Samstag, 30. April 2011

Die Lösung.



In meinem letzten Posting habe ich angekündigt, die Lösung an sich für den Ausstieg aus der Energieproblematik gefunden zu haben- und jetzt ist es so weit.
Ich habe lange nachgedacht, als ich jüngst mal wieder das Lied „Pflaster“ hörte, das von der deutschen Gruppe (? Oder ist es ein Duo?) Ich und ich gesungen wird.
Und da, versteckt in schlechten Reimen und melodramatischer Stimmführung des Rätsels Lösung.-
Wer ist es nämlich, der so oft die Planung neuer Kraftwerke behindert? 
Mal abgesehen von Anwohnern.

Wer ist es, der nimmermüde laufen will und beinahe keinen Raum mehr dafür hat?

Wer ist possierlich anzusehen und ein Freund vor allem kleiner Menschen?

Richtig. Der Hamster.

So lasst uns denn neue Wege beschreiten. Jedem Hamster sein Rad. Jedem Menschen seine Hamster, die unermüdlich in ihren Rädern Energie erzeugen! Jawohl! Lasst sie laufen, lasst sie rennen. Lasst sie kleine Dynamos antreiben, von der Erfindungskraft deutscher Ingenieure zu ungeahntem Wirkungsgrad gebracht. Millionen kleiner Feldhamster strampeln für Strom!

Und das einzige verbleibende Problem, nämlich das der Nachtaktivität, hat die Gruppe auch schon gelöst.
Oft ist es nämlich störend, des Hamsters Geklapper zu hören, das bereits in alten Volksliedern fälschlich den Mühlen zugeschrieben wurde (sowie dem rauschenden Bach). Klipp-Klapp, so macht der Hamster in seinem Rad, klipp-klapp.

Dabei kann kein Mensch schlafen.

Deshalb: Verlegt die Räder nach draußen!

Denn wie singt des Barden kleiner Bruder in jenem unverdient gepushten Song:


Das ist visionär, das ist Weitsicht.

Jawohl.

Findet

DieLily. 

Vielen Dank der lieben Elena. Die hat beim Hören von Herbert Grönemeyers letztem Dings, äh Lied, immer verstanden "Ich brauche mehr Geschlechtsverkehr", und hat mich dazu gebracht, über Wahrheit in der Poesie nachzudenken. 
In diesem Sinne: Schönes Wochenende!

Und beim nächsten Mal:
Blumen und Zierpflanzen.


Freitag, 29. April 2011

Weibisch.



Letztens outete ich mich, und das völlig ungeplant. Im Büro kam die Rede auf die Kohle, die irgendwer im Lotto gewonnen hatte- und ich sagte, mit verträumtem Blick: „Einmal ohne Limit im Baumarkt einkaufen…“ was bei den Anwesenden für Erstickungsanfälle sorgte.
Tja, so unweiblich bin ich.

Trotzdem: Prinzessin sein, vor allem Prinzessin Lily sein, ist unschlagbar. Man kann Kleider tragen. Hat man keinen Bock auf viel Stoff, tuts auch eine Jeans. Da kann der Prinz nur die Augen verdrehen- soviel Auswahl hat er nicht. Es sei denn, er heißt Prinz Charles und das Röckchen ist kariert.

Was mich daran erinnert… heute heiraten der Willi und die Käthe. Was sich anhört wie eine Annonce aus der Zeit meiner Großeltern ist in Wahrheit ein tagesaktuelles Ereignis, spielt es sich doch in London ab und die beiden heißen Willjäm und Käät. Und soviel Alltagsprinzessin bin ich ja tatsächlich noch: Ich weiß, erstens, dass die zwei heut heiraten, ich weiß, zweitens, dass jeder, der eine Feder oder eine Tastatur oder eine Kamera bedienen kann und Zugang zum Netz hat, darüber heute berichtet, und sei es nur, indem er genau dies Thema absichtlich und gar nicht, nie nicht, berührt. Auch das Ignorieren einer Tatsache  ist ein Hinweis auf die Existenz derselben, wie Sherlock Holmes sagte (und falls nicht, hätte er das jedenfalls sagen können. Schließlich ist es wahr).

Also, worauf ich hinaus will: Baumarkt hin, Baumarkt her- ich hatte gerade den Liveticker laufen. Nicht, weil ich mich am Unglück zweier den Bund fürs Leben schließender Liebender ergötzen wollte. Sondern weil mich das Kleid interessiert. Schließlich ist das, sowie die Größe der Kirche und die Menge der Eingeladenen eigentlich das, wovon sich Ottilie Normalbrautens Hochzeiten von derlei royalem Zirkus unterscheiden.

Leider, und dafür mache ich mal, ganz informierte mündige Mitarbeiterin, meinen Arbeitgeber verantwortlich, leider ist hier kein anständiger Livestream zu kriegen, denn die Kabel sind hier nicht die dollsten. Also, die Verbindung ist lahm.

Und wer jetzt drüber motzt, dass Frau während der Arbeitszeit Internet guckt, der ist nicht darüber informiert, dass die (männlichen) Kollegen sich hier gern die Auslosung gewisser Fußball-Turnier-Gruppenzuweisungen oder so was anschauen. Auch per Livestream.
Und dann wird genau so geflucht. Hurra, das ist Gleichberechtigung,

findet

DieLily.

Beim nächsten Mal: Wie uns ein kleiner Säuger aus der Energiekrise befreien kann.

Ach, und was ich eigentlich sagen wollte: Eine halbe Arbeitsstunde versaubeutelt. Und kein Foto vom Kleid gesehen...

Donnerstag, 14. April 2011

Alles so schön bunt hier!



Mein Fernseher feierte jüngst seinen 20. Geburtstag. Zu diesem außerordentlichen Beispiel von Zuverlässigkeit und Langlebigkeit kann man nur freundlich sein- deshalb wird er jetzt nicht verschrottet. Nein, mein Sohn nimmt ihn mit, wenn er auszieht.
Ich hab mir einen neuen gekauft, einen 32“-Flachbildschirm. Jetzt endlich kann ich wieder was erkennen auf meinem Fernseher. Die HdR-Trilogie in 20x40 Zentimeter ermangelte ein wenig der optischen Brillanz, weswegen ich lang schon mit mir rang, ob ich mir ein neues Gerät gönnen solle oder nicht. Dagegen sprach, dass ich einfach nicht fernsehe. Dafür spricht, dass ich mir öfter Filme anschaue, und dass die auch auf dem PC-Monitor nicht viel größer waren als auf dem 50-cm-Fernseher. Ein günstiges Angebot von Samsung brauchte ich dann noch, um endgültig die Waagschale Richtung Neuzeit kippen zu lassen...

