Worum geht’s dabei eigentlich?
Darum, etwas nicht verlieren zu wollen? Dagegen spricht, dass man auch eifersüchtig über Menschen wachen kann, die nicht zu einem gehören.
Darum, Ausschließlichkeit sicherstellen zu wollen? Die Nummer eins bleiben zu wollen?
Dafür gilt das gleiche, denn man muss weder die Nummer eins sein noch denjenigen, den man beeifersüchtelt, ausschließlich für sich haben, um unter Eifersucht zu leiden.
Und Eifersucht ist etwas, unter dem man leidet. Oh ja. Eins der unangenehmsten Gefühle überhaupt, und, wenn man sich dem nicht ungebremst hingibt, eines der Leiden, die am meisten Selbstbeherrschung von einem fordern.
Denn so ziemlich jedem hier und heute ist klar, dass Eifersucht als solche kein Liebesbeweis ist. Also gibt man ihr nicht die Zügel frei, und lässt sie toben, sondern versucht, sie zu verbergen und zu verdecken. Das gelingt nur schwer. Ich glaube, Eifersucht ist eine Art vorweggenommene Trauer über den Verlust wichtiger Elemente im Leben. Trauer, gemischt mit Zorn und dem Bestreben, zu haben und zu halten, zu behaupten und zu verteidigen. Und auch gemischt mit Angst, die spielt sicherlich eine Rolle. Und vor allem ist da das tiefe Gefühl, die Bindung oder die Partnerschaft eigentlich gar nicht zu verdienen- vielmehr entweder durch Gottes Gnade oder einen unverdienten Schicksalseinfluss in den Genuss der plötzlich in Frage stehenden Beziehung gekommen zu sein.
Gleichzeitig ist Eifersucht aber auch ein beinahe sicherer Schritt, auch noch den Rest Vertrauen zu zerstören, aus einem gelassenen Gesicht und einer entspannten Haltung etwas Verkniffenes und Verkrampftes zu machen. Liebenswertes zu verzerren, Trost zu versagen.
Viele haben entweder die Erfahrung gemacht, mit Eifersucht jemanden vertrieben zu haben, oder aber sind selbst als Ziel derselben vertrieben worden. Sobald Eifersucht am Horizont auftaucht, ist daher höchste Besorgnis angebracht.
Richtig dumm ist jedoch, dass beinahe jedes gängige Instrument zur Bekämpfung der Eifersucht die gleiche Wirkung hat wie die E. selbst.
Es mag beruhigen, einen Schreibtisch, eine Jacke, eine Brieftasche zu durchsuchen. Aber es macht nicht, dass man sich besser fühlt, im Gegenteil. Zusätzlich zu dem eh schon angeschlagenen Ego muss man sich nun vielleicht noch vorwerfen, misstrauisch, paranoid und all so was zu sein- mal abgesehen davon, dass man vielleicht auch noch dabei erwischt wird und dann ganz blöd da steht.
Und was tut man, wenn man was findet? Tatsächlich eine Hotelrechnung aus Sonstwo-Hausen am Meer? Wenn doch offiziell in der Zeit die Gattin oder der Amtlich Zugewiesene auf einem Kongress in Langeweile-City weilte?
Einen Liebesbrief? Eine Kreditkartenrechnung mit einem inkriminierenden Abrechnungsposten? Die Präsentation der Beweise hat den Nachteil, dass man sein eigenes kontrollfreakiges Verhalten sozusagen ans Tageslicht befördert.
Eine Scheißsituation, alles in allem.
Falls man nichts findet, gilt das gleiche wie für Verschwörungen: Je weniger Beweise deutlich ans Tageslicht kommen, desto mehr beweist sich dadurch, dass die Verschwörung oder Affäre ganz besonders gut versteckt wurde, eben weil nichts zu finden ist.
Der Weg über diese Schiene ist somit nicht sehr empfehlenswert.
Noch beschissener: Über Beweise stolpern, ohne vorher einen Verdacht gehabt zu haben…da würde ich aber zu spontanem Verhalten raten. Einfach mal ins Blaue rein explodieren. Das befreit vermutlich ganz beträchtlich.
Aber die Situation? Ist auch Scheiße.
Ich hab es weiland vor Jahren mal anders versucht- wobei an der Tatsache, dass da wirklich jemand anderes war (und das noch dazu für längere Zeit) nichts zu deuten war.
Ich hab konfrontiert. Damit, dass ich offen gemacht hab, wie sehr es mich verletzt und kränkt, dass intime Details meiner Beziehung plötzlich gemeinschaftliches Wissen zwischen Mr X und seiner „besten Freundin“ waren. Dass ich Thema ihrer Gespräche war. Dass soviel Zeit von der Familie abgezogen und dieser Person gewidmet wurde.
Woraufhin sich eine wirklich massive Krise entwickelte (wo ich vorher schon annahm, dass wir eine solche hatten. Falsch gedacht.)
Ebenfalls eine Scheißsituation.
Denn zusätzlich zu dem ohnehin angeschlagenen Gesamtzustand der Beziehung und ihrer Protagonisten kam dann noch der Einfluss chronischen Schlafmangels durch nächtelange Diskussionen mit ins Spiel.
Da mein Jetzt-Ex sein unbestreitbares rhetorisches Talent in der Folge dazu nutzte, mich mundtot zu machen (und dazu gehört einiges…) kamen wir auf diesem Weg nicht wirklich weiter.
Besser wurde es erst, als ich mich ehrlich gefragt habe, ob ich das so weiter haben will oder nicht. Was ich benötige, um mich wohl und sicher und gut aufgehoben zu fühlen.
Die Antwort war: Kontrolle über mein Leben zurückgewinnen. Mich nicht mehr wie eine Marionette vorführen zu lassen, und zur Verfügung zu stehen, wenn jemand anderes gerade Zeit und Lust hat. Es hat mich endlose Nächte gekostet, Nächte, in denen ich vor Zorn und Angst und Trauer und Verzweiflung nicht geschlafen habe. Und natürlich auch vor Eifersucht, denn der Corpus Delicti war natürlich nicht zu Hause, sondern bei der Frau Gefährtin.
Ich hab ihm dann ein klassisches Ultimatum gestellt: Sie oder ich.
Was angeblich Erpressung ist- in Wirklichkeit jedoch nicht.
Denn natürlich habe ich ihm damit gedroht, auf mich verzichten zu müssen, wenn er weiterhin mit dieser Dame den für mich zu engen Kontakt pflegt. Und dass für mich zu meiner Ehe gehört, sie mit einem Menschen zu führen, und nicht mit einem Paar.
Damit habe ich ihm jedoch nicht mit einem empfindlichen Übel oder einem schweren Nachteil gedroht, sondern lediglich klar gestellt, unter welchen Umständen ich bereit bin, eine Beziehung zu ihm weiter in Erwägung zu ziehen.
Und es ging mir nur noch um mich.
Er hat nicht wirklich geglaubt, dass ich gehe, wenn er die Sache nicht beendet.
Ich bin aber gegangen.
Ohne auch nur einmal den Schreibtisch durchsucht zu haben, oder am Telefon gelauscht, oder sonst etwas in Richtung Überwachung unternommen zu haben- aber herrje, war das schwer, sich da zu beherrschen. Echt jetzt.
Ich würds mir nie wieder gefallen lassen, mich so lang zum Affen machen, so sehr jemanden meine Person unterspülen lassen.
Man kann jederzeit gehen, und das würde ich in so einer Situation auch jedem und jeder Betroffenen raten.
Und vorher? Wenn nur ein Verdacht, ein ominöses Gefühl, eine Unsicherheit da ist? Das Gespenst Eifersucht noch weit weg zu sein scheint, aber schon in die eigene Richtung schielt?
Rausgehen. Kontakte pflegen. Kein eigenes Fremdgehen, das macht es nicht besser. Sich ein Leben aufbauen, das nicht nur im Fall der Fälle ganz toll ist im Hinblick auf eine Art soziales Netz- sondern das einen fordert, das einen beschäftigt und mit anderen Perspektiven versorgt. Im besten Fall machts einen interessanter, im schlimmsten Fall hat man Telefonnummern, die man auch morgens um drei anrufen kann.
Durch alles andere muss man durch, leider.
In diesem Sinne…
Lily.
Donnerstag, 19. März 2009
Eifersucht
Mittwoch, 18. März 2009
Houston…
Jeder weiß, dass ein Satz, der mit „Houston…“ beginnt, in der Regel mit „…wir haben ein Problem“ endet.
Damit ist es wie mit dem notorischen „Sag mal Bescheid“, das die achtziger Jahre und auch noch Teile der Neunziger begleitete.
Heute ist mir danach, Erwartungen zu enttäuschen.
Deshalb schließe ich hier mit einem herzlichen:
Texas.
Immer die Eure,
Lily.
Dienstag, 17. März 2009
Erste Wahl
Menschen spüren sehr genau, ob sie geliebt werden oder nicht.
Keine Sprechblase kann vom Gegenteil überzeugen, wenn der Umgang miteinander nicht von Zuneigung, Respekt und Liebe getragen wird.
Die langsam sich anschleichende Verzweiflung, wenn das Lippenbekenntnis „Ich liebe dich doch“ mit dem, was nonverbal vermittelt wird, immer weiter auseinander klafft, die kennen viele.
Daraus werden dann vielleicht nächtelang sich im Kreis drehende Diskussionen, bei denen es nur darum geht, wer Recht hat.
Der, der sagt: Ich liebe dich? Der, der sagt: Das glaub ich nicht?
Die Tatsache, nicht (mehr) geliebt zu werden, mit der können viele Menschen besser umgehen als damit, dass man ihnen etwas vor macht. Das Gefühl, plötzlich und unerklärt nur noch zweite Wahl zu sein, setzt sich aber durch, und ist kaum zu ignorieren.
Dass das Gegenüber, aus welchen Gründen auch immer, Realität verschleiert, Entwicklungen leugnet, sich hinter Worten versteckt deren Bedeutung nicht mehr zu spüren ist, hat schon mehr Elend verursacht, als man sich gemeinhin vorstellt.
Im Extremfall redet einer dem anderen seine Wahrnehmungen aus, und verunsichert ihn auf Jahre, und vielleicht für immer.
Der ehrliche Umgang mit den eigenen Gefühlen, mit dem, was von einem selbst ausgeht, was man zu geben bereit und in der Lage ist, das ist offenbar etwas Ehrenrühriges.
Es fängt schon damit an, dass zu Beginn einer Beziehung, ganz am Anfang, wenn die Balzfedern noch fest am Platz verankert sind, viel Energie drauf verschwendet wird, die eigenen Absichten zu verschleiern. Sich bloß nicht zum Affen machen. Sich nichts vergeben… quid pro quo, eine sms von mir für eine sms von dir, bloß nicht aufdringlich werden, Spielchen. Das bestimmt, ob und wie man zusammen kommt- scheinbar. Dazu muss man sich offenbar dauernd frisch geföhnt und spaßig präsentieren, egal, wie man sonst ist.
In dem Stadium zeigt sich oft schon, dass einer mehr Interesse als der andere hat. Aber es gilt, ihn trotzdem zu überreden, zu knacken, bestenfalls ohne dass derjenige es eigentlich bemerkt.
Das erreicht man, in dem man eben Nebelkerzen wirft, und im Schutz derselben sich langsam anpirscht an sein Wild, und es dann in einer Mischung aus Hinterhalt und Überredung einfängt und in die eigene Höhle schleppt.
An den Haaren, wenn’s sein muss.
So, dann hat man sein neues Spielzeug, dass dann nur noch hingebogen werden muss, damit es so ist, wie man sich das vorstellt.
Aber Achtung: Da ist ein anderer Mensch. Den lernt man kennen, ob man will oder nicht.
Und stellt dann vielleicht fest, dass das unter soviel Mühe gekaperte Wesen eigentlich gar nicht zu einem passt. Dass er/sie/es langweilig, cholerisch, nicht witzig, eifersüchtig, pingelig, schlampig oder was auch immer ist.
Weil man aber nie mit offenen Karten gespielt hat, geht’s dann erst richtig rund.
Oft genug hat man bis dahin soviel „gemeinsam“ (meist Dinge wie Haus, Baum, Kind, Buch… nicht zu vergessen einen Trauschein), dass die Auseinandersetzung schmerzhaft, lang, teuer und voller Kollateralschäden ist.
Manchmal kann man sich mit einem neuen Kind, Haus, Baum oder Buch ablenken, bis man irgendwann zu alt ist, und zu sehr aneinander gewöhnt, um noch irgend etwas ändern zu wollen oder zu können.
Bis dahin ist viel Raum für Elend.
Been there, done that.
In letzter Zeit beschleicht mich immer öfter der Gedanke (und ich weiß, ich wiederhol mich), dass es vielleicht eine gute Idee wäre, sich unter andern Gesichtspunkten nach einem Partner umzusehen.
