Donnerstag, 28. November 2013

Isch will das!!!


Manchmal wünsch ich mir, ich könnte wie die sprichwörtliche Dreijährige einen Wutanfall kriegen, auf dem Boden herumstampfen und laut kreischend nach irgendwas Nützlichem oder Gewünschtem verlangen. Natürlich könnte ich das problemlos tun, leider gibt’s aber keinen, der sich dann zu mir runterbeugt, mir das hübsche Köpfchen krault und meinen Wunsch erfüllt.

Aber vielleicht, nur vielleicht, kann der Weihnachtsmann mir ein paar Sachen von meiner Wunschliste bringen:

  • -           Ein Wasseranschluss für meine Senseo, damit ich nicht immer nach drei Tassen schon wieder frisches Wasser holen muss. Das nervt.
  • -          Eine psychokinetisch bewegte dritte Hand, mit der ich all jenen eins aufs Maul geben kann, die in der Gegend herumspucken. Widerlich.
  • -           Eine Jeannie, die meine Garage leer zaubert.
  •               Eine andere, die meine Lampen in der Wohnung repariert und erneuert. Ist ja nicht so, als hätte ich den Ersatz nicht schon seit einem halben Jahr da herumliegen.
  • -           Einen magischen Schrank, von innen größer als von außen.
  • -          Ein Lexikon „Katze-Lily“ und „Lily-Katze“.
  • -          Das Sport-Gen,  ‘nuff said.
  • -          Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätää.-

Lieber, lieber Nikolaus…
Was soll bei euch auf dem Tisch stehen?

Fragt sich (und euch) die Lily.

Mittwoch, 27. November 2013

You tube

bietet manchmal, so wie hier, Einblicke in kleine Wunder:
Die Zwillinge sind neu geboren, und haben das offenbar gar nicht so richtig bemerkt :-) 


Dienstag, 26. November 2013

Katzen und Ordnung





Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründ‘ ich einen Arbeitskreis äh schreib ich Katzencontent...

Seit neuestem versuchen die Fusselpfoten, deren haustierisches Hauptargument ja das „…sind SO saubere Tiere“ ist, mich zu einer guten Hausfrau zu machen. Und was Jahre mütterlicher Einflussnahme, Jahrzehnte, die ich mit Suchen und Über-Bücherberge-Klettern verbracht habe nicht geschafft haben, kriegen die Pelznasen offenbar ohne große Schwierigkeiten hin…

Eins der Problemfelder in meinem Haushalt ist nämlich das Sachenstehenlassen. Oder auch Liegenlassen, je nachdem. Also: Die Jacke fliegt auf den Küchenstuhl, die Tasche direkt daneben, die Einkäufe erst mal auf die Arbeitsplatte und dann die Schuhe unter den Wohnzimmertisch. Dann wechsel ich die Kleidung von „Büro“ auf „Couch-Schlampe“ und werf die Jeans und alles, was ich mir sonst vom Körper reiße, auf den Stuhl im Flur.
So ist es immer gewesen, und so wollte ich das auch bis an mein Lebensende fortsetzen (nicht wirklich). Leider hab ich die Rechnung ohne Gretelchen, meine fellige Mungbohne, gemacht.

Sie markiert nämlich. Nur gebrauchte Kleidung von mir, sowie Schuhe, aber immerhin. Ich kann nix mehr herumliegen lassen, denn dann muss ich es sofort waschen, oder (Schuhe) wegwerfen. Bisher hat sie Möbel verschont, und den großen Teppich auch. Aber ich bin doch etwas erzürnt, um nicht zu sagen: Angepisst.
Ihre letzte Überraschung war ein Attentat auf ein paar angejahrte, ausgelatschte Schuhe von mir. Leider hab ich das erst nach zwei Tagen (oder so) bemerkt- und auch nur, weil es roch. Das waren nämlich Sommerschuhe, die da nur standen, weil ich zu faul war, sie weg zu räumen. Und sie hatte geschickt so dahin gemacht, dass sich alles unter den Schuhen ansammelte, wo man es nicht sah, und zunächst auch nicht roch.
Gegen diese Sorte Gerüche hilft Putzen nur bedingt. Das muss man natürlich sofort machen, aber ein gewisser Grundmuffel bleibt irgendwie hängen. Trotz Fliesen, heißem Wasser und gefühlt drei Stunden Schrubben. Angeblich hilft gegen Katzenpipi aber billiger Wodka. Nicht etwa zur innerlichen Anwendung (obwohl das bestimmt auch nicht ohne Wirkung bleibt), sondern fußbodennah eingesetzt.
Dumm nur, dass mir der Wodka ausgegangen ist (und billigen hatte ich schon mal gar nicht). Aus mir unerklärlichen Gründen fand sich in meinem Eisfach jedoch eine Flasche Gin. Deren Inhalt verteilte ich also großzügig auf den Dielenfliesen, woraufhin Karl mit allen äußeren Anzeichen des Abscheus langsam den Rückwärtsgang einlegte. Puh. Alkohol. Kein wirklicher Katzenmagnet.
Dann verteilte ich die Alkoholpfütze weiträumig auf dem Boden und ließ sie einwirken.
Als ich, samt einem zweiten Eimer brühheißen Putzwassers, wieder den Flur betrat, konnte ich Karl gut verstehen. Hier stank es wie nach einem Leck in einer Schnapsleitung. Pfüh.
Zum Ausgleich putzte ich, wie schon mal in meinem Bad, mit meinem orangendufthaltigen Putzmittel drüber. Sofort roch es nach Strandbar, und nicht mehr nach Ruhrpott-Kneipe. Allerdings war jetzt auch keine einzige Katze mehr zu sehen, obwohl sie sonst immer sehr scharf drauf sind, Putzlappen zu entführen und mit dem Schrubber Duelle auszutragen.
Während ich, leicht schwindelig und etwas bedröselt, über dem Putzeimer die Wisch-Dinger auswrang, stellte ich mir vor, wie ich mich fühlen würde, wenn ich in einem über Kopf hohen Dunst aus 50%-igem Alkohol herumspazieren müsste. Vermutlich wäre ich sehr fröhlich oder sehr schläfrig, je nachdem. Vielleicht auch beides, und dann würde ich, eventuell unter Absingen schmutzigen Liedguts, von einer vorgezogenen Schlafenszeit Gebrauch machen. Wer weiß das schon.
Ungefähr zwei Stunden später, der Schnapsdunst war verflogen, regte sich das kätzische Leben erneut. Suchend strubberte die kleine Fellganovin durch die Zimmer. Vorwurfsvoll  hat sie den Rest des Abends mich bei jeder Kleinigkeit anmiaut…
Pech gehabt, meine Süße, seit dem großen Ginangriff liegt hier nichts mehr an Kleidung herum. Das kann ich mir nicht leisten, schließlich ist Alkohol teuer.  Und wenn mir vom Schnaps schwindlig würd und ich in den Putzeimer fiele: Wer sollte da den Unfallbericht schreiben? Ihr etwa?
Lasst euch Daumen wachsen, dann reden wir weiter.

 

Mittwoch, 20. November 2013

Ich bin ein Wettergott

Beziehungsweise eine Wettergöttin, soviel Zeit muss sein.

Woran man das merkt?