Gestern Abend konnte ich also in einer Farborgie sonder gleichen das Fußballspiel genießen. Anschließend gab es einen kleinen Ausflug nach Hobbingen und zum Herrn Elrond. Der Kitsch-Koeffizient der Tolkien-Verfilmung ist aber doch um so enormer, je  mehr Details man erkennt.

Heute wird, abgesehen vom Kleid der irren Marquise (ich neige dazu, Markise zu schreiben, verdammt), welches der Vervollständigung harrt, Star Wars laufen. Schön bunt. 

Außerdem muss ich zwei Meter florentinischen Tülls zu einer Stola verarbeiten. Auch irre Markisen (hihi) wollen nicht frieren. Das Hauptproblem aber, ob nämlich meine rote Thekenschlampenperücke zum Kleid der irren Markise passt, ist damit noch nicht gelöst. Neben drei Metern Saum, die zu säumen und zwei Meter Rüsche, die anzunähen sowie sechs Quadratmeter Gardine, die in Umhanggestalt (oder Stola, s. o.)wiedergeboren werden wollen, muss ich deshalb vielleicht noch eine Haube nähen. Heute Abend, denn morgen habe ich was vor. Und am Samstag geht’s auf nach Holland, zum Elf Fantasy Fair.
Ich hoffe, die kommentierende Barb macht dann ein paar schöne Fotos von mir.
Ach ja- einen Pompadour für die Kamera muss ich auch noch nähen *schwitz*.- Das nennt man Freizeitstress.

Aber besser als Langeweile- oder?


Fragt sich

dieLily

Sonntag, 10. April 2011

Sonntag. Fotos. Wortlos








Donnerstag, 7. April 2011

Fotos von heute, und von letztens in Leverkusen. Auch aus Wuppertal.

Neulich in Leverkusen, an einer Rheinbrücke:


Auch das sah man auf einigen Steinen. Sowas kann mich immer verlocken... Moos und Flechten.


Mupfel.  Schneckengehäuse.


Viele Mupfeln.


Die Sonne schien.


Das ist der Tisch, an dem wir freitags malen. Elena hat ihn gestaltet, und das Essen schmeckt dann auch immer gut von den farblich passenden Tellern.


Die Kirsche vor dem Balkon.


So siehts inzwischen bei mir aus. Überall Bilder.


Da ist mir Eddie auf seinem Lieblingsplatz dazwischen gekommen, aber danach gehts weiter mit...


...noch mehr Bildern.

Hab ich erwähnt, dass ich Bilder habe? Zuviel Bilder?


Karl findet das auch.


Wenn ich nicht male, nähe ich. Zum Beispiel dieses Kleid, mit dem ich als Irrenwärterin zum Elf Fantasy Fair gehen werde:



 Naja, vielleicht gelingt es mir, das Kleid noch einmal zu nähen, aus Taft in einem schönen Beerenfarbton. Dann gehe ich als die irre Marquise dahin. Wir werden sehen, und ich werde berichten.
Gehabt euch wohl
wünscht euch

Die Lily

Mittwoch, 6. April 2011

Waaa.

Manche Fallen stellt man sich selbst- soeben habe ich mein kleines Trennmesser (zum Nähte-Auftrennen) gesucht. Es ist ca. 5 cm lang und rund, hat also die Eigenschaft, zu rollen (wenn man es lässt) und zu Boden zu fallen (wenn man es nicht daran hindert). Außerdem gibt es in diesem Haushalt einige Katzen, die nichts lieber tun als rollende Gegenstände durch die Gegend zu kicken. Vorzugsweise unter die Möbel, meist die Couch, weil alles andere hier direkt auf dem Boden steht. Immer wieder findet man dort interessante oder eklige Dinge. Z. B. von der Katzenmafia entführtes Hühnergebein, aus dem Mülleimer geklaut, durch die Gegend gekickt und unter der Couch versteckt. Letzte Woche irgendwann. Feuerzeuge? Schau mal unter der Couch nach. Sektkorken mischen sich liebevoll mit kleinen, rappelnden Mäuschen, eigens gekauft zur Erheiterung der bepelzten Wahnsinnigen. Staubflocken paaren sich mit Katzenhaarmäusen- kaum jemand muss so oft unter den Möbeln putzen und saugen wie Katzendiener.

Der Gemütlichkeit halber hat sich vor kurzem  hier im Wohnzimmer ein Teppich eingefunden, der mit flauschigen Flor feline Füße färmt wärmt. Deshalb schiebt man nicht mehr einfach das Sofa weg, wenn man was darunter Gefallenes oder Gerolltes wiederfinden möchte. Nein, man hebt die Couch an! Einseinself.

Just in dem Moment, wo man bestrebt ist, die Couch, da schwer, wieder herunter zu lassen, krabbelt eine Katze drunter. Hmpf. Kaum hat man diese mit Hilfe gezielten Fußeinsatzes verscheucht, sind an der anderen Seite gleich zwei Katzen unter das Möbel gekrochen, und finden es furchtbar spannend da unten. Die soeben verscheuchte Katze und ihr Bruder nehmen derweil auf der schräg in der Luft hängenden (ha! Wenn sie das täte! Aber ich musste sie festhalten, das Miststück) Platz und schnurren, was das Zeug hält.
Das sind die Momente, die die Dosenöffnerin mit ganz neuen Flüchen bekannt machen, die tief, tief in ihrer schwarzen Seele auf genau diese Sekunde gewartet haben.

Und gleich ziehen der beste Sohn von allen und die ich los, und schauen sich eine Wohnung an. Für ihn allein, und ganz ohne Katzen.

Kann ich gar nicht verstehen,

meint DieLily

Donnerstag, 31. März 2011

Erde an Lily

Es ist Frühling, wie man an jeder Ecke sehen kann. Hier regnet es gerade, und wenn ich aus der Tür des Bürogebäudes komme, um eine einsame Zigarette zu rauchen (sonst alles Nichtraucher hier), dann kann ich auf einen Garten schauen, in dem in den letzten Tagen eine Frau ein bisschen herumgewerkelt hat- sie hat Töpfe bepflanzt, um sie auf die Terrasse zu stellen, den Rasen gemäht und vertikutiert, halt so ein bisschen Frühlingsarbeit verrichtet.


