Sonntag, 9. Dezember 2007

Wörterzauber

Hab ich gestern nicht geschrieben, ich hätte das Internet kaputt gemacht? Hätte ich mal besser nicht schreiben sollen...
Gestern Abend war es dann kaputt. Mein Netzwerk funktionierte, das konnte ich an den ganzen hübschen Bildchen in der Taskleiste erkennen.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten brach mir der kalte Schweiß aus. Internet kaputt. Oh mein Gott. Und wahrscheinlich bin ICH schuld dran. Wegen Wörterzauber.

Als erstes lass ich bei solchen Dingen immer den Rechner neu starten. Wer weiß, was dieses neumodische USB-Antennenzeug für das WLAN wieder hat. Vielleicht ist es nicht ganz mitgekommen beim Blitzstart meines 1,1 GHz-Rechners.
"Nichts da", sagt die hübsche blaue LED, "Du bist naiv, wenn du glaubst, dass es an mir liegt".
Mein "Aber gestern hast du dich verschluckt und der Neustart hat geholfen" ignoriert sie. Sie ist ja auch hübscher als ich und kann sich das leisten.
*seufz*
Nun ist es so, dass ich zwar nicht die ganze Zeit am Rechner verbringe, wenn ich zu Hause bin, da wäre die befellte Besatzermacht hier sehr dagegen. Entscheidend ist für mich eher, dass ich ins Netz kann, wenn ich will. Sonst fühl ich mich amputiert. (Lacht doch drüber.)
Wenn ich was nicht hinkriege, werd ich nicht nur sauer, sondern auch stur.
Was ich nie nienich tu, ist jemanden fragen, wie was geht- oder jedenfalls nur sehr ungern. Plus, es war Samstag abend.
Einerseits ist da der Zorn, dass das Ding nicht tut, was es soll, andererseits der Zorn auf mich selbst.
Denn obwohl ich den ganzen Zugangskram hier selbst aufgestellt und angeschlossen und zum Funktionieren gebracht habe, lösche ich die Details aus meinem Arbeitsspeicher, sobald alles läuft. Und es kommt einfach ultra-selten vor, dass es nicht funktioniert. Das bedeutet dann, sich wieder rein denken. Im Extremfall heißt es, dass ich mich an die IP des Routers erinnern muss, an Passwort und Benutzernamen, und das heißt wiederum, dass ich das ganze Benutzerhandbuchzeug suchen und vor allem finden muss.
Ordentliche Haushalte haben das irgendwo an zentraler Stelle, mit sämtlichen Passworten in unsichtbarer Tinte darauf, verstaut. Ich nicht.
Das letzte Mal hab ich das Handbuch im Sommer gebraucht, als ich einer Cousine geholfen habe, ihren Router zu konfigurieren, am Telefon- zum Glück hatte sie das gleiche Modell gekauft und nach einigem Nachdenken (und -Suchen :D)konnte ich ihr behilflich sein. Hoch lebe die Festnetz-Flatrate.
Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass ich erstmal die Dinge anschaue, die ohne Manual zu bewältigen sein könnten.
Also, das Netzwerk war wohlauf, und zeigte dies durch munteres Blinken an.
Auf meinem Weg ins Netz ist demnach erst jenseits des Netzwerkes irgendwo kein Weiterkommen mehr. Das bringt mich dann immer ins Wohnzimmer.
Meine Wohnung ist etwas hybrid geplant, man kann sie auch als Büroräume nutzen. Demzufolge sind in jedem Zimmer, bis auf Bad und Küche, Netzwerk- und Telefon/Fax-Anschlüsse. Und obwohl der Hausanschluss für die Telekommunikation unter meinem Arbeitszimmer liegt, liegen die Hauptdosen im Wohnzimmer, keine Ahnung warum. Jedenfalls sind nur die ohne weiteres zu nutzen. Sowas merkt man immer erst dann, wenn der nette Telekom-Onkel da war und die Anschlüsse durchgemessen hat.
Arbeitszimmer hin oder her, das hat mich zu WLAN gebracht. Nach einigen Wochen Renovieren hatte ich nämlich keine Lust, noch Löcher zu bohren, und Kabel zu ziehen.
Also ab ins Wohnzimmer, wo erstmal nichts Verdächtiges zu sehen war. Jede Menge netter, grüner LEDs... und meine nächste Tat bei sowas ist dann erstmal den Sitz aller Kabel zu prüfen.

Das muss man sich so vorstellen, dass hinter dem Fernsehtisch ein Haufen Kabel liegt, für DVBT, Fernseher, Video-Recorder, DVD-Player, Verstärker, Tuner, Splitter, Router, Modem, Telefon, NTBA. Nicht nur für die Stromzufuhr, sondern auch für alle Verbindungen, die vernünftigerweise zwischen den obigen Gerätschaften zu schließen sind. Macht ungefähr tausend Kabel, alle schwarz.
Und da ich keine ausreichende Anzahl an Steckdosen habe, füge man dem ganzen noch zwei schaltbare Steckerleisten hinzu, und rühre gut um.
Natürlich gesellen sich zu diesem Elektro-Schlangennest auch noch Katzenhaare sowie ein paar Staubmäuse.
Es ist also ziemlich wichtig, beim Abziehen der Stecker nicht einfach diese fallen zu lassen. Denn dann wird man sie nie wieder in der richtigen Weise anschließen. Also schön eins nach dem anderen, und immer hoffen, dass man sie nicht verwechselt.
Hmpf. Alle Stecker sitzen fest, alle Rastnasen hübsch an ihrem Platz...
Dann kam ich auf die Idee, mal zu schauen, ob wirklich alle nötigen LEDs auch gehorsam ein Busy-Signal zeigten und Heureka.
Das Modem meinte, es sei nicht online. Und der Router sagte auch sowas.
DSL schien aber da zu sein, und das Telefon ging auch.
Zum Glück habe ich noch ein Netzwerkkabel für die Tage, an denen hier mein Sohn mit seinem Rechner ins Netz will, und dafür die Kabel-Option des Routers nutzen möchte.
Das ist das dritte Mal, dass ich ein Kabel genau an dieser Stelle auswechseln musste. Ich kaufe da keinen Billigschrott, weiß Gott nicht.
Es beschleicht mich der Verdacht, dass die Katzen daran Schuld haben, denn die lieben es alle, auf Kabeln rumzukauen, weiß der Henker, warum.
Und Netzwerkkabel schmecken wohl besonders gut, vielleicht knistert die Abschirmung darin auch besonders lecker. Das Kabel zeigt mehrere Löcher. Ich hoffe, es hat an den Zähnen gezwiebelt, ihr kleinen Bastarde.
Ich glaube, ich habe sowas auch laut geäußert- als ich an den Rechner zurück kam, hatte einer der befellten Übeltäter meine Teetasse in die Tastatur geleert. Und natürlich läuft das vom Schreibtisch aus nahtlos aufs Laminat, das ein Vollbad auch nicht wirklich gern hat.

Wörterzauber... ich sollte mir überlegen, was ich laut ausspreche.

Die Tastatur hat das Bad halbwegs schadlos überstanden, das Laminat auch. Ein paar Tasten mussten trocken gelegt werden, aber da Flüssigkeiten aller Art (plus Tabakkrümel, Haaren, Asche, Brotkrumen...) sich ohnehin gern in Tastaturen aufhalten, sollten diese das auch überstehen, finde ich. Ich nehm auch nur Süßstoff in den Tee. Zucker ist nicht nur für Diabetiker ein ungeeignetes Süßungsmittel, er ist auch schlecht für Zähne und Tastaturen.

* * *
Ich habe mir ja neulich einen Pageload-Zähler zugelegt- aus purer Neugier. Eines der witzigeren Features ist, dass man lesen kann, mit welchen Suchworten die geneigten Leser auf diese Seite kommen.
Jemand hat letztens nach Antwort auf die Frage "Ab welchem Wert ist man unterzuckert" gegoogelt. Ich glaube nicht, dass der/diejenige noch mitliest. Aber falls es jemanden interessiert:
**Disclaimer: Dies ist KEIN ärztlicher Rat!!! Ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen!!!**
Grundsätzlich kann man einen Wert von 80 mg pro Deziliter Blut als Grenzwert annehmen. Hier im Westen ist die Maßeinheit mg/dl die gebräuchlichere, in den neuen Bundesländern hab ich öfter auch mmol/l gehört. Die letzteren Werte sind niedriger und haben noch eine Stelle hinterm Komma, das Verhältnis der beiden Maßeinheiten zueinander kenne ich nicht, und ich bin zu faul zum googeln.
Also ab 80 abwärts ist in der Regel Unterzucker angesagt.
Ein Diabetiker bemerkt sowas noch nicht unbedingt, Stoffwechselgesunde haben vermutlich dann Hunger.
Mein Arzt hat mir geraten, dann eine Kleinigkeit zu essen und diese Kleinigkeit nicht mit Insulin abzudecken.
Unter 70 mg/dl merk ich dann normalerweise was von dem sinkenden Zucker, es sei denn, ich bin sehr abgelenkt.
Meist bin ich dann irritierbar, hab einen erhöhten Puls und fange an, etwas fahrig zu reagieren.
Wenn der Wert weiter sinkt, werde ich aggressiv, lasse Dinge fallen, bin noch streitsüchtiger als sonst, hab Händezittern und Schweißausbrüche.
Wenn der Wert um die 50 ist, merke ich das deutlich, und fange an, hektisch nach Süßem zu suchen. Es ist dann auch sehr, sehr SEHR wichtig, dass ich sowas kriege. Und zwar puren Traubenzucker, oder etwas sehr Süßes zu trinken, wie Cola (echte, bitte) oder Apfelsaft. Nichts, was zusätzlich zum Zucker Eiweiß oder Fett enthält, wie zum Beispiel Kuchen oder Schokolade, denn Fett und Eiweiß bremsen den Übergang des Zuckers ins Blut.
Der ganze Körper ist dann in einer Art Panik, und das einzige was hilft, ist eben Glukose.
Leider neige ich dann auch zum hektischen Herumlaufen und unruhigem Verhalten, was wiederum durch die gesteigerte Aktivität zum noch weiteren Absinken des Zuckers führen kann.
Zweimal ist es passiert, dass ich nicht schnell genug war. Zum Glück war ich bei beiden Malen nicht alleine, es war immer jemand da zum Notarzt rufen.
Ein unterzuckerter Diabetiker ist somit immer ein potenzieller Notfall. Falls so etwas sich in eurer Nähe abspielt, lasst denjenigen dann nicht alleine. Wenn ihr einen Diabetiker kennt, der sich unerklärlicher Weise wie ein Betrunkener aufführt, inklusive Schwanken, verwaschener Sprache, oder unangemessen aggressivem Verhalten: Bitte freundlich, aber bestimmt dazu auffordern, Traubenzucker zu essen. Und darauf bestehen. Das Messen kann man sich in solchen Situationen sparen, denn dafür reicht manchmal die Zeit nicht aus.
Und die Folgewirkung eines kurzzeitig sehr erhöhten Blutzuckers, falls der Traubenzucker doch nicht nötig gewesen sein sollte, ist vollkommen unerheblich im Vergleich zu dem Risiko einer Bewusstlosigkeit oder eines epileptischen Anfalls infolge einer schweren Unterzuckerung.
Besonders gefährlich sind Unterzuckerungen bei allen Gelegenheiten, in denen man stürzen kann, vor allem von Leitern, Gerüsten o. ä., und natürlich am Steuer.
Ein weiteres Problem ist, dass der Körper sich an sehr niedrige Blutzuckerspiegel gewöhnen kann und dann irgendwann keine Symptome mehr zeigt. Bei langjährigen Diabetikern kommt das vor. Die fallen dann einfach um. Es gibt für solche Patienten Unterzucker-Wahrnehmungstrainings. Das hilft wirklich, da lernt man, seine Warnsignale wieder zu erkennen.

Gebt mir mehr Sucheinträge, damit ich weiter besserwissen kann :))
Schönen Sonntag,


Lily

Samstag, 8. Dezember 2007

O tempera, o mores...

Heute morgen haben sie es geschafft, sie haben mir a) den Schlaf geraubt, so gegen viertel nach fünf, und b) sie haben sich den Eintritt in mein Schlafzimmer erzwungen.

Mittels beharrlichen Kratzens an der Tür, mit jämmerlichem Weinen und Janken, kurz: Mit einer exzellenten schauspielerischen Leistung, würdig eines Academy Awards.

And the winner is:

Karlchen, der Kasper.

