Samstag, 7. Juni 2008

Miscellaneous

Als vor ein paar Tagen plötzlich EU-Alarm ausgelöst wurde, weil in Slowenien ein Reaktor angeblich leckte, hab sicher nicht nur ich an den Sommer 86 denken müssen.

Ins Vokabular des Durchschnittsmenschen wurden Worte wie Curie und Sarkophag aufgenommen, und erwiesen sich als mit einer Halbwertszeit versehen.

Einen Jogginganzugträger hörte ich irgendwann in diesem Jahr zu seinem einen Sandkasten anstrebenden Sohn sagen: „Kevin, geh da wech, da is’ Beckerell.“

Wobei der Knabe vermutlich Dennis hieß, denn auch die Namen der Kinder haben eine Halbwertszeit.

Jedenfalls gerieten die Begleitworte wieder in Vergessenheit. Ebenso wie die Warnung vor polnischen Champignons, türkischem Paprikapulver und schwedischem Elchfleisch.

All dies hatte Becquerel, oder, wie man auch hätte sagen können, strahlte auf Teufel komm raus.

Und nicht nur ich hatte an diesem ersten Mai, kurz nach dem Unglück, im leichten Ostwind gesessen und mich während der Eröffnung der Ruhrfestspiele nass regnen lassen. Mir sind zwar keine Tentakel gewachsen, aber ich hab es auch nie vergessen.

Kann man sowas vergessen?


###


Jemand hat mich gefragt, was um alles in der Welt ich zu meiner Therapeutin gesagt habe, dass sie mir nicht mehr folgen konnte. Die Leute, die mich im Wirklichen Leben (TM) kennen, wissen, dass es recht leicht ist, den Faden zu verlieren, wenn ich was erzähle. Denn ich rede schnell, viele Gedankenschritte lass ich beim Erzählen aus (SO schnell kann ich nu auch nich reden) und neige auch mündlich zu Sätzen von Mann’scher Länge. Da hilft es, mich nur schriftlich zu kennen, denn dann kann man immer noch mal nachlesen.

Dem Verständnis ist nicht wirklich weitergeholfen, wenn man vage Umschreibungen wie „Ich löse mich von innen auf“ benutzt.

Nachdem wir nochmal von vorn angefangen haben, hat sie mir dann versichert, dass es altersentsprechend normal ist sich so zu fühlen, was mich wiederum beruhigt hat.


###


Erntezeit:



###

Die letzten drei Abende habe ich damit verbracht, als Gegengift zu Sex and the City mir ernsthafte und solidere Filmkost zu Gemüte zu führen.

Der Pate, Teil I, II und III.

Hach, Al Pacino. Behaltet doch eure Schuhe, in denen ich ohnehin nicht laufen könnte, lasst die komischen Klamotten in den Schränken und merkwürdigen Verpackungen, mal ganz zu schweigen von schwulen Wedding-Planern, Mr Bigs oder auch Smalls.

Statt dessen gebt mir ein paar italienische Dorfmusiker, die den Gefangenenchor aus Nabucco blasen, ein bisschen schräg, und dazu ein paar distinguiert ergraute Mafiosi.

In den Zusatz-Materialien auf DVD Nr. 4 in der Ausgabe, die Georg mir ausgeliehen hat, ist eine Probeaufnahme zu bewundern, in der Robert de Niro den Santino gibt- krass. Der wäre meine erste Wahl bei der Besetzung gewesen, das steht fest. Er spielt die Szene, in der Santino Michael davor warnt, sich an dem Polizisten zu rächen, der ihn geschlagen hat. Einfach so, ins Leere, und unglaublich überzeugend. Vollkommen skrupellos, leicht irre, und einfach nur sexy.

Ich weiß, ich hab einen abgedrehten Männergeschmack.


###


Uuund jetzt mal eine Frage an meine männlichen Leser:


Gesetzt den Fall, ihr lernt eine Frau kennen, und nehmt dann Kontakt auf oder ihr vertieft den- per Mail oder sms oder telefonisch.

