Samstag, 13. November 2010
Über alles.
Montag, 8. November 2010
Dienstag, 2. November 2010
Samstag, 30. Oktober 2010
Eine Woche
Honi soit qui mal y pense
Neulich, in einer kleinen Großstadt am Rande des Ruhrgebietes, es ist ca. 19.15 Uhr. Im Hause eines älteren Ehepaars, nennen wir sie M und P, klingelt das Telefon.
Am anderen Ende ein Mann, der sich -nicht eben freundlich- nicht mal eben vorstellt, sondern lediglich die Firma nennt, für die er arbeitet. Bei derselben handelt es sich um einen der marktführenden Anbieter telekommunikativer Leistungen, auch manchmal als rosa Riese bezeichnet.
Hintergrund und Anlass des Telefonats scheint zu sein, dass M und P vor einigen Tagen nach vierzig Jahren ihren Vertrag mit dem modefarbenen Monster gekündigt und sich für einen geringen Pauschalpreis bei einem Mitbewerber für zwei Jahre verpflichtet haben. Nicht nur, dass hierdurch monatlich eine Ersparnis von ca. 10 € eintritt, nein, weit gefehlt.
Vielmehr ist es so, dass im letzten Monat der Leistungswille des rosa Riesen gelitten zu haben schien, denn an 10 von 30 Tagen stellte er keine Leitung zur Verfügung. Sprich: Niemand konnte M und P erreichen. Statt mit M und P sprach man entweder ins Leere, lauschte einem vorgetäuschten Klingelton, oder erhielt eine Ansage, dass der Teilnehmer derzeit nicht zu erreichen sei.
Natürlich bemühten M und P unmittelbar nach Bekanntwerden der Störung die freundliche 0800-Hotline, erfuhren jedoch nur, dass seitens des Unternehmens keine Fehler feststellbar seien, vielmehr müsse der Schaden nach dem Hausanschluss aufgetreten sein.
Ein wenig hilflos wandte sich P. an den örtlichen Elektronik-Fachhandel und erwarb einen Ersatz für das bejahrte Telefon- nur um dann festzustellen, dass der Anschluss immer noch tot war. Die erneut zur Hilfe gerufene Hotline verwies ebenso erneut auf einen nicht im eigenen Einflussbereich liegenden Fehler, und machte das verlockende Angebot, das Problem mittels eines –von M und P zu bezahlenden- Technikers zu lösen.
M und P, störrisch wie ältere Herrschaften manchmal sind, scheuten davor zurück, einem fremden Handwerker carte blanche (bzw. einen Blancoscheck) zu geben, und schalteten in der Folge zwei ihrer Kinder ein, die einen Samstag damit verbrachten, alle Telefondosen im Haus auf Durchlass zu prüfen. Ergebnislos insofern, als dass sich kein Anhalt für einen Fehler ergab.
Die Einschaltung der Hotline ergab, dass angeblich das Fehler-Ticket erledigt sei- ein Techniker sei bereits dort gewesen.
Dies nun konnte der Sohn, der in der Folge die Verhandlungen am Telefon führte, nicht zwangsläufig bestätigen- denn es war ja auch schlicht falsch. Der leicht ungehaltenen Dame am Telefon (am teuren Mobiltelefon, versteht sich) war dies nur schwer klar zu machen.
Nachdem die Zusammenarbeit mit dieser Hotline sich insgesamt ziemlich zäh und äußerst unerfreulich gestaltete, rief der Sohn, nennen wir ihn S, seinen X-Man zu Hilfe- eine geheime Kraft mitten im Kern der pinken Ex-Post, der auf dunklen Kanälen an einigen Fäden zog, hier drehte und dort nachsah- und veranlasste, dass endlich mal jemand richtig nachschaute.
Kurze Zeit später klingelte das Telefon bei M und P, ein seit langem nicht mehr gehörtes Geräusch, und ein freundlicher Mitarbeiter der Telekom teilte mit, ihnen sei leider ein Verteiler durchgebrannt. Aber jetzt sei alles wieder prima und takko, sozusagen.
Nachdem also nur die Einschaltung inoffizieller Wege eine Klärung der Angelegenheit auslösen konnte, löste der darüber entwickelte Zorn von M und P den Anbieterwechsel aus, der nun dazu führte, dass ein nicht so freundlicher Mitarbeiter des Unternehmens Kontakt zu den Abtrünnigen aufnahm.
Wir sind also hier im Haus der M und des P, ihres Zeichens nicht länger Kunde beim modefarbenen Monster, sondern bei der Konkurrenz.
