Donnerstag, 27. Januar 2011

Neu

Manchmal kann man im Internet was lernen!
Jawohl!Einseinself!

Schaut mal da:

Ein neues Wort!
Das ich das noch erleben durfte- hoch lebe Windows 7.
Die Datendateien waren schlichte Bilder, aber was solls.

Schönen Tag Euch allen,

Lily

Dienstag, 25. Januar 2011

Aus lauter Langeweile

Ist euch auch schon mal aufgefallen, dass gegen Langeweile eigentlich nur das hilft, auf das man grad am wenigsten Lust hat? Hat man sich in sein Schicksal ergeben und einfach angefangen, geht’s meist ziemlich gut voran, und manchmal macht es sogar Spaß.

Das geht bestimmt vielen, wenn nicht allen Leuten ab und zu so.



Eigentlich ist das auch nichts schlimmes, uneigentlich doch. Dann nämlich, wenn das, was man so am Start hat, einen an und für sich schon langweilt. Das ist dann ein Teufelskreis.

Der einzige Trost ist vielleicht, dass man sich gehörig fleißig und tugendhaft fühlt.



Gegen Abheften hilft aber auch das nicht. Das kann mich persönlich zu Tränen und Wutanfällen der Langeweile bringen. Und ich bin dann so was von schlecht, dass ich nicht mal mehr das ABC kenne, sondern mir jedes Mal leise die Buchstaben hintereinander aufsagen muss. Das ist sehr doof, deshalb mag ich Sachen nicht, die alfabetisch abgeheftet werden müssen. Sonst komm ich mir extrem beschränkt vor, und das ergänzt sich dann prima damit, dass ich kaum Kopfrechnen beherrsche. Grundschulwissen mangelhaft könnte man dann sagen.

Ich hab auch eine Entschuldigung dafür: Ganzheitsmethode, und Mengenlehre.

Beides war schwer in Mode, als ich Grundschulkind war. Dass wir Modellschule waren, ist nichts, was dem hätte abhelfen können. Ganzheitsmethode bedeutete, dass Worte nicht Buchstabe für Buchstabe erlesen wurden, sondern dass man sich sofort ganze Worte einprägen musste. Die üblichen Schwingübungen der Einzelbuchstabenschreiblernweise fielen auch weg. Kaum einer von uns hat eine vernünftige und gleichmäßige Handschrift entwickelt. Dafür bin ich für Verleser gut- letztens las ich:

„500 Stück Sch*mlippen, Farbe orange“, wo etwas von Sammelmappen stand. So was passiert laufend. Kann ich irgendwo gegen den damaligen Kultusminister klagen, bitteschön?



Tja, und die Mengenlehre. Meine Mutter, von Fünf-und-fünf-macht-zehn geprägt, musste sich von ihrer sechsjährigen Tochter erstmal sagen lassen, dass die Gesamtmenge der Mädchen in grünen Röcken kleiner ist als die Menge der zweiarmigen, blondhaarigen Lehrerinnen.

Und erst die Teilmengen, Schnittmengen und ungleichen Mengen! Die Blackbox (auch „Rechenmaschine“ genannt), in die man etwas hineintat, etwas hinzufügte, weg nahm, vervielfachte oder so und dann eine Menge X heraus kriegte… Ganz zu schweigen vom Rechnen im Zweiersystem, die bekannte Acht wurde dabei zur 1 0 0, und in der zweiten Klasse wussten wir alle, was 10 ³ war, aber nicht, wie viel drei mal sieben ergeben würde.



Kurz vor dem Übergang in die weiter führenden Schulen fiel dann jemandem auf, dass die anderen Kinder sämtlich andere Dinge gelernt hatten, und wir mussten im Schweinsgalopp das kleine und das große Einmaleins lernen.

Unser unfallfreies Hantieren mit logischen Blöcken (so hieß die Sammlung bunter, sortierter Plastikklötzchen, mit deren Hilfe wir munter mengten, teilten, schnitten) brachte keinen nennenswerten Vorteil, als es dann mit dem üblichen, unveränderten Gymnasialstoff weiter ging, und es half auch nicht, dass wir gelernt hatten, die Wortart „Tuwort“ sei tatsächlich vorhanden. Ich finde heute noch, dass dieser Ausdruck komplett daneben liegt, und er tut mir im Kopf Aua machen.



Ich fürchte, aus dieser Art Erfahrung hätte man lernen können, dass es wenig bringt, an einem Stückchen Schule herumzukauen, wenn man das, was folgt, nicht darauf abstimmt. Okay, das Lesen haben wir alle gelernt, und ich persönlich finde, dass das ganzheitsmethodische Lesenlernen einige Vorteile hat- man liest schneller, wenn man es intus hat. Es bringt jedoch vermutlich nur dann einen wirklichen Vorsprung, wenn der Wortschatz der Kinder groß genug ist, dass der Abgleich des Wortbildes mit dem Speicher im Hirn auch Treffer bringen kann.

Ich bezweifle jedoch, dass das irgendwer damals in Betracht gezogen hat. Wenn es um die Interessen der Kinder und das leichtere Lernen gegangen wäre, dann hätte man vielleicht zunächst mal dran denken können, dass die Klassenstärke von 42 Kindern suboptimal war, und dass die Bestückung der Lehrkörper mit Altnazis auch nicht gerade zur ethischen, politischen und gesellschaftlichen Bildung der Zöglinge beitrug.



Sinn von Schule kann nie einen einzelnen Bruchteil der Gesellschaft allein betreffen, sondern sollte immer nur allen Beteiligten dienen. Und das sind Kinder, Eltern und irgendwann mal die Wirtschaft und die Politik.

Um das zu erreichen, sollte eines der Hauptergebnisse schulischer Bildung sein, dass Menschen die Schule verlassen, die in der Lage sind, unabhängig zu denken, sich neues Wissen selbständig erarbeiten und Sachverhalte würdigen und einschätzen können, und die in der Lage sind, die Verantwortung für das zu übernehmen, was sie mit ihrem Wissen anrichten.

Dann wäre es auch wurscht, ob man Delfin oder Delphin schreibt.



Es scheint mir aber, als sei es nach Jahrzehnten, in denen es um Selbstverwirklichung ging, nur noch wichtig, der Wirtschaft gesundes Menschenmaterial zur Bilanzoptimierung zu liefern.



Fühlt sich falsch an.



Aber ich bin auch Laie, und sehr zufrieden, nicht Lehrerin geworden zu sein.



Liebe Grüße an Alle,



von

Lily.

