Donnerstag, 14. Juni 2012

Neues aus Lilyhausen

Urlaub...

ist da, wo ich gerade bin. Also zu Hause... Aber ich war tatsächlich unterwegs. Habe für fünf Tage meinen mir liebsten Menschen besucht, den Menschen, der mir in den vergangenen drei Jahren durch manche Misere, den ein oder anderen suicidal Sunday und dröge Durststrecken geholfen hat. Ohne diesen Menschen wäre ich nicht da, wo ich bin, und ich wäre nicht die, die ich bin- Grund genug, dankbar zu sein. Eins hat mich diese Freundschaft gelehrt: Freunde, auch besonders gute Freunde, kann man überall finden. Hauptsache, man lässt es zu.


Das Wetter ist schlecht, Schönes gibt es aber trotzdem zu sehen, wenn man mal die Augen aufmacht:








Manches leuchtet sogar:






...und ein paar Katzenfotos müssen sein. Das versteht ihr doch sicher.



Sie hat den weichsten Pelz, den ich je bei einer Katze gefühlt habe.


...und er hier ist einer der ausdauerndsten Schläfer unter den Feliden. Das ist übrigens Leo, der Streuner- ab und zu besucht er seinen Adoptiv-Dosenöffner und verschläft dann alle seine Mäusemöglichkeiten. Nach dem Fressen, versteht sich.

Meine Katzen haben die fünf Tage ohne mich überlebt. Mein Sohn war hier zum Katzensitting, leider haben sich die Vier bereits daran gewöhnt, dass ich allein hier wohne, und haben ein wenig übelgenommen, dass dem mal nicht so war. Der eh schon schmale Eddie hat kaum gefuttert und war klapperdürr, als ich wiederkam, so dass man sie Knochen direkt unterm Fell fühlen konnte- abgesehen davon weicht er nicht von meiner Seite.
Zuerst allerdings war man mehrheitlich beleidigt, und sprach nicht mit mir. Kein Echo auf meine Begrüßung, nur Emily kam und hat nachgeschaut, was da mit soviel Wums auf dem Boden aufgeprallt war (mein Gepäck- lächerlich viel für fünf Tage, obwohl ich nur drei Paar Schuhe mitgenommen hatte). Da Emily taub ist, hat sie vermutlich von der Versteck-Verschwörung der Katerbande nichts mitbekommen, und sich offenbar gefreut, mich zu sehen. Jedenfalls krächzte sie mich munter an. Sie hat auch gefuttert, ebenso wie Paul. Karl allerdings hat ein paar Gramm verloren, was ihm nicht schadet, denn er hat eine ganz nette Wampe bekommen und beunruhigende Ähnlichkeit mit einem Corgie. Da er sich unter lauten "Yak, Yak"-Rufen durch die Gegend bewegt, könnte man ihn ohnehin für einen Hund halten- zum Glück muss man mit ihm nicht raus.

Und damit ihr die Sonne nicht ganz vergesst, noch ein Blumenbild:



Das wars für heute- ich wünsch euch noch einen schönen Tag :-)

Liebe Grüße

vonne Lily.

Samstag, 26. Mai 2012

Hallo? Ist da noch wer?



Entschuldigt, liebe Leute, dass ich euch so vernachlässigt habe- es herrscht momentan jedoch ein erstaunliches Defizit an blogbaren Erlebnissen. Es gab Zeiten, in denen ich dann trotzdem geschrieben habe... momentan ist das aber keine Option, weil alles, was ich zu schreiben versuche, einfach nur langweilig wird.
Ein paar Fakten sollen aber trotzdem verbreitet werden. Mein neues Auto, auf das ich besonders, besonders und noch mal besonders stolz bin, ist ein echtes Altertümchen. Noch ein paar Jahre, und ich kann ein H-Kennzeichen dran machen. Ein Golf II, Baujahr 1991, in ganz hervorragendem Zustand, ist seit neuestem mein Eigentum. Sie heißt Mimi Golf, oder auch Mimi, die Silberfee, und ich liebe sie gar sehr. Von der Antenne ( elektrisch!!) bis zur Zentralverriegelung funktioniert einfach alles an der Kleinen, und sie ist der flottesten Eine, mit immerhin jugendlichen 84 PS und einem sehr frischen Eau de TÜV. Neue Bremsen, neuer Riemen (mit Zähnen oder so), und ein nagelneues Nummernschild, ganz auf meine Initialen zugeschnitten. Ich genieße jeden Meter, den sie mich trägt, und habe schon immerhin 7 Bilder damit in mein neues Büro geschleppt.

Denn das ist auch neu: Meine Dienststelle ist umgezogen, und endlich aus einer unsäglichen Mansardenkammer in schöne, großzügige und helle Räume umquartiert worden. Vier Meter hohe Decken, weißlackierte Einbau-Aktenschränke, Sprossenfenster und allerlei mehr, was man sich in einem denkmalgeschützten Altbau alles so wünschen kann, mitsamt einem wunderschönen Ausblick auf die historische Altstadt-Gruppe der Verwaltungshäuser von Anfang des 20. Jahrhunderts. Das ist eine der Ecken in meiner Heimatstadt, auf die ich so richtig stolz bin. Und ein Vorteil, der daraus erwächst, dass diese Stadt immer arm war: Niemals war Geld genug da, um dieses Ensemble einfach platt zu machen und in irgendeinem schrecklichen Stil neu zu bauen. Kein Asbest, kein Stahlbeton, keine Klimaanlage. Dafür Ziegelbauten mit Stuckornamenten, sehr hübsche Buntglasfenster im Rathaus-Treppenhaus (die kein Mensch wahrnimmt, weil sie nach hinten raus gehen- aber ich hab Spaß beim Treppensteigen), weite, helle und luftige Gänge mit Solnhofener Plattenkalk auf dem Boden und Jahrhundertwende-Ornamenten an den Wänden und über den Türen... echt schön.
Und in unserem neuen Büro war endlich auch Platz für Bilder. Wer hätte gedacht, dass die großen, farbigen Dinger da so gut aussehen... die Kollegen sind angetan, so dass im Vorzimmer vom Chef gleich drei Stück gelandet sind.

In den neuen Büros geht das Arbeiten doppelt so gut, finde ich. Eine klar strukturierte, helle und übersichtliche Atmosphäre hilft mir immer sehr dabei, klar im Kopf zu bleiben und sozusagen munter zu Werke zu schreiten. Man hat wenige Dinge zu tun, die schnell gehen und dafür zu Hunderten zu erledigen sind, aber viele Sachen, die einen wirklich lange beschäftigen. Demzufolge ist der Schreibtisch nie von Bergen gleichförmiger Dinge bedeckt, die mich so furchtbar runtergezogen haben, 700 mal das gleiche tun und dann von vorne... Klar arbeite ich mich noch ein, und es ist nicht sehr angenehm, die Neue zu sein und auch nach einem halben Jahr noch von wenig Ahnung getrübt. Aber so langsam fange ich an, wirklich was zu lernen, und habe echt Spaß daran.

Seit ich wieder ein Auto habe, hat auch das Malen wieder mehr Gewicht bekommen. Es ist beinahe unmöglich, mit Bus und Bahn große Leinwände und schwere Taschen voller Farben zu transportieren, und allein machts mir nicht ganz so viel Freude wie in Gesellschaft- also fahre ich wieder regelmäßig zu den Maltreffs nach Wuppertal und tobe mich da aus.

Insgesamt ist das Leben auch weiterhin ein Balanceakt, der mir oft genug misslingt, oder der Rückschläge bringt. Ich lerne immer noch, mich weder zu überfordern, noch zu resignieren und nur noch vor mich hin zu vegetieren- Rückfälle inklusive. Mein Traum ist, irgendwann mal alle Bereiche meines Lebens, also Ernährung, Schlaf, Haushalt, Finanzen, Arbeit und Kontakte, in einem gleichmäßigen und ausgeglichenen, befriedigenden Zustand zu haben und zu halten.
Ich habe immer das Gefühl, dass jeder, den ich kenne, das locker schafft, und verzweifle manchmal daran, dass ich mehr als die Hälfte meines Lebens schon hab vorbeiziehen lassen, ohne dass mir dieses Kunststück gelungen ist. Manchmal kann ich mir damit Trost verschaffen, dass ich ja auch nicht gesund bin- aber oft genug glaube ich, dass das nur eine faule Ausrede ist.

In diesem Sinne- genießt das freie lange Wochenende, lasst euch die Sonne auf die Nase scheinen und drückt mir mal die Daumen...

Lily.

Sonntag, 29. April 2012

So mancher stört der Liebe süße Lust


zumal, wenn dann auch noch fotografiert wird.

Schönen Sonntag,

Lily

Samstag, 28. April 2012

Posting Nr. 2 für heute:

ich liebe diese Art unaufdringlicher Witze :-}


Weiterhin viel Spaß.

Lily

Ratet....

Na? NA??? Schönes Wochenende! DieLily

Sonntag, 22. April 2012

Comme elle est douce...





la blonde.
Aus meiner Kindheit ;-)
Grüße an euch alle, und einen schönen Sonntag.

