Mittwoch, 4. Januar 2012

Hop oder Top



Ist es Größe oder Intelligenz, die manche Menschen das Richtige tun lässt? Der, der gerade so wenig überzeugend den Bundespräsi-Darsteller gibt, hat weder-noch, das ist schon mal klar.
Auch ist für mich klar, dass diese Bubi-Kon-Affäre das Amt als solches gar nicht beschädigen kann. Es blamiert ihn nur selbst, und sein unwürdiges Gezappel legt auf krasse Weise offen, wie machtgeil manche Menschen sind. Obwohl, Macht als solche hat der BuPrä nun nicht, dafür haben die Eltern des Grundgesetzes gesorgt.
Interessanterweise wird der BuPrä von der Bundesversammlung gewählt, um die Erfahrungen aus der Zeit der Weimarer Reichsverfassung zu vermeiden (zumindest hat man uns das so vermittelt). Warum traut man eigentlich dem Wahlvolk nicht zu, einen Bundespräsidenten zu wählen? Viel schlechter hätten wir das auch nicht hingekriegt.

Aber immerhin zeigt sich wieder eine Berufsperspektive für Frau Käßmann am Horizont ab.

Kurse geben.... „Rücktritt mit Würde“, Anfängerlehrgang. 10 leicht fassliche Lektionen, Kosten von der Steuer absetzbar.

Bei uns im Büro laufen die Wetten, wie lang es dauert bis zur nächsten Bundesversammlung. Die Kosten dafür sollte der Herr W. tragen. Kann ja einen Kredit dafür aufnehmen, 
findet
DieLily

Sonntag, 1. Januar 2012

Wie man's richtig macht, Teil eins.


Situation: Du kommst morgens zum Frühstückstisch, dort sitzen schon Mutter und Vater, dickäugig und so, wie man halt mit über vierzig morgens aussieht. Du hast im Schlepptau einen Typ in labbrigen Shorts mit Totenköpfen und so drauf, er trägt einen Sechswochenflaum auf der Oberlippe, einen merkwürdigen Haarschnitt und ist nicht dein Bruder.

Lösung: Verschweige den Abend in dem Club, in den du noch gar nicht rein durftest.
Erzähl den Erziehern die Geschichte von der goldenen Kugel, dem Brunnen und dem Frosch.

Echt, funktioniert. Ist sogar in die Literatur eingegangen. 

Ein frohes neues Jahr. 
Machts besser als im letzten!

DieLily

Samstag, 24. Dezember 2011

Kollateralschäden



Oh du fröhliche und so.
In den letzten 2 Wochen sind folgende Dinge zu Bruch gegangen:
Meine Lieblingstasse. Eine Scherbe hab ich in den Fuß bekommen. (Daher trag ich zurzeit Hausschuhe. Zurzeit.)
Waschmaschine, ist aber schon wieder gerichtet.
Mein Daumen. Zusammenprall mit der scharfen Kante einer leeren Konservendose.
Gestern dann das Festnetz-Telefon (fragt nicht). Die Prepaidkarte des Handys ist so gut wie leer, und wird daher nur in Notfällen genutzt werden.

Das kann eigentlich nur eine Reihe guter Omen sein, oder? Oder??

Meine Hoffnungen richten sich darauf, dass es vielleicht NACH Weihnachten in meinem Netto-um-die-Ecke (NudE- kicher) wieder Spekulatius und Dominosteine gibt. Die sind seit Mitte Oktober (!) nicht mehr nachgeliefert worden. Ist aber bald September, insofern besteht da bestimmt Hoffnung. Seit ein paar Wochen gibt's nur noch Oblatenlebkuchen. Die ess ich aber nur, wenn die Alternative Verhungern ist.

Apropos Verhungern: Wenn man gegen Mittag ein Rührei mit Schinken isst, dann ist das ein Brunch. Ist es auch Brunch, wenn man morgens um sieben Erbsensuppe zu sich nimmt?

Schöne Weihnachten!

Die Lily

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Kalashnikov-Day





Friede auf Erde und so ein Zeugs, das kann man sich echt sparen, Mensch! 
War noch nie so kurz vorm Massenmord wie gestern, und hätte ich eine gehabt, eine Kalashnikov, wär sie zum Einsatz gekommen, voll krass.
Wa! Der Bus, er war voller Affen. Nein, das ist ungerecht gegenüber den Vettern, er war voller …Arschblagen. So ungefähr 12 12-jährige. Unausgelastet, überreizt (jaja, versteh ich alles), und laut, laut LAUT. Unter 120 dB(A) machte es kein einziger von ihnen, und sie waren 12. Macht 1440 dB(A), und das ist das Verdauungsgeräusch einer Kiesschredder-Maschine. Von innen. 

Dazu sind sie auf den Sitzen herumgeturnt, raufgeklettert, runter gesprungen, haben sich gegenseitig geschubst und gestoßen, und immer wieder angebrüllt. Zur Strafe ist der Busfahrer gefahren wie eine tollwütige Wildsau.
Mitten drin die Lily, ebenso genervt wie der Rest, und mit elektronischen Geräuscherzeugern in den Ohren. Hatte das Ding bis zum Anschlag aufgedreht, aber dieses nervenzerfetzende Gebrüll war lauter.

Ihr lieben Kindelein. Ihr könnt so froh sein, dass ich keine Lehrerin geworden bin. Irgendwas würde ich mir einfallen lassen, da bin ich mir sicher. Aber ob das mit irgendeiner nicht letalen Art Pädagogik zu tun gehabt hätte, wissen nur die Götter.

Jetzt mal in Echt: So ein Lärm ist extrem gesundheitsschädlich. Gibt es auf Kosten des Staates da eigentlich Ohrschützer für Lehrer? Oder wenigstens eine Peitsche, Indiana-Jones-Style?

