20. Januar bis 18. Februar.
Wassermann
Den Wassermann erwarten in den nächsten Wochen spannende Dinge. Ein dunkler Fremder wird kommen, und euch eine Überraschung bescheren.
(Für die Wassermänner, die lediglich Besuch vom Klempner und eine hohe Rechnung bekommen: Macht euch nichts draus. Als Wassermann kann man Klempnerrechnungen von der Steuer absetzen. Oder man kann es wenigstens versuchen. Viel Glück.)
19. Februar bis 10. März:
Fische
Sofern ihr euch die Zehen anstoßt, lasst euch dieses als Zeichen dienen. Nämlich dafür, endlich den Werkzeugkasten wieder in den Keller zu bringen. Wenn ihr es nicht tut, fallt ihr der Verdammnis anheim.
Und wenn es nur die ist, euch jeden Morgen auf dem Weg zum Klo den kleinen Zeh zu zermatschen.
11. bis 22. März:
Hering
Der Hering sollte in der Gegenwart von Maschinen in der nächsten Zeit Vorsicht walten lassen, und diese weiträumig umschwimmen. Vor allem gilt das für Filetiermaschinen, sowie große Apparate, auf denen "Tomatensoße" steht.
23. März bis 19. April:
Widder
Freut euch, wenn ihr die folgenden Worte hört: "Da isser Widder!" Das bedeutet a) dass man euch wieder erkannt hat, und b) dass sich euer Gehör erholt hat nach dem Knalltrauma, welches daher rührt, dass man euch mitgeschleppt hat zu einem Fußballspiel, wo ihr euch in der Halbzeitpause mitten auf dem Rasen wiedergefunden habt, als Maskottchen verkleidet und direkt neben einem dicken Mann stehend, der dann mit einem dicken Schwengel auf eine Riesenpauke gehauen und euch einen Heidenschreck eingejagt hat, woraufhin ihr die Flucht ergriffen habt und eine Weile durch die Gegend irrtet. Aber jetzt seid ihr ja widder da.
20. April bis 14 Mai:
Stier
Ihr leidet sehr darunter, dass sich kein Schwein merken kann, ob ihr die kastrierte oder die unkastrierte Variante eines männlichen Rindes seid. Also, ob ihr der Kuh ein Mann sein könnt oder doch eher ein Ex-Mann.
Ihr müsst lernen, das nicht so nah an euch ran zu lassen. Wendet euch den Schweinen (oder anderen dumm Fragenden) daher zukünftig nur noch mit den Hörnern zu. Das wird sie daran hindern, noch irgendwas zu sagen. Außer vielleicht "Aaaargh".
15. Mai bis 2. Juni:
Kleine alte Dame
Ihr habt zum Muttertag einen neuen Schirm bekommen, dieser ist beige. Das bedauert ihr, einerseits, weil der rosafarbene auch sehr hübsch war. Andererseits passt er jetzt besser zu den Schuhen, so dass ihr daraus lernen könnt. Was auch immer.
03. Juni bis 20. Juni:
Zwillinginginginge
Ihr lernt diesen Monat nicht nur, euer Sternzeichen zu schreiben. Nein, ihr lernt auch, wann ihr mit dem Schreiben aufhören sollt.
Alle beide.
21. Juni bis 27. Juni:
Languste
Leidvoll müsst ihr erfahren, dass ihr gut zu Spargel passt. Und auch zu Erdbeeren. Das Komitee zur Verwaltung der Tierkreiszeichen hat eine Verschiebung eurer Sternzeit in den Herbst abgelehnt. Der Widerspruch ist abgewiesen, ebenso die Klage. Versucht, das Beste draus zu machen. Wenn ihr ausreichend Champagner trinkt, gelingt das noch mal so gut.
Oder wollt ihr drüber reden? Dann seid ihr herzlich eingeladen zu einem festlichen Dinner bei mir. Kommt gut gewaschen, und bringt ein paar Erdbeeren mit. Herzlichen Dank.
28. Juni bis 30. Juni:
Streunende Katze von gegenüber
Beherrscht euch ein bisschen, wenns um wilden, ungehemmten Sex mit Fremden geht. Vor allem, wenn dieser unter meinem Fenster stattfindet. Sonst könntet ihr Bekanntschaft mit dem Schuh des Verderbens machen.
01. bis 22. Juli
Krebs
Ihr erhaltet eine Einladung zum Essen von einer Frau mit vier Katzen, die eine Kiste Champagner und zwei Kilo Spargel gebunkert hat.
Ihr werdet eine interessante Gestalt kennen lernen: Die Languste. Es wird eine kurze, aber intensive Beziehung sein. Bringt bitte Mousse au Chocolat mit.
23. Juli bis 22. August:
Löwe
Wie alle Katzenartigen erwartet auch euch wilder, ungehemmter, und vollkommen gewissenloser Sex. Freut euch drauf. Und macht nicht so einen Lärm.
23. August bis 19. September:
Jungfrau
Tja.
Dem Wesen der Jungfrau ist der wilde, ungezähmte Sex ja eher nicht so immanent. Falls ihr also nicht bereit seid, euren Geburtstag zu verlegen, kommt eigentlich nur Romantik in Frage. In einer lauen Sommernacht auf einem Hügel über der Stadt, wenn die Lichter dort im Tal wie glitzernde Diamanten auf schwarzem Samt ruhen und der Duft des Geißblatts eure Sinne betört... Im Hintergrund zirpen leise die Grillen ein kleines Nachtlied, und eine warme Hand hält die eure. So in etwa.
20. September bis 15. Oktober:
Waage
Ihr seid für den Ausgleich. Zwischen kalt und warm, zwischen gut und böse.
Leider ist das Ergebnis langweilig. Weshalb ihr los zieht, und euch kurz drauf vor lauter Freude kaum noch halten könnt. Denn da draußen sind Menschen, die Romantik suchen, oder auch wilden, ungezähmten Sex. Immer vorwärts, man wartet nur auf euch. Aber den Ausgleich, den lasst mal eine Weile zu Hause. Ihr habt eh keine Hand frei, denn ihr müsst Champagner mitnehmen, Rosen und ein paar andere Dinge, die dem weiteren Gelingen eines Abends zuträglich sind. Aus Latex.
16. Oktober bis 18. November:
Skorpion
Neidvoll schielt ihr immer noch zu Krebs und Languste rüber. Die können feiern, mein lieber Herr Gesangverein. Ganz besoffen sind die. Und die Katzenartigen machen da hinten im Gebüsch Dinge, die ihr nicht wirklich wissen wollt.
Auf der Wiese steht der Stier, Aug´in Auge mit dem Schwein, und auch die kleine alte Dame schwingt beherzt den Schirm.
Der Wassermann hat sich mit dem Klempner (genau, dem dunklen, muskulösen Handwerkertyp) in die Besenkammer zurückgezogen und prüft die Rechnung, und der Widder hilft gerade dem Fisch dabei, die Werkzeugkiste aus dem Schlafzimmer in den Keller zu schleppen.
Worauf wartet ihr noch? Die Sonne scheint, und wenn sie es grad mal nicht tut, regnet es warm auf die schwarze, feuchte Erde. Es gibt Leute, die euch lieben. Ganz uneigennützig.
Genießt das, was ihr habt, und zwar mit allen Sinnen.
19. November bis 15. Dezember
Schütze
Ihr wart das, glaub ich. Der mit Pfeil und Bogen und so unterwegs war. Anders ist die ganze Stimmung hier nicht zu erklären. Soviel Sex und Zwischenmenschliches hat man schon lang nicht mehr gesehen. Tut euch einen Gefallen: Legt zwischendurch mal die Waffe beiseite, und seht zu, dass ihr eingeladen werdet. Zu Champagner, oder was auch immer.
16. Dezember, 0.30 bis 0.40 Uhr
Kleiner rosa Taschenschirm
Ihr leidet. Und wie. Dieser miese, beige Emporkömmling.
Pfft.
16. Dezember 0.41 Uhr bis 19. Januar
Steinbock
Nur Sex ist langweilig. Spielt Lotto. Vielleicht gewinnt ihr was :-) Solltet ihr aus politischen, religiösen oder sonstigen weltanschaulich veranlassten Gründen das Spiel ablehnen, kann ich euch nicht helfen, dann müsst ihr eure Hörner polieren und euch gehörig aufbrezeln. Und dann raus- da wartet jemand. Auch auf euch. Ganz bestimmt.
Die Sterne lügen nicht!
(Aber wenn doch, dann nicht sehr überzeugend. Das kommt von mangelnder Übung.)
Schönen Sonntag,
und stets die eure,
Lily
Sonntag, 12. Juli 2009
Lilyskop....
Samstag, 11. Juli 2009
In dem Leibesübungen vorkommen. Und hungrige Katzen, aber die nur am Rande.
Ich werde belagert, von zwei ausgewachsenen, muskulösen und nur noch begrenzt gutwilligen Katern, weil ich leider vergessen habe – Trommelwirbel – Dosenfutter zu kaufen.
Der zweite Fehler war, zwei Stunden vor den Ladenöffnungszeiten aufzustehen.
Jetzt ist es nur noch eine Stunde hin, aber ich trau mich kaum, zu atmen- geschweige denn, aufzustehen und mir noch einen Kaffee zu holen. Denn jedes Zucken eines Zehs wird mit einem hoffnungsvollen Sprint Richtung Näpfe begrüßt, und ein bisschen mies fühl ich mich deswegen schon.
Es ist keinesfalls so, dass die Bande tatsächlich hungern müsste. Nein, Trockenfutter ist da, aber die Herrschaften bevorzugen morgens eben Nassfutter.
Am liebsten das von Aldi-Nord, was jedoch jedes Mal einen Trip in die Nachbarstadt erfordert, denn hier ist Süd. So trennen sich moderne Welten.
