Freitag, 21. März 2008

wtf???

Der erste Vorschlag zur Diskussion eines kontroversen Themas ist eingegangen: „Witwenverbrennung pro und contra“.

Jedoch habe ich entschieden, von einer Erörterung Abstand zu nehmen, erstens, um entsprechenden Interessenverbänden die Mühe zu ersparen, sich Hass-Mails auszudenken, und zweitens, weil mir nicht wirklich was dagegen einfällt. Mal ehrlich. Den Rentenkassen ginge es besser, Wartezeiten in Pflegeeinrichtungen würden jäh verkürzt, und endlich würde sich die Differenz zwischen Lebenserwartung von Frauen und Männern einander annähern. Das Statistikerherz würde aufjauchzen, denn ein so krasses Ungleichgewicht macht keine wirkliche Freude.

Inzwischen hat das Faktum der längeren Lebenserwartung von Frauen bereits in den Alltags-Sprachgebrauch Eingang gefunden, denn, so meine Mutter: „Wenn einer von uns beiden (gemeint sind sie und ihr Ehemann, Anm. d. Red.) stirbt, was mach ich dann mit dem Garten?“


Statt dessen würde ich lieber darüber schreiben, warum Murphy’s Law sich immer wieder als stabiles Naturgesetz erweist. Warum zum Beispiel gehen Handy und Computer immer gleichzeitig kaputt? (Dass mein Rechner derzeit gerade mal so eben läuft, ist nur meiner Hartnäckigkeit zu verdanken, und nicht etwaiger überlegener Technik- ich hab so lang auf ihn eingeprügelt, bis es ihm sinnvoller erschien, endlich die Bits in Bewegung zu setzen.)

Und warum passiert so was immer dann, wenn die Kasse leer ist? Wenn also, die Stromrechnung mal außen vor gelassen, Autoversicherung und Studiengebühren gleichzeitig fällig werden?

Wobei man dieses Phänomen etwas relativieren muss, denn es gibt de facto keinen passenden Moment, in dem ein Computer kaputt gehen kann. Meiner zumindest nicht, denn ich kaufe nichts Neues, solange das, was vorhanden ist, noch ein Lebenszeichen von sich gibt. Was zu bemerkenswert veralteter Hardware führen kann. In meinem Fall ein immerhin 1,04 Ghz „schneller“ Prozessor, der bereits bei seiner Übersiedlung in meinen Tower einige Jahre auf dem Buckel hatte.

Das habe ich dem Al-Kaida-Netzteil zu verdanken, das in der Minute, in der Word of Warcraft installiert war (anno Schnuck, 2005 im Frühjahr) ein Selbstmordattentat verübt und den gesamten Rechner mit sich in den Tod gerissen hat.

Zunächst hatte ich das Problem für einen kaputten Netzschalter gehalten, und da es solche Schalter (natürlich) nicht einzeln gibt, habe ich einen neuen Tower gekauft, und zwar ohne Netzteil. Es hat mich Überredung gekostet, dem Typ am Tresen eines aus dem Kreuz zu leiern, aber er gab irgendwann auf...

Zu Hause angekommen, habe ich die Innereien aus dem alten Gehäuse aus- und in das neue eingebaut. Ein Druck auf den Ein-Schalter ergab ein durchdringendes Brutzelgeräusch, gefolgt von intensivem Geruch nach Ampère.

Ein paar Minuten später habe ich den Typ hinterm Tresen wieder gesehen. Er hat sich das Grinsen verkniffen, das muss man ihm lassen.

Nach erfolgtem Umbau des neuen Netzteils in das neue Gehäuse musste ich dann nochmal los, um

a) neues RAM,

b) eine neue Platte und

c) eine neue Grafikkarte zu kaufen.

Selbstmord-Attentat, ich sags doch.


Für ein neues Mainboard hats dann nicht mehr gereicht, und ein mitleidiger Kumpel meines Sohnes hat mir eines überlassen, das aus dem alten Rechner seines Bruders stammte. Das hab ich heute noch.

Das „dauert-nicht-lang“-Installieren von WoW hat dann von morgens um 11 bis nachts um eins gebraucht. Denn eine neue Platte und so bedeutet natürlich auch, dass man auf die Jagd nach der XP-CD gehen musste. Zum Glück hat die den Installations-Key auf der Rückseite der Verpackung abgedruckt gehabt, sonst würd ich heut noch suchen.

(Zudem wollte dieses dämliche Technikteil immer, dass ich Treiber für die Netzwerkkarte aus dem Internet ziehe- wo ich doch nicht ins I-Net kam, solang ich keine Treiber hatte. Das nennt man ein Dilemma, liebe Leute.)

Im Moment vermute ich die Fehlerquelle in besagtem Mainboard, weil der Rechner meist nur bis zum Logo des Brett-Herstellers führt, und der Fehler mit ziemlicher Sicherheit temperaturabhängig ist. Ist der Rechner eiskalt, so fährt er zwar hoch, aber meist hängt irgendein Teil der Peripherie, Maus zum Beispiel, WLAN-Antenne oder sowas.

Ein Herunterfahren klappt dann nicht, und nach dem Ausschalten und Neustarten bleibt er hängen und sagt mir nur, dass die Boards dieses Herstellers wunderprächtig und die besten sind.

Unnötig zu erwähnen, dass ich anderer Meinung bin.

Inzwischen hab ich einen Trick, der oft genug funktioniert, nämlich ihn solang im Mainboardlogo hängen zu lassen, bis er (vermutlich) halbwegs betriebswarm ist, dann läuft die Boot-Routine nämlich irgendwann an.

Es ist trotzdem ärgerlich, und ich seh schon kommen, dass Ersatz nötig ist. Ich graule mich nur davor, alles mögliche neu kaufen zu müssen, denn Hardware-technisch ist so einiges geschehen in den letzten Jahren. Neue Architektur, die oft auch den Neukauf anderer Teile fordert. Vielleicht sind RAM, Grafikkarte und Platte noch verwendbar, sicher bin ich mir da nicht. Ein ähnliches Problem beim Rechner meines Sohnes vor einem halben Jahr hat einen Neukauf billiger gemacht. Trotzdem hab ich die Kohle definitiv nicht, und werde daher am Dienstag mal bei unserer EDV-Abteilung nachfragen, ob die in der nächsten Zeit irgendwo Rechner austauschen. Die da ausgemistet werden, sind immer noch neuer als meiner. Und zum Ausschlachten gerade richtig. Drückt mir die Daumen! Oder schenkt mir 400 €. Der Rest ergibt sich dann schon von selbst :-)

Natürlich brauche ich nicht WIRKLICH einen Computer. Aber wer braucht den schon?


Ach ja, und der Akku vom Handy geht auch in die Knie.

Fuck.






Donnerstag, 20. März 2008

Verschiedenes, darunter Spuk und Freitage


Ich hab mal in einem Spukhaus gewohnt. Da gab es zwar keine umkippenden Möbel, aber dafür eine Atmosphäre, die einem das Mark in den Knochen gefrieren ließ, und ich kannte den Geist mit Vornamen. Nicht wahr, Ursula Josephina? Auch nach 10 Jahren schwöre ich, bei allem, was mir heilig ist (nicht vieles, aber dafür ist es sehr heilig) dass sie da war. Dass sie mir übel nahm, ihren Platz eingenommen zu haben. Sie saß auf meiner Schulter und kritisierte. Nörgelte, meckerte, maulte, tagein, tagaus und ich konnte ihr nichts recht machen.

Sieben Jahre habe ich das ausgehalten, dann war Schluss mit dem bösen Spiel.

Als ich längst woanders wohnte, bin ich noch einmal zurück gekehrt, weil angeblich eine Überschwemmung in dem Haus war, nach einem Starkregen.

Noch heute glaub ich, dass es nicht das Regenwasser war, das sich im Keller gesammelt hat, sondern Tränen des Zorns, weil ihr Opfer ausgezogen war und wir sie alle allein gelassen hatten. Ich hatte ausreichend Gelegenheit, mit ihr zu reden, während ich den Keller trocken gelegt hatte, denn der Besitzer des Hauses (mein baldiger Exmann) blieb, wie immer zu dieser Zeit, leider im Stau stecken und kam erst dazu, als alles erledigt war.

Ich habe ihr meine Meinung gesagt. Dann habe ich meinen Schlüssel durch den Briefschlitz geworfen und bin gegangen.


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Was mir heutzutage das Blut stocken lässt ist mein Bildschirmschoner mit Soundtrack.

Wenn der sich einschaltet, hört man einen Mann sich räuspern. Ich bin meist allein in der Wohnung, und manchmal lasse ich den Rechner an während ich eben das Bad putze oder so. Es fällt mir oft bald der Lappen ins Klo, wenn plötzlich im Arbeitszimmer jemand hüstelt. Das passiert immer und immer wieder, und jedes Mal erschreck ich mich beinahe zu Tode.

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Nachdem ich bei einer anderen Bloggerin gelesen habe, dass eine pointiert vorgetragene Strittigkeit (braucht jemand ein neues Wort? Anfragen bitte an die Redaktion) einem schnell viele Leser eintragen kann, egal wie ausgewogen und wunderprächtig der eigene Blog sonst ist, und egal, wie poetisch das eigene Denken zu sein pflegt, überlege ich verkrampft, welche gemeine, ruchlose Lüge ich hier verteidigen könnte. Hat jemand eine Idee? Salamivergiftung als lange von der Metzgerinnung vertuschte Todesursache? Irgendeine Urban Legend, die ich behaupten kann, selbst erlebt zu haben? Keiner mit Spinne-in-Yucca-Palmen-Erfahrung?

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Noch n Gedicht


Es hast, es grünt, es ostert sehr,

es schießen wild die Knopsen*

und in der Wiese grünem Hain

sieht man Kaninchen hopsen.


Die Sonne scheint, die Wolke eilt

die Bächlein ringsum brausen,

und von dem ganzen Märzenscheiß

kriegt manchereins das Grausen.


Das Jahr vergeht im Schnelldurchlauf

an einem einz’gen Tag

und -Frühling hin und Frühling her-

das ist, was ich nicht mag.


Morgens Reif auf Autoscheibe,

Winterreifen, Heizung warm

Gegen Mittag Tropenhitze

um zwei dann Unwetter-Alarm.


Ist das jetzt das Klima-Chaos?

Liegts an mir, dem Umweltschwein?

Oder ist das schlicht und einfach

der April, nichts obendrein?




Okay, ich geb zu, ich hab schon witziger gedichtet. Aber man beachte die Lautverschiebung in der ersten Strophe. Die mit dem Sternchen, die ist nämlich kein Tippfehler.

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Freitage kommen auch noch vor- oder sollten es. Bis mir dann klar wurde, dass mein Lobgesang auf den Freitag ein wenig verfrüht gekommen wäre. Wir haben nämlich erst Donnerstag.



In diesem Sinne. Schönen Tag noch.






Mittwoch, 19. März 2008

Liebes Bundesverfassungsgericht...

Danke.
Ein bisschen ist der Glaube an die Menschheit wieder hergestellt. Wenn auch nicht der in die Politikheit.

Dienstag, 18. März 2008

Recherche

Also, Kate ist nicht die einzige, die sich und mich gefragt hat, wie man über solche Artikel stolpert- und ich kann es sogar halbwegs zufrieden stellend rekonstruieren…

Es gibt auf der Wikipedia- Startseite eine Rubrik „Kürzlich gestorben“, die, wie die meisten Artikel und Rubriken auf der Seite mit einem „mehr!“-Link versehen ist. Dieser Mehr-Link führte zu einem Artikel, der mit Nekrolog, also „Grabrede“ oder „Nachrufe“ überschrieben ist- und der „siehe auch“ Verweis auf den Nekrolog für Tiere hat dann meine Aufmerksamkeit erregt. Neben Juwelen, wie dem, dass irgendwann die Bordkatze der „Bismarck“ starb fand sich dort auch der Bericht, den ich dann verlinkt habe.

Alles klar soweit?

Einen schönen Tag,

Lily

Montag, 17. März 2008

*flatter*

Schon oft hatte ich das Gefühl, von kopflosen Hühnern umgeben zu sein. Meist legte sich das nach Abklingen der akuten Gründe für den Flatteranfall.
Man beachte jedoch diesen Artikel, über einen Hahn, der nach dem "Schlachten" noch 18 Monate "gelebt" hat.
Jetzt ist mir übel.

Sonntag, 16. März 2008

Neulich auf dem Friedhof...





Das war bei dieser Gelegenheit.

