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Donnerstag, 27. Dezember 2007

Frausprech.

Frausprech?

Ich bin Mitglied einer Mailingliste aus den USA, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren Teilnehmern dabei zu helfen, ihren Haushalt zu planen und die anfallende Arbeit zu sortieren. Das System besteht aus einem E-Mail-Gerüst, und einer schematischen Aufstellung der notwendig werdenden Arbeiten, sowie einer ziemlich ausgeklügelten Zusammenfassung in Form verschiedener Journale. Die Mails kommen täglich, bunt gemischt mit Erinnerungen an diverse Haushaltspflichten, sowie viel Alltagsphilosophie und Erfahrungsberichten der Mitglieder.

Leider gibt es das Programm nicht auf deutsch- ich habe es als sehr hilfreich empfunden, um endlich zu wissen, wie ich mit der täglichen Routine am besten anfange, wie ich mir die Arbeit einteile und angesichts des manchmal unglaublich langweiligen Einerleis der immer wieder gleichen Arbeiten nicht in einen halb komatösen Zustand zu verfallen oder zu verzweifeln.
Dabei habe ich nicht mal einen großen Haushalt- aber auch kleine können aus dem Ruder laufen und auch Singles neigen manchmal dazu, Berge an Dingen anzusammeln, die das Leben belasten (und das Aufräumen zu einer Staatsaktion zu machen). Eine der Kernaussagen ist, dass wir, indem wir dafür sorgen, dass unsere nähere Umgebung ansprechend aussieht und der Erhaltungsaufwand klein bleibt, UNS SELBST etwas gutes tun- Finally Loving Yourself.
Wie gesagt, Alltagsphilosophie ist auch dabei.
Das Leben spielt uns manchmal sonderbar in die Hände. In den letzten Tagen habe ich unter anderem darüber nachgedacht, wie damit umzugehen ist, wenn man mit anderen Leuten zusammen lebt, und das Zusammenleben kommt ins Knirschen. Wenn da nicht mehr eins ins andere greift, sondern die Räder verhaken, die Stimmung schlecht wird und die Konversation ins Gereizte schwappt.
Wenn sich also die Eigenschaften in den Vordergrund schieben, die dem Partner das Leben zur Hölle machen.
Dann ist Kritik angesagt- oder schweigendes Erdulden bis zum Platzen.
Wie äußere ich Kritik?
Respektvoll, ruhig, unaggressiv, nicht wahr?
Schön wärs.
Genau so schön wäre es, wenn das, was gesagt wird, entsprechend aufgenommen würde: Ruhig, unaggressiv, nachdenklich und positiv motiviert, das eigene Verhalten unter die Lupe zu nehmen.
Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Theoretisch.

Praktisch läuft es nicht so, und wenn man den meist recht emotionalen Hintergrund berücksichtigt, bestehen eigentlich nur geringe Chancen, dass es jemals entsprechend läuft.
Vermutlich bestehen größere Chancen, dass eine Beziehung einen Seitensprung überlebt als dass 20 Jahre voller nicht verschlossener Zahnpastatuben ungerächt bleiben.
(Wobei ich an dieser Stelle den Tubenherstellern meinen verbindlichsten Dank für die Klappverschluss-Tube zum Aufstellen schulde. Die hat bestimmt einige Ehen gerettet)
Aber die Zahnpastatuben sind nur eine von vielen Möglichkeiten. Einzelsocken. Auf dem Boden abgelegte Wäsche, im ganzen Haus verstreut. Hochgeklappte Klobrillen, nicht gereinigte Katzenklos, Schmatzen, Schlürfen und Co, Schnarchen, Popeln, Schuppen- der Möglichkeiten sind unendliche.

Die Reaktionen sehen oft erstmal so aus, dass sie schlicht entfallen. Schließlich ist man frisch verliebt. Dann aber.
Dann wird es ätzend, nervig, und man hat einmal zuviel beim nächtlichen Toilettengang auf der nackten Schüssel Platz genommen. Man entschließt sich, was zu sagen- und scheitert.
Erstmal sagt man freundlich, dass derdiedas Gegenüber doch bitte die Klobrille schließen möge. Das schaukelt sich auf. Irgendwann geht man direkt nach dem Verursacher ins Bad, um ihn dann beinahe an den Haaren wieder hineinzuzerren, damit er verdammt noch mal die Brille selbst runtermacht.

Solange man noch im Rede-Stadium ist, vor dem Ausbruch körperlicher Gewalt, findet dann oft das statt, was die Flylady „Womanspeak“, also in etwa Frausprech, nennt. Dazu kamen in den letzten Tagen mehrere Mails, in denen sie unter anderem ihren Ehemann etwas dazu sagen lässt, und sich selbst zu den Gründen und den Erscheinungsformen dieser Form der Kommunikation äußert. Wie gesagt, zeitlich merkwürdig passend...

Sie meint mit dieser Bezeichung, dass Frauen Schwierigkeiten damit haben, direkt zu sagen, wenn sie etwas wollen- und daher oft drumherum reden, oder sogar Dinge äußern, die auf den ersten Blick nichts mit dem zu tun haben, was sie eigentlich wollen. Dies soll ein gelerntes Verhalten sein, von Mutter auf die Tochter tradiert, und ganz besonders ärgerlich für den auf der anderen Seite der Kommunikation.
Eigentlich soll es sich um so etwas wie einen Befehl oder eine Bestellung (sie spricht von „order“) handeln, für deren Ausführung jedoch die Befehlende den Preis nicht zahlen will.

In den Verhältnissen, in denen Befehle oder Bestellungen üblich sind, zahlt der Bestimmer - meist. Entweder das Gehalt dessen, dem er befiehlt, oder aber einen Kaufpreis, oder er trägt für das Wohlergehen des Anderen in irgendeiner anderen Weise die Verantwortung. Weil dies Verhalten aus Zeiten stammte, in denen Frauen nicht zu erwarten brauchten, dass irgendjemand ihnen die Befehlsgewalt gibt, oder dass sie ein legitimes Recht bekommen hätten, etwas zu verlangen, entwickelten sie diese Form der indirekten Befehle, und nannten das dann „diplomatisch“.Als Beispiel nennt sie die folgende, durchaus typische Unterhaltung:

Frau: „Mir ist kalt“ Gemeint ist was anderes, nämlich „Machst du bitte mal die Heizung an?“

Mann, bereits leicht angesäuert: „…“ und steht brummelnd auf, um das Ventil aufzudrehen.


Mit zunehmender Etablierung dieses Kommunikations-Dummies (im Sinne von Ersatz) wird man immer öfter entweder auf einen ermüdeten „Befehls“-Empfänger oder auf eine immer mehr aufdrehende Indirekt-Rednerin treffen. Ich bleibe mal bei den geschlechtsspezifischen Enden, wenn ich auch nicht glaube, dass tatsächlich nur Frauen die Befehlenden in diesen Kontexten sind.
Mir fällt auf, dass diese Form der Äußerung uns in Windeseile in ein Machtgefälle bringen kann, auch wenn ursprünglich keines bestanden hat.
Eine Bemerkung, die indirekt darauf zielt, dass jemand anderes etwas für uns tut, wird aus einer gewissen Erwartungshaltung heraus getan. Und das gefährliche dieser Art der Äußerungen, also „Mir ist kalt“ anstelle von „Dreh doch mal die Heizung auf“ ist, dass das Gegenüber nicht zu reagieren braucht. Es wurde um nichts gebeten, oder?

Eine Bemerkung wie: Meinst du nicht, du solltest einen Schal mitnehmen?“, die eigentlich bedeutet, Kind, es ist kalt, zieh dich bitte wärmer an, fragt scheinheilig nach der Meinung des Gegenübers- und erzeugt schnell Zorn, wenn darauf geantwortet wird: „Nein, das meine ich nicht“.
Hört man: „Meinst du wirklich, du solltest so vor die Tür gehen?“ schmeckt das schwer nach Beleidigung.

In Fall eins kann derjenige sich einfach taub stellen. Jemand, der die Freiheit hat, einen Befehl entweder zu hören oder nicht, hat Macht. Wenn derjenige, an den diese Mitteilung gerichtet ist, gehorcht, hat er keine Macht, dafür der Befehlshabende um so mehr.

In Fall zwei stehen die Chancen gut, dass der oder die solchermaßen Adressierte entweder sauer ist, weil sich da jemand einmischt, der pro forma behauptet, dass man selbst das Recht auf eine Meinung hat- oder eben der Bestimmer ist zornig, weil er sich verspottet und nicht ernst genommen fühlt.
Es gibt auch keine Möglichkeit, klärend und deeskalierend auf Bemerkung Nummer drei zu reagieren. Einer von beiden ist immer „im Unrecht“ und fühlt sich entsprechend beschissen.

Auf jeden Fall trägt diese Art, sich Luft zu verschaffen (denn etwas zu verlangen oder etwas zu kritisieren dient oft dem innerlichen Druckabbau) dazu bei, dass sich die Fronten verhärten, und es niemandem mehr um den Inhalt der Mitteilung geht. Eine klassische Kommunikationsfalle, sorgsam konstruiert aus Verschleierung und Machtkämpfen.

Ich hab mich darin weitgehend wieder erkannt, denn Zorn, der sich in ätzenden Sarkasmen äußert, als Bitten getarnte Anklagen und Befehle und manipulative Gesten, ob verbal oder nonverbal, sind tatsächlich Spezialitäten von Frauen- vorzugsweise von denen, die schlichtes Gemecker ihrer selbst unwürdig finden. Die mit dem, was sich an Druck in ihnen anstaut, nicht gut umgehen können- sie finden, dass der Partner oder das Kind schon wissen sollte, was seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist.

Wissen sie das tatsächlich? Oder sind die Bedürfnisse und Befugnisse innerhalb der Beziehung nicht klar? Dann muss darüber geredet werden. Zunächst mal jede/r mit sich selbst. Dann miteinander. Und dann muss ab sofort direkt agiert werden.
Also bitte, Leute: Bittet euer Gegenüber, die Heizung einzuschalten, wenn euch kalt ist, aber schaut vorher aufs Thermometer. Vielleicht ist es wirklich warm, und ihr friert innerlich- dann trinkt einen Tee oder lasst euch umarmen. Das hilft.

Wenn alle Beteiligten aber darüber informiert sind, was man sich gegenseitig an Rücksicht und Kooperation schuldet, auch an Hilfe und Loyalität, und darüber grundsätzlich Konsens herrscht, kann eigentlich kaum mehr was schief gehen, wenn man ein bisschen selbstkritisch seine Kommunikationsstrukturen überwacht.

Außer in dem Sonderfall, dass das Gegenüber es drauf anlegt, die Beziehung zu beenden, aber diesen Wunsch nicht aussprechen will. Dann sind alle am Arsch. Und zwar gründlich.



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Wenn jemand die Flylady-Texte zu Womanspeak lesen möchte: Bitte einen Kommentar hinterlassen.

Montag, 24. Dezember 2007

Ist Bloggen Therapie?