An den stilleren Nachmittagen, wenn die Grundschule gegenüber ihre Pforten geschlossen hat und der Strom der Autos ein wenig abebbt, dann kann man über den Garten hinweg auf ein altes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert schauen, das über allen anderen Häusern in der Straße thront, ganz oben gekrönt von den goldenen Ziffern einer Uhr. Aus einem der offen stehenden Fenster hört man jemanden Flöte spielen, und das verbindet sich mit der überwiegenden Stille des Nachmittags zu einem Erlebnis von ganz besonderem Reiz- ich gebe zu, zwischen 14 und 15 Uhr stehe ich gern draußen und rauche.

Bei dem spärlichen Regen, der zurzeit fällt, kann man, auch in der Innenstadt, den Duft der feuchten Erde riechen, und mich verfolgen Bilder aus der Zeit, als ich noch einen Garten hatte. Samstags morgens in aller Frühe hinauszugehen, zu überlegen, was wohin gepflanzt werden soll, zum ersten Mal im Jahr nach dem Werkzeug zu schauen, Spaten und Harke und Dreizack und Rasenmäher ans Licht zu holen, das waren wichtige und sehr schöne Tage. Gegen zehn Uhr dann zu einem Pflanzenhändler fahren, Kräuter für die Töpfe und Primeln, Schachbrettblume, Jakobsleiter, tränendes Herz, Rittersporn und Phlox zu kaufen, vielleicht auch ein kleines, hoffnungsvolles Gehölz anzuschaffen, und danach in den Gartenschuhen hinaus und die Käufe in die Erde setzen. Stauden teilen oder herunter schneiden, die letzten Reste des Herbstlaubs unter die Sträucher ziehen, und die erste Ladung Gras auf den Kompost zu hieven- das hat mich immer derartig angeschoben, dass ich stundenlang ohne Rücksicht auf Verluste weitergemacht habe, ohne einen einzigen Gedanken an Pausen, Essen, Ausruhen.

Abends dann aus dem Fenster in den Garten schauen, die Erde dunkel und erwartungsvoll da, wo neues wachsen soll und das helle neue Grün an Bäumen und den ersten Tulpen… das hat mich zufrieden und glücklich gemacht wie kaum etwas anderes.

Es fehlt mir sehr.

Geht, und macht euch die Finger schmutzig ;-)

Ganz die Eure,

Lily

Montag, 28. März 2011

Hier

Stand gestern morgen noch ein Posting zum Thema Auszug meines Sohnes- eine recht emotionale und, schlimmer, ziemlich hämische und hässliche Angelegenheit, die nach nochmaligem Lesen ins Nirwana verdammt wurde. Tina und Georg hatten bereits kommentiert, diese Kommentare sind mit dem Posting verschwunden. Sorry dafür!

Fakt ist, mein Sohn zieht wieder aus. Ich freu mich drauf, er freut sich drauf, uns beiden geht’s gut damit.

Ich mache eifrige Pläne, was die Nutzung des frei werdenden Zimmers betrifft, und bin schon recht weit gekommen dabei. Das derzeitige Wohn/Näh/Mal/Katzenschlaf- und –Schlägereizimmer wird dann seiner Wohnfunktion in Teilen beraubt, was die Platzierung der technischen Ausstattung zum Filmegucken betrifft. Zum Glück ist mein Fernseh-Stereo-Dingstischchen mit Rollen versehen, so brauche ich nicht kostbare Hirnzellen verschwenden, um die Verkabelung neu zusammen zu basteln.

Das bisherige Sohneszimmer wird dann in Zukunft dazu dienen, mir Platz zum Lesen und Filmeschauen zu bieten. Ich freu mich schon so…

Jetzt muss ich nur überlegen, wie ich meine Bilder (die, die nicht an irgendeine Wand passen) möglichst sinngebend unterbringe, so, dass ich dran kann, aber dass sie nicht im Weg stehen. Angesichts der Maße der Dinger wird’s schwierig, denn das breiteste ist einen Meter breit, und das höchste einsfünfzig hoch.

Aber mal sehen. Vielleicht werden ja welche gekauft bei der Ausstellung im Juni in Wuppertal.



Einen schönen und hoffentlich nicht zu sehr von dieser verf…. Zeitumstellung geplagten Tag wünscht Euch



DieLily

Donnerstag, 24. März 2011

...lebenszeichen...

lest mal hier.
Bei mir ist zurzeit viel los, ich bin ziemlich beansprucht und hab gut zu tun. Neben der Malerei beschäftigt mich meine neue Nähmaschine, sowie die Tatsache, dass ich fast nur noch unterwegs bin. Vor 14 Tagen war ich abends tanzen, im Bahnhof Langendreer, und zwar auf einer reinen Frauenveranstaltung. Hat mir gut gefallen- die letzten Tanzeinheiten hatte ich in der Klinik, und in einer Turnhalle komm ich mir total blöd vor, wenn ich meine Emotionen und Perspektiven tänzerisch ausdrücken soll. Da war es eine angenehme Sache, im Dunkeln, schwitzig und mit vielen anderen Leuten, abzuzappeln ohne dass einem eine Therapeutin dabei auf die Füße guckt.
Wenn man derart ausgelastet ist, und der Job Freude macht, dann, ja dann- bleibt nicht viel Zeit zu schreiben.
Aber ich "binne nicht tot!", wie Oma Wetterwachs so gerne sagt.
Nein, ich binne nicht tot, ich lebe, und mehr denn je.
Schöne Zeit wünscht

DieLily

Dienstag, 22. Februar 2011

Mal was ganz Neues.

Eigentlich wollte ich n paar salbungsvolle Worte schreiben, aus Anlass des neuen Lebensjahres- aber statt dessen amüsiere ich mich jetzt und hier über die Verwirrten, die immer noch frei herumlaufen in Deutschland.


Und damit meine ich nicht Herrn nicht-mehr-so-ganz-(oder-vielleicht-doch?) Dr. von und zu Wasweißich.

Sondern die Dame, die hier soeben auftauchte und von mir wissen wollte, wer das da (eine Kopie eines Schreibens unseres statistischen Landesamtes zum Zensus 2011) zu verantworten habe. Ich solle ihr bitte eine Anschrift und einen Namen der Behörde nennen.

Den Verweis auf die Großanschriften-PLZ quittierte sie mit „Jeder weiß doch, dass die Post da geöffnet wird“ (klar, sonst kann man sie nicht lesen), und mit „Greenpeace geht mir am Arsch vorbei“. (Aha.)