Die anderen haben staunend abgewartet, dann aber mit Hilfe ihrer überlegenen Taktik (vier gegen eine) die Verteidigerin der Festung (aka. Die Ich) überrannt, und in kurzer Folge die strategischen Punkte besetzt. Diese halten sie immer noch.

Karlchen, der Kasper, der gestern noch sterben wollte, hat es sich anders überlegt, und thront oben auf meinem Bett. Da gehört er nicht hin, das bedeutet Betten frisch beziehen. Wenn er denn da mal runter kommt.

Paul sitzt im Schrank. Ich komm nicht dran, denn der Schrank ist außergewöhnlich tief, das Katertier kann sich außergewöhnlich klein zusammenrollen und das Nackenfell ist für erwachsene Katzen nicht das geeignete Instrumentarium, um sie daran herauszuziehen. Vor allem nicht bei einem so schweren Kater. Vielleicht sollte ich den TA bitten, einen Griff an ihm zu befestigen.


Eddie hat sich auf dem Kleiderschrank verschanzt und schaut von oben milde lächelnd auf mich herab. Da oben liegt und steht so allerlei, nichts zerbrechliches, aber ich rechne jeden Moment mit einem Absturz des Sonnenschirms, der da oben abwartet, bis man ihn wieder braucht. Nur der Schirm, die Halterung ist noch auf dem Balkon. Aber ich habe keinen Keller, und meine Garage ist mit Auto, Fahrrad und dem zweiten Reifensatz mehr als voll.

Emily sitzt unterm Bett. Da komm ich auch nicht dran, es ist zwei Meter breit und steht mit zwei Seiten an der Wand. Je mehr ich nach ihr angle, desto mehr grinst sie. Und das kann ich samstags morgens um diese Zeit einfach nicht haben.


Ich habe mich entschlossen, sie einfach auszuhungern.

Das Futter steht in der Küche. Wenn ich einfach abwarte, bis sie Hunger kriegen, kann ich sie vielleicht überlisten...


***


Gestern abend habe ich das Internet kaputt gemacht. Glaube ich. Auf einer der bekannten „Bleib-in-Kontakt-mit-deinen-Freunden“-Seiten hab ich mir vor einiger Zeit einen Eintrag verschafft.

Meine geheime Technik beim Eintrag in derartige Seiten ist es, mir zwar verschiedene geheime Nutzernamen zuzulegen, aber das Passwort ist (mit kleinen Varianten) eigentlich immer dasselbe. Damit ich mir nicht so viele merken muss. Das PW hat nichts mit meiner Konto-Pin zu tun, und auch mein Handy hat ein anderes, aber ein bisschen Bequemlichkeit muss sein. Jedenfalls hat dieser Eintrag nie funktioniert, seit ich mich angemeldet hat. Nie so wirklich. Es hakte immer etwas. Gestern nun bekam ich eine Mail von besagter Site, dass jemand mich zu seinen Kontakten hinzugefügt hat. Ein früherer Schulkollege, den ich immer ganz nett fand. Das hat mich dann bewogen, mal wieder die Seite aufzurufen und mal zu schauen, wen es da sonst noch so gibt. Kurz und gut, das Passwort war angeblich nicht richtig... Grrrr. Ich konnte mir jetzt nicht wirklich vorstellen, dass ich auf einer für mich unwichtigen Seite passworttechnisch besonders kreativ gewesen sein sollte, und habe beschlossen, mir ein neues PW generieren zu lassen, auch, weil- wie gesagt- das vorher ebenfalls schon etwas unrund lief.

Nunja, dann kam sie. Die Mail mit dem neu generierten Passwort.
„Bitte benutzen Sie für Ihren nächsten Besuch auf unserer Blabla-Seite das folgende Passwort:


Es folgten drei leere Zeilen.

Anschließend gabs noch ein paar Links für den direkten Login, aber das wars im großen und ganzen. Am Ende der Mail stand dann noch (Brüller am Rande), dass die Mail automatisch erzeugt und daher Tippfehler beim Passwort ausgeschlossen seien. Jaja, die Technik, überlegen wie sie ist, erzeugt keine Fehler...

Naiv wie ich bin, hab ich einen der Links angeklickt.

Und bin auf einer Hinweisseite gelandet, die mich darüber informierte, dass ich offenbar mein PW vergessen oder falsch eingegeben hätte. Hab ich schon mal erwähnt, dass ich programmierte Schleifen, die mich immer wieder an denselben Punkt führen, beinahe noch mehr hasse als... egal als was, jedenfalls macht mich sowas wütend.

Also, gewiefte Nutzerin neuzeitlicher Kommunikationstechnik die ich bin, habe ich die FAQs konsultiert.

Da erfuhr ich dann, dass es, falls Tippfehler bei Nutzernamen und PW ausgeschlossen werden könnten, vielleicht an verschiedenen Einstellungen meines Browsers liegen könnten. Nun, das ist eher zweifelhaft, da ich von verschiedenen Plattformen aus bereits ähnliche Schwierigkeiten erlebt habe. Eine von diesen Plattformen ist definitiv sowas von Mainstream, dass die Seite echte Probleme haben dürfte, wenn sie damit nicht zurecht kommt. Mein Desktop-Rechner hier zu Hause ist was anderes, mit einem etwas weniger gängigen Browser und insgesamt mehr open source-Software, aber, wie gesagt, ich habs nicht so recht geglaubt.

Trotzdem habe ich an Cookies und Java und sowas rumgebastelt, ging aber natürlich trotzdem nicht.

Was macht die Nutzerin, wenn sie denn der Meinung ist, sie müsste unbedingt Zugang kriegen? Rrrrichtig, sie verfasst eine direkte Anfrage.

Daraufhin bekam ich gleich drei Mails.

Identische.

Die enthielten erstens:

Die komplette Fehlerlösungsanleitung, die auch schon in den FAQs enthalten war. Mit der Bitte, sie zu lesen.Aha.

Zweitens den Text meiner Anfrage, sowie die höfliche Bitte, die Mail doch einfach zu retournieren, wenn die FAQs das Problem nicht lösen könnten.

Das hat mich in rotglühende Wutattacken getrieben. Schleifen...

Ich kenne so einige Leute, die unsicherer und weniger geübt sind in derartigen Dingen, und sie haben es alle geschafft, Zugang zu dieser Seite zu bekommen. Die Anzahl der Foren u. ä., zu denen ich mittels Benutzernamen und PW Zugriff habe, ist recht hoch, ich lass sehr, sehr selten im Büro zum Beispiel einen Benutzernamen platzen- wieso klappt es mit dieser Seite nicht??

Manchmal bringt es etwas, Probleme dem eigenen Unterbewusstsein zu übergeben (früher sagte man „mal drüber schlafen“).

Das hab ich dann getan.

Heute morgen hab ich ein neues PW angefordert.

Jetzt bin ich drin.

Und ich bin gespannt, was die Leute da mit meiner Mail machen.


***



Ich bin drin, und die Katzen sind draußen... Entschiedenes Eingreifen von meiner Seite, verbunden mit zunehmendem Magenknurren, haben es geschafft. Erst ertönte ein leises, herzzereißendes Jammern hinter der Tür (so jammert nur Paul, der erste Sopran in meinem Kastratenchor. Er ist so ein Seelchen). Als ich die Tür dann öffnete, schlich er mit allen Zeichen der Erleichterung an mir vorbei.

Hinterher Emily, wie von Furien gejagt.

Als Furie: Eddie der Schreckliche. Immer mit Stressaugen und angelegten Ohren unterwegs, sobald irgend etwas Ungewohntes geschieht. Zum Beispiel wenn ein Mitglied der Katzenfamilie plötzlich torkelt und komisch nach Tierarzt riecht. Oder man auf einmal in einem neuen Zimmer steckt und nicht raus kann.

Na, und Karl wollte dann auch nicht mehr allein sein. Mein Schlafzimmer ist ungeheizt, das mag er auch nicht so sehr.

Und ich weiß jetzt auch, warum der Kaffee so merkwürdig aromatisch schmeckt. Falsche Tasse. Da war noch ein Rest Tee von gestern abend drin. Äh bäh.


Freitag, 7. Dezember 2007

Verflixt und zugenäht

Ein Bild des Elends:





und das war schon nach dem ersten Ausflug Richtung Wassernapf. Danach hat er erstmal wieder schlafen müssen...
Kater mit Kater.
Da kann man nichts machen.
Der Lila-Stich liegt übrigens am Handy. Die Kamera rollt nur die Augen, wenn ich was von ihr will.
Grrr.
Und das, trotzdem ich NICHT im Lotto gewonnen habe. Nicht das geringste.

Heute

wird Karlchen kastriert.
Es fing gestern Abend schon an, das Drama. Er sollte ab 18 Uhr nicht mehr fressen. Unglücklicherweise habe ich nicht nur eine Katze, sondern vier. Die Herrschaften lassen sich gern Zeit mit ihrem Dinner, also werden in der Regel gegen 18 Uhr die Dosen geöffnet. Man begibt sich zu den Näpfen, schnuppert, zieht die Augenbrauen hoch („Das meinst du doch nicht ernst??“) und dann wird, je nach Temperament und Hunger, das Abendessen in Angriff genommen.
Emily frisst. Einfach so, ohne viel Theater, und ohne weitere Probleme mit dem, was ihr die Dose so anbietet. Karlchen frisst auch, mit Wonne, Ausdauer und wahrer Hingabe. Es freut die Dosenöffnerin, wenn es mal jemandem schmeckt. Denn: Paul geht hin, schaut nach, und geht erstmal wieder. Eddie verscharrt das Futter, mit allen Zeichen des Abscheus. Er mag nicht.
Er mag nie. Nur Leckerli. Malzpaste, Vitaminpaste, Käse- da kriegt er gierige Augen.
Paul überlegt es sich irgendwann anders und frisst dann mit Todesverachtung. Aber Eddie hab ich sehr, sehr selten an den Näpfen gesehen. Meist höre ich ihn nur. Scharren, wie gesagt.
Der Erfolg ist, dass Futter in den Näpfen bleibt. Die Morgenration ist oft abends noch zur Hälfte vorhanden. Ich weiß, dass man nach einer dreiviertel Stunde abräumen soll… irgendwie bring ich das nur nie übers Herz. Kann ja sein, dass einer Hunger hat, und dann?

Jedenfalls war gestern Abend fasten angesagt, und heut Morgen auch. Zur Prophylaxe, und damit abends etwas flotter gespeist würde, hab ich gestern Morgen schon weniger als üblich gegeben, und die Bande hatte Hunger. Gegen sechs hab ich also gehorsam die Schüsselchen entfernt, und die Reste in die Tonne geworfen.
Um halb sieben legten Geräusche aus der Küche das Entstehen einer Intrige zur Öffnung der Mülltonne nahe, also hab ich den Müll erstmal raus gebracht.
Ab sieben wurde jedes Mal, wenn ich mich von der Couch erhob, freudiges Lassie-Verhalten sichtbar. D. h., ein schwanzwedelndes (ja, wie Hunde, nur ohne Bellen) Defilee Richtung Küche setzt ein, mit Blick über die Schulter und allem, um der blöden Dosenöffnerin mal zu zeigen, wo das Futter steht. Nachdem alles Bemühen fruchtlos blieb, wurde der Zorn dann an den Kollegen ausgelassen. Der Geräuschpegel war beträchtlich.
Die hoffnungsfrohen Augen, als ich mich mit meinem Abendessen hinsetzte, waren schwer zu ertragen.
Naja, und auch meine Nacht erwies sich als kurz, da man bereits gegen sechs beschloss, dem Elend ein Ende zu machen. Bevor sie die Tür zu meinem Zimmer eintreten konnten, habe ich mich ihrer erbarmt und bin zwecks Verteilung aufmunternder Sprüche und Streicheleinheiten aufgestanden.
Futter gabs nicht.
Um halb acht dann hab ich den Zwerg eingetütet und dann den anderen dreien ihr Mahl serviert.
Die saßen wirklich in Reih und Glied, und haben SOFORT los gelegt.
Dann hab ich mit dem Zwerg im Kasten die Wohnung verlassen, um die Zeit bis zum Termin um neun im Büro zu verbringen. Armer Zwerg. Autofahren kennt er kaum, Büro gar nicht, und alles roch so anders…
Der kurze Fußweg zum Tierarzt dann, entlang einer belebten Hauptstraße und bei Sturm, hat dem Mäuschen den Rest gegeben. Das Handtuch, das ich in die Kiste gelegt habe, hat er unterwegs zweckentfremdet und sich drunter versteckt, platt wie eine Flunder auf den Boden gedrückt. Ein vorwurfsvolles Auge, das noch kurze Zeit zu sehen war, war dann auch verschwunden, als er die Tierarztpraxis roch. Die TA-Helferin hat ihn suchen müssen.
Um 16 Uhr werde ich ihn abholen, und dann ist er hoffentlich ganz wach, bis wir zu Hause beim Rest der Bande sind.
Und ab heute singt er dann Sopran.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Küchenfranzösisch. Oder Jägerlatein?

