Dienstag, 22. Januar 2013

Mitfühlen, die zweite.

Während der junge Mann aus meinem letzten Posting unterwegs war, hat er sich mehrmals auf üble (und ziemlich unverständliche) Weise strafbar gemacht. Er ist inzwischen in U-Haft, und mein Mitgefühl gilt immer noch den Eltern, und natürlich den Menschen, die er geschädigt hat. Außerdem meinem Sohn, der sich nicht nur fragt, mit wem er da eigentlich so lange befreundet war, sondern sicher auch, wie es weiter geht. Wie schon gesagt, der Typ ist schwierig, immer gewesen, aber Freundschaften sind nicht immer nur leicht und cremig, und das müssen nur sehr glückliche oder oberflächliche Menschen niemals lernen.
Ich habe mit meinem Bruder (und auch allein vor mich hin) das alte Lied "Wie gut, dass das nicht meiner ist" gesungen, und mich gleichzeitig gefragt, womit ich meinen freundlichen, toleranten und empathischen Sohn verdient habe, der, auf die Frage der Polizei, warum er den Kontakt nicht abgebrochen hat, antwortete "Hätte ich ihn vor die Tür gesetzt, hätte er niemanden mehr gehabt".
Ich hätte gern mal wieder einen Ponyhof, einen Sonntagsspaziergang oder einen Kindergeburtstag. Oder nee, letzteres lieber nicht, denn jeder, der glaubt, ein Kindergeburtstag sei ein Ponyhof, hat noch nie einen veranstalten müssen.
Seufz.

Trotzdem einen schönen Tag, genießt den Schnee wo er fällt (und denkt mal nicht ans Autofahren!)






PS: Auf dem Nachbarbarblog:  Neue Bilder.


Samstag, 12. Januar 2013

Mitfühlen

Der beste Freund meines Sohnes ist seit drei Tagen spurlos verschwunden. Es ist sehr kalt geworden, er hat sein Telefon nicht dabei und auch keine Scheckkarte. Ich bete nicht oft, aber jetzt.


Nachtrag von Sonntag Morgen:

Der Freund wurde gefunden, das zu allererst. Die meisten meiner Leser wissen, dass mein Sohn bereits älter als dreißig ist, sein Freund also auch. Er ist kein einfacher Mensch, und steckt noch dazu in einer problematischen Situation. Von daher war die Sorge groß, dass er entweder fortgegangen war, um seinem Leben ein Ende zu machen, oder aber bei einer aus Frust oder Zorn unternommen Fahrt mit dem Rad  einen Unfall hatte und entweder in einem Graben lag oder irgendwo im  Wald- oder in einem Krankenhaus, vielleicht bewusstlos. Die Eltern, in deren Haus er noch lebt, hatten ihn am Donnerstag Morgen zuletzt gesehen, und Freitag Mittag begonnen, Freunde und Bekannte anzurufen (wobei das bei erwachsenen Kindern ein echtes Problem werden kann, da kennt man ja längst nicht mehr jeden). Sie sind zur örtlichen Polizeiwache gegangen und haben die Feuerwehrleitstelle und die Krankenhäuser vor Ort angerufen. Die Mutter ist durch alle kleinen Straßen, durch die umliegenden Wälder und Grünanlagen und, wo es möglich war, durch Hinterhöfe und solche Orte gelaufen und hat ihn gesucht, der Vater ist mit dem Wagen im größeren Umkreis herumgefahren. Dass sie meinen Sohn zuerst auch nicht erreichen konnten, hat sie zunächst beruhigt, weil sie dachten, die zwei wären zusammen irgendwo unterwegs, haben aber mich angerufen- und ich musste ihnen dann leider sagen, dass mein Sohn auf der Arbeit ist und es dort oft so laut ist, dass er das Handy nicht hört. Ich glaube, in der Nacht auf Samstag haben weder seine Familie noch mein Sohn viel geschlafen.
Die Polizei hatte ihnen gesagt, dass sie frühestens am Montag etwas unternehmen würden.
Samstag Abend hab ich dann mal meinen Bruder angerufen, der im Rheinland Polizist ist, nur um ihn zu fragen, was man noch tun könnte... und mein Bruder erklärte mir dann, dass man bei Erwachsenen durchaus auch nach 24 Stunden schon etwas unternehmen könne, so als Polizei, und riet zu einer Online-Vermisstenanzeige, was ich dann auch über meinen Sohn weitergeleitet hab.
Eine solche haben die Eltern dann auch erstattet, und erhielten kurze Zeit -Minuten?- später bereits einen Anruf aus dem Polizeipräsidium (hier vor Ort haben wir nur eine untergeordnete Dienststelle). Der Sohn liegt in einem Krankenhaus in einem Ort, gute 20 Kilometer von hier... aus welchem Grund, konnte mir wiederum mein Sohn gestern Abend noch nicht sagen.
Die Geschichte ist zunächst gut ausgegangen, vorausgesetzt, er ist nicht schwer verletzt und wird wieder ganz gesund. Aber den Gedanken daran, wie zerbrechlich so ein Menschenleben ist, und wie furchtbar es sein kann, nicht zu wissen- den werd ich, glaub ich, so schnell nicht mehr los.
Also, Leute: Nehmt eure Papiere mit, und eure Telefone, wenn ihr unterwegs seid. Speichert wenigstens einen Kontakt im Handy so, dass jemand, der euch findet, auch weiß, wen er da anrufen kann- also nicht  nur unter  Namen wie Ömmes oder Kevin, sondern unter "Bruder" oder "Vater". Wenn ihr unvorhergesehen weg müsst, lasst einen Zettel zu Hause, so dass jemand, der euch sucht, weiß, wann ihr zurück kommt und ab wann er sich Sorgen machen sollte.
Und passt auf euch auf!

Lily.


