Samstag, 13. November 2010

Über alles.



Gandalf, Dumbledore, der Weihnachtsmann. Coca-Cola, amerikanischer Imperialismus, Obama, Irak, Kopftücher, Aggression, Kinder, Schwangerschaft, Ärzte, Kunstfehler, Prozesse, Richter, Staatsanwälte, Polizei, Militär, Krieg, Verletzung, Bänderriss, Krankenhaus, Kunstfehler (schon wieder!), Gewissen, Kirche, Konfirmation, Geld, Inflation, Banken, Verschwörungen, World Trade Center, CIA, Schweinebucht, Kennedy, Monroe, Filme, Kino, Warner Brothers, Bertelsmann, Buchclub, Mutter, Bücher, Schule.
Und so weiter, und so weiter.
Kann man irgendwo Schadenersatz bekommen, weil ein Typ, der hinter einem in der Bahn hockt, von Düsseldorf bis Oberhausen (und ich wette, bis nach Hamm, weil der Zug da erst endete), seine Begleitung volltextete? Die Begleitung nickte ab und zu, mit glasigen Augen, und äußerte schon mal sowas wie ein „Hm.“
Ich bin wieder äußerst dankbar für die Tatsache, dass mein Arbeitsplatz nur 7 Kilometer von meiner Wohnung entfernt liegt, und damit wunderbar ohne Züge erreichbar ist. Zwei Tage lang hab ich  neue Erfahrungen sammeln dürfen, was das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel betrifft, denn ich hatte eine Multiplikatorenschulung in Düsseldorf. Kein Mensch, der seiner Sinne Herr ist, fährt im November (dem Stau-Monat) freiwillig mit dem Auto nach D'dorf, wenn er das vermeiden kann.
Summa summarum habe ich es jeden Morgen pünktlich geschafft- auch wenn am ersten Tag die Bahn, mit der ich fuhr, eigentlich eine Stunde früher hätte fahren sollen. Das machte nichts aus, denn sie ersetzte die Bahn, die ich hätte nehmen müssen, die dann aber vermutlich auch eine Stunde verspätet kam.
Andererseits habe ich eine Strecke, für die ich (theoretisch!) (laut Navi!) (mit dem Auto!) 39 Minuten gebraucht hätte, in der Rekordzeit von jeweils 2,5 Stunden zurück gelegt, was mir doch das Bahnfahren als ständige Einrichtung auszuschließen scheint. Denn so entspannt es war, aus der Bahn den Stau auf der A 59 zu beobachten, so unangenehm schwitzig, sauerstoffarm und unbequem war es, in dem Doppelstock-Wagen mit 15 Leuten auf dem Gang vor den Türen zu stehen, mitten zwischen röhrenden mp3-Playern, ausladenden Rucksäcken, Trolleys, schlafenden Treppensitzern und Leuten, die patschnasse Jacken trugen.
Soviel Menschen zu transportieren, muss diese Strecke mehr als rentabel machen. Warum dann nicht ein, zwei Waggons mehr eingesetzt werden, ist mir schleierhaft.
Die Schulung selbst war natürlich anstrengend, weil sie, wie sich das gehört, tonnenweise Input für uns bereit hielt (und tonnenweise Papier, von dem erwartet wurde, dass wir es nach Hause schleppen- 14 Handbücher zum Beispiel, pro Nase).
Es hat großen Spaß gemacht, festzustellen, dass die neu kennengelernten Kollegen ebenso sympathisch sind wie die, die bei früheren Veranstaltungen in meinem alten Fachgebiet dabei waren. Es war noch viel besser, dass ich mich insgesamt nicht überfordert gefühlt hab, trotz des neuen Themas. Da es sich aber um eine Softwareschulung handelte, hatte ich da kaum Berührungsängste, die meisten Programme muss man nicht fürchten, sondern man möchte sie verbessern, wenn man sie einmal kennt. So auch hier, denn das, was eine Fachlösung eines eng begrenzten Themenbereichs sein soll, erscheint etwas unausgegoren. Aber nun ja. Ein bisschen Zeit haben wir noch bis zum Einsatz. Vielleicht gibt’s ja sogar eine Testumgebung zum Ausprobieren. Man wird sehen.
Alles in Allem gesehen, macht es Spaß, wieder zu arbeiten, und dafür bin ich dankbar. Es geht aufwärts, irgendwie :-)

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende. Wenn das Wetter vielleicht nicht gerade zum Spazierengehen einlädt, dann aber auf jeden Fall zu einem heißen Kakao mit ein paar fast legalen Spekulatius. Findet

die Lily

Montag, 8. November 2010

Der Herbst im Kurpark von Bad Nauheim...

woselbst ich mein Wochenende verbracht habe. Natürlich nicht ohne meine Kamera.












War schön :-)

Dienstag, 2. November 2010

direkt...

aus der Kamera:

Nachbars Fächerahorn.

Samstag, 30. Oktober 2010

Eine Woche

Seit dem 01.10.2010 arbeite ich wieder- nun gut, insgesamt war es eine Woche und ein Tag. Der 1.10.10 hat mich nur kurz bei den neuen Kollegen gesehen, und sofort daran anschließend durfte ich drei Wochen Urlaub nehmen, die noch aus 2009 übrig waren. Nicht nur, um den Urlaub weg zu kriegen, sondern vor allem, weil die neue Stelle nur rudimentär vorhanden war. Das bedeutet, es hätte einen Schreibtisch und einen Stuhl gegeben, und vermutlich auch einen Rechner, aber nur die Art, die man für Azubis bereithält. Nichts richtiges, und die Arbeit konnte auch noch nicht beginnen. Ergo genoss ich meinen Urlaub, was auch sonst.

Und seit dem Anfang der vergangenen Woche bin ich wieder voll dabei. Die neuen Aufgaben beginnen offiziell am 01.11., so dass diese Woche damit vergangen ist, die Grundlagen zu schaffen. Zusammen mit meinem neuen Kollegen habe ich meine Arbeitstage ziemlich ergebnisvoll (das ist mit Sicherheit ein Wort, wenn auch vielleicht ein neues) verbracht, wir haben sechs Büroräume in einem leerstehenden Gebäude reaktiviert, für Reinigung und Renovierung gesorgt, Büromöbel beschafft, transportieren und aufstellen lassen, und uns über künftige Abläufe ein wenig Gedanken gemacht.

Das Arbeiten insgesamt war, trotz des Wiedereinstiegs mit 41 Stunden ohne langsame Wiedereingliederung, etwas, was ich als ausgesprochen motivierend empfunden habe. Ich freu mich auf Dienstag- und das nicht, weil ich dann frei hätte oder so. Es ist so lang her, seit ich gern zur Arbeit gegangen bin... Demnächst setzt eine Schulungswelle ein, auf die ich mich freue, und ich werde zum ersten Mal mit meinen Bildern an die Öffentlichkeit gehen. Mit den gemalten, nicht mit den fotografierten, die sind ja hier schon zu sehen.

Hat übrigens jemand Interesse an einer Zusammenstellung meiner Fotos in besserer Qualität zum Download für einen Kalender? Drucken lassen müsstet ihr ihn selbst, da gibt’s im Netz ja reichlich Quellen. Für die Download-Geschichte brauche ich allerdings Hilfe, ich habe keinen Schimmer, wie das geht, wenn ich die volle Datei-Größe (oder jedenfalls eine, bei der man auch vergrößern kann) irgendwo zum Download bereithalten will.

Honi soit qui mal y pense

Neulich, in einer kleinen Großstadt am Rande des Ruhrgebietes, es ist ca. 19.15 Uhr. Im Hause eines älteren Ehepaars, nennen wir sie M und P, klingelt das Telefon.

Am anderen Ende ein Mann, der sich -nicht eben freundlich- nicht mal eben vorstellt, sondern lediglich die Firma nennt, für die er arbeitet. Bei derselben handelt es sich um einen der marktführenden Anbieter telekommunikativer Leistungen, auch manchmal als rosa Riese bezeichnet.

Hintergrund und Anlass des Telefonats scheint zu sein, dass M und P vor einigen Tagen nach vierzig Jahren ihren Vertrag mit dem modefarbenen Monster gekündigt und sich für einen geringen Pauschalpreis bei einem Mitbewerber für zwei Jahre verpflichtet haben. Nicht nur, dass hierdurch monatlich eine Ersparnis von ca. 10 € eintritt, nein, weit gefehlt.

Vielmehr ist es so, dass im letzten Monat der Leistungswille des rosa Riesen gelitten zu haben schien, denn an 10 von 30 Tagen stellte er keine Leitung zur Verfügung. Sprich: Niemand konnte M und P erreichen. Statt mit M und P sprach man entweder ins Leere, lauschte einem vorgetäuschten Klingelton, oder erhielt eine Ansage, dass der Teilnehmer derzeit nicht zu erreichen sei.

Natürlich bemühten M und P unmittelbar nach Bekanntwerden der Störung die freundliche 0800-Hotline, erfuhren jedoch nur, dass seitens des Unternehmens keine Fehler feststellbar seien, vielmehr müsse der Schaden nach dem Hausanschluss aufgetreten sein.
Ein wenig hilflos wandte sich P. an den örtlichen Elektronik-Fachhandel und erwarb einen Ersatz für das bejahrte Telefon- nur um dann festzustellen, dass der Anschluss immer noch tot war. Die erneut zur Hilfe gerufene Hotline verwies ebenso erneut auf einen nicht im eigenen Einflussbereich liegenden Fehler, und machte das verlockende Angebot, das Problem mittels eines –von M und P zu bezahlenden- Technikers zu lösen.

M und P, störrisch wie ältere Herrschaften manchmal sind, scheuten davor zurück, einem fremden Handwerker carte blanche (bzw. einen Blancoscheck) zu geben, und schalteten in der Folge zwei ihrer Kinder ein, die einen Samstag damit verbrachten, alle Telefondosen im Haus auf Durchlass zu prüfen. Ergebnislos insofern, als dass sich kein Anhalt für einen Fehler ergab.

Die Einschaltung der Hotline ergab, dass angeblich das Fehler-Ticket erledigt sei- ein Techniker sei bereits dort gewesen.

Dies nun konnte der Sohn, der in der Folge die Verhandlungen am Telefon führte, nicht zwangsläufig bestätigen- denn es war ja auch schlicht falsch. Der leicht ungehaltenen Dame am Telefon (am teuren Mobiltelefon, versteht sich) war dies nur schwer klar zu machen.

