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Montag, 14. April 2008

Du bist ja so gemein.

Das war heute Morgen die Ansprache an mein Spiegelbild.
Ich will da nicht ins Detail gehen, aber „so gemein!!!“ ist eine zutreffende Beschreibung.
Ein Friseurbesuch ist überfällig, der tote Vogel*, der sich auf meinem Kopf zur letzten Ruhe gebettet hat, trägt zum optischen Gesamteindruck bei, aber er hebt ihn nicht wirklich.

Irgendjemand scheint beschlossen zu haben, in diesem Jahr den Frühling und den Sommer zugunsten eines unzeitigen Herbstes zu überspringen. Dazu passen die Buchen und Eichen, die noch ihr braunes Vorjahreslaub tragen, und die Platanen mit ihren vorjährigen Früchten.
Es regnet ohne Pause, und außerdem ist es eiskalt hier.

Vermutlich handelt es sich um eine Verschwörung der Meteorologen mit irgendwelchen binnenwirtschaftlichen Verbänden, damit die Leute anfangen, Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Ich wünsch mir einen neuen Kopf zu Weihnachten. Und eine Heizdecke.


*Es ist nicht wirklich ein toter Vogel. Nur meine Haare sehen so aus.




And now to something completely different.





Eddie ist angespannt. Beinahe immer. Bei lauten und beunruhigenden Geräuschen wie Atmen oder Seite umblättern, haut er ab, und verschwindet mit zitternden Fellhosen auf seinen sicheren Standort oben auf dem Kühlschrank.
Er lässt sich von seinem Bruder Paul und dem Yakyak-Tier in die Enge treiben, und das sogar manchmal, wenn die zwei eigentlich nichts dergleichen vorhaben. Sie kommen her, schnuppern und er legt die Ohren an und faucht. Manchmal schlägt er auch zu. Meist rennt er weg und sucht sein Heil -auf dem Kühlschrank.





Und obwohl an der Futterstelle traditionell Frieden herrscht (na gut, Waffenstillstand) frisst er erst nach allen anderen. Er kommt mit ihnen an, schnuppert, kratzt und scharrt, und verschwindet wieder. Niemand tut ihm etwas zu Leide, aber er geht. Wenn der Rest der Bande im Wohnzimmer sitzt und der Göttin der kätzischen (käthischen) Körperpflege ein haariges Opfer bringt, schlägt er sich den Bauch voll mit den Resten (die sind immer reichlich- man liebt das langsame Essen hier bei mir).
Trotz der für ihn relativ stressfrei, weil allein am Napf verbrachten Zeit, ist er dünn. So dünn, dass man sein Rückgrat fühlen kann, und dass an manchen Tagen die Beckenknochen vorzustehen scheinen.
Da ich selbst dezidiert nichtdünn bin, möchte ich ihm immer wieder raten, doch mehr zu fressen, damit er etwas ruhiger, weniger fusslig und hektisch und ängstlich ist.

Was ich dabei gern vergesse, ist die Tatsache, dass mir persönlich die Polster zwischen mir und der Umwelt noch überhaupt nichts genützt haben- und wenn sie das in den letzten viereinhalb Dekaden nicht geschafft haben, stehen die Chancen nicht gut, dass sie irgendwann damit anfangen.

Karlchen hingegen ist nicht dünn. Vielmehr ist er ganz normal, so wie ein elf Monate alter Kater sein sollte. Relativ frech, unerschrocken, ziemlich gerissen und verspielt. Das Yakyak-Tier halt. Gesprächig, und offen, und überhaupt ein netter Kater. Finde ich.
Im Unterschied zu Eddie fühlt er sich, auf den Arm genommen, nicht an wie ein synthetikplüschbezogener Kleiderbügel mit eigenem Willen, sondern er wird ganz schlaff, wie eine Ragdoll, und lässt sich gerne herumtragen. Am liebsten auf meiner Schulter, oder im Arm, so wie ein Baby. Bauch nach oben. Damit man ihn besser unter dem Kinn kraulen kann.
Er schaut einen mit hingerissenen Kätzchen-Augen an, und in der nächsten Minute klaut er einem die Wurst von den Brötchen. Oder, noch lieber, den Käse. Sofern es welchen gibt, was schon länger nicht mehr der Fall war.
Warum nur lieben Katzen Käse so sehr?

