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Mittwoch, 9. April 2008

Ach, und...

...Blogger als solche fühlen sich um so geliebter, je mehr sie kommentiert werden. Also, bitte.
Anstatt Schokolade.
Macht auch nicht so dick, und ich muss niemandem je wieder ein Stück von meinem Hintern anbieten. Igitt auch.
:-)

Lily

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Schon wieder Computer.



Ich habe geprasst. Tatsächlich geprasst, und komme mir irgendwie doch ganz verworfen vor, weil demnächst die Kohle ziemlich knapp werden wird (mein Sohn wird 27- und jeder, der studierende Kinder hat, weiß, was das heißt).
Ich habe mir für 80 € einen neuen Drucker gekauft, das war überfällig. Der alte hat einen Regenguss nicht überlebt (nein, er stand nicht draußen, es hat reingeregnet).

Es fing alles ganz harmlos an- am Montag Mittag bin ich losgezogen, um ein neues Patch-Kabel für die Verbindung zwischen Router und Modem zu besorgen. Es bietet sich an, so etwas in Reserve zu haben. Wie ich nämlich bei näherer Betrachtung des alten Kabels gesehen habe, sind da Löcher drin, die NICHT von meinen Zähnen stammen.
Es steht also zu befürchten, dass auch das neue Kabel über kurz oder lang von dieser Plage (Lochfraß??) befallen werden wird. Ich werde euch die Kosten für das Kabel vom Futter abziehen, Jungs, das neue war nämlich teuer.

Elektro-Märkte (und Baumärkte) setzen in mir merkwürdig konsumorientiertes Verhalten frei. Ich muss dann was kaufen. Es ist beinahe egal, was.
Auf dem Weg zu den Computerkabeln im Elektro-Markt meines Vertrauens muss man an diversen Geräten vorbei. Ich konnte den Sandwichtoastern, den Digitalkameras und den Handys geschickt ausweichen- so was hab ich schon, da brauch ich auch nichts neues. Den Plasmafernseher kann ich mir nicht leisten, und einen zweietagigen Kühlschrank in psychedelischen Farben will ich nicht.
Aber dann.
Dann standen da Drucker aus aller Herren Länder (Ländern? Egal. Von überall. Ihr wisst schon.) Das nächste, was ich weiß, war, dass ich an der Kasse stand, vor mir der Druckerkarton (schwer, das Teil) und in der schweißigen Hand das Patchkabel und ein Päckchen Fotopapier in Weihnachtspostkartengröße.

Mit Ach und Krach hab ich das Gerät ins Auto gehievt- der Laden ist nicht weit entfernt von meinem Büro, und wenn ich dahin will, geh ich zu Fuß (das reduziert auch die Wahrscheinlichkeit, einen zwei Meter hohen Kühlschrank mitzunehmen, weil er im Angebot ist.) Der Rückweg ist immer länger als der Hinweg, merkwürdigerweise- also hatte ich lange Arme, als ich auf dem Betriebsparkplatz ankam.

Den Rest des Tages habe ich in einem Rausch verbracht, und weiß nicht mehr so recht, ob ich etwas Sinnvolles geschafft habe. Dann, dann… war endlich- Feierabend.

Ab nach Hause. Die Kofferraum-Innenbeleuchtung gab ihren Blick frei auf die technischen Angaben, die auf der Unterseite des Kartons standen- Angaben zu Material, Volumen, und Berstgrenzen. Berstgrenzen? Jep. Technische Details des Kartons. Im Ernst. Es hat mich doch beruhigt, dass er aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt ist. Man ist ja nicht gern ein Öko-Schwein. Nicht wahr?

Rein in die Wohnung, die Katzen gefüttert und die Kiste aufgemacht.

Wow. Schönes Teil.

Mehrere Kilo Handbuch entpuppen sich laut Aufschrift als „Kurzreferenz“. Aha. Aber in siebzehn lebenden und zwei oder drei ausgestorbenen Sprachen- da bin ich ja beruhigt.

Das eher zähe Klebeband äußert sich nicht dazu, ob es von makrobiotisch angebauten Klebebandbäumen stammt. Aber sei’s drum.

