Mittwoch, 16. Dezember 2020

Ich hab da mal eine Frage...

 warum eigentlich hat man als Gern-und Vielleser den Drang, alle um einen herum mit den Büchern bekannt machen zu wollen, die man gerade liest, oder von denen man begeistert ist? Und warum hat man das Gefühl, dass viele Leute gerade weil man so angetan ist, der Empfehlung so ungern folgen? 


Beispiel: 


Connie Willis, Die Jahre des Schwarzen Todes, bzw. im Original:  Doomsday Book


Das Buch ist schon 1993 erschienen und gehört zwar zum Science-Fiction-Genre, hat aber einen entscheidenden Pluspunkt gegenüber vielen Vertretern dieser Sparte: 

Es erzählt eine plausible, atemberaubende Story, und diese bildet nicht die Hintergründe für Schlachten oder technische Spielereien- sondern für menschliches Verhalten. 

Alles, was da vor den Augen der geneigten Leserin wächst, ist realistisch und könnte in diesem Augenblick irgendwo geschehen. Es ist nur ein klitzekleiner Dreh dabei, der es in den Bereich der Science-Fiction schiebt. 

Es ist ein Buch, das gleichzeitig phantastisch ist und realistisch bis zum letzten Fältchen, das schön lang ist und einen versinken lässt- und eines von denen, bei denen man mit einer Mischung aus Bedauern und Gott-Sei-Dank-Nochmal-Davongekommen das Buch dann schließt. 

Es ist derzeit nur im Original ohne weiteres zu bekommen (elektronisch), kostet 4 Euro irgendwas für den bekannten E-Book-Reader eines großen weltweit tätigen Versandhandels und in ein paar zerfledderten Second-Hand-Exemplaren auf Deutsch. Diese sind auch noch teuer. Also wessen Englisch halbwegs tauglich ist: Holt es euch.

Montag, 23. November 2020

Nochmal Weh.

 Beim letzten Mal hab ich was zu Dingen geschrieben, die mit W anfangen. Lasst mich heute was zu einem bisher unerwähnt gebliebenen Wort schreiben:
W, wie Wundrose.
Altmodisch anmutendes Wort, es gibt auch einen lateinischen Ausdruck, der Erysipel heißt. Das ist eine Wundinfektion, die sich vorzugsweise entweder im Gesicht oder an den Beinen abspielt, hier bei mir war es das Bein, das rechte. 

Dort habe ich seit vielen Jahren ein Ekzem, das dazu neigt, ganz fürchterlich zu jucken. Und ich neige ganz fürchterlich zum Kratzen. Die Haut an der Stelle ist natürlich strapaziert, und das Kratzen hilft nicht, sie keimfrei zu halten. Ergo habe ich mir irgendeinen Keim (meist Strepto- oder Staphylokokken) in eine der kleinen Wunden gekratzt. 

Spoiler: Ich bin natürlich in der Vergangenheit mit dem Ekzem beim Hautarzt gewesen. Dort wurde mir was verschrieben, was gerade mal null Nutzen hatte. Unter der Salbengrundlage (Vaseline) juckte es sogar mehr, falls das möglich ist. Das Corticoid darin war wohl zu gering dosiert. Hat man sowas seit vielen Jahren, ist man da nicht so effelig, sondern nimmt vieles in Kauf, ergo hat es weiter gejuckt. 

Vorletzte Woche Donnerstag hat es mich dann gelegt. Morgens ging es mir Scheiße. Aus Gründen musste ich aber trotzdem ins Büro. Dort hab ich bis Mittag ausgehalten, bis mir so elend war und ich so gefroren habe, dass ich mittags nach Hause bin (und direkt ins Bett). Abends war ich kurz wach, hatte fast 40 ° Fieber, und bin erst am Freitag wieder halbwegs bei mir gewesen, nach Konsum diverser fiebersenkender Medikamente. Angesichts des hohen Fiebers (39,2 am Freitag) bin ich dann nicht zum Arzt sondern habe da nur angerufen, in der festen Überzeugung, mir Corona geholt zu haben. 

Der Doc hat mich dann beruhigt und mitgeteilt, dass er ein Rezept in die Apotheke faxen lässt.- Aufgrund diverser Missverständnisse ist es dann schon Samstag gewesen, als ich endlich zur Apotheke kam. Wo natürlich vieles war, nur kein Rezept. 

Samstag abend fiel mir dann auf, dass an meinem Bein großflächig rote Stellen am Unterschenkel zu sehen waren, die sich bei Berührung heiß anfühlten. Die Krankenschwester meines Vertrauens (meine Schwester Claudia) durfte sich das dann auf einem Foto anschauen und hat spontan die richtige Diagnose gestellt (Erysipel bzw. Phlegmone, was im weitesten Sinn so verwandt ist wie Claudia mit mir). Wir waren uns einig, dass ich kühlen sollte und Ibu schlucken, und wenn es nicht besser würde am Sonntag zum Krankenhaus fahren würde. 

Sonntag war es etwas besser, und am Montag war ich beim Doc. Der hat mich dann zur Hautärztin geschickt- die dann die Diagnose bestätigt hat und die mir erstmal klar gemacht hat, dass das was echt Ernstes ist. Mit einem Sack Medikamente und einigen vagen, aber beunruhigenden Andeutungen über Verläufe bin ich dann nach Hause und schlucke seither Antibiotika, creme mir den Knöchel ein, lege den Fuß hoch und kühle das Bein.
Das faszinierendste war aber: Seit das Antibiotikum wirkt, geht es mir besser, nein, BESSER. Dieses Gefühl, uralt zu sein und sich von Aufgabe zu Aufgabe nur noch zu schleppen, ist verschwunden. Die Hautärztin meinte, dieser Infekt sei seit Monaten im Hintergrund "tätig" gewesen und wäre sehr beeinträchtigend, würde also viel Kraft schlucken. Das könne jetzt endlich heilen und damit würde auch dieser Schwächezustand vorbei gehen.

