Sonntag, 13. Juli 2008

Spocht II, oder: Eine Fantasie in einer Geschichte in einem Traum.



Nein, nicht was ihr jetzt denkt. Das war nicht alles ausgedacht--- ich möchte nur mal meine Motive beleuchten, so wie sie sich mir darstellen.


Erst mal danke für die vielen anerkennenden Worte. Das ist schon was, was mich beflügelt, ja wirklich.

Meine Sportgeschichte kennt ihr, wenn ihr den Post von letztens gelesen habt.

Ich bin in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass ich unsportlich bin, und hab das dankend akzeptiert.

Wer mich persönlich kennt, oder Fotos von mir (hallo Paula! :-) ) weiß außerdem, dass ich mit Übergewicht kämpfe... wobei kämpfen das falsche Wort ist: Denn auch das hab ich irgendwann hingenommen. Nicht gerne.

Und ich habe es auch nicht akzeptiert. Weil ich mich selbst als unästhetisch empfinde. Das ist so, und da nutzt auch alles Schönreden nicht. Ich fühl mich, was das betrifft, auch kein bisschen neurotisch: Sondern in meinem Sinn für optische Schönheit und meinen Ansprüchen an mich selbst verletzt und nicht so aussehend, wie ich das gerne hätte.

Kate und Time und dieBraut und mein Bruder, und alle die, die ich öfter im Wirklichen Leben (TM) treffe wissen, dass ich Magermodelle, Bruchstücke von Frauen, nicht schön finde.

Insofern möge mir bitte niemand unterstellen, ich wolle mich an Größe 34 heranhungern oder -turnen.

Es gibt bestimmt runde Menschen, die sich als rund und vollständig und schön empfinden, und ich gönne ihnen das. Ich bewundere sie dafür nicht, denn das persönliche ästhetische Empfinden ist eine Ansichtssache, im wahrsten Sinne des Wortes- und für Ansichten -die nichts anderes sind als Prämissen für Weltsichten- ist niemand zu bewundern. Sie haben keine Wirklichkeit, es sei denn, man lebt danach. Dann kann ich die Tat bewundern.

Aber ich schweife mal wieder ab.

Also, ich habe für mein persönliches Empfinden zuviel Speck auf den (hier nicht näher spezifizierten) Knochen, was eben meine Ansicht ist.

So, und ein Traum von mir war immer, mich von diesem Zuviel zu verabschieden. Ich habe den großen Diätschein, weil ich so gut wie alles gegessen (oder eben nicht gegessen) habe, was irgendein Mensch, dessen Qualifikationen mich auch nur ansatzweise überzeugt haben, als empfehlenswert (oder verabscheuungswürdig) bezeichnet hat.

Ich glaube allerdings, keine Kohlsuppen- (würg!) und keine Ananas-Diät gemacht zu haben, aber sonst wirklich alles. Das fing mit 12 an, als Mutter die Familie auf 1000 Kalorien gesetzt hat, und hat vorletztes Jahr mit Logi aufgehört. Dazwischen liegen 32 Jahre.

Und jede einzelne Diät hat geholfen. Wirklich, alle.

Solange ich danach gelebt hab.

Ich habe insgesamt mit Sicherheit die Tonnage eines Binnenschiffes abgenommen im Laufe meines Lebens. Jedoch leider auch jedes Mal eine Menge wieder zugenommen. Wenn die diätischen Bemühungen nämlich wegen „unerträglich langweilig“ oder bevormundend-besserwisserischem Gelaber nicht mehr alltagstauglich waren.


Was zu einem aktuellen Gewicht führt, welches nicht mein all time high ist. Dazu weiß ich wirklich inzwischen zuviel über Ernährung, und selbst, wenn ich keine Diät mache, kann ich nicht alles ignorieren, was ich je gelernt habe. Ich habe erfolgreich Gemüse und Obst in meinen Speiseplan aufgenommen, und eine Mahlzeit ohne was grünes kommt mir merkwürdig und unvollständig vor.


Hallo Mama! Putenschnitzel mit Reis und Currysauce ist aber auch ohne Salat dazu lecker.

Von all time high kann also nicht die Rede sein, das lag noch 30 Kilo über dem, was ich heute habe.