Samstag, 22. Januar 2011

Ende

Wenn ich mir bei einer Sache sicher war, dann dabei, dass ich ein sprunghafter Mensch bin, der unter Hinterlassung von Trümmern durch sein Leben (und manchmal auch durch das anderer Menschen) rennt.
Durchhalten, so dachte ich mir, sei eine Qualität, die ich nicht beherrsche. Beispiele schien es viele zu geben.
Dabei ist mir komplett entfallen, dass ich bereits einen Haufen nicht so angenehmer Dinge sehr, sehr lange ausgehalten habe. Die Sprunghaftigkeit bezog sich eher auf Banalitäten.
Dazu zählten Dinge wie z. B. Hobbys, die ich mit Elan begonnen, aber schnell wieder aufgegeben habe. Natürlich nicht, ohne mich der Sprunghaftigkeit zu bezichtigen, die in der Skandalliste eines ordentlichen Haushalts direkt hinter schmutzigen Fenstern rangiert.
So manchen Vorwurf hab ich auf diese Weise eine ganze Zeit locker herumjongliert, bis gnädiges Vergessen es ermöglichte, etwas neues, z. B. einen neuen Versuch im Sportstudio, zu starten.

Bei den Dingen, die man als zentrale Bereiche seines Lebens einordnet, war ich hingegen überhaupt nicht sprunghaft, sondern eher jemand, der sein ganzes Geld auf ein bereits ziemlich totes Reittier setzt.
Fünf Jahre ambulante Therapie, bis ich begriffen habe, dass ich so nicht weiter komme.
Dreiundzwanzig Jahre in einem beruflichen Einsatzgebiet verbracht, das ich nach zwei Jahren hätte verlassen müssen, wenn ich etwas klüger gewesen wäre.
Zwei Jahre die toten Reste einer Ehe in meinem Leben gelassen, nur, um- tja, was eigentlich?
Alle diese Dinge haben eins gemeinsam:
Da stand die Lily, und vor ihr das Problem. Das wurde beschnuppert, bekaut, mit Fingernägeln, Fäusten und Tritten beharkt, gekrault, gehätschelt, diskutiert, beweint, begrübelt, hinwegverdrängt, ignoriert, mit durchwachten Nächten bestraft, mit Alpträumen, Fressanfällen und suicidal Sundays bestickt und trotz aller internen und externen Diskussionen nicht beseitigt.
Meist, weil ich einfach nicht zugeben wollte, dass eine Sache, die ich mit Herzblut betrieben habe, einfach nichts für mich ist. Oder, schlimmer noch, dass ich alleine damit nicht (mehr) fertig werde.

Übersehen habe ich dabei, dass ich mich regelrecht einmauere hinter diesen Problemfeldern. Bis sie meinen Horizont komplett einnehmen, und dahinter nichts mehr sichtbar ist.
Meine neurotische Psyche hat dann auch noch die Angewohnheit, diese Sachen zeitversetzt zu problematisieren.
Thema a), ein berufliches Problem zum Beispiel. raubt mir nachts den Schlaf. Ich kann in dieser Zeit jedoch nichts daran machen, weil ich einfach zu Hause bin, und nicht im Büro.
Übernächtigt betritt man dann selbiges, und kann sich den ganzen Tag nicht auf den Job konzentrieren, weil Thema b), die Dinge, die man zu Hause hätte erledigen müssen, wie ein Köder vor der eigenen Nase herumtanzen.
Nicht gut.
Ich habe im letzten Jahr zwei wichtige Entscheidungen getroffen: In die stationäre Therapie zu gehen, und um Versetzung aus meinem Arbeitsbereich gebeten.
In der letzten Woche habe ich noch eine gefällt. Das Problem selbst ist hier nicht wichtig. Wichtig ist aber, dass es mir sehr lange sehr schwer gefallen ist, mich ihm zu stellen und die nötigen Schritte zu unternehmen, und mit jedem verspätet, zögernd und verängstigt unternommenen Teillösungsversuch wurde es schlimmer.

Ich habe so oft gebetet und mir gewünscht, dass dieser Problembereich endlich aus meinem Leben verschwindet, und zwar auf eine Weise, die mir erlaubt, mich weiterhin im Spiegel ansehen zu können. Gleichzeitig habe ich nicht einen Schritt unternehmen können, der mich diesem Ziel näher gebracht hätte. Ich weiß, wie sich das Karnickel fühlt, wenn sich vor ihm die Schlange aufbaut, das könnt ihr mir glauben.

Offenbar ist dieser mein Wunsch angekommen, und zwar in der richtigen Abteilung beim lieben Gott, beim Universum oder wer sonst fürs Wünscheerfüllen zuständig ist (huhu Kate :-)))

Ich habe eine Entscheidung gefällt, eine für mich noch vor vier oder fünf Tagen undenkbare Entscheidung, die sich so wunderbar anfühlt- die mich in die Lage versetzt, wieder handeln zu können. Ungefähr so muss sich ein Alkoholiker fühlen, wenn er endlich vor sich selbst und seiner Umwelt zugibt, dass er allein nicht mehr zurecht kommt.

Wie gesagt: Das Problem selbst ist absolut unwichtig. Wichtig ist, und das will ich hiermit sagen, dass es sich lohnt, ehrlich mit sich selbst zu sein. Auch wenn das heißt, dass man vielleicht befürchten muss, sein Gesicht zu verlieren- keine Angst, das findet sich wieder.

Es ist besser, ein anonymer Alkoholiker zu sein (und damit seinem Thema ins Auge zu schauen) als ein stadtbekannter Säufer, der sich vormacht, er wäre ein guter Kerl, der nur ab und zu zu tief ins Glas schaut.
Also, Alkohol ist absolut nicht meine Baustelle, muss ich sagen- aber ich kann sehr gut nachvollziehen, wie befreiend es ist, endlich die Existenz eines Problems anzuerkennen. Zuzugeben, dass man nicht der große Zampano ist. Sondern nur ein ordinäres kleines Würschtchen, das noch dazu in einer zugigen Ecke hängt.
Jedem anderen verzeiht man das, ohne Frage. Warum nicht auch sich selbst?

Das war so ne Art Wort zum Samstag, ihr Lieben.
Und das nächste Mal sehen wir uns wieder wenn es heißt: Fragt Tante Lily, wenn ihr was wissen wollt.

Schönen ersten Wochenendtag
wünscht
DieLily

Mittwoch, 12. Januar 2011

Frostschäden

Wo man hinschaut: Löcher. Suppenschüsseltiefe Dinger, die die Straße zu einem Abenteuerspielplatz machen, vor allem mit wackligem Auspuff. Ich nehme noch Wetten an, wie lang der hält. Meinen Sohn setz ich nicht drauf an, der hat die Winterreifen an den Wagen getüddelt, ohne zu prüfen, ob sie noch Luft haben (hatten sie nicht). Aber er hat immerhin gemerkt, dass der Wagen so komisch nach links zieht. Aha. Er meinte, man müsse damit zum Spur einstellen. Ich glaube, er hat nicht verstanden was man zuerst prüft, wenn die Maschine nicht läuft: Ob alles da ist, was sie braucht. In diesem Falle Luft. Manchmal der Stecker, obwohl das beim Autofahren nicht so häufig ist (kommt aber auch vor, fragt mal meinen TomTom und sein Kabel, mit dem er Radio hört).