Samstag, 22. Dezember 2012

Bah, Bah, Black Sheep



Hier meldet sich wieder der Haussender mit einer kleinen Reportage aus dem Innenleben der Lily.
Lange nicht auf Sendung gewesen, wenn ich mich hier so umschaue...
Das letzte Posting ist einigen Leuten zu weit gegangen, entweder wegen der Musik (nun ja, de gustibus und so), anderen wegen der Erwähnung des potenziellen Ablebens, welches mir nun mal genau so bevorsteht wie allen- rein von der Wahrscheinlichkeit her betrachtet. Aber trotzdem: Es bleibt da stehen, und sei es nur, um zu demonstrieren, welchen musikalischen Einflüssen so eine Psyche standhalten kann, wenn sie muss.
Nun denn.
Wie ihr wisst, bin ich seit Anfang November (schon wieder) in einem neuen Berufsinhalt unterwegs, der mir viel Spaß macht.
Das hab ich auch schon über den letzten Ausflug in das Fachgebiet Geschäftsprozessgestaltung gesagt, und rein vom Arbeitsinhalt (dem theoretischen!) stimmte das auch. Was nicht so stimmte, waren die Erwartungen, die man so gegenseitig an sich stellte. Kurz und gut: Man hat die Lily nicht so sehr gemocht, und die Lily hat umgekehrt auch nicht gerade vor Liebe geseufzt, sondern sich ordentlich in Formalien verhaspelt. Es ist schon ein spezieller Verein da. Den dort vertretenen Ansprüchen hab ich nicht genügt, und je mehr ich das Gefühl hatte, dass man mir auf die Finger schaut, desto schlechter und unsicherer wurde ich. Die Tatsache, dass die Stelle dann eingespart wurde, hat mich schlussendlich nicht gerade mit tiefem Elend und Verzweiflung erfüllt.

Jetzt aber hab ich das Gefühl, zu Hause zu sein (was nicht daran liegt, dass dort auch ein 45 cm-Geschirrspüler steht, wie in meiner Küche) und natürlich erheblich darüber nachgedacht, warum das so ist.
Ein Grund ist sicherlich, dass mir die Arbeitsatmosphäre dort sehr behagt. Es wird viel getan, und dabei schiebt man mich nicht als „die Verwaltungsfrau“ beiseite (ist nicht selten in Fachreferaten und -Ämtern, die Spezialisten aus anderen als Verwaltungsberufen einsetzen), sondern ich kann mir eine inhaltliche Meinung bilden und die äußern, kann nachfragen und insgesamt ziemlich ganzheitlich dran gehen. Das kommt mir entgegen - ein nicht auszuräumender Kritikpunkt meines ehemaligen Vorgesetzten war der, dass ich mich zu tief reinhänge in die Inhalte der Stellen, die ich doch nur formal angehen sollte.
Zweites Wohlfühlkriterium ist, dass die ganze Aufgabe dort mich in frühere Zusammenhänge zurück holt, und zwar in die politischen Diskussionen und die Inhalte der frühen Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Es ist ein Nachhause-Kommen, und zwar zu den Demos und den Thesen meiner Jugendjahre, nach Bonn in den Hofgarten und zu den langsamen Gangarten unter den Transparenten.
Jawoll, Leute, die Lily ist hoffnungslos vieux-jeu, und daran wird sich nichts mehr ändern. Was mir fehlt(e), ist der Anspruch, mit dem ich erwachsen geworden bin: In meinem Rahmen für einen anständigen Umgang unter Mitmenschen zu sorgen, ohne Vorurteile und ohne Ausgrenzung. So, wie wir das damals alle als Utopie mit uns trugen. Irgendwie ist das verloren gegangen in den letzten zwanzig, dreißig Jahren...
Und dazu gehört noch mehr.
Schau ich mich in meiner Wohnung um, so sehe ich jetzt (wenn ich mal die Unordnung beiseite denke) nicht mehr nur alte Möbel Ikea-Regale voller Bücher und wilde Bilder an der Wand, sondern ich sehe meine Anfänge, zu denen ich stehen kann und in die ich das Vertrauen verloren hatte. In den letzten Jahren hab ich mich immer mies gefühlt, wenn ich mich umgeschaut habe, und zwar, weil ich mich immer unterschwellig genötigt gefühlt habe, ähnlich viel Tamtam um Deko und Mobiliar zu machen wie viele Menschen in meiner Umgebung. Im Gegensatz zu denen hab ich aber überhaupt keine Priorität auf diese Dinge legen wollen. Das allein schon hat für Unbehagen und ein Gefühl von Minderwertigkeit gesorgt. Ich bin halt nicht nur altmodisch, sondern auch noch merkwürdig.
Man mag jetzt ruhig annehmen, dass ich beschlossen habe, alt zu sein und mich nicht mehr zu ändern. Das kann jeder beurteilen, wie er mag. Ich nutze meine Medien des 21. Jahrhunderts auch weiterhin, und werde nicht zu miesem Recycling-Papier und türkiser Tinte wechseln, sondern weiterhin Mails schreiben. Darum geht’s mir nicht. Aber:
Meiner Meinung nach fehlt eine gute, solide Achtzigerjahre-Moral in dieser unserer Gesellschaft, es fehlt die Wahrnehmung der Person neben uns als Mensch, es gibt zu viel Urteil, zu viel Verachtung, zu viel Schubladen-Denken über Andere. Es gibt entschieden zu wenig Rotwein und schlechte Spaghetti-Gerichte in verrauchten Kneipen, und zu wenig Menschen dort, die das nicht stört, weil sie so in ihre Gespräche vertieft sind. Ich möchte mich mal wieder mit einem Oberstudienrat beim Wühltisch in Ikeas Resterampe um das letzte runtergesetzte Ivar-Regal prügeln und es zu Hause dann bunt anmalen, bevor ich es aufstelle.
Und ich möchte nie wieder an mir zweifeln, weil mir Jacobsmuscheln an pochiertem Seeigel einfach komplett wurscht sind, weil ich nie wirklich Wert auf teuren Zwirn gelegt habe und weil es mir immer noch leichter fällt, Freundschaften mit Putzfrauen zu schließen als Smalltalk mit Anzugträgern zu haben.

In diesem Sinne:
Frohe Weihnachten, zusammen. 

Lily.







Samstag, 15. Dezember 2012

Sonntag, 25. November 2012

Lily spielt Tetris und ist ein Frack.