Nicht unter Tarnung der vollen Kriegsbemalung, sondern mit offenem Visier. Menschen kennenlernen, potenziell interessante neue Gestalten in das eigene Lebensstück einfügen, sich bereichern daran. Zeigen, dass man das Gegenüber mag. Sich nicht auf E-Mail-und sms-Kontingente verweisen lassen. Keine Angst davor haben, Zuneigung zu zeigen.
Da ist dann, wenn man Glück hat, vielleicht jemand dabei, der wirklich für einen Mr oder Mrs Special ist oder werden kann.
Dafür gibt’s keine Garantie. Es gibt auch keine dafür, dass Mr oder Mrs Special, sofern gefunden, bis zum Ende aller Dinge „special“ bleiben werden.
Aber nur auf diese Weise hat man eine Chance, dass die guten Vorsätze, mit denen sich manche Leute trennen, nicht nur Lippenbekenntnisse sein werden:
„Freund bleiben“ kann man nämlich nur, wenn man das ist, oder wenigstens mal war.
Stets die Eure,
Lily
Mittwoch, 11. März 2009
...und hier mal was neues...
aus der Welt der Lootwiga.
Inzwischen ist sie ein Level 62 Paladin- also auf dem Weg zum ewigen Ruhm durch endlose Questen. 80 Level kann man erreichen... bisher bin ich nie weiter als bis Level 40 oder so gekommen, dank der Herren Klapsenschaffner und Falcon ist dies inzwischen anders.
Hier steht sie auf einem Steg, an dem sie in einigen Minuten ihre Angelfertigkeiten perfektionieren werden wird.
Und auf dem unteren Bild kann man das komplette User-Interface sehen, samt der ganzen zur Verfügung stehenden Zaubersprüche, der verschiedenen Utensilien wie Angel, Schild und Streitkolben, der Tränke zur Heilung und zur Verstärkung der Zauber und Rüstung.
Die Rüstung ist nicht mehr ganz so spärlich... leider ist es Plattenrüstung, bei Regen ist mit Rost zu rechnen :-)
Das schwarze Ding hinter ihr ist nicht der Schatten, den der dicke Hintern wirft, sondern die mächtige Ausstrahlung ihrer Waffe. Wer hätte das gedacht.In diesem Sinne, schöne Grüße aus dem Dorf der Bruchhauer im Hinterland. Und Petri Heil, zusammen!
Stets die Eure,
Lily
Dienstag, 10. März 2009
Insalata mista
Lollies…
Hatte ich versprochen, kriegt ihr auch- wer möchte, kann mir seine Adresse mailen. Bitte mit Wunschgeschmacks-Angabe (die Auswahl beschränkt sich jedoch auf handelsübliche Geschmacksrichtungen, also ist Gold-mit-Kaviar leider eine unerfüllbare Vision).
Und da ich mich nicht entscheiden konnte, weil alle eure Beiträge mir so gut gefallen haben, verteile ich Lutscher an alle Kommentatoren des Warnhinweis-Posts.
Für alle anderen, also die, die nicht gern ihre Anschrift unters Volk streuen (was ich verstehen kann) gibt’s virtuelle Süßigkeiten nach Wahl:
Nennt mir ein Thema, und ich bastel euch einen virtuellen Lolly, schriftlich natürlich, an dem ihr dann etwas zu kauen bekommt. (Hoffentlich…)
Wer etwas anderes als einen Lolly haben möchte, Schokoriegel oder saure Gurken, möge mir dies ebenfalls mitteilen!
…und Regen.
Ich liebe Regen. Sagte ich das schon? Drin sein, ohne sich verpflichtet fühlen zu müssen, die Tolle Sonne ™ zu genießen, sondern statt dessen auf dem Bett liegen zu können und die Tropfen an die Fensterscheiben pladdern zu hören, ist eine feine Sache. Derzeit ist draußen das Wetter unentschieden, ob es sprüh- oder platzregnen soll- meinetwegen wechselt euch gern ab, Sprüh und Platz! Nicht, dass gleich einer weint!
Ich find’s auch nicht schlimm, draußen zu sein, und nass zu werden. Meist kann man da kleidungstechnisch durchaus was reißen… Das einzige, was richtig ätzend ist, ist Zweiradfahren im Regen. Sowohl beim Radfahren als auch beim Motorradfahren sind nass geregnete Brillen (verschärft durch das beschlagene Motorradhelmvisier des frühzeitigen Todes) gelinde gesagt suboptimal. Und es gibt kaum was fieseres, als wenn über den Helmrand einem kaltes Wasser in den Nacken und dann den Rücken runterläuft, in die Kombi hinein. Wenn die Stiefel einmal voll gelaufen sind, ist auch meine Toleranz für Wasser-das-vom-Himmel-fällt schlagartig zu Ende.
Vor allem, nachdem ich bei so einem Wetter nach zwei Stunden Regenfahrt vor Jahren den Sittich über den Lenker gemacht habe. Seither misstraue ich Doppelscheibenbremsen vorn grundsätzlich, und ganz besonders bei nasser Fahrbahn.
Da ist es was ganz anderes, bei Regen zu Fuß loszuziehen und den nahen Park eines nahen Schlosses ganz für sich alleine zu haben. Ohne Schirm, sonst werden nur die Finger kalt, mit dickem Pullover unter der Regenjacke, die extra zu diesem Zweck zwei Nummern zu groß gekauft wurde. Wenn’s dabei zu kalt wird, kann man anschließend zum Aufwärmen in die Wanne klettern.
Und das allerbeste ist, wenn es im Sommer, nach wochenlanger Trockenheit, so ein schönes, pladdriges, heftiges Gewitter gibt. Wenns vorher schon nach Regen riecht, und irgendwo weit weg schon anfängt, zu donnern und zu blitzen, und dann steht man irgendwo, schaut hinaus in den gelblichen Himmel, und zählt die Blasen auf den Pfützen, die auf der Straße an einem vorbei sich in den Gully stürzen. Anschließend hat man wieder eine runderneuerte, frisch gewaschene Welt.
Wunderschön.
Ganz die Eure,
Lily
Mittwoch, 4. März 2009
Alte Lieben
Irgendwie sterben sie nicht, die diversen Aspekte der Zuneigung zu alten, längst nicht mehr aktuellen Lieben- sofern sie solche geblieben sind, finde ich.
Eine Liebe bleiben konnten sie beinahe nur, wenn sie nie Realität wurden, sondern immer eine Traumvorstellung, ein nicht realisiertes Drehbuch blieben.
Die, die umgesetzt wurden in den Alltag, haben oft alle Beteiligten unrettbar beschädigt, und wenn nicht sie, dann wenigstens das Bild, das man mal voneinander hatte.
In der letzten Zeit muss ich da oft an einen Menschen besonders denken, den ich schon seit mehreren Jahrzehnten kenne, den ich von Anfang an mochte, der mir Traumstoff gegeben hat, und mir mit der schlichten Tatsache seiner Existenz durch manche ansonsten sehr ärgerlich verbrachte Nacht geholfen hat.
Wir haben nie was miteinander gehabt, lange zu meinem großen Bedauern. Ich hab nie erfahren, ob ihm das auch so ging, und das ist gut so- das hätte mir vollends den Schlaf geraubt für längere Zeit.
Heute ist es so, dass ich ihn immer noch sehr schätze, auch wenn die Held-meiner-Träume-Aura einer nüchterneren Betrachtung gewichen ist.
Die Zuneigung ist gewachsen, alles in allem.
Ich wünsch dir alles Gute, mein Lieber!
Lily
Donnerstag, 26. Februar 2009
An die Tasten...
Diejenigen unter euch die auch schon mal was schreiben, kennen das- da will man unbedingt was aufs Papier oder in die Pixel bringen, und aus unerfindlichen Gründen wird das nix.
Sei es, dass im Augenblick im eigenen Leben nichts Blogbares (oder aber nur Nicht-Blogbares :) ) geschieht, oder dass man seine Unentschlossenheiten nicht auch noch irgendwie manifestiert sehen will- es kommt einfach inhaltlich nichts dabei rum.
Der Drang zum Schreiben bleibt, zumindest bei mir, erhalten, womit klar gestellt ist, was dieses Posting hier soll.
Schreiben, um des Schreibens willen.
Nun ist Joggen, als Laufen um des Laufens willen, eine respektierte und von führenden Meinungsmachern als gesund anerkannte Beschäftigung (mich hat das nie überzeugen können, aber das ist eine andere Baustelle)
Schreiben um des Schreibens willen gilt jedoch eher nicht als gesund, wenn auch Warnhinweise mir persönlich noch nicht untergekommen sind.
Aber das kann man ändern:
Wer mir den schönsten Warnhinweis zukommen lässt, kriegt einen Lolly :) Das ist dann was Süßes, was man im Zweifel noch in der Nachbarschaft den Kindern andrehen kann- und ich hab was zu schreiben. Nämlich eine Laudatio auf den besten Warnhinweis, über den dann abgestimmt werden kann.
Einen schönen Tag euch allen,
Lily
Dienstag, 24. Februar 2009
Zahltag
Ich wollte hier mal wieder was Tolles und Originelles schreiben, was Witziges, Wahres, Wunderbares.
Leider sondert mein Hirn nur Klischees ab. Noch dazu von der beduselten Sorte.
Damit muss ich leben, und ihr auch.
Aber ich hab trotzdem was für euch:
Nicht weil die Dinge unerreichbar sind, wagen wir sie nicht- weil wir sie nicht wagen, bleiben sie unerreichbar.
Das hat Seneca gesagt.
Also: Zahlt einen Vertrauensvorschuss ans Leben. Wagt was.
L.
Samstag, 21. Februar 2009
specials
Dies ist ein ganz besonderer Blogeintrag, und man siehts ihm nicht mal an...
Ich hingegen spüre es in den Fingern, höre es und fühle es, wenn ich mich gaanz nach links beuge.
Dies ist der erste Blogeintrag mit meinem neuen Rechner.
Denkt euch an dieser Stelle Geigen, Harfen, Bratschen...
Na ja, ganz neu ist er nicht. Teilweise, also was das Äußere betrifft, ist er sogar bereits recht, sagen wir, gezeichnet. Nachdem der PC, mit dem ich hier vor zwei Jahren einzog, mit merkwürdigen Meldungen sich in den Computerhimmel davon gemacht hatte, lieh mir ein Freund meines Sohnes seinen Ersatzrechner. Den hab ich nie richtig zusammengebaut, Platten und Laufwerke waren nur notdürftig festgemacht, und das Seitenteil fehlte.
Aber wirklich wichtig war, dass er funktionierte.
Das tat er. Nicht schnell oder besonders effektiv, aber er lief.
Bis, ja, bis sich meine Aufmerksamkeit erneut mit dem Online-Spielen befasste. Im Grunde funktionierte auch das, aber- die Performance ließ zu wünschen übrig. Teilweise bremste der Rechner als solcher die relativ schnelle Internetverbindung so aus, dass die Grafik munter, aber lästig ruckelte. Zudem musste man die Darstellung des Spiels auf die niedrigsten Werte einstellen, sonst hätte man gar nicht spielen können. Das ist nicht sehr hilfreich.
Außerdem schmierte er in letzter Zeit zunehmend häufig ab.
Es gibt da jemanden, der hat davon erfahren, und mir eine Riesenfreude gemacht... Er hat mir das Mainboard seines Backup-Rechners geschenkt. Board, Prozessor und Speicher.
Das hab ich dann gestern morgen in das Gehäuse meines alten Rechners eingebaut- und, oh Wunder!- ohne mich wer weiß wie zu verheddern in der dann meist folgenden hektischen Suche nach Fehlern, er lief sofort und auf Anhieb, wenn auch mit kleinen Abstrichen, die mit dem Erwerb einer Soundkarte zu regeln waren.
Ich bin hochzufrieden. Außerdem freue ich mich sehr, dass ich diesen Menschen kenne.
Kein schlechter Start in den Tag.
Und endlich wieder einen zugeschraubten, vollständig bestückten Computer neben mir zu sehen, in einem schönen und mal selbst ausgesuchten Alu-Case und nicht in einem verkratzten und abgerunkelten Gehäuse, freut mich auch.
Außerdem: Sounds abounds...
Einen schönen Samstag euch allen, und noch ne Runde Dankeschön an den, der weiß, er ist gemeint.
Lily.
Donnerstag, 19. Februar 2009
Vertrauen?
Eine Freundin und langjährige Kollegin hat sich, nach vielen Bedenken und vielem Zaudern, einem Haufen Tränen und Frust vor knapp drei Jahren von ihrem Partner getrennt- weil er, ganz Ritter und so, eine plötzlich aufflammende Zuneigung zu seiner Sekretärin spürte, aber seine Partnerin nicht verletzen wollte, in dem er ihr das mitteilt. Statt dessen hat er eine Parallelbeziehung aufgebaut, was dem betrogenen Teil einer solchen Sache höchst selten verborgen bleibt. So auch hier, und nach endlosen Diskussionen und der üblichen Qual einer solchen Episode lebt sie jetzt recht zufrieden allein.