Es klaffen auch Löcher in meiner Blutzuckerkurve, vorhin jedenfalls, und das Scheißgefühl will nicht weg gehen. Der Unterzucker selbst ist längst behoben, der Nachgeschmack bleibt, und fühlt sich wie Schwäche und Ich-Will-Nach-Hause an. So tief runter (BZ = 42- und ich sag euch, das merkt jeder) (42 ist ohnehin eine Zahl, die man sich gut merken kann) war ich schon lang nicht mehr, hab aber auch keine wirkliche Ahnung, warum das so ist. Ich bin sogar langsamer ins Büro gelaufen als sonst, weil der Bus so früh da war, dass noch reichlich Zeit blieb- an übermäßiger Bewegung kann es nicht liegen.



Letztens hab ich „Pah!“ gesagt, und meinen Kopf samt Zubehör in den Nacken geworfen wie Miss Piggy. Dabei ist mir mit Schmackes die Brille von der Nase geflogen und auf dem Boden zerschellt. Blöd war, dass ich gerade 40 km von Zuhause weg war. Gut war, dass die Brille so geschickt zerbrochen ist, dass man sie provisorisch mit Klebstreifen reparieren konnte. Zu Hause musste dann das Tübchen mit dem Sekundenkleber zeigen, was es kann- da ein Stück vom Gestell weg gebrochen war, musste das Brillenglas in den Rest eingeklebt werden. Abenteuerlich, ich sags euch… Erst nach Beendigung der Angelegenheit, als ich meine Finger wieder von dem Gestell abgebrüsselt hatte, ist mir eingefallen, dass ich ja noch eine Brille habe, die vielleicht die Reparatur der anderen etwas einfacher hätte gestalten können. Nun ja.



Mir ist kalt, und ich will ins Bett. Menno.



DieLily, die vielleicht einfach nur eine Grippe in den Knochen stecken hat.

*fröstel*

Dienstag, 11. Januar 2011

Staub und Glitter

Am Wochenende war ich, wie schon geschrieben, auf dem Kostümfest bei meiner Freundin Barbara. Und da das Thema „Märchen“ lautete, konnte ich natürlich nicht als kleiner Eisbär gehen, denn so einer kommt in meinen Märchen nicht vor. Stattdessen habe ich mich in eine – tataa- Königin verwandelt. Zu diesem Zwecke habe ich tatsächlich ein Kostüm käuflich erworben, denn meine Nähmaschine ist leider im Eimer. Außerdem kann ich nicht nähen. Schon mal gar nicht für mich. Ergo die Investition, die ich nicht bereue, denn das Kostüm kam pünktlich, ist, gemessen am Preis und Anlass, sehr gut verarbeitet, sitzt, passt, wackelt und hat Luft (vor allem das mit der Passform ist sonst so eine Sache). Dann schritt ich noch zur Beschaffung einer Perücke. Mit roten Walle-Locken, und bis zum halben Rücken hinunter hängend. Ein klitzekleines bisschen hat das Ensemble an eine Thekenschlampe der gehobenen Preisklasse erinnert, aber nur ein bisschen. Die Beschaffung einer Krone hätte dem abgeholfen, aber ich wollte nicht noch mehr Geld ausgeben.

Nachdem ich in dem Kleid einen ganzen Abend lang unterwegs war, muss ich sagen, dass diese Mode die meine gewesen wäre. Alle Problemzonen verschwanden gnädig unter einem weiten doppelten Rock, der munter vor sich hin schwang. Sowohl Essen als auch Atmen war im gebotenen Umfang möglich, da das Rückenteil des Mieders tatsächlich elastisch ist und daher so einiges an Aktivität erlaubt.

Die Perücke war ein bisschen was Anderes. Auch das Netz, an dem die Haare angebracht sind, ist elastisch, aber nicht so recht für meine Kopfform gedacht- oder ich hätte noch ein paar mehr Haarnadeln hineinrammen müssen, um das ganze wirklich rutschfest unterzubringen. Dazu kommen meine inzwischen recht langen Haare, die auch nicht so einfach zu verstecken waren- und flugs hat man ein Problem. Was zu Beginn des Abends noch gut saß, zeigte im Lauf der Zeit deutliche Rückzugstendenzen, und außerdem war das Ding warm und juckte ein bisschen. Aber es war auszuhalten, Alles in Allem. Nicht zum Einsatz kam der Handdomino (das ist nicht das, was man glauben könnte, sondern die Maske am Stiel, die vornehme Personen sich vors Gesicht halten, wenn man sie nicht erkennen soll). Leider verträgt sich so ein Ding nicht mit einer Brille. Sie (die Maske, nicht die Brille) flog recht bald in eine Ecke, wo sie vermutlich immer noch liegt- keine Ahnung, denn das ist nicht meine Ecke, sondern Barbaras, und wenn sie das Ding nicht entsorgt hat, bewahrt sie es noch immer auf.

Ich hatte bei den Vorbereitungen unglaublich viel Spaß, und hätte mir um nichts auf der Welt diese Feier entgehen lassen. Dafür hab ich sogar drauf geachtet, immer schön warm angezogen zu sein in der Woche vorher, damit mich nicht doch noch die Erkältung erwischt, die sich angekündigt hatte.

Elena, die ebenfalls eingeladen war, hatte sich als Herzogin (meine Kammerzofe, jawoll!) verkleidet, und wir haben ein Traumpaar abgegeben. Jetzt kann der Karneval kommen. Verkleidet macht das sogar mir Spaß. Und wenn ich mal keine Lust mehr auf Büro habe, kann ich einen Nebenerwerb als Domina aufmachen. Peitschen kann man doch sicher von der Steuer absetzen, oder?



Fragt sich



Die Lily

Freitag, 7. Januar 2011

Heute

morgen in unserem Intranet. Ein Katerchen abzugeben. Entzückend anzusehen, ein Tigerchen mit grünen Augen, der ein bisschen schüchtern in die Kamera linst. Wieder so ein Moment zum Wegsehen. Nein, liebe Lily. Nicht noch mehr Katzen… Ein Teil von mir wünscht sich, ich hätte noch keine, dann könnte ich mal wieder welche retten, wovor auch immer. Abends, umlagert von meinem vierbeinigen Wärmeschutzring (unabhängig von der tatsächlichen Notwendigkeit einer animalischen Zusatzheizung) habe ich meine Zweifel, ob ich a) tatsächlich meine vier bepelzten Egoisten nicht haben wollen würde, und b) ob es nicht, alles in allem, leichter wäre mit nur einer, oder (Blasphemie) sogar ganz ohne Katze.

