Mittwoch, 15. Juni 2016

In Gesundheit und Krankheit






Auch so ein Versprechen, das man abgibt, wenn weder das eine noch das andere besondere Relevanz hat.
Auch so ein Versprechen, das sehr schwer bis unmöglich zu halten ist, wenn es hart auf hart geht.
Denn wenn es so ist wie bei meinen Eltern, dann geht das eine und das andere kommt. Schleichend oder über Nacht, aber oft für beide.
Und dann?
Mein Vater ist dement. Er ist körperlich eingeschränkt, hat Parkinsonismen beim Laufen, Inkontinenzprobleme und sein Herz hat Vorschäden. Er hat nur noch eine funktionsfähige Niere, einen Lungenschaden und Arthritis in den Händen. Sein Blutdruck entbehrt jeder Regulation, aufgrund einer erneuerten Herzklappe ist er Macumar-Patient und so weiter, und so weiter.
Mutter ist auch schon Mitte siebzig, hat eine Autoimmunhepatitis, massive Durchblutungsprobleme, einen nigelnagelneuen Bypass im Bein (als lebenslange Nichtraucherin), das übliche an Alterswehwehchen und einen inkompetenten und unmotivierten Hausarzt. Der erwartet den Patienten samt von diesem selbst gestellter Diagnose und bereits vorausgewähltem Medikamentenvorschlag. Die Durchblutungsstörungen im Bein meiner Mutter hat er als „Ach, das ist wahrscheinlich der Ischias, nehmen Sie doch einfach noch zwei Ibu mehr am Tag“ abgetan und nur zögerlich den Weg zum Angiologen frei gemacht. Sie nimmt bereits 800 mg am Tag und das wegen Hüftproblemen nach einer unfallbedingten Beinverkürzung vor 20 Jahren. Physiotherapie? Überweisung an einen Orthopäden? Fehlanzeige.
Mein Vater kriegt weder Krankengymnastik noch Lymphdrainage für seine auf Melonengröße angeschwollenen Füße, mal zu schweigen von Diagnostik. Der Doc hat meiner Mutter erfolgreich klar gemacht, dass Vaters Blutdruck ab 140/90 kräftig und energisch nach unten korrigiert werden muss. Daher dämmert der arme Kerl ständig mit herumdümpelnden Werten im Sessel vor sich hin.
Momentan bekommt er keine Überweisung zum Neurologen. So ängstlich und depressiv und schlafgestört, wie er aufgrund seiner Demenz ist, würde dieses sich aber empfehlen. Soweit Dr. Google sagt, kann durchaus bei Demenzpatienten auch etwas gegen diese Symptome getan werden. Die Hälfte der dreizehn oder vierzehn Präparate, die er bekommt, sind gegen die Nebenwirkungen. Folsäure, Pantoprazol, MTX-Folgen-Beschränker, the works. Die Bitte meiner Mutter, ihm ein Präparat zu verordnen, das ihn nachts durchschlafen lässt, hat der Arzt abgelehnt. Mit der Begründung, wenn er stürze, hätte sie erst Recht Probleme. In Bezug auf die Blutdruckmedikation hat er solche Hemmungen nicht.
Ich empfinde es als viel größeres Risiko, dass er nachts wach wird, und sie nicht erkennt, aber verängstigt ist und sie bedroht, weil er wissen möchte, was sie mit seiner Frau gemacht hat. Er ist zwei Köpfe größer als meine Mutter und hat den Stock am Bett.
Die letzten drei Wochen hat Mutter im Krankenhaus verbracht, und er in der Kurzzeitpflege. Wir haben Mitte Juni, und das Jahreskontingent an Pflege hat er morgen erreicht.
Ab morgen Abend kommt ein Pflegedienst für ihn. Und ab dem nächsten Quartal werden die zwei einen neuen Hausarzt haben. Wir sind es nämlich leid. Und sobald ein Platz auf einer Demenzstation frei wird, wird er vermutlich den Haushalt verlassen und stationär untergebracht werden (müssen). In Gesundheit und Krankheit? Zur Hölle mit unerfüllbaren Versprechen.

Dienstag, 14. Juni 2016

Recycling

heute hier drauf gestoßen: Alter Text.
Ich muss sagen, das ist wenigstens verblüffend.
Wenn nicht bizarr.

Sonntag, 5. Juni 2016

Alles so schön...

...silbern hier.
Da wollte ich doch nie wieder ein silbernes Auto. Auch, weil in den letzten Jahren offenbar kaum etwas anderes gebaut wurde als weiß, grau, silber und schwarz. Etwas trübe Palette. Am Rostbraunrot meines Golfs hab ich mich auch satt gesehen. Das liegt auch daran, dass ich offenbar ein Baujahr erwischt hab, das mit einer Art Plaka-Farbe lackiert war, anders ist der matte und müde Farbton nicht zu erklären. Der Vorgänger des derzeitigen Golfs, noch einige Jährchen älter, hatte nicht nur weniger (wesentlich weniger) Rost aufzuweisen, sondern da glänzte der Lack noch nach fast 25 Jahren, wenn man den kleinen Kerl mal einer Säuberung unterzog. Was, zugegeben, nicht zu meinen Hobbys gehört. Das Ende einer Autoliebe sieht man meinen Karren  immer sehr an.
So auch im Moment. Der Rote ist eine fahrende Gesundheitswarnung, denn mal abgesehen von der Zuladung aus Kram, Zeug und alten Zeitungen, regnete es kräftig durch die rostgeplagte Heckklappe (zwei sehr mürbe Stellen am unteren Rand der Heckscheibe) und leider gilt bei Autos nicht, dass das, was reinkommt, auch wieder rausläuft.
Alles an Feuchtigkeit landete in den Teppichen, und woher die Feuchtigkeit kam, die im Fahrerraum schwappte, hab ich nicht rausgekriegt. Und es schimmelt munter vor sich hin, seit vor einigen Tagen die Regenzeit angefangen hat.
Nicht gut, nicht gesund, und ständig beschlägt einem die Brille.
Es muss mal wieder was neues her, sagte sich die Lily. Und diesmal nicht wieder ein Pauschalen-Auto: 500 €, zwei Jahre TÜV. Das führt nämlich dazu, dass jede Tour, die einen aus der Heimatstadt zum Beispiel zum besten Freund führt, gleich ein Abenteuer ist. Man kann sich unentwegt auf die Schulter klopfen, weil die Tatsache, dass die Uraltkisten viel Sprit saufen, dadurch kompensiert wird, dass man Müll verhindert, indem man ihn fährt. Leider macht dieses einseitige Klopfen genau solche Rückenschmerzen wie das Kauern in einem ausgeleierten und ausgenudelten Sitz.
Zudem ist es nervtötend, den ultimativen TÜV-Termin unaufhaltsam näherrücken zu sehen und damit die Frage, was eher vorbei ist: Die Frist oder das Auto.
Und jetzt war es wieder so weit. Der Termin kam (und verstrich, wie ich gestehen muss), und ich konnte mich nicht entscheiden. Die Gurke reparieren, und damit einer sehr verstrichenen Liebe Geld nach werfen?  Wieder eine Billigkiste? Etwas (oder auch sehr viel) mehr zahlen, und länger was davon haben?
Einen Neuwagen würde ich nur dann fahren wollen, wenn ich mir erstens die Werkstattpflege leisten könnte und zweitens nicht einen Herzkasper riskieren würde, wenn das Auto geklaut oder beschädigt würde. Zwanzig- oder dreißigtausend Euronen rüberwachsen zu lassen, auch wenn ich gern Auto fahre? Niemals. Was nicht heißt, dass ich nicht Spaß hätte an einem wirklich schicken Auto. Wirklich schick scheint bei mir aber immer einen Preis von mehr als 30.000 € zu bedeuten. Und das? Nö, siehe oben.
Gestern aber sollte es losgehen, der Lily einen neuen fahrbaren Untersatz kaufen.
Das Portemonnaie voller Bargeld, wollten der Kollege und ich in aller Herrgottsfrühe aufbrechen, um in die Welt der Gebrauchtwagenhändler einzutauchen. Der Kollege hat nicht nur Plan von Autos, er kann auch handeln. Was bei mir so gar nicht funktioniert. Ich geb auch schon mal mehr als der Verkäufer haben möchte. Weil er mir leid tut, zum Beispiel.
Die Zeit brach an, der Kollege tauchte auf- in einem Auto mit Überführungskennzeichen.
Ab und  zu kauft er mal eins günstig, arbeitet es auf und vertickt es mit Gewinn. Und tags zuvor hatte jemand seinen Verhandlungskünsten nachgegeben und ihm ein Auto preiswert überlassen. In meiner Gewichtsklasse, finanziell und auch sonst. Wieder ein älteres Auto, aber megagut im Schuss, mit wenig Kilometern, und allem, was ich mir so vorgestellt habe.
Und da isser nun :)



Wieder ein VW.