Er lebt mit dem Trennungsgrund zusammen, hat Fakten geschaffen, die meine Freundin ihm jahrelang nicht zumuten wollte (alles Fakten in Richtung Bindung…) und bemüht sich seit der Trennung, sich von meiner Freundin die Absolution fürs Fremdgehen erteilen zu lassen.
Ich bin eine Verfechterin des Verzeihens. So schwer es fällt, es erleichtert am Ende alle Beteiligten.
Ein klitzekleines bisschen Boshaftigkeit spielt jedoch hier mit, wenn ich ihr raten würde, ihm diese Verzeihung zu gewähren, ihn aber darauf aufmerksam machen würde, dass er selbstverständlich mit seinem schlechten Gewissen ganz allein fertig werden müsste…
Nun gut, jedenfalls hat er sie bereits vor geraumer Zeit angetextet, mit der dringenden Bitte um ein Gespräch. Ein klärendes- was anderes gibt’s ja nicht, nach so langer Zeit.
Sie war bereit dazu, hat entsprechend geantwortet, und dann nichts mehr gehört.
Auf Nachfrage nach einigen Wochen kam auch keine Antwort.
Gestern dann hat er sie angerufen.
Er würde sooo gern einige Sachen mit ihr klären. Leider hat seine derzeitige Partnerin ein Riesenproblem damit, wenn er mit seiner Exfreundin spricht, deshalb soll das ohne ihr Wissen geschehen.
Da sie jedoch als seine Sekretärin seine Termine koordiniert, sei das alles nicht so einfach.
Auch wolle er, da ihn ein solches Gespräch erfahrungsgemäß aufwühle, nicht anschließend nach Hause fahren.
Auch das sei natürlich schwierig.
Hier konnte ich dann nicht mehr an mich halten und hab ihr dringend geraten, so ein Gespräch zu verweigern.
Jemand, der genau weiß, dass seine Freundin unter so einem Gespräch leiden würde, und es trotzdem, dafür aber heimlich, führen will, ist für mich immer noch eines: Ein Arschloch, ein feiges noch dazu. Seine Freundin wird wissen, warum sie ihm nicht traut.
Ich wüsste nicht, welche Art Klärung mit so jemandem möglich wäre.
Leider bin ich nicht durchgedrungen mit meiner Ansicht.
Was mich zu der Frage bringt, ob ich die einzige bin, die es schwierig findet, einem Fremdgänger zu vertrauen. Auch, und gerade, wenn man selbst diejenige ist, die mit ihm weiland zur Seite gesprungen ist.
Irgendwelche Einmaligkeiten können jedem passieren, davon nehme ich mich weiß Gott nicht aus. Ist mir schon passiert, kann morgen wieder passieren. Schwamm drüber, und gut ist. Aber den Partner, den man zu lieben vorgibt, systematisch und länger zu hintergehen erfordert Geschick, Logistik und beträchtliche Energie. Wer das einmal macht, hat meist Blut geleckt und will mehr davon. Denn da ist ja, neben dem Ego-Boost aus einer neuen Liebe, auch noch der Kick vom Fremdgehen an sich.
Eine unwiderstehliche Mischung für manche, glaub ich.
Trotzdem ein Arschloch-Verhalten.
Dienstag, 17. Februar 2009
Balance
Die Balance halten zu können war ein wichtiges Feature in meiner Kindheit. Wer über eine Stange balancieren konnte, hatte eine besondere Fähigkeit. Unnötig zu sagen, dass mir diese abging. Alles balancierte wie wild, und ich stand da und schaute interessiert. Auch, um mir nicht den Knöchel zu brechen. Dazu gab ich naseweise Kommentare ab.
Heutzutage hätte ich mir damit vermutlich bereits einen Platz in diversen Förderprogrammen gesichert. Einem für Kinder, die motorisch solche Deppen sind, dass sie nicht balancieren können. Eins für Kinder, die nicht probieren, es trotzdem zu schaffen, und eines für die Sorte, die zu gerissen sind, sich die Knochen zu ruinieren, sondern statt dessen lieber vom Boden aus die anderen coachen.
Was der Mainstream kann und tut, ist heute die Norm. Wie bei Zähnen, wird auch bei Menschen so lang eingestellt, gebogen, gedrückt und korrigiert, bis irgendwann alle gleich sind. Wenn das nicht funktioniert, wird flugs eine Krankheit draus gemacht und eine Therapie dagegen erfunden. Vorzugsweise teuer, langanhaltend und/oder mit Medikamenteneinnahme verbunden.
Ich nehm mich da nicht aus- wie das vorletzte Posting beweist, ist Druck, in die Norm zu passen, durchaus eine Größe, mit der ich rechnen muss. Gleichzeitig verspüre ich jedoch eine ganz massive Neigung, mich gerade diesen Anpassungsmechnismen zu widersetzen. Aus Prinzip, und weil ich einfach nicht will. Das Ergebnis lässt dann ab und zu das heulende Elend am Horizont vorbei spuken, oder auch mal einen Schritt in meine Richtung tun.
Vermeiden könnte man das mit etwas mehr Balance. Etwas mehr Ausgeglichenheit, Raum für das Chaos, da wo man es haben kann, und Raum für Angepasstsein, wo dieses angebracht ist.
Aber, wisst ihr was?
Dafür bin ich viel zu unbalanciert.
Ich schieße hin und her wie eine Kugel beim Carambolage, lege fünfzig Meter zurück, wo andere zehn brauchen, und steh mir oft und oft selbst im Weg.
Irgendwas werd ich davon haben, denke ich.
Bin nur noch nicht dahinter, was genau.
Mein Grinsen ist an dieser Stelle etwas schief. Ebenso wie meine Zähne.
L
Samstag, 14. Februar 2009
...wo wir schon beim Nutzen von Schubladen sind...
...darf ich euch an dieser Stelle mitteilen, dass das, was Lootwiga an den Beinen trägt, eine Hose mit unerwartet hohen Rüstungswerten ist? Man könnte "Kampfhure" zu ihr sagen, wenn, ja wenn man zu Schubladendenken neigt.
Was natürlich niemand tut :-)
L.
Making of „weiberleben“ - oder: Der Rechtfertigungszwang
Es begab sich also zu der Zeit, als das Land regiert wurde von der Dame im Abendkleid +3 auf Decolleté, dass ein Gebot ausgehe, dass ein jeder sich vergleiche mit seinen Geschlechtsgenossen.
Die ExBraut und eure euch zutiefst Verbundene gingen daraufhin in der Mittagspause in einen lokalen Schönheitstempel (aka Parfümeriekettenzweigstelle).
Sowas ist eine Prüfung, unter Umständen, und hat sich auch gestern als solche erwiesen.
Kaum da, und soeben erst eingetaucht in das, was Parfümeriekettenpublicrelationeers als corporate fragrance konzipiert haben, also das besondere Aroma, das jedem dieser Läden eigen ist (und vermutlich wirklich ein speziell entwickelter D*uglas-Duft ist) sank mir schon das Herz.
Ins absolut Bodenlose, ich hätte auf der Stelle losheulen können.
Mental schwebte über mir ein roter Pfeil, auf und ab hüpfend, der signalisierte:
DA GEHT SIE, DIE HÄSSLICHE.
Haltet Abstand, es ist ansteckend.
Um mich rum Frauen. Kleine Frauen, zierliche Frauen, geschminkt und gepflegt und geschniegelt und überhaupt.
Ich stand da, in meinen Billig-Turnschuhen, der Uralt-Jeans, dem C&A-Jäckchen, mit der Tasche in Woolworth-Design und den müden Augen. Ein rausgewachsener Haarschnitt und diverse Kilo Übergewicht machten es nicht wirklich besser.
Auch nicht das Bewusstsein, dass ich es mir definitiv nicht leisten kann, mir das zu gönnen, was man „sich was gönnen“ nennt.
„Zu Hause“ in meiner Bürozelle, umgeben von genug Arbeit bis an mein Lebensende, musste ich dann erst mal ein Ströfchen vor mich hin heulen, im Büro keine wirklich gute Idee.
Und ungeachtet der Arbeit musste ich darüber intensiv nachdenken, was ich, wie ihr alle wisst, gern schriftlich tu.
Viele Versuche, die alle im Chaos endeten, über Emanzipation, Jutesäcke, Birkenstocks, Bodylotions, das Konzept von Schönheit, die irre Idee, dass Frauen sich gegenseitig (und sich selbst) runtermachen, weil die eine das Köpfchen hat und die andere das Frisürchen trägt.
Über die Schubladen, in die wir uns gegenseitig stecken, und an denen wir uns (beim aggressiven Schließen derselben) doch immer nur die Finger einklemmen. Die eigenen Finger.
Der vierte oder fünfte Versuch trug den Titel: Mädchen, Mutter, Matrone. Und dazu spukte mir eine Textzeile von Ina Deter im Kopf herum: „Die Hexe, die Hure, die heil’ge Madonna...“
Das schrie nach einer Liste, der guten Ordnung halber einer alphabetischen Liste.
Et voilà.
Womit hoffentlich auch die Frage nach der Quelle beantwortet ist, die ich übrigens als Tritt auf den Zeh empfunden habe.
Stets die eure,
Lily
Freitag, 13. Februar 2009
Weiberleben
ArchivarinAbenteurerin AngeberinBetschwesterBeschützerinBeichtmutter CharmebombeChemikerinChristinDemokratinDemonstrantinDurchblickerin
ElendeErleuchteteErleichterteFreundinFeindinFreche
GöreGirlyGestörteHeitereHureHirnverbrannte
IrreIntensiveImmacolataJägerinJa-SagerinJelängerjelieber
KöchinKindlicheKaiserinLiebeLeidLust
MädchenMutterMatrone NeugierigeNutznießerinNeo-Romantikerin
OberkommandierendeOmaOberbesserwisserinPrinzessinPriesterinPutzfrau
QualQuerulantinQuerdenkerinReineRosigeRiesin
SexbombeSenatorinSeifenopernstarTanteTierTänzerin
UngeheuerUngezähmteUrteilerinVielgeliebteVerteidigerinVerwalterin
WunderwirkendeWasserträgerinWahrsagerinXanthippeXeniaXarifa
YvetteYvonneYuppie ZauselZauberbieneZärtliche.
Und alles nur, weil ich dich ....
liebe?!
Jep, mal wieder das alte Thema. Irgendwie ist man nie richtig damit durch, oder?
Wenn ich auch schon einmal wortreich darüber gefaselt habe, dass ich nicht dran glaube, dass es sie gibt, so gibt’s doch Neues zu berichten.
Nein, nicht was ihr denkt.
Ich bin immer noch Single, und wie ich mich kenne, werde ich das auch bleiben. Bis sie die Zwangsehe einführen, und vielleicht sogar dann noch, aus lauter „Will-nich!“ und Trotz.
Nein, wovon ich rede, angesichts des massiven Beschusses mit süßlicher Reklame, Schokolade und Herzchen, ist die Liebe, die Freunden zuwächst. Zwischen Freund/Innen, sozusagen.
Die gibt’s bestimmt, da bin ich sicher, die hab ich auch schon mal getroffen. Eines der wirklich schönen Gefühle- warm, aber nicht erstickend, verpflichtend, aber nicht mit der Option auf Ewigkeit, und nicht verstörend, wenn sie nicht in gleichem Maß erwidert wird.
Im Gegensatz zu der Liebe zu einem Lebenspartner bringt so was nicht zwangsläufig das Schlechteste in den Menschen zum Vorschein, weil Selbstzweifel, Vergleiche, Attraktivität oder Nicht-Attraktivität einfach keine Rolle spielen.
Ich will, bitte, mehr davon.
Das Beste ist: Es ist gar kein Problem, mehr zu wollen, und auch mehr zu kriegen. Weil man nur offenen Herzens auf die Menschen zu gehen muss.
In diesem Sinne:
Alles- Liebe!
L.
Mittwoch, 11. Februar 2009
Stringtanga des arkanen Zorns+ 2 Intelligenz
So oder so ähnlich sind in der Welt des Kriegshandwerks (aka „WoW“) die Items benannt, die als Rüstung, Waffen oder andere Ausrüstungsgegenstände von den Charakteren, Avataren oder wie immer man sie nennen sollte, angelegt werden können. Zusätzlich zu ihrem eigentlichen Einsatzgebiet, also Kampf oder Schutz, haben sie Einfluss auf die Eigenschaften. Ein Item mit einem Zusatzwert für Ausdauer zum Beispiel erhöht die Lebensdauer des Charakters. Intelligenz-Zusatzwerte steigern bestimmte andere Fähigkeiten.
Natürlich heißt kein Teil tatsächlich Stringtanga des Was-Auch-Immer. Viel öfter finden sich Schärpen, Helme, Schwerter, Äxte, Hosen. Arkaner Zorn, Bär, Wal, Eule sind jedoch als Zusatzeigenschaft häufig, und lassen den erfahrenen Spieler schon vermuten, welche besonderen Eigenschaften dieses Item hat. Man sieht jedoch damit nicht aus wie eine Eule, ein Wal oder ein Bär.
