Ich hol das Thema wieder nach vorn, sozusagen. Während einige von uns sich Gedanken machen, wie sie ihr Leben führen werden, wenn sie in Rente sind, müssen andere überlegen, wovon sie es führen werden. Wenn am Ende einer langjährigen Arbeitsgeschichte die Grundsicherung winkt droht, dann kann man sich schon zu Recht fragen, was der ganze Aufwand eigentlich sollte- und warum man sich den A... aufgerissen hat, um sein Geld zu verdienen.
Ich hab da leider weder Trost noch gute Ideen, was mich immer sehr unzufrieden hinterlässt. Auch leider lernt man aus so mancher Geschichte, dass es sich nicht "lohnt", zum Beispiel für die Kindererziehung zu Hause zu bleiben, denn da ist man nicht nur rententechnisch bestraft, wenn man die Entwicklung der Unterhaltsrechtslage bedenkt. Es hakt da im System, und zwar ganz übel. Dass ein Einkommen, welches eine Familie unterhielt, für zwei Haushalte dann einfach nicht reicht, ist kein Wunder. Kein Elternteil sollte seinen Fuß aus der Erwerbstür nehmen, schätze ich mal- denn aus allen vollmundigen Parolen über den Wert der Betreuung der Kinder zu Hause kocht keine noch so geniale Hausfrau ein sättigendes Süppchen, wenn es dann hart auf hart kommt.
Dass viele der arbeitenden Elternteile (egal ob Mutter oder Vater) dann auch noch widerspenstig auf ihrem Geld hocken und es lieber verbrennen, als etwas davon an ihre Kinder und Ex-Partner weiter zu leiten ist eine andere Geschichte, die mich aber nicht minder sauer macht.
Das krasseste Beispiel für sowas ist mir vor Jahren mal begegnet. Da war eine Bekannte von mir frisch getrennt vom Ehemann und Vater des einzigen gemeinsamen Kindes. Unterhaltszahlungen vom Vater waren für das Kind nicht zu kriegen, und sie ließ sich beraten, was sie tun könne. Im Verlauf des Gespräches stellte sich dann heraus, dass der Vater ihres Sohnes noch zwei weitere Kinder aus einer früheren Ehe hatte. Auch diese sahen nie einen Pfennig- dafür hatte jedoch die Bekannte gesorgt, indem sie zusammen mit dem Vater Kohle beiseite geschafft hatte, Verträge manipuliert und somit den Vater in die Situation versetzt hatte, die Zahlungen an seine Kinder zu verhindern.
Ich hab es als ausgleichende Gerechtigkeit empfunden, dass sie nun da saß und sich schwarz ärgerte, dass der Typ davon kam.
Sonntag, 13. Juli 2014
Svenjas Kommentar und die Folgen, Teil II
Donnerstag, 10. Juli 2014
Svenjas Kommentar und die Folgen.
Was reißt uns morgens hoch und mittags mit? Wovon wollen wir uns dann noch ausruhen? Ich hab, ehrlich geschrieben, ein bisschen Furcht davor, dass die Aussicht auf so viel freie Zeit mich erst deliriös und dann depressiv macht (Ihr bemerkt hoffentlich die heutige Tendenz zur allgegenwärtigen Alliteration?) Das morgendliche Aufstehen werden die Katzen schon veranlassen, da bin ich mir sicher- wenn sie dann noch leben. Karl und Paul sind jetzt 7 und 9 Jahre alt, meinen 65. Geburtstag erleben sie daher vermutlich nicht mehr. Das Greteltierchen ist erst 3, die wird dann, bestenfalls, eine betagte Katzenlady sein, aber nicht zwangsläufig schon tot. Eine Nachfolge ist für keine meiner Fellnasen vorgesehen. Wer ab jetzt in den Katzenhimmel wandert, dessen Platz wird nicht neu vergeben. Allein schon, damit ich flexibler sein kann, wenn der P-Fall eintritt. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass ich auch nicht das Bild von Gesundheit darstelle.
Montag, 7. Juli 2014
Nur noch Verrückte, oder: 1000 Gründe, warum ich Urlaub brauche.
Hier ist heute morgen die örtliche Irren-Armada vorbeigezogen. Über alle Toppen geflaggt, barfuß oder im Wintermantel oder beides, unter lautem Absingen obskurer Lieder und unter dem Nachhall der zwischen den Steinmauern hin- und hergeworfenen Echos ihres eigenen Gebrülls. Da kommt man sich doch sehr gesund vor, zumindest psychisch. Wenn ich brülle, dann nur zu Hause.
Gleichzeitig frag ich mich, wann ich zum letzten Mal so spontan war, auch draußen herumzuschreien. Keine Ahnung, vermutlich mit 5 oder so.
Mein Wochenende war ein verlängertes. Am Freitag hatte ich frei, und habe dann die drei Tage damit verbracht, genau nüscht zu tun. Hab mich von der linken auf die rechte A...backe gedreht, nachts nicht geschlafen, dafür tagsüber die Augen kaum aufgekriegt und versucht, mich zu ein wenig Hausarbeit zu motivieren. Vergeblich. Naja, immerhin hab ich heute morgen den Müll mit rausgenommen. Dafür hab ich mich die ganze Zeit Scheiße gefühlt.
Ich hasse es übrigens, wenn eine Bürgernachfrage sofort zu einem derartigen Aufruhr führt, dass beinahe der Sachbearbeiter zu Hause angerufen werden muss. Leute, ich finde auch, dass man Menschen nicht unnötig warten lassen soll. Aber eine Anfrage am Freitag kann man auch ohne Schwierigkeiten erst am Montag beantworten, wenn die zuständige Kraft gerade mal einen Tag Urlaub hat! Das Finanzamt hat letztes Jahr den Steuerbürgern geschrieben, dass vor einem halben Jahr nicht mit einer Steuererstattung zu rechnen ist. Das sind Deadlines, ihr Lieben. Da finde ich es doch zumutbar, wenn eine Frage nicht unmittelbar, sondern erst am nächsten Arbeitstag erledigt werden kann.
Alles in allem nervt das Leben derzeit, und fühlt sich so an, als kenne es nichts schöneres, als die Lily vor sich her zu kicken. Blaue Flecken hab ich schon überall.
Jawoll.
Samstag, 28. Juni 2014
Mittwoch, 25. Juni 2014
In der Mittagspause
in der Stadt vor meinem eigenen Spiegelbild zurück geschreckt.
Das muss mir erst mal wer nachmachen.
Montag, 23. Juni 2014
Blanker Hass...
stellt sich nach 12 Stunden im Büro ein, weil man immer noch nicht nach Hause kann- nur, weil so ein verf.... Kopierer sich einen Wolf kopiert. In regelmäßigen Abständen steht man auf, macht ihn sauber, gibt ihm was zu futtern, haut ihm eine in die Fresse- weil man nun schon über 12 Stunden hier ist, ohne Mittagspause, und ganz einfach die Schnauze voll hat.
Wie gut, dass Beamte immer nur schlafen, ihr Geld für gar nüscht kriegen, und ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
Allein lassen kann man das Mistgerät nicht, weil es garantiert dann in Flammen aufgeht.
Ich mach jetzt Schluss hier. Ist eh kein Papier mehr da. Soll das Scheißding doch verhungern.
Ist doch wahr.
Sonntag, 22. Juni 2014
Operationen
fordern manches Mal ihre Opfer, so auch das Unternehmen "Wir basteln uns einen CD-Player in die Gisela"
Erst musste ich OP-Besteck vom großen Versandhaus mit dem Flussnamen ordern. Weil nämlich der alte Geräuscherzeuger ein Original-Geräuscherzeuger war, ein VW alpha Autoradio von Anno Schnuck. Das saß natürlich bombenfest, wie man das so kennt, und die Aussage des Verkäufers "Ausziehaken sind im Handschuhfach" stimmte natürlich nicht. Aber, wie gesagt, einen wohl erwogenen Klick und ein, zwei Werktage später hielt ich das Besteck auch schon in Händen.
Und es funktionierte, sofort, ohne Diskussion und Allüren. Radio raus, Stecker abziehen, CD-Player anstöpseln, Testlauf (läuft), Kabel in Schacht schieben, Player hinterher, Gerät passt nicht rein.
Diverses Schieben und Drücken später passt es immer noch nicht rein, aber fast. Dafür funktioniert es nicht mehr.
Es hat schon im alten Auto nicht so hundertpro das getan, was es sollte. Das lag aber daran, dass die Exotenkombi von Auto von 1991 samt CD-Player aus 2012 noch getoppt wurde von dem Feature, dass die Silbermaus eine elektrische Antenne besitzt. Die fest verdrahteten Multistecker sorgten dafür, dass diese Antenne Dauerstrom hat, dafür aber der Senderspeicher des Radios nicht, fragt nicht. Jedenfalls war mit dem Auto nicht an Waschstraße zu denken (wegen des ständig erigierten Elektropenis der immer ausgefahrenen Antenne), dafür hab ich aber auch kaum Radio gehört (weil Rauschen).
Nun denn. Mal schauen, ob mir wer sagen kann, was der Player hat. Ansonsten wird halt das alte Radio wieder eingesetzt. Wenn das auch nicht mehr funktioniert, dann tipp ich mal auf die Sicherung. Werde gleich mal in der Bedienungsanleitung nachschauen, was noch mit dem Radio zusammen abgesichert ist. Aber wie kann der Schacht für das Radio so viel kürzer sein als beim alten Auto??
Fragen über Fragen. Und keine Antworten!!einseinself.
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Der hiesige Husten ist ein wirklich, wirklich böser. Und weil das so ist, und ich nachts nicht mehr schlafen konnte (entweder ich musste husten, oder ich hörte meine Lungen pfeifen und schleifen, in Stereo!) blieb mir für ein paar Nächte nur das Schlafen im Sitzen, auch das "Wie kriegst du Rücken- und Kopfschmerzen in nur einer Nacht??"-Rätsel genannt. Schlafmangel macht mir hohen Blutdruck. Fieber desgleichen. Blutdruck fügt der Lungensinfonie auch noch einen Soundtrack von Herzklopfen hinzu.
Sehr, sehr ärgerlich.
Ärger macht auch hohen Blutdruck!