Letzteres Leben wäre sicherlich billiger, wartungsärmer, wohnungstechnisch leichter und staubfreier. Ich hätte länger etwas von tapezierten Wänden und vom ein oder anderen Möbelstück- mein Poäng zum Beispiel sähe nicht aus wie von einer Katzenhorde bekratzt, behaart und von Zeit zu Zeit mit Futterbröckchen verziert. Besuch darf sich gern eine meiner vielen Decken schnappen, die auf allen Sitzmöbeln liegen. In weiß, damit man die hellen Katzenhaare nicht sieht. Wenn hoher Besuch kommt, hat man sie fix abgezogen und zeigt ein wunderbar einfarbiges, nicht behaartes blaues Sofa vor.

Andererseits sind Katzen an sich sehr dekorativ, und mir geht das Fotografenherz auf, sobald ich sie da liegen sehe, genussvoll ineinander verschlungen auf der farblich passenden Decke, zusammengerollt in der oberen Etage des Kratzbaums, auf der knallroten Decke in einem Fach des schwarzen Regals… Jede Wohnung sollte eine Katze haben, mindestens. Wenn der Frühling kommt, die Vögel brüten und zum Futterabholen im Vogel-Fly-In der Nachbarn Station machen, kann meine Bande die Geier bei der Zwischenlandung auf der japanischen Kirsche sehen. Dann sitzen vier Felide einträchtig nebeneinander, und man hört nur das aufgeregte Yak-Yak von Karlchen, Emily, wie sie die Zähne aufeinander klappern lässt und sieht vier zuckende, nervös hin und her schlagende Schwänze.

Wenn sie abends ihre dollen fünf Minuten haben, komm ich mir vor wie in einem Käfig mit vier bekrallten Irren, denen man die Beruhigungsmittel gestrichen hat. Zank, Streit, Gejaule, Geknurre und das Geräusch satt in einem Fell landender Krallen bestimmt dann die Kulisse, vereinzelt unterbrochen vom süßen Klang der Bücher, die vom Regal fallen und die unten bereits herumliegenden Nippes-Scherben zu Pulver zermahlen.

Wenn dann noch Emily energisch an den Badewannenfliesen kratzt, weil sie das, was sie daneben gesetzt hat, verscharren möchte, dann, ja dann wünsche ich mir entweder keine Katzen oder mehr Personal.





Lily,



die am Samstag auf ein Kostümfest (Thema: Märchen) gehen darf, und schon unglaublich aufgeregt ist. Da die Gastgeberin hier mitliest, verrate ich nicht, als was ich mich verkleiden werde- nur eins: Es wird Lars, der kleine Eisbär. Oder auch nicht :-))

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Bilanzen.


Sind total beliebt, vor allem an Jahresenden, jeder schaut zurück, schaudert oder lächelt, stellt eine neue Liste, eine Agenda oder einen neuen Jahresplan auf und vergisst ihn dann unter der Schreibtischunterlage.
Meist bleibt vom Jahr nicht viel mehr als eine neue Kerbe in der Altersleiste.
Mal ehrlich- lohnt sich das Theater, das man um Silvester anstellt?
Ich find schon, selbst wenn man die ominöse Jahresanfangsvorsatzliste Mitte Januar schon zum Altpapier geworfen hat. Allein schon, um mal wieder dieses unvergleichliche Gefühl zu haben, das ich zuletzt in der zwölften Klasse gefühlt habe: Jahresende ist Jahresanfang- neue Hefte, neue Bücher, einmal durchstarten, bitte. Das war immer das Beste am Schuljahr, in etwa so, als sei man bei einem mächtigen Beichtvater gewesen, der mit dem schlechten Gewissen Tabula Rasa gemacht hat und mit jener sauberen Tafel kann man sein Glück nochmal versuchen.
Auch wenn alle 365 Tage ein neues Jahr beginnt, täuscht dieser Eindruck einer fälligen und verdienten Erneuerung aber leider  meistens, da man ja doch sein Gepäck mit sich herumschleppt, und nur selten in der Lage ist, wirklich was abzulegen (noch seltener: Etwas erledigt zu haben).
Dabei spielt auch eine Rolle, dass man vieles gar nicht ablegen oder erledigen will, einfach deshalb, weil selbst die Kerbe in der Schulter, die eine Last dort über Jahre eingegraben hat, zu unserem Selbstbild gehört, ihre schützenden Schwielen hat, und weil wir nicht wissen, welcher vermeintliche Segen sich als etwas erweisen wird, was auf der anderen Schulter die gleiche Deformation hervorrufen wird.
Oder eine noch schlimmere.
Was uns einschränkt, gibt uns auch Halt und eine gewisse Orientierung.
Neues macht Angst.
Zumal es uns oft nicht einfach zuwächst, sondern einer Willensanstrengung bedarf, um ins Auge gefasst und begonnen zu werden. Und dann ist da nicht nur die Furcht vor dem Neuen an sich, sondern auch noch die vor möglichem Gesichtsverlust, vor Blamage, weil irgendein Ziel nicht erreicht und irgendeine Latte vielleicht sogar mehr als einmal gerissen wurde.
Da finde ich doch, dass man dieses leise Neujahrs-Gefühl von neuem Aufbruch nutzen sollte, um wenigstens zu versuchen, etwas zu ändern. Ein kleines Bisschen, nur einen Schritt hin zu mehr Wohlfühlen mit sich selbst, mehr Ehrlichkeit oder mehr Rückgrat. Ob und wann und wie man das erreicht ist scheißegal, Hauptsache, man erreicht es irgendwann. Kleine Schritte erleichtern das, weil man dabei nicht so schnell aus der Balance gerät. Niemandem bin ich darüber eine Rechenschaft schuldig, außer mir selbst- und es ist ein sehr guter Anfang, wenn ich es schaffe, mich für ein Nichtgelingen nicht zu bestrafen, sondern vielleicht für mich den Schonraum in Anspruch nehme, den ich jedem Anderen problemlos einräume.

Mein erster, kleiner Schritt für das kommende Jahr wird es sein, mir einen klitzekleinen Vorsatz als Ziel zu gestalten, und mich wohlwollend an die Hand zu nehmen, damit ich das Ziel auch erreiche. Ein bisschen so wie die alte Dame, die gestern morgen die immer noch spiegelglatte Fahrbahn überqueren wollte, und mich ganz direkt gefragt hat, ob ich ihr wohl meine Hand dazu gebe.
Klar doch, das würde jeder tun- das Wichtigste dabei ist ja auch nicht, dass man ihr die Hand reicht.
Das Wichtigste ist es, zu fragen.

Ich wünsche euch allen und mir selbst auch ein ruhig und friedlich ausgehendes Jahr, und einen frischen Neuanfang am ersten Januar.

