Montag, 16. Februar 2015

Freier Tag heute :-))

So.. Kühlschrank gekauft, den Inhalt kann ich mir jetzt eher nicht mehr leisten, aber egal. Am Freitag kommt das Goldstück, und sie nehmen natürlich den alten mit. Die Frage, wie weit ich den noch mal blitzsauber schrubbe, stellt sich jetzt natürlich. Ebenso die, wie es wohl hinter und auf dem alten Schrank aussieht, der zu hoch ist, als dass ich ihn öfter in den acht Jahren hier jemals von oben gereinigt hätte.
Aber, wie sagt Scarlett O'Hara noch so schön: Darum kümmere ich mich morgen.
Heute ist ein Extra Sonder Super freier Tag, nämlich Rosenmontag, und da finde ich es ganz toll, dass so viele Leute das Rathaus stürmen wollen. Denn aus diesem Grund hat das Amt zu. Und die Lily hat frei!
Zeit, heute mal ein bisschen was an Mount Washmore zu ändern und dem Geschirr an den Schmutzkragen zu gehen. Eigentlich wollte ich das schon am Wochenende tun, aber da musste ich lesen. Ungefähr zwei Tage lang. Und mich vor dem alten Kühlschrank graulen, der jetzt, wo er leer ist, merkwürdige Gerüche entwickelt. Was für ein Abschluss-Schrubben spricht, wenn ich es recht bedenke. Schrubben, mit Essig. Oder Orangenreiniger, oder Lysol. Egal, Hauptsache riecht nicht nach ollem Kühlschrank. Offen lassen, damit er nicht weiter stinkt, geht nicht, denn ich fürchte, dass das Gekatze dann reinspringt. Ist schließlich auch eine Art Höhle.
Das befellte Volk hier erfreut mich momentan mit Besuchen, sowohl auf der Couch als auch hier am Rechner. Paul hat kein bisschen dazu gelernt, er liegt immer noch am liebsten auf meinem rechten Handgelenk, und Karl will immer dabei sein.  Das macht das Bloggen zur Schwerstarbeit (und fügt dem defekten Daumengrundgelenk vermutlich noch mehr Schaden zu). Aber was tut man nicht alles für die, die ein langes, verschlamptes Wochenende mit einem aushalten, und nur ab und zu nach einer frisch geöffneten Dose Futter verlangen. Am Valentinstag haben sie ganz besonders entzückend geschnurrt.
An solchen verschnarchten Tagen bin ich immer todfroh, dass ich ein Single bin. Sowas ist ja nur eingeschränkt möglich, wenn man mit mehreren oder zwei Leuten ist. Andererseits fehlt dann natürlich auch jemand, der einem zu hohen Feiertagen, wie Valentin oder Geburtstag mit Aufmerksamkeiten überschüttet...
Die übliche Variante ist aber wohl die, dass man nicht allein vor sich hingammeln kann, weil eben doch jemand mit einem die Couch teilt, Geburtstage oder Weihnachten aber trotzdem sehr gern vergessen werden.Wobei das ja nicht wirklich auf Partner beschränkt bleibt. Mein Sohn kann das auch. Und meine Ansage zu seinen Studienzeiten: "Spar dir deine paar Kröten, du hast selbst nix und brauchst mir nix zu schenken" scheint sich in seiner DNA festgefressen zu haben.
Dabei krieg ich gern Geschenke, und wenn es auch nur Kleinigkeiten sind. Wir reden jetzt mal nicht von Büchern, die der Schenker gern selbst lesen würde, oder von dem Eisenbahn-Simulationsspiel, welches mir der Nachwuchs zum vierzigsten schenkte (warum denn bloß?? Wer jetzt antwortet: Weils im Angebot war", der kriegt Blogverbot). Er ist da so wie einige andere Herren, die meinen Pfad gekreuzt haben: Braucht die genaue Beschreibung, Bestellnummer, Größe und Farbe dessen, was er mir als Überraschung schenken möchte. Wenn man bedenkt, dass er ohne Vater groß wurde, ist das aber vermutlich wieder meine eigene Schuld.
Im Nachhinein könnte ich aber wieder brüllen vor Lachen über die Nummer von vor fünf Jahren: Da wohnten wir mal wieder kurz zusammen, und es war Geburtstag, der meinige. Und er hat nicht dran gedacht. Ist mit keiner Silbe darauf eingegangen. Ich war damals sehr, sehr depressiv und für mich ging die Welt ein bisschen unter. Ergo hab ich den Tag damit verbracht, zu weinen und meinem besten Freund am Telefon die Ohren voll zu jammern. Immer wenn der Nachwuchs aus seiner Höhle schlurfte, hoffte ich, er hätte sich vielleicht eine Überraschung ausgedacht, und die käme jetzt- weit gefehlt.
Abends dann, gegen halb zehn, kam er nochmal ins Wohnzimmer, in dem das Mutterelend auf dem Sofa hockte mit rot verheulten Augen. Frug mit teilnehmender Stimme, ob es mir nicht gut gehe- und auf meine Antwort, dass er als kleines Scheißarschloch den Geburtstag seiner Mutter verpasst und offenbar komplett vergessen habe.... ging er wortlos in sein Zimmer.
Ein kleines Teil von mir hoffte immer noch auf irgendeine Überraschung, einen Glückwunsch oder eine Primel oder eine Karte oder IRGENDWAS, als er dann wieder ins Wohnzimmer kam.
Mir die Hand auf die Schulter legte.
Und sprach: Na, dann wünsch ich dir noch einen schönen Abend.
Brüllen vor Lachen ist die eine Sache, die mir dazu einfällt. Über diesen Hirni. Auf der anderen Seite bin ich leider immer noch sauer über diese Nicht-Aktion.  Seiner Freundin übrigens schenkt er Dinge, er fragt mich sogar, ob angemessen oder nicht und ob sie wohl erfreut sein wird. Da ich das Mädchen kaum kenne, wir keine gemeinsame Muttersprache und eigentlich auch keine Themen gemeinsam haben, kann ich das nicht so genau sagen, sondern ihm nur den Tipp geben, dass was zum Umhängen, Anziehen oder Beduften immer gut kommt, auch Blumen und so. Da reißt er sich echt den Hintern für auf, und das ist auch gut so.
Wenn ich meine Erfahrungen mit dem Beschonkenwerden so Revue passieren lasse, wird mir klar, dass meine Partner auch mit erhöhtem Misstrauen zu rechnen gehabt hätten, wenn sie zwischendurch mal mit Blumen gekommen wären. Denn wer an Geburtstage erinnert werden muss, Gutscheine verschenkt oder Bargeld oder Haushaltsgeräte (das Schlimmste? Ein Kärcher), der kommt nicht einfach mit etwas nur Schönem daher. Der MUSS ein schlechtes Gewissen haben.
So. Das haben wir jetzt auch geklärt.
Herzlich,
Lily. Single.