1. Es friert nur des Nachts, wenn ich vergessen habe, die Windschutzscheibe mit dieser komischen Folie abzudecken.
2. Immer wenn ich ein Motorrad besteige, fängt es an, aus allen Rohren zu regnen.
3. Sobald ich ein Fenster geputzt habe, setzt feiner Sprühregen ein. Dieser wird nach kurzer Zeit durch das abgelöst, was der anglophone Mensch einen „torrential downpour“ nennt.
4. Ratet mal, was passiert, wenn ich einen Regenschirm einpacke? Richtig. Es bleibt trocken.
Vielleicht sollte ich mich mal einem wissenschaftlichen Institut zu Verfügung stellen. Oder ich erpresse die Landwirte, damit sie mich dafür bezahlen, dass ich, je nach Bedarf, ihren Feldern fern bleibe. Und so lang ich ein entsprechendes Honorar für die Ferienmonate von den Nordsee-Hotelbesitzern erhielte, wohnte ich in Saudi-Arabien, und sorgte dafür, dass die Wüste lebt.
Reich, berühmt und erfolgreich- das wäre es doch.
Aber sowas von.

Sonnige Tage wünscht euch
DieLily


Montag, 28. Oktober 2013

Haarsträubend

Es gibt typische Filmszenen, die mich zum Wegschalten animieren: Die Heldin, allein auf weiter Flur, und auf filmtypische Art in (potenzieller) Bedrängnis, hört ein Geräusch. Zum Beispiel das Trappeln dinosaurischer Pfoten, das Entsichern einer Waffe, das Knurren eines menschlichen oder tierischen Gegners.
Anstatt mit dem, was sie gerade tut, aufzuhören, sich eine Waffe zu schnappen und an einen sicheren Ort zu entschwinden, stellt sie die Dümmste Aller Fragen: "Hallo? IST DA JEMAND??" und geht los, ahnungslos ihr blondes Köpfchen in die Schusslinie haltend.
 Ich möchte dann immer antworten: "Hallo? Gehts noch??"
Leider ist diese Frage und natürlich die passende Szene (gern auch mit einem männlichen oder kindlichen Protagonisten) recht weit verbreitet.
Früher gab es da noch eine andere, oft gezeigte Situation: Vor allem in den Fünfzigern und Sechzigern rief bei der meist blonden Heldin ein Mann an, der sich als Inspector McWiseass ausgab und die Dame zu einem Treffen ("Kommen Sie allein! Bringen Sie die Briefe mit!") an einer einsamen Pier/am alten Forsthaus/am Schauplatz der bisherigen Morde einlud. Dumm (und blond) wie die Dame war, ist sie prompt, Briefe im Gepäck, losgezogen. Viel Gekreische und bibbernde Unterlippen (und ein paar "Ist da jemand?") später musste dann der wirkliche Inspector anrücken und die Dummbratze aus der Falle holen. Meist schmiegte sie sich dann zur Abspannmusik in seine starken Arme und alles! wurde! gut!!

Diese Art der szenischen Darstellung angeborener weiblicher Dummheit ist nicht mehr allzu weit verbreitet. Leider ist es mir nicht vergönnt, mit einem Sturmfeuerzeug die alten Streifen in Brand zu setzen. Verdient hätten sie es.

A propos Filme: Am Wochenende habe ich die Bekanntschaft einer Serienberühmtheit gemacht, die ich bis dato nicht kannte (und mir ist nicht klar, warum nicht)...
Dr Who hat meinen Pfad gekreuzt. Auf Fox Serie läuft derzeit die Staffel mit Matt Smith als Doctor. Eine der letzten Folgen mit David Tennant ist mir am Freitag abend vor die Couch gekommen, und -schnapp- saß ich am Haken. Meine Güte. Ungefähr 12 Folgen sind seither gelaufen, aufgezeichnet und angeschaut worden. Und ich fühle mich selten gut unterhalten. Alles ist drin: Käferäugige Aliens, Star-trekkige Expeditionen, Steam Punk, Zombies, Winston Churchill, Agatha Christies englische Landszenen, und eine prima blaue Notrufzelle in der Rolle einer leicht unzuverlässigen Zeitmaschine. Wer es noch nicht kennt und gern mal was Absurdes und trotzdem Spannendes ansieht: Unbedingt anschauen. Heute nacht hab ich vom Angriff der Killer-Senioren geträumt. Aber sowas von.
Einen schönen Tag wünsch ich euch!
DieLily

Sonntag, 20. Oktober 2013

Herbstmond


Samstag, 12. Oktober 2013

*nörgel*

1. Es ist kalt. Kalt, Herrschaften! Wo doch in den letzten Jahren der Oktober so oft ein goldener war. Menno.

2. Das Wochenende ist verdammt kurz.

3. Die Arbeitswoche ist, ebenso verdammt, lang.

4. Bald ist Weihnachten. Noch einmal Fensterputzen!

5. Bei der letzten Dienstbesprechung fing ein Satz an mit "Habermas hat gesagt..." Niemand hat auch nur mit der Wimper gezuckt.

6. Lese gerade John C. Röhls Wilhelm II-Biografie, und zwar den ersten Band. Meine Güte, hatte der eine Zentralmeise. Willy meine ich, nicht den bewundernswert geduldigen Biografen. Man schwankt zwischen Mitleid (überwiegend für die Eltern) und dem dringenden Wunsch, eine Zeitmaschine zu erfinden und diesen (/")§((&%(=... aus der Geschichte zu tilgen. So ein arrogantes, dummes und kleingeistiges Männchen... leider mit Zügen von Größenwahn.

 Es gibt da übrigens, für alle die, die an europäischer Geschichte interessiert sind, das sehr gut zu lesende Buch "The Three Emperors" von Miranda Carter, das die Geschichte Europas in der Zeit der drei Kaiser Nikolaus II (Romanov), Wilhelm II (Hohenzollern) und Georg V (Sachsen-Coburg-Gotha,bzw. Windsor) (letzterer war auch Kaiser von Indien) erzählt. Es ist erschreckend, in welchem Umfang Wilhelm und Nikolaus die Realität ihrer Zeit und ihrer Völker ignoriert haben, und ihr jeweiliges Ende scheint unausweichlich gewesen zu sein, um nicht "verdient" zu sagen... 
Die drei Kaiser waren über Queen Victoria miteinander verwandt und zwar Cousins. Wilhelm II fällt als unberechenbarer Intrigant auf, der reaktionär und antisemitisch bis ins Mark war, Nikolaus als realitätsfeindlich-gleichgültig, und nur der (aufgrund der Staatsform relativ machtlose) englische Vertreter hat offenbar seinen Kopf von Zeit zu Zeit zu so etwas wie Denken genutzt. Die weitere Entwicklung Europas im Lauf des 20. Jahrhunderts wundert einen kein bisschen mehr.
Ich finde diesen Zeitraum, also 1870-1930, beklagenswert unterrepräsentiert bei den üblichen Verdächtigen, so wie Guido "ZDF-Info" Knopp und Konsorten. Natürlich gibt es wenig filmische oder fotografische Belege, aber ein bisschen Fantasie beim Aufbau einer Dokumentation kann ja auch nicht schaden.