 DieLily

Freitag, 20. April 2012

Cat's Content

In dieser Urlaubswoche sind endlich mal die Katzen wieder zu ihrem Recht gekommen, zumindest, was die Streicheleinheiten betrifft. Abgesehen davon, dass ich auch wenn ich daheim bin, zuwenig Hände habe, um sie simultan zu kraulen (das sollte man beachten, wenn man die Anzahl der Tiere festlegt...), verlottern hier die Sitten, wenn die Herrschaften zu kurz kommen.
Emily, das Drahtäffchen (der Ausdruck stammt von meinem bestesten Freund, der damit so recht hat. Madame ist etwas mager geworden) hat mal wieder begriffen, dass das Gekrault werden öfter passiert, wenn man nicht am anderen Ende der Couch sitzt, sondern neben mir. Manchmal liegt sie sogar ruhig genug da. Oft turnt sie herum und reicht mir den Pelz von verschiedenen Seiten, was etwas nervig ist.
Der dicke Pauli kommt ab und zu an, und lässt sich recht herzhaft durchknuddeln, er ist da komplett schmerzfrei und grunzt sehr zufrieden, je rauer es zu geht. Wirds ihm zu bunt, zeigt er die Zähne, die sehr respekteinflößend sind. Sollte ich es wagen, frühzeitig aufzuhören, hält er meine Hand fest, mit beiden Vordertatzen und fast einem Zentimeter langen Krallen. Ohne Druck, nur so als Hinweis. Ansonsten liebt er immer noch das Apportieren, wenn er auch, wie bei Katzen üblich, manchmal eine Reflexantwort zeigt, wenn man das Bällchen aufheben will. Da ist Umsicht geboten, sonst schlägt er nach der Hand, die sich zu schnell bewegt.
Eddie wanzt sich an, sobald ich auf der Couch sitze. Er springt mir auf den Schoß und legt den hübschen Kopf schief, was bei mir pawlow'sche Wirkung zeigt, indem ich ihm flugs  Ohren  und das Kinn kraule. Alle vier lieben es, wenn man ihnen den Bauch rubbelt, da werden sie ganz ekstatisch (ich auch, aber das ist was anderes :-) )
Karlchen hingegen ist ein Separatist und liegt mit Vorliebe hier bei mir, wenn ich am Rechner sitze. Zwischen User und Tastatur, sozusagen, auf der Seite, den dicken Schädel auf meinen linken Unterarm gelötet und die Augen erwartungsvoll geschlossen. Eine Hand darf ihm das Haupt streicheln, die andere sollte das Bauchfell in Angriff nehmen. Schreiben, Mausbedienung etc. werden geduldet, aber nicht zu intensiv. Und ja, er beißt immer noch, zwischendurch. Nicht so sehr zuschnappend, sondern eher genussvoll, mit den langen Eckzähnen ein Stückchen Haut einklemmen, vorsichtshalber zum Hauteigner schielen und aufpassen, was der sagt. Dank der Intervention des besten Freundes von allen muss man nur nicht mehr schreien, um ihn zum Aufhören zu bringen. Also flüstere ich, dass er, dummer Stallkater, aufhören soll, oder er kommt wieder zu den Kälbern... manchmal hat das sogar Wirkung.
Hier vom Schreibtisch aus hat er außerdem gleichzeitig den Balkon im Blick, und kann, ganz Wachkater, die dortigen Invasoren beaufsichtigen. Er ist derjenige, der zähneklappernd den Amseln auflauert und in sinnlose Wut zerfällt, wenn der Nachbarkater kommt um ihn zu ärgern. Der allerdings hat sich nicht mehr blicken lassen, seitdem er zu dem Zeitpunkt hier war, als mit Getöse ein an der (windempfindlichen) Sichtschutzmatte angelehnter Klappstuhl umfiel. Vermutlich hat er sich vor allem erschreckt, weil er dafür absolut nichts konnte. Vielleicht müffelt es aber auch nach dem Roundup, mit dem ich dem Gras zwischen den Platten und längs der Kiesumrandung den Garaus gemacht habe. Jedenfalls sieht man ihn derzeit nur majestätisch den Weg zu den Garagen entlang patrouillieren.
Was natürlich, wenn ich zu Hause bin, sich wirklich rächt, ist meine mangelnde Konsequenz bei der Frage, ob die Katzen auf den Tisch dürfen. Ich scheuch sie runter, sobald ich das bemerke. Aber wenn ich gerade lese oder sonstwie in Anspruch genommen bin, krieg ich das schon mal nicht mit- und das ist nicht gut.
Noch schlimmer ist, dass ich teilweise um mein Essen kämpfen muss. Dann lauern sie von allen Seiten, selbst Emily, die Hinfällige, schaut sehr betreten und kummervoll und krächzt bettelnd... und ich schwöre, sie haben eine Taktik. Eddie versuchts vom Tisch aus, Karl sitzt drunter und versucht, mit der Pfote über die Kante zu langen. Und Paul schubbert sich um meinen Rücken herum. Mit ein Grund, warum nur unempfindliche Leute bei mir zum Essen eingeladen werden. Wenn mehr Leute da sind, tun sie das zwar nicht (so intensiv), aber trotzdem ist es peinlich. Und man kann nie, nie, wirklich nie was zu Essen auf dem Tisch lassen. Außer Obst. Aber selbst Kekse hat mein erster Kater Henry mit Wonne angefressen.
Da wusste ich noch nicht, dass Katzen auch auf Süßes stehen. Und auf Blumen. Und Topfpflanzen. Und Blumenerde. Und Plastiktüten (Emily), sowie Kartoffeln (!)- Eddie. Toilettenpapier, welches im Winde flattert. Liegengelassene Kleidungsstücke. Pappschachteln. Leere Joghurtbecher (es ist witzig, wenn Paul seinen dicken Schädel da hineinrammt, um an Reste zu kommen- Eddie ist schlauer, der nimmt die Pfote und erledigt das gar zierlich). Gardinen. Jalousieschnüre. Kerzen. Tapeten, Möbel, geschlossene Türen, Kabel, offene Fenster...
Ich glaube, das Leben bzw. das Wohnungsdesign Marke Lily wäre etwas bunter und besser gelüftet, wenn hier keine vier Katzen lebten. Außerdem wäre es weniger haarig.

 Aber auch einsamer, das steht fest.

Einen schönen Tag aus der Katzenhöhle

wünscht DieLily

Dienstag, 17. April 2012

Senile Bettflucht oder Schlaflos im Ruhrgebiet



Weiland vor Zeiten, als ich mein Heim noch mit Mann, Kind und Hund teilte, da hatte die Zeit am Morgen, kurz bevor die Sonne aufging, den einzigartigen Reiz, dass ich auch mal allein sein konnte, ohne dass wer was von mir wollte. Selbst der Hund schlief lieber, als mir um fünf oder noch früher auf den Wecker zu fallen und sogar bis aufs Klo hinterher zu dackeln. Der mir amtlich Zugewiesene schlief gern lang, und der Sohn auch, also hatte die Lily das Haus für sich. Später dann hatte mein Wohnzimmer einen ganz besonders tollen Ausblick nach Osten, und man konnte wunderbar den Sonnenaufgang beobachten- das hab ich dann gern vom Balkon aus getan, und hatte, so fühlte es sich zumindest an, die Stadt für mich ganz allein. Einen Pott Kaffee in der Hand und im Stehen weiter träumen- wunderbar. 
Heute morgen :-)

Inzwischen hat es sich zu einem mittleren Problem ausgewachsen, seit dem nämlich oftmals morgens gegen vier hier die Nacht zu Ende ist. Manchmal auch schon um halb- kommt ganz drauf an.
Meist weckt mich ein niedriger Blutzucker, was rein einstellungsmäßig nur bedingt besser ist als ein viel zu hoher, wie früher. Aber der Nachteil ist, dass die Gegenregulationshormone, vor allem das Adrenalin, einen wirklich wach machen.
Wenn ich dann wach bin, steh ich auch auf. Da man um die Zeit noch nicht gut herumlärmen und beispielsweise Staubsaugen kann, bleibt einem kaum was anderes übrig, als stiller Beschäftigung nachzugehen, was chez Lily bedeutet, dass ich eines meiner Spiele anwerfe und ein bisschen am Rechner zocke. Auf die Weise hab ich einen WoW-Charakter auf Level 82 hochgespielt und nähere mich dem Endcontent. Der Nachteil ist, dass um diese Zeit kaum wer anderes wach ist, also muss ich meinen Kram allein spielen. Auf der anderen Seite ist das auch ein Vorteil, denn so richtig gerne spiele ich nicht mit Anderen zusammen. Bloß blöd, dass der Spielinhalt ab Endstufe eigentlich nur noch den „Spielspaß“ mit Mitspielern vorsieht, da man ja nicht mehr weiter aufsteigen kann. Das bedeutet wohl, dass ich mir demnächst einen neuen Charakter anlegen muss.
Beliebt ist um die Uhrzeit bei mir auch das ein oder andere Klicker-Spiel, Puzzles vor allem. Derzeit sind das Cradle of Rome und Cradle of Persia, die ich schon öfter durchgenudelt habe, als ich zählen kann.
Man sollte glauben, dass ich dann problemlos um sieben im Büro aufschlagen kann, aber weit gefehlt- um die Uhrzeit werd ich wieder müde, und hab gar keine Lust mehr, das Haus zu verlassen. Dumm, das.
Noch dümmer ist, dass ich tagsüber nicht besonders fit bin, selbst wenn ich in der Woche es schaffe, bis zum Weckerklingeln zu schlafen. Auch nach sieben oder acht Stunden Nachtschlaf ist nicht daran zu denken, fit und ausgeruht ans Werk zu gehen.
Dieses Problem, verbunden mit dem drohenden Festwachsen auf der Couch hat mich dann vor einiger Zeit zum Psychiater geführt. Denn ich kenn das nur zu gut: Eine Weile nichts auf die Reihe kriegen, Dinge verschieben, eine Motivation im Minusbereich- das hat schnell Folgen. Abgesehen von dem Charme einer Wohnung, die aussieht wie ein Handgranatenwurfstand, wirkt sich das verheerend auf mein Selbstbewusstsein aus, und nicht alle Dinge, die liegen bleiben, bekommen eine Patina und antiken Charme. Manche werden bissig und haben das Talent, einem fies in die Hacken zu treten. Nachdem ich mühevoll gelernt habe, dass das Sich-Selbst-Mit-Konsequenzen-Bedrohen nicht hilft, um Dinge in Angriff zu nehmen, musste ich mich entscheiden, was zu tun ist. Klar bin ich aus der Klinik nicht gesund entlassen worden, sondern mit einer mittelschweren Depression, aber andererseits auch voller Hochgefühl und tierisch motiviert, ein neues Leben in Angriff zu nehmen. So motiviert, dass ich auf die Empfehlung, in Therapie zu bleiben, nichts gegeben habe. Gleichzeitig zog sich meine Therapeutin aus dem Geschäft zurück, und auf jemand Neues hatte ich keine Lust. Und auf noch mehr Reden eigentlich noch weniger.
Meine Medikamente hab ich natürlich genommen, eine Weile zumindest.
Inzwischen ist das Hochgefühl des Neuanfangs abgeklungen. Ich hab immer noch keine Lust auf endlose Gespräche, und auch das Gefühl, dass sich damit nicht viel ändert- denn die Vergangenheit ist vergangen. Klar weiß ich, dass ich meine Defizite habe, und dass es vielleicht sinnvoll wäre, zu schauen wo die her kommen und ob eine Haltungsänderung und ein offensiver Ansatz mich da weiter bringen. Aber auch darauf erstreckt sich der Motivationsverlust, so dass ich eigentlich erstmal nur neue Pillen haben wollte, die mich verdammt noch mal aus dem Quark holen sollen.
Ergo bin ich dann in eine neurologisch-psychiatrische Praxis gewechselt. Psychologische Psychotherapeuten können bekanntlich nichts verschreiben, und beim letzten Mal hab ich mich erst nach fünf Jahren Therapie getraut, um Medikamente zu bitten- auch weil ich nicht wollte, dass man mich für geil auf Drogen hält.
Die Erfahrungen mit Citalopram, Nortrilen und Fluoxetin haben mich aber gelehrt, dass manchmal eine medikamentöse Behandlung einen erst therapiefähig machen kann. Seit einigen Tagen nehme ich daher ein neues Medikament, einen SNRI, der nicht nur den Serotoninspiegel sondern auch den Noradrenalinstoffwechsel beeinflusst. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang, und ein paar sind auch schon aufgetreten und wieder vergangen. Da ich grundsätzlich dem Tablettenschlucken aber keine Einwände entgegensetze, kann ich damit leben, wobei ich auch schon positive Effekte bemerkt habe. Der Mount Washmore ist dem Boden gleichgemacht, und in meinem Schlafzimmer herrscht wieder Ordnung. Bisher hab ich jeden Tag ein kleines bisschen das Chaos beseitigt. Seit gestern hab ich Urlaub, und im Gegensatz zu der grauseligen Zeit über Weihnachten, als ich eine Woche zu Hause im Elend versunken bin und der nicht viel besseren Zeit über Ostern bin ich derzeit guten Mutes, dass diese Woche mich erholt und mit einer neuen Ordnung hier zu Hause und in meinem Kopf zurück lässt. Außerdem wartet die Steuererklärung :-)

Bleibt nur noch das frühe Aufstehen. Das muss ein Ende haben, 

meint
DieLily

Dienstag, 10. April 2012

Wie gut, dass sie...

einen Pelz anhat:


Sonst wär es bestimmt viel zu kalt für sie.