Sehr ihr? Alles wird gut.


Dienstag, 3. November 2020

Nachrichten des Tages, die sich auf Worte beziehen, die mit W anfangen.

 Also, W wie Wal. 

Mitohne H. In den Niederlanden ist eine U-Bahn auf einer Skulptur einer Walfluke (vulgo Schwanzflosse) zum Stehen gekommen. Diese ist aus Kunststoff, was offenbar erheblich höhere Stabilität zur Folge hat, als man gemeinhin glaubt. Bilder sind hier zu sehen. Es sieht beeindruckend aus, führt aber via Gedankenkette unweigerlich dazu, dass man sich über a) die Ozeane und b) Kunststoff Gedanken macht, die man nicht auch noch gebrauchen kann. 

Was wiederum zu anderen Gedanken führt, die man auch nicht will, aber auch nicht umgehen kann:

W wie Wahl, diesmal mit H. 

Ihr alle habt es mitbekommen- es steht eine Menge auf dem Spiel. Die aufgehetzten und ziemlich ungehemmten Anhänger der einen wie der anderen Gruppierung lassen keine guten Gefühle aufkommen... Ich bin selten so gespannt gewesen vor einer Wahl, vor allem vor einer, die sich so weit weg abspielt wie diese.

W, wie Weh. Und ach.

Reden wir nicht drüber. Also, nicht mehr als das übliche Gejammer.
Das mit dem schmerzenden Gebein und den arthritischen Fingern, dem Kraftverlust in den Händen und Armen, die von den Vorfällen, den bandscheibigen, herrühren. Von denen ich mittlerweile 5 habe, die vor allem durch den Kraftverlust und die Schmerzen in den Armen ziemlich strapaziös sind. Das für viel Geld gekaufte Fahrrad, das mich fitter machen sollte, war leider nicht zu benutzen, weil die Kraft fehlt, um mich auf dem Lenker aufrecht zu halten, mal abgesehen von den Schmerzen in den Daumengrundgelenken. Deshalb habe ich es verschenkt...
Nuff said.

W, wie Wie bitte?? 

In den letzten 10 Tagen ist die Corona- Inzidenz in unserer kleinen Stadt von ungefähr 35 über knapp 100 auf solide mehr-als-200 gestiegen. Offenbar haben Menschen gefeiert, so sehr, dass innerhalb von 3 Tagen mehr als 150 Erkrankte hinzukamen. Denen sollte man eins auf die Nase geben. Aber nur mit Mundschutz, bitte. 

W wie wohliger Schauer.     

Der mich überfällt, wenn ich meine nigelnagelneue Overlock-Maschine, noch jungfräulich in ihrem Karton, betrachte. Ich schleiche jetzt seit einer Woche drumrum, und habe mich noch nicht getraut, die Maschine auszupacken und endlich auszuprobieren. Aber heute, denke ich, wird es so weit sein. 

W wie  Wutz

Das einzige Thema, das nicht aktuell ist. Urmel, Wutz, Schusch und Wawa, die vier haben mich in den ersten Lesejahren begleitet, und ich hab sie oft und oft wieder gelesen. Ebenso wie die gesamte Astrid-Lindgren-Palette einmal drumrum (alles Lieblingsbücher, bis auf Karlsson vom Dach- damit konnte ich nie was anfangen). Ronja und Kalle Blomquist und die Brüder Löwenherz, sie leben hoch. 

Letzteres war keine Tagesnachricht. Aber der Tag gab zu wenig WUndervolles her... 

Liebe Grüße zur Wochenmitte-

DieLily


 

Donnerstag, 29. Oktober 2020

Portemon-näh

 Meise hat Recht- Prote..porre...Geldbörsen sind frickelig zu nähen. Es ist eine Menge zuzuschneiden, zu bebügeln mit Einlagen, die den Stoff fester und formhaltender machen, dann zusammenzunähen und dafür zu sorgen, dass alles sauber die Abstände und so einhält, es ist zu falten, zu bügeln und zusammenzubasteln, bis dann schlussendlich die entscheidende Runde damit eingeläutet wird, den Verschluss so anzubringen, dass es sauber schließt, aber noch Platz drin bleibt für alles das, was man darin aufbewahren möchte. 

Ich hab mittlerweile mehrere genäht, und hab ein bisschen an Sicherheit gewonnen, und weiß besser, wo man aufpassen muss und wo es nicht sooo sehr drauf ankommt. Das richtige Platzieren des Reißverschlusses, so dass die Nadel beim Einpassen des Fachs nicht auf die Metallteile donnert, abbricht und das ganze Ding ruiniert, die pingelige Einhaltung der Nahtzugaben, sonst klaffen die Seiten auseinander, und was dergleichen Petitessen mehr sind.
Andererseits sind die Dinger schnell und unangestrengt zuzuschneiden, da sie auf ein Bügelbrett passen, das unvergleichbar praktisch ist, aufgrund seiner Höhe. Im Sitzen kann man nicht zuschneiden, außer vielleicht Masken, da man die teilweise langen Teile von Kleidung z.B. am besten von oben betrachtet- also ist Stehen angesagt, und die meisten Tische sind zu niedrig, um ohne Rückenschmerzen ein Oberteil zuzuschneiden.
Ich vermute mal, Profis mit Nähzimmer haben einen Tisch, der entsprechend höher ist. Ich bin aber froh, dass meine Küchentisch/Sitzbank-Kombi die ideale Höhe zum Nähen hat- und das Nähen selbst ist die Belohnung für den ganzen Schiet vorher, wovon zum Beispiel das Waschen und anschließende Bügeln von mehreren Metern Stoff noch nicht das ätzendste ist (aber ziemlich weit oben auf der Liste). 

