Momentan offenbar komplett unumgänglich für alle, die fürs Schreiben bezahlt werden: Merkels gesundheitliche Auffälligkeit, respektive das sie schüttelnde Zittern.
Meine grundsätzliche Meinung ist dazu: Es geht euch einfach nichts an. Kommt wieder runter. Die Frau ist Mitte sechzig, also raus aus der körperlichen Jugendfrische, und das kann/darf/sollte man auch sehen, denn es ist Augenwischerei, etwas anderes zu erwarten.
Auch steht sie unter hohem Druck, der sich sicherlich auch in physiologischen Gesichtspunkten auswirkt.
Alles gut, also.
Andererseits:
Was macht die Menschen so kirre daran? Warum haben offenbar alle den Eindruck, die Spekulation sei freigegeben, Ende der Schonzeit, sofern Frau Merkel je eine hatte?
Und warum ist das alles offenbar so nachrichtenwürdig, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen, in Grün?
Krankheiten darf jeder haben, da besteht sicherlich ein Konsens. Aber darf die Umwelt sie bemerken?
Ich schätze, dass die momentane Konfusion auf dieser Frage beruht.
Die gleichen Presseorgane, die im einen Artikel munter krähen, dass es niemanden was angehe, wenn.., schreiben im nächsten schon über die Verpflichtung von Politikern, ihre Gesundheit und medizinisch ermittelten Werte allgemein zugänglich zu machen.
Und das, meine Lieben, das geht gar nicht.
Gesundheit gehört, wie Kontostand und bevorzugte Sexposition, zu den Dingen, die ein jeder schön für sich behalten darf. Kein Arzt sollte sich bemüßigt fühlen, Details ans Licht zu tragen, oder sich auch nur an dieser widerlichen Spekuliererei zu beteiligen. Das ist nicht seine Aufgabe.
Patienten behandeln, Arztgeheimnis wahren, fertig.
Aber woran kann jetzt der besorgte Bürger (und die hämisch lauernde Konkurrenz auf dem Politikparkett) bemerken, dass der einst geliebte König/Präsident/Große Vorsitzende von tobendem Irrsinn besessen ist? Woher wissen wir, dass uns das gewählte Staatsoberhaupt nicht alle mit Ohrgeruch und Lungenfäule ansteckt?
Natürlich wissen wir das nicht. Aber das muss ein Staatsgebilde aushalten.
In einer Demokratie herrscht nie einer allein. Auch Frau Merkel nicht. (Insofern stimmt auch die Allegorie mit des Königs zwei Körpern nicht- Die Existenz dieses Staates ist nicht an das körperliche Wohlbefinden eines Souveräns geknüpft. )
Angela Merkel hat eine Umgebung, bei der wir alle drauf vertrauen müssen, dass diese sich darum kümmert, sie im Notfall auch zu bremsen oder aus dem Verkehr zu ziehen. Im Notfall. End of story.
Allerdings- und das ist ein lautes Allerdings- finde ich, dass es Zeit wird, dass über manche Dinge weniger geschwiegen wird.
Dazu gehören Erkrankungen wie Depressionen, Krebs, Süchte... chronische Kranheiten im Allgemeinen.
Damit die, die sie haben, wissen, dass sie nicht allein sind. Offenheit und das Darüber-Reden hilft sehr, wie jeder weiß, der schon mal in einer Selbsthilfegruppe war.
Es gehört sich, offen darüber zu reden, was Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung leisten können.
Was sie nicht können, scheint irgendwie jeder zu wissen.
Es gehört sich, darüber zu sprechen, was Krankheiten mit uns machen, wie wir mit ihnen umgehen, wie man diesen Umgang verbessern kann.
Wie man lernen kann, auf sich und seinen Körper und seine Seele Rücksicht zu nehmen, ohne sich zu verpimpeln. Wie man Strategien für Erholung und Erneuerung findet.
Zu wissen, dass jemand, der zB Diabetes hat, als Sportlerin, Politiker, Wissenschaftlerin, Künstler Höchstleistungen erbringt, hilft denen, die am Anfang der Erkrankung stehen, und mutlos zu werden drohen.
Und es müssen auch noch nicht mal immer die Höchstleistungen sein, ein ganz normales, erfülltes, halbwegs zufriedenes Leben zu führen reicht da schon aus.
Die Demographie zeigt derzeit, dass wir alle älter werden, und zwangsläufig auch alle kränker. Da wird es Zeit, eine solche Offenheit zu etablieren.
Freiwillig.
