wenn man weinend von der Frühchenintensivstation kommt. Mein Enkel Raphael ist heute nachmittag gestorben.
Montag, 5. Mai 2014
Es ist ja nicht so...
...dass hier nur Heulen und Zähneknirschen herrschten.
Nein. Weit gefehlt.
Zwischendurch ist die Katz krank (Eddie mal wieder), so dass man in drei Tagen dreimal zum TA muss, der Kater Anstalten macht, hier und jetzt zu sterben (man hat ja auch sonst keine Probleme) und dann vermutlich an einer Verstopfung leidet (400 € für die Diagnose, Herrschaften, sowie einige Medikamente und vieeel isotone Kochsalzlösung) (Kater, die Rechnung zieh ich dir vom Kitekat ab) (Die Stimmung ist, mit nicht mehr unübersehbar leidendem Kater viel besser). Wenn er bis morgen nicht kackt, dann braucht er ein Klistier (der TA hat vermutlich vor lauter Dollarzeichen in den Augen mein ungläubiges Staunen übersehen) (Der Kater wird derzeit zwangsernährt mittels 50 ml-Spritze und einem Joghurt-Wasser-Honig-Gemisch, ausgedacht und verabreicht von mir) (das sollte auch der Verdauung auf die Sprünge helfen).
Ich lenke mich zwischendurch ganz unverhohlen ab, lese albernes Zeug, schau mir Tierdokus an (Mord und Totschlag à la Criminal Minds sind mir im Moment zuviel) sowie einen Rerun der zu Weihnachten gesendeten Dr. Who-Episoden. Dort fand dann gestern abend in der Folge "Wilder Westen" der folgende Dialog statt:
Der Pastor eines Wild-West-Städtchens zum Doctor: "Das Pferd heißt Joshua, das heißt "Rettung"
Der Doctor zum Pastor: " Ich spreche Pferdisch. Er sagt, er heißt Susan, und bittet Sie, seine Entscheidung zu respektieren".
Da hab ich dann doch mal laut gelacht.
Hoch lebe der Doctor (Dr. Who??)
Wundert es eigentlich wen, dass mir der Kopf weh tut?
Seufz.
DieLily
Freitag, 2. Mai 2014
Absurdistan, Abt. Öffentliche Gesundheitsdienste
Wie ihr inzwischen alle wisst, liegt ein Teil meiner Kernfamilie in diversen Betten eines öffentlichen Krankenhauses.
Die Schwiegertochter, die vor einer Woche noch im Koma lag, ist mittlerweile wieder auf den Beinen, es geht ihr soweit ganz gut. Die Auswirkungen des Leber- und Nierenversagens und die Folgen der so katastrophal verlaufenden Entbindung sowie des septischen Schocks sind noch nicht vollständig behoben, sie ist jedoch auf dem Weg der Besserung und läuft bereits wieder herum.
Schrecklich ist jedoch weiterhin der Zustand von Raphael, meinem Enkelkind. Er wurde klinisch tot geboren, reanimiert und mit einem APGAR von 2 auf die Intensivstation aufgenommen. Bis Montag wurde er beatmet. Am Montag wurde versuchsweise die Beatmung abgeschaltet. Raphael atmete von selbst weiter- was alle erstaunt und verwundert hat. Dem Fachpersonal und auch meinem Sohn und mir war jedoch schon klar, dass dieses Atmen nicht von Dauer sein konnte. Seit der Aufnahme in die Klinik haben sämtliche EEGs eine Nulllinie gezeigt. Die Hirnscans haben keine Durchblutung des Gehirns feststellen können, lediglich Stammhirnreflexe sind auslösbar. Die Diagnose "apallisches Syndrom" ist fast ein Euphemismus in diesem Zusammenhang.
Meine Schwiegertochter, sehr religiös und unter starkem Einfluss ihres (evangelikalen) Pastors, hat nach einem Blick auf das scheinbar lebende, warme und atmende Kind beschlossen, dass auch die Wiederaufnahme der Gehirntätigkeit eine Frage der Heilung aufgrund göttlicher Intervention sein würde, und hat sich dahingehend durchgesetzt, dass auch weiterhin Atmungsunterstützung vorgenommen wird, ebenso wie alle anderen Organunterstützungsmaßnahmen die denkbar sind. Sie unterschreibt gar nichts (aufgrund dringender Anweisungen des Pastors), so dass mein Sohn auch die Vaterschaft bisher nicht anerkennen konnte. Das führt dann dazu, dass jegliche Entscheidung nur noch unter dem Blickwinkel ihres Einflusses getroffen wird. Da bleibt dann, Religionsgemeinschaft sei Dank, kein Platz mehr dafür, diese kleine Seele einfach gehen zu lassen. Statt dessen wird dem Sterben des Kindes auf Raten zugesehen, inklusiver mehrfacher Reanimierung aufgrund zwischenzeitlich stattgefundener Herzstillstände.