Vorher Waschen und Bügeln sollte man immer, da ansonsten die neu genähten Teile in der ersten "richtigen" Wäsche  durchaus fies einlaufen können.
Überhaupt Bügeln. Gut gebügelt ist halb genäht, und das ist so wahr. Glaubt es mir, die ich Bügeln so sehr hasse, dass ich es für Kleidung einfach abgeschafft habe. Wofür hat der liebe Gott sonst die Kleiderbügel erfunden? Da kommen Shirts und so drauf zum Trocknen. Wenn ich sie anziehe und mich im Auto einmal angeschnallt habe, sind sie eh wieder faltig, also was solls. Beim Nähen aber ist es lebenserhaltend und erfolggarantierend, da so eine umgebügelte Stoffkante so bleibt, wie sie ist und nicht einfach zurückklappt, wenn man sie übernähen will. 

Leider hat meine häusliche Ordnung extrem gelitten unter Nähwahn und Klavierüberei. Abgesehen davon, dass ich seit Monaten am Couchtisch esse, weil auf dem Küchentisch die Nähmaschine steht und jeder freie Zentimeter mit Schachteln, Boxen und Stoff bedeckt ist, steht das Bügelbrett jetzt dauerhaft in der Küche, weil es nicht zu weit weg stehen soll- auch, damit ich nicht vergesse, das Eisen abzuschalten, wenn ich aufhöre. Und ja, es steht im Weg. Ausweg wird der Umzug der Näherei in den Ostflügel bieten, den ich am Wochenende in Angriff zu nehmen gedenke. Der Ostflügel ist mein drittes Zimmer, das derzeit genutzt wird, um die Wäschetrockner aufzustellen, Altpapier und ausgemusterte Elektrogeräte sowie Werkzeug und ungenutzte Katzenboxen zu beherbergen, außerdem eine Million Taschen und Schuhe. Es steht auch ein Tisch drin. Der steht blöd, weil in der Ecke an der Wand, aber mal sehen, vielleicht finde ich einen anderen Platz und alles wird gut.
Drückt mir die Daumen. 

Ein Plus: Wer näht, steckt sich nicht an (zumindest nicht mit Grippe oder dem Corona-Virus). 

 

Ein schönes Wochenende wünscht euch

 

DieLily




Montag, 26. Oktober 2020

Nähen...

 ...ist eine Beschäftigung für Leute in Pandemie-Zeiten. Die Tage sind schnell vorbei, und man hat was nützliches. Und zwischendurch kann man mit ein paar Masken durchaus auch Freunde beglücken. 

Wie Masken aussehen, wisst ihr alle, also werd ich davon keine Bilder posten. Das Maskennähen an sich hat mich aber dazu inspiriert, nach anderen Ideen zu suchen, die mit Stoff, Garn und sonstigem Zubehör umzusetzen sind:

Angefangen hat es mit Etuis. Fotos von zweien, die ich besonders schön fand:


Dann kamen Portemonnaies hinzu: Schnittmuster von Pattydoo aus dem Buch "Taschenlieblinge". Das hier mochte ich besonders, es ist aber bereits in festen Händen.


 



Und das hier ist am Wochenende entstanden: Die erste Handtasche.


Donnerstag, 22. Oktober 2020

Und schon wieder ein halbes Jahr älter.

 Wer hätte das gedacht... die Zeit vergeht, oder besser, verrennt- und wirklich nichts ändert sich. Die gleichen kranken Gestalten sorgen für internationalen Gesprächsstoff, ebenso wie damals, als ich den letzten Text für dieses Blog geschrieben habe. Die gleiche Scheißkrankheit macht immer noch ihre Runden, und wird das auch noch für eine Weile tun- lasst uns gemeinsam überlegen, wie man Weihnachten am besten auf der Wiese feiert. Oder es ausfallen lässt.
Meine eh nicht üppigen Hobbies konzentrieren sich weiter mehr auf den häuslichen Bereich. Ich habe mir Nähmaschine und Klavier zugelegt, beides elektrisch, und unternehme damit Dinge gegen den geistigen Verfall und für ein Plus an Kreativität und Produktivität. Das Schreiben geht mir zurzeit nicht so von der Hand wie früher, was auch daran liegt, dass nicht viel Bloggenswertes geschieht.

Klavierspielen macht einen Mordsspaß. Das, was man in 15 Jahren der Mitgliedschaft in Chören und im obligatorischen Musikunterricht an der Schule gelernt hat, verlernt man in der Zwischenzeit keineswegs, und es ist noch sehr präsent. Außerdem hilfreich. Noten lesen, also flüssig, konnte ich noch nie, aber es reicht für die Stücke im Bereich rings um das C', sogar jetzt schon bis in den Bassschlüssel hinein. Ich vermute mal, dass es besser wird; wenn auch langsamer als bei 10jährigen Klavierschülern. Ich bringe es mir selbst bei, mithilfe einiger Bücher und des obligatorischen Czerny, der aber sturzlangweilig ist. 

Beim Nähen ist es so ähnlich. Mama hat ihre erste elektrische Nähmaschine bekommen, als ich in einem beeindruckbaren Alter war, und das was sie damals gelernt hat, hab ich auch gelernt. Mehr durch eine Art Osmose, und auch strikt auf die technische Handhabung beschränkt, aber es nimmt einem die Scheu vor dem Gerät. Im Hinblick auf einige Erzeugnisse wäre etwas mehr Scheu wohl besser gewesen, aber sei es drum. Inzwischen bin ich nicht mehr so schlecht, und vom Maskennähen zur Etui- und Portemonnaie-Fertigung befördert worden. Wenn ihr Fotos wollt, sagt Bescheid, dann kommen welche. Heute dann ist mein Schrank für die Stofflagerung geliefert worden. So zieht eine Investition die andere nach sich...