Mein Standard-Discounter, Feinkost und Wohnungsdesign Plus, wurde ja letztens von Netto übernommen. Die ersten Auswirkungen hab ich bereits vor einiger Zeit bemerkt: Meine Lieblings-Hausmarken verschwinden aus den Regalen. Um ersetzt zu werden von fremdem Zeug. Mag genau so gut sein. Für jemand anderen.
Ich will meine gewohnten Verpackungen wieder haben! Auch das Viehzeug, um noch mal auf das oben gesagte zurück zu kommen, will lieber die alten Marken. Oder eben Aldi, Nord.
Aber der Hammer schlechthin bei diesem Übergang von einem Konzern zum andern ist das, was ich am Mittwoch in meiner Lieblings-Plus-Filiale um die Ecke entdeckte.
Der Satellit des Todes. Das Verhängnis. Der Ladenbau-Fehlgriff schlechthin.
Schwebt doch seit neuestem über den Köpfen des Kassenpersonals ein – Ding.
Wutz würde das ganze sofort als Schlummerrolle erkennen, von weitem sah es aus wie eine Mischung aus Trockenhaube und City-Light-Board, und im Näherkommen wurde es weder schöner, noch erschloss sich der Sinn. Auf einem Pfosten angebracht, hängt da jetzt so eine Art Stück aus einer Riesenwalze, mit ovalem Querschnitt- ich kanns gar nicht beschreiben, mir fehlen die Worte, weshalb hier eine Zeichnung folgt.
Fotos wollte ich doch nicht machen. Selbst ich hab meine Grenzen.
Es stellte sich, in der sich anspinnenden Diskussion, heraus, dass es sich um die neuen Zigarettenspender? -automaten? -maschinen? -dings? handelt.
Diese Walzen sehen tonnenschwer aus, und die Körperhaltung der darunter befindlichen Kassiererin konnte man nur als verkrampft bezeichnen. Nicht, dass sie tatsächlich in Kontakt mit dem Ding gekommen wäre, aber es fehlte nur eine Handbreit, und sie gehört eher nicht zur hochgewachsenen Sorte Mensch.
Außerdem legte sie ständig den Kopf schief. Das lässt schlimmes in Bezug auf den Krankenstand befürchten. Derzeit hat man in dieser Filiale diese per Rollade verschlossene Zigaretten-Aufbewahrung (ich wusste, ich würde den Ikeakatalog-Autoren noch mal dankbar sein), die parallel zu den Kassenbändern verläuft. Da drückt das Kassenpersonal auf ein Knöpfchen, und, Elektriktrick, die Rollade senkt sich, der Kunde, je nach Größe, wirft sich übers Kassenband und angelt nach den Kippen.
Zukünftig ist es so, dass die Kassierer aufstehen und über ihren Köpfen nach den Dingern suchen müssen. Das könnte man noch entfernt unter Förderung der Gesundheit packen, weil dann ja zwischendurch mal etwas Bewegung angesagt ist. Aber da ich am Mittwoch auch einige Mineralwasserflaschen zurück gebracht habe, konnte man live und vor Ort dann feststellen, dass diese in Zukunft um den Dings-Walzen-Befestigungs-Pfosten herum in die bereitstehenden Kisten geworfen werden müssen. Das erfordert, dank der rätselhafterweise notwendigen Trennung der Flaschen in a) Plus-eigene und b) fremdgekauften Flaschen eine Art Jazztanz. Oder Skigymnastik, jedenfalls ein stetes Schwenken von rechts nach links, ein Ausholen und um-den-Pfosten-Herumwerfen, das mit Sicherheit zu Fehlwürfen führen wird und ein bisschen lächerlich aussieht.
Eins war jedoch bemerkenswert: Kaum war das Ding (ich werd es Verhängnis nennen, glaube ich) dort installiert, schon haben alle miteinander geredet. Wen stört da schon ein steifer Nacken mehr oder weniger? Vor allem, wenn es nicht der eigene ist?
In diesem Sinne, schönen Samstag zusammen,
Lily
Freitag, 10. Juli 2009
Schläft ein Lied in allen Dingen
Wenn ich Geld habe, kaufe ich mir einen Porsche.
Wenn ich schlank bin, gehe ich raus und habe Spaß.
Wenn ich einmal in Rente bin, geht das Leben richtig los.
Und bis dahin?
Sparen. Hungern. Arbeiten. Und alles das im Hinblick auf ein fernes, wünschenswert erscheinendes Ziel.
Das kommt mir so vor, als träte man die Gegenwart mit Füßen, um nur ja schnell in die Zukunft zu kommen.
Ich glaube, dass die Gegenwart das einzige Leben ist, das wir haben.
Für die verhasteten Tage, die verpassten Sonnenuntergänge, die wütend, ärgerlich und verbissen verbrachten Stunden wird es niemals einen Ersatz geben, denn wenn sie vergangen sind, kommen sie nicht zurück.
Wir sollten gut darauf achten, was wir mit unserer Gegenwart anstellen.
Carpe diem? Ja, sowas in der Art.
Stets die Eure,
Lily
Montag, 6. Juli 2009
Nach Hause
Manchmal will ich einfach nur nach Hause zurück.
Das hat nichts mit der Realität zu tun, die mich dort erwarten würde. Der Rollentausch ist dabei, sich zu vollziehen, und immer mehr Dinge passieren, bei denen meine Eltern meiner Unterstützung bedürfen, und die bekommen sie auch, sofern ich das kann.
Mit den zunehmenden Bereichen, in denen sich die Gewichte verschieben und vor allem Kompetenz abgegeben wird, kommt die Anerkennung, auf die ich lange gewartet habe.
Sie kommt nicht für die Sachen, die ich als meine Stärken und meine Individualität betrachte, sondern für das, was eine brave, gute Tochter ausmacht.
Das ist aber auch kein Wunder...
Meine Eltern wissen nichts von dem, was mich bewegt, was mir Sorgen macht oder Freude, sie wissen nichts von diesem Blog und nichts von den Menschen, die ich hierdurch kennen gelernt habe.
Es gibt Menschen, die ich lieb habe, und die nicht mit mir verwandt sind- und sie kennen keinen einzigen davon, sie wissen nicht mal von deren Existenz.
Sie wissen, dass ich einen sicheren Arbeitsplatz habe, dass ich Auto fahren kann und in der Regel wieder nach Hause finde. Sie kennen meine Adresse und meine Telefonnummern.
Meine Eltern habe ich nie in meine Ehe- und Beziehungsprobleme eingeweiht, jede Trennung, die -bei den Schwiegersöhnen- ja auch irgendwo sie betraf, hat sie überrascht und verletzt. Daran haben sie nie einen Zweifel gelassen.
Sie haben nie gefragt, wie es mir dabei ergangen ist.
Dafür holen sie sich heute bei mir Ratschläge, wie sie den jeweils anderen vielleicht noch bis zur goldenen Hochzeit ertragen können.
Wenn ich dann mal wieder an dem Punkt bin, dass mir das Erwachsensein gehörig auf die Nerven fällt, dass ich keinen Bock mehr darauf habe, für jeden Scheiß ad infinitum allein verantwortlich zu sein, dann will ich erstens auf den Arm, und zweitens nach Hause. Zurück in die legendenhaften Jahre, in denen man rundum versorgt und betreut wurde.
Leider fehlt mir etwas. Nämlich die Zeit von (ungefähr) meinem sechsten Geburtstag bis ca. zum sechzehnten. An Schule, an Kindergarten kann ich mich erinnern- an zu Hause nicht.
Ich wüsste also nicht mal genau, worauf ich mich einließe.
Mein Elternhaus ist für mich eher eine Neuentdeckung. Die Personen, die heute da leben, haben vermutlich nicht allzuviel mit denen gemein, die es früher bewohnt haben. Außer den Namen.
Lily
die sich für alle Beteiligten ein besseres Gedächtnis wünscht.
Sonntag, 5. Juli 2009
Mah bestest friends
Jetzt, wo mir Elfriede, die Spülmaschine, den Rücken freihält, weil sie nicht nur spült, sondern auch als Aufbewahrungsbox für Schmutzgeschirr dient, hab ich natürlich viiiel mehr Zeit zum Bloggen. Richtig? Richtig.
Den entscheidenden Anteil am Zeitgewinn hat nicht so sehr das Spülen an sich, sondern tatsächlich das Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn, das damit einhergeht, dass das Geschirr und so weiter nicht mehr sichtbar ist. Wie oft hab ich sonst abends im Wohnzimmer oder an meinem Rechner gesessen, hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, sitzen zu bleiben und dem -naja, Drang kann man es nicht nennen- der Verpflichtung, eine brave kleine Hausfrau zu sein, und Mount Washmore in Angriff zu nehmen...
Brainpower (Welche Ausrede kann ich mir selbst noch glauben?) und Abwägung von Interessen (Wenn ich noch bis morgen warte, ruft dann wer das Gesundheitsamt?) haben da gewaltige Mengen innerpsychischer Energie verbrannt, die dann dringend mit Schokolade aufgefüllt werden musste.
Und ganz egal, was erzählt wird: Diese inneren Konflikte zwischen Schweinehund und braver kleiner Hausfrau verbrennen keine Kalorien. Nein, sie verbünden sich mit dem Sitzenbleiben und der Schokolade, und sorgen dafür, dass beides besonders ansetzt. Und da angefressene Kalorien immer nach unten sinken, und man auf meiner Couch ganz besonders tief sitzt, macht beides einen dicken Hintern.
Insgesamt bin ich aber ganz glücklich, dass ich nicht eine von den bemitleidenswerten Kreaturen bin, die Spannungszustände mit dem Kauf neuer Schuhe bekämpfen müssen. Dann hätte ich wirklich ein Problem, denn neben meinen Tausenden von Büchern hätten mehr Schuhe keinen Platz.