Lily

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Jo moi...

ham mer denn scho April?

:-)
Lily

Freitag, 24. Dezember 2010

Ein Lied, zwei, drei vier

My Alptraum
is a white Christmas...
mit allem, was dazugehört
Wo der Bürger schlittert
und Glatteis glittert
da ist Weihnachten nicht weit

My Alptraum
is a white Christmas
wo morgens nach ner dunklen Nacht
Kein Mensch sein Auto findet
und sich dann schindet
und das morgens früh um acht...


Diese Worte, klein und fein, brachte mir das Schippen ein.
Trotzdem steht mein Auto bombenfest zwischen zwei nett durchgefrorenen Hügeln und bewegt sich keinen Millimeter.
Der frühmorgendlichheiligabendliche Einkauf musste daher zu Fuß stattfinden. Und wie ich es mir gedacht habe: Jeder, aber auch jeder muss fegen, nur die Großanwohner nicht. Ein Fußballfeld lang konnte man am Netto-Parkplatz tiefschneewandern. Hinweg ging noch, der Rückweg wurde wesentlich länger- denn der Einkaufswagen, vulgo Zwiebelporsche, war nur dann vorwärts zu bewegen, wenn man ihn mit beiden Händen hinter sich herzog. Zusammen mit einer kleineren Räumaktion vorm Haus hat mich das Autofreischaufeln und das Einkaufen zwei lockere Stunden gekostet. Gut gegen die Spekulationspolster an meinen Hüften.

Aargh.
Wenn heut einer Bing Crosby spielt, mach ich ihn nen Kopf kürzer.

Und Friede auf Erden :-D

Lily

Euch allen


Mittwoch, 22. Dezember 2010

Jahresabschlussarbeiten.

Dazu zählt bei mir immer das Last-Minute-Geschenkekaufen, die Adventszeit verbringe ich nämlich lieber auf der Couch als im Geschäft- ich werde also nienienich deprimierend pünktlich gegen September schon alle Geschenke haben.


Des weiteren ist ein ereignisreiches Jahr zu Ende gegangen, und eines ohne die üblichen panischen Buchungen in das ablaufende Bilanzjahr. Das erste Mal, seit ich mit der Ausbildung fertig bin, muss ich nicht hektisch einen Kassenschluss verarbeiten. Hier geht es seit heute eher geruhsam zu, da man eh niemanden mehr erreicht, kann man selbst es auch ruhig angehen lassen. Im nächsten Jahr wird es hektisch, und alles wird neu, vor allem im Mai- ich freu mich drauf. Zu den Jahresabschlussarbeiten zählt somit auch seit Jahren mal wieder das „Und Friede auf Erden“.

Zwischen den Jahren ist Zwangsurlaub, 10 Tage für den Preis von vieren, und nach dem morgigen letzten Tag muss ich erst wieder am 03.01.2011 ins Büro. Mal sehen, wie ich die Zimmerpflanzen hier über die Zeit bringe. Einfach stehen lassen geht eher nicht, da ich die Rollläden schließen muss. Und zehn Tage tiefes Dunkel bekommt wohl keiner davon.



Es war bisher ein Jahr des Wechsels, persönlich, beruflich und überhaupt. Für sehr vieles bin ich dankbar, vor allem für die endliche Einsicht in die Tatsache, nach über zwanzig Jahren am selben Schreibtisch wirklich und wahrhaftig niemandem mehr mit weiterem Verweilen dort einen Gefallen zu tun. Am wenigsten mir selbst. Das schlechte Gewissen, Leute hängen gelassen zu haben, ist inzwischen vorsichtigem Mich-befreit-Fühlen gewichen, und der Einsicht, nichts besser gemacht zu haben, wenn ich zurück gekehrt wäre.

Insgesamt bin ich hier nicht nur zufriedener, sondern auch besser und nützlicher beschäftigt.

Die alte Arbeit war so eine der Sorte Hausarbeit: Man wurde einfach niemals fertig. Jetzt ist es so, dass es Dinge zu verfassen, zu erledigen oder zu absolvieren gilt, und dann ist man tatsächlich ein Stück näher an der Erledigung seiner Aufgabe. Sonst war man immer nur einen Tag näher an der Rente- das ist bei nur noch 20 Jahren bis zur Pension doch etwas zu weit weg.



Des weiteren gehört zu den Abschlussarbeiten auch immer der Weihnachtspost hier. Mal sehen, ob mir noch was witziges und schräges einfällt- wenn nicht, wünsche ich euch allen hiermit ein schönes Weihnachten, feiert schön den Geburtstag vom Jesuskind, oder wie ihr immer die Tage begehen wollt.

Sofern mir noch was einfällt, werde ich mich nicht zurück halten, aber das kennt ihr ja.

Vielleicht stell ich doch noch genug Bilder ein, dass die, die es mögen, sie herunterladen und einen Kalender damit ausdrucken können. Wer weiß.



Gehabt euch wohl an diesem kalten Mittwoch, bleibt ruhig und gelassen, und genießt den Frieden, wo ihr ihn finden könnt.



Alles Liebe,



die Lily

Dienstag, 21. Dezember 2010

mehr...

Bilder:



 50 x 70, Acryl, Tusche, Filzschreiber, Kugelschreiber, Aquarellfarbe auf Leinwand, "Fischebild" (nee, wie Originell), verkauft


 70 x 120, Acryl auf Leinwand, "Balance"


70 x 50 Acryl auf Leinwand, "Rausch"


Außenmaß 70 x 40, Fell auf Katze, Innenmaß > unendlich, unentbehrlicher Helfer beim Vernichten nicht für ihn bestimmter Gegenstände und Lebensmittel. Verträglich mit dem Dickschiff des Hauses (Kater Paul). Alle anderen muss er ärgern, bis er eins aufs Maul kriegt. Manchmal auch von dem gerade mit Katzenkraulen beschäftigten Menschen, denn das Kerlchen beißt. Taufnahme war Funghi, weil er komplett verpilzt war, als Tina ihn gerettet hat. Hier umbenannt in Karl, denn so ausländischen Kram wollte er als Namen nicht akzeptieren. Trotz seines unschuldigen Ausdrucks hat er es mörderisch hinter den Ohren, daher ist sein heimlicher Name vermutlich Brutus, oder Nero.

Einen schönen Tag euch allen.,


Lily

Montag, 20. Dezember 2010

Wetter: Mensch 1:0

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die kalte Witterung die Denkgeschwindigkeit der Menschen reduziert. Wie anders ist es zu erklären, dass heute morgen ein Autofahrer, der vermutlich keine Winterschuhe für sein Auto besaß, auf dem Zebrastreifen 50 m die Straße runter immer wieder Vollgas gab, nur um dabei zuzuhören, wie die Vorderräder den Schnee zu Glatteis polierten- natürlich kommt man so nicht weg, wenigstens am Berg nicht. Was heißt Berg…

Naja, der war noch zu verstehen. Der Typ, der ihm direkt auf der Stoßstange saß aber (und damit verhinderte, dass der andere vielleicht ein Stück zurück setzen und neu ansetzen konnte), der hupte. Wahrscheinlich, weil das dann viel besser vorwärts geht, die Räder automatisch Grip bekommen, und es dann wirklich zügig weiter geht. Oder?