Die wo eure Lily ist, hat ja eine sehr schöne große Wohnung, jawoll. Dieser Wohnung fehlt jedoch etwas, und das ist ein Keller. Dafür hab ich eine Garage, in der vieles drin steht, nur kein Auto. Man braucht nicht lange zu überlegen, um den Grund dafür herauszukriegen: Die Garage ist der Ausweichkeller. Lange Zeit war sie das nicht, sondern ordnungsgemäßes Zuhause für meinen fahrbaren Untersatz, dann zog aber der beste Sohn von allen hier ein und lagerte einige Dinge zwischen (kann man "zwischenlagern" auseinandernehmen? Hm. Aber "er zwischenlagerte" hört sich noch dööfer an. Dööfer? Echt?). Die stehen da heute noch herum. Ein Bett in Einzelteilen, ein gewaltiges Ikea-Bild, welchselbiges an der Wand einen plötzlichen Rahmenbruch erlitt und um ein Haar mein Kind geköpft hätte, diverse weitere Trümmer, ein auseinandergebauter Schrank. Sowas steht sonst gern in Kellern herum, ebenso wie große Kartons, in denen Computer, Nähmaschinen, Rückenmassage-Geräte etc. geliefert werden.
In einer Wohnung ohne Keller werden Kartons irgendwo auf Schränken deponiert, der Staubsauger teilt sich Platz mit dem Werkzeugkasten, die Stichsäge steht neben dem Bügelbrett und oben auf dem Kleiderschrank liegen zwei Rollen Maschendraht (Reste von der Balkoneinzäun-Runde).
Das stört mich. Gewaltig. Entweder man schläft in einer Art Werkzeugschuppen, oder man hat überall in der Wohnung hinter Türen, unter und auf Schränken und sonstwie schlecht versteckt all dies Gerümpel herumstehen.
Ich mag lieber andere Dinge herumstehen haben, Sachen die ich schön finde zum Beispiel. Mein Staubsauger ist auch schön, aber mehr auf die, naja, nutzbetonte Art.
Und wie ich so am Donnerstag abend fürbaß saß (Andere Leute schreiten fürbaß. Ich kann das im Sitzen), da überkam mich doch der Gedanke, dass ich mir vielleicht wirklich noch einmal überlegen sollte, mir weiterhin den Luxus von zwei (!) Wohnzimmern zu gönnen... und der Gedanke ward geboren, aus dem derzeitigen kleinen Schlafraum eine Abstellkammer zu machen, und ab sofort im kleinen Wohnzimmer zu schlafen.
Gestern morgen war es dann soweit, das Wohnungs-Tetris zu beginnen. Sofern die Wohnung nicht leer ist, befiehlt die mehr praktische Intelligenz ihrem Eigentümer ja ein mehr schrittweises Vorgehen. "Tetris" ist in diesem Zusammenhang einfach bekannter als das viel treffendere Spiel "Klotski" von mir in früheren Jahren bis zum Stillstand der Augen gespielt.
Alles fing gegen 10 damit an, dass der kleine Küchentisch einem der drei Wohnzimmer-Arbeitstische weichen musste... und endete abends gegen acht, mit einer komplett kaputten ("Frack") Lily. Dazwischen lag eine Reihe von weiteren Spielzügen, die nicht unerheblich davon profitiert haben, dass meine Küche sowohl vom Flur als auch vom Wohnzimmer aus begehbar ist. Anderenfalls hätte ich zwischendurch auch mal klettern müssen...
Jetzt habe ich ein großes Wohn- und Arbeitszimmer, bissel eng, und ein Schlafzimmer, in dem nichts steht außer meinem Bett. Bzw. es liegt, nämlich die Matratze auf dem Boden. Ein neuer Lattenrost ist per Post unterwegs, und dann wird auch das Bett wieder aufgestellt.
So. Und nun muss ich nur noch den Sperrmüll anrufen, damit die Garage leer wird und die überflüssigen Dinge aus der Abstellkammer endlich in die ewigen Jagdgründe wechseln können. Und dann hoffe ich doch sehr, dass der neue Lattenrost die Rückenschmerzen beendet...

Schönen Sonntag!

Lily.



Montag, 19. November 2012

Und hier...

ist ein neuer Bilder-Post entstanden.

Viel Spaß beim Anschauen.

Samstag, 17. November 2012

Der Rest vom Ruhrgebiet: Bottrop

Der von mir sehr gern gelesene Herr Buddenbohm, Alltagsprosazauberer von der Elbe, hat dort das ehrgeizige Unterfangen, über die Stadtteile Hamburgs zu schreiben, zu einem Blogprojekt gemacht und Hamburger Blogger dazu aufgerufen,über ihre Stadtteile zu berichten...

Rührig wie der Ruhrmensch nun mal ist, hat sich Anne auf Ach komm geh wech vorgenommen, dieses Konzept mal ins Ruhrgebiet zu tragen. Und obwohl Bottrop schon wech ist, kommt hier mein Beutel Kleingeld zu meiner Heimatstadt.

Was ich zu Bottrop kaum habe, ist Distanz. Das liegt daran, dass ich hier a) geboren bin, b) aufwuchs und c) immer noch wohne. Ich bin also eine waschechte Insiderin, und als solche betriebsblind, voreingenommen, parteiisch und so. Außerdem stolz drauf.