Elfriede ist also meine neue Freundin. Schmal und zierliche 45 cm breit ist sie genau richtig für den Eine-Person-vier-Katzen-Haushalt.
Direkt neben ihr steht Klothilde, die mir ein eher kühles Gefühl entgegenbringt. Sie ist auch diejenige, die sich sofort beschwert, wenn ich ihr die Energie entziehe, in dem ich den Stecker aus der Steckdose rupfe. Das ist zwar nervig, aber insgesamt fair, weil sie sofort und konsequent warnt, wenn unser Verhältnis sich abkühlt, weil sie sich aufwärmt. Für das Terror-Piepen entschädige ich mich, in dem ich mich an ihre Seite stelle und mich beglückwünsche, dass ich noch nicht so vierschrötig bin wie mein Gefrierschrank.
(Nebenbei- gibt’s auch dreischrötig?)
Frau braucht immer eine Freundin, die ein kleines bisschen dicker ist als sie selbst. Stimmt’s?
Einen schönen Sonntag an euch alle, und passt auf eure Freunde auf.
Lily
Samstag, 4. Juli 2009
Einzug
Tja. Meine Adresse ist nun seit beinahe drei Jahren unverändert, was chez Lily schon als "länger" gelten kann. Das kürzeste Intermezzo hat die Wohnung direkt nach der Trennung von meinem Exmann gesehen, das waren knapp zwei Jahre. Eigentlich bin ich nicht nomadisch veranlagt, allein schon, weil ein Umzug so fiese Kollateralschäden mit sich bringen kann (und wird, wenn man Lily heißt). Außerdem ist sowas immer teurer als veranschlagt, es helfen immer weniger Leute, als zugesagt haben und man braucht immer mehr Kisten, als man für menschenmöglich halten würde. Problematisch sind immer die Räume mit kleinteiligem Inhalt (Küchen...) und die in großer Stückzahl anfallenden Schüttgüter, wie Bücher zum Beispiel. Da ich eine große und mir sehr liebe Familie habe, die zur Gänze handwerklich geschickt, erheblich organisierter als ich und durch Babysitting und Ohren-Leihen bestechbar ist, müssen die armen Schweine immer ran, wenn hier mal wieder ein Umzug ansteht.
Die letzte Wohnung, die vor dieser hier, wollte ich aber eigentlich nie wieder verlassen, weil sie unpraktisch, schlecht zu heizen und schwer zu pflegen war, aber dafür schön.
Aber dann wurde sie erst teuer und dann abgerissen. Sehr dumm.
Nachdem ich mir eine billige, schöne, leider im Souterrain liegende neue Wohnung gesucht hatte [burgähnliche Wände, die obligatorisch reizvolle, aber skurrile (und vermutlich unpraktische) Aufteilung, Schießschartenfenster] um mein weiteres Leben darin zu verbringen, sorgte eine Großbaustelle im Verein mit dem hierorten eher wasserhaltigen Untergrund für ein sehr dummes Gesicht der Vermieter bei der Schlüsselübergabe.
Hatte doch ein Starkregen in krimineller Zusammenarbeit mit ein paar unzureichenden Baugrubenpumpen dafür gesorgt, dass die Wohnung leider knietief unter Wasser stand. Zum Glück vor dem Einzug...
Das allein war schon doof, noch dööfer (das ist ein Wort, ganz bestimmt!) war, dass die alte Wohnung sich in einem ordnungsgemäß gekündigten Zustand befand.
Den Laren und Penaten (so eine Art alte, römische Hausratversicherung, für die, die die Jungs nicht kennen) sei Dank dafür, dass ich mir einen Vermieter mit mehr als einer Wohnung ausgesucht hatte.
Hurra, und nochmal hurra- denn das hat sich, alles in allem, als eher segensreich erwiesen. Zwar war die Ausweichwohnung teurer, aber auch größer, erheblich neuer und komfortabler. Die Fenster in der Küche allein haben mehr Fläche als die in der ganzen anderen Wohnung zusammen gehabt hätten.
Meine handwerklichen Fähigkeiten wurden auch gefordert, und ich lernte, Laminat zu verlegen. Dafür hab ich mir eine schöne Stichsäge gekauft, eine Werkbank, und, quasi in Tateinheit, mir zusätzlich die erste massive Krise in der damals aktuellen Beziehung eingehandelt.
Nichts lässt die Charaktere der Menschen mehr hervortreten als die Aussicht auf Dübeln, Anstreichen und größere Mengen zu verlegenden Fußbodens.
In den Monaten vor dem Umzug hatte sich bereits meine Spülmaschine dankend verabschiedet, die nie ein Beispiel für zuverlässige, frauenwunscherfüllende deutsche Wertarbeit gewesen war, und sich nunmehr, wie viele andere Dinge, bei dem Riesenberg an Sperrmüll befand, der zwei, drei Tage nach meinem Auszug vor dem alten Wohnhaus stand.
Diese Aktion muss noch kurz um die Schilderung eines brillanten Stücks Arbeitsvermeidung bereichert werden: Als der Ausräum- und auf-die-Straße-schlepp-Trupp sich in meinem Keller einfand, stand da nicht nur das Gerümpel, welches ich in den sechs Jahren dort angesammelt hatte (nicht so sehr viel, war ein gruseliger Keller)- nein. Die Nachbarn von oben, die mit den sechs Kindern, hatten ihren Müll (eine halbe Wohnungseinrichtung) einfach mal dazu gestellt.
Ein freundliches Angebot kostenlos zu erlangender Fitness... Aber auch ich war nicht blöd, und ihr Keller nicht abgeschlossen.
Fairerweise haben wir meinen Schrott tatsächlich an die Straße gestellt. Und danach meine Kellertür mit einem neuen Schloss gesichert.
So, und jetzt hab ich euch genug gelangweilt, um zum Kern der Sache zu kommen: Letzte Woche hab ich eine neue Spülmaschine erworben. Naja, neu ist nicht ganz richtig, der Elektroriese Eb*y hatte eine günstige und eher bejahrte Maschine für mich.
Der beste Sohn von allen hat mich begleitet (dem Klapsenschaffner sei Dank, der mich so lang getreten hat, bis ich nicht mehr davon fantasiert habe, die Maschine alleine nach Haus zu bringen), und es hat sich gezeigt, dass es sich allein schon lohnt, Kinder gut zu ernähren, damit sie einem im Alter die Spülmaschinen aus dem zweiten Stock eines engen Altbaus schleppen. Es waren auch nur 40 Grad im Schatten, den es nicht gab, und nur ungefähr 80 % relative Luftfeuchte, was derzeit als kühl und trocken gelten kann.
Am Mittwoch nun hab ich versucht, die Maschine anzuschließen. Da kenn ich gar nichts und keine Verwandten, was muss, das muss.
Leider hab ich sowas noch nie gemacht. Leider steht meine gesamte Restküche auf Stücken alter Arbeitsplatte, da ich ein bisschen zu groß bin, um eine Standardküchenhöhe bequem zu finden. Das letzte Stück Arbeitsplatte hat jedoch schon vor Monaten einen Platz auf der Müllhalde gefunden.
Außerdem hab ich keine Zähne, und es ist heiß.
Und überhaupt.
Das mit dem Wasserzulauf hab ich hingekriegt. Das mit dem Ablauf hat mir Probleme gemacht- denn da ist zwar ein weiterer Anschlussdings am Siphon, aber irgendwie kam es mir komisch vor, den Ablaufschlauch einfach nur da hineinzustecken... musste aber richtig sein, weil anders gings einfach nicht (war nicht richtig. Das hat mir der Kaffeerest gezeigt, den ich wenig später in die Spüle gekippt habe).
Trotzdem lief das Ding leider nicht. Die Maschine pumpte und pumpte und wollte dann Wasser ziehen- aber da kam nix.
Zusätzlich war es heiß. So heiß, dass mir mehrmals die Brille einfach von der Nase gerutscht ist, salziger Schweiß mir in die Augen lief und ich nach zwei Versuchen nicht mehr wusste, in welche Richtung man Überwurfmuttern auf Wasseranschlüsse aufschraubt.
Und hab ich schon erwähnt, dass ich keine Geduld habe? Und ohne Brille blind bin wie ein Maulwurf? Und ungeduldig bin? Plus reizbar durch Hitze?
Und Zähne hab ich auch nicht.
Also musste wieder mein Kind ran.
Zum Glück hab ich nicht soviel Kohle, dass er studieren kann nach Herzenslust, nein, er muss nebenbei arbeiten, und da hat er so einiges gelernt.
Jedenfalls war klar, irgendwas mit dem Aquastopp-Dings war nicht in Ordnung, und eine Anfrage beim Kundendienst für Leute, die alles selbst machen (aka. Google) ergab eine mögliche Fehlerquelle.
Kleiner Bruder Nummer eins hatte noch ein Stück Arbeitsplatte, und ein paar Plastikteile für die Anbringung des Ablaufschlauchs.
Gestern dann war es soweit.
Gutes Werkzeug ist alles.
Willige Helfer auch.
Und nur anderthalb Stunden später steht sie da, meine neue alte Spülmaschine.
Und sie funktioniert.
Der langen Rede eher kurzer Sinn: Zum endgültigen Einzug hier fehlt nicht mehr viel. Und das schon nach drei Jahren!
Einen schönen Samstag wünscht euch
Lily
Donnerstag, 2. Juli 2009
How big hath this groweth...
before it came to death:
In der Ecke sieht man noch ein Stück von meinem Retter.
Er sei hoch gepriesen.
Ich möchte nur wissen,wie das Vieh reingekommen ist, wo hier doch alles geschlossen ist wie die Knie einer Nonne.