*nörgelende*

Schönes Wochenende,

Lily

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Immer wieder was Neues...

an der EDV-Front.
Im Büro einen neuen Rechner bekommen (sehr nötig). Windows 7 drauf, was ich grundsätzlich erstmal sinnvoll finde... und dann hab ich Word 2010 erstmalig benutzt.
Das erste, was auffiel, ist, dass die ganze Menüleiste oben einfachmal umbenannt wurde. Komplett. Die gute alte Datei|Bearbeiten|Ansicht|Format|Extras-Zeile heißt  jetzt Datei|Start|Seitenlayout|Verweise|Sendungen|Überprüfen... Wobei ich mich frage, wenn doch ein Punkt "Start" genannt wurde, und das auch der Standard-Eröffnungsmenüpunkt ist, warum, ja, WARUM ist das dann nicht auch der erste Menüpunkt links? Aber was soll man schon von einem Softwarehersteller erwarten, der unter "Start" auch das Beenden versteckt.
 Aber das ist bei weitem noch nicht alles.
Ich hab gedacht, mich tritt ein Pferd, als ich bei meinem ersten Text dann den Druck-Button nicht fand... Gibt keinen mehr.
Kann man nachträglich winzigklein in einer Art Extra-Leiste einfügen. Das Popdown-Menü (unter Datei/Optionen/"Symbolleiste für den Schnellzugriff" (ahahahahaha..schnell...) ) mit den "häufig verwendeten Befehlen", die man vielleicht über diese Sonderleiste noch etwas näher an die Arbeit kriegen will (mit "näher" meine ich: Nicht sieben Menüs tief versteckt) enthält vieles. Aber keinen Druckbefehl. Der wird erst angezeigt, wenn man "Alle Befehle anzeigen" freischaltet. Interessant.

Wenn man dann auf den solcherart kreierten Button klickt, bekommt man ein Submenü, wo man auswählen kann zwischen "Optionen" und "Seitenansicht und Drucken". Klickt man Letzteres, kriegt man wieder ein Menü, das viele viele Bildchen zeigt, wo man sich das Schriftstück noch mal ansehen und es bewundern kann, um dann mit noch einem Klick auf OK zu drücken. Damit braucht man dann drei Klicks, wo früher einer reichte. Echt gelungen.

Meine Frage an Microsoft: Was glaubt ihr eigentlich, was der Durchschnitts-User mit Word so anstellt? Bunte Ameisenkolonnen um die Texte marschieren lassen? Diese direkt nach Erstellung löschen? Oder in irgendeine Cloud hochladen? Es interessiert mich nicht die Bohne, was alles an tollen Features noch neu aufgenommen wurde. Eine Textverarbeitung soll Texte verarbeiten, und nicht den wilden Affen machen, wenn man genau das von ihm verlangt.

Sowas kann man doch wirklich nicht mehr ernst nehmen.

MS Word 2010? Überhaupt nicht nötig. Thema verfehlt,  aber kräftig.


Edit to add:
Gerade Open  Office bekommen. Ich LIEBE meinen EDV-Techniker.

Sonntag, 6. Oktober 2013

Täglich.



Jeden Morgen, auf einer bestimmten Strecke auf dem Weg zur Arbeit, erfasst mich so ein Murmeltier-Gefühl...
Dazu muss man wissen, dass ich Schleichwege fahre, weil die die direkteste Strecke abdecken, und dass diese Schleichwege mich durch eine sehr kurvige, mit alten Platanen bestandene, enge Straße führen, für die Tempo dreißig gilt.

Selbst am hellen Tag ist es da immer dämmrig. Um diese Jahreszeit jetzt ist es dunkel wie im Sack (und das wird in der nächsten Zeit bekanntlich auch so bleiben). Leider ist der Schleichweg nicht nur mir bekannt, sondern wird gern und häufig benutzt. Auch, und vor allem, von Fahrradfahrern. Fünfzig Meter nach der Einmündung in diese Straße macht sie eine 270°-Kurve - und meist ist da dann ein Radfahrer vor mir. Die Straße ist wirklich schmal, und man tut besser daran, vor allem auf Kurvenhöhe hinter den Radfahrern zu bleiben. Überholt man sie, nimmt man automatisch die komplette Breite der Straße ein, und das ist an dieser Stelle keine gute Idee.

Leider bemühen sich die Radfahrer sämtlich darum, Energie zu sparen- in diesem Fall die eigene Strampel-Energie, und fahren gerne ohne Licht in modisch dunkler Kleidung auf modisch schwarzen Fahrrädern. Bleibt man hinter ihnen (wenn man sie glücklich erkannt hat) dann kann spätestens der Fahrer des Autos hinter einem die Radfahrer nicht mehr sehen und fängt an zu drängeln. Schließlich ist hier dreißig, und nicht Radfahrer-Schleichtempo...

Wie das in alten Straßen mit uraltem Baumbestand so ist, ist die Fahrbahn gerade am Rand nicht immer die ebenste Fläche, und hier ist sie auch noch mit Gullys versehen. Grund genug, um jeden Gully mit einem recht weiten Bogen zu umfahren, was das Überholen dann auch für den Rest der Strecke, also nach der Kurve, zu einem Abenteuer macht.

Donnerstags trifft man hier den Wagen der Müllabfuhr, und freitags sind die Kollegen von der Straßenreinigung unterwegs- das bringt dann das Double-Feature in die frühmorgendliche Aufreg-Wiederholung.
Und zum krönenden Abschluss kreuzt meine Strecke ganz zum Schluss noch einen beliebten Lemming-Trail. Dort nämlich, wo jeden Morgen eine Heerschar Schüler auf dem Weg vom Bus zu ihrer Schule entlang müssen. Da kommt dann eine Gruppe von 40, 50 Schülern, die alle in der Schule gefehlt haben, als das mit dem Straßeüberqueren dran war, und geht an der Ecke einfach geradeaus über die Straße. Egal, wer da kommt, wer da halten müsste und ob sie gesehen werden können (Tipp: Dunkle Straße, dunkle Kleidung...) oder nicht. Die haben den Trick raus, nicht alt zu werden- in dem sie jung sterben.

Wenn sie dann an ihrer Schule aufschlagen, und nicht direkt in der daneben liegenden Einfahrt zu unserem Parkplatz lagern (direkt vor dem Kühler der Lily, die inzwischen einfach da anhält, wo sie muss, also mitten auf einer viel befahrenen Hauptverkehrsstraße im Berufsverkehr - ich spare mir das Hupen, das macht dann der Querverkehr), dann sammeln sie sich unter einem unserer Fenster auf selbigem Parkplatz, rauchen, frühstücken, erzählen sich was - und sie sind sich selten einig über ihr Thema. Bis auf eines: Wenn sie gehen, schmeißen sie ihren Müll direkt dahin, wo sie stehen. Sie spielen wirklich mit ihrem Leben. Irgendwann schmeiß ich nämlich mal was aus dem Fenster. Vielleicht einen Schreibtisch. Rausbrüllen nützt gar nichts, da kriegt man nur rotzfreche Antworten. Unser Gebäude verfügt zudem über einen sehr tief im Haus liegenden Kellereingang, der eine praktische, weite Nische bildet- die ist von nirgendwo einzusehen und wird gern zum Kiffen, Knutschen und ...Kacken genutzt. Und nein, das ist nicht die Bronx. Das Theater unterm Fenster setzt sich den ganzen Tag über in jeder Pause fort, der Kellereingang spielt auch noch eine gewisse Rolle in Freistunden. Die Müllcontainer befinden sich übrigens direkt gegenüber dem Platz, wo sie ihren Abfall hinterlassen. Sie müssten sich nur nach links anstatt nach rechts drehen. Aber vielleicht haben sie alle zu viel Harry Potter gelesen, glauben an Magie und daran, dass aus leeren Verpackungen volle werden, wenn man sie ins Beet schmeißt und dann ordentlich Regen und Sonne dazu kommen.
Montag geht ein Schreiben an die Schulleitung raus. Und ich werde unserer Putzfrau verbieten, den Müll aus dem Beet zu sammeln. Vielleicht merken die Schwachmaten mal, was sie da hinterlassen, wenn keiner hinter ihnen her räumt. Und vor den Zugang zum Keller kommt ein Tor, dann können wir da unsere Räder trocken und sicher abstellen.
Wenn das geregelt ist, kümmere ich mich darum, die Horden von Schülern zu vertreiben, die auf unserer (überdachten) Eingangstreppe vor dem Haus lagern. Können sie gern tun, sie machen Platz und so- aber sie hinterlassen auch hier Brötchentüten, Getränkedosen und -Flaschen, Kippen, Zigarettenschachteln... einfach da, wo sie stehen bzw. sitzen. Dabei warten sie auf den Bus- und an der Haltestelle, drei Meter weiter, ist eine Mülltonne, an der sie ohnehin vorbei müssen.
Getoppt wird das ganze jedoch durch die Gruppe Knaben, die letzten Winter durch das zum Lüften offen stehende Fenster Schneebälle in unseren Besprechungsraum geworfen haben. Die Pfützen auf dem Parkett waren beachtlich, und man muss vermutlich dankbar sein, dass keine Hundekacke in den Schneebällen war. Von den Kötern der Nachbarn. Letztere scheinen der Meinung zu sein, dass die Grünanlagen an öffentlichen Gebäuden automatisch zum Vollkacken durch Hunde zur Verfügung gestellt werden. Schließlich zahlen sie ja Steuern.