Den beiden verbliebenen Katzen geht es gut. Der dicke Paul ist weiter gefräßig, und seine Schwester Gretel scheu, aber sie verstehen sich gut und machen wenig Probleme. Paul hatte im letzten Jahr ein paar Wochen sehr schlechte Laune, als man ihm einen kleinen Tumor am Schwanz und eine Warze an der Seite entfernt hatte und er 14 Tage eine Halskrause tragen musste. Er hat kaum fressen können, weil diese Krause immer im Napf ihr eigenes Ding machte, und verließ sich nach zwei Tagen dann auch folgerichtig auf die bewährte Handfütterung durch mich. Es folgte nach Abnahme der Krause eine Spontanheilung, das nachdrückliche Betteln und Angreinen hat er aber beibehalten. Vermutlich weil es funktioniert.

Eine neue Kamera habe ich mir auch zugelegt. Nach mehr als 10 Jahren intensiver Nutzung war die 450 D einfach nicht mehr top in Schuss. Daher musste ein Ersatz her. Der kam im April und ist eine Canon 6 D Mark II, meine erste Vollbildkamera. Macht super Bilder, allerdings auch riesige Dateien.Sie kann auch Videos aufnehmen, damit könnte ich dann theoretisch mich selbst beim Nähen filmen. Oder beim Klavierspielen. Das mag ich euch aber ersparen. Und mir auch :) 

Ich hoffe, dass es wirklich allen von euch gut geht- bleibt gesund. 

Lily


Dienstag, 17. März 2020

Das Leben in Zeiten der Cholera

Verzeihung, das da oben muss natürlich Corona heißen, ein schönes Wort aus einer schönen Sprache, was sowas wie Krone bedeutet.
Als Beamtin im Einsatz einer Behörde, die im weitesten Sinne Versorgungs- und Vermittlungsdienste wahrnimmt, bin ich ein bisschen mitten drin, in der Weiterleitung und der Mobilisierung und der Informationskette. Das ist spannend, weil man soviel unterschiedliche Reaktionen erlebt.

Da gibts die, die ganz unverhohlen und mit Anlauf in die Panik rennen, Ärmchen flatternd und Augen weit aufgerissen- das ist unnötig, und ihr wisst es bzw. ihr wüsstet es, wenn ihr euch die Zeit zum Lesen und Nachdenken nähmt, ihr Leute. Ich hab Verständnis, aber nur sehr begrenzt.

Dann gibts die, die die Johnson-Tour fahren, immer munter die Bevölkerung  durchseuchen, ihr Leute- soweit diese Haltung von Regierenden vertreten wird, hab ich den Verdacht, dass da die Schwächsten bitte gern ins Gras beißen mögen, bitte schnell, und bitte ohne Krankenhausaufenthalt der Geld kostet, danke auch.
Also, dafür habe ich nicht nur kein Verständnis, den Leuten wünsche ich Durchfall und Husten und alle Klos besetzt. Für ein paar Tage.

Die meisten die ich persönlich kenne oder kennen lerne, sind pragmatisch. Sie wollen nicht krank werden, und wenn sie es schon sind, wollen sie nicht, dass andere Leute ebenfalls erkranken. Sie fügen sich in das Unvermeidliche, nehmen sich zurück, und betonen das häusliche Dasein. Sie sind informiert und neigen nicht zu heimlichen Klopapier- und Mehlhalden (Mehl- wtf?)
Das ist absolut oberlangweilig, aber das einzig Intelligente, was derzeit möglich ist.

Unerträglich finde ich die, die sich lustig machen über Menschen, die zB momentan niemanden zur Begrüßung herzen und küssen wollen. Bitte lasst jedem die Möglichkeit, sich soweit zurück zu ziehen, wie er es will.Toleranz, Rücksicht und Nachdenken sind derzeit angesagt.

Just my two cents. And now to something completely different:










Sonntag, 27. Oktober 2019

Schaflos, und schlaflos

Kaum naht die Nacht mit der Gratisstunde, weckt mich um viertel vor fünf der Regen.
Vor einigen Jahren ging hier mal ein Starkregen runter, der den poetischen Namen Ela trug, und der dazu führte, dass das Wasser in solchen Massen in die Lichtschächte des Hauses floss, dass es sich durch die Kellerfenster drückte. Leider konnte man an dem Tag nichts von dem Zeug wieder rausbefördern, weil wir hier mit den Füßen im Wasser leben, der Grundwasserspiegel ist nämlich hoch. Jeder Gang vor die Tür, um zum Beispiel Eimer zu leeren, machte das Problem schlimmer, weil von der Straße zum Haus ein Gefälle ist, und keine Stufe das Haus vor einfach hineinfließendem Wasser schützt. Kann man auch nichts mehr dran ändern. Da ist so ein Alibiabflüsschen vor der Tür.... Aber; Die normale Entwässerung funktionierte ebenfalls nicht, da die hier im Keller wohnende Pumpe, die die Abwässer des Hauses hoch pumpt zur Kanalisation, mit ihrer Fehlersirene zwar die Mieter auf das Problem aufmerksam gemacht hat, dann aber den Dienst quittierte.
 Abgesehen von den Schäden in den Kellern (der anderen Mieter, ich habe keinen Keller) ergab sich daraus ein gewisses Maß an Nachbarschaftskontakt, was nett war.
 Um den Lichtschächten künftige Vollbäder zu ersparen, dachte man zunächst an das Zumauern derselben. Das hätte den Feuchtigkeitsgehalt des Hauses insgesamt eher erhöht, also nahm man davon Abstand und befestigte statt dessen Regenschutz oberhalb der Lichtschutzgitter. Man nahm ein paar Stegplatten und schraubte sie mit Scharnieren an die Hauswand, so dass sie eine schräge Dachkonstruktion über den Schächten bilden. Soweit, so gut.
Seither ist jedoch jeder Regen mit Akustik verbunden, die über liebliches Tröpfeln oder beruhigendes Rauschen weit hinausgeht.
Regen trommelt, pocht, pladdert, platscht, rasselt, donnert, prallt ab. Er knallt auf die Platten, schwallt aus der Dachrinne, tröpfelt auf den Rausfallschutz vor dem Fenster und ist insgesamt sehr angetan von der Vielfalt der verursachbaren Geräusche.
Heute morgen hatte er einen neuen Rhythmus, und ich vermute, er hat es genossen. 30 Sekunden Schwall-aus-der-Dachrinne, zwanzigeinhalb Sekunden prasselndes Direktregnen, 17 Sekunden Stille.
Irritierend.
Ach, und ein Schaf hab ich auch nicht (Laptop im Dunkeln, nur zur Erklärung der Überschrift).

