschreiben. Von Baldrian, Johanniskraut und ähnlichem riet sie mir ab, wegen der teilweise erheblichen Nebenwirkungen.  Sie schickte mich also zu einer befreundeten Psychiaterin, die sich anhörte, was ich zu sagen hatte. Zwei Stunden später fuhr ich nach Hause, im Gepäck ein Rezept für Psychopharmaka und eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik.
Ich ging noch ein paar Tage zur Arbeit, weil ich das Gefühl hatte, noch aufräumen zu müssen, kriegte dann aber ziemlich direkt gesagt, dass ich auf dem falschen Dampfer sei, wenn ich glauben würde, in meinem Zustand irgendwas geregelt zu kriegen. Daraufhin verabschiedete ich mich, reichte am nächsten Tag die AU nach und kehrte nie wieder in dieses Büro zurück.
Ein paar Wochen später fuhr ich auf den Parkplatz der Klinik, die mich aufnehmen wollte, schloss das Auto ab und verbrachte die nächsten 12 Wochen dort, unterbrochen nur von drei ganz kurzen Wochenendaufenthalten in meiner Wohnung.
In meiner Klinikzeit hab ich sehr viel gelernt. Die Fakten, die ich von dort mitnehmen konnte, sind allerdings nur langsam in meine Seele und mein Bewusstsein gesickert- denn einiges habe ich nur sehr schwer akzeptieren können.
Dazu gehört, zu akzeptieren, krank zu sein- eingeschränkt leistungsfähig, geneigt, alte Fehler zu wiederholen (weil sie ja irgendwann einmal geholfen haben) und im Grunde nicht mehr ohne weiteres mithalten zu können.
Auch für diese Erkenntnisse war es nötig, noch ein paar Mal gewaltig aufs Maul zu fallen und damit zu lernen, dass ich eben einiges nicht kann. Es gibt Dinge, von denen ich mich verabschieden musste- zum Beispiel die Idee, etwas Großes auf die Beine stellen zu können. Meine Fähigkeiten auf die Straße zu bringen. Das Leben wird nicht mehr mühelos, wenn es Wochen gibt, an denen sich jeder Schritt anfühlt, als ginge man in hüfthohem Honig umher (oder, um es drastisch auszudrücken, in Schlamm und Scheiße).
Es ist schwer, Selbstachtung zu bewahren, wenn man sich so selten in der Lage sieht, stolz auf sich zu sein. Und es ist unglaublich mühselig, Die Anderen aus der eigenen Wertung herauszulassen. Sich nicht zu vergleichen, sich nicht zu messen- weil die Voraussetzungen unterschiedlich sind, und weil Depressionen einen am Fuß einer sehr hohen Leiter abstellen. Manchmal ist es nur die Leiter, die mir im Weg steht, manchmal ein Gipsbein und Höhenangst, die zusammen mit der langen Sprossenreihe von vornherein abschrecken. Und ich weiß heute, (wenn ich auch nicht immer fühle, dass es so ist) dass ich nix dafür kann, nicht level-on mit Den Anderen zu starten.

