Samstag, 5. Juli 2008

Fragen an Lily, Teil 3

So, und nun wechseln wir mal wieder das Thema...

Meiner geschätzten Leserin, Kommentatorin und Mit-Katzenverrückten Time hab ich dankbar mitzuteilen, dass sie einen schönen Themenvorschlag hatte. Da mangels derselben hier schon mal die Posts die innere Struktur von Splitterbomben haben, seid ihr bitte alle dankbar!


Also, die Hochzeit.

Es ist nicht meine (dreimal heiraten, und damit Celebrity-Status erlangen? Nee danke, nicht mit mir:))

Es ist auch nicht Times, die ist verheiratet, und soweit ich das beurteilen kann, ist sie damit sehr zufrieden.

Nein, es ist die Hochzeit von dieBraut- ich nutz jetzt einfach mal den Nick, den sie bei ihrem letzten Kommentar eingesetzt hat und benutze ihn in grammatikalisch vorwerfbarer Weise.


***Einschub:


Ich bin hier ebenso anonym wie jeder andere, der nur per Nick auftaucht- „Lily“ ist also ein, wenn auch sehr geliebtes, Pseudonym. Inzwischen unterschreib ich schon mal private Mails mit diesem Namen. Entweder ein Zeichen für sich auflösende innere Grenzen oder für ein Azorenhoch, keine Ahnung. Es soll aber nicht bedeuten, dass die Informationen, die man hier nebenbei über mich erfährt, nicht alle real im Sinne von wirklich so gewesen sind. Es gibt klitzekleine Anpassungen, die ich meiner und der Anonymität anderer zu schulden glaube, aber ansonsten ist „Lily“ wirklich nur ein Pseudonym, kein Alter Ego.

Und natürlich bin ich auch nicht von altem Adel, wie die Mailadresse vielleicht suggeriert:-)


***Ausschub.


Also, die Hochzeit.

Ich freu mich drauf.

Weil es nicht meine ist:-)

Und weil ich so gespannt bin, wie dieBraut aussehen wird, hab ich doch, wie ein Bräutigam, nur Kenntnis davon, DASS sie ein Brautkleid hat. Keine Ahnung, was für eines. Aber da sie schon nicht nackt zum Standesamt gehen wird, gehe ich mal von einer ziemlich bekleideten Braut-in-der-Kirche aus.

Aufgrund der schwächlichen Versuche der Dame in dem Laden, in dem wir nach Bekleidung für das Standesamt suchten, mir auch was zu verkaufen, hab ich erstmalig darüber nachgedacht, was ich denn anziehen will.

Natürlich hab ich nichts anzuziehen, für solche Anlässe hat man das nie. Alle die, die mich im wirklichen Leben kennen, wissen, dass meine Alltagsgarderobe sich auf Jeans beschränkt, für den Sommer hab ich auch noch ein paar dünne Cargo-Pants. Aber die sind eher theoretisch vorhanden, praktisch finde ich den Gedanken an Bügeln im Sommer so abstoßend, dass ich sie eher nicht anziehe. Zwei, drei Röcke der sommerlichen Art nenne ich auch mein Eigentum, die sind aber im Büro unpraktisch, weil sie lang sind, und daher ständig in Gefahr, vom Bürostuhl überfahren zu werden. Das ist auch was, was den meisten männlichen Kollegen nie passiert- die Kleidung, die sich in den Rollen des Drehstuhls (Dachstuhls. Hm.) verfängt. Es gibt kaum was witzigeres als jemanden dabei zu beobachten, wie man das wieder da herauspfriemelt.

Für den Betrachter witzig.

Also, chez Lily ist der Kleiderschrank so leer, dass Kleidung für eine Hochzeit erstmal nicht da ist. Aber selbst wenn ich noch sowas wie Sonntagsgarderobe hätte- ob sie passen würde, stünde in den Sternen.

Und selbst wenn sie passen würde: Ab und zu kaufe ich mir gerne mal was. Wenn das auch selten vorkommt, wegen der Identität meines Namens mit dem Begriff „negativer Cash-Flow“. Es muss nicht teuer sein – nein, es DARF nicht teuer sein.

Abgesehen davon: Die Dinge in meinem Schrank, die sich entfernt eignen würden, sind alle hell. Weiß, oder cremefarben- und das ist nunmal für die Braut reserviert. Ich gönns ihr- sie sieht auch bestimmt viel besser aus als ich das in Weiß könnte.