Menschen. Ehrlich.


Waaah.

Sonntag, 29. September 2013

Hieressenmitnehm?

Es gibt viele Momente, die mich darüber informieren, dass ich unweigerlich dabei bin, zur Best-Agerin zu werden. Oder auch "Golden-Agerin", whatever. Das bedeutet mindestens zweierlei:
1. Man wird alt und
2. irgendwer will einem was verkaufen.
Meist heißt das auch noch, dass
3. früher alles besser war und
4. die Gesellschaft als solche nicht lernfähig ist.
Letztere zwei Punkte deprimieren mich aber, erstens per se und zweitens, weil ich sie nicht ändern kann.
Konzentrieren wir uns also auf die Punkte 1 und 2.

Alt wird vermutlich keiner gerne. Es wird einem eine Menge versprochen, Weisheit und so weiter, aber ich habe den Verdacht, dass das ein beschissener Deal ist. Mal ehrlich: Wer wird schon gerne weise, wenn das bedeutet, dass man nicht mehr ungestraft eine Nacht durchfeiern kann (mal abgesehen davon, dass einen keiner mehr zu Parties einlädt, die den Namen verdienen)?
Wenn wir morgens aufwachen, und uns tut nix weh, dann ist klar, dass wir entweder tot sind oder nachts etwas nicht wieder gut zu Machendes mit unseren Nackenwirbeln angestellt haben. Letzteres könnte teure Reha-Maßnahmen nach sich ziehen, also verdränge ich das lieber.
Dazu kommt, dass rosige Aussichten vermutlich bedeuten, dass man eine neue Brille braucht- auch teuer, wegen der Gleitsicht.
Überhaupt, das Gleiten. Gleitsichtbrille, Gleitwirbel, Unfall-nach-Ausgleiten (Oma sagte dazu "Oberschenkelhals", was sonnenklar verständlich war. Für sie). Und für die von uns, die jenseits der Menopause noch Sex haben, spielt wahrscheinlich auch Gleitmittel eine Rolle. Aber das soll ja eher selten sein, kann also vernachlässigt werden.
Dass man alt wird, merkt man auch, siehe oben, daran, dass einem die Leute Dinge verkaufen wollen, die man noch öfter als früher (TM) nicht haben will. Treppenlifte, Mittel gegen Fußschweiß, Nasenhaare, Mundgeruch und den spontanen Verlust der Zahnprothese. Seltsame Wärmepflaster (die noch mehr als die Menopause bestimmte Dinge verhindern), Toupets und Mittel gegen graue Haare (die ich schon seit Mitte zwanzig habe. Danke auch). Schuhe ab dreißig brauchen mehr Feuchtigkeit und werden auch immer beiger.
Die ersten Freundinnen denken darüber nach, ob man schmerzende Hüften und schwere Einkaufstaschen nicht gleich mit einem schicken Rollator bekämpft, die gibts doch bestimmt bald in Trendfarben von Reisenthel. Oder gleich von Ratiopharm. Und vermutlich auch bald mit Elektroantrieb, passend für diese unsere erste Grün-Wählergeneration mit Solaraufladung und geländegängig, für die SUV-Fahrer und Bahnhofs-Demonstranten, damit man durch die Baustellen kommt. Fehlt nur noch ein schicker neuer Name, vorzugsweise in miesem Englisch.
Ich könnte noch endlos weiter machen, glaubt mir.
Dann kommen aber Momente, in denen ich weiß, dass sich Altsein wirklich nur im Kopf abspielt... so wie vorgestern.
Denkt euch die typische Burgerking-Situation:
Ihr ordert irgendein schnell herunterzuwürgendes Fastessen, versucht, bei dem herunter geleierten Aufzählen all der Extras nicht den Faden zu verlieren (MayoKetchupgroßeColahieressenmitnehm?), neben euch stehen zwei Punks und eine junge Frau mit drei quengelnden Kindern, da geht die Tür auf und ihr seht im Augenwinkel eine euch vom Sehen bekannte Arbeitskollegin. Ihr bemüht euch, sie nicht zur Kenntnis zu nehmen, da ihr sie schon immer nicht leiden konntet. Sie stellt sich samt Ehemann hinter euch auf, wartet exakt 90 Sekunden und schnarrt dann mit lauter, schriller Stimme das folgende Statement in den Laden:
"Was soll das denn hier sein? Geht das auch mal schneller? Das gibts doch nicht. Eine Verkäuferin hier und die ist total überfordert. Komm, Karl-Heinz!" Sie schnappt sich den Gatten und stürmt heraus... und die restliche Kundschaft biegt sich vor Lachen, zusammen mit dem Personal, das wahrscheinlich sonst nicht viel Spaß bei der Arbeit hat.
Verkalkt und doof ist man im Koppe, Leute. Und das hat überhaupt nichts mit den zurück gelegten Jahren zu tun.
Hoffe ich doch.





Montag, 23. September 2013

Wir singen zusammen: Teil 1, Krautsalat Killed the Android Phone



Nicht wirklich. Aber es hätte sein können.
Stunden nachdem einer der zwei mir im Gedächtnis gebliebenen Wähler gestern seinen Stimmzettel in der Wahlkabine in Brand gesetzt hatte, gönnte ich mir einen Korfu-Teller im Aegidi-Grill, just around the corner.

Ich hatte nämlich Pommes-Hunger.
Das habe ich selten, vielleicht zwei Mal im Jahr, und meist ist es ein griechisch eingefärbter Hunger, der neben Pommes zu seiner Befriedigung auch gern noch einen exotisch benamten Teller mit diversen Fleischgerichten in Anspruch nimmt.

Das Erfrischungsgeld, welches ein freundlicher Stadtwahlleiter an das Personal in den Wahlvorständen verteilen lässt, kam mir da gerade recht. Da ich sonst seltenst Geld in der Tasche habe, muss der Aegidi-Grill oft auf meine Kohle verzichten (beim Burger King kann man tatsächlich mit der Karte bezahlen. Ab fünf Euro).