Schönen Tag!

DieLily

Montag, 9. April 2012

Respekt/ Der Meise Knödel.

Sorry, liebe Meise, das ist ein Post über deine geflügelten Namensschwestern :-)
Also, obwohl ich eine ausgesprochene Abneigung gegen Federvieh habe (außer auf dem Teller!), hab ich in diesem Jahr, auch, um das Gekatze mit einem Programm zur Unterhaltung zu versehen, Meisenknödel am Balkongeländer angebracht. Die werden gern angenommen, und seither geben sich hier die Vögel die virtuelle Klinke in die Hand. Nicht nur Meisen, auch Rotkehlchen, Spatzen und Amseln treffen sich, die fressen allerdings lieber das, was die Damen und Herren Meisen so verlieren.
Gestern abend bemerkte ich dann, dass eine Knödeltasche aufgerissen und der betreffende Knubbel verschwunden war, vermutlich liegt er unten auf der Terasse des derzeit unbewohnten Souterrains.
Kurz zuvor hatte ich ein Geräusch gehört, als ob was am Geländer anschlüge, und die Katzen hatten sich ordentlich erregt (tun sie aber öfter). Heute morgen lag ein zweiter Knödel unten, diesmal war er offenbar in die Kiesumrandung gefallen und von dort aus ein bisschen über den Balkon gerollt. Ich muss gestehen, ich hatte den Besuchskater in Verdacht, denn die Dinger baumeln in einer Höhe, an die er soeben dran kommt. Vorhin aber hatte ich eine Erscheinung:
Ein Rauschen erhob sich, und es wurde dunkel... eine Krähe ist hier gelandet, vielleicht einen Meter von mir entfernt- und, mein lieber Herr Brehms Tierleben, was für ein gewaltiges Viech. Mein frechster Kater klappte den Schwanz an und legte den Rückwärtsgang ein, gaaaaaanz langsam, bloß nicht auffallen, und der große Vogel drehte sich einmal um sich selbst, schaute mir fies in die Augen (er mag mich nicht, er mag mich nicht!!!) und breitete dann wieder die Flügel aus. Dann verschwand er, mit dem Knödel im schwarzen Schnabel.
Brrrrr.
Ich dachte immer, Tiere von der Größe fressen junge Hunde und Giraffen, und nicht Körner im Schmalzmantel?
Hoffentlich wirft er den Knödel vorsichtig in sein Nest. Sonst gibts noch fettige, aber tote Jungvögel...
Hitchcock hat sich die richtigen Tiere ausgesucht für diesen Film, das steht mal fest.
Und die Natur hat wirklich blutige Reißzähne, fluffige Häschen sind eher selten, selbst zu Ostern.
In diesem Sinne: Schönen zweiten Ostertag!

DieLily

Sonntag, 8. April 2012

Abgezockt!!

Da regt sich der bundesdeutsche Normalraser ja gern auf, hat er eine Knolle kassiert, denn die Damen und Herren von der Exekutive sind doch stets im Ruch, Abzockerei zu betreiben (ich persönlich wäre erst bereit, daran zu glauben, wenn Geschwindigkeiten geschätzt und Tempolimits behauptet werden dürfen- aber mein kochender Zorn angesichts der dämlichen Schnellfahrabzockereilüge darf mal ganz friedlich bleiben).
So richtig abgezockt wurden aber andere: Ich hörte vorgestern abend, dass die Crew auf der Titanic, sofern sie überhaupt überlebt hat, von der White Star Line, der Eignerin des Schiffes, nur die Hälfte der Heuer bekommen hat. Haben ja schließlich auch nur die halbe Strecke gearbeitet, oder?

Meine Damen und Herren: DAS ist Abzocke, und zwar die Sorte, bei der einem die Luft weg bleibt.
Rasender Kapitalismus gefällig, anyone?
Der Reeder himself war übrigens auch an Bord, hat natürlich im Rettungsboot gesessen, und vermutlich seine Überfahrt nicht selbst bezahlt. Aber wenn er das als geldwerten Vorteil hätte versteuern müssen, dann bestimmt auch nur zur Hälfte. Musste schließlich für den Rest der Strecke auf ein Schiff der Konkurrenz umsteigen.

Waaaa.

Schöne Ostern, allerseits!

DieLily

Dienstag, 3. April 2012

Angefixt.

Nach einem halben Jahr ohne Auto, in dem ich es gemischt genossen habe, Bus zu fahren (einerseits: Im Winter schön warm, wenn man einsteigt. Andererseits: Im Sommer schön warm, wenn man einsteigt. Dazu das Warten, und ein eher unfreiwilliges Backup in Sachen Pubertistenverhalten) bin ich heute das erste Mal wieder auf der Fahrerinnenseite eingestiegen. Nicht etwa in den neuesten Renner irgendeiner Nobelkutschenherstellerfirma, sondern in einen 14 Jahre alten Astra meines Arbeitgebers, weil ein paar Anschriften aufzusuchen waren.
Herrschaftszeiten, meine Lieben, das hat Spaß gemacht. Autofahren scheint eine Art Sucht zu sein. Anders kann ich das nicht erklären- ich hab offenbar gern Benzin im Blut, und der Entzug ist eine harte Sache. Ein kurzes Nachrechnen hat mich auf dreißig Autojahre kommen lassen, in denen ich meist auch einen fahrbaren Untersatz hatte, bis auf einmal ein Jahr nicht und jetzt dieses halbe (was für ein Satz. Gebt zu, ihr habt mich vermisst :-) ).

Mein Plan ist daher, mich mal umzutun in Sachen Auto. Nix teures, aber auch nichts unter Astra- bzw. Golf-Größe. Mein Sozialleben leidet ziemlich unter der Tatsache, dass meine besten Freunde so weit weg wohnen, und auch die anderen Dinge, die ich gern gemacht habe, wie Fotografieren, sind mit einem Auto einfach leichter zu bewerkstelligen. Allein schon das Pfandflaschenzeugs wegzubringen lässt ganz neue Peinlichkeiten aufkommen. Mit dem Müllsack im Supermarkt stehen ist schon schlimm genug. Aber damit zu Fuß zum Geschäft wanken ist echt mega-unangenehm.

Der erhoffte Trainingseffekt durch mehr Laufen ist nur bedingt eingetreten. Vielleicht sind die Strecken ja zu kurz, jedenfalls tun mir bei jedem Gang nach ein paar Metern derartig die Knochen weh, dass ich nur mühevoll weiterkomme. An Sprints, um den Bus zu kriegen, ist nicht zu denken, und ich komme mir meist vor, wie eine Lawine, die den Berg rauf will. Ungefähr so flott bin ich unterwegs, was mich ziemlich deprimiert.

Der Plan ist, bis zum Ablauf meines ÖPNV-Abos weiterhin mit dem Bus zur Arbeit zu fahren (Parkplätze gibt’s hier eh nicht, und so komm ich wenigstens halbwegs früh ins Büro), und die Autokiste für die Freizeit und die Wochenenden zu nutzen. Denn, meine Lieben, am Sonntag fährt in unserem Tal der Ahnungslosen lediglich ein Taxi-Bus, den ich mindestens eine halbe Stunde vor der Fahrt anrufen muss, um überhaupt bis zum Bahnhof zu kommen, von wo aus dann die Züge fahren. Ich kann auch zum Bahnhof laufen, das dauert aber ungefähr 20 Minuten, geht die ganze Zeit bergauf und, wie schon berichtet, jeder Lilymuskel protestiert intensiv.



Wünscht mir Glück bei der Suche. Ein bisschen Zeit hab ich ja, sofern es also derzeit nichts gibt, muss das ganze noch ein bisschen warten. Aber kommt Zeit, kommt Vierrad…



Einen schönen Tag wünscht euch



dieLily

Sonntag, 1. April 2012

Praktisch

Nach langem Zögern hab ich mich jetzt entschlossen, an einem Versuchsprojekt meines Nahverkehrsanbieters teilzunehmen; irgendwie bin ich ja immer knapp bei Kasse, und da kann ich ein ganzes Jahr über zum halben Preis fahren, und das sind immerhin knapp dreihundert Euronen im Jahr.
Geld, was man nicht ausgibt, macht einen reich, oder?
Jedenfalls geht’s darum, die Arbeit für den Betreiber und auch für mich einfacher zu machen, indem der Fahrchip unter die Haut transplantiert wird. Vorgestern war ich dann auch in einer der beteiligten Arztpraxen, und hab das Ding per Spritze einsetzen lassen. Oben auf der linken Schulter sitzt es, da, wo es nicht im Weg ist, und immer, wenn ich den Bus betrete, vermerkt der Automat im Bus die Lily als „an Bord“. Ich war es, ehrlich gesagt, immer leid, nach meinem Portemonnaie zu fischen, wenn der Bus am Horizont auftauchte. Meist hab ich den halben Rucksack abgesucht, bis ich es hatte, und dann wars doch ein falscher Bus, und ich musste alles wieder zurück fummeln.
Auch gut ist, dass man überlegt, andere Dinge noch zusätzlich auf den Chip zu packen. So, dass man zukünftig damit den Skilift betreten kann, oder mit direkter Kontoabbuchung aus dem Supermarkt spazieren kann. Das überleg ich mir aber noch, dafür muss eine Art Stecker implantiert werden. Dazu gibt’s dann so ein Modul für zu Hause, dass man an den Stecker anstöpselt, und über den Computer mit Guthaben oder neuen Features belegen kann. Das Ding sieht recht groß aus, und stört auch etwas. Sie haben mir mal eins von den Teilen gezeigt, und ich durfte es fotografieren:








Da bin ich mir aber nicht so sicher, weil das so groß ist, fast wie ein Feuerzeug. Es muss in der Nähe des Chips implantiert werden, da man sonst keinen Kontakt herstellen kann. Das würde bedeuten, unter der Achsel...
Würdet ihr das machen?
Bin mir echt nicht so im klaren.
Eure Meinung, bitte...