Das Telefon klingelt, und am anderen Ende ist jemand, der sich als Mitarbeiter des bisherigen Anbieters ausgibt.
Zunächst noch freundlich, versucht M dem Mann zu erklären, aus welchem Grund sie die Vertragskündigung vornahm. Es ist kaum zu glauben, aber anstatt sich und sein Unternehmen für diese miserable Fehlleistung zu entschuldigen und zu fragen, ob man irgendwie einen Gesinnungswandel bei den Kunden herstellen kann, wird der Mann frech und aggressiv, und ergeht sich in dunklen Drohungen („Sie werden schon noch Ihr blaues Wunder erleben“- „Sie werden noch an mich denken“ etc.).
Nun ist M zwar nicht mehr die Jüngste, aber weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen, und nachdem noch mehr inhaltsleere Scheiße aus dieser Richtung in die ihre geschleudert wird, teilt sie dem Mann mit, was er sie mal kann (natürlich viel höflicher als ich das täte) und legt auf. Schließlich hat sie bei dem anderen Unternehmen soeben mitbekommen, dass es auch Leute gibt, die sich um die Kunden kümmern (und für die „Kümmern“ nichts mit „Kummer machen“ zu tun hat).
Wie komme ich jetzt auf den Gedanken, dass es sich bei diesem Anruf um einen Versuch handeln könnte, ältere Kunden herumzuschubsen und in Angst und Schrecken zu versetzen, damit sie kleinlaut wieder zu Kreuze kriechen und den rosa Riesen bereichern?
Ich weiß ziemlich genau, dass in keiner Dienstanweisung und in keinem Gesprächsleitfaden in diesem Unternehmen dieses Verhalten den Telefonterroristen vorgeschrieben oder auch nur angeraten wird. Aber ich bin lange genug bei einem größeren Arbeitgeber beschäftigt, um ziemlich genau zu wissen, dass gerne die Linie gefahren wird, die seitens des Arbeitgebers gewünscht wird, auch wenn kein Vorgesetzter dieses Ladens dumm genug wäre, um dies schriftlich festzuhalten. Heutzutage ist es schließlich so, dass vorauseilender Gehorsam vielleicht den Job rettet. Was scheren einen da M und P, die ein bisschen verstört und irritiert sind? Nun, die beiden interessieren wirklich niemanden. Außer ihren vier Kindern, den Schwiegerkindern, deren Freunden und Verwandten, bei denen diese Geschichte weite Verbreitung finden wird.
Ich weiß nicht recht, was auf Dauer unternehmensschädlicher ist: Ein freundlich behandelter Kunde, der vielleicht noch mal wiederkommt, oder eine große Familie, mit einem Haufen Bekannter, die dauerhaft verärgert und angepisst sind.
So wie
Lily.
Die euch allen trotzdem ein schönes Wochenende wünscht. Außerdem ein dreimal kräftiges Happy Birthday an die Lily-Mutter, die heute 70 wird... Mögen die Festlichkeiten beginnen!
Und das hier:
Samstag, 16. Oktober 2010
Li-ly-Lieblingsbeschäftigungen
Freitag, 15. Oktober 2010
Wie in alten Zeiten.
Donnerstag, 14. Oktober 2010
Abgründe!
Sei es, dass er im Grunde bereits ein etwas grüner Geselle ist, sei es, dass ihn die zunehmend engeren Wohnbedingungen zu derartigen Spielchen treiben- er ist es leid, vollkommen nutzlose Tütchen mit jeweils acht Keilrahmenspannholzkeilchen in ihren Ziplocs vom Rahmen zu reißen und eine Deponie damit anzulegen, nur um sie später weg zu werfen oder in allen möglichen Taschen, Körben oder Malutensiliensammelstellen wieder zu finden.
Der Käufer beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, wieviel Bäume für die Produktion der Keilrahmenspannholzkeilchen ihr arboretisches Leben ließen, und fragt sich, ob er diesen weltweiten Ausverkauf von Biomasse für die Produktion derart bedeutungsloser Zubehörteile weiter tolerieren kann. Kurze Zeit später dann berichtet die Aktuelle Stunde über den verrückten Maler aus G., der es sich zum Lebensziel gemacht hat, aus Keilrahmenspannholzkeilchen unter Zuhilfenahme von Klebstoff eine Skulptur gegen die Verschwendung von unschuldigem Holz zu erstellen.