Diesmal ein Bora. Sieht man nicht so oft. Die Stufenheckvariante vom Golf, (hier: IV). Ein irgendwie erwachseneres Modell als sein kürzerer Bruder, finde ich.
Schön ausgestattet, mit praktischen Details wie tatsächlich einer geteilt klappbaren Rückbank (abschließbar), keinen überflüssigen Getränkehaltern (nur zwei, mehr wird nicht benötigt) endlich einer Klimaanlage, Mittelarmlehnen vorn und hinten, für die arthritisgeplagten Ellbogen, Regensensor, und, und, und.
Wieder ein Automatik, da kann man sich sehr schnell dran gewöhnen. Sowohl in der Stadt als auch außerhalb.
81.000 km, die wohl real sind, wie man dem Zustand der Sitze, des Lenkrads und der Pedale entnehmen kann.
2000 Euro.
Freut euch mit mir :-))
Und zündet eine Kerze an, für die Leute in den Überschwemmungsgebieten. Mein Bruder wohnt im Landkreis Ahrweiler, in einem der vom Hochwasser am schwersten getroffenen Örtchen. Da ist alles kaputt, voller Schlamm und Wasser, und viele haben nur das retten können, was sie am Körper tragen. 
Ihm geht es gut, das Haus, in dem er wohnt, liegt am Hang. Trotzdem sind auch die Leute, deren Eigentum und deren Gesundheit verschont wurde, hart getroffen. Nicht nur, dass sie ihren Nachbarn selbstverständlich beistehen, sie riskieren auch viel bei den Aufräumarbeiten. 
 




Montag, 30. Mai 2016

Ähem.

Also ich war ne faule Blogsau, die letzten Wochen. Aber aus Gründen.
Wie hinlänglich bekannt, ist derzeit im Hause der Lily-Eltern eigentlich immer Trubel, von wg. Gesundheit und so, und allgemeiner Alterserscheinungen. Das müsste mich nicht weiter beeinträchtigen, teilten wir uns das gerecht auf. Aber das tun wir natürlich nicht. Oder irgendwie schon- der Steuermann aus der Bootsanalogie im letzten Sommer hat sich komplett aus unserem Leben verabschiedet. Exit einer von vieren, macht noch drei, die sich engagieren. Und natürlich macht das jede Menge Wut, wenn man bedenkt, dass der, dessen Name in der Familie nicht mehr genannt wird, nicht mal das Benehmen hat, z. B. meiner Mutter zu ihrem (runden) Geburtstag zu gratulieren, ihre Telefongespräche nicht annimmt und auch unsere Mitteilungen z. B. bei Whatsapp nicht mehr liest.
Er wird von finalen Entwicklungen dann vermutlich aus der Zeitung erfahren. Es ist eine üble Sache, soviel steht fest. Mein Vater kann das überhaupt nicht mehr begreifen, und der Rest der Familie, auch wenn nicht dement, hat so seine Probleme  mit soviel Kaltschnäuzigkeit und komplett unangebrachtem, selbstmitleidig auf hohem-Ross-Herumgesitze. Arschloch, so ist die herrschende Meinung, Arschloch kann man nicht lernen, das ist man.
Jedenfalls haben die elterlichen Herrschaften ein recht großes Haus, samt (für Großstadtverhältnisse) großem Garten. Das Haus kriegt Mutter noch halbwegs hin, trotz der zeitintensiven Beschäftigung mit meinem Vater. Der Garten aber wächst schneller, als sie arbeiten kann, und sie ist halt Mitte siebzig- da springt man auch nicht mehr von Baum zu Baum. Die, die meine Schwester ist, hat selbst einige Fußballfelder an Grundstück zu pflegen, samt Obstwiese, Gemüsegarten, diversen Teichen und Riesen-Staudenanlage rund ums Haus. Der, der mein Bruder ist, und hier auch schon mal kommentiert, wohnt gut 150 km weit entfernt.
Ich mag Gärten, und ich mag auch die Arbeit.
Also dürft ihr dreimal raten, wo ich in den letzten Wochen war. Rrrrichtig. Im Garten. Man hat mir die Entscheidungsmacht übertragen, so dass ich aus dem Hilfsrasenmäher-Status raus bin. Ich grabe also um, schneide runter, lege Beete an, und hole mir Blasen und Muskelkater. Mein letzter Garten ist knapp 20 Jahre her, und Steine schleppen ist schwere Arbeit. Aber es macht wirklich Spaß, auch wenn es dann natürlich doch nicht mein Garten ist. Im Grunde könnte ich auch einen Schrebergarten pachten, das ist ungefähr das Gleiche. Nur näher, denn in einem Kilometer Umkreis um meine Wohnung sind gleich zwei Anlagen. Der Elterngarten hingegen ist knapp sechs Kilometer entfernt.

Das dauert alles, Herrschaften... und deshalb schreib ich hier nicht. Oder weniger.
Aber bald, da bin ich mit den grundlegenden Arbeiten fertig, dann bleibt nur Rasenmähen und sowas übrig. Dann hab ich auch wieder Zeit.
Ach ja...

Montag, 23. Mai 2016

Stell dir vor...

Freitag, 29. April 2016

Freitag, der 29. April

Heute  wäre ich 22 Jahre verheiratet. Wenn, ja wenn ich nicht schon seit 15 Jahren geschieden wäre. Es ist seltsam. Beinahe jedes Rechtsgeschäft mit Ewigkeitswert löst bei mir Fluchtinstinkte aus. Gib mir einen Trauschein, und ich geb dir einen guten Ausblick auf mich, wie ich die Kurve kratze. Das gleiche poetische Bild konnte man auch in Bezug auf die Hypotheken -Urkunde sehen: Die Lily, wie sie einen langen Schuh macht. Eins wie das andere, also heiraten ebenso wie Haus kaufen, würde ich nie wieder machen. Außer auf dem Totenbett. Beides hat aber auch kein Glück gebracht und eine Menge Geld gekostet. Alles Gründe, keine Wiederauflage zu riskieren. Man kann sehr gut als Single zur Miete wohnen. Das macht all die kleinen Alltagskatastrophen so viel besser kalkulierbar. Auf der anderen Seite steht, dass man bei allem was schief läuft, niemand anderen verantwortlich machen kann. Und man muss selbst zum TÜV. Vieles kann man lernen, wie Lampen anbringen, Abflüsse entstopfen, Löcher in Wände machen (wobei Bohrlärm schon doof ist). Anderes konnte ich schon, wie Rasenmähen, Kochen und Steuererklärungen, Anstreichen oder Schals stricken.
Jetzt aber ist mein Auto jenseits des TÜVs. Jetzt muss ich mir was neues besorgen. Jetzt spann ich einen Freund ein. Und das, wo ich so, so, so ungern Hilfe in Anspruch nehme... Der im Rede stehende Freund ist da schrecklich sachlich und vernünftig. Ich habe leider einen Hang zu großen Motoren und Autos, die ich schön finde. Mein Traumauto ist der Chrysler Crossfire, übermotorisiert, spritsaufend und einfach nur schön. Nach Jahren der Halbschrottgölfe (Halbgottschrölfe... Golbhattschrölfe) wäre das mal was. Aber dann spricht die Freundesstimme. Zweitürer, raunt sie. 14 Liter... Kein Kofferraum. Da passen nur zwei Leute rein, für die Rücksitze braucht man Zwerge. Da kriegste keine Sprudelkiste rein.
Seufz. Wenn nicht jetzt: Wann dann?

Montag, 25. April 2016

Willkommen in Absurdistan.

Soeben, vor der Tür des Bürogebäudes. Da, wo außer Büros niemand wohnt.
Beteiligte:
a) Der Postbote
b) zwei Kollegen
c) die Lily.


A) fährt vor. Er stellt sein Rad ab und kramt in einem seiner Körbe, um dort drei (!) Exemplare von in dünner Plastikfolie eingeschweißten Werbeblättchen zu entnehmen. C) brüllt gleich los: Lassen se das Zeug mal stecken, hier sind nur Büros. Wir brauchen keine Werbung.
A) sortiert und kramt ungerührt weiter, befreit die Blättchen aus ihrer Verschnürung und drückt, unter Gekicher von b), c) drei Exemplare in die Hand. Dazu kommt noch ein in Folie eingeschweißtes Blättchen eines Online-Büromaterial-Discounters.
Dann steigt a) auf sein Rad, und pedalt davon.
C) steigt die Treppe hinunter und befördert drei und ein eingeschweißtes Blättchen direkt in den Papiercontainer.

Jetzt kriegt man sogar schon Müll geschickt.

Mittwoch, 20. April 2016

Heute

würde mein Enkelkind zwei Jahre alt.
Was bedeutet, dass da seit zwei Jahren so etwas wie ein Loch in meinem Leben ist.
Ich sollte mit ihm im Sand spielen, und nicht sein Grab bepflanzen.