Ansonsten schönes Restwochenende!

Die Lily.

Freitag, 30. März 2012

Klo

Katzenklo. Das ist was Witziges, wenn man dem Herrn Dingsda, wie heißt er noch, glauben darf. Angeblich machts die Tierchen froh, oder so.
Letzte Woche hab ich meinen eine Riesenfreude gemacht, weil ich das ihre zerstört habe.
Und das ging so:

Die haben ja so einige Katzenklos bei mir, Paul und Eddie sind aber ein bisschen lang geraten für die Dinger. Es gibt einfach nicht so große Katzenklos wie Katzen.

Wie meine, meine ich.

Also hängt schon mal was raus, wenn sie drin sind, und wie viele männliche Wesen zielen sie ohnehin nicht so gut. In der vorletzten Woche also, da bin ich wie der Wind aus meinem Zimmer gerannt gekommen, weil ich nämlich auch mal aufs Klo musste. Tragisch war, dass direkt um die Ecke von meiner Zimmertür das große (haha) Katzenklo stand. Noch tragischer war, dass wohl kurz vorher einer der Gesellen nicht richtig getroffen hat, und sich eine kleine Pfütze gebildet hat- und am allertragischsten war, dass ich in diesem Pfützchen ausgerutscht bin.

Den Fall hat das Katzenklo dann unter Aufgabe seiner Unversehrtheit gebremst.

Aua.

Nachdem die Katzen aufgehört hatten zu lachen, hab ich eins von den alten, eher kleinen Klos mit Haube aus der Garage geholt, und schmerzenden Rückens aufgestellt- nur um festzustellen, dass das zwar ganz nett ist, nicht immer direkt in so ein Klo hineinstarren zu müssen, dass dieses aber nun definitiv zu klein ist.

Also bin ich gerade in die Pause in den nächsten Tierladen rein, und hab das größte Katzenklo gekauft, das sie da hatten. Wieder eins mit Haube, wegen der Optik.

Ich stelle nun fest: Da passt ein Bernhardiner rein, zumindest ein kleiner. Und selbst der dicke Paul kann darin wenden und sich ordentlich hineinbegeben, so dass der Kopf auch am richtigen Ende herausgucken kann.

Jetzt muss ich nur noch schauen, wie ich das Ding nach Hause kriege, so mit dem Bus.
Am besten nehm ich den letzten Bus, der ist nie so voll.

Trotzdem. Ein Katzenklo von den Ausmaßen einer halben Spülmaschine (die untere Hälfte) wird bestimmt nicht oft im Bus transportiert.

Und für die Streu, da kauf ich mir ne eigene Sandgrube. Sobald die Hypothek für das Klo getilgt ist. Das lohnt sich bestimmt.

Schönes Wochenende.

DieLily

Dienstag, 27. März 2012

after changes...

we are more or less the same:





Ist ein bisschen wie in einer Zeitreise. Die Musik ist beinahe noch besser geworden, die Gesichter sind absurd älter geworden- aber wie lang ist das schon her, dass dieses Lied zum ersten Mal gesungen wurde?
Es ist beinahe so alt wie ich.

Ach ja: Ich binne nicht tot :-)

Lilly

Mittwoch, 7. März 2012

Die Einsamkeit an der Spitze.

...Zudem forderte die SPD von Wulff, den Zapfenstreich abzusagen. „Wenn alle lebenden Altbundespräsidenten eine Teilnahme an der Zeremonie ablehnen, kann ich Christian Wulff nur raten, nicht auf einem Zapfenstreich zu bestehen“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier. Steinmeier begründete seine Forderung nach einer Absagedamit, dass es keine Chance mehr gebe, dass die Veranstaltung „noch einigermaßen würdevoll über die Bühne“ gehe....

... aus der berliner morgenpost.
und jetzt etwas mich persönlich sehr Befriedigendes:
Die toten Altbundespräsidenten werden der Veranstaltung ebenfalls fern bleiben.

Schade, dass man Altbundespräsident sein muss, um das Fernbleiben publikumswirksam gestalten zu können. Denn, meine Damen und Herren: Ich komme auch nicht!

Freitag, 2. März 2012

Katzencontent




Es wird Zeit für ein Update über das Gekatze, finde ich. Schließlich ist es eine Weile her, dass Eddie so krank war und das einzig Wichtige in meinem Leben.
Er ist inzwischen von einem zarten Orange-Ton (leberbedingt… das Vieh war gelb wie eine Zitrone) wieder zu dem ursprünglichen Tigerrot zurück gekehrt, ist aber weiterhin schlank bis dünn- ganz im Gegensatz zu seinem dicken moppeligen Bruder, der die Ruhe (man kann auch Koma dazu sagen) gepachtet hat.
 Der leicht irre Karl hüpft mittendrin auch noch herum, dem hat neulich ein Wochenende mit meinem besten Freund dazu verholfen, nicht mehr so oft und so fest zu beißen. Wenn er biss, hat er das stets auf eine sehr fürsorgliche und liebevolle Art gemacht, nicht heimtückisch. Und Beißen ist eigentlich auch nicht das richtige Wort, „Kauen“ passt da besser. Schmerzhaft war es aber trotzdem, und durch meine entsprechenden Aufschreie hatte ich ihn beinahe handscheu gemacht.
Seitdem besagter bestester Freund ein bisschen seine Katerflüsterer-Fähigkeiten angewendet hat, ist das aber viel seltener geworden, meist kann Karli jetzt gut damit klar kommen, dass er eben nicht beißt, wenn er gekrault wird.

Aber wehe, wehe, wehe… anderer Leute Katzen sind nicht so lieb zu mir, das möchte ich hier und jetzt mal festhalten. Ich hatte ja schon mal davon berichtet, dass Katzi, die Katze von Elena, mich hasst. Richtig übel genommen hab ich ihr das natürlich nicht, schließlich rieche ich vermutlich arg nach Konkurrenz, und das mochte Katzi nicht besonders.
Wer jetzt über die Zeitform im letzten Satz stolpert, las richtig: Katzi ist inzwischen im Katzenhimmel, sie hatte Leukose und es ging ihr furchtbar. Wie das aber manchmal so ist, wurde Elena sehr schnell nach Katzis Aufbruch von einer neuen Herrin ausgewählt: Die Dame heißt Frieda, ist von elegantem Schwarz, sieht extrem gut und dekorativ aus - und sie hasst mich.
Bei meinem letzten Besuch in Friedas Wohnung hab ich irgendwann bemerkt, dass ich nur mit gebeugtem Rücken und mit Opfergaben in der Hand mich dem Throne der Herrin nähere.

Das kam mir dann doch sehr, sehr albern vor, und ich beschloss, mich direkt neben sie zu setzen- schließlich kann sie verschwinden, wenn ihr das zu aufdringlich ist. Oder? Oder.

Leider hat Frieda nicht lang gefackelt, und mir sofort ein-, zweimal mit den Pfoten samt Krallen eins verpasst. Und dann hat sie zugeschnappt. Nicht liebevoll wie Karl, sondern so, als wolle sie eine unbotmäßige Untergebene zur Raison bringen.

Für mich gibt’s da nur zwei Möglichkeiten: Entweder, sie ist eine Katzi-Reinkarnation, oder aber Elena sitzt abends neben ihr, in der Hand ein Foto von mir und trainiert das Tier auf den Mann (bzw. die Lily).

Vielleicht sollte ich mich demnächst als Kaustange verkleiden. Aber dann beißt sie bestimmt erst recht.
Seufz.
Ich will nach Hause, zu meiner Katzenmeute.
Menno.

Mittwoch, 29. Februar 2012

wieder mal was...

...was ich nicht mitbekommen habe:  Das hier

Bus-y Stories, oder: Extrinsische Motivation


Die Frau mit dem Oberbett auf dem Kopf, Timo und der Mann mit dem Haarvorhang (hier bisher noch nicht aufgetaucht)- sie alle bieten Stoff für einen bunten und lustigen Strauß kleiner Edelsteine von Geschichten(das war Satire). Sehr schön, das. Ich erwisch mich öfter dabei, im Kopf schon die ein oder andere Zeile vor mich hin zu formulieren. Das Posting scheitert dann daran, dass ich einfach keine Zeit und Energie habe. Wenn ich nach Haus komme, so gegen halb sechs, dann bin ich nur froh, die Tür hinter mir zu schließen, und den Feierabend einzuläuten. Denn obwohl ich mich schon ein bisschen eingewöhnt habe, ist einfach die Zeit sehr lang, von morgens viertel vor sieben bis abends um halb sechs unterwegs zu sein. Die Katzen, der Haushalt, ein paar Sozialkontakte, und das war es dann, und am nächsten Morgen geht’s von vorn los.
Zwischendurch hat mich dann immer die Frage beschäftigt, wann und wie ich an welches neue Auto komme. Die Formulierung „Hin- und Hergerissen“ triffts nicht, das hatte schon was Bipolares. Bis zum Sonntag.
Der Sonntag sah mich auf dem Weg nach Wuppertal, mit der S-Bahn kein sehr großes Problem. Eine Viertelstunde von meiner Wohnung entfernt ist ein Vorortbahnhof, da hält die S-Bahn, die mich direkt nach Wuppertal Hauptbahnhof bringt. Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich an einer Tankstelle vorbei, und da hab ich was getan, was ich seit Monaten nicht mehr gemacht hab: Auf die Spritpreise geachtet.
Und siehe da: Futsch war jeder Wunsch nach einem Auto. Mit Versicherung, Steuern, Finanzierung und Sprit für die Kilometer, die ich so fahren würde, wäre ich bei guten 400 € im Monat, nur für das zweifelhafte Vergnügen, auf der A46 im Stau zu stehen. Nein danke. Ich bleib beim Busfahren. Für die 350 € Differenz zu meiner Monatskarte kann ich viel Taxi fahren, wenn mir mal der Weg vom Bahnhof zu mir nach Hause zu weit ist.
Und bald ist Frühling, da kann ich dann das Rad nehmen.

Timo scheint übrigens einen neuen Stundenplan zu haben, seit dem Halbjahresbeginn hab ich ihn nicht mehr gesehen. Die Frau mit dem Oberbett hat den Bezug gewechselt. Und von dem Mann mit dem Haarvorhang erzähl ich euch die Tage mal.