Zermürbt und süchtig von Klebstoff, wird der Ehrgeizige nach Ablauf aller Einspruchsfristen in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Zum Zwecke der diesbezüglichen Unterbringung wird es eines Morgens an seiner Tür klingeln. Nachdem sich der Ehrgeizige seine taumelnde Bahn durch Berge kleiner Ziploc-Tütchen mit ihr-wisst-schon-was-drin gebahnt und dem vermeintlichen Boten des Malbedarfgroßhändlers die Tür geöffnet hat, werden freundliche junge Männer in sauberen weißen Kitteln ihn in eine beruhigende Zwangsjacke verpacken und unter beruhigendem Auf-ihn-ein-Reden in einem beruhigend unauffälligen Lieferwagen parken. Kopfschüttelnd werden diese jungen Männer in ihrer Mittagspause den Kollegen von der Wohnung berichten, in der es nach Klebstoffen stank, und in der überall kleine Holzstückchen herumlagen.
Der Malbedarfsgroßhandel, schwer ächzend unter den Bedingungen eines angespannten Marktes, geriet ins Trudeln und in der Folge in die Pleite, weil der Ehrgeizige seine Rechnung nicht mehr zahlen konnte.
Die Banken, die bis dato in der Hoffnung auf die fortgesetzte Produktion von Keilrahmenspannholzkeilen die holzverarbeitende Industrie gestützt und mit immer neuen Krediten die Beschaffung von Ziploc-Tütchen erst ermöglicht hatten, wurden innerhalb kürzester Zeit in diesen Abwärts-Strudel hineingezogen.
Mit ihnen fiel der Minister für die Bankenaufsicht, und der für die Regulierung der Erzeugnisse der petrochemischen Industrie zuständige Innenminister der Landesregierung musste seinen Rücktritt erklären.
Schönen Tag zusammen!
Lily
Dienstag, 12. Oktober 2010
Das Geheimnis
meiner Fotos- ist eigentlich keines. Time meinte in ihrem letzten Kommentar, dass ihre Bilder immer nichtssagend seien. Abgesehen davon, dass das nicht stimmt (ich hab schon einige besonders schöne Bilder von ihr gesehen) ist es auch rein technisch nicht schwierig, die Aussagekraft der eigenen Bilder zu erhöhen.
Am Anfang steht die Kamera- ein bisschen mehr als Ritschratschklick sollte sie drauf haben, sonst ist das Fotografieren ein Glücksspiel- und dazu ist das Hobby doch ein bisschen zu teuer. Ich habe neben der 450 D noch eine Canon Powershot, das ist eine kompakte Digitalkamera, und in der Ecke liegt noch eine Olympus der ersten Jahre, die aber nicht viel taugt, weil sie einfach endlos lang braucht, um sich in einen fotografierfähigen Zustand zu versetzen.
(Die Powershot ist grad im Ausleih bei meiner Mutter, die damit gut zurecht kommt)
Eine kurze Wieder-Bereit-Zeit ist von Wichtigkeit, wenn man Menschen oder Tiere fotografieren will- das mache ich auch, aber ich poste keine Bilder mit Menschen drauf.
Für die Art Fotos, die hier erscheinen, benutze ich die digitale Spiegelreflexkamera meist mit dem Telezoom mit 55-250 mm Brennweite. Das reicht aus, um sehr stark zu vergrößern, um z. B. Pflanzenteile auch ohne Makro scharf in den Vordergrund zu nehmen. Für Landschaften ist das auch ganz gut, nur bei Architektur hätte ich gerne ein Weitwinkel, um ein bisschen mehr in die Breite gehen zu können. Vielleicht schenkt mir wer die 700 €, die ich dafür brauche? Spaß beiseite.
Wenn ich fotografiere, überleg ich mir bei jedem Bild, was genau drauf sein soll. Ist es ein kleines Detail, versuche ich es bildfüllend draufzukriegen. Mit dem Tele ist dann automatisch der Hintergrund verschwommen.
Ist es ein Tier oder ein Mensch, dann gilt dasselbe- möglichst bildfüllend, das verhindert auch das Auftreten von Störmotiven, wie z. B. Straßenschilder, Hochspannungsmasten, andere Leute oder Zäune oder so.
Bei Fotos im Zoo stelle ich die Kamera um auf manuellen Fokus, dann kann man auch durch Zäune hindurch fotografieren, die dann, weil außerhalb des Fokus', so gut wie nicht auffallen. Auch nicht ganz saubere Glasscheiben an Tiergehegen irritieren den Autofokus, den man dann auch abstellen sollte.
Das funktioniert nur nicht bei schnell laufenden oder fliegenden Tieren, da ist man mit dem manuellen Scharfstellen nicht schnell genug.