Nachdem die Zusammenarbeit mit dieser Hotline sich insgesamt ziemlich zäh und äußerst unerfreulich gestaltete, rief der Sohn, nennen wir ihn S, seinen X-Man zu Hilfe- eine geheime Kraft mitten im Kern der pinken Ex-Post, der auf dunklen Kanälen an einigen Fäden zog, hier drehte und dort nachsah- und veranlasste, dass endlich mal jemand richtig nachschaute.

Kurze Zeit später klingelte das Telefon bei M und P, ein seit langem nicht mehr gehörtes Geräusch, und ein freundlicher Mitarbeiter der Telekom teilte mit, ihnen sei leider ein Verteiler durchgebrannt. Aber jetzt sei alles wieder prima und takko, sozusagen.
Nachdem also nur die Einschaltung inoffizieller Wege eine Klärung der Angelegenheit auslösen konnte, löste der darüber entwickelte Zorn von M und P den Anbieterwechsel aus, der nun dazu führte, dass ein nicht so freundlicher Mitarbeiter des Unternehmens Kontakt zu den Abtrünnigen aufnahm.

Wir sind also hier im Haus der M und des P, ihres Zeichens nicht länger Kunde beim modefarbenen Monster, sondern bei der Konkurrenz.

Das Telefon klingelt, und am anderen Ende ist jemand, der sich als Mitarbeiter des bisherigen Anbieters ausgibt.
Zunächst noch freundlich, versucht M dem Mann zu erklären, aus welchem Grund sie die Vertragskündigung vornahm. Es ist kaum zu glauben, aber anstatt sich und sein Unternehmen für diese miserable Fehlleistung zu entschuldigen und zu fragen, ob man irgendwie einen Gesinnungswandel bei den Kunden herstellen kann, wird der Mann frech und aggressiv, und ergeht sich in dunklen Drohungen („Sie werden schon noch Ihr blaues Wunder erleben“- „Sie werden noch an mich denken“ etc.).
Nun ist M zwar nicht mehr die Jüngste, aber weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen, und nachdem noch mehr inhaltsleere Scheiße aus dieser Richtung in die ihre geschleudert wird, teilt sie dem Mann mit, was er sie mal kann (natürlich viel höflicher als ich das täte) und legt auf. Schließlich hat sie bei dem anderen Unternehmen soeben mitbekommen, dass es auch Leute gibt, die sich um die Kunden kümmern (und für die „Kümmern“ nichts mit „Kummer machen“ zu tun hat).

Wie komme ich jetzt auf den Gedanken, dass es sich bei diesem Anruf um einen Versuch handeln könnte, ältere Kunden herumzuschubsen und in Angst und Schrecken zu versetzen, damit sie kleinlaut wieder zu Kreuze kriechen und den rosa Riesen bereichern?

Ich weiß ziemlich genau, dass in keiner Dienstanweisung und in keinem Gesprächsleitfaden in diesem Unternehmen dieses Verhalten den Telefonterroristen vorgeschrieben oder auch nur angeraten wird. Aber ich bin lange genug bei einem größeren Arbeitgeber beschäftigt, um ziemlich genau zu wissen, dass gerne die Linie gefahren wird, die seitens des Arbeitgebers gewünscht wird, auch wenn kein Vorgesetzter dieses Ladens dumm genug wäre, um dies schriftlich festzuhalten. Heutzutage ist es schließlich so, dass vorauseilender Gehorsam vielleicht den Job rettet. Was scheren einen da M und P, die ein bisschen verstört und irritiert sind? Nun, die beiden interessieren wirklich niemanden. Außer ihren vier Kindern, den Schwiegerkindern, deren Freunden und Verwandten, bei denen diese Geschichte weite Verbreitung finden wird.

Ich weiß nicht recht, was auf Dauer unternehmensschädlicher ist: Ein freundlich behandelter Kunde, der vielleicht noch mal wiederkommt, oder eine große Familie, mit einem Haufen Bekannter, die dauerhaft verärgert und angepisst sind.

So wie

Lily.

Die euch allen trotzdem ein schönes Wochenende wünscht. Außerdem ein dreimal kräftiges Happy Birthday an die Lily-Mutter, die heute 70 wird... Mögen die Festlichkeiten beginnen!


 Und das hier:

sehe ich, wenn ich nachts aus meinem Schlafzimmerfenster schaue. Leider ist das vorbei, sobald die Blätter alle abgefallen sind. Solange genieße ich es noch.

Samstag, 16. Oktober 2010

Li-ly-Lieblingsbeschäftigungen



Im Bett liegen, wenn es draußen regnet und stürmt.
Eine Katze beim Wachwerden beobachten.
Kater Paul den dicken Bauch kraulen.
Eine frische, unbenutzte Leinwand, viel Farbe und viel Zeit haben.
Samstags nachmittags ein Brot backen, oder einen Kuchen, einfach so und ohne Anlass.
Motiviert irgendwo Ordnung schaffen.
Star Wars anschauen, zum hundertsten Mal.
Einen aufgeräumten Raum neu beleuchten.
Freunde besuchen.
Ein Bild anschauen.
Sonntags morgens zum Schwimmen gehen.
Den ersten und den letzten Schmetterling des Jahres entdecken.
Den Duft von Schnee in der Luft wahrnehmen.
Ein bisschen Gymnastik machen.
Morgenspaziergänge.
Rouladenduft im Treppenhaus.
Einen gemischten Salat zubereiten.

Was macht euch Freude?

Freitag, 15. Oktober 2010

Wie in alten Zeiten.


Nach längerer Pause, zu deren Beginn ich mir vornahm, an so was nicht mehr zu glauben, hat es sich wieder mit Macht in meine Planung gedrängt, und verficht dort seine Position mit Energie...

Die Rede ist von eurem kleinen Helfer im Alltag, meiner nach Norden zeigenden Kompassnadel im Entscheidungsdschungel, der Orientierungshilfe schlechthin: Dem Lilyskop.
Leser, die schon länger hier hereinschauen, kennen es noch.
Im Gegensatz zu den häufig in Produkten der periodisch erscheinenden Presseerzeugnisse abgedruckten Horoskop-Exemplaren hat mir persönlich ein kleiner, nächtlich erscheinender Dschinn (der in seinem siebzehnten Leben am Hofe des Pharao Tröthupes und seiner Gattin Tudasnichschonwieda Oberhofastrologe war) die einzig wahren, wirklichen und für immer unveränderlich bestehenden Sternzeichen verraten, und sagt mir auch ab und zu, was diese zu erwarten haben, welche Sterne über ihnen leuchten, und sie blenden oder ihren Weg erhellen.
Oder so.
Auch hat er mir verraten, wie man die dreizehndimensionale Schieblehre bedient, deren Regler nur bei Neumond auf einer Klippe im äußersten Norden einer verschuldeten kleinen Ostseeinsel überhaupt zu erkennen sind. Diese Schieblehre steht im Ruf, bei der Erstellung der Lilyskope unermessliche Dienste zu leisten. Für gewöhnlich ist sie unsichtbar, ihre Maßeinheit ist das Volumenprozent.

Ihr seht also, ich habe mal wieder keine Kosten und Mühen gescheut, um euch, liebe Leser, mit einer alltagstauglichen Lebenshilfe zu versehen.
Auf geht’s.

Himmelblaues Lämmchen (19.01. bis 22.02.)

Himmelblaue Lämmchen sind in der nächsten Zukunft arg eingeschränkt, ist doch Himmelblau keinesfalls das neue Schwarz. Durch seine penetrante Himmelblauigkeit fällt das Lämmchen überall auf, und erregt allgemein Abscheu bei modebewussten Mit-Sternzeichen. Der aufgesuchte In-Coiffeur hat sich unter Hinweis auf Tierschutzgesetze geweigert, dem Lämmchen einen Touch ins Lila zu verpassen, woraufhin dem Lämmchen nichts übrig bleibt, als sich wiederholt im Schlamm zu wälzen, um diese himmelblaue Schmach loszuwerden. Seid beruhigt, ihr, die ihr da himmelblau seid: Auch für euch kommen noch Tage, an denen ihr morgens in den Spiegel schaut und wirklich, wirklich überzeugt seid, voll ins Bild zu passen.
Wenn ihr diesen Eindruck für längere Zeit genießen wollt, nehmt keinesfalls die rosa Brille ab!

Fische (23.02. bis 13.03.)

Die Fische sind in diesem Monat besonders bevorzugt, was die Position ihrer Sterne betrifft. Sie können nämlich davon ausgehen, dass der Mond im dritten Haus des Saturn steht.
Das hilft, meine Lieben.


Ziegenpeter (14.03. bis 22.04.)

Sie da! Ja genau, Sie! Machen Sie hier mal nicht auf dicke Backe. Sonst gibt’s was auf die Omme.

Verrückter Maler (23.04.-24.04.)

Sie müssen in diesem Jahr aufpassen, nicht einfach ignoriert zu werden. Wehren Sie sich! Schütteln Sie ihre Waffen, auch wenn es nur Holzschwerter sind! Schneiden Sie sich meinetwegen ein Ohr ab, aber lassen Sie sich nicht einfach überrennen. Sie sind wichtig!

Schafbock (24.04.-12.05.)

Auch wenn Sie immer wieder gegen die Wand anrennen, wird diese nicht nachgeben. Dass Sie den Eindruck haben, sie täte es doch, liegt daran, dass die Wand aus Gummi ist.
Ja, genau deshalb, Sie Schelm!


Schalentier unklarer Art und Rasse (13.05.-22.06.)

Dieses Sternzeichen ist eine Novität. Ausgeschieden von einer dahinscheidenden Supernova fusionierten Krebs und Languste und brachten obiges Tier hervor. Die Zeit wird zeigen, ob es zu mehr taugt als zu einem leckeren Abendessen. Dabei spielt auch eine kleine alte Dame mit rosa Taschenshrimps Taschenschirm eine Rolle, sowie eine Kiste Bier. Warum Letztere, ist noch nicht ganz klar.

Stier (23.06.-14.07.)