Posting Nr. 1245, in dem Wärme und Improvisation vorkommen

Das Hausfrauendasein (welches einem echt keine Härte erspart) kann manchmal ganz schön warme Momente bescheren. Vorgestern nämlich stellte ich fest, dass es meinem gegen Abend genossenen Joghurt an einer zentralen Eigenschaft fehlte- der Kälte.
Ich hab dann den alten Wecker, den mit dem Thermometer an Bord, für eine Nacht im Kühlschrank ausgesetzt und morgens dann konstatiert, dass 15 Grad sowohl für Februar als auch für eine Kühleinrichtung recht kuschelig sind...zu kuschelig.
Nun habe ich das Ding vor recht kurzer Zeit abgetaut- es kann also nicht an einem vereisten Thermostatfühler oder sowas liegen. Bei 15 Grad hält sich so ein Eisding auch nicht lang. Ebensowenig übrigens wie andere Dinge, die auf Kühlung angewiesen sind, um genießbar zu sein. Im Einpersonenhaushalt ist das ganze jetzt nicht so tragisch, besitze ich doch noch einen Riesengefrierschrank und eine Kühltasche. Die kühlt jetzt derzeit, mit wechselnden Kühlelementen bestückt, mein Insulin (das nicht gefrieren darf) und Käse, Butter und Joghurt. Es ändert jedoch nichts daran, dass ich definitiv einen neuen Kühlschrank brauche.
Den Sonntag hab ich also mit Marktevaluation verbracht. Was es nicht alles gibt, kann ich nur konstatieren, was es nicht alles gibt!
Und auch hier gilt: Was schön ist, ist zu groß und zu teuer. Wie bei Autos. Was passend wäre für Geldbeutel und für mich als Einzelperson, ist definitiv hässlich. Die spontan ausgewählte Kalteinrichtung war ein dreihundert Liter Standalone-Gerät, in knallrot.
Für über tausend Euro. *hüstel*
Für dieses Volumen müsste ich eine WG gründen, sonst bliebe nur, den Katzen ein Plätzchen drin freizuräumen, denn um Luft zu kühlen bin ich zu geizig, und würde ich das Mordstrumm mit Lebensmitteln auffüllen, landeten sie praktisch sofort auf meinem eh schon geplagten Hüftbereich. Ein Einbauteil, in den vorhandenen Schrank gesetzt, möchte ich gar nicht haben. Denn der Schrank ist nicht mehr in Ordnung, und damit ein (weiterer) Schandfleck in meiner Küche. Ich brauche auch nicht wieder eine Kühl-Gefrierkombi, denn, wie oben berichtet, ein Riesengefrierschrank fristet hier auch sein Dasein.
Ein Unterbaugerät oder ein stinknormaler Kühlschrank passten zwar dahin, aber die Arbeitsplatte endet da, wo jetzt der Einbauschrank für den Kühler steht. Wenn ich noch eine Arbeitsplatte ersetzen muss, dann kann ich gleich einen großen Kühlschrank kaufen. Zumal selbst die großen, ohne Gefrierabteil, einen eher zu vernachlässigenden Stromverbrauch haben.
Ach. Ist das schwierig.
Der zunächst gefundene Kompromiss, ein hoher Kühlschrank ohne Froster, ohne Schrank drumherum aufstellbar und mit recht geringem Stromverbrauch, könnte erst am 23. geliefert werden... Indiskutabel, denn ich erhalte Freitag Besuch für ein paar Tage, und auch wenn ich für mich gern improvisiere, so ist das ein Problem, wenn man Lebensmittel für drei kühlen möchte.
Naja, und auch wenn ich sonst viel im Internet kaufe: Sowas soll ein paar Jahre halten, und ich kann es nicht so einfach entsorgen und neu kaufen wie beispielsweise einen Fernseher. Denn auch ein kleiner Kühlschrank passt nicht in den Golf (eher umgekehrt), Lieferung und Altgerätemitnahme sind also essentiell, und sowas verhandele ich lieber vor Ort. Auf meinem Weg vom Büro ins Städtchen ist ein Elektroladen, so ein altmodischer, mit Schaufenstern und echten Menschen drin, und sie haben oft Angebote. Da werde ich gleich mal einfallen- sofern die am Rosenmontag offen haben. Und dann muss ich nur noch sehen, wie ich den alten Schrank aus der Ecke bekomme. Wünscht mir Glück!



Samstag, 14. Februar 2015

'sch 'ab Rücken

Aua.
Alles fing ganz harmlos an, mit ein bisschen Ischias, kenn ich seit dreißig Jahren und stört mich nicht weiter. Passiert halt.
Aber aua.
Schonhaltungen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
AUA.
Dann war da dieser Alptraum heute nacht, in mehreren Staffeln, mindestens so lang wie Emergency Room und mit ähnlich viel Blut. Hat mich alle zwanzig Minuten, immer rechtzeitig zur Werbepause, wach gemacht, und gegen vier wusste ich nicht mehr, ob ich tatsächlich schon mal ermordet wurde oder das nur geträumt habe (im Moment stehen die Wetten auf  "Wirklichschontot"). Jedenfalls war der Gedanke an Aufstehen um viertel vor fünf angenehmer als der an Weiterschlafen. Was man so Schlafen nennt.
Der Ischias reicht derzeit vom linken Ohr bis zum Kleinzeh auf derselben Körperseite. Meine Wohnung sieht aus, als habe ein Trupp bekiffter Heinzelmännchen ihren Schulabschluss gefeiert, so mit Katzenrennen und so, und aua, mein Hintern schmerzt.
Das wird nicht besser vom Rumsitzen, im Gegenteil. Aber Bewegung macht derzeit auch keinen richtigen Spaß (wer mir verrät, wie man den Spaß-bei-Bewegung erzeugt und dauerhaft vorrätig hält, wird in meine Abendgebete eingeschlossen. Bei den guten Wünschen.)
Am frühen Aufstehen ist das Beste, dass um fünf Uhr morgens kein Mensch ernsthaft irgendwelche Arbeit von einem verlangen kann, ganz egal, ob Bewegung gut täte, die Wäsche auf die Leine gehört oder die Katzenhaare derzeit versuchen, aus dem Laminat einen Teppichboden zu machen.
Zu-früh-für-Arbeit ist aber gleich vorbei.
Ich glaub, ich geh wieder ins Bett.
Schließlich hab ich Rücken.

Montag, 9. Februar 2015

Spannung und Richtigstellung

Heute morgen, kaum betrat ich das idyllische Kleinbüro, überfielen mich schon die Kollegen mit ernsten Gesichtern:
Man hat eingebrochen, an diesem Wochenende. Die wirklich teuren Sachen sind hier geblieben (der teure Kopierer, was wohl an dessen Größe lag- die Diebe konnten das Gebäude nur durchs Fenster verlassen, die Zwischentüren der Etage sind sämtlich abgeschlossen und nicht aufbrechbar ohne sehr großen Aufwand). Statt dessen, und anstatt die recht neuen Computer mitzunehmen, beschränkten sich die Schandtaten auf einen antiken Laptop mit kaputtem Akku und auf einen Beamer mit Grünfehler. Und zwanzig Euro aus der Bar-Kasse. Das ist nicht die Ausbeute schlechthin, kann man sagen. Ich hoffe, die haben sich auch noch den Fuß verstaucht- das Zimmer, in das sie eingestiegen sind, liegt im Hochparterre über einem Treppenabgang.
Jedenfalls freut sich der Kollege, dessen Laptop ihn verlassen hat, über die Aussicht auf einen neuen, und wir brauchen den Beamer nicht reparieren zu lassen.
Und wir sind zwar Stärkungspaktgemeinde, aber 20 € können selbst wir noch verschmerzen.

