Sonntag, 8. Juni 2008

In dem Waffen vorkommen. Und Rache. Und was Fluffiges.

Um halb sechs hat mich meine Wochenendunruhe aus dem Bett geworfen. Jetzt ist es halb zehn. Ich habe Mails gelesen und geschrieben, blogs gelesen und gesurft, ein bisschen gespielt, gefrühstückt und Kaffee getrunken, und dann bin ich wieder ins Bett gegangen.

Aber ich konnte nicht schlafen, nicht mal ein bisschen dösen.


Ich weiß nicht, ob dies hier jemals in den Blog findet, aber sei’s drum, es muss mal geschrieben werden.

Seit Jahren rettet mir das Schreiben den Hals und den Kopf und die seelische Gesundheit.

Das erste Mal hat es das vor 10 Jahren getan.

Fast rewind....


Mai/Juni 1998.


Seit nunmehr knapp 11 Jahren lebe ich mit meinem Partner und meinem Sohn zusammen, davon fast 7 Jahre in dem Haus, das seine Eltern ihm hinterlassen haben.

11 Jahre Zusammenleben, 12 Jahre Beziehung, und nun? Alles ist vorbei.

Angefangen hat es als Seitensprung. Ich war verheiratet, er in einer festen Beziehung. Wie wir uns näher gekommen sind, weiß ich nicht mehr so genau, nur, dass er irgendwann sehr wichtig für mich wurde, und ich alles, aber auch alles daran gesetzt habe, an diesen Mann zu kommen.


Dafür habe ich eine unbedacht geschlossene und belanglose Ehe aufs Spiel gesetzt, was kein Verlust war, und die Freundschaft zu einer Frau (seiner Freundin), die das natürlich nicht überlebt hat(die Freundschaft. Die Frau schon. So wichtig war er ihr nicht.)


Irgendwann wurde die Beziehung offiziell. Irgendwann zog er bei mir ein.

Dann starben seine Eltern kurz hintereinander, und wir haben beschlossen, nicht länger zu dritt auf 65 m“ zu hausen, sondern in das großzügige Elternhaus umzuziehen. Abgesehen von der wirtschaftlichen Dummheit, weiter Miete zu zahlen, hatte er versprochen, das Haus nicht zu verkaufen.

Ist das wichtig, frage ich mich gerade... Es ist wichtig. Weil es die Weichen gestellt hat für mich.

Zu Anfang ging es ihm nicht so besonders. Wenn die Eltern schnell hintereinander weg sterben, und man gerade dreißig und ein bisschen ist, kann es sein, dass noch nicht alle Themen durchdiskutiert sind mit ihnen, dass noch Rechnungen offen sind, dass manche Sachen nicht geklärt sind. Außerdem steht keine Generation mehr zwischen einem selbst und dem Tod. Das sollte man klar kriegen.

Abgesehen davon hatte er ein Alkoholproblem. Zum damaligen Zeitpunkt war er trocken (und das ist er, soweit ich weiß, noch heute). Aber die Langzeittherapie 5 Jahre zuvor hatte er abgebrochen, und so war ich mir nicht sicher, ob er und unsere Beziehung die nicht mehr zu klärenden Dinge und die Trauer unbeschadet überstehen würde. Was mich da so unsicher machte, weiß ich nicht. Vielleicht sein Schweigen über alles, was mit dem Trinken zusammenhing. Ich hätte gern mehr darüber erfahren, einfach darüber, wie es war, und wie es passieren konnte... aber ich zog es vor, nicht zu fragen.

Das einzige, was immer da war, weil es nicht da war, war der Alkohol an sich. In unserem Haushalt gab es keinen. Nie.

Nach ein paar Umbauten zogen wir also ein. Umbauten, die nötig waren, weil wir uns das Haus teilten, mit seinem Bruder und dessen Frau.


Also: Neue Bühne. Altes Stück?

Nicht wirklich. Es änderte sich etwas, und zwar in mir.

Ich war nicht mehr in meinem Revier.

Dass das wichtig würde, war mir nicht klar.

Zunächst waren es Äußerlichkeiten, die mich nicht mal gestört haben. Die Wohnung. Die Einrichtung. Die Tapeten, Farben, Muster. Die Deko, die Lampen, die Fußböden.