Der hier eine Rolle spielende Pastor hat der Schwiegertochter auch ausgeredet, am Samstag vor Ostern ein Krankenhaus aufzusuchen, da "Gott allein da helfen kann". Am Ostersamstag hätte jeder verantwortungsbewusste Gynäkologe die Schwangerschaft durch Kaiserschnitt beendet. Die Amnioninfektion hätte ihn dazu gezwungen. Diese Gelegenheit wurde verpasst, und daran trägt dieser Geistliche Schuld. Diese Schuld möge ihn für immer verfolgen.
Die eigentliche Geburt am Ostersonntag wurde dadurch erschwert, dass Raphael eine Steißlage war. Dadurch wurde unter der Geburt die Nabelschnur, die um den Hals des Kindes verlief, abgedrückt- und dadurch, dass er eben verkehrt herum kam, konnte er noch nicht selbst atmen. All das wäre bei einem Kaiserschnitt ohne jede Auswirkung geblieben. Dass der Rettungswagen sich dann noch verfahren hat und das Haus nicht fand, war nur noch das Tüpfelchen auf einem großen, fetten, hässlichen i.
Am letzten Donnerstag, noch ohne die Mutter, hat mein Sohn sein Kind taufen lassen, und zwar katholisch. Der uns völlig unbekannte Geistliche hat sein Werk gut getan, und weder Höllenbilder entworfen noch unverantwortlich Hoffnung verbreitet. Damit konnte vor allem mein Sohn gut leben, und um den dreht sich augenblicklich mein gesamtes Denken. Einen kleinen Abschluss hat das Elend für ihn da gefunden, die Entscheidung, die kleine Seele gehen zu lassen, konnte er treffen.
Danach wurde die Mutter aus der Uniklinik wieder in das gleiche Krankenhaus verlegt, in dem ihr Sohn liegt- damit sie Abschied nehmen kann.
Die ersten Gespräche mit den Ärzten und ihr waren nicht sehr erleichternd, weil sie der Meinung war, alles andere habe ja auch wieder angefangen zu arbeiten... "and so his brain will start to work again, soon", sagt dieses Gotteskind und strahlt einen an. Das war am Montag, nach dem Versuch, ihn allein atmen zu lassen. Das sind dann Momente, in denen ich verzweifeln könnte, auch, weil sie so eine böse Überraschung für sie bergen.
Inzwischen ist jedoch auch Raphaels Mutter klar, dass da etwas nicht stimmt. Die Arme hatte ja viel weniger Gelegenheit, sich mit den Fakten vertraut zu machen, die erste knappe Woche nach der Geburt lag sie schließlich noch im Koma. Nach der zweiten eindringlichen Belehrung durch die Ärzte hat sie sich gestern entschlossen, die intensivmedizinische Behandlung für ihn auslaufen zu lassen. Keine Reanimation mehr, keine invasiven Techniken, nicht noch eine cardiopulmonale Notfallbehandlung. Da konnte sie endlich auch weinen- wenn nicht ihr Pastor angerufen hätte, und ihr am Telefon das Weinen verboten hätte.
Einsatz mein Sohn, der ihr wieder mit Hilfe der Ärzte und Engelsgeduld klarmachte, was da zur Entscheidung steht. Sie hat sich dann in Ruhe ausweinen können, und im Anschluss daran ihren vorherigen Entschluss bestätigt.
Und nachdem das alles abgewickelt und der Blutdruck meines Sohnes wieder normal war, ging die Tür auf und die evangelische Krankenhausseelsorgerin stand auf der Matte, um ein gutes Werk zu tun. Hat im Gefolge ihres Gesprächs dann gemeint feststellen zu können, dass die arme Frau ja gar nicht voll informiert ist, und dass man, vor der Entscheidungsfindung, noch einen Dolmetscher* finden muss, der das ganze mit ihr noch einmal durchkaut.
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man meinen, in einer Boulevardkomödie zu stecken, einer von denen, in denen immer die Leute raus und rein rennen und die Dinge immer schneller und chaotischer geschehen, bis dann alles zusammen bricht. Offenbar scheinen sich die Seelsorger und die Ärzte nicht abzusprechen - denn der Chefarzt und der Oberarzt, die die Gespräche mit der Mutter geführt haben, sind der festen Überzeugung, dass sie alles verstanden hat, aber Schwierigkeiten hat, das alles emotional zu verkraften.
Und wer hätte die nicht?
fragt sich
Die Lily.
* die Frage nach einem Übersetzer, der nicht nur die Muttersprache spricht, sondern auch psychologisch bewandert und am besten auch noch Mediziner ist, haben wir auch schon gestellt, und sind gescheitert. Die Muttersprache meiner Schwiegertochter ist ein nigerianischer Dialekt, den sie jedoch auch nicht durchgängig spricht. Meist spricht sie Englisch, sehr geübt, wenn auch mit starkem afrikanischem Akzent. Ihren Heimatdialekt spricht sie fast nur mit ihrer Schwester (die im übrigen der gleichen Gemeinde angehört und eins zu eins den Willen des Pastors vermittelt und unterstützt)
Es ist sehr schwer, hier die Balance zu halten, und nicht aus Sprachproblemen auf Intelligenzmangel zu schließen, es ist ungeheuer schwierig, in so einer Situation sich nicht von seinen eigenen kulturell bedingten Trauermechanismen steuern zu lassen und dem anderen die Emotion und die Ratio nicht abzusprechen, wenn er anders, vielleicht bizarr oder hart, reagiert.
