Freitag, 31. Juli 2015

Betonwerke

Ach, die unendliche Badezimmergeschichte... Gestern habe ich das erste Mal Beton verarbeitet. Und das kam so:
Dieses neue, aus dem Zusammenwirken vieler Kräfte entstehende Eltern-Bad ist als barrierefreier Raum geplant. Hierzu gehört eine Reihe von Dingen. Unter anderem soll die Dusche mit einem Rollstuhl befahrbar sein. Das schließt konventionelle Duschtassen naturgemäß aus, es bleibt nichts als eine relativ ebenerdige Fläche übrig, natürlich mit einem Gefälle, welches erstens minimal und zweitens Richtung Abfluss konstruiert werden soll.
Irgendeiner der hier Beteiligten warf für das Gefälle die Prozentzahl 2 aus. Das wäre alles nicht unser Problem, hätten die Eltern genug Geld, um teure Firmen zu beauftragen. Wir sagen uns aber munter, dass wir zwar allesamt arm, aber nicht doof sind, und denken uns, dass wir das selbst können- großenteils.
Ergo sahen wir uns vor das Problem mit der Konstruktion einer Art eckigen Trichters gestellt, 1 m x 1,30 m groß, mit exzentrischem, rechteckigem Abfluss. Die zwei Prozent Gefälle gelten nur für die lange Kante, die anderen Flächen haben entsprechend stärkere Absenkungen, da, wie gesagt, der Trichter ein exzentrischer ist. Insgesamt soll also der Rand an allen Stellen 2 cm oberhalb der Abflusskante liegen.
Das wird amüsant, wenn man sich überlegt, dass der Abfluss in uraltem, bröckeligem und mit Steinen durchsetztem Beton sitzt, und dass auf den darauf neu aufzutragenden, in Form zu bringenden  Beton Fliesen geklebt werden müssen, deren Maße von 30 x 60 cm recht üppig ausfallen und dass Fliesen nicht für ihre Biegsamkeit bekannt sind. Nachdem wir uns am letzten Wochenende schon lautstark über die Details gezankt auseinandergesetzt hatten, waren wir im Sinne des Familienfriedens recht glücklich darüber, dass die Klempnerfirma den Abfluss zu tief gesetzt und deshalb erstmal nachbessern musste, bevor magische Beamtenhände dem Baustoff irgendeine taugliche Form geben mussten.
Gestern also huben Bruder Georg und ich an, nach dem Motto "Wer vor Ort ist, bestimmt", die Dinge in Angriff zu nehmen. Ohne lästige Handwerkerbrüder.
Und was soll ich sagen... Elende Matscherei, das. Aber mithilfe eben jener zitierten magischen Beamtenhändchen, einer Wasserwage und nicht weniger als 150 Kilo Beton haben wir zwei das Kunststück hingekriegt.
Das Ergebnis ist, dass man diese flachen Gefälle kaum wahrnimmt (sollen ja auch nur das Wasser abfließen lassen und nicht den Rollstuhl verselbständigen), und dass ein Richtscheit (oder eine zweckentfremdete Wasserwaage, s.o.) das wichtigste Ding auf der Welt ist, wenn man schöne glatte Flächen zaubern will. Und dass etwas feuchterer Beton sich viel besser verarbeiten lässt als bröckelige Matsche.
Wobei ich soeben eine Whatsapp-Mitteilung vom besten Bruder aller Zeiten bekomme: Ihm ist die halbe Wand entgegengekommen. Und dahinter ist das Bernsteinzimmer.
Wundern würde es mich nicht. Vermutlich hätte Opa mit einzelnen Stücken die Mauern ausgebessert, wenn er es in die Finger gekriegt hätte. So, wie er auch die Küchenwand mit Stücken von Bimsdiele und Holzkeilen irgendwie zum Stehen gekriegt hat. Wer vom Badezimmer aus in diese Wand Löcher bohrt, kriegt als Warnung immer gesagt: Wenn was weißes kommt, hast du die Küchenschränke angebohrt. Kommt was rotes, war es unsere Mutter.

Schönes Wochenende!


Samstag, 25. Juli 2015

Grillteller, oder: Wo ist Tante Else?

Erstmal muss ich mich kräftig für die netten Kommentare zum letzten Posting bedanken...
Also ein leckeres, liebliches "Bedankt!" an euch alle.
Heute ist ein besonderer Tag, denn heute muss ich nicht an die Schüppe (Ruhrgebietsformulierung für drohende Arbeit). Durch den besonderen, unermüdlichen und fiebergefeuerten Einsatz eines einzelnen, hier öfter genannten Bruders wurde gestern nacht um 23.30 der Estrich im neuen Bad meiner Eltern endlich fertig. Meine Güte. Das Zeug muss heute erstmal trocknen, und morgen wahrscheinlich auch, den Göttern der Betonmischungen sei an dieser Stelle ebenfalls vielfacher Dank zuteil. Wer sich wundert, warum wir so endlos lang brauchen, dem sei gesagt, dass unter uns vier Geschwistern ein Handwerker ist, zwei Beamte und eine Krankenschwester. Der Handwerker hat Metall gelernt, nicht Stein, der eine Beamte ist ein begabter Schreiner, hat also eher was mit Holz zu tun, die Krankenschwester ist ein Arbeitstier und durchaus rohbauerfahren, und ich steh rum und schüttle den Kopf.
Uns stellt alles, was nicht fegen, schleppen, sägen, bohren (hier Alltagsfertigkeiten ergänzen) ist, vor das Problem, dass wir nicht nur die Tricks nicht kennen, sondern auch noch diskussionsfreudig sind. Nur soviel dazu: Mein letzter Gedanke gestern vorm Einschlafen war: Das KANN nicht passen, ich hab seit mittags gesagt, der Sand ist ZU HOCH!
Das war er, der Möglichkeiten waren nicht viele, um dem abzuhelfen. Danke, Georg!!

Außerdem: Die Tür. Göttin hilf, die Tür. Anstelle der bisherigen Raumspartür (irres Wort, komplett sinnlos, wenn man drüber nachdenkt) musste eine Tür mit der eleganten, lichten Weite von einem Meter eingebaut werden. Der Sturz der bisher vorhandenen Tür war...aus Holz, aus Holz schlechter Zeiten (letzte Kriegsjahre). Dieses Haus ist allgemein eine Art Grillteller, voller Überraschungen und Knorpel. Ganze tragende Wände aus verdächtigen Steinen, Bimsdiele, Holzkeilen und Sand, durchsetzt von irrationalen Beton-Teilen, die dem Standard-Steinbohrer durchaus zu trotzen vermögen. Direkt daneben hat das sprichwörtliche Kleinkind mit dem Breilöffel durchaus gute Chancen auf einen zügigen Mauerdurchbruch.

Nur soviel: nach dem Entfernen der Toilette und der darunter liegenden Fliesen fanden wir... nix. Ein Loch, ca. 50 cm tief. Das Bad ist nicht unterkellert, aber nach aktuellem Wissensstand auch nicht mit sowas wie durchgehendem Grundstück darunter versehen- Ein Wunder, dass in den letzten 70 Jahren niemand beim K... einfach verschwunden ist.
Obwohl.... Tante Else? Wer hat Tante Else gesehen?

