für eure verständnisvollen und hilfreichen Kommentare zum letzten Beitrag. Im Moment ist das wirklich ein Thema, was mich massiv beschäftigt, allein schon, weil ich soviel Zeit mit meinen Eltern verbringe. Oft reicht es abends wirklich nur dazu, mit der Couch zu verwachsen und den Feierabend einzuläuten. Manchmal geht es mir so auf den Geist, dass ich einfach nur noch abhauen möchte. Dann wiederum ist es eine Herausforderung, die mir auch Spaß macht. Einen Teil von dem, was jetzt so zu regeln ist, hab ich auch mal gelernt, und weiß, dass ich das gut beherrsche. Leider bin ich da besonders intolerant, wenn mir Menschen nicht zuhören oder in komplett überflüssige Panik verfallen, nur weil ein Bescheid eintrudelt. Ganz vorbei ist meine Geduld, wenn Leute diesen Bescheid nicht lesen, sondern in Windeseile in alle Blätter zerlegt in der Wohnung verstreuen, um anschließend durchblicken zu lassen, dass sie alles, aber auch alles persönlich nehmen, was drin steht. Und es gemein finden.
Waaaaaaaaaah. Wah!!!
Ein bisschen mehr Lesegeduld, ein bisschen weniger demonstriertes Unverständnis wären da hilfreich, finde ich. Ich finde auch, dass man durchaus mal wo anrufen und sich kritische/unverständliche/unlogische Teile eines Bescheides erklären lassen sollte. Soviel Zeit muss sein. Vor allem, bevor man in die Rechtsmittelschiene einschwenkt. Ich kann auch beim Ersteller anrufen und mehr oder minder zart andeuten, dass sein Text komplett unverständlich ist, wichtige Teile fehlen oder von falschen Voraussetzungen ausgegangen wurde. Niemand, auch nicht der öffentliche Dienst, ist scharf auf Widersprüche oder Klagen. Das dauert alles, macht die Bilanz kaputt und kostet überflüssigerweise auch noch Geld.
Und warum sollte man sich da echauffieren? Bringt außer Ärger nix.
So.
Und jetzt geh ich zu meinen Eltern und versuch, meiner Mutter das beizubringen.
Wünscht mir Glück :-)
DieLily
Dienstag, 29. März 2016
Vielen lieben Dank...
Samstag, 12. März 2016
Vergessen. Vorbei.
Wie einige von euch vielleicht wissen, leidet mein Vater an einer Demenzerkrankung. Oder vielleicht kann man besser sagen (ohne bösartig sein zu wollen): Er hat sie, und meist leiden wir darunter.
Demenz, egal, wie sie mit Vornamen heißt, ob Alzheimer oder Lewy-Körperchen-Krankheit, is a bitch, meine Lieben. Wir wissen seit beinahe 10 Jahren davon, und man sollte meinen, dass das eine gute Vorbereitung bedeutet, auf das was da kommt.
Leider ist es aber so, dass jede Zwischenstufe einen dazu bringt, sie für das zu halten, was maximal passieren kann. Meist ist sie jedoch nur ein Moment, in dem Selbsttäuschung zuschlägt und einen in falscher Sicherheit wiegt. Manchmal gibt es Meilensteine. Bei Kindern ist das der Tag, an dem das erste "Mama" zu hören ist. Bei Demenzpatienten der letzte Tag, an dem man ihn oder sie alleinlassen konnte, um einzukaufen.
Demenz ist ein Verlust der Freiheit, für den Patienten und vor allem für die Angehörigen. Ein ultimativer Freiheitsverlust, ein Eintritt in ein Gefängnis, das seine Insassen nicht mehr freigibt, außer in den Tod. Primäre Gefangene in diesem Knast ist meine Mutter, die sich um meinen Vater kümmert. Wir als ihre Kinder haben unsere Arbeit, unsere Abende, die Wochenenden- wir können gehen. Ich sehe unsere Arbeit als Freiheit an- denn die hat ein Ende, täglich. Wenn meine Mutter abends ins Bett geht, weiß sie nicht, was sie erwartet, denn mein Vater schläft nicht mehr durch. Er steht dann aber nicht auf, um den Fernseher einzuschalten oder mit einem Buch im Sessel zu hocken oder auch nur irgendwo zu sitzen und nachzudenken. Er schaltet das Licht ein, und begehrt Auskunft darüber, wer neben ihm liegt, warum seine Frau noch schläft, obwohl er schon wach ist (das bedeutet nämlich Aufstehzeit). Oder er benötigt Hilfe, welcher Art auch immer.
Morgens dann kommt er nicht aus dem Bett. Der Kreislauf macht nicht mit, manchmal will er auch einfach nicht. Das ist fatal, denn fast einsneunzig schlappe Menschlichkeit kriegt meine Mutter nicht manövriert, sie ist nur 1,62 m groß und nicht die Kräftigste. Dann wird motiviert und geredet, bis er dann doch aufsteht. Beim Duschen und Anziehen braucht er Unterstützung, die Treppe hinunter geht es nicht mehr flott und die Treppe ist schmal- keine gute Ausgangsposition um jemanden beim Runtergehen abzusichern. Neben der Demenz ist die körperliche Einschränkung durch Parkinsonismus (klitzekleine Schrittchen, schlurfend und zunehmend unsicher) und die kreislaufbedingte Neigung zu Schwindel eine große Bürde. In der Wohnung gehen klappt nur noch mit Stock. Im letzten Jahr hat er den noch ständig irgendwo stehen lassen- das Stocksuchen ist aber seit ein paar Wochen Vergangenheit, denn jetzt geht kein einziger Schritt mehr ohne. Außerhalb des Hauses ist Bewegung fast nicht mehr möglich. Für den Rollator ist das Grundstück zu hindernisreich. Der Rollstuhl ist schlecht manövrierbar, weil er wegen der elektrischen Schiebehilfe tonnenschwer ist und die Treppenstufen nicht leicht zu überwinden sind.
Den Rollstuhl mag er auch nicht. Damit sieht jeder, der ihn trifft, dass er nicht mehr kann. Das ist ihm so unangenehm, dass er in einer Tour meckert. Aber andererseits kann meine Mutter das Teil auch trotz Schiebehilfe nicht oder kaum bewegen. Ich hab es selbst schon getan, und fand es höchst anstrengend, weil die Geschwindigkeit unrealistisch mühsam zu dosieren ist, und die zwei kurzen Griffe das schwere Ding mit einem schweren Insassen nur sehr eingeschränkt lenken können. Die Bürgersteige in der kleinen Straße, an der sie wohnen, sind stark zur Straße hin abfallend. Das gesamte Teil muss über Kraftanstrengung in den Handgelenken geradeaus gesteuert werden. Geht nicht mit Handgelenken, die sind dafür nicht gebaut. Also steht das Ding herum, setzt Staub an und ist ein ständiger Vorwurf, dass man den armen Kerl nicht öfter mal ausfährt. Hätte er noch alle seine Sinne beisammen, könnte er den Rolli wohl selbst steuern, aber das hat er eben nicht.