Vor ein paar Tagen hab ich mich also entschieden, mit dem Rauchen aufzuhören (keine Tat insofern, es ging ohnehin nicht mehr). Cold turkey also hier chez Lily. Stolz bin ich darauf, dass noch niemand ums Leben gekommen ist, denn mein erstes Hauptproblem beim Rauchen-Aufhören ist immer, dass ich in eine mörderisch miese Laune komme. Bisher hab ich mich nur ein bisschen herumgezankt, und ich hab die obligatorische Schlafsucht. Von Schmacht ist kaum was zu merken, und die Lungen sind schon viel besser drauf als Mittwoch oder Donnerstag. Es sind sogar schon Atemzüge ohne Erstickungsanfälle passiert, jawoll. Und heute nacht hab ich zum ersten Mal durchgeschlafen von 23 bis 3.30 Uhr. Ohne Husten.
Mal abwarten, wann die üblichen Aufhör-Erscheinungen anfangen. Ich werde berichten.
Einen schönen Sonntag an euch alle,
Eure Lily von den Bronchien.
Donnerstag, 19. Juni 2014
Lungen krank
Schrub ich im letzten Post was von kranken Lungen der Bergleute? Komisch. Einen Tag später erwachte ich morgens mit der Mutter aller Hustereien, schmerzhaft und überflüssig. Wahrscheinlich die Rache der Menschen mit Silikose.
Inzwischen haben wir Donnerstag, der Husten tut weniger weh als die strapazierte Atemhilfsmuskulatur (AUA!) und ich weiß wieder, wie sich richtig hohes Fieber anfühlt. Um mich herum Asthmaspray, Hustensaft, Hustentee, Schmerzmittel, fiebersenkendes Zeugs, welches nicht half. Stattdessen mussten es dann gestern Abend Wadenwickel werden, nachdem die Temperatur über 40 ° anstieg. Die Wickeldinger haben dann aber gut, schnell und sehr angenehm geholfen. Ich hätte gewettet, dass es unangenehm kalt ist, aber das stimmt nicht. Da hab ich das Gebrüll meines Sohnes vor weit über 20 Jahren wohl fehlinterpretiert. Wobei ich noch verstehen kann, dass er schrie, als wir ihn mangels Alternativen mal in einem absteigenden Bad abgekühlt haben. Da hatte er knapp 42 °, und durfte.einfach.nicht.höher.fiebern, weil er ohnehin schon zu epileptischen Anfällen neigte. Und alles Paracetamol der Welt half nicht. Das kühle Wasser dann aber schon. Dabei sollte das Wasser beim Hineinsetzen des Patienten knapp unterhalb der Körpertemperatur ( so ein Grad niedriger) liegen, und langsam mit kaltem Wasser auf lauwarm (30-33 Grad) heruntergebracht werden. Das Kind nur ein paar Minuten (max. 5) in der kühlen Umgebung lassen, dann sehr gut abtrocknen und ins Bett stecken. Mit einem Badethermometer die Wassertemperatur kontrollieren, das eigene Gefühl reicht da nicht!
So scheiße, wie man sich bei Fieber fühlt, ist es kein Wunder, dass man versucht, es los zu werden. Eigentlich ist es aber was durchaus Positives, denn es zeigt, dass das Immunsystem tut, was es soll. Ich hab auch nur was dagegen gemacht, weil es > 40° waren, und weil ich allein bin. Der Blutzuckerspiegel steigt dann, was er ohnehin schon wegen des Asthmasprays tut, und eine Matschbirne wegen hohem Blutzucker plus Fieber ist dann auch ein Sicherheitsproblem hier chez lonesome Lily.
Aber heute ist es schon entschieden besser, bisher jedenfalls.
Und ich hab immer noch Spaß an meinem "neuen" Auto, Gisela heißt sie. Die rote Gisela, um genau zu sein. Vielleicht fahr ich morgen mit ihr in die Waschstraße... das wird bestimmt romantisch.
Und ganz bald operiere ich ihr einen neuen CD-Player ein. Dann haben wir auch Musik zu unseren feinen Waschstraßenabenden. Herrje, das wird eine Freude!
Viel Spaß auch Euch an den Monitoren und MonitorInnen!
Vonne Lily.
Sonntag, 15. Juni 2014
Scoot, scooter, am scootesten
Wie vielleicht noch keiner mitbekommen hat, pflegt man hier chez Lily stets ausgesuchte und gepflegte Luxuskarossen dezent klapprige Tüv-Kandidaten zu fahren. Ich fahre gern Auto, finde aber maximal das Loch zum Spriteinfüllen und das, wo man Scheibenwischwasser reinkippt. Das sind zwei Dinge, die sich nur dauerhaft vertragen, wenn man entweder einen passionierten Bastler bei sich wohnen hat, oder ausreichend Kohle sein eigen nennt, um die Fachwerkstatt seines Vertrauens in Lohn und Brot (und den Chef auf den Malediven) zu halten. Beides ist nicht der Fall. Obwohl- für die eigentlich stets nötigen Reparaturen an den Fahrzeugen meiner Wahl könnte man auch eine schöne Hochzeit ausrichten, mit einem guten Schrauber, der noch ein Zuhause sucht...
Im Grunde ist es so, dass es, halbwegs ordentliche Substanz vorausgesetzt, sich für mich lohnt, für 500 € einen frisch getüvten Wagen zu kaufen, der folgende Voraussetzungen erfüllt:
a) fährt
b) hält auch wieder an und
c) man sitzt trocken und kann Katzenstreu drin transportieren.
Gestern war es wieder so weit.
Die Plakette am alten Auto ist blau und zeigt eine Ziffer, die gemeinhin "4" genannt wird. Da ich der festen Meinung war, jener schändliche Termin, an dem wir uns trennen müssen, läge erst im Mai, war ich gelinde gesagt überrascht, Anfang Juni festzustellen, dass der Termin schon verstrichen war- und wurde etwas hektisch. Das ganze wird noch komplizierter, wenn man weiß, dass die Silbermaus schon stattliche 23 Jahre das Werk in Wolfsburg nicht mehr gesehen hat, und im letzten Jahr eine etwas problematische Phase hatte, gekennzeichnet durch Probleme beim Anbleiben. Sie ging an jeder Ecke aus, weil etwas schwer krank war, was die Drehzahl, abhängig von der Motortemperatur, steuerte. Je heißer desto will nicht, kann man das Fehlerbild zusammenfassen. Das war nur auszugleichen, in dem man ordentlich runterschaltete und an Ampeln oder wo immer man sonst mit Leerlaufdrehzahl herumzustehen pflegt, den Fuß nienichtniemals vom Gas nahm. Leider führte das zu erhöhten Strafzahlen an der Tankstelle. Als ich endlich einen Schrauber fand, der bereit war, den Schlüssel in die Hand und die Silbermaus in Augenschein zu nehmen, dauerte es Wochen, bis dieses mysteriöse Ersatzteil geliefert wurde. Bis dahin hatte die Maus sich ein fieses Rasseln auf der Lunge in dem Teil zugelegt, in dem "moderne" Autos Keramik vorzuweisen hatten. Zu deutsch: Die stark erhöhten Motortemperaturen durch Dauer-Gas hatten den Kat zerlötet. Ausgeglüht und zerscheppert.
Was für einen charakteristischen Motorsound sorgte, und seit Anfang Juni für verschämtes Nebenstraßenfahren, denn eine Begegnung mit unseren uniformierten Kollegen wäre angesichts des Lärms schon peinlich gewesen, und ich schätze mal nicht, dass ich überzeugend hätte darlegen können, dass ich nicht weiß, was ein Tüff ist. Merkwürdig, wie allein das Bewusstsein einer Zahl auf einer Plakette einem jedes Selbstbewusstsein nehmen kann. Und die Frequenz wahrgenommener silber-blau lackierter Autos mit Blaulicht oben drauf stark erhöht.
Schlaue Leute hätten wahrscheinlich am Montag Abend die Silbermaus in den Wald gefahren und um ein paar Äste von oben gebetet. Das ist mir jedoch erst am Dienstag eingefallen.
Wie dem auch sei. Ein Anruf eines Freundes meines Sohnes, dessen Onkel... ihr wisst schon, hatte zur Folge, dass ich seit gestern wieder im Besitz eines Autos mit gültiger Plakette bin. Hat fast 100.000 km weniger auf der Uhr als die Silbermaus, und zwar echte, und nicht durch ein Lifting mit dem Akkuschrauber erzeugte (wie die ungefähr hundert beigelegten Rechnungen belegen), fast zwei Jahre Laufzeit auf der ominösen Plakette und kostete mal wieder 500 €. Es ist aber ein Automatic. Der erste, den ich seit mehr als dreißig Jahren fahre. Jeder, der nach langer Zeit vom Schaltwagen auf einen Automatik umsteigt weiß, dass es keine übleren Überraschungen gibt, als in seinem Automatik auf die Kupplung zu latschen. Das ist mir so nach einem Jahr Fahrpraxis passiert, als ich an der ersten Ecke mit dem geliehenen Schwiegervaterauto sehr plötzlich anhielt. Wer kann auch ahnen, dass die Abläufe beim Anhalten schon nach so kurzer Zeit so tief sitzen? Und dass man eine Kupplung ganz anders tritt als eine Bremse?
Wie dem auch sei. Die ersten 30 km gestern liefen komplett schreckfrei ab. Denn, Überraschung!- die "neuen" Automatiks haben kein Bremspedal in Kuchenblechgröße mehr. Da besteht keine Chance, das Ding mit dem linken Fuß zu erwischen. Ergo hab ich ab Kilometer 2 es sehr genossen, dem linken Fuß die Ruhe zu gönnen, die er nach 33 Jahren Schaltwagen auch verdient hat.
Nur das mit dem Parken, das ist komisch.
Aber sonst? Wie Autoscooter, nur ohne die komischen Sounds aus den Lautsprechern...
Werrrrrwillnochmalwerhatnochnicht? Einsteigen, Herrschaften!!!
Schönen Sonntag, ihr Lieben! Ich geh jetzt Autofahren. Und alle Nachbarn werden mich lieben, weil ich nicht mehr mit dem Geräusch von tausend lungenkranken Bergleuten mit defektem Auspuff vom Hof rollen werde.
Vorerst.
Dienstag, 10. Juni 2014
Sensibelchen
Gesten nachmittag gegen vier verkroch sich Kater Paul, der Unerschütterliche, plötzlich unterm Sideboard im Flur und war nicht für Geld und gute Worte wieder herauszulocken. Nicht mal Futter konnte ihn dazu bewegen, da heraus zu kriechen.