Dienstag, 29. März 2016

Vielen lieben Dank...

für eure verständnisvollen und hilfreichen Kommentare zum letzten Beitrag. Im Moment ist das wirklich ein Thema, was mich massiv beschäftigt, allein schon, weil ich soviel Zeit mit meinen Eltern verbringe. Oft reicht es abends wirklich nur dazu, mit der Couch zu verwachsen und den Feierabend einzuläuten. Manchmal geht es mir so auf den Geist, dass ich einfach nur noch abhauen möchte. Dann wiederum ist es eine Herausforderung, die mir auch Spaß macht. Einen Teil von dem, was jetzt so zu regeln ist, hab ich auch mal gelernt, und weiß, dass ich das gut beherrsche. Leider bin ich da besonders intolerant, wenn mir Menschen nicht zuhören oder in komplett überflüssige Panik verfallen, nur weil ein Bescheid eintrudelt. Ganz vorbei ist meine Geduld, wenn Leute diesen Bescheid nicht lesen, sondern in Windeseile in alle Blätter zerlegt in der Wohnung verstreuen, um anschließend durchblicken zu lassen, dass sie alles, aber auch alles persönlich nehmen, was drin steht. Und es gemein finden.
Waaaaaaaaaah. Wah!!!
Ein bisschen mehr Lesegeduld, ein bisschen weniger demonstriertes Unverständnis wären da hilfreich, finde ich. Ich finde auch, dass man durchaus mal wo anrufen und sich kritische/unverständliche/unlogische Teile eines Bescheides erklären lassen sollte. Soviel Zeit muss sein. Vor allem, bevor man in die Rechtsmittelschiene einschwenkt. Ich kann auch beim Ersteller anrufen und mehr oder minder zart andeuten, dass sein Text komplett unverständlich ist, wichtige Teile  fehlen oder von falschen Voraussetzungen ausgegangen wurde. Niemand, auch nicht der öffentliche Dienst, ist scharf auf Widersprüche oder Klagen. Das dauert alles, macht die Bilanz kaputt und kostet überflüssigerweise auch noch Geld.

Und warum sollte man sich da echauffieren? Bringt außer Ärger nix.
So.
Und jetzt geh ich zu meinen Eltern und versuch, meiner Mutter das beizubringen.
Wünscht mir Glück :-)


DieLily

Samstag, 12. März 2016

Vergessen. Vorbei.

Wie einige von euch vielleicht wissen, leidet mein Vater an einer Demenzerkrankung. Oder vielleicht kann man besser sagen (ohne bösartig sein zu wollen): Er hat sie, und meist leiden wir darunter.
Demenz, egal, wie sie mit Vornamen heißt, ob Alzheimer oder Lewy-Körperchen-Krankheit, is a bitch, meine Lieben. Wir wissen seit beinahe 10 Jahren davon, und man sollte meinen, dass das eine gute Vorbereitung bedeutet, auf das was da kommt.
Leider ist es aber so, dass jede Zwischenstufe einen dazu bringt, sie für das zu halten, was maximal passieren kann. Meist ist sie jedoch nur ein Moment, in dem Selbsttäuschung zuschlägt und einen in falscher Sicherheit wiegt. Manchmal gibt es Meilensteine. Bei Kindern ist das der Tag, an dem das erste "Mama" zu hören ist. Bei Demenzpatienten der letzte Tag, an dem man ihn oder sie alleinlassen konnte, um einzukaufen.
Demenz ist ein Verlust der Freiheit, für den Patienten und vor allem für die Angehörigen. Ein ultimativer Freiheitsverlust, ein Eintritt in ein Gefängnis, das seine Insassen nicht mehr freigibt, außer in den Tod. Primäre Gefangene in diesem Knast ist meine Mutter, die sich um meinen Vater kümmert. Wir als ihre Kinder haben unsere Arbeit, unsere Abende, die Wochenenden- wir können gehen. Ich sehe unsere Arbeit als Freiheit an- denn die hat ein Ende, täglich. Wenn meine Mutter abends ins Bett geht, weiß sie nicht, was sie erwartet, denn mein Vater schläft nicht mehr durch. Er steht dann aber nicht auf, um den Fernseher einzuschalten oder mit einem Buch im Sessel zu hocken oder auch nur irgendwo zu sitzen  und nachzudenken. Er schaltet das Licht ein, und begehrt Auskunft darüber, wer neben ihm liegt, warum seine Frau noch schläft, obwohl er schon wach ist (das bedeutet nämlich Aufstehzeit). Oder er benötigt Hilfe, welcher Art auch immer.
Morgens dann kommt er nicht aus dem Bett. Der Kreislauf macht nicht mit, manchmal will er auch einfach nicht. Das ist fatal, denn fast einsneunzig schlappe Menschlichkeit kriegt meine Mutter nicht manövriert, sie ist nur 1,62 m groß und nicht die Kräftigste. Dann wird motiviert und geredet, bis er dann doch aufsteht. Beim Duschen und Anziehen braucht er Unterstützung, die Treppe hinunter geht es nicht mehr flott und die Treppe ist schmal- keine gute Ausgangsposition um jemanden beim Runtergehen abzusichern. Neben der Demenz ist die körperliche Einschränkung durch Parkinsonismus (klitzekleine Schrittchen, schlurfend und zunehmend unsicher) und die kreislaufbedingte Neigung zu Schwindel eine große Bürde. In der Wohnung gehen klappt nur noch mit Stock. Im letzten Jahr hat er den noch ständig irgendwo stehen lassen- das Stocksuchen ist aber seit ein paar Wochen Vergangenheit, denn jetzt geht kein einziger Schritt mehr ohne. Außerhalb des Hauses ist Bewegung fast nicht mehr möglich. Für den Rollator ist das Grundstück zu hindernisreich. Der Rollstuhl ist schlecht manövrierbar, weil er wegen der elektrischen Schiebehilfe tonnenschwer ist und die Treppenstufen nicht leicht zu überwinden sind.
Den Rollstuhl mag er auch nicht. Damit sieht jeder, der ihn trifft, dass er nicht mehr kann. Das ist ihm so unangenehm, dass er in einer Tour meckert. Aber andererseits kann meine Mutter das Teil auch trotz Schiebehilfe nicht oder kaum bewegen. Ich hab es selbst schon getan, und fand es höchst anstrengend, weil die Geschwindigkeit unrealistisch mühsam zu dosieren ist, und die zwei kurzen Griffe das schwere Ding mit einem schweren Insassen nur sehr eingeschränkt lenken können. Die Bürgersteige in der kleinen Straße, an der sie wohnen, sind stark zur Straße hin abfallend. Das gesamte Teil muss über Kraftanstrengung in den Handgelenken geradeaus gesteuert werden. Geht nicht mit Handgelenken, die sind dafür nicht gebaut. Also steht das Ding herum, setzt Staub an und ist ein ständiger Vorwurf, dass man den armen Kerl nicht öfter mal ausfährt. Hätte er noch alle seine Sinne beisammen, könnte er den Rolli wohl selbst steuern, aber das hat er eben nicht.
Bis vor sechs Wochen sind meine Mutter und ich einmal in der Woche zum Einkaufen gefahren. Die üblichen Discounter, manchmal unser geheimes Suchtziel Baumarkt- zwei, drei Stunden waren immer ein bisschen Auszeit für sie und Gelegenheit, mit einem Erwachsenen zu reden, und nicht mit einem dreijährigen, hilflosen alten Mann. Das ist vorbei, seit er sich keine 10 Minuten mehr merken kann, wo sie ist. Sobald ihm auffällt, dass sie nicht da ist, fängt er an, sie zu suchen. Das ist zu gefährlich, weil er nicht mehr sicher läuft und sich oft nicht mehr zurecht findet, da, wo er gerade ist. Also bin ich in den letzten Wochen allein einkaufen gefahren. Was für meine Mutter bedeutet hat, dass sie teilweise 14 Tage lang das Haus nicht mehr verlassen hat- außer, um die Mülltonnen nach vorn zu schieben.
Das ist kein Leben mehr. Für meine Mutter, meine ich.
Leider ist aber das ständige Habt-Acht-Gefühl, dass man wohl entwickelt, für ihre eigene Intelligenz nicht gut. Sie kann und darf sich auf nichts konzentrieren, was nicht mit ihm zu tun hat, das merkt er nämlich und wird dann schnell böse. Manchmal auch bösartig, denn bei aller Demenz hat er sich eine gewisse Schläue bewahrt, die erschreckend zuschlägt, wenn man es nicht erwartet.
Mutter verliert daher oft den Faden und erzählt die Dinge in Schleifen- vermutlich auch, weil sie das so gewohnt ist. Immer wieder jemandem das gleiche vorzubeten, verdirbt den Stil.
Gleichzeitig aber ist jemand, der so untergetaucht ist in diesem demenziellen Elend, der fortschreitende Abbau überhaupt nicht mehr klar. Welche Dinge jetzt seit neuestem nicht mehr funktionieren, wird nicht mehr reflektiert. Die Hilflosigkeit und die 24/7 nötige Konzentration treiben Raubbau mit der Gesundheit.
Unseren Vater haben wir verloren. Unsere Mutter (noch) nicht. Die beiden wollen da leben, wo sie sind, wo sie seit fünfzig Jahren leben. Das sollen sie auch. Davon hängt so viel für sie beide ab, dass niemand es wagen sollte, das zu ändern.
Andererseits geht es so nicht weiter.
Anfang letzten Jahres habe ich das erste Mal eine Tagesstätte für Demenzerkrankte besucht, um zu schauen, ob das eine Lösung wäre. Damals war das ziemlich schrecklich, denn die Patienten dort waren um einiges schlechter drauf als mein Vater zu diesem Zeitpunkt.
Das neue Jahr hat eine Wiederauflage desselben Besuchs (andere Einrichtung jedoch) gebracht.
Natürlich wollte er nicht dahin. Für ihn war das gleichbedeutend mit einer Abschiebung in ein Heim, und das, wo Mutter ihm doch versprochen hatte, dass sie beide zusammen bleiben (das hat er sich natürlich merken können...) Dass es nur einmal die Woche ist, macht es gleichzeitig besser und schlimmer. Besser, weil er natürlich sechs Tage in der Woche zu Hause bleibt, schlimmer, weil es jedesmal neu ist. Herzzerreißend der Moment,  als er mich gefragt hat, ob ich nicht bei ihnen wohnen möchte, damit Mutter es einfacher hat und er nicht weg muss. Ich kam mir vor wie ein Arsch, ihm das zu verweigern. Aber das geht nicht, unter anderem, weil ich es nicht will.