Und die Richtigstellung?
Die richtet sich an alle die, die das letzte Posting als depressiven Leuchtturm gesehen haben. Darum ging es nicht, sondern darum, dass ich es vermessen finde, dass so viele Menschen derzeit äußern, "Charlie" zu sein. Der Durchschnittswohlstandsbürger hierzulande ist eben nicht Charlie. Nicht, weil er noch lebt, sondern weil er meist ja doch schweigt, wenn er sich äußern könnte, aus Angst oder Vorsicht oder aus welchen Gründen auch immer. Ich nehme mich davon nicht aus- und das wäre kein bisschen anders, wenn ich keine Beamtin wäre. Es ist auch so, dass wir Beamte tatsächlich eine Meinung haben dürfen, niemand hindert uns daran. Vielleicht können wir sie ja auch klarer äußern, weil wir keine Angst um unseren Arbeitsplatz haben müssen? Natürlich darf unsereiner nix Strafbares sagen, aber das würde ich ohnehin nicht so einfach tun- das ist ja schließlich für alle strafbar. Was ich bedaure, ist, dass ich mich nicht als Kandidat einer Partei zur Wahl des Stadtrates aufstellen lassen kann. Aber niemand hindert mich dran, es mal im Landtag zu versuchen, oder im Bundestag (Besser leben mit Diäten...)
Ansonsten habe ich mir ein wunder-, wunderschönes Notizbuch von Paperblank gekauft, Blautöne mit einer Silberfiligran-Verzierung, in A4, liniert und ich schwelge darin, es ob seiner Schönheit zu bewundern.
Zudem hab ich erneut The Lymond Chronicles von Dorothy Dunnett zur Hand genommen und schwelge, wenn nicht in der Schönheit von Notizbüchern, in der Üppigkeit dieser Geschichten, der Sprache und Atmosphäre des 16. Jahrhunderts und den sorgsam verwickelten Plots und Handlungssträngen. Meine Güte, konnte die Frau schreiben.
Schönen Tag zusammen!
DieLily

Samstag, 31. Januar 2015

Je ne suis pas.

Nein, ich bin nicht Charlie.
Ich bin nicht die Krankenschwester, die in den USA vor einer Abtreibungsklinik erschossen wird, ich bin kein NSU-Opfer, ich fliege nicht mit einer Autobombe vor einer Grundschule in Bagdad in die Luft.
Ich habe keinen Grund und auch nicht das Recht, mir den Überlebensmut, die Courage, die Intelligenz anderer Menschen auf die Brust zu schreiben.
Ich muss nicht hungern, ich friere nur beim Rauchen auf dem Balkon.
Ich trage eine Schere im Kopf, die mir oft die Meinungsäußerung schon beschneidet, bevor ich sie zu Ende formuliert habe.
Ich bin ein kleines Rädchen in einem bedeutungslosen Getriebe an einer überflüssigen Maschine, die eine unwichtige Arbeit auf einem abgelegenen Bauernhof nicht besonders gut erledigt.

Ich habe die Pflicht, in Frieden mit meiner Umgebung und unserer Welt zu leben.
Ich habe die Pflicht, Andersdenkende zu respektieren.
Ich habe die Pflicht, die zu lieben, die mich das tun lassen.
Ich  habe die Pflicht,  mein verdammtes Maul aufzumachen und eigene Gedanken herauszulassen.









Mittwoch, 21. Januar 2015

Schuckeflinse und Ruscheldups

Wie vermutlich niemand hier weiß (weil ich es noch nicht geschrieben habe, daher), stammen meine Vorfahren väterlicherseits aus Frankreich. Unser Hausname ist erstmalig für das 13. Jahrhundert in irgendeinem Pariser Arondissement erwähnt. Ein Schlenker über Ostpreußen und ein paar schöne, eingeheiratete und leider nicht mehr geführte Hausnamen später findet mich das Schicksal im Ruhrgebiet in West-Deutschland im 21. Jahrhundert- mit einem dementen Vater und einem ziemlichen Maß an Traurigkeit darüber, dass jemand, den man in den letzten 50 Jahren kaum kennengelernt hat, im eigenen Vergessen verschwindet.
Demenz, egal ob Alzheimerklasse oder weniger dramatisch verlaufende Varianten, bedeutet das innere Absterben der Person, die einem noch gegenüber sitzt. Zum Glück haben wir als Familie die Anzeichen früh bemerkt, und mit Trainings, Medikamenten und sowas es etwas aufhalten können. 
Aber es wird schlimmer, und die Auswirkungen auch seines hohen Alters sind unübersehbar.
Was macht man nun, wenn man jemanden besucht, mit dem man schon in gesunden Tagen kaum ein Gesprächsthema hatte?
Man versucht, mit ihm über seinen Teil seiner Vergangenheit zu sprechen, den Teil, den man selbst nicht erlebt hat. Da kann man fragen, und fragen, und fragen- er hat immer was zu erzählen, und dieses schreckliche "Das weiß ich nicht mehr" bleibt zum Glück aus.
Gestern nun hab ich eine alte Familiengeschichte aufgewärmt, aus der Zeit, als meine Mutter und er frisch verheiratet waren- das ist ungefähr 55 Jahre her.
 Mutters erste Versuche, Reibekuchen zu backen, um den frischen Ehemann zu erfreuen, waren nicht sehr erfolgreich. Die ihr geläufige Rezeptvariante sah recht dicke Exemplare vor, die noch dazu erst nach Gesamtabschluss des Bratvorgangs serviert wurden. Nun war mein Vater gewohnt, dass ihm sehr dünne, knusprige Reibekuchen direkt aus der Pfanne vor die Nase gesetzt wurden, und ich vermute mal, es fand eine frühe Krise in der frischen Ehe statt, als er vehement genau diese Reibekuchen verlangte- weil seine Mutter sie so gebraten hat. Ein Klassiker, oder?
Ich kann ihn deswegen nicht verurteilen (wenn ich auch vermute, dass sein Charme nicht erst in den letzten Jahren von der eher ungeschliffenen Art war), denn die Reibekuchen meiner Mutter, nach Omas Rezept,  schlagen alles, was je jemand anderes mir unter diesem Namen vorgesetzt hat. Egal ob frisch aus der Pfanne oder kalt, mit Brot und Apfelmus oder einfach so gegessen, diese Dinger sind echt der Hit. Zwar dazu angetan, den Esser das Rennen um den höchsten Cholesterinspiegel gewinnen zu lassen, aber wen schert das schon? Mich nicht.
Eingedenk der Geschichte mit den ersten Reibekuchen, die Mutter für ihn gebacken hat, hab ich ihn dann mal gefragt, ob seine Mutter diese Dinger auch so gebacken hat, und wie die kleinen, fiesen Leckereien denn in seiner Heimat genannt wurden. Ohne nachzudenken konnte er mir ihren Namen nennen: Schuckeflinse. Von "Schucke", ostpreußisches Platt für Kartoffeln, und "Flinse", nu ja, halt Flinse. Er schien mir ziemlich wehmütig, weil seine Herkunftssprache so von der Landkarte verschwunden ist- die letzten Menschen, die diese noch gelernt haben, sind inzwischen vermutlich 70 und älter, und nachgewachsen ist wahrscheinlich keiner. Ich hab ihm dann erzählt, dass seine Mutter mir als Kind einen "Ruscheldups" attestiert hat, und er hat gelacht- der Dups, das ist der Hintern, und das ruscheln (mit weichem "sch", nicht wie in Rascheln, sondern wie in Garage), das ist das unruhige Herumrutschen.
Dann hat er noch ein paar russische und polnische Worte ins Rennen geworfen, aufgeschnappt auf der Flucht, in ziemlich beängstigenden Zeiten und Umständen, und hat bedauert, dass er nie Polnisch gelernt hat. Meine Mutter hingegen schwärmte derweil von der Landschaft in Warmia in Polen, früher Ermland (Masuren), wo das Dorf liegt, in dem mein Vater aufwuchs. Aus seinen Erzählungen habe ich mir immer eine Art Lönneberga vorgestellt, wenn der Ort auch Wolnica heißt- und sie meinte, das wäre auch so, nur ohne die bunten Häuser. Mein Vater ergänzte dann die Namen der Dorfbewohner, des Krämers, des Schmieds (Verwandtschaft), und wir haben uns über die hübschen Namen in unserer Familie gefreut, aus der Zeit, die jetzt Vergangenheit ist. Lindenblatt, Langwald, Ruhnau, Tolksdorff- lauter Namen, die hier nicht vorkommen. Der Kracher für Mutter und ihn war die Gaststätte "Tadeusz Huhn", die Buchstaben längst heruntergefallen vom Gebäude, aber ihre Umrisse zumindest Ende der Achtziger noch sichtbar.
Alles das wird in absehbarer Zeit vergessen sein und nur noch als Erzählungen in meinem Gedächtnis weiterleben.
Und das Wort Schuckeflinse gab es bis jetzt nur in zwei Fundstellen bei Google. Jetzt sinds drei.
Haltet durch!
Die Lily.



