Samstag, 27. Juni 2009

Chez Lily

Sie nimmt noch angeregt an ihrer Umwelt teil- und scheint immerfort zu urteilen. Vorzugsweise über mich.



Auch er, stets ernst und vorwurfsvoll. Wahrscheinlich nur, weil ich ihn nicht auf meinem Schoß Platz nehmen lasse, und weil ich was dagegen habe, dass er mit meiner Kamera spielt. Die scheint es ihm angetan zu haben, denn die hat eine Handschlaufe, mit der ich ihn nicht spielen lasse.




Fast, als hätte man zwei mormonische Missionare zu Besuch.



Ein typischer Schreibtischtag hier im Hause der Lily P.



Die Zeichen an der Wand...

Irgendwann kommt der kleine Mann auf dem kleinen Surfboard dazu. Solang surf ich nur im Netz.

Einen schönen Samstag noch,

Lily

Fünfundzwanzigster Juni

Lachende Gesichter, strahlende Augen, feine Schweißperlen auf der Stirn. Sonnenbraune Arme, zerzauste Haare, verschwitzte T-Shirts, staubige Zehen in bunten Sandalen. Rückenmuskeln unter dünner Baumwolle.
Sommer kann ganz schön besoffen machen, ganz ohne Alkohol.

Freitag, 26. Juni 2009

So.

Der Wurzelrest ist endlich raus aus dem Kiefer, auch -gute Nachricht!!- auf der linken Seite können ein paar Zahn-Exemplare erstmal da bleiben, wo sie sind. Aber es scheint, als sei dieser Wurzelrest schon eine andere Sache als ein normaler, nicht kaputter Zahn, der weichen muss.
Herrje, das schmerzt vielleicht.
Sechs Stunden nach dem das Ding in den Müll gewandert ist, zwei sechshunderter Ibupr*fen und ein paar Coolpacks später- ist es noch sehr deutlich spürbar.

Alles in allem lief diese Entfernung erheblich besser als ich befürchtet habe, auch dank der Tatsache, dass die Frau Zahnärztin „jetzt mal das Elefantenzeugs“ genommen hat- die Sorte, mit der auch ein Dickhäuter sich locker den Stoßzahn rauszerren lässt, nachdem beim letzten Mal immer wieder Pausen zum Nachspritzen angesagt waren.
Es ging auch schnell. Nicht mal drei Minuten, schätze ich, die Abdruck-Anfertigungs-Aktion vorher hat länger gedauert.
Allerdings war das Geräusch beim Rausrupfen nicht von schlechten Eltern- leider hatte ich den mp3-Player zu Haus gelassen.
Die Erwähnung des Elefantenzeugs hat mich zum Lachen gebracht, zum ersten Mal in einer Zahnarztpraxis.
Was ich immer noch nicht weiß, ist, wieso diese zierliche kleine junge Frau es so locker schafft, etwas aus meinem Kiefer zu brechen, was da eingewachsen ist.
Und jetzt halt ich weiter meine Klappe und poste dieses inkohärente Geschreibsel.

Gehabt euch wohl,

Lily
die schon die Stunden zählt bis sie wieder „krraftvoll zubeißen“ kann.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Lange nicht mehr

so sehr gelacht wie dabei.

Keine Zähne, oder: Der Vorname des Rehs.

Wie man dem Titel entnehmen kann, ist ein Teil der mir weiland gewachsenen Beißer der Zange des Zahnarztes zum Opfer gefallen.
Keine Details, nur soviel: Ich habe es mir angenehmer gewünscht, habe aber Schlimmeres befürchtet. Es war auszuhalten…
Morgen nun kommt des Grauens zweiter Teil. Da hierbei ein Wurzelrest ausgegraben werden muss, wird mich das bestimmt noch weniger erheitern als die Vorstellung von Dienstag.
Leider rauschte die „Infiltrationsnarkose“ (ha!) durch meine Gesichtsnerven wie Wasser… will sagen, dass die Betäubung, kaum zu voller Wirkung gelangt, auch schon wieder nachließ. Das verdanke ich vermutlich der Tatsache, dass ich einen Herzschlag wie ein Kolibri und demzufolge auch einen adrenalinbefeuerten Stoffwechsel hatte. Ich bete zu allen Schutzheiligen abgebrochener Zähne, dass das morgen anders ist.

Der geneigte Leser fragt sich nun vielleicht, was das alles mit heimischen Waldtieren zu tun hat?

Momentan gibt’s hier den Vornamen des Rehs zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Ich fürchte, wenn ich dermaleinst im Besitze aller meiner neuen Beißerchen sein werde, werde ich eine ganze Weile keins mehr essen. Kein Kartoffelpürree.



Stets die Eure,

Lily
Die für das Daumendrücken dankt.

Dienstag, 23. Juni 2009

Oh, großes Google-Orakel...

Schenke uns deinen Beistand und deine Ratschläge, denn wir wissen nicht, was wir tun. Oder wie ist es sonst zu verstehen, dass die Leute mit Formulierungen googlen, die eindeutig davon auszugehen scheinen, dass da ein kleiner Kobold draußen in den zugigen Weiten des Internets sitzt, der hübsch und höflich angesprochen werden möchte? In ganzen Sätzen und so?

Löblich, dass diese Sätze noch beherrscht werden. Auch löblich, dass die Rechtschreibung der Suchenden von guter Kenntnis der Regeln zeugt. Trotzdem frage ich mich, warum die Leute mit den folgenden Suchbegriffen bei mir landen:


suche ding mit 2 kugeln und gummiband


Dann geh noch mal nach nebenan und überleg dir genau, wie das Ding richtig heißt. Und dann komm wieder und such weiter, aber gründlich.


ich bin jung und brauche ein schönes muster für meine wohnzimmerwand


Es freut mich, dass du dich dafür entscheidest, deine Umgebung zu verschönern. Normalerweise gehen die Sätze, die mit „Ich bin jung und brauche...“ anfangen, mit „...das Geld“ weiter. Und führen dann oft zu Filmen minderer Qualität. Die machen keine schönen Muster, weder an die Wohnzimmerwand noch sonst irgendwo hin.



nackte omas im kittel


Alp- oder Wunschtraum? Einerlei, auf jeden Fall seltsam.



headset auf krankenschein


Das ist erfreulich, weil preisgünstig. Man könnte auch vielleicht versuchen, ein Atomkraftwerk auf Krankenschein zu bekommen. Aber eigentlich meintest du „Auf Rezept“- oder? „Krankenschein“ ist so ein gelbes Wort... Ein Headset ist ab ca. 10 € erhältlich, was bereits dem Quartalseintrittspreis für die Arztpraxis eures Vertrauens entspricht. Insofern sollte man nur dann diese Art Wunsch an seinen Doc herantragen, wenn man bereits den vollen Gegenwert für die Gebühr kassiert hat. Wegen der maximalen Ersparnis... Zum Beispiel in Form einer Klinikpackung Valium, oder ähnlicher Geschenke der Pharma-Industrie. Das hilft auch gegen den Wunsch, sich mancherlei auf Kosten der Kassen verordnen zu lassen.



efeu selbstentzündung


Hm


ich trage den hüfthalter meiner mutter


...und ich dachte, ich hätte Probleme.



was ist blogorrhoe?


Fragen wir uns das nicht alle, irgendwann?



Montagsspaziergänge gibts hier auch :-)

Die Brücke, diesmal mit Licht. Obwohl ich nicht ganz überzeugt bin, dass das wirklich besser ist. Demnächst werde ich mal morgens dahin gehen, wenn die Brücke nicht im Schatten liegt. Und vielleicht sogar mit einer Eisenbahn drauf fotografiert werden mag.


Ruhrgebiet at it's best... Kate fand auch, dass dieser Blick entschieden Urlaubsstimmung erzeugt.


Und dieses Getreidefeld auch. Wir waren uns unsicher, was genau da wächst, aber sind, insgesamt, hochzufrieden, dass wir Stadtkinder wissen, dass es sich weder um Gemüse noch um Obst handelt.


Sieht jemand außer mir noch den Affen mit Zigarette?


Man beachte den Herrn Fischreiher, gern zu Gast an den Gewässern der Umgebung.



Das ist a) schon wieder der Herr Reiher, und b) ein Beispiel für die Begrenzungen des errechneten Zooms. Bei 16-facher Vergrößerung wirds wirklich körnig.

Was auf diesen Bildern fehlt, ist ein Beleg dafür, dass es sich mehr um ein Spazierensitzen handelte. Denn eure stets euch wohlgesonnene Lily hat es nach längerer Zeit mal wieder geschafft, ohne Traubenzucker aus dem Haus zu rennen, und stieß dann nach einer Stunde Spaziergang entschieden an ihre Unterzuckergrenzen. Die Folge waren, dass ich alle Bänke in einem gewissen Umkreis mit meinem Hintern beehrt habe, unschuldige junge Frauen um ein paar Salzstangen anschnorren musste und ein Teil des Abends an mir vorbei rauschte. Aber es ist noch mal alles gut gegangen. Danke auch an Kate, für die Geduld!

Haltet mir die Daumen. Heute ist d-day.