Aufgewachsen bin ich in einem Teil des Ortes, der keinen Namen hat- irgendwo auf einer gedachten Linie von der Altstadt zum Ortsteil Eigen. Vor dem Haus meiner Eltern (na gut, dazwischen lagen die Häuser gegenüber und noch eine weitere Straße) ist der Stadtpark (okay, die Ausläufer), dahinter ist viel Garten, von meinem Vater in preußisch-gerade Form gebracht. 
In meiner Kindheit war alles voll mit Kindern, die niemand daran hinderte, Spiele wie „Deutschland erklärt den Krieg“ auf der Straße zu spielen. Kennt einer die Regeln? Entweder ich hab sie nicht behalten, oder sie waren damals schon so nebulös, dass sie nur aus Rumschreien und Mit-Kreide-Herumschmieren bestanden. Die gefühlte Idylle des Auf-der-Straße-spielen-Könnens ( Tempo 50, Spielstraßen waren noch nicht erfunden) leidet im Nachhinein darunter, dass ich mich an mindestens fünf teils schwere Unfälle erinnern kann.
Ich bin in den Jahren des abflauenden Babybooms geboren, genauer gesagt kurz nach Aussterben der Velociraptoren, 1963. In meine Klasse gingen 42 Schüler, und einige haben nichts gelernt, andere dafür waren recht erfolgreich. Wichtig war es, ordentlich aufzupassen, die Hausaufgaben zu machen und nicht unbrav zu werden. Insofern unterscheidet sich vermutlich Bottrop in den Sechzigern nicht von irgendwelchen anderen Städten, es sei denn durch den extrem schlechten Ruf als schmutzig, ungebildet und proletenhaft.
Betrachtet man die Vergangenheit, so ist festzustellen, dass der Anteil an klassisch-bürgerlichen Bevölkerungsteilen früher vermutlich sehr gering war.
Die Stadt selbst, hervorgegangen aus einem Dorf am Rande des Münsterlandes, wurde zu Beginn des Kohleabbaus überschwemmt von Arbeitssuchenden, zusammengewürfelt aus ganz Deutschland und aus Polen- die ersten Gastarbeiter, später dann gefolgt von denen der zweiten Generation, die dann aus Südeuropa kamen.
Es kamen die Ärmsten der Armen, die, die keine Chance hatten in ihrer Heimat- wer verlässt sonst schon in Massen den Mittelpunkt seines Lebens, außer denen, denen das tägliche Brot, das Dach überm Kopf oder der Frieden vor der Tür fehlt?
Natürlich prägt so ein Massenzulauf der Armen und Ungebildeten auch den Charakter einer Stadt- und so ging es hier Jahrzehnte lang nur um Arbeit, überwiegend schwere körperliche Arbeit unter Tage.
Nach Feierabend brauchte der Mensch schlichtes Erholen, oder Energie, um mit einem zweiten Job und der Arbeit im Garten das Futter für die Familie aufzubessern. Denkt man sich noch eine Welt, in der Bildung selbst in einem Kleinstadtgymnasium Geld kostete, so kann man sich vorstellen, dass Bottrop für einen großen Teil des zwanzigsten Jahrhunderts die kleine, dumme, schmuddelige Schwester neben den Stars wie Essen war.
Mitten in die Zeit, als man sich hätte berappeln und ein paar Dinge hätte starten können, kam das Zechensterben und der Rückzug des Bergbaus. Sehr schlecht für eine Stadt, die Kohle hatte und sonst kaum etwas.
Heute ist es so, dass die Finanzdecke immer noch zu dünn, zu löchrig, und auch zu kurz ist an allen Enden. Die öffentliche Umgebung verfällt, egal, wie viel Mühe sich die Menschen geben. Jede neue Aufgabe, die uns zuwächst, kostet- Konnexitätsprinzip hin oder her- mehr, als wir zur Kompensation bekommen. Wir zahlen immer noch für Städte im Osten, und nicht nur der Kämmerer ballt die Fäuste in der Tasche deswegen.

Klein ist hier alles geblieben. Die Beschränkung auf das Machbare und das Bezahlbare hat über die Jahrzehnte trotzdem ein beachtliches Gesamtwerk zu Tage gebracht. Mit dem wird gern geworben, zu Recht, aber irgendwie ist das  nicht meine Stadt (nicht nur, jedenfalls).

Viele Dinge, denkmalgeschützte Gebäude, alte Waldbestände, gewachsene Wohn- und Lebensstrukturen in alten Siedlungen, sind nur geblieben, weil wir immer arm waren, und uns auch den Hau-es-um-und-bau-es-neu-Wahnsinn der sechziger und siebziger Jahre nicht leisten konnten. Viele ebenfalls schöne Dinge haben schon den Krieg nicht überlebt, weil wir hier durch die Schwerindustrie doch sehr im Mittelpunkt von Angriffsinteressen lagen.
Natürlich wurde für den Wiederaufbau in der ganzen Republik Kohle und Stahl gebraucht, natürlich brauchte man dafür Arbeiter, die Wohnungen brauchten, die dann aus dem Boden gestampft wurden - und heute wird gelächelt, geschimpft und gespottet über die alten Straßenzüge mit den Nachkriegsbauten. Schön sind sie wirklich nicht.
Ich lebe an so einer Straße. Zugegeben an dem „neuen“ Ende, einer Verlängerung aus den Endneunzigern, gebaut auf verkauftem Tafelsilber meiner Stadt, Teil eines Naturschutzgebietes.

Die Straße selbst war in den alten Teilen so marode, dass sie bereits in Plänen von vor zehn Jahren als „unbefahrbar“ eingestuft wurde. Was macht eine Stadt wie Bottrop mit so einer Straße? Richtig. Sie stellt Schilder auf, auf denen „Straßenschäden“ steht, und wartet eine Dekade mit der Reparatur. 
Wenn ich eine Qualität meiner Heimatstadt benennen sollte, wäre es die Geduld...

Von meinem Wohnzimmer aus könnte ich das Tetraeder sehen, wenn die rechte Wand eine Außenwand mit Fenster drin wäre (ist sie aber nicht). Gehe ich bis zur Ecke und überquere die Hauptstraße, bin ich in besagtem (s.o.) Naturschutzgebiet, und kann lange darin spazieren gehen, und wenn ich richtig gehe, treffe ich auf ein hübsches Schlösschen, das zur Nachbarstadt gehört. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 25 Minuten strammen Fußmarsches entfernt. Ich nehme das Auto, danke schön.

Meine Kindheit war noch geprägt von Rußflocken (samtig und sehr schwarz) auf weiß lackierten Fensterbrettern, vom Geruch der Kohlefeuerung in den Öfen der Wohnhäuser und schwarzem Schnee. Aber auch von sommerlichen Radtouren, die vom Stadtpark aus bis ins Münsterland führten, ohne dass man andere Städte auch nur berühren musste, und von vielen Nachmittagen im Museum für Ur-und Ortsgeschichte, das später Teil des Quadrats wurde.