Also ist der Neukauf quasi verpflichtend.

Jawoll.

Und mit einem Schauer, der nur teilweise gruseligen Ursprungs ist, mache ich mir meine Gedanken.

Vermutlich wird es etwas Zweiteiliges sein. Ein Hosenanzug wär mal was feines. Aber aufgrund der Eigenheiten (besonders gut gefällt mir hier der Vorschlag „Verwegenheiten“ von OpenOffice) meiner Anatomie könnte das teuer werden.

Da eine schmale Hosenform nicht in Betracht kommt, bliebe nur das, was die gemeine Frauenzeitschriftenredakteurin als Marlene-Form bezeichnet. Damit läuft man schnell Gefahr, um die Beine herum eine gewisse Litfaß-Säuligkeit anzunehmen.

Außerdem knittert sowas erheblich, außer es ist Synthetik, die ich nicht gut auf der Haut haben kann. Litfaßsäulen sind schon schlimm genug, wenn sie aber auch noch Ziehharmonika-Falten annehmen, mag ich nicht dran denken, wie das aussieht.

Also Rock mit Jacke drüber.

Irgendwas fließendes, weiches- vorzugsweise in einem kühlen Farbton, nicht zu kalt. Keine Eis-Farben, kein Schwarz. Kakao-Braun ginge auch, aber es ist Sommer, also lieber nicht...

Dunkelblau wäre möglich, ist aber schnell langweilig.

Die immer so poetisch als Herbstfarben bezeichneten Töne sehen an mir gar furchtbar aus.

Bleiben rosa. Blassblau. Blassgrün. Flieder (nee, nicht wirklich- das ist sehr, sehr schnell eine Oma-Farbe.

Außerdem hab ich mein erstes Standesamts-Outfit noch sehr, sehr übel im Gedächtnis. Eine Bluse (die war sogar schön, keine Frage, wenn auch hoffnungslos Eighties) und ein Rock, in dunkellila... mit applizierten Elefanten auf dem Saum, die sich gegenseitig einen Regenschirm über die be-rüsselten Köpfe hielten. Ehrlich... Ich war jung. Ich brauchte das Geld. Und außerdem war das 1984.

Und ihr möchtet nicht, dass ich euch erzähle, was ich in der Kirche an hatte. Nein, wirklich nicht.


Also kein Lila, keine Hosenanzüge, kein Weiß, kein Creme.


Und mit diesem Vorsatz werde ich dann irgendwann auf die Suche gehen. Nicht zu früh, denn es soll ja alles auch noch passen, und nicht zu spät, damit ich auch noch was kriege.


Das geht wahrscheinlich schief.

Ich beneide Time, mit ihrem 38-er Figürchen, das sich die letzten Jahre nicht wie ein Mond verhalten, sondern immer schön die Form behalten hat. Grrr.

Da macht das Einkaufen vermutlich Spaß.


Das nächste Kapitel, dem ich mich dann mit nur-noch-Gruseln widmen werde, ist das Schuh-Kapitel. Ich trage Schuhgröße 41, meine Damen und Herren.

41.


42“ wäre wenigstens die Antwort auf die Frage.

Welche Frage?

Da müsst ihr Douglas Adams lesen.



Bis später mal,



Lily





Kommentare:

Paula hat gesagt…

Ich habe da auch so meine Eigenheiten der Anatomie, zwar an anderer Stelle wie Du, hab aber vor ein paar Jahren was bei P&C gefunden beim Label "My Line" für 100 €(klingt schön verschleiernd, gemeint sind die Damen mit Figurproblemen "untenrum": Hosenanzug, Polyester, Elastan, Viskose (keine Angst, leicht, luftig, man schwitzt nicht drin, knittert nicht) dunkelblau mit dezenten Nadelstreifen, ist ideal für alle offiziellen Anlässe. Die Hose hat hinten einen Gummizug und ist schön weit geschnitten, wirkt aber trotzdem nicht litfaßsäulen- artig - perfekt. Und die Farbe kann man mit bunten T-shirts, Glitzerblusen oder was auch immer hinzufügen.

Und wenn's einem zu warm wird, kann man das Jackett ja später ablegen.