Freitag, 12. Juli 2019
Let's talk about it
Dienstag, 9. Juli 2019
Allerlei und Kryptonit
Es gibt Dinge, zu denen komme ich wie die sprichwörtliche Jungfrau zum ebenso sprichwörtlichen Kind, obwohl das ja funktionieren soll. Also das mit der Jungfrau.
Wie soll ich das jetzt sagen?
Ich bin jetzt Mitglied.
In einem Verein.
In einem Fußballverein.
Bezirksliga.
Vom ersten mitgeschauten Heimspiel (welche Farben haben "Unsere" noch mal...?) habe ich einen Sonnenbrand zurückbehalten, ein paar Rückenschmerzen vom Herumstehen, und die Erkenntnis, dass es in der oben genannten Spielklasse keine Zeitlupen gibt. Und keinen Videobeweis.
Ansonsten bin ich selbstverständlich ein dummes Schaf.
Da ich unfallfrei mit einer Textverarbeitung umgehen kann, habe ich sofort auch einen Job erhalten, nämlich den der Schriftführung. Das ist der Job, den nie einer haben will. Der, in den man auch gewählt wird, wenn man keine Ahnung hat von dem, was man da protokolliert.
Zu sowas bringt mich ein Mann, den ich aus Gründen der Anonymität mal hier und jetzt als mein Kryptonit bezeichnen will.
Solche Männer hat es nicht oft in meinem Leben gegeben (vielleicht waren sie auch nur nicht hoch genug konzentriert).
Aber Jungfrau hin, Kind her- zum Glück ist es nur eine Schriftführung, keine späte Schwangerschaft.
Und das ist doch schon mal was.
Donnerstag, 27. Juni 2019
Sommer
...ist über uns hereingebrochen. Letzte Woche habe ich noch das Motto vertreten, dass man im Sommer stricken müsse, um im Winter nicht zu frieren, bin aber derzeit einige Meter von Wolle entfernt. Das ändert sich bestimmt schon bald, weil das meiste auf den Nadeln für andere Leute ist, und die lass ich nur ungern warten,. Es sind auch Babysachen dabei, und die wachsen bekanntlich schnell. Noch ein Grund, munter fürbaß zu schreiten.
Trotzdem schwitzen ich und die Restkatzen ziemlich, wobei man letzteren nicht mal mit einer kühlen Dusche wirklich eine Freude machen kann. Gretchen sieht sehr unglücklich aus im Moment, sie hat auch wieder eine Fass-mich-bloß-nicht-an-Phase. In denen filzt sie heimlich nachts an ihrem Fell herum, und lässt sich dann nicht kämmen. Ziept wahrscheinlich ziemlich. Nach ein paar Tagen fallen ihr die Filzböllerchen von allein aus dem Fell, daher werd ich jetzt lieber nicht hysterisch. Das hilft nämlich so gar nicht.
Außerdem bin ich ihr zulange im Büro, was ich daran erkenne, dass die Dame auf die Couch pieselt. Besonders ärgerlich, da die Couch noch keine zwei Jahre alt ist. Aber sie tut sowas wirklich nur, wenn meine Arbeitszeiten 10 Stunden am Tag überschreiten, was zum Glück nicht jeden Tag vorkommt.
fig.1: What becomes of a broken heart? |
Lily
Montag, 1. April 2019
Theresa May, Bismarck und der Dreißigjährige Krieg
Was man ihm aber beim besten Willen nicht anhängen kann, ist Unsterblichkeit- mal abgesehen davon, dass es nur einen geben kann, yadda yadda yadda, gibt es tatsächlich Augenzeugenberichte von seinem Hinscheiden. Und ein Schwert war nicht dabei.
Bismarck höchstselbst hat dafür gesorgt, dass per Gesetz während des Dreißigjährigen Krieges die deutsche Sprache vereinheitlicht wurde.
Jawoll.
Vermutlich hat er aus dem Brexit gelernt, und die Chance genutzt, dass allerlei Volk in dieser Zeit anderweitig beschäftigt war (mit Seuchen und so), um mal fix Bayern, Bremer und Berliner unter einen sprachlichen Hut zu quetschen.
Freitag, 7. Dezember 2018
Elf Uhr
Elf Uhr am 7.12.2018. Ich bin 55 Jahre alt und werde bald 56. Kein Emoji glotzt großäugig genug, um meine Verblüffung über solche Fakten angemessen wiederzugeben. Mal abgesehen von dem bösen Satz, der mir jeden Morgen durch den Kopf schießt: Wenn du über vierzig bist, morgens aufwachst und nichts tut weh, dann bist du tot.