DieLily



Freitag, 24. Februar 2012

Zu Unrecht



aus der Mode geraten - das ist das Schicksal, welches so vielen nützlichen und hervorragenden Dingen zuteil wurde.
Nehmen wir nur mal den guten, alten Phonowagen. An sich stellt er eine Weiterentwicklung des gemeinen Phonomöbels dar, nur mit Rollen. Nicht weiter bemerkenswert, es sei denn, man hat einen ähnlichen Haufen Kabelspaghetti dahinter liegen wie ich- das liegt nur zum Teil am schlechten Feng-Shui, sondern hauptsächlich an dem bunten Mix an Geräten, die damit verbunden werden müssen.
 Denn siehe: Mein Fernseher ist recht neu, nicht jedoch die Geräte, die den Raum beschallen sollen. Die Dolby-Surround-Angelegenheit besteht aus einem Haufen kleiner und großer Kisten, die alle energisch nach Kabeln verlangen, und mein bester Bruder Georg weiß noch sehr gut, wie wir geschwitzt haben, bis auch was raus kam aus den Lautsprechern. 

Was also tun, wenn man die Zimmer umräumt? Rrrrichtig. Fernseher abkabeln und dann das ganze Möbelstück zwei Zimmer weiter rollen. Das kann man vergessen, wenn man das ganze Zeug in irgendeinem stylischen Gerät abgestellt hat. Neu verkabeln ist die Hölle, und wird mit Funkstille nicht unter zwei Stunden bestraft. Bis vor kurzem teilte sich das Möbel samt Inhalt eine Kabelsammlung mit der Router-Modem-Splitter-Familie. Dem habe ich mit dem Umzug in den anderen Raum einen Riegel vorgeschoben. Seither ist die Ecke, in der bisher Kabel und Netzgeräte und allerlei Elektronik sich breit machten für die Katzen komplett uninteressant. 

Früher war das wohl eine Mischung aus Elektrosmog und Wärme, die da herrschte. Sehr begehrt, und von mir sehr misstrauisch beobachtet, denn das Gekatze hat sich dort auch schon mal heftigst um die besten Plätze gekloppt. Nicht weiter tragisch, so lange ein fetter Röhrenfernseher über dem ganzen thronte. Leider ist das seit einem knappen Jahr nicht mehr der Fall, seither gibt’s hier einen Flachbildschirm, der mir sehr kippgefährdet vorkommt. 
Daher steht das Phonowagendings jetzt mit dem Rücken so zur Wand, dass nicht mal mehr der magere Eddie dahinter kann. Irgendwann schaff ich es auch, den Fernseher an die Wand zu dübeln, da bin ich mir sicher.
Überhaupt. Kabel. Meine Güte. Letztens hab ich einen geruhsamen Samstag morgen damit verbracht, aus der ganzen Wohnung Kabel, Drähte, Mehrfachstecker, Netzteile, Akkulader, alte Telefone und so weiter zusammen zu suchen, hab alles nach sinnvollen Kriterien sortiert, in Tüten gepackt und in einer Kiste verstaut. Jede Tüte trägt außerdem eine Aufschrift, was im einzelnen darin ist. Ich kam mir vor wie die Mutter Teresa der Kabel. Jedem sein eigenes Häuschen, und nie wieder Suche nach dem passenden Ding! Allein die Sammlung an USB-Kabeln ist beachtlich. Leider ist trotzdem selten das wirklich richtige dabei. 
Neuester Familienzuwachs ist das Ding, mit dem man den Kindle am Rechner anschließt. W-lan hab ich abgeschaltet, also brauche ich das Kabel. Wieder ein neuer Standard, dachte ich- bis letztens eine Besucherin ihr Handy aufladen wollte, und ihr Kabel vergessen hatte. Und siehe da... Was mich auf dem Sektor (und auf meinem Schreibtisch) immer wieder entzückt, ist das Kombi-Gerät aus Tesa-Abroller und USB-Hub. 
Die beste Erfindung seit der externen Soundkarte (nie wieder im Dunkeln unterm Schreibtisch nach dem passenden Loch für die Lautsprecher suchen!!). Das zeigt natürlich auch, wie hoffnungslos veraltet meine Hardware ist, habe ich doch manchmal den Eindruck, dass ich eine der wenigen bin, die kein Notebook ihr eigen nennt, bei dem man ja auch nicht unterm Tisch rumkriechen muss. 

Mein Rechner ist in Teilen gute 10 Jahre alt, läuft aber noch immer gut und stabil (An dieser Stelle: Toi, toi, toi). Zwischendurch bin ich immer mal versucht, aufzurüsten und irgend ein megageiles Gerät zu kaufen, bisher konnte ich das aber abwenden. Schließlich läuft er noch, und das ist die Hauptsache. Und er läuft oft genug rund um die Uhr, denn ein Leben ohne Internet kann ich mir nicht vorstellen. Krass, eigentlich, wie viel Zeit ich damit verbringe, herum zu surfen und meine Kontakte zu pflegen. Und das seit inzwischen 17 Jahren, so lange hab ich meinen eigenen Account. 

Und trotz aller Weiterentwicklung hat sich nichts Fundamentales geändert... Brautkleid bleibt Brautkleid, und Bluescreen bleibt Bluescreen.

In diesem Sinne.


Sonntag, 19. Februar 2012

Zehn

Jahre, 520 Wochen, 3.652 Tage, und jeder davon mit 86400 Sekunden (glaube ich)- so lange ist das jetzt her, dass die Diagnose Diabetes Mellitus late-onset-Typ 1 so langsam in mein Bewusstsein kroch.
Mein zu dem Zeitpunkt gerade erst kurz zuvor erreichtes ausgeglichenes und entspanntes Verhältnis zu Nahrungsmitteln war in nullkommanix vom Winde verweht, und hat sich nicht mehr wieder eingestellt, egal, wo ich auch suche.
Die Zeit vom 5. Februar bis zum 9. März 2002 hab ich im Krankenhaus verbracht, eingeliefert als halbtoter Notfall und entlassen als ziemlich ängstliche Neuchronischkranke.
Drei Tage später habe ich mich aufgemacht zu einer sechswöchigen Reha-Maßnahme, während der man mir beizubringen versuchte, dass es nichts gibt, was man mit Diabetes nicht tun kann.
Das ist gelogen.
Man mag noch Berge besteigen, Klavier spielen, Nobelpreise gewinnen und SOS-Kinderdorf-Mutter sein können. Vielleicht kann man Opern singen, Sex haben, einen Iron-Man absolvieren, in den Urlaub fahren oder Gold schürfen in Alaska.
Was man nicht mehr kann, ist irgendwas davon spontan einfach tun.
Dein Auto springt nicht an, wenn du abends bei Freunden bist? Dumm- du musst trotzdem nach Hause, weil dein Nachtinsulin dort liegt. Viel Spaß beim Bahnfahren.
Du bist im Restaurant und das Essen schmeckt grauenvoll? Egal, du hast gespritzt, nun iss die ekligen Nudeln auch auf.
Dein Keller läuft voll Wasser? Iss erstmal was, bevor du zehn Mal mit dem Eimer die Treppe rauf und runter läufst, sonst fällst du noch um.
Sauna? Vielleicht. Honig-Aufguss? Besser nicht. Ungeplanter Sex? Nie ohne vorher was zu essen (die Zeiten, in denen meine Pumpe rhythmisch dazu vom Nachttisch alarmte, sind vorbei- das würde ich nicht wieder wollen).
Spontan ein Fläschchen Wein? Ähem. Man weiß nie.
Und so weiter, und so weiter.
Es geht mir immer noch so total auf den Wecker.
Und egal, was sie einem erzählen: Man verpasst besser keine Mahlzeit, isst nicht die ganze Tafel Schokolade, das halbe Pfund Kirschen besser auch nicht, und Cocktails vergisst man ohnehin lieber. Urlaubsreisen per Flugzeug? Nur mit einer Bescheinigung vom Arzt, damit man sein Spritzbesteck mitnehmen darf an Bord (Schon mal über diabetische Terroristen nachgedacht? Die haben so eine Bescheinigung, mit Sicherheit. Und Insulin ist ein Teufelszeug, das auch Gesunde in kürzester Zeit aus den Latschen haut).
Alles in allem wäre es mir lieber gewesen, sie hätten uns das von Anfang an so erzählt, mit allem drum und dran. Natürlich hätte das abschreckend geklungen- aber eine Wahl, ob wir das wollen oder nicht, hatten wir selbstverständlich zu keiner Zeit. Insofern ist das Belogen-worden-sein besonders doof. Und so verdammt überflüssig.

Und jetzt geh ich weiter schmollen.

DieLily

Freitag, 17. Februar 2012

Wartungs- und Pflegearbeiten


Je älter ich werde, desto länger dauert es, die morgendlichen Wartungsarbeiten ordnungsgemäß abzuwickeln. Ein wenig Zeit kann man damit sparen, manche Einzeltätigkeit durch dauerhafte Vorhaltung auszutauschen, zum Beispiel spart man potenziell sogar viel Zeit und Material, wenn man Wimpern nicht tuscht, sondern färbt.

Das erspart nicht nur das morgendliche Auftragen, sondern auch das abendliche Abkratzen der Tusche von den widerwilligen Härchen, die ob dieser Zumutung gern den Augen eine gewisse Neigung zum Tränen vermitteln. Das erspart auch das Problem, welche Sorte Mascara man sich denn nun zulegt.

Wasserfest? Ist meist erst auf der Haut wasserfest und erfordert alsdann das Auffahren schwerer Abschmink-Geschütze, die wiederum (s. o.) die Augen zum Tränen bringen. Scheidet aus.

Volumen-Mascara? Macht mir Fliegenbeine und ich hab den Eindruck, dass die Wimpern zusammenpappen, das bringt außerdem die Augen zum Tränen. Scheidet also aus.

Braun, schwarz oder blau? Egal, krümelt oder schmiert oder pappt da, wo man sie nicht haben will- scheidet aus. Weil, dann tränen die Augen… wer hätte das gedacht?

Pflegend (kriecht unter Umständen in die Augen, die tränen dann wieder, scheidet also aus) oder die Sorte, die die Weltherrschaft übernehmen würde, ließe man sie denn? Vermutlich bringt aber auch die die Augen zum Tränen, und scheidet daher ebenfalls aus.

Am liebsten ist mir farblose Mascara, denn sie hinterlässt wenigstens kein dunkles Panda-Geschmier unter den Augen. Zusammen mit gefärbten Wimpern macht sie dann auch den gewünschten schlanken Fuß, und zaubert jugendliche Frische und all so ein Zeug ins Gesicht.

Sobald man zu Wimpernfarben greift, und somit die Dauerlösung anstrebt, kann man auch gleich den Rundumschlag machen und die Augenbrauen gleich mit färben (besser einen Ton heller als die Wimpern, sonst hat man schnell dunkle Balken im Gesicht).