Jep, die Fußböden... Ich hatte Teppichboden gelernt, jetzt musste ich umschulen auf Parkett und Terrazzo und Solnhofener Platten. Von Halo-Spots auf handgemalte italienische Keramik und Kristall-Lüster. Von Bavaria-Porzellan auf Meißen, Rosenthal und Herend, wobei das Rosenthal das „einfache“ Porzellan war. Von 18/10 Edelstahl auf massives Silber.

Von drei Topfpflanzen auf einen ganzen Garten voller Bäume, Sträucher und sowas.

Von meinem eigenen, kleinen Haushalt auf 240 m² Wohnfläche, samt Schwager und Schwägerin, Hund und Putzfrau.

Eine Herausforderung. Nicht wahr?

Hm.

Als solche hab ich das in Angriff genommen. Und irgendwo unterwegs den Überblick verloren und Zeitpunkte verpasst.

Zum Beispiel den Zeitpunkt, auszuräumen, zu entrümpeln und zu entschlacken. Nicht mich (naja, vielleicht auch) aber dieses Haus.

Statt dessen habe ich Denkmalpflege getrieben. Die verständlich zögernden Besitzer des Hauses, nämlich Partner und Schwager, wollten erstmal nichts ändern. Bewahren wollen ist wohl auch ein Teil des Trauerprozesses, und den wollte ich nicht stören.

Auch den Zeitpunkt, über Arbeitsteilung und Aufgabenerledigung zu sprechen hab ich verpasst.


Anstelle das in Angriff zu nehmen und dabei zu üben, mich zu vertreten und durchzusetzen, hab ich abwechselnd freudig erregt das Parkett gebohnert, oder es missmutig sein lassen, bis zu dem Punkt, an dem es unabdingbar war und gemacht werden musste- und wenns mir dann wieder zuviel wurde, hab ich genörgelt. Nicht richtig- nur ein bisschen. Und nur, wenn wir allein waren, denn nichts fand ich damals schlimmer als Genörgel am Partner, wenn Zeugen dabei waren.

(Die Variante „Erziehen“ finde ich noch furchtbarer- es handelte sich ja um meinen Partner, nicht um ein Kleinkind. Mein Partner war da durchaus meiner Meinung- und das hat es mir fast unmöglich gemacht, zum Beispiel Arbeitsteilung anzusprechen. Denn das wurde immer als Erziehungsversuch gewertet. Ein Wort in dieser Richtung, und ich war still. Ich wollte schließlich so nicht sein.)

Also sah es so aus, dass ich neben einem bisschen Vollzeitarbeit auch noch diesen Haushalt am Arsch hatte. Pfui, was für Worte ich kann...

Ach ja, und den Garten auch- wenn mein Gegenüber mehrmals hintereinander die Neusaat eliminiert, und sorgsam rings ums Unkraut herum harkt, dann kann man ihm ja Gartenarbeit nicht zumuten, oder?

Zudem hatte ich immer das Gefühl, dass ich in diesem Haus nicht allein wohnte. Auch nachdem Schwager und Schwägerin ausgezogen waren, wohnten für mich da Gespenster. Der Geist der vorherigen Weihnacht? Nein. Eher meine Schwiegermutter. Die hatte mich nie gemocht. Und sie hätte es gehasst, dass ich dort wohnte, in dem Haus, das sie über 30 Jahre lang geliebt und gepflegt hat.


Von Zeit zu Zeit brach sich der angestaute Unmut und die Überforderung Bahn, in Form von eher irrationalen aggressiven Anfällen meinerseits, knallenden Türen, tränenüberströmten Autobahnfahrten und was dergleichen Ausgleich mehr ist.

Dann wurde geredet, versöhnt, und gut war.


Positiv war, dass mein Partner einen Beruf mit Schichtarbeit hatte. Da blieben Abende für mich alleine, die ich mit Lesen oder Musikhören oder so verbracht habe, und mit Pflege meiner Kontakte zu Freundinnen und solchen Erscheinungen. VHS-Kurse. Allerlei Kram.


Eigentlich alles so wie in Millionen anderen Familien auch.


Ich weiß nicht, wo es anfing, schief zu laufen. Vielleicht als sich seine Arbeit änderte- teilweise war das sicher so. Oder halt- das Aufhören fing eigentlich damit an.