Im Sinne der Bürgernähe begab ich mich zum nächsten PC mit Internet, suchte die Anschrift des Landesamtes heraus, und musste dann noch Rede und Antwort stehen, wer denn da der Chef sei. Mein Verweis auf die Unterschrift mit der darunter im Klartext befindlichen, durchaus nicht seltenen Kombination von Name und Vorname (Hans-Josef Fischer, Präsident) konterte die Dame geschickt mit einem Seitenausfall an unser Aller Turnschuh- Joschka. Bündnis-Grüne seien des Teufels, behauptete sie konsequent, und: Wer sich denn diese Zensussache ausgedacht habe? (Das wiederum fragt man sich europaweit, aber mit ein wenig anderem, äh, Gesichtsausdruck)

Mein Verweis auf Politiker wurde, durchaus zeitgemäß (somit war die Dame also wenigstens ein bisschen orientiert) damit beantwortet, dass es keine gewählten Politiker in Deutschland gäbe.

Meine Neugier, wie denn P. hier gemacht werden, konnte ich soeben noch bezähmen. Das lag sicherlich daran, dass ich hier derzeit komplett alleine sitze, und diese Frau entschieden einen an der Murmel hatte. Sie strahlte förmlich Irresein aus.

Bevor sie mich noch angreifen konnte, zum Beispiel indem sie mir ihre nicht unbeträchtliche und durch keinerlei BH gehaltene Oberweite um die Ohren schlagen konnte, lenkte irgendwas sie ab, und ihr Fokus pendelte sich bei der Frage ein, ob dieser Zensus irgendwas mit der Uni Duisburg/Essen zu tun habe. Man wisse ja, was diese Soziologen rhabarberrhabarberrhabarber…(den brummeligen Rest habe ich nicht verstanden).

Auch das konnte ich verneinen. Ihrem Gesichtsausdruck zufolge war ich aber nicht sonderlich überzeugend.



Kaum hatte sie diese heiligen Hallen verlassen, die schwere Tür knallte hinter ihr ins Schloss und ich wollte mein besser geheiztes Zimmer aufsuchen, da klopfte sie erneut, energisch und lebhaft.

Ich öffnete- natürlich. Ich bin einen Kopf größer. Und ich kann Origami.



„Ach“, so sprach sie, „können Sie mir sagen, wo die Ulla-Kock-am-Brink-Kontaktstelle ist? Volksmusik geht mir nämlich am Arsch vorbei!“.



Ich schickte sie zum Rathaus.



Da wird sie auf viele Leute, auch auf sehr interessante Leute treffen- wenn ich dort auch noch nie Ulla Kock am Brink gesehen habe.



So fing er an, der erste Tag meines 49. Lebensjahres.



Prösterken!

Samstag, 19. Februar 2011

Frau Lilys Haushaltstipps


-Falls es Ihnen an Ideen mangelt, wie Sie Ihre Sachen sortieren sollen: Sortieren Sie einfach alphabetisch.
Zum Beispiel so:
Hammer, Handtasche und Haarbürste hastig in die Hainkaufstasche packen. So ist das ganze Kleinzeug einfach aus dem Weg geschaffen und stört nicht länger die Optik in Ihrem Hausflur.

-Gegen üble Küchengerüche hilft ein Töpfchen mit Altöl, welches man auf kleiner Flamme neben dem Topf mit Fisch oder der Pfanne mit Kohl warm hält. Nie wieder Fischgeruch!

-Es ist sehr nützlich, ein Hobby wie das Malen zu haben. Gegen Flecken und zerkratzte Stellen auf der Tapete hilft es sehr, einfach ein Bild drüber zu hängen. Irritierten Besuchern können Sie berichten, dass es Kennzeichen künstlerischer Avantgarde ist, seine Werke in Kniehöhe direkt neben der Balkontür aufzuhängen. Das fördert die Annäherung ans Werk durch neu geschaffene Perspektiven. In Fällen, in denen Ihr Auto nicht groß genug ist, um eine dem Fleck entsprechende Leinwand zu transportieren, malen Sie einfach direkt auf die Wand. Das kann sehr fröhlich aussehen. Leider sind umfangreiche Abrissarbeiten nötig, um das Kunstwerk bei Ihrem Auszug mitzunehmen, es sei denn, Sie können den Nachmieter dazu überreden, einen Beitrag zum Lebensunterhalt eines darbenden Künstlers abzuliefern. Viel Glück dabei.

-Sie brauchen nie wieder Ihre Fenster zu putzen, wenn Sie die Scheiben einfach weiß überlackieren. Außerdem ist es so immer hell und freundlich in Ihrer Wohnung.

-Geben Sie dem Begriff „Fernwärme“ eine neue Bedeutung: Regeln Sie Ihre Heizung auf „0“ herunter, und vertrauen Sie den Heizkörpern Ihres Nachbarn eine Etage tiefer. Es ist zwar nicht ganz so kuschelig wie sonst. Aber Sie sparen enorm! Denken Sie daran, dem „Unter“-Mieter von Zeit zu Zeit ein Sträußchen selbst gepflückter Blümchen vor die Tür zu stellen. Auch, wenn die Blütenpracht aus seinem Garten kommt: Er wird wissen, dass die Geste zählt.

Und Sie? Haben Sie auch eine Idee? Dann teilen Sie diese mit unseren Lesern. Unter allen Einsendern wird ein goldener Punkt verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der links auch.

In diesem Sinne ein schönes Wochenende,

wünscht
die Frau Lily.

Freitag, 18. Februar 2011

Ein politisch’ Lied…

Derzeit ist wieder zu beobachten, wie sich ein schweigender Minister trotz und gerade mit diesem Schweigen an sein Amt klammert.

Interessant ist das nicht, das gab’s schon zu oft, wobei Rücktritte wie der Frau Käslings zu den angenehmen und ehrlich anmutenden Ereignissen und Reaktionen zählen (und in ihrer Wirkung unendlich viel vertrauens- und rufbildender sind als die jämmerliche Standardvariante des Leugnens bis zum Überführt- und öffentlich Zerstört-Seins).
Für mich interessant ist die gleichzeitig mit dem Auftauchen der Zweifel an der wissenschaftlichen Integrität des Herrn zu Guttenberg aufschäumende Debatte über die Bewertung der ganzen Affäre.

Für mich gibt’s da keine Frage:

Auch geistiges Eigentum ist Eigentum. Es ist, anders als fremde bewegliche Dinge, nicht weg, wenn es jemand anderes nutzt, aber allgemein und weltweit verbreitet ist es anerkannt, dass ein schützenswertes Interesse des Urhebers daran besteht, als Verfasser anerkannt und bezeichnet zu werden. Gerade diese unsere Koalition macht sich stark dafür, wenn es zum Beispiel darum geht, Raubkopierer zu bestrafen.