Eine bebilderte Aufbauanleitung hat mir gezeigt, wie ich die 5 Farbpatronen, den Druckkopf und diverse andere Teile anbringe. Hab alles einmal fallen lassen (nicht den Drucker…), aber dann stand das Gerät in voller Pracht auf der Arbeitsplatte in der Küche.

Um es richtig in Betrieb zu nehmen, braucht man natürlich einen Computer.

Der steht im Arbeitszimmer, da, wo er auch hingehört.

Ein heimeliges Plätzchen für den Drucker war schnell gefunden, und die Installations-CD in das dazu passende Laufwerk eingelegt.

Die Software bietet die übliche Auswahl „einfache Installation“ und die benutzergesteuerte Variante. „Einfach“ muss reichen, beschloss ich, und hab mich in der Folge durch bunte Menüs geklickt, Lizenzvereinbarungen en masse zugestimmt… alles in fröhlicher Laune.

Dann kam der Moment, der von mir den konkreten Anschluss des Druckers an meinen Rechenknecht verlangte.

Ein USB-Kabel wird benötigt.

Kein Problem, denkt die Besitzerin einer ganzen, großen Plastikkiste voller Kabel, du hast so was ja in rauen Mengen im Vorrat- von WebCam, Handy, PDA, Multi-Kartenleser, WLAN-Antenne, sowie diversen, inzwischen dahingeschiedenen Peripherie-Teilen.

Ein bisschen irritiert hat mich zwar, dass die Anschlussbuchse an der Front des Druckers angebracht war, und dass man ein Kläppchen offen lassen musste, um die Verbindung Rechner-Drucker bestehen zu lassen, aber ich war guten Mutes. Zwar hatte mich gefreut, dass die ganze Druckkiste ziemlich staubsicher und vor allem potenziell Katzenhaar-frei zu verschließen war, aber es gibt halt Prioritäten, gell?
Da zieht man halt das Kabel ab, wenn der Drucker nicht gebraucht wird.

Dummerweise fand ich dann kein Kabel, das mit dem einen Ende in den Port an der Druckerfront und mit dem anderen an den einzigen noch freien Anschluss am Rechner gepasst hätte.

Mein Rechner ist alt, die Front-USB-Ports sind nicht angeschlossen (das war mir immer zu fummelig), und ergo gibt’s nur zwei Ports, die wirklich zur freien Verfügung stehen.

Shit. Das Kabel, das ich zum Anschluss verwenden wollte, ist ein USB-Verlängerungskabel.
Kartenleser, Handy und Kamera haben alle Mini- bzw. Micro- A- Stecker der Sorte "passt nicht".

Webcam und WLAN-Antennenkabel sind entweder fest mit dem Gerät verbunden oder sonst wie verkehrt.

Shit. Shit. Shit.

Eine genauere Analyse des Gerätegehäuses zeigt auf der Rückseite noch einen Port. Von der Spezifikation „Hab ich doch auch schon mal irgendwo gesehen“.

Aha. Das Front-Teil dient wohl dazu, einen Kartenleser anzuschließen.

Eine nette Option, aber im Moment nicht das, was mir weiterhilft.

Ein Blick in das bunte Aufbau-Faltblatt erklärt mir, dass ein USB-Kabel gebraucht wird. Überraschung!

Ein Blick in die Kurzreferenz zeigt… nichts.
Keine Angabe zu den Schnittstellen.

Also den Karton aus den Klauen der Katzen gerissen (das ist wörtlich gemeint. Karlchen hatte schon angefangen, ihn zu zernagen).

Die Angaben zum Stammbaum des Kartons auf dessen Unterseite (s. o.) haben mich durchaus positiv eingestimmt auf das, was ich nun auf der Kiste zu lesen zu bekommen erwartete.

Ich nahm ihn hoch, hielt ihn ins Licht (man sieht schon nicht mehr soo gut mit Mitte 40), drehte und wendete ihn und fand- nichts.


Das war dann der Moment, in dem ich irgendwen brauchte, um ihn möglichst farbig zu beschimpfen.