Gestern war er zum zweiten Mal dort. Den Schnuppertag zu Beginn hat er mit Mutters Hilfe gut überstanden, in der Woche darauf hat er (o-Ton...) keinen Bock gehabt. Diesmal musste es sein, und ich hätte auch den Argumentationsverstärker gespielt, aber Mutter war entschieden genug. Auch, weil ihre eigene Gesundheit es erfordert hätte, ihn den halben Tag allein zu lassen. Ihn irgendwo hin mitzunehmen hat wenig Sinn, vor allem, weil er soviel Aufmerksamkeit braucht. Und sich so langsam bewegt, dass man nicht rechtzeitig von A nach B kommt.
Er war überraschend sortiert, als er wieder zu Hause war. Aber erschöpft bis zum geht-nicht-mehr.
Vor einem Jahr konnte er noch auf die Leiter klettern, um Mutters komplett unschuldige Magnolie mittels Säge zu verunstalten, sobald seine Frau aus dem Haus war. Jetzt weiß er nicht mehr, wo die Leiter steht, zum Glück.
Der Antrag auf Ausweitung der Pflegestufe ist gestellt. Natürlich war er beim Besuch des MDK fit wie ein Ölkännchen, charmant und flott auf den Beinen (ich hätte ihm die Hölle heiß machen können). Aber das liegt daran, dass Besuch von Fremden bei ihm, vielleicht durch Adrenalin, immer ein Programm startet, was den Anschein von Gesundheit hat. Er kann dann sogar passende Begrüßungssätze äußern, und dem Gespräch folgen. Zum Glück hält das nicht lange an, sondern erschöpft sich schnell. Wenn der Antrag durchgeht, können wir die Betreuungstage auf zwei in der Woche ausweiten. Meine Mutter ist so fertig, dass sie nicht mal was unternehmen will, wenn er nicht da ist, sondern einfach nur da sitzen und sich ausruhen.

Alt werden? Nix für Feiglinge.





Mittwoch, 9. März 2016

Vermutung: Bestätigt.

Hatte ich am Sonntag noch den Eindruck, unsichtbar zu sein, und klärte sich dieser auch wieder, so weiß ich seit heute, dass ich das tatsächlich bin.
Erst hat mir jemand die Vorfahrt genommen und anschließend mit keinem Wimpernzucken zu erkennen gegeben, dass er/sie das überhaupt bemerkt hat.
Dann wollte ich tanken. Der Mensch, der zum Auto gehörte, das an der Zapfsäule vor mir schon fertig betankt auf den Fahrer wartete, stieg ein. Dann sah man ihn kramen. Dann holte er etwas aus dem Handschuhfach, und fuhr immer noch nicht los. Irgendwann bin ich ausgestiegen hab an die Scheibe geklopft... der Mensch saß da, und machte seine Spritverbrauchsbuchhaltung. Ohne auch nur ein Bewusstsein dafür, dass er eine ganze Reihe Zapfsäulen blockierte. Dem wütenden Gesichtsausdruck nach waren ihm die Scheinwerfer der Autos, die hinter ihm standen, schlicht entgangen. Oder doch alle unsichtbar?
Heute mittag in der Bäckerei stand vor mir in der Schlange eine ältere Dame. Die kaufte den halben Laden, dann lieber doch die andere Hälfte, dann aber in Scheiben, aber nicht so dicke, bitte. Es dauerte.
Schließlich war sie fertig. Die Verkäuferin kassierte, die Dame verließ den Laden, ich machte gerade den Mund auf, da kam sie wieder rein. Und redete einfach weiter auf die Verkäuferin ein, weil sie jetzt doch noch lieber wieder etwas anderes brauchte. Oder etwas zusätzlich, wer weiß das schon. Die Verkäuferin,  die sich soeben dem Rest der Schlange hatte zuwenden wollen, stieg sofort auf das neu beginnende Geplapper der Frau ein- und ignorierte einfach alle anderen, die da ja jetzt schon länger standen.
Da bin ich dann gegangen. Was auch keiner bemerkt hat, fürchte ich.

Montag, 7. März 2016

Vorurteile.

Wie ist es doch befriedigend, das ein oder andere Vorurteil bestätigt zu sehen... wie sehr, konnte ich gestern mal wieder feststellen.
Und das kam so:

Sonntag soll ab sofort (also ab vor 14 Tagen) bei mir Wellnesstag sein, zwecks dieses Behufs begab ich mich ergo gestern erneut in den örtlichen Wohlfühltempel (Sauna und so). Diesmal war ich schon um acht Uhr da, denn um 10 kriegte man in der Vorwoche schon keinen Parkplatz mehr. Um acht Uhr, oder nur Minuten später, bekam ich keinen Platz mehr in der Kassenschlange- oder doch nur einen, der seeeehr nah an der Eingangstür war.
Vor mir: Rentner.
Man darf ja am Wochenende nicht aus der Übung kommen, mit dem Frühaufstehen, das ist mir klar, also hab ich Verständnis. Die Tendenz der Pensionisten, sich vorzudrängeln als wäre ich unsichtbar, hat jedoch etwas weniger Verständnis ausgelöst. Aber ich hab aufblasbare Schultern, kann mich groß und sehr sichtbar machen, wenn ich das will, und der Durchschnittspensionist prügelt sich offenbar doch nicht gern in Schwimmbädern.Ich kam also rein, und abgesehen davon, dass mir da wer seinen Zigarrenatem ins Genick blies, blieb ich auch unbehelligt.
Aus meiner Jugend kenn ich noch ein paar Tricks, um möglichst schnell am Beckenrand aufzutauchen. Dazu zählt, zu Hause schon mal den Badeanzug anzuziehen, Joggingzeugs drüber, und los... dann das Joggingzeug in Rekordzeit in den Spind werfen, und schon steht man, sozusagen, an der Saunatür. Das Rennen gewinne ich, Herrschaften.
So auch gestern. Die Sauna war noch gar nicht richtig warm, da lag ich auch schon auf den Brettern.
Nur Sekunden später öffnete sich die Tür und eine ziemlich laute Dame sprach zur anderen:
Tja, Anneliese. Hätteste mal dein' Namen auf die Bank geschrieben.
Und lachte meckernd.
Vor dreißig Jahren wäre sie für den Spruch noch aus der Sauna geflogen. Nicht wegen des Inhaltes, aber wegen der Lautstärke. Gehörte doch zum damaligen Strafgesetzbuch auch ein Paragraf, der da lautete: Du sollst in der Sauna nicht brüllen.
Mit Trompetenschall ging die Unterhaltung weiter.
Man muss sich das so vorstellen: Ich mit meinen knapp einsachtzig nahm ungefähr ein Drittel der unteren Bank ein. Es blieben also noch gute drei Meter Raum, um sich auszubreiten, und dann noch Platz, damit andere noch einen Aufstieg auf die oberen Bänke wagen konnten. Was mein Verständnis für Gewohnheitsplätze und Erbbaurechte an öffentlichen Saunabänken betrifft, so ist das eher im Minusbereich.
So auch gestern.
Und da werd ich hartnäckig, und schwerhörig, und bleibe, wo ich bin.
Anneliese setzte sich dann, schnaubend (eher wegen des Blutdrucks, schätze ich), und hub an, zu warten, bis das Jungvolk (also die ich) IHREN Platz räumte.
Womit ich mir zwanzig Minuten Zeit ließ. Dann bin ich, mit einer Verneigung zu Anneliese, und unter Schnappung meines Liegetuchs, aus der Sauna gerauscht. Und konnte noch beobachten, wie die tutende und prustende Anneliese IHREN Platz wieder einnahm. Womit die Gerechtigkeit in der Welt wieder hergestellt war.
Die folgende Zeit brachte ich auf einer Liege zu, unterbrochen von Saunagängen, Abkühlung und so nem Kram, bis ich dann auf die Idee kam, das beigefügte Solebad zwecks Schwimmens (kann man da nicht wirklich. Weil das Wasser zu warm ist... unter anderem.) aufzusuchen.
Dort fand sich dann eine Wiederholung des Sauna-Gewohnheitsrechts. Diesmal mit Sprudeldüse.
Davon gibt es so einige, und auch noch mit Varianten. In Fuß-, Knie-, und Arschhöhe sprudelt es aus der Wand, aus dem Boden, und es gibt auch noch eine Art Unterwasser-Liegen mit Sprudeldüsen.
Auf allen Liegen, vor allen Düsen, unter allen Schwallbrausen: Rentner. Grimmigen Gesichts klammern sie sich an den Beckenrand, liegen wie tot auf den sprudelnden Kacheln, tun so, als seien sie gar nicht da.
Über das Schild am Rand "Bei Erklingen des Gongs bitte Düsenplatz räumen!" hab ich mich amüsiert, bis, ja bis zum ersten Mal der Gong ertönte.  Und...nichts geschah. Die Gesichtsausdrücke (oder eher, DEN Gesichtsausdruck) beibehaltend, behielten sämtliche Leute am Beckenrand, auf Sprudelbetten und unter Schwallbrausen auch ihren Platz bei. Absolut. Aus lauter Spaß an der Provokation hab ich mich in Aggressionsentfernung vor einem besonders hochdruckig aussehenden Mann aufgebaut, der ob seines prolongierten Aufenthalts im sehr warmen Solebad schon recht violett angelaufen war. Hinter mir zog ein älterer Herr, der den toten Mann machte (also auf dem Wasser liegend einfach nur daher dümpelte) seine Kreise. Ab und zu trieb ihn die Wasserbewegung auf einen anderen Badegast zu, der meist Platz machte- man konnte nämlich nicht wirklich erkennen, ob er den toten Mann nur spielte.
Grillen zirpten.
Am Horizont ging irgendwo eine Sonne auf, oder unter.
Der Gong ertönte. Ich setzte ein hoffnungsvolles Gesicht auf, und schaute dem Beckenrandler tief in die Augen... die der dann schloss.
Einfach so.
Den toten Mann zu spielen scheint ein Überlebenstrick zu sein, in der harten, kalten Wirklichkeit westdeutscher Wellnessbäder.