Im Zeichen des Stieres Geborene erleben in der nächsten Zeit ganz besonders romantische Tage. Die Kühe werden Ihnen Butterblumen ans Bett bringen, und Ihre Hörner mit Gänseblümchen umkränzen. Stehen Sie jedoch um Gottes Willen nicht einfach so romantisch auf der Weide herum- sonst kommt noch einer auf die Idee, Ihnen zu einem Dasein als Ex-Mann zu verhelfen. Und zwar mit Hilfe eines Tierarztes und eines scharfen Messers. Dann ist Schluss mit Romantik.

Jungfrau (15.07.-02.08.)

Sie werden in der nächsten Zeit des öfteren an idyllischen Gewässern sitzen, in die Tiefe schauen und ihr Haar kämmen, während um Sie herum die Blätter von den Bäumen fallen, die Kürbisse vergammeln und die Milch sauer wird. Vielleicht sollten Sie darüber nachdenken, statt der Haar-Kämmerei lieber die Fußwascherei zu betreiben. Dann klappts auch mit dem Nachbarn. Vielleicht.


Waage (03.09.-30.09.)

Ihr Schicksal scheint es zu sein, in einer Ecke hinter dem Katzenklo zu verstauben. Da kann man nichts machen.


Tirilierende Amsel (01.-28.10.)

Ihnen geht es gut, solang Sie tirilieren können. Sollte sich die Lautung des Wortes jedoch Richtung „delirierend“ verschieben, kann ich Ihnen nur raten, den Eierlikör aufzugeben.


Verträumter Herbstgeborener (29.10.-27.11.)

Ihnen steht der Sinn nach einer Veränderung des Lebens- nur zu. Im Gegensatz zu allen anderen Zeichen des Lilyskops kann bei diesem Zeichen nur von erfolgversprechendem Einfluss der Sterne die Rede sein. Nehmen Sie eine Sache nach der anderen in Angriff. Die Sterne leuchten wohlwollend über Ihrem Pfad.

Schätzchen (28.11.-15.12.)

Lange herrschte Unklarheit über die genaue Schreibweise dieses Zeichens. Manch behaupten sogar, es hieße eigentlich „Schütze“. Aber warum sollte das so sein? Auf der anderen Seite ist „Schütze“ immer noch besser als „Häseken“. Mein Tipp: Suchen Sie sich was aus. Alles wird gut!

Kleine alte Dame mit rosa Taschenschirm (16.12.-18.01.)

Von allen Zeichen des Sternenjahres ist dieses dasjenige, welches wirklich kraftvoll und energisch in die Zukunft schaut, und dabei den rosa Schirm in einer sehr... naja,  motivierenden Art schwingt. Die kleine alte Dame ist von Natur aus mit dieser mächtigen, zerstörerischen Waffe ausgestattet, und zögert nicht, davon auch Gebrauch zu machen. Vor allem dann, wenn die Schlange vor der Kinokasse wieder mal besonders lang ist. Die nähere Zukunft zeigt, dass es wichtig werden wird, eine treffsichere Rückhand zu haben. Zeit für ein paar Trainerstunden, Ladies!

All dies wurde mir gegeben von der allmächtigen dreizehndimensionalen Schieblehre.

Im Jahr des Pharao Merkelhotep 2010

Lily, einzig wahre Erstellerin von Lilyskopen.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Abgründe!


Keilrahmenspannholzkeilchen hat jeder schon mal gesehen, der jemals einen Keilrahmen irgendwo gekauft hat. Sie sind zu acht Stück in einem kleinen Ziploc-Tütchen an den Rahmen getackert, von hinten. Durch das Getacker sind die schönen Ziploc-Tütchen nicht weiter verwendbar, was mein geiziges kleines schwarzes Herz nicht entzückt.
Sie sehen aus wie ein flaches Rechteck aus Holz, dem jemand die eine Ecke schräg abgesägt hat.
Keilrahmenspannholzkeilchenhersteller in aller Welt müssen sich bemühen, jemanden zu finden, der sach- und fachgerecht die Keilrahmenspannholzkeilchenecken absägen kann, sonst ist das Keilrahmenspannholzkeilchen nicht einmal mehr zu dem Zweck nützlich, zu dem es in kleinen Ziploc-Tütchen dem Keilrahmen beigelegt wird. Dem unschuldigen, erstmaligen Erwerber eines Keilrahmens ist ohnehin in der Regel schleierhaft, welches dieser Zweck sein könnte. Befragt man zum Behuf des Sich-Belehren-Lassens einen versierten Häufig-Keilrahmenerwerber, so wird dieser, je nach Naturell und Stadium, entweder zu einem längeren Monolog ansetzen, nur kurz „Spannen!“ brummen oder aber in haltloses Gelächter ausbrechen.
Im letzteren Fall empfehle ich, das Weite zu suchen, da erfahrungsgemäß dieses Gelächter erst abklingt, wenn sich Männer in weißen Kitteln nähern, die unter Vorlage eines richterlichen Entscheids den Lachenden fürsorglich zwischen sich abführen.
Diese Variante stellt lediglich die Endstufe eines Krankheitsbildes dar, welches sich in die folgenden Stadien einteilen lässt:

a) Freundliche Neugier. Besonders häufig anzutreffen bei Erstkäufern, die über einen gewissen Spiel- und Entdecker-Trieb verfügen. Diese fragen vielleicht noch nach, was man mit diesen Holzdingern machen soll, lassen sich aber nicht davon beirren, die Antwort „Spannen!“ zu bekommen. Vielmehr findet ihr verspieltes Wesen Anlass genug, über alternative Verwendungen dieser Stücke nachzudenken. „Natur-Tangram spielen“, ist einer der Einfälle, die beinahe mit 100-prozentiger Sicherheit über die Beobachter hereinbrechen. Des weiteren hört man auch „Parkettselbstbastelbausatz“, „ Wegwerfspachtel“, oder aber Schwärmereien über Materialcollagen.

b) Ignorantes Ignorieren. Der Befallene rupft die Tütchen vom Keilrahmen und lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Nach dem Abrupfen wird der Abrupfer die Keilrahmenspannholzkeilchen in ihrer Keilrahmenspannholzkeilchenziploc-Tüte in einen Behälter werfen. In einen ihr-wisst-schon-Keil-undsoweiter-Behälter.
Davon werden sich mit der Zeit einige ansammeln, zunächst in Form von flachen Hügeln, später dann, wenn die Aufnahmekapazität des Keilrahmenundsoweiter-Behälters erschöpft ist, häufen sich zuerst kleinere, dann größere Berge an. In diesem Stadium kann von ignorantem Ignorieren nicht mehr die Rede sein!

c) Ehrgeiz. Der Keilrahmenkäufer, konfrontiert mit dem doppelten Dilemma der überschrittenen Kapazität seiner Keilrahmenspannholzkeilchenaufbewahrungsmöglichkeit und der zunehmenden, weiteren Zufuhr an K. (natürlich nur, sofern er bis dato nicht das Malen aufgegeben und, zum Beispiel, das Puzzeln begonnen hat), denkt erstmalig über die tatsächlichen Verwendungsmöglichkeiten der K. nach.
Sei es, dass er im Grunde bereits ein etwas grüner Geselle ist, sei es, dass ihn die zunehmend engeren Wohnbedingungen zu derartigen Spielchen treiben- er ist es leid, vollkommen nutzlose Tütchen mit jeweils acht Keilrahmenspannholzkeilchen in ihren Ziplocs vom Rahmen zu reißen und eine Deponie damit anzulegen, nur um sie später weg zu werfen oder in allen möglichen Taschen, Körben oder Malutensiliensammelstellen wieder zu finden.
Der Käufer beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, wieviel Bäume für die Produktion der Keilrahmenspannholzkeilchen ihr arboretisches Leben ließen, und fragt sich, ob er diesen weltweiten Ausverkauf von Biomasse für die Produktion derart bedeutungsloser Zubehörteile weiter tolerieren kann. Kurze Zeit später dann berichtet die Aktuelle Stunde über den verrückten Maler aus G., der es sich zum Lebensziel gemacht hat, aus Keilrahmenspannholzkeilchen unter Zuhilfenahme von Klebstoff eine Skulptur gegen die Verschwendung von unschuldigem Holz zu erstellen.
Zermürbt und süchtig von Klebstoff, wird der Ehrgeizige nach Ablauf aller Einspruchsfristen in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Zum Zwecke der diesbezüglichen Unterbringung wird es eines Morgens an seiner Tür klingeln. Nachdem sich der Ehrgeizige seine taumelnde Bahn durch Berge kleiner Ziploc-Tütchen mit ihr-wisst-schon-was-drin gebahnt und dem vermeintlichen Boten des Malbedarfgroßhändlers die Tür geöffnet hat, werden freundliche junge Männer in sauberen weißen Kitteln ihn in eine beruhigende Zwangsjacke verpacken und unter beruhigendem Auf-ihn-ein-Reden in einem beruhigend unauffälligen Lieferwagen parken. Kopfschüttelnd werden diese jungen Männer in ihrer Mittagspause den Kollegen von der Wohnung berichten, in der es nach Klebstoffen stank, und in der überall kleine Holzstückchen herumlagen.

Nachdem im obigen Falle die Volkswirtschaft des betreffenden Bundeslandes bereits ordentlich strapaziert und die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen an ihrem Limit angekommen waren, musste die Krankenversicherung des Ehrgeizigen kurz nach Aufnahme des Patienten in der geschlossenen Psychiatrie ihren Konkurs erklären.
Der Malbedarfsgroßhandel, schwer ächzend unter den Bedingungen eines angespannten Marktes, geriet ins Trudeln und in der Folge in die Pleite, weil der Ehrgeizige seine Rechnung nicht mehr zahlen konnte.
Die Banken, die bis dato in der Hoffnung auf die fortgesetzte Produktion von Keilrahmenspannholzkeilen die holzverarbeitende Industrie gestützt und mit immer neuen Krediten die Beschaffung von Ziploc-Tütchen erst ermöglicht hatten, wurden innerhalb kürzester Zeit in diesen Abwärts-Strudel hineingezogen.
Mit ihnen fiel der Minister für die Bankenaufsicht, und der für die Regulierung der Erzeugnisse der petrochemischen Industrie zuständige Innenminister der Landesregierung musste seinen Rücktritt erklären.
Der in Folge vom Bund entsandte Kommissar für die Verwaltung des Landes geriet unter den Verdacht der Korruption, nachdem er an der Theke seiner Stammkneipe mit einem örtlichen Waldbesitzer angetroffen worden war und wählte angesichts der Schande den Freitod, indem er sich ertränkte. Dass seine Leiche recht schnell gefunden wurde, lag an den zwanzig kleinen Ziploc-Tütchen mit Keilrahmenspannholzkeilchen, die in seiner Westentasche steckten.