Es fällt aber auf, dass die Optik der Rüstungsteile in bizarrem Maß unterschiedlich ist, je nachdem, welche Art Charakter der Spieler gewählt hat.
Zunächst mal, für alle die, die es noch nicht gesehen oder gespielt haben:
Es gibt verschiedene Völker, von denen die meisten relativ hässliche Optiken haben- Hörner, bloßliegende Knochen, Miniköpfe und Maxi-Muskeln, usw.
Dann gibt’s die eher ästhetischen Völker wie Gnome, Menschen, Nacht- und Blutelfen. Den Elfen sind komische Ohren gemein, die Gnome sind so klein, dass man sie kaum sieht, und die Menschen haben eine gewisse uniforme und neutrale Hübschheit.
Von näherem betrachtet kann man dann folgendes feststellen: Obwohl sich männliche und weibliche Charaktere in ihrer Einsatzfähigkeit nicht unterscheiden, es also zum Beispiel kraft- und ausdauerbezogen gleichgültig ist, ob man eine Kriegerin oder einen Krieger, eine Paladina oder einen Paladin levelt, ist es keinesfalls gleichgültig, was man den Figuren „anzieht“.
In den ersten Leveln sieht alles albern aus. Winzige Läppchen, die hinter der Figur her fliegen, sollen Umhänge darstellen, die Stiefel sehen alle aus wie aus Gummi, und auch sonst hängen einem da allerlei Fetzen vom Leib.
Dann geht’s aber irgendwann los, und die Kleidung der Männer wird immer breiter, bunter und vielschichtiger, manchem fehlt nur noch eine Lichterkette und ein paar farbige, glänzende Kugeln, um geschmückt wie ein Christbaum seiner Wege ziehen zu können.
Die weiblichen Charaktere hingegen haben immer weniger an.
Meine Level 33 Paladina trägt zurzeit ein knappes Bustier, bauchfrei, und ein paar hässlich-quergestreifte Hosen, eng auf die pixelige Haut geschneidert. Mit Helm, Handschuhen und Stiefeln bringt sie es auf ca. 2.500 Rüstungspunkte. Die hässlichen Hosen trägt sie nur, weil es höherwertige (und damit knappere?) Beinkleider derzeit nicht zu kaufen gibt. Ein Test letztens ergab, dass das gleiche Item, das bei Männern aussieht wie ein Paar enger, schwarzer Jeans, bei den gleichrangigen Frauen aussieht wie ein Satz schwarzer halterloser Strümpfe mit Spitzenabschluss.
Der Magier vom Klapsenschaffner, eingehüllt in eine Art bodenlangen Mantel (der zum Glück nicht mehr lila ist, sondern schwarz), bringt den armen Kerl nur auf ca. 600 Punkte. Dass er soviel schutzloser ist als die zierliche und wohlgestaltete Dame, in deren Begleitung er wilde Tiere und ruchlose Verbrecher erlegt, sieht man ihm gar nicht an.
Mich stört es jetzt wirklich nicht, dass die Mädels da leicht bekleidet durch die Gegend ziehen. Es ist gut zu wissen, dass die fast nackte Feindin vor einem vermutlich die Sanftheit eines Leopard II mit der seelischen Ausgeglichenheit einer Splitterbombe vereint, und dass man das am besten am Prozentsatz bloßer Haut erkennt.
Ich finde nur die Spekulation interessant, auf welcher Art Psyche solche Konzepte fußen.
Darüber grübelt gerade die sich ungewohnt dekorativ fühlende
Lily
Ach, und man sollte nicht aus der Schutzlosigkeit des Magiers auf seine Harmlosigkeit schließen- wenn er loslegt, hat er auf die Gesundheit seiner Gegner die Wirkung eines Schweißbrenners auf ein Päckchen Speiseeis.
Dienstag, 10. Februar 2009
Neujahrskater, langanhaltende Variante.
Ich find das Leben manchmal so zum Kotzen
So unerfreulich, blöd und ungeschlacht.
Da kann ich gar nicht zuviel drüber motzen,
das hat bestimmt ein Monster ausgedacht.
Die Tage scheinen dann nicht mehr zu enden,
sind trüb und grau, und unerträglich zäh,
Auch in der Nacht will sich kein Schicksal wenden,
Und wenn ich aufsteh, stoß ich mir den Zeh.
Das Auto springt nicht an. Der Kaffee schmeckt nicht.
Die Haare sehen aus wie nach nem Sturm
Der Blick in meinen Spiegel, der beschämt mich-
Kurzum: Dies ganze Leben ist voll Wurm
Doch dann und wann, des Morgens früh um zwei,
oder bei Sonnenaufgang. Oder nachts um drei.
Um achtzehn dreißig. Oder vier Uhr zehn.
Da lässt die graue Stimmung mich dann plötzlich gehn.
Die Sonne scheint. Es weht ein scharfer Wind;
Im Baum vor meinem Fenster sitzt ein Specht.
Er klopft. Ich lausche. Und wir beide sind
Am Leben. Und das ist doch gar nicht schlecht.
Donnerstag, 5. Februar 2009
Lob
Heute morgen traf hier im Büro das Schreiben eines Anwalts ein, der der Meinung war, ich hätte etwas falsch entschieden. Als Begründung verwies er auf eine parallele Geschichte, bei der eine andere Stelle den gleichen Sachverhalt anders, nämlich für seinen Mandanten günstiger, beurteilt hatte.
Ich hab darauf hin Kontakt mit dieser anderen Stelle aufgenommen, und im Verlauf des Gesprächs festgestellt, dass der dortige Entscheider voll daneben gegriffen hat.
Jetzt wird der Mandant des Anwalts auch von der anderen Stelle ein Schreiben bekommen, das ihn in gleicher Weise verpflichtet, wie das meine ursprüngliche Entscheidung tat.
Der Kollege in der anderen Stelle ist (tatsächlich, das gibt’s, man glaubt es kaum) noch länger dabei, und war an drei oder vier Stellen seines Entscheidungsprozesses so was von im Irrtum, dass es sich nur mit Betriebsblindheit erklären lässt.
So. Und dann saß ich da, und war stolz auf die richtige Lösung, die noch dazu meinen Arbeitgeber grundsätzlich auch erfreuen dürfte.
Dann fiel mir auf, dass das hier als selbstverständlich angesehen wird, keiner Bemerkung wert, aber dass ein falsch gesetztes Komma in einem Satz bereits Kritik hervorruft.
Und ich frag mich: Bin ich kindlich, weil ich mir von Zeit zu Zeit mal ein Lob wünsche? Bin nicht nur ich es, die sich nach so langen Jahren nur noch mühsam immer wieder selbst motivieren kann?
Aus dem reinen Beherrschen eines Prozesses über Jahrzehnte bereits Befriedigung für sich zu ziehen, grenzt an Zen- wer das immer kann, wird irgendwann vermutlich auch schweben oder hellsehen können.
Dann bin ich hier weg.
Aber so was von.
L.
Mittwoch, 4. Februar 2009
Modellhaft
Die beste Therapeutin ever hat sich gestern bemüht, wieder mal ein bisschen Staub aufzuwirbeln. Das gelingt ihr immer am besten, wenn ich eigentlich finde, dass es mir derzeit ganz gut geht, und wenn ich gar nicht so genau weiß, warum ich diesen Termin gerade unbedingt wahrnehmen sollte.
Ihre erste Äußerung war: „Sie sehen so entspannt aus“ und ich konnt gerade noch, mit Sternchen in den Augen, sagen: „Mir geht’s auch gut“, als sie auch schon los legte.
Am Ende saß ich dann da, mit einer Schemazeichnung meines Inneren (und da stand nicht drauf, wo die Milz wohnt und wo die Leber- nebenbei, wo sitzt die Milz?) und einer gehörigen Portion Ratlosigkeit.
Offenbar setze ich mich aus vielen verschiedenen Facetten zusammen, die alle nicht recht harmonieren wollen.
Wie alle guten Stunden bei ihr hat auch diese ein paar Nachwirkungen, so einen Zeitzündereffekt.
Bei näherer Analyse über Nacht und mithilfe meines Seeleninkubators ™, in den ich solche Dinge packe und vor sich hin reifen lasse, erscheint mir vieles von dem, was ich im ersten Moment als problematisch und unnütz bezeichnet habe, so unnütz auch wieder nicht. Und ich muss bei der Auseinanderdröselung offenbar unterscheiden, ob es sich um authentische Bestandteile meiner selbst handelt, oder um angelernte Mechanismen, Reaktionen und Verhaltensweisen, die einmal eine Funktion hatten, die aber nicht (mehr) im positiven Sinne ausüben.
Zum Beispiel die Funktion Coolsein-um-jeden-Preis.
Die kotzt mich an, die behindert mich, und die führt dazu, dass man sich quasi nie unbeobachtet fühlt. Wenn grad niemand da ist, dann beobachtet man sich halt selber. Vergleicht, justiert, kritisiert.
Diese Funktion des Coolseins hat natürlich die Aufgabe, wichtige und gefährdete und ansonsten ungeschützte Anteile zu behüten.
Coolsein ist aber nicht nur eine Eigenschaft, sondern ich glaube, dass, sofern Coolsein als Waffe und Schutz gebraucht wird, sie einen auch einschränkt, sie ist nämlich starr und ziemlich kalt.
Sie bildet Ringe um den wirklichen Kern des Planeten Lily. So wie beim Saturn.
Ich hab wenig Probleme, mich im Alltag durchzusetzen, was aber nicht an meinem angeborenen Konfliktgeschick oder einer wirklichen Durchsetzungsfähigkeit liegt.
Es liegt am Auftreten, das dem Gegenüber gleich nahe legt, mir besser nicht zu nahe zu kommen. Es gibt Menschen, die sind mir nahe genug und ich vertraue ihnen genug, um dieses Visier hochzuklappen. Aber das sind wenige.
Andere Menschen bezeichnen mich als kalt, und wenn das ihre Wahrnehmung ist, so erschreckt mich das schon, denn das bin ich nicht.
Manche Bedürfnisse kommen aufgrund dieser Coolness, des kühlen Auftretens und der vorgeblichen Bewaffnung –bis- an- die- Zähne immer zu kurz.
Alle die Teile in mir, die Schutz brauchen, die weich sind, die potenziell ein hohes Verletzungsrisiko tragen, die warten in der zweiten oder dritten oder vierten Reihe hinter den Mauern.
Sie sind vor Verletzungen sicher, das ist klar, sie sind aber auch vom Leben abgeschnitten.
Um zu wachsen und aus sich selbst raus stark zu werden brauchten sie aber nicht weniger, sondern mehr Zufluss. Sie bleiben bedürftig, und erleben, dass das, was sie brauchen, von der Herrin der sieben Saturnringe nicht kriegen. Stattdessen kriegen sie Spott ab, spitze Bemerkungen, und müssen lesen, wie die Finger, die an ihnen befestigt sind, Tiraden gegen das Wort „Kuscheln“ in die Tasten tippen.
Scheiße, das alles.
Hört ihr?
Ich will das ändern!
Ich will.
L
Dienstag, 3. Februar 2009
Ich will.
„Ich will“ ist eine Formulierung, die der gemäßigt devote Kleinbürger seinen Kindern beizeiten abgewöhnt, im vorgeblichen Interesse guter Manieren.
Statt dessen sagt das gepflegte Kleinkind „Ich möchte“; weil Mama das höflicher findet.
Das mag es sein, es ist aber auch gelogen.
Zumindest zu Beginn der erzieherischen Einflussnahme.
Denn dieser kleine Mensch da „möchte“ nicht, er will, und zwar mit jeder Faser seines Wesens.
Manchmal will er auch nicht. Dann ist das kein wischi-waschi „Ich würde etwas anderes bevorzugen, vielen Dank auch“. Sondern mit Verve wird abgelehnt, was nicht in die unmittelbaren Pläne passt. Es ist ein Beharren auf dem Gegenteil dessen, was vorgeschlagen wird oder zur Verfügung gestellt werden soll. Ein Nichtwollen, anstelle eines lediglich nicht Wollens.
Meiner Meinung nach bestimmt Sprache das Bewusstsein, und wir sind nur dann zu klarer Erkenntnis fähig, wenn wir im Besitz der notwendigen Worte für das zu Erkennende sind.
Eine stets korrigierend eingreifende erzieherische Macht, die dem Subjekt der Erziehung vermittelt, es wolle nicht, sondern habe lediglich einen höflichen Wunsch, vernebelt die Dinge, verschleiert Beweggründe und sorgt für Verwirrung.
Später dann muss man jede Menge Zeit dafür aufbringen, mal abgesehen von Energie und Kosten, um wieder in Kontakt mit den Dingen zu kommen, die man wirklich will.
Gerade die Äußerung „Ich will“ hat alles mit Zielen, manchmal sogar Lebenszielen zu tun.