Das gibt wieder google-hits.
Lily
Mittwoch, 1. Juli 2009
In Dublin’s fair city...
Bei Laurie konnte ich heut morgen mein (eher schwach ausgeprägtes) Fernweh ein bisschen spazieren führen, denn sie war in Dublin.
Insgesamt bin ich nicht weit herum gekommen, abgesehen von Irland vor 10 Jahren war da Spanien im Jahr 2000 (Andalusien), Frankreich (zweimal, einmal davon seulement Paris), und der obligatorische ein oder andere Trip nach Holland, was in dieser Gegend hier eher nahe liegend ist. Ach ja, und ein eher erschreckendes, aber zum Glück kurzes Erlebnis in Tschechien war auch dabei, am Vorabend der Aufnahme dieses Landes in die EU.
Mein damaliger Lebensabschnittsbegleiter und ich hatten ein paar Tage in der Sächsischen Schweiz verbracht, und wollten vor der Heimreise noch kurz nach Tschechien hinein, billige Zigaretten kaufen und einfach mal schauen, wie es da so ist.
Nach dem Aufenthalt in Sebnitz (wunderschönes Hotel in wunderschöner Stadt, nebenbei) fuhren wir also über die Grenze gen -hier richtige Himmelsrichtung einfügen- und betraten eine Art Basar. Lauter Fertighäuschen und Containergebäude, voller Billigware und schriller Auslagen, und voller Menschen, die Riesenplastiktüten mit Zeugs in ihre Autos schleppten. Nicht sehr idyllisch (keine Ahnung, was ich erwartet hatte, aber das wohl eher nicht), also beschlossen wir, weiter zu fahren und genossen eine Weile die schöne Landschaft. Jede Menge Grünzeug, Wälder und so, und ich hatte mich grad entschieden, es sehr idyllisch zu finden, als wir den Ort erreichten. Ich hab keine Ahnung, wie das Dörfchen hieß- aber der erste Eindruck war, dass die Leute dort in Konstruktionen aus Sperrmüll und Spucke lebten, das ganze garniert mit Schmutz. Nun ja. Westeuropäischen Städtebauimperialismus mal beiseite, die Sonne schien und der erste Hinweis auf Prag war bereits auf den Hinweisschildern erschienen, so dass wir nicht zögerten, uns den Weg um staubige Hühner, dreibeinige Hunde und die schmutzigsten Kinder, die ich je in freier Wildbahn gesehen hatte, zu suchen und Onward! Upward! Immer vorwärts durch den Ort schlichen.
Wie so oft im Leben landeten wir - an einem Feldweg. Es schien nicht weiter zu gehen, also klar zur Wende in drei Zügen und zurück ging die Fahrt.
Kurze Zeit später erreichten wir dann auch erneut den Ortskern, und hatten gerade überlegt, einen der (für meine Augen) finsteren Gestalten, die an der ein oder anderen Hütte lehnten, nach dem Weg zu fragen (über die sprachliche Seite hab ich mir wohl keine Gedanken gemacht- merkwürdig).
Da öffnete sich ein Stück weiter eine Tür, und eine Frau schoss heraus, sichtlich jung (unter zwanzig), nicht unbedingt für einen öffentlichen Auftritt gekleidet, und höchst schwanger.
Und dann kam das 1000-Meter-Pantoffelrennen in der Hausfrauenklasse, als nämlich das Mädchen Fahrt aufnahm (in unsere Richtung), und ganz entschieden Tempo gewann- immer verfolgt vom Gatten (bzw. einem Mann, älter, in ungeklärter verwandtschaftlicher Beziehung zu ihr), der ihr mit einem Besenstiel in der Hand und wilde Verwünschungen ausstoßend folgte.
Völlig ungerührt beobachtet von den Männern, die da an allerlei Gehütte herum standen.
(Zu deren Ehrenrettung muss man sagen, dass sie sie auch nicht eingefangen haben.)
Hühner, Hunde und Kinder machten Platz, wenn auch eher gelangweilt.
Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht eingegriffen habe. Statt dessen hab ich nur gezischt: „Gib Gas- und wenn du hier anhältst, sprech ich nie wieder ein Wort mit dir. Nie wieder, hörst du?!“ Der letzte Satz ging schon im Aufheulen des Motors unter. Wenn er will, und der Fahrer will, kann so ein Zafira ganz schön aus den Hufen kommen.
Danach sind wir dann, in stillschweigendem Einverständnis, über die Grenze zurück nach Deutschland und Richtung Heimat gefahren.
Nach Prag möchte ich aber trotzdem irgendwann.
Und Dublin? Das wird eine andere Geschichte.
Dienstag, 30. Juni 2009
Zehn Gründe, warum mir schon vor dem Mittagessen das Gehirn zischend aus den Ohren kocht.
Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben.
Obwohl…
-Bei ungefähr 30° Celsius im nicht vorhandenen Schatten meines Schlafzimmers und bei tropischen Luftfeuchtigkeiten beschissen geschlafen, um dann gegen fünf tief und fest einzupennen. Hirn hat so ungefähr 39°, wegen der Hitze. Man könnte das auch als Kessel-Vorlauftemperatur bezeichnen.
-Aufschrecken gegen sieben, weil der Wecker nicht geklingelt hat. Es ist eine Stunde später, als ich gewöhnlich aufstehe. Die Innenhirnwärme steigt auf 44,8°
-Der Wecker klingelt tatsächlich nicht. 52°.
-Kopfschmerzen schon beim Aufstehen, wahrscheinlich wegen des Ventilators, der die heiße und feuchte Luft ein bisschen umherwirbelt. 55°.
-Die erste Sache, die mir auf den Schreibtisch kommt, ist irgendwie merkwürdig und riecht nach Beschiss. Kann das an nichts Konkretem festmachen, aber es gefällt mir einfach nicht. 60°.
-25 Jahre beim selben Arbeitgeber, und nicht in der Lage, mittels vier oder fünf Anrufen herauszufinden, wer Nachfüllpakete für die Büro-Verbandskästen besorgt. Offenbar zu blöd, die organisatorischen Feinheiten einer mittelgroßen Behörde nachzuvollziehen. 70°.
-Die Klospülung in meiner Lieblingstoilettenkabine hat offenbar beschlossen, ein erfrischendes Gegenelement zu dem drückenden Wetter ins Spiel zu bringen. Der Druckspüler spült nicht, wenn man auf den Knopf drückt: Er sprüht. Zum Glück sauberes Wasser. Nass bin ich trotzdem. 65°
-Meine Kundschaft macht mich drauf aufmerksam, dass ich folgende Berechnung angestellt habe: 250 x 8 = 3.500,- Wieso merkt das sonst keiner, und vor allem, warum hab ich das nicht selbst festgestellt? Hä? 77°
-Gerade als ich beschließe, kurz für eine Raucherpause zu verschwinden, taucht Bürgerbesuch auf. Papa, Opa, Oma und drei Enkel, alle haben die Hygiene nicht erfunden, es sind zu viele Leute und in meinem Büro sind 27 °. Bürgers hatten gestern was mit Knoblauch, und auch mit Heringen, wenn man den eigenen Wahrnehmungen glauben darf. Der Wunsch nach einer Zigarette bleibt unerfüllt, dafür erfährt man Dinge, die man über Wildfremde niemals wissen wollte, und die akustische Untermalung des Bürgerbesuchs erreicht Dezibel-Werte, die sonst für die Westfalenhalle I reserviert sind. Diese Kinder sind so richtig scheiße drauf.
98°.
-Mir zerreißts das letzte Blättchen.
104°
Wenn mich einer sucht: Ich bin die mit der geliehenen Zigarette, die Frau da, der die Dampfwolken aus den Ohren kommen.
Samstag, 27. Juni 2009
Chez Lily
Sie nimmt noch angeregt an ihrer Umwelt teil- und scheint immerfort zu urteilen. Vorzugsweise über mich.
Auch er, stets ernst und vorwurfsvoll. Wahrscheinlich nur, weil ich ihn nicht auf meinem Schoß Platz nehmen lasse, und weil ich was dagegen habe, dass er mit meiner Kamera spielt. Die scheint es ihm angetan zu haben, denn die hat eine Handschlaufe, mit der ich ihn nicht spielen lasse.
Fast, als hätte man zwei mormonische Missionare zu Besuch.
Ein typischer Schreibtischtag hier im Hause der Lily P.
Die Zeichen an der Wand...
Irgendwann kommt der kleine Mann auf dem kleinen Surfboard dazu. Solang surf ich nur im Netz.
Einen schönen Samstag noch,
Lily
Fünfundzwanzigster Juni
Lachende Gesichter, strahlende Augen, feine Schweißperlen auf der Stirn. Sonnenbraune Arme, zerzauste Haare, verschwitzte T-Shirts, staubige Zehen in bunten Sandalen. Rückenmuskeln unter dünner Baumwolle.
Sommer kann ganz schön besoffen machen, ganz ohne Alkohol.
Freitag, 26. Juni 2009
So.
Der Wurzelrest ist endlich raus aus dem Kiefer, auch -gute Nachricht!!- auf der linken Seite können ein paar Zahn-Exemplare erstmal da bleiben, wo sie sind. Aber es scheint, als sei dieser Wurzelrest schon eine andere Sache als ein normaler, nicht kaputter Zahn, der weichen muss.
Herrje, das schmerzt vielleicht.
Sechs Stunden nach dem das Ding in den Müll gewandert ist, zwei sechshunderter Ibupr*fen und ein paar Coolpacks später- ist es noch sehr deutlich spürbar.