Aber:

Das Resultat aus diesen 32 Jahren ist, dass ich exakt das gleiche wiege wie 10 Tage nach meinem 18. Geburtstag.

Eigentlich toll? Bestimmt- wenn ich das nicht nur deshalb so genau wüsste, weil ich an dem Tag entbunden habe.

Fakt ist, ich bin derzeit sowas von nicht schwanger, dass ich mich definitiv nicht mit einem 9-Monatsbauch herausreden kann.

Ich bin schlicht zu dick, überall.


Dazu kommt, dass ich einen erhöhten Blutdruck habe, was sicher auch am Rauchen liegt, und Diabetikerin bin.

Nun ist das nicht die Diabetes-Variante, die man von zu viel Speck kriegt, sondern die andere, die Autoimmunerkrankung. Jedoch kann man, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, die andere Variante auch noch entwickeln. Und darauf habe ich keine Lust.

Ich lebe auch zu gerne, um mit Mitte 60 meine Ruhestandsurkunde entgegen zu nehmen und direkt anschließend von meinem Ableben Gebrauch zu machen.

Meine Gefäße (nicht die Tassen, die mir im Schrank fehlen) sind geschädigt, wegen des Rauchens und wegen des Diabetes.

Diät im gängigen Sinn ist nichts für mich, dafür esse ich einfach zu gern, koche zu gern- und nach einer Sozialisation in einer großen, hektischen Familie mit einer zeitweise doch sehr beanspruchten und manchmal überforderten Mutter ist Essen immer das gewesen, wo wir uns alle getroffen haben. Wo meistens Frieden herrschte, und vielleicht auch mal Schweigen. Wenn auch ein gefräßiges.


Jedenfalls hat Essen ja nicht nur einen Nahrungs- und einen Genussfaktor, sondern auch einen emotionalen Aspekt, der bei Leuten, die viel allein sind, so wie das bei mir der Fall ist, auch mal dazu führen kann, dass man sich ein bisschen tröstet. Nicht immer, denn meist bin ich ausgesprochen gern allein. Aber manchmal, wenn sich meine Eremiteninstinkte mit schlechtem Wetter ungünstig treffen, und grade Neumond ist. Oder Vollmond, oder sonst ein Mond. Kann also passieren, dass ich den Frust runterschlucke, garniert mit ein bisschen Pasta. Basta.


Haben wir ein Dilemma? Ja, das haben wir.

Also, ich hab eins.

Erstens find ich das Dicksein nicht schön. Zweitens will ich meinen Diabetes besser einstellen. Drittens: Ich muss das Rauchen aufgeben. Abgesehen von den bei mir noch gravierender zu erwartenden Schäden (s. Diabetes und dessen gefäßschädigende Wirkung) finde ich es ungeheuerlich, soviel Geld für sowas auszugeben, was mir die Haut und die Gesundheit und überhaupt vieles ruiniert. Viertens ist eine Gewichtszunahme (wenn ich aufhöre zu rauchen) etwas, was ich mir nicht leisten will,.

Fünftens weiß ich aus Erfahrung, dass ich weniger esse, wenn ich mich mehr bewege.

Sechstens zahl ich eh für das Training, schon seit Dezember. (Die Beiträge hab ich immer unter „Bußgeld für Nicht-Sporttreiben“ gebucht)

Also was lag näher, als das Konzept, was für mich neu war (die kurzen Zirkeltrainingseinheiten- Fitnessstudios als solche hab ich schon oft genug besucht) mal auszuprobieren?

So, und nun bin ich drei Wochen dabei, und habe offenbar Blut geleckt.

Mir kommt da sehr entgegen, dass es erstens recht klein ist- und alle einen kennen. Ja, ich bin überhaupt nur wieder eingestiegen, weil die Leute da mich mehrmals angerufen haben und gefragt, ob ich nicht kommen möchte- und ich hab mich nicht bevormundet gefühlt, sondern, naja, umsorgt.

Des weiteren ist die halbe Stunde einfach gut dazwischen zu kriegen, auf dem Nachhauseweg von der Arbeit kann ich da mal eben rein- das ist kein Umweg.

Und, wie gesagt: Die halbe Stunde. Es besteht überhaupt keine Chance, dass die dort verbrachte Zeit immer länger wird, weil man endlose Runden auf einem Ergometer oder einem Crosstrainer runterkurbelt.