Bei der 450D ist trotz aller Beschränkung auf bildfüllende Motive das, was nachher auf dem Bild ist, mehr als das, was man im Sucher findet. Ich benutze übrigens IMMER den Sucher, und nie das Monitorbild zum Auswählen eines Motives, weil ich nicht in der Lage bin, an zwei ausgestreckten Armen die Kamera so ruhig zu halten, dass auch etwas dunklere Motive nicht verwackeln. Abgesehen davon sieht das einfach nur Scheiße aus. Das vermeide ich sehr gerne.
Sofern man nicht bildfüllend fotografieren konnte, schneide ich das fertige Bild mit Picasa, manchmal muss ich es geraderücken oder die Farben etwas lebhafter gestalten- das mach ich alles mit Picasa. Fotoshop wäre besser, weil man da wirklich ins Detail gehen kann, aber ich beherrsche das Programm nicht, und ich hab es auch nicht. Picasa ist von Google, kostenlos und reicht für meinen Geschmack vollkommen aus.
Die meisten Leute gehen anschließend mit einer Software über ihre Bilder, und warum auch nicht?
Es macht Sinn, sich ein Buch über seine Kamera zu kaufen, wenn es eines gibt. Da die 450D sehr verbreitet ist, hat mein bestester Freund mir zu Weihnachten ein EInsteigerbuch geschenkt, und ich hab mich damit beschäftigt, weil ich nicht immer zufrieden war mit den Bildern, aber nicht wusste, wie ich das ändern soll.
Oft ist mir aufgefallen, dass ich besonders kalte Rottöne nicht wirklichkeitsgetreu wiedergeben konnte, das wurde gern zu gelblich, und das hat mich geärgert. Auch, dass kleine, helle Motive vor einem dunklen Hintergrund immer ausdruckslos waren- da hab ich dann im Buch gelesen, dass die Kamera sich bemüht, die Lichtmenge, die sie "sieht" zu optimieren, und bei hellen Motiven vor dunkler Kulisse letztere aufhellt. Zwangsläufig werden helle Bildbestandteile dann zu einem weißen Matsch. Dagegen kann man die Kamera programmieren- außer dem Automatik-Modus hat sie nämlich noch weitere Möglichkeiten, wie man Teile der Einstellung gezielt verändern kann. Ich hab einen Modus so programmiert, dass die Kamera bei hell-vor-dunkel-Motiven unterbelichtet. Das bedeutet, dass der Hintergrund dann nichtssagend schwarz wird, aber die Strukturen des hellen Zentrums erhalten bleiben. Damit hat man dann auch die Möglichkeit, dunkle Wolken mit gleißenden Rändern sauber aufs Bild zu kriegen, oder die ersten Buchwindröschen im Frühling im dunklen Wald.
Um auszuprobieren, was richtig und was falsch ist, mache ich meist mehrere Bilder, oft zehn oder noch mehr von einem Motiv, mit verschiedenen Einstellungen. Das ist inzwischen weniger geworden, weil ich jetzt schon vorher weiß, wie ich die Einstellungen wählen muss.
Lichtmangel versucht die Kamera in manchen Einstellungen auch mit dem Blitz zu korrigieren. Das geht oft schief, weil der Blitz harte Schatten zaubert (bei Porträts total übel), und weil Bilder mit weggezwungenem Blitz oft zu lang belichtet werden müssen- aus der Hand allein wird das meist unscharf. Bei Zuhilfenahme eines Stativs ist dann das Bild oft gelblich, weil das Umgebungslicht kein Weiß mehr darstellt- das muss man ausprobieren, und irgendwie das passende Licht finden, ohne das es Schatten gibt- ein weißleuchtender Deckenfluter, den man an einer hellen Wand reflektieren lassen kann, gibt oft viel angenehmeres Licht und das in ausreichender Menge.
Insgesamt behelfe ich mir oft mit irgendwelchen Tricks. Aber am wichtigsten ist, den Blick zu schulen, und Details auch zu sehen, wo sie einem begegnen. Noch viel tausendmal wichtiger ist es allerdings, die Kamera eigentlich immer mitzunehmen... wobei es oft auch gut tut, sie zuhause zu lassen, und einfach mit allen Sinnen zu genießen, was die Umwelt hergibt.
Ach ja- und anschließend die Karte zu entleeren und die Bilder auf dem großen Monitor anzuschauen und zu selektieren ist eines meiner größten Vergnügen. Wenn man das nicht gern macht, wird die Bildqualität nicht besser werden. Nur dabei kann man nämlich seine Fehler sehen und draus lernen.
Also los, schnappt euch die Kameras und geht dem Herbst nach...
Lieben Gruß
von
der Lily.