Schönen Tag zusammen!

Lily

Dienstag, 12. Oktober 2010

Das Geheimnis

meiner Fotos- ist eigentlich keines. Time meinte in ihrem letzten Kommentar, dass ihre Bilder immer nichtssagend seien. Abgesehen davon, dass das nicht stimmt (ich hab schon einige besonders schöne Bilder von ihr gesehen) ist es auch rein technisch nicht schwierig, die Aussagekraft der eigenen Bilder zu erhöhen.
Am Anfang steht die Kamera- ein bisschen mehr als Ritschratschklick sollte sie drauf haben, sonst ist das Fotografieren ein Glücksspiel- und dazu ist das Hobby doch ein bisschen zu teuer. Ich habe neben der 450 D noch eine Canon Powershot, das ist eine kompakte Digitalkamera, und in der Ecke liegt noch eine Olympus der ersten Jahre, die aber nicht viel taugt, weil sie einfach endlos lang braucht, um sich in einen fotografierfähigen Zustand zu versetzen.
(Die Powershot ist grad im Ausleih bei meiner Mutter, die damit gut zurecht kommt)
Eine kurze Wieder-Bereit-Zeit ist von Wichtigkeit, wenn man Menschen oder Tiere fotografieren will- das mache ich auch, aber ich poste keine Bilder mit Menschen drauf.
Für die Art Fotos, die hier erscheinen, benutze ich die digitale Spiegelreflexkamera meist mit dem Telezoom mit 55-250 mm Brennweite. Das reicht aus, um sehr stark zu vergrößern, um z. B. Pflanzenteile auch ohne Makro scharf in den Vordergrund zu nehmen. Für Landschaften ist das auch ganz gut, nur bei Architektur hätte ich gerne ein Weitwinkel, um ein bisschen mehr in die Breite gehen zu können. Vielleicht schenkt mir wer die 700 €, die ich dafür brauche? Spaß beiseite.
Wenn ich fotografiere, überleg ich mir bei jedem Bild, was genau drauf sein soll. Ist es ein kleines Detail, versuche ich es bildfüllend draufzukriegen. Mit dem Tele ist dann automatisch der Hintergrund verschwommen.
Ist es ein Tier oder ein Mensch, dann gilt dasselbe- möglichst bildfüllend, das verhindert auch das Auftreten von Störmotiven, wie z. B. Straßenschilder, Hochspannungsmasten, andere Leute oder Zäune oder so.
Bei Fotos im Zoo stelle ich die Kamera um auf manuellen Fokus, dann kann man auch durch Zäune hindurch fotografieren, die dann, weil außerhalb des Fokus', so gut wie nicht auffallen. Auch nicht ganz saubere Glasscheiben an Tiergehegen irritieren den Autofokus, den man dann auch abstellen sollte.
Das funktioniert nur nicht bei schnell laufenden oder fliegenden Tieren, da ist man mit dem manuellen Scharfstellen nicht schnell genug.
Bei der 450D ist trotz aller Beschränkung auf bildfüllende Motive das, was nachher auf dem Bild ist, mehr als das, was man im Sucher findet. Ich benutze übrigens IMMER den Sucher, und nie das Monitorbild zum Auswählen eines Motives, weil ich nicht in der Lage bin, an zwei ausgestreckten Armen die Kamera so ruhig zu halten, dass auch etwas dunklere Motive nicht verwackeln. Abgesehen davon sieht das einfach nur Scheiße aus. Das vermeide ich sehr gerne.

Sofern man nicht bildfüllend fotografieren konnte, schneide ich das fertige Bild mit Picasa, manchmal muss ich es geraderücken oder die Farben etwas lebhafter gestalten- das mach ich alles mit Picasa. Fotoshop wäre besser, weil man da wirklich ins Detail gehen kann, aber ich beherrsche das Programm nicht, und ich hab es  auch nicht. Picasa ist von Google, kostenlos und reicht für meinen Geschmack vollkommen aus.
Die meisten Leute gehen anschließend mit einer Software über ihre Bilder, und warum auch nicht?

Es macht Sinn, sich ein Buch über seine Kamera zu kaufen, wenn es eines gibt. Da die 450D sehr verbreitet ist, hat mein bestester Freund mir zu Weihnachten ein EInsteigerbuch geschenkt, und ich hab mich damit beschäftigt, weil ich nicht immer zufrieden war mit den Bildern, aber nicht wusste, wie ich das ändern soll.
Oft ist mir aufgefallen, dass ich besonders kalte Rottöne nicht wirklichkeitsgetreu wiedergeben konnte, das wurde gern zu gelblich, und das hat mich geärgert. Auch, dass kleine, helle Motive vor einem dunklen Hintergrund immer ausdruckslos waren- da hab ich dann im Buch gelesen, dass die Kamera sich bemüht, die Lichtmenge, die sie "sieht" zu optimieren, und bei hellen Motiven vor dunkler Kulisse letztere aufhellt. Zwangsläufig werden helle Bildbestandteile dann zu einem weißen Matsch. Dagegen kann man die Kamera programmieren- außer dem Automatik-Modus hat sie nämlich noch weitere Möglichkeiten, wie man Teile der Einstellung gezielt verändern kann. Ich hab einen Modus so programmiert, dass die Kamera bei hell-vor-dunkel-Motiven unterbelichtet. Das bedeutet, dass der Hintergrund dann nichtssagend schwarz wird, aber die Strukturen des hellen Zentrums erhalten bleiben. Damit hat man dann auch die Möglichkeit, dunkle Wolken mit gleißenden Rändern sauber aufs Bild zu kriegen, oder die ersten Buchwindröschen im Frühling im dunklen Wald.
Um auszuprobieren, was richtig und was falsch ist, mache ich meist mehrere Bilder, oft zehn oder noch mehr von einem Motiv, mit verschiedenen Einstellungen. Das ist inzwischen weniger geworden, weil ich jetzt schon vorher weiß, wie ich die Einstellungen wählen muss.
Lichtmangel versucht die Kamera in manchen Einstellungen auch mit dem Blitz zu korrigieren. Das geht oft schief, weil der Blitz harte Schatten zaubert (bei Porträts total übel), und weil Bilder mit weggezwungenem Blitz oft zu lang belichtet werden müssen- aus der Hand allein wird das meist unscharf. Bei Zuhilfenahme eines Stativs ist dann das Bild oft gelblich, weil das Umgebungslicht kein Weiß mehr darstellt- das muss man ausprobieren, und irgendwie das passende Licht finden, ohne das es Schatten gibt- ein weißleuchtender Deckenfluter, den man an einer hellen Wand reflektieren lassen kann, gibt oft viel angenehmeres Licht und das in ausreichender Menge.
Insgesamt behelfe ich mir oft mit irgendwelchen Tricks. Aber am wichtigsten ist, den Blick zu schulen, und Details auch zu sehen, wo sie einem begegnen. Noch viel tausendmal wichtiger ist es allerdings, die Kamera eigentlich immer mitzunehmen... wobei es oft auch gut tut, sie zuhause zu lassen, und einfach mit allen Sinnen zu genießen, was die Umwelt hergibt.
Ach ja- und anschließend die Karte zu entleeren und die Bilder auf dem großen Monitor anzuschauen und zu selektieren ist eines meiner größten Vergnügen. Wenn man das nicht gern macht, wird die Bildqualität nicht besser werden. Nur dabei kann man nämlich seine Fehler sehen und draus lernen.
Also los, schnappt euch die Kameras und geht dem Herbst nach...
Lieben Gruß
von
der Lily.

Montag, 11. Oktober 2010

Gestern in Solingen

Gestern hat das schöne Herbstwetter zugeschlagen, und mich (okay, auf Elenas Einladung hin) in die wunderschöne Gegend rings um Schloss Burg in Solingen gelockt. 60 Kilometer von hier, und eine komplett andere Welt. Unser Spaziergang durch das Tal der Wupper dauerte zwei Stunden- nicht nur, weil ich ständig fotografiert habe, sondern auch, weil die Strecke für mich Flachlandbewohner teils recht anstrengend war.
















Einen schönen Start in die Woche Euch allen!

Lily

Freitag, 1. Oktober 2010

Der Ernst des Lebens.


Heute ist der 01.10.2010. An sich nichts Bemerkenswertes- für die Welt als solche, meine ich. An jedem beliebigen Tag ist in irgendeinem Land ein Gedenktag für einen für Wert befundenen Anlass, also besteht kein Grund anzunehmen, dass heute nicht irgendwo der Tag des dreibeinigen Wiesels, des erstmaligen unfallfreien Natiolnalhymnesingens oder anderer, nicht minder lobenswerter Ereignisse gefeiert wird.
Heute ist ein besonderer Tag für mich, für mich ganz allein, und zwar sowas von besonders!
Heute fange ich wieder an zu arbeiten, nach vier Monaten Pause, und zwar an einem neuen Arbeitsplatz, in einem neuen Sachgebiet und einem neuen Amt.
Da ich meinen bisherigen Arbeitsplatz seit 1987, also seit 23 Jahren inne hatte, ist dies schon etwas Außergewöhnliches für mich. Ich glaube, dass eine Rückkehr dorthin nicht gut gewesen wäre, denn meine Krankenzeit hat keine Veränderungen hervorgerufen. Warum auch- alle anderen kommen zurecht auf ihren Plätzen. Mich hats weg gehauen, aber ich versuche, mir deshalb nicht das Leben zur Hölle zu machen, denn dann könnte ich genauso gut wieder dort anfangen.
Wünscht mir Glück und haltet mir die Daumen. Alle, bitte :-)

Donnerstag, 30. September 2010

Erinnert

ihr euch noch?