Dienstag, 29. April 2014
So langsam
geht mir die Puste aus. Seit Ostersonntag hat das Leben keine Mühe gescheut, um mir klar zu machen, dass es nicht nach mir geht. Vielleicht sollte ich einfach nach Nepal gehen, mich vor ein Kloster setzen und ooooom singen. Aber ich fürchte, mein Sohn braucht mich noch eine Weile.
Samstag, 26. April 2014
To live is to learn
...manchmal auch die harten Sachen.
Ihr habt ja mitbekommen, was chez Lily alles so passiert... der Schock flaut langsam ab und es schimmert so etwas wie Alltag durch, schrecklicherweise.
Sieben Tage sind inzwischen vergangen, so zäh und gleichzeitig so unruhig wie noch keine andere Zeit in meinem Leben. Es ist eine emotionale Berg- und Talfahrt- jedes Telefonklingeln jagt mir zurzeit Angst ein. Nicht drangehen ist keine Option.
Aber, wie schon oben im Titel gesagt, man lebt und lernt. Man lernt, dass nichts zu sagen die Betroffenen weder ablenkt noch daran hindert, ihren Schmerz zu fühlen. Menschen, von denen ich weiß, dass sie informiert sind, und die sich gar nicht melden, tja, wie gehe ich mit denen um? Ich nehme an, sie sind nicht in der Lage, hilfreiche Dinge zu sagen und ziehen daher das Schweigen vor.
Es ist auch nicht sehr gut zu ertragen, wenn jemand von dem Geschehen so betroffen ist, dass er/sie selbst mitleidet. Für diese Emotionen sollte man sich jemand anderem öffnen, und nicht den Menschen, die gerade jemanden verloren haben oder denen etwas schreckliches zugestoßen ist.
Was hingegen gut tut, ist eine Einladung zu einem Spaziergang, zu einem Essen, zu einem gemeinsamen Abend oder Nachmittag, wenn der Betroffene nicht allein sein kann. Das wechselt nämlich. Keine Angst, es wird nicht unentwegt geweint werden. Und selbst wenn- man kann sympathisierend mitweinen. Und einen Tee sowie ein Taschentuch anbieten. Normalerweise weint niemand so gern, dass er das einen ganzen Abend lang aushält.
Ach ja: Sofern bei Facebook jemand etwas Trauriges postet- der Like-Button liegt zwar nahe, fühlt sich aber komisch an. Und nicht "komisch" im Sinne von lustig. (Ich hab trotzdem verstanden, wie es gemeint war)
Das letzte, was sich lernhalber (das ist bestimmt ein richtiges Wort, Ehre-Schwöre) so bei mir abspielt, ist, dass ich um jeden Preis meinen Sohn verteidigen und schützen werde. Das ist eine relativ neue Erkenntnis. Und es geht mir gut damit.
Euch allen vielen Dank, für Gespräche, Mails, Anrufe.
Freitag, 25. April 2014
Update
Meine Schwiegertochter ist gestern langsam wach geworden. Raphael ist weiterhin bewusstlos. Für ihn sieht es nicht gut aus.
Dienstag, 22. April 2014
Ungewiss
Einige wissen es schon: Seit Ostersonntag sitzt hier die Lily-Oma. Wir haben einen wunderhübschen neuen kleinen Jungen in unserer Familie, über dessen Geburt wir uns sehr freuen. Leider gibt es noch großen Grund zur Sorge, denn er ist fast acht Wochen zu früh geboren, und noch dazu unter medizinisch sehr ernsten Bedingungen. Sowohl seine Mutter als auch er sind sehr, sehr schwach und wir wissen nicht, was werden wird. Mein Sohn zerreißt sich derzeit, um seine Freundin und seinen Sohn auf zwei Intensivstationen in zwei verschiedenen Städten zu besuchen und diesen fast unerträglichen Anforderungen gerecht zu werden.
Zum Glück habe ich eine große Familie, die uns sehr unterstützt und die wir jetzt brauchen werden. Auch brauchen wir alle Kerzen und Gebete, die ihr vielleicht für uns anzünden oder sprechen möchtet.
Denkt an uns.
DieLily.
Mittwoch, 16. April 2014
Bits and Pieces
Über Ostern bin ich nicht hier, überlasse es also meinen Katzen, Ostereier zu suchen und mit dem O.-Hasen fertig zu werden. Natürlich kommt mein Sohn, um die Katzen zu gießen füttern, aber nur tagsüber- sofern sich der beohrte Knabe nachts hier hereinschleicht, wird er was erleben.