Dienstag, 20. Januar 2015

Einen ganzen Tag- mindestens.

Einen ganzen Tag weltweiter Aufmerksamkeit kann man mit einem richtig dummen Einfall bekommen- derzeit geistert durch die Sozialen Medien die Geschichte eines Kindergeburtstages. Weil einer der kleinen Gäste nicht auftauchte, obwohl er zugesagt hatte, sandte die gastgebende Mutter ihm nun eine Rechnung über ungefähr 15 Pfund Sterling, die Vollstreckung hat sie wohl auch schon angekündigt.
Im Zuge irgendeines Genom-Mapping-Projekts wird man wohl demnächst feststellen, dass sie ihr Erbgut mit einigen der Abmahnanwälte teilt, die zu so trauriger Berühmtheit gekommen sind.

Ich überlege derzeit, wen ich in welcher Höhe verklagen kann, weil ich seit Jahren kein Frühstück ans Bett serviert bekommen habe, der richtig große Lottogewinn ausbleibt, und überhaupt.
Hat wer eine Idee?

Samstag, 17. Januar 2015

Es fängt langsam an...

Vor ein paar Monaten hab ich mir einen neuen Lichtwecker gekauft, so ein Teil, das einen morgens sanft mit heller werdendem Licht und einem Soundtrack weckt. Er dient auch als Nachttischlampe, und ich liebe ihn, wenn auch der Soundtrack "Meeresrauschen" sich anhört, als ginge jemand mit einer Schubkarre heiserer Affen vor dem Haus auf und ab.
Gestern abend hab ich beim Lichteinschalten dann jedoch leider den Radioteil eingeschaltet, und jetzt komm ich mir vor wie meine Mutter. Denn egal, welche Knöpfe ich gedrückt und welche Sensoren ich sanft bis unwirsch berührt habe: Ich krieg das leere Rauschen nicht abgestellt, nur leiser gedreht.
So ähnlich ging es meinen Eltern, als im Oktober die Sommerzeit endete und der neue Herd in der Küche auch umgestellt werden wollte. Keine Chance... Das Ganze wird nicht besser dadurch, dass derzeit die Deckenlampe im Schlafzimmer kaputt ist, und der Wecker die einzige Beleuchtung darstellt. Die Beschriftung auf den Knöpfen am oberen Rand des Weckers liegen sozusagen hinter dem Licht und sind nicht ohne Taschenlampe lesbar. Und die Deckenlampe zu reparieren gelingt mir auch nicht, unter anderem weil ich an fünf von sieben Tagen in der Woche nur im Dunkeln zu Haus bin. Des weiteren, weil ich einen gesunden Respekt vor Stromquellen habe und sehr ungern auf Leitern stehe.
Ich habe für sämtliche Zimmer vor einem Jahr neue Lampen gekauft, die alle noch unausgepackt im Ostflügel stehen, weil ich erst renovieren wollte, bevor neues Licht kommt. Waaaah.
Und nachdem ich vor zwei Wochen eines meiner Großregale ausgeräumt, die Bücher abgesaugt, das ganze ausgewaschen und wieder eingeräumt hatte, musste ich mich den Rest des Tages erstmal ausruhen. Und natürlich die Bücher lesen, die ich bei der Aktion wiederentdeckt habe. Seither schauen mich die anderen drei Regale schräg an.
Dabei würde ich viel lieber in den nächsten Wochen nur auf der Couch sitzen und meinen verehrten neuen Fernseher anstarren. Vorzugsweise, während ein Film läuft. Der wo mein Sohn ist hat mich  mir einer hübschen Auswahl an BluRays ausgestattet, unter anderm Die Hard I bis IV, Iron Man I bis III und die ersten drei Staffeln Game of Thrones (so eine Auswahl für ältere Damen, ihr versteht schon). Iron Man war witzig, Die Hard kannte ich schon, war aber auch witzig. Nur Game of Thrones, oh Mann, war das ein gequirlter Mist. Ich hab das nur angetestet, aber leider genauso wenig leiden können wie die Bücher. Opulente Bilder hin oder her, politische Parabeln meinetwegen, aber nö, Frauen in Fleischrüstung und/oder flatternden Gewändern, Männer mit Frühstück im Bart, das darf für mich nur Peter Jackson.
Wobei ich den Hobbit streng genommen auch etwas redundant finde.
Aber auf dem Fernseher erfreut mich sogar mein Weihnachtsgeschenk ( 15 Staffeln Emergency Room) ganz besonders. Selbst DVDs sehen so unglaublich viel besser aus, wenn sie über das HDMI-Kabel kommen, und auch der Sound ist erheblich besser mit dem neuen Ding. Ich hab es nämlich nicht geschafft, das Dolby-Surround-Gerätekonvolut anzuschließen. Noch nicht, aber irgendwann bin ich ja mal in Rente und hab genug Zeit... oder vielleicht auch mal genug Geld, um mir da auch was Neues zu besorgen, das mich intellektuell und vom hinter-den-Möbeln-rumkriechen her nicht so überfordert. Das fand ich früher spannend, heute kann mich so ein Unternehmen leider nicht mehr motivieren.
Es scheint Zeit zu sein, sich die Seniorenfilme aus der Bibliothek zu holen.
Sollen ja nette Landschaftsaufnahmen dabei sein.