Freitag, 17. September 2010

Rätsel der Zivlilisation, Teil 1

>

Plastikkatzenscheißeschaufeln. Darum geht’s heute.
Die Plastikkatzenscheißeschaufeln, die ein bekannter Hersteller von Tiernebenerzeugnissen (von der Hundeleine bis zum Elefantensattel) in seine Tüten mit Silikatkatzentoiletteneinstreu als Werbegeschenke hineinpackt, die sind ganz wunderbar.
Sie erfreuen den Katzeneigner durch ein paar sehr wünschenswerte Features, als da seien eine geschmackvolle dunkelblaue Farbgebung, sowie ein ebenso erfreulich an- und sehr stabil aussehender Griff, der in die ästhetisch wohlwollend anzusehende Schaufelschaufeln mündet.
Diese haben sowohl eine solide Befestigung, als auch eine sehr zweckentsprechende Lochung, die es ermöglicht, vom geliebten Haustier regelmäßig produzierte Hinterlassenschaften aus der erworbenen Silikatkatzentoiletteneinstreu herauszufischen, ohne zu viel Silikatkatzentoiletteneinstreu gleich mit zu nehmen.
Wunderbar die Dinger, wirklich.
Und doch haben sie einen Nachteil:
Sie treten in Rudeln auf.
Kauft man, so wie ich, schätzungsweise alle drei Wochen neue Silikatkatzentoiletteneinstreu, kommt man im Schnitt mit vier Säcken des Erzeugnisses nach Hause.
Es heißt zwar, je Monat und Katzentoilette würde ein Sack à 5 Liter ausreichen, jedoch hat sich herausgestellt, dass bei vier Katzen und drei Toiletten alle drei Wochen vier Säcke fällig sind.
Bis zum kompletten Austausch der Silikatkatzentoiletteneinstreu fischt man mit den Plastikkatzenscheißeschaufeln mehrmals täglich besagte Haustiererzeugnisse aus den Katzentoiletten, und zum Abschluss dieser Prozedur rührt man ein bisschen in der Silikatkatzentoiletteneinstreu herum, um, so der Hersteller, dafür Sorge zu tragen, dass seitens des Haustieres eingetragene Flüssigkeitsmengen unter Hinterlassung ihrer geruchsentwickelnden Inhalte einfach mal so verdunsten.
Man benötigt demnach die Plastikkatzenscheißeschaufeln zu verschiedenen Zwecken, von denen jedoch keiner die Entsorgung der Silikatkatzentoiletteneinstreu selbst ist.
Diese entfernt man, in dem man die Katzentoilette einfach in einen Plastikmüllsack entleert.

Bei der gegebenen Anzahl von 4 Katzen im Haushalt der Autorin ergibt sich nun die folgende Rechnung:
Vier Katzen benötigen alle drei Wochen vier Tüten Katzenstreu. Daraus resultiert die Menge von einer Tüte Katzenstreu je Tier und alle 3 Wochen, welches im Jahr pro Tier 17,3 Tüten Katzenstreu ergibt, bei vier Katzen somit 69,2 Tüten besagten Produktes. Pro Jahr.
Und jeder Tüte liegt so eine Plastikkatzenscheißeschaufel bei.
Dies, liebe Leserinnen und Leser, dies relativiert jeden, aber auch jeden Vorteil, den die besagten Plastikkatzenscheißeschaufeln für den Besitzer der Katzen darstellen mag. Denn Katzen leben im Schnitt, glaube ich, so ca. 18 Jahre, was bei vier Katzen eine Nettoplastikkatzenscheißeschaufelanzahl von 1254,6 ergibt.
Dabei sind noch nicht die Gratis-Plastikkatzenscheißeschaufeln mitgerechnet, die der Katzenbesitzer erhält, kauft er eine neue Katzentoilette.

Der zu erwartenden Plastikkatzenscheißeschaufelplage habe ich zunächst versucht, durch Verschenken der in geschmackvolles Zellophan verpackten Schaufeln Einhalt zu gebieten.
Vor allem die Besitzer von Katzen, die die Benutzung von Silikatkatzentoiletteneinstreu ablehnen (also die Katzen lehnen ab, die Besitzer nicht) sind oft über eine zusätzliche Schaufel recht erfreut, denn in der Regel wird von den Katzen eine Klump-Einstreu gern toleriert. Aus jener fischt der Katzentoilettensauberhalter nicht nur die festen Hinterlassenschaften von Mimi, sondern auch die durch feuchten Eintrag dort gebildeten Klumpen.
Dadurch ergibt sich eine statistisch signifikante Menge zusätzlicher Einsätze für die Schaufeln, die folgerichtig die Einsatz- und Nutzungszeiträume der Plastikkatzenscheißeschaufeln einschränkt.
Jedoch erscheint mir nach den Erlebnissen in der Vergangenheit dies keine geeignete Dauermethode zu sein, um meine Wohnung nicht zu einer Plastikkatzenscheißeschaufeldeponie zu machen. 
Denn bereits kurz nachdem ich die Katzenbesitzer, die ich kenne, mit der dritten Schaufel erfreut hatte, bemerkte ich, dass mir die Kollegen, Kolleginnen und auch Nachbarn beharrlich aus dem Weg gingen, ja sogar die Straßenseite wechselten und von mir frequentierte Supermärkte nunmehr weiträumig umgehen.
Alles das, wie mir ein anonymer Freund per Postkarte mitteilte, um nicht noch mehr Plastikkatzenscheißeschaufeln freudig in Empfang nehmen zu müssen.

Ist es eine Verschwörung der Petroleumindustrie, die auf diesem Weg überproduzierte Plastikkatzenscheißeschaufeln dem Verbraucher in die Schuhe schieben will?
Wird ein Archäologe in der Zukunft bei Ausgrabungen diese Dinge für Kultgegenstände halten, die in den Häusern besonders geehrter Personen gesammelt wurden, um rituell zum Opfer dargebracht zu werden?

Spannende Fragen, auf die ich keine Antwort habe.
Dafür lesen Sie hier in der nächsten Ausgabe:
Die Keilrahmenholzspannkeilchenschwemme und ihre Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.

Donnerstag, 16. September 2010

21 Tage

Abschied, Anfang, Alltag.


Das waren die ersten A-Wörter, die mir in den Sinn kamen, als ich vor inzwischen drei Wochen wieder das Licht der Welt erblickte.
Das „Licht der Welt“ ist schon vollkommen richtig, denn so wirklich in der Welt war ich in Pröbsting nicht. Man läuft anders durch die Gegend, man redet, denkt, träumt und argumentiert anders, wenn man den Blick überwiegend nach innen richtet.
Was fühlst du? Ist die Frage, die am häufigsten gestellt wurde, und auf meine Antwort hin kam dann oft die Gegenäußerung: „Scheiße“ ist kein Gefühl.
Auch „schlecht drauf“ ist kein Gefühl.
Aber Glück, Angst, Einsamkeit, Nähe, Kälte, Gut-Aufgehoben-sein, das sind alles Gefühle. Es ist beklemmend, wenn man von seiner Therapeutin eine „Liste möglicher Gefühle“ bekommt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber so viel Emotionen auflistet, die man schon lang nicht mehr hatte.
Ich bin immer noch nicht richtig wieder zu Hause.
Meine Menschen aus dem Krankenhaus fehlen mir, die, die ohne zu zögern, ohne zu fragen und vor allem ohne Urteil einem weinenden Mitmenschen die Hand auf die Schulter legen und die Papiertaschentücher reichen. Die nicht wegsehen, wenn es jemandem schlecht geht, die weder sagen „Lass dich nicht so hängen“ noch „So langsam müsstest du aber mal wieder lachen können“.
Das Alleinsein nach so langer Zeit unter Menschen ist hart, und ich habe keinen Schimmer, wie ich das besser machen kann- jeder Besuch bei den Leuten, die in meiner Nähe wohnen, bedeutet wieder Abschied, wenn ich fahre. Jedes Telefonat hat ein Ende, unser Alltag hat uns wieder. Niemand wurde gesund entlassen, meist nur mit einer nicht mehr schweren, sondern einer nur noch mittelgradigen Depression. Mit Nortriptylin, Fluoxetan, Citalopram, Amitriptylin, Benzodiazepinen im Gepäck, und einer Sortierungsschachtel für die Pillen, wie sie sonst nur Omas haben.
Die ersten meiner Menschen denken darüber nach, wieder zurück zu gehen, denn sie werden mit ihrem Leben nur schwer fertig. Viele von ihnen sind einsamer, als man sich das vorstellen möchte, auch und gerade wenn andere Leute um sie herum sind. Viele müssen immer noch die Krankheit verbergen, um ihre Arbeit nicht zu verlieren und nicht im Zentrum des Klatsches und Tratsches zu sein. Das kostet zusätzlich Kraft, die kaum vorhanden ist, und die man so nötig für andere Dinge braucht.
Ich will ein paar Wahrheiten nicht vergessen:
-Depressionen sind real, sie verzerren die eigene Sicht der Dinge- das Leben fühlt sich scheiße an, auch wenn die Umwelt meint, das sei es gar nicht.
-Es gibt das, was meine Therapeutin eine depressive Gedankenkaskade nennt. Danach sollte man in sich Ausschau halten, um sie gleich im Keim zu ersticken, denn sie hat nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun.
-Vor einer Depression kann man nicht davon laufen, aber wenn man in Bewegung bleibt (tatsächlich in Bewegung), dann kann sie nicht so schnell andocken.
-Ebenso haben Depressionen wenig Platz in einem gut strukturierten Alltag. Strukturen sind der Leuchtturm, der noch funktioniert, wenn alle anderen Lichter verloschen sind.
Wichtig ist nur, dass alle Teile von uns in dieser Struktur zu ihrem Recht kommen. Sonst sind sie dazu verurteilt, ein Gefängnis zu sein und keine Stütze.



Der Herbst ist da.


Lily

Sonntag, 12. September 2010

Fehlleistungen

Als da wären:
--Heute morgen auf dem Weg zum Sport ein Schild, auf dem stand: Muskelkater im Revier.