Ich habe heute mal ein bisschen Leserecherche auf diversen Baby-Zubehör-Seiten getrieben. Meine Güte. Was es nicht alles gibt. Ein Wunder, dass wir und unsere Kinder das Erwachsenenalter erreicht haben, so ohne Apps, die der Mama sagen, wann sie zu stillen haben (ernsthaft) (wir hatten da eine App, die hieß "Das Kind brüllt" und den Button "Mal nachsehen, was es hat"). Dann gibt es hunderte von Blogs und Foren-Beiträgen, die darüber grübeln, streiten, eifern und unentwegt ratentern, was die böse Schwiemu schon wieder alles falsch gemacht hat... Das Kind schreien lassen, das Kind nicht schreien lassen, ihm die Schuhe zugebunden oder auch nicht, die falsche Art Buch vorgelesen (ich würd dem Kind das Telefonbuch vorlesen, wenn es schlafen soll und eh noch nicht sprechen kann- viel Personen, wenig Handlung).
Die eine oder andere Großmutter, vor allem die Schwiegermütter, steht da in einem ätzenden Regen der Krittelei- ich werd mich natürlich gern belehren lassen, was a) aktuelle Sicherheitsregeln und b) medizinische Besonderheiten betrifft. Aber insgesamt wünsche ich mir jetzt schon, dass meine zukünftige Schwiegertochter einfach ein bisschen den Ball flachhält. Aber sie neigt, soweit ich sie kenne, nicht zur Hysterie.
Ganz anders manche Extrembeispiele: Da zermartern sich junge Mütter die Köpfe darüber, dass ihre elf Monate alten Kinder einige "Meilensteine" nicht im vorgesehenen Tempo absolviert haben... tja, Mädels, jetzt ist Essig mit der Elite-Uni, ist doch wohl klar. Was ein Durchschnitt ist, und wie man den ermittelt, scheint ihnen pünktlich mit der Geburt entfallen zu sein. Und niemand in diesen Foren pfeift sie mal zurück... niemals. Jammern, weinen und geifern scheint die adäquate Methode zu sein, niemand scheint mal darüber nachzudenken, dass man nicht ständig Dr. Google mit an Bord haben sollte- meine ziemlich weise Kinderärztin hat mich damals bei meinem 10 Tage alten Baby zurückgepfiffen, als ich (im Ernst... gute Güte.) das Baby nach jeder Mahlzeit wiegen wollte.
Mal im Ernst: Kinder sind stabil, jawoll! Und sie (sowie die Menschheit als Ganzes) haben schon die merkwürdigsten Erziehungs- und Pflege-Varianten nicht nur überlebt, sondern sind sogar trotz auf-dem-Bauch-Liegen zu netten Frauen und Männern herangewachsen. Natürlich sind manche Erkenntnisse wirklich wichtig, und man sollte schon auf der Hut sein, was neuere Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Medizin betrifft.
Manches ist aber auch einfach Mode. Klar sind viele Weisheiten der Schwiegermütter nicht mehr ganz taufrisch. Dafür haben sie andere Qualitäten. Ich höre zum Beispiel immer noch meistens heraus, warum das Baby brüllt. Hose voll? Bauch leer? Gelangweilt? Oder hat es die Nase voll vom Herumgeschlepptwerden, ist komplett überdreht und braucht ein bisschen Ruhe? (Hinweis: Dagegen hilft nur hinlegen und Ruhe einkehren lassen, auch wenn der Zwerg Stein und Bein schreit- das macht ihn nicht kaputt, btw.) Man lernt die Schreisprache, wenn man einmal eine Zeit mit einem Säugling verbracht hat. Das haben viele frische Mütter heutzutage nicht mehr, und das ist sehr schade. Damit geht oft sehr viel Zeit drauf, bis sich Eltern und Kind aufeinander eingespielt haben. Was aber noch keinem Kind geschadet hat, ist, dass man ihm zuhört. Und da wundere ich mich oft, wenn ich durch die Stadt gehe, wieviele Eltern ihren Nachwuchs durch die Gegend schieben, und dabei unentwegt texten oder telefonieren. Sofern das Baby noch klein ist und ohnehin schläft, find ich das in Ordnung. Halbwegs lebhafte Kleinkinder hingegen, die gern mal aus dem Wagen klettern, sollte man aber ein bisschen besser im Blick halten, bevor sie eine Abenteuerreise durch ein belebtes Kaufhaus starten.
So richtig entspannt und wirklich mit Kind sind so wenige, scheint mir, da gibts offenbar eine breit klaffende Schere zwischen FernsehenFacebookKlamottenachjadasBaby und denen, die am liebsten jeden Keim einzeln aus der Atemluft prügeln würden, und deren High-Maintenance-Babys vermutlich nie mit Schmuddelkindern spielen werden.
Meiner Meinung nach ist ein Kind ein wichtiges Mitglied der Familie, aber nicht DAS WICHTIGSTE. Es ist hilflos, aber das vergeht- wenn man es zulässt. Es ist von Gefahren umgeben- einen Teil kann man beseitigen, aber nicht alles, vor allem dann nicht, wenn das Beseitigen Wohl und Wehe eines anderen Menschen tangiert. Mit den Dingen, die man nicht beseitigen kann, wird das Baby umgehen lernen müssen. Erst unter dem Schutz der Eltern, dann auf seine eigene Weise. Und je mehr wir ihm da abnehmen, um so weniger wird es das lernen. Das kann schwer ins Auge gehen.
Robuste Elternschaft ftw, Herrschaften.
And now to something completely different:
Lily
Jawoll.
Schöne Ostern!