Schön ist es auch, wenn, wie am Samstag, ein Abschleppwagen quer auf der Straße steht, um ein gestrandetes Auto aus einer Einfahrt zu ziehen, und die sich binnen kürzester Zeit in der Anliegerstraße(!) bildende Autoschlange in ein synchrones Hupen ausbricht. Der Abschleppwagenfahrer hat offenbar das Gemüt eines Brauereipferdes. Ich hätte die Typen allemal aus dem Auto geholt und ihnen wenigstens verbal eins auf die Mappe gegeben. Der Fahrer hat nichts dergleichen getan. Vielleicht hatte aber auch ihn die Kälte ein bisschen gelähmt, wer weiß.

Was die Leute mit ihren Gefährten in dieser Zeit auf die Straße treibt, ist mir ohnehin manches Mal schleierhaft. Mal ehrlich- mit dem Fahrrad durch den Schnee? Längs schlecht bis gar nicht geräumter Straßen, an halbmeterhohen Aufhäufungen entlang schliddernd und die verengte Fahrbahn beinahe, aber nicht vollständig der Breite nach vermessend, torkelten da heut morgen einige Radfahrer durch den Verkehr. Noch besser ist die hochtourig drehende Zwiebacksäge Marke Baumarkt-Roller, auf der wer sitzt (am besten ohne Handschuhe), rechts und links einen Fuß zur Vorsicht ausgefahren, und die Straße runterbrettert. Die, weil die Frostschäden aus dem letzten Jahr noch nicht verfüllt sind, demnächst in „Straße der Fehlgeburten“ umbenannt werden soll.



Anderes Thema. Oder auch nicht- ich hätte gerade beinahe zweimal „Appschleppwagen“ geschrieben. There’s an app for it, I’m sure.



Den letzten Band der Millenium-Trilogie hab ich gestern Nacht zu Ende gelesen. Ein klitzekleines Bisschen erinnert mich der Plot an den Grafen von Monte Christo, aber das macht nix, den hab ich auch gern gelesen. Und spannender ist der Larsson auch. Plus, es macht Spaß, sich Frau Salander an der Nailgun vorzustellen- das hat ein Element von ausgleichender Gerechtigkeit. Ein bisschen zu positiv und konstruktiv kamen mir die Politiker vor, Aber ich bin auch eine zynische Hexe mit verhärteten Fasern- die nichtsdestotrotz weit über die Schlafenszeit hinweg gelesen hat. Und daher nicht in den Schlaf kam. Das letzte Mal hab ich um halb drei auf die Uhr geschaut, dann bin ich aufgestanden und hab einen Keks gegessen. Der hats dann gebracht. Aber natürlich war dann ans Aufstehen um die übliche Zeit (derzeit, busfahrplanhalber, zwanzig nach fünf nachts) nicht zu denken.

Der Bus war entsprechend voll, und ich muss der Busfahrerin meinen uneingeschränkten Respekt zollen. Sie ist nicht nur ganz hervorragend gefahren, nein, sie (schätzungsweise 1,60 groß und zierlich, schwarze lange Locken, megahübsch, ungefähr Mitte/Ende Zwanzig) hat sogar den Typ leben lassen, der irgendwann von direkt hinter ihr sie mit den Worten ansprach: „Herr Busfahrer, ich würde hier gerne aussteigen!“ Immerhin, HERR Busfahrer. Und nicht „Ey, du Arsch.“

Man ist ja schon für Kleinigkeiten dankbar.





Liebe Grüße und fröhliche Eiszeit,



Lily.



Und wenn nächstes Jahr die Bundesregierung Schneekettenpflicht einführt, dann, ja dann werden wir zu Weihnachten die Krokusse gießen müssen Draußen.

Sonntag, 19. Dezember 2010

The benefit of being lazy

Manchmal bin ich faul (okay, auch manchmal öfter). Manchmal bin ich sogar stinkefaul, wie zum Beispiel gestern. Gestern hatte ich, während ich mich bei NettofrüherPlus rumtrieb, plötzlich Lust aufs Kuchenbacken, aber kein Rezept im Kopfe. Was schleppt frau dann nach Hause? Richtig, eine Backmischung. Und zwar in diesem Falle eine vom Dokter mit dem Umlaut im Anlaut. Weil ich so gern Marmorkuchen esse, hab ich mich vom Kuchennamen anfixen lassen, der "Marmorwolke" (KEIN Scherz) lautete. Na, hab ich mir gedacht, mein eigener Marmorkuchen ist Legende, wolln wer mal sehn, was der Dok Ö. so auf der Pfanne hat.
Vorhin denn wollte ich ein wenig hier Aufräumen und fiselefierte so vor mich hin, wie die Wohnung wohl ohne Katzenhinterlassenschaften (vom Riss in der Tapete bis zur sauber aus dem Klo gekickten Streu) aussähe. Diese fiselofischen Gedanken setzte Eddie sofort um, in dem er sich in die (aus dem Klo geschleuderte) Streu warf und sich drin wälzte.
Daraufhin hab ich jeden Gedanken an Fegen aufgegeben, und machte mich ans Marmorwolkenbacken. Aha, interessant, ohne Butter, dafür mit Sahne. Hm. Hat also weniger Fett. Brrrrrrr, Mixer. Form ausfetten, ausstreuen mit braunem Zucker (macht schöne Farbe und knuspert nett). Teig eingefüllt, Marmorteig gemacht und ebenfalls eingefüllt, Form in den Ofen.
Bei WoW mehrere teure Rüstungsstücke gekauft.
Mit den Fingern getrommelt.
 Denkt euch zarte Düfte, die durch die Wohnung ziehen, und einen pawlowschen Sabberreflex bei eurer Chronistin.
Garprobe.
Ofen aus, Kuchen raus, stürzen, mit dem Dekozucker bekrümeln, zum Abkühlen ins eisekalte Schlafzimmer gestellt.

Und dann, dann musste ich mal probieren, denn das Mittagessen ist heut der Faulheit zum Opfer gefallen.
Und was muss ich neidlos anerkennen? Das ist wirklich eine Wolke. So locker krieg ich ihn nicht hin, auch nicht mit Stärkemehl und noch einem Extra-Eiweiß. Federleicht, der Gute, und das trotz Marmor.
Menno, da bin ich echt platt.-

Die Lily.
*pfft* <---das da war ein zartes Aufstoßen, begünstigt durch einen großen, fiesen Fressanfall, ausgelöst durch den wunderbar leckeren Kuchen, der nicht mal zu süß ist, wie die anderen alle.