Frühstück auf dem Balkon?

Ich schwöre, der Müllsack ist blau.

Samstag, 15. März 2008

Nachtrag.

Über Haushalt.

Der Frühling wirft seine Schatten voraus. Zumindest wenn die Fenster, durch die die Sonne scheinen will, eine gewisse, naja, nebelartig zu nennende „Beschichtung“ angenommen haben. In diesem katzenhaltigen Haushalt bewegt sich die Zahl der Gardinen in von den Tieren bewohnten Räumen gegen Null. Nichts, das den Blick von den grauen Hinterlassenschaften des Regens ablenkt.

Zeit, die Sch... Dinger zu putzen.

In meiner alten Wohnung war Fensterputzen eine größere Aktion, da die Dinger irre hoch in der Wand saßen, ziemlich viel Fläche aufwiesen und zudem sämtlich Oberlichter hatten, die ungefähr in 3,80 m Höhe endeten. Was „Leiter“ bedeutete. Und wer mich kennt, weiß, dass „Leiter“ und ich zwei Dinge sind, die auch mit viel Wohlwollen nicht an einem Strang ziehen. (Das nächste, was sortiert werden muss, sind meine Metaphern.) Jedes Fensterputzevent in der früheren Bleibe endete mit mir, an die Scheibe gepresst wie eine Stubenfliege, in (für mich) schwindelnden Höhen, nutzlos (und ziemlich blind) über Kopf am Oberlicht herum feudelnd. Ich schwöre, ich hab immer erst dann wieder Luft geholt, wenn beide Füße auf dem Fußboden waren.
Da, wo sie hingehören. Und das Oberlicht im Bad, das ich nur hätte erreichen können mit einem Fuß auf dem Klodeckel und dem anderen auf dem Badewannenrand (hallo Unfallversicherung! Nice to meet you!)- das hab ich in sechs Jahren nicht ein einziges Mal geputzt, und es voller Befriedigung der Abrissbirne überlassen, als seine Zeit erreicht war. Heute ist an der Stelle ein tiefes Loch. Das hat es jetzt davon.

Der Charme des Altbaus.

Heutzutage ist das ganze Drama eine Sache, die in 7 Minuten abgehakt ist. Ganz ohne Seil und Klettergeschirr und 3-Meter-Leiter. Das nervtötende Abräumen der Fensterbank entfällt, da Blumen die gleiche Lebensdauer haben wie Gardinen, nämlich ungefähr 20 Minuten ab Kenntnisnahme durch einen meiner befellten Innendekorateure.

Also: Zimmer betreten, Viecher raus schmeißen, Türe zu und an die Arbeit. Tür auf, nächstes Zimmer.

Das geht gut! Das geht SO GUT!!! Das ist eine reine Freude!

Bis. Ja, bis.

Bis das Wohnzimmer dran ist.

Da sind nicht nur die Fenster größer, sondern an denen ist auch ein Balkon angebracht. Und obwohl ich letzte Woche an das (schmutzige!!) Fenster ein bisschen Deko gepinnt, gehängt und geklebt habe, ist dieser Balkon keinesfalls zu übersehen, enthält er doch das, was der Fachmann Biomasse nennt. Außerhalb der anderthalb Pflanzgefäße, die dort ihr trauriges Dasein fristen. Selbst die Fußmatte lebt, und zeigt- Gewächse. Gras, Unkraut, whatever.

Zudem findet sich ein Sortiment gemischter Güter (liegt nur daran, dass ich keinen Keller habe), ein paar Balkonmöbel sowie drei Katzencontainer. Das alles ist garniert mit abgeworfenen Blüten der Japankirsche vorm Haus, sowie einigen Nussschalen (ich weigere mich, über deren Ursprung zu mutmaßen). Ach ja: Eine Schnecke war auch da. Vermutlich eine Mutation mit Flügeln, die abfallen, sobald sie sich auf dem Balkon häuslich niedergelassen hat.

Wenn man dieses Fenster putzt, sieht man den Balkon von drinnen. Andererseits: Seit die Stürme in den letzten zwei Wochen auch an diesem Haus vorbei kamen, hat sich der Sichtschutz achselzuckend davon gemacht, zumindest teilweise, und man kann das ganze Elend auch vom Hof aus sehen.

Geseufzt, getan. Mit zwei Müllsäcken, mehreren Eimern, Kehrblech, Handfeger, Putzmittel, Gießkanne, chemischer Keule und viel Augen-zu-und-durch bin ich zur Tat geschritten.

Und was soll ich sagen...

Lily : Balkon 1:0

Ich hoffe, ich habe dem Grünzeug einen gehörigen Schrecken eingejagt. Und Montag kaufe ich was gegen die Algen.

Wenn einer weiß, wie ich das Gras dauerhaft aus dem Kiesrand und zwischen den Platten weg kriege, ohne meine Wochenenden auf den Knien zu verbringen: Bitte, ich höre!




Und was habt ihr nun gemacht am Wochenende?





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Nachtrag:
Die open-source-Textverarbeitung, die ich nutze, hat das Wort "Wohlwollen" nicht erkannt. Stattdessen hat sie folgende Alternativen angeboten:
Wohlrollen

Wohlpollen

Wohlwellen

Wohlwillen

Wohlwallen

Wohlwällen (wtf?)

Wohlwolken

ah ja.

Da sag noch einer, Computer sind unkreativ.

Aber das beste kommt noch:

Der Ersatzvorschlag für Fensterputzen war...



Fensterputen.

Und was macht Ihr am Wochenende?

Freitag, 14. März 2008

Bücher und andere Hobbies

Ich bin ein Lesefreak, und war das schon immer.
Zurzeit bin ich gerade dabei, einige sehr geliebte Bücher zusammenzusuchen, die irgendwie den Sprung in mein Erwachsenenleben nicht gefunden haben (d.h., sie sind weg. Weiß der Himmel, wohin.)
Manche will ich nur haben, um festzustellen, ob ich sie zu Recht geliebt habe, wie zum Beispiel „Der Elefant im Porzellanladen“, von Rolf Ulrici, das habe ich als abgedreht und wortgewandt in Erinnerung.
Ich hab es gefunden, für einen Cent auf Amazon.de. Und morgen werde ich es lesen.

Ich suche aber noch „Die Fährte des Herrn Laberdan“, von Ann Philippa Pearce, übersetzt von Ursula Bruns (ja, die Immenhof- und Dick-und-Dalli- Bruns). Ich würds auch auf Englisch lesen, kein Problem- aber entweder ich bin zu blöd um es herauszufinden oder das Internet weiß tatsächlich nicht, welches englische Original von Mrs Pearce dem Buch zugrunde lag. Die deutsche Ausgabe ist 1958 bzw. 1959 erschienen, und zwar bei Herder. Soweit ich mich erinnern kann, ging es um zwei Jungs, die zusammen auf Schatzsuche gehen, um den Verkauf eines (von einem von ihnen?) bewohnten Hauses zu verhindern.
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UPDATE:
Ich hab es auf Englisch gefunden. Und gelesen. Und mich trotzdem sehr gefreut, dass ein aufmerksamer Leser (danke schön auch!) mich noch einmal darauf hingewiesen hat.
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Ich habs als Suchbuch bei Amazon eingestellt, aber wenn irgendwer in den Weiten dieses Netzes weiß, wie der Originaltitel lautete oder wo ich die deutsche Übersetzung her kriegen kann, wäre das sehr schön. Anyone? No?
Ich habe es selbst nie gehabt, sondern nur als Büchereibuch ausgeliehen. Leider ist die Bücherei mittlerweile aufgelöst, so dass ich auf diesem Weg auch nicht daran kommen kann. Wohin die alten Bestände entsorgt wurden, kann mir keiner sagen.
Ganz falsch und daneben kann mein kindlicher Buchgeschmack nicht gewesen sein, denn Mrs Pearce ist auf der Top-50-British-Authors- Liste der Times gelandet, auf Platz 24.

So please, help me...

Donnerstag, 13. März 2008

Öfter mal was Neues

Was Neues. Toll, wirklich. Was Frisches, noch nie da Gewesenes, was Ungewohntes.
Wessen Freu-Zentrum legt da nicht Sonderschichten ein:

Lest selbst:

1. Mein neuer Sport-BH. Triumph Trio-Action. “Wenn ich groß bin, werde ich eine kugelsichere Weste“
Mit ihm bin ich sehr zufrieden.

2. Gestern, neu und bisher einmalig, habe ich meine Pumpe zu Hause vergessen.
Einfach so. Zum Duschen abgelegt und nicht wieder dran gebastelt. Zum zeitweiligen Ablegen stellt man die Pumpe am besten ab, dann gibt sie regelmäßig ein Warnsignal von sich. Das hört sich an, als hätte man eine sms bekommen.
Bei der alten Pumpe kam dieses Signal in Form eines Piepstons jede Minute (was, je nach Grund für das Ablegen, reichlich nervig sein konnte). Die neue Pumpe sagt nur alle 5-10 Minuten was. Und ich muss das HaareföhnenZähneputzenKlamottenanziehen in einem piepstonfreien Intervall erledigt haben, anders ist das nicht zu erklären.
Gemerkt hab ich das im Büro, als ich was essen wollte und zu dem Zweck eine Insulindosis abschicken wollte. Das war gegen halb 12, und führte zu plötzlichem Feierabend (Mittwoch = halber Arbeitstag). Der gemessene Blutzuckerwert war ziemlich hoch, wenn auch nicht unmittelbar gefährlich.


3. Nicht genug damit.
Abends habe ich, da das Insulinreservoir in der Pumpe leer war und es auch sonst an der Zeit war, nicht nur ein neues befüllt und eingelegt, sondern auch einen neuen Katheter gelegt. Das muss regelmäßig sein, sonst kann a) sich an der Stelle, an der der Katheter liegt, eine lokale Resistenz bilden, oder b) die an dieser Stelle durchstochene Haut kann sich nach einer gewissen Zeit entzünden. Das will man nicht, also wird der Katheter regelmäßig gewechselt und an einer anderen Stelle ein neuer gelegt.
Katheter sollen nicht in Narbengewebe, Muttermale oder an Stellen, an denen die Kleidung scheuert gelegt werden. Soweit logisch, denn wie Narben oder Muttermale auf das Einstechen reagieren, weiß man nicht, man weiß auch nicht, wie das Insulin da wirkt. Dass die Kleidung nicht an der Stelle scheuern sollte erklärt sich von selbst. Ein Katheter kostet 13,50 €, da will man den auch nicht nach einer halben Stunde in der Jeans hängen haben.
Da es, wie gesagt, Zeit war zum Wechseln hab ich das getan.
Die Stellen, an denen ich den Katheter legen kann, sind nicht so furchtbar viele. Wie viele Frauen habe ich Dehnungsstreifen von der Schwangerschaft, und die werden als Narben betrachtet. Also bleibt eigentlich nur die Fläche vom Rippenbogen bis zur Gürtellinie. Das ist nicht viel.
Ergo hab ich eine Stelle gesucht, und den Katheter gesetzt. Der ist ein kleiner Schlauch aus Teflon, eingebettet in ein Kunststoffplättchen, welches sich auf einem Pflaster befindet. Das ganze appliziert man mithilfe einer Apparatur, in der das ganze auch verpackt ist. Auspacken, Schlauch abwickeln und an die Pumpe dranbasteln, mit Insulin füllen (damit es keine Probleme mit Luft gibt), Apparatur spannen, Pflasterpapier abziehen, Nadelschutz abpolken und die Apparatur auf die Haut setzen, auslösen. Sitzt. Apparatur wegwerfen. Fertig.
Kurze Zeit später den Blutzucker gemessen, war bei 138, was tolerabel ist. Schlafen gegangen.
Von halb zwei bis um viertel nach sechs fünfmal zur Toilette gegangen.
Grmpf. Das kann an verschiedenen Sachen liegen: Abends mehrere Liter Tee getrunken. Beginnende Blasenentzündung. Zu hoher Zucker.
Letzterer hat, neben der Rennerei zum Klo, noch die Angewohnheit, einen träge zu machen und eine gewisse Denkferne zu erzeugen. Man ist also nicht gerade der Blitzmerker, zumal die Uhrzeit auch nicht gerade die ist, zu der Mensch am fittesten ist.
Heute Morgen bin ich dann aus dem Bett gekrochen (anders kann man’s nicht nennen), hab das Katzenvolk gefüttert und bin dann auf der Couch gelandet, mit dem Messgerät in der Hand. Der Zucker war bei über 600 (was ein fröhliches „high“ als Anzeige bewirkt). Man fühlt sich beschissen, anders kann man’s nicht sagen.
Was war passiert? Abgesehen von einem Pumpenausfall (nicht vorliegend), konnte ich in meinem beduselten, übersüßten Hirn mir kaum etwas anderes vorstellen. Darum hab ich mir eine Großdosis verpasst. Und dann war mir auch klar, was passiert war: Das Kathetersetzen war schief gegangen. Die Apparatur, die den Teflonkatheter mittels einer Hilfsnadel in die Haut versenkt, hat das irgendwie nicht richtig gemacht. Unter dem Pflaster stak da nicht stolz im rechten Winkel ein kleines, beschichtetes Kunststoffschläuchlein in der Haut, sondern selbiges krümmte sich wie ein Wurm zusammen und stak nirgends.
Plus, es gelangte kein Insulin in den Körper. Die Großdosis führte dann dazu, dass das Insulin unter dem Pflaster hervorsickerte und sich als nasser Fleck auf dem T-Shirt zeigte. Die stündlichen Basalraten sind dazu zu klein, das bleibt unter dem Pflaster versteckt.