Alles in allem lief diese Entfernung erheblich besser als ich befürchtet habe, auch dank der Tatsache, dass die Frau Zahnärztin „jetzt mal das Elefantenzeugs“ genommen hat- die Sorte, mit der auch ein Dickhäuter sich locker den Stoßzahn rauszerren lässt, nachdem beim letzten Mal immer wieder Pausen zum Nachspritzen angesagt waren.
Es ging auch schnell. Nicht mal drei Minuten, schätze ich, die Abdruck-Anfertigungs-Aktion vorher hat länger gedauert.
Allerdings war das Geräusch beim Rausrupfen nicht von schlechten Eltern- leider hatte ich den mp3-Player zu Haus gelassen.
Die Erwähnung des Elefantenzeugs hat mich zum Lachen gebracht, zum ersten Mal in einer Zahnarztpraxis.
Was ich immer noch nicht weiß, ist, wieso diese zierliche kleine junge Frau es so locker schafft, etwas aus meinem Kiefer zu brechen, was da eingewachsen ist.
Und jetzt halt ich weiter meine Klappe und poste dieses inkohärente Geschreibsel.
Gehabt euch wohl,
Lily
die schon die Stunden zählt bis sie wieder „krraftvoll zubeißen“ kann.
Donnerstag, 25. Juni 2009
Keine Zähne, oder: Der Vorname des Rehs.
Wie man dem Titel entnehmen kann, ist ein Teil der mir weiland gewachsenen Beißer der Zange des Zahnarztes zum Opfer gefallen.
Keine Details, nur soviel: Ich habe es mir angenehmer gewünscht, habe aber Schlimmeres befürchtet. Es war auszuhalten…
Morgen nun kommt des Grauens zweiter Teil. Da hierbei ein Wurzelrest ausgegraben werden muss, wird mich das bestimmt noch weniger erheitern als die Vorstellung von Dienstag.
Leider rauschte die „Infiltrationsnarkose“ (ha!) durch meine Gesichtsnerven wie Wasser… will sagen, dass die Betäubung, kaum zu voller Wirkung gelangt, auch schon wieder nachließ. Das verdanke ich vermutlich der Tatsache, dass ich einen Herzschlag wie ein Kolibri und demzufolge auch einen adrenalinbefeuerten Stoffwechsel hatte. Ich bete zu allen Schutzheiligen abgebrochener Zähne, dass das morgen anders ist.
Der geneigte Leser fragt sich nun vielleicht, was das alles mit heimischen Waldtieren zu tun hat?
Momentan gibt’s hier den Vornamen des Rehs zum Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Ich fürchte, wenn ich dermaleinst im Besitze aller meiner neuen Beißerchen sein werde, werde ich eine ganze Weile keins mehr essen. Kein Kartoffelpürree.
Stets die Eure,
Lily
Die für das Daumendrücken dankt.
Dienstag, 23. Juni 2009
Oh, großes Google-Orakel...
Schenke uns deinen Beistand und deine Ratschläge, denn wir wissen nicht, was wir tun. Oder wie ist es sonst zu verstehen, dass die Leute mit Formulierungen googlen, die eindeutig davon auszugehen scheinen, dass da ein kleiner Kobold draußen in den zugigen Weiten des Internets sitzt, der hübsch und höflich angesprochen werden möchte? In ganzen Sätzen und so?
Löblich, dass diese Sätze noch beherrscht werden. Auch löblich, dass die Rechtschreibung der Suchenden von guter Kenntnis der Regeln zeugt. Trotzdem frage ich mich, warum die Leute mit den folgenden Suchbegriffen bei mir landen:
suche ding mit 2 kugeln und gummiband
Dann geh noch mal nach nebenan und überleg dir genau, wie das Ding richtig heißt. Und dann komm wieder und such weiter, aber gründlich.
ich bin jung und brauche ein schönes muster für meine wohnzimmerwand
Es freut mich, dass du dich dafür entscheidest, deine Umgebung zu verschönern. Normalerweise gehen die Sätze, die mit „Ich bin jung und brauche...“ anfangen, mit „...das Geld“ weiter. Und führen dann oft zu Filmen minderer Qualität. Die machen keine schönen Muster, weder an die Wohnzimmerwand noch sonst irgendwo hin.
nackte omas im kittel
Alp- oder Wunschtraum? Einerlei, auf jeden Fall seltsam.
headset auf krankenschein
Das ist erfreulich, weil preisgünstig. Man könnte auch vielleicht versuchen, ein Atomkraftwerk auf Krankenschein zu bekommen. Aber eigentlich meintest du „Auf Rezept“- oder? „Krankenschein“ ist so ein gelbes Wort... Ein Headset ist ab ca. 10 € erhältlich, was bereits dem Quartalseintrittspreis für die Arztpraxis eures Vertrauens entspricht. Insofern sollte man nur dann diese Art Wunsch an seinen Doc herantragen, wenn man bereits den vollen Gegenwert für die Gebühr kassiert hat. Wegen der maximalen Ersparnis... Zum Beispiel in Form einer Klinikpackung Valium, oder ähnlicher Geschenke der Pharma-Industrie. Das hilft auch gegen den Wunsch, sich mancherlei auf Kosten der Kassen verordnen zu lassen.
efeu selbstentzündung
Hm
ich trage den hüfthalter meiner mutter
...und ich dachte, ich hätte Probleme.
was ist blogorrhoe?
Fragen wir uns das nicht alle, irgendwann?
Montagsspaziergänge gibts hier auch :-)
Die Brücke, diesmal mit Licht. Obwohl ich nicht ganz überzeugt bin, dass das wirklich besser ist. Demnächst werde ich mal morgens dahin gehen, wenn die Brücke nicht im Schatten liegt. Und vielleicht sogar mit einer Eisenbahn drauf fotografiert werden mag.
Ruhrgebiet at it's best... Kate fand auch, dass dieser Blick entschieden Urlaubsstimmung erzeugt.
Und dieses Getreidefeld auch. Wir waren uns unsicher, was genau da wächst, aber sind, insgesamt, hochzufrieden, dass wir Stadtkinder wissen, dass es sich weder um Gemüse noch um Obst handelt.
Sieht jemand außer mir noch den Affen mit Zigarette?
Man beachte den Herrn Fischreiher, gern zu Gast an den Gewässern der Umgebung.
Das ist a) schon wieder der Herr Reiher, und b) ein Beispiel für die Begrenzungen des errechneten Zooms. Bei 16-facher Vergrößerung wirds wirklich körnig.
Was auf diesen Bildern fehlt, ist ein Beleg dafür, dass es sich mehr um ein Spazierensitzen handelte. Denn eure stets euch wohlgesonnene Lily hat es nach längerer Zeit mal wieder geschafft, ohne Traubenzucker aus dem Haus zu rennen, und stieß dann nach einer Stunde Spaziergang entschieden an ihre Unterzuckergrenzen. Die Folge waren, dass ich alle Bänke in einem gewissen Umkreis mit meinem Hintern beehrt habe, unschuldige junge Frauen um ein paar Salzstangen anschnorren musste und ein Teil des Abends an mir vorbei rauschte. Aber es ist noch mal alles gut gegangen. Danke auch an Kate, für die Geduld!
Haltet mir die Daumen. Heute ist d-day.
Sich gruselnd,
Lily
PS: D-Day für Dentist's day.
Freitag, 19. Juni 2009
Realität
Eine Familie hat fünf Kinder.
Die gibt sie in ein Heim.
Dann lassen sich die Eltern scheiden, heiraten wieder und bekommen in den neuen Ehen jeweils noch zwei Kinder.
Nach ein paar Jahren leben von den fünf Heimkindern vier in Pflegefamilien.
Wie hoch ist der Zählkindvorteil für das Kind, das noch im Heim ist?
Und wer kriegt was?
Und warum?
Das sind Fragen, aus deren Beantwortung mein Arbeitsalltag besteht.
Was die meisten Leute befremdet, ist, dass das tatsächlich interessant sein kann, wenn auch nicht immer wirklich spannend.
Ja, so pervers kann man sein-
und trotzdem stets die Eure.
Lily
Donnerstag, 18. Juni 2009
Gräßlich
Ich fühl mich gräßlich.
Wie ich schon mal nebenbei (ha, ha) erwähnt habe, habe ich einen Zahn verloren, dank einer durch den Diabetes enorm rapide vorwärts schreitenden Parodontose mit Befall des Kieferknochens und Schwund desselben.
Zu Deutsch: Der Scheißzahn ist einfach ausgefallen.
Die anderen wackeln ebenfalls, besonders der, der rechts neben dem ausgefallenen Zahn wohnt.
Dummerweise fühlen sich sowohl dieser als auch der an der linken Seite derzeit entschieden wie Fremdkörper an. Was mir die Ahnung beschert, dass ihres Verweilens in meinem Kiefer nicht mehr viel länger ist.
Der Kiefer schwindet also wie Schnee in der Sonne, was Implantate verbietet und demzufolge zu herausnehmbarem Komplettzahnersatz führen wird. Mit den ersten Arbeiten wird der Zahnarzt nächsten Dienstag anfangen.
Bis dahin laufe ich mit einem Mund voller wackliger Zähne herum, mit dem Risiko, wieder morgens wach zu werden und eine weitere Lücke mit der Zunge zu ertasten.
Das ist das eine.
Das andere ist, dass dieses mistige Fremdkörpergefühl dazu führt, dass ich mir vorkomme wie Hape Kerkeling als Horst Schlämmer: Mit Zähnen, die beinahe aus dem Mund fallen, groß und vorstehend und grottenhässlich.
Und wacklig.
Das allerschlimmste ist aber, dass der bereits fehlende Zahn der linke obere Schneidezahn ist. Was meinem Gesicht einen besonders prolligen Charme verleiht, und das, wo der Nebenzahn noch drin ist. Ich mag nicht drüber nachdenken, wie es aussehen wird, wenn der auch noch ausfällt.