Und jagen sie deshalb Mäuse? Nicht, weil sie sie fressen, sondern weil das in Wirklichkeit Nahrungskonkurrenten sind? Fressen Mäuse eigentlich Käse? So richtig?


Fragen über Fragen.

Dienstag, 30. Oktober 2007

Und dann war da noch...

die Freundin, die mit mir zusammen Fotos anschaute. Aus unserer gemeinsamen, strahlenden, schlanken Jugend- und die dann sagte "SO dünn möchte ich nie wieder sein".
Sie war weder magersüchtig noch klapprig, einfach nur schlank.
Wieso glaube ich ihr nicht?

Sonntag, 7. Oktober 2007

Sonntage

Sonntags morgens früh aufstehen. Kaffee kochen, Katzen kraulen und füttern, und dann samt Kaffee an den Rechner setzen- oder samt Kaffee und Buch vom Sofa aus den Sonnenaufgang beobachten, und im Hintergrund läuft Romeo and Juliet in der Fassung vom Life Aid Konzert im Wembley. Oder auch Telegraph Road, und anschließend irgendwas von Sting. Es ist noch sehr früh, im Sommer manchmal vor fünf Uhr, und die Welt scheint noch zu schlafen. In meiner Gegend ist es ohnehin relativ ruhig, halb ländlich, und am Wochenende dauert es ziemlich lang, bis die ersten Autos zu hören sind. Die wenigsten Leute können es verstehen, dass man freiwillig am Wochenende früh aufsteht, nur um allein zu sein, wenn man ohnehin allein in seiner Wohnung lebt. Meist bin ich jedoch Freitags abends so groggy von der Woche, dass ich ebenso freiwillig ziemlich früh ins Bett gehe, und dann ergibt sich das frühe Aufstehen ganz von allein.
Wochenenden voller Termine hab ich auch nicht gerne- wobei sich das etwas geändert hat, seit meine Wohnung an den Wochenenden keine Putzzeit mehr braucht, weil ich das alles unter der Woche erledigen kann. Manchmal, wenn ich den Gedanken an zwei völlig leere Tage auch nicht gut aushalten kann, verschiebe ich Sachen gezielt auf den Samstag oder Sonntag. Bügelwäsche oder sowas, das ist dann meist nicht viel, aber es ist anschließend getan.
In letzter Zeit besucht mein Sohn mich öfter an den Wochenenden, gestern war er auch da. Wir haben für ihn Kleidung eingekauft, und zusammen gekocht und gegessen. Er ist dann gegen fünf mit vollen Taschen wieder nach Hause gefahren.
Er ist mein einziges Kind, und ich bedauere inzwischen, dass wir in den letzten 10 Jahren, in denen wir allein zusammen gelebt haben, mehr oder minder nebeneinander her existiert haben. Aber um ein gutes Verhältnis zueinander kann man sich immer bemühen, glaube ich. Mein Ansatz war eigentlich immer, dass es Kindern gut tut, wenn man ihnen so weit vertraut, dass man sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst entscheiden lässt- aber inzwischen bin ich mir nicht immer so sicher, ob das stimmt. Klar hatte er Grenzen, denn ich lasse mir nicht gerne auf dem Kopf rumtanzen, aber was ein bisschen vernachlässigt wurde, war das Fordern und vielleicht auch das Fördern. Wenn es um Schule ging, war meine Devise immer, dass es Blödsinn ist, an den Kindern rumzunörgeln und sie unentwegt zu kontrollieren und zu überwachen. Ich