Da war er nämlich jeden Abend zu Hause. Und ich bemerkte nicht, dass meine erholsamen Alleinabende, die spontanen Treffs mit Freundinnen, die Kurse, dass alles das plötzlich der Vergangenheit angehörte. Und ich merkte noch viel weniger, was das auslöste.


Nicht, dass das in irgendeiner Weise auf ihn zurückzuführen war.

Nee, das war ich, und mein verqueres Bild von Ehe. Geheiratet hatten wir nämlich zwischendurch auch. Und trotz dieses Sicherheitsgurtes in Form eines Trauscheins hat mich der Gedanke nie verlassen, dass jemand, den man als Seitensprung an sich bindet, sich durch einen eben solchen auch wieder von einem entfernen kann. You can’t wipe the stripes from the tigress. Right?


Gleichzeitig mit dem neuen Job tauchten natürlich auch neue Kollegen auf. Auch Kolleginnen.

Und da war sie dann, meine Nemesis.

Ungefähr so alt wie ich, schwer an schwerer Kindheit leidend, und so sehr darauf angewiesen, dass jemand sich um sie kümmert, dass meinem Mann keine Wahl blieb.

Es begann mit Erwähnungszwang. Der Name fiel, erst einmal die Woche, dann jeden Tag und dann mehrmals täglich. Prusseliese hier und Prusseliese da.

Naja, gutgläubig bin ich nicht.

Und hatte mich schnell eingeschossen.

Was macht eine Frau, wenn sie verhindern will, dass eine Fremde ihr den Mann ausspannt?

Richtig. Sie versucht, sich zu befreunden.

Aber hier stieß ich an meine Grenzen. Weil ich sie unerträglich blöd und durchschaubar fand. Und ich war nicht die einzige-da sie plötzlich auf unseren Partys auftauchte und auch unsere Bekannten sie kennenlernten, stellte ich fest, dass allgemein die Männer sabberten, und die Frauen die Visiere runterließen.

Tolle Aussichten.

Was seitens der Männer an diesem dürren, rothaarigen Etwas so besonders war, werd ich wohl nie begreifen. Irgendeiner sagte mal, sie wirkte so hilflos. Also, ehrlich... die war so hilflos wie eine 9 mm Glock.


Mit der Zeit wurde es für mich schlimmer, weil mein Partner jeden Freitag Abend Richtung Konkurrenz verschwand, und vor Samstag Vormittag nicht mehr auftauchte. Im Rückblick sehe ich, dass bereits beim ersten Mal eine energische Intervention meinerseits mehr als angebracht gewesen wäre. So hab ich mir sagen lassen, dass ich mich nicht so haben soll- schließlich würde er den ganzen Samstag Abend bei mir verbringen. Yay.

Dazu kamen die ganzen anderen Dummsprüche:

Es gäbe Menschen, die nicht so spießig wären wie ich. Und die nicht hinter jedem Kontakt des Partners sofort ein Fremdgehen vermuten würden. Er würde sich von meiner sexuellen Eifersucht nicht alle Kontakte vermiesen lassen. Ich sollte mal in Therapie gehen.


Sexuelle Eifersucht? Meinetwegen hätten sie vögeln können bis zum Umfallen.

Gekränkt und verraten hab ich mich gefühlt, weil sie unter anderem mal zu mir sagte, dass mein Partner ja auch meinen würde, ich hätte ein Problem mit Kontrolle.

Das über-mich-reden, das hat mich verletzt.

Richtig oder falsch spielt da keine Rolle- aber solche Dinge mit der Konkurrenz besprechen ist schlicht schlechtes Benehmen. Das spricht von Vertrauensverlust, und das ist für mich ein deutlicher Hinweis auf die Gefährdung einer Beziehung.

Und Bemerkungen wie: „Zu deinem Geburtstag, lieber PartnervonLily, schenke ich dir einen Tag am Meer. Ich weiß zwar, dass du sowieso nicht fahren darfst (!), aber die gute Geste zählt schließlich“.


Und das auf einer Feier, vor allen Freunden. Ich habs als Provokation betrachtet.


Das gehört sich nicht, meine Herren- wobei ich nicht glaube, dass einer meiner Leser so schlecht erzogen ist, so etwas zu tolerieren. Sowas darf man denken, aber aussprechen nur, wenn man sich die legale Partnerin wirklich zur Feindin machen will.