Wenn man lernt, dass es sich nicht gehört, „Ich will“ zu sagen, lernt man immanent, dass Ziele ebenso ein bisschen pfui sind.
Nun ist es derzeit so, dass ich etwas will. Mit einem ziemlich großen Anteil meines Herzens- ich wills einfach.
Es spricht jede Menge dagegen, das zu wollen, nicht zuletzt ein gehöriges Maß an Schwierigkeiten, die mit diesem Traum verbunden wären.
Aber ich wills.
Und das ist doch schon mal was. Oder?
L
Montag, 2. Februar 2009
Ich kanns nicht lassen. (Vorsicht: Meinung!)
Bis vor ca. 11 Jahren war ich katholisch. Dann bin ich ausgetreten aus der Kirche, wenn auch mit Magenschmerzen. Erstens, weil ich weiß, dass meiner Familie ihre Kirchenzugehörigkeit etwas bedeutet, und dass zum Beispiel mein Vater ernsthaft um mein Seelenheil fürchtet, und zweitens, weil ich katholisch aufgewachsen bin, und Kirche schon einen Teil meines Lebens ausgemacht hat.
Ausgetreten hin oder her, eine Meinung zum Thema hab ich natürlich. Johannes Paul II hat mich teilweise bis aufs Blut gereizt, mit dieser aggressiven Marienfrömmelei und dem Mangel an Realismus und wirklicher, uninstitutioneller Menschenliebe. Mein Hauptkritikpunkt, mal abgesehen von dem eklatanten Demokratiemangel in dieser Amtskirche, ist immer die Unbarmherzigkeit des Umgangs mit menschlichen Schwächen gewesen, sowie die Besserwisserei auf sexuellem Gebiet.
Wirkliche Nächstenliebe drückt sich nicht in herablassender Missionierung, nicht in respektloser Verkennung der Lebensbedingungen der Menschen und vor allem nicht in der Einteilung der Menschheit in Katholiken und ….Andere aus.
So, und dann kam Ratzinger, und wir waren Papst.
Hurra?
Also, meinerseits eher weniger Grund zum Jubeln als je zuvor.
War Johannes Paul II ein Stein in meinem Schuh, so ist Benedikt XVI so was wie ein abgefaulter Fuß.
Der Gott der Liebe, der mir in der Kirche meiner Kindheit bekannt gemacht wurde, spricht irgendwie so gar nicht aus dem, was in den letzten Tagen alles passiert ist.
Da gibts ein grundsätzliches Dilemma, von dem ich schon oft gehört habe: Die Diskrepanz zwischen der Amtskirche, mit ihren lateinisch betitelten Bullen und Verlautbarungen, mit ex- cathedra verkündeten Lehrmeinungen und kirchenrechtlich komplizierten Nuancen auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite findet sich Gemeindearbeit von Pastor XY, Erfahrung von Gemeinschaft, gegenseitigem Respekt und oft beachtlich großer Solidarität der Gläubigen untereinander. Sensible, vernünftige, von Realismus geprägte Geistliche, die ihre Grenzen kennen und ihre Gemeindemitglieder nach bestem Wissen und Gewissen in ihrem Leben unterstützen.
Für viele Katholiken ist Kirche trotzdem total unwichtig. Die Karteileichen zahlen vielleicht aus Trägheit oder schlechtem Gewissen ihre Steuern, und gut ist.
Dann gibt’s die, für die sie nicht unwichtig ist, deren Alltag aber die unmittelbare Gemeinde-Ebene sieht, und für die diese Ebene so bedeutsam ist, dass sie nicht wegen abgehobener, vermutlich akademischer Feinheiten etwas Wichtiges und Liebgewonnenes aufgeben wollen.
Für mein Empfinden ist aber jetzt der Moment gekommen, in dem nicht nur die Gläubigen (also die, die tatsächlich zur Kirche gehören und glauben zu wissen, was sie tun), sondern auch die Geistlichen vor Ort Farbe bekennen müssen:
Für Demokratie, für eine meinungsfreiheitliche Kirche auf dem Boden der gegenseitigen Liebe und des Respekts vor dem Anderen und gegen reaktionäres und versteinertes Arschlochtum, auf jeder Ebene dieses Gesinnungsunternehmens.
Spätestens jetzt ist ein Punkt erreicht, in dem auch der Gemeindepfarrer (und es ist bezeichnend, dass ich hier nicht „Pfarrer/in“ schreiben muss) aufstehen muss, und Posten beziehen. Und sei es nur, um zu beweisen, dass das Seelenheil der ihnen anbefohlenen Gläubigen in Gefahr ist, von erstarrtem "Amtskirch-Ismus" infiziert zu werden.
Jetzt weiter den Mund zu halten bedeutet Solidarität und schweigendes Einverständnis mit dem, was da entschieden wurde. Will das einer?
Bei aller systemimmanenten Resistenz des Kirchenlebens gegen kurzfristige und modische Erscheinungen: Es ist Zeit, dass sich was bewegt. Was muss noch alles aus Rom gesickert kommen, bis die Leute endlich aufbegehren?
Und, Herr Küng: Es mag ja sein, dass Benedikt hinter seiner Riege von Hofschranzen von all dem nichts mehr mitkriegt. Es mag sein.
Aber eine Warnung:
Von vielen Machthabern wurde schon angenommen, sie hätten, hinter ganzen Riegen von filternden Beratern verschanzt und versteckt, den Kontakt zur Realität verloren. (Ich nenne hier keine Namen, die Vergleiche will ich hier nicht einmal nahe legen.)
Als Entschuldigung ist das aber überhaupt kein Argument.
Denn in Machtpositionen trägt man auch Verantwortung, unter anderem dafür, dass man jederzeit seine Daten, Zahlen und Fakten parat hat, und dass man über die Wirkung der Entscheidungen, die man trifft, umfassend informiert ist. Wenn man das nicht mehr garantieren kann, dann, ja dann, ist man schlicht unfähig.
Und sollte gehen, zügig.
L.
Edit:
Natürlich, liebe Etosha, die Links fehlen.
Es geht um die kirchenrechtliche Rehabilitierung einiger unbelehrbar ultrakonservativer Bischöfe, die irgendwann einmal exkommuniziert wurden, sowie um die Weihe eines Menschen zum Weihbischof, der unter anderem erklärt hat, der Hurrikan Katrina sei eine Strafe Gottes für solche Dinge wie Gay Pride Parades und allgemeine Sittenlosigkeit.
Nachzulesen hier, hier und hier.
Der letzte Link enthält etwas mehr zu Hans Küng.
Sonntag, 1. Februar 2009
Wo wir grad bei Youtube rumhängen...
Auch Queen. Von A Night at the Opera, eines der weniger bekannten Lieder.
Samstag, 31. Januar 2009
Gefixt,
der kaputte link im letzten Posting.
Viele Grüße an alle, die je im schwarzen, festlichen Anzug in Thousand Needles unterwegs waren:-)
Confessions
Ich bekenne.
Erstens:
Das Kaff, in dem ich lebe, ist ein Kaff. Mit extra großem K, sowie mit zwei voller Emphase gesprochenen f.
Ich habe soeben versucht, Katzenstreu zu kaufen, und zwar bei Al*i. In keinem der Märkte, die ich heimgesucht habe, fand sich dergleichen. Vor drei Wochen, als ich zum letzten Mal meinen Vorrat ergänzt habe, war das noch anders.
Es ist nicht nur so, dass keine Streu mehr in den Regalen liegt, sondern es fehlen auch Schilder an der Wand, was nahelegt, dass das Produkt nicht mehr verkauft wird. Niemand vom Personal konnte dazu was sagen.
Woraufhin ich mich aufmachte zu „Große-Tiernahrungs-Kette-mit-wenig-appetitanregendem-Namen“. Dort- machte man um 14 Uhr zu. Um 14 Uhr, Herrschaften, und das am Samstag.
Da man bei Pl*s nur das Zeug führt, was nach Babypuder riecht und staubt wie die Rallye Paris-Dakar, musste ich einmal quer durch die ganze Stadt um den einzigen anderen Laden aufzusuchen, von dem ich sicher weiß, dass man dort Silikatstreu führt. Ungefähr anderthalb Mal so teuer wie das Zeug, das man bei Al*i sonst immer hatte. Silikatstreu besteht aus durchscheinenden Kristallen, die nicht klumpen, sondern Feuchtigkeit aufnehmen- dabei verändern sie (in vorhersehbarer Weise) ihre Farbe. Dem Missvergnügen, das diese Farbempfindung beim Katzenuser auslöst, wirkt die Marke, die ich jetzt gezwungen war zu kaufen, durch Beifügung vereinzelter blau gefärbter Kristalle entgegen. Nicht, dass das in Wirklichkeit irgend etwas angenehmer macht. Aber es ist blau. Und daher teuer...:-)
Zweitens.
Ich habe mich ausgesprochen geärgert über diese Umstände - obwohl vermutlich der Verkaufsstopp bei Al*i daran liegt, dass unterbezahlte, einohrige Katzenstreukristallschnitzer endlich ihre Marktmacht erkannt und ein Embargo verhängt haben und die Verkäufer der Handelskette mit dem unappetitlichen Essgeschirr im Namen auch mal Feierabend machen wollen. Deshalb beschlich mich ganz kurz Verständnis für beides. Dann hab ich mich aber gefragt, ob ich noch alle Schweine im Rennen habe.
Drittens.
Des Bekenntnisses letzter Teil enthüllt dem Leser, dass ich dem Gott der akustischen Umweltverschmutzung ein paar süß duftende Opfergaben gebracht habe. Wenn nämlich die Sonne scheint, meine Damen und Herren, und es nicht so ganz furchtbar kalt ist, und ich mich vielleicht geärgert habe, dann, ja dann lobe ich den Unbekannten, der mein Auto mit einer Musikanlage mit ordentlich Druck versehen hat, kurbele die Scheiben runter und beschalle meine Heimatstadt mit schön lauter Musik.
Wohl gemerkt: Nicht zwangsläufig schöner Musik. Nur laut.
Heute war es dies hier, sowie das...
Einen schönen Samstag wünscht euch
Lily.
Freitag, 30. Januar 2009
Potenz.
Es gibt Dinge, die verstärken sich mit zunehmender Dauer der Einwirkungszeit, die …andere Dinge auf sie haben.
Das ist so ähnlich, als ließe man einen nassen Lappen auf seinem Schoß liegen- irgendwann ist das Hosenbein einfach nass. (Und nach noch längerer Einwirkungszeit wieder trocken. Müffelt aber. Auch gibt es Stockflecken.)
Das Phänomen kann man auch als „steter Tropfen höhlt den Stein“ beschreiben.
Interessanter Weise höhlen manche Dinge auch das Hirn.
Nicht anders ist es zu erklären, dass die Wirtschaft in den letzten Jahren dazu neigt, ihre unübersichtlichen Konglomerate von miteinander verflochtenen, institutionalisierten Beispielen für steuerlich absetzbare Misswirtschaft zunehmend mit Namen belegt, die
a) kaum noch voneinander zu unterscheiden sind und
b) sich aus einigen zufällig zusammen gewürfelten Konsonanten (generell aber weitaus mehr Vokalen) zusammen setzen.
Da wird dann aus dem Kaufhaus Müller das Eventcenter Myloidiaia oder so (hört sich jetzt eher nach einem hartnäckigen Pilzinfekt an, aber sei’s drum, das ist künstlerische Freiheit).
Die gute alte Ruhrkohle konnte man immer noch –rein namenstechnisch- auf ihre Ursprünge zurückführen. Den Namen, den man ihr vor kurzem erteilt hat, habe ich verdrängt, woran man schon erkennt, dass er vermutlich in der Masse untergeht. Ob das so beabsichtigt ist?
Die Frage ist für mich immer gewesen, wie in Gottes Namen (ha! Wortspiel!) die Leute auf das schmale Brett gekommen sind, nicht nur Sinn gebende Buchstabenkombinationen sondern auch feste Bilder, die sich im Bewusstsein der Menschen verankert haben, einfach so aufzugeben für Namen, die sich Tolkien in seinen schlimmsten Alpträumen nicht hätte ausmalen wollen.
So langsam glaube ich aber, dass auch die Namen der Konzerne von einem allgemein anzutreffenden Phänomen befallen sind, und das ist der Kevinismus.
Heute morgen, ich senkte meine Augen auf ein Schriftstück, ergriff nämlich das Grauen von mir Besitz.
Da, auf diesem unschuldigen Papier, fand sich die Erklärung.
Auf dem Zettel standen die Namen einiger Kinder.
(Was daran zu erkennen war, dass hinter jeder Buchstabenkolonne ein (Geburts?-) Datum stand, und dahinter jeweils ein Buchstabe zur Kennzeichnung der Geschlechtszugehörigkeit.)
War auch nötig, die Kinder hießen nämlich
Angelina (okay, so heißen alle, aber jetzt kommts…)
Mayo Lardo und
Mira Kelvi (warum nur fehlt mir ein „P“ als Initial für den dritten Vornamen?)…
Es gab auch noch ein viertes Kind. Den Namen konnte ich nicht lesen, weil die bitteren Tränen, die in meinen Augen standen, mir die Sicht verdarben.