Warum, um alles in der Welt, steht auf dem Karton zwar, wie viel Kilos man damit befördern kann, und dass er aus Jute ist oder so, aber nicht, mit welcher Art Kabel man den Drucker, der drin ist, anschließt?

Ich fand in 6- oder 7-Punkt-Schrift (!!!) eine Liste der erforderlichen Hardware und Software. Speicherplatzbedarf der mitgelieferten Software. Art des Prozessors, Mindestrechenleistung, all solche netten Details. Natürlich in kaum lesbarer Tabellenform und sämtlichen europäischen Sprachen, aber dennoch. Eine Liste.

Anschließend hab ich versucht, in der halb fertigen Installation der Software irgendwelche Angaben zu finden über die USB-Kabel-Variante, die hier benötigt wird. Da noch keine Icons für die einzelnen Programme erstellt worden waren (zur Erinnerung: Die Installation konnte mangels Anschlussmöglichkeit des Druckers an den Rechner nicht beendet werden) hab ich online über einen auf der CD enthaltenen Link versucht, an die Angaben zu kommen.

Wohlgemerkt: Ich konnte die Schnittstelle am Drucker sehen. Und ich habe auch schon solche USB-Anschlüsse an Kabeln gesehen, aber ich wusste einfach nicht, wie die Dinger heißen, also welche spezielle Art Anschluss (ich glaube, es gibt 5 oder sechs unterschiedliche Arten) das ist.

Es ist immer sehr von Vorteil, wenn man im Laden sagen kann, man will die Süd-NRW-Variante haben, genau die, mit Dortmunder Anschlussstück und Iserlohner Adapter.
Und nicht einfach: „Das Kabel da!“ Im Zweifel kann man damit böse Überraschungen erleben.

Der in der Software aufscheinende Link brachte mich auf die japanische Seite des Herstellers, und zu einem Mittelklasse-Wutanfall. Die europäische Seite enthielt KEINE Angaben.

Danach beschloss ich dann, ins Auto zu steigen, und die 7 Kilometer durch den Feierabendverkehr zu fahren, um zähneknirschend den Elektromarkt noch einmal aufzusuchen.

Dort habe ich mir dann die Kartons die da noch gestapelt standen, angeschaut (das Licht ist da erheblich besser).
Ganz oben in einer seitlichen Ecke des Kartons ist ein Logo, auf dem steht „USB“ (Logo-Größe ca. 8x8 Millimeter), verschlungen und eingebaut in dieses Logo ist in ungefähr 5 Punkt Pica in einer hellen Farbe (ich glaub, gelb) der Schriftzug „High-Speed-USB“ enthalten. Selbst unter den ultrahellen Lampen in dem Laden für mich kaum zu erkennen, zu Haus schon mal gar nicht- und warum so versteckt?
Ist das ein Versuch der Drucker-Hersteller, die Kunden noch mal ins Geschäft zu kriegen? Ist doch nicht ihr Geschäft.
Ist das ein Versuch, die Kabelindustrie mittels möglichst vieler Fehlkäufe anzukurbeln?
Egal, wie die Motive sind, ich bin dann weiter zum Kabelverkauf, habe mir das passende Ding rausgesucht, und bin zur Kasse.

Klar, ich hätte auch gleich fragen können.
Und es ist mir auch bewusst, dass
A) die meisten Druckerschnittstellen heutzutage USB sind.
B) ist mir klar, dass es da verschiedene Anschlüsse gibt.
C) weiß ich auch, dass die Verbindungskabel heute nicht mehr unbedingt beiliegen, wenn man Peripherie kauft.

Aber was ist eigentlich dagegen einzuwenden, neben dem Berstdruck der Kartons auch die verlangte Kabelvariante auf die Kiste zu drucken? Lesbar, vorzugsweise auf der Oberseite der Verpackung, und so, dass auch Leute, die so was das erste Mal kaufen, daran denken, dass sie noch ein Kabel brauchen? Und welches?
Das wäre doch mal ein Regelungsfeld für die EU-Bürokraten.