Meine Dauerlösungen gehen nur so weit. Es gibt allerdings Leute, die sich zum Beispiel Lidstrich oder Lippenkontur als Permanent-Make-up tätowieren lassen. Uäähhh- selbst wenn man mir garantieren würde, dass die stechende Person nüchtern ist und das gelernt hat und so: Wie kann man einen anderen Menschen mit einer Nadel in die Nähe seiner Augen lassen? Noch dazu mit Farbe dran? Bei aller Liebe zu eingesparter Zeit: Dann ginge ich lieber ohne Lidstrich raus als so. Mach ich ohnehin oft, weil das Zeug manchmal im Auge landet. Und das tränt dann.

Nicht auszudenken, was das Auge sagen würde, wenn die Tätowierinstrumente abrutschen würden. Da müsste ich dann weinen.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Bissel drauf rumspringen…




scheint ein neues Hobby in europäischen Finanzkreisen zu sein. Egal, wie sinnvoll es sein mag: Immer noch ein bisschen mehr zu verlangen von einem Land, das derzeit am Boden liegt, erweckt bei mir den Eindruck, als hätte da jemand Spaß dran, die Schrauben immer noch ein bisschen mehr anzuziehen, solange, bis Blut kommt…
Klar geht es nicht um Barmherzigkeit, wenn Kohle im Spiel ist. Aber jeder Mensch, und erst recht jede Gruppe von Menschen beißt irgendwann zurück, wenn man sie in Bedrängnis bringt. Die Leute, die sich jahrzehntelang am griechischen Staat gemästet haben, die haben eine dicke Lobby, und denen geschieht so schnell nichts. Aber all die anderen, die leiden… und die konsumierende Bevölkerung ihrer Konsummittel zu berauben, hat noch keinen Staat gerettet.
Inhaltlich kann ich nicht beurteilen, was da abläuft. Ich weiß auch nicht, wie viel von meinem derzeitigen Eindruck durch Berichterstattung hervorgerufen ist. Aber wäre ich Griechin, ich würde mir verarscht vorkommen.


Sonntag, 12. Februar 2012

Grau

Der Tod gilt als schwarzer Fürst, voller Dramatik und so- oder, wenn man Menschen mit Nahtoderfahrungen Glauben schenken darf, dann ist dort, jenseits des Lebens, ein Pfad ins Licht.
Meiner Erfahrung nach  ist der nahende Tod weder schwarz noch leuchtet er. Der Weg dorthin ist vielmehr grau, und ultimativ still und weich. Angst macht er mir nicht. Im Gegenteil, oftmals war dieses Bild sehr anziehend. Ruhe versprechend. Das Ende aller Dinge. Und auch das Ende der Angst, der Sorgen, der Mühe.
Dagegen kann nur wenig bestehen bleiben von den Dingen, die das Leben so zu bieten hat. Die wenigsten Erfahrungen sind nur positiv, wenig ungetrübte Freude herrscht auf der Welt, und es existiert kaum etwas, was die  Mühe des Aufstehens wert ist.
Ein paar Dinge und ein paar Eindrücke aber, die bleiben und die halten mich hier:
Das bepelzte Doppelkinn von Paul, wenn man ihn krault- und sein hingerissener Gesichtsausdruck. Die Art, in der Emily ihre Tatze auf meinen Arm legt, der sich an mich drückende Eddie.
Und die Freude in der Stimme eines Menschen, der offenbar gern mit mir spricht.
Solange das so ist, bleib ich.

Freitag, 10. Februar 2012

Saukalt…



ist es hier, wie in ganz Europa. Ich habe gegengesteuert, und mich mit warmem Zeug versehen, denn ein neues Auto habe ich immer noch nicht. Also nutze ich den Bus, um zur Arbeit zu kommen- spare mir aber, in dieser Woche jedenfalls, jegliches weiteres Herumstehen auf Bahnhöfen- bin schon erkältet und brauche keine Lungenentzündung). Trotz Mütze, Handschuhen, Schal, Rollkragenpullover und Strickjacke, langer Unterhose, Wollsocken und dicker Schuhe friert man sich an der Haltestelle was ab. Leider nicht den Hintern (dann würde ich den glatt mal der Kälte aussetzen), sondern eher fragilere Anhängsel, wie Ohren oder Finger. Gern leidet auch die Nase.

Kommt man aus der arktischen Luft ins Rathaus, ist dort die Luft sehr schön angewärmt und gemütlich- glaubt man zuerst. Sitzt man den Vormittag lang in seinem Büro (in dem es auch nur 18 Grad hat), und geht dann zur Toilette, friert man wieder ordentlich im Treppenhaus und im Foyer- denn eine Heizung gibt es dort zwar, diese ist jedoch abgedreht. Bei der (historischen) Bunt-, aber Einfach-Verglasung müsste man die Heizung vermutlich mit Schuldscheinen oder Haushaltskonsolidierungsplänen befeuern, um halbwegs normale Innenraumtemperaturen zu haben. Natürlich müssten die Fenster wärmeisoliert werden- aber das kann sich die Stadt nicht leisten, da sie, wegen eben der Haushaltslage, keine Bauprojekte mehr beginnen darf. Das macht die Aufsichtsbehörde nicht mit, egal, wie klug eine solche Investition auch sein könnte.

Seit ich, vor beinahe 30 Jahren, bei dieser Verwaltung meinen Dienst angetreten habe, müssen wir sparen, und tun das auch. Reine Renommierprojekte, die anderen Städten erst Ruhm und dann Ärger gebracht haben, hat es hier so gut wie nie gegeben. Der Bürger meiner Stadt ist somit nicht verwöhnt. Inzwischen erreicht das Sparen allerdings Bereiche, die selbst dem genügsamsten Einwohner zu weit gehen. Leider hilft auch da keine Empörung mehr. Selbst wenn keine einzige freiwillige Leistung mehr angeboten würde- und es gibt da wirklich nicht mehr viele, aber wichtige, z. B. Zuschüsse an Schuldnerberatung, Frauenhaus etc. sind ja auch nicht überflüssig…- selbst dann also reichen die Einnahmen nicht aus, um alle Pflichtaufgaben zu bezahlen.
Eigentlich dürfen der Bund und auch das Land den Gemeinden keine Aufgaben mehr zuschustern, die diese dann selbst finanzieren müssen. Wenn neue Aufgaben, dann gehört auch das entsprechende Geld dazu- so liest es sich theoretisch.
Fakt ist aber, dass vor allem Personalkostenanteile oft nicht ausreichend sind. Denn die Zuschüsse werden nach teils abenteuerlichen Schlüsseln verteilt. Vielleicht reichen die Beträge dann bei einer großen Stadt, die für die Bearbeitung einer Aufgabe z. B. zwei Leute einsetzen kann, die mit der Arbeit dann ausgelastet sind. Bei einer kleinen Gemeinde reicht die Fallzahl (und die Erstattung!) vielleicht nur für eine halbe Stelle- die Person, die dann die Arbeit macht, braucht aber auch eine Vertretung für Krankheit und Urlaubszeiten, und wenn in der größeren Stadt sich die zwei Stelleninhaber gegenseitig vertreten, hat die kleinere Stadt ein Problem, dessen Lösung sie nicht bezahlen kann.

Es finden sich auch wirklich merkwürdige Konstrukte bei der Bemessung dieser Zuschüsse… Ein Knaller ist die Kostenpauschale für die Aufgaben nach dem Bildungs- und Teilhabe-Gesetz (das ist die Vorschrift, nach der den Kindern von Hartz-IV-, Sozialhilfe-, Wohngeld- und Kinderzuschlagsbeziehern Mittel zur Verfügung gestellt werden, mit denen Nachhilfe, Schulessen, Fahrtkosten, Klassenfahrten etc. bezahlt werden können).
Die an die Gemeinden oder Kreise hierfür gezahlten Beträge des Bundes sind ein prozentualer Aufschlag zu dem Kostenanteil des Bundes für die Aufwendungen der Kosten der Unterkunft für Hartz-IV-Bezieher.

Andersrum ausgedrückt: Der Bund zahlt den Gemeinden einen pauschalen (Anteils-) Betrag dafür, dass die Miete von Hartz-IV-Beziehern übernommen wird (keine freiwillige Leistung, irgendwo müssen die Leute ja wohnen). Diese Pauschale wird zur Grundlage genommen, um wiederum eine prozentuale Pauschale zu bilden, aus der die Gemeinden dann die Kosten für Bildung und Teilhabe bezahlen. Da bemisst man die Kosten für Äpfel an den Aufwendungen für neue Streu im Hühnerhaus. Oder so. Man hätte vermutlich mit der gleichen Berechtigung einen Schlüssel erfinden können, der auf die Dichte von Kaugummiautomaten je laufendem Kilometer der Gemeindestraßen zweiter Ordnung  abstellt.

Apropos Straßen…
Fährt man in diesen Wochen die Straße hinunter, an der ich wohne, und hat man nicht sehr festsitzenden Zahnersatz, so kann man sich diesen auf der Zunge zergehen lassen, wenn man am Ende der Straße angekommen ist. Das liegt an der Fahrbahn-“Gestaltung“, die den Namen „Decke“ nicht mehr verdient. Auch ein Flickenteppich ist zwar bunt, aber nicht so löcherig, also ist dieser Ausdruck ebenfalls nicht korrekt. Bereits der Straßenzustandsbericht 2005 hat „meine“ Straße in die Kategorie „unbefahrbar“ eingestuft. Seither hat es sieben Winter gegeben, zwei davon lang und kalt, mit jeder Menge Niederschläge.
Man könnte den Eindruck haben, dass hier darauf gewartet wird, dass die Trümmer und das Geröll aus den oberen Straßenschichten sich langsam, aber selbsttätig in die Schlaglöcher begeben, und so eine gewisse Selbstheilung stattfindet. Dass es so was nicht gibt, ist klar. Also wurde in irgendeiner Ecke irgendeines Bauhofes so lang gesucht, bis man zwei, drei Schilder mit der Aufschrift „Straßenschäden!“ fand, und dann hat man die aufgestellt. Die Pfosten für die Schilder wurden nicht mal einbetoniert… und da ohnehin Tempo 30 ist, hat man sich auch die Geschwindigkeitsbeschränkung gespart. An und für sich ist auch dort die Durchfahrt verboten- beschweren kann sich daher niemand, wenn ihm was vom Auto abfällt, denn die meisten haben sowieso kein Durchfahrtsrecht.

Die Schlaglöcher ergänzen auch sinnvoll die Straßeneinbauten zur Geschwindigkeitsabsenkung. Insofern ist doch eigentlich alles gut, könnte man meinen… bis man mal einmal mit dem Linienbus die Straße entlang gefahren ist.
Nur so viel: Niemals aufstehen, bevor der Bus anhält. Auf zwei Beinen übersteht man diese Strecke niemals in senkrechter Körperhaltung.
Ich könnte mich stundenlang zu dieser Straße auslassen… und ich würde es auch tun, wüsste ich nicht genau, dass einfach kein Geld da ist. Alles Jammern ist müßig, und schafft auch keines her.