So.
Da gibt’s also einen neuen Fachausdruck für schlecht ausgebildete Menschen:
Die bildungsfernen Schichten.
Wenn man sich das fein auf der Zunge zergehen lässt, suggeriert dieser Terminus einen Zustand, der entweder auf Verweigerung beruht (warum geht der Depp nicht näher an die Bildung dran? Hä?) oder kennzeichnet eine fast schon naturgegebene Entfernung zwischen den Menschen und formaler Bildung, die lediglich mit Hilfe einer Art Kontinentaldrift zu beseitigen ist. Jedenfalls ist das etwas, was staatliche Verantwortung irgendwie ausschließt… Halt geologisch. Schichten und so. Und auch noch fern: Also erstmal nicht unser Problem.

Die Prägung von Euphemismen wie Entsorgungspark für Müllkippe, oder Freisetzung von Mitarbeitern anstelle von Kündigung, ist ja seit einigen Jahren in Mode. Ein Schelm, wer anderes dabei denkt, als dass Sprache sich halt – entwickelt. Auch so was Naturgegebenes. Keinesfalls ein Instrument politischer Machtausübung zur Verschleierung von unhaltbaren Zuständen. Natürlich nicht.



Aber Sprache entwickelt sich tatsächlich. Nee, ehrlich, und von ganz alleine.
Ein Beispiel? Bitte schön:

Besonders deutsch ist der Reh-Gips. Man trifft ihn immer wieder in Baumärkten an, und überall da, wo Menschen zusammenkommen, um Räume zu trennen. Das besonders deutsche daran ist die Verwandtschaft zum Gartenzwerg, denn auch der ist meist aus Gips. Anders als den Gartenzwerg hingegen gibt es den Reh-Gips nicht aus Beton, und auch nicht aus unverrottbarem Kunststoff (wg. saurem Regen und so). Ebenso wie sein Bruder in der Natur (nicht der mit der Mütze, sondern der mit dem Geweih) tarnt sich der Reh-Gips gern; vorzugsweise mit einem Schild, auf dem in 12 Zentimeter hohen Lettern Rigips steht.

Noch eins?

Bullerbäss.

Man staunt, und man wundert sich, wozu eine schlichte Gemüsesuppe im Laufe der Zeit so verkommt, wenn man eine gewisse Kreativität bei der Aussprache ins Spiel bringt. Bis ich mitgekriegt habe, dass vom Kochen die Rede ist, hatte ich schon laute Geräusche einer bassbetonten Stereoanlage ausgeschlossen, das passte vom Kontext her eher nicht.
Und das wäre ja auch ein Buller-Bass gewesen, oder aber Buller-Bässe.

Auch ein Bezug zu Astrid Lindgrens Kinderbüchern kam offensichtlich nicht in Frage.
Die Suppe hat mich dann aber in die Knie gezwungen.
Eine enge Verwandte, sozusagen die Schwester der Bullerbäss, ist die Meinstrohn. Das kommt von zu viel Englisch und zuwenig Italienisch in der Schule, Mädels und Jungs!

Für die, die nicht drauf gekommen sind: Minestrone.
Capisce?

Ach ja, und allseits beliebt, aber darum nicht richtiger:
Triologie.

Google sagt dazu:
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 276.000 Seiten auf Deutsch und Englisch für Triologie
Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 1.920.000 Seiten auf Deutsch und Englisch für Trilogie.

Hab ich schon bei Leuten gehört, die einen Deutsch-Leistungskurs erfolgreich absolviert haben. Spricht das jetzt für Bildungsferne beim Lehrer? Oder für Literaturferne des Unterrichts? Oder für schlichtes Falschlesen (i. e. Realitätsferne…)?

Beliebt in Chat’s recht’s und link’s (<-- das hat Spaß gemacht :-)) ist eine kreative Angleichung verschiedener Sprachen.

World-of-Warcraft-Volapük, sozusagen.
Da ist eine Gruppe Allianzler oder eine Horde der Horde unterwegs, und stürzt sich dann „on mass“ ins Getümmel. Dabei ist man „on gard“, wegen der Monster und so.
Ist das jetzt Frenglish? Oder Franglais? Egal, keiner schreibt es richtig, alle verstehen, was gemeint ist.


Deshalb hab ich auch die Frau verstanden, die mir im Vertrauen erzählte, dass ihr Kind aus einem Online-Standing stammt.

Ich hätte mir die IP gemerkt, schon wegen der Alimente.

Montag, 3. Dezember 2007

Mal ehrlich-

43 Mio € im Jackpot. Halleluja.

Das schlägt –konversationstechnisch- momentan das Wetter weit auf Themen-Rang 2 ab. Mindestens.
Und man hört die liebgewonnenen (okay, sagen wir: Die bekannten) Ansichten zu dem Problem, mehr Geld zu haben, als anständigerweise einem Menschen alleine zustehen sollte.

Geld (als Mittel zur Bewertung und Erlangung von Waren und Dienstleistungen) verliert für mich seinen Sinn und seine Berechtigung da, wo die vorhandenen Mittel für einen Menschen nicht mehr ausgebbar (= gegen Waren und Dienstleistungen austauschbar) sind.

Ein Beispiel: Ich habe noch -vielleicht- 40 Jahre zu leben. Das sind über den Daumen gepeilt (Mathe…) 480 Monate. Sofern ich 43 Millionen Euro gewinnen würde, und sie nicht anlegte, sondern einfach so auf das Konto packen oder unter die Matratze schieben, wären das im Monat bis zum Ende meines Lebens knapp 90.000 €. Sind 3000 € am Tag.

Legte ich sie auch nur ultrakonservativ zu 5 % an (aus der Luft gegriffener Prozentsatz, bitteschön!) kämen jeden Monat 180.000 € dazu. Sind 6000 € am Tag. Vor Steuern.

Natürlich addiere ich diese Beträge jetzt nicht, ich bin zwar mathedoof, aber nicht ganz durchgeknallt.
Ich könnte vielleicht einen Teil des Kapitals nutzen, um Hauskauf, Autokauf und dergleichen zu realisieren.
Und dann für meine Luxuskutsche eine Garage kaufen, damit das Auto es schön warm hat.
Und am besten noch ein Kabrio dazu, für schöne Tage, und einen Geländewagen, falls es schneit, und ein Motorrad, damit der Führerschein (den ich seit 6 Jahren nicht mehr genutzt habe) ein bisschen Auslauf bekommt.

Dann brauche ich jemanden, der mir bei der Reinigung und Verwaltung und Instandhaltung meiner Immobilien zur Hand geht (klar sind’s inzwischen mehrere, denn wer will schon ausschließlich im trüben Nordwestdeutschland wohnen?)
Da ich weder in mehr als einem teuren, unfall- und diebstahlträchtigen Fahrzeug zu einer Zeit sitzen, noch in mehr als einem Haus zur gleichen Zeit wohnen kann, muss ich beides hoch versichern.

Dazu brauche ich eine größere Garage, der Jeep und die Triumph sollen ja nicht draußen übernachten, jemanden, der die Pferde füttert, wenn ich auf den Seychellen (oder in der Arktis oder wo immer „man“ gerade Urlaub macht) bin, und Leute, die die Wiese mit der Nagelschere kürzen, wenn ich keine Zeit zum Rasenmähen habe.

Die Bus-Technik in meinen Häusern ist nicht so ganz ausgereift: Mein Kühlschrank bestellt ständig Milch nach, also halte ich einen ganzen Elektronikerstab am Leben, damit nicht mehr gekauft wird, als ich verzehren kann. Wenn bitte schön jetzt jemand diesem Gerät noch beibringen könnte, dass ich keine Milch vertrage?

So langsam kommen die 180.000 € im Monat an ihre Grenzen…

Und wie sieht die Realität jetzt und hier aus?
Gut, ein bisschen flüssiger zu sein wäre schön. Aber so? Viel Geld für Dinge ausgeben, die man nicht braucht?
Für Bedürfnisse, die das Geld hat? Denn das Wochenendhaus würde nur zum Teil für die Bewohner gepflegt, nur zum Teil wäre das Geld für mich ausgegeben. Der Großteil wäre Geld, das zur Pflege der Geldanlage gebraucht wird. Eine Dienstleistung, die zu bezahlen ist, weil Geld ausgegeben wurde.
Die meisten mit diesem Lebensstil verbundenen Ausgaben sind keine mehr, die mit mir persönlich und meinen eigenen Bedürfnissen in Verbindung stehen, und die was mit der Beschaffung von Dienstleistungen und Waren, die ich brauche, zu tun haben.

Und wenn man das Geld nicht für derartige „Wertanlagen“ ausgibt?
Wenn man nicht ein Wochenendhaus kauft, sondern in ein Hotel (meinetwegen ein teures) geht, und es sich dort gut gehen lässt? Wenn man mit den 6000 € am Tag (!) versucht, auszukommen?
Nun, dann, vorausgesetzt, es kommt keine fiese, miese Abwertung, sollte das Kapital immer mehr werden.
Nur- wofür?
Zur Weitergabe an seine Nachkommen?
Ich schulde meinem Kind keinen Riesenhaufen zu vererbendes Geld. Ich schulde ihm eine angemessene Ausbildung, damit er sein Leben leben kann, so, wie er es sich aufbauen kann und will. Die Ausbildung bekommt er, ich finanziere sein Studium (ächz).

Für wohltätige Zwecke?
Dazu braucht es nicht erst in den Safe eines Privatmenschen zu wandern- das kann der Staat mittels Einflussnahme auf seine Lotto-Gesellschaften viel eher erreichen.
Um es weiter wachsen zu lassen, durch Anlage und Investition?
Das verschiebt das Problem in die Zukunft, beantwortet aber die Frage nicht.

Wie schon oben gesagt, Sinn des Geldes ist für mich eine Abbildung von Waren- und Dienstleistungswert und die Schaffung der Möglichkeit für den Geldbesitzer, sich in den Besitz von eben jenen Gütern zu bringen.
Es einfach nur zu sammeln widerspricht diesem Sinn.
Es zu verschwenden ohne einen realistischen, erstrebenswerten Gegenwert, widerspricht dem Sinn auch- wobei eine Sauftour durchaus einen erstrebenswerten Lustgewinn darstellen kann. Es geht mir nur um die Überschreitung der persönlichen Nutzen-Schwelle.
Also die vierte Sauftour in Folge, weil der Gastwirt Hunger leidet, und nicht, weil ich Durst habe.
Gesamtwirtschaftlich gesehen macht natürlich alles das schon einen gewissen Sinn, weil der Staat Steuern fordert, und gezahlte Löhne wiederum den Staat erfreuen, und sinnfreier Konsum den Rest der Wirtschaft ebenfalls ganz, ganz glücklich macht.
Aber das ist nicht mein Thema. Sondern die Frage, was man- ganz ehrlich- mit 43 Millionen Euro als Durchschnitts-Würstchen eigentlich anfangen soll.

Reichte nicht auch ein Bruchteil völlig aus?
So, dass man sein Häuschen kaufen, sein Auto reparieren lassen und in Zukunft öfter reisen kann? Vielleicht auch die Arbeitszeit reduzieren, ein Studium finanzieren oder früh in den Ruhestand gehen? Ein Leben beginnen, wie man es immer führen wollte?
Ohne Sorgen wegen zu viel Geld?
Ohne dass man Angst haben muss, dass irgendeinem Psychopathen einfällt, Lösegeld für ein Kind fordern zu müssen?
Ohne dass man aufpassen muss, dass jemand erfährt, dass man richtig dicke abgesahnt hat?

Ich hätte jedenfalls keine Lust, den Rest meines Lebens nichts Sinnvolles mehr zu tun zu haben, außer dem täglichen Bad im Geldspeicher.
Lieber wäre mir, die Möglichkeit zu haben, mir einen Beruf zu suchen, der mich zufrieden macht, und bei dem das Geld nicht die primäre Motivation darstellt, um jeden Morgen im Betrieb aufzutauchen.
Lieber wäre mir, dass ich nicht überlegen müsste, ob mein Vermieter noch zwei Notfallkatzen toleriert, und ob ich sie mir auch leisten könnte.
Ich würde gern meine Musik wieder in Stereo hören. Da ich kein besonders feines Öhrchen habe, reicht auch Mittelklasse, danke schön!