Holla die Waldfee, was für ein Krach.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Heiligste...


freie Tage.
Momentan lauf ich nur noch auf drei Zylindern. Obwohl ich Weihnachtsstress, wo immer das geht, vermeide, ist der letzte Urlaub lang her, und es wird Zeit, dass dieses Jahr zu Ende geht.
Derzeit „geht“ nur Routine, für alles andere ist nix übrig, und ich bin am laufenden Band krank. Nicht dauerhaft (abgesehen von den Nierchen vor einigen Tagen), sondern mal Migräne, mal Durchfall, mal einfach ein Krankheitsgefühl.
An jedem Wochenende nehm ich mir vor, jetzt aber bestimmt ein gemütliches Heim zu schaffen, aber frühestens Sonntag Abend ist dann genug Energie wieder da, um ein bisschen herumzuräumen- trotz Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner.
Ich bin schon froh, dass ich momentan halbwegs die Sache mit dem Essen auf die Reihe kriege, und dass mich der Bus zu einer gewissen Regelmäßigkeit zwingt. Die Arbeit macht immer noch wirklich Freude, aber ist auch anstrengend und immer nur Spaß ist auch nicht der Brüller :-)

Dieser Zustand war früher Standard, das weiß ich noch. Natürlich minus Spaß an der Arbeit, und plus 300 Prozent schlechtes Gewissen, weil ich nie nie nie fertig wurde mit dem, was da so anstand.
Ich mag mir nicht mehr vorstellen, wie das war. Aber sicher ist, dass ich so verstrickt war in diesen Mechanismen, dass ich Erschöpfung nicht mehr wahrgenommen habe, sondern nur noch Schuld und Versagen, und den unbedingten Wunsch, zu fliehen und nichts und niemanden mehr zu sehen.
Auf diesem Hintergrund ist selbst das Fertig-Sein jetzt ein positives Gefühl:-)

Es war ein lehrreiches und in Summe gutes Jahr, aber trotzdem. Es reicht jetzt. Ich mag frei haben, bitte.

Euch allen ein frohes, erholsames und stressarmes Weihnachtsfest, macht es euch schön und gemütlich. Tankt auf, 2012 kommt früh genug und wird das seine von euch fordern. Überlegt euch gut, was ihr zu geben bereit seid, und verteidigt den Rest mit Zähnen und Klauen ;-)


Eure
Lily.

Montag, 12. Dezember 2011

Krisen


...krieg ich, wenn ich die Stimmen höre.



Nämlich die, die penetrant „The Woice of Germany“ sagen, mit watteweichem U im Anlaut- das ist so falsch, da rollen sich mir die Zehennägel auf. Würde ich derartige Sendungen anschauen, dann fiele diese, aus genau diesem Grund, durchs Raster.

Die andere Stimme sagt „Theeee Chemical Company“ (das ist BASF). Ich habs anders gelernt- der Artikel wird nicht mit einem „i“ am Ende ausgesprochen, sofern der folgende Begriff mit einem Konsonanten beginnt. Erleuchte mich, wer immer es besser weiß: Das ist doch ohrenschmerzenerzeugend falsch, oder?

Vielleicht hat diese Angewohnheit, mich von Ärgernissen in Werbespots vom Produkt selbst abzuschrecken, dazu geführt, dass ich keinen Alkohol trinken mag. Denn wenn ich eins als Jugendliche gehasst hab, dann war es diese ekelig-klebrige Stimme, die „Im Asbach Uralt ist der Geist des Weines“ meimelte.
Und das Geräusch, das in Bierwerbespots das Bier so fies ins Glas gluckern ließ.

Wah. Aber noch schlimmer ist der Herr SEITENbacher. Der, der wo immer die falschen Relativpronomina benutzt, und der in einem undurchdringlich dicken Dialekt seine unerträglichen Konzepte von gesunder Ernährung durchs Radio in meine Gehörgänge träufeln will. Der und sein Kumpel von Carglass bringen mich immer dazu, das Radio abzuschalten.

Die Zeiten sind vorbei, als Calgon-Man die Nation vor Lachen in den Schluckauf trieb- vielleicht liegts an der Tatsache, dass man kaum noch werbefreie Zeiten und Räume findet, ob im Netz, in der Zeitung oder im Radio, im Fernsehen oder Kino.
Vielleicht bin das aber nur ich, die das Alter (seufz) nicht etwa weise und milde stimmt, sondern kiebig und bissig macht.

Was nervt euch an Werbung, oder nervt sie gar nicht?

Ich bin froh, dass dieser/s Blog keine Einnahmen generieren muss. „Finanziert durch Produktplatzierung“ ist kein wirklich schöner Satz, den ich hier stehen haben will.

In diesem Sinne:

Schönen Montag!

DieLily



Donnerstag, 8. Dezember 2011

Das Haus...

in das ich täglich zur Arbeit gehe:


So siehts aus, wenn ich morgens um die Ecke komme...

...und das ist der Ausblick von meinem Fenster. Ein klein wenig geschummelt, weil ich ein Gebäude, das etwas vor den zu sehenden Häusern liegt, einfach unten hab weg fallen lassen Aber der Himmel stimmt so.
 Es ist schön hier- oder, wie die Kollegin sagt, Arbeit ist wie Urlaub ohne Sonnenbrand.

Liebe Grüße,
Lily

Was tun, wenn…?


Was tut ihr, wenn euer Metzger gehackten Frosch anbietet? Das Ordnungsamt Fischinnereien hat, und die Imbissstube Pommes sachlich?


Dann seid ihr nicht allein. Ihr seid auch nicht in einem Alptraum gefangen.
Sondern ihr braucht eine Brille, und mit der neuen lest ihr dann wieder… :

Gehacktes, frisch

Fischereischeine

und Pommes-Schaschlik.


Waaaaa.

Meint die Lily.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Ex omnibus, sowie „Zurück im Mutterhaus“


Heute Morgen stieg ein Wesen in den Bus, das kein Gesicht hatte. Jedenfalls kein sichtbares- es hingen Haare bis zum Halsansatz darüber.
Cool.
Angetan war das Wesen mit einem kurzärmeligen Hemd- und trotz der Temperaturen im Plusbereich schauderte der Rest der Passagiere kurz, allein schon aus kalendarischen Gründen.
Aber auch das: Bestimmt cool.
In der Hand trug das Wesen einen Stockschirm. Ordentlich und fest zusammen gerollt, mit einem Griff aus poliertem Holz.
So uncool.

Seitdem ich wieder im sogenannten Mutterhaus arbeite (ein Zustand, der seit dem Ende meiner Ausbildung vor inzwischen 23 Jahren nicht mehr zutraf) haben sich natürlich meine sozialen Kontakte mit der Arbeitsumgebung verändert. Allein schon, weil bisherige KollegInnen nicht mehr täglich um mich herum sind, aber dafür andere, neu kennenzulernende Menschen.
Absurd ist aber, dass ich laufend von Leuten angesprochen und betextet werde, die ich nicht wiedererkenne- aber sie mich offenbar. Es passiert beinahe täglich, dass ich Gespräche führe, und keine Ahnung habe, wer mein Gegenüber ist. Schön ist, dass sie alle sich erkundigen, wie es so geht und wie es mir im neuen Arbeitsbereich gefällt. Anschließend brauche ich aber immer einige Zeit, um meinen jeweiligen Verdachtsmomenten im internen Mitarbeiterverzeichnis nachzuspüren. Allein schon, weil ich doch wenigstens beim nächsten Mal ein fröhliches „Hallo Elfriede“ über den Gang schmettern will.