Die neue Tür jedenfalls hat es ermöglicht, dass wir vier mit insgesamt 200 Jahren Lebens- wenn auch nicht Bau-Erfahrung, uns stundenlang Gedanken gemacht haben (mit Geräuschpegel, ist ja nicht so, dass wir stumm wären), immer unter dem Motto, besser eine Stunde geredet als anschließend alles wieder raushauen (mit der Gefahr, dass uns die Bude überm Kopf zusammensackt).
Wir haben sie dann schlussendlich aufgebaut und eingebaut, unter Anwendung der Technik unseres hausbauenden Großvaters (Augen zu und durch, Leute!) sowie eines großen Teils des zuvor rausgehauenen Schutts und mehrerer Säcke Mauermörtel. Opa war Autodidakt, hat aber als Polier gearbeitet.  Für Poliere sind wir zu demokratisch, also muss man jedesmal alle anderen von der Sinnhaltigkeit der eigenen Ideen überzeugen, was nur schwer möglich ist, weil wir uns nicht gern gegenseitig ausreden lassen.

Unsere Mutter sorgt in der Zwischenzeit für das Dekor, räumt ständig Wasserflaschen, Gläser, Kaffeetassen in die Spülmaschine und bittet uns seit gut 14 Tagen beinahe stündlich darum, doch endlich die Gardine abzunehmen, die immer noch hängt.

links in der Ecke: Das Loch.

Schönen Samstag, Ihr Lieblichen da draußen!

Montag, 20. Juli 2015

Drei.Monate.

Drei Monate lang hab ich die APP benutzt,  bin gelaufen, hab geschwitzt und mich ziemlich oft über mich selbst gewundert- das tu ich immer noch, nebenbei gesagt. Das Ergebnis sind 739886 Schritte, 592,9 Kilometer, ein fast normaler Blutdruck, und 16 Kilo weniger. Ich weiß jetzt, dass ich viel zu wenig schlafe, aber auch, dass ich darauf kaum Einfluss habe, vor allem bei warmem Wetter. Leider wird auch sichtbar, dass viele Jahre Übergewicht etwas nicht wieder gut zu Machendes mit Haut anstellen... Aber dagegen kann man was tun: Nicht nackt raus gehen. Was ohnehin nicht in Frage kommt, also ist nix verloren. Und weil heute Montag ist, noch ein halbwegs neues Foto....



Lasst euch nicht täuschen... Mit dem Lächeln locke ich meine Mahlzeiten an.
Schönen Montag,
die Lily.

Montag, 13. Juli 2015

Chaos, Krach und Familie

Am Wochenende war Zeit für ein lang geplantes Unternehmen: Meine Eltern kriegen ein neues Badezimmer. Barrierefrei für die immer schlechter werdenden Lauffähigkeiten vor allem meines Vaters, aufgeräumter als das alte Bad, das den Bedürfnissen einer 6-köpfigen Familie lange als einziges Bad dienen musste, und inklusive 40 Jahren Fortschritt bei Technik und Design.

Weichen mussten zwei Riesenwaschtische, eine Waschmaschine, ein Einbauschrank, die Badewanne und alle Bodenfliesen. Was stattfand, kann man nur als Abrissparty bezeichnen. Damit heute die Fachfirma mit dem Schlitzestemmen anfangen konnte, musste alles fertig sein- der Eigenanteil an Arbeiten senkt die Kosten erheblich. Diesen Eigenanteil hat größtenteils mein 15-jähriger Neffe bestritten, seines Zeichens ein kompetentes Einmann-Abrissunternehmen. Meine Güte. Energie ohne Ende, bedingt durch seine gut 2 Meter Körpergröße und die Reichweite eines Albatross' absolut unschlagbar... er kommt einfach überall dran. Meine kleine Schwester und ich haben Schutt geschaufelt, geschleppt und zum Abtransport vors Haus in einen Anhänger geschaufelt und zwischendurch der staubigen Gestalt was zu Trinken gereicht. Es war natürlich alles unglaublich laut, und aus dem ausgehängten Badezimmerfenster quollen dicke Staubwolken, die über das Haus zogen. Dagegen haben wir ab und zu mit dem Schlauch von außen Wasser reingesprüht- andernfalls wäre die Abrissbirne auf zwei Beinen darin vermutlich einfach erstickt. Daran, den Strom abzuschalten, haben wir nicht von vornherein gedacht- zum Glück ist nix passiert.

Meinen Vater mussten wir für ein paar Stunden in Sicherheit bringen. Bedingt durch seine Demenzerkrankung und verstärkt durch den Stress, viele Leute, viel Dreck und viel Krach zu erleben hat er immer wieder vergessen, was wir da machten. Das hat ihn stark belastet, und immer wieder zu seinem Auftauchen auf der Baustelle gesorgt, wo er nicht sicher laufen konnte und auch schlicht im Weg stand. Er kann sich nicht mehr vorstellen, dass es auch mal nicht so nach Kampfhandlungen aussehen könnte, und das alles besser, schöner und sicherer wird- und irgendetwas in ihm fühlt sich immer noch verpflichtet, selbst die Schüppe in die Hand zu nehmen... was natürlich komplett außer Frage steht. Dass er genau weiß, dass das nicht mehr geht, macht ihm schwer zu schaffen. Wie so viele Menschen seiner Generation kann er mit Trauer, Angst und solchen Sachen nicht umgehen, da wird er dann grantig und unleidlich und mault herum, was wiederum meine Mutter schwer belastet.

Leute- Alzheimer ist mit das schlimmste an Krankheiten, was einem passieren kann.

Um dies aber nicht als letztes hier so stehen zu lassen, ein paar Impressionen von der Baustelle:




 Meine Füße gegen des Neffen Schuhe: 42:51 . Er hat gewonnen. Mit einem Basketball-Ergebnis...



Premiere: Das erste Lily-Bild im Lily-Blog. Noch 20 Kilo. Wenn man den BMI-Gurus glauben kann, müssen es noch mindestens 30 sein. Das find ich aber zuviel, vermutlich seh ich dann aus wie ein tapeziertes Skelett und alles schlackert und wabbelt nur noch...
Eine schöne Woche. Macht was draus!