hab immer drauf gesetzt, dass er selbst Wert auf einen Abschluss nach seinen Fähigkeiten legen sollte, und dass es nicht seine Aufgabe ist, meine Zukunftswünsche zu verwirklichen. Nach dem Motto: Ich hab mein Abi, das da ist jetzt deines, sieh zu. Glücklicherweise konnte ich mich, was Schule betraf, auch immer darauf verlassen, dass er seinen Teil der Abmachung einhält und das ordentlich erledigt. Er hatte nicht, so wie ich, den Wunsch, mit 16 abzugehen und einen Beruf zu lernen oder auch einfach nur gar nichts zu tun. Überlegenes Erziehungsprinzip oder hab ich das nur nicht mitgekriegt? Zu der Zeit steckte ich mitten in einer sehr belastenden Trennung, und es kann sein, dass er einfach nicht den Nerv hatte, mir auch noch mit sowas zu kommen. Vielleicht.
Im Moment ist er 26 und studiert in der Endphase. Da hat er ein bisschen mehr Unterstützung verdient und bekommt sie auch, solange er sie braucht und ich nicht das Gefühl habe, er ruht sich aus auf meine Kosten. Und das heißt im Moment auch nicht, dass ich nur Geld rüberwachsen lasse, das wäre zu einfach. Nicht nur für ihn, sondern auch für mich.
Sondern ein bisschen was von dem, was Kinder beim ultimativen Schritt ins Erwachsensein, nämlich dem Übergang in den Beruf, eigentlich alle brauchen- ein paar Tipps, ein bisschen Händchenhalten und Hilfe dabei, den Überblick nicht zu verlieren. Ich bin da anders reingewachsen, ich war jünger und hatte keine jahrelange Studiendauer als Zwischenschritt nach der Schule und vor dem Beruf. Abgesehen davon hatte ich ihn zu der Zeit schon dabei, so dass es wirklich nichts zu überlegen gab.
Was mich nur endlos und unglaublich und nicht beruhigbar wütend macht, ist die Nonchalance, die seitens seines Vaters und der väterlichen Familie dem Ganzen gegenüber aufgebracht wird. Dieses Arschloch von einem Erzeuger sitzt da und interessiert sich einen Scheißdreck dafür, ob sein Sohn was zu essen hat, ob es ihm gut geht, ob und wie es weitergehen wird. Ich komme immer wieder zu der Überzeugung, dass dieser ganzen Sippe demnächst eine Überraschung in den Briefkasten flattern sollte. Spätestens dann, wenn die Zeit anbricht, zu der sämtliche staatliche Unterstützung endet und ich allein da stehe, ohne Kindergeld, bezahlbare Krankenversicherung und Steuerfreibetrag für meinen Sohn, und dann Unterhalt, Miete, Krankenversicherung und Studiengebühren, monatlich rund 500 €, vollständig aus meinem dann entsprechend reduzierten Einkommen begleichen muss. Ich bin mir sicher, dass dieser Erzeuger, Vater will ich ihn nicht nennen, sich daran beteiligt. Herzlichen Glückwunsch, du hast gewonnen! Zwei Semester Krankenversicherung für deinen Sohn darfst du demnächst bezahlen- und mir ist vollkommen gleichgültig, wie du das machst. So wie es dir in den letzten 9 Jahren ja auch gleichgültig war, ob und wie ich das geschafft habe. Oder?

In diesem Sinne. Schönen Sonntag alle.

Samstag, 6. Oktober 2007

Meine Güte. Perfektionismus. Schon wieder.