Mittwoch, 9. April 2014
Leidensfähigkeit
Unvereinbar mit der Existenz von mehr als einer Katze im Haus ist ein gewisser Sinn für Ästhetik. Vor Beginn der WG-mit-Tieren besaß auch ich allerlei Zierrat und Steh-Rümchen, Gardinen, Zimmerpflanzen und anderen eitlen Tand. Katzen hingegen pflegen ihre Hobbys nicht auf Tischen (naja, sie sollten das zumindest nicht tun), sondern auf dem Boden. Das nehmen sie zum Anlass, vieles von dem, was vorher oben stand, auf denselben herunter zu holen. Unter Inkaufnahme von Kollateralschäden, versteht sich. Überlebt wurden diese Umgestaltungsaktionen nur von Unzerbrechlichem, was dazu geführt hat, dass hier chez Lily nur noch Katzenspielzeug neu angeschafft wird.
Kater Henry, seines Zeichens einer der Pioniere in Sachen Katzenraumgestaltung, hat seinem Hobby damals viel Zeit gewidmet, und unter anderem einem jahrzehntealten, liebevoll gehegten Mordstrumm von Elefantenfuß (der Pflanze) den Garaus gemacht. Nur unter Benutzung seiner Zähne. Ich geb zu, ich hab Dinge nach ihm geworfen, um ihn davon abzuhalten. Da ich aber einen Großteil des Tages nicht anwesend war und bin, und dieses kleine graue Katertier wie kein zweiter Türen öffnen konnte, war der Verfall unvermeidlich und der Kater zum Schluss der Sieger.
Was der moderne Katzator von Tischdecken hält, hat man mir ebenfalls schnell klar gemacht. Kekse auf Tischen werden gefressen. Kiwis, Pflaumen und Co kann man durch die Gegend rollen, man muss sie nur erst aus der Schale holen, was eine sinnvolle, stundenlang durchgehaltene Beschäftigung für den Katzennachwuchs sein kann.
Mit Fell überzogene Möbel sind zuletzt in den siebziger Jahren richtig modern gewesen, aber meine Tiere tun ihr möglichstes, um diesen Trend wieder aufleben zu lassen. Seit das Gretelchen hier wohnt, kann man sich darüber freuen, dass dieser Pelz nicht mehr nur hell ist, sondern gemischt. Was dazu führt, dass die Beschränkung auf helle Jeans nicht mehr bedeutet, dass man zumindestens von Weitem gepflegt aussieht. Ich habe z.B. eine schwarze Jeans, mit der ich grundsätzlich in meiner Wohnung NICHT SITZE.
Auch auf nicht-Design-Gebieten sorgt mein Fellvolk dafür, dass nostalgische Gefühle wieder aufleben. Nur, dass es jetzt keine Legosteine sind, auf die ich nachts trete, sondern Aufziehmäuse und Katzenminze-Spielzeuge. Gruselig ist es, im Dunkeln auf die Spielzeugratte zu latschen, noch gruseliger, wenn Karl mal wieder irgendwohin gekotzt hat. Das kann auch gefährlich sein, weil Ausrutschgefahr besteht, also wird bei nächtlichen Wanderungen chez Lily immer das Licht eingeschaltet.
Wer also Ästhetik liebt, der schaffe sich keine Katzen an. Oder nur eine. Oder nur Ausgestopfte.
Wer es liebt, dass man ihn anschnurrt, austrickst, zerkratzt, anmault, belagert, im Weg steht, und entweder ignoriert oder aufdringlich beschmust, der, nur zu, gehe ins nächste Tierheim. Nicht über Los, ohne Einziehung der Los-Übertritts-Kohle, und ohne Gewähr.
Das Gefühl ist unvergleichlich:-)
Einen schönen Tag wünscht die Lily, samt der Pelzbande.
Donnerstag, 3. April 2014
Rätsel der Zivlilisation, Teil 2
Wer das hier damals gelesen hat, der weiß, dass das Universum Rätsel an verschiedenen Stellen für uns deponiert hat. Kaum hat die Menschheit eines gelöst, schwups, kommt das Universum angewackelt und pappt ein neues irgendwo an, was dann im Weg steht, Staub ansetzt und allgemein abnervt.
Was aber jetzt geschehen ist, lässt mir den Atem stocken. Die Frage, die mich damals umtrieb (Wo kommen die ganzen Katzenscheißeschaufeln her, und warum?) ist nun wiederum zu stellen. Naja, nicht ganz, aber irgendwie ähnlich. Diesmal frage ich das Universum, und zwar mit klagender Stimme: "Wo sind all die Katzenscheißeschaufeln hingeraten? Und- WARUM?"
Nicht genug, dass die Vorrats- KaScheScha (Abk.) klammheimlich meinen Ostflügel (unaufgeräumtes Abstellzimmer, Anm.d.Red.) verlassen haben. Nein. Sie haben auch noch ihren besudelten und in Gebrauch befindlichen Kumpel mitgenommen.