Sich gruselnd,


Lily

PS: D-Day für Dentist's day.

Freitag, 19. Juni 2009

Realität

Eine Familie hat fünf Kinder.
Die gibt sie in ein Heim.
Dann lassen sich die Eltern scheiden, heiraten wieder und bekommen in den neuen Ehen jeweils noch zwei Kinder.

Nach ein paar Jahren leben von den fünf Heimkindern vier in Pflegefamilien.
Wie hoch ist der Zählkindvorteil für das Kind, das noch im Heim ist?
Und wer kriegt was?
Und warum?

Das sind Fragen, aus deren Beantwortung mein Arbeitsalltag besteht.

Was die meisten Leute befremdet, ist, dass das tatsächlich interessant sein kann, wenn auch nicht immer wirklich spannend.

Ja, so pervers kann man sein-

und trotzdem stets die Eure.



Lily

Donnerstag, 18. Juni 2009

Gräßlich





Ich fühl mich gräßlich.
Wie ich schon mal nebenbei (ha, ha) erwähnt habe, habe ich einen Zahn verloren, dank einer durch den Diabetes enorm rapide vorwärts schreitenden Parodontose mit Befall des Kieferknochens und Schwund desselben.
Zu Deutsch: Der Scheißzahn ist einfach ausgefallen.
Die anderen wackeln ebenfalls, besonders der, der rechts neben dem ausgefallenen Zahn wohnt.
Dummerweise fühlen sich sowohl dieser als auch der an der linken Seite derzeit entschieden wie Fremdkörper an. Was mir die Ahnung beschert, dass ihres Verweilens in meinem Kiefer nicht mehr viel länger ist.
Der Kiefer schwindet also wie Schnee in der Sonne, was Implantate verbietet und demzufolge zu herausnehmbarem Komplettzahnersatz führen wird. Mit den ersten Arbeiten wird der Zahnarzt nächsten Dienstag anfangen.
Bis dahin laufe ich mit einem Mund voller wackliger Zähne herum, mit dem Risiko, wieder morgens wach zu werden und eine weitere Lücke mit der Zunge zu ertasten.
Das ist das eine.
Das andere ist, dass dieses mistige Fremdkörpergefühl dazu führt, dass ich mir vorkomme wie Hape Kerkeling als Horst Schlämmer: Mit Zähnen, die beinahe aus dem Mund fallen, groß und vorstehend und grottenhässlich.
Und wacklig.

Das allerschlimmste ist aber, dass der bereits fehlende Zahn der linke obere Schneidezahn ist. Was meinem Gesicht einen besonders prolligen Charme verleiht, und das, wo der Nebenzahn noch drin ist. Ich mag nicht drüber nachdenken, wie es aussehen wird, wenn der auch noch ausfällt.
Ich hab auch keine Ahnung, wie (und vor allem: Woran??) die Zahnärzte nach Entfernen der Seitenzähne ein Provisorium für die Lücke vorn befestigen wollen. (Siemens-Lufthaken, anyone?)
Denn einmal scharf Luft geholt, und so ein Provisorium reißt vermutlich die neben stehenden Zähne mit in den Tod.
An das Anfertigen von Abdrücken der wackligen Schar nicht sehr standhafter Zinnsoldaten mag ich gar nicht denken. Vermutlich verabschieden sie sich alle, wenn der ZA versucht, die Abdruckmasse zu entfernen.
Keine netten Aussichten, alles in allem.

Mal ganz am Rande sehne ich mich nach ein paar reellen Zischlauten, einem sauber ausgesprochenen F- und vor allem einem Biss in ein Brötchen.

Bedauert mich mal ein bisschen. Ich brauchs jetzt.

Stets die Eure,

Lily.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Ärgernis des Tages

Irgendein dummes Weib, das zu fein ist, sich auf die Klobrille zu setzen, und lieber drüber kauert, wenn sie die Toilette benutzt.
Im Grunde ist nichts dagegen einzuwenden.
Es ärgert aber, und zwar gewaltig, wenn jede Menge daneben geht, die ganze Toilettenkabine ihren Segen abkriegt, und Madame vom Schwebenden Arsch sich zu fein ist, ihre Hinterlassenschaften zu beseitigen.
Ich wette, vom Händewaschen hat die auch noch nichts gehört.


Sich immer noch ekelnd,

Lily

Dienstag, 16. Juni 2009

„Das war mein Widerspruchsgeist,“ sagte die kleine Prinzessin.

„… und ich habe einen sehr starken Widerspruchsgeist“.

So oder so ähnlich erzählt es Michael Ende über die Prinzessin Li Si, die in seiner Jim-Knopf-Geschichte vorkommt.
Damit erklärt sie, warum sie weggelaufen ist und in der Folge von der Drachin Frau Malzahn (Mahlzahn?) geschnappt und in Kummerland gefangen gehalten wurde.
Wie alle Leute, die die Wilde 13 kennen, wissen, wäre auch Jim K. beinahe Opfer dieser finsteren, beschuppten Dame geworden, wenn die Piraten nur richtig schreiben gelernt hätten.

Li Si ist meine heimliche Heldin. Ich mag den Gedanken an ein dünnes kleines Mädchen, das sich nicht unterkriegen lässt und im Grunde hart ist wie Federstahl.
Denn bei allem Elend, das sie sieht und unter dem sie auch selbst leidet, trotz aller Schläge und des Angekettetseins an ihre steinerne Schulbank, lässt sie sich nicht beirren, weint nicht, hält durch, keeps smiling.

Im wirklichen Leben ist Widerspruchsgeist etwas Tückisches, wenn er das ist, was er bei Li Si war: Rebellion um des Rebellierens willen, und nicht der Sache zuliebe.
Denn so klug sie sich in der Gefangenschaft bei der Drachin verhält, so kindisch, dumm und trotzig war es von ihr, wegzulaufen und sich in Gefahr zu begeben. Dabei hat sie es doch so gut gehabt bei ihrem Vater, dem Kaiser von China. Und dann läuft sie weg, weil sie sich über ihre Gouvernante ein bisschen geärgert hat und weil sie trotzig sein WILL.

Ich glaube inzwischen, dass man ein vorgegebenes Maß an Rebellion in sich hat.

Eines, das raus will, und raus kommt. So oder so.

Und wenn man nicht an den richtigen Stellen protestiert und die Hebel ansetzt, dann bricht der Widerspruchsgeist sich seine Bahn. Egal, wie schädlich die Wirkung ist, egal, wie vernünftig es wäre, anders zu handeln, egal, was Intelligenz sonst von uns verlangt.
Dann gnade uns WerAuchImmer.

Sonntag, 14. Juni 2009

Pushing through the darkness, still another mile...

In reichlich trüber Stimmung hab ich heut einen Spaziergang unternommen- weniger um die Sonne zu genießen, die nicht teilnehmen wollte, sondern eher, um mir ein paar Dinge aus dem Kopf blasen zu lassen- wofür hat man schließlich Wind.

Ich mag Brücken. Das ist eine, über die die Eisenbahn fährt, die man hier manchmal hören kann. Eisenbahnen mag ich auch.

Ein paar Dutzend Meter von meiner Wohnung entfernt wird es schon entschieden ländlich. Die Kamille wächst an einem Getreidefeld und hat es geschafft, dem Menschen bis dato zu entkommen.
Nach der Landwirtschaft kommt die Parklandschaft- diese Ecke ist eine seltsame Mischung aus Natur und Gartenarchitektur.

... und bietet so einige dramatische und recht kitschige Anblicke. Leider schien die Sonne immer noch nicht.

Zeugs, das am Straßenrand wächst. Recht filigran, und nicht so leicht aufs Bild zu kommen, wenn die Kamera alles selbst machen will. Da ist sie recht bockig. Aber ich auch.

Irgendwer hielt es für eine gute Idee, die Bäume mal so runterzuschneiden, dass ihnen eine zweite Spitze gewachsen ist, an die der Rest der Bäume noch keinen rechten Anschluss gefunden hat.


Eine liebe Freundin meinte letztens auf meine Bemerkungen, dieses Geflügel sehe recht orientalisch aus, das seien vermutlich Peking-Enten. Vermutlich.

Man kann tatsächlich sehen, was aufs Bild kommen sollte: Die Wolken als Spiegelung und die Kreise, die sich auf dem Wasser gebildet haben, wenn einzelne Regentropfen von den Blättern der Uferbäume fielen. Es wundert mich- im Display war nichts zu erkennen davon.


Streng genommen gehört das Schloss zur Nachbarstadt. Aber inzwischen ist es schon irgendwie auch meins.



So siehts eher nach Schule aus...

...und von hier aus wie ein Spukschloss. Was aber wahrscheinlich am Licht liegt.


Sagte ich schon, dass ich Brücken mag?


Und dann schien die Sonne. Der Wind hatte für bessere Stimmung gesorgt, die blöd geschnittenen Bäume und die Enten für ein Grinsen, und das viele Wasser rings um das Schloss für Ruhe und Entspannung.
War eine gute Idee, mal rauszugehen, alles in allem.