Wieso nennt man seine Kinder nach Gewürzsaucen?
Ganz einfach.
Die Eltern hießen Kevin.
Und Chantalle.
Lily.
Donnerstag, 29. Januar 2009
Rhythmus
Ich bin derzeit ein bisschen aus dem Tritt gebracht, und das mit Grund, weil ich nämlich krank war.
Alle über die vergangenen Monate hinweg aufgebaute Routine ist mal wieder zum Teufel, und es wird ein bisschen dauern bis alles wieder halbwegs läuft.
Bevor man mich hier falsch versteht: Ich bin kein besonderer Freund starrer Abläufe, viele Dinge würde ich lieber so locker-easy aus der Hand regeln, aber das hat sich als nicht machbar erwiesen. Ein paar feste Dinge brauch ich, sonst verlier ich den Anker im Alltag, und um halbwegs zufrieden mit mir zu sein, ist der nötig.
Das ist auch der Grund, aus dem ich heute wieder arbeiten gegangen bin. Einen Krankenschein hätte ich sicher bekommen. Aber ich hab nach drei Tagen zu Hause schon gemerkt, dass ich anfange, zu versumpfen: Rollläden bleiben unten, gegen Mittag wird mal die Dusche angeworfen, und geschlafen wird, wenn ich müde bin, was durchaus tagsüber bedeuten kann. Dafür wird halt nachts aufgeblieben. Abgesehen davon, dass Gesundheit sich dann nicht unbedingt einstellt, wirft das den Zucker durcheinander und macht Pickel. Nun könnte man argumentieren, dass Pickel ein Zeichen sind, dass wenigstens die Haut irgendwie jung geblieben ist, aber so richtig zieht das nicht.
Also ist ab heute wieder etwas mehr Routine angesagt, was auch mit „mehr Büro“ übersetzt werden kann.
Und heut Mittag mit „Säcke voll Katzenstreu in die Wohnung hieven“.
Ich freu mich aber trotzdem auf ein bisschen haltloses WoW-Spielen. Samt wüstem Flamen im Chat.
Bei Fencheltee. Allein schon, weil der nicht so tastenschädlich ist.
Samstag, 24. Januar 2009
Szenen keiner Ehe
Schreib was.
Öhm- was denn?
Irgendwas. Los.
Mir fällt nichts ein.
Stell dich nicht so an, an die Tasten, bitte!
Hat doch keinen Wert, wenn mir nichts einfällt.
Appetit kommt auch beim Essen, meine Liebe, schreib einfach.
Ach, menno. Ist doch blöd, interessiert doch niemanden, wenn ich einfach so schreibe.
Klar, mach dich nur klein. Wenn du nicht schreibst, liest garantiert keiner.
Sag ich doch.
Klatsch
Aua!
Siehste.
Nein, seh ich nicht.
Werd bloß nicht frech, Mädchen!
Doch.
Nein!
Doch!!
NEIN!
Schrei nicht so!
WER SCHREIT DENN HIER?
Na, du.
ICH SCHREI NICHT!
Doch.
NEIN!
Und warum dann die Großbuchstaben?
Meine Tastatur klemmt.
Warum klemmt die denn?
Weil ich ein Glas Sekt drüber geschüttet habe.
Da würd mich mal interessieren...
Ja?
War das Sabotage oder ein Versehen?
Ein Versehen. Bzw. ein Headset-Kabel.
Das kannste wem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht.
War aber so.
Bestimmt nicht!
Doch.
Und warum trinkst du überhaupt Sekt, wenn du am Rechner sitzt?
Sag ich nicht. Dann meckerst du nur wieder.
Ich mecker doch gar nicht.
Doch, tust du immer.
Wann würde ich wohl meckern?
Na, jetzt zum Beispiel.
Und wo bitte...?!
Na, die ganze Zeit meckerst du. Ich würd nicht schreiben.
Tust du ja auch nicht.
Wohl.
Nein.
Doch.
NEIN!
Siehst du. Jetzt meckerst du nicht nur, jetzt schreist du auch noch.
Du treibst mich in den Wahnsinn.
Du mich auch.
Dann sind wir uns ja einig. Schreibst du jetzt was?
Ach, leck mich.
So, oder so ähnlich...
Lily
Freitag, 23. Januar 2009
Wenn Falcon nicht wäre, hätte ich dieses Posting mit „Give a Little Bit“ betitelt. So jedoch schone ich seine Nerven :)
Du weißt, dass du zuviel Zeit…
…mit der Lektüre von Harry Potter verbracht hast, wenn du deinen krümelübersäten Küchenfußboden anschaust, und alles was dir einfällt ist ein leise gemurmeltes „Accio Besen!“
…in WoW verbracht hast, wenn du deine Freunde mit ausgiebigem Auf- und Abhüpfen begrüßt.
…im Ruhrgebiet verbracht hast, wenn du auf die Frage „Wer war das Schnitzel?“ mit „Mir!“ antwortest.
____________________________________________________________
Nicht, dass ich in letzter Zeit viel Schnitzel gegessen hätte. Ganz im Gegenteil, derzeit sind Eintöpfe angesagt, in großen Mengen gekocht, in kleineren eingefroren und als enorm preiswerte und leckere Mahlzeiten dann später verspeist.
Für dieses Wochenende stehen Grünkohl, Linseneintopf, das Linsenlecker (mit Hackfleisch und Jogurt-Sauce), Graupensuppe, Möhrengemüse, Spinat oder schlichte Spaghetti zur Auswahl.
Derzeit knurrt hier mein Magen nicht unbeträchtlich. Deshalb hör ich lieber auf mit den Schilderungen.
Vielen Leuten vergeht der Appetit bei Dicken Bohnen oder Graupen, mir nicht. Dafür lass ich gern eine Pizza stehen.
____________________________________________________________
Gestern abend hab ich die Gratulationscour zu Helmut Schmidts neunzigstem Geburtstag (23.12.08) gesehen.
Ist ja alt geworden, der Gute- aber er ist für mich immer noch eins: Deutschland.
Brandt hab ich bewusst nicht mitbekommen, dann kam Schmidt, und danach ging es, meiner Meinung nach, kanzlermäßig entschieden bergab.
Ich bin nicht immer seiner Meinung gewesen. Ihm habe ich aber immer abnehmen können, dass er im bestverstandenen Interesse Aller zu handeln glaubte, und niemals gegen sein Gewissen.
Glückwunsch nachträglich!
Lily
Mittwoch, 21. Januar 2009
Aus einer anderen Welt.
Dort sieht man die Herren Falcon und Klapsenschaffner, zusammen mit mir, wie wir den Immersangwald unsicher machen.
"Loot" ist der Fachausdruck für das Plündergut, welches man erhält, wenn man irgendwelche Gegner erlegt.
Wobei mich immer wieder erstaunt, dass die wandelnden Bäume hier stets etwas Kleingeld mit sich führen.
Man achte auf die geschmackvolle, zu Tarnzwecken vollkommen ungeeignete Kleidung. Wir verbringen viel Zeit damit, einander auf den Hintern zu starren- es geht nicht anders.
Bis vor einem Level oder so war der Herr Klapsenschaffner komplett in Ledergurte gehüllt, geschmückt mit allerlei zierlichen Schnallen. Die konnte er zum Glück ablegen, vermutlich hat sich die Brustbehaarung gern drin verfangen und geziept. Jetzt trägt er das, was man in lang vergangenen Zeiten ein Leibchen nannte, und dazu etwas, was den Anschein erweckt, aus Turnvater Jahns Schublade mit den Sporthosen zu stammen.
Aber er kann nichts dafür, wiewohl er darunter leidet.
Vor allem unter dem Spott seiner Mitspieler.
Sagt Lily,
die jetzt wieder Angeln geht.
Virtuell, versteht sich.
Sonntag, 18. Januar 2009
Und damit...
...hab ich mich heute beschäftigt (bisher jedenfalls):
Was das ist? Das soll was werden.
Ein eigener Entwurf zu einem -tadaa, die Spannung steigt- dieser netten kleinen Notizbücher für die Zuckersüßen unter uns. Vor allem für mich.
Was mich nämlich schon seit Jahren ärgert, ist die mangelnde Praktikabilität der mir bekannten Tagebücher für Diabetiker. Die sind für ca. 2-3 Monate gedacht, und sehen normalerweise schon nach 14 Tagen aus wie Schwein auf Urlaub. Wenn man seinen Blutzucker misst, sticht man sich dafür in den Finger. Die Durchschnittszuckerschnute ist hart im Nehmen und braucht für die Fingerkuppe kein Pflaster oder so, normalerweise ist die Haut schon so verdickt, dass es eh nicht mehr besonders blutet. Aber etwas bleibt meist zurück am Finger, also auch auf dem doofen Heft, denn die sind alle in dünne Pappe bzw. etwas dickeres Papier gebunden.
Also werde ich zusehen, dafür eine wenigstens abwaschbare Hülle hinzukriegen.
Außerdem mag ich es, wenn ich nicht nur dröge Zahlen oder ein Diagramm habe, sondern beides.
Die mir bekannten Tagebücher haben eigentlich alle keine Voreinteilung für die Uhrzeit, sofern man ein Diagramm zeichnen kann. Man trägt Messergebnis nach Messergebnis ein- ablesen kann man daraus sicher vieles, aber nicht auf den ersten Blick eine tageszeitbedingte Fehleinstellung. Das fällt leichter, wenn es eine gleichbleibende Achse gibt, an der man sich entlang hangelt. Dann ergibt ein Graph, der aufgrund der Messergebnisse gezeichnet wird, auch einen Sinn.
Zudem sind die Daten, die wichtig sind bzw. sein können, in der Regel weit gestreut. Sie irgendwo zusammenzuführen erscheint eine gute Idee.
Meine derzeitige Pumpe hat die Notfall-Service-Telefonnummer auf dem Gehäuse aufgedruckt. Prima. Die Pumpe davor hatte das nicht. Allerdings ist auch bei der jetzt hier betriebenen Pumpe diese Telefonnummer nur zu lesen, wenn ich das Gerät aus seiner Halterung rausprockel. Das ist genau so, wie sich das anhört: Prockelei.
Die Pharma-Zentralnummern für das Zubehör aufzunehmen bietet sich an dann braucht man sie nicht zu suchen, wenn man mal nachbestellen muss.
Das ist eigentlich immer dann der Fall, wenn man Nachschub braucht- die Teile sind so exotisch, dass man sie immer bestellen muss, und immer beim Hersteller. Der Großhandel hat sie nicht im Vorrat, und die Apotheke auch nicht. Da reicht eine neue, nicht wer-weiß-wie informierte PTA und schon ist das Theater groß (alles schon erlebt).
Es macht also Sinn, die Angaben irgendwo zu sammeln, ebenso wie ein paar Rubriken für die Basalraten, die man zuhauf bei neueren Pumpen einstellen kann. Wenn ich sie auch wirklich nutze, ergibt es guten Sinn, das zu vermerken. Wenn man aber nicht (mehr) weiß, welche Basalrate wann aktuell war, weil sie nur im Pumpenspeicher aufbewahrt wurden, nützt das ganze schöne Tagebuchführen nichts, oder nur wenig. Ich stell oft nur auf geringere prozentuale Abgabe ein, oder, am Wochenende, auch schon mal auf 110 %- man sollte auch das eintragen können. Manchmal ist allerdings auch die "Sport"-Rate dran. Dann kann ich das am jeweiligen Tag vermerken.
Jetzt fehlt mir nur noch eins: Ein passender Name, der sich nicht so zum Sterben langweilig anhört wie "Diabetikertagebuch". Denn, ehrlich gesagt, erstens ist es schnarchöde, und zum zweiten ist das nicht mein Tagebuch. Sofern ich dort mal nichts anderes einzutragen haben sollte als den Morgenwert von 95, erschieß ich mich.
Und ich würde mein Tagebuch nie jemandem zeigen. Dieses Ding will der Doc aber sehen- und bei der Bezeichnung sträubt sich in mir was dagegen.
Ich weiß, ich bin seltsam :-)
Lily
Samstag, 17. Januar 2009
Misc.
Ärgerliches
-kaputte Kameras anlässlich des schönsten Vollmonds, der jemals überm Ruhrgebiet zu sehen war
-eine Barschaft, die den Neuerwerb auch einer miesen neuen Kamera eindeutig ausschließt
-Katzen, die beim Balgen meinen wunderschönen Schneeflocken-Obsidian vom Schrank herunter geworfen haben. Der ist leider auf den Fliesen zerbrochen. Ich hab ihn kleben müssen. Mistviecher.
Beängstigendes
-liebe Menschen, die krank werden :-(
-Berge von Arbeit, die auch durch stetiges an-der-Sache-Dranbleiben keinen Zentimeter kleiner werden.
-Bügelwäsche. Oh.Mein.Gott.