Ich bin Diabetikerin, und das hat Auswirkungen auf mein Leben.
Es hat mich einige Zeit gekostet, mich damit abzufinden. Weniger mit der Krankheit, also mit der Tatsache, dass ich nicht mehr gesund bin. Mehr Mühe kostete und kostet es, das ganze Drumherum irgendwie auf die Reihe zu bekommen.
Man sollte glauben, dass ein halbwegs intelligenter Mensch mit einem Blick auf die Zukunft schon ziemlich fix in der Lage ist, sinnvoll damit umzugehen.
Es geht ja nur darum, regelmäßig Kontakt mit dem Messgerät zu halten und sich in vernünftigen Abständen mit seinen Werten zu versehen, und dann mithilfe des Insulins diese Werte in akzeptablem Rahmen zu halten.
Hört sich simpel an, ist es auch. Die Dosierung des Insulins ist im großen und ganzen eine Kombination aus Mathematik und Kenne-Deinen-Körper. Man stellt den aktuellen Blutzucker fest, berücksichtigt das, was man essen will, das, was in den nächsten zwei, drei Stunden an Bewegung auf einen zu kommen wird, und los gehts. In Zeiten unkalkulierbarerer Lebensführung, wenn man beispielsweise im Urlaub ist, auf andere Weise als sonst arbeitet, oder ungewohnte Dinge isst, deren Wirkung man noch nicht kennt, misst man seinen BZ noch mal zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit, und korrigiert, entweder mit mehr Insulin, oder mit ein bisschen Traubenzucker. Das ist so einfach, dass muss sich ein wohlmeinendes höheres Wesen ausgedacht haben- dann kam aber leider ein Veto von irgendwem ("Hey, willst du es ihnen wirklich so einfach machen??") und irgendwer erfand a) die Basalrate und b) die Gegenreaktion und c) die Insulinresistenz. Und das Dawn-Phänomen.
Die Basalrate ist sozusagen das Standgas. Insulin braucht der Körper nämlich IMMER. Ob wir was essen, und ob das Kohlenhydrate enthält, oder nicht. Ob wir schlafen oder Bungee-Jumping machen oder was auch immer.
Die Basalrate legt der Doc fest, nach welchen Kriterien weiß ich nicht, und gibt einem dann dafür ein weiteres Insulin. Einige wirken 12 Stunden, andere angeblich 24, und deren ehrenvolle Aufgabe ist es, den Körper mit dem Insulin in Spuren zu versorgen, damit das Standgas auch vorhanden ist. Zu den Mahlzeiten kriegt man das kurzwirkende Insulin, heutzutage meist ein geheimnisvoll hergestelltes Insulinanalogon, irgendwie gentechnisch hergestellt.
Soweit, so gut.
Mit dem Standgas gibt es aber das Problem, dass der Körper eben kein industriell hergestelltes Ding ist. Sondern Handarbeit (naja), und daher zu Variationen neigt. Eine davon äußert sich im Dawn-Phänomen. Das ist eine Besonderheit, die zur Grundlage hat, dass der Insulinbedarf dieses individuell vorliegenden Körpers (vorliegend. Nicht optimal) in den Morgenstunden ansteigt. Rapide ansteigt, so ab 3, 4 Uhr morgens. Klar, darauf kann man reagieren, in dem man eine Zeitlang nachts jede Stunde den Blutzucker misst, rauskriegt, ab wann wieviel Insulin gebraucht wird, und sich ab sofort jede Nacht einen Wecker stellt unter Berücksichtigung des Wirkungseintritts, und sich dann die passende Dröhnung verpasst.
Suboptimal, zumindest für Menschen, die ungestörten Nachtschlaf brauchen, um morgens fit zu sein zur Arbeit. Denn ich würde kein Insulin spritzen, ohne vorher zu messen, und ein bisschen zu rechnen- und das macht WACH. Ein wenig kann man mit den Uhrzeiten spielen, zu denen man sich das Langzeit (Standgas-)Insulin gibt, aber nur begrenzt. Man kann die Dosis, die für 24 Stunden reichen soll, in mehrere Teilinjektionen mit kalkuliert sich überschneidenden Wirkmengen aufteilen.