Es hat aufgehört zu regnen, und ich leg mich wieder hin.
Nachti!

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Heute

Heute ist der Internationale Tag der Patentwerkzeuge und Wundergeräte. Angefangen von der Röntgenbrille, die in den sechziger Jahren ein Dasein in den Kleinstanzeigen auf der Rückseite der Fernsehzeitschrift fristete (Der Partyspaß!) bis zur Schere für Blisterverpackungen, billigen Nachbauten renommierter Taschenmesser, garantiert wirksamen Radarmeldern und obskuren Dosenöffnern fällt mir da so einiges ein. Vielen gemein ist eine merkwürdig uniform klingende Sammlung sehr enthusiastischer Bewertungen auf Kommentarseiten und in faksimilierten"Briefen" in der Werbeannonce.
Auch ihr Werdegang ist recht ähnlich von wohlwollender Inempfangnahme (Ha. Was für ein Wort) durch Käuferin oder Beschenkten bis zur Teilentsorgung der letzten noch übrig gebliebenen Bestandteile (der Rest ist abhanden gekommen/abgebrochen/zerbröselt) in der Rumpeslchublade in Keller oder Küche.
Ihrer aller gedenken wir heute. Was wären wir ohne euch?





Reicher, mit weniger Narben versehen und weniger vollgestopften Küchenschubladen. 

Sonntag, 22. September 2019

Gehacktes

Wie ihr schon dem letzten Post entnehmen konntet, wurde das Lily'sche Amazonkonto gehackt. Vermutlich über den Weg der uralten Mailadresse und des ebenso alten, schlichten Passworts, dass sich Mail - und Kaufkonto leider teilten... (dummer Fehler, lasst es am besten sein!)
Im Mailkonto fanden sich auch Versuche, das Groupon - Konto ebenfalls zu knacken, die jedoch gescheitert sind.
Es ist mir bis dato kein Schaden entstanden, da die Mustererkennungen in den Amazon-Sicherheitsroutinen die Bestellungen gestoppt haben, bevor das Ganze Auswirkungen auf mein Bankkonto haben konnte.
Leider zieht sich das Problem hin. Die erste Fehlermeldung hab ich vor fast 14 Tagen abgesondert. Zwischenzeitlich gab es dann mal eine Mail von der Security bei The Big A, da hatten sie nur leider das falsche Problem gelöst, da nicht das Passwort geändert, sondern gleich eine neue Mailadresse von den Hackern eingetragen worden war (hätte ich gewusst, dass man die Mailadresse ändern kann, hätte ich das schon vor Jahren getan- so lernt man dazu). Diese Mail war dann interessanterweise fast unmittelbar nach ihrem Eintreffen auf rätselhafte Weise verschwunden und hat sich nicht mehr wiedergefunden, was mir dann verraten hat, dass da wohl wer am Mailkonto war.
Inzwischen hab ich natürlich das Mailkonto mit einem neuen Passwort gesichert, welchselbiges so lang und abstrus ist, dass ich es aufschreiben musste, aber das gehört sich auch so.
Bei der Hotline hab ich dann heute morgen zum vierten Mal angerufen. Die Dame dort, deren Bronchien leise weinten, klapperte mit ihren Tasten, als hätte sie die aus der Tastatur genommen und schüttele sie in einem Becher herum. Ich hoffe, dass dieser Eindruck getrügt hat, und dass sie tatsächlich mein Problem "eskaliert (...) und denen noch mal eine Mail geschickt hat".
Womit mir nur bleibt, ihr zuzurufen: 
"Eskaliere, oh bronchiengeplagte Maid der Homeoffice-Hotline, eskaliere nach Herzenslust!"