Aus meiner Vergangenheit weiß ich, dass ich, bei meiner zweiten Scheidung mit Mitte dreißig, das Gefühl hatte, das Leben sei nun vorbei. Das Gefühl hat mich nie verlassen- kurze vier Jahre später bin ich dann an diesem Sch...Diabetes erkrankt und in der Folge nie wirklich aus dieser Endzeitstimmung rausgekommen. Fakten sind bei solcher Voreinstellung zweitrangig- egal, was die Statistik sagt.
Viele Dinge fange ich nicht an, wegen dieses "Das lohnt sich eh nicht"-Gefühls. Daher gibt es wenig Pläne, die mir einen Blick in eine mögliche Zukunft weisen. Ehrgeiz, Reiselust, Buchschreibepläne, Perspektiven allgemeiner und besonderer Art, diese Dinge liegen alle in einem nicht sehr leicht erreichbaren hinteren Lagerraum.
Aber ich gebe nicht auf.
Mittwoch, 24. Oktober 2018
Was man tut und wo man steht
Refrain eines Lieds von van Veen, der so weitergeht:
...wie man's wendet, wie man's dreht, eins ist klar, das Leben geht so oder so vorbei...
Das tut es, zweifelsohne. Dass ich derzeit morgens immer meinen Nachrichtenfeed anschmeiße um zu schauen, welches Stück Welt über Nacht irgendwelchen Vollpfosten in die Hände gefallen ist, erweckt Erinnerungen an die Zeit vor dem Ende des Kalten Krieges (oder war es nur ein sehr kühler Waffenstillstand?)
Mich jünger zu fühlen ist leider nicht die Konsequenz dieses Deja-vus.
Montag, 22. Oktober 2018
Seit Wochen
warte ich auf Regen. Nicht, weil meine Felder Regen brauchen (hätte ich welche, bräuchten sie aber), sondern weil neben atemberaubend bunten Bäumen vor blauem Himmel auch das kühle, feuchte Herbstwetter auf meine innere Uhr gehört. Ich steh halt auf Jahreszeiten. Für den Herbst war es zu warm, zu trocken ist es seit Monaten, und das gefällt mir nicht.
Am Samstag dann kündigte meine Wetterapp Regen an, supi.
Ich fand es so lang supi, bis mir gegen Mittag der Fensterheber vorn links am Auto kaputt ging.
Fassen wir zusammen: Seit Monaten ist es zu trocken. Drei Tage Regen kündigen sich an, und meinem Auto fehlt eine Scheibe.
Irgendwie bezeichnend.
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Zwanzig, fünfzig, hundert... uncountable
Montag, 10. September 2018
Welten, Andere
Es gibt für mich Autoren, deren Schreiben mich in ihre Welt hineinziehen. Sie sind lebendig, warm und farbig, man kann sie riechen, schmecken und man hört sie auch.
In ihnen gewinnen Kleider eine Haptik, Straßenlärm schwillt an und ab, und wenn man genau hinsieht, krabbelt da vorn eine Ameise über den Schuh.
Eine solche Autorin ist (für mich) Laurie R. King, die die Krimis der Mary-Russell-Reihe schreibt, sowie noch eine zeitgenössisch angesiedelte, deren Handlungsschwerpunkt in San Francisco liegt, außerdem einzelne Stand alones.
Natürlich gibts auch unter diesen sehr geliebten Büchern noch die Lieblingsstücke, The Folly, Oh Jerusalem, The Game und A Grave Talent. Auch auf Deutsch sehr, sehr lesenswert (Insel der flüsternden Stimmen, Oh Jerusalem, Die Farben des Todes- ich bin mir nicht sicher, ob The Game auf Deutsch erschienen ist).
Ansonsten hab ich gerade nur schwere Kost auf dem Kindle. Die dreiteilige Wilhelm II-Biografie von Röhl, und Churchills Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, massive fünf Bände. Aber zum Glück gibts die E-Book-Version. Dann sind die Verletzungen nicht so schlimm, die man davon trägt, wenn einem beim Einschlafen das Buch auf die Nase fällt.
Und ihr so?
Menschheit
Ich gehöre auch zu denen, die die Menschheit als ein komplexes Kollektivwesen betrachten, ganz unwillkürlich und vielleicht schon aus semantischen Gründen.
Heute morgen hat irgendeine Schlagzeile in irgendeiner Zeitung der passend auf mich zugeschnittenen Presseauswahl (Danke, Google und Opera, für meine Lieblingsfilterblase) sich was von "Menschheit" und "Lernen" in den Bart gebrummelt.