Vielleicht würde ich auch meine alte Golf-Kiste gegen einen neueren Wagen austauschen. Aber ich hänge an dem alten Schätzchen.
So, und dann? Ein schöner Urlaub für einen längeren Zeitraum in Neuseeland, und danach nach Irland.
Dafür reicht weitaus weniger als diese perverse Summe.
Werde ich am Mittwoch spielen? Ja, klar doch.
Und im Falle, dass----?
Ich würde es verschenken. Und weil ich niemanden kaufen will, würde ich das heimlich tun.

Und dann? Siehe oben.

Samstag, 1. Dezember 2007

I have to...

correct me.
I managed to watch again The Fellowship of the Ring. This time in English. Unfortunately, my stereo's a crap, so I had to use the TV-set alone, and there's a lot of background sounds to distract me.
So now I have to confess, that much of this kitschy impressions of the German edition is due to the German voices. There's no trace of the weak, wailing way of talking in the original version. Galadriel sounds powerful and at times even angry, and Arwen is no girly, purrly white-clad wifey, too.

Freitag, 30. November 2007

Behind The Scenery

This year’s returning ritual of watching the Lord Of The Rings Extended Edition, usually taking place around Christmas, started somewhat early, in November.
So on Tuesday I began with The Fellowship of the Ring and The Two Towers, and Wednesday night I finished The Return of the King.
They’re becoming more and more kitsch, but I’m still impressed by the making-of stuff that comes on 6 additional DVDs.

So when the films are finished, there’s a lot more to see, and thankfully this time I managed to shut down those f… subtitles- for all my English erodes from my brain as soon as there are German words on the screen.

However, I found it extremely difficult to understand what was said there, even though it’s all English (probably...)
But there seem to be Americans, English people, Scots, People from Australia and New Zealand with all their individual dialects… and this amazingly beautiful Viggo Mortensen, who’s talking in a language I did not understand at all. And I don’t talk of his speech at Copenhagen. Perhaps it’s something about his voice? I don’t know.

It’s awe-inspiring to learn of the huge amount of work behind it all: The armoury, the weapons, the prosthetics, the make-up and clothes, the computer generated animation, how they built the trees and constructed Minas Tirith, Helm’s Deep and Mordor- it’s all equally fascinating.

The arrows of orks and elves are decorated differently, though no one will be able to see this in the film. The swords used by Aragorn and Gandalf and about one hundred more are real swords, and lots of the armoury was made from light-weighted plate steel and leather, by two Armoury smiths, earning their living in New Zealand.
All the Rohirrim cavalry fighting in the siege of Minas Tirith consisted of in fact about 250 real horses with their riders, multiplied by computer rendered imagery- and every time you see a horse going down it’s one of the digital ones, so no harm was done.
And you learn why the big olifants or Mûmakil don’t make elephant-like trumpeting noises…

It’s a touching moment when Peter Jackson, the Director, let’s Elijah Wood repeat the last scene with Sam over and over again, just to not have to say “cut”- it’s the last pick-up shot, and he just doesn’t want to say good-bye.

The quality of this additional material makes up for all the kitschy moments of the actual film- especially in all the scenes with Galadriel or Arwen. Cate Blanchett is a beautiful woman, and so is Liv Tyler, but all this blinding lights and sentimental music makes me rather sick.
I prefer the orks fighting their way into Helm’s Deep, or the Mûmakil on the Pelennor field trampling down the Rohirrim. Hehe.

But still, kitschy or not, Annie Lennox’ last song “Into the West” is one of my favourites.


And New Zealand itself remains one of the places I dream of… I can’t imagine anyone here in Germany having the idea to put a picture of a movie character onto a plane – let alone a Lufthansa-Boeing. It’s impressing to see the people in Wellington at the world premiere of The Return of the King, all their excitement and pride they take in it. So there’s not only landscape and mountains and animals. I’d also like to get acquainted to the people there.

Maybe if I win the lottery my next posting will come from Tongariro National Park.
There’s a 38 million Euro-jackpot this Saturday. Keep your fingers crossed :-)

Dienstag, 27. November 2007

Der Trübsalbläser

Es war einmal ein Mann, der war beinahe so wie alle anderen Menschen. Der stand morgens auf, ging zur Arbeit und kehrte abends zurück. Er kochte das Essen und aß es, wusch die Wäsche, hing sie auf, bügelte und faltete sie und legte sie wieder in den Schrank. Er tankte sein Auto, fuhr ab und zu damit in die Waschstraße, ging sonntags spazieren und in den Ferien fuhr er an die See.
Anders als viele andere Menschen jedoch blies er Trübsal.
Es gibt keine Schule, an der man das lernen kann. Dazu braucht man Talent.
Es gibt kein Orchester, in dem man es spielt, wenn man es beherrscht.
Trübsal ist ein einsames Instrument und wird daher allein geblasen.
Und allein war der Mann, sehr allein.
Nicht, dass es ihn gestört hätte.
Manches Mal fragte er sich, ob er nicht etwas vermissen sollte, wenn er sonntags morgens allein aufwachte und später allein vor seiner Tasse Kaffee saß. Doch es fiel ihm nichts ein, was er vermisste, und für das er nicht hätte etwas aufgeben müssen.
Danach übte er ein bisschen Trübsal blasen und wurde immer besser darin.
Das Geräusch, das von Trübsal erzeugt wird, ist Stille. Und wenn der Mann blies, dann wurde es um ihn herum so still wie in einem schalltoten Raum, oder wie in der Wüste. Wenn kein Wind weht.
Je öfter der Mann blies, desto besser wurde er. Ja, er wurde bald so gut, dass nicht nur Stille einkehrte, wenn er sein Instrument ansetzte, sondern dass sogar negativer Lärm entstand.
Draußen konnten die Menschen lautstark feiern, doch in der Wohnung des Mannes herrschte Grabesruhe. Nebenan lachten ein paar Kinder so laut und lang, dass sich Nachbarn beschwerten. Er jedoch vernahm nichts, weil die Stille ihn so sehr betäubte.
Bald schon war der Mann so gut darin, Trübsal zu blasen, dass er es nachts im Schlaf konnte. Seine Träume wurden leiser und leiser, und mit dem Ton schwanden auch die Farben in der Nacht.

Eines Morgens wachte der Mann auf, und als er ins Badezimmer ging, stellte er fest, dass er sich nicht mehr gut im Spiegel betrachten konnte. Er selbst hatte etwas von seinen Farben verloren, und an seinen Rändern schimmerten die Fliesen durch ihn hindurch, wenn man genau hinsah.
„Schau an, schau an!“ sagte der Mann zu sich, duschte, zog sich an, und ging zur Arbeit.
Mit der Zeit gewöhnte er sich an die blasse Gestalt im Spiegel, und daran, dass seine Arbeitskollegen ihn immer seltener grüßten.

Es fiel ihm schwerer, abends mit dem Blasen aufzuhören, und stattdessen schlafen zu gehen, denn da war nichts mehr, auf das er sich hätte freuen können. Wer träumt schon gern in Grautönen?
Weil er wenig schlief, war er immer öfter müde, und schlief an seinem Schreibtisch ein. Und dann träumte er wieder, grau und still.
Eines Morgens bemerkte er, dass er die schwere, gläserne Eingangstür zu dem Gebäude, in dem sein Büro lag, nicht öffnen konnte. So sehr er auch zog, sie bewegte sich keinen Millimeter. Da zuckte er die Achseln und ging nach Hause, um weiter Trübsal zu blasen.

Wo war ich…

vor 10 Jahren?

Da wusste ich bereits, dass meine Ehe gescheitert war. Ich wollte es aber nicht wissen, ich wollte verhandeln, etwas verändern, reden mit dem Mann, der mir so vertraut war wie meine eigene Haut. Aber ich war immer noch da, in dem Einfamilienhaus mit Garten, Hund und Kind, mit dem großen Kombi vor der Tür, und dem Bausparvertrag.
Mitten in meinem persönlichen Verkleidungs-Spiel. Und so musste ich noch eine Weile weiter durch die Welt stöckeln, in den Schuhen meiner Mutter und mit dem Hut meiner Tante, der mir immer über die Augen rutschte.
Leider spielte ich allein, wie ich dann etwas später entdecken musste.
Oder die Regeln hatten sich geändert, ohne dass mir das jemand gesagt hätte.
Und die neuen Regeln sahen keine Verhandlungen vor.
Teufel auch.Ich bin dann gegangen, ein knappes Jahr später.

und vor 5 Jahren?
Seit einem dreiviertel Jahr hatte ich mit neuen Regeln zu kämpfen, mit diesen habe ich bis heute keinen Frieden geschlossen.
Ein neuer Mann war da, den ich überhaupt nicht verstand. Dass ich gehen würde, war klar.
Unklar war nur der Zeitpunkt.

Vor einem Jahr…
Die Regeln haben inzwischen zurückgeschlagen und mir mehrmals deutlich gemacht, dass Physiologie und Gesundheit kein Gefuchtel und keine Spielchen dulden.
Dennoch: Wieder ein anderer Mann. Der so ziemlich um diese Zeit beängstigende Tendenz zeigt, sich zu verbergen und für mich unverständlich zu machen. Unnötig zu erwähnen, dass ich kurze Zeit später gegangen bin.

vor einem Monat…

habe ich über die Entscheidung gebloggt, dass ich Ernährung umstellen, Rauchen aufgeben und überhaupt ein besserer, schönerer, stromlinienförmigerer Mensch werden wollte; angefangen mit solchen Dingen wie epilierten Beinen und so.
Kurze Zeit danach habe ich mich bei einem Online-Diät-Coach angemeldet, und mir somit ein neues Schlachtfeld mit bekämpfbaren Regeln geschaffen.
Ansonsten im Westen nichts neues. Nicht mal Männer.

vor einer Woche
habe ich mich mit Alltag beschäftigt. Nichts besonderes erkennbar.

Gestern
habe ich Zeit mit meiner Familie verbracht. Den unweigerlichen Unterströmungen bin ich ausgewichen, weil
a) die zugrunde liegenden Probleme von mir nicht gelöst werden können. Ich bin nicht Teil der Auseinandersetzung, und Vermittlungsversuche meinerseits sind gescheitert.

b) es nicht meine Feier war. Im Mittelpunkt stand jemand anderer. Ihm zuliebe hätten sich alle Beteiligten auch mal ein bisschen beherrschen können. But we did have fun, did we??



Wo werde ich morgen sein:

Um diese Zeit? Vermutlich hier. Oder unterwegs, wer weiß das schon.

Und wo in einem Jahr?

Nun, das ist eine interessante Frage. Ich fühle Veränderungen in mir, ziemlich dicht unter der Oberfläche. Weniger in Form von Antworten, eher als Fragen. Vielleicht sind es endlich die richtigen.

