Mittwoch, 28. Mai 2008

Fragen Sie Frau Lily- Teil eins

Geehrte Fragende, lieber Falcon,
weit wandert der Ratsuchende durch die Irrtümer der Wüste...öhm, Wüste der Irrtümer. Aber verzaget nicht, denn Hilfe eilt herbei!
Folgende Frage wurde gestellt:

1. Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, ein Damennachthemd hübsch zu falten?

Nun denn.

Zunächst gilt es zu unterscheiden, zu welchem Zweck es denn zu falten ist?

1. Um es in den Schrank zu legen, sind im Grunde nur wenige Handgriffe erforderlich.
Man legt es mit der Vorderseite auf eine glatte Fläche, fasst mit einer Hand den Punkt, an dem die Schulternaht auf den Ärmel trifft (falls ärmellos nimmt man statt dessen den höchsten Punkt des Trägers) und mit der anderen Hand den Punkt, an dem die betreffende Seitennaht den Saum trifft. Die sich zwischen den Händen befindliche Seitennaht mit der gedachten Verlängerung "durch" den Ärmel legt man auf einer ebenfalls gedachten Mittelsenkrechten (Ausschnitt->Saum) ab, und verfährt mit der anderen Ärmel-Saum-Linie ebenso. Dadurch erzeugt man ein rechteckiges Gebilde. Je nach Länge des Nachthemdes sowie angestrebter Zielgröße faltet man dieses noch einmal oder zweimal quer, und voilà. Umdrehen nicht vergessen.

2. Soll es einladend ein Kopfkissen schmücken, bestreut man es nach den Schritten zu 1. mit Rosenblättern, wobei hier allerdings die Frage gestellt werden muss, warum überhaupt ein Nachthemd?

3. Will oder soll es verschenkt werden, so empfiehlt es sich, streng auf die Zielperson zu achten.
Man unterscheidet da folgende Personenklassen:

a) Ältere Verwandte (Inkl. Groß- und sonstige Mütter, sowie Getante aller Couleur)
Damen, die sich Gedanken über die Füllung des Portemonnaies (Portmonä?) des Schenkenden machen, überreicht man es, in dem es wie unter 1. dargestellt, zunächst zu einem flachen Brikett gefaltet, und hernach in möglichst schlichtes Papier gewickelt und, sofern Frivolitäten angebracht erscheinen, mit ein wenig -gern auch bereits gebrauchtem- Geschenkband geschmückt wird.
(Ich fürchte, ich habe die Übersicht über den letzten Satz verloren. Macht nichts, der gute Wille zählt.)
Die Sorte Verwandte, die es durch Aufwand zu beeindrucken gilt, bezieht ihre Nachtwäsche gern aus Geschäften mit renommiertem Namen. Dort sollte man das Nachthemd dann sowohl falten als auch in einer möglichst kostbar aussehenden Schachtel verpacken lassen.

Vorsicht! Bei Erbtanten kann das schiefgehen. Unter Umständen kommt dieselbe zu dem Schluss, dass das sorgsam bewahrte Vermögen nur in Nachtwäsche mit teurer Umhüllung investiert zu werden droht, und ändert ihr Testament.

b) Soll es ein Geschenk für die Frau Gattin werden, so sollte, Sparsamkeit im Alltag hin oder her, keine Knickrigkeit herrschen, sondern vielmehr Üppigkeit. Der Anblick eines Flanellhemds in aufgebügeltem Papier, mit nur schlecht abgepultem Klebeband daran, wird eins nicht auslösen: Ein entzücktes Aufstöhnen, gefolgt von einem gehauchten "Geiz macht GEIL".
Auch hier empfiehlt sich daher die Verpackung durch hierfür geschultes Personal, welches auch gern die Faltung übernimmt.

c) Für die Nebenfrau? Nun. Brauchts da ein Nachthemd? Die Dinger heißen dann Negligé, und werden -vielleicht von einem Floristen des Vertrauens- in ansprechender Form gern in einem Strauß Rosen "verpackt". Tipp: Bar bezahlen. Kontoauszüge oder Kreditkartenquittungen neigen dazu, gefunden zu werden.