In diesem Sinne:

Schöne Schicht.

DieLily.

Mittwoch, 30. November 2011

Und pass auf dich auf…!



Das hört man öfter, und macht sich meist gar keine großen Gedanken darum- schließlich kann man das doch gar nicht nicht tun, oder? Dagegen steht doch wohl der Selbsterhaltungswille eines gesunden Ego, sollte man meinen?

Wie kommt es dann, dass so viele Menschen laufend Dinge tun, die nicht gut sind für sie? Vielleicht passen sie auf sich auf, wenn sie über die Straße gehen zu ihrem Auto, schauen, wie gehabt, nach links und rechts, bevor sie los gehen, aber bei den Sachen, die sie nach dem Einkaufen im Korb haben, kann einen schon der Verdacht beschleichen, dass viele Leute eben nicht auf sich aufpassen können.
Klar geht das jedem so, und ohne das ein oder andere Risiko lebt es sich entschieden langweiliger, finde ich- wie kommt es aber, dass manche Menschen so sehr von ihren Bedürfnissen und ihrem Überlebenswillen getrennt sind, dass sie sich wirklich und wahrhaftig nicht mehr aus dem Hochrisiko-Bereich befreien können?

Gestern Abend hab ich das gesehen, was gemeinhin als Volkes lustvolles Glotzen bezeichnet wird, als Voyeurs- TV oder wie auch immer. Eine von den Sendungen, bei denen man gern und vermutlich oft zu Recht den Sendern Zeigelust auf Kosten Betroffener unterstellt. Es ging um eine Frau, für deren Behausung das Wort „Messie- Wohnung“ unangemessen war. Das traf es wirklich nicht. Diese drei Zimmer waren eine Art Horror. Etwas über 50 m², angefüllt mit sechs (!) Tonnen (!!) Müll. Nicht einfach gesammeltem Kram, sondern Müll. Mitten drin schlief diese Frau auf einer mit Kippen und Abfällen übersäten Couch, im Arm das alte Kätzchen, das seit 18 Jahren ihr Leben teilte. Einen Rest Selbstachtung konnte man daran erkennen, dass sie ihre Kleidung im Keller in einem Extra-Schrank aufbewahrte, damit der Müllgestank nicht in die Klamotten zog. Natürlich gab es Schädlinge, und natürlich kackte die Katze nicht immer in die Kisten, die tatsächlich dort erreichbar standen, und auch nicht übermäßig verdreckt waren…

Einen einzigen Menschen hatte diese Frau, der sich noch nicht von ihr abgewendet hatte. Nämlich eine nicht mal halb so alte Frau aus dem Nachbarhaus, die aber auch nicht in diese Wohnung hinein durfte. Seit 7 Jahren hatte die Bewohnerin keinen Müll mehr entsorgt.

Wie kommt es zu so etwas? Die Frau ist nicht dumm, sie ist nicht faul- aber man könnte glauben, entsetzlich deprimiert und mental fast tot. Trotzdem wirkte sie im Lauf der Sendung ungeheuer lebendig, und sehr jung, fast wie ein Kind, das vollständig überwältigt ist von ihrem Leben und den Anforderungen, und genauso kindlich dankbar war sie für jedes kleine Fitzelchen Zuwendung und Unterstützung. Und sie hackte auf sich selbst rum. Herabsetzende Witzchen. Bissige, boshafte, schmerzhafte Bemerkungen.

Man merkte ihr nur deutlich an, dass sie keine Ahnung hatte, was überhaupt alles zu tun war… Wer schon mal depressiv war, kennt das, glaube ich. Wenn es einen richtig übel erwischt, kann die eigentliche depressive Episode ruhig schon vorbei sein. Aber selbst, wenn man es danach schafft, das, was täglich ansteht, zu bewältigen: Wie wird man den Berg los, der aus der Vergangenheit da liegt und einem auf der Seele brennt? Vielleicht hat das wirklich mal nur mit einer depressiven Phase begonnen- und als sie wieder „wach“ wurde, war da diese Masse, die sie einschloss und nicht wieder los ließ. Ich hatte auch den Verdacht, dass sie sehr viel Energie gebraucht hat, um nicht körperlich zu erkranken in diesem Müll. Vielleicht auch das Energie, die ihr im Alltag fehlte.

Die Frau vom Sender, die dann kam und sich kümmerte, nahm weder ein Blatt vor den Mund (aber einen Schutz vor die Nase- ich kann’s ihr nicht verdenken) noch verschlimmerte sie die Selbstvorwürfe der Frau.
Sie hat es gut gemacht, stand oft genug für eine Umarmung zur Verfügung (Respekt- die Wohnung muss furchtbar gestunken haben), ließ die Frau selbst aber nicht aus der Verantwortung, und war flexibel genug, um auch mal in ihren Zielsetzungen darauf einzugehen, wenn die Betroffene einfach überfordert war. Sie hat sie trotzdem nie spüren lassen, wenn sie Zweifel an ihrem Durchhaltevermögen gehabt haben sollte.
Während der gesamten Sendung war immer wieder ein Thema, dass das alte Katzi, welches mit der Frau in dieser Wohnung hauste, offenbar krank und nicht gut zurecht war. Und irgendwann hat die Aufräumfrau dann erreicht, dass das Tier zur Tierärztin kam. Natürlich war dann schnell klar, dass das Katzentier so krank war, dass man sie besser von ihrem Leid erlöste. Ich bin mir sicher, dass der Tod der Katze, wäre er ohne Tierarzt erfolgt, vermutlich auch für die Frau das Ende gewesen wäre. Denn sie hätte keinen Grund gehabt, morgens aufzustehen- nicht mal mehr den, Katzenfutter zu kaufen. Und ich glaube kaum, dass sie in der Lage gewesen wäre, sich von dem Körper der Katze zu befreien.