Schönes Wochenende zusammen,
vonne Lily.



Mittwoch, 14. Januar 2015

Von einem, der auszog, Absurdes zu suchen

...und es auch fand.

Es begab sich aber zu der Zeit, als Angela in Berlin regierte, dass ein Mann in einer kleinen Stadt, weit weg vom Kern des weltpolitischen Dingsda, beschloss, einen Antrag zu stellen. Einen Antrag auf Bezuschussung einer unvermeidbaren Geldausgabe. Denn siehe, der Mann war Asylbewerber, und seine Frau höchst schwanger.
Der Mann nahm seine Frau, ihren Mutterpass und das bereits vor drei Jahren geborene ältere Geschwister und machte sich auf, sein Glück zu suchen.
Zuerst klopfte er an die Tür des Busses. Und weil er Glück hatte und ein guter Mensch war, öffnete der Busfahrer die Tür und hieß ihn einsteigen, samt Frau und Mutterpass und Kind und allem.
Dann klopfte er an die Tür des Sozialamtes. Und weil er Glück hatte und die Sachbearbeiterin nicht gerade im Urlaub, öffnete auch sie die Tür und ließ ihn herein, samt Frau und Mutterpass und Kind und allem.
Dann ging der Mann nach Hause. Und siehe: Er kam gut an.

Und es verging ein Tag und eine Nacht und noch ein Tag und immer so weiter, bis drei Wochen um waren. Und der Mann klopfte an den öffnete den Briefkasten und fand darin einen Umschlag mit einem...


Gutschein. Über 130 €, zur Anschaffung von Säuglingskleidung und eines Kinderwagens. Für ein Neugeborenes, im Dezember.


Und der Mann schaute auf den Gutschein und der Gutschein schaute auf ihn. Dann schüttelten beide den Kopf.
Denn siehe: Im ganzen Städtchen gibt es nur gar wenige Läden, die einen solchen Gutschein annehmen- und diese waren nicht sehr geneigt, die Dinge zu verkaufen, die der Mann brauchte. Das hatte er bereits erfahren, als er umgezogen war und fünf Lampen kaufen musste, weil das Geschäft, in dem er Farbe besorgen wollte, ihm diese nur geben wollte, wenn er gleichzeitig fünf Lampen erwarb. Mit dem Gutschein, von dem dann nix mehr übrig blieb.
In keinem dieser Lädchen in dem Städtchen gibt es aber Kinderwagen- und schon gar nicht für 130 €. Selbst wenn irgendwo ein Kinderwagen in einem Laden, der einen solchen Gutschein akzeptiert, zu kaufen gewesen wäre (und man bedenke: Es war Dezember, das Wetter schlecht und das Kindlein frisch geboren- ein stabiler, wetterfester Wagen musste sein), wäre von dem Gutscheinbetrag kein bisschen mehr für eine warme Decke, eine warme Jacke oder ähnliches übrig geblieben. Abgesehen davon kostete der billigste wintertaugliche Kinderwagen im Städtchen bereits 240,00 €.
Nun mag der geneigte Leser denken, dass es doch einfach wäre, einen gebrauchten Kinderwagen zu besorgen. Aber die Verkäufer gebrauchter Kinderwagen sind nicht berechtigt, mit der Verwaltung des Städtchens abzurechnen. Auch Lädchen in anderen Städtchen können dies nicht.

Da ging der Mann zu einer Freundin und bat sie, ein Schreiben zu schreiben an das Sozialamt und zwar mit folgendem Inhalt:

Schönen Dank, liebes Sozialamt. Aber dieser Gutschein ist eine Farce (Auflistung von Gründen). Deshalb gebe ich ihn zurück- veräppeln kann ich mich allein. Bitte überdenken Sie doch mal Ihre Verwaltungspraxis- und teilen Sie mir einfach mal mit, warum Sie der Meinung sind, dass diese Praxis Menschen hilft.
Viele Grüße auch.
Ihr Asylbewerber.


Dann hörte der Mann lange nichts.
Zeit kam, Zeit ging, Zeit war vorbei.
Dann wurde das Kindlein geboren.
Am nächsten Tag fand der Mann in seinem Briefkasten einen Umschlag.
Darin ein Scheck. Über 240 €. Zur Beschaffung eines Kinderwagens und ähnlicher Ausgaben.

Was nicht darin war, war ein erklärendes Schriftstück, das sich mit seinem Schreiben beschäftigt hätte.
Böse Zungen behaupten nun, dass die Sachbearbeiterin verhindern wollte, nachdenken zu müssen.
Oder auch, dass man dem Mann nichts an die Hand geben wollte, mit dem er vielleicht zur Presse hätte gehen können, oder zur Flüchtlingshilfe.Nicht, dass er das vorgehabt hätte. Dazu wäre ja auch der Gutschein viel besser geeignet gewesen.

Eines aber steht fest: Nach ein paar verwunderten Momenten haben er und die Freundin eine Weile vor sich hin gekichert.




Dienstag, 13. Januar 2015

Dunkel war's---

der Mond schien helle. Oder auch nicht.
Ich hab mich ja schon mal über dieses Teilstück meines Arbeitswegs ausgelassen, bei dem kurviger Streckenverlauf und große, alte Bäume samt mieser Dunkellampen sich gegen die Autofahrerinnen verschwören, und wie alles dies mit dem suizidalen Verhalten jugendlicher Verkehrsteilnehmern auf zwei Rädern zusammenspielt und einem den letzten Nerv raubt.
Der Typ heute morgen um zwanzig nach sieben, der komplett ohne Licht und ohne Reflektoren daher trampelte, der fuhr auch noch Schlangenlinien. Selbstschädigendes Verhalten kann man auch subtiler zeigen, Junge! Wie wäre es mal mit Nägelkauen? Ist vermutlich aus der Mode gekommen. Aber es lohnt sich bestimmt, es wieder zu entdecken, ist schließlich billiger als sich Löcher in den Körper stanzen zu lassen und komisches Metall reinzustecken. Oder für immenses Geld seine letzten sechs Wochen auf einer Intensivstation zu verbringen.
Nur die Tatsache, dass ich vom Fahrersitz aus das rechte Fenster im Auto nicht runterkurbeln kann, hat den Knaben davor bewahrt, einige üble Wahrheiten über sich selbst zu erfahren, in gar nicht mal ganz so gewähltem Deutsch (obwohl das vom Blickwinkel abhängt).
Herr, lass Hirn vom Himmel fallen. Und Rücklichter.
Menno.