Bis vor sechs Wochen sind meine Mutter und ich einmal in der Woche zum Einkaufen gefahren. Die üblichen Discounter, manchmal unser geheimes Suchtziel Baumarkt- zwei, drei Stunden waren immer ein bisschen Auszeit für sie und Gelegenheit, mit einem Erwachsenen zu reden, und nicht mit einem dreijährigen, hilflosen alten Mann. Das ist vorbei, seit er sich keine 10 Minuten mehr merken kann, wo sie ist. Sobald ihm auffällt, dass sie nicht da ist, fängt er an, sie zu suchen. Das ist zu gefährlich, weil er nicht mehr sicher läuft und sich oft nicht mehr zurecht findet, da, wo er gerade ist. Also bin ich in den letzten Wochen allein einkaufen gefahren. Was für meine Mutter bedeutet hat, dass sie teilweise 14 Tage lang das Haus nicht mehr verlassen hat- außer, um die Mülltonnen nach vorn zu schieben.
Das ist kein Leben mehr. Für meine Mutter, meine ich.
Leider ist aber das ständige Habt-Acht-Gefühl, dass man wohl entwickelt, für ihre eigene Intelligenz nicht gut. Sie kann und darf sich auf nichts konzentrieren, was nicht mit ihm zu tun hat, das merkt er nämlich und wird dann schnell böse. Manchmal auch bösartig, denn bei aller Demenz hat er sich eine gewisse Schläue bewahrt, die erschreckend zuschlägt, wenn man es nicht erwartet.
Mutter verliert daher oft den Faden und erzählt die Dinge in Schleifen- vermutlich auch, weil sie das so gewohnt ist. Immer wieder jemandem das gleiche vorzubeten, verdirbt den Stil.
Gleichzeitig aber ist jemand, der so untergetaucht ist in diesem demenziellen Elend, der fortschreitende Abbau überhaupt nicht mehr klar. Welche Dinge jetzt seit neuestem nicht mehr funktionieren, wird nicht mehr reflektiert. Die Hilflosigkeit und die 24/7 nötige Konzentration treiben Raubbau mit der Gesundheit.
Unseren Vater haben wir verloren. Unsere Mutter (noch) nicht. Die beiden wollen da leben, wo sie sind, wo sie seit fünfzig Jahren leben. Das sollen sie auch. Davon hängt so viel für sie beide ab, dass niemand es wagen sollte, das zu ändern.
Andererseits geht es so nicht weiter.
Anfang letzten Jahres habe ich das erste Mal eine Tagesstätte für Demenzerkrankte besucht, um zu schauen, ob das eine Lösung wäre. Damals war das ziemlich schrecklich, denn die Patienten dort waren um einiges schlechter drauf als mein Vater zu diesem Zeitpunkt.
Das neue Jahr hat eine Wiederauflage desselben Besuchs (andere Einrichtung jedoch) gebracht.
Natürlich wollte er nicht dahin. Für ihn war das gleichbedeutend mit einer Abschiebung in ein Heim, und das, wo Mutter ihm doch versprochen hatte, dass sie beide zusammen bleiben (das hat er sich natürlich merken können...) Dass es nur einmal die Woche ist, macht es gleichzeitig besser und schlimmer. Besser, weil er natürlich sechs Tage in der Woche zu Hause bleibt, schlimmer, weil es jedesmal neu ist. Herzzerreißend der Moment, als er mich gefragt hat, ob ich nicht bei ihnen wohnen möchte, damit Mutter es einfacher hat und er nicht weg muss. Ich kam mir vor wie ein Arsch, ihm das zu verweigern. Aber das geht nicht, unter anderem, weil ich es nicht will.
Gestern war er zum zweiten Mal dort. Den Schnuppertag zu Beginn hat er mit Mutters Hilfe gut überstanden, in der Woche darauf hat er (o-Ton...) keinen Bock gehabt. Diesmal musste es sein, und ich hätte auch den Argumentationsverstärker gespielt, aber Mutter war entschieden genug. Auch, weil ihre eigene Gesundheit es erfordert hätte, ihn den halben Tag allein zu lassen. Ihn irgendwo hin mitzunehmen hat wenig Sinn, vor allem, weil er soviel Aufmerksamkeit braucht. Und sich so langsam bewegt, dass man nicht rechtzeitig von A nach B kommt.
Er war überraschend sortiert, als er wieder zu Hause war. Aber erschöpft bis zum geht-nicht-mehr.
Vor einem Jahr konnte er noch auf die Leiter klettern, um Mutters komplett unschuldige Magnolie mittels Säge zu verunstalten, sobald seine Frau aus dem Haus war. Jetzt weiß er nicht mehr, wo die Leiter steht, zum Glück.
Der Antrag auf Ausweitung der Pflegestufe ist gestellt. Natürlich war er beim Besuch des MDK fit wie ein Ölkännchen, charmant und flott auf den Beinen (ich hätte ihm die Hölle heiß machen können). Aber das liegt daran, dass Besuch von Fremden bei ihm, vielleicht durch Adrenalin, immer ein Programm startet, was den Anschein von Gesundheit hat. Er kann dann sogar passende Begrüßungssätze äußern, und dem Gespräch folgen. Zum Glück hält das nicht lange an, sondern erschöpft sich schnell. Wenn der Antrag durchgeht, können wir die Betreuungstage auf zwei in der Woche ausweiten. Meine Mutter ist so fertig, dass sie nicht mal was unternehmen will, wenn er nicht da ist, sondern einfach nur da sitzen und sich ausruhen.
Alt werden? Nix für Feiglinge.
Mittwoch, 9. März 2016
Vermutung: Bestätigt.
Hatte ich am Sonntag noch den Eindruck, unsichtbar zu sein, und klärte sich dieser auch wieder, so weiß ich seit heute, dass ich das tatsächlich bin.
Erst hat mir jemand die Vorfahrt genommen und anschließend mit keinem Wimpernzucken zu erkennen gegeben, dass er/sie das überhaupt bemerkt hat.
Dann wollte ich tanken. Der Mensch, der zum Auto gehörte, das an der Zapfsäule vor mir schon fertig betankt auf den Fahrer wartete, stieg ein. Dann sah man ihn kramen. Dann holte er etwas aus dem Handschuhfach, und fuhr immer noch nicht los. Irgendwann bin ich ausgestiegen hab an die Scheibe geklopft... der Mensch saß da, und machte seine Spritverbrauchsbuchhaltung. Ohne auch nur ein Bewusstsein dafür, dass er eine ganze Reihe Zapfsäulen blockierte. Dem wütenden Gesichtsausdruck nach waren ihm die Scheinwerfer der Autos, die hinter ihm standen, schlicht entgangen. Oder doch alle unsichtbar?
Heute mittag in der Bäckerei stand vor mir in der Schlange eine ältere Dame. Die kaufte den halben Laden, dann lieber doch die andere Hälfte, dann aber in Scheiben, aber nicht so dicke, bitte. Es dauerte.
Schließlich war sie fertig. Die Verkäuferin kassierte, die Dame verließ den Laden, ich machte gerade den Mund auf, da kam sie wieder rein. Und redete einfach weiter auf die Verkäuferin ein, weil sie jetzt doch noch lieber wieder etwas anderes brauchte. Oder etwas zusätzlich, wer weiß das schon. Die Verkäuferin, die sich soeben dem Rest der Schlange hatte zuwenden wollen, stieg sofort auf das neu beginnende Geplapper der Frau ein- und ignorierte einfach alle anderen, die da ja jetzt schon länger standen.
Da bin ich dann gegangen. Was auch keiner bemerkt hat, fürchte ich.
Montag, 7. März 2016
Vorurteile.