Den Verdacht hab ich nicht als einzige... Laurie hat ihn auch. Es hat tatsächlich etwas von Sitzungen.
Da das Bloggen hier auf blogspot.com kostenlos ist, ist es auch eine gesellschaftsfreundliche Art des Dampfablassens, denn die Krankenkassen müssen nicht dafür bluten. Und die von besagten Kassen gesponserten Sitzungen müssen nicht so sehr unter Alltagskram leiden. Knapp wie sie sind, sollte man jede Möglichkeit nutzen, außerhalb der Termine ein paar Dinge zu klären.
Den Alltagskram halt, also die Dinge, die so am Rand des Lebens herumlungern und einem den ein oder anderen Schreck einjagen, wenn man sie im Augenwinkel sieht.
Derdiedas Post über Weihnachten und wie ich es feiere/feiern will, zum Beispiel, der hat mir geholfen, in mir zu sortieren und mir darüber klar zu werden, welche Einstellung ich wirklich zu dem Thema habe.
Es war befreiend, soviel kann ich sagen.
In mancher Beziehung neige ich dazu, Durcheinander anzurichten und dann lieber nicht mehr hinzuschauen. Das führt dazu, dass überall mentale Müllhaufen herumliegen, die erstens im Weg sind und zweitens irgendwann anfangen zu stinken.
Am Beispiel des Weihnachtspostings kann ich das gut erkennen. Allein schon dadurch, dass in den letzten 10 Jahren eigentlich jedes Weihnachten etwas anders verlief, oder auch viel anders als das vorherige, im Hintergrund aber immer sowas wie Wehmut über den verlorenen Zauber des Kinderweihnachtens lauerte, war ich eigentlich nie ganz zufrieden mit "meinem Weihnachten", geschweige denn entspannt. Einige Jahre lang habe ich das mit Bergen von Geschenken kompensiert, bis mir Geld und Geduld ausging, aber wir waren lange mit Auspacken beschäftigt, was auch zum Füllen des Abends beitrug. Teilweise wurde auch bei uns der Abend schlicht mit Essen verbracht, was dann zur Anschaffung von Fonduesets und Raclette-Grills geführt hat. In vielen eher kleinen Feierrunden ist das immer noch sehr beliebt.
Satt und wieder hungrig essen. Gefolgt von massiven Dosen weiterer Kalorien am ersten und zweiten Feiertag, trägt das langfristig nur zum Frust bei.
Jedenfalls hat mir die Diskussion mit mir selbst dazu verholfen, meinen Frieden damit zu machen, dass "mein" Fest ein a) ruhiges und b) personenarmes ist. Wenn ich das anders haben will, muss ich rechtzeitig den Hintern hochkriegen und mir Leute suchen, mit denen ich den Abend verbringen will. Wobei mir klar ist, dass für viele Mitmenschen Weihnachten und Familie untrennbar zusammengehören, trotz allem, und dass es daher schwierig sein kann, Leute einzuladen, die dann auch tatsächlich kommen.
Dies(e/r) Post hat also zu meiner Seelenruhe beigetragen. Therapeutischer Zweck erfüllt, und zwar der der Bewältigung.
Dieser Begriff war mir immer ein Rätsel. Was um alles in der Welt ist Vergangenheitsbewältigung? Ich habe irgendwann den Stier bei den Hörnern gepackt, und einfach meine Therapeutin, the best ever, gefragt. Die Vergangenheit bewältigen bedeutet nach ihrer Aussage, einen Sachverhalt aufzunehmen und darauf zu reagieren, ohne dass vergangene Ereignisse Wahrnehmung und/oder Reaktion einfärben, oder einen in Automatismen verfallen lassen.
Beispiel?
Beispiel. Öhm.
Dein Partner spricht dich an, und gebraucht dazu eine Formulierung, mit der deine Mutter immer eine Runde elterlicher Verhöre eingeleitet hat. Deine Reaktion als Kind darauf war heillose Wut, weil du genau wusstest, was kommt, und weil deine kindlichen Fähigkeiten nicht erlaubten, dich auf Datenschutz zu berufen und die Antwort zu verweigern.
Also kommt der Kerl eines sonnigen Wintermorgens aus dem Bad und beginnt seinen Satz mit "Kannst du mir vielleicht mal sagen, wo/wer/wie..." Die Chancen, dass man nur bis zum Komma zuhört und SOFORT unangemessen reagiert, selbst wenn er nur den Kamm sucht, sind ganz gut. Die Chancen auf einen Streit aus heiterem Himmel sind ebenfalls gut, hängen aber davon ab, in welchem Umfang man als Kind Wut und hilflosen Zorn empfunden hat, ohne sich wehren zu können.
Eine Reaktion aufgrund einer bewältigten Vergangenheit wäre, erstens zuzuhören und ihm zu sagen wo/wer/wie (oder auch, er möge doch bitte selbst auf seinen Kram aufpassen), und zweitens, nicht wegen einer vollkommen harmlosen Bemerkung auszurasten, ohne selbst zu wissen, warum eigentlich.
Selbige Bewältigung ermöglicht unter Umständen auch, dass man als Erwachsene(r) seine Eltern so sehen kann, wie sie sind: Mit ihren Vorzügen, Schwächen, Eigenheiten und Angewohnheiten, halt als andere Erwachsene mit den gleichen Rechten und Pflichten, wie man sie selbst hat. Sich nicht reinziehen zu lassen in alte Strukturen und Rollenzuweisungen (Du bist doch meine Große, du musst aber * HierbitteZumutungnachWahleinsetzen * ) indem man die kleinen Hinweise einfach und recht locker überhört, oder auf die üblichen Trigger nicht anspricht.
Ich bin mir nicht sicher, ob zu einer gelungenen Auseinandersetzung auch das leicht pubertäre Verweigern und trotzige Überhören gehört, aber ich glaube, dass das ein notwendiges Durchgangsstadium ist.
In einer solchen Phase habe ich mal ein Jahr lang jeglichen Kontakt zu meinen Eltern strikt verweigert, durch einfaches Nichterscheinen, Nichttelefonieren, Totstellen. Da wir alle eigentlich eine beredte Sippe sind, die sich zu 95% über wortreiche Diskussionen (ja, es ist manchmal SEHR laut) austauscht, war das für sie eine echte Strafe. Und ohne jetzt diskutieren zu wollen, ob diese Strafe angemessen war: Es war für mich wichtig, einfach mal trotzig zu sein. Nachdem mir aufgrund einer persönlichen Entscheidung, die für meine seelische Gesundheit entscheidend war, vorgeworfen wurde, diese würde negativen Einfluss auf den Familienruf und deren Wohlbefinden haben, musste ich -wenigstens- für mich die Prioritäten klar stellen.
Hätte ich diese persönliche Entscheidung nicht getroffen, sondern in der Situation ausgeharrt, wäre das zum damaligen Zeitpunkt mein Tod gewesen. Wenn nicht physisch, so doch seelisch.- Und ich brauchte dieses Jahr, um erstens zu erkennen, dass mein eigenes Leben mir zu wichtig ist, um mich Verhaltensnormen zu unterwerfen, die nicht meine sind, und zweitens, um den beiden klar zu machen, was die Alternative gewesen wäre- nämlich eine Tochter, die entweder tot am Treppengeländer baumelt, oder innerlich abstirbt und dann ebenso wenig zu erreichen ist. Okay, das war schon hart, aber die Zeit insgesamt war für mich erheblich härter. Zudem habe ich in dem gesamten Jahr den Kontakt zu meinen Geschwistern gehalten, so dass alle über die Fakten informiert waren.
Inzwischen können wir reden. Ich erzähle zwar immer noch wenig von mir, da sie nunmal zur Einmischung neigen, und ich nicht gewillt bin, irgendwas zu diskutieren, aber Versuche, aus mir was rauszukriegen, lösen kein trotziges Schweigen mehr aus. Ich sage dann, dass ich darüber erst noch nachdenken muss, oder dass ich das schon hinkriege, und das wars.
Auf meiner Seite gehörte dazu auch, zu akzeptieren, dass sie eine andere Biographie haben als ich, dass sie in schrecklichen Zeiten geboren sind, und dass sie das erheblich beeinflusst.

Manche Verhaltensweisen meines Vaters zum Beispiel sind durch seine Kindheitserfahrungen als Flüchtling durch das Chaos und das Elend der letzten Kriegsmonate geprägt- das kann einen Menschen innerlich verkrüppeln. Und das hat es auch getan. Von der Vorstellung, um jeden Preis mit leichtem Gepäck reisen zu müssen und deshalb nicht viel Dinge besitzen zu wollen, bis zu dem Konstrukt, um keinen Preis aufzufallen, ist da vieles in diesem kleinen Kästchen, tief vergraben und angestrichen mit blutiger Farbe. Erst in den letzten Jahren ist er manchmal in der Lage, darüber zu sprechen.
Ich frage mich manchmal, wie es war, Kinder zu haben für so jemanden, wenn der kalte Krieg tobt und man einerseits seinen Kindern eine sorgenfreie Kindheit ermöglichen will, und andererseits weiß, dass das allein niemals reichen wird, wenn es denn zum erneuten Zusammenbruch kommt. Mit welchen Werten geht man an das Projekt, diese Kinder zu erziehen? Wie vermittelt man das, was man ihnen eigentlich sagen will, wenn man es selbst nicht weiß, sondern an den Marionettenfäden seiner eigenen Geschichte hängt? Wie erträgt man es, wenn die eigenen Kinder sorglos in den Tag hineinleben, beschäftigt mit Schule, Freunden, Musik und solchen Dingen, wenn man tief in sich die Angst spürt, dass nichts davon ausreicht, um das Überleben dieser Kinder zu sichern, wenn es wieder los geht?
Meine Mutter hört jedes Jahr zu Silvester die Gewehre. Inzwischen geht sie raus, aber als ich Kind und Jugendliche war, hat sie das nicht getan. Aber sie konnte darüber sprechen, vermutlich, weil sie damit keine Schuldgefühle verbindet.
Für meinen Vater ist sein eigenes Überleben (als Ältester) mit seinem Versagen in der ihm zugesprochenen Rolle als Beschützer seiner Mutter und Geschwister verbunden- denn von seinen 5 Geschwistern haben nur zwei überlebt. Und er war zwölf Jahre alt, also wage es niemand, von Schuld zu sprechen.
Wenn ich darüber nachdenke, wird mir erst bewusst, welches Geschenk 62 Jahre Frieden auf deutschem Boden sind. Ich schreibe nicht "in Europa", denn das wäre nicht wahr.
Ein bisschen mehr Frieden, für die Menschen, die um ihr Überleben kämpfen, für die Kinder, die zu früh zuviel Verantwortung tragen müssen (oder sogar eine Waffe) wäre doch was wirklich nettes. Und nein, dies ist nicht die Miss-World-Wahl, Weltfrieden ist für mich fast schon ein Widerspruch in sich. Der scheint nicht im Bereich des menschlich Möglichen zu liegen. Nichtmal zu Weihnachten.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Adventskaffee

Joa, da war ich heute. Es gab Kuchen (genug...) Kekse (mehr als genug) und drei lose Mundwerke.
Jetzt hab ich Fransen an der Schnute, und einen Blutzuckerwert, den ich gar nicht näher kennen will. Irgendwie hat mir das bestätigt, dass Christmas with Friends gar keine schlechte Idee ist.