Das wirklich Gemeine ist, dass man mit zunehmenden Werten immer gleichgültiger und schläfriger wird.
Am Wochenende hätte das durchaus übel ausgehen können, wenn ich nämlich den Wecker nicht eingeschaltet gehabt hätte. Einfach immer weiter schlafen ist die leichteste Übung, wenn es um Blutzucker jenseits der 300 mg/dl geht.

Also demnächst keine Katheterwechsel mehr am Abend. Denn das kann schief gehen. Tagsüber auch, aber da ist man wach, und verschläft das Entgleisen nicht. Und man misst schon mal zwischendurch.
Ich bin immer noch schläfrig, und der Zucker geht nicht in dem Tempo zurück, wie ich es eigentlich erwarten würde. Aber der Katheter ist erneut gewechselt, inzwischen ist die fünfte Messung für heut gelaufen, und insgesamt hab ich wieder mal was Neues gelernt.

Dienstag, 11. März 2008

I’m walking- Teil zwei

Das Bundesverfassungsgericht scheint dieser Tage des Normalbürgers einziger Freund zu sein.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass das Kennzeichenfotografieren als staatliches Hobby mir bis dato entgangen ist. Da sieht man wieder, dass man seine Nachrichten anschauen sollte, wenn man auf der Suche nach Dingen ist, die einem als Brechmittel dienen können.
Und sag mir keiner, diese wüste Datensammelei diene irgendwelchen sinnvollen Zwecken.
Das glaube ich nämlich ganz einfach nicht. Und da wir in einem freien Land leben (gut, bis auf die Fotos, die man an jeder Ecke von uns macht und ansonsten bis auf weiteres), darf ich glauben, was ich will.
Jawoll.
Und bis dahin: Kapuze auf und LAUFEN! Ganz ohne Kennzeichen!
Ich würde auch eine Sonnenbrille empfehlen, fürchte aber, dass es demnächst ein Gesetz gibt, welches zwar exakt regelt, wo wer wann eine tragen darf, jedoch nicht, warum dies so ist. Und was mit denen geschieht, die einfach trotzdem eine tragen.

Wer überprüft eigentlich, ob die Politiker, die uns so was einbrocken, und die Abgeordneten, die so was abnicken,
a) wegen paranoider Wahnvorstellungen („Schauen Sie! El Kaida ist überall! Hilfe!!!“ „Nein, Herr Innenminister, da steht nur ‚EDEKA’!“)
oder wegen
b) diffuser und diverser Verflechtungen mit Überwachungsgerät herstellenden Firmen in den Ruhestand geschickt werden müssten?

Vielleicht ist es auch nur der Traum eines jeden absolutistischen Herrschers, zur Befriedigung seiner Machtgeilheit eine 24/7-Kontrolle zur Verfügung zu haben.
Dann sollte jemand (Wahlvolk? Hallo??) den Herren mal klar machen, dass hier schon länger zumindest nach außen hin Absolutismus nicht mehr up to date ist.
Je eher, desto besser.

Samstag, 8. März 2008

Preiswert Kochen



Da in meinem Portemonnaie chronische Ebbe herrscht, hab ich mich in letzter Zeit dazu veranlasst gesehen, etwas mehr auf die Preise von Lebensmitteln zu achten. Natürlich kann man überall nachlesen, dass man jahreszeitlich „passendes“ Obst und Gemüse kaufen soll, und auf Convenience- und Fertigprodukte verzichten- davon weiß man aber noch nicht, was man kochen soll, und wie man das möglichst günstig tut.

Ich bin ein Kind der sechziger Jahre, und meine Mutter hat in den fünfzigern Kochen gelernt. Richtig gelernt, so mit Hemdenbügelunterricht, und sie hat mir sowohl das Kochen als auch das Bügeln beigebracht- was bei mir eine unausrottbare Vorliebe für Eintöpfe und solche Dinge hinterlassen hat. Und eine Abneigung gegen Oberhemden.

Allerdings esse ich nur wenig Gemüse in gekochtem Zustand, lieber roh und als Salat, oder tatsächlich in Stifte geschnitten und mit einer Aioli vor dem Fernseher. Das ist nichts Erlerntes, eher was er-hasstes. Denn ich finde nichts ekliger als Gemüse in Mehlsoßen. Sorry, Mum.

Meine Alltagsküche ist einfach, und enthält keine kulinarischen Highlights, aber ich kann Kochen, und ich machs gern- und backen ist eines der Hobbies, für die ich keinen Anlass brauche.

Also ab heute in loser Folge ab und an mal ein Rezept für günstiges Essen, recht schnell zubereitet und für den Singlehaushalt etwas für die Vorratsküche.

Denn leider hat mein Versuchs- und Erprobungskochen als Jugendliche in einem Haushalt mit teilweise acht Personen stattgefunden, und bis heute hängt mir das in Form von zu großen Mengen nach.

Meist versuche ich, auf den Fettgehalt zu achten, und natürlich, wegen des Diabetes, ein Auge auf die Kohlenhydrate zu haben.


Alles klar? Los geht’s.



Das heutige Rezept ist allerdings keines von der schnellen Sorte.


Lilys Gulasch
Je nach Beilage für mindestens sechs gut essende Personen ausreichend- kann man gut einfrieren.

400 g Gulasch (je nach Geschmack Schwein, Rind oder halb und halb)

500 g Zwiebeln

500 g bunte Paprikaschoten

500 g Champignons

½ l Brühe oder Fonds

Salz, Pfeffer, Jalapeno-Sauce (oder Tabasco), süßen und scharfen Paprika

2 EL Tomatenmark dreifach konzentriert

eine Prise Zucker

Butterschmalz zum Anbraten


Vorbereitungen:

Das Gulasch ist meist in zu große Stücke geschnitten, die kann man kleiner machen- das verkürzt die Garzeit und spart Energie.

Die Zwiebeln schälen und in grobe Stücke schneiden, Paprika putzen und würfeln (nicht zu klein) und die Champignons putzen und vierteln.


Zubereitung:

Eine weite Pfanne erhitzen, das Butterschmalz darin auflösen, und das Gulasch (ggfs. portionsweise) anbraten, bis es ringsum gebräunt ist.

Die Zwiebeln hinzu geben, und mit dem Fleisch anschwitzen- sie sollen nicht bräunen, nur glasig werden und zusammenfallen. Jetzt salzen und pfeffern, und im Anschluss daran die Champignons hinein geben.

(Wer gern einen sehr pilzigen Geschmack haben möchte, sollte die Champignons noch vor dem Fleisch anbraten- das bewahrt das Aroma, und sie ziehen auch nicht so schnell Wasser.)


Das ganze eine Weile (30-45 Minuten) zusammen gut durchschmoren, bevor die Paprikaschoten hinzugegeben werden.

(Wer es nicht mag, wenn die weich sind, sollte sie erst 10-15 Minuten vor dem Servieren in das Gulasch geben- das ist knackiger, wenn auch das Paprika-Aroma sich nicht so gut verteilt.)

Jetzt Brühe oder Fonds dazu geben, das Tomatenmark und die Prise Zucker hineinrühren. Noch eine halbe Stunde köcheln lassen.

Mit dem Paprika und der scharfen Gewürzsauce abschmecken, und je nach gewünschter Konsistenz gegebenenfalls mit etwas Speisestärke binden.

Bei mir gibt’s dazu kurze Nudeln, Penne oder Farfalle, oder auch Klöße, und einen Salat.

Meist esse ich zwei Tage lang Gulasch mit einer Beilage, und friere den Rest dann in Portionen ein.


Die Kosten für das Gulasch liegen bei insgesamt knapp 9 €, sofern die Zutaten beim Discounter eingekauft wurden. Für Brühe, Salz, Gewürze, Tomatenmark etc. habe ich dabei in etwa 1,20 € berechnet, das hat man ja meist vorrätig, und benötigt keine ganze, neu zu kaufende Packung.

BE-Technisch ist nur die Speisestärke relevant, und aufgrund der geringen Menge, die auf die Portion entfällt, nicht berechnungspflichtig. Die Beilagen aber schon.

Pavor Nocturnis

Meine Oma väterlicherseits hat mir mal ein Buch geschenkt, als ich so ungefähr 8 oder 10 Jahre alt war. Es hieß „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ und war ungefähr - genau so.

Da gings um ein Mädchen, einzige Leibesfrucht einer sie allein erziehenden und dafür hart arbeitenden Mutter (ob „ein Kind der Sünde“ oder arme Waise entzieht sich zum Glück meiner Erinnerung), das mit einem Geigentalent gesegnet war.

Selbiges Kind unternahm eine Reise per Zug, woraufhin dieser entgleiste. Aus unerinnerlichen Gründen überlebten sowohl die Mutter als auch das hoffnungsvolle Talent, jedoch wurden sie in unterschiedlichen Krankenhäusern untergebracht und hatten sich somit verloren.

Die Mutter identifizierte die Überreste eines anderen Kindes als die ihrer Tochter, und, wen wunderts, eine oberflächliche Ähnlichkeit sowie größere Gesichtsverletzungen brachten die Mutter des anderen Kindes an das Krankenbett der verunfallten Geigenspielerin. Da diese an Gedächtnisverlust litt, musste sie wohl oder übel akzeptieren, dass da ihre eigene Mutter am Bett saß, und verließ im Fortgang der Geschichte das Krankenhaus, um mit dieser Frau weiterzuleben.

Diverse und diffuse Ver- und Entwicklungen später fanden sich die richtigen Angehörigen wieder. Zwischendurch spielte das Kind immer das einzige Stück auf ihrer Geige, an das sie sich erinnern konnte. (Jawoll, besagtes Lied, nach dem das Buch benannt wurde.)

Was mir insgesamt einige Jahre Alpträume verschaffte, überwiegend von der Zugunglück-Sorte. Aber dieses Lied jagt mir immer noch einen Schauer über den Rücken. Soviel sei verraten: Es ist wenig Angst bei diesem Schauer beteiligt.


Ein weiteres trauriges Element meiner Kindheit war Dracula, mit dessen Missetaten mich die große Schwester einer Freundin bekannt machte. Das war die Zeit, in der ich mir angewöhnte, stets die Bettdecke bis zu den Ohren hinaufzuziehen, damit eventuell nächtlich vorbeikommende Vampire ihre Zwischenmahlzeit würden woanders einnehmen müssen. Da ich mit drei Geschwistern in einem Raum schlief, war genug Auswahl da, und ich bin mir sicher, niemals gebissen worden zu sein. Wirklich! Da ich inzwischen einiges dazu gelernt habe, weiß ich, dass ich heute auch komplett unzugedeckt schlafen könnte, ohne mich in eine solche Gefahr zu begeben, denn wie jedermann bekannt ist, beißt Dracula nur junge, wollüstig geformte und aufreizend bekleidete Starlets, und keine 45 Jahre alten Singles in T-Shirts und ausgewaschenen Pyjama-Hosen. Wie mich das erleichtert.


Und dann waren da noch die Vulkane, von denen in unserer Straße einige auf einen Ausbruch warteten. Zuerst waren da nur Beulen im Asfalt, gefolgt von einem Riss, und einem verdächtigen kleinen Loch in der Mitte der jeweiligen Beule. Bevor der erste Vulkan jedoch soweit war, dass mein Notfall-Köfferchen (ein Schuhkarton mit meinen Lieblingsbüchern) zum Einsatz kommen konnte, hat mir irgendwer gesteckt, dass es sich nur um Bürgersteig zerstörende Baumwurzeln handelte.