Wie ist es doch befriedigend, das ein oder andere Vorurteil bestätigt zu sehen... wie sehr, konnte ich gestern mal wieder feststellen.
Und das kam so:
Sonntag soll ab sofort (also ab vor 14 Tagen) bei mir Wellnesstag sein, zwecks dieses Behufs begab ich mich ergo gestern erneut in den örtlichen Wohlfühltempel (Sauna und so). Diesmal war ich schon um acht Uhr da, denn um 10 kriegte man in der Vorwoche schon keinen Parkplatz mehr. Um acht Uhr, oder nur Minuten später, bekam ich keinen Platz mehr in der Kassenschlange- oder doch nur einen, der seeeehr nah an der Eingangstür war.
Vor mir: Rentner.
Man darf ja am Wochenende nicht aus der Übung kommen, mit dem Frühaufstehen, das ist mir klar, also hab ich Verständnis. Die Tendenz der Pensionisten, sich vorzudrängeln als wäre ich unsichtbar, hat jedoch etwas weniger Verständnis ausgelöst. Aber ich hab aufblasbare Schultern, kann mich groß und sehr sichtbar machen, wenn ich das will, und der Durchschnittspensionist prügelt sich offenbar doch nicht gern in Schwimmbädern.Ich kam also rein, und abgesehen davon, dass mir da wer seinen Zigarrenatem ins Genick blies, blieb ich auch unbehelligt.
Aus meiner Jugend kenn ich noch ein paar Tricks, um möglichst schnell am Beckenrand aufzutauchen. Dazu zählt, zu Hause schon mal den Badeanzug anzuziehen, Joggingzeugs drüber, und los... dann das Joggingzeug in Rekordzeit in den Spind werfen, und schon steht man, sozusagen, an der Saunatür. Das Rennen gewinne ich, Herrschaften.
So auch gestern. Die Sauna war noch gar nicht richtig warm, da lag ich auch schon auf den Brettern.
Nur Sekunden später öffnete sich die Tür und eine ziemlich laute Dame sprach zur anderen:
Tja, Anneliese. Hätteste mal dein' Namen auf die Bank geschrieben.
Und lachte meckernd.
Vor dreißig Jahren wäre sie für den Spruch noch aus der Sauna geflogen. Nicht wegen des Inhaltes, aber wegen der Lautstärke. Gehörte doch zum damaligen Strafgesetzbuch auch ein Paragraf, der da lautete: Du sollst in der Sauna nicht brüllen.
Mit Trompetenschall ging die Unterhaltung weiter.
Man muss sich das so vorstellen: Ich mit meinen knapp einsachtzig nahm ungefähr ein Drittel der unteren Bank ein. Es blieben also noch gute drei Meter Raum, um sich auszubreiten, und dann noch Platz, damit andere noch einen Aufstieg auf die oberen Bänke wagen konnten. Was mein Verständnis für Gewohnheitsplätze und Erbbaurechte an öffentlichen Saunabänken betrifft, so ist das eher im Minusbereich.
So auch gestern.
Und da werd ich hartnäckig, und schwerhörig, und bleibe, wo ich bin.
Anneliese setzte sich dann, schnaubend (eher wegen des Blutdrucks, schätze ich), und hub an, zu warten, bis das Jungvolk (also die ich) IHREN Platz räumte.
Womit ich mir zwanzig Minuten Zeit ließ. Dann bin ich, mit einer Verneigung zu Anneliese, und unter Schnappung meines Liegetuchs, aus der Sauna gerauscht. Und konnte noch beobachten, wie die tutende und prustende Anneliese IHREN Platz wieder einnahm. Womit die Gerechtigkeit in der Welt wieder hergestellt war.
Die folgende Zeit brachte ich auf einer Liege zu, unterbrochen von Saunagängen, Abkühlung und so nem Kram, bis ich dann auf die Idee kam, das beigefügte Solebad zwecks Schwimmens (kann man da nicht wirklich. Weil das Wasser zu warm ist... unter anderem.) aufzusuchen.
Dort fand sich dann eine Wiederholung des Sauna-Gewohnheitsrechts. Diesmal mit Sprudeldüse.
Davon gibt es so einige, und auch noch mit Varianten. In Fuß-, Knie-, und Arschhöhe sprudelt es aus der Wand, aus dem Boden, und es gibt auch noch eine Art Unterwasser-Liegen mit Sprudeldüsen.
Auf allen Liegen, vor allen Düsen, unter allen Schwallbrausen: Rentner. Grimmigen Gesichts klammern sie sich an den Beckenrand, liegen wie tot auf den sprudelnden Kacheln, tun so, als seien sie gar nicht da.
Über das Schild am Rand "Bei Erklingen des Gongs bitte Düsenplatz räumen!" hab ich mich amüsiert, bis, ja bis zum ersten Mal der Gong ertönte. Und...nichts geschah. Die Gesichtsausdrücke (oder eher, DEN Gesichtsausdruck) beibehaltend, behielten sämtliche Leute am Beckenrand, auf Sprudelbetten und unter Schwallbrausen auch ihren Platz bei. Absolut. Aus lauter Spaß an der Provokation hab ich mich in Aggressionsentfernung vor einem besonders hochdruckig aussehenden Mann aufgebaut, der ob seines prolongierten Aufenthalts im sehr warmen Solebad schon recht violett angelaufen war. Hinter mir zog ein älterer Herr, der den toten Mann machte (also auf dem Wasser liegend einfach nur daher dümpelte) seine Kreise. Ab und zu trieb ihn die Wasserbewegung auf einen anderen Badegast zu, der meist Platz machte- man konnte nämlich nicht wirklich erkennen, ob er den toten Mann nur spielte.
Grillen zirpten.
Am Horizont ging irgendwo eine Sonne auf, oder unter.
Der Gong ertönte. Ich setzte ein hoffnungsvolles Gesicht auf, und schaute dem Beckenrandler tief in die Augen... die der dann schloss.
Einfach so.
Den toten Mann zu spielen scheint ein Überlebenstrick zu sein, in der harten, kalten Wirklichkeit westdeutscher Wellnessbäder.
Ich suche jetzt eine andere Tageszeit, zu der man dort vielleicht schwimmen kann, ohne an tote Männer, Sprudeldüsenpiraten oder Saunaplankengewohnheitsrechtler zu geraten.
Dienstag, 1. März 2016
Viel zu lang.
Es gibt für ein und dieselbe Figur so viel verschiedene Beurteilungskriterien… Da ist das Gewicht in Kilos. Das sagt erst mal gar nix, das ist nur eine Zahl. Das ist so wenig aussagekräftig, dass es sogar einige Methoden und Formeln gibt, um diese Zahl zu bewerten. Broca, zum Beispiel. Dann den BMI, in seinen Varianten. Da gibt es noch mehr, aber die könnt ihr selbst googeln, Dass auch diese Methoden und Formeln eigentlich nicht allgemeingültig sind, weil z. B. eine sehr aktive Sportlerin, bedingt durch die Schwere der Muskelmassen, einen ziemlich hohen BMI haben kann, aber keinesfalls dick ist, ist inzwischen bekannt.
Von den Bildern, mit denen wir bombardiert werden, und die uns laufend präsentiert werden, kann ich selbst mich nur schwer lösen. Spontane Reaktionen passieren mir manchmal. Die sind dann oft weder für mich noch für die Person schmeichelhaft, die da gerade zufällig unterwegs ist. Übergewicht ist da nicht das, was Reaktionen auslöst. Meist ist es Kleidung, die mich zu der Frage führt (die ich im Übrigen für mich behalte…), ob die Person keinen Spiegel hat.