Übrigens: Er druckt toll. Die beiliegende Software ist sehr intuitiv, und für den Alltagsgebrauch wirklich geeignet. Nichts für wirkliche Design- und Fotofreaks, aber für Leute wie mich gerade richtig. Er ist schnell, er ist leise, und im Unterschied zu meinem alten HP muss nicht gleich ein Haus verkauft werden, wenn die Kartuschen fällig werden. Duplexdruck ist an Bord, CDs und DVDs kann man ebenfalls damit bunt machen. Alles wie aus dem Bilderbuch.
Das man damit bestimmt auch ausdrucken kann.

Viel Glück beim Weihnachtseinkauf- und immer an die Kabel denken!


Lily

Sonntag, 4. November 2007

Ruhe, oder: Get me that text book ASAP

Hier herrscht Schweigen, abgesehen von den tobenden Vierbeinern. Die sind schon gestern Abend auf irgendwelchen bewegungsfördenden Drogen gewesen, haben mir aber nichts abgegeben.
Nicht, dass ich sie gefragt hätte.
Vor mir liegt eine halbe Arbeitswoche, hinter mir auch, und ansonsten gibt es Tage zu Hause.
Das spannendste daran ist die Frage, ob die Sonne morgens aufgeht oder ob sie so drauf ist wie ich, und es der Einfachheit halber sein lässt.
Soeben hab ich den Titel von "Schweigen" in "Ruhe" geändert, aus stilistischen Gründen.
Aber Ruhe ist hier nicht.
Grabesstille kann man es auch nicht nennen, denn dafür ist das Viehzeug zu laut.
Aus unerfindlichen Gründen scheinen sie erheblich aggressiver zu sein als sonst, und ich bin so gedämpft wie schon seit Monaten nicht mehr.
Schweigen ist schon der richtige Ausdruck. Denn es redet hier niemand, und der obligatorische Winamp-Soundtrack, der dazu vor sich hin dudelt, ändert nichts an dem etwas stumpfen Gesamtbild.
Den gestrigen Tag hab ich im großen und ganzen vor Bildröhren verbracht, der von diesem alten Rechnermöhrchen und der des sogar noch älteren Fernsehers. Es wäre zu einfach, das auf den November zu schieben. Auch die Etikettierung als schlichte Faulheit ist nicht richtig, denn wenn ich faul bin, genieße ich, dass ich nichts tu.
Obendrauf gab es dann noch Schwierigkeiten damit, weniger zu essen- aber es ist wohl nicht zu erwarten, dass die merkwürdigen Gewohnheiten aus Jahren sich in drei Tagen erledigt haben. Im Gegensatz zu sonst bin ich aber nur mit zuckerfreien Müsliriegeln durchgedreht, und mit Vollkornknäcke, und nicht mit Schokolade und vollfettem Käse. Ist das schon mal was?
Vermutlich wollte ich einfach wieder zuviel auf einmal.
Wochenenden sind aber sowieso schwierig für mich, meist warte ich nur, dass sie vorbei gehen. Und wenn ich was vorhabe, bin ich hin und her gerissen zwischen Freude darauf (naja, kommt schon drauf an, was es ist) und vorsorglicher Genervtheit, weil die Freizeit zu kurz kommt.
Wobei die Freizeit, wie gesagt, meist ein grauer Film ist, der dicht vor meinen Augen abläuft.
Ein Leben zu haben wäre eine prima Sache. Wenn man sich dann dazu aufraffen könnte, auch hinzugehen.
Eine frühere Therapeutin hat mich mal davor gewarnt, Drehbücher für mein Leben zu verfassen- die würden mich daran hindern, mitzukriegen, was wirklich passiert. Woran sie nicht gedacht hat, dass nichts passieren könnte. Drehbücher sind aber vielleicht etwas, was Farbe in den grauen Film bringen würde?! Andererseits kenn ich mich gut genug. Sobald mir irgendwer, und sei es ich selbst, sagt, was ich zu tun habe, streike ich. Schlimmer als die Lokführer, weil Güter- und Fernverkehr nicht ausgeschlossen sind, und weil kein Landesarbeitsgericht in Sonstwo mir irgendein Streikverbot erteilt.
Herrgott, wie ich das hasse, wenn ich so drauf bin. Ich wünschte, ich hätte in Physik besser aufgepasst, als es um träge Massen, schiefe Ebenen und die Hebelgesetze ging. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Otto Waalkes. Für "Je länger das sssst, desto lauter das Bumms". Ohne ihn hätte ich die schiefen Ebenen vermutlich nie so lustig gefunden :-)
Aber an der Sache mit der Trägheit der Massen ist bestimmt was dran, wenn ich auch die Schwierigkeiten, mich in Bewegung zu setzen, nicht in eine Gleichung packen kann. Und den Punkt für den Hebel hab ich schon so oft gefunden, dass ich mich selbst ankotze. Das hat immer nur neue Baustellen hinterlassen.
Ich frag mich nur, an welchem Punkt meines Lebens ich die Abzweigung verpasst habe, die Ausfahrt zu einem Ziel. Welches Ziel das gewesen wäre. Und wie mein Leben dann aussähe.