Euch einen schönen Sonntag.
Die Lily

Mittwoch, 18. September 2019

Einzelner Wunsch einer einzelnen Leserin

Ich soll mehr schreiben, hat sie gesagt, und da sag ich doch nicht nein. Wenn mich auch Zweifel überkommen, schau ich mir die Blogosphere so an- allerlei Designblogs, Politblogs, Leute-mit-einem-Ziel-Blogs. Da sticht der meine raus wie ein entzündeter Daumen in einem Heer von manikürten Fingern.
Bin also zurück, zielverwirrt aber methodensicher wie immer.
Es gibt nicht viel Neues zu berichten an der Lilyfront, weil sich nichts tut. Die Gesundheit wird stetig mieser, ohne Grund für tiefgreifendere Verzweiflung außer der Frage, ob das jetzt ungebremst so weiter geht oder sich irgendwann einfach tot läuft. Ha. Wortspiel, unbeabsichtigt.
Negativ ist:
-Mein Amazonaccount wurde gehackt, und ich bin auch noch ein bisschen selbst schuld, wg. Passwortschlichtheit.
-Die Arbeit wird nicht weniger, was unter anderem den deprimierenden Nachrichten über die Strömungen der Innenpolitik und den außer Landes sich abspielenden Entwicklungen zu verdanken ist. Da ich Lebenszeitbeamtin bin, kann ich über den arbeitsplatzerhaltenden Nutzen des letzten Satzes mal locker hinweg sehen und sagen: Ich wäre sehr glücklich, wäre meine Arbeit künftig überflüssig.
-Das britische politische Geschehen verleiht der alten Floskel vom schwarzen britischen Humor einen fiesen Beigeschmack
-Wegen des gehackten Amazonaccounts kann ich nicht an meine fast 700 Bücher in der Cloud des Kindle
-Lese daher gerade diverse alte Agatha Christies, die mich immer wieder ob ihres nonchalanten, gegen Gruppen gerichteten negativen Kommentarverhaltens erschüttert- sprich, für ihr sexistisches und rassistisches Weltbild würde man sie heute mehrfach um den Block jagen, und das mit Recht.
Und der Sexismus ist ganz besonders wüst. Frauen sind da entweder machtgeile Monster, oder hübsche Dummchen oder ambitioniert-törichte Blaustrümpfe, die spätestens auf Seite 170 dann doch wieder einen Retter benötigen. Irgendeine ironische Distanz zu diesen Vorstellungen kann ich nicht entdecken.
Warum ich sie trotzdem lese? Ich brauche was, was mich einschläfert abends, am besten weil ich es schon kenne (und liebe?) und bei dessen Lektüre mich keine spannungsvollen Überraschungen erwarten. Sonst les ich dafür Biografien, aber die Dinger pflegen in Papierform sehr schwer zu sein und nicht leicht im Bett lesbar. Zum Beispiel John C.G. Röhls fantastisch recherchierte Biografie Wilhelms des II. 4500 Seiten. In drei Bänden. Danach kennt man vielleicht nicht seine Schuhgröße, aber sonst alles.
Trotzdem werd ich zu Dorothy Sayers wechseln, vielleicht auch zu Dorothy Dunnett.  Obwohl letztere zu anspruchvoll sind, um sie im Halbschlaf zu lesen. Und das ist doof ohne Kindle. Die Wörterbuchverbindung dabei sind einfach nur toll,  ebenso wie der schnelle Zugriff auf Wikipedia oder das Netz allgemein, wenn man mal was nachschlagen will. Ich tippe auch bei meinen Uraltbüchern gern mal vergeblich auf den Seiten herum und wundere mich, wo der Auszug aus dem Oxford bleibt.
-Ansonsten hab ich seit gestern eine Bindehautentzündung. Nicht cool.
Positiv:
Der Herbst kommt. Beim Discounter gibt es Feinbiberbettwäsche und Fleece-Socken.
Und Spekulatius :-)
Lasst es euch gut gehen.





Freitag, 12. Juli 2019

Let's talk about it

Momentan offenbar komplett unumgänglich für alle, die fürs Schreiben bezahlt werden: Merkels gesundheitliche Auffälligkeit, respektive das sie schüttelnde Zittern.

Meine grundsätzliche Meinung ist dazu: Es geht euch einfach nichts an. Kommt wieder runter. Die Frau ist Mitte sechzig, also raus aus der körperlichen Jugendfrische, und das kann/darf/sollte man auch sehen, denn es ist Augenwischerei, etwas anderes zu erwarten.

Auch steht sie unter hohem Druck, der sich sicherlich auch in physiologischen Gesichtspunkten auswirkt.
Alles gut, also.

Andererseits:
Was macht die Menschen so kirre daran? Warum haben offenbar alle den Eindruck, die Spekulation sei freigegeben, Ende der Schonzeit, sofern Frau Merkel  je eine hatte?
Und warum ist das alles offenbar so nachrichtenwürdig, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen, in Grün?

Krankheiten darf jeder haben, da besteht sicherlich ein Konsens. Aber darf die Umwelt sie bemerken?

Ich schätze, dass die momentane Konfusion auf dieser Frage beruht.

Die gleichen Presseorgane, die im einen Artikel munter krähen, dass es niemanden was angehe, wenn.., schreiben im nächsten schon über die Verpflichtung von Politikern, ihre Gesundheit und medizinisch ermittelten Werte allgemein zugänglich zu machen.
Und das, meine Lieben, das geht gar nicht.
Gesundheit gehört, wie Kontostand und bevorzugte Sexposition, zu den Dingen, die ein jeder schön für sich behalten darf. Kein Arzt sollte sich bemüßigt fühlen, Details ans Licht zu tragen, oder sich auch nur an dieser widerlichen Spekuliererei zu beteiligen. Das ist nicht seine Aufgabe.
Patienten behandeln, Arztgeheimnis wahren, fertig.

Aber woran kann jetzt der besorgte Bürger (und die hämisch lauernde Konkurrenz auf dem Politikparkett) bemerken, dass der einst geliebte König/Präsident/Große Vorsitzende von tobendem Irrsinn besessen ist? Woher wissen wir, dass uns das gewählte Staatsoberhaupt nicht alle mit Ohrgeruch und Lungenfäule ansteckt?

Natürlich wissen wir das nicht. Aber das muss ein Staatsgebilde aushalten.
 In einer Demokratie herrscht nie einer allein. Auch Frau Merkel nicht. (Insofern stimmt auch die Allegorie mit des Königs zwei Körpern nicht- Die Existenz dieses Staates ist nicht an das körperliche Wohlbefinden eines Souveräns geknüpft. )
Angela Merkel hat eine Umgebung, bei der wir alle drauf vertrauen müssen, dass diese sich darum kümmert, sie im Notfall auch zu bremsen oder aus dem Verkehr zu ziehen. Im Notfall. End of story.

Allerdings- und das ist ein lautes Allerdings- finde ich, dass es Zeit wird, dass über manche Dinge weniger geschwiegen wird.
Dazu gehören Erkrankungen wie Depressionen, Krebs, Süchte... chronische Kranheiten im Allgemeinen.
Damit die, die sie haben, wissen, dass sie nicht allein sind. Offenheit und das Darüber-Reden hilft sehr, wie jeder weiß, der schon mal in einer Selbsthilfegruppe war.
Es gehört sich, offen darüber zu reden, was Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung leisten können.
Was sie nicht können, scheint irgendwie jeder zu wissen.
Es gehört sich, darüber zu sprechen, was Krankheiten mit uns machen, wie wir mit ihnen umgehen, wie man diesen Umgang verbessern kann.
Wie man lernen kann, auf sich und seinen Körper und seine Seele Rücksicht zu nehmen, ohne sich zu verpimpeln. Wie man Strategien für Erholung und Erneuerung findet.
Zu wissen, dass jemand, der zB Diabetes hat, als Sportlerin, Politiker, Wissenschaftlerin, Künstler Höchstleistungen erbringt, hilft denen, die am Anfang der Erkrankung stehen, und mutlos zu werden drohen.
Und es müssen auch noch nicht mal immer die Höchstleistungen sein, ein ganz normales, erfülltes, halbwegs zufriedenes Leben zu führen reicht da schon aus.
Die Demographie zeigt derzeit, dass wir alle älter werden, und zwangsläufig auch alle kränker. Da wird es Zeit, eine solche Offenheit zu etablieren.
Freiwillig.