Apropos Christmas with my friends: Genau so heißt eine wunderbare CD, die ich mir letztes Jahr als Nachweihnachtsgeschenk gekauft habe. Heute genau vor einem Jahr haben sie die im Radio angespielt, im Bürgerfunk (normalerweise strikt out of my range, aber der Lokalsender hier hat einen Teil seiner Sendezeit abzutreten an Radioinitiativen. Jedenfalls hat eine Gruppe, die Jazz vorstellte, diese CD eingelegt, und ich war fasziniert). Jazz ist nicht mein Spielplatz, aber das war so entspannt und wunderbar, dass Zuhören angesagt war. Mitten in einer Klavierfassung von In dulci jubilo brüllte dann der bekannte Elektronikmulti seinen Scheißspruch von der Geilheit einer schlechten Eigenschaft, und ich war so böse, dass ich seither keinen Lokalfunk mehr gehört habe, sondern nur noch WDR 2. Oder Einslive.
Aber ich hatte mir den Titel der CD gemerkt und dann einen bekannten Internetversand durchforstet. Dann lag die CD ein Jahr lang im Regal, schließlich war ja nicht Weihnachten. Und zu Anfang des Advent hab ich sie dann wieder herausgeholt.-
Es handelt sich um eine Gruppe (den Stimmen nach relativ junger) Schweden, die zusammen in einer mittelalterlichen Kirche ein Weihnachtskonzert aufgenommen haben. Der "My", der da zusammen mit Friends die Platte aufgenommen hat, heißt Nils Landgren, und sie alle können eine Menge. Wie gesagt, ein bisschen Jazz, aber sehr gut zu hören- die Klavierstücke reduzieren meinen Ruhepuls auf ungefähr 40. Eine schöne A-Capella-Version von Stille Nacht ist drauf, auf Deutsch, Englisch und Schwedisch. Es lohnt sich, sie sich mal anzuhören. Wirklich. Über den Link oben kann man das tun.
Leider erstreckt sich die beruhigende Wirkung nicht auf die befellten Kriminellen, die meine Wohnung bevölkern. Eddie hab ich gerade aus dem Geschirrschrank geholt (!!!!!) weiß der Himmel, was er da wollte, während Karl und Paul auf dem Boden Fußball mit einem meiner Eierbecher spielten. Da der aus Glas ist, frag ich mich, wie er den Sturz aus dem Geschirrschrank wohl überlebt hat.
Ihr Weihnachtsgeschenk (für jeden eine mit Catnip gefüllte Socke) haben sie auch schon aus dem Schrank gezerrt- und da weiß ich wirklich nicht, wie sie das geschafft haben. Das Fach ist einfach zu hoch, als dass sie ohne weiteres dran kämen- und es liegt auch immer noch das Strickzeug drin. Das wäre garantiert auch mit rausgefallen, wenn irgendwer in dem Fach selbst gelandet wäre... vielleicht waren es auch die Weihnachtswichtel. Bestimmt. Aus pädagogischen Gründen sind die Socken wieder im Schrank gelandet. Das haben sie jetzt davon.

Eddie hat eine unüberwindliche Vorliebe für hohe Sitzplätze, momentan wärmt er sich seinen Hintern auf meinem Monitor. Er hat Glück, dass ich (noch) keinen TFT-Monitor mein eigen nenne. Dann muss ich mir auf jeden Fall etwas einfallen lassen. Vermutlich muss ich ihn an der Wand befestigen- sie nutzen den Monitor auch, um von einem Kratzbaum zum anderen zu springen, hier im Kratzwald. Wenn der Monitor an der Wand hängt, muss mein Schreibtisch um 90 ° gedreht werden und steht dann auch an der Wand. Das bedeutet, dass anschließende Sprünge mit Zwischenlandung nur noch über meinen Kopf gehen können. Bloggen mit Helm...

Aber Eddie an sich ist mir ein Rätsel, als einziger von meinen Katzen ist sein Charakter wirklich schwer einzuschätzen. Er ist abwechselnd total panisch und äußerst aggressiv, oder liebenswürdig und anhänglich-eine Wechselkatze. Gerade vorhin, eine Viertelstunde nach dem Ausflug in den Geschirrschrank, hab ich ihn im Wäscheschrank im Flur entdeckt. Mitten zwischen Tischsets und Geschirrtüchern, und in flagranti dabei ertappt, wie er noch ein Brett höher hinauf klettern wollte. Das haut nicht gut hin, da das obere Brett etwas vorsteht. Aber er ist da zäh. Er hat seine Krallen in alles geschlagen, was in dem Fach lag, als ich ihn da rausholen wollte, plus jämmerlichem Gejaul, als hätte ich ihm weh getan. Dabei bin ich mir sicher, dass das nicht der Fall war. Andererseits hatte er alle Anzeichen von Panik in den Augen, und verkroch sich sofort unter dem Schrank, so als seien ihm Mörder auf der Spur. Gleich wird er wieder hier geduldig auf dem Schreibtisch sitzen, und den Kopf schief halten, damit ich ihn kraule, und die anderen Katzen gehen ihm am Arsch vorbei. Da kommt er gerade.
Wenn Paul und Karl zusammen durch die Wohnung toben, sitzt er mit gesträubtem Fell in sicherer Entfernung und schaut zu, und manchmal überfällt er einfach einen von den beiden und balgt sich wie wild. Oder er fällt über Emily her, das dann richtig bösartig, so dass ich eingreifen muss. Die alte Dame kann sich nicht gut wehren, und manchmal vertreibt er sie aus allen ihren Schlupfwinkeln nacheinander. Karlchen ist entweder Opfer oder wird wie wild geputzt und gepflegt... Und mit Paul gibts schon mal ernsthafte Meinungsverschiedenheiten, aber meist sind sie neutral.
Paul und Karl sind gute Freunde, obwohl Paul gern seine Ruhe hat (die neun Kilo hat er nicht vom Marathon-Laufen) und Karl ja mehr so ein Teenie mit Bewegungsdrang ist.
Emily wäre gern eine Einzelkatze, wenn sie könnte. Aber es geht ihr mit drei Genossen immer noch besser als in dem Haushalt, aus dem sie kommt- da waren insgesamt 12. Sie ist jetzt gut 7 Jahre bei mir, und ich hoffe, dass sie auch noch lange gesund hier sein kann. Da sie eine leichte Behinderung hat, ist sie manchmal etwas taumelig und nicht so sicher zu Fuß, was es ihr nicht leicht macht, schnell zu verschwinden, wenn die Stimmung hier etwas katzig wird.
Auf jeden Fall ändert sich in der Katzengesellschaft immer mal wieder was, allein schon weil Karl so langsam erwachsen wird und aus der Welpenrolle rausfällt.
Irgendwie scheine ich ein Händchen für große Kater zu haben- vielleicht liegts auch daran, dass sie alle früh kastriert wurden. Jedenfalls sind alle drei echt große Tiere- auch Karlchen, der erst 7 Monate alt ist, hat bereits die Größe einer normal großen ausgewachsenen Katze erreicht. Auch wenn er vielleicht etwas kurze Beine hat. Letztens hab ich ihn mal ausgemessen, die Länge über alles inklusive Schwanz ist ca. 90 Zentimeter. Der Schwanz selbst ist etwa die Hälfte davon. Dabei kriegen sie nicht mal viel zu fressen, anderthalb 400 g Dosen je Mahlzeit reichen für sie alle zusammen aus, so dass sie dann beim nächsten Mal auch hungrig sind. Manchmal wollen sie mehr, dann kriegen sie noch eine Handvoll Trockenfutter. Leckerchen sind weitestmöglich gestrichen, bis ich sicher bin, dass Karlchen nicht moppelig wird. Von der Sammlung Knöchelchen und Fell, wie er es zu Anfang war, ist er jedenfalls schon ganz schön weit weg. Und man merkt, dass er erst erheblich später von seiner Mutter weg kam als die anderen Jungs- er und Emily sind die, die ihren Milchtritt nicht mehr haben. Paul und Eddie treteln immer noch,
sobald sie die Gelegenheit kriegen. Die sind mit 7,5 Wochen zu mir gekommen, viel zu jung. Zum Glück lassen sie die Krallen drin.
Henry, mein verstorbener Kater mit dem schönen, blauen Plüschfell, hat mir Zugmaschen in sämtliche Hosen gerissen. Aber nur in Hosen. Röcke, Kleider, Decken und Kissen hat er in Ruhe gelassen. Was aber auch hieß, dass ich ständig Kratzer auf den Beinen hatte, weil eine Decke unterlegen zwecks Schonung meiner Haut ging nicht. Er hat dann immer so lang gejault und gebettelt, bis ich die Decke wegnahm, und dann kam er zu mir auf den Schoß und ließ sich kraulen, bis mir der Arm abfiel.
Irgendwo, nicht bei mir, hat er gelernt, dass er seinen Treteltrieb niemals auf anderen als behosten Beinen ausleben durfte. Was von Vorteil ist, wenn man, so wie ich, auch schon mal im kurzen Nachthemd auf der Couch sitzt.
So. Das Schreiben wird gerade schwierig, Eddie musste unbedingt mit unter die Decke, mit der ich hier eingewickelt sitze. Die eine Hälfte drückt sich unter meinen linken Arm, die andere liegt über dem rechten. Was eine verkrampfte Haltung zur Folge hat.
Grr.
Deshalb Tschüß und eine gute Nacht!

Samstag, 22. Dezember 2007

Ichichich






So, nach der Predigt weiter unten ein bisschen wirkliches Leben, und nicht dieser Kanzeltonfall...


Wenn die Katze, die gerade vor mir sitzt, aufhört, mich um eine Streicheleinheit anzubetteln, werde ich fortfahren.


Also, ichichich.


Hach, Eddie hat so eine Art... Er setzt sich direkt vor dich, legt den Kopf schief, und schaut flehend. Und er mag dann einfach nicht aufhören. Wenn er zu lang ungekrault bleibt, dann fängt er an, mit den Zähnen ein bisschen am Pullover herumzunagen, ganz vorsichtig. Nur, um sich bemerkbar zu machen. Karlchen würde beißen.


Noch ein Versuch.



Hier steht Weihnachten vor der Tür, und die einzige, die die Tür aufmachen kann, bin ich. Zwar kommt P., mein Sohn, zu Besuch, aber ich mache auf, bzw. hole ihn ab, und karre ihn -irgendwann abends, ich vermute, nicht allzuspät- wieder zurück in die Nachbarstadt.

Ansonsten bin ich alleine.

Das war im letzten Jahr bereits ebenso, und ich habe mich nicht zurückgehalten, das Scheiße zu finden. Da gab es zwar noch den (heutigen) Ex, aber der hatte zwei Gründe, Heilig Abend und auch die zwei Feiertage woanders zu verbringen.

Seine Frau, und seine Tochter.

Jep, so eine bin ich.


Dieses Jahr wird also etwas anders ablaufen. Ohne gegen Mittag hier abgeladene Geschenke, die sich doch schwer nach Bezahlung, für was auch immer, angefühlt haben. Ohne ziemlich realitätsferne Liebesschwüre.

Dafür mit mehr Realität.


Meine eigene Haltung gegenüber Weihnachten ist mir nie so richtig klar geworden. Nachdem die kindlichen Erwartungen bereits im ersten Jahr meines eigenen Haushalts den Bach runter gegangen waren, hab ich mir nie abschließend Gedanken dazu gemacht.

Klar ist nur, dass jede Erinnerung an sowas wie Weihnachtszauber eindeutig -Erinnerung ist.

Dieser Zauber stellt sich nicht mehr ein, wenn man einmal selbst mit den Vorbereitungen befasst ist.