Von der Fleisch- und Pommes-Orgie übrig blieb der Krautsalat (und ein Teil der stahlharten Pommes, die in ihrem ersten Leben als Splinte ihren Unterhalt verdient haben).
Der Krautsalatbehälter fand dann in der Montagmorgenhektik seinen Weg in meine Tasche, erwies sich jedoch als übervoll, mit Alu-Folie umwickelt und undicht.

Die Sammlung an Elektronik in meiner Tasche (Blutzuckermessgerät, Handy, Navi) riecht demnach inzwischen nach Essig und Kohl. Nichts davon ist allerdings kaputt gegangen.

Trotzdem frag ich mich:

WARUM bin ich immer die Trottelin, der so was passiert? Es gibt Millionen von Menschen, die mein Alter erreicht und es zwischendurch geschafft haben, die Auswirkungen eines Besuchs im Aegidi-Grill ihrer Wahl auf ihre Hüften zu beschränken.
Jedoch: Die Hälfte meiner Zeit könnte ich theoretisch damit verbringen, die Hände zu ringen wegen der Entscheidungen in der anderen Hälfte. Das verschlingt viel Zeit. Zeit, die ich zum Beispiel zu Sport und Spiel nützen könnte.
Aber ach... Hände ringen ist alles, was ich tun kann. 


Der zweite Wähler, der mir im Gedächtnis blieb, äußerte Verschwörungsbefürchtungen, weil er nicht bei mir wählen konnte, sondern einen anderen Wahlvorstand aufsuchen musste (der im gleichen Saal saß, in dem auch meines war). Ich habe den Mann wirklich  nur mit Mühe weg schicken können. Dafür blieb er dann tatsächlich ca. 20 Minuten (!!) in der Wahlkabine. Wozu auch immer, dafür aber ohne Rauchentwicklung. 

Ein Sonntag in Deutschland, meine Lieben!











Mittwoch, 11. September 2013

Kuck ma!




 -Gestern hat mir das Wassergehopse* endgültig den Rücken verhauen. Nachdem mir die Betriebsärztin letzten Donnerstag den Bürostuhl „richtig“ eingestellt hat, kann ich gar nicht mehr drauf sitzen, und der Ischias nervt gewaltig. Seither war es nur unbequem, ab heute fühlt es sich so an, als sterbe ein Teil meines üppigen Hinterteils einen langsamen Tod. Leider ahnt der Beobachter, dass dies definitiv NICHT schön aussehen wird. Ob es symmetrischer ausgeht, wenn ich mich einfach andersrum draufsetze?


-Die Leute draußen machen auch grad Wassergehopse, denn die Gullys werden nicht mit den Wassermassen fertig. Im Schwimmbecken ist es wärmer!


-Der Kollege hat dem Chef erfolgreich klar gemacht, dass er (als einziger) dringend einen Mac braucht, um weiter seine Arbeit erledigen zu können. Kernbegründung: Damit arbeitet er schon immer, und es ist ihm zur zweiten Natur geworden, auf einem stylischen und designmäßig avantgardistischen Gerät seine Statistiken zu verwalten. Nun denn, Chef... Ich brauche übrigens eine Couch, um mich halbwegs wohl zu fühlen, schließlich verbringe ich seit Jahren fast jeden Feierabend darauf, und es ist mir doch sehr ungewohnt, aufrecht sitzen zu müssen. Wie wäre es mit einem Ausflug in die nächste High-End-Möbelausstellung? 
Anmerkung: Das mit dem "War schon immer so" ist ein Argument, das eines Sozialwissenschaftlers nicht würdig ist. Rein formal schon nicht.  Es ist eines Sozialwissenschaftlers auch unwürdig, drauf reinzufallen.


-Wildlife im Büro: Die Amaryllis hat Springschwänze.


-Es wird Winter. Was man daran merkt, dass im Büro schon die Heizung anspringt, wenn man am Thermostat dreht.


-Es ist noch nicht Winter. Was man daran merkt, dass der Durchlauferhitzer sich nur in der Sommer-Einstellung auf körperkompatible Temperaturen einstellen lässt.


-Schön: Wenn die Kollegin, die nur selten im Haus ist, dir um den Hals fällt, weil sie sich so freut, dich zu sehen.


-Kognitive Dissonanz: Fünfzig sein, abgeklärt und mit zweitem Vornamen „Quell der Weisheit“ heißen und sich trotzdem fragen, was mit einem nicht stimmt, weil man bei Facebook nur 50 Freunde hat, und der Arsch von drei Häuser weiter über tausend.


-Frage des Monats: Socken oder (noch) keine Socken?


Bis bald,
DieLily. 

* Wassergehopse: Aquawalking. Also Wassergehopse!

Mittwoch, 4. September 2013

Ein Porträt

Die Augen der Frau sind Schaufenster mit Blick auf die Schlachtfelder ihres Lebens. Zuviel Schweiß und Tränen sind an ihnen vorbei gezogen, und haben beinah jedes Gefühl davon gespült. Blut war sicherlich auch dabei, und bestimmt nicht immer nur ihres. Dafür wirkt sie zu eckig. So, als könnte man sich an ihr blaue Flecken und ordentliche Schrammen holen. Die Ecken sind gut versteckt unter dem weich werdenden Fett des mittleren Alters, und die herabgezogenen Mundwinkel glätten das, was von Lachfältchen übrig geblieben ist. Sie muss einmal gut ausgesehen haben, und nicht nur in der üblichen Spanne zwischen 13 und 17, bevor die ersten Ahnungen des Scheiterns die Jugend in die Defensive drängen. Ein bisschen von der Arroganz der gut Aussehenden ist noch zu erkennen, und man kann vermuten, dass der Mund auch lächeln könnte.

Da ist auch etwas anderes, auf das sie immer noch stolz ist. Intelligenz vielleicht, oder etwas anderes, nicht durch die Zeit Verwitterndes. Direkt daneben jedoch steht, mindestens ebenso groß, die verlorene Schlacht, die den Krieg gleich mit beendete. Ein Denkmal, trüb rostfarben und jedem Frieden widersprechend. Die Erkenntnis vielleicht, dass sie ihre Waffen nicht wirksam genutzt hat, die Strategie und Taktik ihrer nicht würdig, verwässert, abgemildert und ihrer Schärfe beraubt waren. Die Potenziale jedoch scheinen ausgeglichen und verleihen ihr Tiefe. Sie lassen spüren, dass da jemand ist, der Jemand hätte sein können, aber auch, dass sie vollständiger ist mit dem Scheitern, dreidimensional, eine Persönlichkeit.
Ob sie eine gute Freundin ist, eine präsente und liebevolle Mutter?
Sicher gibt sie nur ungern auf, verbeißt sich gern in Dinge und ist gut darin, die Fäden zu entwirren, die über ihren Weg gespannt sind. Vielleicht hat sie gelernt, sich ihre Kämpfe gut auszuwählen, darauf wetten sollte man jedoch nicht. Eine Kriegerin, oft und oft auf verlorenem Posten. Kein Mensch für ein Team, sondern eine, die die Rollen auf sich selbst verteilt, obwohl sie weiß, dass sie sie nicht alle gut spielt.

Hinter den Schranken und den bewehrten Türmen ahnt man, wenn man nah genug heran geht, die Gärten und Teiche eines friedlichen Landes. Sonnenauf- und -untergänge in einem Spektrum kräftiger Farben, bunt bemalte Skulpturen und schwarzweiße Jongleure in den Schatten der Bäume.