Trotzdem ist es nicht nur effektiv, sondern es macht mir Spaß. Zum ersten Mal, seit ich denken kann, macht mir das wirklichen Spaß. Was auch an dem erfreulich normalen Publikum liegt, aber vor allem am Training selbst.

Ich komm da raus und könnte Bäume ausreißen.


Und, könnte man sich jetzt fragen, wird sie sportsüchtig? Hat sie nicht mehr alle Schweine im Rennen, oder warum kauft sie sich noch DVDs für zu Hause?


Ganz einfach. Der eine Sport macht mir Spaß. Gibt es vielleicht noch mehr Sachen, die mir Spaß machen könnten?

Bis jetzt: Ja.


Es werden Zeiten kommen, in denen ich mich nicht aufraffe. Das weiß ich heute schon. Aber deshalb jetzt schon aufhören?

Never. Lieber so lange weitersuchen, und ausprobieren, bis ich das für mich wirklich richtige gefunden habe.-


Insgesamt bin ich derzeit eine gehörige Portion zufriedener als sonst. Natürlich gibt es noch genug Baustellen und Teufelskreise, dass auch der Denkapparat und die Neurotik-Drüse nicht arbeitslos werden.


Und niemand soll glauben, er käme drum herum, hier weiterzulesen.


In diesem Sinne.



Und nein- mit der Hochzeit hat das nun gar nichts zu tun. Es ist ja schließlich nicht meine- und bis in fünf Wochen werd ich kaum in Größe 40 passen, wenn überhaupt.



Ich will mich einfach nur wohl und in mir zuhause fühlen.


Gute Nacht euch allen!



Lily




Kommentare:

Uschi hat gesagt…

Ich weiss zwar nicht, wie du aussiehst, aber ich wuensche mal gutes Gelingen. Kann das bestens nachvollziehen.
Und es wird eben nicht einfacher, je aelter man wird, nein, nein, nein, und auch vorangehende Erfahrung zaehlt nicht!
Also, frohes Gelingen! Und setzt dir 'ne Belohnung fuer die ersten verlorenen Pfunde aus, (nix zum essen, sondern was Schoenes). Ich drueck' mal die Daumen.

Lily hat gesagt…

Danke:-) Gedrückte Daumen kann man nie genug haben.


Lily

Meise hat gesagt…

Nun, ich will auch gar nicht drumherum kommen, hier zu lesen, denn mittlerweile - auch wenn ich manchmal zu ungeduldig bin, Ihre meist wirklich langen Texte zu lesen (ich bewahre sie mir dann für später auf) - lese ich hier sehr gerne. Das liegt zum einen vermutlich an Ihrem Stil, zum anderen wohl daran, dass ich mich in einigen Dingen wiedererkenne. In diesem Post mal wieder sehr.
Vielen Dank für diesen offenen und mutmachenden Post!
Ha, Sie schaffen es und werden noch glatt mein Vorbild! ;)

Paula hat gesagt…

Das klingt ja ganz wunderbar, DAS MACHST DU GANZ PRIMA , LILY! Mach weiter und häng Dir jetzt schon eine schönes Kleid Gr. 42 in den Schrank. (Meins hängt da seit 15 Jahren drin, aber ich behalte es weiterhin).

Schönen Sonntag!
P.

Anonym hat gesagt…

Oooch, schade. Als absolut unsportliche Raucherin hätte ich mir gewünscht, dass es noch jemanden gibt, der genauso schlampig mit seiner Gesundheit und den guten Vorsätzen umgeht, wie ich. Sei´s drum. Ich wünsche Dir, dass Du durchhältst und Erfolg hast.
Time

Lily hat gesagt…

Ihr seid toll, und ich liebe euch alle.
(Das kommt vom Yoga, keine Angst:-)

Lily

Georg hat gesagt…

Ich war überrascht als ich Dich am Samstag gesehen habe. du kommst ganz anders rüber als früher. Etwas ist anders und das merkt man. Mach weiter so. Du bist auf dem richtigen weg...

P.S. Ich habe ihm dann doch noch seinen Panzer gemalt...

Lily hat gesagt…

Danke :-)
Hat er (Georgs Sohn, Anm.d.Verf.) mir eigentlich geglaubt, dass ich "keine Panzer kann"?

Lily