Montag, 11. Oktober 2010
Gestern in Solingen
Gestern hat das schöne Herbstwetter zugeschlagen, und mich (okay, auf Elenas Einladung hin) in die wunderschöne Gegend rings um Schloss Burg in Solingen gelockt. 60 Kilometer von hier, und eine komplett andere Welt. Unser Spaziergang durch das Tal der Wupper dauerte zwei Stunden- nicht nur, weil ich ständig fotografiert habe, sondern auch, weil die Strecke für mich Flachlandbewohner teils recht anstrengend war.
Einen schönen Start in die Woche Euch allen!
Lily
Samstag, 9. Oktober 2010
Freitag, 1. Oktober 2010
Der Ernst des Lebens.
Heute fange ich wieder an zu arbeiten, nach vier Monaten Pause, und zwar an einem neuen Arbeitsplatz, in einem neuen Sachgebiet und einem neuen Amt.
Donnerstag, 30. September 2010
Freitag, 17. September 2010
Rätsel der Zivlilisation, Teil 1
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Donnerstag, 16. September 2010
21 Tage
Abschied, Anfang, Alltag.
Das waren die ersten A-Wörter, die mir in den Sinn kamen, als ich vor inzwischen drei Wochen wieder das Licht der Welt erblickte.
Das „Licht der Welt“ ist schon vollkommen richtig, denn so wirklich in der Welt war ich in Pröbsting nicht. Man läuft anders durch die Gegend, man redet, denkt, träumt und argumentiert anders, wenn man den Blick überwiegend nach innen richtet.
Was fühlst du? Ist die Frage, die am häufigsten gestellt wurde, und auf meine Antwort hin kam dann oft die Gegenäußerung: „Scheiße“ ist kein Gefühl.
Auch „schlecht drauf“ ist kein Gefühl.
Aber Glück, Angst, Einsamkeit, Nähe, Kälte, Gut-Aufgehoben-sein, das sind alles Gefühle. Es ist beklemmend, wenn man von seiner Therapeutin eine „Liste möglicher Gefühle“ bekommt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber so viel Emotionen auflistet, die man schon lang nicht mehr hatte.
Ich bin immer noch nicht richtig wieder zu Hause.
Meine Menschen aus dem Krankenhaus fehlen mir, die, die ohne zu zögern, ohne zu fragen und vor allem ohne Urteil einem weinenden Mitmenschen die Hand auf die Schulter legen und die Papiertaschentücher reichen. Die nicht wegsehen, wenn es jemandem schlecht geht, die weder sagen „Lass dich nicht so hängen“ noch „So langsam müsstest du aber mal wieder lachen können“.
Das Alleinsein nach so langer Zeit unter Menschen ist hart, und ich habe keinen Schimmer, wie ich das besser machen kann- jeder Besuch bei den Leuten, die in meiner Nähe wohnen, bedeutet wieder Abschied, wenn ich fahre. Jedes Telefonat hat ein Ende, unser Alltag hat uns wieder. Niemand wurde gesund entlassen, meist nur mit einer nicht mehr schweren, sondern einer nur noch mittelgradigen Depression. Mit Nortriptylin, Fluoxetan, Citalopram, Amitriptylin, Benzodiazepinen im Gepäck, und einer Sortierungsschachtel für die Pillen, wie sie sonst nur Omas haben.
Die ersten meiner Menschen denken darüber nach, wieder zurück zu gehen, denn sie werden mit ihrem Leben nur schwer fertig. Viele von ihnen sind einsamer, als man sich das vorstellen möchte, auch und gerade wenn andere Leute um sie herum sind. Viele müssen immer noch die Krankheit verbergen, um ihre Arbeit nicht zu verlieren und nicht im Zentrum des Klatsches und Tratsches zu sein. Das kostet zusätzlich Kraft, die kaum vorhanden ist, und die man so nötig für andere Dinge braucht.
Ich will ein paar Wahrheiten nicht vergessen:
-Depressionen sind real, sie verzerren die eigene Sicht der Dinge- das Leben fühlt sich scheiße an, auch wenn die Umwelt meint, das sei es gar nicht.
-Es gibt das, was meine Therapeutin eine depressive Gedankenkaskade nennt. Danach sollte man in sich Ausschau halten, um sie gleich im Keim zu ersticken, denn sie hat nichts, aber auch gar nichts mit der Realität zu tun.
-Vor einer Depression kann man nicht davon laufen, aber wenn man in Bewegung bleibt (tatsächlich in Bewegung), dann kann sie nicht so schnell andocken.
-Ebenso haben Depressionen wenig Platz in einem gut strukturierten Alltag. Strukturen sind der Leuchtturm, der noch funktioniert, wenn alle anderen Lichter verloschen sind.