Die dritte Haltung ist besonders verwerflich: Menschen pauschal für dumm oder faul oder eine Mischung aus beidem zu erklären, nur weil sie nicht dem eigenen Bild von Schönheit oder Attraktivität entsprechen, ist faschistoid. Der Irrsinn dieser Haltung kann einfach betrachtet werden, wenn man sich eine x-beliebige Zeitschriftenauslage in diesem unserem Lande anschaut. Yellow-Press, Autozeitschriften, Computerjournale, Dekopostillen. Und in Greifhöhe eine Mischung von „Frauenzeitschriften“, die eins gemeinsam haben: Abwechselnd schick gestylte Fressblättchen oder ebenso bunt bebilderte Diätwerbung-cum-überflüssige-Tipps. Samt amtlich genehmigter Rezepte für kalorien- und genussfreie Knechtschaft für immer. Den wahnwitzig unterernährten Vorbildern, die man in vielen dieser Publikationen sieht, kann man nur nacheifern, wenn man den Rest seines Lebens auf jede Kalorie verzichtet, die nicht unbedingt zur Aufrechterhaltung basaler Lebensprozesse nötig ist.
Es hat mich aber dann doch gefreut, zu entdecken, dass mein innerer Schweinehund dressierbar ist. Und es hat mich gefreut, das Laufen zu entdecken. Die positiven Wirkungen von Bewegung wie mehr Ausgeglichenheit, ein höheres Energielevel, mehr Motivation für alle anderen Dinge im Leben, haben einen gewissen Mitnahmeeffekt, von dem ich bis dato nur gelesen hatte. Und geglaubt hab ich das sowieso nicht.
Ziemlich viel Hilfe hatte ich durch den Sport bei den sekundären und tertiären Gewinnen des Essens. Also bei deren Abwendung bzw. bei deren Ersatz. Nämlich zum Beispiel bei der Reduzierung meines Grundlevels an Aggressivität (Zorn und Trotz ist bei mir ein Standard-Auslöser für Binge-Eating-Attacken). Ausgetobt sein ist eine gute Basis für das Nicht-gleich-Ausflippen, und manchmal auch eine Gelegenheit, um sich aus allem heraus zu ziehen und mal eine Runde ungestört nachdenken zu können. Kontakt und solche Dinge bekommt man auch, wenn man mit einer Freundin um die Häuser rennt, nicht nur, wenn man sich einen schönen Abend mit einem leckeren Essen gönnt oder ausgeht. Der Sport hat also mein Verhaltensspektrum erweitert, was mir sehr gut gefällt. Kein anstatt, sondern ein sowohl-als auch.
Montag, 22. Februar 2016
Der Slowcooker
Da wollte ich berichten von meinen Erfahrungen mit der langsamen Kochart, und hab dann vor lauter Kochen-und-Essen keine Zeit zum Schreiben gefunden. Ts, ts.
Aaalso. Nachdem ich vor Jahren, nach einer entsprechenden Sichtung in einem amerikanischen Blog, von den Slowcookern erfahren hatte, hab ich mal gegoogelt und fand nur "Angebote", die die 100 € Marke gnadenlos überschritten. Da ich sowas nicht zu solchen Preisen ausprobiere, hab ich dankend abgewinkt und mich weiter mit Mikrowelle und so bekocht.
Jetzt aber sind die Dinger preislich im freien Fall, und als ich Anfang letzter Woche oder so mal nachgeschaut habe, gab es einen kleinen schnuckeligen 1,5 l Apparat für knapp über 20 Euro. Da hab ich dann zugeschlagen. Ausgepackt, sauber gemacht, eine Runde durch den Tiefkühler gedreht, und die Beute in das Ding gefüllt, eingeschaltet... und 12 Stunden später eine fantastische, grandiose, äußerst leckere Rindfleischsuppe zu mir genommen. Sogar das Fleisch war essbar, was mich normalerweise eher kalt lässt.
Dann, ja dann musste ich Nachtisch damit machen. Dunklen Schoko-Fudge... Suchterzeugend. Dazwischen hab ich einen zweiten bestellt, diesmal mit realistischem 3,5 l Fassungsvermögen.
In rascher Folge hab ich dann Gulaschsuppe, Rosenkohlcremesuppe und als krönendes Dings Pulled Pork gemacht... alles supereinfach, superlecker, und mit minimalem Aufwand.
Es gibt da sicher Unterschiede zwischen meinen beiden Billigheimern (23 und 33 €) und dem Flagschiff der Slowcooker. Aber ich bin schon sehr zufrieden... Alles, was lange geschmort oder langsam gekocht gut wird, kann man damit ohne Anbrenngefahr zubereiten. Ich bin eine Suppen- und Eintopf-Tante, da kommt das gut. Also Gulasch, Grünkohl, Gemüse- oder Fleischsuppen, Rouladen... Das 3,5 l Ding bedeutet, dass ich eine oder zwei Portionen einfrieren kann, und mir damit das Leben erleichtere. Da der Kochbehälter ein in das Gerät eingesetztes Steingutgefäß ist, hält sich der Reinigungsaufwand sehr in Grenzen. Topf rausnehmen, mit heißem Wasser und einem Tropfen Spülmittel säubern, abtrocknen, fertich.
Kein Einstellen von merkwürdig geformten Gegenständen in die Spülmaschine, kein Verfärben (oder Verformen...) von Plastik. Gut, das. Gulasch oder so muss man vorher anbraten, allein schon wegen der Farbe. Anschließend den Bratensatz ablöschen, loskochen und mit in den Topf geben. Aber man hat den Herd sauber, und stundenlang einen feinen Duft von Schmorgericht in der Wohnung (okay, das mag nicht jeder).
Was mich am meisten wundert, ist, dass das Gemüse nicht matschig wurde. Nicht mal die Pilze, die (weg mussten) im Gulasch landeten waren so klein und zusammengeschnurrt wie sonst.
Heute werde ich Paprikaschoten (gefüllt) machen. Und die Tage mal Kohlrouladen.
Hach...
Dienstag, 16. Februar 2016
Techniktrick
Oder, wie Catweazle sagte, Elektriktrick.
Im Moment steh ich auf Kriegsfuß mit Apps und so nem Kram, vor allem mit meinen Schrittzählern. Hab mir nämlich einen neuen kaufen müssen, weil der alte seit geraumer Zeit nicht mehr das tut, was er soll. Also, der Zähler schon, die App-nicht.
Seither bin ich im Kontakt mit dem Kundenservice (gewesen). Zu Anfang noch sehr freundlich und bemüht, dann jedoch nicht mehr so. Die App synchronisierte sich nämlich nicht mehr freiwillig mit dem Zähler, sondern schmierte regelmäßig ab, so dass man das alles manuell machen musste, was, frei heraus gesagt, sacknervig ist. Mehrmals am Tag Handy aus, Handy an, Bluetooth an, Bluetooth aus und wieder an, das war schon ätzend.
Ziemlich zu Anfang meiner Serie an Beschwerdemails spendierte man mir einen neuen Tracker, nachdem ein Test mit dem Handy eines anderen Menschen dasselbe nicht funktionierende Ergebnis hatte.