Wenn man, anders als ich, kein verhärtetes, schwarzes kleines Herz hat, dann kann man es beinahe sehen, wie im Schutz der Dunkelheit raschelnd sich die KaScheScha aus ihrem Kistchen erheben, mühselig den Rand überwinden, leise und fluchend über den Boden krabbeln, eine Räuberleiter bilden, um an die Türklinke zu kommen.
Einen wackligen Moment lang stehen sie dort, schwankend, bis endlich die Tat gelingt und sich lautlos die Türe öffnet. Dann schleicht eine ganze Kette von ihnen in die Küche zu ihrem geschändeten Bruder, nimmt ihn zwischen sich, und unter gezischten Durchhalteparolen treten sie gemeinsam ihre Reise an, in das Land, in dem KaScheScha glücklich werden können.
Nicht dass ich ihnen das nicht gönnte. Nein. Sollen sie doch glücklich werden.
Aber womit mach ich jetzt die Klos sauber?
Kann mir das mal einer sagen?
Und WARUM??
Seufz.
Montag, 24. März 2014
Rechtschreibung...
is a bitch, too. Vor allem wenn man glaubt, dass man als online-Magazin sowas gar nicht mehr braucht.
![]() | ||||
Fig. i: Das Frack-Wrack-Phänomen. |
Dinge falsch zu schreiben, kann sich respektlos anfühlen, scheint mir.
Freitag, 21. März 2014
Aufgeben ist auch eine Option
...wenn es nämlich darum geht, Entscheidungen, die sich als falsch erwiesen, neu zu treffen.
So geschehen im Hause der Lily im Frühling anno MMXIV. Da ergab es sich, dass der im Herbst erworbene "Ich weck dich mit Licht"-Wecker mittels eines Gnadenschusses erlegt wurde.
Weil es sich nämlich als Ärgernis herausgestellt hat, sich für einen billigen Wecker entschieden zu haben.
Aus Gründen:
-Das Displeh ist so hell, dass man dabei lesen könnte. Und wenn nicht das, so stört es, in seiner gelbstichigen oder eisigblauen Strahlkraft, entschieden den Schlaf.
-Die Weckzeit umzustellen erfordert mehr Durchhaltevermögen, Kraft im Zeigefinger und Gedächtnisleistung, als ich abends, wenn ich ins Bett falle, aufbringen kann. Daher steht dieser Wecker seit gefühlten Monaten auf 7 Uhr. Deshalb steh ich oft einfach zu spät auf, um noch früh dran zu sein. Das ist so scheiße.
-Sofern ich früher aufstehe und den Wecker vergesse (man kann ihn einfach nicht ausschalten bevor er weckt, ohne sich durch das Menü zu klicken, für das mir auch morgens die Dinge aus Punkt zwei fehlen, also Durchhaltevermögen etc.), also wenn ich ihn nicht in flagranti ausschalte, dann weckt er weiter. Und weiter, und weiter. Und, na ja, weiter. Bis abends, bis zum Morgen, und bis nächsten Donnerstag. Mit Licht, und Geräuschen.
-Das Weck-Licht ist nicht hell genug, um mich zu wecken. Auch nicht, um dabei zu lesen. Es ist gerade ausreichend, um z. B. abends nicht einschlafen zu können. Dafür macht das grelle Displeh viel Freude, s. oben.
-Und die Geräusche... don't come me with the Geräusche. Man kann zwischen einigen Naturgeräuschen wählen, die so natürlich sind wie Erdbeeraroma aus Fichtenrinde. Nämlich Null. Im Unterschied zu Fichtenrinde schmecken die Geräusche aber nicht wie Erdbeeren (wenn man die Augen zukneift und sich ganz fest konzentriert), sondern sie hören sich an wie, naja, wie Erdbeeraroma, das man aus Brückengeländern herstellt. Oder aus gebrauchten Stoppschildern.
Der Regenwaldsound, z. B., hört sich an wie ein Radio mit ohne Sender und dafür mit Stromschwankungen... wwwschschschsschschschschwwwwschschschschschwwwwww....., interpunktiert mit den Lautäußerungen eines asthmatischen Mopses. Röchel. Der Mops soll wohl ein quakender Frosch sein, verfehlt dieses Ziel aber bei weitem.
Ich hasse diesen Sound inzwischen. Die anderen sind aber genauso synthetisch, schlecht geloopt und ärgerlich.
Also hab ich mein geiziges, kleines, schwarzes Herz gestern in die Hand genommen und mir wieder ein Philipps Wake-up-Light-Weckerding gekauft. Die sind erstens schöner, zweitens überhaupt und drittens haben sie schöne und erträgliche Wecksounds. Diesmal, Ehre-Schwöre, werde ich nicht mit scharfen Gegenständen das Gehäuse öffnen, wenn die LED hin ist, sondern das Teil brav einschicken und das beste hoffen.
In diesem Sinne: Schlaft schön, ihr Lieben, und wacht entspannt auf.
Bis dahin,
DieLily
Freitag, 14. März 2014
Depression...
is a bitch, my friends.
Nachdem ich lange dachte, DIE Medikation gefunden zu haben, scheint sich das jetzt als Irrtum zu erweisen. Nun ja, wir leben und wir suchen.
Ein bisschen Geduld mit mir, ja?
Ich bemüh mich auch drum, versprochen.