Montag, 26. November 2007

Zahlen

Bisher habe ich mich nicht damit aufgehalten, irgendwelche Klickzähler hier einzubauen, weil mir das als zuviel Stress erschien (und ich nicht weiß, wie man das macht- aber das lern ich auch noch :-))
Ich weiß, dass hier mitgelesen wird, weil man mir das erzählt. Und ich kann sehen, wie oft die persönliche Info abgerufen wird. Bis auf Helen letztens sind zwar noch keine Kommentatoren unterwegs, aber die Hoffnung stirbt zuletzt :-)
Natürlich habe ich drüber nachgedacht, etwas an dem zu ändern, wie oder was ich poste- aber ehrlich gesagt, ist das auch eine Übung im Stursein. Darin, meine Tour zu reiten, und nicht irgendwelche vermeintlichen Ansprüche an mich zu erfüllen. Eine Übung im Ich-Selber-Sein.
Dabei fällt es mir nicht besonders leicht, ins Blaue hinein zu schreiben, ohne ein Gegenüber, das mir mit seinen Reaktionen zeigt, wo ich stehe. Also quasi monologisch. Gibts das Wort?
Ich habe in den letzten Tagen angefangen, nicht nur auf meinen Lieblingsblogs zu kommentieren, sondern auch den Link hierhin zu hinterlassen. Was nicht sehr sinnvoll ist, weil es bisher alles amerikanische Blogs sind, und von den Autorinnen keine Deutsch spricht. Die Erfahrungen mit den Links zu Helens Blog haben mir gezeigt, wie schnell man sich missversteht. Sie hatte den Link auf ihren Blog zurückverfolgt, versucht, den Post über die IVF- Sache mittels Babelfish zu übersetzen, und ihn komplett missverstanden- und dann selbst ein Posting dazu verfasst. Ich wusste SOFORT, dass sie mein Posting meinte, wenn sie auch die Diskretion besaß, die URL nicht zu erwähnen, und musste das richtig stellen. Seither gibt es Doppelposts, wenn ich mich auf englischsprachige Blogs beziehe, das übt ungemein.
Dies ist hier also eine Übung im Dabei-Bleiben. Was, wie erwähnt, für mich ein Problem ist, denn ich halte abweichende Meinungen nicht gut aus. Sachliche Diskussionen schon, aber in Bezug auf zwischenmenschliche Auseinandersetzungen bin ich eine Niete. In einer Art Automatismus versuche ich, solchen Dingen aus dem Weg zu gehen. Meist damit, dass ich versuche, herauszufinden, was der andere wohl jetzt gerade denkt, meint, beabsichtigt, und jeder möglichen Kritik zuvor zu kommen.
Solange es um Lappalien geht, hilft das, unnötigen Stress zu verhindern. Leider gehts oft nicht um Lappalien. Sondern darum, ICH zu bleiben. Es fängt mit Kleinigkeiten an, und endet meist in einer beendeten, oder in einer sehr unbehaglichen, von Unsicherheit geprägten Beziehung. Und damit meine ich nicht nur Partnerbeziehungen. Für die ist das natürlich ohnehin der GAU, weil es nichts langweiligeres gibt, als jemanden, der sich nicht auseinandersetzt, und den Weg des geringsten Widerstandes geht, indem er immer nur allem zustimmt. Aber es richtet auch Schaden in einem selbst an. Man zahlt dafür, und nicht zu knapp. Denn es kommt der Tag, an dem man kein klares Gefühl mehr dafür hat, was wichtig ist, und was nicht.
So, als ob die Federn im Urteils-Apparat, in der Zielsetzungsautomatik und der Traum-Fabrik ausleiern.
Wenn aus einem Nebenzimmer in meiner Arbeit laute Stimmen kommen, zucke ich zusammen, und will schnell schlichten- vor allem, wenn alle Beteiligten Kollegen sind. Auseinandersetzungen mit Kundschaft sind was anderes, die sind mir eher gleichgültig.
Wenn in einem Film ein Mann eine Frau anspricht (und bei den meisten Filmen weiß man ja, ob die Beteiligten rein drehbuchmäßig zusammenkommen sollen) und die Frau antwortet schnippisch oder abwehrend, macht mir das körperlichen Stress. Meine eigene Strategie wäre eine andere, das weiß ich. Ich weiß auch, dass sie erfolglos ist, aber dennoch.
Der Witz ist, dass ich natürlich trotzdem wütend bin, wenn etwas nicht nach meinem Kopf geht. Angeblich spürt man das auch- eine Freundin sagte mal, die Luft würde vibrieren, wenn ich sauer bin. Aber die Luft vibriert ohne Beteiligung meiner Stimmwerkzeuge, und ohne dass das, was ich will, wirklich deutlich wird. Wenn ich dann darüber nachdenke, wie ich der Wut oder dem Zorn oder der Trauer Ausdruck verleihen soll, ist die ganze schöne Emotion einfach -weg.
Wie ausradiert und wegzensiert.
Sie kommt dann wieder, nachts, wenn ich im Schlaf mit den Zähnen knirsche.
Irgendwann sag ich dann trotzdem was. Und komme aus den Schuhen wie das sprichwörtliche HB-Männchen. Mit unerwarteten Folgen- als ich das letzte Mal versucht habe, einem Partner nahezubringen, dass es mich verletzt, wenn er mich versetzt und unerreichbar ist, hab ich -versehentlich- Schluss gemacht.
Insofern ist das hier eigentlich auch eine Art Gymnastik, Training für die ausgeleierten Federn und Zahnräder. Wer auch immer hier mitliest, wird sich damit abfinden müssen. Oder kommentieren :-))
Have a nice one.

Sonntag, 25. November 2007

Soeben im Arbeitszimmer














Willst du was?














Wieso störst du mich dann?

Ach,

und: Das Chili ist NICHT für mich gedacht.

Heute

Es ist kalt/Ich renn dauernd zum Klo/Die Katzen machen ernst damit, sich totzubeißen/Es ist kalt/Draußen regnets/Ich mach ernst damit, die Katzen auszusetzen wenn sie sich weiterhin gegenseitig so fertigmachen (Scherz. SCHERZ!!!) /Ich koche gleich einen Rieseneimer Chili/Es ist immer noch KALT und draußen REGNET ES/ Ich hab gestern Abend meinen neuen Pullover zu Ende gestrickt und er sieht gut aus/Meine Pumpe ist schon wieder leer.

Samstag, 24. November 2007

Bloggen mit Katzen

Katzen sind was Schönes. Es gibt nichts besseres als abends im Winter auf der Couch zu sitzen, umgeben von schnurrenden und hochzufriedenen Pelztieren, die dich wärmen. Auf meinem Schoß liegt der Kleine, eingerollt wie ein Baby, und schielt ab und zu zu mir hinauf. Er schnurrt so laut, dass man es bis ins Nebenzimmer hört, und von Zeit zu Zeit gibt er seiner Liebe Ausdruck, in dem er versucht, mir ein Stück aus dem Arm zu beißen. Ganz liebevoll, versteht sich. Leider hat er keine niedlichen kleinen (wenn auch scharfen) Welpenzähnchen mehr, sondern seit kurzem ausgewachsene Raubtierreißzähne. Außerdem hat er eine Schmutznase. Die kriegt er nicht richtig sauber. Seine zwei Pflegebrüder hatten das in dem Alter auch, das gibt sich, irritiert aber trotzdem.
Immer wenn er zubeißt, denke ich daran, dass mein erster Tierarzt sich geweigert hat, die Katzen mit Spritzen zu versorgen, wenn sie nur festgehalten werden. Er bestand auf einem Quetschkäfig mit einer verschiebbaren Seite, in der man den tierischen Insassen an eine Gitterseite drücken konnte, um dann gefahrlos zustechen zu können. Angeblich haben aufgrund der im Katzenmaul reichlich vorhandenen bösen Keime schon viele Tierärzte und deren Mitarbeiter schwere Infektionen davon getragen. Mein aktueller Tierarzt (sieht nicht so gut aus, aber ist weniger besorgt um seine Hände) hat diese Bedenken nicht geäußert, und hatte keine Probleme, die vier Patienten letztens nur von mir beschäftigen zu lassen, während er ihnen ihre Injektionen verabreichte. Sie haben auch kein Theater gemacht- kein besonderes, jedenfalls.
Karlchen jedenfalls liebt es, zwischendurch an mir herumzukauen. Es ist kein Abwehrbeißen oder auch nur die Spur aggressiv, sondern wirklich liebevoll- eher ein Knabbern. Er schaut dann gern ganz hingebungvoll.
Ich habe trotzdem keine große Lust darauf, weil es nämlich einfach schmerzt. Ich bin aber vorsichtig und ziehe den Arm oder die Hand nicht einfach weg. Dabei könnte er mir wirklich wehtun, bedenkt man die Stellung und die Neigung seiner Reißzähne.
Eddie und Paul, die beiden Großen, sind eher an distanzierteren Vergnügungen interessiert. Sie liegen gerne neben mir, oder klettern auf mir herum, wüst tretelnd. Da sie schon mit gut 7 Wochen von ihrer Mutter weg mussten, haben sie den Milchtritt nicht verloren. So lange ich meine alte Insulinpumpe mit Stahlkathetern hatte, haben sie manchmal dafür gesorgt, dass die Katheterstelle ganz nett gezwiebelt hat. Neun Kilo Katze, die einem mit spitzen Pfötchen den Bauch massieren, sind schon ein Erlebnis. Nicht, dass ich sie nicht sofort runtergeworfen hätte, ich bin ja nicht masochistisch veranlagt. Aber für ein oder zwei schmerzhafte Tritte hats oft genug gereicht. Die PU-Katheter, die ich jetzt benutze, sind da schon besser. Das instinktgebundene Verhalten des Milchtritts ist nämlich nicht abgewöhnbar.
Prinzessin Emily liegt derweil einen Meter von mir entfernt und verlangt dringend, gekrault zu werden. Je weiter weg, desto besser, findet sie. Auch hinter meinem Rücken zu liegen, ist ganz toll, dann ist sie in Sicherheit davor, dass jemand sie hochnehmen und richtig kraulen könnte. Die wenigen Gelegenheiten, bei denen sie mal auf den Schoß will, sind daher immer etwas besonderes. Leider sucht sie sich immer Zeiten aus, zu denen ich nicht einfach sitzen bleiben kann, und ist dann schwer beleidigt, wenn man sie runter befördert.
Am Rechner sitzen ist wiederum etwas ganz anderes. Irgendwas muss sie anlocken- das Surren der Platten und der Lüfter, hochfrequente Signale des Monitors oder das Klappern der Tasten... Vielleicht aber spüren sie auch, dass ich gerade nicht auf sie konzentriert bin. Kaum fährt der Rechner hoch, sind sie alle da. Schnurrend, Köpfchen gebend, liebebedürftig. Der dicke Paul (sorry Paul, soll keine Beleidigung sein!) nimmt auf meinem rechten Unterarm Platz, da gefallen ihm die Vibrationen meiner schmerzenden Muskeln vermutlich am besten. Eddie sitzt gern auf dem Monitor und fängt den Cursor. Karlchen will auf den Schoß und ein bisschen gehudelt werden, Emily sitzt hinter mir und maunzt verzagt, weil sich keiner um sie kümmert. Wie heißt noch die indische Göttin mit den vielen Armen? Kali? Keine Ahnung, sowas braucht man jedenfalls, wenn man vier Katzen hat.
Sobald man einen von ihnen verärgert, weil zum Beispiel ein Arm (sry, Paul, ich hab nur zwei und die sind mir sehr teuer) droht, abzufaulen, oder man seine Sitzposition ändert und einer runterzufallen droht, gibt es einen Protestmarsch. Über die Tastatur. Ich habe so eine kleine, sehr flache Tastatur, fast wie die eines Notebooks, mit sehr leichtgängigen Tasten und geringem Tastenhub, damit ich ordentlich schnell schreiben kann und da reicht schon ein scharfer Blick, um eine Taste zu betätigen. Interessant ist, welche Tastenkombinationen sie erwischen bei ihren Protestmärschen. Bildschirmlupe, kyrillische Zeichen, Fettdruck...
Der Monitor gibt seit kurzem merkwürdige Geräusche von sich, er wird vermutlich sehr, sehr warm unter seinem Katzenmützchen- ich hoffe, er hält noch etwas durch. Die ultimative Katzenbelustigung war jedoch mein Drucker, Friede seiner Asche. Da wuppte es, und surrte und klapperte- alles in einem Kasten, auf dem auch noch ein paar muntere LEDs blinkten. Und dann kam vorn ein Blatt Papier raus... Bei einer Umstellung des Papierformats konnte man aus der Katzenperspektive sehen, wie ein blaues Licht zwischen Papierauswurf und Gehäusekante hervorschien und hin und herhuschte. FAS-ZI-NIE-REND.
Wie gesagt, Friede seiner Asche. Drucken war nur bei geschlossener Tür drin.
Aber sie haben ihn nicht erledigt, das war ich selbst. Bzw. ein Naturereignis in Verbindung mit einem auf Kipp gestellten Fenster. Es hat schlicht reingeregnet. Und das hat ihn geschafft.
Zu den Zeiten, als ich noch eine der vielen, vielen Leute war, die online gespielt haben (World of Warcraft), war das teilweise so, dass nebeneinander zwei Katzen auf meinem Schoß saßen und starren Blicks den Bildschirm fixierten, meinen Charakter scharf unter Beobachtung, während der Kandidat auf dem Monitorgehäuse versuchte, mir gegen das Monster behilflich zu sein.
Mit zunehmender Größe der Fellnasen war es dann schwierig, überhaupt noch etwas zu sehen. Deshalb bin ich nie über Level 40 hinausgekommen...
Und vermutlich auch deshalb, weil ich nie einen wirklich martialischen, erfolgversprechenden Namen für meine Charaktere hatte. Meine hießen: Dietutnix, Gansharmlos, Thusnelda, Radkäppchen, Faery, Blueeyes und so weiter. Naja, in Wirklichkeit ist der mangelnde Erfolg wohl eher der Tatsache zu verdanken, dass ich keine große Lust hatte, soviel Zeit online zu verbringen, wie ich gebraucht hätte, um weiterzukommen. Außerdem spiel ich lieber alleine, und ab einer gewissen Ebene kommt man dann nicht mehr wirklich weiter. Man müsste sich also Gruppen suchen. Ich habe aber immer Charakterklassen mit nicht eindeutigen Fähigkeiten (und demzufolge nicht eindeutigen Aufgaben im Gruppenspielkontext) ausgesucht, damit ich eben auch alleine weiterkommen kann- also zum Beispiel Klassen, die zaubern und sich selbst heilen konnten und nicht nur Stoffrüstung tragen konnten. Wenn man dann noch eher selten online ist, ziehen die Gildenkollegen alle an einem vorbei, und man muss sich für alle Gruppenquests Randomgruppen suchen, die oft genug wirklich scheiße sind. Ich erinnere mich an die zwei Leute, die mit mir nach Blackfathom Deeps gegangen sind, und nachdem sie ihre Items zusammen hatten, einfach nach Hause geportet sind, und mich mit einem Kollegen, der gerade afk war, einfach so da zurück ließen. Echt toll gelaufen, Jungs...
Abgesehen davon, dass es hier um das Bloggen mit Katzen gehen sollte, ist WOW aber auch nicht das richtige Spiel für Frauen um die Vierzig. Und deshalb back to topic!
Und da hakt bei mir was ein. "Back" erinnert mich an Backen. Das wiederum erinnert mich an Zutaten. Die ich nicht habe, weil ich sie erst beschaffen muss, was mich auf die Einkaufsliste bringt, die im Wohnzimmer liegt, welches aufgeräumt werden muss, damit ich einkaufen gehen kann, um das Essen vorzubereiten zu können für die Feier am Montag...
Es wird Chili con carne geben, und Salat, und eine Mousse au Chocolat. Und ich hör hier jetzt auf, und geh duschen.
Katzen und Bloggen wirds noch öfter geben... wenn auch die Chancen für das vierbeinige Duftmonster, welches gerade hier nach Benutzung der Katzenkiste die Bude unter Kampfgas setzt, eher schlecht sind. Uärgh. Es stinkt.