Es gibt für jede Frau was mittlerweile, man muss sich nur trauen, die "Spezialständer" oder extra-Abteilungen außer der normalen Konfektion durchzusehen.

Viel Spaß beim Suchen!
P.

Anonym hat gesagt…

"Uff!!! Also nachdem ich das diesjährige Angebot gesichtet habe, bin ich frustriert und wild entschlossen, meine alten Sachen aufzumöbeln.
Unglaublich! Ich geb doch nicht 500Euro aus um so auszusehen als hätte ich mich verkleidet. Wenn ich nicht in den nächsten Tagen in Kleve was richtig Gutes finde, dann bleibt mir nichts anderes übrig.
Ich hätte ja auch eins von den Thronkleidern kaufen können... Nee, wirklich.... Nicht einmal gescheite Hosenanzüge hatten die. Bei den Hosenanzügen habe ich auch ímmer das Problem, dass die Hosen grundsätzlich zu kurz sind. Das sieht dann erst recht sch... aus. Danach bin ich ins nächste Gartencenter geflüchtet, da habe ich mich auf jeden Fall nicht
dermaßen fehl am Platz gefühlt."
(Auszug einer Mail an die Braut)
Soviel zum Thema: mit dem 38er Figürchen müsste Einkaufen richtig Spaß machen... HA! Einkaufen ist für mich der reinste Horror!
Das führt dazu, dass ich zur Hochzeit in einem knap 50 Jahre alten Kostüm meiner Mutter aufkreuzen werde. In beige, einer Farbe, die mir definitiv nicht steht. Ich hab sogar Schuhe dazu, aber ob ich darin laufen kann, ist eine andere Frage. Wahrscheinlich werde ich den ganzen Tag von einem Sitzmöbel ins nächste fallen.
Mich mit Mode zu beschäftigen, theoretisch oder praktisch, finde ich absolut ermüdend. Schon deshalb muss ich meine Figur halten, sonst müsste ich mir ja andauernd neue Klamotten kaufen. Eine Horrorvorstellung!
Time

Lily hat gesagt…

Vor 50 Jahren war meine Mutter 17 und die Petticoat-Kleider, die sie damals trug, wären für mich nur bodenlang tragbar, denn ihre Beine, die hat sie noch- ich hab definitiv die von Oma. Plus die bodenständig-kräftigen, auch gebärfreudig genannten Becken"knochen". Schopenhauer nannte uns das kurzbeinige der Geschlechter, und er muss eine Vision gehabt haben, in der ich vorkam.
Der einzige Trost (okay, schwach ist er auch noch): Meine schlanken und jungen Nichten haben die gleiche Tendenz. Trotz Ballett, trotz aller Sportarten die sie treiben.
Gummizüge sind leider nicht vorteilhaft für mich, weil ich damit einen Ballonhintern habe... oft probiert, genauso oft bereut.
Aber vielleicht kann ich ja die nächsten 6 Wochen noch figurfördernd und gewichtmindernd nutzen. Drückt mir die Daumen.
:-)
Lily

Anonym hat gesagt…

Klar drücken wir Dir die Daumen, aber die gemeine Frage, die sich stellt, ist: für welche Figur udn wann willst Du das Gewand kaufen?
Time
in Erwartung einer Tracht Prügel am frühen Montagmorgen ;-)

Lily hat gesagt…

beware those who will lauer you auf behind the müllcontainers :-)

Uschi (wirklich) hat gesagt…

seufz. Ich kauf schon gar keine Kleidung mehr, trage abgelegte Tshirts von den Jungs. Der Inhalt meines Kleiderschranks passt in einen Koffer, wobei zu beachten ist, dass hier in den USA 'closets' die groesse von richtigen Zimmern haben.
UND LILY heisst du auch nicht??
Bummer.

Anonym hat gesagt…

@uschi: wenn ich mich recht erinnere, sind die amerikanischen Umkleidekabinen Säle, in denen man sich quasi öffentlich umzieht. Das setzt ein sehr stabiles Selbstbewusstsein voraus. Allein der Gedanke daran würde mich vom Kauf jeglicher Kleidung abhalten.
@lily: ich werde die Container am Montag besser meiden. Die andere Seite, die mit der Baustelle, ist ja auch interessanter.
Time

Paula hat gesagt…

@Lily: Ballonhintern macht nix, das Jackett muss natürlich leicht tailliert und halblang sein und die Bluse darunter auch.