Dienstag, 7. Juli 2015

Heiße Sache

so ein Sommer. Streng genommen gehts hier noch, mit 26 ° in der Wohnung und ungefähr 22 im gut abschattierten Altbaubüro. Aber leider muss man ab und zu ins Auto, und dann rächt es sich, dass man eine alte Kiste fährt, mit ohne Klima, schwarzer Innenausstattung und einem ziemlich klemmenden Beifahrerseitenfenster. Donnerstag und Freitag fühlte sich das ganze an wie eine Hochtemperatursauna nach dem Aufguss. Nun denn, es werden auch wieder kühlere Tage kommen. Und wer sind wir, uns zu beschweren... mein irakischer Kollege erzählte heute, in Bagdad seien derzei 54 ° im nicht vorhandenen Schatten. Da werden wir doch wohl 35 aushalten.
Sportbezogen ist das Wetter eine echte Herausforderung. Draußen bewege ich mich derzeit überhaupt nicht, außer ich muss, also trete ich das Trampolin mit den zierlichen Füßen und hoffe das Beste- morgens vor sechs und abends nach acht. Inklusive auf Hochtouren laufendem und direkt auf mich gerichtetem Ventilator. Den Ehrgeiz, den eine Frau am Sonntag zeigte, als sie mitten in der schwülsten Mittaghitze die komplett schattenfreie Querstraße langjoggte, selbstverständlich mit hochrotem Kopf, den hab ich nicht. Die Dame war in etwa meine Gewichtsklasse, also das, was in Kleinanzeigen früher gern mal mit "stattl. Ersch." abgekürzt wurde.
Das Training an sich macht sich ganz gut, inzwischen bin ich bei 45-Minuten-Trainings auf dem Trampolin angekommen. Das Geheimnis ist nicht so sehr die Bewegung an sich, sondern oft die Bekämpfung der schieren Langeweile, die sich einstellt, wenn man läuft und läuft und läuft... Ich habs mit Fernsehen versucht, aber da passiert es bei Passagen mit bewegter Kamera oft, dass ich mich unwillkürlich mit bewege und plötzlich anfange, auf dem Ding zu torkeln. Das ist mir zu gefährlich, also besser kein TV on top of the hüpfding.
Zur Bekämpfung der Langeweile nehm ich inzwischen Zuflucht zur Musik, wobei meine vorhandenen CDs da nicht unbedingt der dolle Fundus sind. Schon mal versucht, zu Franz Josef Degenhardt zu joggen? Oder zu Bach? Eben.
Ergo hab ich die alten Queen-CDs rausgekramt, derzeit ist "Jazz" der Renner. Vor allem Fat bottomed Girls ist da sehr inspirierend... :-)
Und was man sonst noch alles beachten muss (und von mir mühsam erlernt, Sportmuffel, der ich bin) ist, dass der Blutzucker stimmen muss (zwischen 80 und maximal 150 mg/dl), das letzte Essen eine Weile her sein muss (halbe Stunde Minimum) und ein Handtuch in Greifweite. Ab einer Dauer von 30 Minuten schwitze ich wie ein Elch. Mineralien und Wasser sollte man bei dem Wetter auf jeden Fall nachfüllen, sonst geht schnell der Kreislauf in die Knie. Insulin sollte noch in Restmengen kursieren, sonst geht der BZ hoch wie nur was. Aber nicht zuviel, sonst rutscht er in den Keller. Und immer genug essen. Unter 1200 Kalorien am Tag geht gar nichts, sonst fehlt einem die Power für den Sport und jeder Schritt ist nur unter Überwindung möglich.
Ein paar Daten:
609.543 Schritte
486,7 Kilometer
14,3 Kilo
zwei Kleidergrößen.
Schwingt die Hufe, Leute.


Freitag, 3. Juli 2015

Einladungen

In der Süddeutschen, heute, Titelseite: "US-Botschafter ins Kanzleramt einbestellt".
Was machen die da mit ihm?
Schimpfen die? Machen ihm Vorhaltungen mit ernster Miene? Geben ihm einen Brief "für zuhause" mit? Oder läuft das alles anders?

 Kriegt er Apfelschorle oder Kaffee? Ein Stück Erdbeerkuchen, und dann lachen alle herzhaft miteinander über einen weiteren gelungenen Versuch, die Bevölkerung von wichtigen Themen abzulenken?

Es werden Wetten entgegen genommen.

Freitag, 26. Juni 2015

Und das nach all den Jahren (nur Geduld, nach ein paar Sätzen geht es richtig los!)

Am Dienstag Abend war es mal wieder soweit. Ich ging um halb zehn ins Bett, recht müde und ein bisschen fröstelig, war ich doch tagsüber recht nass geworden..Als ich dann gegen drei das zwanzigste Mal wach wurde, weil ich immer noch fror, trotz Schlafanzug, Socken, Bademantel-con-Kapuze und zweier Wolldecken (zusätzlich zum Oberbett), da wurde mir klar, mich hat wohl ein Bazillus erwischt. Morgens dann zeigte mein Thermometer 39,4° und nach einer Krankmeldung kroch ich wieder in meine Kiste. Und blieb da, fast den ganzen Tag. Wenn ich nicht fror wie ein Schneider, dann schwitzte ich wie- äh.
Gestern waren es noch 38,7, und ich konnte schon wieder aufstehen, um mir was zu Essen zu machen. Der Komplettausfall an Mahlzeiten vom Mittwoch hat mich nicht weiter gestört. Heute sind es nur noch 38,2°, aber ich bleibe trotzdem noch zu Hause. Außer diesem merkwürdigen Fieber und dem obligatorischen Raucherhusten hab ich eigentlich nix. Aber solange das nicht vorbei ist, mag ich nicht das Risiko eingehen, wen anzustecken im Büro, womit auch immer. Vor allem der Kollege mit den zwei kleinen Kindern würde sich vermutlich sehr bedanken.
Jedenfalls.
Jedenfalls ist mir in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch jemand im Traum erschienen...
Erinnert ihr euch noch an den Pharao Tröthupes und seine Schwestergattin Wiehießsiedennnoch?
Genau die beiden. Die sind mir erschienen. Bzw. ihre heiligen Nachfolger Tröthupes II und Gibmirdasdaneindasda. Erst hab ich mich total erschreckt, weil ich dachte, jetzt gibts was auf die Omme... mal so einfach fast fünf Jahre kein Lilyskop mehr anbringen geht ja eigentlich nicht. Aber nein. Die Beiden, in all ihrer Herrscher-über-Ober-und-Unter-Ägypten-Herrlichkeit, prächtig anzusehen, verneigten sich vor mir, baten um Entschuldigung für ihr langes Ignorieren guter Traditionen und lobpriesen meine Geduld ("Keine E-Mail, keine SMS, keine Whatsapp-Mitteilung! Wie seid ihr langmütig, Gnädigste!") Ich verriet ihnen nicht, dass ich in der Zwischenzeit eine Fortbildung zur Volapük-Koordinatorin an der Willibald-Tomtschack-Grundschule in Bad Wildsau gemacht habe, und dass ich ihre E-Mailadresse verlegt habe, sondern schaute nur majestätisch-verzeihend auf ihre gebeugten Nacken hinab und überlegte, wann ich wohl wieder einschlafen dürfte.