Die ganze Sendung, die natürlich gut ausging, hat mich so sehr mitgenommen, dass ich mich kaum lösen kann, wie man merkt. Ich hoffe wirklich, dass diese Frau es schafft, sich wieder neu in einer Wirklichkeit zurecht zu finden, die ohne Müll auskommt, und dass sie vielleicht Freunde findet, die ihr dabei helfen.
Sympathisch genug war sie auf jeden Fall. Und wenn auch meine Wohnung nur den Namen „Wohnung“ mit ihrer gemein hat, so kenn ich doch genug von Kraftlosigkeit und Verzweiflung um nachvollziehen zu können, dass so eine Sache einen wirklich, wirklich bösartig zerstörerischen Einfluss haben kann. Außerdem weiß ich, wie schwer es ist, sich Altlasten zuzuwenden. Die bringen immer jede Menge gut bekannter Selbstvorwürfe mit sich. Und sie trotzdem anzugehen ist das Schwierigste, was ich in meinem Leben getan habe.

Ich halte der Frau die Daumen, dass sie ihr Leben wieder für sich erobern kann. Und ich glaube, dass ich die Sendung nie wieder sehen möchte. 

Viel Glück nach Köln an dieser Stelle- 
wünscht die Lily.



Freitag, 25. November 2011

Kindheit (Teil 4324,5)




In letzter Zeit überfallen mich ungewohnt nostalgische Gefühle, wie man auch schon an dem Pösiealbumpost erkennen konnte. Diesmal geht’s um Musik- denn seit gestern plagt mich der gemeine Ohrwurm, in Gestalt des Fräreschacke.

Fräreschacke, Fräreschacke
Dommiwu? Dommiwu?
Sonni lematine, sonni lematine*
Dingding dong, dingding dong.

*„Lematine“ ist eine eng mit der Clementine verwandte Südfrucht, die vor allem in Kinderzimmern gern gegessen wurde, als ich noch klein war. Wenn sie besonders reif und saftvoll war, nannte man sie „Sonni lematine“, woraus man die Süße (schon rein von den Phonemen her) erahnen konnte.

Was vollkommen anderes spiegelt sich in dem Lied von der Kinderarbeit:

Schickt mich die Mutter die Hühner zu weiden
Nehm ich die Rute und treib sie hinaus
Dort wo das Korn steht auf sonniger Heiden
Scharren die Hühner und ich ruh mich aus

Doch, oh weh, jetzt sinds nur noch sieben
Wo ist denn das Achte geblieben
Nun darf ich nimmer nach Hause mich wagen
Nun darf ich nimmer nach Hause zurück.

Über den Graben da ist es entwichen
Läuft bis zur Wiese und läuft bis zum Teich
Da kommt der Fuchs aus dem Walde geschlichen
Packt sich das Huhn und verschlingt es sogleich

Vier Zeilen Text vergessen und dann geht’s weiter mit tätiger Reue:

Nun muss ich Körner zur Mühle hin tragen
Bring einen Sack voller Mehl dann nach Haus
Und zu der Mutter, da werde ich sagen
Koch eine süße Suppe daraus

Sind wir beide dann satt gegessen
Hat auch die Mutter das Hühnchen vergessen
Dann darf ich wieder nach Hause mich wagen
Dann darf ich wieder nach Hause zurück…

Das spricht für sich, finde ich. Kein Pardon mit dem Kind, dem das Huhn abhanden gekommen ist- aber im Unterschied zu damals wird keine heutige Mutter sich wegen eines verbummelten („Vom Fuchs gefressen!!“) Handys nur mit einem Burger ruhig stellen lassen. Da muss mindestens noch ein Shake dazu, und vielleicht zum Nachtisch ein Eis. Dann darf das Kind auch wieder seine Füße auf den Tisch legen.

Genug der Kritik des Hier und Jetzt.
Es ist Freitag, und das soll uns Belohnung genug sein  :-)

Einen schönen Start ins Wochenende

vonne Lily

Dienstag, 22. November 2011

Ein Mädchen wundermild



Aus der Zeit vor Facebook, in der man Freunde noch daran erkannte, dass man sie tatsächlich kannte, kennt die ein oder andere noch den Spruch von den Veilchen im Moose.
So wie sie sollte frau sein: Sittsam, bescheiden und rein, und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.
Derart teils krude Gereimtes („Hinter Rosen und Narzissen hat ein kleiner Hund geschissen!“) teils unverhohlen braun gefärbt Imperatives („Sei gut! Sei edel! Sei deutsch!“) hat man uns per Poesiealbum mit auf den Weg gegeben. Ein Wunder, dass so viele von uns denken können und überhaupt in der Lage sind, unfallfrei gleichzeitig zu atmen und zu laufen.
Ab und an kamen Goethe & Schiller zu Wort, ich kann mich auch an einen falsch zitierten Nietzsche (der war nämlich ein Kant) erinnern. Es gab ein Löschblatt im Album (ich hab werweißwie lange keines mehr gesehen- gibt’s die noch?), und ein Linienblatt, damit man auf dem weißen Papier nicht allzu schräg lag. Glanzbilder wurden eingeklebt, mit oder ohne Glitter, der damals noch Gold- bzw. Silberstaub hieß.
Unerschrockene malten die dem Sinnspruch gegenüber liegende Seite mit irgendwelchen Bildchen aus, und es war nicht selbstverständlich, dass jede Mitschülerin das Buch von jeder Anderen zum Eintrag überreicht bekommen hätte. Nein, denn das Album war eine Sache, mit der man Zu- und Abneigung kenntlich machte. Wer etwa einen Jungen da hinein schreiben ließ, der war schon ein bisschen seltsam. Andersherum kriegten Jungs, die so was ausgehändigt bekamen, meist auch Stielaugen, weil sie da plötzlich gezwungen waren, sauber zu schreiben, und zwar etwas, was sich inhaltlich von „Günter ist doof“ unterschied. Die Jungs, mit denen ich zur Schule ging, hießen noch Günter. Und Klaus, Thomas, Jürgen, Clemens, Matthias, Frank, Jörg, und so weiter.
Der erste Kevin, von dem wir hörten, war Kevin Keegan, und das war ein Fußballspieler von einer der britischen Inseln.
Da ich 1969 (kurz nach dem Aufkommen der ersten Brontosaurier) eingeschult worden bin und das erst ein Jahr später beherrschte Schreiben definitiv die zum Führen eines Poesiealbums bestimmte Kulturtechnik ist, muss der ganze gesellschaftliche und geistige Schrott, der sich da ansammelte, tatsächlich bis weit in die Siebziger hinein noch Allgemeingut gewesen sein. In Berlin und den anderen Uni-Städten diskutierte man den dialektischen Materialismus, die APO warf Steine, die RAF warf Bomben und bei uns schrieb man, mit der Zunge zwischen den Zähnen „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“ und fügte ein verschämtes „Goethe“, sowie eine mehr oder minder geglückte Abschlussfloskel hinzu.
Das sah dann so aus, und damit verabschiede ich mich für heute

Dieses Sprüchlein, klein und fein, schrieb eure Freundin

Lily

Rein.