Natürlich lief es auch mit dem neuen Tracker nicht. Zusammen mit den mehr oder weniger beherrschten Äußerungen anderer User auf der Update-Seite und Amazon ließ sich dann irgendwann nicht mehr leugnen, dass die App grundsätzlich bei bestimmten Androidhandys in die Knie geht. Und zwar ziemlich genau datierbar nach einem Software-Update. Sämtliche der vielen freundlichen Mitarbeiter bei der Support-Line, mit denen ich gesprochen habe, versprachen, diesbezüglich mit der Technik zu reden. Ich bezweifle, dass das auch nur einer gemacht hat.
Der Gedanke der mangelnden Kompatibilität zu einigen Android-Handys liegt nahe, wenn man mal schaut, ob Nutzer von Apfeltelefonen ebensolche Beschwerdemails schreiben, was sie nicht tun. Die haben, wenn überhaupt, andere Probleme. Was die Kompatibilität angeht, hat Jawbone aber ohnehin einen Pinn im Kopf: Nach den Angaben, mit welchem Handy die App nun läuft, muss man gezielt auf deren Homepage suchen. Sofern einem Kompatibilität nicht ohnehin im Hirn rumschwirrt, tut man das aber nicht ohne weiteres. Bei Amazon jedenfalls ist im Angebot nicht im Entferntesten davon die Rede, dass es vielleicht viele Handys geben könnte, die nicht mit dem Up Move zu verbinden sind. Hätte ich mehr Zeit, würde ich gern mal in realen Geschäften danach fragen, ob die Dinger mit jedem Handy laufen, oder nur mit bestimmten. Auf die Antwort der Leute hinterm Ladentisch wäre ich dann gespannt.
Wie dem auch sei, vorletztes Wochenende hab ich dann auf einen Aldi-Schrittzähler gewechselt. Das mit der Synchronisation ist damit nicht so essentiell, weil der Zähler selbst eine digitale Anzeige der gelaufenen Strecke (nebst einigen anderen Daten) hat. Da muss man nicht die App zum Übersetzen haben. Andererseits ist die Möglichkeit, weitere Sportarten einzugeben und mit in die Aktivitäten einzubinden nicht vorhanden- was kein Schritt ist, wird nicht gezählt, auch wenn man 5 Stunden High-Speed-Fahrradfahren hinter sich gebracht hat. Oder mit Opa kegeln war.
Das ist ein bisschen blöd, weil ich seit einer Woche Mitglied im Fitnessstudio bin, und das Ding einfach nur die Schritte auf dem Crosstrainer zählt, nicht aber die anderen Geräteübungen. Aber ich weiß ja, was ich gemacht habe (meine Bauchmuskeln und sonstiges Gezerre erinnern mich schon...), insofern ist das nicht sooo tragisch.
Aber, seufz und so, heute morgen zeigte mir die Aldi-App, dass ich heute nacht 10222 Schritte gelaufen bin. Während ich, so die gleiche App, eine meiner seltenen, stundenlangen Tiefschlafphasen hatte.
Manchmal glaube ich, ich hab nen schlechten Einfluss auf Technik.
Und morgen berichte ich euch von den ersten Versuchen mit meinem neuen Slow-Cooker.
Ach, und vielleicht antworte ich auf die Jawbone-Umfrage zur Kundenzufriedenheit doch noch. Die ist gestern per Mail gekommen (trotzdem ich meine Meinung bereits in mehr als einer Mail deutlich gemacht habe. Nehmt das, ihr Mailbots.)
Dienstag, 9. Februar 2016
Scheiß verschwiemelte Mistscheiße
Waaaah. Wenn ich eins hasse, dann ist das institutionsinternes Gelaber, um Seiten vollzukriegen und einen guten Eindruck zu machen. Herrje. Ein langer Satz ist noch kein guter, und wenn man nach 3 Seiten immer noch keine Idee hat, was das ganze Geschreibsel nun tatsächlich bewirken soll, dann, ja dann- wurde sauber am Problem vorbei geschrieben.
Aber es gab viele Fremdworte, und auffallend oft fielen die Ausdrücke "zivilgesellschaftlich", "Akteur" (für was auch immer) und "Ziel". Ein gutes Drittel der Sätze wiederholte nur das, was in anderen schon stand, dafür fehlte das entscheidende Quäntchen Information- nämlich tatsächlich ein paar Worte darüber, was jetzt passieren soll... und ich wette, das ist vielen von den bisherigen Lesern nicht mal aufgefallen.
Was für eine Verschwendung.
Montag, 25. Januar 2016
seufz.
Und dann hatten wir letztens in der Pause noch diese Diskussion um Veganer.
Nicht um das vegan leben, sondern über die Frage, was wohl die einzelnen Menschen dazu veranlasst, entweder auf Schokolade zu verzichten oder nur vegane Schoki zu konsumieren- meiner Meinung nach schmeckt das Zeug wie etwas, was seit meiner Kommunion 1973 in Omas Schrank liegt. Und Plastikschuhe muss man auch tragen. Nicht mal Götterspeise kann man, weil Gelatine (oder ist meine Infobase da veraltet?) Die Stimmen waren unterschiedlich. Einige von uns meinten, die Leute seien ekelgesteuert, andere hatten Ethik auf dem Schirm, wieder andere- ach, hab vergessen.
Im weiteren jedoch kamen wir dann zu einer wirklich spannenden Frage, nämlich:
Wie hält es der Veganer mit dem Kannibalismus?
Also, nicht mit diesem überhöhten Begriff, der sich aus der Gleichheit des Menschen mit den Tieren (sind wir ja doch mehr so alle) speist (no pun und so weiter), sondern mit voll krassem, realem Kannibalismus.
Die Kuh und das Schwein und das Huhn, um nur ein paar von unseren Mitgeschöpfen/Nahrungsmittellieferanten zu nennen, haben ja nicht die Möglichkeit, wirksam und überzeugend in die Verwertung des eigenen Körpers zur Erquickung und Labung des Menschengeschlechts einzuwilligen. Das scheitert schon daran, dass sie mangels Daumen keine Stifte zu Unterschriftszwecken halten können. Deren Einwilligung wurde daher in den letzten Jahrzehntausenden mehr oder minder vorausgesetzt, und die Veganer haben sozusagen herausgekriegt, dass das eine Lüge bzw. ein großangelegter Beschiss, angelegt und durchgeführt von Metzgern, war.
Der Mensch ist demnach als potenzielle Eiweißquelle und gleichzeitig Daumenträger der einzige, dessen entsprechende Willenserklärung ("...ich spende meinen linken Quadrizeps und alles, was daran hängt, zu Zwecken der Wurstgewinnung an die Baul-Pocuse-Mensa der Universität Quakenbrück...") vorgelegt und der Wurstpackung beigefügt werden könnte.
Darf der Veganer dann zubeißen? Also, nicht die, die Ekel kriegen, wenn sie "tierisches Eiweiß" auch nur hören. Sondern die, deren Ethik es vorschreibt, kein einwilligungsunfähiges Mitgeschöpf aufs Tablett zu bringen.
Und wie sieht das mit Roadkill aus (jetzt mal ohne menschliche Beteiligung...)? Der Dachs, der Fuchs, die Karnickel vom Straßenrand? Darf der Veganer, der ethikgetriebene, deren Körper verspeisen?
