Sonntag, 1. Juni 2008

Andere Welten

Es ist doch wie verhext- da haben wir Sonntag, und ich könnte ausschlafen oder sonstwas tun, was meiner Wellness zuträglich wäre. Aber nein. Statt dessen treibt es mich zu unchristlicher Zeit an den Rechner, und dann wird das Netz abgegrast. Abgesehen von irrelevanten Postings wie dem von vorhin ist weit und breit nichts neues auf meinen Lieblingsblogs. Der Kaffee ist gleich ausgetrunken.

Manchmal wünsche ich mir, ich würde noch wow spielen.

Nicht, dass ich das nicht bis zum Exzess getan hätte, aber es ist immer noch so, dass bestimmte Landschaften und Wetterlagen mich an Azeroth erinnern, und an das Herumhüpfen, wenn man jemanden vor dem Auktionshaus, ob in Orgrimmar oder in Ironforge, trifft.

Dabei war ich keine gute Spielerin, hab es maximal bis Level 45 geschafft, und bin ohnehin meist allein durch die Lande gezogen, während der Teamspeak-Server sein Bestes gab und im Chat die Abkürzungen flogen.


Sonntags morgens ganz früh ist immer eine gute Zeit gewesen, um nach seltenen Items zu farmen, oder in den umkämpften Gebieten feindfrei schalten und walten zu können.


Das Alleinspielen ging mir dann irgendwann auf den Wecker. Nicht, dass ich nicht Gildenkollegen gehabt hätte, sogar welche, die ich sehr gut im RL (Real life- im Unterschied zum online-Leben) kenne- meinen Sohn, vor allem, und seine Freunde und Kollegen.

Aber die sind halt alle wesentlich jünger, und von ihren Zeitkonzepten her auch komplett anders orientierte Spieler. Und es war schon schwierig, zu Zeiten, in denen ich gern gespielt habe, jemanden zu finden, der einen mal durch eine Instanz (räumlich begrenztes Gebiet, in dem bestimmte Aufgaben zu erledigen sind) zieht, und der nicht erwartet wird, um irgendwo in einer 40er Gruppe einen Endboss (Chef der Instanz) zu killen.


Wenn man nicht > 5 Stunden täglich spielen kann oder will, hat man ein Problem.

Und da hab ich mich schon recht früh entschieden: Mit mir nicht. Nach meinem Ersteinstieg war ich eine Zeitlang Mitglied in einer ambitionierten Gilde, die von Quest (Abenteuer, Aufgabe, die es zu lösen gilt) zu Quest zog, und in der ich recht schnell meinen Druiden gut spazieren führen konnte. An einem Wochenende, nach 10 Stunden am Samstag und 13 am Sonntag, hab ich Montag eine Pause gemacht. Weil ich arbeiten musste. Und viereckige Augen hatte, sowie ein nervöses Zucken in der Shortcut-Hand.

Naja, Dienstag war ich dann gildenlos.

Es war eine Riesengilde, nicht, dass man wirklich einen Level 22 Druiden gebraucht hätte.

Das hat mir gereicht, und danach hab ich mir dann Gilden gesucht, wo es auf andere Sachen ankam. Jedoch war es da dann tatsächlich so, dass die 60er und später die 70er (Spieler, die das Ende der möglichen Spielebenen erreicht haben, und Zugang zu besonderen Gebieten und Aufgaben bekommen) in ihren Instanzen rumspukten und Charaktere, die in etwa mein Level hatten, in der Regel Twinks waren. Also Zweitgestalten, um mal eine neue Klasse auszuprobieren, oder um bestimmte nützliche Berufe in petto zu haben. Die wurden aber selten gespielt... und ich bitte nicht gerne um Hilfe. Wah. Lieber nicht weiterkommen:-)

Wenn das Alleinspielen keinen Spaß mehr machte, hab ich oft kurz aufgehört, und dann wieder angefangen. Neuer Server. Neue Klasse. Neues Anfängergebiet. Da kenn ich mich aus, die Quests in Teldrassil (Startgebiet der Nachtelfen) mach ich mit verbundenen Augen. Und die in Goldshire (Startgebiet der Menschen) auch. Ach ja, die schönen Allianz-Startgebiete...

Horde war trotzdem lustiger zu spielen als Allianz, und auch wenn Trolle, Untote und so weiter hässlicher sind, die wirklichen Menschen waren irgendwie sozialer und sympathischer. Merkwürdig.