Dann brach, gegen halb zehn, die Hölle los in Gestalt des Unwetters... bis gegen halb zwölf haben wir (ein paar ausgewählte Nachbarn und ich) im knöcheltiefen Wasser im Keller gestanden und versucht, der Massen Herr zu werden- sowas geht bei uns mit einer Art Luftschutzalarm los, wenn nämlich die im Keller befindliche Abwasserpumpe sich zu Wort meldet, weil sie einen Rückschlag hat. Wasser ist flüssig, Herrschaften, und von Besen nicht sehr beeindruckt. Die armen Schweine, die unter mir im Souterrain wohnen, hat es wieder mal erwischt. Mal sehen, wie lang die da noch wohnen. Die Mieter davor sind nach dem letzten Starkregen ausgezogen, und sie waren nicht die Ersten. Ich versteh die Vermieter nicht so ganz. Sie haben die ganze Wohnung saniert, aber in den Wohnräumen wieder Laminat verlegt. Fliesen wären sinnvoller gewesen. Jedenfalls war das ein feucht-fröhliches Happening. Die Mieter, die es vorgezogen haben, die Nassokalypse versteckt in ihren Wohnungen zu erleben, die haben wir am Ende geweckt, um ihnen mitzuteilen, dass wir fertig sind und sie ihre Keller inspizieren sollen. Hat Spaß gemacht.
Heute morgen dann, nach Durchzug eines weiteren Unwetters, kam auch der Kater wieder zum Vorschein.
Mein Chef kommt nicht aus seiner Ausfahrt raus, wegen eines umgestürzten Baums, die Autobahnen sind gesperrt und alle sind froh, dass die Schülerbringmütter mit ihren Kindern noch zu Hause bleiben, weil Pfingstferien sind.
Es heulen die Motorsägen und die Martinshörner.
Alles wird gut :)
Samstag, 7. Juni 2014
A Murder of Crows, a Lamentation of Swans
Wie man der Überschrift unschwer entnehmen kann, ist hier bei der Lily das ausgebrochen, was man English Times nennen kann. Ich habe nämlich zugeschlagen, und mir nach 5 Staffeln Lewis auch noch den kompletten Inspector Morse zugelegt, alle knapp 60 Stunden davon. Leider gab es letzteren nur in der englischen Version als Gesamtausgabe zu kaufen. Sei's drum, dachte ich mir, es schadet nicht, sich mal wieder ein bisschen einzuhören, und zwar ins britische Englisch. Dabei hab ich mir nicht vorstellen können, wie absolut unverständlich einige regionale Dialekte sein können... Den Titelhelden selbst kann man gut verstehen, aber seinen Sergeanten? Selbiger, der dann später mit Lewis sein eigenes Spin-Off bekommen hat, kommt aus einer Gegend, in der offenbar kein Englisch gesprochen wird, zumindest nicht die Sorte, die ich kenne.
Während also auf dem Bildschirm krimigerecht die Toten rechts und links herniedersanken, musste ich in den ersten zwei Folgen tatsächlich die Untertitel mitlaufen lassen. Gleichzeitig lesen und hören ist aber irgendwie nicht mein Ding, es sei denn, ich lese ein Buch beim Fernsehen. Das geht, merkwürdigerweise. Aber dieser kleine Zeitunterschied zwischen schnellem Lesen und etwas langsamerer Sprachausgabe ging mir wirklich auf den Zwackel. Also hab ich dann die Untertitel abgeschaltet, und die nächsten zwei Folgen kaum verstanden, worum es ging (außer Bergen von Gemeuchelten, die aber nicht mehr sprachen, zum Glück).
Die Morse-Geschichten sind, alles in allem, erheblich düsterer und krasser als die neueren Lewis-Folgen. Letztere sind sehr schön fotografiert, und zeigen Oxford von seinen prachtvollen Seiten, während bei Morse die Bilder nicht so hübsch daher kommen. Immer begleitet von klassischer Musik (die Untertitel nennen die Stücke, wenn es sich um Musik handelt, die der Inspector aufgelegt hat oder im Auto hört- find ich schön), säuft sich Morse durch seine Krimis, Ausfallerscheinungen inklusive.
"An excellent detective, a lousy policeman", nennt die Frau eines Kollegen ihn an einer Stelle, und das hat er mit einigen anderen klassischen Krimihelden gemein: Schlechte Compliance mit den Feinheiten des zwischenmenschlichen Umgangs, aber ein prima Hirn, wenn es darum geht, wer den armen Mister Miller (ebenso wie Mr Brown, Jones und Smith) ins Jenseits befördert hat.
Schrecklich: Die Klamotten, die in den ersten fünf, sechs Folgen von den Frauen getragen wird. Gruseliges Rüschenzeug, voluminöse Kleider mit Gürteln um die Taillen geschnürt, dazu grausige Dauerwellen. Der Sexismus der Fünfziger und Sechziger, der in den ersten Folgen noch nebenbei aus dem Fernseher schwappt (a posh english voice: "Do tell me- why has a nice and pretty girl like you become a pathologist??") wird dann, so ab Folge sechs, zum Thema, auch als Motiv für Rache.
Die Einzelfolgen sind schön lang, jede dauert gute anderthalb bis zwei Stunden, so dass man mehr als zwei kaum an einem Abend anschauen kann, ohne die Schlafdauer ernsthaft zu gefährden.
Das ist auch bei Lewis so.
Was Lewis, Morse und der arg polierte Barnaby gemein haben, ist die unglaubliche Zahl der Opfer. Bei Barnaby, der ja seine Fälle in ländlicher Umgebung zu lösen hat, gewinnt man schnell den Eindruck, dass eine Folge in etwa ein Dorf auslöscht, und auf den Särgen tanzt dann der Mörder. In Oxford sind es dann noch Fach- oder Nachbarschaften, respektive Familien, bei denen Wohnungen, Lehrstühle und Familienfunktionen neu zu besetzen sind- verglichen mit einem Durchschnittstatort immer noch immens viele. Die meisten Ehepartner scheinen Seitensprünge als legitime Sportart zu begreifen, und Nachbarn sind meist ohnehin komplett verdächtig. Aber die Lösung ist oft überraschend, keinesfalls nach fünf Minuten schon ersichtlich- wirklich eine schöne Abwechslung zu den Filmen, bei denen man die ganze Zeit da sitzt und sich fragt, warum eine ganze Polizistentruppe so doof sein kann und diese oder jene Möglichkeit der Lösung komplett außer Acht lässt.
Wer also sein britisches Englisch aufmotzen will, Spaß an gut durchdachten und gut gemachten Krimis hat, der sollte zum Morse greifen.
Bei Lewis findet man ebensolche guten Geschichten, auch da sind die Lösungen anspruchsvoll, es gibt Einblicke in das Oxforder Studentenleben und eine interessante Beziehung zwischen dem Inspector und seinem Sergeant (Hathaway, der ehemalige Theologiestundent, gespielt von Laurence Fox, sehenswert). Kevon Whately spielt sowohl im Morse als auch im Lewis den Lewis (ach...), und macht das sehr gut.
Über den Barnaby brauche ich hier nix zu schreiben, den kann man immer mal wieder im ZDF anschauen. Aber die Geldausgabe für die DVDs der beiden anderen Serien hat sich gelohnt.
Schauen Sie bald wieder rein wenn es heißt: Krimis von Reginald Hill. Warum man die gelesen haben sollte.
Schönes langes Wochenende wünscht euch
dieLily.
Freitag, 30. Mai 2014
Sonntag, 25. Mai 2014
Was zum Gucken :)
Nachdem ich heute einen Großteil des Tages im Wahllokal gesessen und gefühlte hundert Wahlen ausgezählt habe (waren vier- Europa-, Oberbürgermeister-, Stadtrats- und Bezirksvertretungswahlen. Integrationsrat kommt erst morgen dran), hab ich die Pause zwischendurch zum Fotografieren genutzt- das Wetter war traumhaft.
Und ihr sollt auch was davon haben.
Der Friedhof, auf dem Raphael liegt |
Rhododendron |
Rose, mal von ganz nahe |
Mohntag :) |
Bei mir um die Ecke wächst das wie Unkraut |
...und zwar am Rand dieses Feldes. |
Die hingegen wachsen auf dem Schulhof am Wahllokal. |
Lily
Donnerstag, 22. Mai 2014
Weiter gehts.
Vorgestern abend hat der Tierarzt bei mir angerufen und mir mitgeteilt, dass das Katertier an einem felinen Lymphom gestorben ist. Immer bösartig, und in der Variante unheilbar. Nicht mittels bildgebender Verfahren sichtbar zu machen, es sei denn, man weiß, was man sucht (nicht der Fall gewesen).
Es ist gut zu wissen, dass die Entscheidung richtig war, ihn gehen zu lassen. Es heißt zwar, man könne eine Chemotherapie in Erwägung ziehen, die Katzen recht gut vertrügen, aber ich bitte euch- allein das Einmal-die-Woche-zum-Tierarzt, und irgendwie fixiert da eine Infusion zu bekommen hätte Eddie nicht verkraftet. Das hätte ich ihm niemals zumuten wollen. Und, wenn wir mal dabei sind, meinem Geldbeutel hätte ich es nicht zumuten können, denn hier gibt es noch drei andere Katzen, samt einer Katzenfrau, die alle was zu Essen haben wollen.
Ich kenne die Stimmen, die sagen, man muss gut überlegen, ob man seine Tiere auch behandeln lassen kann, so rein finanziell gesehen, sonst soll man sie gar nicht erst zu sich nehmen.
Hätte ich Eddie aber nicht zu mir genommen (und auch seinen Bruder), dann wären die beiden als chirurgischer Tierarzt-Abfall geendet, noch vor ihrer Geburt. Ihre Mutter sollte nämlich kastriert werden, und da stellte sich raus, dass sie bereits tragend war. Während des Urlaubs ihrer Katzenmama hat das Kätzchen damals (lange bevor sie richtig ausgewachsen war) ihre Katzensitterin ausgetrickst und ist entwischt.
Die Tierärztin, die Gina damals kastrieren sollte, hat dann bei der Besitzerin angerufen und gefragt, was sie tun soll- und der Besitzerin war es sehr unbehaglich bei dem Gedanken, die Jungtiere einfach entsorgen zu lassen. So hat sie rumtelefoniert, wer eine Katz haben wollte. Zu der Zeit hatte ich zwei, und als ich die beiden winzigen roten Tiger da gesehen habe, konnte ich einfach nicht sagen "Du kommst mit und du bleibst hier", zumal ich sie überhaupt nicht auseinanderhalten konnte. Ergo wurden es zwei Zuwächse.