Natürlich hätte ich damals, als mein Ex beschloss, dass er dringend eine beste Freundin brauchte, einfach so weitermachen können und die ganze Geschichte ignorieren, aber eine ernsthafte Alternative war das nie. Ich mag nicht teilen. Und ich mag nicht, wenn mein Partner außerhalb unserer Beziehung mit anderen Frauen über mich spricht, Gespräche über ein Geburtstagsgeschenk oder sowas selbstverständlich ausgenommen :-)
Diese Ehe ist schon lange Geschichte, seit beinahe 10 Jahren, und es hat anschließend noch jede Menge anderer Beziehungen gegeben, darunter sogar eine mit dem Potenzial zu mehr- fand ich. Deshalb hab ich mich angestrengt. Großer Fehler! Ich wusste von Anfang an, dass er anderweitig verheiratet ist, mit einem relativ jungen Kind, und es sollte auch nicht mehr werden als eine Freizeitbeschäftigung. Aber in ziemlich kurzer Zeit war ich hin und weg. Ein wirklich liebenswerter Mensch (Realität, wie seine Doppelexistenz, mal ausgeklammert). Und prompt war ich in Konkurrenz zu einer Frau, die ich zu Anfang gar nicht, und dann nur vom Sehen kannte. Die ich nicht im Geringsten sympathisch fand (das tut aber kaum jemand, der sie kennt. Da stellt sich mir heute die Frage: Warum hat dieser (ach, so liebenswerte) Mann diese Frau geheiratet? War sie mal anders? Und wenn ja, was hat sie so verändert? Ein Schelm, der übles dabei denkt). Dazu kam die Tochter, die inzwischen vier Jahre alt sein müsste, also vor einem knappen Jahr noch wirklich klein war. Ein nettes Kind, und eines, dass sehr an seinem Papa hängt/hing. Was mir im Nu erlaubte, seine Gründe für sein Festhalten an seiner Ehe zu akzeptieren. Die Tochter. Bitte nicht weitersagen: Es ist sogar mir bekannt, dass es alleinerziehende Väter gibt. Dass es Regelungen bezüglich des Umgangs gibt. Dass eine Trennung der Eltern nicht zwangsläufig bedeutet, dass auch die Wege von Vater und Kind sich trennen. Ich habe mir sogar verkniffen, darauf hinzuweisen, dass der Mann, bei dem wir uns kennengelernt haben, erfolgreich um das Sorgerecht für seine Tochter gekämpft hat.
Wiedemauchsei: Ich hab ihm geglaubt, glauben wollen, dass er ja gehen würde, wenn, ja, wenn.
Ich hab akzeptiert, dass es Tage gab, an denen er nur körperlich anwesend war, und deutlich leere Augen auf anderweitige innere Beschäftigung hinwies. An denen er Verabredungen absagte. Ich hab zu Hause gesessen und gewartet, auf Mails, sms, Anrufe. Habe Freunde vernachlässigt, um auf dem Sprung sein zu können, alles stehen und liegen gelassen, um irgendwo aufzutauchen und mit ihm was zu unternehmen. Er ist selbständig, und ich habe ein knappes Jahr lang meine Freizeit und jede Menge Urlaubstage dafür verwendet, ihm bei seiner Arbeit zu helfen (die mir wirklich Spaß gemacht hat, das sei hier mal angemerkt).
Naja, lange Zeit war das in Ordnung, und kein Opfer. Lange Zeit hatte ich ein aufmerksames und liebevolles Gegenüber, wenn auch vielleicht nicht so oft, wie ich es mir gewünscht habe.
Und dann. Und dann... Dann weiß ich eigentlich auch nicht so recht, was passiert ist. Plötzlich war da nur noch der indifferente Gesichtsausdruck von jemandem, der nicht DA ist.
Zu Weihnachten im letzten Jahr, gleichzeitig Jahrestag, kam ein Riesenberg Geschenke, und ich fühlte mich plötzlich - bezahlt. Wofür, darüber wollte ich nicht nachdenken.
Es hatte da ein Versprechen gegeben, dass jeder von uns es dem anderen sagt, wenn es vorbei ist. Von ihm kam jedoch keine Äußerung in dieser Richtung. Und bei mir wuchs ein übles Gefühl, das ich nicht niederkämpfen konnte. Ich hatte den Eindruck, dass er mir aus dem Weg ging. Plötzlich war da keine Zeit mehr, nicht die geringste, und wenn wir uns sahen, waren jede Menge anderer Leute dabei. Plötzlich waren auch die Leute, die von uns wussten, ein Grund, dieses Verhältnis zu verbergen. Ich hatte ganz entschieden das Gefühl, dass da jemand anderes war. Nun ja, wenn jemand seine Frau betrügt, warum nicht auch seine Freundin...
Nach ein paar Tagen ungerechtfertigter und, was mich betrifft, ziemlich zerstörerischer Funkstille gab es dann eine Verabredung- und dazu ist er einfach nicht erschienen. Ohne Absage, ohne auch nur die kleinste Entschuldigung, nicht mal am nächsten Tag oder so. Da reichte es sogar mir, und ich habe das Thema angesprochen und eine ziemlich saure sms abgeschickt. Daraufhin kam dann von ihm eine E-Mail, des Inhalts, ich hätte ja soo recht, und was besseres als ihn verdient. Was mich richtig wütend gemacht hat, war seine Versicherung, er würde mich lieben bis ans Ende seines Lebens *hüstel* ich mag ja in mancher Hinsicht naiv sein- aber ich lass mich ungern verarschen.