Wenn nach diversen Runden mit diversen Insulinen verschiedener Hersteller mit verschiedenen Wirkungsdauern diesem blöden Phänomen kein Riegel vorgeschoben wurde, und man es wirklich leid ist, morgens mit dem Gefühl aufzuwachen, von einem Bus überfahren worden zu sein (Werte ab 300 haben auf mich diese Wirkung, normal wäre morgens 80-100), fühlt man sich mega-mies. Wie ein Versager. Weil es ja sein könnte, dass man was falsch macht.
Und dann hat man drei Probleme:

a) man fühlt sich wie ein Versager- weil ja eigentlich alles ganz einfach ist.
b) man fühlt sich beschissen und benebelt, kommt morgens nicht in die Gänge, und ist erstmal superschläfrig, bis der Blutzucker wieder im Normbereich ist.
c) als informierter Mensch weiß man, wie wirklich schädlich derart hohe Werte sind. Nicht in Bezug auf einen oder zwei Tage, sondern langfristig gesehen. Das ist wie beim Trinken: Ein Vollrausch wird von der Leber ungern, aber dennoch akzeptiert. Macht mans täglich, wird sie einem schon bald vorführen, was eine innere Kündigung ist. Nur ist es hier nicht nur die Leber; es sind die Nieren, die Augen, die kleinen Blutgefäße in Fingern, Zehen und rund ums Herz, die irgendwann nicht mehr mitspielen.

Mein Doc hat dann irgendwann die Reißleine gezogen, und mir angeboten, es mit einer Insulinpumpe zu versuchen. Die hat die Eigenschaft, dass man für jede halbe oder ganze Stunde ihr genau einprogrammieren kann, wieviel Insulin sie abgibt. Es gibt nur noch das schnellwirkende Zeug, und man trägt das Ding 24/7, 365 Tage in jedem der hoffentlich noch vielen Jahre, bis man dermaleinst samt Harfe auf der reservierten Wolke Platz nimmt.
Mit dem Pumpending simuliert man eine Bauchspeicheldrüse auf etwas elegantere Weise, weil man auf die unterschiedlichen Bedarfslagen des Körpers etwas individueller eingehen kann. Da die Wirkung von Insulin unter Bewegung oder Sport viel besser ist, kann man eine Pumpe so programmieren, dass sie einem weniger Insulin gibt, wenn man sich bewegt. (Das oben beschriebene Langzeitinsulin, das einmal im Körper ist, wirkt bei Sport auch besser- aber es ist da schon drin, und oft kann man nur zusätzlich essen, um eine ZU gute Wirkung und damit einen Unterzucker zu vermeiden).
Soweit, so gut, oder?
Nee, dann kommen andere Probleme. Mit leichtem Grusel sehen viele Leute uns Pumpenträger mit unserem piepsenden Anhang an- warum hat die ein Handy in der Tasche, und das immer? Was piepst, grunzt oder vibriert da? Warum hängt da so eine Leitung unterm T-Shirt raus? Das ist der Katheter, der in einer Nadel endet, die in meinem Bauch steckt. Stahl oder Teflon, das ist unterschiedlich, 90-Grad-Winkel oder schräg, das ist auch unterschiedlich.