Und man kommt rum: Rollenspielserver, PvP-Server, PvE-Server. Been there, played that.


Am meisten Spaß war immer das Charaktere-neu-erfinden-und-benennen. Ich hatte welche, die hießen Radkäppchen, Gansharmlos, Dietutnix...

Am erfolgreichsten war aber die kitschige NE-Druidin Blueeyes.


Ich fang aber trotzdem nicht wieder an.

Gesundheitlich ging es mir nie schlechter als zu diesen Zeiten, weil Essen, Schlaf und sowas immer etwas zu kurz kamen, mein Wortschatz wurde immer chattiger, und irgendwie vermisste man im Alltag das Zaubern.

Und es kostet 12 € im Monat.

Die kann ich besser für andere Dinge ausgeben.


Auch brauche ich die Zeit zum Bloggen.



Unverspielte Grüße,


Lily

die noch überlegt, ob sie das alles mit Links versehen soll.

Hm.

Nö. Nicht alles. Die, die es interessiert, finden eigentlich im Wikipedia-Artikel zu wow schon eine Menge. Und viele kennen es ja ohnehin...


Kommentare:

Falcon hat gesagt…

Oh, wie gut kann ich das nachvollziehen.
Ich hab (zum zweiten Mal, wie ich zugeben muss) Mitte Februar damit aufgehört.
Alleine ist es nicht wirklich prickelnd und den Gildenanfragen hab ich mich hartnäckig widersetzt, einfach weil ich keinen Bock hatte, verpflichtet zu sein, zehn Stunden am Stück loszuziehen, nur um dann einen dämlichen Drachen zu erschlagen, der nach zehn Minuten eh wieder an der selben Stelle hockt.
Da kann ich meine Zeit doch um Einiges sinnvoller mit anderen Dingen verbringen, bei denen mir auch keiner böse ist, wenn ich nach 15 Minuten zu etwas Anderem wechsele.
Ausserdem hab ich jetzt noch Wellen in den Zehennägeln von den Rechtschreibbemühungen einiger Spieler. Wenn ich sowas wirklich lesen will, schau ich in die Artikelbeschreibungen auf Ebay.

Aber ja, es hat auch manchmal Spaß gemacht. Ziemlich sogar.

Lily hat gesagt…

Irgendwie endeten meine Charaktere immer vor irgendeinem Auktionshaus, und haben Geld verdient. Allein die Marktbeobachtungen haben die ganze Frau gefordert, und teilweise hab ich nur noch gehandelt und Gruppenanfragen abgewimmelt.
Ich hätte die 12 € sparen und an die Börse bringen sollen.
Da hätte ich vielleicht schon 10 € gewonnen :-)

Falcon hat gesagt…

Da mag ich gar nicht drüber nachdenken - sollte ich auch besser nicht. Immerhin hat es ja auch Spaß gemacht und für 12 Euro wäre ich rein kneipentechnisch deutlich weniger lange unterhalten worden.

Lily hat gesagt…

Es ist eine der billigeren suchterzeugenden Gewohnheiten, das stimmt. Wobei ich mir nur deshalb die DSL-Flat zugelegt habe, weil mein Sohn wow spielen wollte... Das muss man ja eigentlich auch noch draufrechnen.
Lieber nicht.

Anonym hat gesagt…

Als ob das Bloggen und Blog-lesen nicht schon Zeit genug kosten würde, würd ich nie machen, meine Zeit in anderen virtuellen Welten zu verbringen,kopfschüttel! (Ja ja, manchmal kommt bei mir auch die Tante Moral zum Vorschein).
Nach dem Kaffee muss es bei mir erst mal bewegungsmäßig losgehen, genau wie in der Woche, sonst kann es mir passieren, dass ich nach zwei Stunden Internet gleich wieder vor Erschöpfung auf der Couch lande und wieder einschlafe.

Lieber rausgehen, ne Runde Fahrrad fahren, putzen, draußen fotografieren, whatever.

Paula

Lily hat gesagt…

Oh, ich war dort hochmoralisch. Hab zweimal geheiratet, in der Kathedrale von Stormwind. Mit der ganzen Gilde als Gästen, anschließend waren wir im Wirtshaus, und dann sind wir alle im Wehrgraben schwimmen gegangen. War richtig nett. Mit Rotem Hanbok (hieß das Festkleid so?) für mich, und Smoking für den Bräutigam. Ganz schön teuer, die Dinger waren soulbound...