Ich suche jetzt eine andere Tageszeit, zu der man dort vielleicht schwimmen kann, ohne an tote Männer, Sprudeldüsenpiraten oder Saunaplankengewohnheitsrechtler zu geraten.





Dienstag, 1. März 2016

Viel zu lang.



Inspiriert hat mich Nicola. Die vom Lied der Dicken Dame. Und zwar dazu, mich mit dem Thema Diät und Dick und so noch mal gründlich auseinanderzusetzen.So richtig gründlich ist das hier jetzt nicht, eher eine argumentative Reise... 


Nach herkömmlichen Maßstäben klinischen Zahlen ergibt mein Gewicht auf der Waage nur ein Ergebnis: Übergewicht. Nix dran zu deuteln, Herrschaften.
Nach meinem persönlichen Empfinden bin ich inzwischen halbwegs normalfigurig. Das mach ich daran fest, dass ich in Standard-Läden Standard-Sachen kaufen kann. Ihr, die ihr nie über Größe 46 hinausgekommen seid, macht euch keine Vorstellungen, wie ätzend, mühsam, deprimierend und teuer es ist, etwas zum Anziehen zu finden, das nicht nur zu schließen ist, sondern sitzt. Das nicht nur den Erfordernissen des Wetters Rechnung trägt (und, vor allem im Sommer, oft nicht mal dem), sondern ein bisschen schön aussieht. Das dem Anlass entspricht (Büro, Freizeit, Feste). Mit dem man sich nicht mit Mitte Dreißig schon fühlt wie auf dem Weg ins Altenheim.

Es gibt für ein und dieselbe Figur so viel verschiedene Beurteilungskriterien… Da ist das Gewicht in Kilos. Das sagt erst mal gar nix, das ist nur eine Zahl. Das ist so wenig aussagekräftig, dass es sogar einige Methoden und Formeln gibt, um diese Zahl zu bewerten. Broca, zum Beispiel. Dann den BMI, in seinen Varianten. Da gibt es noch mehr, aber die könnt ihr selbst googeln, Dass auch diese Methoden und Formeln eigentlich nicht allgemeingültig sind, weil z. B. eine sehr aktive Sportlerin, bedingt durch die Schwere der Muskelmassen, einen ziemlich hohen BMI haben kann, aber keinesfalls dick ist, ist inzwischen bekannt.
Hat man die Kilogramm hinter sich gelassen, kommt noch mehr Subjektivität ins Spiel, nämlich Ästhetik. Da wahre Schönheit ohnehin im Auge des Betrachters liegt (was vor mir schon diverse Leute gesagt haben) ist ab hier der Markt für Bewertungen eröffnet. Ästhetik ist ganz klar eine Zeiterscheinung. Ihr wisst das alle, schätze ich :-)
Von den Bildern, mit denen wir bombardiert werden, und die uns laufend präsentiert werden, kann ich selbst mich nur schwer lösen. Spontane Reaktionen passieren mir manchmal. Die sind dann oft weder für mich noch für die Person schmeichelhaft, die da gerade zufällig unterwegs ist. Übergewicht ist da nicht das, was Reaktionen auslöst. Meist ist es Kleidung, die mich  zu der Frage führt (die ich im Übrigen für mich behalte…), ob die Person keinen Spiegel hat.
Das ist böse. Ich weiß nämlich, dass selbst ein Spiegel niemals der Betrachterin das zeigt, was vor ihm steht. Anders formuliert: Selbstwahrnehmung is a bitch, Herrschaften. Und sie geht nach. Was man an Fotos merkt, die einem plötzlich in die Hand fallen. Da ist ein Schnappschuss, den man damals, nach der Party, wo man das super schöne rote Kleid getragen hat, ganz toll fand. Zwei Jahre später sieht man dann, dass es viel zu groß war (das Kleid). Oder zipfelig. Oder nicht saß. Oder dass die Brüste (für dieses Kleid) knapp unterm Kinn hätten montiert sein müssen.  Genau so kann es sein, dass man sich für megadick hielt. Nur um Jahre später festzustellen, dass man das gar nicht war. Umgekehrt natürlich auch.
Das entschuldigt nicht solche absoluten Faux-Pas wie ihn die Frau gelandet hat, die vor ein paar Jahren mal durch die Fußgängerzone lief, im Ultra-Mini. Ohne was drunter, was die gesamte Innenstadt sehen konnte, als sie sich bückte. Ja, sie ging nicht in die Knie. Und es war komplett egal, dass sie dünn war.

Aber zum Thema: Was sind (zu) viele oder (zu) wenige Kilos? Wer bestimmt, wo das „zu“ anfängt, und das „noch“ aufhört? Und die einzig akzeptable Antwort ist: Nur die Person selbst kann und darf sagen, dass es ihr zu viel oder zu wenig ist. Wessen Ästhetik sich dran stört, der soll als erster  wegschauen. Welche Gründe die Person hat, um an irgendeinem Punkt die Überschreitung der „zu-Grenze“ festzustellen, ist auch ihre Sache. Niemandem steht ein Urteil zu. Und auch jeder, der vor gesundheitlichen Schäden warnt, sollte nicht glauben, dass er heutzutage irgendwem was Neues erzählt. Er oder sie kann sich also genau so gut den Atem sparen.  Das ist auch meist nur ein Versuch, Kontrolle auszuüben.

Was den Moment des Überschreitens der Zu-Grenze betrifft: Ich habe im vergangenen Jahr diesen Moment gehabt. Und der hatte nix mit Ästhetik zu tun, sondern einfach nur damit, dass ich Schmerzen beim Gehen hatte. Und nicht mehr von der Couch hochkam. Jedenfalls nicht mit Schwung. Und dass ich mich gefragt habe, ob das Leben so weiter gehen sollte – und wie lang es wohl noch dauert, das Leben, mit den konzertierten Wirkungen von Älterwerden und Übergewichthaben in der meinigen Ausprägung. Dazu kommen meine gesundheitlichen Einschränkungen durch den Diabetes und die Essstörung. Letztere verbietet mir eine Diät sowieso, und der Diabetes macht, dass ich mich nur schwer daran halten kann. Der ist nämlich das, was man brittle nennt, also schwer einstellbar. Mit Diät nicht zu beeindrucken. 