Erschreckend ist nur, dass so gut wie niemand das akzeptieren kann und will, sofern er selbst betroffen ist. Da streicht auch die geübte Intelligenz sofort die Segel, und dümpelt nur noch ohne Fahrt dahin… kein Geld? Wirklich nicht? Das gibt’s nicht.

Und wenn man mal so eine Bilanz der Stadtverwaltung von vorn bis hinten durchliest, dann kann man glatt den Eindruck bekommen, dass das tatsächlich so ist. Denn unsere Stadt, die in drei bis fünf Jahren die Überschuldung anmelden kann, weil sie dann nichts mehr hat, was sich versilbern oder sonst wie zu Geld machen lässt, zahlt immer noch Solidarbeiträge Ost.

Wer das verstehen kann, soll das gern tun.

Ich weigere mich.

Dienstag, 31. Januar 2012

Montag, 30. Januar 2012

Die Geschichte von David





Ich bin in mich gegangen, nach dem letzten Kommentarreigen, einerseits, weil ich ohnehin ständig wenigstens halb in mir bin, andererseits weil ich mal nachhören wollte, ob das, was ich da als unterstellt empfand, nämlich Nähe zu denen, die freche Kinder mundtot machen wollen, damit  alles so schön in die Zucht und Ordnung bräunlicher Wunschvorstellungen passt, ob ich also tatsächlich mich darunter einordnen würde.

Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich eine solche Unterstellung, so sie denn beabsichtigt war, ebenso wenig verdiene wie meine Leser. Georg, Womble und Falcon kenne ich, ebenso wie Kate persönlich (der/die erste Kommentator/in lässt mich unsicher sein), und weiß, dass sie sämtlich keinesfalls zum Anbräunen neigen. Ich weiß aber auch, dass sie alle keine Idealisten (mehr) sind, was die Menschen und ihren Nachwuchs betrifft.

Und um noch mal was klarzustellen: Timo ist nicht frech. Timo ist verhuscht, altklug, schwatzhaft, zwanghaft, distanzlos und insgesamt vermutlich gestört- Täte er mir nicht so leid, hätte ich schon was gesagt. Tatsache ist aber, dass er nervt, und zwar gewaltig. Ein freches Kind würd ich mal anranzen, wenns mir zu weit ginge, Timo kann man nicht anranzen. Deshalb nervt er so.

Prügeln, Anbrüllen, Verhauen- alles nicht die richtige Antwort. Das muss hier niemand extra betonen, das versteht sich für alle von selbst.


Grenzenloses Verständnis  hingegen ist, meiner Meinung nach, ebenso auf keinen Fall geeignet, irgendwem auf Dauer zu helfen, in seiner Umwelt zurecht zu kommen.

Und da kommt die Geschichte von David ins Spiel.

David, der natürlich nicht David hieß, sondern auch nicht Kevin, lernte ich gegen Ende der Neunzigerjahre kennen, und zwar in meinem alten Arbeitsgebiet, einem Jugendamt.

David hatte tatsächlich das, was man eine miese, trostlose und von Üblem geprägte Kindheit nennen kann. So ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, hat der Junge kennen gelernt noch bevor er 10 war. Ich gehe hier nicht ins Detail, das würde erstens den Datenschutz und zweitens euren Nachtschlaf gefährden.

David hat auf klassische Weise reagiert. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, dessen Intelligenz unter Hungerzeiten gelitten hatte, war er nicht dumm. Er schlug den Weg der Delinquenz ein, und hatte, schon bevor er das reife Alter von elf Jahren erreichte, bereits eine nicht mehr sehr handliche Akte bei seiner freundlichen Bezirkssozialarbeiterin.

Auch die Leute in dem Vorort, in dem er aufwuchs, kannten ihn bald- das war doch der Junge, der immer die Schuppen und Ställe anzündete, nicht wahr?

Kind nach Kind wurde aus dem elterlichen Haushalt geholt, die ersten wegen Misshandlung und Vernachlässigung, und David irgendwann, weil man seiner Straffälligkeit mangels Lebensjahren nicht per Gefängnis oder Arrest begegnen konnte.

Auch in einer Jugendhilfeeinrichtung kam der Junge nicht zurecht. Und bevor man da falschen Vorstellungen ausgesetzt ist: Er war in keiner Jugendhilfemaschine, wo 120 Kinder stromlinienförmig eingenordet werden, sondern in einer Spezialeinrichtung, klein und überschaubar, aber auch dort nicht mehr zu halten, als er immer öfter auch jüngere Kinder angriff, verletzte und bestahl.

Man überlegte lange. Die zuständige Kollegin, selbst ein Kind aus einer großen Familie, mochte den Jungen und schätzte gerade das Freche, Unbezähmbare an ihm. Sie suchte lange, und fand schließlich eine Profipflegefamilie, also Menschen, die über viel Erfahrung mit Kindern verfügten, eiserne Nerven hatten, und mithilfe von Supervision und engmaschiger fachlicher Beratung sich um David kümmern wollten.

In dem Leben kam David endlich zurecht. Der kleinräumige Rahmen mit nur zwei Bezugspersonen und der (Kleinst-)Schule ermöglichte die klare Setzung von Grenzen, die Leute konnten sich absprechen und schon ziemlich bald ging es aufwärts mit dem Knaben. Begünstigt wurde das durch die Tatsache, dass diese Einrichtung/Pflegefamilie so weit weg von allen Verlockungen der Großstadt war, dass David keine Chance hatte, diesen Verlockungen zu erliegen.

Alles wunderbar?

Nein.
Dann kam nämlich die Sozialarbeiterin zu Besuch. Die musste ein Hilfeplangespräch führen, und dachte, dass sie das in der schönen Gegend, in der der Knabe nun lebte, auch mit einem Urlaub verbinden könne. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Urlaub wurde komplett privat gezahlt, nur die Stunde für das Hilfeplangespräch konnte als Überstunde ausgewiesen werden.

Die zweite Idee, mich zu bitten, mitzufahren, kam direkt vor dem Gedanken, den Jungen mal wieder mit seinem Bruder in Verbindung zu bringen- die beiden hatten sich seit einiger Zeit nicht mehr gesehen.

Also packten die Kollegin und ich unsere beiden Kinder ein, und fuhren zusammen in den Urlaub, und den großen Bruder des kleinen David nahmen wir mit.

Bei dem Hilfeplangespräch wurde dann vereinbart, dass der Junge für die zwei Wochen, die wir Urlaub machten, bei uns bleiben solle… Die Pflegeeltern konnten sich auf diese Weise mal etwas erholen, und bei uns konnten die Brüder mal ein bisschen Zeit miteinander verbringen.

Was soll ich sagen…? Die Idee war eine Scheiß-Idee.

Aus lauter Sorge, das arme, geschädigte Kind nicht noch weiter zu schädigen, ließ die Kollegin zu, dass er wirklich und wahrhaftig mit ihr Schlitten fuhr. Nach zwei Tagen war er nicht mehr zu bändigen- griff ihr beim Autofahren ins Steuer, haute ab und ließ uns stundenlang nach ihm suchen, fraß alles, was nicht eingeschlossen war und musste sich ständig körperlich mit den beiden fast erwachsenen anderen Jungs messen, die anderthalb mal so alt - und doppelt so schwer- waren wie er.

Anstelle eines klaren Aufzeigens von Grenzen ließ sie ihn geschehen… Ein Beifahrer, der mir während der Fahrt ins Lenkrad greift, wandert sofort nach hinten, und falls er das nicht mit macht, kriegt er zwei Euro für die Straßenbahn. Jemand, der andere kontinuierlich angreift, provoziert, ihr Eigentum versteckt oder zerstört, muss sich, wenn seine „Gegner“ 18 Jahre alt sind, auf Keile gefasst machen. Das wäre sicherlich heilsam gewesen, scheiterte jedoch an der Glashaube, mit der die Kollegin den Jungen schützte. Er war off-limits für uns alle- und ich hab da meine Angewohnheit, häuslichen Spannungen durch lange, einsame Autofahrten zu entfliehen, so richtig Zucker gegeben.

Nachdem ein „Ausflug auf eigene Faust“, den der Knabe mitten in der Nacht unternahm, dazu führte, dass die Gespräche mit ihm im Auto stattfanden (ins Haus wollte er nicht) und nachdem er während dieser Gespräche ständig auf die Hupe drückte, kriegten wir Ärger mit der Leitung der Ferienhaussiedlung, in der wir wohnten.

Da dieser „Urlaub“ über Ostern stattfand, dürft ihr nun alle raten, wer sämtliche Ostereier und -Nester leer- bzw. auffraß und die gefärbten Eier durch rohe Eier (eilig und heimlich nachts nachgefärbt) ersetzte… Ha, ha. Sehr witzig, morgens ein rohes Ei zum Frühstück sich über die Sonntagsklamotten zu kippen.

Dann kriegten wir raus, dass er nächtelang seine Eltern, die weit entfernt in seiner Heimatstadt lebten, anrief- über das Telefon im Ferienhaus, auf unsere Kosten.

Anlässlich dieser Gespräche versprachen die Eltern ihm das Blaue vom Himmel, so dass, nach den 14 Tagen bei uns, kein Gedanke mehr daran verschwendet werden konnte, den Jungen zu den Pflegeeltern zurück zu bringen.


Was nun?

Nach einer kurzen Zwischenparkung in einer Notaufnahmestelle entschied die Kollegin, was zu tun sei.

Sie nahm ihn zu sich als Pflegekind.


Anderthalb Jahre später ging er direkt von ihrem Haushalt in den Knast.

Ich traf ihn wieder, 2006 in der Straßenbahn in der Nachbarstadt.


Er berichtete mir, dass er inzwischen drei Kinder habe, von zwei Frauen, das vierte sei unterwegs, und er müsse wieder in den Knast, weil sie ihm die Bewährung widerrufen hätten.

In den letzten fünf, sechs Jahren hab ich nichts von ihm gehört, und auch bei aufmerksamer Zeitungslektüre nichts gelesen, was auf größere kriminelle Unterfangen hätte schließen lassen. Immerhin.- Er hatte Potenzial!

Ich mag nicht behaupten, dass die Kollegin diese ganze Geschichte alleinverantwortlich in den Teich gesetzt hat. Bestimmt nicht.

Aber ihr Verzicht auf alle Verbindlichkeit, alle Regeln und alle Stringenz hat den Knaben mit Sicherheit einer seiner größten Chancen beraubt, nämlich der, bei seiner Pflegefamilie zu bleiben.

Abgesehen von der gruseligen Kindheit, die David hatte, hat ihm diese Sorte  nachgiebige Zuwendung wohl am zweitmeisten (das ist ganz bestimmt ein Wort!!) geschadet.