Die Nadeln sind mit einem Pflaster befestigt, und viele Pflaster hinterlassen-Pflasterreste. Mit der üblichen Fettcreme sind die schlecht weg zu kriegen, denn dann klebt das nächste Pflaster mit Sicherheit nicht. Muss aber, weil wie krieg ich sonst die nächste Nadel zum Halten? Klar wechselt man die Einstichstelle von rechts-am-Bauch nach links-am-Bauch und so weiter, aber Fettcreme kriecht und verteilt sich gut. Über einen recht weiten Raum.
Pflasterrestentferner gibts auch. Aber davon krieg ich Pickel. Die jucken.
Also, man findet sich mit seinem Ersatzteil ab, wie mit einer nicht hübschen, aber sinnvollen Brille oder Einlagen, man befreundet sich mit Pflasterresten (das da links ist Heinz-Gregor. Hallo Heinz-Gregor, gehts dir gut?) und man befreundet sich mit den kleinen Knötchen unter der Haut, die von den Nadeln nach zwei Tagen (dann sind sie reif für die Tonne) hinterlassen werden.
An diesen Stellen ist die Haut etwas dunkler. Und -am wichtigsten!- dort ist eine Verhärtung, die Insulin nicht mehr kalkulierbar aufnimmt und verarbeitet. Dort bilden sich lokale Resistenzen. Die dafür sorgen, dass die ganze sündhaft teure Elektronik sich den Wolf pumpt, und die Zuckerwerte schießen trotzdem in den Himmel.
Dagegen spritzt man dann an, bis man den Verdacht hat, schon wieder eine Resistenz zu haben, dann wechselt man den Katheter und spritzt woanders. Oft klappt das, manchmal auch nicht. Manchmal so gut, dass der Blutzucker nach einem Höhenflug so richtig absackt. Das kann zu plötzlichen Krankenhausaufenthalten führen, mit so unangenehmen Dingen wie epileptischen Anfällen wegen des Zuckermangels im Gehirn.
Oder, das ist weniger dramatisch aber lästig ebenso, der Blutzucker taucht in den Keller, und der körpereigene Alarm sorgt für den Ausstoß von Reserven, die noch in der Leber liegen, und der Zucker steigt von allein, ohne dass man was essen müsste. Die daraus resultierenden zu hohen Werte sind kaum in den Griff zu kriegen.
Oft merkt man, wenn der Blutzucker absinkt, aber je öfter das passiert, desto weniger. Und wenn man nachts einen Unterzucker überschläft, wacht man morgens auf, nassgeschwitzt und mit rasenden Kopfschmerzen, die man auch mit 6 Paracetamol nicht mehr los wird. Zuckertechnisch ist der Tag dann gelaufen. Arbeitstechnisch auch, denn so richtig voll dabei bin ich dann nicht mehr.
Und dann ist wieder Doktor-Zeit, und man sitzt da, sein Tagebuch vor sich, und grübelt mit ihm zusammen, wie um alles in der Welt DIESE Werte zustande kommen, wo es doch so einfach ist, und man schon das Optimum an Therapie bekommt. Ist man wirklich so doof??
Und dann sagt der Doc: Sie wissen doch, dass Ihr Körper keine Maschine ist. Und dass alles mögliche reinspielt, vom Stresslevel über das Wetter (Tatsache. Bei schönem Wetter wirkt Insulin bei mir etwas besser) bis zum allgemeinen Gesundheitszustand. Nicht nur die Menge der Kohlenhydrate spielt eine Rolle, sondern auch, ob es Gummibärchen oder Vollkornnudeln waren, die Sie gegessen haben. Und mit welcher Sauce.