Donnerstag, 17. November 2011

Ich sammle...

neue Wörter.

1: Autsourcung
Ich habs laut vorlesen müssen, und dann musste ich immer noch lachen. Zu vermuten ist, dass die Erfinderin dieses Ausdrucks einen an der Waffel hat.

2: Wirklichkeitsberechnung
Gemeint war sowas wie Wirtschaftlichkeit, aber vielleicht auch Wirksamkeit? Keine  Ahnung, aber es macht sich gut in einer behördlichen Stellungnahme.
Diese Berechnung erinnert mich an meinen alten Video-Recorder: Der hatte eine Taste mit der Aufschrift "Reality Regenerator". Ich hab leider nie herausbekommen, was diese Taste konnte. An meienr Realität jedenfalls hat sich nie was geändert, wenn ich draufgedrückt habe.

Alles Liebe am Donnerstag,

Lily

Donnerstag, 10. November 2011

The benefit of public transportation- revisited.



Morgens in aller Herrgottsfrühe stehe ich mit ein paar anderen Schlaflosen an der Bushaltestelle und warte auf meine Verbindung um 6.26 Uhr.
Die Busfahrer sind noch relativ schweigsam, scheinen sich aber über ein „Guten Morgen“ zu freuen, also kriegen sie eins. Nach ein paar Wochen weiß man in etwa, wer an welcher Haltestelle zusteigt- um diese Uhrzeit ist der Fahrgast nur dann unterwegs, wenn er das wirklich muss.
Die junge Frau mit dem Kissen auf dem Kopf (mag sein, dass es kein Kissen ist, aber es sieht so aus. Vielleicht handelt es sich aber auch um einen Medizinball. Wer weiß das schon) steigt zwei Haltestellen nach mir ein und setzt sich stets mir gegenüber hin. Da die Höflichkeit verbietet, auf ihren seltsamen Kopfputz zu starren, bringt mich das jedes Mal in Verlegenheit. Die Lösung für dieses Dilemma ist, die Entspannung zu nutzen, die eine Busfahrt im Dunkeln bietet (sowie die Tatsache, dass noch keine Schüler an Bord sind) und so zu tun, als schliefe man noch, wenigstens oberflächlich. Ich schließe also die Augen, lasse die Gesichtsmuskeln erschlaffen und lehne den Kopf an die Scheibe.
Die Vibrationen des Dieselmotors und das Ruckeln beim Fahren über Unebenheiten schläfern tatsächlich ein bisschen ein. Ein wenig ist das so, als stecke man zur Gänze in so einem Massageanzug, der einen ordentlich durchschüttelt.
Im Bus ist es warm und dunkel, und wenn ich Glück habe, gibt es keine Ansage der nächsten Haltestelle, sondern nur eine Laufschrift über dem Durchgang zur Fahrerkabine.
Die Medizinballfrau hört Musik über ihr Handy, und obwohl reichlich Stoff ihre Ohren bedeckt, sind die Melodien als flaches Plärren für ihre Umgebung noch hörbar.
Warum setzt sie sich mir gegenüber hin?  Ich riskiere einen Blick, und finde mich, wie immer, fasziniert von dem Gewickel und Gewackel auf ihrem Schädel. Offenbar sind mehrere Schichten Stoff verarbeitet, was man an den unterschiedlichen Farben sehen kann, die in schmalen Streifen über der Stirn zu erkennen sind. Warum sie diesen unglaublichen Aufbau auch noch mit einem schwarzen Tuch mit silbernen Glitterschleifchen und –Streifchen geschmückt hat, bleibt ein Rätsel. Aber vielleicht möchte sie nur nicht frieren. Viele nicht sehr schmeichelhafte Bezeichnungen für dieses Kopfding fallen mir ein.
Ich erwische mich dabei, dass ich mich frage, wie lang man braucht, um morgens so einen Haufen Stoff um seinen Kopf zu wickeln, und welchen Teil von der Menge ihr Haar ausmacht. Vielleicht hat sie ja keines? Vielleicht versteckt sie tatsächlich ihr Kopfkissen in dem Aufbau, damit ihr kleiner Bruder es nicht dem Dackel gibt oder der Katze?
Der Rest von ihr ist unauffällig. Schwarze Jacke, schwarze Strümpfe, Ankle Boots, eine von diesen Taschen, die frau jetzt trägt, in denen man außer Handy und Portemonnaie noch einen Sextanten, ein Paar Duellpistolen und einen praktischen Rasenmäher verstauen kann.
Ihre Hände, ein wenig rundlich im Gegensatz zu ihrer sonstigen Erscheinung, halten die Tasche und das Musik spielende Handy. Die Fingernägel sind kurz und man kann noch Reste von Henna erkennen.
Die Hände sind die einer Achtjährigen.
Und auf einmal hab ich keine Lust mehr, über diesen Turban zu lästern.

Samstag, 5. November 2011

Das mit den Klammern funktioniert nicht...




Nichts anderes als ein paar spitze Klammern wären der Gloriosilität des heutigen Tages geschuldet, also kriegt er sie auch. (Anm. der Autorin: Spitze Klammern machen Text weg...) 
Jubilieret, triumphieret, denn es ist vollbracht- nach fast zwei Jahren bei mir ist mein Sohn gestern ausgezogen.
Als ich gestern nach einigen Stunden der Mithilfe komplett fertig und kaputt hier wieder aufgeschlagen bin, hätte ich gern ein kleines Tänzchen gewagt... zwei Sachen haben mich davon abgehalten. Das erste war oben zitierte Kaputtheit, das zweite die Tatsache, dass es keinen Platz gibt- denn meine Wohnung sieht aus wie die Lüneburger Heide nach dem Frühjahrsmanöver: Kein Ding steht mehr auf dem anderen. Bis auf den nun total sohnlosen Raum schräg gegenüber.