Mist.


Es geht doch nichts über eine Kindheit in sinnlosem Schrecken.


Donnerstag, 6. März 2008

I’m walking

Yes, indeed.
Der Park in der Nähe meiner Wohnung hat mir bisher so überhaupt nicht gefallen. Irgendwie kahl, irgendwie trotzdem durcheinander und halt eben merkwürdig.
So ganz anders als der Wald und der Park, in denen ich sonst immer herumgelaufen bin.
Also habe ich monatelang, seit ich meine Neujahrsvorsätze ausgedruckt und an die Pinwand gehängt habe, mich ins Auto geschwungen (!) und bin zum „alten“ Park gefahren.
Letzten Sonntag dann, als ich so richtig unmotiviert war, hatte ich die Wahl zwischen zu Hause bleiben und unzufrieden vor mich hin zu schmoren, oder einfach loszulaufen. Das Auto zu nehmen kam nicht in Frage.
Vor der Tür dann die Entscheidung, links oder rechts zu gehen. Und in einem offenbar hellen Moment habe ich dann beschlossen, dass der Preis heiß und links die richtige Richtung ist.
Die vielen auf den Füßen verbrachten Stunden der letzten Monate haben dann auch ihre Wirkung gezeigt. Die erste Auswirkung, ein ungefähr verdoppeltes Tempo, hab ich registriert, als ich den Ort erreicht habe, wo ich sonst umgekehrt bin. Früher habe ich für die Strecke eine halbe Stunde gebraucht, und mir taten schon die Füße weh- diesmal war ich nach 15 Minuten dort, gerade warmgelaufen und voller Motivation, mehr zu sehen.
Also bin ich nicht umgekehrt, sondern habe eine Abzweigung genommen, die ich noch nicht kannte, und bin im eigentlichen Park gelandet, in dem es mir wirklich gut gefallen hat.
Auch dieser Teil ist anders als der Park, der mir seit Kinderjahren vertraut ist, ohne die Durchblicke und sich plötzlich öffnenden, weiten Flächen. Dichter bepflanzt, und mit einem anderen gärtnerischen Anspruch, so kam es mir zumindest vor.
Aber sehr sehenswert, summa summarum. Leider hat meine Kamera vor einigen Wochen den Geist aufgegeben, und ich hab bisher vergebens versucht, sie wieder zu beleben. Sonst hätte ich jetzt ein paar Fotos eingestellt.
Das Laufen tut mir ungemein gut. So gut, dass ich es gezielt nutze, wenn ich merke, dass ich von irgendwelchen Gedanken und Grübeleien gefesselt bin, um den Kopf wieder freizubekommen. Diese Entwicklung ist deshalb so erstaunlich, weil ich nicht nur schnell Probleme mit den Achillessehnen habe, sondern auch mit Durchblutungsstörungen in der rechten Beckenarterie, die schnell mal für Schmerzen sorgen, oder für ein übles Taubheitsgefühl im rechten Fuß.Da die Blockade jedoch im Becken sitzt, ist der Gefäßdoc der Ansicht, dass sich wegen des vorhandenen Platzes leicht andere Blutgefäße bereit finden, die Arbeit der verengten Gefäße zu übernehmen. Das bedeutet Training, damit die Arterien sich entsprechend der benötigten Blutmenge zu erweitern lernen. Und offenbar scheint es zu funktionieren. Von dem Hinken nach hundert Metern bin ich inzwischen reichlich entfernt. Anderthalb Stunden konnte ich am Sonntag beschwerdefrei laufen, trotz diverser Walkingeinlagen (okay, nur wenn keiner hinsah, und auch ohne Stöcke). Drei kurze Strecken bin ich gejoggt. Jau, ich.
Sehr kurze Strecken nur, und wirklich unter Sichtschutz, und so langsam, dass ich genauso gut hätte auch weiter gehen können.
Aber immerhin.
Das Bein schmerzt nicht, die Achillessehne gibt Ruhe, was will der Mensch mehr?
Ach ja: Da war noch was… das Abnehmen. Ich sagte so was mal.
Es ist nicht nur das Laufen, es ist sicherlich auch der Verzicht auf meine alte Lieblingsdroge, den Käse.
Seit ich gehört habe, dass dieser Kasomorphine enthält, hab ich drauf verzichtet. Plötzlich hatte ich eine Erklärung dafür, warum ich nicht aufhören konnte, welchen zu essen, wenn ich einmal angefangen hatte. Zumindest hab ich mir das so eingebildet.
Jedenfalls ist das das einzige, was ich (abgesehen vom Laufen) geändert habe.
Trotzdem bin ich seit Mitte Januar um 8,5 Kilo leichter geworden. Stetig, hundert Gramm für hundert Gramm.
Kuchen gegessen hab ich trotzdem, und auch ab und zu ein Bierchen getrunken.
Komischerweise ist seither aber der Jieper auf Süßes beinahe weg, und ich habe richtig Spaß an vernünftigem Essen.
Und natürlich fällt mit jedem fehlenden Kilo auch die Bewegung leichter.
Heute ist Donnerstag, und ein langer Bürotag. Ich werde wohl trotzdem auf dem Nachhauseweg am Park anhalten und eine Runde spazieren gehen.
Und vielleicht wirklich am Sonntag mal versuchen, zu walken.
Wünscht mir Glück :-))

Sonntag, 2. März 2008

Yesterday


Derdiedas Posting von gestern hat mir abends noch einen üblen Flashback beschert: Der-immer -dabei-ist (oder, in diesem Fall, war) hat angerufen und meine Erinnerung an Textzeilen wachgerufen.

„Utopia onaniert im Seidenbette“ (Konstantin Wecker auf jeden Fall- aber war das „Es herrscht wieder Frieden im Land“ oder welches Lied?)

„Armer Staat

bittet um ne milde Gabe

denn all die Bunker für die Funker

und die Panzer für die Landser sind bestellt.

Armer Staat

bringt dich bald um deine Habe

denn wo die Pleite so total ist,

ja, da braucht man die totale Schnorrerei“ - das war -äh.- Liederjan? Zupfgeigenhansel? Keine Ahnung, hab ich verdrängt.


„Es geht die Lou lila

von Kopf bis Schuh lila

selbst das Dessous lila

ist das nicht schön!

Sie trägt das Hemd lila

wenn jemand kömmt -lila

macht sie die Lampe lila

beim lila Bett...“

auch einfach unsterblich, und in mir nicht mehr bekannter Autorenschaft- weiter hinten heißt es:

„Es kommt der Kanzler

nicht mehr in Modequalen,

seine Sandalen strahlen

ultra-violett...“

Das waren noch Zeiten. Da hatten wir noch einen. Einen Kanzler.


„Unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand

drum reiß auch du ein paar Steine aus dem Sand“


Ton Steine Scherben. Oh ja. Allerdings bin ich erst Jahre später zur ersten Demo mit Atac-Beteiligung losmarschiert.


Und erinnert sich noch wer an Bettina Wegner, die DDR-Gesandte für Betroffenheit und schlechtes Gewissen? Kein Cassettendeck, aus dem nicht „Sind so kleine Hände“ schepperte.

Gemischt mit dem holländischen Gewächshaus-Politpop der Marke BOTS:

„Alle, die gegen Atomraketen sind, sollen aufstehn“ hieß es damals.

Bleibt sitzen, Leute. Heute wird dafür eine 0180er Nummer eingeblendet, da kann man dann eine sms hinschicken, und wird gleich gezählt (und vermutlich vom ‘Bundesamt für Hacken und Mithören’ aufgeschrieben- inklusive Handynummer).


Ach, und Hannes Wader war auch da, damals in Bonn im Hofgarten.

An dem Tag (war das 1981? Ist das wirklich fast 30 Jahre her?) haben meine Eltern den ganzen Tag am Fernseher gesessen, weil sie wissen wollten, ob man mich schon in Handschellen und Fußeisen verhaftet hatte. Man hat nicht- es waren ein paar Leute zuviel. Hunderttausend oder so.

Heute, mit der Vorratsdatenspeicherung, hätte man uns schon von den Ortspolizisten einsammeln lassen können. Direkt an der Haustür, und damit hätte man gleich die CO2-Bilanz verbessert. Man denke nur an die vielen Busse, die NICHT hätten fahren müssen, wenn man die Jungs und Mädels frühzeitig abgefischt hätte.

Aber das zeigt ja schon, wie sich das politische Bewusstsein inzwischen geändert hat: An die CO2-Belastung hat damals noch kein Öko-Schwein gedacht. Alle haben nur egoistisch auf ihrem Demonstrationsrecht beharrt, und keinen Blick für größere Zusammenhänge gehabt. Ts, ts.

Und kein einziger Bus hatte einen Rußfilter.

Andererseits zeigt sich, dass man damals insgesamt noch etwas langsamer unterwegs war: Einige Mütter (die mir damals unvorstellbar alt vorkamen) sind mitgekommen, samt Handwagen, Thermoskanne und Rodonkuchen für alle. Heute würde so ein Mütterchen im biblischen Alter von vielleicht 50 oder so nicht mehr ohne weiteres mitrennen können, wenn die Demo in zeitgemäßem Laufschritt vorbei rast.


Der Untergang des Abendlandes, the end of the world as we know it, zeigt sich auch an anderer Stelle.

Einst war das Ruhrgebiet berühmt und bekannt für seine flächendeckend vorhandenen Handelsstützpunkte der maximalen Versorgung (aka „die Bude“).

Bei der Bude handelte es sich um ein eher schrömmeliges Etablissement, in dem meist ein Opa oder eine Oma dem Programm des ZDF entrinnen konnten, indem sie über Klümpchengläser, Noname-Filtertüten, abgelaufenem, vakuumverpacktem Kaffee und Eier zweifelhafter Haltbarkeit wachten, und dabei die Bevölkerung mit Kippen, Boulevardpresse und belegten Brötchen versorgten.

Keine Dosenchampignons für das sonntägliche Jägerschnitzel?

Gehste anne Bude.

Nur zwanzig Pfennig in der Tasche, aber Appetit auf Süßes? Kauf dir eine Handvoll Veilchenpastillen. Mausespeck, Super-Bum (so hieß dieses Kaugummi, mit dem wir uns die Milchzähne ruiniert haben doch, oder?), völlig vertrocknete Schaumzucker-Erdbeeren, die ‘Bravo’, loser Pfefferminzbruch, Magenbitter, ein Pilsken, you name it, you get it. Es war immer eine Traube Schulkinder vor einem dran, die alle für 30 Pfennig die halbe Bude kaufen wollten.

Und der Opa S., der die Bude an der Ecke hatte, hatte die besten Nylonstrümpfe ever. Unkaputtbar, in Farben, die tragbar waren, und nicht nur in diesem Gummistrumpf-Verwesungs-Braun.

Hatte man das Glück, so eine Bude in der Nähe einer Schule pachten zu können, konnte man schon mal den Ferrari bestellen. Oder wenigstens den neuen Kleinbus, für die Fahrt zum Großmarkt.

In der Nähe meiner Arbeitsstelle ist noch so ein Juwel. Die Frau, die dort verkauft, hat nicht nur Süßes und die Tagespresse. Nee. Die hat auch Schulmaterial. Karnevalskostüme. Spielzeug. Getränke. Brötchen, Teilchen, Zigaretten. Tabak. Feuerzeuge. Kaffee, Tee, besagte Filtertüten. Wurst, Käse, Schlüsselanhänger, Handy-Aufladekarten. Glühbirnen, Postkarten, Briefumschläge.

Ich glaube, vor Winterreifen schreckt sie noch zurück, aber nur, weil man auf 20 m² nicht so viele davon unterbringen kann.

Worauf ich hinauswill?

Hier, da wo ich zu wohnen beschlossen habe, gibt’s sowas nicht. Die nächste Bude ist über drei Kilometer entfernt. Die gesetzliche Regelung schrieb einst eine Bude alle 800 m vor... Oder so kam es einem vor. Wie sollte man sonst in geschwächtem Zustand an seine Frikadellen oder heißen Würstchen kommen?

Hier gibt es sowas also nicht. Und mein Tabak neigt sich bedrohlich dem Ende zu. Und es ist sieben Minuten nach sieben, an einem Sonntag morgen. Das heißt, dass ich gleich ins Auto steigen und zur Tankstelle fahren muss, Tabak kaufen. Denkt bei der Planung einer Wohngegend doch bitte demnächst an eine Bude, ihr Jungs und Mädels in den Stadtentwicklungsämtern. Das ist auch wichtig für die Öko-Bilanz. 3 km fahren, für ein Päckchen Tabak. Also bitte.