Sonntag, 11. Januar 2015

Fünf Fernbedienungen und ein Telefon- oder: Der Laden ist ein langer, südamerikanischer Fluss

Das neue Jahr beschor mir außer einer neuen Ordnungszahl auch einen defekten DVD-Player. Nun ja, er ist schon ein paar Jahre alt, vier oder so, und die Dinger sind auch nicht mehr aus Gußeisen- also wen wunderts schon?
Doof ist natürlich, dass das mitten in meinem Weihnachtsgeschenk für mich passierte. Bei letzterem handelt es sich um eine Komplettausgabe der 15 Staffeln Emergency Room, und meine medizinische Ausbildung auf der Couch konnte unmöglich lange unterbrochen werden. Schließlich plane ich zu Ostern eine Thyreodektomie auf dem Küchentisch und im Herbst wird hier chez Lily die erste Cerebrale Volltransplantation stattfinden.
Ihr seht: Die Gründe, beim Online-Handelsgiganten zuzuklicken waren zwingend.
Ergo bin ich seit vorgestern im Besitz eines BluRay-Players. Seither liegt eine schwarze Fernbedienung mehr auf dem Tisch, und ich bewundere die Segen der Technik, seit ich meine Filme in HD ansehen kann.
Jetzt ist der Fernseher zu klein.
Man kann jedoch nicht alles (sofort) haben- und irgendwas in mir sträubt sich dagegen, einen intakten Fernseher zu entsorgen. Leider ist mein Wohnzimmer so groß, dass auch ein Hundertzöller locker hineinpassen würde. Und seit es in meiner Heimatstadt nicht einmal mehr eine neue Tastatur zu kaufen gibt, und der ehemalige Promarkt nur noch eine leere, hässliche Hülle ist (vorher war es eine volle, hässliche Hülle, aber das ist ein anderes Problem), muss ich mich zu Marktübersichts- und Bedarfsweckungszwecken bei Jeff Bezus und seinen Kollegen schlau machen (bzw. dumm kaufen, wie man will)- und das ist wirklich eine Art Hiergibtsalles-Platz...
.
Zum Glück habe ich für den "alten" Fernseher eine kompliziert-tückenhafte Wandhalterung angebracht, und die "kann" nur bis 45 Zoll. Zweimeter-Bildschirme scheiden daher aus- im Gegensatz zu sonstigen technischen Geräten hier musste ich für das Anbringen dieser gusseisernen Monstrosität meinen Sohn zu Hilfe holen und kam mir vor wie Oma (sonst bin ich die, die ihm sowas empfiehlt, beschafft und anbringt).
Eine neue Glotze sollte somit besser unter 45 Zoll aufweisen, or else.
Die alten Fernbedienungen haben sich schon schön mit der neuen angefreundet, und es gibt keinen Zickenkrieg. Ich weiß natürlich nicht, was passiert, während ich bei der Arbeit bin, aber das Ruhehalten überlasse ich den Katzen. Zum Dank dafür habe ich ihnen (nicht den Fernbedienungen) ein neues Baldrian-Spielzeug gekauft. Seither hat sich der Geruchspegel hier schwer Richtung übel verschoben, und die Katzen lächeln etwas bedröhnt.  Manchmal sabbern sie auch, aber dann schaue ich nicht hin.
Ich wünsche euch ein schönes Restwochenende, ihr Lieben. Versucht nicht, mit den Fernbedienungen zu telefonieren: Die Verbindungen sind schlecht.

DieLily.



Donnerstag, 8. Januar 2015

...

und noch ein weihnachtlicher Nachtrag:
Der beste Weihnachtssong ever, soweit es mich betrifft.

Ansonsten hat sich doch wirklich nix geändert seit der neuen Jahreszahl- ich fall immer wieder drauf rein und erwarte wer weiß was. Dabei ist der Januar schon zu einem Drittel wieder um, und ruck zuck werden wir 2016 schreiben. Heutzutage scheinen die Kalender einen Turbodrive zu haben. Das einzige, was nicht so schnell vergeht, ist das Warten auf das nächste Weihnachtsgeld. Das ist doch mal ein Beispiel für merkwürdige zeitgebundene Effekte.
Noch mehr merkwürdige Dinge:









Paul denkt darüber nach, Vegetarier zu werden.
In diesem Sinne:
Frohes neues Jahr, Gesundheit und alles, was euch sonst noch glücklich machen kann.

Eure
Lily.

Freitag, 19. Dezember 2014

Weihnachten, und Onkel

Onkel ist einer der meistverwendbaren Ausdrücke, der aus den bekannten  Verwandtschaftsgraden denkbar ist-
Dicker Onkel ist ein Zeh.
Kleiner Onkel ist das Pferd von Pippi Langstrumpf
Großer Onkel ist auch ein Zeh.
Böser Onkel ist jemand, den niemand treffen möchte, außer mit der Faust auf die Nase.
Guter Onkel ist auch ein böser Onkel, nur irgendwie anders.
Peinlicher Onkel nimmt keine Rücksicht und besäuft sich, bei der Taufe, der Hochzeit und der Beerdigung. Er muss auch kein Onkel sein, um peinlich aufzutreten.
Dann gibts da noch den reichen Onkel, und dessen Steigerung, den Erbonkel. Letzterer beinhaltet keine Cousins und Cousinen.
 Und euch allen, Onkel oder nicht, Tanten, Großmütter und zweitgradige Schwippschwäger: Ich wünsche euch fröhliche und entspannte Feiertage, und ein friedliches, gesundes und glückliches Jahr 2015.

DieLily.

Montag, 3. November 2014

Die Zeit, die Zeit…


Auch anderenorts wird sie als flüchtiges Wild beschrieben: Die Zeit, die einem bleibt, zieht man die notwendigsten Beschäftigungen wie Essen, Schlafen und Arbeiten von den 24 Stunden eines Tages ab.