Davon mal abgesehen kotzt mich dieser Figur-Faschismus so an… Ästhetik ist eine Sache, Gesundheit eine andere. Beide Haltungen sind m. E. zweifelhaft.
Die dritte Haltung ist besonders verwerflich: Menschen pauschal für dumm oder faul oder eine Mischung aus beidem zu erklären, nur weil sie nicht dem eigenen Bild von Schönheit oder Attraktivität entsprechen, ist faschistoid. Der Irrsinn dieser Haltung kann einfach betrachtet werden, wenn man sich eine x-beliebige Zeitschriftenauslage in diesem unserem Lande anschaut. Yellow-Press, Autozeitschriften, Computerjournale, Dekopostillen. Und in Greifhöhe eine Mischung von „Frauenzeitschriften“, die eins gemeinsam haben: Abwechselnd schick gestylte Fressblättchen oder ebenso bunt bebilderte Diätwerbung-cum-überflüssige-Tipps. Samt amtlich genehmigter Rezepte für kalorien- und genussfreie Knechtschaft für immer. Den wahnwitzig unterernährten Vorbildern, die man in vielen dieser Publikationen sieht, kann man nur nacheifern, wenn man den Rest seines Lebens auf jede Kalorie verzichtet, die nicht unbedingt zur Aufrechterhaltung basaler Lebensprozesse nötig ist.
Das hab ich nicht vor. Essen hat, und das nicht nur für Essgestörte wie mich, viele, viele Facetten und Funktionen. Die schlichte Ernährung ist nur eine davon. Genuss und Wohlbehagen, Trost und inneres Aufwärmen, sozialer Kontaktanlass, kulturelle Errungenschaft, alles das kommt zu kurz, wenn man Essen nur unter dem Kalorien-Aspekt sieht. Und ganz besonders kommt natürlich alles das zu kurz, was Essgestörte wie ich vom Essen erwarten. Ausgleich für Leere, Besänftigung von Zorn und Ausübung von Kontrolle, Protest, Widerstand gegen was auch immer. Jede merkwürdige Verhaltensweise hat ihren sehr realen Gewinn. Zumindest mal gehabt.
Ich für meine Person futtere auch immer noch gerne mal, weil es grade lecker ist, mehr, als ich brauchen würde, um satt zu sein. Ein bisschen hat mir das vergangene Jahr aber dabei geholfen, nicht nur Hunger und Appetit wahrzunehmen, sondern auch Zustände wie „keinen Hunger“ und „noch satt von gestern“. Es gibt also Tage, an denen ich nicht oder nicht viel essen muss, und inzwischen kann ich das bemerken und darauf dann ebenso Rücksicht nehmen wie auf meine Vorliebe für vollfetten Käse. Ein paar Tricks hab ich mir angewöhnt, die mir helfen, nicht wieder in Essräusche zu verfallen. Die haben nix mit Diät zu tun, sondern mit einer Balancierung von Input und Output.
Diese Balance für mich zu finden und zu behalten, das ist mein Ziel. Beim Erreichen des Ziels hilft es mir, den Output zu erhöhen durch die Bewegung, die ich inzwischen sehr zu schätzen weiß. Sport hat in meinem Leben keine große Rolle gespielt, meine beiden Eltern sind nicht sportlich unterwegs und es gab bei uns  nicht das, was man eine Sportkultur nennen könnte. Manche Dinge hab ich trotzdem gerne gemacht, Schwimmen zum Beispiel, oder Radfahren, und wenn es sich ergab, Tischtennis. Und ins Studio bin ich auch immer gern gegangen. Nur das Aufraffen… Oh je.
 Es hat mich aber dann doch gefreut, zu entdecken, dass mein innerer Schweinehund dressierbar ist. Und es hat mich gefreut, das Laufen zu entdecken. Die positiven Wirkungen von Bewegung wie mehr Ausgeglichenheit, ein höheres Energielevel, mehr Motivation für alle anderen Dinge im Leben, haben einen gewissen Mitnahmeeffekt, von dem ich bis dato nur gelesen hatte. Und geglaubt hab ich das sowieso nicht.
Ziemlich viel Hilfe hatte ich durch den Sport bei den sekundären und tertiären Gewinnen des Essens. Also bei deren Abwendung bzw. bei deren Ersatz. Nämlich zum Beispiel bei der Reduzierung meines Grundlevels an Aggressivität (Zorn und Trotz ist bei mir ein Standard-Auslöser für Binge-Eating-Attacken). Ausgetobt sein ist eine gute Basis für das Nicht-gleich-Ausflippen, und manchmal auch eine Gelegenheit, um sich aus allem heraus zu ziehen und mal eine Runde ungestört nachdenken zu können. Kontakt und solche Dinge bekommt man auch, wenn man mit einer Freundin um die Häuser rennt, nicht nur, wenn man sich einen schönen Abend mit einem leckeren Essen gönnt oder ausgeht. Der Sport hat also mein Verhaltensspektrum erweitert, was mir sehr gut gefällt. Kein anstatt, sondern ein sowohl-als auch.
Was ganz selten geworden ist, ist das Binge-Eating-Ergebnis des „Essens bis absolut nix mehr reingeht“. Das passiert nur noch, wenn ich rausgehe zum Essen und nicht darauf achte, ob ich satt bin oder nicht. Weil ich mich gerade ärgere, zum Beispiel. Der „angenehme“ Zustand des Suppenkomas ist nicht mehr so präsent und er gefällt mir auch nicht mehr. Wirklich gefallen hat er mir auch früher nicht. Aber er war das, was der angenehme Rausch für den Alk ist. Ist nix dran zu deuteln, und genauso ein Selbstbetrug.
Und spätestens hier kann natürlich jemand, der mit entsprechenden Urteilen um sich wirft, sich komplett bestätigt fühlen in allem, was er/sie so über Menschen mit Übergewicht denkt. Darf er oder sie auch gerne tun, da die Gedanken ja bekanntlich frei sind. Solange er oder sie aber nicht eigene entsprechende Erfahrungen gemacht hat, sollte er/sie schön den Ball flach und seine Gedanken für sich behalten. Ebenso bitte sehr seine/ihre Blicke. Über einige Menschen die ich kenne, die sich mit sehr viel Gewicht plagen, mache ich mir große Sorgen, weil ich sehen kann, dass sie Schmerzen haben und dass es ihnen nicht gut geht. Die gleichen Sorgen mache ich mir auch bei Menschen, die aus anderen Gründen leiden. Die versuche ich jedoch, ihnen nicht auf die Nase zu binden. Das wäre genau so unerträglich wie jemanden, der schwer krank ist, mit Stories über eigene Erlebnisse trösten zu wollen. Nicht hilfreich. Fragt jemand, wo die dreißig Kilo geblieben sind, geb ich gern Antwort.

Was ich nie mehr tun will: „Frauen“blättchen lesen. Die mit den Fress- und- Hunger- Tipps. Warum, oh Göttin, geht das nicht ohne? Wollen wir als Frauen heutzutage auf diese Themen beschränkt werden? Wollen wir uns wirklich für so dumm verkaufen lassen? Haben wir nix anderes, was uns wirklich als Gruppe bewegt und interessiert? Keine politischen, sozialen oder humanitären Themen? Interessiert uns Wissenschaft, Forschung, Technik nicht? Was ist mit unseren Töchtern, welche Werte sind uns für sie wichtig? Wollen wir uns von der Werbebranche auf zwei Gebiete fokussieren und zur Profitmaximierung zwischen den Extremen hin- und herschubsen lassen?
Nö.
Nicht wirklich. Wirklich nicht.

Montag, 22. Februar 2016

Der Slowcooker

Da wollte ich berichten von meinen Erfahrungen mit der langsamen Kochart, und hab dann vor lauter Kochen-und-Essen keine Zeit zum Schreiben gefunden. Ts, ts.

Aaalso. Nachdem ich vor Jahren, nach einer entsprechenden Sichtung in einem amerikanischen Blog, von den Slowcookern erfahren hatte, hab ich mal gegoogelt und fand nur "Angebote", die die 100 € Marke gnadenlos überschritten. Da ich sowas nicht zu solchen Preisen ausprobiere, hab ich dankend abgewinkt und mich weiter mit Mikrowelle und so bekocht.
Jetzt aber sind die Dinger preislich im freien Fall, und als ich Anfang letzter Woche oder so mal nachgeschaut habe, gab es einen kleinen schnuckeligen 1,5 l Apparat für knapp über 20 Euro. Da hab ich dann zugeschlagen. Ausgepackt, sauber gemacht, eine Runde durch den Tiefkühler gedreht, und die Beute in das Ding gefüllt, eingeschaltet... und 12 Stunden später eine fantastische, grandiose, äußerst leckere Rindfleischsuppe zu mir genommen. Sogar das Fleisch war essbar, was mich normalerweise eher kalt lässt.
Dann, ja dann musste ich Nachtisch damit machen. Dunklen Schoko-Fudge... Suchterzeugend. Dazwischen hab ich einen zweiten bestellt, diesmal mit realistischem 3,5 l Fassungsvermögen.
In rascher Folge hab ich dann Gulaschsuppe, Rosenkohlcremesuppe und als krönendes Dings Pulled Pork gemacht... alles supereinfach, superlecker, und mit minimalem Aufwand.
Es gibt da sicher Unterschiede zwischen meinen beiden Billigheimern (23 und 33 €) und dem Flagschiff der Slowcooker. Aber ich bin schon sehr zufrieden... Alles, was lange geschmort oder langsam gekocht gut wird, kann man damit ohne Anbrenngefahr zubereiten. Ich bin eine Suppen- und Eintopf-Tante, da kommt das gut. Also Gulasch, Grünkohl, Gemüse- oder Fleischsuppen, Rouladen... Das 3,5 l Ding bedeutet, dass ich eine oder zwei Portionen einfrieren kann, und mir damit das Leben erleichtere. Da der Kochbehälter ein in das Gerät eingesetztes Steingutgefäß ist, hält sich der Reinigungsaufwand sehr in Grenzen. Topf rausnehmen, mit heißem Wasser und einem Tropfen Spülmittel säubern, abtrocknen, fertich.
Kein Einstellen von merkwürdig geformten Gegenständen in die Spülmaschine, kein Verfärben (oder Verformen...) von Plastik. Gut, das. Gulasch oder so muss man vorher anbraten, allein schon wegen der Farbe. Anschließend den Bratensatz ablöschen, loskochen und mit in den Topf geben. Aber man hat den Herd sauber, und stundenlang einen feinen Duft von Schmorgericht in der Wohnung (okay, das mag nicht jeder).
Was mich am meisten wundert, ist, dass das Gemüse nicht matschig wurde. Nicht mal die Pilze, die (weg mussten) im Gulasch landeten waren so klein und zusammengeschnurrt wie sonst.
Heute werde ich Paprikaschoten (gefüllt) machen. Und die Tage mal Kohlrouladen.
Hach... 