Ein Raubkopierer nutzt fremdes geistiges Eigentum, um sich selbst zu bereichern.

Der akademische Titel als solcher ist eine Bereicherung dessen, der ihn führen darf.

Dieses mit unsauberer Arbeit zu erzielen, ist  Bereicherung an fremdem geistigen Eigentum, und somit genauso Diebstahl, wie Raubkopien von Bambi zu fertigen und zu verkaufen.
Und da setzt es bei mir an zwei Stellen aus:

Erstens ist der Mann Jurist. Ein Jurist, der stiehlt, ist eine Schande für seinen Berufsstand.

Zweitens ist er recht schnell damit bei der Hand, Menschen zu verurteilen, ihr Verhalten zu untersuchen und zu bewerten (s. Gorch Fock). Das gleiche Recht muss er im Zweifel auch anderen, auch gegen sich zuerkennen.
Ein Rücktritt, eine Abberufung oder so etwas in der Art erwarte ich allerdings nicht- denn so was hatten wir schon mal. Nämlich einen Minister, der rechtskräftig wegen Meineids vorbestraft war. Old Schwurhand hat man ihn damals genannt, den Fritze Zimmermann.
Naja, und von Ehre will ich besser nicht reden. Das ist altmodisch und vermutlich eine Ecke zu struppig für den glatten Herrn von oder zu oder was.

Trotzdem ein schönes, entspanntes, glückliches, erfülltes und erfreuliches Wochenende an Euch alle!-wünscht die Lily, deren letztes Wochenende als Siebenundvierzigjährige dieses Wochenende ist.
Was für ein Satzbau. Da wird mir ganz schwindelig.

Montag, 14. Februar 2011

Frühlings Erwachen, Teil drei: Die Musik




Ach ja.

Samstag, 12. Februar 2011

Frühlings Erwachen? Teil 2. Ohne Gewähr.

Teil zwei enthält Fotos vom letzten Sonntag, als ich mit meiner Freundin Nicole einen ausgedehnten Sonntagsspaziergang durch den Köllnischen Wald und das Vöingholz (beides in Bottrop) gemacht habe.

 Bei solchen Motiven (Ballon im Gestrüpp) kann ich nicht widerstehen. Und der olle Trick mit dem einzigen farbigen Bildbestandteil muss auch sein. Sorry dafür :-)

 There's a face in it.
 Schönen Dank für den Tipp an Nicole :-))
 Reste vom letzten Sturm, ordentlich aufgestapelt.
 An anderen Stellen wurde das Holz einfach liegen gelassen. Ich geb zu, diese Birkenäste wären schwierig zu stapeln.
 Immer wieder beliebt: Der Weg ins Nichts. Oder auch zur nächsten...
 merkwürdigen Baumruine.
 Baum ist nicht gleich Baum. Wie man sogar im Winter sehen kann.

 Starring the Schneckenhaus. Es hat den Transport nach Hause überlebt, obwohl es löchrig ist wie Brüsseler Spitze. Vielleicht versteckt sich ein Drama dahinter- die schneckenhausbohrenden Schneckfresskäfer haben wieder ein harmloses Weichtier erledigt. Oder so.

 Diese Platane ist eine Baumruine, sie steht in einem ziemlich abgesoffenen Waldstück und rottet vor sich hin. Aber ihre Rinde ist immer noch genau so faszinierend wie bei ihren lebendigen Schwestern.

 Nach dem Spaziergang: Grüner Tee für alle.

Und Montag hieß es wieder: Plockern, bis der Arzt kommt.
Die neue Arbeit macht immer noch Spaß.

Euch ein schönes Wochenende, geht raus- auch wenn das Wetter nicht gut ist. Das stählt (oder es macht wenigstens gute Laune und angenehm müde)
Gruß und Kuss,

Eure Lily.

Dienstag, 8. Februar 2011

Frühlings Erwachen

Ach ja- da wird man fast 48, und stellt dann fest, dass man so viel Dolles im Leben bisher nicht kannte… Heute war der erste Tag, der mit dem Einsatz meines neuen Weckers begann. Ich hab mir so einen Lichtwecker besorgt, günstig geschossen bei dem Online-Händler mit dem Fluss-Namen, und den gestrigen Abend damit verbracht, mein Abitur im Fach „Bedienungsanleitung“ zu machen. Was diese betrifft, habe ich normalerweise keinen Bedarf, sie zu lesen, denn meist ist die Bedienung des Geräts einfacher als das Verstehen der Anleitung. Nach ein paar ohrenbetäubend lauten Vogelgezwitscher- und Dschungelsound-Attacken musste ich dann aber trotzdem zu dem Ding greifen- und beschämenderweise kam ich nicht mit der Kurzreferenz klar- die lange Version musste her.

Ich habs aber geschnallt, schlussendlich. Heute Morgen also Premiere, und was soll ich sagen: Ein sanfteres Aufwachen kenne ich bisher noch nicht. Um viertel nach fünf geht mein Wecker, und die bisherige Verfahrensweise sah in den letzten Wochen so aus, dass ich den knochenförmigen Elektro-Pieper in die Hand nahm und so lang weiter auf Snooze gedrückt hab, bis ich wach genug war, die Uhrzeit zu lesen. Manchmal hat mein Unterbewusstsein auch Rache genommen und das Ding unter irgendein Kissen gestopft. Das war dann immer blöd. Den neuen Wecker, der die Größe eines Steinofenbrots hat und zudem Netzstrom braucht, kann nicht mal mein neuer Kollege, der immerhin 2,11 m groß ist, einfach so ins zarte Händchen nehmen. Dafür fängt das Ding eine halbe Stunde vor der Weckzeit an, es langsam bis zur eingestellten Lichtmenge immer heller werden zu lassen (das Teil ist so hell einstellbar, dass es einem Löcher in die Netzhaut fräsen kann. Oder fast.). Irgendwann mischt es dann auch die ausgewählten Geräusche dazu- Vogelgebrüll, Dschungeltöne, Trommeln, oder Radio (kann ich morgens nicht haben). Und man macht irgendwann die Augen auf, es ist angenehm hell, und ganz leise hört man diese Geräusche. Fantastisch.

Ich hab sogar den Katzen einen Witz erzählt heut morgen.