Wenn ihr dann ihre Antworten lest oder hört: Gebt ihr euch mit dem Wortlaut zufrieden? (Immer vorausgesetzt, ihr seid interessiert an der Dame) Oder dreht ihr die Worte hin und her, sucht nach verborgenen Bedeutungen, rätselt über Formulierungen etc., um die wirklichen Absichten herauszufinden?

Disclaimer: Es geht hier nicht um mich! Ich bin so single, dass es kracht!

Und hat es eine Bedeutung, wenn ihr nicht sofort antwortet? Liegts daran, dass ihr einfach noch ein bisschen was anderes zu tun habt, was wichtiger ist, oder ist das Taktik, damit sie nicht glaubt, ihr würdet am Haken hängen? (Und wenn ersteres: Was, bitte schön, ist wichtiger als ein Flirt via Mail, sms oder Instant Messenger?)

Das sind einige der großen Fragen, die (nicht nur mich) seit meinem 13. Lebensjahr bewegen. Vermutlich rührt das daher, dass ich einfach keine Verständnis-Schnittstelle für Männer habe, sobald irgendwelches Interesse in der Welt ist.

Die Freundin, die derzeit von diesen Dingen bewegt ist, möge mir verzeihen, ich will sie nicht vorführen. Diese Fragen sind jedoch für mich zurzeit wie ein Stein im Schuh.

Eine fast schon offene Wunde ist die Frage, warum, WARUM man nicht als erwachsener Mensch jemand anderem sagen kann: Ich finde dich interessant und möchte dich näher kennen lernen. Hm? Wär doch toll- alle wüssten, woran sie sind.

Natürlich ist gerade dieses etwas Rätselhafte das Salz in der Suppe. Aber trotzdem. Menno.


In diesem Sinne: Kontaktreiches Wochenende, viele schöne Emails, oder wenigstens schönes Wetter. Mit nächtlicher Abkühlung.



Lily- der es nachts zurzeit einfach zu warm ist.



Kommentare:

Kate hat gesagt…

:-) Ich hau mich hier gerade weg! Nene, ist schon ok! Ich bin ja auch an der Antwort interessiert ;-)

Und mal so nebenbei: ich hab mich eh gewundert, dass deine T. den Satz nicht schon eher gesagt hat! ;-) Vielleicht solltet ihr auch auf die schriftliche Form übergehen, das kann man so schön nachlesen...und das muss man halt manchmal ;-) Wie ist der von mir meistgehörteste Satz?? "Einfach kann ja jeder" In diesem Sinne einen schönen Samstag!

Lily hat gesagt…

Ich sag doch. Bloggen ist auch so eine Art Therapie :-)
Das einzige, was man nicht bekommt, sind beruhigende Blicke & Gesten.

Anonym hat gesagt…

Bin ja kein Mann, aber wie die meisten Frauen so vorlaut mal 'ne Antwort auf die Zwischen-den Zeilen-Kommunikation mit Männern zu wagen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es ja eigentlich darum, einen "passenden" zu finden. Und das geht ja nun über's Internet gar nicht, obwohl das heutzutage Millionen versuchen, von beiden Seiten. Mit Worten kann man so schon lügen, verdrehen, weglassen, ein interessantes Spiel. Aber die Pheromone lassen sich ja nun mal nicht schriftlich transportieren, auch nicht wenn man mal ein Foto sieht.

Zumindest in unseren "fruchtbaren" Jahren hat die Biologie das nun mal so eingerichtet, dass die Pheromone sich gegenseitig anlocken, um einen genetisch möglicht anders gestrickten Partner zwecks Nachwuchszeugung zu finden.
Und da fängt natürlich auch das Problem schon an: die Gene passen, aber können keine Garantie dafür liefern, das der andere auch die gleiche Wellenlänge, ähnliche Interessen, übereinstimmende intellektuelle Fähigkeiten und die passende Neurose hat. Im Bett mag's vielleicht eine Zeit lang krachen, aber das war's dann auch schon.