--Das gestrige Posting, das wohl den Eindruck vermittelte, ich hörte Stimmen.
Nun hab ich das immer abgestritten, konsequent und schriftlich noch neulich, beim Ausfüllen der elfunddreißig Anamnesebögen, Psychotests und dergleichen.
Inzwischen ist jedoch eine Erkenntnis gereift: Ich höre Stimmen. Zwar sind keine Personen anwesend, aber technisches Zeugs, das Stimmen und andere Klänge überzeugend darzustellen vermag. Ich höre sogar Yodas Stimme, liebste Svenja, denn ich habe sie mir aus dem Netz heruntergeladen, als Gimmick für das Navi. Das wiederum hat mir mein kleiner Bruder geschonken, dem ich mal wieder Dank schulde, denn es gibt nichts schöneres, als bei der Ankunft zu hören: „Nach dreihundert Metern du dein Ziel erreicht hast. Kraftvoll du geworden bist!“

Und obwohl ich auch immer mit Vergnügen lese, wenn irgendein hirnloser Navi-Folger mal wieder im Wasser gelandet ist, so lasst euch sagen, liebe Leute: Ohne Navi bin ich eine Gefahr für diese schöne Welt. Vor ein paar Tagen hab ich mich derart gründlich in Bochum verfahren, dass ich für die gar nicht so lange Strecke über eine Stunde gebraucht habe.
Mal abgesehen vom Spritverbrauch- mich beruhigt es nicht, wenn ich daran denke, dass vermutlich noch mehr Leute unterwegs sind, beide Hände um das Lenkrad gekrampft, Schweiß auf der Stirn und immer nur mit einem Auge auf der Straße, weil das andere versucht, den Zettel auf dem Beifahrersitz zu lesen. ( Der ist- per default- auf einem miesen Drucker mit ersterbender Schwarzpatrone erstellt, und das ist einfach so. Kosmische Strahlung.)

Ganz zu schweigen von dem Erlebnis vor vier Wochen, als ich trotz Ausdruck einer Wegbeschreibung eine Stunde lang in einer Mittelstadt in der Nähe herumgekurvt bin, und schließlich mit meinem verpassten Termin wieder zurück fahren musste. Die Innenstadtstraßen in dieser netten Stadt trugen sämtlich keine Namensschilder. Echt geglückt, meine lieben Herren vom Tiefbauamt, oder wer immer in Bocholt für die Beschilderung der Straßen zuständig ist. Wenn ihr selbst nicht wisst, wie das Stück Fußgängerzone da vor euch heißt, gebt eurem Herzen einen Ruck und fragt einfach. Aber passt auf, dass das nicht auf dem belebten Innenstadtring nötig wird- da ist zu viel Verkehr, um mal eben anzuhalten.
(Ich hab sogar gefragt, dreimal, und bin dreimal in eine andere Richtung geschickt worden. Da kommt Freude auf!)
– Weitere Fehlleistungen:
Beim gestrigen Treffen zum ergotherapeutischen Malen im Atelier einer befreundeten Malerin (s. hier) habe ich, eingedenk eines Stapels mit Acrylfarbe eingesauter Jeans, eine Schürze mitgenommen, die sogar zum Einsatz kam- nur, um dann beim Herumsauen mit besagter Farbe weiträumig umgangen zu werden. Diesmal hab ich mir die Unterarme sowie die Hosenbeine knapp überm Saum verschmiert. Super. Die dunkel-lila Farbe klebte heut morgen noch am Arm, die weiße dafür unten am dunkellila Hosenbein. Aber im Schwimmbad ist die Farbe am Arm wenigstens abgegangen.

Vermutlich krieg ich zur Belohnung ein bisschen Muskelkater im Revier. Wer weiß das schon?

Einen schönen Sonntag,
wünscht
die Lily

Freitag, 10. September 2010

Die Wende

>

Herrschaftszeiten.
So als mündiger Bürger, als freier Bürger (oder ebensolche Bürgerin, falls soviel Zeit bleibt) ist man doch ein Spielball, um nicht zu sagen ein Sklave der Exekutive. Kaum hat man seinen Fuß aus der Haustür gesetzt, schon umgeben einen Sprüche, Normen, Vorschriften. Ab und zu kommen weitere Dinge hinzu, wie DieRegelnDesGutenGeschmacks, Handytarife und die rätselhaften Aufschriften auf Lebensmitteln, die ich, sehr verehrte Leserinnen und Leser an den Monitorinnen und Monitoren, schon lange nicht mehr lesen kann. Nicht in dieser kontrastarmen 4-Punkt-Pica, halbfett, mittelblau auf mittelgrün, und direkt aus dem sprichwörtlichen Südkoreanisch von einem japanischen Reisbauern ins Bayrische übersetzt. Ja moi, mag sich da der Bürger (und natürlich auch die Bürgerin) fragen, Ja moi, wo bleibts den da dera Freiheitn?
Nachdem ich jüngst jedoch beobachtete, wie sich die Farben „Krapp-Dunkel“ (ein tiefes Rot) und „Cyan-Echtblau“ entgegen jeglicher Anweisung der Physik und des guten alten Geheimrats nicht etwa zu einem Violett, sondern zu einem grauschimmernden Petrolblau vermischten (und mir damit ein Bild ruinierten- ich hätte mal draufschauen sollen auf die Masse, die am Pinsel pappte) -wo war ich stehen geblieben? Ach, bei den Anweisungen von Goethe- jedenfalls haben sich die leblosen, und auch ohne bekannte Intelligenz in Flaschen abgefüllten Massen sowas von frei verhalten, Leute, da kann der Bürger nur von träumen!

Nun komme ich ja gerade aus der Psychiatrie, woselbst häufig die Rede war vom internalisierten Über-ich, wenn nicht sogar von dessen Extrem, der internalisierten Mutter. Dort hat man versucht, dem in Behandlung befindlichen Patienten zu vermitteln, dass dieserlei Anweisung, mitsamt ihrer Unbedingtheit, nicht etwa eine weiterhin zu befolgende Regel sei. Nein. Dem (und da ist es wieder, das Wort!) mündigen Bürger obliegt es, das Hirn einzuschalten, und das internalisierte Stimmchen in eine leisere Variante zu verändern. Sonst gibt’s weiter Depression. Aber sowas von!

Aber, liebe Lesende, wie kann ich ein freier Mensch sein, wenn ich doch an jeder Ecke von Regeln nur so verfolgt werde?
Ganz einfach geht das- und zwar mit dem guten alten Ungehorsam.
Ja, bürgerlicher Ungehorsam in seiner modernsten, aussagekräftigsten und zeitgeistigsten Form!
Und, so fragt sich der Lesende, wo mach ich das nun?
Und da sag ich nun: Leistet Widerstand, nehmt euch das Recht zurück, eure eigenen Wege zu gehen. 

Und machts wie ich: Biegt links ab, wenn das Navi „Rechts!“ sagt. Fahrt geradeaus, wenn es sagt, ihr sollt wenden.
Und vielleicht kriegt ihr dann die Belohnung gleich an der nächsten Ecke:

„Rebellisch du bist, junger Padawan!“ sagte meine Yoda-Navi-Stimme.

Na, da fühlt man sich doch schon sehr viel freier, Leute!

Sagt
die Lily.



Montag, 30. August 2010

...ich liebe es.


Ich find es unglaublich praktisch, wenn man von den Leuten, deren Webshops man besucht hat, Passwort und Kennung noch mal per Mail übersandt bekommt. Total praktisch ist aber diese datenschützerische Maskierung meines Passworts, von dem ich euch nur verraten kann, dass es KEINE Reihe Sternchen ist.
Manchmal fragt man sich, wo die Leute ihr Hirn aufbewahren. Ganz normal an Ort und Stelle kann es echt nicht sein.

Meint
Die Lily

Samstag, 28. August 2010

Kein Titel, da mir keiner einfällt.


Der erste vollständig hier verbrachte Tag seit beinahe einem Vierteljahr ist vorüber.
Die Bilanz ist durchmischt, ich fühl mich einsam ohne meine Menschen, die mich für so lange Zeit begleitet haben. Auch die anderen fehlen, die neuen Mitpatienten, die, mit denen man nur ein „Guten Morgen“ oder ein „Du hast da eine Mücke auf dem Rücken!“ austauscht. Nähe zu anderen, lebendigen Menschen zu akzeptieren ist mir sehr lange sehr schwer gefallen, der Krankenhausaufenthalt hat das sehr einfach gemacht- man war einfach immer in Gesellschaft. Durch die therapeutischen Angebote war man diesen Menschen nicht nur räumlich nahe (soweit man das ertragen kann- aber direkter physischer Kontakt blieb ausdrücklicher Nachfrage und eindeutiger Antwort vorbehalten), sondern man nahm in ungewöhnlichem Ausmaß auch am emotionalen Leben der Anderen teil.
Es hat mich überrascht, dass ich das so gut aushalten konnte. Meine übliche Reaktion auf nahekommende Menschen ist entweder, sie wegzubeißen oder sie zu bemuttern- wer diese Schwelle überschreiten kann, hat schon gewonnen :-)
Dass das Thema Nähe und Distanz ein problematisches ist, war vermutlich meinen Therapeuten sehr schnell klar, denn als jemand, der sich in seiner Haut nicht wohl und zu Hause fühlt, kann man es erst recht schlecht haben, das Risiko einzugehen, dass jemand anderes in den lauten inneren Beschimpfungschor einstimmen könnte.
Bemuttern ist da eine prima Sache, um sich manchen Themen in Beziehungen mit Anderen nicht stellen zu müssen. Man legt seine Rolle fest, und voilà.
Mütter stehen als solche unter dem Generalverdacht der Unangreifbarkeit, die Meisten haben eine, und auch wenn die Beziehung zu der eigenen Mutter schlecht ist, so können doch ganz viele Leute es gut ertragen, wenn sich jemand liebevoll kümmert. Meine ziemlich kluge Bezugstherapeutin hat das ganz am Rande angesprochen, als zwei Gruppenmitglieder abreisten und außer mir mit meinen 47 Jahren nur noch sehr junge Menschen zwischen 18 und 26 in der Gruppe waren. Ich kann nicht leugnen, dass mir alle diese jungen Frauen ein bisschen Ersatztöchter waren- aber ich habe mich bemüht, das erst rauszulassen, wenn wir nicht mehr im Stuhlkreis saßen. Vor allen Dingen hatte die Therapeutin Sorge, dass ich nicht gut „loslassen“ könne, wenn so viel Jüngere um mich herum säßen. Das hab ich aber hingekriegt, zum Glück.
Mir selbst eine fürsorgliche Mutter zu sein, ist mir weniger gut gelungen, bisher jedenfalls.
Um das irgendwann zu erreichen, war eine Hauptintention der Therapie, meinen Widerstand gegen Strukturen im Leben zu überwinden. Da ein guter Anteil meiner Depressionen biologisch bedingt, also erblich begünstigt ist, können Strukturen sehr dabei helfen, auf Dauer die Depressionen einzudämmen, mitsamt Psychopharmaka und ambulanter Therapie. Strukturen können auch einen Teil des Aufwands reduzieren, den das „gute Kümmern“ benötigt, und in Zeiten, in denen man auf der Dunklen Seite steht, können sie vielleicht eine Basisversorgung sichern.
Von letzterem bin ich noch nicht so ganz überzeugt, ich weiß, wie schnell mir mein Leben aus den Fingern rutschen kann. Immerhin aber hat die in Pröbsting gepflegte und betonte Struktur mir aus der schweren in die mittelschwere Depression geholfen.
Rückblickend kann ich die Anfänge der Erkrankung auf eine Zeit vor mehr als 20 Jahren datieren- leider wusste ich damals nicht, dass es nicht normal ist, ganze Samstage trübe im Dunkeln und weinend im Bett zu verbringen.
Ich hätte mir und meiner Umwelt einiges ersparen können, hätte ich damals schon...
aber vorbei ist vorbei, and there's no use crying over spilt milk.
Eins aber hab ich gelernt, und ich hoffe, es nie zu vergessen:
Es kann Erlebnisse im eigenen Leben geben, schwer belastende Episoden, Zeiten, in denen uns wichtige Dinge nicht zur Verfügung stehen, und es können die eigenen Eltern sein, die dafür die Verantwortung tragen. In aller Regel haben diese das Beste geleistet, was von ihnen zu leisten war. Wir lieben sie meist- selbst die Eltern, die sich strafbar gemacht haben mit dem, was sie uns angetan haben. Oft genug bleibt da ein gefühltes Dilemma.
Es ist jedoch möglich, trotzdem festzustellen, dass Teile von uns, vielleicht irreparabel, geschädigt sind. Diese Feststellung kann und darf Zorn, Trauer, Kummer und Wut hervorrufen. Einfach deshalb, weil es scheiße gelaufen ist, weil wir mehr -oder anderes- gebraucht hätten. Es ist richtig, darüber nachzudenken, darüber zu weinen und zu klagen. Es ist richtig, darüber zu trauern, dass manche Dinge sich nicht entfalten durften. Erst wenn man sich das zugesteht, kann man einen Blick auf das unvermeidliche Ergebnis tun: Dass das Heute heute ist- und was früher war, ein für alle Mal vorbei.
Manche Dinge können nicht wieder gutgemacht werden.
Aber es ist auch wichtig, zu erkennen, dass nicht nur wir die Geschädigten sind, sondern dass auch unsere Eltern bereits ihr Päckchen zu tragen hatten. Sofern sie nicht wirklich kriminell gehandelt haben, sind wir erst die Glücklichen, denen Hilfe zuteil wird, die klar genug sehen, um sich nicht in Somatisierungen flüchten zu müssen, die dagegen ankämpfen, eine Plage für sich und andere zu sein, die Klarheit über sich gewinnen wollen.
Insgesamt läuft es darauf hinaus, zu trauern, zu verzeihen und zu fühlen, was in uns selbst geschieht.
Oder, wie meine unvergleichliche Musiktherapeutin immer so schön sagt: Leiden können. Auch sich selbst.