Bis bald,
DieLily
Donnerstag, 27. Februar 2014
Mittwoch, 26. Februar 2014
/alive
Mit diesem Wort meldete man sich früher (tm) in Chats, bevor einen die Software rausschmiss, oder auch, um anderen zu signalisieren: Mich gibts noch.
Also:
Mich gibts noch.
Zwischenzeitlich wieder ein Jahr älter geworden, diesmal wieder keine Primzahl erreicht. Daran erkennt man auch, dass man älter wird: Primzahlen liegen weiter auseinander. Die nächste ist in zwei Jahren dran. Komisch, vor der 50 hat es mir gegraut, die 51 hat mich kaum gerührt. Trotzdem war ich bei meinen beiden besten Freunden, und hab mich drei Tage lang nur von der rechten auf die linke A...backe bewegt, und kaum was anderes getan als Kaffee trinken, stricken und rauchen. Doch: Epochemachenden Kuchen gegessen, im besten Chinarestaurant Mittelhessens gegessen und die Kochkünste des männlichen Teils der besten Freunde genossen.
Oh.
Ja, und zwei Kilo zugelegt, in den drei Tagen. Wen wunderts?
Durch die Antidepressiva, die meinen Antrieb ein wenig antreiben und die Fressanfälle reduzieren, hab ich im letzten halben Jahr so zwölf Kilo abgelegt. Das versuche ich zu ignorieren, damit die bösen Kaloriengeister nicht ihren Zauberspruch über mich werfen.
Die Depressionen haben sich zwischendurch auch gemeldet, wie jeder erwarten kann, der so was selbst mal eine Weile hatte. Trotz der Pillen wieder Chaos im Kopf, um mich herum und keine Ahnung, wie ich das weg kriege, auch keine Motivation, das zu tun. Die Arbeit wuchs mir über den Kopf, und da ist momentan echt ein Riesenberg zu tun, auch ohne Strukturprobleme- keine gute Kombination für die Lily. Zwischenzeitlich hab ich ernsthaft überlegt, mein Erwerbsleben zu den Akten zu legen und den Freundinnen in die Vorberentung zu folgen, die diesen Schritt schon hinter sich haben. Im Unterschied zu ihnen bin ich jedoch leider keine Beamtin des höheren Dienstes, und musste dann feststellen, dass man nach mehr als 30 Jahren in einem qualifizierten Beruf, für den man Abitur braucht, leider doch nicht von der Frühpension leben kann- zumal Hinzuverdienst erstens angerechnet wird und zweitens- hallo? In Rente, aber fit genug fürs Arbeiten? Nö, finde ich nicht überzeugend.
Der Rat, eine krankheitsbedingte Auszeit zu nehmen, hilft mir nicht weiter, weil ich das einfach nicht kann. Nicht etwa, weil ich glaube, unersetzbar zu sein, sondern weil ich es nicht ertrage, zu Hause zu hocken in meiner Starre, und andere Leute, deren Pensum auch schon über 100 % ist, müssen für mich über die Klinge springen. Dafür schätze ich meine Kollegen zu sehr. Also bleibt mir nix anderes übrig, als zu lernen, mich zu schützen vor mir selbst, frühzeitig um Hilfe zu bitten und mich abzugrenzen von Ausbeutern und Energiedieben.
Jetzt alle mal lachen!
Geht das auch lauter?
Der angekündigte Post über das Stricken schmort auf kleiner Flamme und ist schon ganz trocken. Mir fällt nix ein, was andere Leute nicht besser gesagt und geschrieben haben, also hab ich mir folgenden Tipp überlegt: Einfach auf die sehr hilfreichen Youtube-Lehrgänge zurück greifen, wenn man was wissen will. Die kann man auch zurückspulen, im Gegensatz zu Müttern und anderen Vormachern. Ich kenn Leute, die sich lediglich mit Hilfe der Filmchen das Stricken selbst beigebracht haben, und das ganz wunderbar machen. Die Filmchen haben auch nie schlechte Laune, und sogar mitten in der Nacht Zeit. Nur Mut! Wolle kaufen, Nadeln und los gehts. Nicht grad die teuerste Wolle, unbedingt in ein Fachgeschäft gehen und den hoffentlich bewanderten Gestalten dort erzählen, dass man Anfänger ist. Wenn die gut sind, verkaufen sie euch eine helle, glatte Wolle, mitteldick und gut rutschend, und ein paar vernünftige Nadeln, Handwerkszeug kann nie zu gut sein. Gute Nadeln sind teuer, billige sind ein Ärgernis. Vor allem die Nadeln in den Sockenstrick-Packs der Discounter. Finger weg. Damit kann man sich am Kopf oder unter einem Gipsarm kratzen, oder sie in Tonskulpturen zum Geradehalten verwenden. Stricken eher nicht.
Zentimetermaß besorgen, es tut aber auch ein Zollstock für die Anfänge.
Mein erstes Stück hab ich mit acht oder so gemacht, eine endlose schlechtgestrickte Schalwurst, aus Wollresten und Löchern, die eine gutherzige Oma dann in eine Durchzugsstopper-Schlange verwandelt hat.