Oder schenkt mir ein Fahrrad, das auch fährt.



Samstag, 1. März 2008

Treibgut

Unbeantwortete Fragen


Warum sitzen meine Kater so gern in der Badewanne?


Warum holen sie immer den Kalender mit den Katzenbildern von der Wand, aber nie den mit den Müllabfuhrterminen?


Warum funktioniert auch der erneuerte Lichtwarner an meinem Auto nicht? Und warum vergess ich so oft, dass ich das Licht ausmachen muss? Warum zieht mir das verdammte Parklicht alleine (das was anbleibt, wenn der Blinker eingeschaltet ist) schon immer die Batterie leer?


Warum hab ich nur dann Lust, meinen Balkon aufzuräumen, wenn Sturmwarnung gegeben wurde?


Warum bin ich nicht früher draufgekommen, meinen Schreibtisch anders aufzustellen?


Warum stellt man so hirnlose Fragen, an einem Samstagmorgen um halb 10?



***

Ungeliebte Antwort.


Darum. Nur- darum.



Was eine genauso dumme Erwiderung ist wie die, die man als Eltern erschöpfend diskutierfreudiger 4-10-jähriger Kinder gern gibt:

"Weil ich das jetzt so will".

Das hilft nur gegen das Genervtsein. (Aber in manchen Stadien des Elternseins ist es das einzige, was vor einer Flucht in dünn besiedelte, kinderfreie Wüsten bewahrt.)

Eingedenk der Tatsache, dass es lang her ist, dass mein Sohn so jung war, frage ich mich, warum mir das jetzt gerade durch den Kopf schießt.

Die Antwort ist vermutlich "Darum."



Ein weiteres Rätsel:


Robbie Williams, und "Monsoon". Nach den meisten Internetressourcen die ich so finden konnte, singt er:

'so put your hands above the water, oh mushroom, monsoon-comes soon'

Das kann nicht wahr sein, es sei denn, irgendeine Slang-Bedeutung von mushroom ist mir entgangen.

"Oh Pilz"?? Echt? 'Monsoon, monsoon - comes soon' ergibt mehr Sinn. Andererseits hört man deutlich, dass er "mushroom" singt. Zum Mindesten auf "Live in Knebworth", und zwar beim 2. Refrain. Beim dritten bin ich mir nicht sicher.


Habt ihr früher auch am Cassettenrecorder gesessen (die Jüngeren am CD-Player:-) ) und mit Stift und Block in der Hand versucht, die Texte mitzuschreiben? Leider hab ich keine Mitschriften von damals mehr- wenn ich überleg, wie schlecht mein Englisch in der siebten oder achten Klasse war, müssen dabei amüsante Stücke Wortmüll rausgekommen sein.

Die Bänder wurden vom ständigen Zurückspulen auch nicht besser. Und das Band mit Nilssons "Can't live (if living is without you)" hab ich zwischendurch flicken müssen. Uhrmacherwerkzeug, Pinzette, Uhu. Cassettenhülle aufschrauben, Band wieder aufwickeln, verknitterte Teile glätten oder rausschneiden und wieder zusammenkleben. Ging ganz gut, bis auf ein Mal, da hab ich das Band verdreht und die Rückseite lag am Tonkopf an. Erbärmlich.

Und die rasche Betätigung der Aufnahmetaste wenn man Mal Sandocks "Diskothek im WDR" hörte, samstags und mittwochs abends, führte zu jeder Menge Bruchstücke, plus blödem Reingeschwafel vom Moderator.

So besorgte man sich früher die Musik, Kinders! Nix downloads.

Und dann wurde das ganze Zeug weitergegeben, indem man samt "Überspielkabel" bei der Freundin antanzte, und sich das, was man haben wollte, mittels komplizierter technischer Präparation auf die Cassette spielte. Nix High-Speed-Dubbing, das war da noch nicht erfunden. Auf jeden Fall nicht für uns.

War man richtig arm, hatte man kein Überspielkabel. Das erforderte dann den Einsatz eines Mikrofons. Nicht die Variante, mit der man Mücken husten hört, sondern die im Radiorecorder eingebaute Version.

*rauschknackknister* ...Waterloo- finally facing my Waterloo...*knatterhupTürenknall*

Kleine Geschwister wurden geknebelt und in den Bettkasten geräumt, sonst quatschten die dazwischen. Nur gegen Verkehrslärm konnten wir nicht richtig was tun. Sowie gegen hereinplatzende Mütter, die besorgt nachschauten, warum es plötzlich recht still im Kinderzimmer wurde.


Die Top-Ten-Hits konnte man textlich ergründen, in dem man so ein monatlich erscheinendes Heft (ich glaube, es hieß auch "Top") erwarb, und mit roten Ohren und dem Langenscheidt die Übersetzung in die Wege leitete. (Das Internet mit den Texten drin hab ich erst später erfunden.)

War man aber Fan einer Gruppe, die keine Top-Ten-Hits produzierte, oder fand man die Sachen schön, die nicht aus den LPs ausgekoppelt (und somit in den Single-Charts enthalten) waren, blieb einem nichts anderes übrig, als zu Block und Stift Zuflucht zu nehmen. Es sei denn, irgendwer hatte die LP gekauft, und es waren Texte drin abgedruckt. Meine Favoriten waren rot auf grün gedruckte Texte, die Augenkrebs verursachten. Oder weiß auf schwarz. Mit unscharfen Rändern bei den Buchstaben. Lecker.

Später, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, kamen dann Lieder mit deutschen Texten, die verstand man wenigstens. Leider verstand auch meine Mutter die Texte.


Ich zitiere "Witthüser und Westrup":


Nimm einen Joint, mein Freund

Let's spend all Leut Freud, mein Freund

Some people say Hasch makes lasch

But give me the joint....

If you are lying in your Bettgestell

And the horror is your Sleep-Gesell

And you have no Valium under the Kissen

Dann bist du ganz schön in den Arsch gebissen.


Herzerfrischend.


Oder Zupfgeigenhansel (da bin ich mir nicht ganz sicher- da gabs noch andere)


Ein Mönch kam in ein Nonnenkloster, hei-juchhei-

mit einem langen Paternoster

falleri, fallera,

mit einem langen Paternoster, falleri-era.

Und seinem Kling-klang-klonimus, Dominus...


So weit, so schlecht

Und so viel sei verraten: Das war nicht die NDW-Zeit. Sondern die Zeit, in der wir hinter der Turnhalle gekifft haben, oder im SV-Raum. Und der Drogenverbindungslehrer saß dabei, und hats nicht mal gerochen. Womit der im übrigen die Drogen verbinden sollte, ist mir immer unklar geblieben. Was härteres als Kiffen hab ich im übrigen nie gemacht- dafür bin ich zu sehr Kontrollfreak.


Jedenfalls hatte ich da das erste Mal Ärger wegen meiner Musik, und hab dann schnell zu Kopfhörern Zuflucht genommen. Es gab auch die elterliche Prognose, dass Kinder, die zu Franz-Josef Degenhardt gestillt werden, spätestens mit 13 in eine Kommune ziehen (so eine altmodische WG-Art, ihr Lieben). Und mit 17 bauen sie die erste Bombe. Na, da hat Mama aber falsch gelegen. Es sei ihr verziehen.

Mein Sohn hört Metal. Die Feinheiten politisch-radikalen Liedguts sind ihm immer fremd geblieben. Ab und zu spielt er mir was auf meinen mp3-player, damit ich nicht komplett vergreise.

Aber Texte hin oder her: Diese Sorte 'Protest'song war meist grottenschlecht, musikalisch betrachtet...und manchmal sehnte man sich schon nach Musik zum Entspannen und Durchdrehen.

Vermutlich bin ich deshalb heute bei Robbie Williams hängengeblieben, und kann altersgemäßer Unterhaltung nicht so recht was abgewinnen.


So. Draußen schüttelt der Sturm Emma die Büsche durch, hier drin ist gerade ein Katzenkampf ausgebrochen, und Robbie W. singt darüber, dass er was fühlen will. Ein schönes Wochenende euch allen.


Lily

Dienstag, 26. Februar 2008

Don't tango with a monkey.

Heute ist nicht mein Tag…
Ich bin um halb sechs wach geworden, mit einem Anfall von Tropenfieber, oder doch Hitzewellen?, und konnte nicht mehr schlafen. Das passiert öfter in letzter Zeit. Vermutlich liegts an den langen und ausgedehnten Reisen in Malaria verseuchte Gegenden.
Jedenfalls bin ich aufgestanden und hab einen Eimer Kaffee gekocht, und den Blick in den Spiegel unverzüglich bereut- denn dort sah mich nicht eine attraktiv-ausgemergelte Gestalt an, sondern eine, die gestern Abend dem dunklen Weizenbier und den Salzstangen erlegen ist. Und heute entsprechend aufgequollen aus der Wäsche guckt, wie ein auf der Heizung vergessener Klumpen Hefeteig. Grrrr.
Der Eimer Kaffee hats nicht wirklich besser gemacht, sondern nur den metallischen Geschmack in so was wie Instant-Übelkeit verwandelt.
Dann hab ich mich über eine Kollegin geärgert.
Das mache ich aber nicht hier ab, sondern mit ihr.
Der Kaffee im Büro (Eimer No.2) schmeckte abscheulich.
Die 2 Paracetamol zum Frühstück waren schon besser.
Mein Büro ist dunkel und schlecht belüftet, aber so klein, dass ein geöffnetes Fenster zu sofortigem Auskühlen führt. Es gibt nur die Möglichkeit zu heiß oder zu kalt, nichts dazwischen.
Okay, okay, ich habe schlechte Laune.



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Dieses Textverarbeitungsprogramm ist aufdringlich. Ich mag es nicht, wenn Software wohlwollend entscheidet, dass ich eine Nummerierung brauche, oder eine Rahmenlinie, was auch immer das sein mag. Oder wenn ein Programm ungefragt Updates zieht. Oder wenn mein Google meint, Updates „erfordern ein Tätigwerden“. Das reicht, mein liebes Google, danke schön, du kannst jetzt gehen!
Dafür hab ich das Internet nicht erfunden, Leute! Es gibt schon viel zuviel Realität, die ein Tätigwerden erfordert.



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Die Salzstangen (bzw. deren Verstoffwechselung) und der Eimer Kaffee sowie der halbe Liter Tee, den ich soeben konsumiert habe, erfordern ein Tätigwerden im Raum mit der Nummer 00.
Bereits das dritte Mal, seit ich heute hier bin.



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Kann mir wer einen Sport-BH empfehlen, der mir weder eine wurstartige Quertheke verpasst, noch mir die Luft abschnürt, und der trotzdem seiner Aufgabe nachkommt, nämlich heben und halten? Und zwar an Ort und Stelle?
Und mir vielleicht eine Methode erläutern, wie ich die Tauglichkeit eines solchen orthopädischen Apparates teste, ohne mich zum Gespött des Verkaufspersonals zu machen?
Mein letzter Sport-BH ist von Tchibo, und hat den Keine-Wurst-Bitte-Ansatz nicht verstanden.
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Gut, ich bin gereizt- hat wer was dagegen? Hä?

Sonntag, 24. Februar 2008

Wake me up, when September ends

Good morning, Ladies and Gentleman,


back on stage again.

Die Einquartierung ist beendet, das Objekt der Sorge wieder in seinen eigenen Haushalt zurückgekehrt.

Es waren interessante 14 Tage.

Wer bis dato mitgelesen hat, kennt ein bisschen was von meiner Biografie, und weiß, dass ich relativ früh Mutter geworden bin.

Nee, Moment, das ist falsch- ich hab ein Kind bekommen. Das mit dem Mutter werden ist was vollkommen anderes.

Das krieje mer später.

Mein Sohn hat eine chronische Krankheit, nämlich Epilepsie.

In keiner wirklich schweren Ausprägung, aber er hat sie.

Auch in nicht schwerer Ausprägung schränkt ihn das ein. Bis vor einiger Zeit hat er zur Behandlung dieser Erkrankung ein Medikament bekommen, dass ihn weitgehend anfallsfrei ließ, wenn es auch gravierende Nebenwirkungen hatte. Auch die Erkrankung selbst fordert eine gewisse Compliance, die vor allen Dingen bei jungen Leuten erhebliche Schwierigkeiten bedeutet.