Ein bisschen wehmütige Grüße an alle, die jetzt so weit weg sind- Schlaft gut und sorgt für euch.


Sagt
die Lily.

Seid Ihr auch alle da?


Ich bin es jedenfalls: Zu HAUSE. Seit gestern Nachmittag, 15.00, ist mein gewöhnlicher Aufenthalt wieder in meinen eigenen vier Wänden.
Bilanz der knapp 12 Wochen:
24 Stunden Einzeltherapie
24 Stunden Psychotherapiegruppe
36 Stunden Kunsttherapie
36 Stunden Ergotherapie
18 Stunden Musiktherapie
12 Stunden Musik-Einzeltherapie
12 Stunden Wassergymnastik
18 Stunden Bewegungstherapie
12 Stunden Essstrukturgruppe
18 Stunden Tanztherapie
40 Stunden Aquajogging
40 Stunden Laufen-um-den-See
12 Stunden Gruppentraining Soziale Kompetenz...
und noch vieles mehr.
Ich habe:
52 Bilder gemalt
1200 Fotos gemacht
360 Mahlzeiten eingenommen
Ungezählte Liter Mineralwasser, Kaffee und Tee konsumiert
Einen Haufen Tabletten geschluckt und gelutscht
Viel gelernt, viel geweint und viel geredet
Ein paar Talente abgestaubt bzw. entdeckt
Freundschaften geschlossen, auch mit schwierigen Menschen
An Wände geschlagen, Leute mit Poolnudeln geprügelt (hallo Barb! Kreisch doch noch mal so schön!)
Zweimal Eis gegessen
Mich an Naturjoghurt und an Frühstück gewöhnt
Ein paar Nordic-Walking-Poles gekauft und benutzt
11 Kilo abgenommen
An Sportlichkeit zugenommen
Und eine wunderbare Künstlerin kennen und schätzen gelernt:
Elena.
Macht euch selbst ein Bild von ihren Bildern: Hier.
Auf den ersten Blick einfach wunderbare, bunte Bilder, mit Comicgestalten und Teddybären, mit kindlicher Farb- und Formgebung angefüllte kleine Universen.
Aber beim zweiten Blick sarkastische Kommentare zur Lebenswirklichkeit von Menschen heutzutage, mit besonderem Augenmerk auf die eher alptraumhaften Dinge, die eine Kindheit so bergen kann.
Elena hat mit mir zusammen einen (viel zu kurzen) Teil der Zeit in der Herberge zum lockeren Schräubchen verbracht, und wir haben endlose Stunden zusammen auf ihrer Terrasse gesessen und gemalt, geredet, geraucht und geschwiegen. Die Primaklinik, in der wir waren, ermöglicht es den Menschen, ihre Tiere nicht allein zu Haus lassen zu müssen, und so hat Elena ihre Katze Katzi mitgebracht, die wir schon mal an der Leine spazieren führten. An der Leine, weil Katzi gegenüber den ebenfalls anwesenden Patientenhunden sowie den Schlosskatzen gerne mal das zeigte, was man so Teufelsohren nennt.
Katzi ist auf (beinahe?) allen Bildern Elenas vorhanden, als guter Schutzgeist und naiver Betrachter gleichermaßen.Ich habe viel Spaß gehabt, als ich die Bilder fotografieren durfte- und dabei wieder viele Einzelheiten entdeckt, die ich bis dahin nicht bemerkt hatte.
Elena und ich waren, zusammen mit vielen, vielen anderen Menschen eine Weile zu Gast in der Schlossklinik Pröbsting in Borken. Dort kann man erleben, was eine gut organisierte Klinik mit einem hervorragenden Betreuungsschlüssel ausrichten kann, wenn die Beschäftigten, die Therapeuten, Ärzte und das Pflegepersonal, die Haustechniker, das Servicepersonal im Restaurant und die Reinigungskräfte alle an einem Strang ziehen. Jeder, der mir dort begegnet ist, kannte mich am zweiten Tag mit Namen, wusste, warum ich da war und was ich zum Mittagessen bestellt hatte, hatte Geduld mit meinen Macken und sich über jede Errungenschaft mit mir gefreut. Und wenn das alles Schauspiel war, dann war das gutes Schauspiel!
Ein wirklicher Trost ist das, was mir zum Abschluss gesagt wurde:
Wenn es zu hart wird draußen, wenn sich erneut der Abgrund der Depression öffnet, kann ich jederzeit wiederkommen. Und das ist gut so.
Liebe Leute, die ihr mir die Stange gehalten habt:
Freut euch mit mir, ich bin zu Hause.

Liebe Grüße, und ein schönes Wochenende,

die Lily







Samstag, 14. August 2010

Notizen aus der psychiatrischen Provinz:




Ich will jetzt sitzend gegen den Strom schwimmen!
( B.H. aus B. zu mir, als sie auf der Poolnudel Richtung Gegenstromanlage steuerte)

Wasch dir die Füße, dann rutscht vielleicht der Dreck aus den Ohren nach!
( A.H. aus E., als ich sie beim Frühstück zuerst nicht verstanden hatte).

Der Monat ist fast zur Hälfte herum, und ich hab noch immer ein Ticket für die Psychiatrie. Ende August werde ich ausgewildert, wenn alles so läuft, wie es soll. Dann sind fast drei Monate um, viel mehr Zeit, als ich zunächst erwartet hätte, aber diese ist blitzartig schnell vorbei gegangen. Das lag zur einen Hälfte am tough durchgeplanten Tagesablauf, der oft nicht viel Zeit ließ, auf dem ziemlich weitläufigen Klinikgelände vom Einzel zur Wassergymnastik und von dort in den Kunstraum I zu kommen- und die drei Etagen Höhenunterschied lasse ich dabei ebenso aus wie den schwierigen Versuch, nach dem Schwimmen so weit trocken zu werden, dass man in seine Klamotten kommt, ohne sich auf die Nase zu legen. Aus unerfindlichen Gründen scheint Chlorwasser besonders schlecht durch Handtücher entfernbar zu sein. Oder liegt das daran, dass man nach dem Schwimmen im auf Badewassertemperatur erhitzten Pool (35 °C. Fünfunddreißig Grad. Celsius.) schwitzt wie ein Elch?
Egal.
Die andere Hälfte der relativen Zeitbeschleunigung haben meine Mitpatienten verursacht, die eigentlich immer da sind, außer wenn ich schlafe. Die merkwürdigsten Gestalten (unter denen sich auch euer aller Lily befindet) freunden sich miteinander an, und die Spontantreffen unter Sonnenschirmen, in Wintergärten, Ergo-Werkstätten oder Teeküche, Raucherraum oder Fernsehzimmer, Schwimmbad oder Seminarraum sind das Tüpfelchen auf dem I. 38 Patientenplätzen stehen knapp 60 Angestellte gegenüber- teilweise sind wir in den Gruppen nur zu dritt. Jede Person hat ihren Charme, ihre Geschichte, ihre Schönheiten, und ich bin ausgesprochen dankbar, sie alle kennen gelernt zu haben. Dabei ist eine Malerin, deren Bilder ich im nächsten Post mal ein bisschen vorstellen will, eine begnadete Textilkünstlerin und Menschen aus ganz anderen, ebenso interessanten Berufen, die jedoch nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen.
Von ihnen hab ich viel gelernt- daher hier mein Dank an