Und dort an der Brücke steht sie und blinzelt in den blauen Himmel.

Montag, 2. September 2013

Schon wieder eine...

schlaflose Sonntagnacht. Die häufen sich in letzter Zeit- drei sind es in vier Wochen. Und wie so oft gibt es einen Grund (wie eigentlich immer, nicht wahr?) - ich hab Zorn, auf andere und auch auf mich selbst. Auf die Anderen, weil sie mich in eine Lage bringen, die ich nicht mehr tolerieren will. Auf mich, weil es mir so schwer fällt, dagegen was zu tun. Ich komme mir ausgebeutet vor und unter Wert gehandelt- das ist was, was ich nicht vertrage(n will). Da macht wer seinen Schnitt mit mir, und das gefällt mir definitiv nicht.
Wenn ich nichts dagegen mache, wird sich nichts ändern. Das Problem ist nur, dass ich mich sehr hüten muss, nicht zu schäumen und zu  toben. Argumente müssen her, und im Moment hab ich nur "Das passt mir ganz und gar nicht"- bisschen mager.
Trotzdem ist das ein legitimes Gefühl, von dem wir alle wissen, dass es besser beachtet wird. Wenn nicht, kann das fies nach hinten losgehen. "Beachten" muss aber eine Entscheidung oder wenigstens eine Handlung nach sich ziehen. In dem Bewusstsein von so einem Gefühl zu bleiben, macht nämlich auch krank. Einfach abstellen und an was Nettes denken geht hier nicht, dafür macht mich das zu sauer.
Also Leute, wünscht mir Mut. Und ein paar Ideen für eine Strategie...

Schlaft schön :-)

DieLily

Mittwoch, 28. August 2013

Gleichgültig

wie wir als Person, als Nation oder als Gruppe den Einsatz deutscher oder anderer ausländischer Soldaten in Ländern wie Afghanistan oder Irak beurteilen, es sind immer Menschen, die dort kämpfen/ schützen/ aufbauen. Menschen, die das nicht unbedingt freiwillig tun, aber oft sehr enthusiastisch.
Genauso oft kommen sie traumatisisert und gezeichnet für ihr ganzes restliches Leben zurück.
Hier ist etwas Lesenswertes darüber, und auch über das Verarbeiten: The Atlantic über Six Word War

Samstag, 24. August 2013

Tierischer Content

Ihr habt ja bereits beim letzten Posting gemerkt, dass ich so langsam die Kamera warm laufen lasse, um für künftige, spektakuläre Fotos jederzeit in Bereitschaft zu sein. Macht euch also gefasst (zumindest auf Verweise zum Flickr-Account und anderen Spielwiesen der Pixeltechnik).
Mein Wohnzimmerfenster samt Balkontür haben einen Blick nach Osten, und damit auf den Sonnenaufgang. Wenn ich aus dem Haus gehe, liegt rechts die Straße runter ein Feuchtgebiet (dollerweise auch noch Naturschutzgebiet), über dem jeden Morgen zu dieser Jahreszeit ein sehr dekorativer Nebel aufsteigt. Und obwohl es auf meinem Rechner Hunderte von Sonnenaufgangs- und Nebel-über-den-Wiesen-Bildern gibt, wird mir das nicht langweilig. Und heute werden Freundin Nicole und ich Gelsenkirchen heimsuchen. Nicht wegen der idyllischen, altertümlichen Innenstadt, denn die kann man nur genießen, wenn man auf Bausünden steht (sorry, Gelsenkirchener, aber ich krieg Alpträume in der eurer City), sondern wegen des Zoos.
Ich steh auf Zoos, obwohl ich weiß, dass die durchaus kritisch gesehen werden können. Sämtliche im Fernsehen ausgestrahlte Zoo-Soaps stehen auf meiner Programmliste und werden täglich als erste angeschaut, sofern ich Zeit zum Fernsehen hab. Klar ist das alles hübsch geschönt, und sehr vermenschlicht, aber egal, ich steh drauf. Außerdem bieten die Tiergärten und Zoos eine Gelegenheit zum Fotografieren, die man sonst nicht ohne weiteres hier findet. Vor allem Aquarien sind da sehr dankbar, und wer immer die Geduld hat, mit mir dorthin zu pilgern, verdient höchste Anerkennung und tierische Lobpreisung, weil es ätzend ist, alle zwanzig Meter stehen bleiben zu müssen, während ich vor mich hin murmele und das gleiche Bild fünf Mal mache, damit es so ist, wie ich das will. 

Heute geht es also in den Zoom-Erlebnispark, wie der Laden heutzutage heißt. Früher war dieser Zoo mit das abschreckendste Beispiel dafür, wie man es nicht macht- Großkatzen in Käfigen, die nicht größer waren als mein Badezimmer, also so drei Quadratmeter, vielleicht auch vier. Der Besucher konnte die Tiere sehen, das war aber auch alles. Gruselige Beispiele von Hospitalismus in jeder Betonzelle, deprimierende Gestalten, voller stereotyper Bewegungen und ritualisierter Übersprungshandlungen. Schrecklich.
Ich hab immer noch Bedenken, vor allem bei Arten, die man als Wildtiere durchgehen lassen könnte, und bei Bewegungstieren mit großen Revieren in ihrer Heimat. Elefanten zum Beispiel werden bereits seit Jahrhunderten als Haustiere domestiziert, trotzdem bin ich nicht sicher, ob diese ja nomadisch lebenden Tiere in Zoos zufrieden sind. 

Große Primaten sind ein anderes Beispiel. Die Dichte der Tierhaltung ist in Zoos bestimmt grenzwertig- trotzdem leben gerade gefährdete Arten dort sicherlich besser als vielerorts, wo sie als Haustiere gehalten, geschlachtet und gegessen werden. 
Die Erhaltungszuchtprogramme tun anscheinend viel Gutes. Nur: Wozu erhalten wir die Arten? Ist damit zu rechnen, dass die Tiere irgendwann als Art zurück kehren können in ihre Habitate? Geschieht das alles nur, um einen lebendigen Aufbewahrungsort für die Genome der Arten zu behalten? Nach dem Motto: Schaut mal, da ist unser Gen-Vorrat, sieht doch nett aus, zahlt bitte Eintritt? 
Ich glaube, da sollten wir uns nix vormachen. Die Tiere werden in Zoos aufbewahrt, weil sie ansonsten umgebracht würden, da dem Menschen im Weg. Es befriedigt das ästhetische und wissenschaftliche Interesse der Menschen, sie dort zu halten. Man konnte damit auch mal Geld machen und auch bedrohte und bereits nicht mehr in der Natur vorhandene Tiere besichtigen. 