Ich fürchte, diese Diskussion, die im Übrigen bei Hinzutreten des Chefs abrupt beendet wurde (und das nicht, weil der so lecker aussieht), wird angesichts nur dreier Beteiligter nicht mit der nötigen argumentativen Breite geführt worden sein.
Daher die Frage an euch:
Darf der das? Der Veganer? Und bleibt er seinem Prinzip dann treu?
Fragen sich
Lily und Kollegen.
Donnerstag, 21. Januar 2016
Morgenstund'
Hab mir heute schon eine Rüge von meiner Schwester eingefangen, von wegen schlechter Laune am Morgen und Tag verderben.
Und das kam so:
Wenn meine Geschwister und ich Sport betreiben, dann laufen wir eigentlich alle.
In den letzten Tagen hab ich so vor mich hin überlegt, ob ich das Joggen vom Trampolin drinnen mal nach draußen in die Natur verlegen soll. Bisher hat mich daran gehindert, dass ich mir immer noch Sorgen um die Füße und Knie mache- schließlich ist nix dem Laufen so hinderlich wie ein kaputtes Knochenwerk.
Heute morgen hab ich mit meiner Schwester drüber gewhatsappt, und dann kamen wir auf das Thema Bekleidung...
Während es überhaupt kein Problem ist, an Schuhe zu kommen, hab ich leidvolle Erfahrungen mit dem Angebot an Sportklamotten gemacht. Bevor ich damals (tm) in die Klinik ging, musste ich mir für den da vorgesehenen Sport was zum Anziehen besorgen. Und das gestaltete sich extrem schwierig.
Will man, so als dicke Frau, nicht in zellulitebetonendem Spandex herumlaufen, sondern etwas locker sitzendes, für Yoga und Walking Geeignetes erwerben, steht man vor einem Problem. Beim Discounter, der ja auch nicht das ganze Jahr über so etwas im Angebot hat, ist in der Regel bei der Größe 46 Schluss, was aber durchaus nicht für jede von uns reicht. In Extremzeiten hätte ich locker auch 52/54 ausgefüllt.
Nun ist der Mensch eitel, und explodierende Sonnen oder Panoramaaufnahmen der städtischen Müllkippe in lila-gelb sind nicht die Muster, die man an den runden Beinchen sehen möchte, ein schlichtes Schwarz wäre da schon eher angebracht. Aber weit gefehlt. Kriegt man was, ist es gruslig bunt. Oder grell neon / pink / wasauchimmer. Wenn mans kriegt...
Meist kriegt man aber nur eins: Angeekelte Blicke von den dürren Gestalten hinter der Sportgeschäft-Theke. Ist mir mehrmals -in jedem aufgesuchten Laden- passiert, jeweils vermischt mit einem "Da müssen Sie mal selbst durchsehen" oder einem ungläubigen "Für Sie??".
Nach dem dritten derartigen Erlebnis im "Fachgeschäft", keinem Erfolg bei thebigA und natürlich erst recht nix im Kaufhaus und beim Discounter war ich kurz vor dem Aufgeben. Aufgeben und schmollen.
Hätte mich der beste Freund nicht an den Haaren in ein Winz-Kaufhaus in Friedberg/Hessen geschleift, wo eine graue Yoga-Hose in passend hing (interessanterweise von Adidas- aber auf deren Homepage nicht erwähnt), säße ich heute noch motzend zu Hause.
So konnte das Abenteuer Klinikaufenthalt starten- und gestern abend hab ich diese Hose beerdigt, weil sie inzwischen so weit ist, dass sie nicht mehr oben bleibt. Trotz Gummizug.
Zuletzt hatte ich sie im September an, bei der Renovierung. Davon hat sie Farbflecken davon getragen, die Säume waren abgetreten und die Durchzugskordel war schon lang weg. Friede ihren Überresten.
Jedenfalls hat mich die Erinnerung an diese Erlebnisse, vor allem an die Blicke in den Geschäften, heute morgen schon wieder so wütend gemacht, dass meine Schwester mich von meiner Palme wieder runterholen musste. Dabei weiß ich eigentlich nicht mal, was mich wütender gemacht hat - die Industrie, die diesen Bedarf munter verkennt (und, machen wir uns nix vor, auch für die Couch haben wir alle gern was bequemes, dehnbares. Nicht nur für die Rennstrecke...) oder die widerlichen Reaktionen der Normgestalten, die in den Geschäften herumstanden.
Und auch, wenn ich mir den Tag nicht damit versauen will: Sich ärgern sollte man, und das tu ich auch. Aber noch lieber würde ich andere ärgern, nämlich die Verantwortlichen. Vielleicht fällt mir auch mal ein, wie. Ich werd drüber nachdenken.
Bis dahin gehabt euch wohl und bleibt in Bewegung :-)
Dienstag, 19. Januar 2016
Je öller, je döller
Wie bereits berichtet, knackt es im Lilyschen Gebälk immer mal wieder in den letzten Wochen und Monaten... Die Sportoffensive (also: Die Aufnahme halbwegs normaler Bewegungsmengen) hat zwar dafür gesorgt, dass mir die Beine nicht mehr weh tun, egal, wie lange ich laufe, gehe, stehe oder sitze (hätte ich im übrigen niemals erwartet). Auch die Hüften schmerzen nicht mehr, dank regelmäßiger Beanspruchung.
Aber die Zwangshaltung bei der Arbeit, sprich: Sitzen auf der schiefen Ebene, die sich Büro nennt, und Starren auf den Bildschirm, die hat für Probleme im Nacken gesorgt. Aus unbekannten Gründen, gefördert durch die Anstreichaktion im Herbst (wir berichteten), hab ich Bandscheibe in der HWS. Starre ich nun durch die Gleitsichtbrille auf den Monitor, so stirbt mir die linke Hand ab. Einerseits, weil sich da was einklemmt, andererseits wegen steinharter Muskeln, die auch klemmen.
Um das Starren zu verhindern, könnte ich natürlich in Rente gehen. Leider hat mein Arbeitgeber da noch ein Stück mitzureden- und die Kohle reicht. einfach. nicht.
Besser, schöner und bunter wird es hingegen, tauscht man die Gleitsichtbrille gegen zwei Brillen aus. Eine für draußen, Entfernungen > 2m, und eine für drinnen, Entfernungen < 2m. Das geschah gestern.
And now to something completely different- bisher, also bis vor drei, vier Monaten, war ich voll des Lobes und des Preises, was meinen Schrittzähler betrifft. Welcher immer noch das seine tut, nämlich Schritte zählen und meinen Schlaf überwachen, wenn er nicht im Wohnzimmer liegt und den Schlaf des Tisches überwacht. Die App hingegen- meine Güte, die App.