Die, ebenso wie Henry und Emily vor ihnen, alle Tierarztbesuche absolviert haben, die notwendig waren. In den einschlägigen Foren kann man allerdings Geschichten verfolgen, bei denen einem gruselt. Da wird ausprobiert, operiert, medikamentiert und behandelt auf Teufel komm raus, und bei vielen scheint der Gedanke unerträglich, das Tier gehen zu lassen. Klar ist es nicht leicht, einen geliebten Gefährten auf diese Weise zu verlieren- aber bei Tieren haben wir die Möglichkeit, Barmherzigkeit walten zu lassen. Wenn wir das nicht tun, weil wir uns nicht trennen können, dann ist das keine Liebe zu Tieren mehr, sondern Egoismus in einer üblen Ausprägung.
Wie dem auch sei. Alle meine Tiere sind Tierschutz-Tiere, auch Karl ist so ein Notfall gewesen, und Gretelchen ist aus dem Tierheim. Etwas anderes kam nie in Betracht Aber es werden auch nicht wieder mehr Katzen. Die Gruppe versteht sich gut, kommt prima klar miteinander und das will ich nicht stören.
Da so ein Lymphom nicht über Nacht entsteht, frag ich mich natürlich, ob Eddies Außenseiterposition nicht daran lag, dass er bereits katzenkommunikatorisch auffällig war, oder merkwürdig roch oder so etwas... und dass er sich deshalb so an mich angeschlossen hat.
Na prima.... Aus der Reihe "Depressive Gedanken" die neueste Variante: Hast du mich wirklich lieb, oder nur einen Tumor??
Dazu passt, dass Sohn und ich gestern das Grab von Raphael fertig gemacht haben. Ich hätte meinem Enkelkind lieber etwas aus Wolle gestrickt, anstatt 50 Kilo Kies auf seinem Grab auszubreiten. Daran musste ich die ganze Zeit denken, und es war gut, dass es so heiß war. Da sind Tränen nicht vom Schweiß zu unterscheiden, der einem über das Gesicht läuft, wenn man den Kies verteilt. Natürlich ist es, eine Woche nach der Beerdigung, extrem früh, solche Arbeiten zu unternehmen. Klar wird der Boden noch nachsacken, aber -ätsch- wir haben noch Kies übrig und kippen dann nach.
Auch hier gilt, dass jede Menge Platz ist für depressives und in die Negativität kaskadierendes Gedankengut. So lange ich mich an rein praktischen Dingen festhalten kann, und das ist derzeit unter anderem die Grabpflege, kann ich die Grübelei aber in Schach halten.
Und heute trenne ich mich vielleicht von den drei himmelblauen Knäueln Wolle, samt der Bärchen-Knöpfe, die hier noch herumliegen.
Samstag, 17. Mai 2014
Und wenn es nur dafür gut ist...
es gibt bekanntlich Dinge, die man nicht so gern erlebt (Hinweis: Ja genau die). Gern fragt man sich dann, was das Schicksal (man kann auch eine Schöpfungseinheit fragen, kein Problem) einem eigentlich damit sagen will.
Und jetzt spulen wir mal ein bisschen hin und her in meinem Leben...
Wie einige von euch wissen, ist meine höchsteigene Mutterschaftserfahrung etwas, was ich eigentlich niemandem wünschen würde. Angefangen mit einer Schwangerschaft mit 17, die ich selbstverständlich allein erleben durfte (Warum gehen Väter? Richtig, weil sie es können. Aber Mütter würden es auch tun, bzw. tun es, wenn man sie lässt), durch einige Jahre, in denen ich vieles hätte besser an meiner Seite haben können als ein Baby/Kind, bis hin zu zwei kaputten Ehen, die weder mir noch meinem Sohn gut getan haben- alles nicht so prickelnd.
Diese ganzen Jahre haben mich zwar nicht an meinen Erziehungsprinzipien zweifeln lassen, wohl aber oft an mir. Denn Prinzipien sind das eine, zu wissen, das jetzt gerade eigentlich was anderes wichtig gewesen wäre, sich aber nicht dazu durchringen zu können, ist etwas komplett anderes.
Zu Deutsch: Ich hab soviel falsch gemacht, aus den falschen Gründen, dass ich seit Jahren auch auf dem Mutterschafts-Gebiet voller Schuldgefühle bin.
Dass mein Sohn mittlerweile über 30 ist, macht es nicht besser, denn die Zeiten, in denen man hätte noch Einfluss nehmen können, sind natürlich lange vorbei.
Statt eines gesunden Frühstücks und immer gebügelter T-Shirts mit 5 hab ich in den letzten Jahren zu einem Micro-Post-Adulten-Sohn-Management Zuflucht genommen- ihn eigentlich in Ruhe gelassen, aber von Zeit zu Zeit meine Ideen von seiner Lebensgestaltung mittels "geschickter" Anrufe und so einfließen lassen in seinen Alltag.
Nach Raphaels Geburt hab ich noch einen Zahn zugelegt. Verwaltung ist mein Fach, und es gab massig Dinge zu regeln. Immer dem Geschehen mehrere Meter voraus, schritt die Lily munter fürbaß, und telefonierte, mailte, faxte und machte Leute verrückt (am meisten mich selbst).
Irgendwann mittendrin, kurz vor einer ernsten Krise, hab ich den Anker geworfen. Ich saß, sozusagen, bis zum Hals in Vordrucken, hatte an zwei Telefonen gleichzeitig drei Leute und war insgesamt mega-aufgeregt. Alles natürlich nur, um meinem Sohn behilflich zu sein.
Als ich da dann so saß, stellte ich fest, dass das wirklich nicht das ist, was er benötigt. Er scheint "alles zu seiner Zeit" tief in sich verankert zu haben, und ich hab Gas gegeben bis alle Motoren auf Höchstlast liefen. Statt dessen brauchte er emotionale Unterstützung, jemanden, der ihn herumfährt und ihm das Taschentuch reicht, wenn es mal wieder nötig ist.
Ich hab mich dann zwei Tage komplett ausgeklinkt, hab nur mit ihm und den beiden besten Freunden auf der Welt telefoniert, und mich vor allem nicht von denen erreichen lassen, die selbst getröstet werden wollten. Denn wie traurig ich selbst war, das hab ich auch schön unter dem Vordruck-Berg begraben. Und Leute, die mir mit Jammerstimme ihr Elend vortragen, konnte ich nicht gebrauchen, die mussten sich wen anderen suchen in dieser Zeit.
Es ist mir nicht leichtgefallen. Denn natürlich bin ich gern die, die die Kontrolle hat. Und die abzugeben ist tricky.
Es fällt mir auch immer noch schwer, die Klappe zu halten, und nur dann was zu tun, wenn er akut einen Wunsch nach Hilfe äußert. Aber es hilft, wenn ich sehe, wie bewundernswert er diese ganze Angelegenheit in Angriff genommen hat, auf wie vielen Gebieten er außerordentliche Reife, Kompetenz und auch Konsequenz zeigt.
Egal, was zu tun ist und was zu entscheiden ist, er drückt sich nicht. Im Gegensatz zu seinem eigenen Vater hat er nicht eine Sekunde lang Zögern gezeigt, zu seinem Sohn zu stehen. Es gab immense Schwierigkeiten, die ich hier nicht ausbreiten kann, die einen heiligen Nobelpreisträger gefordert hätten, und er hat das geschultert und seine Last aufgenommen wie ein Champion. Er ist mit einem knüppelharten Schlag in den übelsten Ecken des wirklichen Lebens angekommen, ist grau geworden dabei und macht trotzdem weiter.
Und es tut gut, zu erleben, dass seine sonstige Umgebung, von der Familie über Freunde bis zu seinem Arbeitgeber, ihn ebenso wahrnimmt. Alle diese Menschen stehen ihm zur Seite, und helfen ihm mit den konkreten Herausforderungen, wie der schlichten Tatsache einer Bestatterrechnung, die nur relativ gesehen niedrig ist. So gute Freunde hat nur jemand, der sie auch verdient.
Wie das Mütter gern mal so sagen: Ich hätte ihm diese Geschichte gern abgenommen.
Aber ich fürchte, ich hätte das nicht so gut gemacht.
Was übrig bleibt, ist meine neue Sicht auf meinen Sohn, ein erheblich engerer, emotionalerer Kontakt mit ihm und das gute Gefühl, dass ich ihn nicht kaputt gemacht habe.
Und wenn es nur dafür gut ist, kann ich das ganze Elend annehmen.
Freitag, 16. Mai 2014
Halt and Rest
Am Mittwoch haben wir Raphael beerdigt, in einer traurigen und kleinen Zeremonie. Anschließend sind alle irgendwie davon gelaufen, um ihrem Alltag nachzugehen- für einige von uns hieß das, ihn überhaupt erstmal wieder aufzunehmen.
Vielen herzlichen Dank Euch Allen für die lieben Worte, den Zuspruch und das geistige Dabei-Sein. Das ist alles, was Außenstehende tun können, aber ich kann nicht ausdrücken, wie sehr uns das geholfen hat.
Lily
Donnerstag, 15. Mai 2014
Samstag, 10. Mai 2014
*Klapper*
Stellt euch vor, das hier sei die moderne Variante einer Aussätzigenklapper... Genau, das Ding, mit dessen Hilfe man vor Ansteckungsgefahr gewarnt wurde.
Hier stehe ich also, klappere vor mich hin, und frag mich, ob Unglück ansteckend ist. Wenn ja, fühlt euch gewarnt- aber geht nicht zu weit weg, ein bisschen möchte ich noch gehört und verstanden werden.
Das Eddie-Tierchen, das am Mittwoch noch halbwegs frohgemut nach einem Einlauf vor sich hin kackte, war abends anhänglich und lieb wie immer... wanzte sich auf der Couch an mich heran, schnurrte und gab Köpfchen. Mein Kater, wie er leibt(e) und lebt(e).
Am Donnerstag- nicht so sehr. Da lag er morgens unter meinem Schreibtisch, auf dem komplett katzenruinierten Kissen zur Stufenlagerung der Beine bei Rückenschmerzen (ein Lieblingsplatz von allen Vieren) und - na ja, er lag da halt. Ich hielt ihm ein gewisses Erholungsbedürfnis zu Gute, schließlich war der vorherige Tag anstrengend und er bestimmt noch nicht wieder voll auf dem Damm Als er jedoch nach Feierabend immer noch da lag, schwante mir Böses (warum schwant das? Warum, z. B., spatzt das nicht, oder amselt?) und ich holte ihn zu mir auf meine Therapiecouch (die mit den Joghurt-Flecken, genau die).