Ich habe es meistens geliebt, Geschenke zu kaufen, und ich kriege auch gerne welche, das ist klar. Ich kriege nicht gerne Geschenke von Leuten, die es als lästige Pflichtübung empfinden, weil ich weiß, wie gräßlich es ist, sich Sachen aus dem Hirn zu saugen, wenn einem nicht spontan etwas einfällt.

Die Anlässe, zu denen mir für meinen jeweiligen Partner nichts einfiel, waren immer sehr kritisch- inzwischen weiß ich, dass das für meine Beziehungen jeweils ein Indikator war für die bald bevorstehende Trennung.

Das hieß: Der Exmann hat zum letzten gemeinsamen Weihnachten einen Hochdruckreiniger bekommen, den er sich wünschte. 8 Wochen später ist er in eine Wohnung im 5. Stock gezogen. Ich hoffe, er hatte noch Verwendung dafür. (Das war VOR Ebay)

Der Typ danach, im Familien- und Freundeskreis auch der Grottenolm genannt, weil er (im Rückblick) irgendwie blass und unterirdisch war, hat besagte Tasche bekommen- ein teurer, aber kein guter Einfall. Die Tasche hat er bei mir gelassen, als er an dem Abend in seine Wohnung zurück fuhr. Drei Tage später war es dann aus, weil er sich so unmöglich und unhöflich und ungezogen gegenüber Freunden verhalten hat, dass ich ihn nicht eine Minute länger ertragen konnte (das war nicht der Grund, nur der Anlass zum Ausstieg- vorher ist noch einiges mehr vorgefallen. Friede auf Erden! Stille Nacht!!).

Naja, und der letzte hats auch nur noch bis Ende Januar gemacht. Dann hab ich -versehentlich!- Schluss gemacht. Per sms. Wie gesagt- versehentlich.

Jep, so bin ich auch. Und irgendwann erklär ich es auch. Wie man versehentlich Schluss macht.



Also, Premiere- Weihnachten alleine.


Wie finde ich das? Interessante Frage- nächste Frage.


Halt stopp- ich wollte ehrlich sein, echt jetzt... Bis auf die Namen ist hier nichts getürkt. Na gut, fast nichts. Nichts wesentliches, jedenfalls.


Also: Wie finde ich das?


Vom Stress-Level aus betrachtet finde ich das gar nicht mal übel. Beziehungen sind für mich Stress, Weihnachten auch, die Kombination kann mich ganz schön beanspruchen. Wenn der Zauber für mich auch nicht mehr funktioniert, für andere soll er das schon. Eine Überraschung soll mindestens drin sein, gutes Essen, moderate Deko und wohlgelaunte Katzen sind auch Pflicht.

Als Single erspar ich mir wenigstens die Überraschung für einen zu Beschenkenden.

Seit ich die Katzen habe, ist ein Weihnachtsbaum ein no go, und Deko auf Tischen und in erreichbarer Höhe an der Wand ebenfalls. Mein Sohn ist essenstechnisch ein Schatz, er isst einfach alles, und er hat Spaß dran, wenn das Weihnachtsessen eine Lieblingsspeise ist. Zum Beispiel Kartoffelpürree, Sauerkraut und Kassler. Selbstgemacht ist das mehr Arbeit als meinetwegen Fondue, daher gönnen wir uns das beide nicht jeden Tag. Fondue auch nicht, aber das liegt am Preis. Ich hätte auch keine Lust auf den Stress, die Katzen vom Tisch zu werfen- sie würden sicher versuchen, ihn zu entern, wenn rohes Fleisch draufsteht. Ein Topf mit kochendem Öl -plus einer offenen Flamme darunter- trüge auch nicht zur Gelassenheit bei.


Also eigentlich alles im grünen Bereich. In vergangenen Jahren hat mich trotzdem die Krise gepackt, wenn ich die Worte Weihnachten und Allein in einen Zusammenhang gebracht habe. Allein schon, weil es überall als Gipfel der (ja, was denn?) Einsamkeit oder Isoliertheit oder *hier potenziell negativen psychischen Zustand einsetzen* gilt... Ja, ich habe Probleme damit, was andere wohl denken, wie man drauf ist, wenn man so ist, wie ich bin. Erheblich mehr, als tatsächlich damit, alleine zu sein.

Als unsere Kinder kleiner waren, haben wir oft mit Freunden Weihnachten gefeiert. Nichts war für mich schlimmer, als der Gedanke an nur drei Leute unterm Weihnachtsbaum. Stattdessen Trubel, Gitarrenmusik, gemeinsames Singen, und viele Kinder, die beschenkt wurden- das fand ich schön. Okay, die gebatikten Siebziger waren noch nicht so lang her, und es war Provinz- daher die Gitarrenmusik.

Das scheint aus der Mode gekommen zu sein- vielleicht sitzen ja viele Leute in meinem Alter allein in ihrer Wohnung und fragen sich, wo die anderen sind. Oder hängen bei ihren Eltern ab, ohne das zu wollen, oder holen sich bei Geschwistern eine Familienillusion ab. Oder sie arbeiten, wenn sie Polizist/Krankenpfleger/Busfahrer sind.

Alles in allem bin ich eigentlich, bis auf den Verdacht, ein Loser zu sein, ziemlich zufrieden mit Weihnachten alleine. Also mit einem bescheidenen Heilig Abend, ruhig begangen mit meinem Sohn. Ein trubeliger Abend mit Freunden wäre auch schön, aber das muss nicht sein. Nicht in diesem Jahr.- Aber ich schreibe mir heute abend noch in den Kalender, dass ich im nächsten Jahr mal unter meinen Bekannten und Freunden nachfrage. Vielleicht wird es Zeit, sein eigenes Weihnachtsfest neu zu erfinden.


Bis dahin ist allerdings noch Silvester zu händeln...



Einen schönen Abend euch allen. Und Friede auf Erden.

Und meine Gedanken sind bei dem kleinen Jungen, Georg- du weißt, wen ich meine.


Freitag, 21. Dezember 2007

Wünsche, Träume, Ziele

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, in welcher Reihenfolge die drei Worte oben in der Überschrift erscheinen sollen, bis ich mich dazu entschlossen habe, sie nach zunehmendem Realitätsgehalt zu ordnen.
Obwohl das auch nicht die richtige Bezeichnung für die Kriterien ist. Man könnte vielleicht eher sagen, dass sie in der Reihenfolge abnehmenden Vorhandenseins aufgelistet sind.
Denn Wünsche habe ich viele, Träume einige, Ziele- keine.

Damit kann man leben, ehrlich.

Wenn auch nicht gerade in irgendeine Richtung, denn die fehlt. Mangels Richtung geht's schon mal im Kreis herum, und von Zeit zu Zeit erwischt man sich dabei, dass man an bekannten Ecken schon wieder herumsteht. Viele Gegenden sind auch nicht besonders attraktiv, sondern ähneln den Emyn Muil oder den Mückensümpfen, wie Tolkien sie beschreibt.
Frodos und Sams Ziel war klar, und gesteuert nicht nur von der Notwendigkeit, den Ring zu zerstören, sondern von der Aufgabe höherer Ordnung, die Welt Mittelerdes zu retten und das erneute Hereinbrechen der dunklen Zeitalter zu verhindern. Solche Ziele hat heute vielleicht noch Al Gore, aber vermutlich geht's da auch nur um Macht und Profil.

Geht es sich leichter mit einem Ziel? Das Beispiel unserer Hobbits ist da vielleicht nicht das treffendste, denn deren Ziel war nur unter erheblichen Härten zu erreichen. Umdrehen hätte sicherlich mehr Spaß gemacht. Die Aufgabe hat sie durch Gegenden geführt, die sie ohne diesen Vorsatz vermutlich nie erreicht hätten. Andererseits glaube ich kaum, dass sie ohne den Druck ihrer Pflicht je den Wunsch gehabt hätten, diese Landstriche zu besuchen. Also kein wirklich geeignetes Beispiel.

Sind Ziele Leuchttürme? Dinge, die als Orientierung dienen? Oder eher so etwas wie ein magnetischer Nordpol, Orientierung und Endpunkt zugleich (wenn man denn zum Nordpol will)?

In einer der unsäglichen Management-Kurse, die ich des öfteren zu besuchen gezwungen war, hat man uns ein paar Dinge über Ziele beigebracht.
Danach war die Beschreibung eines Zustands der, wenn auch minimal, vom aktuellen Zustand abweicht, bereits eine Zielbeschreibung- vorausgesetzt, man ist allein, ohne unbeeinflussbare Faktoren, in der Lage, dieses Ziel zu erreichen. Das Erreichen des Ziels soll messbar sein.

Natürlich bezieht sich diese Definition auf berufliche Ziele, auf die Dinge, die man mit seinem Mitarbeiter vereinbart, um den zu veranlassen, einen Schlag schneller zu arbeiten.

Da es nicht so sehr um berufliches Fortkommen geht, bin ich ein bisschen mutiger, und bleibe mal bei den Leuchttürmen. Oder den Signalfeuern- egal was, Hauptsache, etwas, was man von Weitem sehen kann.
Da steht also ein Ziel auf dem Berg, und ich bin im Tal. Oder auf einem anderen Berg.

Ein Fluss vor mir zwingt mich vielleicht, einen Umweg zu machen, um eine Brücke oder Fähre zu erreichen. Der Berg lässt mich Meilen und Meilen wandern, um ihn zu umrunden, wenn ich mein Seil vergessen habe und ohne dieses nicht über die Klippen komme. Und dann sind da die Wünsche… nach einer Pause in angenehmer Umgebung, bei der ich mich erholen kann für den weiteren Weg. Nach einem Wald mit Bäumen, in dem ich mir einen Stock zum Wandern suchen kann. Nach einem Geschäft, in dem ich ein Taschenmesser kaufen kann, mit dem ich den Stock zurechtschneiden kann. Nach einer Pommesbude mit Kaffee im Ausschank.

Und die Träume? Wo sind die in dem Bild?

Malen die mir die Ziele in leuchtenden Farben aus? Verschönern die mir den Weg, so dass ich nicht bemerke, wie es tatsächlich um mich herum aussieht?
Vermutlich. Allein schon, um fernab und weit in der Zukunft liegende Ziele anzusteuern… da braucht man was, was einen bei der Stange hält. Oder für die Durststrecken, die Emyn Muil, die Mückensümpfe oder die Ebene der Gorgonnath.
Als solches haben Träume ihren Sinn. Wenn sie mich durch den Tag tragen, und nicht jeden Schritt so deutlich spüren lassen.

Und was machen Träume, wenn man keine Ziele hat?
Ich glaube, sie sind gefährlich und viel versprechend zugleich.
Sie haben das Zeug, zu Zielen heranzuwachsen. Sie können mir ein Bild malen, das mir sagt: DA will ich auch hin; SO will ich werden; DAS ist meine Perspektive. Sie entwerfen eine Zukunft, und machen mir darin Platz, bauen ein Nest, setzen Baby-Ziele hinein.

Das ist das viel Versprechende. (<- egal ob richtig oder nicht: Es sieht krank aus, wenn man das so schreibt!) Sie können aber auch Fantasiegebilde auf allen Bergen der Umgebung aufleuchten und Fatas Morgana* flimmern lassen, Irrlichter anzünden. Und dann? Dann hab ich Leuchttürme überall- es ist vielleicht schön hell, aber das war es auch. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, welches von den Leuchtfeuern ich mit Brennstoff versorgen will, welchen Traum ich nach Prüfung seiner Möglichkeiten weiter träumen will, werde ich entweder stehen bleiben oder kopflos durch die Welt geistern. Soweit zu den Gefahren.