Ende September gab es ein Upgrade, ich weiß nicht mal mehr, ob das ein Android- oder ein Up-Move-App-Upgrade war. Seither jedenfalls hakt es, und ich bin in beinahe intimem Kontakt mit den Leuten von Jawbone. Die riefen zu Anfang gern an, aus Irland oder wo sonst sie sitzen, und gaben sich sehr freundlich und bemüht. Einmal wurde mir ein neuer Tracker geschickt, aber daran lag es nicht, dass diese App einfach nicht mehr synchronisiert. Früher war es so, dass die App, sobald man sie öffnete, sich mit dem Tracker verband, die neuen Zahlen auslas und hübsch grafisch aufbereitete. Nix wildes, aber eben Zahlen. Jetzt ist es so, dass die App angeworfen wird, und sofort anzeigt, dass sie nicht mit dem Tracker in Verbindung steht. Den kann man dann manuell wieder anbinden, aber das dauert. Noch doofer ist, wenn die App nicht verrät, dass sie nicht verbunden ist. Dann muss man sie erst runterfahren und wieder hochfahren, bevor sie zugibt, ein Problem zu haben. Jedenfalls hab ich dem Service (auf dessen Wunsch hin) Screenshots der Fehlermeldung geschickt, die ab und zu (aber nicht immer) zu sehen ist... und obwohl ich sagte, dass da nix steht als "Up wurde unerwartet beendet", musste ich ihnen diesen Shot schicken. Meinetwegen. Der sollte dann, zusammen mit meinem "Fall", einem Techniker unterbreitet werden (der vermutlich immer noch da sitzt und sich schief lacht). Meine Idee, dass die App in der Android-Variante ein Problem mit der Bluetooth-Verbindung hat, war nicht so eine erwünschte Anmerkung. Obwohl das Problem relativ weit verbreitet ist, wie man auf diversen Internetseiten lesen kann, tun die inzwischen so, als sei ich die einzige Kundin, die diese Schwierigkeiten hat. Vielleicht liegts ja an meinem Handy- aber diese Aussage würde den eigenen Kompatibilitäts-Kriterien widersprechen.
In den letzten Wochen waren dann leider die Leute, die bei mir anriefen, immer schlechter zu verstehen, erst wegen des bayrischen Migrationshintergrund (München/Dublin oder so), dann wegen eines thailändischen oder malaysischen, keine Ahnung. Die letzte, auch sehr freundliche aber kaum noch zu verstehende Dame hat mir dann nach dem Telefonat den Inhalt desselben noch mal auf die Voicebox gesprochen. Dann war Schweigen. Bis eine Woche später jemand mir eine Mail schickte, aus der hervorging, dass man davon ausgehe, dass sich das Problem von selbst gegeben habe.
Wie man darauf kam, hat sich mir nicht erschlossen, denn es kam weder ein Upgrade der Software noch sonst irgendetwas bei mir an. Auch ist Software der kostenlosen Art in der Regel nicht selbstreparatur-fähig.
Jedenfalls bin ich dann etwas ausfällig geworden, so per Antwort-Mail.
Heute dann war wieder eine Mail da- man bedauere, dass ich Probleme hätte (mit ihrem Produkt. Was anderes zu schreiben haben sie sich wohl nicht getraut). Und ich möge ihnen bitte sagen, wann man mich erreichen kann. Nun gut. Ich würde Hoffnung schöpfen, wenn nicht die letzten 17 Kontakte auch so angefangen hätten.
Drückt mir mal die Daumen.
Donnerstag, 14. Januar 2016
Remake
Zum zweiten Mal reanimiert:
Weiberleben
ElendeErleuchteteErleichterteFreundinFeindinFreche
GöreGirlyGestörteHeitereHureHirnverbrannte
IrreIntensiveImmacolataJägerinJa-SagerinJelängerjelieber
KöchinKindlicheKaiserinLiebeLeidLust
MädchenMutterMatrone NeugierigeNutznießerinNeo-Romantikerin
OberkommandierendeOmaOberbesserwisserinPrinzessinPriesterinPutzfrau
QualQuerulantinQuerdenkerinReineRosigeRiesin
SexbombeSenatorinSeifenopernstarTanteTierTänzerin
UngeheuerUngezähmteUrteilerinVielgeliebteVerteidigerinVerwalterin
WunderwirkendeWasserträgerinWahrsagerinXanthippeXeniaXarifa
YvetteYvonneYuppie ZauselZauberbieneZärtliche.
Mittwoch, 13. Januar 2016
Noch mehr?
Die Frage stellen sie mir derzeit, die Leute, die ich so tagsüber treffe.
Willst du etwa noch mehr abnehmen?
Du bist ja bald gar nicht mehr da, hör ich.
Jetzt kannst du aber mal Schluss machen.
Wieviel hast du jetzt abgenommen?
Meine Güte.
Es sind jetzt 30 Kilo, und außer der Bewegung mach ich nichts besonderes mehr. Die Nahrungsmengen haben sich insgesamt reduziert, ich wähle von mehreren Angeboten in der Regel die kalorienärmeren Varianten aus. Süßes kaufe ich, wenn möglich, gar nicht mehr ein. Anfallendes Verlangen nach Süßem versuche ich, mit stark gesüßtem Tee (Süßstoff) zu befriedigen. Hilft das nicht, ist die Schokolade dran. Weingummi hingegen vermeide ich. Ab und zu habe ich auch weiterhin Fressflashes, die gehen wohl auch nicht weg und die Akzeptanz dessen ist unumgänglich.
Es sind im Endeffekt wirklich die kleinen Änderungen, die auf Dauer helfen.
Die Motivation am Anfang, um dran zu bleiben und nicht alles versanden zu lassen, wurde jedoch nicht von den Details genährt, sondern vom Tempo, in dem es gewichtstechnisch abwärts und fitnesstechnisch aufwärts ging. Da war Geschwindigkeit nötig, um weiterzukommen, insofern sind die Monate mit wirklich reduziertem Essen nicht verloren.
Inzwischen bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich tatsächlich entscheiden muss. Die Kleidergröße 42 hab ich in Oberteilen (von 48-50), in Hosen ist es 44-46, von 50-52. Unterm Kinn flabbert es so langsam, und das geht auch nicht mehr weg, es sei denn, ich lass da n Chirurgen dran (wohl nicht). Ich fühl mich ganz wohl in der etwas zu groß gebliebenen Haut, und nur der Blick auf den Stand der Waage lässt mich noch leichte Schnappatmung kriegen, weil die Zahl immer noch hoch ist, ebenso wie der BMI. Ich denke, bis auf den nächsten Zehner geh ich noch runter, und dann ist auch gut. Da ich nicht gerade zierlich bin, sondern über 1,78 m Körperhöhe, recht breite Schultern und auch kräftige Beine verfüge, ist eine höhere Kilozahl aber grundsätzlich in Ordnung für mich. Ich hab die Hoffnung, dass es sich von selbst irgendwo da einpendelt, wo ich weder das Gefühl habe, gegen den Gewichtsverlust anfressen zu müssen noch auf Dauerdiät zu sein oder wieder zuzulegen.
Schön ist, dass die Bewegung, die ich jetzt so habe, kostenlos und ohne Aufwand daher kommt.
Unterm Strich bedeutet das:
Alle Strecken unter 3 km zu Fuß. Das umfasst den größten Teil dessen, was so anfällt.
Alles unter 5 km mit dem Fahrrad. Ab dem Frühling wird es auch der Weg zur Arbeit sein- das sind so knappe 6 km.
Mal sehen, was dann so kommt.
Montag, 11. Januar 2016
Perückenschafe...
Perückenschafe, nach der Definition des inzwischen pensionierten Berni H. aus B., das sind die Jugendlichen mit dem "Ich will nicht in den Genpool"-Chromosom, die sich gern mal zwischen zwei Druckknopf-Ampeln über die vierspurige Straße im Feierabendverkehr stürzen (Meint: Das mendelt sich aus. Hoffentlich).