Dienstag, 9. Juli 2019

Allerlei und Kryptonit

Es gibt Dinge, zu denen komme ich wie die sprichwörtliche Jungfrau zum ebenso sprichwörtlichen Kind, obwohl das ja funktionieren soll. Also das mit der Jungfrau.
Wie soll ich das jetzt sagen?
Ich bin jetzt Mitglied.
In einem Verein.
In einem Fußballverein.
Bezirksliga.
Vom ersten mitgeschauten Heimspiel (welche Farben haben "Unsere" noch mal...?) habe ich einen Sonnenbrand zurückbehalten, ein paar Rückenschmerzen vom Herumstehen, und die Erkenntnis, dass es in der oben genannten Spielklasse keine Zeitlupen gibt. Und keinen Videobeweis.
Ansonsten bin ich selbstverständlich ein dummes Schaf.
Da ich unfallfrei mit einer Textverarbeitung umgehen kann, habe ich sofort auch einen Job erhalten, nämlich den der Schriftführung. Das ist der Job, den nie einer haben will. Der, in den man auch gewählt wird, wenn man keine Ahnung hat von dem, was man da protokolliert.
Zu sowas bringt mich ein Mann, den ich aus Gründen der Anonymität mal hier und jetzt als mein Kryptonit bezeichnen will.
Solche Männer hat es nicht oft in meinem Leben gegeben (vielleicht waren sie auch nur nicht hoch genug konzentriert).
Aber Jungfrau hin, Kind her- zum Glück ist es nur eine Schriftführung, keine späte Schwangerschaft.
Und das ist doch schon mal was.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Sommer

...ist über uns hereingebrochen. Letzte Woche habe ich noch das Motto vertreten, dass man im Sommer stricken müsse, um im Winter nicht zu frieren, bin aber derzeit einige Meter von Wolle entfernt. Das ändert sich bestimmt schon bald, weil das meiste auf den Nadeln für andere Leute ist, und die lass ich nur ungern warten,. Es sind auch Babysachen dabei, und die wachsen bekanntlich schnell. Noch ein Grund, munter fürbaß zu schreiten.
Trotzdem schwitzen ich und die Restkatzen ziemlich, wobei man letzteren nicht mal mit einer kühlen Dusche wirklich eine Freude machen kann. Gretchen sieht sehr unglücklich aus im Moment, sie hat auch wieder eine Fass-mich-bloß-nicht-an-Phase. In denen filzt sie heimlich nachts an ihrem Fell herum, und lässt sich dann nicht kämmen. Ziept wahrscheinlich ziemlich. Nach ein paar Tagen fallen ihr die Filzböllerchen von allein aus dem Fell, daher werd ich jetzt lieber nicht hysterisch. Das hilft nämlich so gar nicht.
 Außerdem bin ich ihr zulange im Büro, was ich daran erkenne, dass die Dame auf die Couch pieselt. Besonders ärgerlich, da die Couch noch keine zwei Jahre alt ist. Aber sie tut sowas wirklich nur, wenn meine Arbeitszeiten 10 Stunden am Tag überschreiten, was zum Glück nicht jeden Tag vorkommt.

fig.1: What becomes of a broken heart?
Lasst es euch gut ergehen!

Lily

Montag, 1. April 2019

Theresa May, Bismarck und der Dreißigjährige Krieg




Nun hat Bismarck ja vieles für das heutige Deutschland getan, ich erwähne nur den Hering und die Klatschpresse.
Was man ihm aber beim besten Willen nicht anhängen kann, ist Unsterblichkeit- mal abgesehen davon, dass es nur einen geben kann, yadda yadda yadda, gibt es tatsächlich Augenzeugenberichte von seinem Hinscheiden. Und ein Schwert war nicht dabei.
So ein kleines Konglomerat an Fakten hat jedoch offenbar auf manche Menschen keinen Einfluss. Dieses Phänomen ist bekannt, bezieht sich aber in der Regel auf spektakulärere Ereignisse als das, was man mir mit ein paar dürren Worten am Freitag präsentiert hat:

Bismarck höchstselbst hat dafür gesorgt, dass per Gesetz während des Dreißigjährigen Krieges die deutsche Sprache vereinheitlicht wurde.
Jawoll.
Und warum, fragt sich der heutzutage sprachlich Interessierte, warum ausgerechnet während des Dreißigjährigen Krieges?
Vermutlich hat er aus dem Brexit gelernt, und die Chance genutzt, dass allerlei Volk in dieser Zeit anderweitig beschäftigt war (mit Seuchen und so), um mal fix Bayern, Bremer und Berliner unter einen sprachlichen Hut zu quetschen.
Grüße auch an Dr. Who und die Tardis.