Stets die Eure,


Lily

PS: Die Titelzeile ist aus Abba: I have a dream

Zustände

Es soll ja Tage geben, an denen man verliert. Auch solche, an denen die Anderen siegen. Dann die, an denen man nur Zweiter wird- kurzum, die Welt ist ungerecht.
Am Donnerstag ist mein Elektroherd den Weg aller irdischen Vergänglichkeit gegangen. Mein Zahnarzt hat mir noch keinen Kostenvoranschlag geschickt, meine Maus verlor kürzlich die Kontrolle über ihr Rad, aber nur in eine Richtung, wofür man dankbar sein kann. Nachts kann ich derzeit wählen zwischen Hitzewellen und frösteln- schlafen ist mit beiden Zuständen unvereinbar. Und da nutzt es auch nichts, wenn ich mir sage, dass das keine Hitzewellen sondern Energieschübe sind. Denn was soll ich morgens um zwei mit einem Energieschub? Derzeit läuft nachts der Ventilator, damit der Fröstel-Anteil den Schwitz-Anteil überwiegt, denn gegen das Frösteln kann man sich zudecken. Leider krieg ich davon Kopfschmerzen. Vom Ventilator, nicht vom Zudecken.
Alles das ist die Strafe dafür, dass ich mir die neue Kamera gekauft habe. Ehrlich, da bin ich mir sicher. Was wir draus lernen? Das Engagement des Einzelnen zur Belebung der Konjunktur ist nicht ausreichend mit dem Schicksal abgestimmt. Vielleicht ist das Schicksal aber auch nur eine neidische Ziege, die auch eine Kamera will.
Wie dem auch sei.

Das Katzenvolk hat derzeit einen neuen Lieblingsplatz: Vor meiner Nase, zwischen Tischkante und Tastatur. Oder auf der Tastatur, aber nur, wenn ich schreiben will. Brauche ich die versehrte Maus, liegt man gern mit dem Kinn auf der Maushand. Das ist kuschelig warm, was ich derzeit nicht mag (s.o.), und es strengt das Handgelenk an- aber seit neuestem ist Emily auch mit von der Partie. Sie, die niemals den Platz hinter mir auf dem Stuhl aufgeben wollte, hat entdeckt, dass mittels einer Kletterpartie vom Katzensessel über die Fensterbank, den Drucker, den externen DVD-Brenner und über die Tasten man wunderbar direkt vor mir liegen kann. Und sie ist alt und klapprig, was mir Gewissensbisse macht, wenn ich sie weg scheuche. Schließlich hab ich ihren Bruder einmal zu viel weggeschickt (den aufdringlichen Kampfschmuser)- und am nächsten Morgen lag er sterbend hinterm Fernseher. Solange ich mir aber keine zusätzlichen Gelenke in den Unterarm einbauen lassen kann, die das Schreiben um die Katze herum möglich machen, muss sie damit rechnen, nur begrenzt Streicheleinheiten abzukriegen und von Zeit zu Zeit vertrieben zu werden. So wie jetzt.
Mist, da kommt sie schon wieder angewackelt.
Und kaum geht meine Hand zur Maus, legt sie eilfertig eine Pfote drauf. Auf das Handgelenk. Gnade.

Irgendwie ist die Welt voller schlechter Neuigkeiten, derzeit. Da ist es schon fast von Vorteil, dass meine Therapeutin ihre Praxis verlegt, in eine Stadt, in der ich schon als Führerscheinanfänger Zustände bekommen habe- an einer bestimmten Kreuzung würg ich heute noch das Auto ab, in memoriam der Fahranfängerin von vor 28 Jahren, die das dort auch schon immer gemacht hat. In meiner Heimatstadt und sonst auch überall auf diesem Planeten kann ich im zweiten oder auch im dritten Gang anfahren, ohne dass mehr passiert als ein bisschen zögerliches Loszuckeln- aber an dieser Kreuzung? Brauch ich immer zwei Anläufe, selbst im ersten Gang.
Ich freu mich schon so drauf.
Was daran der erwähnte Vorteil ist? Man kann demnächst den Parkplatz des benachbarten Aldi-Markts nutzen. Da braucht man nicht mehr in der baustellenzerfressenen Innenstadt, die wir hier derzeit haben, ein winziges Parklückchen suchen und dafür teuer bezahlen. Das ist doch schon mal was. Und man kann anschließend noch einkaufen, ohne extra anhalten zu müssen.

Ansonsten verliere ich gerade wieder einen Zahn, was der Zahnarzt mit einem „Ich sag doch, Kieferknochenschwund!“ quittiert. Was aber weder der Kauleistung noch der optischen Wirkung meiner Zähne wirklich hilft.

Da ist Emily schon wieder. Beharrlich ist sie ja.




Erzählt mir mal was schönes, bitte.

zU/H <---- Das war Emily.


Stets die Eure, wenn auch heute nicht ganz bei sich,

Lily

Donnerstag, 11. Juni 2009

Voodoo

Ich bin eine lichtausschaltende, türenschließende, wasserabdrehende, spritsparende Besessene.
Wenn ich nicht das Licht ausschalte, die Türen schließe, das Wasser abdrehe, Sprit spare, dann wird mit Sicherheit irgendetwas ganz Furchtbares passieren.
Was auch immer.
Das hat eine lange Tradition.
Als Kind hat mir die große Schwester meiner besten Freundin erzählt, die kleinen Risse im Asfalt (sieht das scheiße aus!) kämen daher, dass darunter Vulkane brodelten und alles für einen Ausbruch vorbereiteten. Ganz besonders galt das für die kleinen Erhebungen, mit einem Loch ganz oben. Jahrelang bin ich im Zickzack zur Schule gelaufen.

Ich war der festen, durch keine Realität gedeckten Überzeugung, dass lange Zugreisen zwangsläufig zu Eisenbahnunglücken mit Gedächtnisverlust und Kindesvertauschung führen (danke auch, blödes Buch, das mir meine Oma geschenkt hat- es hieß „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ und enthielt genau diesen kruden Quatsch).
Was für ein Glück, dass wir nicht in den Urlaub fuhren, vor allem nicht mit der Bahn.

Auch glaubte ich an den Atticus (damals dachte ich noch, es schriebe sich Ettikuss- aber ich war jung und hatte Harper Lee noch nicht gelesen). Der A. war ein Wesen, das bei verschiedenen Gelegenheiten für harmlos im Garten einer Freundin herumspringende Kinder alldorten Spielzeug versteckte. Heute glaube ich, dass es der Vater jener Freundin war, dem es einfach Spaß machte, Kinder zu verwirren. Ich habe jedenfalls so ein merkwürdiges Stofftier bekommen, es lag unter dem Hochspannungsmast in dem Garten. So ein haariges Stofftier, ähnlich wie ein sitzender Yorkshire, in grün-weiß, mit einer Schlaufe auf dem Kopf und Wackelaugen. Er muss es irgendwo billig geschossen haben, und dann sich diese Geschichte mit dem Atticus ausgedacht haben, von der ich nicht mehr weiß, wie sie ging.
Naja, er war Künstler.
Aber vielleicht war das auch der Elektrosmog wegen des Hochspannungsmastes.
Wobei- kann der schon schädlich gewesen sein? Man hatte ihn ja noch nicht erfunden. Den Elektrosmog, nicht den Hochspannungsmast.
Was mich dazu bringt, zu bekennen, dass bizarre philosophische Fragestellungen mich auch schon als Kind bewegt haben.
Sind wir nur Wesen, die ein Atom in einem Molekül in einem Stuhl in Gottes Esszimmer bewohnen?
Und wenn ja, was passiert, wenn der Sperrmüll kommt?
Es geht doch nichts über eine Kindheit voller sinnloser Schrecken.

Hattet Ihr auch welche?


Stets die Eure,

Lily


PS: Die Vulkane waren nichts schlimmeres als Baumwurzeln, die sich ihren Weg durch den Straßenbelag bahnten. Asfalt mag ich nicht noch mal schreiben, das sieht zu gräßlich aus.

Montag, 8. Juni 2009

Momente von heute

-etwas Schreckliches über einen Menschen erfahren, den man bewundert. Und feststellen, wie hilflos man ist, wenn man weit weg ist und keine Möglichkeit hat, in irgendeiner Weise zu helfen. Nicht nur, weil man weit weg ist, sondern auch, weil man keine Ahnung hat, wie helfen. Sich beschissen fühlen.


-eine alte Freundschaft mit einer kurzen Fahrt und einer Stunde Zuhören wieder zum Leben erwecken. Feststellen, dass man gefehlt hat. Verwundert sein.


-ein kitschiges Lied aus der eigenen Vergangenheit hören (Poor Man’s Moody Blues, Barclay James Harvest). Es immer noch schön finden. Den eigenen Musikgeschmack lieber nicht näher untersuchen.


-beim Friseur von einer jungen Frau bedient zu werden, die sehr, sehr schön ist. Nicht auf diese gestylte Friseur-Art... sondern in einer Weise, dass man sie immer nur anschauen möchte. Leider geht das ohne Brille nicht so gut, und aufdringlich ist das auch.