Elena, für das Abguckenlassen und die ästhetischen Highlights, sowie deine kluge und liebenswerte Art, zu lachen und zu leben, und für die Bekanntschaft mit Katzi
Alex, deren Fröhlichkeit und Warmherzigkeit immer noch fehlen,
Barbara, die so herrlich kreischen kann und mit der ich schon so unglaublich alberne Gespräche geführt habe, du hast mir gezeigt, dass man cool und warm zugleich sein kann.
Anne, die, die immer wieder aufsteht- dich bewundere ich, aber nicht kritiklos :-)
Anja- denk ab und zu an rosa Elefanten! Du schaffst es, meine Liebe!
Malou- halt die Ohren steif, das Leben wird klasse werden.
Antje- ich hoffe, ich sehe dich bald.
Margit: I'll never forget the sign of the flying asshole. Du rockst, meine Liebe.
Gaby, für Wärme, Zuneigung und den trockensten Humor am See.
Marita, für eine mörderische Lache,
Marianne, eine der weichherzigsten Frauen, die ich je kennen gelernt habe,
Regina, eine begnadete Aqua-Joggerin und Mit-Singstar-Gewinnerin, der ich Kickboxen als Lieblingsübung unter Wasser verdanke :-)
Dirk, für seinen Humor und die stete Arbeit an der Erlösung,
Dietmar, für sein mutiges Ansprechen der Neuen, und für die guten, langen Gespräche.
Einige der hier nicht Genannten sind nur kurz gemeinsam mit mir hier gewesen, und ihr Name ist mir nicht so deutlich in Erinnerung geblieben wie ihre Gesichter und ihre Geschichten. Aber auch die sind wichtig. Vielleicht schreibe ich ja mal einen Psychiatrie-Krimi, da kommen sie dann alle drin vor. Plus Ärzten und Therapeuten.
Ihr alle solltet immer dran denken: Sonne macht albern. Aber Tabletten auch :-)

Aber am meisten von allen verdanke ich meinem besten Freund S., für unentwegtes Da-Sein, für das Zurückziehen von der mentalen Bahnsteigkante, für endlose Gespräche zur Seelenrettung- ohne dich wäre ich schon tot, mein Lieber!
Auch Sandra und Gianna, die sich meine endlosen Irrwege bis hierher angetan haben: Ich danke euch, ihr seid echte Freundinnen.
Mein Bruder Georg, der sich unermüdlich die mehr als 200 km antat, um seine Schwester in der Klapse zu besuchen: Ich wünsch dir und S viel, viel Glück :-)
Der jedoch, ohne dessen Mitwirkungsbereitschaft ich niemals hierher hätte kommen können, fehlt noch: Mein Sohn T., der sich um die Katzen kümmert und meinen verlotterten Haushalt führt, so lange ich das nicht kann.

Vielen vielen Dank, euch allen.
Ich kanns nie wieder gut machen.

Lily

Sonntag, 1. August 2010

Immer diese Lebenszeichen.

Hallo und guten Morgen, zusammen,

ich danke euch allen für die lieben Kommentare- schön, dass ihr noch vorbei kommt und lest. Ich finde es zur Zeit schwer genug, etwas zu schreiben, und da ist es besonders gut, wenn man darauf eine Reaktion erhält.
Dass ich so kurz nach dem letzten Posting schon wieder etwas einstelle, liegt am sogenannten Belastungsurlaub- ich bin zu Hause, bis heut mittag. Urlaub bis zum Wecken, sozusagen. Und hier zu Hause ist das Internet irgendwie doch recht viel fixer.
Der Belastungsurlaub trägt seinen Namen zu Recht. Eines der Hauptprobleme, an denen ich derzeit arbeite, ist meine mangelnde Strukturbereitschaft, also die enormen Schwierigkeiten, die ich habe, eine gewisse, für meine diversen Gebrechen überlebensnotwendige Regelmäßigkeit in meinen Alltag zu bekommen, ohne dass das aufgesetzt oder übermäßig durchgeplant oder purer Zwang ist. Da ist allein die Aussicht auf ein Wochenende, bei dem ich allein dafür sorgen muss, dass ich regelmäßig zu Essen bekomme, ein Schauerstück. Zu Beginn des Klinikaufenthaltes bekam ich erstmal einen Essplan, an den ich mich halten musste. Schließlich bin ich nicht nur wegen Depressionen und Burnout, sondern auch wegen des Binge-Eatings da. Ich war zu der Zeit gewohnt, am Tag entweder gar nichts zu essen (abgesehen von vielleicht einem Joghurt abends) oder wie die Gestörte, die ich da bin, Haufen von Zeugs in mich reinzustopfen, bis nichts mehr ging- doll sowohl für das Gewicht als auch für den Diabetes. Die haben sich auch folgerichtig bedankt bei mir und ein paar Probleme zusätzlich verursacht, nämlich mich auf mein beinahe-all-time-high von Kilos hoch gebracht und den Blutzucker unvorhersehbar. Meine erste Reaktion war Panik- vier Mal am Tag essen? Wie soll ich das Binge-Eating denn damit in den Griff kriegen? Ich hab mit zusammenbrechenden Waagen einerseits und mit durchgehungerten Nächten andererseits gerechnet, denn hier zu Hause hab ich abends ab acht das erste Mal gegessen. Und nun, mir, der eingefleischten Nicht-Frühstückerin, um acht Uhr morgens erst den Kaffee und einen Naturjoghurt mit Leinsamen aufzudrängen, und abends um sechs das letzte zu Essen? Hilfe.
Jedoch hat mich die erste Woche schon beruhigt- die Waage am Montag morgen zeigte anderthalb Kilo weniger.
Inzwischen sind es fast sieben. Ich esse viermal am Tag moderate Mengen, bewege mich allein schon deshalb, um von Therapie zu Therapie zu kommen, und gehe täglich eine Stunde schwimmen. Morgens gehen eine besonders geliebte Mitpatientin und ich um den See, und alles das zusammen hat nicht nur zu weichenden Kilos geführt, sondern auch, oh Wunder, zu einem Zuwachs an Muskeln, den ich bisher noch nicht hatte.
Die Woche sieht demnach 7 Gänge à 2,5 km, 7 Stunden Schwimmen, drei Mal Tai Chi, drei Mal Wirbelsäulengymnastik und einmal Wassergymnastik vor, akzentuiert durch die mörderischen Treppen im Haus, die, da alt, keiner modernen Stufenhöhe frönen.
Das Essen selbst kann man nur köstlich nennen, und ich habe mich inzwischen sogar mit dem Joghurt angefreundet (sechs Esslöffel Magerjoghurt, drei TL Leinsamen, 1 TL Sesam, 1EL Honig- schmeckt supergut), sowie mit dem Salatbuffet mittags und abends. Gestern mittag hat mir der Salat gefehlt, ich hab einfach vergessen, mir einen zu machen, dafür hab ich das am Abend wieder gut gemacht.
Mein Speiseplan in der Klinik ist Gegenstand einer moderat geführten Diskussion, ich neige dazu, Teile auszulassen (das sind -tatsächlich- anorektische Verhaltensweisen bei mir, und auch reiner Trotz), das lässt man aber nicht zu. Merkwürdig ist jedoch, dass ich immer noch kein Hungergefühl habe, und das nach acht Wochen regelmäßigster Nahrungsaufnahme.
Meine teils anorektischen, teils bulimischen Mitpatienten sind essentechnisch kein bisschen mehr gestört als ich, und es ist immer noch verwunderlich, dass sich neunzehn- und zwanzigjährige junge Frauen und die ich in manchen Dingen so entsetzlich ähnlich sind.
Die Depressionen, die im Endeffekt zusammen mit dem Burnout dazu geführt haben, dass das Leben hier unerträglich wurde, sind immer noch da. Ich lerne, damit umzugehen, und langsam einzusehen, dass ich auch angenehme Dinge in meinen Alltag lassen kann, ohne dass mich dafür die Götter strafen werden.
Bisher ist das aber nur theoretisch, und findet allein schon durch die Klinik statt, deren schlichte Existenz  für mich immer noch ein Segen ist.
Passend ist, dass es sich bei der Klinik um ein altes Herrenhaus handelt, samt Burggraben (das ist eine Gräfte, liebste Paula :-) ) und Schlosskatzen. Als ich da ankam, hätte nur eine Zugbrücke mich noch mehr Sicherheit spüren lassen können.
Der Selbstmord saß in den letzten Wochen und Monaten hier zu Haus beinahe täglich als Möglichkeit -und scheinbar guter Freund!- auf meiner Bettkante. Inzwischen steht er nur noch in der Tür, aber auch das ist noch nicht ganz vorbei. Meine Medikamente, mittlerweile durch noch ein weiteres Präparat ergänzt, sind ebenfalls dafür verantwortlich, dass ich aus dem Bett kann und etwas tun- und zusammen mit der neu zu findenden Struktur werden sie mich auf Dauer begleiten, denn laut ärztlichem Urteil sind die Depressionen bei mir eine Störung der Hirnchemie, die ich wenigstens teilweise geerbt habe. Diesen wird auch auf die Dauer vermutlich nur mit Psychopharmaka und Struktur (mein Gott, wie dieses Wort mich verfolgt!) zu beherrschen sein. Besonders positiv an der Klinik ist, dass ich dort Hilfestellung erhalte, um weitere, wichtige Schritte zu tun, wie zum Beispiel einen Verschlimmerungsantrag bezüglich der Feststellung einer Minderung der Erwerbsfähigkeit zu stellen, und Kontakt mit meinem Arbeitgeber bezüglich weiterer Schritte aufzunehmen. Ich kann diese Dinge dort beginnen, und das ist gut so. Viele Kliniken machen sich diese Mühe nicht.
Am besten ist jedoch, dass ich dort ständig mit Menschen zu tun habe, etwas, was in den letzten zwei, drei Jahren hier nicht mehr ging. Ich habe noch drei gute Freunde, und die hab ich ganz schön strapaziert. Meine Fähigkeiten, Beziehungen zu meiner Umwelt aufrecht zu erhalten, ist nicht sehr ausgeprägt, wie die Leute aus leidvoller Erfahrung wissen, denn plötzliche und unerklärliche Rückzüge sind immer wieder vorgekommen und sind bei sehr vielen Menschen nicht sonderlich beliebt.
Aber ich versuche, daran zu arbeiten. Es fühlt sich alles schon wieder sehr viel stabiler an, wie ich finde. Das ist gut, aber das ist noch nicht alles. Ich werde auch nicht gesund und munter aus der Klinik entlassen werden, aber gesünder.
Und das ist gut so!

Stets die eure

Lily