Schönen Samstag.

Donnerstag, 22. November 2007

Thanksgiving (Translation included)

heißt hier ein bisschen verschämt „Erntedankfest“, und ist aus dem Bewusstsein der Leute großenteils verschwunden. Was vielleicht an der kirchlichen Anbindung dieses Festes liegt, vielleicht aber auch an der geschwundenen Verbindung des Lebens der meisten Leute mit so was wie „Ernte“.
In den amerikanischen Blogs die ich lese, ist hingegen vielfach davon die Rede. Und trotz der Tatsache, dass es sich um ein „gängiges“, etabliertes Fest handelt, und auch sicherlich Kommerz dabei eine Rolle spielt, fällt mir auf, dass viele den Anlass nutzen um darüber nachzudenken, wofür sie dankbar sind. Laurie zum Beispiel, und auch Cecily.
Wenn ich das, was ich bisher gelesen habe, richtig verstehe, ist Thanksgiving der große Feiertag, der die Weihnachtszeit einleitet. Die Betonung liegt auf der Zusammenkunft mit Freunden und Familie, der Weitergabe von Traditionen, und so verbindenden Dingen wie dem gemeinsamen Essen traditioneller, aufwändig zubereiteter Gerichte.
Wie bei allen großen Familienfesten gibt es sicherlich auch jede Menge Rituale, die nicht so witzig sind, wie vielleicht die dummen und aufdringlichen Fragen von Onkel Ernie, oder die grässlichen Tischsitten der Nichten und Neffen, aber es bleibt ein klassischer Anlass, um tatsächlich über die Dinge nachzudenken, die man erreicht hat und die man wertschätzt. Sowas geht im Alltag schnell verloren, vor allem auf dem Hintergrund, dass man sich viel zu oft vergleicht mit Anderen. Angefangen mit „Was hat der/die, was ich nicht habe?“ bis zu offenem Neid auf materielle Errungenschaften. Ohne dass man sich auch nur einmal fragt, ob man diese Errungenschaften selbst BRAUCHT oder ob man diese Eigenschaften oder das, was der andere verkörpert überhaupt haben oder sein will.

Ich zum Beispiel will gerne perfekt sein, bin aber meilenweit davon entfernt. Dieser Wunsch nach Perfektion ist leider kein Ansporn, sondern eine Bremse für jeden Versuch, mich dem Wunschzustand zu nähern.
Durch den Standard, den der Perfektionismus setzt, ist das Nichterreichen von Zielen quasi schon etabliert, wenn ich das Ziel ins Visier nehme.
Es fällt mir schwer, einfach nur mir vorzunehmen, etwas Bestimmtes zu erledigen, wenn da noch soviel mehr ist. Also zum Beispiel zu planen, das Küchenfenster zu putzen. Denn da ist nicht nur die Küche, da ist auch das Wohnzimmer, das Schlafzimmer, und das Arbeitszimmer. Alle mit Fenstern. (Das Bad hat keins.) Meine innere Überhausfrau sagt mir, dass das Küchenfenster eine Reinigung vertragen könnte, und die anderen Fenster sicherlich auch. Und schon türmt sich ein Fensterhaufen auf. Die Überhausfrau zieht sich dankend zurück, sie muss ja nicht putzen, das muss ich tun. Normale Menschen sagen sich: Jetzt mach ich schnell das Küchenfenster, und die anderen der Reihe nach, jeden Tag eins. Der Perfektionist, der erfolglose, sieht den Fensterhaufen und verfällt in eine Schreckstarre. Dabei finde ich Perfektionismus sehr unangenehm. Ich meine, wer will schon jemand Perfekten kennen? Ich nicht. Fände ich erstens langweilig, zweitens deprimierend (schon wegen der Vergleiche, die immer angestellt werden) und drittens langweilig. Ach ja, und deprimierend.
Wenn ich Leute erlebe, die irgendwas gut können, will ich das auch- und komme mir summa summarum immer hässlicher, unfähiger und dümmer vor. Eine genaue Sicht der Dinge zeigt mir aber, dass ich mich nicht mit EINEM Vorbild begnüge, sondern immer gleich mehrere habe. Keiner von denen ist in allen Bereichen gleich fit. Aber ich habe an mich den Anspruch, das zu sein. Und für das Erfolglos-Sein gibt’s dann eins auf den Hut. Aber richtig.

Statt sich also unerfüllbare Maßstäbe und Ziele zu setzen, wird es Zeit, da mal realistisch ran zu gehen.
Dazu gehört auch, dankbar zu sein für das, was man hat.

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Dinge, für die ich dankbar bin:

Ein halbwegs helles Köpfchen.

Ein Dach über dem Kopf

Einen recht gut gelungenen Sohn

Eine große Familie, mit guten Kontakten untereinander

Mein Schreibtalent (auch wenn es sich hier nicht so zeigt- ich kann ganz gut Kurzgeschichten schreiben)

Handwerkliches Geschick

Ein sicherer Arbeitsplatz

Immerhin. 7 Sachen. Und vier Katzen.

Und da ich wieder auf ein paar englischsprachige Blogs gelinkt habe, hier für den Trackback die englische Version:


Thanksgiving

is a holiday nearly unknown in this country. There is, in fact, something called Thanksgiving Day, but mostly associated to church, and to thankfulness for the annual harvest of farmers.

It has lost the connection with the average people’s life, perhaps due to the fact that less and lesser people attend church, and more and more people live in towns without actual awareness of the importance of rich harvests.

The American blogs I read do talk about Thanksgiving a lot, eg Laurie and Cecily. And in spite of the fact that it is a well established (and therefore maybe rather ritualised) holiday, they all write about the things they are indeed thankful for.

If I understood correctly, Thanksgiving is the starter of the annual holiday season, leading straight to Christmas, and to gatherings of family and friends. It includes a lot of traditional elements, mostly connected with sharing meals and coming together with beloved ones.

As usual, there surely will be rather annoying parts, too, such as Uncle Ernies stupid and boring or inquisitive questions, or the horrible table manners of nephews and nieces. But overall, it seems to be a time of the year to think about the essence of thankfulness.

One does lose tracks of this kind of gratitude in daily life too fast…

There is too much comparing one’s life to those of others, starting with “Why can s/he have or do what I can’t?” and surely not ending with the envious surveillance of what one’s neighbor can achieve with money. No one ever seems to think about whether one really needs these achievements, or these attitudes or abilities.


My own private dream and goal is… to become perfect.


Though I’m miles away from this, this doesn’t seem to motivate me at all. In fact, I seem to move backwards all the time.
Setting a goal beneath the supervising eye of your inner perfectionist ensures you to fail. Completely.
It turns out to be hard to do anything at all, when there will be so much to be left undone… if you see your kitchen window needs cleaning, and you are no perfectionist, you grab a cloth and a bucket of hot water and start right off.

A perfectionist will look around and see everything that needs cleaning, too- and will be overwhelmed at the mere thought of it. Depending on how dirty the surrounding and the windows are, and if there is anyone who wants to come over, he will a) make an attempt to attack each and everything that needs cleaning, only to crash down hard, not capable of moving a finger in the end or b) will sit down to ponder on life, the universe and all the rest, feeling to depressed to move at all.

I do not like perfect people. Who does, anyway? They are boring, and make me feel quite as a failure myself, plus, they are boring.
But I want it all. The major housekeeping skills of my mother. Being sportive like my friend, earning money like my brother in law, writing books as Laurie King does, looking like a model, be wise like the Dalai Lama. And so on, and so forth.And when I show incapable of it all, once again, day by day, well- no one will punish you like yourself.

So, it’s time to start new, instead of setting unachievable goals.Let’s start with being thankful for all the abilities I do have. ______________________________________________________________________
Things I am thankful for:

My brains

A place to live

A really nice son

A big, loving family

A talent for writing short stories

Manual skills of varying kinds (such as knitting, working with wood, garden work etc.)

A safe job.

That adds to seven. Plus, four cats.


Have a happy thanksgiving,

Lily

Montag, 19. November 2007

Entscheidungen

In den letzten Tagen habe ich viel über Entscheidungen nachgedacht, auf ganz verschiedenen Ebenen.
Geht man mal aufmerksam durch den eigenen Alltag, fällt einem kurze Zeit später schon auf, in welchem Umfang man Entscheidungen trifft, von ganz banalen bis zu solchen von erheblichem Ausmaß.
Ganz gleich, ob es darum geht, jetzt aufzustehen oder noch einmal die Snooze-Taste am Wecker zu drücken, das Bett zu machen oder nicht, die nächste Zigarette zu rauchen oder nicht, die rosa Jeans anzuziehen oder die blaue- es sind Entscheidungen. Ich treff sie nur, weil sie sich mir stellen, hier und jetzt, und meist ohne groß darüber nachzudenken.
Zwangsläufig, wegen der Diät und dem Rauchen- Zeugs, erleb ich es leider mindestens in der Hälfte der Fälle, dass ich meine Entscheidung treffe, und dann das, was das Hirn vorschlägt, gepflegt ignoriere und genau das tue, wogegen ich mich bewusst (d.h. an der Oberfläche) entschieden habe.
Also, die nächste Zigarette nicht zu rauchen. Die nächste Dose Tabak, immerhin 16 € teuer (über 30 Mark! Echt!) nicht zu kaufen, die Tafel Bitterschokolade mindestens auf eine Woche verteilt zu genießen und nicht runterzuschlingen als gäbe es kein Morgen.
Nachdem es mir dann oft und oft und immer wieder passierte, dass in dem Moment, in dem ich mich gegen die Schokolade und für den Salat entschieden hatte, irgendwas in mir einfach sich verweigerte und wie ferngesteuert die Schokolade ins Visier nahm, hab ich mich gefragt, ob das vielleicht seine Ursache darin hat, dass die Entscheidungen, die ich so treffe, immer welche sind, mit denen ich mir was versage. Dann müssten ja Entschlüsse, mit denen ich mir was erlaube, leichter zu erfüllen sein. Klingt doch gut, oder?
Fand ich auch.
Ich bin noch dabei, mir dazu eine Datenbasis zu erstellen. D. h., ausprobieren! Gestern Abend habe ich bewusst eine Schale Haferflocken (mit Milch! Und ZUCKER!! Und einer Million Kalorien, von den BE ganz zu schweigen!!!) eingeplant, und heute Morgen bewusst und absichtlich nach einem Blick auf den Wecker entschieden, erst eine Viertelstunde später aufzustehen als der Wecker vorsah.
Richtig viel Ergebnisse habe ich also noch nicht. Und wenn ich sie habe, weiß ich im Moment auch nicht wirklich, was ich dann damit anfange. Klar, es kommt natürlich auch auf das Ergebnis an. Bisher sieht es so aus, dass mein innerer Protestler natürlich Zeter und Mordio geschrien hat, als ich mir diese Dinge vornahm. Nicht in der Entscheidungsminute, sondern als es ans Verwirklichen ging. Da es sich aber summa summarum keinesfalls um gesunde Vorsätze, sondern um welche aus der Kategorie „überflüssig und potenziell schädlich, aber lecker bzw. gemütlich“ handelt, hat der Protestler klein beigegeben, bzw. sich ohne viel Aufwand beschwichtigen lassen.
Vielleicht kann ich auf die Weise
a) üben, Entscheidungen zu treffen und sie auch durchzuhalten (bzw. sie nicht mit Scheinargumenten außer Kraft zu setzen) und
b) sie so zu formulieren, dass a) leichter fällt- also, mich anstelle der Entscheidung GEGEN die nächste Zigarette FÜR ein Leben als Nichtraucher zu entscheiden. Wobei diese Entscheidung nur in der ersten Zeit auch eine ist, die täglich neu gemacht wird. Die für ein ernährungs- und bewegungsbezogen gesundes Leben ist eine Entscheidung, die ich in der Gegenwart von Nahrungsmitteln vermutlich den Rest meines Lebens treffen muss, manchmal minütlich. Andererseits führt eine Abweichung von dieser Entscheidung nicht zwangsläufig zu einem Rückfall. Im Gegensatz zu der Rauch-Geschichte.