Paul der Kater zieht dort seine Kreise und singt seine Lieder von Einsamkeit und Hilflosigkeit sowie Desorientierung. Wenn man ihn ruft und ihn drauf aufmerksam macht, dass er weder allein noch ein Zweihundertgrammwelpe ohne Mama ist, sondern einer von Vieren, und zehn Kilo die nächste Schallmauer für sein breites Kreuz darstellen, dann kommt er angelaufen und ist ganz glücklich, dass man sich seiner erinnert. Er hört sich wirklich schrecklich an, da in dem leeren Raum... ich glaube aber, er genießt einfach das Echo.

Ich genieße bis dahin das Planen. Denn ich hatte ja nicht vor, den Status quo ante wieder herzustellen und in dem nun vakanten Raum erneut mein Bett aufzustellen. Das steht in dem kleinen, ehemaligen Arbeitszimmer ganz gut.

Nein, aus dem Raum wird das neue Wohnzimmer, dafür reichen nämlich die 14 Quadratmeter gut aus. Das große Zimmer wird ab sofort ein Arbeits-Mal-Näh-Trampolin-Raum. Mit Balkon, weil man den dafür braucht. Mein Schreibtisch wird hier stehen bleiben, auch wenn ich an dem weniger arbeite als vielmehr zocke, und ein ganzes Rudel Tische wird ihn ergänzen und demnächst Platz bieten für das Malen zum Beispiel.

Dass ich hier jedoch so halbwegs ruhig sitzen kann, liegt daran, dass ich dann doch zwei Tage Urlaub genommen habe, um die ganze Geschichte des Sohnauszugs ein bisschen begleiten zu können. Die Arbeit ist nämlich immer noch recht anstrengend, und dass ich die Wege dorthin mit dem Bus absolviere, verlängert die Abwesenheit etwas. Nicht viel, denn der Bus braucht genauso lange wie ich mit dem Auto gebraucht habe, aber etwas Wartezeit muss auch kalkuliert werden, sowie ein paar Meter Fußweg. Demzufolge bin ich nicht dazu gekommen, in den letzten Wochen mehr als unbedingt nötig in Hausarbeit zu investieren- zusammen mit dem Auszugchaos war das dann Anlass genug für zwei freie Tage.

Also, die Arbeit.
Die Arbeit ist komplett neu. Vor meinem Klinikaufenthalt war ich als Sachbearbeiterin bei einem Jugendamt beschäftigt (nicht an der Sozialarbeiterfront, sondern bei den Leuten, die den Eltern Geld dafür abnehmen, dass ihre Kinder in Einrichtungen und bei Pflegeeltern leben). Nach mehr als zwanzig Jahren hat mich da der Burnout erwischt- der und die Tatsache, dass Fallroutine, wie sie erforderlich war, absolut nicht mein Ding ist.
Der Einsatz nach der Klinik war zeitlich befristet, es ging um die Durchführung eines Projektes, bei dem von vornherein klar war, dass ich dort nicht bleibe. Als dann abzusehen war, dass die Arbeit sich ihrem Ende näherte, kam ich stellenmäßig wieder in die Verlosung, und hab dann das gezogen, was ich als Hauptgewinn bezeichnen würde. Zwischendurch hatte ich mich auf einen Job beworben, den ich dann nicht bekommen habe. Inzwischen glaube ich, dass das gut für mich war. Dieser andere Posten hätte mehr Einsatz an Wochenenden und an Abenden erfordert, als mein Freizeitbedürfnis wohl ausgehalten hätte. Ich wünsche der Kollegin dort ein herzhaftes „Ruhigen Dienst!“.
Nach den besagten Jahren an der Front der Fallarbeit hab ich also jetzt was vollkommen anderes. Es handelt sich um das, was man bei uns Querschnittsdienste oder auch zentrales Ressourcenmanagement nennt, im weitesten Sinne geht’s also um Hintergrunddienste in Bezug auf Organisation und so einen Kram. Das Fach Organisationslehre (damals noch mit dem Zusatz „und elektronisch gestützte Datenverarbeitung“) hab ich schon zu Zeiten meiner FH-Ausbildung gern gemacht, und mein Examen in dem Fach mit einer Eins geschrieben. Es ist verblüffend viel an Wissen hängen geblieben, trotzdem muss ich mich kräftig einlesen, aber es fällt mir leicht, weil es so angenehm ruhig ist dort. Die Kollegen sind alle eher still, so dass der übliche Hintergrundlärm aus den Büros nicht existiert. Dazu gibt es in unseren Büros so gut wie keine Kundenkontakte, die machen wir vor Ort, und anrufen tut uns auch keiner, denn man hat uns nicht sehr lieb. Zwei Jahrzehnte an der Bürgerschreckfront haben mich aber abgehärtet, und ich kann sehr gut damit leben, nicht jedermanns Lieblingstante vom Amt zu sein.
Derzeit herrscht eine Art Probeabschnitt. Wir schauen alle, ob wir miteinander auskommen- und wenn das so ist, dann bleib ich da. Ich erwische mich derzeit dabei, Ehrgeiz zu entwickeln, und meine Sache wirklich, wirklich gut machen zu wollen. Schau'n mer mal!


So. Jetzt muss ich mal an die Tagesplanung, damit hier alles seinen geregelten sozialistischen Gang gehen kann.

Liebe Grüße an euch alle, und ein schönes Wochenende
wünscht

DieLily

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Um es mal...

mit Terry Pratchetts Oma Wetterwachs zu sagen:


Ich binne nicht tot. 



Ich bin nur schwer beschäftigt mit Einarbeitung und  all so einem Kram. Wenn ich nach Hause komme, gehe ich nur deshalb nicht gleich schlafen, weil man um sechs Uhr abends noch nicht ins Bett geht. Aber es macht Spaß, und ich fühl mich wohl bei den neuen Kollegen.
Am Wochenende ist Zeit für ein richtiges Posting.
Aber sowas von.


Eine schöne Restwoche wünscht

DieLily

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Widerruf!! Einseinself

Äh.



Hatte ich jüngst gesagt, dass ich im Oktober meist Glückssträhnen hatte?

Irgendwie hat sich das bewahrheitet, wenn auch schwer erkennbar:

  1. Die Katz hat kein FIP. Das ist gut, das ist ein GLÜCK!
  2. Das Auto, welches mir gestern mitten in Bochum verreckt ist (es ruhe in Frieden) hätte auch drei Kilometer weiter auf der Autobahn einfach ausgehen können ohne wieder anzuspringen. Es hätte mir wer reinrauschen können, es hätte einen wirklich schweren Unfall geben können. So musste ich nur anderthalb Tonnen unter dem Hupen anderer Verkehrsteilnehmer von der Kreuzung schieben (der, der dann half, war ein Fußgänger. Vermutlich, weil er keine Hupe hat), eine Viertelstunde durch den Regen zurück zu meiner Freundin laufen und später dann, mit drei Leuten den Golf auf einen Parkplatz schieben und mich mitten in der Nacht nach Haus fahren lassen. So auch wurde mir die Entscheidung abgenommen, ob ich die Kiste noch mal reparieren, über den TÜV bringen und noch 2 Jahre fahren soll...