Ein erneuter Versuch, ihn mittels Lilys Geheimrezept (verdünnter, gesüßter Jogurt in einer Spritze, bequem ins Mäulchen appliziert) zwangszufüttern scheiterte- er sah gar nicht ein, warum er schlucken sollte. Und ich geb zu, ich war erstmal ziemlich ärgerlich. Denn Tierärzte sind teuer, und mein Budget war schon so gut wie ausgereizt.
Dann merkte ich aber, dass er keine der üblichen Abwehrreaktionen zeigte, als ich ihn an die Hinterbeine fasste. Das kann keiner meiner Fellnasen leiden, da sind sie entweder kitzlig oder bewahren ihr Bargeld auf, jedenfalls ist da meist sofort Alarm. Nicht so bei Eddie. In dem Moment hab ich befürchtet, dass er Probleme mit der Spondylose hat, die er eben auch hatte, und einen eingeklemmten Nerv oder so etwas.
Beim Kraulen-auf-der-Couch wurden dann die Gliedmaßen wieder weich. Zwar war er schlapp, aber das hielt ich für Genesungs"nebenwirkungen".
Gestern morgen dann fand ich ihn wieder unterm Schreibtisch. So schlapp, wie er abends zuvor war, möchte ich mir auch heute noch nicht vorstellen, wie er sich auf das ungefähr 50 cm hohe Kissen hinaufgequält hat.
Als ich ihn hochnehmen wollte, blieb er ganz steif, alle Viere von sich gestreckt, die Krallen starr ausgefahren, die Pupillen weitgestellt. Ganz schlecht.
Ich musste ihn zunächst mit ins Büro nehmen, denn ich fange um sieben Uhr an zu arbeiten, der TA macht jedoch erst um neun auf. Die zwei Stunden mit einer leise weinenden, stöhnenden Katze im Arm möchte ich nicht noch mal haben. Noch ein Besuch in der Tierklinik, mit einer halben Stunde Autofahrt im Stop-and-Go und dem Trubel dort, wäre für ihn jedoch sicher schlimmer gewesen...
Ich war die Erste beim Tierarzt, der die Diagnose "Das ist was Zerebrales- und ab jetzt wirds schlimm" stellte. Das hat alle meine Befürchtungen bestätigt.
Wir sind noch mal alle Befunde und alle Geschehnisse der letzten Tage durchgegangen, die lange Kette an Werten der Blutchemie und des Blutbildes von Sonntag. Während dessen stand die Tierarzthelferin am Tisch, hat mit mir den Kater gekrault und hatte ebenfalls die Tränen in den Augen. Eddie war in der ganzen Woche so lieb, hat nicht gefaucht und nicht gekratzt, sondern immerzu geschnurrt und mitgespielt...
Auffällig war, dass die Gliedmaßen starr gelähmt waren, der Schwanz jedoch nicht, und die Bauchmuskeln waren ebenfalls weich. Das schloss eine Wirbelverletzung so gut wie aus, und auch Abwehrstarre aufgrund von Schmerzen. Die Pupillen blieben weitgestellt, die Augen folgten wohl, wenn man es darauf anlegte, aber nur sehr verzögert. Die Krallen zogen sich nicht zurück, und auf Schmerzreize zeigte der ganze Körper keine Reaktionen mehr.
Ich hab mich dann entschlossen ihn gehen zu lassen. Alles andere hätte ihn nur weiter gequält, und die Verdachtsdiagnose des Tierarztes (Key-Gaskell-Syndrom) schloss eine Wiedergenesung aus.
Ob es diese Krankheit, die auch feline Dysautonomie heißt war, oder vielleicht ein Hirntumor, wird die Autopsie zeigen. Der Tierarzt möchte gern wissen, was es denn nun war, und ich bin da ebenfalls interessiert. Falls irgendetwas hier die Erkrankung verursacht hat, hab ich schließlich noch weitere potenzielle Opfer in meinem Haushalt, die ich nicht auch noch verlieren möchte.
Ich gebe mir Mühe, nicht darüber nachzudenken. Und nicht darüber, dass nie wieder das Eddie-Gesicht oben über den Schrank schaut und mich anschnurrt.
Von den anderen Katzen scheint ihn keiner zu vermissen.
Kleiner Eddie.
Freitag, 9. Mai 2014
Mittwoch, 7. Mai 2014
Zwischenzeit
So traurig ich auch bin, so froh bin ich gleichzeitig, dass diese Zwischenzeit ein Ende hat. Denn wir haben im Prinzip von Raphaels Geburt an gewusst, dass er nicht lange bei uns sein würde, dafür waren seine gesundheitlichen Probleme einfach zu ernst. Dabei zu stehen und zu warten war übel. Und zu erleben, wie die Dinge ihren Lauf nahmen, konnte einem das Herz umdrehen- die Prognose war von Anfang an infaust und trotzdem flammte immer wieder so etwas wie Hoffnung auf. Wie zum Beispiel als er anfing, selbst zu atmen- nicht nur seine Mutter hatte Probleme, diese Tatsache mit dem, was die Ärzte prognostiziert hatten, in Einklang zu bringen. Ich weiß, was eine EEG-Nulllinie ist, und er hatte sie in jedem einzelnen EEG, das geschrieben wurde- und trotzdem konnte er seit dem Wochenende schlucken.
Die Hoffnungen waren nicht nur unbegründet, sie hatten auch gleichzeitig schlimme Bilder im Gepäck- die von einem Erwachsenen, seit Geburt beatmet, der irgendwo in einer Pflegeeinrichtung liegt und nicht in dieser Welt ist, aber auch in keiner anderen. Das ist eine Horrorvision für mich. Auch und vor allem, weil so ein Bild automatisch bedeutet, dass auch seine Eltern in dieser Zwischenwelt gefangen sind.
Und das hat einfach niemand verdient.
Die Trauer um dieses verlorene Leben umfasst keine Erinnerungen an ein lebendes, lachendes, spielendes Kind, sondern den Abschied von Plänen, Wünschen und dem, was hätte sein können. Aber sie bedeutet auch, dass die anderen Leben, rings um den Kleinen, nicht auf ewig in dieser Zwischenzeit gebunden sind.
Und dafür können wir dankbar sein.
Montag, 5. Mai 2014
Niemand sieht einem ins Gesicht
wenn man weinend von der Frühchenintensivstation kommt. Mein Enkel Raphael ist heute nachmittag gestorben.
Es ist ja nicht so...
...dass hier nur Heulen und Zähneknirschen herrschten.
Nein. Weit gefehlt.
Zwischendurch ist die Katz krank (Eddie mal wieder), so dass man in drei Tagen dreimal zum TA muss, der Kater Anstalten macht, hier und jetzt zu sterben (man hat ja auch sonst keine Probleme) und dann vermutlich an einer Verstopfung leidet (400 € für die Diagnose, Herrschaften, sowie einige Medikamente und vieeel isotone Kochsalzlösung) (Kater, die Rechnung zieh ich dir vom Kitekat ab) (Die Stimmung ist, mit nicht mehr unübersehbar leidendem Kater viel besser). Wenn er bis morgen nicht kackt, dann braucht er ein Klistier (der TA hat vermutlich vor lauter Dollarzeichen in den Augen mein ungläubiges Staunen übersehen) (Der Kater wird derzeit zwangsernährt mittels 50 ml-Spritze und einem Joghurt-Wasser-Honig-Gemisch, ausgedacht und verabreicht von mir) (das sollte auch der Verdauung auf die Sprünge helfen).
Ich lenke mich zwischendurch ganz unverhohlen ab, lese albernes Zeug, schau mir Tierdokus an (Mord und Totschlag à la Criminal Minds sind mir im Moment zuviel) sowie einen Rerun der zu Weihnachten gesendeten Dr. Who-Episoden. Dort fand dann gestern abend in der Folge "Wilder Westen" der folgende Dialog statt:
Der Pastor eines Wild-West-Städtchens zum Doctor: "Das Pferd heißt Joshua, das heißt "Rettung"
Der Doctor zum Pastor: " Ich spreche Pferdisch. Er sagt, er heißt Susan, und bittet Sie, seine Entscheidung zu respektieren".
Da hab ich dann doch mal laut gelacht.
Hoch lebe der Doctor (Dr. Who??)
Wundert es eigentlich wen, dass mir der Kopf weh tut?
Seufz.
DieLily
Freitag, 2. Mai 2014
Absurdistan, Abt. Öffentliche Gesundheitsdienste
Wie ihr inzwischen alle wisst, liegt ein Teil meiner Kernfamilie in diversen Betten eines öffentlichen Krankenhauses.
Die Schwiegertochter, die vor einer Woche noch im Koma lag, ist mittlerweile wieder auf den Beinen, es geht ihr soweit ganz gut. Die Auswirkungen des Leber- und Nierenversagens und die Folgen der so katastrophal verlaufenden Entbindung sowie des septischen Schocks sind noch nicht vollständig behoben, sie ist jedoch auf dem Weg der Besserung und läuft bereits wieder herum.
Schrecklich ist jedoch weiterhin der Zustand von Raphael, meinem Enkelkind. Er wurde klinisch tot geboren, reanimiert und mit einem APGAR von 2 auf die Intensivstation aufgenommen. Bis Montag wurde er beatmet. Am Montag wurde versuchsweise die Beatmung abgeschaltet. Raphael atmete von selbst weiter- was alle erstaunt und verwundert hat. Dem Fachpersonal und auch meinem Sohn und mir war jedoch schon klar, dass dieses Atmen nicht von Dauer sein konnte. Seit der Aufnahme in die Klinik haben sämtliche EEGs eine Nulllinie gezeigt. Die Hirnscans haben keine Durchblutung des Gehirns feststellen können, lediglich Stammhirnreflexe sind auslösbar. Die Diagnose "apallisches Syndrom" ist fast ein Euphemismus in diesem Zusammenhang.
Meine Schwiegertochter, sehr religiös und unter starkem Einfluss ihres (evangelikalen) Pastors, hat nach einem Blick auf das scheinbar lebende, warme und atmende Kind beschlossen, dass auch die Wiederaufnahme der Gehirntätigkeit eine Frage der Heilung aufgrund göttlicher Intervention sein würde, und hat sich dahingehend durchgesetzt, dass auch weiterhin Atmungsunterstützung vorgenommen wird, ebenso wie alle anderen Organunterstützungsmaßnahmen die denkbar sind. Sie unterschreibt gar nichts (aufgrund dringender Anweisungen des Pastors), so dass mein Sohn auch die Vaterschaft bisher nicht anerkennen konnte. Das führt dann dazu, dass jegliche Entscheidung nur noch unter dem Blickwinkel ihres Einflusses getroffen wird. Da bleibt dann, Religionsgemeinschaft sei Dank, kein Platz mehr dafür, diese kleine Seele einfach gehen zu lassen. Statt dessen wird dem Sterben des Kindes auf Raten zugesehen, inklusiver mehrfacher Reanimierung aufgrund zwischenzeitlich stattgefundener Herzstillstände.