Rußflocken übrigens sehen nur gut aus, solange sie auf Fensterbrettern liegen. Versucht man, sie in die Hand zu nehmen, wird Dreck draus. Schade.


Schönes Wochenende von der

Lily.

Freitag, 16. November 2012

Gerüchte über meinen Tod

sind maßlos übertrieben. Richtig ist vielmehr, dass ich, zurück gekehrt aus meinem Krankenschein, feststellen musste dass meine Stelle eingespart wurde. Nun bin ich als Beamtin erstmal unkündbar, und zweitens wusste ich auch, dass die Stelle im Rahmen der Haushaltskonsolidierung zur Disposition stand. Wie das beim Stellenpoker so ist, hat da wer irgendwo anders was nicht mitmachen wollen, und die Nebenwirkungen der Beteiligung politischer Gremien waren dann dergestalt, dass die eigentlich erst für 2015 vorgesehene Einsparung vorgezogen wurde.

Eine Woche bin ich dann noch im alten Fachbereich geblieben, dann hatte ich eine Woche Urlaub, und seit Montag dieser Woche bin ich in meinem neuen Einsatzbereich.

Da ich ein neugieriger Mensch bin, stört mich so ein Neuanfang erstmal nicht, sondern erzeugt einen Interesseschub, der über so einiges hinweg hilft.

Gelandet bin ich nun im Referat für Migration und dort zuständig… für alles? Naja, so ziemlich. Es ist eine sehr, sehr kleine Einheit, und dort war bisher niemand für Verwaltungsdinge an sich verantwortlich. Das hatte die Folge, dass diese Sachen mehr schlecht als recht erledigt wurden. Verwaltung wird ganz gern behöhnt, und Erbsenzählerei gehört zu den Dingen, die mich mehr als sauer machen, aber ganz ohne ist auch schlecht- zumindest für einen Bereich innerhalb einer Stadtverwaltung. Denn die Zusammenarbeit ist da oft ziemlich übelst durchorganisiert, und wer sich nicht an die Regeln hält, weil er sie nicht kennt, zieht den Kürzeren, fällt übern Rand, oder sieht sonst wie alt aus. Also sorge ich hier erstmal für eine Bereinigung der Defizite, mach ein bisschen Ordnung und harre der Dinge, die da kommen wollen.

Zusammenfassend kann ich nach einer Woche sagen, dass es sehr schön ist, wenn man begrüßt wird, als hätte man Manna, billiges Benzin und die richtigen Lottozahlen im Gepäck.

Ich sitze wieder in einem alten Altbau, und erfreue mich halbwegs guter Baubiologie sowie hoher Decken, wenn es hier auch vergleichsweise eng ist im Vergleich zu den Räumen, aus denen ich komme. Dafür ist der Umgang hier weniger förmlich, und das gefällt mir.

Die Woche Urlaub hab ich mit dem besten Freund verbracht. Wir haben uns die mittelalten Knochen ordentlich strapaziert mit Hunderten von gefahrenen Autobahnkilometern sowie einem dreistündigen Gewaltmarsch durch den Gelsenkirchener Zoo, diversen zeitintensiven Einkaufsbummeln und, und, und. Nach all dem haben wir uns dann jeder einen Shiatsu-Massagesessel gegönnt. Man wird halt alt. Übrigens kann man auf den Ausruf „Shiatsu!“ mit „Gesundheit!“ antworten… oder auch mit einem herzhaften „Hyundai!“

In diesem Sinne schönes Wochenende,



wünscht die Lily

Mittwoch, 14. November 2012

Woanders...

liest man seltsame Namen...
Yggdrasil? Ist das der Namensgeber Ernst?
Und beim Standesamt waren sie wohl sämtlich volltrunken...

findet
dieLily

Montag, 29. Oktober 2012

...und...

ein Gastposting von mir bei Womble und Falcon findet ihr hier.

Samstag, 27. Oktober 2012

Lilys Tierleben, Teil 1

...drüben auf dem Bilderblog.

Hier solange:

Tiere auf der Flucht. Heute: Die Wildgans. 



Schönes Wochenende!!

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Lange nicht mehr

gehört:

Hermann van Veen





Es ist Herbst, und das Lied ist nicht nur melancholisch- ich bin mit der Musik aufgewachsen und aus mir ist trotzdem etwas geworden meine Depressionen sind behandelbar ich bleibe weg von offenen Fenstern.

Einen schönen Donnerstag, ihr Lieben!