Wenn ich mir das alles so auf der Zunge zergehen lasse, dann hatten es die Frauen früher™ doch verdammt leicht. Die Auswahl aus möglichen Zielen war eher gering, Nonne, Ehefrau und Mutter, Dienstmagd oder Prostituierte- alles andere, wie Königin oder so, kam selten vor und trug nicht so recht den Stempel selbst gebildeter Zielvorstellungen. Abgesehen von Nonne oder Ehefrau/Mutter hatten Dienstmagd oder Prostituierte aber bestimmt auch oft ursprünglich andere Pläne, bevor das Leben als solches die Regie übernahm.
Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte dann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen noch Lehrerin, etwas später dann auch einige weitere akademische und nicht akademische Berufe dem Zielspektrum hinzugefügt werden. Lange ging es dann bei der Verwirklichung der Ziele (z. B. Ehefrau und Mutter) primär darum, vorneweg zu sein in der Reihe derer, die um das knappe Gut der erstrebenswerten Gegenstücke und Zielerreichungshelfer (i. e. Ehemänner und Väter) konkurrierten.
Die, die ganz vorne standen, wurden Königin (oder so), der Rest musste sich nacheinander in die Schlange einfügen. Und die, die die anderen „Möglichkeiten“ „wählten“, standen stets ein bisschen im Zwielicht der vielleicht doch nicht ganz freiwilligen „Wahl“- schließlich gab es auch immer noch die an dem anderen Ende der Schlange. Da, wo es nicht um Königinnen (oder so) ging, sondern ums Überleben.
Aber, Mädels, so richtig rund ging’s erst für die, die ab den sechziger Jahren des 20 Jahrhunderts geboren wurden. Alles steht uns offen, Kinders, alles!
Atomphysik? Kein Problem.
Mutter von 7 Kindern und gleichzeitig Bundesministerin? Legt los!
Domina? Immer ran ans Werk!
Königin? Oh… na ja, nun gut. Nicht übermütig werden.

Ein Mann, den ich mal beruflich getroffen habe, hat gesagt: Wen die Götter strafen wollen, dem geben sie ein Kind mit einem Talent (er meinte eines, das eine teure Ausbildung erfordert).

Von der Warte des Kindes gesehen konnte gerade diesem Kind nichts Besseres geschehen. Es hat ein Talent? Prima, das schränkt die Zielbildung ein. Das Ausmaß der Traumerfüllung (oder die Größe des potentiellen Leuchtturms, sowie die Aussicht von dort) ist dann „nur noch“ eine Frage der Investition von Zeit und Geld und Energie. Umso besser, wenn Eltern da sind, die das Talent erkennen, begrüßen und fördern.

Für viele von uns ist es alles andere als leicht.
Alle die, die mit weit gefächerten Interessen geboren sind, auch mit mehr als nur einer viel versprechenden Fähigkeit, zum Beispiel.
Da kommt es dann darauf an, was so alles vermittelt wird an unterstützenden Faktoren. Durchhaltevermögen ist erstmal was Feines. Urteilsfähigkeit in Bezug auf die realistische Zielerreichungsmöglichkeit ist beinahe noch wichtiger.
Soziale Kompetenz, sei es die eher weiblich-harmonisierende oder die knallhart-karriereorientierte Variante, kommt noch dazu. (Auch letzteres ist eine soziale Kompetenz, wenn man nämlich über die Bedürfnisse anderer hinweg steigen kann, ohne sich in seinem Nachtschlaf gestört zu fühlen, und ohne allzu viel Mordlust auf sich zu ziehen, ist das eine ganz beachtliche Fähigkeit, und sie spielt sich auf sozialem Gebiet ab. Wenn auch nicht im Wattebäuschchen-Wurfbereich)

So, da haben wir dann also eine sozial kompetente, mit Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen ausgestattete, im Vollbesitz ihrer Urteilsfähigkeit befindliche Frau, oder sagen wir erstmal, ein Mädchen. Dieses Mädchen hat ein paar Talente, die sich nicht unbedingt ergänzen. Eine entschiedene Begabung für Mathematik, zum Beispiel, gepaart mit einiger Musikalität. Und weil’s so schön ist, werfen wir noch eine Vorliebe für die Farbe Pink ins Spiel. (Und nein: Ich mag KEIN Pink, und meine mathematischen Fähigkeiten gehen gegen Null. Oder gegen minus Unendlich, wenn es das dann gibt)

Ist der Vater Musiker, und die Mutter Physikerin, wird sie soviel pinkfarbenes Zeug haben, wie sie will, und gleichzeitig Klavierspielen und Vektorrechnung lernen, bevor sie den Kindergarten hinter sich hat.
Ganz normale Leute werden stolz sein auf die guten Leistungen ihrer Tochter. Die werden ihr Musikunterricht gönnen, und ihr hübsche, pinkfarbene T-Shirts kaufen, mit Spitze.
Sind die Eltern arm, wird sie keinen Musikunterricht bekommen, und das hübsche Gesicht wird selten aus etwas pinkfarbenem schauen. In der Schule wird sie gelobt werden, und eine Ausbildung machen, später. Wenn die Eltern die Möglichkeit haben, heißt das, um einem Kind eine Ausbildung zu finanzieren.

Sind die Eltern dumpf und stumpf, kann sie froh sein, wenn sie selbst merkt, dass ihr Mathematik und Musik Spaß machen.

Irgendwie eine blöde Sache, wenn nur in einer von vier hier angedachten (wenn auch natürlich polemisch eingefärbten) Szenarien alle Fähigkeiten gleichermaßen entwickelt und gefördert werden- oder?
Polemik beiseite: Jungs haben es da immer noch leichter. Da ist von Anfang an eher die Perspektive auf die Talente gerichtet- und wenn es divergierende Talente sind, dann geht es eher darum, die beruflichen Aussichten in Bezug auf Erfolg im Sinne von Karriere abzuklopfen.

Kaum jemals wird angesichts des Dilemmas technisch-mathematische Begabung gegen musische Begabung die Wahl davon beeinflusst werden, dass der Knabe ja ohnehin heiratet, und daher die Förderung der musischen Begabung an erster Stelle steht- schließlich muss der Knabe ja irgendwann eine Familie ernähren, und als Klavierlehrer ist das ein harter Job.
Nein, dem räumt man ein, dass er Ingenieur wird, und Klavierspielen als Hobby behält.

Bei dem Mädchen ist, so fürchte ich, auch heute noch ganz häufig in den Hinterköpfen, dass Mathematik nicht das rechte Studienfach für ein Mädchen ist. Wenn sie wirklich Glück hat, lässt man sie Lehramt studieren, mit den Fächern Mathe und Musik.

Vermutlich läuft nichts von diesen Entscheidungen wirklich bewusst ab. Man ist immer nur ganz gerührt, wenn die Tochter die Klarinette spielt, und lobt sie dafür- natürlich auch für die Eins in Mathe, aber von Herzen umarmt man sie dann doch eher an Weihnachten, nach der für ihr Alter erstaunlichen Reife bei der Interpretation irgendeines Stücks für Flöte und Gitarre.
Der Junge wird auch umarmt.
Aber gleichzeitig geht Papa mit ihm in den Bastelkeller, und der Knabe weiß mit 6 Jahren, wie man ein Voltmeter bedient. Und was es anzeigt.

Wirkliche Freiheit bei der Zielsetzung? Sollte anders aussehen. Gegen diese Form subtiler Beeinflussung kann man sich nur wehren, wenn man mit 14 rumzickt, weil man keine Lust mehr auf die Klavierstunden hat. Bewusst dagegen angehen ist fast unmöglich, weil die Verstärkungen auch nicht bewusst eingesetzt werden.

Ähnlich schwer hat es vermutlich ein Junge, der in sich den tiefen Wunsch verspürt, sich einmal um Haushalt und Kinder zu kümmern. Auch das wird nicht belohnt werden, wenn es überhaupt erkannt wird. Wahrscheinlich wird bei der Unterdrückung dieses Wunsches zudem noch Grausamkeit eine Rolle spielen- denn diese Wünsche sind für Jungs noch gefährlicher als für ein Mädchen der Traum vom Nobelpreis für Physik.

Hat der Mensch, ob männlich oder weiblich, einmal das Erwachsenenalter erreicht, ohne Ziele im Leuchtturmsinn entwickelt zu haben, hat er also mangels eindeutigem, drängenden Talent einen Beruf der eher farblosen Variante ergriffen (davon gibt es so einige) und lebt so vor sich hin, dann wird er spätestens in der "Krise der Lebensmitte" sich fragen, was er eigentlich vom Leben noch zu erwarten hat- und wird feststellen, dass einige Ziele ihm inzwischen nicht mehr erreichbar sind.
Sei es, weil die Zeit für manches abgelaufen ist, sei es, weil er Fakten geschaffen hat, die einer neuen Zielformulierung im Wege stehen. Das macht unzufrieden.
Der Alltag hat die Konsistenz von Kleister an den Füßen, die Kinder müssen ernährt und die Frau unterhalten werden. Tritratrullalla.
Madame hört oft und oft The Ballad of Lucy Jordan, und fragt sich, ob sie das hat, was sie sich gewünscht hat.
Die, die abhauen können, tun das oft. Die, die dableiben, aus welchen Gründen auch immer, gehen in Therapie, lernen Motorradfahren oder sonst eine Fertigkeit, an der noch der Feenstaub der Jugend klebt.
Eine wirkliche Befreiung ist das oft nicht, denn selbst gewählte Fesseln haben die Tendenz, besonders gut zu haften, weil sie irgendwo auch passen.
Sich selbst zu befreien heißt ja oft auch Abschied zu nehmen von mancher Annehmlichkeit und vor allem, den Hintern hoch zu kriegen. Dabei ist da so eine schöne Kuhle auf der Couch...

Aber bei unseren Kindern, da können wir etwas ändern. In dem wir sie aufmerksam beobachten, damit wir sicher sein können, dass wir sie auch sehen. Dass wir nichts verpassen von ihren Interessen, Schwerpunkten,Abneigungen und individuellen Charaktermerkmalen - und das, ohne zu urteilen.
Ein Kind, das Schwierigkeiten mit Routine hat, sollte dafür nicht niedergemacht werden. Denn es ist vielleicht besonders begabt für Projekte, die Abwechslung bringen und nicht langweilen. Gleichzeitig sollte es schon in dem Bewusstsein groß werden, dass die meisten Lebensformen Routine beinhalten, und Unterstützung dabei erfahren, sich eine Form zu suchen, in dem die Routinen es nicht erdrücken.
Unsere eigenen Ängste sollten uns nicht dazu bringen, das Kind in einen Beruf zu zwingen, der sicher ist, aber sterbenslangweilig. Da wird es scheitern, bestenfalls, schlimmstenfalls stirbt es innerlich ab.
Viel wichtiger als die gesellschaftliche Akzeptanz der freien Rollenwahl ist es, als Eltern unseren Kindern ganz bewusst die Erlaubnis zu geben, sich für ein Leben nach seinen Talenten zu entscheiden.
Und das eigene Verhalten kritisch zu beleuchten. Alle Kinder zu fragen, ob sie nicht nur Auto-, sondern auch Motorradfahren lernen wollen, und allen gleichermaßen den Führerschein für beides zu bezahlen- und nicht nur den Jungs. Wenn sie es denn wollen, und wenn man es bezahlen kann.
Ihnen zu vermitteln, wo Durchhalten sinnvoll ist, und wo nicht. Denn Durchhalten ist kein Wert an sich - es kann sehr viel klüger sein, etwas abzubrechen, sofern man feststellt, dass das Ziel unerreichbar ist.
Unbezahlbar und kaum später nachholbar ist aber, die Kinder zu ermutigen ihren Weg zu gehen, und Schritt für Schritt auf Ziele zuzusteuern. Auf Ziele, die mutig gesetzt wurden, die auf Wünschen beruhen, und von denen wir träumen.