-anschließend feststellen, dass die Kollegin der schönen jungen Frau einem eine Vorstadt-Metzgersgattinnen-Frisur geföhnt hat. Man hat ihr freie Hand gelassen- nur um festzustellen, dass sie einen offenbar für langweilig hält, und für alt genug, die Haare so tragen zu wollen. Grrmpf.


-da man selbst bemerkt hat, dass das nicht sehr schmeichelhafte Licht beim Friseur Falten zeigt, wo sie nicht hingehören (ich hab sie lieber in der Jacke als im Gesicht, danke schön!) anschließend ein kleines Vermögen beim Creme- und Kosmetik-Fachmarkt abliefern und dieses in einigen winzigen Döschen nach Haus tragen.


-der Katze dabei zu sehen, wie sie im hohen Bogen vom Gefrierschrank kotzt. Seufzen. Putzen. Sich sicher sein, dass die Anzahl der Katzen hier stetig abnehmen wird. In den nächsten Jahren.


-den ganzen Tag lang Rückenschmerzen haben, weil der Job als Wahlvorsteher auch beinhaltete, einen ca. 30 Kilo schweren Koffer mit Wahlunterlagen, Stimmzetteln und Kram mehrere Treppen hinauf und hinunter tragen zu müssen. Lange drüber nachdenken, welcher Arzt mich für den nächsten Einsatz krank schreiben soll.



-Frieren und erkältet sein, den ganzen Tag, und außerdem müde.


Außerdem: Stets die Eure sein.




Lily

Sonntag, 7. Juni 2009

Und heute?

Auch wenn Europa noch so weit weg zu sein scheint:


WÄHLEN GEHEN!!!


Schließlich wollt ihr doch die armen Schweine in den Wahlvorständen nicht vor Langeweile sterben lassen, oder?
Spaß beiseite.
Geht hin, entfaltet die Stimmzettel ohne zu verzweifeln (1,18 Meter lang! Yay!) und macht euer Kreuz. Los, los! Wenn man euch schon nach eurer Meinung fragt, dann äußert sie auch. Schließlich bezahlt ihr die Jungs und Mädels, da solltet ihr auch dran mitwirken, wer da für euch sitzt.
Und auch die Leute da machen Politik, die euch alle betrifft, Gurken und sowas mal außer Acht gelassen.
Auswüchse wüster Regelungswut kann nur bekämpfen, wer seine Stimme abgibt. Seine generelle politische Einstellung zu stärkerer Wirkung bringen kann nur, wer seine Stimme abgibt.
Natürlich ist Brüssel weit weg- aber mit einem Kreuz kann heute jeder es ein Stückchen näher holen.
Brüssel ist ne schöne Stadt, btw :-)

Einen wahrlich wahlreichen Sonntag wünscht euch

Lily.

Samstag, 6. Juni 2009

Immer dann, wenn.

Früher hab ich gelacht, wenn irgendwer einen Satz mit den obigen Worten anfing. Also wirklich. Alltagsvoodoo, oder was? Alberner Aberglaube. Banales Beschwören bösartiger Beschwernisse.

Aber bevor ich mich hier in Alliterationen verstricke und euch zeige, wie begnadet ich mit Sprache umgehen kann (das kommt später, freut euch schon mal), komme ich wieder auf diese Worte zurück:

Immer dann, wenn.

Man kann den Satz so weiter führen:

Immer dann, wenn ich gerade ein Loch in einem Socken gestopft habe, bohrt sich ein Zeh durch den Partnersocken.

Wobei Loch = Loch, Socken = x-beliebiger Sachverhalt, der der Verbesserung/ Reparatur/ Optimierung bedurfte, und Partnersocke= nächste Baustelle. Ach ja, und Zeh = Schicksal.


Sobald also irgendwo Licht am Horizont auftaucht, steht direkt daneben (aber so, dass man ihn im Gegenlicht nicht so recht erkennen kann) der Zeh des Schicksals auf.

(Wieder ein Anlass, meine Sprachgewalt zu bewundern: Der Zeh des Schicksals erhebt sich dräuend über der Zukunft. Yay!)


Habe ich gerade eine Tasse meines %&**#!-teuren Geschirrs nachgekauft, schmeißt das Gekatze bei einer wilden Verfolgungsjagd über Tisch & Bänke die dazugehörige Teekanne vom Stövchen und entleibt sie.

Findet meine Finanzberaterin in meinen Daten noch ein bis dato nicht vermisstes Sparbuch mit einem kleinen Guthaben (= für mich: Vermögen) und ich erfreue mich an einer neuen Kamera (zu einem Bruchteil des Betrages, der auf dem Sparbuch ist) erhebt sich die alte Tante TÜV aus ihrem zweijährigen Dämmerschlaf und fordert, dass man sie samt dem Onkel ASU doch bitte, bitte zum Kaffee einlade und ihr allerlei Präsente bereite.


(Gut- TÜV und ASU sind wie Weihnachten: Stehen immer plötzlich und überraschend vor der Tür. D.h. man weiß, die kommen irgendwann. Aber das ist noch sooo lang hin...)


Ist durch allerlei Jonglage mit den weiteren Daten der finanziellen Dauermisere hier chez Lily ein wenig Luft geschaffen...




... fällt mir ein Zahn aus. Die Abhandlung über Zahnarztangst erspare ich euch hier. Nur soviel: Die anstehenden Arbeiten werden so lange dauern wie die Erstellung eines Kilometers Autobahn inklusive Planfeststellungsverfahren.. Und sie werden annähernd soviel kosten.

Bis dahin laufe ich herum wie die letzte Prolltussi. Und morgen sind Wahlen, vielen Dank auch- was für viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst eine unerfreuliche Beschäftigung an einem Sonntag bedeutet, wird morgen für mich nicht nur nervig, sondern peinlich.

Und da soll man nicht an böses Karma glauben?


Ich möchte gern wissen, mit welchen Zückerchen mich das Schicksal jetzt bitte zu entschädigen gedenkt. Sofern man das von einem Zeh überhaupt erwarten kann.


Ach ja: Das Auto hat den TÜV überstanden. Vermutlich wars das schon an Belohnungen.




Stets die Eure, momentan lispelnd,



Lily


(PS: Ich kenne den Zusammenhang zwischen Prophylaxe und Kostenersparnis bezogen auf Zähne. Es besteht also kein Grund, mich darauf hinzuweisen.)

Donnerstag, 4. Juni 2009

Und dann war da noch der Tag,

als ich in einer Umkleidekabine um ein Haar gestorben wäre vor Scham. Diese hatte "Saloon"-Türen, und ich, mit einem Arm voller Kleidung, teilte diese Türen wie Moses das Meer... nur um festzustellen, dass ich leider, leider nicht in der Lage war, an meinem dicken Hintern und dem breiten Kreuz vorbei die Türen wieder zu schließen, weil einfach kein Platz in der Kabine war.
Rot anlaufen und beschämt rückwärts ausparken war das eine. Von der Verkäuferin zu hören, dass diese Türen nach außen aufzumachen sind, weil sonst niemand sie schließen kann, wenn er drin steht, war was vollkommen anderes...
Aber das hier ist übel- sich einen Muskel zerren, während man in einen Badeanzug einsteigt. Noch besser sind allerdings die Kommentare. Vor allem der von der Frau, deren Vater sich beim Benutzen eines Wattestäbchens den Fuß gebrochen hat.

Wünscht mir Glück, heut ist ein spannender Tag- vielleicht berichte ich sogar darüber ;)

Lily

Dienstag, 2. Juni 2009

tadaaaa....

der versprochene Katzencontent :-)



Die neue Chillout-Lounge
















Manches fällt aus dem Rahmen.



Oder erfordert genauere Untersuchungen (Eddie, die Diva)







Das Problem ist: Er weiß genau, dass ich ihm nicht ernsthaft böse sein kann (Karlchen)







Reden wir über Narzissmus...




Das ist Eddies Bruder Paul, man siehts am dicken Hintern.



Und die Herrscherin über uns alle: Emily.


In diesem Sinne: Gute Nacht :-)

Lily

Himmelherrgottsakramentsgelichter. Pack. Proleten.

Nur, um wirklich bösartiges Fluchen zu vermeiden steht das da.
Bösartig, weil ich so manche Eltern nicht verstehe, nicht verstehen will und sie mit den Köpfen aneinander schlagen möchte, bis sie lachen oder der Arzt kommt- was immer zuerst eintritt.