Übrigens ist das Stricken eine komplexe Sache. Bis man das blind kann, dauert es, und bis dahin hilft nur üben.
Dafür hat man seine Hände beschäftigt (gut, wenn man keine Zigaretten oder Fressalien in die Finger nehmen will), man ist kreativ, im besten Fall macht man was zu Ende (gerade für die psychisch Angeschlagenen keine schlechte Sache) und irgendwann hat man was fertig, selbst gemacht und so, wie man es haben will.
No bad feature.
In diesem Sinne:
Hoffentlich bis bald.
DieLily
Freitag, 7. Februar 2014
Samstag, 18. Januar 2014
Samstag Morgen, 7 Uhr...
... und ich weiß jetzt auch, wie man mit Hilfe trickreicher Registry-Manipulation ein abgestorbenes Benutzerprofil in Windows 7 belebt.
Hoch lebe der online-Help-Dienst. Hoch lebe außerdem der abgesicherte Modus und ein bisschen verstaubtes Restwissen aus der DOS-Zeit.
Denn das geht gar nicht: Nach der Arbeitswoche aus der Hölle samstags morgens aufstehen und der Rechner versagt seinen Dienst- bis auf ein höhnisches "Benutzerprofil konnte nicht geladen werden" war ihm nix zu entlocken.
Obwohl... wenn ich richtig nachdenke hätte mich ein weiterhin kaputtes Rechnergerät an der Wochenendarbeit gehindert... richtig?
Richtig.
Mal sehen, was mir jetzt noch an Ausreden einfällt.
Bis dahin gehe ich ein wenig Stricken, ihr Lieben.
Socken haben ein enormes Zen-Potenzial.
Alle zusammen: Oooooom!
Aber sowas von.
Schönes Wochenende,
DieLily
Samstag, 11. Januar 2014
Mittwoch, 8. Januar 2014
Paradoxon der zeitlichen Entkoppelung
Mit zunehmendem Alter wird die Zeit zwischen zwei Geburtstagen immer kürzer.
Gleichzeitig wird die Zeit länger, die zwischen zwei Weihnachtsgeldzahlungen liegt.
Ist die Welt gerecht?
Sonntag, 5. Januar 2014
New Year, new Post
Guten Morgen zusammen,
hier folgt die erste Verlautbarung für das Jahr 2014. Ein frohes neues Jahr euch allen, mögen Eure Tage sonnig und belebt sein, eure Nächte ruhig (oder auch belebt, je nach dem) und eure Gehaltszettel voll erfreulicher Zahlen.
Die Schwiegertochter-in-Lauerstellung ist nach Durchbruch ihres Blinddarms und der nötigen Operation zum Glück samt Baby (ebenfalls in Lauerstellung) aus dem Krankenhaus entlassen, und wir alle sind sehr beruhigt. Es ging ihr zwischendurch SEHR schlecht, und da sie leider am anderen Ende der Republik lebt (noch), war es schwierig, informiert zu bleiben. Aber das hat sich alles geklärt- und meinen sämtlichen Kindern und Kindeskindern geht es wieder gut.
Die Tage zwischen den Jahren habe ich bei meinen bestesten Freunden verbracht, und wir hatten eine wunderbare Zeit, die wie üblich zu kurz war... überlegt doch mal mit mir zusammen, wie ich sie dazu bekomme, hierhin zu ziehen. Noch hab ich da bisher keinen Erfolg erzielt, trotz meiner bekannt charmanten Art. Auch die Nähe zur Route der Industriekultur, dem fabulösen Bottroper Tetraeder, meinen Katzen und sonstigen touristischen Anziehungspunkten konnte bisher nicht überzeugen. Nicht mal meine zentrale Wohnlage, zwischen B224, A 2 und einer eher unauffälligen Bahnlinie (S9, anyone?) hat gepunktet. Dabei hört man die A 2 nur wenn der Wind echt ungünstig steht, und das Feuchtgebiet nebenan riecht nur bei bestimmten Wetterlagen wie Sumpf. Das sind doch super Features, oder? Die Rammen, die ein bisschen für Erschütterungen sorgen, ziehen ab, wenn die Emschergenossenschaft den hiesigen Bachlauf renaturiert und die nötigen Spundwände gerammt hat. Dann wackelt auch nicht mehr das Geschirr in den Schränken.
Nun ja. Jetzt, wo ich das lese, scheint mir die Gegend eher für den gemeinen Thrill-Sucher geeignet, nicht so sehr für Freunde des ruhigen Lebens. Aber was hat das ruhige Leben schon zu bieten, wenn man anstatt dessen im Autobahndreieck Bottrop geocachen gehen kann?
Im Ernst: Hier hält mich meine Familie und meine Arbeit, und die Tatsache, dass ich seit meiner Geburt hier lebe und mich zu Hause fühle- das Ruhrgebiet ist für mich eine Gegend mit versteckteren Qualitäten als die zugegeben bildschöne Stadt, in der die Freunde leben.
*seufz*
Die Freunde fehlen mir aber trotzdem. Zeit, dass sie hier hin ziehen! Einseinself.
Schönen 5. Januar wünscht euch
die Lily