Freitag, 7. Dezember 2018

Elf Uhr

Elf Uhr am 7.12.2018. Ich bin 55 Jahre alt und werde bald 56. Kein Emoji glotzt großäugig genug, um meine Verblüffung über solche Fakten angemessen wiederzugeben. Mal abgesehen von dem bösen Satz, der mir jeden Morgen durch den Kopf schießt: Wenn du über vierzig bist, morgens aufwachst und nichts tut weh, dann bist du tot.
Aus meiner Vergangenheit weiß ich, dass ich, bei meiner zweiten Scheidung mit Mitte dreißig, das Gefühl hatte, das Leben sei nun vorbei. Das Gefühl hat mich nie verlassen- kurze vier Jahre später bin ich dann an diesem Sch...Diabetes erkrankt und in der Folge nie wirklich aus dieser Endzeitstimmung rausgekommen. Fakten sind bei solcher Voreinstellung zweitrangig- egal, was die Statistik sagt.
 Viele Dinge fange ich nicht an, wegen dieses "Das lohnt sich eh nicht"-Gefühls. Daher gibt es wenig Pläne, die mir einen Blick in eine mögliche Zukunft weisen. Ehrgeiz, Reiselust, Buchschreibepläne, Perspektiven allgemeiner und besonderer Art, diese Dinge liegen alle in einem nicht sehr leicht erreichbaren hinteren Lagerraum.
Aber ich gebe nicht auf.


Mittwoch, 24. Oktober 2018

Was man tut und wo man steht

Refrain eines Lieds von van Veen, der so weitergeht:
...wie man's wendet, wie man's dreht, eins ist klar, das Leben geht so oder so vorbei...

Das tut es, zweifelsohne. Dass ich derzeit morgens immer meinen Nachrichtenfeed anschmeiße um zu schauen, welches Stück Welt über Nacht irgendwelchen Vollpfosten in die Hände gefallen ist, erweckt Erinnerungen an die Zeit vor dem Ende des Kalten Krieges (oder war es nur ein sehr kühler Waffenstillstand?)
Mich jünger zu  fühlen ist leider nicht die Konsequenz dieses  Deja-vus.

Montag, 22. Oktober 2018

Seit Wochen

warte ich auf Regen. Nicht, weil meine Felder Regen brauchen (hätte ich welche, bräuchten sie aber), sondern weil neben atemberaubend bunten Bäumen vor blauem Himmel auch das kühle, feuchte Herbstwetter auf meine innere Uhr gehört. Ich steh halt auf Jahreszeiten. Für den Herbst war es zu warm, zu trocken ist es seit Monaten, und das gefällt mir nicht.
Am Samstag dann kündigte meine Wetterapp Regen an, supi.
Ich fand es so lang supi, bis mir gegen Mittag der Fensterheber vorn links am Auto kaputt ging.
Fassen wir zusammen: Seit Monaten ist es zu trocken. Drei Tage Regen kündigen sich an, und meinem Auto fehlt eine Scheibe.
Irgendwie bezeichnend.

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Zwanzig, fünfzig, hundert... uncountable

Als ich meine ersten Bücher in das neue Regal stellte, damals, kurz nach den Kartoffelkriegen, da waren es zwanzig, und ich war.so.stolz. 
Kurze Zeit später waren es fünfzig, und mit meinem Kommuniongeld stockte ich auf hundert auf. Wow, hundert Bücher. 
Für eine Neunjährige vermutlich wirklich recht viele- aber leider, leider hatte das damit noch längst kein Ende gefunden. 
Derzeit stehen bei mir fünf Regale, und die Bücher teils dreireihig. Vor einem Jahr oder so habe ich angefangen auszumisten, weil mich die unruhigen Wände, die immer unaufgeräumt aussehenden Sammlungen echt genervt haben. Selbstverständlich hat dieser fromme Ansatz mich auch nicht weiter gebracht, und die letzte, halbvolle Tasche steht immer noch in irgendeiner Ecke. 
Ebenso selbstverständlich braucht man gar nicht versuchen, die aussortierten Bücher irgendwo anders als im Altpapier unterzubringen- kein Mensch mag einem alte Bücher abnehmen, nicht mal geschenkt. Verkaufen geht schon mal gar nicht- unter meinen Exemplaren ist keine Gutenberg-Bibel.
Also wird das Wochenende mich vor meinen Regalen finden. Mit Kisten, Taschen und Körben daneben, und mit dem festen Willen, mindestens zwei Regale anschließend leer zu haben, auf das auch diese entsorgt werden können. 
Am letzten Wochenende hab ich das mit Kleidern gemacht. Sehr erfolgreich- jetzt passt alles in den Schrank, und nichts muss mehr den Kleiderständer bewohnen, der als nächstes weg kommt. 
In meinem Schlafzimmer ist jetzt ein Echo, an das ich mich noch gewöhnen muss. 
Es muss doch Ordnung in diese Bude zu kriegen sein... 



Montag, 10. September 2018

Welten, Andere

Es gibt für mich Autoren, deren Schreiben mich in ihre Welt hineinziehen. Sie sind lebendig, warm und farbig, man kann sie riechen, schmecken und man hört sie auch.
In ihnen gewinnen Kleider eine Haptik, Straßenlärm schwillt an und ab, und wenn man genau hinsieht, krabbelt da vorn eine Ameise über den Schuh.
Eine solche Autorin ist (für mich) Laurie R. King, die die Krimis der Mary-Russell-Reihe schreibt, sowie noch eine zeitgenössisch angesiedelte, deren Handlungsschwerpunkt in San Francisco liegt, außerdem einzelne Stand alones.
Natürlich gibts auch unter diesen sehr geliebten Büchern noch die Lieblingsstücke, The Folly, Oh Jerusalem, The Game und A Grave Talent. Auch auf Deutsch sehr, sehr lesenswert (Insel der flüsternden Stimmen, Oh Jerusalem, Die Farben des Todes- ich bin mir nicht sicher, ob The Game auf Deutsch erschienen ist).
Ansonsten hab ich gerade nur schwere Kost auf dem Kindle. Die dreiteilige Wilhelm II-Biografie von Röhl, und Churchills Erinnerungen an den 2. Weltkrieg, massive fünf Bände. Aber zum Glück gibts die E-Book-Version. Dann sind die Verletzungen nicht so schlimm, die man davon trägt, wenn einem beim Einschlafen das Buch auf die Nase fällt.
Und ihr so?