4. Bei Kindern rät Frau Lily eindeutig von der Schenkung von Nachthemden ab. Sollte dies unvermeidlich sein, so hat das Nachthemd vermutlich bereits durch die Wahl eines geeigneten Farbtons (Pink, oder Rosa, oder so) gewonnen. Man kann es jedoch auch wie folgt falten: Zunächst durch die Handgriffe unter 1. die rechteckige Form erzielen. Dann dieselbe jedoch nicht durch Falten in die gewohnte Fußmattenform bringen, sondern über die Schmalseiten aufrollen. Rechts und links jeweils mit einer Schleife (in Pink?) schmücken und als Bonbon anbieten.

Wenns schnell gehen soll, noch folgender Tipp:
Es geht zwar um T-Shirts, aber das kann man auch mit Nachthemden machen.

Sayonara

Lily

Kommentare:

stephen hat gesagt…

Es muss der grosse Tucholsky gewesen sein, der (natürlich auch) zum Thema Nachthemd seinen Senf abgab, etwa in der folgenden Form (die Reihenfolge sowie der exakte Wortlaut können abweichen, kann es aber gerade nicht nachschlagen)

Frau, nicht allein: Nachthemd
Frau, allein: Pyjama
Mann, nicht allein: Pyjama
Mann, allein: Nachthemd

Seit seinen seligen (?) Zeiten scheint sich doch einiges geändert zu haben.

Lily hat gesagt…

Und es war ein ungenannt bleiben wollender Grußkartentexter, der schrieb:
Wie wäre die Welt ohne Männer? Voller glücklicher Frauen in kochbarer Unterwäsche.
Da ist was dran. So ein String, der scheuert :-)
Tucholsky rules.
Lily

Falcon hat gesagt…

Da danke ich doch aufs Allerherzlichste.
Ich werde die Kombination aus 1 + 2 versuchen.

Uschi hat gesagt…

Mein neklischee ist ein altes T shirt und elastische cotton sweat pants...jahrzehntelang bewaehrt!

Lily hat gesagt…

Viel Glück @ Falcon :-)

@Uschi: Nachthemden als solche find ich genau so wenig prickelnd- entweder, man kann drin schlafen, dann sind sie langweilig, oder sie sind nicht langweilig, dann überleben sie acht Stunden Schlaf nicht, oder sie kratzen, oder man wacht morgens auf und hat sie um den Hals gewürgt.
Kann sich außer mir noch wer an Baby Dolls erinnern? Mit kratziger Nylonspitze, Ende der sechziger? Herrje. So ein Müll...
LG
Lily

stephen hat gesagt…

Nachtrag zu Tucho: Weltbühne vom 24.05.1932 ("Schnipsel").

@lily: Nicht nur Strings scheuern. Aber sie machen Proktologen glücklich (weil nicht arbeitslos). Die Kratzspitze von damals (die Oberflächenversiegelung dazwischen war auch nicht viel besser) scheint aber wesentlich besser vertragen worden zu sein.

@uschi: die XXL-Fußballhemden kommen bestimmt auch wieder.

Ansonsten: Wäsche, und Nachtwäsche im besonderen, folgt doch eigentlich (außer im Falle des Alleinseins) immer der Regel "Bedecken hofft auf Entdecken" ;-)

Lily hat gesagt…

@Stephen: Nicht nur die Proktologen erfreuen sich am String, auch der gemeine Gynäkologe stockt seinen Vorrat an Medikamenten auf, die gegen eklige Infekte helfen. Und reibt sich die Hände, vorzugsweise nach Applikation eines Desinfektionsmittels.
Und ich werde jetzt etwas anziehen, was besser bedeckt bleibt, und dann hoffentlich gut schlafen. Ohne Kratzen, Schwitzen, oder mörderische Attacken des Nachtgewands.

Lily