Ich glaube, dass da was von der Erkenntnis stand, dass die Menschheit nicht lernt.
Und so ungern ich das zugebe:
Das tut sie nicht.
Niemals.
Denn das würde bedeuten, dass Wissen in irgendeiner Weise in den Zwischenräumen zwischen dir und mir verankert würde.
Erlerntes sich an die DNA heften könnte.
Begangene Fehler und daraus gewonnene Erkenntnis in eine kollektive Cloud wanderten, auf die man qua Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens sapiens automatisch Zugriff hat.
Wie derzeit ausgezeichnet und beinahe lehrbuchhaft demonstriert, speichert die Menschheit als amorphes Dingsda genau nichts. Jede Generation fängt ganz von vorn an. Und das, was das Individuum zur Kenntnis nimmt, speichert, verarbeitet und anwendet ist genau das: Individuell. Begrenzt. Teilweise sehr begrenzt.
Wie man sieht.
Donnerstag, 6. September 2018
Donnerstag-
und wenn du den überlebt hast, wird es Freitag. Ganz bestimmt.
Der Freitag in dieser unserer Dienststelle ist nur ein halber Arbeitstag, und das schätzen wir alle. Unser neuer Chef, noch ziemlich überschwemmt von allem, was der vorherige Boss vor seinem Tod nicht mehr erledigen konnte (und was in der Zeit seiner Krankheit ohnehin liegen geblieben ist) ist im Stress, und ich hoffe für ihn, dass er schnell delegiert und nur noch die Ausicht behält. Der sitzt hier nämlich gern auch freitags noch abends um sieben. Also, "gern" ist hier ein sehr willkürlich gewählter Ausdruck. Aber es ist ihm wichtig, seine Sachen fertig zu kriegen, und ich schätze, dann stimmt "gern", denn anschließend ist es hoffentlich weg vom Tisch.
Wenn jemand, der so jung ist wie der verstorbene Chef (63), von jetzt auf gleich einfach nicht mehr da ist, nutzt die Umwelt das ja gern, um darüber zu philosophieren, was man alles tun/unterlassen/bedenken sollte bei der Organisation des eigenen Alltags.
Wir haben in den vergangenen Monaten oft gehört, dass man davon lernen sollte, sich besser zu pflegen, und all den anderen Sermon, der dann quasi zwangsläufig aus anderen Leuten herausquillt.
Aber. Aber...
bei ihm muss man sagen, er hat Zeit seines Berufslebens immer genau das getan, was er wollte. Mit dem Kopf durch die Wand, nötigenfalls. Sein politisches Interesse und sein Gewissen sowie sein wissenschaftlicher Ansatz haben ihn umgetrieben, und er hat über dreißig Jahre lang an genau diesen Themen gearbeitet, ist an neuen Erkenntnissen gewachsen und hat an seine Mission geglaubt. Er hatte Tausende von Überstunden, die ihn nicht davon abhielten, weiter zu arbeiten, sein Urlaub verfiel und bei seinem Tod hatte er praktisch zwei Jahre vorgearbeitet. Selbst sein angeschlagener Gesundheitszustand seit einigen Jahren hat ihn nicht dauerhaft von den Selbstgedrehten weg gebracht, und so- und daran- ist er dann auch gestorben. Er hat vielleicht ein kürzeres Leben geführt als er hätte führen können, aber ich glaube nicht, dass er mit einem solchen zufriedener gewesen wäre.
Und das ist nicht schlecht, oder?
Montag, 3. September 2018
Ich binne nicht tot.
Guten Morgen, beste/ Leser/in von allen- heute im Singular, denn viele dürften hier definitiv nicht mehr mitlesen, dank Zeitablauf.
(Orrr, ich hatte mein Passwort verbröselt, soviel zum Thema IT-Skills.)
Nur diese irren Schlagzeilen über den Grabbelbischof bei Aretha Franklins Beerdigung haben mich ausreichend erzürnt, um diesem Dilemma die Stirn zu bieten.
Was ist passiert?
Vermutlich haben es alle gelesen oder auch die Videos gesehen, von dem Geistlichen, der erst einen mehr als daneben geratenen Witz erzählen will, und dann seine Griffel nicht von der jungen Frau neben ihm lassen kann. Das ist übel genug, und zeugt von einer gewissen Realitätsabweichung bei ihm, er sollte die Kameras registriert haben.
Was mich aber so richtig sauer macht, sind die Schlagzeilen selbst:
Bischof entschuldigt sich.
Bischof. Entschuldigt.Sich.
Lasst es euch auf der Zunge zergehen.