Aber tief in mir drin weiß ich dann, dass ich es besser können müsste. Mehr Sport, mehr Salat, noch mehr messen, was weiß ich. Und dann hab ich den ganzen Kram so gründlich auf, dass ich schreien könnte, ich will mein altes Leben zurück. Wo ich auch mal Gummibärchen essen konnte, ohne mir Gedanken machen zu müssen, wie ich die jetzt zu berechnen habe. Wo ich nicht laufend in Apotheken rumhänge, und dort ein Heidengeld vorstrecken muss, um mich mit dem Zubehör zu versehen. Ich kriegs von meiner privaten Krankenversicherung erstattet- aber das dauert. 300 Teststreifen, für ca. 4-6 Wochen, 180 €. 10 Katheter, reichen für drei Wochen, 135 €. Einmal Insulin für 10 Wochen, 127,- €. Eine neue Pumpe alle 4 Jahre, ca. 4000 €.

Soll ich mich damit trösten, dass ich keine guten Werte habe, aber mein Bestes gebe? Ist das ein Trost, dass das Beste nicht reicht, nicht perfekt ist, nicht zum gewünschten Ziel führt? Nach Jahren des Vertrautseins mit dem Diabetes muss ich sagen, am allerwenigsten hilft mir der Go-Go-Go-Ansatz, der bei der ersten Schulung im Vordergrund stand.
Der Ansatz: Nicht krank, sondern bedingt gesund- der macht mir was vor. Der baut die Therapie auf einer Lüge auf. Der ist zynisch und menschenverachtend, weil er die verständlichen Ängste und Unsicherheiten der neu Erkrankten damals als etwas nicht weiter bemerkenswertes einfach so abtat.
Ich könnte heute noch kotzen. Im hohen Bogen.
Ich habe eine Krankheit. Eine chronische, unheilbare Krankheit, die mich unter Umständen umbringt, auf nicht angenehme Weise. Die erfordert viele Gedanken, viel Aufwand, viel Geld. Die erfordert Rücksichtnahme auf mich selbst, Anpassung meines Lebens, das Setzen realistischer und erreichbarer Ziele. Die erfordert Auseinandersetzung mit dem erhöhten Auftreten nicht nur von potenziellen Organschäden, sondern auch damit, dass Diabetiker erheblich mehr als gesunde Menschen unter Depressionen leiden. Depressionen fördern nicht den rücksichtsvollen, einsichtgesteuerten Umgang mit sich selbst, sondern eher selbstzerstörerisches Verhalten, right? Man gebe mir dann bitte noch ein potenziell (bei Überdosierung) lebensgefährliches Medikament wie Insulin in die Hand, und bitte schön, da haben wir doch die optimalen Voraussetzungen für ein wirklich erfolgreiches und sorgenfreies Leben. Alles Mumpitz. Fuck, wie der Italiener sagt.
Twain hat mal gesagt, (sinngemäß und übersetzt): Motivation lässt uns etwas beginnen, Gewohnheit hält uns bei der Stange.
Ich muss also unterscheiden,
a) wie krieg ich mich motiviert und
b) wie automatisiere ich mein Verhalten so, dass auch dann, wenn ich nicht motiviert bin, die Dinge halbwegs geordnet ablaufen?
Denn eins der Hauptschwierigkeiten ist es für mich, das "Ist egal, was ich tu, es klappt sowieso so selten, dass ich mir besser nicht auch noch Mühe gebe" im Zaum zu halten.
Also, trotz möglicherweise nicht optimaler Werte dranzubleiben, an der Fehlersuche ebenso wie an der Feineinstellung der eigenen Reaktionen.
Und die Ziele runter zu regulieren. Von unrealistisch nach erreichbar.
Ich arbeite dran.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