Der hier eine Rolle spielende Pastor hat der Schwiegertochter auch ausgeredet, am Samstag vor Ostern ein Krankenhaus aufzusuchen, da "Gott allein da helfen kann". Am Ostersamstag hätte jeder verantwortungsbewusste Gynäkologe die Schwangerschaft durch Kaiserschnitt beendet. Die Amnioninfektion hätte ihn dazu gezwungen. Diese Gelegenheit wurde verpasst, und daran trägt dieser Geistliche Schuld. Diese Schuld möge ihn für immer verfolgen.
Die eigentliche Geburt am Ostersonntag wurde dadurch erschwert, dass Raphael eine Steißlage war. Dadurch wurde unter der Geburt die Nabelschnur, die um den Hals des Kindes verlief, abgedrückt- und dadurch, dass er eben verkehrt herum kam, konnte er noch nicht selbst atmen. All das wäre bei einem Kaiserschnitt ohne jede Auswirkung geblieben. Dass der Rettungswagen sich dann noch verfahren hat und das Haus nicht fand, war nur noch das Tüpfelchen auf einem großen, fetten, hässlichen i.
Am letzten Donnerstag, noch ohne die Mutter, hat mein Sohn sein Kind taufen lassen, und zwar katholisch. Der uns völlig unbekannte Geistliche hat sein Werk gut getan, und weder Höllenbilder entworfen noch unverantwortlich Hoffnung verbreitet. Damit konnte vor allem mein Sohn gut leben, und um den dreht sich augenblicklich mein gesamtes Denken. Einen kleinen Abschluss hat das Elend für ihn da gefunden, die Entscheidung, die kleine Seele gehen zu lassen, konnte er treffen.
Danach wurde die Mutter aus der Uniklinik wieder in das gleiche Krankenhaus verlegt, in dem ihr Sohn liegt- damit sie Abschied nehmen kann.
Die ersten Gespräche mit den Ärzten und ihr waren nicht sehr erleichternd, weil sie der Meinung war, alles andere habe ja auch wieder angefangen zu arbeiten... "and so his brain will start to work again, soon", sagt dieses Gotteskind und strahlt einen an. Das war am Montag, nach dem Versuch, ihn allein atmen zu lassen. Das sind dann Momente, in denen ich verzweifeln könnte, auch, weil sie so eine böse Überraschung für sie bergen.
Inzwischen ist jedoch auch Raphaels Mutter klar, dass da etwas nicht stimmt. Die Arme hatte ja viel weniger Gelegenheit, sich mit den Fakten vertraut zu machen, die erste knappe Woche nach der Geburt lag sie schließlich noch im Koma. Nach der zweiten eindringlichen Belehrung durch die Ärzte hat sie sich gestern entschlossen, die intensivmedizinische Behandlung für ihn auslaufen zu lassen. Keine Reanimation mehr, keine invasiven Techniken, nicht noch eine cardiopulmonale Notfallbehandlung. Da konnte sie endlich auch weinen- wenn nicht ihr Pastor angerufen hätte, und ihr am Telefon das Weinen verboten hätte.
Einsatz mein Sohn, der ihr wieder mit Hilfe der Ärzte und Engelsgeduld klarmachte, was da zur Entscheidung steht. Sie hat sich dann in Ruhe ausweinen können, und im Anschluss daran ihren vorherigen Entschluss bestätigt.
Und nachdem das alles abgewickelt und der Blutdruck meines Sohnes wieder normal war, ging die Tür auf und die evangelische Krankenhausseelsorgerin stand auf der Matte, um ein gutes Werk zu tun. Hat im Gefolge ihres Gesprächs dann gemeint feststellen zu können, dass die arme Frau ja gar nicht voll informiert ist, und dass man, vor der Entscheidungsfindung, noch einen Dolmetscher* finden muss, der das ganze mit ihr noch einmal durchkaut.
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man meinen, in einer Boulevardkomödie zu stecken, einer von denen, in denen immer die Leute raus und rein rennen und die Dinge immer schneller und chaotischer geschehen, bis dann alles zusammen bricht. Offenbar scheinen sich die Seelsorger und die Ärzte nicht abzusprechen - denn der Chefarzt und der Oberarzt, die die Gespräche mit der Mutter geführt haben, sind der festen Überzeugung, dass sie alles verstanden hat, aber Schwierigkeiten hat, das alles emotional zu verkraften.
Und wer hätte die nicht?
fragt sich
Die Lily.
* die Frage nach einem Übersetzer, der nicht nur die Muttersprache spricht, sondern auch psychologisch bewandert und am besten auch noch Mediziner ist, haben wir auch schon gestellt, und sind gescheitert. Die Muttersprache meiner Schwiegertochter ist ein nigerianischer Dialekt, den sie jedoch auch nicht durchgängig spricht. Meist spricht sie Englisch, sehr geübt, wenn auch mit starkem afrikanischem Akzent. Ihren Heimatdialekt spricht sie fast nur mit ihrer Schwester (die im übrigen der gleichen Gemeinde angehört und eins zu eins den Willen des Pastors vermittelt und unterstützt)
Es ist sehr schwer, hier die Balance zu halten, und nicht aus Sprachproblemen auf Intelligenzmangel zu schließen, es ist ungeheuer schwierig, in so einer Situation sich nicht von seinen eigenen kulturell bedingten Trauermechanismen steuern zu lassen und dem anderen die Emotion und die Ratio nicht abzusprechen, wenn er anders, vielleicht bizarr oder hart, reagiert.
Dienstag, 29. April 2014
So langsam
geht mir die Puste aus. Seit Ostersonntag hat das Leben keine Mühe gescheut, um mir klar zu machen, dass es nicht nach mir geht. Vielleicht sollte ich einfach nach Nepal gehen, mich vor ein Kloster setzen und ooooom singen. Aber ich fürchte, mein Sohn braucht mich noch eine Weile.
Samstag, 26. April 2014
To live is to learn
...manchmal auch die harten Sachen.
Ihr habt ja mitbekommen, was chez Lily alles so passiert... der Schock flaut langsam ab und es schimmert so etwas wie Alltag durch, schrecklicherweise.
Sieben Tage sind inzwischen vergangen, so zäh und gleichzeitig so unruhig wie noch keine andere Zeit in meinem Leben. Es ist eine emotionale Berg- und Talfahrt- jedes Telefonklingeln jagt mir zurzeit Angst ein. Nicht drangehen ist keine Option.
Aber, wie schon oben im Titel gesagt, man lebt und lernt. Man lernt, dass nichts zu sagen die Betroffenen weder ablenkt noch daran hindert, ihren Schmerz zu fühlen. Menschen, von denen ich weiß, dass sie informiert sind, und die sich gar nicht melden, tja, wie gehe ich mit denen um? Ich nehme an, sie sind nicht in der Lage, hilfreiche Dinge zu sagen und ziehen daher das Schweigen vor.
Es ist auch nicht sehr gut zu ertragen, wenn jemand von dem Geschehen so betroffen ist, dass er/sie selbst mitleidet. Für diese Emotionen sollte man sich jemand anderem öffnen, und nicht den Menschen, die gerade jemanden verloren haben oder denen etwas schreckliches zugestoßen ist.
Was hingegen gut tut, ist eine Einladung zu einem Spaziergang, zu einem Essen, zu einem gemeinsamen Abend oder Nachmittag, wenn der Betroffene nicht allein sein kann. Das wechselt nämlich. Keine Angst, es wird nicht unentwegt geweint werden. Und selbst wenn- man kann sympathisierend mitweinen. Und einen Tee sowie ein Taschentuch anbieten. Normalerweise weint niemand so gern, dass er das einen ganzen Abend lang aushält.
Ach ja: Sofern bei Facebook jemand etwas Trauriges postet- der Like-Button liegt zwar nahe, fühlt sich aber komisch an. Und nicht "komisch" im Sinne von lustig. (Ich hab trotzdem verstanden, wie es gemeint war)
Das letzte, was sich lernhalber (das ist bestimmt ein richtiges Wort, Ehre-Schwöre) so bei mir abspielt, ist, dass ich um jeden Preis meinen Sohn verteidigen und schützen werde. Das ist eine relativ neue Erkenntnis. Und es geht mir gut damit.
Euch allen vielen Dank, für Gespräche, Mails, Anrufe.
Freitag, 25. April 2014
Update
Meine Schwiegertochter ist gestern langsam wach geworden. Raphael ist weiterhin bewusstlos. Für ihn sieht es nicht gut aus.
Dienstag, 22. April 2014
Ungewiss
Einige wissen es schon: Seit Ostersonntag sitzt hier die Lily-Oma. Wir haben einen wunderhübschen neuen kleinen Jungen in unserer Familie, über dessen Geburt wir uns sehr freuen. Leider gibt es noch großen Grund zur Sorge, denn er ist fast acht Wochen zu früh geboren, und noch dazu unter medizinisch sehr ernsten Bedingungen. Sowohl seine Mutter als auch er sind sehr, sehr schwach und wir wissen nicht, was werden wird. Mein Sohn zerreißt sich derzeit, um seine Freundin und seinen Sohn auf zwei Intensivstationen in zwei verschiedenen Städten zu besuchen und diesen fast unerträglichen Anforderungen gerecht zu werden.
Zum Glück habe ich eine große Familie, die uns sehr unterstützt und die wir jetzt brauchen werden. Auch brauchen wir alle Kerzen und Gebete, die ihr vielleicht für uns anzünden oder sprechen möchtet.
Denkt an uns.
DieLily.
Mittwoch, 16. April 2014
Bits and Pieces
Über Ostern bin ich nicht hier, überlasse es also meinen Katzen, Ostereier zu suchen und mit dem O.-Hasen fertig zu werden. Natürlich kommt mein Sohn, um die Katzen zu gießen füttern, aber nur tagsüber- sofern sich der beohrte Knabe nachts hier hereinschleicht, wird er was erleben.