Bischof (Mann in Kleidern) entschuldigt (aktives Verb) sich (Reflexiv-Pronomen. Oder so.)
Es sollte gesetzlich verboten werden, das so zu formulieren. Denn selbst wenn das grammatikalisch korrekt ist, so ist es inhaltlich nicht okay.
Wenn jemand einen anderen so sichtbar belästigt und in Schreckstarre versetzt, dann hat er das Recht verloren, sich durch einen in den Bart gebrabbelten Satz (oder auch durch getwittertes Was-weiß-ich) aus der Verantwortung zu ziehen.
Liebes Publikum.
Vorgesehen ist, jemand anderen, den man geschädigt/belästigt/sonstwie beeinträchtigt hat, um Entschuldigung oder Verzeihung zu bitten. Jawohl, zu bitten.
Und es steht ausnahmslos im Ermessen der beleidigten, geschädigten, beeinträchtigten Person oder Institution, diese Entschuldigung zu akzeptieren oder zu gewähren.
Also bitte, liebe Schlagzeiler, staubt euer Deutsch ab. Denn die Formulierung "sich entschuldigen" geht echt nur, wenn jemand bei Tisch mal fix aufs Klo will.
Sonst nicht.
Montag, 9. Oktober 2017
Oha
Zwei Monate her, und der Blog gähnend leer... Aus euren Kommentaren erkenne ich, dass andere hier öfter vorbeischauen als ich.
Nun gut.
Ich war also im Urlaub.
Die erste Woche hab ich mir selbst ordentlich versaut, weil ich (und ich wage es kaum zu sagen) noch kurz vor der Abreise die fast leere Ampulle mit dem Langzeitinsulin ausgewechselt habe. Dann hab ich alles Zubehör eingepackt, und bin, unter Mitnahme der Freundin S., Richtung benachbartes Ausland aufgebrochen.
Natürlich unter Mitnahme der Plastikdose mit allerlei Diabeteszeug- Teststreifen, Ersatznadeln, Nachfüllampullen.
Und dann ging es rund:
Abends die Dosis Langzeitinsulin gegeben. Zwei Stunden später unterzuckert, und zwar kräftig. Einsatz von Notfall-Kohlehydraten. Morgens Blutzucker von > 400 mg/dl.Frühstück fällt dann aus, und der Tag zog sich hin, mit sehr schweren Beinen, extremer Müdigkeit... und einem kräftigen Unterzucker so gegen zehn. Weiteres Messen ergab stets irre hohe Werte, mit sämtlichen Begleiterscheinungen... und das ging eine Woche so weiter. Kräftige Unterzucker mit Werten von um die 40, abwechselnd mit Ergebnissen, die einem die Schädeldecke anheben.
Es hilft nicht, dass man mit sehr hohen Werten nicht mehr gut denken kann. Und es hilft auch nicht, wenn die Mitfahrerin bereits leicht angepisst ist, dass man nicht fröhlich und guter Dinge munter fürbaß schreitet. Zudem hatte die erste Nacht in der Mini-Hüpfburg, die von seiten der Vermieterin als Bett für zwei vorgesehen war, zu einer spontanen Lagerbauaktion und meiner Umsiedlung auf den Fußboden geführt. Wenn ich eins nicht leiden kann, ist das eine durchgehende Matratze. Einsvierzig breit. Für zwei, die nicht die halbe Nacht aufeinander liegen wollen.Nächte auf dem Fußboden, mit der diabetesbedingten häufigen Notwendigkeit, zum Klo zu rennen, sind aber auch nicht gut, Herrschaften. Nicht für meinen Rücken und nicht für mein Durchschlafen.
Nach einer Woche irrer Blutwerte dann hatte ich einen Geistesblitz und bin mal nachschauen gegangen- und hab dann festgestellt, dass ich in der Eile vorm Wegfahren in den Pen für das Langzeitinsulin...auch eine Ampulle Kurzzeitinsulin reingeschraubt hatte.
Das kann nicht funktionieren, und tut es auch nicht. Leider unterscheiden sich die zwei Insuline nur durch einen Farbring. Leider sind die beiden (das altbekannte Langzeit- und das relativ neu angewendete Kurzzeitinsulin) vom selben Hersteller, und passen daher auch beide in beide Pens. Leider hatte ich bis vor ein paar Wochen vom Langzeitinsulin Fertigpens, die nach Nutzung weggeworfen werden, und die man, türkis wie sie sind, nicht mit dem silbernen Pen für das Kurzzeitzeugs verwechseln kann.
Leider war ich ein nicht ganz bei der Sache seiender Vollhorst.