Gemeint sind Menschen der Gattung Ferneltern. Was sie betreiben, heißt RemoteParenting auf Neudeutsch.
Die Sorte Leute, die ihre Kinder immer nur dirigiert, und das a) bevorzugt aus halbliegender Position mit b) einem Glas Bier in der Hand (auch eine Bratwurst ist denkbar, für die Nichttrinker), und c) mit einer Stimme, die mehrere Dutzend Meter locker zu überbrücken vermag. Die Winter- oder Indoor-Variante hat keinen Liegestuhl, sondern eine Esszimmer-Garnitur mit magnetischen Stühlen, und was den einen die Bratwurst mit Bier ist den anderen die Schwarzwälder Kirschtorte und der Kaffee.
Leider ist diese Sorte Eltern auch mit der Art Kinder bedacht, die sich einen feuchten Kehricht aus der Brüllerei ihrer Erzeuger machen, und die genau wissen, wie weit sie gehen können, bis die Eltern ihre Lethargie zugunsten eines erziehenden Eingriffs aufgeben.
Die Kinder sind eigentlich zu bedauern, mit denen spielt in der Regel keiner, denn dazu müsste man den Arsch aus dem Liegestuhl kriegen (oder aus dem Fernsehsessel, dem Stuhl am Computertisch etc., etc.). Abgesehen vom Spielen ist auch sonstiges Kümmern nicht gewährleistet, selbst wenn es Verletzungen gibt, wird abgewiegelt, es kommt Dummspruch auf Dummspruch („Das sollen die unter sich ausmachen“ —wenn ein Neunjähriger grad einen zweijährigen Bruder verkloppt. Selbst gehört.)
Also, arme Kinder.
Das Bedauern hört bei mir auf, wenn die Kinder zu einer Plage werden.
Sie werden nämlich tatsächlich lernen, sich möglichst unmöglich zu machen, damit irgendeiner ihrer stinkefaulen Elternteile ihnen wenigstens ein klitzekleines bisschen Beachtung schenkt.
Meist erkennt man die hartgesottensten Vertreter der Remote-Parenting-Brüderschaft an ihren haarsträubenden Drohungen in Richtung Sprößlinge.

Das hat die Folge, dass man selbst mit der Aufzeigung von Konsequenzen für das gerade geübte Verhalten („Wenn du weiter an dem Ast sägst, wirst du, samt Ast, drei Meter in die Tiefe stürzen. Dein Kopf wird auf diesen Stein da aufprallen, und platzen wie eine reife Melone. Möchtest du das wirklich?“) nicht durchdringt, weil die lieben Kleinen es einem einfach nicht glauben wollen.
Schließlich hat man ihnen bereits mit vielen Dingen gedroht, und woher sollen sie wissen, dass die Schwerkraft sich nicht zu schade ist, mal korrigierend in ihr Verhalten einzugreifen?
Oft sind bereits andere Verwandte, Freunde und Bekannte unfreiwillig in die Erzieher-Rolle geschlüpft, weil die ganz hartgesottenen Remote-Parenting-Vertreter ihre Kinder auch nicht vor der Beschädigung fremder Nerven und fremden Eigentums bewahren.
Dann rennt man wie eine Blöde als Gastgeberin immer um den Weihnachtsbaum herum, um die vollkommen durchgedrehte vierjährige Tochter des Besuchs am Erklettern desselben zu hindern. Muttern sitzt derweil am Kaffeetisch und freut sich, dass sie endlich ihre Ruhe hat.

Dann möchte man sie gern mit der Lichterkette erdrosseln und mit zwei oder drei Christbaumständern an den Füßen im nächsten Teich ersäufen.

Diese Leute sind tatsächlich der Meinung, dass nur der Gastgeber weiß, welche Regeln bei ihm gelten. Und dann soll er sie auch durchsetzen.

Im Grunde ist das die gleiche pädagogische Faulheit wie die derjenigen, die jeden Scheiß mit den lieben Kleinen durchdiskutieren- um sich dann überstimmen zu lassen („Kai-Nicolai ist immer so willensstark“, gefolgt von nervösem Lachen…)
Mal ehrlich- geht’s noch?

Meine Erziehungsdevise war immer „Wehret den Anfängen“- und es gibt den MMB heute noch.

MMB ist der Mörderische Mutterblick- den MUSS man draufhaben. Denn im Zweifel muss die Verständigung mit wenigen Worten oder ganz wortlos klappen, wenn z. B. das Kleinkind auf die Straße rennt, oder sich der 20jährige gerade mit ein paar unbedachten Worten ganz furchtbar in die Nesseln setzen will. Erklären kann man später, sollte man auch. Aber in so einer Situation darf das Kind nicht elterntaub oder –resistent sein durch Jahre langes Nörgeln, Dirigieren und Nullkonsequenzhaltung.

Sinn von Erziehung ist doch auch, dass bei aller Eigenständigkeit und Authentizität auch der Rest der Welt zu seinem Recht zu kommen vermag. Und dazu gehört, dass man den gröbsten Wildwuchs bei der Nachkommenschaft ein bisschen unter Kontrolle bringt. Frühzeitig, bevor es andere tun (müssen)- Erzieher, Lehrer oder Richter.

Warum ich diese empörend konservativen Prinzipien verkünde?
Begleitet mich morgen Mittag mal in den Supermarkt, dann zeig ich euch, wie ich drauf komme.


Stets die Eure,


Lily.

Sonntag, 31. Mai 2009

Kleingartenanlagen

haben ihren besonderen Charme.
Der Platz für die Fauna sieht nicht besonders kuschelig aus:



aber die Flora hats besser, auch wenn sie am Zaun sitzen muss.





Weiß jemand, ob das blühender Rhabarber ist?




Der Himmel überm Ruhrgebiet- Land der tausend Feuer. Ach nee, das ist längst vergangen, heute bestimmt jemand anderes, wann und was am Himmel leuchtet:




Um mal den Herrn Klapsenschaffner zu zitieren:
So siehts aus, Herrschaften!

Schöne Pfingsten,

Lily

ohne eigene worte :-))




stets die Eure,


Lily

Freitag, 29. Mai 2009

Zorn

Ich könnte ganz locker aufhören zu rauchen- wenn ich mir nicht unentwegt Sorgen wegen meiner Umwelt machen müsste.
Ja, eigentlich ist das Rauchen, mein Rauchen, ein Segen für die Menschheit.
Die Personen, die mich hier und jetzt täglich umgeben, und deren Eigenheiten und persönliche Macken ich rauchend gelassen und heiter zur Kenntnis nehme, riskieren nämlich ihr Leben, sofern sie mir in nikotinlosem Zustand über den Weg laufen.
Sofern ich also auf meine Gesundheit achte, riskiere ich die Unversehrtheit unschuldiger Mitmenschen.
Wobei… unschuldig kann man niemanden nennen, der mit geradezu vorsätzlicher Indolenz, Dummheit und Ignoranz, so wie der da vorn, vor mir her läuft.

Harmlos nenne ich das nicht, mit welcher Stumpfheit sich der Typ da links an die Verkehrsregeln hält!

He, du Arsch, wie kommst du dazu, mir die Luft weg zu atmen??

Und ich glaube, der Tusse da hinten muss ich mal erläutern, wo der Hase lang läuft… Das gibt’s doch nicht. Die wird doch nicht…



Leute, ich hab gestern um halb vier meine letzte Kippe geraucht. Sofern jemandem etwas an seiner körperlichen oder seelischen Unversehrtheit liegt, macht er derzeit besser einen Riesenbogen um mich.
Ein Teil von mir bereut schon, dass ich den Kickbox-Kurs im letzten Jahr nicht besucht habe. Und es erschreckt mich, andererseits, wie aggressiv ich sein kann.

Aber ich bin fest entschlossen, nicht wieder rückfällig zu werden. Denn aufhören ist ganz leicht, das schwierige ist, nicht wieder anzufangen.
Bis dahin sollte ich mich möglichst für mich halten.


Stets die Eure,

*grummel*

Lily

Donnerstag, 28. Mai 2009

Die ersten

Bilder. Darunter eines von mir. Ha.
Der Geselle steht im Nebenzimmer auf der Fensterbank:-)



Die zwei stehen auch da:



Und da ist ein Bild von mir, der Kamera und meinem Büro.





Also, alles im grünen Bereich.
Tatsache:

Sie ist da!

Ich hab mir endlich eine neue Kamera gekauft. Nichts besonderes, aber bisher besticht sie durch überschaubare Menüs, und Einstellfunktionen, die man locker auch ohne die Anleitung bedienen kann. Wichtig für mich- ich hab zu Haus noch eine Autofocus (Kleinbild), die leider bis heute nicht die Chance hatte, zu zeigen was sie kann- denn dafür muss man einen Lehrgang machen, so scheint es.
Nun, die hier erklärt sich selbst.
Abgesehen davon scheint die Bildstabilisatoren-Geschichte zu funktionieren, das Display ist gut ablesbar, sie hat einen Sucher, und der Blitz ist leicht abzuschalten. Sie braucht Standard-Batterien, man kann bis 2 cm an das Knipsgut ran, und auch die Aufnahmen mit der Maximaleinstellung (115mm Brennweite) sind ohne Blitz unverwackelt hinzukriegen.
Ich freu mich auf den Sommer, mit der neuen kleinen Canon.
Sie ist „nur“ ein Vorjahresmodell, aber streng genommen bin ich das auch. Aus irgendeinem der Vorjahre :D



Bald gibt’s hier wieder Bilder…


Stets die Eure,


Lily.


PS: Es ist die Canon Power Shot A 590 IS.

Mittwoch, 27. Mai 2009

On fire

Meinen Lieblingstanz tanze ich auf einem Vulkan. Die Füße angenehm warm, den Kopf in den sich bildenden Wolken, selbstvergessen und zerstreut.