Und auch für alle Menschen, die ganz normal mit dem ganz normalen Irrsinn unserer Gesellschaft aufwachsen, gilt, dass man nicht unentwegt nur fördernd und lobend und liebend auf sie eingehen kann.

Niemand ist der Nabel der Welt, und es ist sehr ungerecht, unfair und vorwerfbar, seine Kinder in dem Glauben aufwachsen zu lassen, es würde sich ihr Leben lang alles nach ihren Wünschen richten.

Daran zerbricht ein Mensch genau so wie an Schlägen.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Die Lily…


sitzt gerade hier und kraust die Stirn. Immer öfter erwische ich mich dabei, mit zusammengekniffenen Augen irgendwas oder irgendwen anzustarren, vorzugsweise den Fernseher, oder mein Strickzeug.
Oder Timo.
Timo ist ein Exemplar der Gattung Teilnehmer am öffentlichen Personen-Nahverkehr, also ein Töff-P.

Timo nimmt immer den Bus um fünf vor sieben, und er ist ein wichtiger Grund, lieber den um halb sieben zu erwischen, da sitzt er nämlich nicht drin.

Timo zeichnet sich durch ein herabgesenktes Bedürfnis nach Distanz zu anderen Menschen aus. Er rückt einem, wie man hierzulande sagt, dermaßen auf die Pelle, dass man ihm schon dafür eine klatschen könnte. Jawohl, um viertel vor sieben.

Timo bringt, sobald er morgens an der Haltestelle auftaucht, die aufgereihten anderen Fahrgäste in Unordnung. Alles steht, wie von einem unsichtbaren Regisseur platziert, am Fahrbahnrand aufgereiht in beinahe identischen Abständen voneinander entfernt, und dann kommt Timo.
Meist bin ich die Erste, die morgens da aufläuft, daher gebührt mir der Platz direkt da, wo der Bus halten wird. Oder?   
Alle akzeptieren das (und amüsieren mich dadurch)- nur Timo nicht, Timo drängelt sich vor. 
Dabei redet er vor sich hin. 
Nichts Interessantes, sondern dumme kleine altkluge Kinderwitzchen. Er steht zum Beispiel da und fragt, sobald ein beleuchtetes Busschild am Straßenende auftaucht, ob das jetzt unser Bus sei. Fragt das drei Mal. Niemand Bestimmten, mehr so sich selbst, gibt sich aber keine Antwort.
Zeigt dann zum Himmel und sagt: "Der Stern da, das ist der Einkaufswagen. Haha.“. Dabei zappelt er und wackelt hin und her und drängelt sich so klammheimlich vor mich. 
Kommt dann der Bus, übernimmt er gerne Platzanweiserfunktion. Erstmal muss der vordere rechte Platz frei sein. Wenn er nicht frei ist, muss Timo woanders sitzen, was ihm (und uns Anderen) Probleme bereiten wird. 
Denn er wird den Rest der Fahrt über immer wieder sagen, dass das doch sein Platz sei? Und dass er da doch sitzen wolle? Das sagt er aber immer so leise, dass man es nur hört, wenn man sich unmittelbar neben (oder hinter) ihm aufhält.

Heute morgen war der Ticket-Leser im Eimer. Daraufhin hat Timo an jeder Haltestelle erst Verrenkungen gemacht, um nachzuschauen, ob das Ding immer noch kaputt ist. Dann hat er jedem der gefühlt einhunderttausend Fahrgäste gesagt, dass das Ding kaputt sei, und sie möchten doch bitte weitergehen. Nicht, dass das nicht auch auf dem Ticket-Leser- Bildschirm selbst zu lesen gewesen wäre. 

Er hat schon Blockwart-Qualitäten, der Gute- was dann darin gipfelt, dass er immer und immer und jeden Morgen vor seiner Aussteige-Haltestelle auf „Haltewunsch“ drückt. Das wäre ja auch ganz okay, schon fast sinnvoll, wenn, ja wenn nicht diese Haltestelle ohnehin die Endstation wäre. Dort hält der Bus, so sicher wie das Amen in der Kirche.

Während der ganzen Busfahrt plappert und schwätzt und sabbelt der Knabe ununterbrochen. Erzählt von Onkel Günter, der sich ein neues Auto gekauft hat. Faselt was von „Wetten, das?“. Berichtet, dass irgendwer gestorben sei. Alles in derselben hektisch-monotonen Sprechweise.

Ich schwanke immer zwischen Mitleid und dem Wunsch, ihn terminal zum Schweigen zu bringen.

Ganz besonders, seitdem ich weiß, wie er heißt… seitdem nämlich Mutti (oder der Friseur) ihm diesen Namen seitlich in den Raspelhaarschnitt rasiert hat.

Warum tut man so etwas? Vielleicht, weil Mutti hofft, dass er sich dem nächstbesten Menschen anschließt, der ihn beim Namen ruft?

Vermutlich werden wir es nie erfahren.

Einstweilen beschäftige ich mich mit der Frage, ob er a) sein Ritalin immer erst nachmittags nimmt oder b) das Zeug bei pathologischen Gelaber nicht wirkt.

Und komme mir ziemlich blöd vor, dass mich ein Zwölfjähriger so (ent)nerven kann.

*seufz*.




Montag, 23. Januar 2012

Ohne weitere...

Worte.

Lest ihr hier: Chantalismus als Blog.

Das ist nur ein Posting aus vielen :)

Mittwoch, 11. Januar 2012

Paul

Paul ist ein Gemütsmensch.

Fig. 1: P. wie er leibt und lebt. Und sich unter meiner Schreibtischlampe sonnt (die wird sehr warm)


 Ja wirklich, das ist er.



Paul, mit Mütze. Ich habe sie anschließend von seinem Kopf herunternehmen müssen. Sie war NICHT angeklebt oder sonstwie befestigt... einfach nur draufgesetzt.   

Wäre er ein kleines bisschen ruhiger, könnte man ihn für ausgestopft halten.
Und jetzt muss ich wieder an mein neues Spielzeug (ein Kindle. So toll.)


DieLily.

Samstag, 7. Januar 2012

Wie man's richtig macht, Teil zwei




Stellt euch vor, ihr wäret ein Mädchen, so fünfzehn, sechzehn Jahre alt, und euer Vater würde nach ein paar Singlejahren wieder mit so einer Tusse ankommen. Aus der Traum von endlosen Shoppingrunden mit Papas Kreditkarte im Hintergrund. Keiner unterschreibt mehr (schamesgerötet aber ohne Fragen) die Entschuldigungen für den Sportunterricht, weil ihr mal wieder „Menstruationsbeschwerden“ habt- vielleicht fragt er noch nach, ob bei dreimal im Monat nicht mal ein Besuch beim Gyn fällig wäre, aber das wars auch schon. Kein dauernder Chauffeurdienst mehr für euch und alle Freundinnen, weil Daddy ohnehin nichts anderes zu tun hat am Abend... Schrecklich, echt Hässlichkeit. Sie zieht bei euch ein und prompt seid ihr zu niederen Diensten abgeordnet. Spülmaschine einräumen. Haare aus der Dusche fischen. Kellertreppe putzen. Eure Nägel leiden, die teure Haarspülung ist gestrichen, und die Laune ist auf einem Allzeittief.
Was tun?
Tja, nehmt euch ein Beispiel an euren Vorgängerinnen. An männlichen Fans dürfte euch nicht mangeln- also beim nächsten Mal, wenn Papa auf Dienstreise ist, ladet sie alle ein und veranstaltet im Schuppen ein Komasaufen. Wenn dann die Stieftussi reinplatzt, spielt die Scheintote- sie wird kein Mitleid haben, und euch einfach da liegen lassen, die sieben Zwerge um euch herum aber aus dem Haus jagen. Mit ein paar wohlgesetzten Worten wird sie euch gute Nacht in der ungeheizten Hütte wünschen und ins Bett gehen. Dann müsst ihr nur noch Papa abpassen, und ihn wie einen König willkommen heißen, mitsamt verheulter Wimperntusche und so weiter, und ihm erzählen, dass sie euch ausgesperrt hat, nur, weil ihr ein bisschen gefeiert habt.
Ratet mal, wer am nächsten Morgen einen Satz heißer Füße bekommt.
Und ratet mal, wer in Papas Gunst das reinste Schneewittchen ist :-)

Liebe Grüße an Euch alle, ich hab jetzt ein Wochenende vor mir mit meinem allerbesten Freund und freu mir zwei oder drei Löcher in den Bauch.

Bis dahin!
DieLily

Mittwoch, 4. Januar 2012

Hop oder Top



Ist es Größe oder Intelligenz, die manche Menschen das Richtige tun lässt? Der, der gerade so wenig überzeugend den Bundespräsi-Darsteller gibt, hat weder-noch, das ist schon mal klar.
Auch ist für mich klar, dass diese Bubi-Kon-Affäre das Amt als solches gar nicht beschädigen kann. Es blamiert ihn nur selbst, und sein unwürdiges Gezappel legt auf krasse Weise offen, wie machtgeil manche Menschen sind. Obwohl, Macht als solche hat der BuPrä nun nicht, dafür haben die Eltern des Grundgesetzes gesorgt.
Interessanterweise wird der BuPrä von der Bundesversammlung gewählt, um die Erfahrungen aus der Zeit der Weimarer Reichsverfassung zu vermeiden (zumindest hat man uns das so vermittelt). Warum traut man eigentlich dem Wahlvolk nicht zu, einen Bundespräsidenten zu wählen? Viel schlechter hätten wir das auch nicht hingekriegt.

Aber immerhin zeigt sich wieder eine Berufsperspektive für Frau Käßmann am Horizont ab.

Kurse geben.... „Rücktritt mit Würde“, Anfängerlehrgang. 10 leicht fassliche Lektionen, Kosten von der Steuer absetzbar.

Bei uns im Büro laufen die Wetten, wie lang es dauert bis zur nächsten Bundesversammlung. Die Kosten dafür sollte der Herr W. tragen. Kann ja einen Kredit dafür aufnehmen, 
findet
DieLily

Sonntag, 1. Januar 2012

Wie man's richtig macht, Teil eins.


Situation: Du kommst morgens zum Frühstückstisch, dort sitzen schon Mutter und Vater, dickäugig und so, wie man halt mit über vierzig morgens aussieht. Du hast im Schlepptau einen Typ in labbrigen Shorts mit Totenköpfen und so drauf, er trägt einen Sechswochenflaum auf der Oberlippe, einen merkwürdigen Haarschnitt und ist nicht dein Bruder.

Lösung: Verschweige den Abend in dem Club, in den du noch gar nicht rein durftest.
Erzähl den Erziehern die Geschichte von der goldenen Kugel, dem Brunnen und dem Frosch.

Echt, funktioniert. Ist sogar in die Literatur eingegangen. 

Ein frohes neues Jahr. 
Machts besser als im letzten!

DieLily