Aber nicht nur den Wecker hab ich gestern nach Hause geschleppt. Hinzu kam noch die Halbdoku „Die Manns“ von Breloer, die ich immer schon besitzen wollte, und ebenfalls gebraucht, wie den Wecker, bei Amaz*n Marketplace geschossen habe. Und zur Krönung hat meine Mom mir ihre heizbaren Lockenwickler geschenkt, die sie nur einmal benutzt hat, und dann leider nicht gebrauchen konnte, weil ihre Haare zu kurz sind. Das Problem hab ich nu nicht, weil meine Haare derzeit so lang sind wie noch nie in meinem Leben. Ich genieße auch das, weil man echt weniger Stress hat mit langem Haar. Bad Hair Days gehören der Vergangenheit an, weil man einfach einen Zopf machen kann oder sie irgendwie auf dem Kopf zusammentüddeln kann, wenn sie ein bisschen lahm herunter hängen. Auch die Lockenwickler hab ich prompt ausprobiert (ich bin so jemand, der immer alles sofort antesten muss). Ein ganz klitzekleines Bisschen sah ich auf dem Kopf nachher aus wie Miss Piggy, nur weniger blond, aber es hat jedenfalls funktioniert. Lily mit Locken! Und wenn ich die Haare vielleicht ein bisschen anfeuchte, wird’s noch besser gehen.

Gestern abend hab ich dann also auf der Couch gesessen, mit den Wicklern auf dem Kopf, die so langsam abkühlten, einem strahlend hellen Licht auf dem Boden neben mir. Am Rechner liefen die Manns, und die Lily war vollends zufrieden mit ihrem Abend.

Und was macht ihr so, wenn ihr zu Hause seit?



Fragt sich



die Lily.

Sonntag, 6. Februar 2011

Mal wieder

ein paar Bilder von Bildern:
Derzeit male ich mehr, als dass ich schreibe, und ich zerschlage Porzellan Knoten, wo ich sie antreffe- wenn ich mit dem Kaputtmachen fertig bin, schreib ich vielleicht mal was dazu.
Bis dahin müsst ihr mit den Fotos von meinen Machwerken vorlieb nehmen:


 Neulich in Ägypten, Detail 1
Keilrahmen, Gesamtmaß 100 x 30 cm, Acryl, Tusche, selbstgeschöpftes Büttenpapier


 Neulich in Ägypten, Detail 1
Keilrahmen, Gesamtmaß 100 x 30 cm, Acryl, Tusche, selbstgeschöpftes Büttenpapier



Once in a blue dream 
Keilrahmen 40 x 40 cm, Acryl, Aquarellstift, Kugelschreiber und Tusche


 repetitive patterns 1
Keilrahmen 100 x 100 cm, Acrylfarben, Aquarellstift, Tusche


repetitive patterns 2
Keilrahmen 120 x 75 cm, Acrylfarben


Steppenbrand
70 x 100 cm,  Acrylfarben


 Detail "Unter Wasser"
Keilrahmen, Gesamtmaß 70 x 50 cm, Acrylfarben, Aquarellfarben, Kugelschreiber, Tusche

Es hat sich als schwierig herausgestellt, die Bilder zu fotografieren, wenn sie fixiert bzw. lackiert sind, weil sie dann den Blitz reflektieren, und teilweise die Farben arg verfälschen. 

Außerdem hab ich es geschafft, mit meinen E-Mails herumzupfuschen, und habe mir den Zugang wohl teilweise zerschossen. Alle, die meine Hauptadresse (Name@arcor.de) haben, bitte ich schon mal um Entschuldigung für nicht beantwortete Mails... Die Nebenadresse, die hier unten steht, funktioniert auch nur noch teilweise. Werde mich gleich mal ans Schrauben machen- ich hoffe, dass ich das wieder hinkriege. 
Bis dahin, 
schönen Sonntag Euch allen, 

die Lily

Donnerstag, 27. Januar 2011

Neu

Manchmal kann man im Internet was lernen!
Jawohl!Einseinself!

Schaut mal da:

Ein neues Wort!
Das ich das noch erleben durfte- hoch lebe Windows 7.
Die Datendateien waren schlichte Bilder, aber was solls.

Schönen Tag Euch allen,

Lily

Dienstag, 25. Januar 2011

Aus lauter Langeweile

Ist euch auch schon mal aufgefallen, dass gegen Langeweile eigentlich nur das hilft, auf das man grad am wenigsten Lust hat? Hat man sich in sein Schicksal ergeben und einfach angefangen, geht’s meist ziemlich gut voran, und manchmal macht es sogar Spaß.

Das geht bestimmt vielen, wenn nicht allen Leuten ab und zu so.



Eigentlich ist das auch nichts schlimmes, uneigentlich doch. Dann nämlich, wenn das, was man so am Start hat, einen an und für sich schon langweilt. Das ist dann ein Teufelskreis.

Der einzige Trost ist vielleicht, dass man sich gehörig fleißig und tugendhaft fühlt.



Gegen Abheften hilft aber auch das nicht. Das kann mich persönlich zu Tränen und Wutanfällen der Langeweile bringen. Und ich bin dann so was von schlecht, dass ich nicht mal mehr das ABC kenne, sondern mir jedes Mal leise die Buchstaben hintereinander aufsagen muss. Das ist sehr doof, deshalb mag ich Sachen nicht, die alfabetisch abgeheftet werden müssen. Sonst komm ich mir extrem beschränkt vor, und das ergänzt sich dann prima damit, dass ich kaum Kopfrechnen beherrsche. Grundschulwissen mangelhaft könnte man dann sagen.

Ich hab auch eine Entschuldigung dafür: Ganzheitsmethode, und Mengenlehre.

Beides war schwer in Mode, als ich Grundschulkind war. Dass wir Modellschule waren, ist nichts, was dem hätte abhelfen können. Ganzheitsmethode bedeutete, dass Worte nicht Buchstabe für Buchstabe erlesen wurden, sondern dass man sich sofort ganze Worte einprägen musste. Die üblichen Schwingübungen der Einzelbuchstabenschreiblernweise fielen auch weg. Kaum einer von uns hat eine vernünftige und gleichmäßige Handschrift entwickelt. Dafür bin ich für Verleser gut- letztens las ich:

„500 Stück Sch*mlippen, Farbe orange“, wo etwas von Sammelmappen stand. So was passiert laufend. Kann ich irgendwo gegen den damaligen Kultusminister klagen, bitteschön?