Nun denn, sie, also die Prusseliese, konnte ihn haben.


Im Anschluss an diese Feier hab ich ihm gesagt, dass er die Wahl hat. Entweder seien diese Spielchen zu Ende, oder unser Zusammenleben.

Worauf das „DU erpresst mich nicht“-Geheule anhub.

Worauf ich ihm eröffnet habe, dass es nicht um Erpressung ginge- sondern schlicht um das Aufzeigen MEINER Grenzen.


Acht Wochen später bin ich ausgezogen, denn die zwei Jahre, die ich mit diesem Zirkus verbracht habe, hatten mich beinahe erledigt.



Wenn ich das alles so aufgeschrieben sehe, dann fällt mir ein, dass der Anlass für das Aufschreiben war, dass ich eigentlich langsam mal daran wollte, allen Beteiligten zu verzeihen. Ihm. Mir.

Das klappt auch. Er hatte Gelegenheiten, die er genutzt hat. Ich war ihm nicht wichtig genug- was kein Wunder war, so, wie ich damals drauf war.

Ich war naiv, hab mir die falsche Art Mühe gegeben (die von der Sorte „Augen zu und durch“ und nicht die „Mit der Faust auf den Tisch und Butter-bei-die-Fische!“).


Die Tussi hingegen, die ruft heute noch eine unglaubliche Wut bei mir hervor. Wegen ihrer Dreistigkeit. Und weil sie damit damals weitergekommen ist...

Sie ist wirklich weitergekommen, und hat seine zwei nächsten Beziehungen auch noch erlebt. Ob sie die überlebt hat, weiß ich nicht. Ich will es auch nicht wissen, schließlich ist das ganze schon so lang her. Die Wut auf sie ist auch nicht mehr so persönlich.

Es ist allgemeiner Zorn auf die Sorte Weiber, die mit unfairen Mitteln spielt. Die so fluffig und kuschelig tut, und nebenbei ihre Messer schärft. Und auf alle Männer, die es besser wissen müssten, die es ihrem Verstand eigentlich schulden, auf derart flache Tricks und dicke Titten nicht reinzufallen. Oh je, da komm ich für in die Hölle. Oder in die Google-Hitlist für Titten und Arsch in einem Beitrag.

Merkt ihr was?

Kuschelig? Fluffig? Scharfe Waffen? Richtig. Hornkaninchen :-)



Ich bin wohl doch keines. Jedenfalls kann ich nicht überzeugend fluffig sein.


Ach ja, und natürlich sind sie ans Meer gefahren. Schließlich war das ein Geschenk, richtig? Und ich hab mit Kate da gehockt, und wir haben ein lokales Unwetter über der holländischen Küste versucht heraufzubeschwören.

Es hat nicht geregnet an diesem Tag. Statt dessen ist ihr in Höhe von Rotterdam die Zylinderkopfdichtung gerissen. So schade.

Man musste mit dem Zug zurück- und eine Woche später wieder hin, das Auto abholen nach der Reparatur. Da hats dann geregnet. Eimerweise.


Ein bisschen Rache, immerhin.



Einen schönen Sonntag, und ich werd das jetzt posten- auch wenn ich das vielleicht mal bereue.

Voodoo-Lily.


Die in diesem Jahr zum ersten Mal seit 10 Jahren den Geburtstag vom Ex schlicht vergessen hat.


Kommentare:

Georg hat gesagt…

Ich bin schlicht sprachlos...

Nun kann ich mir denken, dass Du es gut fandest, wenn ich sofort laut wurde, sofern ich mich verarscht fühlte. Nur glaube mir: das hat mich auch nicht weiter gebracht.

Nun habe ich eine saumäßige Wut auf den Deppen...