Glück gehabt... oder?

Sicherheitshalber widerrufe ich jedoch die etwas voreilige Mitteilung, der Oktober brächte Glückssträhnen.Man soll ja nichts beschreien. 
Und jetzt fahr ich zum Tierarzt, mit dem Taxi.

Die Lily, deren Lächeln derzeit etwas strapaziert wirkt.

Dienstag, 11. Oktober 2011

"Eine rauchen?" fragte der Tenno

... und dann setzte er sich zu mir, und wir schwiegen beim Rauchen.
Eine angenehme Abwechslung, dieses Schweigen.
Warum ich aber vom Tenno geträumt habe, weiß der Himmel.
Vielleicht liegt es daran, dass ich momentan japanische Wolle verstricke. Die ist so schön, dass man weinen könnte, und lässt sich so schnell und fließend bearbeiten, dass es doppelt so viel Spaß macht wie sonst schon.


An der Katzenfront ist Gesundheit wieder eingekehrt- auf der Katzenseite. Ich habe inzwischen Hände, die aussehen, als hätte ich ein paar Rosen händisch entdornt. Ich hoffe, dass ich genug mit den Keimen meiner Viecher vertraut bin, dass sich nicht allzu heftige Entzündungen bilden- gestern hab ich eine Kralle unter den Ringfingernagel gekriegt.
Autsch. Dazu liest man immer gern hier.

Apropos natürlich:
Mit der Verwendung des Adjektivs "natürlich" macht die Fa. Erasco derzeit Werbung, und zwar im Zusammenhang mit Hühnerbrühe.
Ich kenne das Land, wo Milch und Honig fließen. Das, wo die Hühnerbrühe entspringt und durch wilde Bergwiesen gluckert, ist mir fremd. Aber vermutlich ist dieses Land da, wo man sich nicht darum kümmern muss, aus welchem Zeug "Familiensuppe" gemacht wird.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Sechs Tage im Oktober


Vor einer Woche, also am letzten Sonntag, fing Eddie an zu erbrechen. Das tut er sonst nicht, im Gegensatz zu seinem Erzfeind Karl und seinem Bruder Paul, die tun das von Zeit zu Zeit- Karlchen sogar täglich (Grr).
Am nächsten Tag, dem Feiertag, ging es ihm offenbar schlecht: Er fraß nicht, hockte apathisch herum, und wenn man ihn anfasste, knurrte er wie ein Rottweiler.
Also hieß es, einen Transportzwinger (ich habe vier, man weiß ja nie!) klar zu machen und sich auf den Weg in die Tierklinik zu machen, die zum Glück nur 11 Kilometer entfernt ist. Da alle meine Tiere das Auto nur als Transportmittel zum Tierarzt kennen, hat er sich ein bisschen aufgeregt. Aber eben nur ein bisschen, kein Vergleich mit der Kakophonie, die sonst so zu hören ist.
Die Tierklinik war wie immer: Voll, stinkig (lauter Hunde mit Angst), und teuer.
Nach nur drei Stunden waren wir wieder zu Hause, die Katz mit Schmerzmitteln, Anti-Fieberzeug und etwas für einen verdorbenen Magen versehen und ich um hundert Euro ärmer.
Dienstag ging es ihm etwas besser, Mittwoch auch noch- aber gegen Abend sah es aus, als müsse man mit seinem baldigen Ableben rechnen. Er fühlte sich knochig und heiß an, und weder Futter noch Wasser vermochten ihn zu locken. Nix gut.
Der Donnerstag sah ihn also wieder in der Transportbox- diesmal komplett protestlos, was mir wirklich Sorgen machte.
Der Tierarzt sah ihn sich an, machte ein Röntgenbild und nahm ihm Blut ab- und Eddie war der reinste Champ, kein Protest, kein Fauchen, und da wurde mir Angst und Bange, denn eine jede Katze, die was auf sich hält, legt beim Veterinär Ehre ein, wenn sie möglichst viel Terror macht.
Die Verdachtsdiagnose FIP hat mich dann auf die Bretter geschickt.
Dass er was hatte, war klar. Aber FIP? Wenn ich eine der Katzen verlieren müsste, dann wäre rangmäßig Emily dran. Sie ist die Älteste mit ihren 18 Jahren, und Eddie ist erst sechs, im besten Kateralter. Emily hat ihr Leben gelebt, sie ist nicht mehr fit, sondern hat ordentlich Alterswehwehchen. Nichts ernstes, eben nur Zipperlein, sie ist taub, wacklig auf den Beinen, aber immer noch Queen Bee, sie scheucht die Kater herum und setzt sich durch, soweit nötig.
Ed aber ist komplett auf mich fixiert, verbringt seine Abende in meiner Nähe, oft genug dicht an mich gedrückt auf der Couch, wenn er nicht verschlafen vom Regal blinzelt und mir die Ohren zum Kraulen hinhält. Sein Lieblingsplatz ist der Wäschekorb, da kriegt man ihn nicht raus, und ich finds äußerst niedlich, dass er sich darin eine Höhle gräbt und dann vor sich hin schnarcht.
Kurz: Eddie war die schlechteste denkbare Wahl für das Schicksal, mir zu zeigen, dass Oktober nicht nur Glück bringen.
Ich ließ mir den Freitag frei geben, damit ich möglichst viel Zeit noch mit ihm verbringen konnte, und lief dann herum wie Falschgeld (sagte Oma immer)- entweder in Tränen aufgelöst oder damit beschäftigt, dem fraßunwilligen Eddie mittels einer Spritze Minimalmengen Wasser mit Glukose und etwas Kochsalz drin ins Maul zu befördern. Am gesamten Freitag waren es vielleicht 10 Milliliter, die er zu sich nahm- und ich nahm Abschied.
Zwischendurch machte ich Fotos, um möglichst viel Andenken an ihn zu haben, und um mir klar zu machen, auch später noch, wie schlecht es ihm ging, und dass die Entscheidung (die gefallen war) ihn beim nächsten Tierarztbesuch einschläfern zu lassen, die richtige war. Ich war so traurig wie kaum jemals in meinem Leben. Und hatte damit zu kämpfen, dass ich mich fragte, ob ich je für einen Menschen so getrauert habe- bis mir klar wurde, dass es egal ist, worum man trauert...
Denn das Lebewohl an ein geliebtes Wesen enthält jeden Abschied, der je war, und erinnert uns an alle die, die noch kommen werden.
Am Samstag dann war der Wiedervorstellungstermin beim TA, und ich schlief so schlecht in dieser Nacht. Ed hatte einige Zeit in Ruhe und der Abgeschiedenheit meines Zimmers verbracht (und zum Dank für diese Ehre zweimal in mein Bett gepinkelt... nun ja. Ich beziehe gern nachts um eins Betten, ja wirklich.)
Karl, der sonst Eds Erbfeind ist, hatte schweigend und mit minimaler Distanz Krankenwache gehalten und immer bei Eddie gehockt, außer wenn ein Mensch in der Nähe war. Emily und Paul haben nur gefaucht und ihn angeknurrt, vermutlich, weil er nach Angst und Tierarzt roch, aber mir kam das so ungerecht vor.
Ich wusch seine Lieblingsdecke, schrubbte die Transportbox, bis sie glänzte, und polsterte sie mit der Decke aus- schön sollte er es haben an seinem letzten Tag.
Die Stunden bis zu dem Termin vergingen in sprichwörtlicher Eile, und irgendwann mussten wir los.
Der Tierarzt hatte die Laborergebnisse schon erhalten, aber sie sich noch nicht angeschaut. Und während ich da herumstand und die Katz im Käfig kraulte, holte er das nach.
Die Fragezeichen in seinem Gesicht wurden immer deutlicher, und irgendwann verschwand er und kam mit einem Fachbuch wieder. Etliches Blättern und Murmeln später war klar, was die Werte aussagten: Eddie hat keine FIP. Eddie hat einen Gallenstein.
Das Wasser im Bauch kam von einem Gallenstau, die Bilirubinwerte waren rasant erhöht (und Eddie vermutlich nur deshalb nicht gelb wie sonstwas, weil er ohnehin orange ist). Vermutlich war dem armen Kerl seit Tagen sterbensübel, und Koliken hatte er auch. Dass er abgenommen hatte wie ein Abreißkalender war da auch kein Wunder.
Aber eines war geschehen, ein Wunder nämlich (für mich auf jeden Fall). Da war es nur noch eine kleine Tat, weiterzulächeln als der erboste Kater mir beim Bauchrasieren (für den Ultraschall) seine Krallen in den Arm bohrte. Sollte er doch. Je mehr Krallen, desto lebendiger.
Mittlerweile sind wir wieder zu Hause (klar doch). Das Katz ist erheblich ergelbt, was man an Ohren und am Zahnfleisch sehen kann, das Bauchwasser ist weg, das Fieber auch, und ich steh vor dem Problem, das jeder Katzenbesitzer hat: Wie krieg ich die Pille in die Katze?
Jeder Tipp ist willkommen.
Malzpaste jedoch lutscht er sauber von der Tablette und spuckt diese wieder aus. Gebratenes Hähnchenfleisch mit pulverisierter Tablette drin lässt er stehen. Da hungert er lieber, offenbar. In Hepar Compositum aufgelöste Tablette, die mittels Spritze ins Maul befördert wird, kotzt er wieder aus. Das Zeug ist bitter.
Warum, WARUM bringen die forschenden Pharmaunternehmen keine therapeutischen Leckerchen auf den Markt? Herrschaftszeiten, der Mensch kann zum Mond fliegen. Und was wirklich Nützliches, das kriegt er nicht zu Stande? Also echt jetzt.
Fig. 1: Fünf Tage war die Katze krank... wie man sieht.