Das Grollen zu hören, die zunehmende Hitze zu spüren, den steinigen Abhang zu bewältigen, einen neuen Platz zu suchen, vielleicht an einem Bach, unter überhängenden Weiden, in der Kühle eines Sommermorgens kostet … zuviel Mut.

Dann lieber brennen.

Dienstag, 26. Mai 2009

Promille

Wie ich soeben in diversen, im Internet, bei befreundeten und nicht befreundeten Bloggern hinterlassenen Kommentaren bereits bekannt habe, bin ich deutlich angetrunken und fröne dieserhalb der Redelust, bzw. ihrer elektronischen Variante, der Kommentierlust.
Es gibt halt Menschen, die einfach nie die Klappe halten können.
Wieso sollten sie auch.

Ach ja, es war ein Rosé. Zwei Gläser, um genau zu sein- nichts gutes mehr gewöhnt. Oder sagt man "gewohnt"?

rätselt

Lily

Sonntag, 24. Mai 2009

Wussten Sie schon...

...dass es erheblich zum Alterungsprozess beiträgt, wenn man nach seinem 40. Geburtstag morgens die Brille aufsetzt, bevor man in den Spiegel schaut?

...dass eine Festplatte zu voll sein kann, um sie aufräumen lassen zu können?

...dass eine Katzentatze, die verspielt nach den tippenden Fingern ihrer Sklavin schlägt, dran schuld ist, wenn ein ganzer Haufen markierter Dateien nicht ordnungsgemäß im Papierkorb landet, sondern kopiert und woanders wieder eingefügt wird?

... dass ein Plastiksack, eigens dafür gedacht, unter der Katzenstreu für ein einfacheres Entfernen derselben zu sorgen, als allererstes durch die Krallen der Samtpfoten zerstört wird? Und auch, dass die Streu dann darunter rutscht, und nur noch mit erheblich höherem Aufwand als ohne Sack entfernt werden kann?

...dass die 17.000 Fotos und 9876 Musikdateien in Wirklichkeit nur 170 Bilder und 220 Lieder sind? Selbige sind jedoch mit ausgeklügelter Bosheit unter 17.000 bzw. 9876 verschiedenen Namen abgespeichert (Tippfehler inklusive), durch wild in die Tiefe verzweigende Ordnerstrukturen versteckt und dann vergessen worden.

...die zwangsläufig doppelt bis 14fach vorhandenen Dateien sind dann, und nur dann als solche erkenn- und somit löschbar (oder reduzierbar, je nachdem), wenn man sie alle, alle anhört bzw. ansieht, sich umfängliche Notizen macht und akribisch über den Datenbestand harkt, bis er schön aufgeräumt und sortiert ist. Es gehört dazu, dass zwischendurch der einzige noch funktionierende Kugelschreiber seinen Geist aufgibt.

... die in der Folge sich anschließende Defragmentierung des Datenträgers (halt, das heißt jetzt „Volume“!!!einseinself) gefühlte 14 Stunden dauert?

... ausgerechnet dann, wenn sich dieses aufwändige Unterfangen dem Ende nähert, man soeben ein von Verzweiflung diktiertes Blogposting dazu verfasst und sich deshalb nicht um die Haustiere kümmern mag, sich diese unter Einsatz ihrer gesamten, nicht unerheblichen physischen Energie streiten, über die Möbel und die Sklavinnenfüße (autsch) rasen und im Gefolge dessen den (wacklig sitzenden) Netzanschluss des Computers aus seinem Häuschen ziehen?


Wussten Sie auch...

... dass der Rechner dann abschmiert? Ist klar, oder?

...dass er das mitten im Defrag tut?

...dass der einzige Trost, den man hat, die Dateiwiederherstellung ist, die wenigstens das Blogposting nicht ins Nirwana verschwinden lässt?

...dass das schnelle Tippen seine Tücken hat? Nämlich dann, wenn man so schnell getippt hat, dass OpenOffice noch keine Sicherheitskopie angelegt hat? Die wiederhergestellte Datei ist dann leer. Ist klar. Oder?

Wenn Sie das alles wussten, dann waren Sie heute morgen hier.

Dann haben Sie mich nicht getröstet.

Dann haben Sie nicht ätzende, fiese Bemerkungen anhören müssen, und nicht miterlebt, wie eine Schar geliebter Haustiere dem plötzlichen Tod nur um Haaresbreite entging.


Wenn Sie das alles wussten- dann, ja dann frage ich Sie: Warum haben Sie mich nicht gewarnt, als am Montag morgen mein Fön explodiert ist? Irgendwie hat sich das da schon alles angekündigt.

Und jetzt?
Jetzt werd ich das Defrag neu starten. Bin bloß froh, dass die Festplatten heutzutage nicht mehr ganz so empfindlich sind, was Headcrashes anbelangt.


Einen schönen, zwischenfallsfreien Sonntag zusammen!



Lily

...floating...

es kommt... es kommt unweigerlich. Du rechnest nicht damit. Du bist kühl und gelassen, liegst da und träumst... von einem Strand, an dem kleine Wellen langsam im weißen Sand auslaufen... nichts Böses unter der Sonne...kein Schatten fällt zwischen dich und die tieftürkisfarbene See... aus dem nahebei liegenden Dschungel hörst du das aufgeregte Kreischen der Affen und das Rufen der Vögel... zuerst denkst du dir nichts dabei, und schaust in den Himmel, der sich azurblau über dir spannt und ins Unendliche ausdehnt... dann verspürst du ein Brennen im Nacken, als ob jemand seine Blicke auf dich richtet und dich versengen will mit seiner Energie...das Brennen setzt sich fort, und droht, dich zu erdrosseln... dein Kiefer verkrampft, und aus dem freundlichen Gestirn über dir wird ein erbarmungslos glühender Ball, dessen Flammen du dich nicht entziehen kannst. Du stöhnst, und der Dschungel scheint innezuhalten und zu lauschen.
Dieses Brennen erfasst deine Brust und steigt wieder auf... deine Wangen glühen, und Schweiß läuft zwischen deinen Brüsten in die Magengrube.
Du weißt, was der Sommer bringen wird.
Hitzewellen.
Scheiß-Wechseljahre.

*seufz*

Lily

Samstag, 23. Mai 2009

Gesammeltes

Soeben hat einer meiner Kater eine Watschn kassiert. Weil er nämlich auf meinem Schoß Platz nahm, sich genüsslich ausstreckte, flehentliche Bitten um Kraulen per Gedankenübertragung (und entsprechender Blicke) absonderte und dann... versuchte, mir in die Brust zu beißen. Verrohung der Sitten allüberall.

Wenn mir das nicht den Tierschutz auf die Hütte holt, weiß ich nicht, was ich noch tun muss.

Aber Spaß beiseite.

Der Frühling ist beinahe vorbei, der Mai auch, und alle Leute sind erkältet. Bis auf die, die unter irgendwelchen jahreszeitlichen Pollen leiden, versteht sich. Aber an so manchem Ort hört man außer Husten, Schniefen und Röcheln kaum etwas anderes, geschweige denn Erfreuliches.

So auch letzten Sonntag, anlässlich der Erstkommunion eines verwandten Knaben. Leider war die Geräuschkulisse durch Infektionen der oberen Luftwege in der Kirche nicht laut genug, um das dümmliche Geschwafel einer Herde Jugendlicher hinter uns zu übertönen. Warum die in der Kirche herumsaßen, hat sich mir nicht erschlossen, denn über das Blaumachen und was man dabei erlebt, wenn man sich anstatt in der Schule in der freien Natur, bzw. das, was für die Knaben und Mädels dafür steht, herumtreibt, kann man besser draußen reden. Dann macht das Gejohle auch nicht so einen nachhaltigen Eindruck auf die Umstehenden bzw. Umsitzenden (Wieso gibt’s das Wort nicht?). Da hab ich auch wieder festgestellt, dass es sowas wie Altersmilde gibt: Mein Vater drehte sich irgendwann um, und fragte die Bande, ob sie nicht merkten, dass sie störten. Er war schon sehr genervt, was man an den Vibrationen der Bank spüren konnte. Dafür hat er sich bemerkenswert zurückgehalten. Meine Wortwahl wäre entschieden weniger vorsichtig gewesen, hätte aber auch zu bewaffneten Auseinandersetzungen geführt. Mit der Taufkerze, auf dem Kirchenvorplatz.

Im Ernst- wenn ich mich so langweile, warum geh ich dann dahin? Haben die nicht genug Mut, ihren Eltern zu sagen, dass es sie einen Scheißdreck interessiert, in der Kirche herumzusitzen?

Ansonsten gab es noch ein gieriges Kommunionkind, prollige Verwandte (von der „anderen“ Seite- was sonst?), leckeres Essen und schönes Wetter. Mit „prollig“ meine ich Aussagen wie „He, Kommunionkind, die Geschenke sind doch echt geil, was? Wieviel Kohle haste denn abgestaubt“ und so weiter. Ach ja, der Hinweis auf die Prioritäten („Die Kohle ist doch echt das Wichtigste“) fehlte auch nicht.