Neben den Medikamenten, deren Hauptfolgeerscheinung eine schwer zu überwindende Trägheit und Müdigkeit ist, sollte er ein geregeltes Leben führen, immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen, pünktlich aufstehen, keinen Alkohol trinken, und Lichtreize meiden, wie zum Beispiel Stroboskoplampen in Discos, flackernde Monitore, den Flackereffekt von Bäumen neben der Straße bei tief stehender Sonne.

Echt prima, wenn man sowas verkündet bekommt, wenn man 16 ist.

Noch viel besser, wenn die eigene Mutter glaubt, man hätte das gefressen und gut ist.

Als erstes kriegte er damals einen 100-Hertz-Monitor, etwas später einen tft-Bildschirm, alles andere sollte sich sozusagen von selbst einrenken.

Von Zeit zu Zeit, in weiten Abständen, gab es einen Anfall, so ungefähr einmal in 2 Jahren. Nie in gefährlichen Zusammenhängen, also meist zu Hause, meist am Rechner (aufgrund von Übermüdung), denn er ist ein Sohn seiner Mutter, und in Bezug auf Computer steht „heavy user“ in seiner Bedienungsanleitung.

Meist stellte sich dann heraus, dass er nachgelassen hatte bei der Einnahme seiner Medikamente.

Es hätte mich stutzig machen müssen, und die einzige Entschuldigung für mich ist, dass ich das Wesen und die Auswirkungen chronischer Erkrankungen auch nicht so richtig begriffen hatte. Auch nicht, als sich herausstellte, dass mein Diabetes meinetwegen ab und zu aus dem Ruder läuft, denn wer denkt schon gern über eigene Anteile an unangenehmen Dingen nach.

Nun denn, im letzten halben Jahr ist die Anfallshäufigkeit gestiegen. Und trotz entsprechender Anregung von mir hat er offenbar keinen Doc besucht, weder seinen bisherigen hier vor Ort noch einen an seinem neuen Wohnort.

Auch die Folgeerscheinungen von Anfällen, wie Prellungen, Zungenbisse, schweren Muskelkater, stunden- bis tagelange Benommenheit haben ihn nicht dazu veranlasst.

Ich habs nicht für nötig befunden, einzugreifen- er ist erwachsen, nicht wahr?

Der letzte Anfall, vor 14 Tagen, hat dann nicht in seiner Wohnung stattgefunden, sondern auf offener Straße, und irgendjemand, ein anonymer Passant, dem ich sehr dankbar bin, hat den Notarzt gerufen, und er ist ins Krankenhaus gekommen.

Dort hat man nach 10 Jahren endlich wieder eine gründliche Diagnostik durchgeführt.

Und ihm ein anderes Präparat verordnet, das nach Angaben der Ärzte nicht mehr so müde und träge macht.

Was aber noch viel nötiger war als ein neues Medikament, war eine neue Einstellung bei mir.

Ich habe jahrelang eine Hands-off-Politik betrieben, aber mein Sohn ist kein Zootier, dessen wilden Charakter es zu erhalten gilt, sondern ein menschliches Wesen. Als solches braucht er Kontakte, und Austausch, und nicht nur Informationen.

Ich habe ihn mit nach Hause genommen, ursprünglich mit dem Vorsatz, ihn nicht eher wieder aus meinen Klauen zu lassen, bis er was gelernt hat.

Wie so oft, ist es umgekehrt gekommen, und ich hab was gelernt.

Dass wir nie miteinander geredet haben, zum Beispiel. Dass ich kaum was von ihm weiß, und dass er nichts von mir weiß. Dass wir jahrelang jeder in seiner Kemenate gehaust haben, und uns wie Schiffe im Vorüberfahren nur ab und an mal zugewinkt haben. Dass es Jahre her ist, dass ich ihn das letzte Mal habe lachen hören.

Meine Distanz zu ihm hat dazu geführt, dass er auch Distanz hat- zu sich selbst. Viel zu viel, und viel zu kritisch. Er hat die gleichen Probleme, die ich auch habe, und wen wundert das? In diesen 14 Tagen habe ich viel gelernt, viel in Frage gestellt, einige Antworten bekommen, und jemand Interessanten kennen gelernt. Endlich.


Vielen Dank an meinen Bruder, meine Schwester und meinen Ex-Mann, dafür, dass ihr da wart. Vielen Dank, Kate, für Rat und Unterstützung, Vielen Dank, Uschi.

Und an Frau Z. für das Mantra.


Talk about last chances...

Dienstag, 19. Februar 2008

Palimpalim

Eine ziemliche Müdigkeit macht sich derzeit breit; hervorgerufen durch die ein oder andere üble Entwicklung.
Daran liegt auch das ungewöhnlich lange Schweigen. Es handelt sich nicht um ein freiwilliges, selbst gewähltes oder in irgend einer Form der Befriedigung von Bummelgelüsten dienendes Schweigen. Ich bin auch nicht tot.

Nein.

Mein Sohn ist krank, und jedes bisschen Energie, das nicht direkt in die Mehrarbeit durch mehr Haushalt oder in Gespräche mit ihm oder in Fahrten für ihn investiert wird, geht dafür drauf, dass ich versuche, heraus zu kriegen,
a) wie ich das finde, und
b) was ich als nächstes tun soll und
c) welche Erfolgsaussichten das alles hat.

Er ist derzeit bei mir eingezogen. Das hat was mit Kontrolle und Sorge um sein Wohlergehen zu tun, führt aber auch dazu, dass ich nicht viel Gelegenheit habe, von zu Hause aus ins Netz zu kommen (oder überhaupt an den Computer, was das betrifft- der ist halb abgebaut und staubt in der Ecke vom Arbeitszimmer langsam zu).


Bis ich die Fragen a) bis c) geklärt habe, herrscht ein Schwebezustand, den ich weder mag noch gut ertragen kann.


Frühestens nächste Woche melde ich mich wieder, freue mich aber über Mails und Kommentare.


Bis dahin,
Lily

Samstag, 9. Februar 2008

Zimmer mit Aussicht

Irgendwann in diesem Monat hab ich Geburtstag, ich werde 45.

Fünfundvierzig. Oh mein Gott.

Das ist so unvorstellbar alt.

Wenn ich die reinen Daten mal vergesse, und nur auf das innere, gefühlte Alter schaue, dann wird mir klar: Ich bin zurückgeblieben, irgendwo unterwegs.

Das äußert sich nicht nur in gelegentlich aufblühenden Pickeln in meinem Gesicht, sondern auch darin, wie absurd mir das vorkommt. 45. Selbst bei positivster Prognose (auf die statistische Lebenserwartung bezogen) ist das definitiv das, was man „mittleres Alter“ nennt.

Müsste ich mich da nicht anders fühlen? Wenigstens – irgendwie? Bitte?

Eigentlich wird es Zeit für die Dauerwelle und einen Haarfarbwechsel hin zu klimakterischem Rot.

Zeit, nicht mehr im Coolibri zu blättern, sondern die Welt am Sonntag zu abonnieren. Die youtube-Sitzungen zugunsten einer Philharmonie-Dauerkarte aufzugeben.

Meinen Motorrad-Führerschein abzuheften und nach einem vernünftigen, abgasarmen 34-PS-Miniauto zu suchen, von wegen gestiegenem Umweltbewusstsein und so- und nicht wieder in einem übermotorisierten Golf geblitzt zu werden...

Ich sollte nicht mehr mit der Akzeptanz meines Diabetes’ kämpfen, sondern mich damit abfinden- das nächste, was kommen wird, ist der hohe Blutdruck in Verbindung mit hohen Cholesterinwerten.

Wassergymnastik statt Step-Aerobic (nicht dass ich sowas je gemacht hätte).

Sich abfinden mit einem Leben als Tante, und, so Gott will, als Oma.

Aber ich fühl mich nicht so- wenn ich draußen herumlaufe, dann mit Robbie Williams auf den Ohren (gut: Joe Cocker ist auch dabei). In einer Lautstärke, die bei 16jährigen Rentnerproteste hervorrufen würde, weil auch andere es hören können. Und die dröhnenden Bässe meiner Auto-Stereoanlage erfreuen mich immer wieder- ganz im Gegensatz zu den Leuten neben mir an der Ampel.

Andererseits weiß ich, dass ich das Aufziehbändchen an den OB nur noch mit Lesebrille finden kann- und es ist gut, dass ich eine Gleitsichtbrille trage. Sonst müsste ich erstmal die Lesebrille suchen. Zeit für die Wechseljahre? Oh ja.

Ich weiß immer noch, welches Motorrad ich mir am liebsten kaufen würde (eine Duc Monster), wenn ich das Geld dafür hätte, und ich weiß, dass ich wieder fahren werde. Sobald ich wieder bei Kasse bin. Ach ja, ich sollte langsam ein Aktiendepot mein eigen nennen, oder wenigstens ein paar Fonds-Anteile.

Meine Vorliebe für Bier sollte sich langsam Richtung Rotwein bewegen- oder? Soll ja so gesund sein.

Meist kann ich drüber grinsen. Denn Chaos gehört zu mir, wie man mir immer wieder sagt. Zumindest scheint es einen gewissen Unterhaltungswert für meine Umgebung zu haben- und was tut man nicht alles für seine Freunde.

Es sollte Schluss sein mit der reflexhaften Verweigerung sinnvoller Verhaltensweisen, dem absurden Theater, dem starken Entfremdungsgefühl bei Vorhaben, die meinem Kalender-Alter entsprechen.

Dann kommen wieder Dinge, wie gestern. Als ich meiner Aufgabe als ehrenamtlicher Parkplatzwächterin (jawoll, die mit der Kippe in der Hand) im Büro nachgekommen bin, sah ich das Auto einer besonders lieben Kollegin direkt vor dem Eingang parken- und leider, leider, ist das auch ein Notausgang. Und ich musste- MUSSTE!- ihr mailen, und ihr sagen, dass ich das Auto da weg stellen würde. Sorry, G.- mein innerer Sicherheitsbeauftragter ist Amok gelaufen.

Ich kann zum verbalen Mörder werden, wenn ich in Bezug auf Radar-Anlagen oder Politessen das Wort „Abzocke“ höre- niemand, niemand ist gezwungen, zu schnell zu fahren. (Wenn doch- und wenn mans dann noch beweisen kann, braucht man nicht zu zahlen.)

Keiner muss einen Cent zahlen, wenn er sich an die Regeln hält. Und wenn man erwischt wird- okay- wo ist das Problem? Dann wird gezahlt, und gut ist. Freie Fahrt für freie Bürger hin oder her: Auch wenn der Grund für eine Geschwindigkeitsbeschränkung oder ein Parkverbot erstmal nicht ersichtlich ist, und wenn ich der beste Autofahrer der Welt bin, viele von diesen Schildern haben ihren Sinn, ob ich ihn im Vorbeifahren erkennen kann oder nicht. Und ja, ich bin schon geblitzt worden, s.o., und ja, ich habe Parkknöllchen gekriegt. Und ich hatte keinen Spaß beim Zahlen, habe mich aber über mich selbst geärgert. Weil ich so blöd war.

Bei Diskussionen über sowas komm ich mir trotzdem uralt vor- wer wird denn so sklavisch konservativ sein, und sich an Regeln halten? Nun ja, ich offenbar.

Auch regt mich dieses schlechte Deutsch auf: Abzocke. Privatsender-Niveau, und ich meine nicht ARTE. Ebenso „Sextäter“, oder „Asylant“. Das ist eingefärbt, Meinungsmache im ganz kleinen, aber sehr wirkungsvollen Rahmen. Dahinter steckt die gleiche Intention wie hinter „Freistellung“ für Massenentlassung, „Entsorgung“ oder „Kollateralschaden“. Aufgrund der unterschiedlichen Quellen, der halb- oder gar nicht offiziellen Benutzung dieser Worte fällt es nicht so auf, dass diese Art Worte Meinung färben und somit Freiheit einschränken, die Freiheit der Wahrnehmung nämlich. Sie tun es aber trotzdem.

Arrgh. Lasst nicht zu, dass das hier mit mir durchgeht.

Wenn ich lese, wie dogmatisch ich auf diesem Sektor sein kann, komm ich mir unendlich vergreist vor. Unflexibel. Erbarmungslos streitsüchtig. Kaum fähig, mich zu zügeln.

Wo soll das noch hinführen? Wird das schlimmer, wenn man älter wird?

Wahrscheinlich.

Und es wird kommen der Tag, an dem meine Umwelt darum bittet, dass man mich bitte, bitte, erschlagen möge.

Vermutlich muss ich ihnen dann Recht geben.