Lily

Dienstag, 23. Oktober 2012

So lange


war ich noch nie am Stück zu Hause, rechnet man die Sommerferien als Kind mal nicht mit. In den ersten dreieinhalb Wochen hab ich kaum Luft gekriegt, trotz meines Asthmapfeifchens, und dann hat mich die Depression wieder erwischt- es macht keinen Spaß, damit zu Hause zu sein. Am schlimmsten war diesmal das Schlafproblem, das man kurz mit „Immer zu den falschen Zeiten wach“ zusammenfassen kann. Ein bisschen hat das auch damit zu tun, dass die Elektrodampferei doch anders ist als „richtiges“ Rauchen, so dass etwas Nikotin gefehlt hat, und das macht mich immer müde.
Jedenfalls hat mich das ein bisschen aus der Bahn geworfen, und nächtelanges Wachbleiben hat es nicht besser gemacht. Man kann nur begrenzt CSI anschauen, auch wenn gefühlte 2 Millionen Folgen gesendet werden. In Wirklichkeit sind es nur drei, die ständig wiederholt werden. Das könnt ihr mir glauben. Alles selbst im Lily-Testlabor erprobt.
Ein voller Erfolg war der Samstag, den ich mit der Sicherung des Balkons gegen Verlassen durch Katzen verbracht hab. Das wird gut angenommen, man ergeht sich dort in den Disziplinen „Anstarren von Kindern und Fremdkatzen“ und erregt immer wieder Aufsehen („Was sind das - kleine Tiger?“ oder auch „Meine Güte.“). Nach dem Ansehen zahlloser Folgen von Elefant, Tiger und Co (bzw. der Life-Berichterstattung aus anderen als dem Leipziger Zoo) schwant mir so langsam, dass ich die Pflegerecke im Katzenhaus bewohne.
Das Quietschekätzchen Gretelchen lässt sich immer noch nicht anfassen, gewinnt aber zusehends an Selbstbewusstsein gegenüber der Katerschaft. Einmal durfte ich ihre Pfote kitzeln, aber als sie dann merkte, dass am anderen Ende des Fingers ein Mensch befestigt ist, war es damit vorbei. Das ist nicht so dolle. Denn sie muss langsam mal gekämmt werden. Noch hält sich der Filz in Grenzen, aber wenn sich nicht bald was ergibt auf der Kontaktebene, dann wird das erste Kämmen ein schmerzhaftes Erlebnis, und das tut unserer Beziehung bestimmt nicht gut. Auch Gretelchen kann übrigens nicht richtig miauen, sondern quietscht wirklich ganz entzückend, wenn sie denn mal Laut gibt. Zusammen mit den Kastratensopranen, die hier sonst wohnen, ist das akustisch beinahe sowas wie die Vogelhochzeit.
Es ist übrigens interessant zu beobachten, dass die erweiterte dritte Dimension auf dem Balkon instinktive Verhaltensweisen freisetzt. Als Kleinsäuger sind Katzen naturgemäß auch ein leckeres Mahl für Beutegreifer der fliegenden Fraktion, und wenn die Krähen am Himmel lärmen oder mal ein Bussard kreist, dann stimmen die ererbten Sicherheitsmaßnahmen bei allen Vieren noch, und sie verschwinden flugs im Haus. Ich gehe aber davon aus, dass jeder Bussard, der versucht, mit einem der Kater zu verschwinden, bereits in Höhe der ersten Garage entkräftet aufgibt. Karl wird zudem noch für ein Geschwür auf dem Trommelfell gesorgt haben, er liebt es, seiner Umgebung die Ohren voll zu schwallen.
Apropos Vögel: Die letzten Wildgänse scheinen jetzt auch im Winterquartier zu sein, und jede einzelne ist lärmend hier übers Haus geflogen. Nachts ist das ein besonderes Erlebnis. Da fällt mir nämlich immer ein, was auf Englisch „Ein Schwarm Krähen“ heißt:
A Murder of Crows.
Unheimlich?
Unheimlich.
In diesem Sinne, schönen Dienstag!

Lily
Friedensnobelpreisträgerin 2012

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Bilderrätsel, unter anderem.

Was ist das?




Nachdem ich das Motiv gründlich unters Tele genommen habe, war mir klar, woher manches Jugendstilelement kommt...

Wieder etwas, was man fotografieren kann, ohne das Haus zu verlassen. Da ich immer noch krankgeschrieben bin (und immer noch huste, wenn auch nicht mehr so fürchterlich wie vor einer Woche noch), bin ich eigentlich ständig hier anzutreffen, und schaue die ARD-Zoodokus rauf und runter. Inzwischen kenne ich die Vornamen der Nasenbären (Kai-Uwe) und der Ameisenbären auch (Griseline, extrem niedlicher Name), weiß, wie lang ein Schwarm Piranhas für ein 200 Kilo-Schwein braucht (20 Minuten, wenn ausgehungert) und wie der Gavial-Mann in Leipzig heißt (de Gaulle, und ich weiß auch warum).
Ich fiebere mit dem Team, wenn der Krallenbär Bastel vom Baum fällt und leider eingeschläfert werden muss, und könnte dem Giraffenkind (heißt offenbar "Kleene") den Hals umdrehen, wenn sie wieder nicht fressen will. Meine Traummänner sind Michael Ernst (wegen der Tapirizität, mit der der Tapir auf dem Grund des Teiches steht) und Jörg Gräser, der Brillenschlangen bastelt für seine Erdmännchen (aus Melone, Zucchini und roten Stachelbeeren). Und ich könnte die Papageienhüterin in Leipzig knutschen, wenn sie den Kea-Hahn ruft. Der trägt den Namen Unhold.
Außerdem tut mir Gerda leid, die wieder weg muss aus dem Zoo, weil sie kein braves Geiermädchen sein will sondern eine unangepasste Punker-Bitch.

Und weil das alles so nett gemacht ist, ist mein eigenes Zoo-Anthropomorphismus-Epos "Neulich an der Wursttheke" (Mitwirkende: Mehrere Damen der Gattung Gorilla Gorilla aus dem Zoo in Wuppertal) als Recycling-Content auf dem anderen Blog zu bewundern. Dann enjoyt mal schön, ihr Lieben.

Und wegen der Uhrzeit: Gute Nacht, weiterhin!

DieLily


Dienstag, 9. Oktober 2012

Nicht viel

zu erzählen hier, es passiert nämlich nix. Auch, weil ich immer noch krank bin, und mich so fühle. Zwischendurch gehts mal ne Stunde, aber nicht viel länger.
Ominöse Schmerzen in der Seite nähren den Verdacht, dass ich mir beim Husten vielleicht eine Rippe (an)gebrochen haben könnte (Soviel zu verborgenen Talenten! Ich kenne aber eine Frau, die sich einen Pneumothorax gehustet hat- das ist Können, Ladies and Gentlemen.)
Das Zeug, das der Doc mir verschrieben hat (so ein Bronchienerweiterungsspray) macht einiges einfacher, so zum Beispiel muss ich nicht mehr gegen einen Widerstand ein- und ausatmen, das ist nämlich ziemlich anstrengend.
Und nein, ich rauche immer noch nicht wieder. Meine E-garette (Wortschöpfung by Womble) ist zwar meine ständige Begleiterin (weil ich das Nikotin brauche). Allein der Gedanke an etwas Brennendes in meiner Hand macht allerdings Husten. Und Augentränen.
Dampf ist da etwas ganz anderes, und löst zwar auch das Gefühl aus, als ob ich eine Zigarette rauchte, ätzt sich aber nicht so seinen Weg durch meine Bronchien. Und das Nikotin verhindert Entzug wirksam. Nett ist, dass man auch mal nur einen Zug nehmen, und das Ding dann einfach weglegen kann, ohne dass es verqualmt und herumstinkt. Nach Angaben befreundeter Nichtraucher riecht man von dem Zeug gar nichts. Ich hab das zwar auch so empfunden, bin aber erstens Partei und zweitens hab ich ja auch den Tabak nie gerochen (außer morgens, wenn ich vergessen hatte, den Ascher zu leeren). Ach ja, das ist auch nett: Keine Tabakkrümel, keine Asche, keine Blättchen/Feuer/Tabaksuche. Kein Lüften gegen den Qualm, und anschließendes Frieren, wenn die Bude richtig ausgekühlt ist. Und die Lily riecht nur noch nach Menthol und Bodylotion. Mit Menthol atmet es sich nämlich noch besser. 
Nachher ruf ich beim Doc an, und frage nach, was das Labor in meinem Blut alles so gefunden hat. Ich wette, da ist einiges dabei, was da nicht hingehört.
 Drückt mir die Daumen!