Wichtig ist nur, dass alle Teile von uns in dieser Struktur zu ihrem Recht kommen. Sonst sind sie dazu verurteilt, ein Gefängnis zu sein und keine Stütze.
Der Herbst ist da.
Lily
Sonntag, 12. September 2010
Fehlleistungen
Als da wären:
--Heute morgen auf dem Weg zum Sport ein Schild, auf dem stand: Muskelkater im Revier.
--Das gestrige Posting, das wohl den Eindruck vermittelte, ich hörte Stimmen.
Nun hab ich das immer abgestritten, konsequent und schriftlich noch neulich, beim Ausfüllen der elfunddreißig Anamnesebögen, Psychotests und dergleichen.
Inzwischen ist jedoch eine Erkenntnis gereift: Ich höre Stimmen. Zwar sind keine Personen anwesend, aber technisches Zeugs, das Stimmen und andere Klänge überzeugend darzustellen vermag. Ich höre sogar Yodas Stimme, liebste Svenja, denn ich habe sie mir aus dem Netz heruntergeladen, als Gimmick für das Navi. Das wiederum hat mir mein kleiner Bruder geschonken, dem ich mal wieder Dank schulde, denn es gibt nichts schöneres, als bei der Ankunft zu hören: „Nach dreihundert Metern du dein Ziel erreicht hast. Kraftvoll du geworden bist!“
Und obwohl ich auch immer mit Vergnügen lese, wenn irgendein hirnloser Navi-Folger mal wieder im Wasser gelandet ist, so lasst euch sagen, liebe Leute: Ohne Navi bin ich eine Gefahr für diese schöne Welt. Vor ein paar Tagen hab ich mich derart gründlich in Bochum verfahren, dass ich für die gar nicht so lange Strecke über eine Stunde gebraucht habe.
Mal abgesehen vom Spritverbrauch- mich beruhigt es nicht, wenn ich daran denke, dass vermutlich noch mehr Leute unterwegs sind, beide Hände um das Lenkrad gekrampft, Schweiß auf der Stirn und immer nur mit einem Auge auf der Straße, weil das andere versucht, den Zettel auf dem Beifahrersitz zu lesen. ( Der ist- per default- auf einem miesen Drucker mit ersterbender Schwarzpatrone erstellt, und das ist einfach so. Kosmische Strahlung.)
Ganz zu schweigen von dem Erlebnis vor vier Wochen, als ich trotz Ausdruck einer Wegbeschreibung eine Stunde lang in einer Mittelstadt in der Nähe herumgekurvt bin, und schließlich mit meinem verpassten Termin wieder zurück fahren musste. Die Innenstadtstraßen in dieser netten Stadt trugen sämtlich keine Namensschilder. Echt geglückt, meine lieben Herren vom Tiefbauamt, oder wer immer in Bocholt für die Beschilderung der Straßen zuständig ist. Wenn ihr selbst nicht wisst, wie das Stück Fußgängerzone da vor euch heißt, gebt eurem Herzen einen Ruck und fragt einfach. Aber passt auf, dass das nicht auf dem belebten Innenstadtring nötig wird- da ist zu viel Verkehr, um mal eben anzuhalten.
(Ich hab sogar gefragt, dreimal, und bin dreimal in eine andere Richtung geschickt worden. Da kommt Freude auf!)
– Weitere Fehlleistungen:
Beim gestrigen Treffen zum ergotherapeutischen Malen im Atelier einer befreundeten Malerin (s. hier) habe ich, eingedenk eines Stapels mit Acrylfarbe eingesauter Jeans, eine Schürze mitgenommen, die sogar zum Einsatz kam- nur, um dann beim Herumsauen mit besagter Farbe weiträumig umgangen zu werden. Diesmal hab ich mir die Unterarme sowie die Hosenbeine knapp überm Saum verschmiert. Super. Die dunkel-lila Farbe klebte heut morgen noch am Arm, die weiße dafür unten am dunkellila Hosenbein. Aber im Schwimmbad ist die Farbe am Arm wenigstens abgegangen.
Vermutlich krieg ich zur Belohnung ein bisschen Muskelkater im Revier. Wer weiß das schon?
Einen schönen Sonntag,
wünscht
die Lily
Freitag, 10. September 2010
Die Wende
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Montag, 30. August 2010
...ich liebe es.
Ich find es unglaublich praktisch, wenn man von den Leuten, deren Webshops man besucht hat, Passwort und Kennung noch mal per Mail übersandt bekommt. Total praktisch ist aber diese datenschützerische Maskierung meines Passworts, von dem ich euch nur verraten kann, dass es KEINE Reihe Sternchen ist.