Schönen Samstag noch.

Edit:
Fatas Morgana... Ich hab das Internet umgegraben auf der Suche nach der Pluralform, bin aber nicht fündig geworden. Hab bei Wiktionary jedoch gelesen, dass sich der Name von der Fee Morgana/Morgaine, auch bekannt und beliebt aus literarischen Bearbeitungen der Artus-Sage, herleitet. Daraus hab ich dann geschlossen, dass es besser ist, den Plural bei dem Wortbestandteil für "Feen" zu bilden, und nicht bei Morgana.
Wer's besser weiß, möge kommentieren.

Freitag, 14. Dezember 2007

Nix Barbie, oder: Es ist noch nicht aller Tage Abend.


Die geneigte Leserschaft wird registriert haben, dass das letzte Post mit einer harsch nach Selbstkritik klingenden Formulierung schloss.

Diejenigen Leser, die mich persönlich kennen, kennen auch diese Art, mich selbst zu beschimpfen, teilweise auch, weil sie sie dauernd selbst anwenden.
Ein dreifach kräftiges Huhu an alle, die sich jetzt angesprochen fühlen. Ihr seid gemeint. Jawoll.
Dabei hatte diese Bemerkung endlich einen Sinn, der über die üblichen damit verbundenen negativen Emotionen hinausgeht.

Ich habe tatsächlich in den Spiegel gesehen, und mal hingeschaut.

Und was habe ich gesehen?

Eine Frau, Mitte 40, mit Übergewicht, ziemlich müden Augen, viel zu blass, mit zu dunkel getönten Haaren ohne Schnitt, unvorteilhaft (aber wenigstens warm) angezogen.
So ziemlich das, was ich jeden Tag sehe.

Aber irgendwie doch nicht.

Ich habe eine nicht schöne Frau gesehen (der Spiegel hat mir noch nie was anderes gesagt...)- und ich habe eine Frau gesehen, die auch nie schön sein wird. Nicht mal hübsch.

Soweit nichts wirklich Neues.

Aber außerdem stand da noch, dass das tatsächlich nicht schlimm ist. Das war tatsächlich eine Erleichterung, aber keinesfalls weiter ein Grund, irgendwen zu bestrafen, auch nicht sich selbst.

Der Möglichkeiten, sich zu bestrafen, sind viele, und ich bin da ein kreativer Mensch.

Eine Fratze, die man seinem Spiegelbild zeigt, eben schnell im Vorbeigehen.

Böse Bemerkungen über sich selbst, wenn irgendwas zwickt, weil es nicht richtig passt.

Gnadenloses Hungern, gefolgt von gnadenlosen Fressorgien, wenn das Hungern nicht so schnell zum Ergebnis geführt hat, wie man das gern gehabt hätte.

Einladungen, denen man mit schwachen Entschuldigungen und faulen Ausreden fernbleibt- weil man sich unter anderen Menschen ebenso kritisch betrachtet fühlt, wie man sich das selbst antut.

Die wachsende Einsamkeit, wenn man sich für niemanden mehr für zumutbar hält.

Einsamkeit bringt schlechte Angewohnheiten mit sich. Die Wochenenden zum Beispiel, an denen man sich nicht einmal mehr richtig anzieht- es sieht einen ja ohnehin niemand, weil man das Haus nicht verläßt.

Das schlaffe Abhängen auf der Couch, die schlechte Haltung, wenn man dann doch noch einkaufen muss.

Die Auswirkungen davon nagen noch mehr an dem kleinen Rest Selbstbewusstsein, der den Blick in den Spiegel überlebt hat.

Anstatt anwesend zu sein in seinem Leben trauert und wütet man um das, was nicht ist.

Die Unzufriedenheit trägt man mit sich wie einen grauen Mantel. Darunter verliert man – sein Gesicht. Oder das, was es eigentlich sein sollte.

Machen wir uns doch mal klar, dass niemand uns einlädt, ein Bier zu trinken, weil wir dekorativ sind. Auf keiner Feier sind wir als Schaustück gebucht. Sondern weil wir, im besten Fall, gute Unterhaltung sind, interessante Gesprächspartner, gute Zuhörer, kluge Ratgeber. Oder liebe Freunde.

(Leute, die ihre Gäste einladen, weil sie zu den Polstermöbeln passen, will ich nicht besuchen.)


Dass mein Körper nicht aussieht wie der von Heidi Klum ist nicht sein Fehler. Es gibt keine Berechtigung, ihn nicht trotzdem zu mögen, und jeden Grund, zu versuchen, sich in ihm wohlzufühlen. Ja, genau, vielleicht auch wie in einem bequemen Paar Schuhe. Wenn ich die bequemen Schuhe lange tragen will, sollte ich sie sorgsam behandeln und nicht einfach runtertreten und in die Ecke werfen.


Das, was man seinem Körper alles so antut, mit zuwenig Schlaf und den falschen Nahrungsmitteln in unangemessener Menge, mit zuviel Zigaretten, Alkohol oder anderen Drogen, wird man ihm ansehen, und es ist etwas, was man ihm tatsächlich selbst angetan hat. Haben wir da jetzt endlich einen Grund, wieder loszutreten?

Nö. Denn da kommt das ins Spiel, was auch im Spiegel zu sehen ist, wenn man sich mal die Mühe macht, nicht sofort angewidert den Blick abzuwenden.
Das, was man sonst noch so von sich weiß, was sich auch zeigen kann, hinter den müden Augen. Das Innere, die Seele meinetwegen, die es auch verdient hat, dass man sie zeigt. Die auch eine gute Pflege braucht, und die genau wie der Körper Narben davon trägt, wenn wir sie schlecht behandeln. Die lässt man vereinsamen, weil man sich in seinem Körper nicht wohl genug fühlt, um ihn mal nach draußen zu lassen. Die soll doch bitteschön sich zurückhalten mit ihren lästigen Emotionen, denn die passen gerade mal nicht.


Der alte Witz von der Frau mit der inneren Schönheit, der jemand sarkastisch rät, sich doch bitte wenden zu lassen, ist einerseits eine Gemeinheit, andererseits ist nichts Falsches daran, seinen Körper ganz zu bewohnen, anwesend zu sein... und das Licht mal wieder einzuschalten.

So, dass sichtbar ist, dass da kein Zombie unterwegs ist, sondern ein lebendiger Mensch, neugierig oder stur, liebevoll oder traurig, voller Angst oder Zuversicht oder Zorn.

Wenn ich mich so zurück erinnere an Zeiten, in denen ich gar nicht in der Lage war, mich zu verstecken, weil mir das Leben gerade sehr übel mitspielte, dann fällt mir auf, dass die intensivsten Kontakte mit anderen Menschen sich zu diesen Zeiten abgespielt haben.
Ich war vor lauter Trauer im wörtlichen Sinne außer mir, sichtbarer als je zuvor und auch als später jemals wieder- und die Zuneigung und Zuwendung der Menschen um mich herum hat mir mehr geholfen als jedes Selbsthilfebuch oder als 50 Stunden Psychotherapie.

Dieses Offen-Sein hat mich nicht umgebracht. Es hat mir nicht geschadet, mit offenem Visier durch die Welt zu gehen. Im Gegenteil.

Heute bin ich mir nicht sicher, ob es noch viele Menschen gäbe, die mir ihre Zuneigung und Zuwendung geben würden, denn sich aus dem Leben zurückzuziehen und sich unerreichbar zu machen, hat Konsequenzen. Aber ich arbeite daran.

Und damit ich das möglichst nicht wieder vergesse, damit ich das nicht wieder schlampig gekritzelt in irgendeiner Kladde verschwinden lasse, steht das jetzt hier.


Es ist halt noch nicht aller Tage Abend.

Dienstag, 27. November 2007

Der Trübsalbläser

Es war einmal ein Mann, der war beinahe so wie alle anderen Menschen. Der stand morgens auf, ging zur Arbeit und kehrte abends zurück. Er kochte das Essen und aß es, wusch die Wäsche, hing sie auf, bügelte und faltete sie und legte sie wieder in den Schrank. Er tankte sein Auto, fuhr ab und zu damit in die Waschstraße, ging sonntags spazieren und in den Ferien fuhr er an die See.
Anders als viele andere Menschen jedoch blies er Trübsal.
Es gibt keine Schule, an der man das lernen kann. Dazu braucht man Talent.
Es gibt kein Orchester, in dem man es spielt, wenn man es beherrscht.
Trübsal ist ein einsames Instrument und wird daher allein geblasen.
Und allein war der Mann, sehr allein.
Nicht, dass es ihn gestört hätte.
Manches Mal fragte er sich, ob er nicht etwas vermissen sollte, wenn er sonntags morgens allein aufwachte und später allein vor seiner Tasse Kaffee saß. Doch es fiel ihm nichts ein, was er vermisste, und für das er nicht hätte etwas aufgeben müssen.
Danach übte er ein bisschen Trübsal blasen und wurde immer besser darin.
Das Geräusch, das von Trübsal erzeugt wird, ist Stille. Und wenn der Mann blies, dann wurde es um ihn herum so still wie in einem schalltoten Raum, oder wie in der Wüste. Wenn kein Wind weht.
Je öfter der Mann blies, desto besser wurde er. Ja, er wurde bald so gut, dass nicht nur Stille einkehrte, wenn er sein Instrument ansetzte, sondern dass sogar negativer Lärm entstand.
Draußen konnten die Menschen lautstark feiern, doch in der Wohnung des Mannes herrschte Grabesruhe. Nebenan lachten ein paar Kinder so laut und lang, dass sich Nachbarn beschwerten. Er jedoch vernahm nichts, weil die Stille ihn so sehr betäubte.
Bald schon war der Mann so gut darin, Trübsal zu blasen, dass er es nachts im Schlaf konnte. Seine Träume wurden leiser und leiser, und mit dem Ton schwanden auch die Farben in der Nacht.

Eines Morgens wachte der Mann auf, und als er ins Badezimmer ging, stellte er fest, dass er sich nicht mehr gut im Spiegel betrachten konnte. Er selbst hatte etwas von seinen Farben verloren, und an seinen Rändern schimmerten die Fliesen durch ihn hindurch, wenn man genau hinsah.
„Schau an, schau an!“ sagte der Mann zu sich, duschte, zog sich an, und ging zur Arbeit.
Mit der Zeit gewöhnte er sich an die blasse Gestalt im Spiegel, und daran, dass seine Arbeitskollegen ihn immer seltener grüßten.