Liebe Grüße
von der Lily.



Samstag, 6. Oktober 2012

Katzenlangeweile

sieht so aus:


Pures Elend, nicht? Alles schreit geradezu nach Beschäftigung...
Und weil selbst hartherzige Leute wie ich einsehen, dass man nicht immer nur die Brüder und Schwestern ärgern kann, bin ich gestern beim Streueinkauf wieder schwach geworden und hab mal wieder Katzenspielzeug gekauft.
Diese Federdinger an Angeln und so. Eddie hat für das erste Ding nicht mal 5 Minuten gebraucht, dann hing es in Fetzen. Nicht in der "Wackelt-nett-und-ansprechend"-Art, sondern in der "Kaputt-und- überall-Federn"-Art.
 Für das Geld hätte ich eine ansprechende Menge Rinderherz für die Meute bekommen. Und beim abendlichen Fernsehen (alles das, was der treue HD-Recorder für mich aufgezeichnet hat. Ha.) hat mich dann der Bastelvirus erwischt. Das ist selten, hat aber Ergebnisse gebracht.

Nämlich Katzenspielzeug für alle die Feliden, die nicht ätherische, magere Rassekätzchen sind, sondern eher die Rottweiler unter den Katzen darstellen. Felide Boliden, sozusagen (pun intended). Denn auch die wollen spielen, Herrschaften! Und da abgeschlagene Feindesköpfe und dergleichen nicht gut rollen, besteht hier immer ein gewisser Notstand.

In dem Spannungsfeld hat es sich gut getroffen, dass ich vor kurzem eigens zur Anfertigung von Baldrianmäusen für die Bande sehr viel Filz gekauft habe. Der lag hier noch herum, denn er ist einfach zu dick, um daraus etwas Fummeliges zu nähen. Der Filz, Packband, eine Kelimnadel und einige andere Dinge mussten dann herhalten, um meine eigene Katzenspielzeug-Sammlung zu basteln. Wohlgemerkt: Die meisten Katzen mögen genau so gern Aluknubbel, Tischtennisbälle, Rappelmäuschen, Pappschachteln... aber sie mögen halt auch Abwechslung. Und ich persönlich trete ungern nachts auf ein steinhartes Objekt aus Alufolie, das ordentlich von Katzen besabbert wurde. Außerdem landet jedes einzelne selbst rollende Spielzeug irgendwann unter der Couch. Muss man die mal weg rücken und ist zufällig noch jemand Fremdes anwesend, sorgt die Sammlung von Sektkorken, Alufolie und halb zerkauten Kleinspielzeugen immer für Verlegenheit.

Laserpointer hingegen hinterlassen zwar keine Reste, aber Spuren, denn meine Bande rast auch schon mal die Wand hoch, auf der Jagd nach dem roten Punkt. Vergeblich, und auch das ist doof, denn ab und zu fängt der Durchschittskater auch gerne mal was.
Aus dieser Mischung von Not, Material und Langeweile wurden die folgenden Objekte geboren:

Fig. 1: Die-mit-dem-Schwanz-klappert (unten), Stinki, das Fisch-Skelett (Mitte) und Paul (oben).
Die Abbildung zeigt einen Referenz-Kater. Daran sieht man schon, wie kräftig gebaut auch die Spielsachen sind... Stinki klappert nicht, und stellt somit eine nervenschonenden Alternative zum Glöckchengeklingel dar, das aus den Zoomärkten in unsere Wohnzimmer scheppert.

Dies ist das Modell "Nahrungskette".


...und das ist einfach nur ein Spielzeug.




 In dieser Rattankugel (Dekobedarf, lag hier noch herum) kann ich, je nach Nervenstärke, ein Glööcklein oder auch ein Leeeckerli verstecken.

Noch fehlen hier die eigentlichen Angeln. Anbeträchtens der hier herrschenden allgemeinen Größe und Kräftigkeit kommen mir die mickrigen 40-cm-Stäbchen, die man sonst so sieht,  geradezu lachhaft vor. Vielleicht geeignet für ein entkräftigtes Katzenbaby, aber nicht für meine 600-PS-Kater. Hier muss so eine Angel selbst bei meinem kleinen Mädchen einiges aushalten, und ich spiel nicht gern in gebückter Haltung Tauziehen. Der nächste Baumarktbesuch wird mich in der Gartenabteilung bei den Bambus-Stäben treffen. Ich hoffe, die sind in einer Längenauswahl zu kriegen.

Die ganze Aktion hat erstens Spaß gemacht, zweitens keinen Cent gekostet, weil selbst die Klapperschlangenklappern noch hier herum lagen (alte Nähmaschinenspulen, die in meiner neuen Maschine nicht verwendbar sind). Packband als Träger ist so gut wie unzerreißbar, und es schadet nicht, wenn die Katzen darauf herumkauen. Der Filz ist natürlich aus Wolle, und es ist weder Glitter dran noch Klebstoffe. Ordentlich dicker Filz kann übrigens auf das Packband richtig aufgefädelt werden. Ist nur ein bisschen Fummelei und Geduldsprobe. Dabei sind Eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt... Ich hab zum Beispiel noch ein Ensemble aus zwei Mäusen und einem Stück Filzkäse in Arbeit. Mal sehen, wie das zusammen aussieht.