Nee ne is schon klar, ich hab ja gut reden, hier in der Großstadt gibts alles für wirklich jede Größe.

Und wie wär's mit einem indischen Sari oder einer chinesischen Langbluse über einem schwarzen langen Rock mit hohen Seitenschlitzen? Muss ja nicht immer Otto-Normal-Verbraucher Schick sein!

Paula hat gesagt…

Oder wie wär's damit, na vielleicht doch lieber zu einer anderen Gelegenheit..(schau mal grad in meinem Blog nach, ich weiß nicht, wie man das in einen Kommentar kopieren soll)

Uschi hat gesagt…

@ anonym: Nee, ein closet ist ein begehbarer Schrank, den die meisten Schlafzimmer hier in Californien haben. (Kleiderschraenke gibts so gut wie nicht) und Umkleidekabinen sind schon meistens richtig gross, aber oeffentlich? nee. Die Amerikaner sind im Vergleich richtig pruede, wirklich. In normalen Zeitschriften, im Schwimmbad, am Strand gibt es kein oben ohne. Nackichte Kleinkinder auch nicht.
Obwohl viele der Frauen, die meinen, shorts tragen zu muessen, das eigentlich bleiben lassen sollten...

Lily hat gesagt…

@ Paula: Das mit dem Sari oder die chinesischer Bluse mit dem langen Rock ist eine SUPERidee. Einen Sari hatte ich noch nicht an, aber das ist ja zu ändern. Dafür müsste man vermutlich nach Köln oder Düsseldorf, denn auch in Essen dürfte es sowas nicht geben. Aber wofür lebt man in der Nähe so vieler interessanter Städte. Zeit, mal wieder hinzufahren. Weiß jemand, ob Saris inzwischen am Stück zu kriegen sind? Oder gibts eine Wickelanleitung dazu? Oder zwei, drei Kammerzofen :-)
Im Ernst: Die schönsten Kleider sind für mich entweder Prinzessinnenkleider oder Suzy-Wong-Kleider (Schmal, mit Stehkragen, und aus Seide)Letzteres müsste was für Time sein, im Gegensatz zu mir kannst du sowas tragen, Mädchen!

@ Time: Na, dann lauer ich eben hinter dem Bagger. Oder hinter der Wundermaschine... Pöh!

@ Uschi: Das mit den Shorts ist hier genauso, wenn vielleicht auch nicht so ausgeprägt... ich bin da immer ein bisschen hin- und hergerissen, ob ich das Recht habe, wegen der Verletzung meines persönlichen ästhetischen Empfindens von anderen das Sich-vollständig-Anziehen und damit das Schwitzen zu verlangen. Aber manchmal finde ich das schon eklig... und wenigstens für die nicht-Strand-Öffentlichkeit und für den Arbeitsplatz ist, finde ich, Halbnackt sein nicht in Ordnung. Aber das ist auch unabhängig von den Größen.
Schwitzend und NICHT angezogen, aber zu Hause,

Lily

Anonym hat gesagt…

Hallo, ich lese hier schon längere Zeit mit, dies ist aber mein erster Kommentar. So ein Klamottenproblem habe ich auch vor mir. Ich muß zu einer Goldenen Hochzeit im September und weiß nicht, was ich anziehen soll. Und vor allem Paula's Tips haben mir weiter geholfen, muß ich sagen.


Aber was ich Time noch fragen wollte: Wenn du doch weißt, daß die die Farbe nicht steht, und daß du in den Schuehn nicht laufen kannst dann versteh ich nicht warum du das anziehst. So teure Sachen rbauchen das doch gar nicht sein, man kriegt bestimmt auch schöne Sachen für weniger Geld?
Wenn du mal im Internzet schaust, bei Bonprix oder solchen Geschäöften, da finden sich Sachen für unter 50 Euro.
Ich würde mich doch nicht quälen und vielleicht krank aus sehen (wegen der falschen Farbe vom Kleid)wollen. Wenn dir alleine einkaufen keinen Spaß macht dann frag doch mal eine Freundin? Das kann lustig sein, man muß sich nur dradrauf einlassen.

Ach ja, und es macht Spaß hier mit zu lesen.
Viele Grüße,

Sabine (aus Darmstadt)