An guten Tagen kann ich drüber lachen. So unbeabsichtigt kann man eine Beziehung beenden, per sms- die eigentlich nur als Diskussionsgrundlage gedacht war.
Die Alternative, Augen zu und durch, stellt sich mir nicht einmal mehr im Nachhinein.
Es folgte kein Jahr der Depressionen, wie nach dem Ende meiner Ehe. Dafür war das ganze zu belanglos in der Rückschau. Aber drei Tage lang hab ich dann doch im Dunkeln gesessen und geheult.
Was ich draus gelernt habe? Dass ich lange die Zähne zusammenbeiße. Wenns mir dann aber reicht, dann reichts.
Was ich daraus hätte lernen können? Dass es nichts bringt, die Zähne zusammenzubeißen, das sorgt nur für Zahnschmerzen. Sondern dass Probleme zügig angesprochen werden sollten, sonst verliert man das Recht dazu- der andere weiß eventuell nicht mal mehr, worum es eigentlich geht und über welchen Anlass man sich aufregt. Auf der anderen Seite muss man schon darauf achten, dass man nicht aus Mücken die sprichwörtlichen Elefanten macht, denn manchmal ist man ja einfach selbst schlecht drauf.
Ist ja auch egal, was ich draus hätte lernen sollen. Ich habs nicht gelernt, da bin ich mir sicher.
Dazu passt, was Gary Moore gerade singt: And I still got the blues.
Schönen Sonntag noch.