Meine Laune war entsprechend- man hätte mich für katholisch halten können.

Mit mir im wirklichen Leben vertraute Menschen kennen mich, wenn ich schlechte Laune habe. Das ist kein schöner Zustand.

Ich hatte vorgebeugt, und für den Knaben als Geschenk ein Buch besorgt. Ein richtiges. Keinen Gutschein (beim zweiten Gutschein wedelte der Held des Tages damit herum und meinte, O-Ton: Ey, schon wieder son Gutschein-Scheiß). Und vor allem kein Geld- und das Buch hat noch dazu eine Widmung, er kann es also nicht mal mehr zu Kohle machen.

Irgendwie hat mir das den Tag dann doch noch gerettet.

Wobei ich mich schon frage, warum ich hin gegangen bin.

Schließlich wusste ich, was mich erwartet.
Aber vermutlich ging es mir so wie den Jugendlichen in der Kirche: Hab mich nicht getraut, meinen Eltern zu sagen, dass mich das einen Scheißdreck interessiert, da herumzusitzen.


Einen sonnigen Samstag euch allen,



Lily

Mittwoch, 20. Mai 2009

Nachdenkliches

Liebe Kinder.

Es gibt gute Kinderbücher. Es gibt schlechte Kinderbücher.
Von letzteren behauptet man, sie seien a) sentimental, vermittelten b) Trivialitäten und überholte Bilder der Welt und der Gesellschaft und wären noch dazu oft c) sprachlich misslungen.
Nun denn.
Heute trug sich in meinem Leben das folgende zu:
Ich kaufte einen neuen Kratzbaum. Das ist in dieser Wohn- und Lebensgemeinschaft von 5 Wesen (vier davon mit Fell, die fünfte kann einen Rasierer benutzen und zum Friseur gehen) das dritte Mal, dass ein solches nützliches Teil erworben wird.
So weit, so schön.
Ich schleppte also das recht stabile Ding aus dem Auto ins Haus und dann in die Wohnung, setzte es mit inzwischen geübten Handgriffen zusammen und schob den alten, mittlerweile sehr schrottig aussehenden Kratzwald zur Seite. Der neue kam an seine Stelle, der alte wurde zerlegt und zum Abtransport gestapelt.
Immer noch schön.
Der neue Kratzbaum ist weniger massiv, und nicht dunkelblau. Es ist wichtig für Kratzbäume hier, dass sie nicht dunkelblau sind, denn alle Fellträger in meiner Wohnung sind solche von heller Farbe. Das macht, dass dunkelblauer Plüsch immer scheiße aussieht.
Liebe Kinder- Die, die hier schon länger mitlesen, wissen, dass meine befellten Mitbewohner Katzen von Charakter sind.
Das bedeutet, dass sie alle höchst unterschiedlich mit Macken versehen sind.
Da gibt es Karlchen. Karlchen miaut nicht, Karlchen spricht. Wie alle, die schon mal mit mir Zeit bei Skype verbracht haben, bestätigen können. Er lautiert, und manchmal sagt er "Ma-Ma?". Nun gut. *räusper*.
Ansonsten ist Karl ein schlecht erzogener Gauner, ein Dieb und Rabauke, und er beißt. Er ist zwei Jahre alt, also im besten Flegelalter, und ich weiß, er wird sich noch bessern. Deshalb kriegt er nicht nur Schläge, sondern auch was zu essen (Scherz- bitte schickt mir nicht den Tierschutz. Meine Katzen haben es gut. Halt. Bitte schickt mir den Tierschutz. Aber nur, wenn ein wirklich netter, attraktiver Tierschützer dabei ist. Danke.)
Dann gibts Eddie und Paul. Eddie ist dünn, schreckhaft und ein Angstknurrer, der sich von Karl schnell in die Ecke jagen lässt. Eddie schnurrt manchmal, aber meist faucht er oder versteckt sich, wobei er auch faucht.
Paul ist sein Bruder, er ist dick und gemütlich und Karlchens Kuschelfreund. Die beiden sind schwul, jede Wette.
Paul lässt Karlchen immer seine dummen Ideen in die Tat umsetzen (da bin ich mir sicher- wer die beiden beobachtet, stimmt mir da zu). Paul miaut manchmal, und tut, als sei er ein sieben Wochen altes Magerkätzchen. Dabei ist er ein neun Kilo schwerer kapitaler Kater.
Paul und Eddie sind vier Jahre alt, also etwas gesetzter als Karl, aber noch nicht senil.
Schätzungsweise Mitte dreißig, auf menschliches Verhalten bezogen.

Und dann ist da noch Emily, das Sorgenmädchen. Sie ist 16 Jahre alt, bewegt sich wie eine 95-jährige, der böse Buben das Geh-Wägelchen geklaut haben und ist allgemein hinfällig, schläft viel und mag nicht gern dabei gestört werden.

Karl und Paul ärgern sie gern. Was mich aggressiv macht.

Dieser gemischten Gesellschaft wurde also heut der Kratzbaum präsentiert.
Sofern etwas in diese Wohnung kommt, was die Damen und Herren Fellnasen nicht kennen, wird das Neue erst einmal aus sicherer Entfernung beobachtet. Neues Mobiliar macht da keine Ausnahme.
Da sitzen die Herrschaften unten im Garderobenschrank, und drei getigerte und ein gefleckter Katzenkopf schauen um die Ecke, stets bereit, wieder in den Tiefen des Schranks Schutz zu suchen, sollte das, was neu ist, vielleicht ein Drache sein, ein Gauner, ein Monster oder etwas, was nach Tierarzt riecht.
Soweit haben wir also ein Setting, das sehr nach schlechtem Kinderbuch aussieht.
Nach der Sorte mit beleuchtetem, Musik machenden pädagogischen Zaunpfahl. (Bin mir hier mit der Dativ-Akkusativ-Reihe nicht sicher...)
Mit einem Problem, dessen Lösung irgendeine banale Weisheit vermitteln soll.
Und so wie in diesen Büchern war es auch hier:
Die Schwächste hat sich als erste getraut, den neuen Gegenstand anzuschauen.
Megacool wackelte meine kleine, schwache und inzwischen wirklich hinfällige Emily aus ihrem sicheren Versteck (in den Schrank kommt sie nicht mehr, sie sitzt meist drunter) und näherte sich schwankend, aber zielstrebig dem Kratzmöbel. Das roch wohl sehr nach Zoohandlung und den beiden Hunden, die da immer rumlaufen.
Nachdem sie weder angefallen noch gefressen noch sonstwie beeinträchtigt wurde, kamen dann auch die Herren.
Erst der Jüngste, dann die beiden kraftstrotzenden Großkater (jeder von ihnen doppelt so hoch wie Karlchen).

So.
Das ist tatsächlich so wie in einem schlechten Kinderbuch.

Der Schwächste traut sich was.

Hurra.

Die Lehre daraus ist, dass in Jedem Mut steckt. Selbst in kleinen alten Katzen.

Also genau die Art Handlung, über die sich schlicht gestrickte Bücher auslassen.

Auf der Meta-Ebene (krieje mer später) stellen wir jedoch fest, dass offenbar das Leben selbst auch seine Plots aus schlechten Kinderbüchern entnimmt.


Was macht dann -bitte schön- gute Kinderbücher zu guten Kinderbüchern?

Ganz einfach- gute Kinderbücher erkennt man daran, dass Erwachsene sie gerne lesen.


Schönen Mittwoch noch,

Lily

Dienstag, 19. Mai 2009

Bewegende Momente

Donnerstag, 14. Mai 2009

Parallel


Wie wär es doch schön, wenn es für so manche Erscheinungen eine andere Welt gäbe.
Ich mein, gegenüber einigen Exzessen des Internets („Du, ich drück dich jetzt mal gaaaanz fest“) hilft nur a) Zensur oder b) Zensur.
Da wir aber alle keine Zensur wollen: Wie wärs da mit einem parallelen Internet?

Für alle die, die unentwegt Sternenstaub streuen, virtuell Menschen umarmen oder ihre Haustiere nach deren Ableben über die Regenbogenbrücke schicken, damit dann in einem (hoffentlich!) virtuellen Land mit lauter Milch, Honig und pastellfarbenen Blüten Kätzelein und Hundilein über eine Wiese tollen können.
Würg.
Also für die ein Internet II, bitte.
Eine Nummer III könnte man für die vorsehen, die so schlechtes Deutsch in Forenbeiträgen benutzen, dass man sich so manchen Beitrag laut vorlesen muss, um einen vagen Gedanken bezüglich seiner Bedeutung zu erhaschen. Die können eigentlich nicht an einer Realität teilnehmen, denn dazu gehört, dass man sich verständigen kann.

Leider ist der Nachwuchspenner, der heut morgen die benachbarte Schule betrat (in Jogginghosen und Adiletten- es ist eine Realschule) nicht virtuell. Sonst käm er in Abteilung IV.



Einen schönen Tag allerseits,


Lily

Dienstag, 12. Mai 2009

Scheiß-Tage

Gestern war ein solcher.