Nach einer Woche und zwei Tagen der wiederkehrenden Blutzuckernormalität ging es dann aufwärts.
Da konnte ich dann auch den Strand genießen (bei Temperaturen um 18 Grad um die Jahreszeit keine Selbstverständlichkeit), Amsterdam abscheulich unruhig finden und einen kontoleerenden Ausflug nach Haarlem ganz wunderbar.
Abgesehen davon war auch in der ersten Woche der Strand grandios, das Essen (low carb, dank der Freundin- wer weiß, was sonst passiert wäre...) fantastisch, der Nachbarhund ganz einfach anbetungswürdig, und ich habe es gehasst, schon wieder hier zu sein.
Man achte auf die Zöpfe vom Hund.
Hach, Moush.
Donnerstag, 10. August 2017
Es ist August
der zehnte August, und ich hab seit Ewigkeiten nix mehr geschrieben. Es ist nicht so, dass mir nichts mehr einfiele. Nein, da ist derzeit vieles, aber es reicht nicht von der Couch bis an den Schreibtisch- diese doofen mobilen Dinger haben das Platz nehmen am Rechner (zu Hause, meine ich) zur Ausnahme gemacht.
Daher hier kurz das Wesentliche zusammengefasst:
Die Lily hat alle abgenommenen Kilos wiedergefunden und ordentlich an den Hüften und den runden Beinchen befestigt, wie sich das gehört.
Die Lily hat sich zum WS 2017/18 für einen Bachelor in Kulturwissenschaften immatrikuliert und kann prompt an der Eröffnungs- Info-Veranstaltung nicht teilnehmen wg. Urlaub. Im Ausland. Jawoll.
Die Lily hat nur noch zwei Katzen, diesmal jedoch nicht durch Seuchen- sondern durch Abgabe-Einwirkung, denn die Trudi ist viel glücklicher als Einzelkatze bei einem Einzeldosenöffner.
Die Lily doktert gerade mithilfe der örtlichen Diabetologie an ihrem Zucker herum. Bisher mit nicht so viel Erfolg.
Die Lily grüßt euch alle ganz herzlich :-)
Freitag, 9. Juni 2017
Wir fräsen, oder: Geglückte Investitionen
Wer kennt das nicht? Something shiny am Horizont. Irgendwas glitzerndes, das sich verlockend auf der Amazon-Seite räkelt und verführerisch raunt: Kauf mich.
Aus den verschiedensten, im Endeffekt nicht immer stichhaltigen Gründen fällt man auf dieses Geraune herein, und klickt mit zugekniffenen Augen auf SofortKaufen, nur um zehn Tage später mit sinkendem Mut zu konstatieren, dass das wohl ein Schuss in den Ofen war, und man das Ding nun eigentlich wirklich nicht braucht. Entweder, weil es nicht so funktioniert wie gedacht oder weil es dann doch zu teuer ist für das, was man sich davon erhoffte.
Fleißige Menschen schicken es dann zurück. Leute, denen ihre Fehlentscheidungen peinlich sind, räumen das Ding weg und versuchen, es unter "Dumm gelaufen" zu verbuchen, verbunden mit dem festen Vorsatz, das nie wieder zu machen. Der Vorsatz ist so fest wie kurzfristig.
Unter diese Kategorie kann ich Dinge wie den Staubsaug-Roboter verbuchen, der seit Jahren von Herrchen zu Herrchen wandert, weil niemand ihn wirklich gebrauchen kann. Der Nutzvorteil, nämlich die Katzenhaar-verseuchte Bude dauerhaft von denselben zu befreien, war gleich Null, der Nachteil, die Katzenhaarverstreuer zu verschrecken, maximal. Zudem war meine Wohnung offenbar nur für Menschen und Katzen navigierbar, Roboter finden sich nicht zurecht und verenden regelmäßig unter einem Möbelstück, von wo aus es kein Entkommen gibt.
Es gibt aber auch beglückende und dauerhaft erfreuliche Erwerbungen.
Davon habe ich in den letzten Wochen mehrere gemacht:
1. Der Schredder.
Ich bin ein Unterlagen-auf-Stapeln-Ableger. Ein Exfreund sprach von mir als der Bergbauerin. So eine baut Berge. Von Unterlagen. Die mindestens mit meinem Namen, wenn nicht mit noch mehr persönlichen Daten versehen sind, was es unmöglich macht, sie einfach so weg zu werfen. Daher haben sich im Laufe vieler, vieler Jahre viele, viele Unterlagen zu einer stattlichen Anzahl Stapel gesammelt. Die nehmen Platz weg, sehen Scheiße aus und bedrücken, weil man irgendwann auch nicht mehr weiß, ob nicht doch was wichtiges drin liegt. Dazu sammeln sie Staub an, welchselbigen man wirklich nicht mit einem Staubsaugerroboter weg kriegt.