Ich bin nicht als besonders geizig bekannt, aber mit meiner Zeit gehe ich geizig um- die wird, in der Hoffnung auf Erholung, gern allein verbracht. Zum Teil liegt das an den Depressionen, die mir Unternehmungen nur kurz als netten Anlass erscheinen lassen, aber bei Näherrücken der Termine diese ganz außerordentlich verabscheuen. Egal, was ansteht: ich mag dann nicht. Das Haus zu verlassen ist dann etwas, was einfach nicht mehr schön ist. Auf diese Weise vergrault man auch die, die einen mögen, denn irgendwann weiß jeder, dass ich ohnehin nicht auftauche.
Etwas anders ist das, wenn ich nicht von zu Hause aus los muss. Dann ist die Unterbrechung der Ruhezeit nicht vorhanden und man kommt sich weniger gestört vor. Ich kann dieses Gefühl nicht gut beschreiben, diese Erleichterung, nicht mehr unterwegs sein zu müssen. Aktive Freizeit ist eine Last, die ich manchmal einfach nicht schultern kann. Dabei weiß mein Hirn, dass Erholung sich nicht auf der Couch einstellt, egal, wie viel Zeit man mit Stricken verbringt, mit Telefonieren, Fernsehen, Lesen, Musikhören- Aktivität wäre besser, aber es geht einfach nicht. Der Bauch ist da mächtiger als das Hirn…
Von drei Verabredungen lasse ich zwei sausen, mit oft fadenscheinigen Entschuldigungen. Und wie der Teufel es will: Wenn ich dann mal tatsächlich nicht kneifen will, spielt mein Körper verrückt, schläft nicht, zaubert Migräne oder daddelt an meinem Blutzucker herum. Das führt dann dazu, dass Leute den Eindruck gewinnen, ich wäre ständig außer Gefecht.
Jedenfalls habe ich ständig das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Für die trägen Stunden auf der Couch UND für die Verabredungen, die sich so anbieten. Aber ich glaube, selbst die Erhöhung der Tagesstundenzahl von 24 auf 48 Stunden würde da keine Veränderung verursachen. Vielleicht würde es mir besser gehen, wenn ich regelmäßig Dinge im Anschluss an die Arbeit täte? Ins Fitnessstudio ginge oder so etwas? Bewegung zeugt Aktivität, das hat man uns in der Klinik erzählt. Da stimmte das auch. Aber ich hatte neben den Therapien und den Bewegungseinheiten sozusagen nix zu tun- und für keinen Kontakt mit Menschen musste man tatsächlich die Klinik verlassen. Nix musste aufgeräumt, geputzt oder vorbereitet werden. Alle Leute waren schon da, niemand musste fahren. Direkt neben den Räumen, in denen wir abends gemalt haben, lag das Schwimmbad, in dem wir jeden Abend Sport getrieben haben. Da fiel vieles leichter, muss man sagen.
Trotzdem habe ich keine Lust, den Rest meines Lebens in einer Einrichtung zu verbringen, das steht fest.

Und nu?
Hat wer eine Idee?

Und hier die Ergebnisse:

 Das ist das für Muttern. Im Hintergrund ein im Müllbeutel verpackter Ventilator.





Und das ist das meine. Im Vordergrund die Blutdrucktabletten, Version eins und Version zwei. Ebenso im Bild: Das vom besten Freund geschenkte Stövchen. Gibt sehr schönes Licht (und die vorgesehene Wärme selbstverständlich auch).
Man beachte den Unterschied im Glanzeffekt: Durchsichtiges Klebeband ist da ordinärer Pappe weit überlegen. Beide Exemplare sehen übrigens weitaus weniger stabil aus, als sie es tatsächlich sind.



Mittwoch, 29. Oktober 2014

Basteln




Basteln ist für mich ein ziemlich seltsames, beinahe gruseliges Wort, fast so wie Kuscheln. Beides spielt sich in einer Welt ab, die für mich keinen barrierefreien Zugang hat. Und doch.
Und doch erwischt mich von Zeit zu Zeit ein Basteltrieb, so auch neulich. Seit Monaten ärgere ich mich beim Stricken über das Chaos im Strumpfstrickzubehörbehälter. Das beginnt bei Nadeln verschiedenster Größe, die wild durcheinander in der bisher genutzten hübschen Geschenkschachtel herumstehen, vermischt mit Häkelnadeln, Kugelschreibern, Scheren und so weiter. Zettel sind eh nie zu finden, und wenn ich eine Nadel zum Vernähen brauche, muss ich der Schachtel auf den Grund gehen (und steche mich an den Stecknadeln, die auf eben jenem in wilden Haufen Parties feiern).
Seit Monaten also ärgert mich das. Und seit ebenso vielen Monaten habe ich den Plan, die Schachtel durch etwas Mehrteiliges zu ersetzen. Sowas Köcheriges, in dem man Nadeln nach ihrer Dicke sortieren kann, Häkelnadeln, Maßbänder, Stifte und Zettel ihren Platz haben und ohne Aufwand dahin können, wo man sie problemlos wieder finden kann. Eine Recherche im Netz ergab mal so gar keine sinnvollen Angebote. Das Wunschutensil bräuchte mindestens vier höhere und zwei flache Verstaumöglichkeiten, erstere für die Nadeln verschiedener Stärken, letzteres für die Ablage von allem weiteren Kram. Mindestens eine der flachen Ablagen müsste die Möglichkeit bieten, dort einen 10 x 10 cm-Block mit Notizpapier aufzubewahren.
Kurz und gut: Sowas gibt’s nicht. Es gibt diese unsäglichen Rollen, mit tausend fiesen kleinen Schläuchen, in die man die Nadeln reinpopeln kann, wenn man an zu viel Geduld leidet. Und es gibt das Zeug zum Schreibtisch-Aufräumen, das aber zu wenig Sortiermöglichkeiten für Nadeln hat.
Was macht die Lily? Einen Plan. Dazu wurde dann Bastelsperrholz (Achtung! Komisches Wort enthalten!), Leim und so ein Kram gekauft, und die Dekupiersäge meiner Mutter entstaubt.
Nach mehreren Stunden bzw. Anläufen stellte sich dann heraus, dass die Säge und ich keine Freundinnen werden können. Die sägt nämlich schief, und das ist bestimmt nicht meine Schuld. Meine Mutter faselte was von „Geduld“ und „Muss man üben“, aber ich war zu sehr mit Toben beschäftigt, um ihr zuzuhören.
Eine Alternative musste her. Wenn ich schon, so dachte ich für mich, zu blöd bin zum Sägen, so sollte ich doch Kleben können, stimmts?
Neues Holz musste her, und ich suchte überall nach kleinen Pappschachteln im gewünschten Größenbereich (also eher schmal und hoch statt breit und flach- gar nicht so einfach).
Nachdem mein mentaler Zustand also auf die Verwendung von Klebstoff, Scheren und ähnlichem umschaltete, konnte es am Sonntagnachmittag los gehen.
Mehrere Stunden, eine Tube Klebstoff, ein paar Schnitte in der Wohnzimmer-Tischplatte und diverse Wutanfälle später hab ich da jetzt was stehen, was seinen Zweck erfüllt (mehr aber auch nicht…).
Richtig zusammen hält es nicht durch den Klebstoff. Dieser dient eigentlich mehr dazu, in feinen Fäden das Gebastel zu umspinnen… das hat mich schon als Fünfjährige wahnsinnig gemacht. Alle Mädchen klebten brav und sauber das Tonpapier zusammen, meines sah aus, als habe eine schleimige, glitzernde Schneckenhorde ihre letzte Orgie darauf gefeiert. Sauber und gerade schneiden kann ich auch nicht. Wenn ich die Schere nehme, kleben anschließend die Schneiden zusammen (fragt nicht). Nehme ich das Cuttermesser und eine Anlegeschiene, dann zerschlitze ich die Schiene, auch wenn sie aus Metall ist (fragt immer noch nicht). Nach Abschluss der jeweiligen Bastelaktion sehe ich aus wie ein Schwein, das sich die Locken mit Uhu festigt, und alles ist voller feiner Papierfetzchen. Ich auch.
Diesmal hab ich den Klebstoff dazu genutzt, alles irgendwie vage auf die bretterne Unterlage (ich sag jetzt nicht Bastelsperrholz, da kommt das B-Wort drin vor) zu heften. Vorher hatte ich alle einzelnen Schächtelchen mit Geschenkpapier eingewickelt, damit es wenigstens ein bisschen harmonisch aussieht. Leere, an einem Ende offene Schachteln in Papier einzubinden ist übrigens nicht einfach, weil man kaum das Papier schön glatt streichen kann- dann klappen die Schachteln zusammen, und das ist doof.
 Klebstoff und auch Leim hielten nicht richtig, daher habe ich Klebeband zur Hilfe genommen- breites, klares Paketklebeband. Hält… Und dann, wie gesagt, alles nett auf dem (auch geschenkpapierten) Brett arrangiert- und zum krönenden Abschluss mehrere Meter von dem Klebeband außen rum gewickelt. Sieht alles so aus, als wäre es nicht richtig aus einer Zellophanhülle befreit worden. Und von weitem, bei spärlicher Lampenbeleuchtung, sogar richtig hübsch.
Und weil es sich so prima bewährt seit Sonntag, bin ich am gestrigen Tage in die Stadt marschiert und habe wie eine dreijährige Kindergartenanfängerin ein Bastelgeschäft aufgesucht- will auch eins für Mama machen, menno!!
Dreimal dürft ihr raten, was sie nicht haben? Rrrichtig. Schachteln. Zumindest keine, die eckig und hochkant und irgendwie…schachtelig sind. Nur Herzchenformen und sowas, und das kann kein Mensch gebrauchen… Aber es gibt Firmen, die winzig kleine Tüten in 11 x 7 x 4 cm Größe herstellen, aus dem gleichen Zeug, aus dem die Papiertüten beim Discounter sind- bzw. noch stabiler.
Dazu habe ich ein bisschen Scrapbook-Zubehör gekauft. So bedruckten Bastelkarton (ihh, B-Wort).
Mit dem bunten Karton hab ich dann die einzelnen Papptütchen zu einer Reihe zusammen geklebt und hab mir sehr viel Mühe gegeben, nicht alles einzusauen. Dann hab ich mit mehr von dem Druckkarton wieder Bastelsperrholz bezogen, und die gruppierten Tütchen sowie zwei noch vorhandene Schachteln darauf befestigt. Es sieht irgendwie merkwürdig aus, aber es ist alles drauf, und sogar ordentlich geklebt. Und ganz ohne Paketklebeband, hält aber trotzdem.
Und morgen werde ich wie ein Kindergartenkind meiner Mama was Selbstgebasteltes zum Geburtstag schenken. Und vorsichtshalber noch ein Buch, damit es nicht ganz so peinlich ist.