Ich habe heute mal ein bisschen Leserecherche auf diversen Baby-Zubehör-Seiten getrieben. Meine Güte. Was es nicht alles gibt. Ein Wunder, dass wir und unsere Kinder das Erwachsenenalter erreicht haben, so ohne Apps, die der Mama sagen, wann sie zu stillen haben (ernsthaft) (wir hatten da eine App, die hieß "Das Kind brüllt" und den Button "Mal nachsehen, was es hat"). Dann gibt es hunderte von Blogs und Foren-Beiträgen, die darüber grübeln, streiten, eifern und unentwegt ratentern, was die böse Schwiemu schon wieder alles falsch gemacht hat... Das Kind schreien lassen, das Kind nicht schreien lassen, ihm die Schuhe zugebunden oder auch nicht, die falsche Art Buch vorgelesen (ich würd dem Kind das Telefonbuch vorlesen, wenn es schlafen soll und eh noch nicht sprechen kann- viel Personen, wenig Handlung).
Die eine oder andere Großmutter, vor allem die Schwiegermütter, steht da in einem ätzenden Regen der Krittelei- ich werd mich natürlich gern belehren lassen, was a) aktuelle Sicherheitsregeln und b) medizinische Besonderheiten betrifft. Aber insgesamt wünsche ich mir jetzt schon, dass meine zukünftige Schwiegertochter einfach ein bisschen den Ball flachhält. Aber sie neigt, soweit ich sie kenne, nicht zur Hysterie.
Ganz anders manche Extrembeispiele: Da zermartern sich junge Mütter die Köpfe darüber, dass ihre elf Monate alten Kinder einige "Meilensteine" nicht im vorgesehenen Tempo absolviert haben... tja, Mädels, jetzt ist Essig mit der Elite-Uni, ist doch wohl klar. Was ein Durchschnitt ist, und wie man den ermittelt, scheint ihnen pünktlich mit der Geburt entfallen zu sein. Und niemand in diesen Foren pfeift sie mal zurück... niemals. Jammern, weinen und geifern scheint die adäquate Methode zu sein, niemand scheint mal darüber nachzudenken, dass man nicht ständig Dr. Google mit an Bord haben sollte- meine ziemlich weise Kinderärztin hat mich damals bei meinem 10 Tage alten Baby zurückgepfiffen, als ich (im Ernst... gute Güte.) das Baby nach jeder Mahlzeit wiegen wollte.
Mal im Ernst: Kinder sind stabil, jawoll! Und sie (sowie die Menschheit als Ganzes) haben schon die merkwürdigsten Erziehungs- und Pflege-Varianten nicht nur überlebt, sondern sind sogar trotz auf-dem-Bauch-Liegen zu netten Frauen und Männern herangewachsen. Natürlich sind manche Erkenntnisse wirklich wichtig, und man sollte schon auf der Hut sein, was neuere Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Medizin betrifft.
Manches ist aber auch einfach Mode. Klar sind viele Weisheiten der Schwiegermütter nicht mehr ganz taufrisch. Dafür haben sie andere Qualitäten. Ich höre zum Beispiel immer noch meistens heraus, warum das Baby brüllt. Hose voll? Bauch leer? Gelangweilt? Oder hat es die Nase voll vom Herumgeschlepptwerden, ist komplett überdreht und braucht ein bisschen Ruhe? (Hinweis: Dagegen hilft nur hinlegen und Ruhe einkehren lassen, auch wenn der Zwerg Stein und Bein schreit- das macht ihn nicht kaputt, btw.) Man lernt die Schreisprache, wenn man einmal eine Zeit mit einem Säugling verbracht hat. Das haben viele frische Mütter heutzutage nicht mehr, und das ist sehr schade. Damit geht oft sehr viel Zeit drauf, bis sich Eltern und Kind aufeinander eingespielt haben. Was aber noch keinem Kind geschadet hat, ist, dass man ihm zuhört. Und da wundere ich mich oft, wenn ich durch die Stadt gehe, wieviele Eltern ihren Nachwuchs durch die Gegend schieben, und dabei unentwegt texten oder telefonieren. Sofern das Baby noch klein ist und ohnehin schläft, find ich das in Ordnung. Halbwegs lebhafte Kleinkinder hingegen, die gern mal aus dem Wagen klettern, sollte man aber ein bisschen besser im Blick halten, bevor sie eine Abenteuerreise durch ein belebtes Kaufhaus starten.
So richtig entspannt und wirklich mit Kind sind so wenige, scheint mir, da gibts offenbar eine breit klaffende Schere zwischen FernsehenFacebookKlamottenachjadasBaby und denen, die am liebsten jeden Keim einzeln aus der Atemluft prügeln würden, und deren High-Maintenance-Babys vermutlich nie mit Schmuddelkindern spielen werden.
Meiner Meinung nach ist ein Kind ein wichtiges Mitglied der Familie, aber nicht DAS WICHTIGSTE. Es ist hilflos, aber das vergeht- wenn man es zulässt. Es ist von Gefahren umgeben- einen Teil kann man beseitigen, aber nicht alles, vor allem dann nicht, wenn das Beseitigen Wohl und Wehe eines anderen Menschen tangiert. Mit den Dingen, die man nicht beseitigen kann, wird das Baby umgehen lernen müssen. Erst unter dem Schutz der Eltern, dann auf seine eigene Weise. Und je mehr wir ihm da abnehmen, um so weniger wird es das lernen. Das kann schwer ins Auge gehen.
Robuste Elternschaft ftw, Herrschaften.
And now to something completely different:
Lily
Jawoll.
Schöne Ostern!
Mittwoch, 9. April 2014
Leidensfähigkeit
Unvereinbar mit der Existenz von mehr als einer Katze im Haus ist ein gewisser Sinn für Ästhetik. Vor Beginn der WG-mit-Tieren besaß auch ich allerlei Zierrat und Steh-Rümchen, Gardinen, Zimmerpflanzen und anderen eitlen Tand. Katzen hingegen pflegen ihre Hobbys nicht auf Tischen (naja, sie sollten das zumindest nicht tun), sondern auf dem Boden. Das nehmen sie zum Anlass, vieles von dem, was vorher oben stand, auf denselben herunter zu holen. Unter Inkaufnahme von Kollateralschäden, versteht sich. Überlebt wurden diese Umgestaltungsaktionen nur von Unzerbrechlichem, was dazu geführt hat, dass hier chez Lily nur noch Katzenspielzeug neu angeschafft wird.
Kater Henry, seines Zeichens einer der Pioniere in Sachen Katzenraumgestaltung, hat seinem Hobby damals viel Zeit gewidmet, und unter anderem einem jahrzehntealten, liebevoll gehegten Mordstrumm von Elefantenfuß (der Pflanze) den Garaus gemacht. Nur unter Benutzung seiner Zähne. Ich geb zu, ich hab Dinge nach ihm geworfen, um ihn davon abzuhalten. Da ich aber einen Großteil des Tages nicht anwesend war und bin, und dieses kleine graue Katertier wie kein zweiter Türen öffnen konnte, war der Verfall unvermeidlich und der Kater zum Schluss der Sieger.
Was der moderne Katzator von Tischdecken hält, hat man mir ebenfalls schnell klar gemacht. Kekse auf Tischen werden gefressen. Kiwis, Pflaumen und Co kann man durch die Gegend rollen, man muss sie nur erst aus der Schale holen, was eine sinnvolle, stundenlang durchgehaltene Beschäftigung für den Katzennachwuchs sein kann.
Mit Fell überzogene Möbel sind zuletzt in den siebziger Jahren richtig modern gewesen, aber meine Tiere tun ihr möglichstes, um diesen Trend wieder aufleben zu lassen. Seit das Gretelchen hier wohnt, kann man sich darüber freuen, dass dieser Pelz nicht mehr nur hell ist, sondern gemischt. Was dazu führt, dass die Beschränkung auf helle Jeans nicht mehr bedeutet, dass man zumindestens von Weitem gepflegt aussieht. Ich habe z.B. eine schwarze Jeans, mit der ich grundsätzlich in meiner Wohnung NICHT SITZE.
Auch auf nicht-Design-Gebieten sorgt mein Fellvolk dafür, dass nostalgische Gefühle wieder aufleben. Nur, dass es jetzt keine Legosteine sind, auf die ich nachts trete, sondern Aufziehmäuse und Katzenminze-Spielzeuge. Gruselig ist es, im Dunkeln auf die Spielzeugratte zu latschen, noch gruseliger, wenn Karl mal wieder irgendwohin gekotzt hat. Das kann auch gefährlich sein, weil Ausrutschgefahr besteht, also wird bei nächtlichen Wanderungen chez Lily immer das Licht eingeschaltet.
Wer also Ästhetik liebt, der schaffe sich keine Katzen an. Oder nur eine. Oder nur Ausgestopfte.
Wer es liebt, dass man ihn anschnurrt, austrickst, zerkratzt, anmault, belagert, im Weg steht, und entweder ignoriert oder aufdringlich beschmust, der, nur zu, gehe ins nächste Tierheim. Nicht über Los, ohne Einziehung der Los-Übertritts-Kohle, und ohne Gewähr.
Das Gefühl ist unvergleichlich:-)
Einen schönen Tag wünscht die Lily, samt der Pelzbande.
Donnerstag, 3. April 2014
Rätsel der Zivlilisation, Teil 2
Wer das hier damals gelesen hat, der weiß, dass das Universum Rätsel an verschiedenen Stellen für uns deponiert hat. Kaum hat die Menschheit eines gelöst, schwups, kommt das Universum angewackelt und pappt ein neues irgendwo an, was dann im Weg steht, Staub ansetzt und allgemein abnervt.
Was aber jetzt geschehen ist, lässt mir den Atem stocken. Die Frage, die mich damals umtrieb (Wo kommen die ganzen Katzenscheißeschaufeln her, und warum?) ist nun wiederum zu stellen. Naja, nicht ganz, aber irgendwie ähnlich. Diesmal frage ich das Universum, und zwar mit klagender Stimme: "Wo sind all die Katzenscheißeschaufeln hingeraten? Und- WARUM?"
Nicht genug, dass die Vorrats- KaScheScha (Abk.) klammheimlich meinen Ostflügel (unaufgeräumtes Abstellzimmer, Anm.d.Red.) verlassen haben. Nein. Sie haben auch noch ihren besudelten und in Gebrauch befindlichen Kumpel mitgenommen.
Wenn man, anders als ich, kein verhärtetes, schwarzes kleines Herz hat, dann kann man es beinahe sehen, wie im Schutz der Dunkelheit raschelnd sich die KaScheScha aus ihrem Kistchen erheben, mühselig den Rand überwinden, leise und fluchend über den Boden krabbeln, eine Räuberleiter bilden, um an die Türklinke zu kommen.