Fing an mit einem der notorisch schlecht gemachten Bescheide der Universitätsverwaltung (über den sich das Verwaltungsgericht freuen wird- oder auch nicht) , setzte sich fort über eine Auskunft, die mir von meiner Personalverwaltung gegeben wurde (Frage: Welche Ansprüche gibt es bei dem-und-dem Sachverhalt? Antwort: Ergibt sich aus dem Gesetz…. Danke schön auch. Werde ich meiner Kundschaft demnächst auch so mitteilen- scheint ja der neue Stil des Hauses zu sein.)

Die Krönung ereignete sich in der Mittagspause:
Die ExBraut und ich lustwandelten durch den nächsten Discounter in Erfüllung des gesetzlichen Konjunktursicherungsauftrags.
Ebenso unterwegs: Diverse andere Menschen, unter anderem eine Frau mit zwei kleinen Kindern, zwei Mädchen, schätzungsweise drei und fünf Jahre alt. Frau marschiert mit der Älteren vorneweg, die Kleine trödelt hinterdrein- bis ich mich umdrehe und sehe, dass das Kind eine Plastiktüte überm Kopf trägt.
Eine durchsichtige Plastiktüte, runtergezogen bis zu den Schüsselbeinen.
Das Ding sehen, und dem Kind vom Kopf reißen, war ein Vorgang. Irgendwie logisch, sollte man meinen.
Dass das Kind anfängt zu brüllen, wenn eine völlig fremde Frau es anfasst- auch noch okay.
Die Frau, alarmiert, dreht sich um und sieht mich da stehen…
Ich sag: He- das Kind hat eine Plastiktüte überm Kopf
Antwort dieser Frau: Weiß ich! (gefolgt von grenzdebilem Starren)
Ich: Sie wissen aber auch, dass das gefährlich ist?
Antwort: Ja… (Unterton: Und was geht dich das an, blöde Kuh?)

Ich hatte eine dicke, lange Salami in der Hand. Bei der Antwort war ich versucht, einfach mal damit zu werfen. Ich hab sie dann in den Einkaufswagen geschmissen (und später zurück ins Regal gelegt).

Habe beschlossen, in meiner Freizeit Schilder zu basteln, auf denen „Warum??“ steht. Die wird man immer brauchen, scheint mir- solange Leute sich auch mit einem IQ in Außentemperaturhöhe erstens fortpflanzen und zweitens die Kinder auch noch behalten können. Und mit denen raus dürfen.
Und wenn man sie (also die Schilder) nicht mehr braucht, um sie an Straßenrändern und an Häuserwänden aufzustellen, kann man solchen Menschen damit eins überbraten.
Humorlos,

Lily

Donnerstag, 7. Mai 2009

-sans titre-

Manchmal wird das Leben ein bisschen viel, anstrengend und auch ein bisschen nervtötend. Und manchmal nimmt das Chaos um einen herum zu, ohne dass man selbst was dafür kann.
So eine Zeit ist es grad, und das ist der Grund, weshalb ich eine Pause mache. Zumindest blogtechnisch wird es in der nächsten Zeit stiller werden. Bleibt mir gewogen, aufhören will ich nicht- nur abbremsen.
Dass vielleicht keine Kommentare bei den lieben Mitbloggern stehen werden heißt nicht, dass ich nicht lese, sondern nur, dass ich nicht schreibe.



Alsdann- gehabt Euch (erst mal) wohl,


Lily

Mittwoch, 6. Mai 2009

Das Ruhrgebiet up to date

Heute bei einer kleinen Tour de Ruhrgebiet gesehen:

Die Autokennzeichen E-GO. GE-IL. GE-IZ. GE-LD und BOT-OX.
Ja, auch wir können uns am Zeitgeist besaufen...


L

Ach wie gut, dass niemand weiß…

… ob ich ein hakenschlagender Hase oder ein hasenschlagender Haken bin.
Das eine ist ein potenzielles Opfer, das andere eine Waffe- und doch besteht in summa kein Unterschied zwischen beiden, denn sie bestehen aus der gleichen Anzahl gleicher Buchstaben.

Woraufhin sich jetzt strenggenommen ein Diskurs über die physische Welt und ihr sprachliches Abbild (respektive dessen schriftliche Repräsentanz) anschließen müsste. (Wirklich? Eher doch nicht.)

Mein Philosophielehrer hat immer so ein merkwürdiges Gesicht gemacht, wenn ich im Unterricht aufgezeigt habe. Vermutlich, weil er bereits wusste, was da kommt. Da ich Euren Gesichtsmuskeln Qualen ersparen will, beantworte ich die Frage danach, ob ich Opfer oder Waffe bin mit einem beherzten „Kommt drauf an.“


Energisches Abwarten hat auch schon so manches Problem gelöst. Und: Wer will schon in Alarmismus verfallen?


In diesem Sinne: Schönen Mittwoch.


Lily

(Die derzeit sehr schräg drauf ist)

Montag, 4. Mai 2009

Aussichten: Wechselhaft.

Am Freitag lief auf 3Sat den lieben langen Tag Musik- pop around the clock hieß das, oder so ähnlich.
Unter anderem war da Tina Turner zu bewundern.
Nu ist ja Alter als solches noch kein Verdienst, es (oder seine ungeliebteren Nebenerscheinungen) offenbar erfolgreich hinauszuzögern auch nicht.
Aber mein lieber Herr Gesangverein…
Das Thema Unsterblichkeit wird bei Ms Turner erheblich viel versprechender in Angriff genommen als bei Jopie Heesters- wobei der natürlich auch näher dran ist. An der Unsterblichkeit. Immerhin könnte er ihr Vater sein.
(Wobei sich mir die Frage stellt, ob man tatsächlich näher an der Unsterblichkeit dran sein kann als jemand anderes. Schließlich ist das kein fester Punkt, den man irgendwann erreichen haben könnte)
Was mich zu der weiteren Frage bringt, warum ich eigentlich, wie ich am Wochenende feststellen musste, offenbar bei der Vergabe der Angelgebiete im familiären Genpool die schlechten Karten gezogen habe.
Sofern es in meiner Verwandtschaft zwei Möglichkeiten gab, um zum Beispiel Haarfarben, Körpergröße oder sonst irgendein Merkmal zu verteilen, hab ich immer, immer, immer ins Klo gegriffen.
Nun gibt es keinen Grund, stolz zu sein, wenn man zB. Omas schöne Hände geerbt haben sollte. Das ist kein Verdienst, das ist einfach so. Genauso wenig sollte man sich selbst fertig machen, weil es Tante Ännes Beine, die mit der Zellulite, den Krampfadern und den Wöcheln gewesen sind, die der Natur als Bauanleitung dienten.
Aber ein wenig mit dem Schicksal hadern darf man.
Das Wochenende hat mich deshalb drauf gebracht, weil ich Besuch von meiner Nichte hatte. Manches ist echt ungerecht. Und Trost ist nicht wirklich in Sicht. Ich gönne dem Kind trotzdem seine hübschen Augen und die schönen Beine- ich hab die von der anderen Oma geerbt.

Mein Internetprovider teilte mir heut morgen bei der versuchten Abfrage meiner Mails mit, dass mein Zugang nach 5 Fehlversuchen gesperrt sei – wtf?? Normalerweise ruft Thunderbird die Mails ab, und heut nacht um halb eins war das noch problemlos möglich. Thunderbird vertippt sich eigentlich auch selten- wer hat also fünf verschiedene Versuche gemacht, meinen Mailaccount zu hacken?
Da ich eine von den Leuten bin, die so was (Fehlermeldungen) nie glauben können, und einfach keiner Maschine wirklich trauen, hab ich einfach das alte Pw noch mal eingegeben. Natürlich gings, ohne Probleme. Wieder ein paar graue Haare völlig umsonst gewachsen.

Es gibt kaum was Ekligeres als dabei zu zuhören, wie im Nebenraum ein Kollege mit so einem kleinen Knipsding seine Maniküre erledigt. Diese Abteilung hat seit Jahrzehnten (so lange ich da bin, und das SIND Jahrzehnte) immer einen Knipstyp gehabt… und mir bleibt nur die Anmerkung: Auch Gewohnheit macht es kein bisschen besser.

Zu den Zumutungen zählt ebenfalls das morgendliche Kaffeeschlürfen, das Gähnen ohne Hand vor dem Mund, ungebremstes Räkeln und Strecken. Explosives (und, traut man seinen Ohren, auch durchaus genossenes ) Niesen. Bohren in den Zähnen mit aufgebogenen Büroklammern. Und, und, und.
Also die gleichen Dinge, die auch eine Ehe zu ruinieren vermögen. Während sie jedoch in der ruinierten Ehe für ein schnelles Ende derselben sorgen, tröstet man sich in der Bürogemeinschaft damit, dass man ja nicht miteinander verheiratet ist. Nun, das mag meistens stimmen- aber es hat sich, zumindest in meiner Vergangenheit, herausgestellt, dass man einen Ehemann weitaus leichter wieder los wird als Arbeitskollegen.

Was mir das sagen will, weiß ich aber auch nicht.

Stets die eure,

Lily