Tja, und die Mengenlehre. Meine Mutter, von Fünf-und-fünf-macht-zehn geprägt, musste sich von ihrer sechsjährigen Tochter erstmal sagen lassen, dass die Gesamtmenge der Mädchen in grünen Röcken kleiner ist als die Menge der zweiarmigen, blondhaarigen Lehrerinnen.

Und erst die Teilmengen, Schnittmengen und ungleichen Mengen! Die Blackbox (auch „Rechenmaschine“ genannt), in die man etwas hineintat, etwas hinzufügte, weg nahm, vervielfachte oder so und dann eine Menge X heraus kriegte… Ganz zu schweigen vom Rechnen im Zweiersystem, die bekannte Acht wurde dabei zur 1 0 0, und in der zweiten Klasse wussten wir alle, was 10 ³ war, aber nicht, wie viel drei mal sieben ergeben würde.



Kurz vor dem Übergang in die weiter führenden Schulen fiel dann jemandem auf, dass die anderen Kinder sämtlich andere Dinge gelernt hatten, und wir mussten im Schweinsgalopp das kleine und das große Einmaleins lernen.

Unser unfallfreies Hantieren mit logischen Blöcken (so hieß die Sammlung bunter, sortierter Plastikklötzchen, mit deren Hilfe wir munter mengten, teilten, schnitten) brachte keinen nennenswerten Vorteil, als es dann mit dem üblichen, unveränderten Gymnasialstoff weiter ging, und es half auch nicht, dass wir gelernt hatten, die Wortart „Tuwort“ sei tatsächlich vorhanden. Ich finde heute noch, dass dieser Ausdruck komplett daneben liegt, und er tut mir im Kopf Aua machen.



Ich fürchte, aus dieser Art Erfahrung hätte man lernen können, dass es wenig bringt, an einem Stückchen Schule herumzukauen, wenn man das, was folgt, nicht darauf abstimmt. Okay, das Lesen haben wir alle gelernt, und ich persönlich finde, dass das ganzheitsmethodische Lesenlernen einige Vorteile hat- man liest schneller, wenn man es intus hat. Es bringt jedoch vermutlich nur dann einen wirklichen Vorsprung, wenn der Wortschatz der Kinder groß genug ist, dass der Abgleich des Wortbildes mit dem Speicher im Hirn auch Treffer bringen kann.

Ich bezweifle jedoch, dass das irgendwer damals in Betracht gezogen hat. Wenn es um die Interessen der Kinder und das leichtere Lernen gegangen wäre, dann hätte man vielleicht zunächst mal dran denken können, dass die Klassenstärke von 42 Kindern suboptimal war, und dass die Bestückung der Lehrkörper mit Altnazis auch nicht gerade zur ethischen, politischen und gesellschaftlichen Bildung der Zöglinge beitrug.



Sinn von Schule kann nie einen einzelnen Bruchteil der Gesellschaft allein betreffen, sondern sollte immer nur allen Beteiligten dienen. Und das sind Kinder, Eltern und irgendwann mal die Wirtschaft und die Politik.

Um das zu erreichen, sollte eines der Hauptergebnisse schulischer Bildung sein, dass Menschen die Schule verlassen, die in der Lage sind, unabhängig zu denken, sich neues Wissen selbständig erarbeiten und Sachverhalte würdigen und einschätzen können, und die in der Lage sind, die Verantwortung für das zu übernehmen, was sie mit ihrem Wissen anrichten.

Dann wäre es auch wurscht, ob man Delfin oder Delphin schreibt.



Es scheint mir aber, als sei es nach Jahrzehnten, in denen es um Selbstverwirklichung ging, nur noch wichtig, der Wirtschaft gesundes Menschenmaterial zur Bilanzoptimierung zu liefern.



Fühlt sich falsch an.



Aber ich bin auch Laie, und sehr zufrieden, nicht Lehrerin geworden zu sein.



Liebe Grüße an Alle,



von

Lily.

Samstag, 22. Januar 2011

Ende

Wenn ich mir bei einer Sache sicher war, dann dabei, dass ich ein sprunghafter Mensch bin, der unter Hinterlassung von Trümmern durch sein Leben (und manchmal auch durch das anderer Menschen) rennt.
Durchhalten, so dachte ich mir, sei eine Qualität, die ich nicht beherrsche. Beispiele schien es viele zu geben.
Dabei ist mir komplett entfallen, dass ich bereits einen Haufen nicht so angenehmer Dinge sehr, sehr lange ausgehalten habe. Die Sprunghaftigkeit bezog sich eher auf Banalitäten.
Dazu zählten Dinge wie z. B. Hobbys, die ich mit Elan begonnen, aber schnell wieder aufgegeben habe. Natürlich nicht, ohne mich der Sprunghaftigkeit zu bezichtigen, die in der Skandalliste eines ordentlichen Haushalts direkt hinter schmutzigen Fenstern rangiert.
So manchen Vorwurf hab ich auf diese Weise eine ganze Zeit locker herumjongliert, bis gnädiges Vergessen es ermöglichte, etwas neues, z. B. einen neuen Versuch im Sportstudio, zu starten.

Bei den Dingen, die man als zentrale Bereiche seines Lebens einordnet, war ich hingegen überhaupt nicht sprunghaft, sondern eher jemand, der sein ganzes Geld auf ein bereits ziemlich totes Reittier setzt.
Fünf Jahre ambulante Therapie, bis ich begriffen habe, dass ich so nicht weiter komme.
Dreiundzwanzig Jahre in einem beruflichen Einsatzgebiet verbracht, das ich nach zwei Jahren hätte verlassen müssen, wenn ich etwas klüger gewesen wäre.
Zwei Jahre die toten Reste einer Ehe in meinem Leben gelassen, nur, um- tja, was eigentlich?
Alle diese Dinge haben eins gemeinsam:
Da stand die Lily, und vor ihr das Problem. Das wurde beschnuppert, bekaut, mit Fingernägeln, Fäusten und Tritten beharkt, gekrault, gehätschelt, diskutiert, beweint, begrübelt, hinwegverdrängt, ignoriert, mit durchwachten Nächten bestraft, mit Alpträumen, Fressanfällen und suicidal Sundays bestickt und trotz aller internen und externen Diskussionen nicht beseitigt.
Meist, weil ich einfach nicht zugeben wollte, dass eine Sache, die ich mit Herzblut betrieben habe, einfach nichts für mich ist. Oder, schlimmer noch, dass ich alleine damit nicht (mehr) fertig werde.