Ein gesundes Wochenende wünscht euch

die Lily

Samstag, 1. Oktober 2011

Herbscht is!



Jawoll, er ist da. Irreführende Versuche, mit den aktuellen Außentemperaturen das Gegenteil zu beweisen, gehen ins Leere- die diesjährige grüne Saison (ich zögere, dazu „Sommer“ zu sagen) ist vorbei.
Hier chez Lily zeigt sich das an mehreren Dingen. Erstens dadurch, dass ich das Stricken, jahreszeitlich außerordentlich passend (wenn auch bizarr bei fast dreißig Grad), wieder einmal aufgenommen habe. Das bedeutet, dass ernsthafte Mengen an Garn täglich zu Schals und Hüten verarbeitet werden, um sie demnächst bei einem passenden Anlass zu verkaufen.
Zweitens ist auch ansonsten Herbst- meine derzeitige Arbeit neigt sich ihrem Ende zu, bzw. ist bereits abgeschlossen. Damit endet ein Jahr, dass mich arbeitsbezogen sehr erfreut hat, denn ich bin tatsächlich jeden Tag gern ins Büro gegangen, was eine neue Erfahrung war, und außerdem muss ich mich jetzt von den Kollegen verabschieden, denn unsere zuletzt eher kleine Arbeitsgruppe (derzeit sind wir drei, von denen einer im Urlaub ist) wird aufgelöst. Der urlaubende Kollege kehrt an seinen alten Arbeitsplatz zurück, die verbleibende Kollegin und ich werden in Kürze woanders eingesetzt.
Und ich habe schon eine neue Stelle- meine absolute, ernsthafte, seit Jahren ersehnte Traumstelle, von der ich niemals gedacht hätte, dass ich eine Chance hätte, sie zu ergattern. Aber nicht nur das: Sie wurde mir angeboten, ohne dass ich auch nur eine Bewerbung verfassen musste.- Ich bin immer noch sprachlos, aber sehr, sehr aufgeregt und freue mir zwei bis drei neue Löcher in den Bauch.
Der Stelleninhalt ist ein bisschen verwandt mit dem, was ich im letzten Jahr teilweise schon gemacht habe, und zum Glück meilenweit entfernt von den Dingen, die ich dreiundzwanzig Jahre lang getan habe und die ich schon Jahre lang kaum noch ertragen konnte.
Mitte Oktober geht’s los- letztens ist mir wieder aufgefallen, wieviele gute Änderungen in meinem Leben im Oktober stattgefunden haben. Drückt mir die Daumen, dass auch diese eine solche wird :-)
Ein schönes langes Wochenende wünscht euch

Die Lily