Dienstag, 16. Februar 2016

Techniktrick

Oder, wie Catweazle sagte, Elektriktrick.
Im Moment steh ich auf Kriegsfuß mit Apps und so nem Kram, vor allem mit meinen Schrittzählern. Hab mir nämlich einen neuen kaufen müssen, weil der alte seit geraumer Zeit nicht mehr das tut, was er soll. Also, der Zähler schon, die App-nicht.
Seither bin ich im Kontakt mit dem Kundenservice (gewesen). Zu Anfang noch sehr freundlich und bemüht, dann jedoch nicht mehr so. Die App synchronisierte sich nämlich nicht mehr freiwillig mit dem Zähler, sondern schmierte regelmäßig ab, so dass man das alles manuell machen musste, was, frei heraus gesagt, sacknervig ist. Mehrmals am Tag Handy aus, Handy an, Bluetooth an, Bluetooth aus und wieder an, das war schon ätzend.
Ziemlich zu Anfang meiner Serie an Beschwerdemails spendierte man mir einen neuen Tracker, nachdem ein Test mit dem Handy eines anderen Menschen dasselbe nicht funktionierende Ergebnis hatte.
Natürlich lief es auch mit dem neuen Tracker nicht. Zusammen mit den mehr oder weniger beherrschten Äußerungen anderer User auf der Update-Seite und Amazon ließ sich dann irgendwann nicht mehr leugnen, dass die App grundsätzlich bei bestimmten Androidhandys in die Knie geht. Und zwar ziemlich genau datierbar nach einem Software-Update. Sämtliche der vielen freundlichen Mitarbeiter bei der Support-Line, mit denen ich gesprochen habe, versprachen, diesbezüglich mit der Technik zu reden. Ich bezweifle, dass das auch nur einer gemacht hat.
Der Gedanke der mangelnden Kompatibilität zu einigen Android-Handys liegt nahe, wenn man mal schaut, ob Nutzer von Apfeltelefonen ebensolche Beschwerdemails schreiben, was sie nicht tun. Die haben, wenn überhaupt, andere Probleme. Was die Kompatibilität angeht, hat Jawbone aber ohnehin einen Pinn im Kopf: Nach den Angaben, mit welchem Handy die App nun läuft, muss man gezielt auf deren Homepage suchen. Sofern einem Kompatibilität nicht ohnehin im Hirn rumschwirrt, tut man das aber nicht ohne weiteres. Bei Amazon jedenfalls ist im Angebot nicht im Entferntesten davon die Rede, dass es vielleicht viele Handys geben könnte, die nicht mit dem Up Move zu verbinden sind. Hätte ich mehr Zeit, würde ich gern mal in realen Geschäften danach fragen, ob die Dinger mit jedem Handy laufen, oder nur mit bestimmten. Auf die Antwort der Leute hinterm Ladentisch wäre ich dann gespannt.
Wie dem auch sei, vorletztes Wochenende hab ich dann auf einen Aldi-Schrittzähler gewechselt. Das mit der Synchronisation ist damit nicht so essentiell, weil der Zähler selbst eine digitale Anzeige der gelaufenen Strecke (nebst einigen anderen Daten) hat. Da muss man nicht die App zum Übersetzen haben. Andererseits ist die Möglichkeit, weitere Sportarten einzugeben und mit in die Aktivitäten einzubinden nicht vorhanden- was kein Schritt ist, wird nicht gezählt, auch wenn man 5 Stunden High-Speed-Fahrradfahren hinter sich gebracht hat. Oder mit Opa kegeln war.
Das ist ein bisschen blöd, weil ich seit einer Woche Mitglied im Fitnessstudio bin, und das Ding einfach nur die Schritte auf dem Crosstrainer zählt, nicht aber die anderen Geräteübungen. Aber ich weiß ja, was ich gemacht habe (meine Bauchmuskeln und sonstiges Gezerre erinnern mich schon...), insofern ist das nicht sooo tragisch.
Aber, seufz und so, heute morgen zeigte mir die Aldi-App, dass ich heute nacht 10222 Schritte gelaufen bin. Während ich, so die gleiche App, eine meiner seltenen, stundenlangen Tiefschlafphasen hatte.
Manchmal glaube ich, ich hab nen schlechten Einfluss auf Technik.
Und morgen berichte ich euch von den ersten Versuchen mit meinem neuen Slow-Cooker.
Ach, und vielleicht antworte ich auf die Jawbone-Umfrage zur Kundenzufriedenheit doch noch. Die ist gestern per Mail gekommen (trotzdem ich meine Meinung bereits in mehr als einer Mail deutlich gemacht habe. Nehmt das, ihr Mailbots.)


Dienstag, 9. Februar 2016

Scheiß verschwiemelte Mistscheiße

Waaaah. Wenn ich eins hasse, dann ist das institutionsinternes Gelaber, um Seiten vollzukriegen und einen guten Eindruck zu machen. Herrje. Ein langer Satz ist noch kein guter, und wenn man nach 3 Seiten immer noch keine Idee hat, was das ganze Geschreibsel nun tatsächlich bewirken soll, dann, ja dann- wurde sauber am Problem vorbei geschrieben.
Aber es gab viele Fremdworte, und auffallend oft fielen die Ausdrücke "zivilgesellschaftlich", "Akteur" (für was auch immer) und "Ziel". Ein gutes Drittel der Sätze wiederholte nur das, was in anderen schon stand, dafür fehlte das entscheidende Quäntchen Information- nämlich tatsächlich ein paar Worte darüber, was jetzt passieren soll... und ich wette, das ist vielen von den bisherigen Lesern nicht mal aufgefallen.
Was für eine Verschwendung.


Montag, 25. Januar 2016

seufz.

Und dann hatten wir letztens in der Pause noch diese Diskussion um Veganer.
Nicht um das vegan leben, sondern über die Frage, was wohl die einzelnen Menschen dazu veranlasst, entweder auf Schokolade zu verzichten oder nur vegane Schoki zu konsumieren- meiner Meinung nach schmeckt das Zeug wie etwas, was seit meiner Kommunion 1973 in Omas Schrank liegt. Und Plastikschuhe muss man auch tragen. Nicht mal Götterspeise kann man, weil Gelatine (oder ist meine Infobase da veraltet?) Die Stimmen waren unterschiedlich. Einige von uns meinten, die Leute seien ekelgesteuert, andere hatten Ethik auf dem Schirm, wieder andere- ach, hab vergessen.
Im weiteren jedoch kamen wir dann zu einer wirklich spannenden Frage, nämlich:
Wie hält es der Veganer mit dem Kannibalismus?
Also, nicht mit diesem überhöhten Begriff, der sich aus der Gleichheit des Menschen mit den Tieren (sind wir ja doch mehr so alle) speist (no pun und so weiter), sondern mit voll krassem, realem Kannibalismus.
Die Kuh und das Schwein und das Huhn, um nur ein paar von unseren Mitgeschöpfen/Nahrungsmittellieferanten zu nennen, haben ja nicht die Möglichkeit, wirksam und überzeugend in die Verwertung des eigenen Körpers zur Erquickung und Labung des Menschengeschlechts einzuwilligen. Das scheitert schon daran, dass sie mangels Daumen keine Stifte zu Unterschriftszwecken halten können. Deren Einwilligung wurde daher in den letzten Jahrzehntausenden mehr oder minder vorausgesetzt, und die Veganer haben sozusagen herausgekriegt, dass das eine Lüge bzw. ein großangelegter Beschiss, angelegt und durchgeführt von Metzgern, war.
Der Mensch ist demnach als potenzielle Eiweißquelle und gleichzeitig Daumenträger der einzige, dessen entsprechende Willenserklärung ("...ich spende meinen linken Quadrizeps und alles, was daran hängt, zu Zwecken der Wurstgewinnung an die Baul-Pocuse-Mensa der Universität Quakenbrück...") vorgelegt und der Wurstpackung beigefügt werden könnte.
Darf der Veganer dann zubeißen? Also, nicht die, die Ekel kriegen, wenn sie "tierisches Eiweiß" auch nur hören. Sondern die, deren Ethik es vorschreibt, kein einwilligungsunfähiges Mitgeschöpf aufs Tablett zu bringen.
Und wie sieht das mit Roadkill aus (jetzt mal ohne menschliche Beteiligung...)? Der Dachs, der Fuchs, die Karnickel vom Straßenrand? Darf der Veganer, der ethikgetriebene, deren Körper verspeisen?

Ich fürchte, diese Diskussion, die im Übrigen bei Hinzutreten des Chefs abrupt beendet wurde (und das nicht, weil der so lecker aussieht), wird angesichts nur dreier Beteiligter nicht mit der nötigen argumentativen Breite geführt worden sein.
Daher die Frage an euch:
Darf der das? Der Veganer? Und bleibt er seinem Prinzip dann treu?

Fragen sich
Lily und Kollegen.