Es fiel ihm schwerer, abends mit dem Blasen aufzuhören, und stattdessen schlafen zu gehen, denn da war nichts mehr, auf das er sich hätte freuen können. Wer träumt schon gern in Grautönen?
Weil er wenig schlief, war er immer öfter müde, und schlief an seinem Schreibtisch ein. Und dann träumte er wieder, grau und still.
Eines Morgens bemerkte er, dass er die schwere, gläserne Eingangstür zu dem Gebäude, in dem sein Büro lag, nicht öffnen konnte. So sehr er auch zog, sie bewegte sich keinen Millimeter. Da zuckte er die Achseln und ging nach Hause, um weiter Trübsal zu blasen.

Montag, 26. November 2007

Zahlen

Bisher habe ich mich nicht damit aufgehalten, irgendwelche Klickzähler hier einzubauen, weil mir das als zuviel Stress erschien (und ich nicht weiß, wie man das macht- aber das lern ich auch noch :-))
Ich weiß, dass hier mitgelesen wird, weil man mir das erzählt. Und ich kann sehen, wie oft die persönliche Info abgerufen wird. Bis auf Helen letztens sind zwar noch keine Kommentatoren unterwegs, aber die Hoffnung stirbt zuletzt :-)
Natürlich habe ich drüber nachgedacht, etwas an dem zu ändern, wie oder was ich poste- aber ehrlich gesagt, ist das auch eine Übung im Stursein. Darin, meine Tour zu reiten, und nicht irgendwelche vermeintlichen Ansprüche an mich zu erfüllen. Eine Übung im Ich-Selber-Sein.
Dabei fällt es mir nicht besonders leicht, ins Blaue hinein zu schreiben, ohne ein Gegenüber, das mir mit seinen Reaktionen zeigt, wo ich stehe. Also quasi monologisch. Gibts das Wort?
Ich habe in den letzten Tagen angefangen, nicht nur auf meinen Lieblingsblogs zu kommentieren, sondern auch den Link hierhin zu hinterlassen. Was nicht sehr sinnvoll ist, weil es bisher alles amerikanische Blogs sind, und von den Autorinnen keine Deutsch spricht. Die Erfahrungen mit den Links zu Helens Blog haben mir gezeigt, wie schnell man sich missversteht. Sie hatte den Link auf ihren Blog zurückverfolgt, versucht, den Post über die IVF- Sache mittels Babelfish zu übersetzen, und ihn komplett missverstanden- und dann selbst ein Posting dazu verfasst. Ich wusste SOFORT, dass sie mein Posting meinte, wenn sie auch die Diskretion besaß, die URL nicht zu erwähnen, und musste das richtig stellen. Seither gibt es Doppelposts, wenn ich mich auf englischsprachige Blogs beziehe, das übt ungemein.
Dies ist hier also eine Übung im Dabei-Bleiben. Was, wie erwähnt, für mich ein Problem ist, denn ich halte abweichende Meinungen nicht gut aus. Sachliche Diskussionen schon, aber in Bezug auf zwischenmenschliche Auseinandersetzungen bin ich eine Niete. In einer Art Automatismus versuche ich, solchen Dingen aus dem Weg zu gehen. Meist damit, dass ich versuche, herauszufinden, was der andere wohl jetzt gerade denkt, meint, beabsichtigt, und jeder möglichen Kritik zuvor zu kommen.
Solange es um Lappalien geht, hilft das, unnötigen Stress zu verhindern. Leider gehts oft nicht um Lappalien. Sondern darum, ICH zu bleiben. Es fängt mit Kleinigkeiten an, und endet meist in einer beendeten, oder in einer sehr unbehaglichen, von Unsicherheit geprägten Beziehung. Und damit meine ich nicht nur Partnerbeziehungen. Für die ist das natürlich ohnehin der GAU, weil es nichts langweiligeres gibt, als jemanden, der sich nicht auseinandersetzt, und den Weg des geringsten Widerstandes geht, indem er immer nur allem zustimmt. Aber es richtet auch Schaden in einem selbst an. Man zahlt dafür, und nicht zu knapp. Denn es kommt der Tag, an dem man kein klares Gefühl mehr dafür hat, was wichtig ist, und was nicht.
So, als ob die Federn im Urteils-Apparat, in der Zielsetzungsautomatik und der Traum-Fabrik ausleiern.
Wenn aus einem Nebenzimmer in meiner Arbeit laute Stimmen kommen, zucke ich zusammen, und will schnell schlichten- vor allem, wenn alle Beteiligten Kollegen sind. Auseinandersetzungen mit Kundschaft sind was anderes, die sind mir eher gleichgültig.
Wenn in einem Film ein Mann eine Frau anspricht (und bei den meisten Filmen weiß man ja, ob die Beteiligten rein drehbuchmäßig zusammenkommen sollen) und die Frau antwortet schnippisch oder abwehrend, macht mir das körperlichen Stress. Meine eigene Strategie wäre eine andere, das weiß ich. Ich weiß auch, dass sie erfolglos ist, aber dennoch.
Der Witz ist, dass ich natürlich trotzdem wütend bin, wenn etwas nicht nach meinem Kopf geht. Angeblich spürt man das auch- eine Freundin sagte mal, die Luft würde vibrieren, wenn ich sauer bin. Aber die Luft vibriert ohne Beteiligung meiner Stimmwerkzeuge, und ohne dass das, was ich will, wirklich deutlich wird. Wenn ich dann darüber nachdenke, wie ich der Wut oder dem Zorn oder der Trauer Ausdruck verleihen soll, ist die ganze schöne Emotion einfach -weg.
Wie ausradiert und wegzensiert.
Sie kommt dann wieder, nachts, wenn ich im Schlaf mit den Zähnen knirsche.
Irgendwann sag ich dann trotzdem was. Und komme aus den Schuhen wie das sprichwörtliche HB-Männchen. Mit unerwarteten Folgen- als ich das letzte Mal versucht habe, einem Partner nahezubringen, dass es mich verletzt, wenn er mich versetzt und unerreichbar ist, hab ich -versehentlich- Schluss gemacht.
Insofern ist das hier eigentlich auch eine Art Gymnastik, Training für die ausgeleierten Federn und Zahnräder. Wer auch immer hier mitliest, wird sich damit abfinden müssen. Oder kommentieren :-))
Have a nice one.

Samstag, 17. November 2007

In English

My last post contained some links to blogs in English. So I'll try to translate it here. It's only fair.



Children.

I have a son, who is already living on his own. He was born when I was 18 yo- much too young, as I know now. Perhaps not too young for everyone, but certainly for me.
I am not able to remember much of the pregnancy. Sure, there are some prenatal milestones I remember on my way to delivery, but most of it went away in a blurr. You might as well assume that I did not make plans for the day when I would have to leave the hospital with my baby. I was pregnant, full stop.
When the nurses told me I was allowed to take this little bundle home, I began to believe that it was really true- I had a baby now. I was a mother now.
We grew up together, my son and I, and motherhood was mostly a logistic challenge for me for the next years. I had to finish school, look for a job that would earn enough money for us both, and all the time needed MY mother to make sure that there was day care for my son.
When my son was two years old, I married. (Not the father of my son, but another man.)
When my boy was 16 yo, I left my husband, and mostly lived as a single from that day on.

I never came to terms with the question of having another child. I would have loved to have a daughter, but at the same time the mere thought of it would have scared the shit out of me.

During my not-so-good marriage, the little self respect that was left of my independent days would have been smothered to bits, if I would have had to stop working due to a child, and I always thought it was unfair to let another child grow up with my mother. I was fucking afraid of having another child. So I let terminate my possibility to get pregnant with surgical means some years after my divorce.

Now I am forty-something, not able to become pregnant any more, and the pendulum of ambivalence strikes back... not really. I have two lovely nieces, being my part-time daughters, and that is fine for me, for I am no icon of healthy living or common sense.

What has changed is my understanding of those, who try desperately to become a family, by IVF or other means of assisted reproduction.
I never was quite able to understand, why anyone would undergo hurtful, expensive and frustrating treatments to have a child.
And then there was the day that I googled "Brenda Leigh Johnson" (The Closer herself) and stumbled onto the blog of Laurie. By her linklist, I learned of Allison, and in the miraculous ways of the internet came to Julie and Helen. Helen and Julie are mothers to IVF children, and through their blogs I learned what this is all about. They are not bitter, they are not dogged, they are infertile. They have a deep wish, a heart's desire. And who am I to ignore a heart's desire?

I am grateful that some weeks of reading their archives were able to turn my understanding of infertility upside down.

The US of A have a National Week of Infertility Awareness. It's a devastating thought that there has to be such a week. It's a devastating thought that the couples who are hit by infertility have so much difficulties to talk about their issues, even with family and friends, without having to fear judgement.
"Not able to become pregnant", sotto voce discussions behind the back of the one who left the room shortly before, and everyone feels competent to judge, to nod wisely, to have an opinion.
And there is always the one opting for adoption. And the ones referring to Mother Nature. And all about accepting Mother Nature's Wise Ways. Just to pop down an Aspirin against the (not natural?) headache. And downing a cup of coffee, to stop all the natural tiredness.
I have been part of this kind of discussions, and I did not refrain from taking part in these.

I know personally at least three couples who are infertile, and who stopped trying to get pregnant after years of exhausting and frustrating attempts. All three of them would have been much better mothers and fathers to their children than I ever was to my kid.
To which extent there has been mourning and pain when they put a halt to their attempts no week of awareness will tell us.
But out of Helen's and Julie's blogs I learned that I will never again ask "Why don't you adopt?". If a couple feels that adoption just isn't right, it isn't right. For them.
I will never again judge behind their backs, never think idiot stuff as "Mother Nature's Ways" again.
Mourning about those children that can not come to life, about losing an option to a life with kids, the grief and despair of learning that one's body refuses to fulfill a heart's desire is an issue we all should respect and share.
And as long as there is such an depressing amount of silence, we should at least accept without any judgement (and without nagging publicly the costs of) the feeble three attempts of IVF provided by our health insurances here in Germany.