Das sind auch die, die in Panikattacken verfallen, wenn der Berg an Essensresten, den sie in Papierkörben auf dem Schulhof deponieren, zu frei flottierenden Rattenkommandos führen, die auf dem Pausenhof Patrouille laufen.
Perückenschafe tragen leistenkurze Minis, Hosen, die den Arsch raushängen lassen und ungeknotete Schnürsenkel. Man holt sich damit Nierenbeckenentzündungen, abgefrorene Hinterteile und gebrochene Knöchel.
P.-Schafe schubsen sich an Bushaltestellen auf schmalen Bürgersteigen, rasen mit Vollgas um enge Kurven und lassen derweil die Prollmucke den heraneilenden Notarztwagen übertönen.
Perückenschafe tragen platinbondes Gezussel mit mausgrauen Wurzeln, knallschwarze, leicht verrutschte Eyeliner und Lippenstift auf den Zähnen.
Im Winter gern kurze Hose, im Sommer auch den Nerz von Omma, wenn das irgendwo als fashion deklariert wird.
Ein besonders dämliches Exemplar fuhr letztens vor mir auf der mittleren von drei Spuren, in der morgendlichen rush-hour, ohne Licht. Mit dem Fahrrad. Trotz Radweg.
Schule hat begonnen :/
Meine Güte. Waren wir auch so grunzdumm?
Montag, 4. Januar 2016
Dumdum
Mittwoch, 16. Dezember 2015
Ja, dann...
dann wünsche ich euch allen ein zufriedenes und entspanntes Jahresende. Lasst ausklingen, Leute- 2015 war hektisch und schrecklich genug. Und wer weiß schon, wie 2016 wird?
Da ist die Zeit zwischen den Jahren vielleicht eine kleine Atempause. Zurücklehnen, Kekse essen, feiern.
Oder einfach nur abschalten.
Machts gut, bis zum nächsten Jahr!
DieLily.
Freitag, 11. Dezember 2015
Eine Symphonie.
Komponiert von einem irren Riesen mit Gehörproblemen, gesetzt für ein Orchester aus Abrissbirne, Presslufthammer und bremsende Lokomotiven. Dazwischen Alarm, Alarm und noch mal Alarm. Ab und zu ein merkwürdiges Heulen.
So ungefähr hört sich ein MRT an. Wobei ich mich schon gewundert habe, dass es eben nicht ununterbrochen das gleiche Geräusch ist, sondern durchaus interessant wechselt. Man konnte dabei sogar ganz gut entspannen. Aber ich habe auch keine Probleme mit Klaustrophobie.
Mit zwei Bandscheibenvorfällen hab ich allerdings Probleme. Daher das Kribbeln.
Hmpf.
Für dieses Jahr reichts mir an Diagnosen.
Donnerstag, 10. Dezember 2015
Während.
Während nebenan ein Pressegespräch stattfindet, wegen dem dessentwegen ich leider nicht telefonieren kann und auch nicht an den Drucker, nutze ich die paar Minuten für ein Upgrade.
Heute nachmittag werde ich mich in den Kernspintomographen legen, zwecks Checkung meiner Halswirbelsäule auf Bandscheibe.
Ich hab ja noch nich Bandscheibe gehabt, aber derzeit fällt mir die linke Hand auf, weil sie so fies kribbelt. Zusammen mit dem rechten Daumen, der natürlich trotz Orthese immer noch seine Zicken schiebt, ist das doof und stört bei vielen Dingen. Bei Autofahren zum Beispiel, und bei der Arbeit am Computer. Sobald, Monitor- und Lesebrillen-Kombi sei Dank, mein Blick den Bildschirm aufsucht, und damit den Kopf ein wenig überstreckt, meckert die Hand.
Die Physiotherapeutin, ungefähr 12 Jahre alt und ungefähr ein Viertel von der aktuellen Lily, murmelte bzw. piepste, dass sie da ja Verspannungen... ah ja, und bewegen Sie doch noch mal, ach das tat schon weh?
Und jetzt wird Ihnen übel?
Naja, so war das. Das Kind schob und zog und drückte an mir herum.
Heute ist mir dauerschlecht, und außerdem schwindelig, und ich finde, sie ist schuld dran.
Ach, und an den Kopfschmerzen auch. Das wird bestimmt nachher in der Röhre nicht besser.
Ich werde an Weihnachten denken. Bzw. an die freie Zeit über den Jahreswechsel. Das ist sowas von nötig, ihr glaubts nicht.
So. Pressegespräch vorbei. Kann wieder arbeiten.
Bis bald,
DieLily
Mittwoch, 25. November 2015
Was ansteht
Derzeit geht es rund auf meinem Handarbeitskarussell. Ich stricke wieder- nachdem ein halbes Jahr Karenz den Zustand meiner rechten Hand nicht gebessert haben, hab ich wieder angefangen und mir einen Termin beim Orthopäden gemacht. Der hat dann einen beim Rheumatologen gemacht. Und siehe da... Der doofe Daumen hat eine deutlich sichtbare Arthrose. Die andere Seite auch. Sämtliche vorderen Fingergelenke sind befallen von Polyarthrose der Finger und des Daumensattelgelenks. Dagegen kann man derzeit nicht viel machen. Schmerzbekämpfung, ggfs. auftretende Entzündungen im Keim ersticken, Hände nicht überlasten (also langsam stricken). Nicht wringen. Hände nicht kalt werden lassen.
Aufgrund der ergonomisch beschissenen Situation an meinem Arbeitsplatz und des mit der Erlangung einer verbesserten Ausstattung verbundenen Theaters hab ich mir dann eine Vertikalmaus schön selbst beschafft. So spart man als Arbeitgeber auch Geld. Die andere Maus bzw. deren Kabel hatten sie mit insgesamt 5 Kabelbindern in ein handliches Paket verschnürt... Telefon, Rechenmaschine, Tastatur, Bildschirm, Maus. Als ich dann vor einiger Zeit mir die Maus heranholen wollte, um nicht immer mit ausgestrecktem Arm arbeiten zu müssen, ist mir die Rechenmaschine vom Tisch geknallt. In dem folgenden Tobsuchtsanfall, der eine Viertelstunde dauerte, habe ich kein einziges Schimpfwort zweimal benutzt. Solche Idioten. Ich kenne einige Kollegen mit Beschwerden im Schulter- und Ellbogenbereich. Wenn man die bittet, nachzusehen, finden sie ihre Maus immer schön fest verzurrt. Vermutlich hat der Schrauber-aus-der-Hölle, der die Rechner aufstellt, einen Vertrag mit der Physiotherapeutengilde.
Mit der neuen Maus kann man beim Arbeiten den kompletten Arm auflegen, und muss das Handgelenk nicht mehr verdrehen. Insgesamt nicht so ermüdend für die alten Knochen.
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Die Heldin an der Arbeit |
Diese doofe Arthrose führt jetzt schon dazu, dass ich nicht mehr nähen kann, weil Nadelfesthalten stark schmerzt, Schreiben mit der Hand ist auf Unterschriften beschränkt (hallo, getippter Einkaufszettel!) oder unleserlich. Das heißt auch Abschied vom Zeichnen. Pinselhalten. Und so weiter. Türen aufschließen, Eiskratzen, Backformen aus dem Ofen heben- man braucht so einen Daumen für verdammt viele Sachen.
Also passt auf euch auf. Auf die Augen, die Hände, die Nieren, die Leber. Braucht man alles, glaubts mir.