Sie überreichten mir dann mit einer Menge altägyptischen Rituals (viel Herumgehen mit verdrehtem Kopf und so) ein neues Triangularium des siebzehnten Grades, einen Grillhandschuh in ägyptischem Design (komische weiße Binden), eine olivgrüne Reiseschreibmaschine der Marke Theben de Luxe sowie eine Flasche Mumiensaft (ärg.) Dann übertrugen sie die Lilyskop-Software per Blacktooth auf mein Handy (Blacktooth ist ein eigens vom Pyramiden-Info-Service konzipiertes geheimes und abhörsicheres Verfahren zur Datenübertragung), warnten mich davor, die NSA über dieses Verfahren zu informieren und entschwanden in einer Wolke von senfgelbem Rauch. Ich wäre glücklich, könnte ich behaupten, dass die Wolke angenehm oder auch nur neutral duftete. Aber sei's drum.
Jedenfalls saß ich dann da, die Körpertemperatur unangenehm über 38 ° hoch, und daddelte auf meinem Handy herum. Neben mir lag das Triangularium, und die Reiseschreibmaschine hockte auf der Hitler-Biografie, die mir immer beim Einschlafen hilft. Eine Weile dauerte es schon, bis ich die Zubehörteile richtig konfiguriert hatte (der Grillhandschuh, beträufelt mit ein wenig seine Elastik förderndem Mumiensaft, abgewickelt und an die Leertaste der Schreibmaschine geknotet, und dann gaaaaanz dünn das andere Ende zusammenrollen und in den USB-Slot vom Handy schieben. Das Triangularium auf Theben einstellen, das Programm starten... und schon geht's los. Hier ist es also: Das

Lilyskop 
 für die Zeit vom 31.06. bis 28.07.2015

Warnung: Es handelt sich teilweise um altägyptische Zeichen- gültig sind sie trotzdem!

Steinbock (01.01. bis 17.01.)

Steinbock reimt sich (wieder mal) auf "kein Bock". Das ist keine Entschuldigung, Herrschaften! Statt einfach so auf der Wiese zu stehen oder im Geröll da oben herumzuklettern, solltet ihr, wie alle anständigen Säugetiere, mal überlegen, wann ihr das letzte Mal von einer Steinböckin gehört habt. Seht ihr? Noch nie, wahrscheinlich. Also. Raus mit euch aus der ökologischen Nische, und auf die Suche gemacht. Sonst sterbt ihr aus, und sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Wassermann (18.01. bis 13.02.)

Könnt ihr euch noch an den Typ erinnern, der den Mädels im Büro die Diät-Cola gebracht hat? Der die Kiste auf seinen muskulösen Schultern zu Fuß (wahrscheinlich) bis in die (vermutlich) zwanzigste Etage geschleppt und dann die taubenetzte Dose an den lächelnden Mund gehoben und sich das braune Zeug in den sehnigen Hals gekippt hat? Ja? Gute Nachricht. Das seid nicht ihr. Das ist der Cola-Mann, nicht der Wassermann.
Ihr dürft mit dem Aufzug fahren und einen guten Anzug tragen.
Dafür darf der Cola-Mann anschließend auf dem Weg hinunter mehrmals anhalten, um ein reichhaltiges Mahl einzunehmen, von dem ihr nur träumen könnt. Gegen seinen Zug bei jungen, knackigen Mädels könnt ihr nur euren Lexus und euren Brutto-Wert setzen. Und wenn ihr euch eine von den Ladies gesichert habt, taucht bestimmt so ein Cola-Typ auf (verkleidet als Skilehrer oder Pilatestrainer). Und bei der Scheidung könnt ihr schon mal den Lexus gegen einen Corsa eintauschen. Oder besser noch gegen ein Fahrrad. Damit könnt ihr zwar dem Yogalehrer nicht das Wasser reichen (haha! Wasser reichen!), aber wenigstens ab und zu eine Pizza zu euch nehmen.

Fische (14.02. bis 10.03.)

Fischegeborene sollten sich freuen, denn eine dunkle Phase geht nun zu Ende. Ihr trefft eine interessante Gestalt, die euch magisch anzieht. Doch Vorsicht! Stellt sicher, dass das helle Licht, das ihr seht, nicht die Campinglaterne des Anglers ist, der euch ans Ufer kurbelt. Dann wird alles gut.

Da isser Widder (11.03. bis 07.04.)

Bächlein plätschern gurgelnd durch die Wiese eures Vertrauens. Bienchen surren fleißig von Blüte zu Blüte, der Himmel ist blau wie ein Rotkehlchenei und die Sonne kitzelt eure Nase. Hatschi!

Hundsköpfige Languste (08.04.-03.05.)

Niesende Widder hin oder her, die Languste hat sehr schwere Zeiten hinter sich. Das fängt schon mit dem an, was der gemeine Fernsehkoch ein leichtes Buttersößchen nennt. Herrschaften, sowas gibt es nicht! Wenn Butter, dann schwer. Das wusste schon meine Oma.

Stier (04.05. bis 25.05.)

Bei allem, was ihm heilig ist, findet der Stier doch immer wieder, dass es beklagenswert wenige Wesen auf dieser Welt gibt, die seiner Identitätskrise  adäquates Verständnis entgegen bringen. Hat er nun seine Eier noch oder nicht? Leider ist sein Hals nicht lang genug um das selbst sehen zu können. Und niemand traut sich nah genug an ihn ran, um nachzuschauen. Stiere sollten sich daher einer Selbsterfahrungsgruppe anschließen, um diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Na los!


 Zwillinge (26.05. bis 10.06.)

In meiner Jugend pflegten frivole Gemüter zu sagen: Nie mehr allein, dank Schizophrenie! So weit wollen wir nicht gehen, liebe Zwillinge-Geborene. Vor allem, weil allein sein oft auch schöne Seiten hat... Nicht wahr? NICHT WAHR???

Kleine alte Dame mit einer Chemikalie zum Schirmefärben (11.06. bis 17.06.)

Dies ist eine Weiterentwicklung, liebe Kleine alte Damen. Denn die Auswahl an rosa Taschenschirmen ist begrenzt, und der Rückfall auf beigefarbene hat euch depressiv gemacht. Schließlich kann man sagen, was man will- Beige hat nicht den Bums, den Rosa aufbringt. Auch wenn man noch soviel Kraft nachschiebt. In der U-Bahn fahrt ihr in Zukunft mit mehr Gelassenheit, was eure Kampfkraft  soziale Kompetenz doch erheblich erweitert.

Löw (18.06. bis 10.07.)

War da was? Brüllte da wer? Sind wir Weltmeister oder was? ///error///time schedule disfunct///no world cup///brazilerror101///

Schalentier (11.07.-03.08.)

Wenn Sie sich nicht entscheiden können, ob Sie Fisch oder Fleisch Krebs oder Hummer  sein wollen, dann wählen Sie einfach eine neutrale Bezeichnung. So geht das- statt Müllkippe Entsorgungspark sagen und alles wird gut. Sie werden schon sehen.

Jungfrau (04.08.-22.08.)

Hallo? Jungfrauen? Noch alles intakt? Angeblich wart ihr schon im alten Rom eher selten. Vermutlich, weil neun Monate vor eurer Geburt die Temperaturen einfach zu niedrig sind für Akrobatik der wenig bekleideten Art. Macht euch nix draus. "Willst du was gelten, mache dich selten", sprach die Mutter meiner Freundin, und schnitt das Telefonkabel durch. Will sagen: Ihr seid was Rares. Wachst daran.