Klar, wenn man einen inneren Protestler hat, mit gut geölten Stimmbändern, mehreren Quadratmetern Demo-Pappe und warmen Socken an den Füßen, dann ist natürlich auch die Möglichkeit gegeben, Entscheidungen so zu treffen, dass der Protestler dafür sorgt, dass die reflexhafte Reaktion auf den Entschluss wiederum eine wünschenswerte ist.
Also zum Beispiel sich vorzunehmen, die Zigarettenanzahl von 30 auf 50 täglich zu erhöhen, und als Protestreaktion das dann eben nicht zu tun, sondern aufzuhören. Das fände ich nicht richtig. Das ist Selbstverarsche, und dazu wird man vom Leben schon oft genug verarscht. Abgesehen zeugt so eine Manipulation von wenig Respekt vor einem selbst- und ich finde, man ist schon oft genug unabsichtlich respektlos. Auch und gerade gegenüber sich selbst.

Plus, es funktioniert vermutlich ohnehin nur bei einzelnen Entscheidungen, und nicht bei der Sorte, die einen den Rest des Lebens begleiten sollen. Also zum Beispiel die, rauchfrei zu leben, oder vernünftig zu essen.

Alles in Allem kommt es mir sinnvoller vor, die Entscheidungsmuskulatur ein bisschen zu trainieren. Ein bisschen, und mal nicht zu übertreiben.

Wünscht mir Glück :-)

Samstag, 17. November 2007

In English

My last post contained some links to blogs in English. So I'll try to translate it here. It's only fair.



Children.

I have a son, who is already living on his own. He was born when I was 18 yo- much too young, as I know now. Perhaps not too young for everyone, but certainly for me.
I am not able to remember much of the pregnancy. Sure, there are some prenatal milestones I remember on my way to delivery, but most of it went away in a blurr. You might as well assume that I did not make plans for the day when I would have to leave the hospital with my baby. I was pregnant, full stop.
When the nurses told me I was allowed to take this little bundle home, I began to believe that it was really true- I had a baby now. I was a mother now.
We grew up together, my son and I, and motherhood was mostly a logistic challenge for me for the next years. I had to finish school, look for a job that would earn enough money for us both, and all the time needed MY mother to make sure that there was day care for my son.
When my son was two years old, I married. (Not the father of my son, but another man.)
When my boy was 16 yo, I left my husband, and mostly lived as a single from that day on.

I never came to terms with the question of having another child. I would have loved to have a daughter, but at the same time the mere thought of it would have scared the shit out of me.

During my not-so-good marriage, the little self respect that was left of my independent days would have been smothered to bits, if I would have had to stop working due to a child, and I always thought it was unfair to let another child grow up with my mother. I was fucking afraid of having another child. So I let terminate my possibility to get pregnant with surgical means some years after my divorce.

Now I am forty-something, not able to become pregnant any more, and the pendulum of ambivalence strikes back... not really. I have two lovely nieces, being my part-time daughters, and that is fine for me, for I am no icon of healthy living or common sense.

What has changed is my understanding of those, who try desperately to become a family, by IVF or other means of assisted reproduction.
I never was quite able to understand, why anyone would undergo hurtful, expensive and frustrating treatments to have a child.
And then there was the day that I googled "Brenda Leigh Johnson" (The Closer herself) and stumbled onto the blog of Laurie. By her linklist, I learned of Allison, and in the miraculous ways of the internet came to Julie and Helen. Helen and Julie are mothers to IVF children, and through their blogs I learned what this is all about. They are not bitter, they are not dogged, they are infertile. They have a deep wish, a heart's desire. And who am I to ignore a heart's desire?

I am grateful that some weeks of reading their archives were able to turn my understanding of infertility upside down.

The US of A have a National Week of Infertility Awareness. It's a devastating thought that there has to be such a week. It's a devastating thought that the couples who are hit by infertility have so much difficulties to talk about their issues, even with family and friends, without having to fear judgement.
"Not able to become pregnant", sotto voce discussions behind the back of the one who left the room shortly before, and everyone feels competent to judge, to nod wisely, to have an opinion.
And there is always the one opting for adoption. And the ones referring to Mother Nature. And all about accepting Mother Nature's Wise Ways. Just to pop down an Aspirin against the (not natural?) headache. And downing a cup of coffee, to stop all the natural tiredness.
I have been part of this kind of discussions, and I did not refrain from taking part in these.

I know personally at least three couples who are infertile, and who stopped trying to get pregnant after years of exhausting and frustrating attempts. All three of them would have been much better mothers and fathers to their children than I ever was to my kid.
To which extent there has been mourning and pain when they put a halt to their attempts no week of awareness will tell us.
But out of Helen's and Julie's blogs I learned that I will never again ask "Why don't you adopt?". If a couple feels that adoption just isn't right, it isn't right. For them.
I will never again judge behind their backs, never think idiot stuff as "Mother Nature's Ways" again.
Mourning about those children that can not come to life, about losing an option to a life with kids, the grief and despair of learning that one's body refuses to fulfill a heart's desire is an issue we all should respect and share.
And as long as there is such an depressing amount of silence, we should at least accept without any judgement (and without nagging publicly the costs of) the feeble three attempts of IVF provided by our health insurances here in Germany.

Samstag, 10. November 2007

Kinder

Ich habe einen Sohn, der schon erwachsen ist, und allein lebt. Er wurde geboren als ich gerade 18 Jahre alt war- viel zu jung, wie ich heute weiß. Vielleicht nicht absolut und in jedem Fall zu jung- für mich schon.
An die Zeit der Schwangerschaft kann ich mich kaum erinnern. Bis auf ein paar medizinische Meilensteine, die man passiert auf dem Weg zum Kreißsaal, ist alles sehr verschwommen und ungenau. Was nicht dafür spricht, dass ich mich besonders mit dem Leben nach dem Tag X beschäftigt hätte. Ich war halt schwanger. Und das endet in den meisten Fällen mit dem Mutter-Sein, so auch in meinem.
Bis das Krankenhauspersonal mir erlaubte, den Zwerg einzupacken und mitzunehmen, hab ich nicht wirklich geglaubt, dass es meiner war. Dann schon.
Irgendwie sind wir dann zusammen groß geworden.
Mutter sein war für mich über lange Jahre ein logistisches Problem, da ich zunächst meine Schule abschließen und daran anschließend eine Ausbildung machen musste, gefolgt vom Berufseinstieg und Vollzeitarbeit. Meine Mutter hat mir da sehr geholfen.
Als mein Sohn zweieinhalb Jahre alt war, habe ich geheiratet (nicht seinen Vater) und in den nächsten 14 Jahren eigentlich immer in Beziehung(en) gelebt.
Seit mein Sohn 16 ist, ist das Zusammenleben mit Partnern Vergangenheit, wenn ich auch nicht durchgängig Single war.
Es ist in den ganzen Jahren bei nur einem Kind geblieben, und vor anderthalb Jahren habe ich mich sterilisieren lassen, nur für den Fall.
Zu oft habe ich nachts oder früh morgens mit einem Schwangerschaftstest im Bad gehockt, um riskieren zu wollen, mit Mitte vierzig noch einmal "zuzuschlagen". Aber es bleibt eine Tatsache, dass ich in den mehr als 26 Jahren, die seit der Geburt meines Sohnes vergangen sind, nicht wieder schwanger geworden bin. Obwohl rein "technisch" nichts gegen eine Schwangerschaft sprach, und Verhütung in Langzeitbeziehungen oft genug nach dem Prinzip "wenns passiert, passierts halt" lief, hat es sich nie wieder ergeben.
Ich war immer zu ambivalent dem Thema gegenüber, um da genauer nachzuforschen.
Ambivalenz heißt, zu große Angst davor, dass ich mein Leben hätte neu gestalten müssen- ein zweites oder weitere Kinder hätten nicht mehr oder minder bei Oma aufwachsen sollen und auch nicht können. Also hätte es bedeutet, den Beruf aufzugeben, oder zumindest die Arbeitszeiten erheblich zu reduzieren.
Und vom Einkommen eines anderen Menschen leben. Das wäre schwer genug gewesen, denn das Einkommen meines damaligen Partners war nicht gerade üppig. Aber abgesehen von den reinen Zahlen hätte es mir eine Heidenangst eingejagt, nicht nur emotional sondern auch noch finanziell so weit mit jemand anderem verstrickt zu sein.
Ergo habe ich das Thema nie vertieft.
Dann war ich -in wechselnder Abfolge- Single mit Teilzeitpartner (Baby = KEINE gute Idee), Frau mit Freund (und der Typ hatte sowas von den Schuss nicht gehört), Single mit Teilzeitpartner. (Teilzeitpartner = gesetzlich einer anderen Frau zugeordnet).
So, und nun bin ich Mitte 40, sterilisiert, und ohne die Absicht, mich in absehbarer Zeit mit einem Partner zu verbinden.
Mal abgesehen davon, dass potenzielle Partner mir auch aktuell nicht gerade die Tür eintreten.
Das große, schwere Ambivalenzpendel nutzt nun die Gunst der Stunde, um zurückzuschwingen...
Nicht wirklich, nein. Von meinem Wunsch nach einer Tochter, die ich wirklich gern gehabt hätte, profitieren meine Nichten, und das ist für mein grenzwertig ausgeprägtes Verantwortungsgefühl auch gut so. Ich hänge sehr an ihnen, und wir verbringen Zeit miteinander. Fertig.
Was sich aber geändert hat, ist meine Einstellung zu unfruchtbaren Paaren, die versuchen, ein eigenes Kind zu bekommen. Ich habe nie auch nur ansatzweise deren Motive verstanden, sich Jahre lang schmerzhaften, frustrierenden und, nicht zu vergessen, teuren Behandlungen zu unterziehen. Dieser intensive Wunsch nach Kindern, nach möglichst eigenen Kindern, war mir immer fremd.
Weiter noch, Berichte über diesen unbeirrbaren Drang nach eigenen Nachkommen haben mich irritiert und teilweise wütend gemacht.
Keine Ahnung, warum ich so wütend war, vielleicht weil mich Sturheit (und als solche habe ich das empfunden) sehr schnell sauer macht.
Dann kam der Tag, an dem ich mein persönliches Vorbild Brenda Leigh Johnson (The Closer herself) gegoogelt habe. Gelandet bin ich bei Laurie , und über deren Linkliste bei Allison - von da aus ging es weiter zu Helen und Julie. Sie leben teilweise (Laurie, Allison und Julie) in den USA, Helen in Großbritannien. Helen und Julie sind Mütter von Kindern, die durch IVF zur Welt kamen, und in ihren Blogs habe ich erfahren, was das bedeutet. Auch, was es bedeutet, unfruchtbar zu sein.
Sie sind nicht stur, sie sind nicht verbissen oder verbittert, sie sind "nur" unfruchtbar. Sie haben das, was ich einen Herzenswunsch nennen würde. Und sie können ihn nicht ohne weiteres erfüllen.
Und wie das mit Herzenswünschen so ist: Ich muss ihre Gründe nicht nachvollziehen können, ihren Wunsch nicht teilen, um ihn zu respektieren. Merkwürdig, dass einige Wochen, in denen ich ihre Archive auf links gedreht habe, um mehr zu erfahren, eine (meine) jahrelange Einstellung so verändern konnten. Und ich kann auch stur sein.
In den USA ist zurzeit die "National Week of Infertility Awareness", also so eine Art nationale Gedenkwoche zu Unfruchtbarkeit, und Julie ruft in ihrem anderen Blog dazu auf, etwas zu tun, um die Öffentlichkeit auf die Probleme aufmerksam zu machen, mit denen sie und ihre Leidensgenossinnen täglich kämpfen.
Warum braucht das eine nationale Woche des Gedenkens? Warum kommentieren Julies Leserinnen unter anderem darüber, dass sie mit nur sehr wenig Menschen offen darüber sprechen können, dass sie selbst ihre Kinder "nur" mit medizinischer Hilfe bekommen konnten, oder darüber, dass sie selbst ihrer Familie gegenüber nicht erwähnen, in Behandlung zu sein?
Und das, wo heute jedermann und jedefrau offen und breit darüber reden, dass und seit wann und weswegen sie in psychotherapeutischer Behandlung sind?
"Die können keine Kinder kriegen" wird auch hier meist sotto voce geäußert, und meist schließt sich (in Abwesenheit der Betroffenen) eine Diskussion darüber an, dass man das ja so gar nicht verstehen könnte, wie jemand so verbissen sein kann, und dass es ja vielleicht einfach nicht sein soll, und dass man die Ratschlüsse der Natur akzeptieren sollte. Anschließend geht jeder an seinen Platz zurück, schluckt eine Aspirin gegen die -naturgewollten?- Kopfschmerzen, und gießt sich noch einen Kaffee gegen die naturgewollte Müdigkeit ein. Ich schließe mich nicht aus, in der Vergangenheit hab ich auch an diesen selbstgerechten Diskussionen teilgenommen, und wer mich kennt, weiß, dass ich nicht geschwiegen habe.
Ich kenne mindestens drei Paare, die nach jahrelangen Versuchen erschöpft aufgegeben haben und sich der Arbeit mit Kindern auf einer anderen Ebene widmen. Alle diese Menschen wären wunderbare Eltern geworden, bessere als ich vermutlich. Das ist die Außenansicht.
Welches Ausmaß an Leid, Verzicht, und Trauer mit dem Entschluss einhergegangen ist, die Versuche aufzugeben, kann ich nicht ermessen. Und ich glaube, dass keine Woche und kein Jahr des Gedenkens daran etwas ändert.
Aber aus den Gedanken, die Julie und Helen in ihren Blogs mit der gesamten Community geteilt haben, habe ich mitgenommen, dass ich nie wieder "Vielleicht sollte es nicht sein" oder "Wer weiß, wozu es gut ist" sagen, nicht einmal denken werde, wenn jemand nicht schwanger wird. Wenn ein Paar sich nicht für eine Adoption entscheidet, weil es sich für das Paar nicht "richtig" anfühlt, habe ich kein Recht, das zu kritisieren- denn was sich nicht richtig anfühlt, ist nicht richtig. Für diese Menschen.
Die Trauer um die nie geborenen Kinder und um den Verlust einer wichtigen, vielleicht zentralen Lebensaufgabe ist etwas, was wir teilen sollten, aus Respekt vor unseren Mitmenschen.
Und so lange, aus welchen Gründen auch immer, dieses Thema mit Schweigen belastet ist, können wir mindestens soweit solidarisch sein, dass wir ohne Gezeter akzeptieren, dass unsere Krankenkassen IVF weiterhin bezahlen- wenn auch nur die mageren drei Versuche.