Samstag, 10. November 2007

Kinder

Ich habe einen Sohn, der schon erwachsen ist, und allein lebt. Er wurde geboren als ich gerade 18 Jahre alt war- viel zu jung, wie ich heute weiß. Vielleicht nicht absolut und in jedem Fall zu jung- für mich schon.
An die Zeit der Schwangerschaft kann ich mich kaum erinnern. Bis auf ein paar medizinische Meilensteine, die man passiert auf dem Weg zum Kreißsaal, ist alles sehr verschwommen und ungenau. Was nicht dafür spricht, dass ich mich besonders mit dem Leben nach dem Tag X beschäftigt hätte. Ich war halt schwanger. Und das endet in den meisten Fällen mit dem Mutter-Sein, so auch in meinem.
Bis das Krankenhauspersonal mir erlaubte, den Zwerg einzupacken und mitzunehmen, hab ich nicht wirklich geglaubt, dass es meiner war. Dann schon.
Irgendwie sind wir dann zusammen groß geworden.
Mutter sein war für mich über lange Jahre ein logistisches Problem, da ich zunächst meine Schule abschließen und daran anschließend eine Ausbildung machen musste, gefolgt vom Berufseinstieg und Vollzeitarbeit. Meine Mutter hat mir da sehr geholfen.
Als mein Sohn zweieinhalb Jahre alt war, habe ich geheiratet (nicht seinen Vater) und in den nächsten 14 Jahren eigentlich immer in Beziehung(en) gelebt.
Seit mein Sohn 16 ist, ist das Zusammenleben mit Partnern Vergangenheit, wenn ich auch nicht durchgängig Single war.
Es ist in den ganzen Jahren bei nur einem Kind geblieben, und vor anderthalb Jahren habe ich mich sterilisieren lassen, nur für den Fall.
Zu oft habe ich nachts oder früh morgens mit einem Schwangerschaftstest im Bad gehockt, um riskieren zu wollen, mit Mitte vierzig noch einmal "zuzuschlagen". Aber es bleibt eine Tatsache, dass ich in den mehr als 26 Jahren, die seit der Geburt meines Sohnes vergangen sind, nicht wieder schwanger geworden bin. Obwohl rein "technisch" nichts gegen eine Schwangerschaft sprach, und Verhütung in Langzeitbeziehungen oft genug nach dem Prinzip "wenns passiert, passierts halt" lief, hat es sich nie wieder ergeben.
Ich war immer zu ambivalent dem Thema gegenüber, um da genauer nachzuforschen.
Ambivalenz heißt, zu große Angst davor, dass ich mein Leben hätte neu gestalten müssen- ein zweites oder weitere Kinder hätten nicht mehr oder minder bei Oma aufwachsen sollen und auch nicht können. Also hätte es bedeutet, den Beruf aufzugeben, oder zumindest die Arbeitszeiten erheblich zu reduzieren.
Und vom Einkommen eines anderen Menschen leben. Das wäre schwer genug gewesen, denn das Einkommen meines damaligen Partners war nicht gerade üppig. Aber abgesehen von den reinen Zahlen hätte es mir eine Heidenangst eingejagt, nicht nur emotional sondern auch noch finanziell so weit mit jemand anderem verstrickt zu sein.
Ergo habe ich das Thema nie vertieft.
Dann war ich -in wechselnder Abfolge- Single mit Teilzeitpartner (Baby = KEINE gute Idee), Frau mit Freund (und der Typ hatte sowas von den Schuss nicht gehört), Single mit Teilzeitpartner. (Teilzeitpartner = gesetzlich einer anderen Frau zugeordnet).
So, und nun bin ich Mitte 40, sterilisiert, und ohne die Absicht, mich in absehbarer Zeit mit einem Partner zu verbinden.
Mal abgesehen davon, dass potenzielle Partner mir auch aktuell nicht gerade die Tür eintreten.
Das große, schwere Ambivalenzpendel nutzt nun die Gunst der Stunde, um zurückzuschwingen...
Nicht wirklich, nein. Von meinem Wunsch nach einer Tochter, die ich wirklich gern gehabt hätte, profitieren meine Nichten, und das ist für mein grenzwertig ausgeprägtes Verantwortungsgefühl auch gut so. Ich hänge sehr an ihnen, und wir verbringen Zeit miteinander. Fertig.
Was sich aber geändert hat, ist meine Einstellung zu unfruchtbaren Paaren, die versuchen, ein eigenes Kind zu bekommen. Ich habe nie auch nur ansatzweise deren Motive verstanden, sich Jahre lang schmerzhaften, frustrierenden und, nicht zu vergessen, teuren Behandlungen zu unterziehen. Dieser intensive Wunsch nach Kindern, nach möglichst eigenen Kindern, war mir immer fremd.
Weiter noch, Berichte über diesen unbeirrbaren Drang nach eigenen Nachkommen haben mich irritiert und teilweise wütend gemacht.
Keine Ahnung, warum ich so wütend war, vielleicht weil mich Sturheit (und als solche habe ich das empfunden) sehr schnell sauer macht.
Dann kam der Tag, an dem ich mein persönliches Vorbild Brenda Leigh Johnson (The Closer herself) gegoogelt habe. Gelandet bin ich bei Laurie , und über deren Linkliste bei Allison - von da aus ging es weiter zu Helen und Julie. Sie leben teilweise (Laurie, Allison und Julie) in den USA, Helen in Großbritannien. Helen und Julie sind Mütter von Kindern, die durch IVF zur Welt kamen, und in ihren Blogs habe ich erfahren, was das bedeutet. Auch, was es bedeutet, unfruchtbar zu sein.
Sie sind nicht stur, sie sind nicht verbissen oder verbittert, sie sind "nur" unfruchtbar. Sie haben das, was ich einen Herzenswunsch nennen würde. Und sie können ihn nicht ohne weiteres erfüllen.
Und wie das mit Herzenswünschen so ist: Ich muss ihre Gründe nicht nachvollziehen können, ihren Wunsch nicht teilen, um ihn zu respektieren. Merkwürdig, dass einige Wochen, in denen ich ihre Archive auf links gedreht habe, um mehr zu erfahren, eine (meine) jahrelange Einstellung so verändern konnten. Und ich kann auch stur sein.
In den USA ist zurzeit die "National Week of Infertility Awareness", also so eine Art nationale Gedenkwoche zu Unfruchtbarkeit, und Julie ruft in ihrem anderen Blog dazu auf, etwas zu tun, um die Öffentlichkeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, mit denen sie und ihre Leidensgenossinnen täglich kämpfen.
Warum braucht das eine nationale Woche des Gedenkens? Warum kommentieren Julies Leserinnen unter anderem darüber, dass sie mit nur sehr wenig Menschen offen darüber sprechen können, dass sie selbst ihre Kinder "nur" mit medizinischer Hilfe bekommen konnten, oder darüber, dass sie selbst ihrer Familie gegenüber nicht erwähnen, in Behandlung zu sein?
Und das, wo heute jedermann und jedefrau offen und breit darüber reden, dass und seit wann und weswegen sie in psychotherapeutischer Behandlung sind?
"Die können keine Kinder kriegen" wird auch hier meist sotto voce geäußert, und meist schließt sich (in Abwesenheit der Betroffenen) eine Diskussion darüber an, dass man das ja so gar nicht verstehen könnte, wie jemand so verbissen sein kann, und dass es ja vielleicht einfach nicht sein soll, und dass man die Ratschlüsse der Natur akzeptieren sollte. Anschließend geht jeder an seinen Platz zurück, schluckt eine Aspirin gegen die -naturgewollten?- Kopfschmerzen, und gießt sich noch einen Kaffee gegen die naturgewollte Müdigkeit ein. Ich schließe mich nicht aus, in der Vergangenheit hab ich auch an diesen selbstgerechten Diskussionen teilgenommen, und wer mich kennt, weiß, dass ich nicht geschwiegen habe.
Ich kenne mindestens drei Paare, die nach jahrelangen Versuchen erschöpft aufgegeben haben und sich der Arbeit mit Kindern auf einer anderen Ebene widmen. Alle diese Menschen wären wunderbare Eltern geworden, bessere als ich vermutlich. Das ist die Außenansicht.
Welches Ausmaß an Leid, Verzicht, und Trauer mit dem Entschluss einhergegangen ist, die Versuche aufzugeben, kann ich nicht ermessen. Und ich glaube, dass keine Woche und kein Jahr des Gedenkens daran etwas ändert.
Aber aus den Gedanken, die Julie und Helen in ihren Blogs mit der gesamten Community geteilt haben, habe ich mitgenommen, dass ich nie wieder "Vielleicht sollte es nicht sein" oder "Wer weiß, wozu es gut ist" sagen, nicht einmal denken werde, wenn jemand nicht schwanger wird. Wenn ein Paar sich nicht für eine Adoption entscheidet, weil es sich für das Paar nicht "richtig" anfühlt, habe ich kein Recht, das zu kritisieren- denn was sich nicht richtig anfühlt, ist nicht richtig. Für diese Menschen.
Die Trauer um die nie geborenen Kinder und um den Verlust einer wichtigen, vielleicht zentralen Lebensaufgabe ist etwas, was wir teilen sollten, aus Respekt vor unseren Mitmenschen.
Und so lange, aus welchen Gründen auch immer, dieses Thema mit Schweigen belastet ist, können wir mindestens soweit solidarisch sein, dass wir ohne Gezeter akzeptieren, dass unsere Krankenkassen IVF weiterhin bezahlen- wenn auch nur die mageren drei Versuche.

Freitag, 2. November 2007

10 Dinge, die auf meiner einsamen Insel vorhanden sein sollten.

1. Ein Schafpärchen.
2. Eine Schere.
3. Stricknadeln
4. 25 Kilo Kartoffeln
5. Eine Axt
6. Ein Messer
7. Eine Säge
8. Ein Verbandskasten
9. Nähnadeln
10. Ein Access Point ins Internet.

Das Notebook würde ich mitbringen. Ebenso eine Lupe fürs Feuer machen, und Salz.
Die Schafe sollten sich zügig fortpflanzen, damit genug Nachschub an Wolle, Milch und Käse vorhanden ist.
Die Kartoffeln pflanzen sich auch besser fort… Schmecken gut mit Schafskäse.
Und mit der Schere würde ich die Schafe vom Pelz befreien.
Aus dem Baumbewuchs der Insel (idyllisch!) würde ich einen Spinnrocken schnitzen, und vermutlich dafür den halben Wald abholzen müssen. Aber dennoch.
Wenn dann genug Wolle da ist, kann ich abends stricken, wenn das Internet zu hat.
Und wenn ich keine Lust mehr auf Insel habe, bastel ich mir ein Ruderboot und fahr weiter. Nach Vancouver.

Ich hab neulich wieder „Die Insel der flüsternden Stimmen“ gelesen, von Laurie King. Das ist eins meiner Lieblingsbücher. Ein Buch über das Überleben, mental und physisch. Gegen Ende ist es mir ein bisschen zu versponnen, ein bisschen sehr happy ending. Aber die Geschichte selbst gefällt mir, und sie ist wie üblich sehr, sehr gut geschrieben.

Ich mag Autoren, die nicht in die Eigenparodie-Falle tapsen, wie es meines Erachtens zum Beispiel Martha Grimes und Elizabeth George getan haben. Die haben sich beinahe festgestrickt mit einigen ihrer späteren Bücher. Da wird die Handlung so verschnörkelt und kreist so sehr um die Befindlichkeiten ihrer Protagonisten, dass die Autoren zu vergessen scheinen, dass sie eigentlich Krimis schreiben.
Aber Laurie King hat das auf bewundernswerte Weise im Griff. Vermutlich, weil sie sich nicht an einem Hauptfiguren-Set festklammert, sondern mehrere hat. Eine Reihe, zeitgenössisch angelegt, spielt in den USA, und die Hauptfiguren sind Polizisten. Die andere spielt im beginnenden 20. Jahrhundert in England, und die Gestalten sind Sherlock Holmes und seine Frau. Mal kein tumber Watson an seiner Seite. Obwohl auch dieser vorkommt.
Dann gibt’s da noch (mindestens) zwei andere Protagonistinnen, beides Frauen, die nicht mehr blutjung sind. Ich bin zurzeit nicht soweit auf dem Laufenden, dass ich sagen könnte, ob es mehr Bücher mit der Frau von der Insel (s.o.) gibt, oder mit der Religionswissenschaftlerin, die sich um Sekten kümmert.
So, und weil’s so schön war, hab ich gerade noch drei Bücher aus der Mary Russell-Reihe bestellt (die mit Sherlock Holmes), und zwar Band 6, 7 und 8. Das hab ich jetzt davon.