Waage (23.08.-12.09.)

Ausgeglichenheit ist eure Stärke, liebe Waagegeborene. Balance ist euer Glaubensbekenntnis, und Gleichgewicht euer Markenzeichen. Ich frage jetzt nicht, ob euch das reicht, das müsst ihr selbst tun. Macht mal was Verrücktes, bringt euch ins Pendeln. Nurmalsodahingesagt.

Skorpion (14.09.-27.10.)

Dies ist ein langer Zeitraum, um nur von einem Zeichen besetzt zu sein. Aber ihr habt das verdient, schließlich gibts euch schon seit langem und in vielen Gegenden, und ihr seid sicherlich weniger selten als Jungfrauen. Schaut bei Wikipedia nach, wenn ihr das nicht glaubt. Insgesamt müssen Skorpione zurzeit etwas vorsichtig sein. Es ist nämlich so, dass die Welt nicht unbedingt gut ist zu Wesen, die häufig mit den Worten "Pass auf den Stachel auf!" angesprochen werden. Haltet also den Stachel im Zaum und den Ball flach, und alles wird sich zum Guten wenden.

Das Göttliche (28.10.-23.11.)

TRÖTHUPES ///Error/// critical syntax failure///nonegyptpyramiddiscount///difficult exceptional hazard/// restart.mummy.txt.///watchamacallit17///

Schütze (24.11. bis 31.12.)


Gute Güte. Ihr seid wirklich ein recht anstrengendes Völkchen, das muss man euch lassen. Etwas sperrig, mit dem  ganzen Schießkram auf dem Rücken, und überall pieksige Pfeile. So ähnlich wie Rouladen mit Zahnstochern seid auch ihr für eure Feinde eher schlecht bekömmlich. Aber während sich der T-Rex noch das Eschenholz aus dem Zahnfleisch zupft, hat eure Familie sich schon in Sicherheit gebracht. So bringt man Opfer, meine Lieben, bravo. Für diesen Edelmut wird am Ende der Laufzeit eures Zeichens ein großes Feuerwerk abgehalten, jedes Jahr und weltweit. Das muss euch erstmal einer nachmachen.


Puh.
Da hat man nun schon das neueste vom Neuen in Sachen Connectivity, und dann kann dieser blöde Computer dieses komische Schwarzzahn-Zeug nicht. Ich musste alles abtippen. Vom Handy. Jetzt brennen mir die Augen. Und diese zwei Fehler zwischendurch konnte ich auch nicht beheben. Da muss wohl noch mal nachgebessert werden von diesem Pyramidendings. Haben Rouladen eigentlich Feinde? Tröthupes? Wo ist denn hier die Helpline, wenn man sie braucht?
Hallo?
HALLO????



///syntax error///Feile not found///technical data overflow///rouladenroll error///pyramid corner counting error///system defunct///total system shutdown immanent///toothpick broken

///fatal error///
Abort?
Retry?
Ignore?

















Montag, 22. Juni 2015

Eine halbe Million

Schritte, sagte meine App vor 15 Minuten.
Das macht ungefähr 400 Kilometer, die andere vermutlich ohnehin gemacht hätten, auch ohne App und alles.
13,5 Kilo, die man erstmal zuviel haben muss, um sie abzunehmen :-)
Das wiederum sind  94.500 eingesparte Kalorien, ca. 1500 kcal weniger pro Tag als ich verbraucht hab.  Um nicht im Jojo-Effekt zu landen, ist Bewegung schon wichtig. Würde ich alle Strecken und Schritte real auf der Straße erbringen, wäre das Ergebnis sicherlich noch anders. Denn auf dem Trampolin ist das alles schon erheblich weniger anstrengend. Allerdings auch nicht so gelenkschädigend, denn ab einem gewissen Übergewicht gehen bestimmte Sachen wie Joggen z.B. einfach nicht. Außerdem trainiert das Trampolin auch noch die ganzen Muskeln die man braucht, um das Gleichgewicht auszutarieren, eine halbwegs gute Körperhaltung ist ein Muss, sonst torkelt man von dem Ding runter. Auch entspannt zu laufen ist wichtig, sonst geht gar nichts. Zudem sollte man vollständig angezogen sein, sonst wird man nicht richtig warm (ich zumindest nicht).
Zum Ausgleich des schiefen Sitzens im Büro (aufgrund von Bergschäden hat das Haus merkbares Gefälle- in einigen Zimmern rollen die Schreibtischstühle ganz von selbst davon) hab ich mir ein aufblasbares Sitzkissen gekauft, das hilft gegen Schmerzen in Hüften und Lendenwirbelbereich. Man sitzt damit auch automatisch gerade, bzw. muss immer wieder tarieren, sonst ist es unbequem. Fast so gut wie ein Sitzball, mit dem positiven Gewinn, dass auf dem Boden liegende Heftzwecken etc. nicht für Überraschungen sorgen.
Das Katzenvolk schaut nicht mehr irritiert auf das leise quietschende Hüpfding, sondern macht sich vom Acker, sobald ich die Schlappen ausziehe (barfußlaufen ist empfehlenswert, da ist der Grip auf der Bespannung besser). Die Nachbarn haben noch nicht gemeckert, wobei das Ding im Wohnzimmer steht und ich davon ausgehe, dass eine Etage tiefer morgens um halb sieben dort noch niemand fernsieht oder tief schläft.

Noch 22 Kilo to go. Und dann bin ich immer noch nicht im wirklich grünen BMI-Bereich.  Aber er ist auch nicht mehr schlaganfall-dunkelrot, so wie noch vor 8 Wochen.



Mittwoch, 17. Juni 2015

Und sonst.

Herzabladeplatz


Selbst Geranien haben ihren Reiz

Unrasiert und Farn der Heimat. Natur ist überall.
Ungezählte Schritte, jede Menge Kilometer und etliche Kilogramm. Der Schritt von 9 zu 10 Kilo war mühsam, merkwürdigerweise. Jetzt rutscht es wieder. Und meine Achillessehne mag es, wenn ich möglichst viel auf dem Trampolin laufe. Doof, wenn das Wetter draußen schön ist, aber Asphalttreten ist echt schmerzhaft.
Schöne Woche noch,


dieLily

Montag, 8. Juni 2015

Und bevor...

man hier den Eindruck kriegt, alles sei  Friede, Freude und kalorienreduzierter Eierkuchen beklage ich mich mal ein bisschen:
Mein Blutzucker macht, was das Scheißzeugs will- egal, was ich spritze oder auch nicht. Einzig die Tatsache, dass ich sonst übermorgen tot bin, lässt mich weiterhampeln. Das mistigste Messgerät von allen versemmelt im Schnitt 20 % der Testflächen, weil wahlweise a) zu wenig Blut drauf ist oder b) zuviel. Die Meldung zu a) kommt praktisch in der Sekunde, in der man den blutigen Finger an das Gerät tupft- keine Chance, überhaupt lang genug dran zu bleiben. Ich könnte es an die Wand werfen und anschließend drauf rumspringen. Es wär mir ja wurscht, wenn ich nicht jede einzelne der 50 Tests enthaltenen Cassetten erstmal vorab bezahlen müsste- jede für knapp dreißig Euro. 20 % Verlust merkt man also in der Kasse, auch wenn das Geld erstattet wird. Durch den wackeligen und unvorhersehbaren BZ-Verlauf brauche ich momentan eine Testcassette per Woche. Mindestens.