Ein reines naturschützerisches Interesse kann ich aber nur dort erkennen, wo auch die unscheinbaren, nicht spektakulären Arten gehegt und gepflegt werden, auch und vor allem in den „Backstage“-Bereichen, wo kein Besucher vor einem Gitter steht. Diese Bereiche gibt es, wie alle Zuschauer der Serien „Tiername, noch 'n Tiername und Co“ wissen.
Auffallend ist für mich, dass die Umgebung der Tiere dort wesentlich schlichter und anregungsärmer ist als in den Schauen. Mir ist schon bewusst, dass es viel Geld kostet, einen kleinen Dschungel vorrätig zu halten, damit sich ein Nasenbär drin verstecken kann. Das Geld spart man sich in den Boxen hinter der Bühne. 
Da beschleicht mich dann aber der Verdacht, dass die „Naturnähe“ der Schaugehege vorrangig das Bedürfnis der Besucher bedient und nur am Rande die Ansprüche der Tiere. Abgesehen davon, sind viele der scheueren Arten trotz aller „natürlich“ eingerichteten Gehege nicht in der Lage, dort die Deckung zu suchen, die sie vielleicht haben möchten. Wäre das anders, bekäme kein Besucher sie zu sehen.
Dass Quarantäne- und Eingewöhnungsräume anregungsarm und eher schlicht ausgestattet sind, versteht sich von selbst, derartige Zimmer sind auch für Menschen nicht anders eingerichtet, weil ihr Hauptziel eben ein praktisches ist, und Quellen für Infektionen und solche Dinge ausgeschaltet werden müssen.
Als regelmäßige Zuschauerin der Zoo-Soaps meint man, das Dilemma der Beschäftigten dort zu erkennen: Der Respekt vor dem Tier als wildem Geschöpf gegen die Bedürfnisse, sich die Arbeit beherrschbar zu gestalten, und auch gegen die eigenen Bedürfnisse nach Kontakt und einer Beziehung zu den Wesen, mit denen ihr Arbeitsalltag sich befasst.
 Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass alles andere, also die emotionslose Versorgung eines scheuen, wilden Tieres und damit die Respektierung seiner Verschiedenheit von uns schwer aushaltbar wäre- ich käme mir vor wie ein Sklave einer fremden Spezies. Futter zugänglich machen, Kot wegräumen, damit wäre alles getan. Ziemlich stumpf- und keiner von den im Fernsehen vertretenen Pflegern macht den Eindruck, als wäre er oder sie stumpf. Im Gegenteil. Sie alle haben eine Beziehung zu ihren Tieren, viele Tiere tragen Namen, kennen ihre Pfleger, oder diese gehören sogar zu ihrer Herde, wie bei Elefanten. Trauer herrscht, wenn eines stirbt, und jede Lebensäußerung wird liebevoll betrachtet und kommentiert. Der Tapirmann bemüht sich um seine Frau, und die Pfleger schauen von ferne zu, immer auch ein bisschen vermittelnd, dass sie sich fast wie Voyeure fühlen.
Der einsame Schildkrötenmann kriegt einen Gefährten, und da geht es nicht um die Fortpflanzung, sondern um Gesellschaft.
Damit ist alle Distanz zum „Wilden“ dahin- oder?

Ich glaube, Zoos dienen im Wesentlichen dazu, uns immer wieder zu zeigen, dass wir eben nicht alleine hier sind. Dazu kommt, dass viele Arten einfach atemberaubend schön sind, und dass das ein Reichtum ist, den wir uns auf diese Weise in unsere Nähe holen. Wenn wir uns und unsere Bedürfnisse auf diesem Gebiet ernst nehmen, dann sind Arterhaltungsprogramme und die Rolle der Zoos als Schutzräume nur ein weiterer, durchaus ehrenwerter Aspekt. 
Sofern den Bedürfnissen der Tiere weitestmöglich Anerkennung gezollt wird (und es wird sich sicherlich vieles ändern in den nächsten Jahren- vielleicht trägt eine Spezialisierung der Zoos auf bestimmte Arten, Gebiete oder Ökosysteme da gute Früchte) können Zoos sicherlich auf eine Weise Nähe zu unseren Mitgeschöpfen vermitteln, die heutzutage sonst schwer zu erreichen ist. Und deshalb mag ich sie, unsere Zoos. Und auch die Pfleger, vor allem die aus Leipzig :)

Ach ja: Fotos kommen, bestimmt :)))


Schönes Wochenende

vonne Lily.

Mittwoch, 14. August 2013

Zeit der Himmel

Zeit des Lichts.

Nach Monaten, in denen entweder kein oder zuviel Licht da war, endlich wieder interessante Dinge zum Fotografieren-vom-Balkon-aus...


Gestern Abend und...

Heute früh. Beide Bilder sind nicht bearbeitet.      



Der Herbst kommt.


Sonntag, 11. August 2013

I am it Suffer, Part 2


Wieder ein Post aus der Reihe „Lily gegen das Schicksal“. Diesmal geht es um Fahrzeuge, jeglicher Art.
Wie ihr alle wisst, bin ich im Besitz der silbernen Fee, auch Mimi-Nö genannt (von dem Geräusch, das sie macht, wenn sie mal wieder nicht anspringt - „ Mimimimimi - nö! Mimimimimi - nö!“)
Sie ist ein sensibles kleines Wesen, nicht mehr die Allerknackigste (immerhin 22), und außerdem geht es ihr beschissen, steht sie doch während meiner Bürozeit auf einem Parkplatz unter einem Baum, der von allerlei Fluggetier bewohnt ist. Im Frühling lag die Vogelsch... beinahe daumendick auf dem Heckfenster. Ich sag ja nur.

Im Januar schickte ich sie zu einem Sprachkurs, damit sie sich das „Nö“ am Ende ihrer Startsequenz abgewöhnt. Damals hatte ich die Befürchtung, dass sie bald in die ewigen Jagdgründe eingeht. Ihre Sprachtherapeuten versicherten mir jedoch, dass sie noch längst nicht auf dem letzten Loch pfeift, und so schritt ich frohgemut dahin, rollte in das Frühjahr und bewunderte hinfort die Darmtätigkeit der heimischen Fauna.

Kurze Zeit später, die Temperaturen pendelten sich so langsam im Plusbereich ein, zeigte sie eine neue Störung. Immer dann, wenn die Drehzahl sich dem Leerlauf näherte, ging sie mir aus.
Zu Anfang war es nicht „immer“, sondern eher am Ende meiner morgendlichen Tour. Das hatten wir dann so gut getimt, dass ich auf die Ampel vor dem Büro zufahren konnte, sie ging aus und ich hab sie mit abgestelltem Motor bis auf den Stellplatz rollen lassen können.

Je wärmer es wurde, desto ärgerlicher gestaltete sich die Fahrt in der Guten. Niedrige Drehzahlen? Nicht mit ihr. Was dazu führte, dass ich an jeder Ampel mit dem Gas spielte oder so tat, als hätte ich eins der neumodischen Autos mit Start/Stopp-Automatik. Nur mit dem Starten, das hatte sie nicht immer so schnell raus. Liegengeblieben sind wir nie, aber einmal hat uns eine Schar Radfahrer angeklingelt, weil wir nicht schnell genug los fuhren.

Als es so langsam wirklich nervig wurde, schaltete ich einen Sachverständigen ein. Also eher so eine Art Schrauber, denn eine Fachwerkstatt hätte sich wahrscheinlich schlapp gelacht. Zudem hatte ich keinen Bock auf die „Das lohnt sich nicht“-Diskussion. Der Schrauber sprach die gefürchteten Worte „Keine Ahnung, woran das liegt. Da muss ich suchen“. In Werkstattsprache heißt das: Kratz schon mal die Kohle zusammen, das kostet mehr als Ersatzteile und Einbau. Viel mehr. Suchen= Stunden = teuer.

Ich bat mir ein bisschen Sparzeit aus, und wir vertagten uns für ein paar Wochen bis zum Monatsende.

Dann, es wurde schnell immer ätzender, entwickelte sich ein ominöses Klappern. Der Keilriemen kreischte. Der Schrauber fuhr in den Urlaub für vier Wochen.
Als er sich dann endlich zurück gemeldet hatte, machten wir einen Termin. Der Wagen wurde bei ihm abgestellt, und er schritt frohgemut zu Werke...