Lily hat gesagt…

Huch.- Soeben hab ich noch gedacht, dass das Posting ja für so einige nichts neues ist. Offenbar doch. Wütend brauchst du nicht zu sein. Dazu ist das wirklich zu lange her. Das war in einem anderen Land, und außerdem, die Dirn' ist tot...
Frei nach Shakespeare.
Laut werden hätte mir nicht geholfen. Richtig wäre gewesen, nicht da einzuziehen. Wär ich etwas erwachsener gewesen, und hätte mich besser gekannt, dann hätte ich das gewusst. Aber beim Einzug war ich 28, genau das Alter, in dem man Häusle baut und Bäumle pflanzt, und das recht kritiklos.
Vor zehn Jahren, da hat es mir was ausgemacht, dass alle weiterhin gut Freund mit ihm waren, und es irgendwie keinen aus der Familie interessiert hat, warum das schief gegangen war. Und dass alle dachten, ich sei die, die da abgedreht sei, fand ich auch schlimm.
Heute ist das nicht mehr wichtig. Das einzige, was diese Geschichte besonders macht, ist, dass es meine ist- und daher ist sie auch für mich wichtig. Sonst ist sie höchst alltäglich, und sie kommt an jeder Ecke vor.
Wie gesagt, ich versuch, einen Schlussstrich dahinter zu ziehen. So, wie ich damals angefangen habe. Mit Schreiben. Das war lange Zeit das einzige, was ging, alles andere funktionierte nicht mehr. Nicht lesen, reden, schlafen- und jetzt hör ich auf, sonst fang ich an, mir leid zu tun :-)

Lily

Uschi hat gesagt…

Woher kennst du eigentlich meine Geschichte, die ich hier so unglaublich akkurat erzaehlt kriege? In meinem Fall hiess die Tusseliese Juana, ansonsten stimmt alles, von der Denkmalspflege ueber die gemeinsamen Schwiegermonsterwohneinheiten.. Manche Frauen haben halt ein bloedheits gen, dass einem ins Gesicht springen kann, und man's trotzdem noch taetschelt. Das mit dem Loslassen der Vergangenheit ist so eine Sache, ein bisschen Rachegefuehl tut auch gut. Hier im englischen kennt man tatsaechlich das Wort: SCHADENFREUDE !
Wat mutt, dat mutt.
So long, dude.

Lily hat gesagt…

Ob Juana oder wie auch immer- die Geschichten sind überall die gleichen. Und die Gelackmeierten sind die, die zurück bleiben- aber ein gutes Blog ist die beste Rache :-)
Mittlerweile bin ich sehr, sehr froh, dass ich das kachektische Bürschchen, mit dem ich damals verheiratet war, los bin.
Yeah.

Lily

Kate hat gesagt…

Da sind wir alle sehr froh! Der sah schon so spisselig aus...keine schöne Zeit damals und doch hat diese doch auch dazu beigetragen, dass du heute weißt, was du nicht willst, dass du weißt, dass du nicht alles mitmachen musst, dass du weißt, dass es nicht gut ist, alles "runterzuschlucken". Ich find, das sind alles gute Dinge, die jetzt noch irgendwie "eingedockt" werden müssen, aber selbst das dauert nicht mehr lange! Und nicht zu vergessen haben wir uns damals richtig kennen gelernt und angefangen Unwetter herbeizubeschwören usw... ;-) Ich bin sehr froh, dass bei jeder schlimmen Geschichte immer auch positive Sachen rausspringen!
(Und sei vor allen Dingen froh, dass du dieses "Geisterhaus" losgeworden bist, das war ja grauenhaft) ;-)

Lily hat gesagt…

Dunkelkammer trifft es eher. Immer, wenn ich daran vorbei fahre, muss ich hinschauen, das ist wie ein kaputter Zahn, an dem man ständig mit der Zunge herumfummelt. Oder wie ein schwerer Unfall- man will nicht hinschauen, aber man muss. Fasziniertes Grauen, vielleicht.
Das Haus hat inzwischen wieder den Besitzer gewechselt, ich hoffe, deren Ehe hält länger als die der Vorbesitzer und als unsere...
Düstere Gruft, dieses Haus.
Fröhliche Singlegrüße,
Lily

Paula hat gesagt…

Oh manno, ich bin geplättet, da einzuziehen war der entscheidende Fehler und dann Deine eigenen Freiräume aufzugeben, der zweite große, aber dsa hast Du ja selbst erkannt.
Aber die Beziehung Deines Ex zu der Tussi hättest Du wahrscheinlich nicht verhindern können. (Obwohl eine gute Bekannte von uns, lange verheiratet, hat mir mal erzählt, wie sie sich verhalten hat, als sie den Seitensprung ihres Mannes zu einer Kollegin entdeckt hatte und am Ende er dann doch zu ihr und den Kindern zurückgeehrt ist. Sie wirkt bieder und pragmatisch, etwas verklemmt, aber als sie mir erzählte, wie sie's angestellt hat, fiel mir die Kinnlade herunter und wir beide brachen in heilloses Gelächter aus. Sie sagte damals "ich habe jeden Tag mit ihm geschlafen, dass die Heide wackelte, er war fix und fertig und konnte einfach nicht mehr, und dann hat er die Beziehung beendet".