Aus unerklärlichen Gründen hebt in den letzten drei Tagen meine Essstörung ihr megahässliches Köpfchen über den Horizont. Das geht nie ohne ein gründliches Tief in der Stimmung ab, wobei ich nicht weiß, was da was verursacht. Kann es damit nicht mal gut sein?? Auch kommt es besonders schlecht, wenn ich abends alleine bin. Dann kann die Essstörung nämlich unbeobachtet an den Kühlschrank. Zum Glück für mich und die Kilos, die ungeliebten, hat das Innere des Kühlschranks momentan die Ausstrahlung einer Klosterspeisekammer in der Fastenzeit. Gemüse, Gemüse, Gemüse. Und Wasser. Ach, und Wasser. Und Joghurt, fettarm, ohne Geschmack. Da ist das essensmäßige Ausrasten nicht so einfach. Gestern hab ich das trotzdem geschafft. Yay me. Aber es war kalorienarmes Zeug, wenn auch ungewöhnlich viel für meine (neuen) Verhältnisse.


Das einzige, was brav seinen Dienst tut, ist die App. Die ist programmiert, und erledige ich a, so macht das Ding b. Das liebe ich.

Jawoll.


Mittwoch, 3. Juni 2015

Unsere Ehre ersäuft im Mittelmeer






Da war einmal ein Land, das einst ein böses Schicksal barg für Menschen, die anders dachten, aussahen, glaubten oder redeten als die, die die Macht hatten. Ein Land, dass sehr viel sehr konsequenten und kompetenten Aufwand betrieb, um alle die, die irgendwie aus dem Gleichmaß heraus ragten, auf effiziente Weise aus der Welt zu schaffen- bis die Welt zurück schlug und es fast dem Erdboden gleich machte. 
Recht getan, murmelte da der innere Ausbalancierer, und beobachtete mit Wohlwollen, dass die Bewohner des Landes sich nach der Am-Boden-Phase ein neues Programm gaben.
In diesem standen die Worte:
Politisch Verfolgte genießen Asyl.
Damit wollten die Bewohner kundtun, dass sie aus dem, was sie getan hatten, gelernt haben- und in Zukunft eine Zuflucht für die bieten wollen, die unter Machthabern leiden, die über Leichen gehen um an der Macht zu bleiben.
Dieser Satz ist, wie vieles in unserem Grundgesetz, eine Folge aus dem, was in diesem Land und in seinem Namen geschehen ist. Eine kleine Wiedergutmachung für Barbarei und Gewalt und den millionenfachen Tod, der einen deutschen Namen trug, zwölf entsetzliche Jahre lang.
Es beschämt mich, die derzeitige Diskussion auf EU-Ebene mit anhören und mitlesen zu müssen. Kaum jemand von uns kann wirklich nachvollziehen, wie das Leben in Syrien, dem Irak, in Nigeria und überall da ist, wo der Staat Amok läuft oder seine Bürger nicht schützen kann. Innenpolitische Spannungen, Strömungen und Verwerfungen kann man kaum für das eigene Land richtig einschätzen. Gefiltert durch Medienberichte und akzentuiert durch Bilder ist es so gut wie unmöglich, wirklich zu begreifen, was einem Menschen in einem x-beliebigen anderen Land an Gefahren drohen kann, und wie verfolgt er sich fühlt.
Für mich steht nur fest, dass niemand, der sich zu Hause sicher fühlt, tatsächlich aufbricht, um mit Mann und Frau und Kind sein Land zu verlassen und ins Ungewisse zu gehen, ohne Geld, mit vagen Träumen von besserem Leben. Dafür muss der Druck verteufelt groß sein, die Angst vor dem Bleiben viel, viel größer als die vor dem Aufbruch und dem Weg ohne wirkliches Ziel. Wenn die eigenen Kinder zu verhungern drohen, ist der Gedanke daran, dass sie in einem fernen Land zwar alleine, aber satt sind, vielleicht auch beruhigender als sie in den sicheren Tod im Heimatland zu begleiten.

Es gehört sich, diese Menschen mit dem Respekt aufzunehmen, den jeder Mensch verdient, und mit der Rücksicht, die traumatisierten Opfern von staatlicher Gewalt (oder Opfern von mangelndem staatlichem Schutz) gebührt.
Menschen zurück zu treiben oder sie lieber ertrinken zu lassen als ihnen von unserer Sicherheit etwas zu gönnen ist eine Schande für unser Land. Ihnen durch EU-sanktionierte Zerstörung der Schlepperboote den Weg übers Mittelmeer zu versperren und sie stattdessen den afrikanischen Mittelmeeranrainern zu überlassen, die kaum ihre eigene Bevölkerung ernähren können, ist ein Verbrechen.
Da stimme ich dann mit Herbert Prantl von der Süddeutschen Zeitung überein: Wo bleibt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger?
Und mir stellt sich die Frage, ob man Friedensnobelpreise auch wieder zurückfordern kann.

Dienstag, 2. Juni 2015

Nurmalkurzzwischndurch

356175 Schritte, 280,90 Kilometer, 9,6 Kilo.



Donnerstag, 28. Mai 2015

Und es ist wieder mal...