Ebenso hab ich gelernt, dass Depressionen sich in vielen Teilen des Körpers breitmacht. Mir hats die Zähne ruiniert (zusammen mit dem Diabetes), durch Zähneknirschen und ständiges Zähnezusammenbeißen, der Rücken und der Nacken sind praktisch chronisch verkrampft, und da ich sehr oft im "Überlebensmodus" bin, bleibt auch heute noch nicht viel Energie für Erholung übrig- um sich wirklich zu erholen muss man was tun, und wenn man das nicht auf die Reihe kriegt, ist das übel.
Auch das Gedächtnis leidet, die Fähigkeit, auf Anforderungen angemessen (und nicht mit panischem Rückzug) zu reagieren, und, am schlimmsten für mich, die Konzentration. "Kopfsalat" ist ein Dauerzustand, das Grübeln eine Störung jeder geplanten und zielgerichteten Handlung, und am schlimmsten kollidiert die Lily mit dem, was lebenswichtig für sie wäre: Struktur.
Hätte ich eine, so könnte ich teilweise auf Autopilot laufen- manche Dinge würde ich einfach machen, ohne groß zu denken. Aber ich war lange Jahre stolz auf mein unstrukturiertes Leben, weil mir alles andere lähmend langweilig erschien- und es auch sehr viel Mühe gekostet hätte, sich daran zu gewöhnen.
Momentan bin ich dabei, seit ein paar Monaten dafür zu sorgen, dass ich regelmäßig in kleinen Schritten und jeden Tag mit einer halben Stunde Einsatz meine Wohnung in Ordnung halte. Denn die früheren Samstagsputzorgien schaffe ich schon seit Jahren nicht mehr. Das hat dazu geführt, dass ich in den letzten zwei Jahren maximal 5 Mal jemanden hier zu Besuch hatte. Öfter hat das "Begehbar-Machen" nicht funktioniert. Und trotzdem ich das seit Monaten trainiere, finde ich keine Anzeichen für das Einsetzen des Autopilots. Motivieren muss ich mich immer noch, und manchmal richtig überreden, abends die Teetasse in die Spülmaschine zu bringen. Obwohl ich WEIß, dass das das Richtige ist, und obwohl es circa 15 Sekunden dauert. Da frag ich mich dann doch noch oft, ob Die Anderen das nicht besser machen...nein. Das ist nicht richtig: Ich weiß, dass Die Anderen das besser machen.

Übrigens nehme ich seit ein paar Monaten wieder Antidepressiva. Sie nutzen mir, um ein bisschen Abstand von dem inneren Chaos zu kriegen, von der Angst, der Trauer, der Abwehr von Nähe. Ich bemerke, wenn ich grüble, und kann das meist oft manchmal beenden.  Die zusätzlichen Probleme, die ich durch den Diabetes und die Essstörung habe, sind ein wenig mit dem Hintergrund verschmolzen und so konnte ich ein paar Kilos ablegen, ohne über das Wörtchen "Diät" wieder die alten Teufel auf den Plan zu rufen.

Trotzdem. Trotzdem freue ich mich auf das, was mich im nächsten Jahr erwartet... Hinweis: Es bietet Gelegenheit zum Stricken.

Also- all's well that ends well?
Aber sowas von.

Schönen Sonntag, ihr Lieben da draußen.



Sonntag, 8. Dezember 2013

Kunst. Worte. Kunstworte.

Seit gut anderthalb Jahrzehnten ist es sehr „in“, bekannte (und vermutlich auch weniger bekannte) Unternehmen umzubenennen.
Da wird dann ein Name, der mal für Schweiß, Arbeit und schwermetallbelastete Böden stand, in eine wohlklingende Silbenkaskade umgewandelt.
Da fusionieren mehrere Ruhrgebiets- Wohnungsunternehmen und heraus kommt der Name „Vivawest“, was vermutlich absichtlich wie Kliklaklawitterclub klingt – eingängig, sehr trallalla und irgendwie nicht wie ein ernstzunehmender Gegner, wenn es drauf ankommen sollte.
Eine Sparte von Bayer (nicht, dass ich mir merken könnte, welche) heißt jetzt Lanxness. Das könnte auch eine neue Meditationsmethode mit Gewichtsverlustgarantie sein, oder eine andere Mischung aus Wellness und Diät, oder?
Hoechst, jedem bekannt und gleich mit dem Etikett „Vorsicht, Chemie“ versehen, heißt seit Jahren Aventis. Abenteuerurlaub! Marsexpeditionen! Geschenke!!!
Ein bisschen scheint das die gleichen Wurzeln zu haben wie diese dumme Angewohnheit, Kindern keine richtigen Namen mehr zu geben, sondern Aneinanderreihungen von Vokalen und weichen Konsonanten- Imanalaya, anyone?
Aber das kann auch furchtbar schief gehen, wie ein Beispiel aus dem schönen Nachbarland Frankreich zeigt. Anstelle von „Scheuermilch plus“ oder „Ätzdreckweg 17“ oder einer ähnlich herb nach Arbeit und Schmutz klingenden Bezeichnung setzten sich ein paar Nasen zusammen und kreierten für ihr neues Reinigungsmittel so einen richtig schönen, wohlklingenden Namen.

Heraus kam der Sprühreiniger „Cyclone B“.


Schönen zweiten Advent, ihr Lieben.