Sonntag, 4. November 2007

Spazierengehen

ist eine wunderbare Sache, vor allem, wenn es im Wald passiert.
Der betreffende Wald ist der meiner Kindheit und Jugend, wenn ich auch als Erwachsene nicht allzuoft da war.
Heute hab ich mich zusammengerissen und bin hingefahren, und dann eine Stunde drin herumgelaufen. Es war genau das richtige. Man sieht noch sehr viel Sturmschäden von dem Unwetter Anfang des Jahres, und leider hat die Forstverwaltung an einigen Stellen erheblich eingegriffen. Ich mag es nicht, Baggerspuren im Wald zu sehen. Das ist hier zwar kein Naturschutzgebiet, aber einen verdichteten Boden hat kein Wald verdient. Wo sind die Rückepferde hin?
Im großen und ganzen ist der Wald Mischwald, vornehmlich Buchen, und einiges an Eichen, Birken und was sonst dazu gehört. Plus Jogger. Ebenso einige mehr als grimmig aussehende Walkerinnen. Warum schauen diese Leute immer so, als wäre das letzte, was sie genießen könnten, eine Runde Walking im Wald? Hochrote Köpfe, eine überaus finstere Miene und heftiges Keuchen scheinen dazu zu gehören. Die meisten Menschen, die unterwegs waren, waren Frauen. Die wenigsten hielten sich an die Empfehlungen, so langsam zu laufen, dass man dabei noch reden könnte. Ich schon, aber ich hatte erstens niemanden dabei, und zweitens KANN ich nicht joggen, daran hindert mich eine nervtötende Achillessehne rechts, die immer wieder Probleme macht, und meine allgemeine Unsportlichkeit.
Jedenfalls war der Wald seit der Zeit, in der ich viele Stunden dort verbracht habe, stark verändert. Ich habe lange nicht mehr die Hauptwege verlassen, und was damals große Felder mit üppigem, leicht urzeitlich anmutendem Farnbewuchs waren, ist heute teilweise versumpft. Schonungen sind zu jungen Waldstücken herangewachsen, und ich hätte mich kaum fremder in den Wäldern Neuenglands fühlen können. Dazu die Tonnen schweren Stapel von Kyrills Hinterlassenschaften, die rechts und links die Sicht in den Wald behindern, und an der nächsten Ecke die Sturmschneisen, die neue Blicke eröffnen.
War der Wald früher schon so hügelig? Ich glaube nicht. Meiner Erinnerung nach waren die Hauptwege, die vom Stadtgarten und den zwei Teichen meiner Entenfütterungs-Erinnerung zu den Brücken über die A2 führen, früher gerade, breite Promenaden. Von deren Beginn aus konnte man die Brücken sehen. Inzwischen sind mehrere Senken in den Wegen, und sie sind auch nicht mehr gerade. Letzteres beruht vielleicht darauf, dass die Wege heute anders gepflegt werden, etwas naturnäher vielleicht. Obwohl ich bei den sonstigen Eingriffen, gerade im Bereich des Staatsforstes, eher nicht den Eindruck habe, dass da viel Naturschutz eine Rolle spielt.
Die Senken können eigentlich nur von nachsackenden Schichten über einstürzenden Bergbauschächten her kommen. Dafür spricht, dass die gesamte, einige Wasserläufe enthaltene Fläche rings um die Stadtteiche wohl nicht mehr das richtige Gefälle hat, damit das Wasser auch in den Teichen ankommt. Sonst bräuchte man die Teiche nicht mit enormem technischem Aufwand am Leben erhalten. Wenn man die Teiche wie Biotope behandeln würde, wären sie längst verlandet. So sind sie jeden Sommer kurz vor dem Erstickungstod, und werden besprudelt und mittels Fontänen mit Sauerstoff belüftet. Der Fischbesatz tut dem ganzen auch nicht gerade gut, und die Entenfütterei ebenso nicht. (Hey, als ich ein Kind war, wusste ich wirklich noch nicht, dass ein halber Brötchenstuten keine Nahrung für Karpfen und Stockenten ist)
Na gut, an die Tatsache, dass die Teiche in einer Parklandschaft liegen, deren Naturnähe ohnehin bezweifelt werden kann, ändert auch meine Ranzerei hier nicht.
Jedenfalls gibt es in dem Bereich, in dem ich heute unterwegs war, als Nachlass der IBA, die hier vor einigen Jahren aus dem Ruhrgebiet etwas machen wollte (ich leg mich nicht fest, was sie daraus hervorbringen wollte, das weiß ich nämlich nicht) noch ein paar offizielle Radwanderwege. Deren Schilder, an in den Wald gesetzten Pfosten befestigt, sind verdreht, zusammengefaltet, oder einfach abgerissen. Das ist nicht sehr hilfreich, wenn man zusätzlich bedenkt, dass in einem Wald auch die Wege langsam ihre Verläufe ändern. Da nutzt nämlich auch eine Karte nicht wirklich was.
Aber... und jetzt wünsche ich mir, ich hätte doch die Kamera mitgenommen... an einer Kreuzung sah ich ein Schild. "Vorsicht. Trimm-dich-Pfad kreuzt". Das alte, in Zeiten der Trimm-dich-Welle aufgestellte Schild, in den Originalfarben der siebziger, also kackbraun.
Ich weiß nicht recht, was da zu erwarten ist. Mittelalte Damen und Herren, in Adidas-Trainingsanzügen aus den siebziger Jahren, die Dauerwelle (bzw. den Minipli) in feuchten Kringeln um die erhitzte Stirn geklebt, wie sie aus dem Gebüsch brechen und Bocksprünge über den verblüfften Normalwegbenutzer vollführen? Das Schild hatte entschieden Zeitreise-Charakter und hat mich, wie gesagt, an die Kamera denken lassen, die zuhause lag.
Dabei hatte ich sie absichtlich nicht mitgenommen. Weniger, um mir bedeutende Schnappschüsse durch die Lappen gehen zu lassen, als vielmehr, um den Blick für das ganze Bild nicht zu verlieren. Oder auch erstmal wieder zu kriegen. Die Berechtigung eines Fotos liegt nur darin, dass es den Ausschnitt feiert. Die Gesamtheit bleibt naturgemäß außen vor, und heute war so ein Gesamtheits-Tag. Voller Blätter, bizarr umgefallener Bäume, und mit Moos überwachsener alter Holzbänke. Geschmackvoll angeordnet. Empfinden wir solche Farbzusammenstellungen aus dunklem Grün, schwarzem, nassem Holz und buntem Herbstlaub (Und, Kinders, Buchen sind wirklich schön bunt) deshalb als schön, weil wir genetisch so sehr in diese Art Landschaft gehören? Oder weil es uns überzeugend vormacht, es sei Natur und daher automatisch schön? Nicht schön waren alle Flächen und Ecken, wo der Boden kahl war, und zerfurcht von zu schwerem Gerät. Kahle Böden haben auch da, wo sie darauf warten, dass irgendwas da hinein gesät oder gepflanzt wird, keinerlei Schönheit für mich. Vielleicht für den, der daraus sein Einkommen bezieht, oder als Projektionsfläche für das, was da sein KANN? Mag sein.
In nicht natürlicher Umgebung, also in Städten und Häusern, finde ich leere Flächen in der Regel sehr angenehm und erholsam. Auch Gärten sind nicht natürliche Umgebungen für mich, und auch da gehören eher leere Flächen zu den Dingen, die unbedingt sein müssen. Wenn auch nur, damit Bepflanzungen um so kontrastvoller wirken. Wobei ein Rasen schon eine leere Fläche ist ( und nichts mit Natur zu tun hat).
In Wohnungen sind leere Flächen das, worauf sich Augen ausruhen können. Aber wirklich leere Flächen, keine Schrankwand-Wüsten.
Gardinen, Teppiche, Bilder und Nippes sind eine Art optischer Mauern. Manche Leute finden meine Wohnung kahl, wie sich jetzt wohl jeder vorstellen kann. Ich habe zwar Bilder an der Wand, aber nicht viele, und der Krimskrams auf den Regalen hält sich ebenfalls in Grenzen. Allerdings habe ich reichlich Bücher, die von selbst eine gewisse optische Unruhe ins Spiel bringen. Plus die Art Haustiere, die gern dekorativ in der Gegend rumliegen, wenn sie nicht wirkliche Unruhe ins Spiel bringen.
Wie jetzt zum Beispiel. Futterzeit für die Monster.
Na, wie war die Überleitung?