Solch simpler Kniff hätte euch wahrscheinlich nicht geholfen, denn mir scheint, es war dieses "Hilflose", was den sozialarbeiterischen Beschützerinstink in ihm geweckt hat. Großer Helfer hilft kleiner Frau (was für eine Schierenkomödie).

Mein Gott, dass Du es so lange in dem Haus ausgehalten hast! Aber verstehen kann ich es schon, was tut man nicht alles für eine heile Familie mit Kind.

Deine Analyse der Geschichte ist brilliant,auf den Punkt gebracht und gut beschrieben, Stoff für ein paar Kurzgeschichten vielleicht auch.

Schönen Abend!
Paula

Lily hat gesagt…

Was mich da gehalten hat, war so etwas wie Scham- schließlich hab ich mich offenbar blöd genug angestellt, um diese Tussi auf den Plan zu rufen.
Und es war Ehe Nummer 2, die da kaputt ging. Ich hatte einen Ruf zu verlieren, dachte ich jedenfalls damals. Heute weiß ich, dass es besser für meine Selbstachtung gewesen wäre, ihm gleich mit Schmackes in den Hintern zu treten und so. Das Problem war, dass dieses Haus -ihm gehörte. Er hats gekauft, den Anteil seines Bruders zumindest, und den Rest geerbt. Ich wäre also beim kleinsten Mucken theoretisch obdachlos gewesen. Und ihr habt richtig gelesen: Es war SEIN Haus. Ich hab nur für die Hypotheken mit unterschrieben, nicht jedoch für den Grundbucheintrag. Meine etwas irritierte Frage nach den Gründen hat er mit einer Gegenfrage beantwortet: "Glaubst du etwa, ich würde dich bescheißen wollen?" woraufhin ich mich beeilt habe, ihn wieder runter zu bringen.
Die richtige Antwort wäre gewesen: "Nein- jetzt nicht. Aber man soll niemanden in Versuchung führen."
Alles klar?
Diese und ähnliche Ausgänge von Diskussionen haben mir das Reden abgewöhnt... Heutzutage diskutier ich nicht, sondern verschwinde.

Das mit dem Sex-bis-der-Arzt-kommt ist übrigens eine prima Idee, und ich hab hier laut gelacht gerade. Ich wünschte, ich wär drauf gekommen, damals. Unsereiner hat ja nicht das Problem der dafür nötigen Potenz :-)
Ha!!
Lily

Lily hat gesagt…

Nachtrag:
Woran ich damals überhaupt nicht gedacht habe, war, dass er das Haus ohne mein Einkommen keine 4 Wochen hätte halten können. Schade, Chance vertan.

Falcon hat gesagt…

Puh, Einziehen in fertige Häuser ist natürlich immer ein Problem. Erst recht, wenn die noch von den Eltern fertig gemacht worden sind. Allerdings würde ich mich selber schon unwohl fühlen, in die schmiedeicherne Behaglichkeit meines Elternhauses einzuziehen.
Ich bin da doch recht froh, dass wir nie in diese Verlegenheit gekommen sind und auch ganz sicher nicht kommen werden.

Aber mutig von Dir, das alles mal aufzuschreiben.
und natürlich ein hervorragender Weg, die präsenile Bettflucht zu bekämpfen.

Lily hat gesagt…

Ich habe damals unter anderm nicht gewusst, dass die Freiheit, mir meine Umgebung zu gestalten für mich so wichtig ist. Zudem hat der Ex da wirklich in Nostalgie gebadet- für ihn standen die Dinge da wie ein Symbol der Weiterexistenz seiner Eltern. Wobei sie das natürlich auch waren. Ob er befürchtet hat, die Umgestaltung könnte das Andenken seiner Eltern beschädigen, weiß ich nicht.
Ich hoffe, dass sich meine Liebe zu den Menschen, die mir wichtig sind, etwas weniger an Teppichen und Gemälden und Badezimmerkacheln festhält. Wobei an Symbolen natürlich nichts per se schlechtes ist.