Ich hab auch keine Ahnung, wie (und vor allem: Woran??) die Zahnärzte nach Entfernen der Seitenzähne ein Provisorium für die Lücke vorn befestigen wollen. (Siemens-Lufthaken, anyone?)
Denn einmal scharf Luft geholt, und so ein Provisorium reißt vermutlich die neben stehenden Zähne mit in den Tod.
An das Anfertigen von Abdrücken der wackligen Schar nicht sehr standhafter Zinnsoldaten mag ich gar nicht denken. Vermutlich verabschieden sie sich alle, wenn der ZA versucht, die Abdruckmasse zu entfernen.
Keine netten Aussichten, alles in allem.
Mal ganz am Rande sehne ich mich nach ein paar reellen Zischlauten, einem sauber ausgesprochenen F- und vor allem einem Biss in ein Brötchen.
Bedauert mich mal ein bisschen. Ich brauchs jetzt.
Stets die Eure,
Lily.
Mittwoch, 17. Juni 2009
Ärgernis des Tages
Irgendein dummes Weib, das zu fein ist, sich auf die Klobrille zu setzen, und lieber drüber kauert, wenn sie die Toilette benutzt.
Im Grunde ist nichts dagegen einzuwenden.
Es ärgert aber, und zwar gewaltig, wenn jede Menge daneben geht, die ganze Toilettenkabine ihren Segen abkriegt, und Madame vom Schwebenden Arsch sich zu fein ist, ihre Hinterlassenschaften zu beseitigen.
Ich wette, vom Händewaschen hat die auch noch nichts gehört.
Sich immer noch ekelnd,
Lily
Dienstag, 16. Juni 2009
„Das war mein Widerspruchsgeist,“ sagte die kleine Prinzessin.
„… und ich habe einen sehr starken Widerspruchsgeist“.
So oder so ähnlich erzählt es Michael Ende über die Prinzessin Li Si, die in seiner Jim-Knopf-Geschichte vorkommt.
Damit erklärt sie, warum sie weggelaufen ist und in der Folge von der Drachin Frau Malzahn (Mahlzahn?) geschnappt und in Kummerland gefangen gehalten wurde.
Wie alle Leute, die die Wilde 13 kennen, wissen, wäre auch Jim K. beinahe Opfer dieser finsteren, beschuppten Dame geworden, wenn die Piraten nur richtig schreiben gelernt hätten.
Li Si ist meine heimliche Heldin. Ich mag den Gedanken an ein dünnes kleines Mädchen, das sich nicht unterkriegen lässt und im Grunde hart ist wie Federstahl.
Denn bei allem Elend, das sie sieht und unter dem sie auch selbst leidet, trotz aller Schläge und des Angekettetseins an ihre steinerne Schulbank, lässt sie sich nicht beirren, weint nicht, hält durch, keeps smiling.
Im wirklichen Leben ist Widerspruchsgeist etwas Tückisches, wenn er das ist, was er bei Li Si war: Rebellion um des Rebellierens willen, und nicht der Sache zuliebe.
Denn so klug sie sich in der Gefangenschaft bei der Drachin verhält, so kindisch, dumm und trotzig war es von ihr, wegzulaufen und sich in Gefahr zu begeben. Dabei hat sie es doch so gut gehabt bei ihrem Vater, dem Kaiser von China. Und dann läuft sie weg, weil sie sich über ihre Gouvernante ein bisschen geärgert hat und weil sie trotzig sein WILL.
Ich glaube inzwischen, dass man ein vorgegebenes Maß an Rebellion in sich hat.
Eines, das raus will, und raus kommt. So oder so.
Und wenn man nicht an den richtigen Stellen protestiert und die Hebel ansetzt, dann bricht der Widerspruchsgeist sich seine Bahn. Egal, wie schädlich die Wirkung ist, egal, wie vernünftig es wäre, anders zu handeln, egal, was Intelligenz sonst von uns verlangt.
Dann gnade uns WerAuchImmer.
Sonntag, 14. Juni 2009
Pushing through the darkness, still another mile...
In reichlich trüber Stimmung hab ich heut einen Spaziergang unternommen- weniger um die Sonne zu genießen, die nicht teilnehmen wollte, sondern eher, um mir ein paar Dinge aus dem Kopf blasen zu lassen- wofür hat man schließlich Wind.Ich mag Brücken. Das ist eine, über die die Eisenbahn fährt, die man hier manchmal hören kann. Eisenbahnen mag ich auch.
Ein paar Dutzend Meter von meiner Wohnung entfernt wird es schon entschieden ländlich. Die Kamille wächst an einem Getreidefeld und hat es geschafft, dem Menschen bis dato zu entkommen.
Nach der Landwirtschaft kommt die Parklandschaft- diese Ecke ist eine seltsame Mischung aus Natur und Gartenarchitektur.... und bietet so einige dramatische und recht kitschige Anblicke. Leider schien die Sonne immer noch nicht.
Zeugs, das am Straßenrand wächst. Recht filigran, und nicht so leicht aufs Bild zu kommen, wenn die Kamera alles selbst machen will. Da ist sie recht bockig. Aber ich auch.
Irgendwer hielt es für eine gute Idee, die Bäume mal so runterzuschneiden, dass ihnen eine zweite Spitze gewachsen ist, an die der Rest der Bäume noch keinen rechten Anschluss gefunden hat.
Eine liebe Freundin meinte letztens auf meine Bemerkungen, dieses Geflügel sehe recht orientalisch aus, das seien vermutlich Peking-Enten. Vermutlich.
Man kann tatsächlich sehen, was aufs Bild kommen sollte: Die Wolken als Spiegelung und die Kreise, die sich auf dem Wasser gebildet haben, wenn einzelne Regentropfen von den Blättern der Uferbäume fielen. Es wundert mich- im Display war nichts zu erkennen davon.
Streng genommen gehört das Schloss zur Nachbarstadt. Aber inzwischen ist es schon irgendwie auch meins.
So siehts eher nach Schule aus...
...und von hier aus wie ein Spukschloss. Was aber wahrscheinlich am Licht liegt.
Sagte ich schon, dass ich Brücken mag?
Und dann schien die Sonne. Der Wind hatte für bessere Stimmung gesorgt, die blöd geschnittenen Bäume und die Enten für ein Grinsen, und das viele Wasser rings um das Schloss für Ruhe und Entspannung.
War eine gute Idee, mal rauszugehen, alles in allem.
Stets die Eure,
Lily
PS: Die Titelzeile ist aus Abba: I have a dream
Zustände
Es soll ja Tage geben, an denen man verliert. Auch solche, an denen die Anderen siegen. Dann die, an denen man nur Zweiter wird- kurzum, die Welt ist ungerecht.
Am Donnerstag ist mein Elektroherd den Weg aller irdischen Vergänglichkeit gegangen. Mein Zahnarzt hat mir noch keinen Kostenvoranschlag geschickt, meine Maus verlor kürzlich die Kontrolle über ihr Rad, aber nur in eine Richtung, wofür man dankbar sein kann. Nachts kann ich derzeit wählen zwischen Hitzewellen und frösteln- schlafen ist mit beiden Zuständen unvereinbar. Und da nutzt es auch nichts, wenn ich mir sage, dass das keine Hitzewellen sondern Energieschübe sind. Denn was soll ich morgens um zwei mit einem Energieschub? Derzeit läuft nachts der Ventilator, damit der Fröstel-Anteil den Schwitz-Anteil überwiegt, denn gegen das Frösteln kann man sich zudecken. Leider krieg ich davon Kopfschmerzen. Vom Ventilator, nicht vom Zudecken.
Alles das ist die Strafe dafür, dass ich mir die neue Kamera gekauft habe. Ehrlich, da bin ich mir sicher. Was wir draus lernen? Das Engagement des Einzelnen zur Belebung der Konjunktur ist nicht ausreichend mit dem Schicksal abgestimmt. Vielleicht ist das Schicksal aber auch nur eine neidische Ziege, die auch eine Kamera will.
Wie dem auch sei.
Das Katzenvolk hat derzeit einen neuen Lieblingsplatz: Vor meiner Nase, zwischen Tischkante und Tastatur. Oder auf der Tastatur, aber nur, wenn ich schreiben will. Brauche ich die versehrte Maus, liegt man gern mit dem Kinn auf der Maushand. Das ist kuschelig warm, was ich derzeit nicht mag (s.o.), und es strengt das Handgelenk an- aber seit neuestem ist Emily auch mit von der Partie. Sie, die niemals den Platz hinter mir auf dem Stuhl aufgeben wollte, hat entdeckt, dass mittels einer Kletterpartie vom Katzensessel über die Fensterbank, den Drucker, den externen DVD-Brenner und über die Tasten man wunderbar direkt vor mir liegen kann. Und sie ist alt und klapprig, was mir Gewissensbisse macht, wenn ich sie weg scheuche. Schließlich hab ich ihren Bruder einmal zu viel weggeschickt (den aufdringlichen Kampfschmuser)- und am nächsten Morgen lag er sterbend hinterm Fernseher. Solange ich mir aber keine zusätzlichen Gelenke in den Unterarm einbauen lassen kann, die das Schreiben um die Katze herum möglich machen, muss sie damit rechnen, nur begrenzt Streicheleinheiten abzukriegen und von Zeit zu Zeit vertrieben zu werden. So wie jetzt.
Mist, da kommt sie schon wieder angewackelt.
Und kaum geht meine Hand zur Maus, legt sie eilfertig eine Pfote drauf. Auf das Handgelenk. Gnade.