Freitag, 8. Februar 2008

Sterne und Kreuze

Der Himmel ist so blau, dass es in den Augen schmerzt, und die Temperatur erreicht Frühlingsniveau.
Es hält mich wirklich nichts in diesem Büro, und da es Zeit für die Mittagspause ist, beschließe ich, ein paar Meter zu laufen.
In der Nähe meines Büros ist ein alter Friedhof. Friedhöfe in dieser Stadt sind mir vertraut seit Kinderzeiten- da habe ich, zusammen mit einer Freundin, mit vom Komposthaufen geklauten Blumen, die „noch gut“ waren, vergessene Einzelgräber von Kindern geschmückt. Für Kinder gab es ein extra Grabfeld, kurz nach dem Eingang des Friedhofs. Wir zwei fanden den Gedanken daran, dass da Kinder in unserem Alter lagen, an die sich niemand mehr erinnerte, sehr schrecklich.
Einige Zeit, nachdem wir damit begonnen haben, wurde das Feld dann eingeebnet.

Uns war damals nicht wirklich klar, wie lang die Kinder dort schon tot waren, oder dass viele von ihnen, wenn sie nicht schon im Kindesalter gestorben wären, unsere Großeltern hätten sein können- die Ruhefristen betrugen in den sechziger Jahren noch 50 Jahre.

Der Friedhof, auf dem ich heute Mittag eine Stunde herumgelaufen bin, ist wirklich ein alter Friedhof. Er ist –sowohl von den Steinbildnissen her als auch von der Anlage- ein Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten, und noch dazu mitten in der Stadt gelegen. Wenn man ihn nicht kennt, wird man ihn trotzdem nicht einfach so finden, denn von der Straße aus gesehen tarnt er sich als Park.
Der Hauptweg verbindet zwei Straßen, die sonst nur über Umwege miteinander verbunden sind, und ist deshalb eine willkommene Abkürzung zwischen einem Wohngebiet und einem großen Aldi-Markt.
An diesem Hauptweg liegen einige Gräber mit hier bekannten Namen, sie scheinen ein bisschen abgenutzt zu sein von den achtlosen Blicken der Abkürzer, die mit Einkaufstaschen oder Kinderwagen beladen daran vorbei laufen. Ein Bauwagen verspricht Mittagspause für die Arbeiter, die die Kieswege harken.
Wie auf vielen Friedhöfen sind auch hier die Gräber und Grüfte unter alten und mächtigen Bäumen angelegt, Immergrün streitet sich mit laubwechselnden Pflanzen, und viele Gräber sind kaum noch zu sehen unter Nest-Eiben und anderen, sich am Boden ausbreitenden Gehölzen. Manche Grabsteine stehen halb in der Erde versunken zwischen zwei eng nebeneinander hochgeschossenen Buchen- die Steine sind aufgestellt worden, als an diese Bäume noch niemand dachte.
Es gibt Grabdenkmäler, die stolz auf einem Giebel über dem Feld mit den Vornamen eine Überschrift tragen: Ruhestätte der Familie X – unterhalb des Giebels ist dann oft eine Pietà, oder ein gekreuzigter Christus in einer Nische dargestellt, unbeeinflusst von dem, was war.
Denn die Verstorbenen sind lange tot, sehr lange, und der Grabstein, eher ein Epitaph, wurde in Stein gehauen für die Ewigkeit.
Manche Inschrift dokumentiert, dass der letzte dort beerdigte Mensch starb, lange bevor ich geboren bin. Und trotzdem kennt man viele Namen- es sind wohl große und weit verzweigte Familien, deren Nachfahren immer noch in dieser Stadt leben, und immer noch Ärzte, Priester, Anwälte sind, oder die ein Familienhandwerk weiter betreiben. Viele Namen tauchen auf mehreren Grabstätten auf, und man kann erkennen, wie die Sippen zusammenwuchsen, untereinander heirateten und ihre Eltern, Großeltern, Ehepartner oder Kinder dann gemeinsam unter die alten Bäume legten.

Auf einigen Grabsteinen sind nur Sterbedaten aus den Zeiten bis Mitte der vierziger oder fünfziger Jahre- ich habe mich gefragt, wer sie beerdigt hat, wo doch offenbar niemand mehr dort hinzu kam seit über fünfzig Jahren. Sind die Familien weg gezogen? Haben sie auf anderen Friedhöfen neue Gruften erworben, weil niemand mehr dazu gelegt werden durfte?
Das sind Gräber, auf deren Steinen oft zehn oder zwölf Namen Platz gefunden haben, und Tode aus zwei Jahrhunderten dokumentieren.
Aus den dreißiger und vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts existiert eine viel vertretene Art der Steine: Wie kleine Türmchen, meist aus einem Material, das heute aussieht wie Gips (aber bestimmt mal Marmor war), mit einer Tafel aus poliertem schwarzem Stein, auf dem früher goldene Buchstaben verkündeten, wer dort liegt- sie sind vielleicht einen Meter dreißig hoch, und sie finden sich überall auf dem Gelände.
Und trotz aller aufkommenden Erinnerungen an die Zeiten zwischen 1933 und 1945- auf keinem Grabstein, keiner Gedenktafel stehen die bösen Worte „in stolzer Trauer“. Ich glaube, dass keine Mutter und kein Vater diese Worte in Stein gemeißelt sehen wollte.

Die Soldaten, derer hier gedacht wird, liegen oft nicht bei ihren Familien, sondern es wird erwähnt, dass sie gefallen sind, und am Ort ihres Todes beerdigt. Manche Tafeln tragen die Aufschrift: Vermisst.
Wie viel Hoffnung muss gestorben sein, bis man einem Friedhof eine Steintafel mit diesem Text anvertraut?

Trotzdem der Friedhof zwischen zwei Hauptstraßen liegt, ist es sehr ruhig hier, sieht man einmal von den Passanten auf dem Hauptweg ab. Ich schaue mir die Inschriften an, die Gräber der Priester an der innenstädtischen Hauptkirche, geboren, gelebt und gestorben über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrhunderten, und entdecke einen ganz kleinen, schiefen Block aus grün bealgtem, porösem Stein, zwischen dessen angeschlagenen, verschnörkelten Rändern noch schwache Zahlen und Buchstaben zu erkennen sind.
Und die zwei Zeichen, die auf beinahe keinem Stein hier fehlen: Der Stern. Und das Kreuz, die die Eckpunkte eines Menschen anzeigen: Geburt und Tod.

Dazwischen: Möglichkeiten. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Update

Der Mensch an der Reklamationstheke des Discounters, der mir den Drucker verkauft hat, hat eindeutig ein Problem mit Metaphern.
Ich hab ihn angerufen, um das Druckerproblem zu schildern, und er trug mir auf, mitsamt Drucker und Kartusche in den Laden zu kommen- er würde dann mal schauen, ob alles richtig zusammengesetzt sei, und wenn das so wäre und er immer noch nicht drucke, müsse er das Gerät einschicken.

Bei dem Gedanken daran, dass die magischen Hände eines Reklamationsthekenmitarbeiters das Problem beheben könnten, ist mir als erstes schon die Galle hochgekommen. Das mag an dem „Belaste dein hübsches Köpfchen nicht mit so einem Technik-Kram“-Tonfall gelegen haben- aber im Ernst: Ich halte mich nicht für zu blöd, einer bebilderten Anleitung in ca. Din A 1-Format folgen zu können. In dem Ding sind fünf verschiedene Tintenbehälter. Davon sind vier schmal, einer ist ungefähr doppelt so breit wie die anderen. Es sind fünf Einschubplätze vorhanden: Vier schmal, und einer… RICHTIG!
Schmal und breit voneinander zu unterscheiden hab ich bei aufmerksamem Betrachten der Sesamstraße schon mit fünf Jahren gelernt. Und das Alfabet auch. Und ich kann auch schon eine Vier malen.

Auf dem Weg vom Galle-Hochkommen bis zum vollendeten Kotzen kam ich noch ein Stück voran, als er sagte, er müsse das Gerät einschicken.
Einschicken.
Jawoll.

Weil ich genau wusste, was kommt, und weil ich wollte, dass er sich genau so angepisst fühlt wie ich, hab ich ihn dann gefragt, was ich denn in der Zwischenzeit ohne den Drucker machen soll.
Wohlgemerkt, nachdem ich ihm verraten hatte, dass ich in den letzten drei oder vier Wochen ganze 10 Blätter gedruckt habe.

Woraufhin dieses Kind der Sonne, das sich wahrscheinlich nichts mehr wünscht als Weltfrieden, meinte (und bitte, denkt an die gestellte Frage!)

„Bei einem Leihwagen müssen Sie den Sprit auch selbst zahlen“.

Weil ich ein schlaues Mädchen bin, hab ich gewusst, dass er mindestens zwei, eher drei logische Schritte verpasst hat auf dem Weg von meiner Frage zu seiner Antwort.
Nämlich:
Erstens: Wir haben keine Leihdrucker.
Zweitens: Sie haben ein Problem mit dem Drucker, das vermutlich mit dem Kauf einer neuen Tintenkartusche behoben werden kann, denn es handelt sich wahrscheinlich um eine schlicht defekte Kartusche.
Drittens: Wenn Sie sich durch die Reklamation den Kauf einer neuen Kartusche sparen wollen, nutzt Ihnen ein Leihdrucker wenig: Denn dafür müssten Sie die Tinte auch erst kaufen, die wäre keinesfalls mit inbegriffen.

Und weil ich nicht nur ein schlaues Mädchen bin, sondern auch ein richtiges Arschloch sein kann, hab ich ihm gesagt, dass ich niemals ein Auto einschicken würde, nur weil der Sprit schlecht ist, und dass auch kein Autohersteller sich auf so einen Unfug einlassen würde.
An dieser Stelle warf er mit deutlich dünnem Stimmchen ein, ich würde ihn nicht verstehen.

Das hab ich ihm nicht durchgehen lassen, sondern ihm gesagt, dass ich ihn leider sehr gut verstünde. Und dass ich unter Service verstehen würde, wenn man vor Ort mit einer Neukartusche testet, ob es sich um einen Drucker- oder um einen Chip-Fehler in der Kartusche handelt. Hersteller hin oder her, man hat als Einzelhandel auch noch eine Verpflichtung, wenn man seine Kunden behalten will.
Reflexartiges Einschicken hingegen würde ich nur von bildungsfernen Telefonanfängern erwarten.
Dann hab ich aufgelegt.
Zu meiner Verteidigung kann ich lediglich anführen, dass der Mensch, der zuerst in dem Laden ans Telefon ging, mich zwar mit einem ausführlichen Spruch à la „Firma Ihr-Elektro-Himmel“, Pförtnerengel am Telefon, göttliche Grüße, was kann ich für Sie tun?“ begrüßte, mich aber nicht einmal den ersten Satz zu Ende machen ließ, sondern schon nach „Ich habe da ein Problem…“ mir mit „Ich verbinde mit dem Service“ ins Wort fiel.

Das ist unhöflich und ärgert mich.

Sehr unhöflich, und daran ändert auch der Wortschwall am Anfang des Gesprächs rein gar nichts.

Bei dem Typ hat sich somit der „Service“- Mensch zu bedanken für meine gereizte Grundstimmung.

Mittags hab ich dann einfach eine neue Kartusche erstanden- mit der geht’s denn auch problemlos.
Und wenn ich den Drucker demnächst mal eine Zeitlang nicht brauche, und mal wieder wen ärgern will, schicke ich ihn ein. Mitsamt der alten Kartusche, die ganz offenbar einfach kaputt ist. Schließlich habe ich noch ca. 22 Monate Garantie darauf

Montag, 4. Februar 2008

Brothers in Arms...

Eigentlich wollte ich hier ein paar unvergessliche und wahrhaft bewegende Worte schreiben, über Musik und über Lyrik, und so.

Zu dem Zweck hatte ich eigentlich vor, mir ein paar Texte runterzuladen und auszudrucken, damit ich sie vor der Nase habe.

Eigens mit dem Ziel des Druckens hatte ich mir vor einigen Wochen einen neuen Drucker gekauft.

Welchselbiger von Beginn an bei der schwarzen Pigmentkartusche (die für Textdruck) ab und zu maulte, sie sei leer- was erstens nicht sein kann, da er noch keine 10 Seiten gedruckt hat, das elektronische Miststück, und zweitens sie hörbar gefüllt ist. Es sind Originalkartuschen, sämtlich. Sie waren im Lieferumfang enthalten. Sicherheitshalber habe ich noch einmal die Nummern kontrolliert, die sind auch richtig. Man kann sie auch nicht an der falschen Stelle einsetzen- sie ist doppelt so breit wie die anderen vier, und daher passt sie nirgendwo anders hin.