Also habe ich mir nun endlich einen Aktenvernichter gekauft. Nicht den allerbilligsten, aber auch keinen CIA-Beweisannihilator, der zwei Aktenordner je Minute schreddert.
Und seither sitze ich abends da, neben mir der Schredder, der friedlich und glucksend vor sich hin fräst, und vor mir ein Stapel von Papier. Der minütlich kleiner wird.
Gut angelegte 29 €.
2. Der Kurs
Vor einigen Jahren schon habe ich über ZeitzuLeben einen Selbstcoaching-Kurs gemacht, und Anfang diesen Jahres noch einen. Beide hatten einen nachhaltigen Effekt auf mich, und haben zudem noch Spaß gemacht. Das ganze fand jetzt einen vorläufigen Höhepunkt in einer sogenannten Challenge, was auch ein Kurs ist, aber schneller. Jeden Tag, über 30 Tage, gibt es eine Aufgabe, und die Summe der Aufgaben und Übungen führen einem im Idealfall zu einem Ziel. Diesmal ging es um Sowas wie Zielentwicklung und persönliches Wachstum. Ein wunderbarer Kurs, der mich 79 € gekostet hat und mehr gebracht hat als 12 Wochen stationäre Psychotherapie, was die Zielbildung betrifft. So ein Kurs hätte mich nicht so aufbauen können, wie die Klinik das damals tat, aber in Bezug auf das Leute-in-die-Gänge kriegen ist deren Ansatz echt unschlagbar. Ich habe es tatsächlich geschafft, aus dem vagen Gefühl des "Es wird sich nichts mehr tun in deinem Leben" zu einem "Oh doch" zu kommen. Zu einem sehr konkreten Oh-doch. Ich genieße jede Minute.
Das nur für heute.
So siehts aus, Herrschaften!
Mittwoch, 31. Mai 2017
...des Teufels
Den gestrigen Feierabend habe ich damit verbracht, ein, zwei Möbelstücke ins Haus zu schleppen und dort für ihre künftige Benutzung vorzubereiten.
Den Balkontisch habe ich auf den Balkon gebracht. Alles ist gut.
Die kombinierte Küchensitz-/Schuhaufbewahrungsbank habe ich zusammengebaut.
Anderthalb Stunden lang musste ich dafür in der Arbeit nicht zuträglicher Haltung zubringen, um mittels Behelfswerkzeug eine Explosionszeichnung in einen Tätigkeitsablauf umzusetzen. Ein Puzzle aus mehreren großen Holzteilen, bei denen leider kaum festzustellen war, welches wofür gedacht war. Alle wiesen nicht nur die Vorbohrungen und Montagelöcher auf, die man für diese Bank brauchte. Nein, offenbar handelte es sich um den Spitzgdackelschäferhund der chinesischen Kleinmöbelindustrie- es waren doch erheblich mehr Löcher drin als nötig. Ein Sortierungsschema anhand abgezählter Bohrungen schied schon mal aus.
Bleibt Trial-and-Error, auch als "Versuchmachtkluch" bekannt. Die ersten zwei Versuche brach ich kurz vor Vollendung wegen a) schief und b) falsche Kanten vorn (rauhes Sperrholz, nicht der schicke Umleimer), außerdem schief, ab.
Beim dritten Versuch stellte sich dann heraus, dass zwei ziemlich essentielle Bohrlöcher eingespart wurden. Daher blieben zwei Möbelschlösser samt Schrauben übrig, und gesellten sich zu den Schrauben der nicht angebrachten Topfscharniere. Denn, wie das Leben so spielt, meinen schicken, kleinen, bisher nicht gebrauchten Akkuschrauber, den ich vor ungefähr sechs Wochen gut weggelegt habe, damit ich ihn jederzeit finde, wenn der Fall der Fälle eintritt, war unauffindbar. Und ohne Schrauber keine Scharniere.
Jetzt ist die Schuhbank soweit fertig und harrt nur noch der Anbringung der Sitzfläche. Und ich vermute mal stark, dass meine Möbelaufbauzeit abgelaufen ist, denn meine arthritischen Hände sind heute für nix Sinnvolles zu gebrauchen.