so eine Zeit, in der ich mich frage, ob das Bloggen noch das bringt, was ich mir davon erhoffte. Flugs finde ich mich bei der Befummelung der Frage, was es denn überhaupt war, was mir da so vorschwebte- Ruhm und Ehre? Buchverträge? Zuspruch? Kostenlose Therapie-durch-von-der-Seele-Schreiben? Oder was?
Beantworten kann mir die Frage ohnehin niemand, also muss ich sie allein behirnen. Vermutlich war es zu Anfang eine Mischung von allem, samt einer gehörigen Portion Exhibitionismus, die man wohl haben muss. Ruhm, Ehre und Buchverträge sind soweit ausgeblieben. Da muss ich noch dran arbeiten, fürchte ich- für Selbstverlag fehlt mir der Fatalismus und der unbedingte Wille zum meine-Sachen-gedruckt-sehen-Wollen. Auch das Geld, versteht sich. Denn verdienen lässt sich damit in vermutlich 9999 von 10.000 Fällen kein Cent, im Gegenteil.
Die Selbsttherapie ist insoweit erfolgreich, als dass ich manche Gedanken schriftlich und mit dem Zwang zu einer gewissen Form einfach besser sortiert bekommen habe. Meinem Hang zu schönen optischen Eindrücken konnte ich Ausdruck verleihen, mittels ungezählter Fotos und viel Lob von euch, wofür ich extremst dankbar bin.
Was ich gelernt habe, ist, dass ich nicht schreibe um Kommentare zu kriegen. Die sind nur ein Zückerchen, und damit sollte ein Diabetiker ja vorsichtig sein. Sie sind ein schönes Zückerchen, zugegeben, und ich freu mich wie Bolle, wenn welche kommen. Den Gedanken "Was schreibe ich denn hier Falsches? Die Leute kommentieren nicht! Hilfe!" den hab ich aber schon lang nicht mehr gedacht, und der bringt einen auch nicht weiter. Meine Ziele  (oder was an vagen Vorstellungen hier als Ziel herhalten muss) erreiche ich garantiert nicht damit, Wunschvorstellungen zu bedienen. Viel weniger noch die Sorte, die man nur erraten kann. Damit verdienen Rundfunk und Fernsehen ihre Kohle.
Es liest sich so, und fühlt sich auch so an, als sollte ich nett weiter bloggen. Das werde ich tun, egal, wie überlebt das Konzept auch sein mag. Für 160 Zeichen-Begrenzungen rede ich zu gerne, nur Fotos sind auch doof, und der große Gegenwartsroman wartet vermutlich nicht wirklich gerade auf mich.
Also- hier wird fortgesetzt, auch wenn die Lücken definitiv da sind.




Mittwoch, 27. Mai 2015

Neulich beim Akustiker:

Volker hört die Signale.


(ich weiß- schwach.)

Ich...

war mal rischtisch witzisch...

Zumindest glaub ich, dass ich das war :)

Montag, 25. Mai 2015

Pfingsten



Jawoll.

fig. 1: Passend markierter Stein.

Pfingsten, und es stand ein erneuter Ausflug an, diesmal zum Schloss Augustusburg und zum Max-Ernst-Museum in Brühl.
Das Schloss ist seit 1984 Weltkulturerbe- und man muss Barockschlösser nicht lieben, um total, komplett und vollständig geflasht im Treppenhaus zu stehen... "Prachtvoll" ist der richtige Ausdruck für die Fresken, den Marmor, den Stuck, die Vergoldung, die Fliesen, das Porzellan, die Gemälde und kleinen Absonderlichkeiten am Rande. Wenn ihr irgendeine Gelegenheit habt, dahin zu fahren: FAHRT. Es ist atemberaubend schön, ein wirklicher Schatz. Damit meine ich nicht den materiellen Wert, der Richtung absolut unbezahlbar tendieren dürfte. Sondern auch das Schloss ist, ebenso wie die Japan-Ausstellung im letzten Jahr im Folkwang-Museum etwas, um die Augen und die Seele mit Schönheit aufzufüllen. Ich brauche so etwas wohl von Zeit zu Zeit...
Leider darf man im Schloss nicht fotografieren. Ich bin da hin- und hergerissen, denn einerseits möchte ich gerne mal etwas Innentechnik ausprobieren, andererseits ist die Welt, gesehen durch den Sucher der Kamera, anders. Schönheit ist dann plötzlich eine Frage von Perspektiven, Farben, Winkeln und Schatten, und sie reduziert sich auf Technik. Die kleinen, feinen Schmetterlinge im Bauch, die bleiben dann weg und alles schnurrt zusammen zu ein paar Bits auf meinem Rechner. Naja, eher zu einigen Gigabyte.
Im sehr formell und barockig angelegten Garten hingegen und im umliegenden Wald darf man fotografieren, und das hab ich auch getan.
fig. 2: Ein Schloss, ein Schloss!

Japaner und Amerikaner waren in Bus-Stärke da. Aber wir kamen früher und fuhren später weg, so dass es auch viele Augenblicke ohne wuselnde Menschen gab.
fig. 3: Geländerdetail. In dem zentralen Kreis ist das stilisierte Monogramm des Bauherrn enthalten, noch ein Clemens August











fig. 4: Aber einer aus dem Hause Wittelsbach.
fig. 5: Formelle Gartenanlagen haben ihren Reiz...
fig. 6: ...und die Planer verstanden was von Ausblicken und Einblicken.
fig. 7: Stillleben einer Pause.

fig.8: Die geben keinen müden Hering für das prachtvolle Drumherum.

fig. 8: Als wir uns einmal verlaufen haben.  
fig. 9: Da war es aber auch schön.
Fig. 10: Auf dem Weg zurück zum Auto. 
Angesagt war dann auch noch das Max-Ernst-Museum. Das war auch toll, aber nicht so überschäumend farbig und prachtvoll. Es hätte einen eigenen Besuch verdient.
Das zu Augustusburg gehörende Jagdschlösschen Falkenlust haben wir uns gespart. Aber wenn die Foto-Ausstellung im Max-Ernst-Museum beendet ist und eine neue zu besichtigen, dann fahren wir wieder nach Brühl. In das andere Schloss, und auf jeden Fall wieder ins MEM.

Gesamtbilanz des Tages waren übrigens 13.111 Schritte. Das sind knapp 10 Kilometer- seit ich mit dem Gehen begonnen habe, summiert sich das auf ungefähr 270.000 Schritte und 226 Kilometer. 8 Kilo hab ich unterwegs verloren. Wer sie findet, darf sie behalten.

Schönen Montag noch!

Die Lily.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Därrrr Wiiiiiind...

Ne. Nicht der Wind hat mir ein Lied erzählt: Die Drossel oder Krähe oder was weiß ich hat mir was geschissen. Aufs Auto.

Von der Weltmeisterin im Kunstscheißen... 
Und on a totally unrelated basis:
Gestern waren eine Freundin und ich im Arp-Museum in Rolandseck. Wir hatten so fantastisches Wetter, dass wir nicht nur die Ausstellung sondern vor allem den Ausblick von der Bistro-Terrasse sehr genossen haben. Siehe hier:


 Den Namen von der Installation hab ich leider nicht richtig behalten. Aber diese kleinen Säckchen waren mit duftenden Kräutern und Gewürzen gefüllt, und es war ein fantastisches Licht innen drin. Plus: Man durfte fotografieren. Wie man sieht :) Später nahm dann eine Gruppe innen Platz, jemand machte Musik auf Klangschalen- außerirdisch.