Irgendwie ist die Welt voller schlechter Neuigkeiten, derzeit. Da ist es schon fast von Vorteil, dass meine Therapeutin ihre Praxis verlegt, in eine Stadt, in der ich schon als Führerscheinanfänger Zustände bekommen habe- an einer bestimmten Kreuzung würg ich heute noch das Auto ab, in memoriam der Fahranfängerin von vor 28 Jahren, die das dort auch schon immer gemacht hat. In meiner Heimatstadt und sonst auch überall auf diesem Planeten kann ich im zweiten oder auch im dritten Gang anfahren, ohne dass mehr passiert als ein bisschen zögerliches Loszuckeln- aber an dieser Kreuzung? Brauch ich immer zwei Anläufe, selbst im ersten Gang.
Ich freu mich schon so drauf.
Was daran der erwähnte Vorteil ist? Man kann demnächst den Parkplatz des benachbarten Aldi-Markts nutzen. Da braucht man nicht mehr in der baustellenzerfressenen Innenstadt, die wir hier derzeit haben, ein winziges Parklückchen suchen und dafür teuer bezahlen. Das ist doch schon mal was. Und man kann anschließend noch einkaufen, ohne extra anhalten zu müssen.
Ansonsten verliere ich gerade wieder einen Zahn, was der Zahnarzt mit einem „Ich sag doch, Kieferknochenschwund!“ quittiert. Was aber weder der Kauleistung noch der optischen Wirkung meiner Zähne wirklich hilft.
Da ist Emily schon wieder. Beharrlich ist sie ja.
Erzählt mir mal was schönes, bitte.
zU/H <---- Das war Emily.
Stets die Eure, wenn auch heute nicht ganz bei sich,
Lily
Donnerstag, 11. Juni 2009
Voodoo
Ich bin eine lichtausschaltende, türenschließende, wasserabdrehende, spritsparende Besessene.
Wenn ich nicht das Licht ausschalte, die Türen schließe, das Wasser abdrehe, Sprit spare, dann wird mit Sicherheit irgendetwas ganz Furchtbares passieren.
Was auch immer.
Das hat eine lange Tradition.
Als Kind hat mir die große Schwester meiner besten Freundin erzählt, die kleinen Risse im Asfalt (sieht das scheiße aus!) kämen daher, dass darunter Vulkane brodelten und alles für einen Ausbruch vorbereiteten. Ganz besonders galt das für die kleinen Erhebungen, mit einem Loch ganz oben. Jahrelang bin ich im Zickzack zur Schule gelaufen.
Ich war der festen, durch keine Realität gedeckten Überzeugung, dass lange Zugreisen zwangsläufig zu Eisenbahnunglücken mit Gedächtnisverlust und Kindesvertauschung führen (danke auch, blödes Buch, das mir meine Oma geschenkt hat- es hieß „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ und enthielt genau diesen kruden Quatsch).
Was für ein Glück, dass wir nicht in den Urlaub fuhren, vor allem nicht mit der Bahn.
Auch glaubte ich an den Atticus (damals dachte ich noch, es schriebe sich Ettikuss- aber ich war jung und hatte Harper Lee noch nicht gelesen). Der A. war ein Wesen, das bei verschiedenen Gelegenheiten für harmlos im Garten einer Freundin herumspringende Kinder alldorten Spielzeug versteckte. Heute glaube ich, dass es der Vater jener Freundin war, dem es einfach Spaß machte, Kinder zu verwirren. Ich habe jedenfalls so ein merkwürdiges Stofftier bekommen, es lag unter dem Hochspannungsmast in dem Garten. So ein haariges Stofftier, ähnlich wie ein sitzender Yorkshire, in grün-weiß, mit einer Schlaufe auf dem Kopf und Wackelaugen. Er muss es irgendwo billig geschossen haben, und dann sich diese Geschichte mit dem Atticus ausgedacht haben, von der ich nicht mehr weiß, wie sie ging.
Naja, er war Künstler.
Aber vielleicht war das auch der Elektrosmog wegen des Hochspannungsmastes.
Wobei- kann der schon schädlich gewesen sein? Man hatte ihn ja noch nicht erfunden. Den Elektrosmog, nicht den Hochspannungsmast.
Was mich dazu bringt, zu bekennen, dass bizarre philosophische Fragestellungen mich auch schon als Kind bewegt haben.
Sind wir nur Wesen, die ein Atom in einem Molekül in einem Stuhl in Gottes Esszimmer bewohnen?
Und wenn ja, was passiert, wenn der Sperrmüll kommt?
Es geht doch nichts über eine Kindheit voller sinnloser Schrecken.
Hattet Ihr auch welche?
Stets die Eure,
Lily
PS: Die Vulkane waren nichts schlimmeres als Baumwurzeln, die sich ihren Weg durch den Straßenbelag bahnten. Asfalt mag ich nicht noch mal schreiben, das sieht zu gräßlich aus.
Montag, 8. Juni 2009
Momente von heute
-etwas Schreckliches über einen Menschen erfahren, den man bewundert. Und feststellen, wie hilflos man ist, wenn man weit weg ist und keine Möglichkeit hat, in irgendeiner Weise zu helfen. Nicht nur, weil man weit weg ist, sondern auch, weil man keine Ahnung hat, wie helfen. Sich beschissen fühlen.
-eine alte Freundschaft mit einer kurzen Fahrt und einer Stunde Zuhören wieder zum Leben erwecken. Feststellen, dass man gefehlt hat. Verwundert sein.
-ein kitschiges Lied aus der eigenen Vergangenheit hören (Poor Man’s Moody Blues, Barclay James Harvest). Es immer noch schön finden. Den eigenen Musikgeschmack lieber nicht näher untersuchen.
-beim Friseur von einer jungen Frau bedient zu werden, die sehr, sehr schön ist. Nicht auf diese gestylte Friseur-Art... sondern in einer Weise, dass man sie immer nur anschauen möchte. Leider geht das ohne Brille nicht so gut, und aufdringlich ist das auch.
-anschließend feststellen, dass die Kollegin der schönen jungen Frau einem eine Vorstadt-Metzgersgattinnen-Frisur geföhnt hat. Man hat ihr freie Hand gelassen- nur um festzustellen, dass sie einen offenbar für langweilig hält, und für alt genug, die Haare so tragen zu wollen. Grrmpf.
-da man selbst bemerkt hat, dass das nicht sehr schmeichelhafte Licht beim Friseur Falten zeigt, wo sie nicht hingehören (ich hab sie lieber in der Jacke als im Gesicht, danke schön!) anschließend ein kleines Vermögen beim Creme- und Kosmetik-Fachmarkt abliefern und dieses in einigen winzigen Döschen nach Haus tragen.
-der Katze dabei zu sehen, wie sie im hohen Bogen vom Gefrierschrank kotzt. Seufzen. Putzen. Sich sicher sein, dass die Anzahl der Katzen hier stetig abnehmen wird. In den nächsten Jahren.
-den ganzen Tag lang Rückenschmerzen haben, weil der Job als Wahlvorsteher auch beinhaltete, einen ca. 30 Kilo schweren Koffer mit Wahlunterlagen, Stimmzetteln und Kram mehrere Treppen hinauf und hinunter tragen zu müssen. Lange drüber nachdenken, welcher Arzt mich für den nächsten Einsatz krank schreiben soll.
-Frieren und erkältet sein, den ganzen Tag, und außerdem müde.
Außerdem: Stets die Eure sein.
Lily
Sonntag, 7. Juni 2009
Und heute?
Auch wenn Europa noch so weit weg zu sein scheint:
WÄHLEN GEHEN!!!
Schließlich wollt ihr doch die armen Schweine in den Wahlvorständen nicht vor Langeweile sterben lassen, oder?
Spaß beiseite.
Geht hin, entfaltet die Stimmzettel ohne zu verzweifeln (1,18 Meter lang! Yay!) und macht euer Kreuz. Los, los! Wenn man euch schon nach eurer Meinung fragt, dann äußert sie auch. Schließlich bezahlt ihr die Jungs und Mädels, da solltet ihr auch dran mitwirken, wer da für euch sitzt.
Und auch die Leute da machen Politik, die euch alle betrifft, Gurken und sowas mal außer Acht gelassen.
Auswüchse wüster Regelungswut kann nur bekämpfen, wer seine Stimme abgibt. Seine generelle politische Einstellung zu stärkerer Wirkung bringen kann nur, wer seine Stimme abgibt.
Natürlich ist Brüssel weit weg- aber mit einem Kreuz kann heute jeder es ein Stückchen näher holen.
Brüssel ist ne schöne Stadt, btw :-)
Einen wahrlich wahlreichen Sonntag wünscht euch
Lily.
Samstag, 6. Juni 2009
Immer dann, wenn.
Früher hab ich gelacht, wenn irgendwer einen Satz mit den obigen Worten anfing. Also wirklich. Alltagsvoodoo, oder was? Alberner Aberglaube. Banales Beschwören bösartiger Beschwernisse.
Aber bevor ich mich hier in Alliterationen verstricke und euch zeige, wie begnadet ich mit Sprache umgehen kann (das kommt später, freut euch schon mal), komme ich wieder auf diese Worte zurück:
Immer dann, wenn.
Man kann den Satz so weiter führen:
Immer dann, wenn ich gerade ein Loch in einem Socken gestopft habe, bohrt sich ein Zeh durch den Partnersocken.
Wobei Loch = Loch, Socken = x-beliebiger Sachverhalt, der der Verbesserung/ Reparatur/ Optimierung bedurfte, und Partnersocke= nächste Baustelle. Ach ja, und Zeh = Schicksal.
Sobald also irgendwo Licht am Horizont auftaucht, steht direkt daneben (aber so, dass man ihn im Gegenlicht nicht so recht erkennen kann) der Zeh des Schicksals auf.
(Wieder ein Anlass, meine Sprachgewalt zu bewundern: Der Zeh des Schicksals erhebt sich dräuend über der Zukunft. Yay!)