80-Revival

Wo man hinschaut, scheinen die achtziger Jahre wieder zum Leben zu erwachen. Schulterpolster, VoKuHiLa, enge Hosen, Legwarmers, schrille Farben und - Stricken. So ganz hab ich das nie aufgegeben, aber seit ich 18 oder 19 Jahre alt war, ist eigentlich kein Stück mehr fertig geworden. Meist hab ich die Wolle in einer Art Bewusstseinsstörung gekauft, teures Zeug, aber in wunderbaren Farben- leider nur ohne eine durchführbare Idee, was ich daraus machen könnte. Nach einiger Zeit lagen dann verschiedene Projekte in verschiedenen Reifezuständen herum, von "Muss nur noch zusammengenäht werden, sieht aber bestimmt beschissen aus" bis zu "Passt ohnehin nur jemandem, der außergewöhnlich kurze Arme hat" oder "Lässt sich aber nicht gut aufribbeln"
Nachdem ich seit einiger Zeit im Blog von Laurie Perry mitlese, hat mich die Strickwut wieder gepackt, und nach langen Jahren habe ich vorgestern mal wieder etwas Wolle gekauft, preisgünstige diesmal, und mit einem klaren Bild, was ich damit tun will. Das eine wird ein Schal, in einer bunten Microfaser-Wolle in blau, türkis und verschiedenen Schattierungen von anthrazit. Das andere wird ein Paar Socken. Die Schalwolle räumt richtig gut, da ist nach zwei damit verbrachten Abenden schon fast ein Meter zusammen, die Socken sind allerdings eher etwas für ausgeruhte Nachmittage bei gutem Licht. Nadelstärke 2. Mehr sag ich nicht.
Ich muss immer erst die Socken bearbeiten und dann den Schal, sonst hab ich das Gefühl, gleich anstelle eines Nadelspiels fünf Zopfnadeln in der Hand zu haben. Die mit den Ausbeulungen in der Mitte.
Wer im Englischen halbwegs fit ist, sollte wirklich mal bei Laurie reinschauen. Mal abgesehen von Strickmustern, die ab und zu auftauchen, ist sie eine begnadete Schreiberin- ich hab schon laut lachend am Bildschirm gesessen (zur Irritation meiner Katzen) oder aber auch in Tränen aufgelöst.
Wer sich einen Blog in Englisch nicht zutraut: Einfach anfangen. Sonst lernt man es nie... Und im Gegensatz zu dem crap, den wir vermutlich alle an den Schulen gelernt haben, ist das richtiges Englisch, im Sinne von "wird auch gesprochen".
Als ich mit der Sockenwolle bei meiner Mutter reingeschneit bin (wegen eines Musters, versteht sich- Sneaker-Socken wollte ich machen) hat sie mir ein Buch gegeben mit Anleitungen. Neben einigen ziemlich witzigen Entwürfen war auch das GRAUEN darin enthalten (leider sind sämtliche Fotos mit Copyrights versehen, sonst gäbs hier ein Bild). Zunächst mal Legwarmers- aber hey, revival und so. Schön bunt, und für Leute mit Schaschlikspießen statt Beinen sicherlich sehr schmeichelhaft. Vielleicht haben sie auch noch einen gewissen Sinn, wenn man sie über Leggings trägt, aber das Ansinnen, dass sie einem die Beine warm halten, wenn man einen Mini trägt, ist doch wohl eher lachhaft. Wenn man mit Mini friert, wie wärs dann mit einer Jeans? Und wenn man seine Beine zeigen will, dann muss man da halt durch, durch die Kälte. Der optische GAU war aber etwas, was ich in Ermangelung anderer Ausdrücke mal als Gamaschen bezeichnen will. Die Dame Fotomodell trug was faltenrockiges, schwarzes, unter dem ein bisschen zerrissener Gardinentüll von Karnevalsqualität hervorschaute. Dazu eine Strumpfhose (ich hoffe es. Es ist zu kalt für Straps und Strümpfe, Mädels!), und---Cowboystiefel. Zumindest haben Absatz und Spitze der Stiefel diesen Eindruck erweckt. Mehr konnte man nicht sehen, weil über diesen Stiefeln leider besagte Gamaschen ihren Platz fanden. In Schwarz-Weiß. Grobgestrickte Wolle. Mit einem Steg, der zwischen den Absätzen und den Sohlen der Stiefel hindurchführten. Es sah so ein bisschen aus, als wären der Trägerin die Stiefel nassgeworden, und sie hätte trotzdem aus unerfindlichen Gründen, vielleicht um ihr Leben zu retten, durch einen Haufen schmutziger, frisch vom Schaf geschnittener Wolle laufen müssen. Wenn dann etwas von diesem Wollzeug hängen bleibt- was solls, wenn man dafür ein Leben eintauschen kann.
Aber aus keinem anderen Grund ist so was akzeptabel.

Sonntag, 30. September 2007

Die lähmende Kraft des weißen Bildschirms.

Okay, er ist nicht wirklich weiß. Es ist nur ein winziger Ausschnitt, der mir hier gerade die Kreativität abdrückt, danke schön auch. Der Rest ist browserbunt und icongeschmückt.
Nachdem ich seit Monaten davon fantasiere, mir einen eigenen Blog zuzulegen, ist -tadaa- der Moment nun gekommen, und anstelle geistreicher Inhalte fällt mir nur Geblubber ein.
Daher werde ich jetzt weiter zu den Einstellungen wechseln und mal nachschauen, was da alles noch so möglich ist!

Lily