Übersehen habe ich dabei, dass ich mich regelrecht einmauere hinter diesen Problemfeldern. Bis sie meinen Horizont komplett einnehmen, und dahinter nichts mehr sichtbar ist.
Meine neurotische Psyche hat dann auch noch die Angewohnheit, diese Sachen zeitversetzt zu problematisieren.
Thema a), ein berufliches Problem zum Beispiel. raubt mir nachts den Schlaf. Ich kann in dieser Zeit jedoch nichts daran machen, weil ich einfach zu Hause bin, und nicht im Büro.
Übernächtigt betritt man dann selbiges, und kann sich den ganzen Tag nicht auf den Job konzentrieren, weil Thema b), die Dinge, die man zu Hause hätte erledigen müssen, wie ein Köder vor der eigenen Nase herumtanzen.
Nicht gut.
Ich habe im letzten Jahr zwei wichtige Entscheidungen getroffen: In die stationäre Therapie zu gehen, und um Versetzung aus meinem Arbeitsbereich gebeten.
In der letzten Woche habe ich noch eine gefällt. Das Problem selbst ist hier nicht wichtig. Wichtig ist aber, dass es mir sehr lange sehr schwer gefallen ist, mich ihm zu stellen und die nötigen Schritte zu unternehmen, und mit jedem verspätet, zögernd und verängstigt unternommenen Teillösungsversuch wurde es schlimmer.

Ich habe so oft gebetet und mir gewünscht, dass dieser Problembereich endlich aus meinem Leben verschwindet, und zwar auf eine Weise, die mir erlaubt, mich weiterhin im Spiegel ansehen zu können. Gleichzeitig habe ich nicht einen Schritt unternehmen können, der mich diesem Ziel näher gebracht hätte. Ich weiß, wie sich das Karnickel fühlt, wenn sich vor ihm die Schlange aufbaut, das könnt ihr mir glauben.

Offenbar ist dieser mein Wunsch angekommen, und zwar in der richtigen Abteilung beim lieben Gott, beim Universum oder wer sonst fürs Wünscheerfüllen zuständig ist (huhu Kate :-)))

Ich habe eine Entscheidung gefällt, eine für mich noch vor vier oder fünf Tagen undenkbare Entscheidung, die sich so wunderbar anfühlt- die mich in die Lage versetzt, wieder handeln zu können. Ungefähr so muss sich ein Alkoholiker fühlen, wenn er endlich vor sich selbst und seiner Umwelt zugibt, dass er allein nicht mehr zurecht kommt.

Wie gesagt: Das Problem selbst ist absolut unwichtig. Wichtig ist, und das will ich hiermit sagen, dass es sich lohnt, ehrlich mit sich selbst zu sein. Auch wenn das heißt, dass man vielleicht befürchten muss, sein Gesicht zu verlieren- keine Angst, das findet sich wieder.

Es ist besser, ein anonymer Alkoholiker zu sein (und damit seinem Thema ins Auge zu schauen) als ein stadtbekannter Säufer, der sich vormacht, er wäre ein guter Kerl, der nur ab und zu zu tief ins Glas schaut.
Also, Alkohol ist absolut nicht meine Baustelle, muss ich sagen- aber ich kann sehr gut nachvollziehen, wie befreiend es ist, endlich die Existenz eines Problems anzuerkennen. Zuzugeben, dass man nicht der große Zampano ist. Sondern nur ein ordinäres kleines Würschtchen, das noch dazu in einer zugigen Ecke hängt.
Jedem anderen verzeiht man das, ohne Frage. Warum nicht auch sich selbst?

Das war so ne Art Wort zum Samstag, ihr Lieben.
Und das nächste Mal sehen wir uns wieder wenn es heißt: Fragt Tante Lily, wenn ihr was wissen wollt.

Schönen ersten Wochenendtag
wünscht
DieLily

Mittwoch, 12. Januar 2011

Frostschäden

Wo man hinschaut: Löcher. Suppenschüsseltiefe Dinger, die die Straße zu einem Abenteuerspielplatz machen, vor allem mit wackligem Auspuff. Ich nehme noch Wetten an, wie lang der hält. Meinen Sohn setz ich nicht drauf an, der hat die Winterreifen an den Wagen getüddelt, ohne zu prüfen, ob sie noch Luft haben (hatten sie nicht). Aber er hat immerhin gemerkt, dass der Wagen so komisch nach links zieht. Aha. Er meinte, man müsse damit zum Spur einstellen. Ich glaube, er hat nicht verstanden was man zuerst prüft, wenn die Maschine nicht läuft: Ob alles da ist, was sie braucht. In diesem Falle Luft. Manchmal der Stecker, obwohl das beim Autofahren nicht so häufig ist (kommt aber auch vor, fragt mal meinen TomTom und sein Kabel, mit dem er Radio hört).



Es klaffen auch Löcher in meiner Blutzuckerkurve, vorhin jedenfalls, und das Scheißgefühl will nicht weg gehen. Der Unterzucker selbst ist längst behoben, der Nachgeschmack bleibt, und fühlt sich wie Schwäche und Ich-Will-Nach-Hause an. So tief runter (BZ = 42- und ich sag euch, das merkt jeder) (42 ist ohnehin eine Zahl, die man sich gut merken kann) war ich schon lang nicht mehr, hab aber auch keine wirkliche Ahnung, warum das so ist. Ich bin sogar langsamer ins Büro gelaufen als sonst, weil der Bus so früh da war, dass noch reichlich Zeit blieb- an übermäßiger Bewegung kann es nicht liegen.



Letztens hab ich „Pah!“ gesagt, und meinen Kopf samt Zubehör in den Nacken geworfen wie Miss Piggy. Dabei ist mir mit Schmackes die Brille von der Nase geflogen und auf dem Boden zerschellt. Blöd war, dass ich gerade 40 km von Zuhause weg war. Gut war, dass die Brille so geschickt zerbrochen ist, dass man sie provisorisch mit Klebstreifen reparieren konnte. Zu Hause musste dann das Tübchen mit dem Sekundenkleber zeigen, was es kann- da ein Stück vom Gestell weg gebrochen war, musste das Brillenglas in den Rest eingeklebt werden. Abenteuerlich, ich sags euch… Erst nach Beendigung der Angelegenheit, als ich meine Finger wieder von dem Gestell abgebrüsselt hatte, ist mir eingefallen, dass ich ja noch eine Brille habe, die vielleicht die Reparatur der anderen etwas einfacher hätte gestalten können. Nun ja.



Mir ist kalt, und ich will ins Bett. Menno.



DieLily, die vielleicht einfach nur eine Grippe in den Knochen stecken hat.

*fröstel*