Gemischtes
-eine ultimativ erforderliche Auseinandersetzung im Geist schon vorwegzunehmen
-einen weiteren Schweinehund als solchen zu erkennen, bzw. seine Tarnung aufzudecken (liebe Etosha, Meisterin der Benamsung dieser Seelen-Parasiten: Ich glaube, ich habe noch einige weiße Flecken, wo welche wohnen, an die du noch nicht gedacht hast. Krüppelviecher, boshafte!)
Nachdenkliches
-eine Anregung einer guten Freundin nicht an die Seite drängen sondern in den psychischen Brutkasten zu legen und einfach mal reifen lassen, ohne ständig dran rumzufingern.
-wieder feststellen, dass man mit ein bisschen Planung sowohl günstig als auch ganz gut leben kann (und sich ausnahmsweise nur ein bisschen ärgern, dass man das ja schon mal wusste und wieder vergessen hatte)
Feines
-gegen die eigene dunkelgrau getönte Brille ein Positiv-Tagebuch zu setzen, in das man abends mindestens drei gute Sachen des Tages einträgt- macht einem nicht nur klar, dass es die auch gibt, sondern weckt auch den Ehrgeiz, was zum Eintragen haben zu wollen.
Danke an Kate und all die anderen lieben Leute.
-die Tage werden wieder länger. Zum Glück.
-einen zweijährigen Neffen zu haben, der freudestrahlend auf einen zugelaufen kommt. Und einen dann einlädt, mit ihm und der Kiste Spielzeugwerkzeug das Kinderzimmermobiliar zu zerlegen. Yay.
-eine fünfzehnjährige Nichte zu haben, die freudestrahlend auf einen zugelaufen kommt. Und einen fragt, ob man nicht mal die Mittagspause mit ihr verbringen möchte. Es ist soo cool, wenn man die Kinder nicht erzieherisch beeinflussen muss, sondern so cool und ... cool sein kann, wie man will :-)
-heute gibt’s Möhrengemüse. Mit Frikadellen.
Ich wünsche euch ein schönes und positives Wochenende.
Lily
Mittwoch, 14. Januar 2009
Hab ich nicht mehr alle Schweine im Rennen,
... oder steht da tatsächlich, dass 616 MB 6% von 2,3 GB sind?
Ein Gigabyte sind 1024 Megabyte, wenn mich nicht mein Gedächtnis in die Irre führt- das macht bei 2,3 GB ungefähr 2.350 MB. 616 MB sind da mehr als 25%. Korrigiert mich bitte, wenn ich Unrecht habe...
Edit: Soeben erfuhr ich auf meinem Bildschirm, dass 20-28 % von 2,3 GB immer 1,1 GB ergeben. Ist das Relativität, oder einfach nur unverständlich?
Montag, 12. Januar 2009
Ein Extra für den Schaffner und Falcon. Aber alle anderen dürfen auch gucken.
Warum heißt das Pferd "Pferd"?
Weil's lebt auf der Erd. Könnte es fliegen, hieße es Pfluft.
Geselligkeit in Orgimmar. Glaube ich. Kann auch woanders sein.
Aber es wurde gesungen, jedenfalls wurde dies auf ungeschickte Weise vorgegeben.Und das passiert, wenn die Server down sind: Alles meldet sich da an, wo noch ein Zugang zu kriegen ist, und es wird ein wenig voll in den Anfängergebieten.
Nostalgische Grüße an den Herrn Epic-Mount-Eigner und seinen treuen Gefährten.
L
Kreatyvität
„Erfindungsreich“ ist ein schönes Wort, ebenso wie „Ärar“ oder „Nys“.
Während ich mir vorstelle, dass „Nys“ der Plural von Ny sein soll, lassen mich Begriffe wie „Quiene“ oder „Jassen“ total ratlos zurück.
Ich spiele Scrabble, online gegen den Rechner.
So langsam bin ich aus der Phase raus, wo er mich mit dreifacher Punktzahl locker geschlagen hat, und auch aus dem Trotz, der mich bei der Bemerkung „XYZ ist nicht im Wörterbuch enthalten!“ immer im Stillen „In meinem aber wohl!“ hat antworten lassen.
Ehrlich: Jemand, der mir „Quese“ als zulässiges Wort verkauft, aber „Deiche“ nicht kennt??
Den kann ich eigentlich nicht ernst nehmen.
Zu Anfang wollte ich ihm noch beibringen, dass Paraguay, Yussuf, Peggy und Chur erlaubt sind. Bis mir dann (nach Studium der Anleitung...) klar wurde, dass die Regeln was gegen Eigennamen und Geographie haben. Haben sie wohl immer, aber ich habe noch nie echtes Scrabble gespielt, muss ich zu meiner Entschuldigung sagen.
Diesem speziellen Online-Spiel kann man einiges beibringen, er merkt sich die für gültig erklärten Worte für die aktuelle Sitzung. Das kann nach hinten losgehen, wenn man mal als Notbehelf auf den ein oder anderen französischen oder englischen Begriff verfallen ist, bloß um der blöden Maschine nicht wieder den Triumph zu gönnen, einen abzumeiern.
Abmeiern. Auch schön.
Ab und zu ist die Versuchung groß, den eigenen Erfindungsreichtum (ha, verlängert!!! Drei Buchstaben!) ins Kraut schießen zu lassen... wobei ich eigentlich finde, dass „Geldwahn“ oder „Eidgold“ sehr gelungene Konstruktionen sind. Ebenso wie Stadtwiese. Das sind die Wiesen, die ein bisschen staubig aussehen, ihr wisst schon.
Erstaunlich finde ich, dass er seinen eigenen Wortschatz zu verlieren scheint. Letztens ging „Toque“ noch, das ist eine Kopfbedeckung, wenn mich nicht alles täuscht. Seit Samstag nicht mehr. Und obwohl er mir am Sonntag versucht hat, klarzumachen, dass „qe“ zulässig ist (wiesu denn bluß?) will er heut nichts mehr davon wissen. Aber da er die Worte aus dem Internet lädt, hat vielleicht einer mal die Rechtschreibkontrolle über das Netz laufen lassen. Oder das ist jetzt Netz 3.0? Wer weiß das schon immer so genau.
So. Und wenn mir jetzt noch einer verrät, was ich aus q u i a y u g machen soll, dann wäre das sehr nett.
Ich bin am Zug, am ersten sogar.
Lily
(Kennt er auch nicht)
Samstag, 10. Januar 2009
Ohne besonderen Grund.
Kennt ihr ihn auch? DEN Einen?
Die heimliche Teenager-Liebe, der coole Typ, der personifizierte Anlass verdrehter Augen.
Der Mann, der euch Herzklopfen verursacht, und in dessen Gegenwart ihr immer nur Unsinn von euch gebt.
Aufreizend wie ein Stein im Schuh. Distanziert wie Alpha Centauri.
Niemand, den man irgendwohin mitnehmen kann, keinesfalls die Sorte Mann, die sich gut auf der Familienfeier zu Mutters sechzigstem Geburtstag macht.
Meist hat er euren Geburtstag vergessen- wenn aber nicht, dann macht euch auf etwas wunderbar Abgedrehtes gefasst.
Er ist der, neben dem ihr morgens erwacht und euch fragt, welche wundertätige Macht ihn neben euch gelegt hat.
Er ist der Polarstern an eurem Himmel, auch wenn er kaum in der Lage ist, den nächsten Supermarkt zu finden.
Er wird euch die Sterne schenken, und nie den Müll runter bringen.
Er ist der, neben dem ihr euch wie die Verkörperung des Spießertums vorkommt.
Er zaubert Leuchtfeuer in eure Augen- und tiefste Verzweiflung in eure Herzen.
Noch nach Jahren wird euch ein Hauch von Rasierwasser, eine bestimmte Formulierung, ein Blick an ihn erinnern, und Jahrzehnte nachdem alles vorbei ist, wird es wieder so sein wie damals.
Es dauert eine Ewigkeit, bis die Bindung schwächer wird- und wenn man ehrlich ist, hört sie nie ganz auf zu existieren. Auch wenn der Mensch nicht gut für uns war, wenn alle anderen besser und heilsamer gewesen wären: Dieser Typ hat sich für alle Zeiten in unser Gedächtnis gegraben. Wenn wir Glück hatten, nicht in Form tiefer Wunden, sondern nur unbezahlbarer Erinnerungen.
Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Mann irgendwann gegangen ist- es war verwunderlicher, dass er überhaupt da war. Seltsam und unglaublich, alles in allem.
Die wahre Liebe haben wir vielleicht woanders gefunden, etwas ruhiger, nicht so aufregend, dafür auch nicht von der Kurzlebigkeit einer Silvesterrakete. Vielleicht hat die Liebe ein paar Kilo zu viel, wo sonst ein Sixpack saß, ein paar graue Haare, wo dunkle Locken unsere Hände magisch anzogen. Vielleicht hat die Liebe ein überzogenes Konto und ab und zu Tennissocken an.
Trotzdem...
Ein Hoch auf die Liebe, in welcher Gestalt auch immer.
Lily
Freitag, 9. Januar 2009
Nachgelegt
Am Sonntag, während es noch dröhnend schneite, hörte ich ein Jauchzen (ja, tatsächlich!) von draußen, und eruierte als dessen Quelle die drei halbwüchsigen Knaben der Nachbarn von unten, die eine gewaltige Schneeballschlacht vom Zaun gebrochen hatten- immer rings um den Schneemann, der am Heck des Mutterautos stand.
Man jauchzte, man jodelte und hatte allerlei Spaß- in Turnschuhen, Tennissocken und Boxershorts.
Sonst trugen die Knaben nichts.
Da sag noch einer, die seien verweichlicht.
Lily
die selten drei halbnackte männliche Wesen auf einmal auf dem Hof hat herumspringen sehen.
Donnerstag, 8. Januar 2009
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen- manche verhungern dabei
Mein erster Vorname ist „Extrem“. Mein zweiter „Rückfall“. Abgesehen von Lily, versteht sich.
Das ist frustrierend, und zwar immer, jedoch immer in unterschiedlichem Ausmaß.
Derzeit ist es so, dass ich schreien könnte, und zwar vom ersten Morgenrot an bis die Sonne untergeht.
„Wer aus seinen Fehlern nicht lernt, ist dazu verdammt, sie wieder zu begehen“, hat mal ein kluger Mensch gesagt.
Wenn’s danach geht, hab ich eine Lernbehinderung- nicht, dass ich nicht vieles könnte, betrachtet man die grundsätzlichen Fähigkeiten dazu.
Dranbleiben, Ziele verfolgen, konsequent das Gelernte auch einüben und anwenden- das kann ich nicht.
Es ist im wahrsten Sinne frustrierend, wenn man immer wieder (und das seit Jahrzehnten) mit Schmackes an die Wand fährt.
Für dieses An-die-Wand-Fahren hab ich schon mehrfach einen hohen Preis gezahlt, nichtsdestotrotz vermute ich inzwischen, dass jeder Versuch, eine langfristige Verhaltensänderung zu etablieren, auch wieder scheitern wird.
Vielleicht geschieht das, weil ich mittlerweile nichts anderes mehr erwarte… Keine Ahnung.
Jenseits aller Frustration macht mich das auch kolossal wütend, wenn ich ehrlich bin.
Und mir gehen die Ideen aus, wie ich dem beikommen könnte.
Ich werde nicht lernfähiger, je älter ich werde, das steht fest.
Und die Aussicht auf weitere 20 oder 25 Jahre in dieser Gemütsverfassung stimmt mich keineswegs fröhlich.
Ich will im Heim!!!
Lily
Mittwoch, 7. Januar 2009
Eiszeit (vermutlich wenig originell, aber passend)
Alle reden übers Wetter, ich nicht.
Ich schreib drüber.
Nicht wirklich, aber ich möchte anmerken, dass heute morgen der Irrsinn in Gestalt von wild gewordenen, marodierenden Schülerhorden über uns hereingebrochen ist. Samt den ihnen zugeteilten Erziehungspersonen nehmen sie nun wieder am Straßenverkehr teil, der schon unter dem Schnee gelitten hat.
Aber mal abgesehen vom Wetter: Was ist eigentlich heutzutage mit den Beinen von Kindern und Jugendlichen los? Können die alle ihr Gewicht nicht mehr tragen, oder aus welchem Grund sind die Eltern als Chauffeure so beliebt? Zu meiner Zeit galt als verachtenswertes Weichei, wer sich fahren ließ. Heutzutage bilden sich regelungsbedürftige Schlangen an den Zufahrten der Schulen, damit die verpimpelten Damen und Herren möglichst wenig Kontakt mit der frischen Luft haben. Vielleicht auch, damit sie -ungeachtet der Witterung bauchfrei gewandet (oder besser: Ungewandet)- die Leistungsfähigkeit der Solidargemeinschaft „Gesetzliche Krankenversicherung“ auf die Probe stellen können.