Aussicht von der Bistro-Terrasse auf den Rhein


Die Sprache verschlagen (aber nur kurz, möchte ich betonen) hat mir das hier:


Nur temporär ohne Worte.
Schöner Tag, das.
Und einen ebensolchen wünsche ich euch heute :)

Die Lily

Mittwoch, 13. Mai 2015

Kleine Zwischenbilanz...

aus mittlerweile 22 Tagen mit meinem kleinen Fitness-Coach:

ca. 175.000 Schritte insgesamt, das sind ca. 135 Kilometer zu Fuß zurück gelegt
Im Mai verzehrte Kalorien 16.000
Im Mai verbrannte Kalorien 38.000
(Im April hab ich das Essen noch nicht erfasst, weil ich noch nicht wusste, wie lustig das ist. Vor allem die Vollkornbrötchen ohne Ballaststoffe und die Eier ohne Cholesterin).
Insgesamt abgenommen: 6 Kilo.
Aufgehört haben die Hüftschmerzen, das Gefühl, dass einen nachts einer verhaut und man deshalb so schmerzhaft aufsteht, der Blutdruck ist gesunken und der Blutzucker verläuft etwas harmonischer. Letzterer neigt aber häufig dazu, zu sehr abzusinken. Das wird sich geben, wenn ich die Dosierung vom Basalinsulin besser geregelt kriege.
Ich bin vom Tempo einer geriatrischen Schnecke jetzt soweit entfernt, dass ich zwischendurch mal einen Spaziergänger überholen kann... bei meiner ersten 6000-Schritt-am-Stück-Runde war ich gegen Ende froh, einen Rollator-Club hinter mir lassen zu können.
Leider macht meine linke Achillessehne Ärger, und bremst ziemlich. Also auch weiterhin kein Schritt ohne Schmerzen, aber sie sind geringer, und das ist schon mal was.
Die Software macht das mit dem Motivieren immer noch toll. Sie sagt mir, wie ich in der Statistik liege, und findet immer einen Durchschnitt, den ich übertreffe. Kleine Informationen kriegt man nebenbei serviert, und auch die Philosophie der Entspannung, des guten und gesunden Essens und vor allem des ausreichenden Schlafs gehören mit zum Credo. Nichts von dem Info-Kram kommt herablassend oder besserwisserisch rüber, und da bin ich doch sehr froh. Und es hat mich gestern gefreut, das erste Mal eine 7-Tage-Reihe mit Schrittzahlen über meinem Durchschnitt hintereinander hingelegt zu haben. (Das erhöht den Durchschnitt natürlich- geschickt, was?)
Die Diabetes-Plus-App ist eine gute Ergänzung. So lange und so bequem hab ich noch nicht Protokoll geführt, ohne ein fleckiges, zerknicktes Büchlein mit mir herumzuschleppen. Und ich kann jederzeit, wenn der Blutzucker in die ein oder andere Richtung abrauscht, in der Tracker-Software auf Spurensuche gehen, denn da steht alles drin. Essen, Bewegung, Schlaf.
Alles in allem war das die sehr richtige Entscheidung, meinem kleinen Bruder auf seinem Fußweg zu folgen.Der hat einen sensationsverdächtigen Berg abgenommen, sieht zwanzig Jahre jünger aus und seine Gesundheit ist wie neu.
In den nächsten knapp zwei Wochen, bis ich wieder arbeiten gehe, werde ich mir Wege überlegen, wie ich auch mit 9-10 Stunden Büroarbeit am Tage auf meine 10.000 Schritte komme.
Ich schätze, das wird darauf hinaus laufen, demnächst zur Arbeit zu laufen. Laut Google-Maps sind es auf dem kürzesten Weg, den man mit dem Auto nicht nutzen kann, 4,2 Kilometer. Derzeit brauche ich dafür eine gute Dreiviertelstunde. Und nicht alle Wege sind da so schön. Mal sehen. Das wird nicht jeden Tag funktionieren, aber warum sollte ich mein Auto nicht meistens stehen lassen?

Heute geht es ins Arp-Museum in Remagen. Ich freu mich schon :-)

Donnerstag, 7. Mai 2015

Kleine Komposition von Vogel sowie Katze an Hut- letzterer ohne große Passform.

Nach längerer Pause (und im Zuge der derzeitigen Konditions-Verstärkungs-Maßnahmen) hat die hier Schreibende mal wieder einen Ausflug in einen örtlichen Tierpark unternommen (genauer gesagt in das Tiergehege im Oberhausener Kaisergarten). Da die Lauferei meine Achillessehnen ordentlich in Mitleidenschaft gezogen hat, sind stramme Fußmärsche im Moment nicht drin, aber ein Spaziergang, vor allem mit Kamera, auf jeden Fall.
Ehrlich gesagt war ich ziemlich trüb drauf, im Anschluss, trotz einiger schöner Motive. Aber die Rehe und Hirsche in kleinen, düsteren Gehegen auf schwarz getrampelter nackter Erde haben mich doch ziemlich schockiert, ebenso wie der in einer Ecke jenseits der Hauptwege untergebrachte Zwergotter- von dem ich den Eindruck hatte, dass er alleine da leben muss. Als ich um die Ecke bog, kam er auf mich zugerannt, warf sich auf den Boden und begann wie wild mit einem Stein zu spielen- das machte den Eindruck eines Tieres, das sich in der Regel zu Tode langweilt.
Ich glaube, sie sollten sich auf Haustierrassen beschränken. Vor allem das Rotwild ist hinter Stabstahl untergebracht, ohne großartige Deckungsmöglichkeit, und steht meist stumpf am Gitter herum. Die meisten Tiere darf man füttern, mit Möhren oder Futter aus den Automaten. Der Eintritt ist kostenlos, und es ist ein recht beliebter Aufenthaltsort für Familien mit Kindern, die nur mal eben raus wollen aus der Stadt.  Aber für die in der Mehrzahl noch im Buggy sitzenden Kinder reichen auch Hühner, Schafe, Ponys und Ziegen vollkommen aus.
Ich finde Zoos an sich sind ein diskussionswürdiges Unterfangen, auch wenn ich die Tiere als Fotogelegenheit sehr schätze. Die Arterhaltungsargumente sind mir alle bekannt, und ich kann sie nachvollziehen, dabei stellt sich mir jedoch immer die Frage, für welche Umwelt und welche ökologischen Nischen und Lebensräume man die Art denn erhalten möchte. Berggorillas für übervölkerte Städte da, wo bisher ihre Regenwald-Bäume standen? Okapis für Stadtparks?
Nevertheless.
Ich war Fotografieren.

Spindle Springs Brücke

Herr Pfau, der nachher noch mal erscheint. Er oder auch vielleicht sein Kumpel.

Hühner bei der Frühstückspause.

So'ne Art Siesta.

Die schönsten Hutfedern bleiben beim Eigentümer.

Waiting.

Das arme Zwergotterntierchen.

Herr Pfau, Teil 2. Er war sehr ausdauernd.

...sag ich doch.

Frau Pfau kennt das alles schon.

Hauptsache die Haare liegen :-)

Echt schick...

...auch die nicht ganz so spektakulären Gefiedergegenden.

...aber der Rest tut auch, was er kann.


Dann ist noch zu berichten, dass UnserZwen sich geweigert hat, als einziges Hutmodell zu dienen. Er regte an, die andern hier wohnenden Gestalten von ähnlicher Kopfgröße an der Modenschau zu beteiligen.
Heraus kam das:

Der Herr Paul, den wir schon von dem hier kennen:



Das ist ungefähr 6000 Fotos her.
...und der hier hat vor lauter Schreck alle Farbe verloren. Vor allem aus den Augen.