Eddie. 



Samstag, 18. Dezember 2010

Einfach anti

Ich muss gestehen, dass ich manches Mal aus rein grundsätzlicher Oppositionslust gegen eine herrschende Meinung bin. Das macht Spaß, bringt Leute auf die Palme und hält die Gefäße gesund.

Besonders ausgeprägt ist dieses Anti-Sein bei Büchern. Ich möchte nicht die Bestsellerliste rauf und runter lesen, hab meine Lieblingsautoren, lass mich gern in meiner Buchhandlung beraten, aber wehe, man versucht mir was aufzuschwatzen, das auch Leute lesen die sonst nie über Bedienungsanleitungen hinaus wachsen.
Zum Beispiel das unsägliche „Nicht ohne meine Tochter“, das in den Endachtzigern mal Furore machte, und mir von einer Schwägerin ans Herz gelegt wurde, die nicht mal die Tageszeitung las.
Graaa. Ich hab mich standhaft geweigert, es zu lesen, und das mit Erfolg.
Harry Potter hingegen hab ich nicht nur gelesen, sondern kenne alle Bände fast auswendig, aber auch nur, weil ich das erste Buch schon vor dem Hype hatte. Danach, wer weiß?
Manchmal aber muss ich auch später noch meine Meinung revidieren...ich lese gerade den zweiten Teil der Millenium-Trilogie und freue mich schon auf Band drei. Der Herr Larsson, der konnte schreiben, und der konnte sich vor allem Geschichten ausdenken. Herrje.
Nur eins geht mir auf den Nerv: Alle, alle heißen Svensson, sofern sie nicht Gustafson oder Malmgren oder so ähnlich heißen. Das überfordert mich nun wirklich. Blomkvist und Salander kann ich mir grad noch so merken. Aber bei den Larssons, Janssons und Ekströms geht’s mir so, als würde ich die Personenliste eines der großen russischen Romane lesen. Da hab ich schon beim dritten Namen abgeschaltet und meist gar nicht weiter gelesen. Grischa und Mischa und Sascha und Pascha- nee danke.
Wie ich vermute, ist mir da eine ganze Menge entgangen. Aber damit muss man leben, das ist eine Nebenwirkung vom Anti-Sein.
Ansonsten finde ich, der Schnee ist ganz bestimmt Kachelmanns Rache, Busfahren wird unterbewertet, und es ist Scheiße, wenn man nicht mit seinem Auto zum Malen fahren kann, weil man- einen Platten hat. Jawollja.
Ich glaube, mein Weihnachtsgeschenk werden dieses Jahr zwei neue Winterreifen sein.
Ich hätte lieber ein paar Bücher, das ist auch billiger.
Nun denn, lasst euch den Schnee nicht auf die Nerven gehen, und genießt das Wochenende, solang es dauert.


Bis dahin,

die Lily

Dienstag, 14. Dezember 2010

Krippe|n, f., 1. va. für Tierfutterbehälter, 2. Schlafstatt in der biblischen Geschichte

Shannon hat sich in ihrem Blog Everyday Stranger mal in die Heiligen Drei Könige hineinversetzt...

Schönen Tag wünscht euch
die

Lily

Montag, 13. Dezember 2010

Meier und Dschehsn. Oder; Wie es dann doch zu einem Problemkind kam.

Heute, im Bus.

"Dschehsn, lass die Handschuhe an!", die Dschehsnmutter hat eine unangenehme Stimme. Laut, und irgendwie leierig, und mein Gegenüber schielt mich verstohlen an, versucht, einen Solidaritätsblick zu kriegen.
Geschrei von Dschehsn, ein etwas älteres Kind steht daneben,  hampelt rum und ärgert den Kleinen.
"Meier, und du lass Unserdschehsn in Ruhe"- das wundert mich denn doch, sein Kind einfach Meier zu nennen, zeugt von mehr Originalität als die Stimme vermuten ließ.
 "He, lass die Meier mal, das is meine Tochter!" Betonung auf dem Besitz anzeigenden Fürwort. Also doch ein anderer Stall.
"Dschehsen! Wenn du nich sofort die Handschuhe wieder anziehn tus, dann wirße krank, dann musse ins Krankenhaus, und da tun dich die Ärzte operiern, und das tut weh, und die Mama kommt dich dann nicht besuchen! Oder vielleicht bring ich dir gezz gleich nachem Opa, der gibtich ein mittehn Teppichklopfer!"
Geschrei und Geheule.
"Dschehsn! Halt sofort die Fresse, oder ich gib dich n Grund zum Heulen!"

Welchen denn noch, bitte?


Lily, sich das Haupthaar raufend.

Ach ja, das andere Kind war ein Mädchen. Das hieß vermutlich schlicht Maja. Alles andere wäre echt zuviel verlangt.

Der Grund

Den Grund für all das, was schief gelaufen war, würde er wohl nie mehr sicher herausfinden. Das war das schwerste gewesen: Abschied zu nehmen von dem unbedingten Willen, Ursachen zu erforschen und damit vielleicht auch Verantwortung und Schuld zu verteilen, weg von sich, hin zu anderen.

Mit dem Loslassen dieser Fixierung hatte sich auch vieles andere gelöst, denn der Verzicht auf die Zuschreibung von Schuld hatte eine Kettenreaktion der Vergebung ablaufen lassen. Zunächst waren da seine Eltern gewesen. Natürlich waren Eltern immer an allem Schuld, und trugen für alles die Verantwortung- aber welche Eltern? Die eigenen? Oder vielleicht deren Eltern? Denn so, wie er selbst sich exkulpierte, nämlich über die Erbsünde der Erziehung, konnten sich wiederum seine Eltern ent-schuldigen, und so weiter, und so fort.

Wie war er nur darauf gekommen, schmollend wie ein dreijähriger Hosenscheißer mit den Füßen aufzustampfen und ein klägliches „Ihr habt aber angefangen“ den beiden Menschen entgegen zu jammern, die ihn nach bestem Wissen und Vermögen auf dieses Leben vorbereitet hatten? Natürlich hatten sie Fehler gemacht, und warum auch nicht? Manchmal waren sie unkonzentriert, müde und überlastet, manchmal hatten sie Angst- sie waren in anderen Zeiten aufgewachsen, unter anderen Prämissen, und konnten nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass das ihnen mitgegebene Handwerkszeug eine Generation weiter nicht mehr ausreichen würde, um ein sinnvolles Leben zu führen.