Also doch über's Internet selektieren, anbandeln, annähern?Damit zumindest außer den Genen alles andere stimmt?

Ich bin da altmodisch, entweder es macht "Klick" oder "Boom" und die Post geht ab, oder Frau bleibt lieber alleine. Und wenn die Post abgeht, sind es sowieso die Frauen, die die Initiative ergreifen, die finden dann schon einen Weg!

Also Mädels, meine Meinung nach braucht ihr nicht unnötig über das "Rätsel Mann" zu grübeln, vertane Zeit, weil es alles Mögliche bedeuten kann, was er da so über's Internet preisgibt oder nicht.

Paula

Kate hat gesagt…

Äh nein, falsch verstanden! Der Kontakt kam schon im "richtigen" Leben zustande! Es geht darum, wie Männer und Frauen miteinander kommunizieren. Machen nur Frauen sich einen Kopf dadrüber, was er wie gesagt rsp. geschrieben hat oder grübeln Männer auch, ob Frau das so oder so meint! Da werden Kleinigkeiten auseinander genommen, da wird einem schlecht ;-) Melden Männer sich bewusst drei Tage nicht, gehört das zum Spielchen dazu oder ist das einfach Nachlässigkeit. Das sind die ewigen Diskussionspunkte! Ging nicht um Internetbekannschaften, die find ich...äh...unsere gemeinsame Freundin ;-) auch nicht besonders fruchtbar!

Lily hat gesagt…

Übers Netz ist alles mögliche möglich. Abgesehen von dem schrägen Vogel, der Körperteile von mir als Foto haben will, hatte ich mal eine (öh- kurze. Sehr kurze) Mailkorrespondenz mit jemandem, der mir ein Foto eines Körperteils schickte, hinter das (das Körperteil, nicht das Foto) er eine Rose geklemmt hatte. Ich hoffe, sie hat ihn gestochen, und zwar feste. Ich glaube, sein Nick war "italian stallion". Angeber.
Und die Psychopathen, die ich in meinem Leben begrüßen konnte, waren auch alle aus dem Netz. Ich dachte damals, ich sollte darüber ein Buch schreiben. Aber zum Glück vergisst man das sehr, sehr schnell, vermutlich weil es so absurd war.
Hach ja...
Lily

renate hat gesagt…

Also, heutzutage, die fünfzig schon ein paar Jährchen überschritten, kann ich mich nur wundern. Über mich selbst. Über die Zeiten, in denen ich mich über Männer aufgeregt habe. Ich habe mich aufgeregt, weil gewisse Männer ein Verhalten an den Tag gelegt haben, das mir so gar nicht behagt hat.
Warum ich ihnen dann nicht einfach die gelbe Karte gezeigt habe - oder gleich die rote - kann ich aus heutiger Sicht nur als Doofheit auslegen. Denn: entweder es passen zwei zusammen oder nicht. Und meistens hat das nichts mit Verständigungsproblemen zu tun, sondern mit unterschiedlichen Ansichten und Gepflogenheiten. Und wenn die nicht harmonieren, dann ist es besser, ade zu sagen - anstatt sich monate- oder jahrelang miteinander zu plagen.
Und wie Paula auch richtig sagt: wenn's im Bett so richtig kracht, dann ist das noch lange keine Garantie, dass es in anderen Lebensbereichens auch kracht (oder vielleicht doch, aber falsch rum.
Und über das Rätsel Mann zu grübeln, ist wirklich und defitiv vertane Zeit.
Umgekehrt wird übrigens auch ein Schuh draus... ;-)
Herzlicher Gruß in die Runde - Renate

renate hat gesagt…

Noch ne Frage zu den Riesentomaten: sind die selbst gezüchtet?
Bei mir war's dieses Jahr ein Flop. Hab die Kernchen wohl in die falsche Erde gesteckt.
Letztes Jahr hatte ich diese kleinen Pflanzblättchen, die dann aufgehen beim Wässern.
Dieses Jahr hab ich normale Blumenerde genommen. Und die scheint wohl nicht zu taugen für Tomatenzucht. Denn letztes Jahr um diese Zeit waren meine Pflanzen fast schon einen Meter hoch, dieses Jahr gerade mal 15 Zentimeter und von Blüten ist noch gar nix zu sehen ....:-(