Manchmal fragt man sich, wo die Leute ihr Hirn aufbewahren. Ganz normal an Ort und Stelle kann es echt nicht sein.
Meint
Die Lily
Samstag, 28. August 2010
Kein Titel, da mir keiner einfällt.
Seid Ihr auch alle da?
Katzi ist auf (beinahe?) allen Bildern Elenas vorhanden, als guter Schutzgeist und naiver Betrachter gleichermaßen.Ich habe viel Spaß gehabt, als ich die Bilder fotografieren durfte- und dabei wieder viele Einzelheiten entdeckt, die ich bis dahin nicht bemerkt hatte.
Ein wirklicher Trost ist das, was mir zum Abschluss gesagt wurde:
Liebe Leute, die ihr mir die Stange gehalten habt:
Freut euch mit mir, ich bin zu Hause.
Liebe Grüße, und ein schönes Wochenende,
die Lily
Samstag, 14. August 2010
Notizen aus der psychiatrischen Provinz:
( A.H. aus E., als ich sie beim Frühstück zuerst nicht verstanden hatte).
Ihr alle solltet immer dran denken: Sonne macht albern. Aber Tabletten auch :-)
Sonntag, 1. August 2010
Immer diese Lebenszeichen.
Hallo und guten Morgen, zusammen,
ich danke euch allen für die lieben Kommentare- schön, dass ihr noch vorbei kommt und lest. Ich finde es zur Zeit schwer genug, etwas zu schreiben, und da ist es besonders gut, wenn man darauf eine Reaktion erhält.
Dass ich so kurz nach dem letzten Posting schon wieder etwas einstelle, liegt am sogenannten Belastungsurlaub- ich bin zu Hause, bis heut mittag. Urlaub bis zum Wecken, sozusagen. Und hier zu Hause ist das Internet irgendwie doch recht viel fixer.
Der Belastungsurlaub trägt seinen Namen zu Recht. Eines der Hauptprobleme, an denen ich derzeit arbeite, ist meine mangelnde Strukturbereitschaft, also die enormen Schwierigkeiten, die ich habe, eine gewisse, für meine diversen Gebrechen überlebensnotwendige Regelmäßigkeit in meinen Alltag zu bekommen, ohne dass das aufgesetzt oder übermäßig durchgeplant oder purer Zwang ist. Da ist allein die Aussicht auf ein Wochenende, bei dem ich allein dafür sorgen muss, dass ich regelmäßig zu Essen bekomme, ein Schauerstück. Zu Beginn des Klinikaufenthaltes bekam ich erstmal einen Essplan, an den ich mich halten musste. Schließlich bin ich nicht nur wegen Depressionen und Burnout, sondern auch wegen des Binge-Eatings da. Ich war zu der Zeit gewohnt, am Tag entweder gar nichts zu essen (abgesehen von vielleicht einem Joghurt abends) oder wie die Gestörte, die ich da bin, Haufen von Zeugs in mich reinzustopfen, bis nichts mehr ging- doll sowohl für das Gewicht als auch für den Diabetes. Die haben sich auch folgerichtig bedankt bei mir und ein paar Probleme zusätzlich verursacht, nämlich mich auf mein beinahe-all-time-high von Kilos hoch gebracht und den Blutzucker unvorhersehbar. Meine erste Reaktion war Panik- vier Mal am Tag essen? Wie soll ich das Binge-Eating denn damit in den Griff kriegen? Ich hab mit zusammenbrechenden Waagen einerseits und mit durchgehungerten Nächten andererseits gerechnet, denn hier zu Hause hab ich abends ab acht das erste Mal gegessen. Und nun, mir, der eingefleischten Nicht-Frühstückerin, um acht Uhr morgens erst den Kaffee und einen Naturjoghurt mit Leinsamen aufzudrängen, und abends um sechs das letzte zu Essen? Hilfe.
Jedoch hat mich die erste Woche schon beruhigt- die Waage am Montag morgen zeigte anderthalb Kilo weniger.
Inzwischen sind es fast sieben. Ich esse viermal am Tag moderate Mengen, bewege mich allein schon deshalb, um von Therapie zu Therapie zu kommen, und gehe täglich eine Stunde schwimmen. Morgens gehen eine besonders geliebte Mitpatientin und ich um den See, und alles das zusammen hat nicht nur zu weichenden Kilos geführt, sondern auch, oh Wunder, zu einem Zuwachs an Muskeln, den ich bisher noch nicht hatte.