...und das ist jetzt drei Wochen her. Er behauptet, dass er immer noch auf Ersatzteile wartet, von denen ich inzwischen befürchte, dass sie von den berühmten einäugigen tibetanischen Bettelmönchen zu Fuß über die historische Seifenstraße geliefert werden (nein, ich meine nicht die Seidenstraße. Die ist ja gut dokumentiert. Die Seifenstraße kennt kein Mensch, und die Bettelmönche verlaufen sich ständig, daher die Lieferzeiten). Zudem fehlt dem Schrauber eine Public-Relations-Abteilung, die mir von Zeit zu Zeit eine sms schickt, um mich auf dem Laufenden zu halten. Es ist wie im Krankenhaus. Man schleppt ständig Obst und Blumen und Zeitungen als Opfergaben für die Götter hin, und nie sind die Damen und Herren in den weißen Kitteln zu sprechen.
Situationsbewertung: Rote Alarmstufe, was meinen Blutdruck betrifft.

Aber, so sagt ihr, liebe Lily- fahr doch mit dem Bus! Öffentlich! Nah! Verkehr!
Nix da. Das unerforschliche Schicksal hat dieses Jahr dazu ausersehen, die komplett marode Straße, an der ich wohne, dem Tiefbauamt zu übergeben, und die haben sie gesperrt. Im oberen Teil, da wo man Schnellkochtöpfe in den Schlaglöchern aufbewahren kann, ist eine Baustelle, die laut Ankündigung bis Ende November dort sein wird. Wie man weiß, dauert sowas immer länger als geplant- und für diese Zeit hat man mal kurz den Busverkehr eingestellt. Man kommt hier nur noch weg, wenn man vorher eine halbe Stunde zu Fuß bis zur nächsten noch angefahrenen Haltestelle läuft. Von da aus braucht der Bus 20 Minuten bis zum Busbahnhof, und dann müsste ich noch mal 15 Minuten laufen bis zum Büro.

Aber der liebe Gott hat Kollegen wachsen lassen, die ein Stück weiter die Straße hoch wohnen und ein paar Häuser weg von meinem Büro ihren Arbeitsplatz haben. Die gesegnete, geduldige, liebenswerte Brigitte aus dem Rathaus fährt hier jeden Morgen vorbei. Und wenn ich um halb sieben vor dem Haus stehe, hält sie an, lädt mich ein und lässt mich an meinem Amt wieder raus.
Natürlich fährt sie nicht nach Kirchhellen hinaus, wo ich in der letzten Woche den Sprachkurs hatte- das hab ich mit einer Mischung aus Taxi und Bus gelöst. Und es war teuer, aber machbar. Zudem war in der Woche mein lieber Bruder hier, der mich einige Tage lang nachmittags eingefangen und heimgebracht hat, so dass ich nur einen Teil der Strecke bei den tropischen Temperaturen Bus fahren musste.

In dieser Woche jedoch, nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz, sollte alles wieder takko sein. Oder? Nein, ist es nicht... meine Brigitte ist krank. Definitiv keine gute Idee wäre es, jeden Morgen mit dem Taxi zu fahren. Die Eine-Stunde-Unterwegs-Option mit dem Bus geht mir auch auf den Nerv. Daher musste ein andere Lösung her.

Die hat zwei Räder und heißt Fahrrad, und ist bei den gesunkenen Temperaturen auch für mich machbar. Ich hatte, vielleicht verständlicherweise, Hemmungen, als komplett untrainierte Person bei über 40 ° in der Sonne loszustrampeln. Hauptproblem ist der Diabetes, der übel und unvorhersehbar auf ungewohnte Bewegung reagiert.
Leider ist das Fahrrad platt. Erst war nur etwas zu wenig Luft drauf, dann hab ich versucht, es aufzupumpen. Jetzt ist es komplett platt. Und hat ein Autoreifen-Ventil. Ich dagegen habe eine Pumpe, die so ein Ventil aufpumpen könnte, wenn sie nicht so billig wäre. Überall pfeift die Luft durch, nur das Ventil kriegt nix davon ab.

Also hab ich mich gestern auf den Weg gemacht zum nächsten Fahrradladen, der nur eine halbe Stunde zu Fuß entfernt liegt. Dort wollte ich eine Standpumpe kaufen, die mit einem Adapter für Autoventile versehen ist- ham se abba nich! Also nicht für unter hundert Euro (= Taxikosten für eine Woche). Kriegense abba nächste Woche wieder rein! Alles takko...
Ich hab dann eine normale Pumpe gekauft, mit dem Adapter für die Ventile. Die ist so winzig, die passt in euer Handtäschchen, jawoll. 13 Zentimeter lang ist sie – und sieht sehr stylisch aus. Sie pumpt auch ganz ordentlich... nein, sie würde pumpen, wenn ich genug Kraft in den Armen hätte. Das ist nicht der Fall. Ich hab eine halbe Stunde gepumpt, bis mir bald der Arm abfiel, und hab gerade genug Luft reingekriegt, dass die Felge nicht mehr den Boden berührt.
Ich schwöre: Hätte jemand mich schräg angequatscht, als ich da pumpte, hätte ich ihn erschlagen, kalten Herzens.

Was hab ich dann gemacht? Ich hab mein anderes Fahrrad genommen, das 15 Jahre alte Drahteselchen, mit der 5-Gang-Nabenschaltung, und hab das 32-Gang-Leichtmetallmonster da stehen lassen, wo es hin fiel. Auch das alte Möhrchen war platt, hat aber Sclaverandventile, die selbst ich überwinden kann. So konnte ich wenigstens einkaufen fahren, was mich sonst eine weitere Stunde zu Fuß gekostet hätte, plus Schleppen. Katzenfutter ist ganz schön schwer.

Und obwohl das Möhrchen so alt ist, hat es mich gestern wieder erfreut. Auch, weil es so bequem ist. Das andere Rad ist empfindlich, hat einen relativ hohen Schwerpunkt und neigt durch die schmalen Reifen dazu, in Rillen zu landen. Das irritiert, weil man nie ganz sicher ist, ob man die Kurve dann trotzdem kriegt. Dieses Rad ist auch nicht ganz neu, aber technisch besser ausgestattet als das alte - ich hab es für kleine Mark gebraucht gekauft, nachdem man mir kurz hintereinander zwei wirklich gute Räder geklaut hatte. Leider war es ein Fehlkauf, weil ich mich drauf nicht so richtig sicher fühle. Der Besuch im Fahrradladen hat dann wieder Bedürfnisse geweckt, muss ich sagen. In dem Laden haben sie wirklich tolle Dinger, High-Tech-Teile, die so außerirdisch wirken, dass man kaum glauben kann, dass es Fahrräder sind. Aber auch welche, die sehr handfest und tauglich und bequem aussehen.

Bis ich im Lotto gewinne, hab ich aber nur eine Investition getätigt... Einen Kompressor hab ich mir gekauft, zum Anschluss am Zigarettenanzünder. Und falls das Auto nicht bald wieder da ist, oder irgendwo fern der Garage liegen bleibt, auch noch einen Adapter für den Netzbetrieb. Und Anschlussstücke für das Aufblasen von Fahrradreifen, jeglicher Ventilart.

Und in einer halben Stunde kriegt mein Autoschrauber die obligatorische Sonntags-Sms.

Drückt mal die Daumen, dass meine Brigitte am Montag wieder ganz gesund ist. 

Fig. 1: Die Lily, ohne die Mimi-Nö.