Aber, jay, ich habe eine Sitzbank, wenn man auch nur dann drauf Platz nehmen sollte, wenn man nichts gegen Leisten hat, die sich einem in den Hintern bohren. Und wahrscheinlich alsbald abbrechen.
Dienstag, 23. Mai 2017
Echt kaputt...
... war das Handy nach 10 Tagen.
Wirklich. Ehre-Schwöre kaputt. Akku im Eimer, Laderoutine im A..., Telefon zurückgeschickt, neues gekauft.
Ein anderes, denn man weiß ja nie.
Was ich auch nicht wusste, ist, dass James Bond nach einer literarischen Quelle in Wattenscheid geboren wurde.
Immerhin. Nebenan, sozusagen.
Das zum Gedenken an Roger Moore...
Montag, 8. Mai 2017
Es ist so schön
Dies ist ein hundertprozentig profaner Artikel, der lediglich die Haptik und die Optik meines neuen Telefons besingen soll.
Extrem geschmackvolles Weiß, und so wunderbar glattes Material, dass es nicht nur bei eingeschaltetem Vibrationsalarm, sondern auch bei nur leichtem Gefälle sehr elegant vom Tisch rutscht. Zugegeben, das ist ein Haken, aber dafür sieht es dabei hinreißend schön aus.
Es ist sehr empfindlich gesonnen gegenüber der Magnetisierung der Tablet-Hülle, auf der ich es abgelegt hab, damit es eben nicht vom Tisch rutscht. Denn die Hülle vom Tablet ist antirutsch. Legt man es auf das Tablet, schaltet sich das Telefon nach einigem verärgerten Bildschirmrunzeln einfach mal ab. Sehr interessant.
Es ist das teuerste Handy, das ich je hatte, was was aussagt, wenn man weiß, dass ich seit 1998 eigentlich nur prepaid-Handys besitze. Ohne Simlock. Selbst dieses macht aber das Telefonieren im Schnitt immer noch billiger als der billigste Vertrag. Was aber auch nur deshalb wahr ist, weil ich mit dem Ding vieles mache, aber vielleicht drei Telefonate im Jahre führe. Der Rest wird benötigt fürs Chatten und Fotografieren. Für Mutter Dinge bei Amazon kaufen, und googeln, wenn mir was nicht einfällt. WLAN ist überall wo ich bin, also ist auch die Internet-Flat in minimalem Zuschnitt höchst ausreichend.
Und es ist schön anzusehen, erwähnte ich das schon?
Mittwoch, 3. Mai 2017
Dienstag, 2. Mai 2017
Beliebtheit. Oder auch nicht.
Ich hab ein recht gutes Handy. Ja wirklich, mir hat es gute Dienste geleistet. Schmiert nicht ab, macht keine Zicken und ganz gute Fotos. Was es nicht so dolle macht, ist die Sache mit den Updates. Es enthält eine Menge X von vorinstallierten Apps. Apps, die man nicht los wird. Alle diese Apps werden von Google bereitgestellt, und führen permanent Updates aus, wenn man sie lässt. Ich will diese Apps nicht. Ich brauche keine Google-Kiosks für haste nicht gesehen was noch. Mir reicht meine Medion-App für AldiTalk, und weil ich verwegen bin, Whatsapp und die Amazon App, neben denen, die, wie Uhr, Kalender, Taschenrechner, Kamera... Bestandteile des Handys selbst sind.
Die speicherfressenden Apps, die ich nicht haben will, kann ich nicht löschen. Nun könnte ich sie ignorieren, wenn, ja wenn sie nicht durch ihre permanente Updaterei mir den kompletten Speicher des Telefons blockieren würden. Alle paar Tage fordert mich das Telefon auf, doch bitte die Aldi-Talk-App oder Whatsapp zu löschen, damit irgendeine Googlescheiße sich auf dem Handy noch breiter machen kann. Klar sind acht G Speicher nicht viel. Aber da ist es besonders ärgerlich, wenn sich Whatsapp nicht davon überzeugen lässt, Bilder- und Videodateien doch bitte gleich auf die Speicherkarte zu schreiben, wenn überhaupt jede kleine miese App originäres RAM braucht, um zu laufen, und sich nicht bequem auf der Speicherkarte installieren bzw. dahin schieben lässt. In den letzten Wochen war es so, dass ich den Download von Bildern und Videos verweigern musste, weil mir sonst das Gerät komplett abgeschmiert wäre. Es erdrosselt sich sozusagen selbst.
Glanzleistung, wirklich.
Das neue Gerät kommt heute. Mal sehen, wann die 32 G an ihre Grenzen stoßen.
Seufz. First World Problems.