Die Woche sieht demnach 7 Gänge à 2,5 km, 7 Stunden Schwimmen, drei Mal Tai Chi, drei Mal Wirbelsäulengymnastik und einmal Wassergymnastik vor, akzentuiert durch die mörderischen Treppen im Haus, die, da alt, keiner modernen Stufenhöhe frönen.
Das Essen selbst kann man nur köstlich nennen, und ich habe mich inzwischen sogar mit dem Joghurt angefreundet (sechs Esslöffel Magerjoghurt, drei TL Leinsamen, 1 TL Sesam, 1EL Honig- schmeckt supergut), sowie mit dem Salatbuffet mittags und abends. Gestern mittag hat mir der Salat gefehlt, ich hab einfach vergessen, mir einen zu machen, dafür hab ich das am Abend wieder gut gemacht.
Mein Speiseplan in der Klinik ist Gegenstand einer moderat geführten Diskussion, ich neige dazu, Teile auszulassen (das sind -tatsächlich- anorektische Verhaltensweisen bei mir, und auch reiner Trotz), das lässt man aber nicht zu. Merkwürdig ist jedoch, dass ich immer noch kein Hungergefühl habe, und das nach acht Wochen regelmäßigster Nahrungsaufnahme.
Meine teils anorektischen, teils bulimischen Mitpatienten sind essentechnisch kein bisschen mehr gestört als ich, und es ist immer noch verwunderlich, dass sich neunzehn- und zwanzigjährige junge Frauen und die ich in manchen Dingen so entsetzlich ähnlich sind.
Die Depressionen, die im Endeffekt zusammen mit dem Burnout dazu geführt haben, dass das Leben hier unerträglich wurde, sind immer noch da. Ich lerne, damit umzugehen, und langsam einzusehen, dass ich auch angenehme Dinge in meinen Alltag lassen kann, ohne dass mich dafür die Götter strafen werden.
Bisher ist das aber nur theoretisch, und findet allein schon durch die Klinik statt, deren schlichte Existenz für mich immer noch ein Segen ist.
Passend ist, dass es sich bei der Klinik um ein altes Herrenhaus handelt, samt Burggraben (das ist eine Gräfte, liebste Paula :-) ) und Schlosskatzen. Als ich da ankam, hätte nur eine Zugbrücke mich noch mehr Sicherheit spüren lassen können.
Der Selbstmord saß in den letzten Wochen und Monaten hier zu Haus beinahe täglich als Möglichkeit -und scheinbar guter Freund!- auf meiner Bettkante. Inzwischen steht er nur noch in der Tür, aber auch das ist noch nicht ganz vorbei. Meine Medikamente, mittlerweile durch noch ein weiteres Präparat ergänzt, sind ebenfalls dafür verantwortlich, dass ich aus dem Bett kann und etwas tun- und zusammen mit der neu zu findenden Struktur werden sie mich auf Dauer begleiten, denn laut ärztlichem Urteil sind die Depressionen bei mir eine Störung der Hirnchemie, die ich wenigstens teilweise geerbt habe. Diesen wird auch auf die Dauer vermutlich nur mit Psychopharmaka und Struktur (mein Gott, wie dieses Wort mich verfolgt!) zu beherrschen sein. Besonders positiv an der Klinik ist, dass ich dort Hilfestellung erhalte, um weitere, wichtige Schritte zu tun, wie zum Beispiel einen Verschlimmerungsantrag bezüglich der Feststellung einer Minderung der Erwerbsfähigkeit zu stellen, und Kontakt mit meinem Arbeitgeber bezüglich weiterer Schritte aufzunehmen. Ich kann diese Dinge dort beginnen, und das ist gut so. Viele Kliniken machen sich diese Mühe nicht.
Am besten ist jedoch, dass ich dort ständig mit Menschen zu tun habe, etwas, was in den letzten zwei, drei Jahren hier nicht mehr ging. Ich habe noch drei gute Freunde, und die hab ich ganz schön strapaziert. Meine Fähigkeiten, Beziehungen zu meiner Umwelt aufrecht zu erhalten, ist nicht sehr ausgeprägt, wie die Leute aus leidvoller Erfahrung wissen, denn plötzliche und unerklärliche Rückzüge sind immer wieder vorgekommen und sind bei sehr vielen Menschen nicht sonderlich beliebt.
Aber ich versuche, daran zu arbeiten. Es fühlt sich alles schon wieder sehr viel stabiler an, wie ich finde. Das ist gut, aber das ist noch nicht alles. Ich werde auch nicht gesund und munter aus der Klinik entlassen werden, aber gesünder.
Und das ist gut so!
Stets die eure
Lily