Habe ich gerade eine Tasse meines %&**#!-teuren Geschirrs nachgekauft, schmeißt das Gekatze bei einer wilden Verfolgungsjagd über Tisch & Bänke die dazugehörige Teekanne vom Stövchen und entleibt sie.
Findet meine Finanzberaterin in meinen Daten noch ein bis dato nicht vermisstes Sparbuch mit einem kleinen Guthaben (= für mich: Vermögen) und ich erfreue mich an einer neuen Kamera (zu einem Bruchteil des Betrages, der auf dem Sparbuch ist) erhebt sich die alte Tante TÜV aus ihrem zweijährigen Dämmerschlaf und fordert, dass man sie samt dem Onkel ASU doch bitte, bitte zum Kaffee einlade und ihr allerlei Präsente bereite.
(Gut- TÜV und ASU sind wie Weihnachten: Stehen immer plötzlich und überraschend vor der Tür. D.h. man weiß, die kommen irgendwann. Aber das ist noch sooo lang hin...)
Ist durch allerlei Jonglage mit den weiteren Daten der finanziellen Dauermisere hier chez Lily ein wenig Luft geschaffen...
... fällt mir ein Zahn aus. Die Abhandlung über Zahnarztangst erspare ich euch hier. Nur soviel: Die anstehenden Arbeiten werden so lange dauern wie die Erstellung eines Kilometers Autobahn inklusive Planfeststellungsverfahren.. Und sie werden annähernd soviel kosten.
Bis dahin laufe ich herum wie die letzte Prolltussi. Und morgen sind Wahlen, vielen Dank auch- was für viele Mitarbeiter im öffentlichen Dienst eine unerfreuliche Beschäftigung an einem Sonntag bedeutet, wird morgen für mich nicht nur nervig, sondern peinlich.
Und da soll man nicht an böses Karma glauben?
Ich möchte gern wissen, mit welchen Zückerchen mich das Schicksal jetzt bitte zu entschädigen gedenkt. Sofern man das von einem Zeh überhaupt erwarten kann.
Ach ja: Das Auto hat den TÜV überstanden. Vermutlich wars das schon an Belohnungen.
Stets die Eure, momentan lispelnd,
Lily
(PS: Ich kenne den Zusammenhang zwischen Prophylaxe und Kostenersparnis bezogen auf Zähne. Es besteht also kein Grund, mich darauf hinzuweisen.)
Donnerstag, 4. Juni 2009
Und dann war da noch der Tag,
als ich in einer Umkleidekabine um ein Haar gestorben wäre vor Scham. Diese hatte "Saloon"-Türen, und ich, mit einem Arm voller Kleidung, teilte diese Türen wie Moses das Meer... nur um festzustellen, dass ich leider, leider nicht in der Lage war, an meinem dicken Hintern und dem breiten Kreuz vorbei die Türen wieder zu schließen, weil einfach kein Platz in der Kabine war.
Rot anlaufen und beschämt rückwärts ausparken war das eine. Von der Verkäuferin zu hören, dass diese Türen nach außen aufzumachen sind, weil sonst niemand sie schließen kann, wenn er drin steht, war was vollkommen anderes...
Aber das hier ist übel- sich einen Muskel zerren, während man in einen Badeanzug einsteigt. Noch besser sind allerdings die Kommentare. Vor allem der von der Frau, deren Vater sich beim Benutzen eines Wattestäbchens den Fuß gebrochen hat.
Wünscht mir Glück, heut ist ein spannender Tag- vielleicht berichte ich sogar darüber ;)
Lily
Dienstag, 2. Juni 2009
tadaaaa....
der versprochene Katzencontent :-)Die neue Chillout-Lounge
Manches fällt aus dem Rahmen.
Oder erfordert genauere Untersuchungen (Eddie, die Diva)
Das Problem ist: Er weiß genau, dass ich ihm nicht ernsthaft böse sein kann (Karlchen)
Reden wir über Narzissmus...
Das ist Eddies Bruder Paul, man siehts am dicken Hintern.
Und die Herrscherin über uns alle: Emily.
In diesem Sinne: Gute Nacht :-)
Lily
Himmelherrgottsakramentsgelichter. Pack. Proleten.
Nur, um wirklich bösartiges Fluchen zu vermeiden steht das da.
Bösartig, weil ich so manche Eltern nicht verstehe, nicht verstehen will und sie mit den Köpfen aneinander schlagen möchte, bis sie lachen oder der Arzt kommt- was immer zuerst eintritt.
Gemeint sind Menschen der Gattung Ferneltern. Was sie betreiben, heißt RemoteParenting auf Neudeutsch.
Die Sorte Leute, die ihre Kinder immer nur dirigiert, und das a) bevorzugt aus halbliegender Position mit b) einem Glas Bier in der Hand (auch eine Bratwurst ist denkbar, für die Nichttrinker), und c) mit einer Stimme, die mehrere Dutzend Meter locker zu überbrücken vermag. Die Winter- oder Indoor-Variante hat keinen Liegestuhl, sondern eine Esszimmer-Garnitur mit magnetischen Stühlen, und was den einen die Bratwurst mit Bier ist den anderen die Schwarzwälder Kirschtorte und der Kaffee.
Leider ist diese Sorte Eltern auch mit der Art Kinder bedacht, die sich einen feuchten Kehricht aus der Brüllerei ihrer Erzeuger machen, und die genau wissen, wie weit sie gehen können, bis die Eltern ihre Lethargie zugunsten eines erziehenden Eingriffs aufgeben.
Die Kinder sind eigentlich zu bedauern, mit denen spielt in der Regel keiner, denn dazu müsste man den Arsch aus dem Liegestuhl kriegen (oder aus dem Fernsehsessel, dem Stuhl am Computertisch etc., etc.). Abgesehen vom Spielen ist auch sonstiges Kümmern nicht gewährleistet, selbst wenn es Verletzungen gibt, wird abgewiegelt, es kommt Dummspruch auf Dummspruch („Das sollen die unter sich ausmachen“ —wenn ein Neunjähriger grad einen zweijährigen Bruder verkloppt. Selbst gehört.)
Also, arme Kinder.
Das Bedauern hört bei mir auf, wenn die Kinder zu einer Plage werden.
Sie werden nämlich tatsächlich lernen, sich möglichst unmöglich zu machen, damit irgendeiner ihrer stinkefaulen Elternteile ihnen wenigstens ein klitzekleines bisschen Beachtung schenkt.
Meist erkennt man die hartgesottensten Vertreter der Remote-Parenting-Brüderschaft an ihren haarsträubenden Drohungen in Richtung Sprößlinge.
Das hat die Folge, dass man selbst mit der Aufzeigung von Konsequenzen für das gerade geübte Verhalten („Wenn du weiter an dem Ast sägst, wirst du, samt Ast, drei Meter in die Tiefe stürzen. Dein Kopf wird auf diesen Stein da aufprallen, und platzen wie eine reife Melone. Möchtest du das wirklich?“) nicht durchdringt, weil die lieben Kleinen es einem einfach nicht glauben wollen.
Schließlich hat man ihnen bereits mit vielen Dingen gedroht, und woher sollen sie wissen, dass die Schwerkraft sich nicht zu schade ist, mal korrigierend in ihr Verhalten einzugreifen?
Oft sind bereits andere Verwandte, Freunde und Bekannte unfreiwillig in die Erzieher-Rolle geschlüpft, weil die ganz hartgesottenen Remote-Parenting-Vertreter ihre Kinder auch nicht vor der Beschädigung fremder Nerven und fremden Eigentums bewahren.
Dann rennt man wie eine Blöde als Gastgeberin immer um den Weihnachtsbaum herum, um die vollkommen durchgedrehte vierjährige Tochter des Besuchs am Erklettern desselben zu hindern. Muttern sitzt derweil am Kaffeetisch und freut sich, dass sie endlich ihre Ruhe hat.
Dann möchte man sie gern mit der Lichterkette erdrosseln und mit zwei oder drei Christbaumständern an den Füßen im nächsten Teich ersäufen.
Diese Leute sind tatsächlich der Meinung, dass nur der Gastgeber weiß, welche Regeln bei ihm gelten. Und dann soll er sie auch durchsetzen.
Im Grunde ist das die gleiche pädagogische Faulheit wie die derjenigen, die jeden Scheiß mit den lieben Kleinen durchdiskutieren- um sich dann überstimmen zu lassen („Kai-Nicolai ist immer so willensstark“, gefolgt von nervösem Lachen…)
Mal ehrlich- geht’s noch?
Meine Erziehungsdevise war immer „Wehret den Anfängen“- und es gibt den MMB heute noch.
MMB ist der Mörderische Mutterblick- den MUSS man draufhaben. Denn im Zweifel muss die Verständigung mit wenigen Worten oder ganz wortlos klappen, wenn z. B. das Kleinkind auf die Straße rennt, oder sich der 20jährige gerade mit ein paar unbedachten Worten ganz furchtbar in die Nesseln setzen will. Erklären kann man später, sollte man auch. Aber in so einer Situation darf das Kind nicht elterntaub oder –resistent sein durch Jahre langes Nörgeln, Dirigieren und Nullkonsequenzhaltung.
Sinn von Erziehung ist doch auch, dass bei aller Eigenständigkeit und Authentizität auch der Rest der Welt zu seinem Recht zu kommen vermag. Und dazu gehört, dass man den gröbsten Wildwuchs bei der Nachkommenschaft ein bisschen unter Kontrolle bringt. Frühzeitig, bevor es andere tun (müssen)- Erzieher, Lehrer oder Richter.
Warum ich diese empörend konservativen Prinzipien verkünde?
Begleitet mich morgen Mittag mal in den Supermarkt, dann zeig ich euch, wie ich drauf komme.
Stets die Eure,
Lily.