Schönen Tag Euch allen, und denkt immer dran: Leim und Zwingen halten Finger und Holz zusammen!

DieLily.

Montag, 27. Oktober 2014

Jauchzend in der Duldungsstarre







Die Überschrift, die mir so gut gefiel, als sie in einem Gespräch mit einer lieben Freundin sozusagen gekürt wurde, die lässt mir beinahe immer noch ein Grinsen im Gesicht stehen. Leider hab ich jetzt zwei Tage lang drüber nachgedacht, was man da Lustiges zu schreiben könnte, mir ist aber nur Unlustiges eingefallen.
Jedenfalls wurde diese Überschrift gemeißelt, geformt und geprägt, weil Silke G. aus BN und ich am Freitag Abend über das hier gelästert haben. Demnach hat frau den Beischlaf in der Ehe nicht nur zu dulden (->>> Duldungsstarre), sondern sie hat sich jeglicher abwertender Meinung bzw. Äußerung zu  enthalten. Eine rein passive Opferung ihrer selbst entspricht aber auch nicht dem, was sich weiland der oberste ordentliche Gerichtshof der Bundesrepublik so unter ehelichem Verkehr vorstellte (->>> Jauchzen).
Komisch- vor dreißig Jahren, als uns im Rahmen unseres FH-Studiums dieses Urteil des BGH erstmalig präsentiert wurde, haben wir uns noch schenkelklopfend über diese Richter amüsiert.
Heute erbost mich so ein Urteil, obwohl es beinahe 50 Jahre alt ist. Und weil es, trotz allem, nicht wirklich aus der Welt ist- 2009 wurde in Afghanistan ein Gesetz verabschiedet, nach dem sich eine Ehefrau wenigstens einmal in vier Tagen ihrem Ehemann zu unterwerfen habe.
Ob auch dies jauchzend zu geschehen hat, ist nicht überliefert.

Montag, 6. Oktober 2014

Neulich...

...an der Kreuzung:

Schwer beampelt, alle Ampeln (noch) rot. Ich stand vor der Ampel, die als nächstes grün kriegen würde.

Ein einsamer, in grünem Overall gekleideter Mann auf einem Fahrrad strampelt von rechts nach links mitten über die Kreuzung- er hat ganz offensichtlich rot.
Während seines Rittes über diesen potenziellen Schlachtplatz...
...bekreuzigt er sich unaufhörlich.
Nicht nur, dass er zwecks diesen Behufs den Lenker nur mit einer Hand hält (die er nach jedem Kreuzdurchgang wechselt), und damit neben dem Gott der Verkehrsregeln auch noch den Gott des "Herausgeforderten Schicksals infolge Provozierten Karmas" erbost.
Nein, er gibt auf das Ganze noch eins drauf, in dem er keine richtige Kreuzbewegung durchführt, sondern die Reihenfolge Stirn-rechte Schulter-linke Schulter-Brust vollzieht.
Damit hat er bestimmt noch ein paar weitere kleine und mittlere Gottheiten beleidigt.
Es wundert mich nicht, dass er in dem Moment mit dem Bekreuzigen aufhört, als er die gegenüber liegende Seite der Kreuzung erreicht.
Zumindest hat er keine Angst davor, dass die Rache der Götter ihn erst mit Verzögerung treffen könnte.

Immerhin.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Heute

ist ein denkwürdiger Tag.
Denn heute kam die erste Weihnachtskarte im Büro an. Gleichzeitig wünschte man einen guten Jahreswechsel nach 2015.

Es war mir eine Freude, den Eingangsstempel "2. Oktober 2014" draufzumachen.

Und ich frag mich, warum man Ostern nicht gleich mit eingeschlossen hat?