Nach einer kurzen Weile war ihm sogar klar geworden, dass ihm nicht einmal Vergebung zustand. Denn auf diese konnte nur jemand hoffen, der schuldig geworden war, und trotz aller Nachforschung war das Schlimmste, das er ihnen vorwerfen konnte, eine gewisse Überbeanspruchung und mangelndes Wissen um Ursachen und Wirkung gewesen. Schuldig im Sinne der vagen Anklage waren sie nie geworden.



Wenn ihm aber Vergebung nicht zustand, und Verständnis und Toleranz für die zwei begrenzten Menschen in seiner Vergangenheit an ihre Stelle traten, was blieb dann für ihn? Ihn, der sich doch rühmte, eine gewisse Weitsicht zu haben, ein Händchen für Informationen und deren Verarbeitung? Eine gewisse – Klugheit?

Sollte er tatsächlich an allem selbst schuld sein?

Die Erkenntnis, die dieser Frage folgte, brach sich nur langsam Bahn. Die Erkenntnis nämlich, dass Schuld und Verantwortung auch bei ihm selbst klar mit den Vorgaben einher gingen, mit denen ausgerüstet er sich dem Leben stellen wollte. Nämlich mit all seinen Grenzen, all seinen Macken, Fehlern, und dem unzureichenden Handwerkszeug der letzten Generationen, das diese ihm vererbt hatten.

Er hatte versucht, mit einem kleinen Kindereimer einen See leer zu schöpfen.

Dass das nicht gelungen war, war nicht nur kein Wunder, sondern nicht anders zu erwarten. Schuld daran trug er nur soweit, als dass er sich die Aufgabe gestellt hatte, ohne seine Mittel zu überprüfen, ohne das Ziel in Frage zu stellen, ohne zwischendurch innezuhalten und ein Urteil über Sinn und Unsinn des Unternehmens zu fällen.

Schuld trug er vor allem aber in der ätzenden Kritik, der giftigen Selbstherabsetzung, der Wut und des Zorns, die er in sich gehegt und gepflegt hatte, die er gekaut, geschluckt und mit masochistischem Vergnügen ausgefeilt wieder von sich gegeben hatte.

Ein Weg zur Versöhnung mit sich selbst und seinem Leben lag damit klar vor ihm.



Er würde ihn nur noch gehen müssen.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Winter

Die eine Seite des Winters ist das Ende eines Jahres, welches uns vielleicht schönes, vielleicht angenehmes, vielleicht aber auch böses oder sogar schreckliches Neues gebracht hat.
Das ist das Ende, das Ende von allem, das in diesem Jahr eine Rolle gespielt hat, und zugleich der Anfang von wieder Neuem. Die Karten werden neu gemischt, wenn wir das zulassen.



So oder so: Der Winter ist zweigesichtig.
Einen schönen Sonntag euch allen, und einen guten Start in die Woche.

Eure

Lily

Freitag, 10. Dezember 2010

Präsentierteller

…nennt man die Art Arbeitsplatz, die ich derzeit innehabe. Erdgeschossig-un-gardin-t, innenstädtisch-hell-erleuchtet.

Vor dem Haus eine Rutschbahn, bzw, gegenüber, denn mein Arbeitgeber nimmt seine Räumpflicht sehr ernst und schickt jeden Morgen ein armes Schwein mit einem Maschinchen den Berg hoch, und der räumt und streut ganz erheblich.

Heute Morgen hab ich schon unfreiwillig gegrinst über den Typ, der an der Bushaltestelle zwischen seinen zwei sehr überraschten Golden Retrievern saß. Beide Hunde strebten voneinander (und von Herrchen, der ihnen so plötzlich so nahe kam) weg, und ihr Mensch saß hilflos auf dem glatt gefrorenen Stück Ausfahrt zwischen ihnen (tiefgekühltes Kopfsteinpflaster und darauf tropfender Regen = schweinerutschig).

Ähnliches Gehampel spielt sich heute mehrmals täglich vor meinem Fenster ab, aber, wie gesagt, auf der anderen Straßenseite.

Gewagtester Mitspieler in der „Wer fällt den Fußgänger“-Runde in dieser Woche ist der Kinderarzt eine Ecke weiter: Da wurde seit Beginn des Schneefalls letzte Woche Mittwoch weder geräumt noch gestreut- ich umgehe die Stelle weiträumig, denn abschüssig ist sie auch noch.

An sich hat sich das Busfahren als eine prima Sache herausgestellt. Der Bus, den ich kriegen will, fährt zuverlässig um 6.25, die Frontscheiben sind frei, der Wagen selbst geheizt. Kein Mensch außer mir für die ersten drei, vier Haltestellen, dann allerdings eine kleine Gruppe allein reisender Jugendlicher, die, wie gestern ausgeführt, an einem geheimen Programm teilzunehmen scheinen. Die meisten schlafen noch, daher ist es recht leise im Bus, bis auf das Klacken der künstlichen Fingernägel auf den Handytastaturen.

Im Bus selbst sitzt man nicht auf dem Präsentierteller, weil mein Busunternehmen nicht an freie Sicht für Passagiere glaubt. Viel eher glaubt es an eine Mischung aus Werbefolie und Dreck auf den Fenstern. Um diese Jahreszeit ist der Dreck wohl obligatorisch.

Die Philosophie dieses Nahverkehrsunternehmens kann man bei langjährigen Kunden schon an der servilen Haltung und dem vorab-um-Pardon-bittenden Tonfall erkennen, mit dem sie einen Busfahrer etwas fragen, oder, ganz allgemein und Gott bewahre, den Bus benutzen wollen. Da wird vorab gelächelt, ge-guten-morgen-sagt, geschleimt und so, bis man auch darauf beinahe ausrutscht.
Oft kann man beobachten, dass der Bus am Bahnhof steht, eine Viertelstunde den Motor im Leerlauf röhren lässt, während der Fahrer Kaffee trinkt. Hinter dem Steuer. Und das, wo der Pausenraum grad mal eine Minute zu Fuß entfernt ist. Den Kunden so deutlich zu sagen, dass deren kalte Füße einem scheißegal sind, traut man sich vermutlich wirklich nur als Busfahrer.

Kaffeepausen in allen Ehren, das ist mir ein bisschen zu plakativ. Ebenso demonstratives Rauchen im Bus, wenn die Passagiere ausnahmsweise wegen erheblicher Minustemperaturen schon mal reingelassen werden.
Auch auf das freundliche „Guten Abend“ einer Kundin mit „Fahrschein!11elf“ zu antworten, muss nicht sein. Der liebe Gott und Konrad Duden haben sich was dabei gedacht, als sie die Höflichkeitsform und die Befehlsform als zwei grundsätzlich unterschiedliche Formulierungen aufgefasst haben.
Aber ich seh schon: Ich werde alt und grantelig. Jeden Tag ein bisschen mehr.
Gehabt euch wohl an diesem Wochenende, grüßt mir die Freizeit und die Unterhaltung, legt euch nicht auf die Nase, und so weiter.

Lily