Donnerstag, 21. Januar 2016

Morgenstund'

Hab mir heute schon eine Rüge von meiner Schwester eingefangen, von wegen schlechter Laune am Morgen und Tag verderben.
Und das kam so:

Wenn meine Geschwister und ich Sport betreiben, dann laufen wir eigentlich alle.
In den letzten Tagen hab ich so vor mich hin überlegt, ob ich das Joggen vom Trampolin drinnen mal nach draußen in die Natur verlegen soll. Bisher hat mich daran gehindert, dass ich mir immer noch Sorgen um die Füße und Knie mache- schließlich ist nix dem Laufen so hinderlich wie ein kaputtes Knochenwerk.
Heute morgen hab ich mit meiner Schwester drüber gewhatsappt, und dann kamen wir auf das Thema Bekleidung...
Während es überhaupt kein Problem ist, an Schuhe zu kommen, hab ich leidvolle Erfahrungen mit dem Angebot an Sportklamotten gemacht. Bevor ich damals (tm) in die Klinik ging, musste ich mir für den da vorgesehenen Sport was zum Anziehen besorgen. Und das gestaltete sich extrem schwierig.
Will man, so als dicke Frau, nicht in zellulitebetonendem Spandex herumlaufen, sondern etwas locker sitzendes, für Yoga und Walking Geeignetes erwerben, steht man vor einem Problem. Beim Discounter, der ja auch nicht das ganze Jahr über so etwas im Angebot hat, ist in der Regel bei der Größe 46 Schluss, was aber durchaus nicht für jede von uns reicht. In Extremzeiten hätte ich locker auch 52/54 ausgefüllt.
Nun ist der Mensch eitel, und explodierende Sonnen oder Panoramaaufnahmen der städtischen Müllkippe in lila-gelb sind nicht die Muster, die man an den runden Beinchen sehen möchte, ein schlichtes Schwarz wäre da schon eher angebracht. Aber weit gefehlt. Kriegt man was, ist es gruslig bunt. Oder grell neon / pink / wasauchimmer. Wenn mans kriegt...
Meist kriegt man aber nur eins: Angeekelte Blicke von den dürren Gestalten hinter der Sportgeschäft-Theke. Ist mir mehrmals -in jedem aufgesuchten Laden- passiert, jeweils vermischt mit einem "Da müssen Sie mal selbst durchsehen" oder einem ungläubigen "Für Sie??".
Nach dem dritten derartigen Erlebnis im "Fachgeschäft", keinem Erfolg bei thebigA und natürlich erst recht nix im Kaufhaus und beim Discounter war ich kurz vor dem Aufgeben. Aufgeben und schmollen.
Hätte mich der beste Freund nicht an den Haaren in ein Winz-Kaufhaus in Friedberg/Hessen geschleift, wo eine graue Yoga-Hose in passend hing (interessanterweise von Adidas- aber auf deren Homepage nicht erwähnt), säße ich heute noch motzend zu Hause.
So konnte das Abenteuer Klinikaufenthalt starten- und gestern abend hab ich diese Hose beerdigt, weil sie inzwischen so weit ist, dass sie nicht mehr oben bleibt. Trotz Gummizug.
Zuletzt hatte ich sie im September an, bei der Renovierung. Davon hat sie Farbflecken davon getragen, die Säume waren abgetreten und die Durchzugskordel war schon lang weg. Friede ihren Überresten.

Jedenfalls hat mich die Erinnerung an diese Erlebnisse, vor allem an die Blicke in den Geschäften, heute morgen schon wieder so wütend gemacht, dass meine Schwester mich von meiner Palme wieder runterholen musste. Dabei weiß ich eigentlich nicht mal, was mich wütender gemacht hat - die Industrie, die diesen Bedarf munter verkennt (und, machen wir uns nix vor, auch für die Couch haben wir alle gern was bequemes, dehnbares. Nicht nur für die Rennstrecke...) oder die widerlichen Reaktionen der Normgestalten, die in den Geschäften herumstanden.
Und auch, wenn ich mir den Tag nicht damit versauen will: Sich ärgern sollte man, und das tu ich auch. Aber noch lieber würde ich andere ärgern, nämlich die Verantwortlichen. Vielleicht fällt mir auch mal ein, wie. Ich werd drüber nachdenken.
Bis dahin gehabt euch wohl und bleibt in Bewegung :-)


Dienstag, 19. Januar 2016

Je öller, je döller

Wie bereits berichtet, knackt es im Lilyschen Gebälk immer mal wieder in den letzten Wochen und Monaten... Die Sportoffensive (also: Die Aufnahme halbwegs normaler Bewegungsmengen) hat zwar dafür gesorgt, dass mir die Beine nicht mehr weh tun, egal, wie lange ich laufe, gehe, stehe oder sitze (hätte ich im übrigen niemals erwartet). Auch die Hüften schmerzen nicht mehr, dank regelmäßiger Beanspruchung.
Aber die Zwangshaltung bei der Arbeit, sprich: Sitzen auf der schiefen Ebene, die sich Büro nennt, und Starren auf den Bildschirm, die hat für Probleme im Nacken gesorgt. Aus unbekannten Gründen, gefördert durch die Anstreichaktion im Herbst (wir berichteten), hab ich Bandscheibe in der HWS. Starre ich nun durch die Gleitsichtbrille auf den Monitor, so stirbt mir die linke Hand ab. Einerseits, weil sich da was einklemmt, andererseits wegen steinharter Muskeln, die auch klemmen.
Um das Starren zu verhindern, könnte ich natürlich in Rente gehen. Leider hat mein Arbeitgeber da noch ein Stück mitzureden- und die Kohle reicht. einfach. nicht.
Besser, schöner und bunter wird es hingegen, tauscht man die Gleitsichtbrille gegen zwei Brillen aus. Eine für draußen, Entfernungen > 2m, und eine für drinnen, Entfernungen < 2m. Das geschah gestern.

Nebenstehend somit die Brille zum Lesen/Arbeiten und so. Die andere ist so ähnlich, aber blau. Dafür braucht es kein zweites Bild, finde ich. So ne bunte Brille, geschweige denn zwei, hatte ich noch nie. Vielleicht ist das fortschreitende Senilität, dass ich mich da gebuntet habe, wer weiß das schon? Jedenfalls bin ich mal gespannt, wie die Langzeiterfahrungen  so sind mit zwei Brillen. Wie oft ich beispielsweise die jeweils andere suche, oder irgendwo vergesse, oder mit der falschen auf der Nase herumirre. Da ich ohne nicht sehr orientierungsfähig bin, ist mir das bis dato nicht passiert. Oder jedenfalls nur einmal, da hab ich schon beim Aufprall auf die Haustür gemerkt, dass was nicht stimmt.


And now to something completely different- bisher, also bis vor drei, vier Monaten, war ich voll des Lobes und des Preises, was meinen Schrittzähler betrifft. Welcher immer noch das seine tut, nämlich Schritte zählen und meinen Schlaf überwachen, wenn er nicht im Wohnzimmer liegt und den Schlaf des Tisches überwacht. Die App hingegen- meine Güte, die App.
Ende September gab es ein Upgrade, ich weiß nicht mal mehr, ob das ein Android- oder ein Up-Move-App-Upgrade war. Seither jedenfalls hakt es, und ich bin in beinahe intimem Kontakt mit den Leuten von Jawbone. Die riefen zu Anfang gern an, aus Irland oder wo sonst sie sitzen, und gaben sich sehr freundlich und bemüht. Einmal wurde mir ein neuer Tracker geschickt, aber daran lag es nicht, dass diese App einfach nicht mehr synchronisiert. Früher war es so, dass die App, sobald man sie öffnete, sich mit dem Tracker verband, die neuen Zahlen auslas und hübsch grafisch aufbereitete. Nix wildes, aber eben Zahlen. Jetzt ist es so, dass die App angeworfen wird, und sofort anzeigt, dass sie nicht mit dem Tracker in Verbindung steht. Den kann man dann manuell wieder anbinden, aber das dauert. Noch doofer ist, wenn die App nicht verrät, dass sie nicht verbunden ist. Dann muss man sie erst runterfahren und wieder hochfahren, bevor sie zugibt, ein Problem zu haben. Jedenfalls hab ich dem Service (auf dessen Wunsch hin) Screenshots der Fehlermeldung geschickt, die ab und zu (aber nicht immer) zu sehen ist... und obwohl ich sagte, dass da nix steht als "Up wurde unerwartet beendet", musste ich ihnen diesen Shot schicken. Meinetwegen. Der sollte dann, zusammen mit meinem "Fall", einem Techniker unterbreitet werden (der vermutlich immer noch da sitzt und sich schief lacht). Meine Idee, dass die App in der Android-Variante ein Problem mit der Bluetooth-Verbindung hat, war nicht so eine erwünschte Anmerkung. Obwohl das Problem relativ weit verbreitet ist, wie man auf diversen Internetseiten lesen kann, tun die inzwischen so, als sei ich die einzige Kundin, die diese Schwierigkeiten hat. Vielleicht liegts ja an meinem Handy- aber diese Aussage würde den eigenen Kompatibilitäts-Kriterien widersprechen.
In den letzten Wochen waren dann leider die Leute, die bei mir anriefen, immer schlechter zu verstehen, erst wegen des bayrischen Migrationshintergrund (München/Dublin oder so), dann wegen eines thailändischen oder malaysischen, keine Ahnung. Die letzte, auch sehr freundliche aber kaum noch zu verstehende Dame hat mir dann nach dem Telefonat den Inhalt desselben noch mal auf die Voicebox gesprochen. Dann war Schweigen. Bis eine Woche später jemand mir eine Mail schickte, aus der hervorging, dass man davon ausgehe, dass sich das Problem von selbst gegeben habe.
Wie man darauf kam, hat sich mir nicht erschlossen, denn es kam weder ein Upgrade der Software noch sonst irgendetwas bei mir an. Auch ist Software der kostenlosen Art in der Regel nicht selbstreparatur-fähig.
Jedenfalls bin ich dann etwas ausfällig geworden, so per Antwort-Mail.
Heute dann war wieder eine Mail da- man bedauere, dass ich Probleme hätte (mit ihrem Produkt. Was anderes zu schreiben haben sie sich wohl nicht getraut). Und ich möge ihnen bitte sagen, wann man mich erreichen kann. Nun gut. Ich würde Hoffnung schöpfen, wenn nicht die letzten 17 Kontakte auch so angefangen hätten.
Drückt mir mal die Daumen.