Lily hat gesagt…

Nee, die sind nur selbst gepflanzt. Hab sie allerdings in neue Erde umgesetzt, die, mit der sie hier ankamen war besserer Straßendreck. Es ist eine Mini- besser gesagt Mikro-Sorte, und sie sind wirklich nur murmelgroß bzw. -klein. Dafür schmecken sie nicht besonders gut.
Nochmal zu den Männern: Klar, dass das entweder passt oder nicht. Aber bis man das weiß, vergeht ja manchmal einige Zeit- aus verschiedenen Gründen. UNd da ist uns bzw. der gemeinsamen Freundin von Kate und mir (:-D) aufgefallen, dass man da doch dezent anfängt zu flattern und schnell mal aus der Kurve fliegt, weil man selbst sich überhaupt nicht festlegt, und andererseits ständig in den Äußerungen des Anderen zu lesen versucht, was der nun gerade genau meint...

Anonym hat gesagt…

Noch einmal nachgelesen, verstehe ich die eigentliche Frage besser, in der auch die Antwort liegt:

"Eine fast schon offene Wunde ist die Frage, warum, WARUM man nicht als erwachsener Mensch jemand anderem sagen kann: Ich finde dich interessant und möchte dich näher kennen lernen. Hm?"

Die Frage kann eine offene seelische Wunde sein, wenn man die Ablehnung fürchtet "ich möchte Dich aber nicht näher kennenlernen, weil ich Dich nicht so interessant finde, sondern nur mit Dir....möchte."

Da braucht es eigentlich nur ein kleines bisschen mehr Mut als Angst, und raus ist die Frage und das Spielchen hat auf einmal klarere Regeln.

Es geht immer zuerst um die eigene Illusion und die Bereitschaft, die auch wirklich hinterfragen zu wollen, oder ob frau lieber an einem schönen Traum festhalten möchte.

Mit Nina Hagen gesprochen würde ich raten:

RANGEHN RANGEHN
(Wenn de scharf bist musste rangehn!)
Dann ist gut, is alles O.K. Jeje!
HINGEHN! HINGEHN!
IMMER SCHRITT AUF SCHRITT
UND SCHRITT AUFN ANDERN SCHRITT
IMMER RAN.
DAS GEHT 1- 2 - 3 -! LOS!

Ich stürzte auf ihn los.
Er stürzte auf mich.
Wir stürzten aufeinanda los. Unglaublich.
Ich sagte SORRY und ICH HEISSE ROSIE.
Er sgate ROSIE SIE GEFALLN MIR SO SIE!

(Auszug aus dem Song "Rangehn" von b. Potschka/N. Hagen auf der LP "Nina Hagen Band" 1978)

Schönes Wochenende!
Paula

Anonym hat gesagt…

Unsereiner ist natürlich auch immer erst ein bißchen vorsichtig, wenn man eine neue Frau kennenlernt. Schließlich will ja keiner auf die Nase fallen. Ich persönlich mache aber keine Doktorarbeit draus, so einen Brief oder eine Email zu analysieren. Entweder es passt, dann schreib ich zurück, oder es passt nicht.
Wenn manchmal etwas Zeit vergeht bis zur Antwort, dann hatte der jenige vielleicht einfach keine Gelegenheit zu antworten. Mach dir nichts draus. Ihr habt doch Zeit. Und kennenlernen geht nicht so schnell. Was sind da schon ein paar Tage?

Herzl. Grüße aus Frankfurt,

Klaus