Einen wackligen Moment lang stehen sie dort, schwankend, bis endlich die Tat gelingt und sich lautlos die Türe öffnet. Dann schleicht eine ganze Kette von ihnen in die Küche zu ihrem geschändeten Bruder, nimmt ihn zwischen sich, und unter gezischten Durchhalteparolen treten sie gemeinsam ihre Reise an, in das Land, in dem KaScheScha glücklich werden können.
Nicht dass ich ihnen das nicht gönnte. Nein. Sollen sie doch glücklich werden.
Aber womit mach ich jetzt die Klos sauber?
Kann mir das mal einer sagen?
Und WARUM??
Seufz.
Montag, 24. März 2014
Rechtschreibung...
is a bitch, too. Vor allem wenn man glaubt, dass man als online-Magazin sowas gar nicht mehr braucht.
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Fig. i: Das Frack-Wrack-Phänomen. |
Dinge falsch zu schreiben, kann sich respektlos anfühlen, scheint mir.
Freitag, 21. März 2014
Aufgeben ist auch eine Option
...wenn es nämlich darum geht, Entscheidungen, die sich als falsch erwiesen, neu zu treffen.
So geschehen im Hause der Lily im Frühling anno MMXIV. Da ergab es sich, dass der im Herbst erworbene "Ich weck dich mit Licht"-Wecker mittels eines Gnadenschusses erlegt wurde.
Weil es sich nämlich als Ärgernis herausgestellt hat, sich für einen billigen Wecker entschieden zu haben.
Aus Gründen:
-Das Displeh ist so hell, dass man dabei lesen könnte. Und wenn nicht das, so stört es, in seiner gelbstichigen oder eisigblauen Strahlkraft, entschieden den Schlaf.
-Die Weckzeit umzustellen erfordert mehr Durchhaltevermögen, Kraft im Zeigefinger und Gedächtnisleistung, als ich abends, wenn ich ins Bett falle, aufbringen kann. Daher steht dieser Wecker seit gefühlten Monaten auf 7 Uhr. Deshalb steh ich oft einfach zu spät auf, um noch früh dran zu sein. Das ist so scheiße.
-Sofern ich früher aufstehe und den Wecker vergesse (man kann ihn einfach nicht ausschalten bevor er weckt, ohne sich durch das Menü zu klicken, für das mir auch morgens die Dinge aus Punkt zwei fehlen, also Durchhaltevermögen etc.), also wenn ich ihn nicht in flagranti ausschalte, dann weckt er weiter. Und weiter, und weiter. Und, na ja, weiter. Bis abends, bis zum Morgen, und bis nächsten Donnerstag. Mit Licht, und Geräuschen.
-Das Weck-Licht ist nicht hell genug, um mich zu wecken. Auch nicht, um dabei zu lesen. Es ist gerade ausreichend, um z. B. abends nicht einschlafen zu können. Dafür macht das grelle Displeh viel Freude, s. oben.
-Und die Geräusche... don't come me with the Geräusche. Man kann zwischen einigen Naturgeräuschen wählen, die so natürlich sind wie Erdbeeraroma aus Fichtenrinde. Nämlich Null. Im Unterschied zu Fichtenrinde schmecken die Geräusche aber nicht wie Erdbeeren (wenn man die Augen zukneift und sich ganz fest konzentriert), sondern sie hören sich an wie, naja, wie Erdbeeraroma, das man aus Brückengeländern herstellt. Oder aus gebrauchten Stoppschildern.
Der Regenwaldsound, z. B., hört sich an wie ein Radio mit ohne Sender und dafür mit Stromschwankungen... wwwschschschsschschschschwwwwschschschschschwwwwww....., interpunktiert mit den Lautäußerungen eines asthmatischen Mopses. Röchel. Der Mops soll wohl ein quakender Frosch sein, verfehlt dieses Ziel aber bei weitem.
Ich hasse diesen Sound inzwischen. Die anderen sind aber genauso synthetisch, schlecht geloopt und ärgerlich.
Also hab ich mein geiziges, kleines, schwarzes Herz gestern in die Hand genommen und mir wieder ein Philipps Wake-up-Light-Weckerding gekauft. Die sind erstens schöner, zweitens überhaupt und drittens haben sie schöne und erträgliche Wecksounds. Diesmal, Ehre-Schwöre, werde ich nicht mit scharfen Gegenständen das Gehäuse öffnen, wenn die LED hin ist, sondern das Teil brav einschicken und das beste hoffen.
In diesem Sinne: Schlaft schön, ihr Lieben, und wacht entspannt auf.
Bis dahin,
DieLily
Freitag, 14. März 2014
Depression...
is a bitch, my friends.
Nachdem ich lange dachte, DIE Medikation gefunden zu haben, scheint sich das jetzt als Irrtum zu erweisen. Nun ja, wir leben und wir suchen.
Ein bisschen Geduld mit mir, ja?
Ich bemüh mich auch drum, versprochen.
Bis bald,
DieLily
Donnerstag, 27. Februar 2014
Mittwoch, 26. Februar 2014
/alive
Mit diesem Wort meldete man sich früher (tm) in Chats, bevor einen die Software rausschmiss, oder auch, um anderen zu signalisieren: Mich gibts noch.
Also:
Mich gibts noch.
Zwischenzeitlich wieder ein Jahr älter geworden, diesmal wieder keine Primzahl erreicht. Daran erkennt man auch, dass man älter wird: Primzahlen liegen weiter auseinander. Die nächste ist in zwei Jahren dran. Komisch, vor der 50 hat es mir gegraut, die 51 hat mich kaum gerührt. Trotzdem war ich bei meinen beiden besten Freunden, und hab mich drei Tage lang nur von der rechten auf die linke A...backe bewegt, und kaum was anderes getan als Kaffee trinken, stricken und rauchen. Doch: Epochemachenden Kuchen gegessen, im besten Chinarestaurant Mittelhessens gegessen und die Kochkünste des männlichen Teils der besten Freunde genossen.
Oh.
Ja, und zwei Kilo zugelegt, in den drei Tagen. Wen wunderts?
Durch die Antidepressiva, die meinen Antrieb ein wenig antreiben und die Fressanfälle reduzieren, hab ich im letzten halben Jahr so zwölf Kilo abgelegt. Das versuche ich zu ignorieren, damit die bösen Kaloriengeister nicht ihren Zauberspruch über mich werfen.
Die Depressionen haben sich zwischendurch auch gemeldet, wie jeder erwarten kann, der so was selbst mal eine Weile hatte. Trotz der Pillen wieder Chaos im Kopf, um mich herum und keine Ahnung, wie ich das weg kriege, auch keine Motivation, das zu tun. Die Arbeit wuchs mir über den Kopf, und da ist momentan echt ein Riesenberg zu tun, auch ohne Strukturprobleme- keine gute Kombination für die Lily. Zwischenzeitlich hab ich ernsthaft überlegt, mein Erwerbsleben zu den Akten zu legen und den Freundinnen in die Vorberentung zu folgen, die diesen Schritt schon hinter sich haben. Im Unterschied zu ihnen bin ich jedoch leider keine Beamtin des höheren Dienstes, und musste dann feststellen, dass man nach mehr als 30 Jahren in einem qualifizierten Beruf, für den man Abitur braucht, leider doch nicht von der Frühpension leben kann- zumal Hinzuverdienst erstens angerechnet wird und zweitens- hallo? In Rente, aber fit genug fürs Arbeiten? Nö, finde ich nicht überzeugend.
Der Rat, eine krankheitsbedingte Auszeit zu nehmen, hilft mir nicht weiter, weil ich das einfach nicht kann. Nicht etwa, weil ich glaube, unersetzbar zu sein, sondern weil ich es nicht ertrage, zu Hause zu hocken in meiner Starre, und andere Leute, deren Pensum auch schon über 100 % ist, müssen für mich über die Klinge springen. Dafür schätze ich meine Kollegen zu sehr. Also bleibt mir nix anderes übrig, als zu lernen, mich zu schützen vor mir selbst, frühzeitig um Hilfe zu bitten und mich abzugrenzen von Ausbeutern und Energiedieben.
Jetzt alle mal lachen!
Geht das auch lauter?
Der angekündigte Post über das Stricken schmort auf kleiner Flamme und ist schon ganz trocken. Mir fällt nix ein, was andere Leute nicht besser gesagt und geschrieben haben, also hab ich mir folgenden Tipp überlegt: Einfach auf die sehr hilfreichen Youtube-Lehrgänge zurück greifen, wenn man was wissen will. Die kann man auch zurückspulen, im Gegensatz zu Müttern und anderen Vormachern. Ich kenn Leute, die sich lediglich mit Hilfe der Filmchen das Stricken selbst beigebracht haben, und das ganz wunderbar machen. Die Filmchen haben auch nie schlechte Laune, und sogar mitten in der Nacht Zeit. Nur Mut! Wolle kaufen, Nadeln und los gehts. Nicht grad die teuerste Wolle, unbedingt in ein Fachgeschäft gehen und den hoffentlich bewanderten Gestalten dort erzählen, dass man Anfänger ist. Wenn die gut sind, verkaufen sie euch eine helle, glatte Wolle, mitteldick und gut rutschend, und ein paar vernünftige Nadeln, Handwerkszeug kann nie zu gut sein. Gute Nadeln sind teuer, billige sind ein Ärgernis. Vor allem die Nadeln in den Sockenstrick-Packs der Discounter. Finger weg. Damit kann man sich am Kopf oder unter einem Gipsarm kratzen, oder sie in Tonskulpturen zum Geradehalten verwenden. Stricken eher nicht.
Zentimetermaß besorgen, es tut aber auch ein Zollstock für die Anfänge.
Mein erstes Stück hab ich mit acht oder so gemacht, eine endlose schlechtgestrickte Schalwurst, aus Wollresten und Löchern, die eine gutherzige Oma dann in eine Durchzugsstopper-Schlange verwandelt hat.
Übrigens ist das Stricken eine komplexe Sache. Bis man das blind kann, dauert es, und bis dahin hilft nur üben.
Dafür hat man seine Hände beschäftigt (gut, wenn man keine Zigaretten oder Fressalien in die Finger nehmen will), man ist kreativ, im besten Fall macht man was zu Ende (gerade für die psychisch Angeschlagenen keine schlechte Sache) und irgendwann hat man was fertig, selbst gemacht und so, wie man es haben will.
No bad feature.
In diesem Sinne:
Hoffentlich bis bald.
DieLily