Ich tröste mich immer damit, dass nach den Darwinschen Gesetzen und der Anwendung strikter Selektion diese Gestalten ebenso wenig in freier Wildbahn überleben wie die, die zu dieser Jahreszeit gegen Abend mit einer unbeleuchteten Mofa unterwegs sind. Selbstverständlich im knapp taillenkurzen Jäckchen, und mit wehendem Schal.
Vielleicht treibt mich hier aber lediglich der Neid- als ich so jung war, trug man Moonboots und Daunenjacken, und jede/r sah aus wie ein Michelin-Männchen.
Aber wir haben wenigstens nicht gefroren.
Arme Kinder.
Einen schönen Tag, so wenig Blechschäden wie möglich und eine tropffreie Nase wünscht
Lily
Sonntag, 4. Januar 2009
Urlaub in Allergien
Kein schöner Ort, dieses Allergien, wenn ich ehrlich bin.
Da freut man sich auf eine schöne Tasse Kakao nach längerem Aufenthalt an der sehr frischen Luft, und dann sowas- hatte doch glatt meine bisherigen Rundum-Erfahrungen mit Milch verdrängt. Grrr.
In dem Zusammenhang fällt mir wieder ein kürzlich gelesenes Beispiel für missglückte Metaphern ein:
„...die Liebe ist wie eine Rose- wie eine erbrechende Knospe steht sie vor dir.“
Ich glaub, dann kam da auch noch was mit stechenden Dornen.
Danke auch.
Wenn ich mal das Verlangen habe, mein Frühstück wieder zu sehen, komm ich vorbei.
Bis dahin: Gute Nacht!
Lily
Freitag, 2. Januar 2009
Stunden später
bin ich wieder da, mitsamt viereckiger Augen.
Und so etwas wie einem Resümee: DVD-Spieler gibt es massenweise. Auch billige. Auch billige Marken-DVD-Spieler. Was es nicht massenweise im Elektro-Markt meines Vertrauens gibt: Willige Verkäufer, die auch noch über das ausreichende Wissen verfügen, aufgeregte Mittvierzigerinnen beim Erwerb neuer Geräte zu unterstützen.
Die Fragestellung war, ob es einen Player gibt, der problemlos an a) meinen 16 Jahre alten Fernseher und b) das nicht viel jüngere Dolby-Surround-System (Decoder und Verstärker-Kombi) passt.
Der Verkäufer, ein Vertreter der eher maulfaulen Sorte, brummte was von "passt schon" und "nehmen Sie den doch, der ist besser".
Soweit ich die Bebuchsung des hier vorhandenen, aber defekten Systems im Kopf hatte, war der alte Player direkt mit den Boxen verbunden. Genau wusste ich das auch nicht, denn die Verkabelung hat mein Bruder erledigt ( die Aura meines Wohnzimmers vibriert immer noch von den anlässlich dieses Geschehens ausgesprochenen Flüchen).
Maulfaul hin oder her, ich hab dem Verkäufer geglaubt, als er mir mitteilte, dass "die Buchsen da" ausreichen, um das Ding an den Verstärker zu bringen.
Zu Hause dann hab ich mich wie so oft gefragt, warum Stereodingsdas immer in der dunkelsten Ecke des Zimmers stehen müssen, und immer auf dem Boden. Warum es da immer so staubig ist, und warum nie genug Platz ist, um wirklich gut sehen zu können und auch überall dran zu kommen. Warum diese ganze Kabelei einheitlich schwarz ist, und warum Kabel offenbar genetisch darauf fixiert sind, sich zu verknoten.
Dann hab ich die Kabel abgezogen, und versucht, genau so wieder an dem neuen Ding anzubringen.
Woraufhin ein tiefes, sonores und vibrierendes Brummen ertönte.
Dann brach mir der Schweiß aus.
Und ich musste erstmal eine Lampe holen.
Der nächste Versuch ergab dann die Variante "tiefes Schweigen".
Anschließend hab ich erstmal alle Kabel wieder abgestöpselt, und die Bedienungsanleitung hervorgekramt.
Da ich keine Ahnung habe, wie der Signalgang ist, also ob das, was aus dem Player kommt, erst in den Decoder und dann in den Verstärker- oder was? An dem unvollständigen Satz sollt ihr meine Verwirrung erkennen, also keine Beschwerden, bitte.
Die Beschriftung auf den Geräten und die Zeichnungen im Heft waren keine wirkliche Hilfe- farbgleiche Anschlüsse miteinander verbinden. Ha! Da SIND keine farbgleichen Anschlüsse, basta.
Erstmal eine rauchen.
So.
Dann nochmal von vorn, und zwar ohne gedruckte Besserwisserei.
DVD-Player mit einem Satz Cinch-Kabel direkt an den Verstärker- und hurra! Dolby-Surround! und Musik! und überhaupt!
Aber kein Bild.
Erstmal eine rauchen.
Kaffee trinken.
Neuen Kabelsatz nehmen, und einfach mal alle Kombinationen durchprobieren.
Geht nicht, kein Bild. Nienich.
Kein BILD! Menno.
Verzweiflung gräbt sich langsam durch mein Gebein.
Dann ein (Licht-)Blick.
Was baumelt denn da blau herum?
Richtig.
Das Scart-Kabel.
Stimmt, das gehört da auch hin.
Schiefes Grinsen, Kabel einstöpseln, und- BILD!!!
Geht doch nichts über selbst machen :-)
Lily,
Vom Winde verweht.
Koinzidenzen, und: Rama dama im Autopilotmodus
Es ist vermutlich der reine Zufall, dass beim Blick in den ein oder anderen Blog dort Neujahrspostings auftauchten, die den gleichen Titel tragen wie der meine. Nächstes Jahr will ich mich bessern, und kretativer sein. Und wenns nur bei der Rechtschreibung ist. Versprochen.
Und nun Schluss mit den guten Vorsätzen.
Heute morgen weckte mich ein Geräusch von Nässe auf der Straße.
Hm. Bei nochmaligem Lesen stelle ich fest, dass das irgendwie doch ungeschickt ausgedrückt ist- aber es ist wahr. Nässe zischt so unter Autoreifen, das war das Geräusch.
Ein Nasszischen bedenklichen Ausmaßes also registrierten meine Ohren.
Regen find ich toll, also sprang ich motiviertestens aus dem Bett, nur um von der üblichen Eiseskälte meines (ungeheizten) Schlafzimmers umfangen zu werden.
Da fielen sie mir wieder ein: Die Minusgrade draußen.
Nass und kalt = glatt, sagte die Autofahrerzentrale in meinem Hirn, und langsam fügte sich eins zum anderen.
Nass +Kalt + Glatt+ Erdgeschossmieter.
Die Sehzentrale fügte noch eine Information hinzu: Weiß draußen.
Und das Unheil nahm seinen Lauf...
Keine Zeit zum Duschen, nein.
Schuhe, Jeans, Pullover, alte Jacke und Handschuhe angelegt und raus zum Räumen.
Der vergleichsweise noch vorhandenen Schlaftrunkenheit in meinem Schädel ist der (erste) Versuch zu verdanken, die üppigen Frontmeter vor und neben und hinter dem Haus mit Streusalz in den Griff zu kriegen. Wenige Meter später dann, unter dem Soundtrack der Schneeschaufeln, geschwungen von anderen Anwohnern, sickerte dann das Wort "Besen" von irgendwoher in mein Bewusstsein, und ich wusste, ich mache was falsch.
In den Eingeweiden des Hauses, tief verstaut unter der Treppe, fand sich dann ein Straßenbesen, und ich konnte meinen Bemühungen etwas effektiver Gestalt verleihen.
Eine knappe halbe Stunde später, wieder im Warmen und umsprungen von Katzen, war mir dann klar, dass es bestimmt witzig ausgesehen hat, wie ich dort den Besen schwang...
Abgesehen von dem, was unsere amerikanischen Freunde einen Bedhead nennen, trug ich meine alte rosa Daunenjacke.
Die verleiht der Trägerin eine gewisse unbeholfene Anmut, weil die Daunen total klumpig sind, und an den merkwürdigsten Stellen Beulen bilden.
So scheint es, als habe die damit Bekleidete einen Buckel links, und rechts eine melonengroße Einzelbrust (im Kontrast dazu verschwindet die linke ins Nichts, egal, ob D- oder E-Körbchen). Die Vorwölbungen, die am Rücken zu beobachten sind, erfüllen ganze Generationen von Orthopäden mit Gewinnhoffnungen, und ein Ärmel hat Elefantiasis im Endstadium.
Großstadtschick im Winter.
Über die Jeans kann man nichts Nachteiliges berichten, die ist einfach schwarz mit den hier obligatorischen Katzenhaaranhaftungen.
Die Füße jedoch traten dem Fass die Krone in die Eier.
An den Füßen?
Hatte ich Flipflops.
Die schicken, von Hippiemode geprägten Flipflops aus dem letzten Jahr, mit Perlen und Zeugs dran.
Dafür aber keine Socken. Die passen ja auch nicht in Flipflops.
Merken:
Nächstes Mal erst wach werden.
Und dann raus, egal, zu welchem Tun.
Lily.
Donnerstag, 1. Januar 2009
Same Procedure as Ev'ry Year...
nein, hier kommt jetzt keine eingebundene Filmschnulze mit Butler Freddy und Miss Sophy, sondern ein fieser kleiner Verriss von 2008 und ein paar anderen Vergangenheiten. Was anderes bleibt mir nicht übrig, denn die wirklich jetzt schon gelungendsten Worte für 2009 stehen drüben bei Etosha.
Lest und genießt.
Was meine geäußert werden wollenden Informationen betrifft: 2008 hat sich als im Abgang eher mieser Jahrgang geoutet, wie man an den folgenden Dingen merkt:
a) Mein DVD-Player hat sich heute Nacht mitten im ABBA-Film endgültig zu seinen Vorfahren verabschiedet. Einen Neuen gibt es erst morgen zu kaufen. D.H. meine liebevoll beschafften Neujahrs-Filme (und damit das ganze Sonntags-Programm) sind dazu verurteilt, in ihren Schächtelchen zu bleiben.
b) Weil somit die geplante Unterhaltung mittels geschickt gewählter Filme ausfiel, waren wir gezwungen, ein bisschen im nächtlichen Programm der Fernsehsender herumzuzappen. High Society (im Ersten) war nett, und man sang dort schön. Bing Crosby und Grace Kelly mit "True Love"... ach, war das nett. Man könnte fast wieder an die Liebe glauben.
Das Grauen lauerte im ZDF-Info-Kanal. Eine "Disco"-Retrospektive...jawoll, mit dem unkaputtbaren Ilja Richter. Die Haare... mein Gott, die Haare... Und gelbe Hosenanzüge. Die sind zum Glück ausgestorben. Aber sonst?
Dieses Machwerk hier hat dazu geführt, dass ich mich frug, welche Sprache der Mensch da eigentlich singt. Und dieses hier? Allmächtiger Schöpfer. Nicht mal eine Laissez-Faire-Haltung in Bezug auf die psychedelischeren der 70er-Jahre-Drogen kann das rechtfertigen. Der Typ ist doch eindeutig zugedröhnt, oder? Mal ganz zu schweigen von den wehrlosen Teenies, die sich da in merkwürdigen Zuckungen winden. Entweder sieht man nur das Kabel nicht, mit dessen Hilfe die Kinder Elektroschocks bekommen, oder die Eintrittskarte war mit willenszerstörenden Chemikalien getränkt.
Ich hätte nie gedacht, dass ich für die Existenz von Dieter Bohlen mal dankbar sein könnte- aber sowas wie dieser J. Bastos hätte es nicht mal auf die Castingstudio-Toilette geschafft.
Dann kam noch Sweet- der Lead"sänger" in scheußlichgrün berüschtem Outfit, in scharlachroter Schlaghose- niemand sollte sich über Schulterpolster und Karottenjeans das Maul zerreißen, bevor er dieses Elend gesehen hat.
Wenn ich daran denke, was solche Machwerke in unschuldigen Kinderseelen anrichten konnten, wünsche ich mir, ich hätte mit Vattern die Sportschau gesehen und was über die Abseitsregel gelernt, damals, als mein Hirn noch nicht so fest verdrahtet war.
Endgültig disqualifiziert hat sich das Jahr jedoch, als ich soeben erfuhr, dass meine Freundin Kate sich (ohne Einfluss von Alkohol, Drogen oder wildem Getanze) übel den Arm gebrochen hat.
Menno. Das wäre echt nicht nötig gewesen.
Der Hirsch war allerdings lecker, Rosenkohl und Klöße auch, und es ist noch was übrig. Auch von dem Kuchen.
Um fünf herum war ich endlich im Bett. (Das Grauen hat leider eine gewisse Faszination. Man wollte nicht wirklich zuschauen- aber als ich dann schlafen gehen wollte, kam Nazareth und sowas alles. Das hat mich ein bisschen versöhnt...)
Here's to 2009.- Möge es ein schönes Jahr werden.
Fühlt euch umarmt und be-Glück-wünscht, alle zusammen, und bleibt mir erhalten:-)
Eure
Lily