Also, Leute: Ran ans Heavy-Duty-Katzenspielzeug! Bastelt, bis die Schere qualmt oder der Tierarzt kommt!

Liebe Grüße,

Lily







Spam. And extra Spam.

Selbiger ist auf mich runtergeprasselt, seit ich die nervigen Captchas ausgeschaltet hatte. Heute morgen hab ich weit über 150 Spamkommentare gelöscht. Nicht hier, aber in meinem Email-Postfach. Das ist mir etwas zuviel des Guten, also müsst ihr euch eine Weile damit abfinden, dass es wieder Captchas geben wird. Sorry dafür!

Freitag, 5. Oktober 2012

Weiterleitungen...

Klickt ihr hier.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Vielen lieben Dank, Greta, oder: Ein guter, aber teurer Tag...

heute hier chez Lily.
Erst kostete der Trip in die Apotheke 60 Euronen (Asthma-Spray und neues Antibiotikum). Dann hab ich mir den Tipp von Greta (danke schön :-)) zu Herzen genommen: Wenn ich schon nicht ohne Nikotin kann, muss ich mir nicht auch noch bei jeder Zigarette die partielle Rauchvergiftung verpassen- und hab mir eine E-Zigarette gekauft. Bin bisher sehr zufrieden. In dem Laden konnte ich probedampfen, verschiedene Aromen und auch Tabak "pur" antesten, sowie das Dampfgerät an sich. Ich bin mit dem So-tun-als-ob-Effekt auf Anhieb zufrieden gewesen. Dieses Einkaufserlebnis war mir wichtig, weil ich wirklich ausprobieren wollte, was ich da kaufe. Im Netz kriegt man bestimmt vieles billiger, aber ich kann eben nicht antesten, ob ich damit zu Recht komme, ob ich das Gefühl "wirklichen" Rauchens habe (versus Nuckeln), und ob der austretende Dampf ausreicht, um auch das Lily-Auge davon zu überzeugen, dass es sich um was Echtes handelt (hab ich schon mal erwähnt, dass ich nicht gern im Dunkeln rauche, weil der Qualm nicht sichtbar ist?)
Jedenfalls hab ich dann zugeschlagen, und vermutlich auf gute, alte Lily-Art das Flaggschiff des Hauses gekauft. Eigentlich eine Doppelpackung, zwei stylisch aussehende Dampfomaten, beide eher wie ein edler Füller wirkend, und dazu ein buntes Sortiment verschiedener Liquids. Ich konnte das Doppelpack so aussuchen, dass es zwei verschiedene Verdampfer enthält, einmal Edelstahl, einmal mattschwarz. Eines wird das "mit-Menthol"-Gerät sein, weil der Mentholanteil wohl wirklich in dem Ding hängenbleibt. An Aromen hab ich einmal Tabak "ohne", einmal mit Menthol, einmal Blaubeer (ganz fantastisch lecker) und einmal Kaffee genommen. Ich werde euch berichten! Das Ganze zusammen hat mich einen Hunderter gekostet (das gebe ich sonst in drei Wochen aus für Tabak). Je nachdem, wie schnell die Liquids leer sind, kann ich mir schon ausrechnen, wann es sich amortisiert hat. Der Typ im Laden ist selbst Dampfer und Ex-Qualmer, und von seinem Produkt ganz angetan (das hilft enorm beim Verkaufen). So ein bisschen erinnert das Dampfen an Pfeiferauchen. Alles sehr gemütlich! Und es stinkt definitiv nicht. Das erheitert mein Energiesparherz. Denn wenn es hier nicht nach Rauch stinkt, muss ich nicht laufend die Fenster auf machen, und ständig dran denken, die Heizung vorher abzudrehen...

Der Dealer hat übrigens einen sehr, sehr liebenswürdigen Dobermann dort liegen, der mich sofort in sein großes Hundeherz geschlossen hat und sich von mir mit Stofftierwerfen hat beschäftigen lassen. Dobermann for the win!

Auf dem Weg vom Liquids-Dealer zur Bank hat mich dann das Schicksal in Gestalt eines Blitzers erwischt. Vielleicht wird das ja meine Premiere? Hab noch nie ein Ticket vom Tempomesser gekriegt in den letzten 32 Jahren. Demnächst schafft unser Straßenverkehrsamt doppelseitige Doppelblitzkameras an, die können beide Fahrtrichtungen und zwei Fahrspuren abdecken. Ich hatte zwar nicht vor, das städtische Defizit komplett allein auszugleichen, aber was tut man nicht alles, um der Stadt zu helfen!

Jedenfalls hat das viel Geld gekostet, alles in allem.

Nichts gekostet hat das hier:



Der kleine Feuerwehrmann da hinter der Scheibe hockt auf dem Pendel und reist mit seiner Wasserspritze immer munter von links nach rechts. Basis ist eine Uhr aus einem alten Ikea-Reste-Rampen-Laden. Die war bestimmt 20 Jahre alt, und mahagonifarben lasiert. Der Pendel bestand aus einem Messingstangending mit einem dünnen Metallscheibchen als vorgetäuschtes Pendelgewicht. Uhr und Pendel werden jedoch von der gleichen Batterie betrieben. Ich hab die Uhr zerlegt, Ziffernblatt und Werk entnommen, den Rest angeschliffen, vorgestrichen und dann im stylischen Feurio-Design neu konzipiert (verbal auf die Kacke hauen hilft bei der Selbstachtung!)- jetzt ist sie eher was für den Pausenraum bei der Pyromanen-Selbsthilfegruppe oder der freiwilligen Feuerwehr. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht, sie umzubasteln. Außerdem hat es wirklich nichts gekostet. Auch eine Möglichkeit, Dinge weiter zu nutzen, die eigentlich noch gut sind, aber an denen man sich satt gesehen hat.

Vielleicht fällt euch auch was ein?

Einen schönen Tag

Lily

Montag, 1. Oktober 2012

Nebenan

bei den Bildern, gibts ein neues Posting. Schaut doch mal vorbei :-)