Jedenfalls ließ sich zu Beginn der Drucker mit einem schlichten Aus- und wieder Einschalten zu reibungsloser Kooperation bewegen. Beim zweiten Versuch gings dann ohne Probleme, der dritte Drucktermin (immer nur wenig- ein Blatt oder so) verlangte dann schon nach zwei Startversuchen.

Samstag ließ mich der Steuererklärungsausdruckversuch schon zartrosa anlaufen, heute bin ich lila im Gesicht.

Nicht weil irgendein Unfall mit Tinte geschehen ist, sondern weil.Dieses.Scheißteil.Nicht.Läuft.

Immer mit der gleichen Fehlermeldung: Schwarze Kartusche leer. Was sie nicht ist, s.o.

Dieses Druckerschwein ist so arrogant, dass nicht mal eine Düsenreinigung funktioniert, solang die Fehleranzeige blinkt.

Ich habs hundertmal ein- und ausgeschaltet- no siree, keine Chance.

Bevor ich mich morgen mittag in der Schlange an der Kundenabwehrtheke beim Elektro-Discounter meines ausgeprägten Missmutes entledige, gehe ich jetzt Fernsehen. Nachdem der Fernseher gestern beschloss, dass er ein frühkindliches Trauma mit komplettem Tonausfall kompensieren wollte, hat er es sich zu seinem Glück anders überlegt, und spricht wieder mit mir. Und zu den schwarz-weißen Bildern der Feuerzangenbowle, die heut abend auf NDR meiner harrt, werd ich mir den Rest des vorhandenen Alkohols reinziehen.


Sonntag, 3. Februar 2008

Das Scarlett-O'Hara-Prinzip





könnte von mir sein: Morgen ist auch noch ein Tag!

Das dumme ist, dass es immer ein Morgen gibt, wohin man was verschieben kann.

(Außer in manchen Hollywood-Filmen des Endzeit-Genres. Aber die schau ich mir nicht an)

Wenn ich einfach nur faul wäre, oder sorglos-gleichgültig, wäre das bis hierhin kein Problem. Alles eine Sache der Ansprüche an sich selbst, soweit.

Aber leider bin ich das nicht. Im Gegenteil: Die Dinge sollten, mindestens, perfekt sein- sofern ich für ihre Erledigung verantwortlich bin.

Und 'perfekt' fängt am Anfang an. Aufschieben ist nicht perfekt, fängt aber auch mit dem Anfang an.

So, da haben wir also eine Verpflichtung, oder auch nur etwas, das sinnvoll wäre, zu tun. Beispielweise eine Steuererklärung zu machen.


Es ist der erste Januar, ich bin wie immer knapp bei Kasse. Und da liegt nichts näher, als besagte Erklärung möglichst schnell auf ihren Weg durch die dunklen Korridore der Finanzverwaltung zu schicken. Oder?

Es ist der zweite Januar, und es ist immer noch keine Lohnsteuerbescheinigung von der Lohnbuchhaltung im Postfach.

Die könnten sich mal beeilen, schließlich braucht man die Kohle.

Dritter Januar, Postfach leer.

Vierter, fünfter, sechster Januar: Nix.

Siebter Januar. Der innere Sprachzensor erlaubt das Wort „Schlampen“.

Zehnter bis 15. Januar: Keine Bescheinigung im Radar zu entdecken.

Zwanzigster Januar. Für das Mittagessen sind Pellkartoffeln mit Quark geplant, wegen leerer Kassen und so.

Und die Bescheinigung liegt im Postfach.

Super.

Ab nach Hause, Vordrucke aus dem Netz holen, mit dem Drucker kämpfen (das ist eine andere Geschichte...), Formulare ausfüllen, feststellen, dass Bescheinigungen (anderer Art, die ich nur selbst beschaffen kann) noch fehlen.

Mist.

Es ist 18 Uhr, die Belege krieg ich heute nicht mehr.

Gut, also morgen.

Der Morgen naht, und mit ihm -das Vergessen.

Es ist viel zu tun, und das Beschaffen von Belegen gehört nicht dazu, drängt sich auch nicht ins Bewusstsein, ist ganz einfach von der To-Do-List verschwunden und taucht auch nicht wieder auf.

Bis abends, wenn ich im Bett liege.

Da wird es dann im Gedächtnis hin und her geschoben, bis es einen soliden Platz ergattert hat, von dem es sich -bitteschön!- morgen wieder melden soll.

Was es nicht tut.

Das geht dann einige Zeit so- und wenn nicht zufällig irgendwo jemand im Büro Steuererklärungen erwähnt, wird der Tag kommen, an dem auch die abendliche Einschlafphase nicht mehr von Erinnerungen daran gestört wird.

Und dann ist es vergessen.

Irgendwann, wenn die ersten Kollegen erwähnen, dass sie sich von ihrer Erstattung ein Porsche-Cabrio gekauft haben, fällts mir wieder ein. Mit einem Schuldgefühl vermischt, und mit dem dringenden Bedürfnis, ein eigenes Porsche-Cabrio zu kaufen.

Bis dahin hab ich leider vergessen, was genau noch fehlte, um die Erklärung beim letzten Mal fertig zu kriegen, und ich habe vergessen, wo ich den Kram abgelegt habe.

Beim Suchen in den Papieren (ja, ich habe einen Büro-Job, und ja, ich kann zu Hause ums Verrecken keine ordentliche Ablage machen) fallen mir allerlei andere Dinge in die Hand, die mich an andere, ebenso mit Schuldgefühlen verbundene Erledigungen erinnern. (Diese Rechnung- da wollte ich doch noch gegen angehen- jetzt ist es zu spät, jetzt ist sie fällig. Wird schon stimmen. Bezahl sie mal lieber.)

Wenn ich Glück habe, verliere ich das, was ich tun wollte, nicht total aus den Augen.

Ach ja, die Belege mussten noch beschafft werden. Grrr. Am besten schreibt man sich das mal auf einen Zettel...

Den kann man dann liegen lassen.

Irgendwann dann, wenn die Kohle wieder mal ultra-knapp ist, wird’s vielleicht was.

Bis dahin ist die Sache mit Schuldgefühlen besetzt, ist mir peinlich (Alle. Anderen. Können. Es. Doch. Auch.) und kann auch übel enden- wenn es sich nicht um sowas wie eine Steuererklärung handelt, sondern vielleicht um einen Fristablauf, um das Bezahlen einer Rechnung oder sonst eine Verpflichtung. Allen diesen Dingen ist gemein, dass, wenn einmal das schlechte Gewissen zuschlägt, die Sache nur noch mit erheblichem Druck in Angriff genommen werden kann.

Wie gesagt, einfache Faulheit oder Gleichgültigkeit ist es nicht- sonst würde es ja nicht mit derart negativen Gefühlen besetzt sein.

Es ist eher ein „Ganz-oder-gar-nicht“.

Die bescheidene, Fehler und Schwächen in Kauf nehmende Erledigung auf Normalo-Weise ist mein Ding einfach nicht.

Wenn ich’s gut mache, ist das maximal okay, wenn nicht, gibt’s eins auf die Omme.

Klar, man soll sich loben und so.

Aber sicher. Für das Abheften einer Stromrechnung. Loben.

Auf jeden Fall.

Bin ich denn blöd??

Für sowas Selbstverständliches, Einfaches, Erwachsenes Jemanden loben?

Sorry, ich find das nicht besonders überzeugend. Leider habe ich andere Ansprüche an mich, und die scheinen auch nicht mit Loben-für-pieseliges-Kleinzeug zufrieden zu sein.

Diese ganze Sich-Selbst-Loben-Geschichte ist gefährlich- erstens, wie schon gesagt, erwacht da schnell der kritische Blick, der sagt, dass man sich für sowas nicht loben sollte, denn das ist einfach zu albern, und Selbstverarschen ist auch eine Form, sich schlecht zu behandeln. Man nimmt sich auf diese Weise einfach nicht ernst. Denn unmittelbar nach der Lob-Attacke war sie da, die Frage, die sich zwangsläufig, gerade bei den kleinen Alltagssachen, stellt: Warum nicht gleich so???

Eine berechtigte Frage. Aber leider wieder selbstkritisch, und ein Einfallstor für jenes Neurotikerhobby: Grübeln und sich schlecht Behandeln.


Also was tun? Mein bisschen gesunder Menschenverstand hat mir schon gesagt, dass man erstens nicht alles sofort, zweitens nicht alles perfekt und drittens auch nicht immer mit Lust und Spaß erledigen kann.

(Das hilft nicht unbedingt. Aber es ist ein Anfang.)

Weiteres Nachdenken, unterstützt von der Besten Therapeutin Aller Zeiten, hat dann (allerdings in Bezug auf eine andere Sache) zum Vorschein gebracht, dass es Dinge gibt, mit denen ich mich wohl fühle. Einfach so. Wohl fühlen. Herrje.

Nach der letzten Stunde hab ich die Hausaufgabe bekommen, mich bei Dingen, die ich tu, zu fragen, ob ich mich dabei wohl fühle.

Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn das bedeutet, dass man den Maßstab verändert, mit dem man Dinge bewertet. Das bedeutet, sich selbst als Richter über das einzusetzen, was man tut. Wobei Wohlfühlen als solches ein Ausschalten der kritischen Instanzen beinhaltet, in dem es den Maßstab „Das, was alle (besser als ich) können und (besser als ich) tun“ durch „Das, was ich gern habe und genieße“ ersetzt.

Für meine nicht neurotischen Leser wird das Gähnen an dieser Stelle durch komatösen Tiefschlaf ersetzt, da bin ich mir sicher. Für mich ist es spannend.

Es fühlt sich vollkommen anders an, als sich zu loben für Selbstverständlichkeiten.

Ich bin in den letzten 14 Tagen schon stundenlang durch den Wald gelaufen, und habe festgestellt, dass ich mich dabei wohl fühle. Dass es schön ist, draußen zu sein, auch bei Regen (oder gerade bei Regen- ich mag es, wenn’s regnet.).

Ich laufe gerne draußen herum, zweckfrei und um es zu genießen.

Ich hasse es, draußen zu sein und herumzulaufen, weil irgendwer sagt, ich bräuchte Bewegung.

Wenn ich nicht losziehe, Samstag oder Sonntag oder an beiden Tagen, muss ich nicht gleich fürchten, dass mich der Mut verlässt und ich nie wieder von der Couch hoch komme. Die Furcht (bzw. die im Selbstlob für Banalitäten versteckte Kritik) war immer da, wenn ich mich für einen Spaziergang „gelobt“ habe- und sobald ich keine Lust hatte, aufzustehen, mich anzuziehen und loszulaufen, war das das Ende aller Bemühungen, jedenfalls so lange, bis ich mich genug unter Druck gesetzt hatte, um wieder von vorn anzufangen.

Ich stelle fest, dass ich mich wohler fühle, wenn ich mit halb leerem Magen zu Bett gehe, als vollständig satt zu sein. Deshalb esse ich abends weniger, und andere Sachen. Nicht, weil irgendwer meint, dass das gesünder sei. Das mag auch sein, aber das ist nicht wichtig.

Ich hab auch bemerkt, dass es in Bezug auf den Diabetes einen Unterschied macht. Natürlich fühlt man sich weder mit einem BZ von 300 noch mit einem von 50 körperlich wohl. Im ersten Fall ist man träge, kaputt und schläfrig, sowie ganz außerordentlich durstig, so dass Wohlfühlen einfach nicht drin ist, und im zweiten Fall könnte man das Adrenalin blubbern hören, wenn das Herzrasen nicht so laut wäre. Nicht so doll, und noch grässlicher als die hohen Werte.

Aber es ist was anderes, ob ich mich um eine ausgewogene Einstellung bemühe, weil ich glaube, dass der Doc sonst moppert, oder ob ich einfach von diesen Schwankungen soweit wie möglich nicht mehr behelligt werden will, weil sie sich so scheiße anfühlen.

Der letzte dreihunderter Zucker ist jetzt gute 14 Tage her. Leider nicht der letzte Unterzucker, das liegt aber daran, dass ich fünf Kilo abgenommen habe, und sich der Insulinbedarf dann ändert. Aber ich arbeite dran.

Und gestern hab ich meine Steuern erklärt.

Außerdem hab ich mit dem Drucker gekämpft, aber das ist eine andere Geschichte, und sie soll ein anderes Mal erzählt werden.